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Essenheim (VG
Nieder-Olm, Landkreis Mainz-Bingen)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
Über die Geschichte von Juden in Essenheim ist bis zum Ende des
18. Jahrhunderts nur wenig bekannt. Erstmals werden 1725 Juden genannt.
1804
wurden 25 jüdische Einwohner gezählt. Die höchste Zahl jüdischer
Gemeindemitglieder wurde um 1871 mit 126 Personen erreicht. Danach ging sie
durch Aus- und Abwanderung schnell zurück.
An Einrichtungen hatte die Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule,
ein rituelles Bad sowie einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der
Gemeinde war ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter
und Schochet fungierte (siehe Ausschreibungen der Stelle unten). Die jüdische Gemeinde gehörte zum
Rabbinatsbezirk Mainz.
Um 1930 gehörten dem Synagogenvorstand Willi Stern (1.
Vors.), Josef Goldmann und Albert Mayer an. Religionslehrer und Kantor war
Hermann Golding. Den Religionsunterricht besuchten um 1932 noch zwei Kinder.
1931 lebten noch 25 Juden (2,25 % von etwa 1.200 Einwohnern) in Essenheim, von
denen die meisten nach 1933 von hier verzogen sind.
Von den 1933 in Essenheim
lebenden jüdischen Einwohnern kam Martha Stern geb. Mayer (geb. 15. November
1866) nach der Deportation nach Sobibor ums Leben.
Von den in Essenheim geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Moritz Feibel (1869),
Elisabeth Goldmann (1895), Salli Isenburger (1872), Franziska Lorch geb.
Goldmann (1869), Elsa Reinmann (1903), Flora Reinmann geb. Mayer (1872), Ella Stern geb.
Goldmann (1898), Gustav Stern (1895), Klara Stern geb. Goldmann (1894), Martha
Stern geb. Mayer (1866) Johanna Strauß geb. Mayer (1866).
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1868 /
1870 / 1871 / 1879
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. November 1868:
"Lehrer gesucht. In der israelitischen Gemeinde zu Essenheim bei
Mainz ist die Stelle eines Religionslehrers, Vorsängers und Schächters
vakant. Gehalt 250 Gulden nebst freier Wohnung; Nebenakzidenzien ungefähr
125 Gulden. Religiöse Bewerber - verheiratete werden bevorzugt - wollen
ihre Zeugnisse an den Vorstand des israelitischen Gemeinde, Herrn Samuel
Goldmann, einsenden." |
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Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. März 1870:
"In der Israelitischen Gemeinde zu Essenheim bei Mainz ist die Stelle
eines Religionslehrers, Vorbeters und Schächters vakant. Gehalt 250
Gulden; Nebeneinkünfte circa 200 Gulden; freie Wohnung. Reflektanten
wollen sich unter Einsendung ihrer Zeugnisse wenden an den Vorstand Samuel
Goldmann." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. April 1871: "In
der israelitischen Gemeinde in Essenheim bei Mainz ist die Stelle eines
Religionslehrers, Vorsängers und Schächters vakant. Fixer Gehalt 300
Gulden, freie Wohnung. Nebeneinkünfte bedeutend. Verheiratete Bewerber
erhalten den Vorzug. Meldungen nimmt entgegen der Vorstand." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Mai 1879: "In der
israelitischen Gemeinde Essenheim bei Mainz ist die Stelle eines
Religionslehrers, Schächters und Vorbeters vakant und sofort zu besetzen.
Fixer Gehalt 400 Mark nebst freier Wohnung und Nebeneinkünfte 200 Mark.
Anmeldungen sind zu richten an den Vorstand." |
Der jüdische Lehrer wird im Kriegsjahr 1866 eingezogen
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. Mai 1866:
"Essenheim bei Mainz, den 11. Mai. Wie störend die jetzigen
kriegerischen Zustände bereits in alle Verhältnisse eingreifen, dazu mag
folgendes Faktum als Beleg dienen. Der hiesige israelitische Lehrer, ein
Preuße von Geburt, musste gestern unseren Ort verlassen, um in die
preußische Armee einzutreten. Der Mann ist verheiratet und hat drei
kleine Kinder."
Anmerkung: Esenheim ist vermutlich das alte Ensisheim, wo sich der Kerker
des Rabbenu Meir MeRothenburg befand, wie in diesen Blättern in jüngster
Zeit vielfach erwähnt wurde.
Hinweis: Mit Ensisheim ist sicher Ensisheim im Elsass gemeint.
