Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Nieder-Saulheim mit Ober-Saulheim (Gemeinde Saulheim, Kreis Alzey-Worms) 
Jüdische Geschichte / Synagoge 

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben 
Kennkarten aus der NS-Zeit   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)           
      
In Nieder-Saulheim bestand eine jüdische Gemeinde von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis um 1920. Bereits seit der Mitte des 16. Jahrhunderts (erste Erwähnung 1555) lebten jüdische Personen am Ort.    
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1804 lebten 42 jüdische Personen in Nieder-Saulheim 1824 58, 1830 53; 1848 wurden 14 jüdische Familien gezählt, 1855 zusammen 70 Personen, 1861 71. Danach ging die Zahl durch Aus- und Abwanderung zurück, sodass 1905 nur noch 41 jüdische Einwohner am Ort waren. Auch in Ober-Saulheim lebten jüdische Personen, die zur Gemeinde in Nieder-Saulheim gehörten: 1824 7, 1861 18, 1900 sechs. 
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Religionsschule), ein rituelles Bad und einen Friedhof. Im 19. Jahrhundert war zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde vermutlich zeitweise ein eigener Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Als die Zahl der jüdischen Einwohner zurückging, wurden die jüdischen Kinder durch auswärtige Lehrer unterrichtet. Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat Alzey.      
      
Um 1924, als zur Gemeinde noch etwa 40 Personen gehörten (1,9 % von insgesamt etwa 2.200 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Leopold Herzog und L. Schwarz. Weiterhin gehörten die in Ober-Saulheim lebenden (1924 10, 1932 drei) jüdischen Personen zur Gemeinde in Nieder-Saulheim.  
    
Um 1930 wurde die jüdische Gemeinde aufgelöst. Seitdem gehörten die am Ort noch lebenden jüdischen Personen zur Gemeinde in Nieder-Olm.   
  
1933 lebten noch 29 jüdische Personen in Nieder-Saulheim.
In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. 1938 wurden noch zehn jüdische Familien mit 21 Personen gezählt (eine Person in Ober-Saulheim).  
  
Von den in Nieder-Saulheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Apollonia Bär geb. Nachmann (1882), Markus Bär (1921), Emma Klein (1882), Selma Löwenstein geb. Vogel (1891), Ludwig Nachmann (1893), Sofie Nachmann (1891), Irma Schwarz (1900), August Vogel (1875), Ferdinand Vogel (1885), Josef Julius Vogel (1876), Paula Vogel (1881).  
   
Am Rathaus der Gemeinde befindet sich eine Gedenktafel für die ehemaligen jüdischen Einwohner des Ortes.  
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Antijüdische Aktionen örtlicher Antisemiten (1881)
     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Juni 1881: "Nieder-Saulheim (Rheinhessen). Nachdem vor etlicher Zeit einem hiesigen Israeliten eine Anzahl Bogreben von boshafter Hand abgeschnitten worden waren, wird uns heute die verbürgte Mitteilung, dass einem anderen ein großes Stück Roggenfeld total ruiniert worden sei. Im benachbarten Stadecken hat man Anfangs dieser Woche den begüterten Israeliten Neumann und Haas ihre Weinberge total ruiniert. Der Sohn des Ersteren ist in Folge der Judenhetze von hier weggezogen. ebenso berichtet man unterm 30. dieses Monats aus Alzey: Vergangene Nacht wurden die Reben von drei Viertel Morgen Wingert vor Gemärk, hiesiger Gemarkung, dem Simon Strauß gehörig, abgeschnitten. Jeder vernünftige Mensch verurteilt diese Bubenstreiche aufs Schärfste und wünscht nur, dass die Verüber dieser Rohheiten zur verdienten strengen Bestrafung gezogen werden könnten."     

     

Kennkarten aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarten zu Personen, 
die in Nieder-Saulheim geboren sind
 
 Nieder-Saulheim KK MZ Baer Apollonia.jpg (113563 Byte)  Nieder-Saulheim KK MZ Klein Emma.jpg (91288 Byte)  
   Kennkarte (ausgestellt in Mainz 1942) für Apollonia Bär geb. Nachmann
 (geb. 15. März 1882 in Nieder-Saulheim), wohnhaft in Mainz, am
27. September 19842 deportiert ab Darmstadt in das Ghetto
 Theresienstadt, wo sie am 21. Dezember 1942 umgekommen ist   
Kennkarte (ausgestellt in Main 1940) für Emma Klein 
(geb. 29. März 1882 in Nieder-Saulheim), Hausangestellte, wohnhaft in Mainz, 
am 27. September 1942 deportiert ab Darmstadt in das Ghetto 
Theresienstadt, wo sie am 15. März 1943 umgekommen ist    
 
       
  Nieder-Saulheim KK MZ Vogel August.jpg (90164 Byte) Nieder-Saulheim KK MZ Vogel Josef.jpg (84910 Byte)  
  Kennkarte (ausgestellt in Mainz 1939) für August Vogel 
(geb. 5. Januar 1875 in Nieder-Sauheim), Weinhändler, wohnhaft in Mainz,
 in die Niederlande emigriert, am 16. Februar 1944 deportiert 
ab Westerbork in das KZ Bergen-Belsen, umgekommen    
Kennkarte (ausgestellt in Mainz 1939) für Josef Vogel 
(geb. 13. Mai 1876 in Nieder-Saulheim), wohnhaft in Mainz, Alsheim und Bad Kreuznach, 
am 27. Juli 1942 deportiert ab Trier-Köln in das Ghetto Theresienstadt, am 
19. September 1942 in das Vernichtungslager Treblinka, ermordet  
 

     
     
     
Zur Geschichte der Synagoge                   
    
Zunächst war vermutlich ein Betraum vorhanden. Eine Synagoge bestand seit 1850. Dafür hatten die am Ort lebenden jüdischen Familien seit 1841 Geld gesammelt. 1847/48 konnte man ein seitheriges Wohnhaus kaufen, das zu einem Bethaus umgebaut wurde. 1912 wurde das Gebäude renoviert. An Sylvester 1918 wurde die Synagoge durch das Einschlagen der Fenster geschändet. 
       
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge völlig zerstört. Am 17. März 1939 schrieb der Bürgermeister an den Landrat, dass die ehemalige Synagoge "nur noch ein Schutthaufen sei". Im Mai 1940 konnte das Landratsamt berichten, dass die Kosten für die Beseitigung der Reste des Bethauses aus jüdischen Geldern gedeckt worden seien.       
     
     
Adresse/Standort der Synagoge                             
     
      
Fotos   

Es sind noch keine historischen Fotos zur jüdischen Geschichte in Nieder-Saulheim vorhanden; 
über Zusendungen freut sich der Webmaster der "Alemannia Judaica"; Adresse siehe Eingangsseite.
 
     
Gedenktafel am 
Saulheimer Rathaus
Saulheim Gedenktafel 400.jpg (68219 Byte)
  Inschrift: "Wir gedenken der Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und 
insbesondere des Leidens und Sterbens unserer jüdischen Mitbürger. Die Ortsgemeinde Saulheim."  
     

     
     
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

August 2009: Jüdische Emigrantinnen aus Saulheim wollen ihre Heimat besuchen.  
Artikel von Thomas Ehlke vom 1. August 2009 in der "Allgemeinen Zeitung" (Artikel):  
Lange Reise zu den Wurzeln. 
SAULHEIM. FAMILIENGESCHICHTE Jüdische Emigrantinnen wollen rheinhessische Herkunft ergründen. 

Ellen V. Glass und Ruth V. Glick planen eine Reise zu den Wurzeln ihrer Familie. Das "V" steht dabei für Vogel - ihren Mädchennamen..."   
   
August 2009: In Nieder-Saulheim sollen "Stolpersteine" verlegt werden  
Artikel vom 4. August 2009 in der "Allgemeinen Zeitung"  (Artikel)  : 
Saulheim. "Stolpersteine" zum Gedenken?  Emigranten- Familienschicksal bewegt Saulheimer. 
(wbu). Die Geschichte der jüdischen Emigrantinnen Ellen V. Glass und Ruth V. Glick, über die die AZ am Samstag berichtete, bewegt die Saulheimer..."   
   

      

  
Links und Literatur

Links 

Website der VG Wörrstadt 

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bd. II S. 142. 
"...und dies ist die Pforte des Himmels" Synagogen - Rheinland-Pfalz. Saarland. Hg. vom Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz mit dem Staatlichen Konservatoramt des Saarlandes und dem Synagogue Memorial Jerusalem. 2005. S. 333-334 (mit weiterer Lit.)  

     
       


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Nieder-Saulheim  Hesse.  Numbering 71 (4 % of the total) in 1861 and 29 in 1933, the community suffered under the Nazis and dispersed in November 1938.    
         
           

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 08. Mai 2015