Interessant ist, dass es im 19. Jahrhundert die Theorie gab, dass
Essenheim damit gemeint sein könnte. |
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Die Wahl von Kaufmann Feibel in den Schulvorstand verursacht antijüdische
Ausschreitungen (1875)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Mai 1875: "In
Essenheim bei Mainz wurde am verflossenen Montag ein Israelit zum
Schulvorstande gewählt, was natürlich bei gewissen Leuten viel böses
Blut verursacht. In der auf die Wahl folgenden Nacht gaben rohe Birschen
dem Gefühl des Unmuts dadurch Ausdruck, dass sie dem Betreffenden achtzig
Weinstöcke abschnitten." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Mai 1875:
"Essenheim bei Mainz, 7. Mai. Nicht nur dem in den Schulvorstand
gewählten Kaufmann Feibel, sondern auch zwei anderen Israeliten, dem
Kaufmann Mayer und dem Gastwirt Goldmann wurden von verruchter Hand Reben
in deren Weinbergen abgeschnitten. Die Großherzogliche Bürgermeisterei
macht bekannt, dass sie auf die Entdeckung der Täter einen Preis von 100 Mark
ausgesetzt habe." |
Antijüdisches durch den Gesangverein Germania (1879)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Juni 1879:
"Ober-Ulm, 16. Juni (1879). Dem 'Mainzer Tagblatt' wird von hier
geschrieben: am gestrigen Tage fand hier das vom hiesigen Quartett-Vereine
veranstaltete Gesangfest statt, an welchem sich auch der Gesangverein
'Germania' von Essenheim beteiligte. Zu unserem größten Bedauern müssen
wir hier konstatieren, dass dieser letztere durch den Vortrag eines Liedes
'Die Judenschule' die heiligsten Gefühle der israelitischen und auch
vieler christlichen Zuhörer verletzt hat. Es wurden Synagogen-Gesänge
profaniert und hebräische Worte, die in der deutschen Übersetzung
lauten: 'Gelobt seiest Du, o Herr!' endlos ins Lächerliche gezogen. Da
dasselbe Lied bereits vor vierzehn Tagen in Udenheim von demselben
Gesangverein vorgetragen wurde, so halten wir es für unsere Pflicht, die
Leiter der 'Germania' auf das mehr als Unpassende derartiger Leistungen
aufmerksam zu machen. Wir ziehen es vor, vorläufig auf diesem Wege
Abhilfe zu erbitten.' |
Zur Geschichte der Synagoge
Im April 1854 konnte die jüdische Gemeinde Essenheim ein
Wohnhaus in der Klappergasse erwerben, das zur Synagoge umgebaut wurde. Die
Einweihung war am 12. September 1857. Auf einer neben dem Portal angebrachten
Tafel war zu lesen, dass die Einrichtung des Gotteshauses vor allem auf Grund
einer Spende durch den nach Amerika ausgewanderten Jacob Lehmann möglich war.
1889 wurde die Synagoge renoviert und am 13. Juli 1889 erneut eingeweiht.
Nach
Wegzug der meisten jüdischen Einwohner wurde das Synagogengebäude 1935/36
verkauft und blieb dadurch 1938 unzerstört. Es wurde in den folgenden Jahren
vor allem als Lagerraum verwendet. 1978 wurde es abgebrochen.
Standort: Am unteren Ende der Klappergasse.
Fotos:
(Obere Zeile: veröffentlicht bei Arnsberg, Jüd. Gemeinden
in Hessen. Bilder - Dokumente S. 49 bzw. im unten genannten Synagogenbuch
Rheinland-Pfalz S. 148; Untere Zeile: Hahn, Aufnahmedatum 31.3.2005)
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| Bei der
Essenheimer Synagoge handelte es sich um einen zweigeschossigen
Backsteinbau. Bei Bild rechts ist das Portal erkennbar. |
Die Stiftertafel mit dem Text:
"Jacob Lehmann von hier stiftete dieses Haus der Verehrung des höchsten
Wesens 1857, renoviert 1889" |
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| Der Synagogenplatz
als Gedenkstätte am unteren Ende der Klappengasse. |
Die Gedenktafel für die
Synagoge. |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen.
1971 Bd. I S. 171-172. |
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 147-148 (mit weiteren Literaturangaben).
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Essenheim. Jews were living there in 1725
and a community existed from the early 19th century, numbering 126 (about 8 % of
the total) in 1871, but soon declined. All the Jews had left by 1927.

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