Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Partenheim (Kreis Alzey-Worms)
Jüdische Geschichte / Synagoge
  (Seite erstellt unter Mitarbeit von Wolfhard Klein) 

Übersicht:

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Die "historischen Erzählungen" von Harry Kahn 
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde 
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Kennkarten aus der NS-Zeit   
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletFotos / Darstellungen       
bulletLinks und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)         
              
In Partenheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht mindestens in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. Im jüdischen Friedhof in Jugenheim ist das älteste Grab aus dem Jahr 1671 für Frau Abigail aus Partenheim. Im Memorbuch des jüdischen Gemeinde Mainz wird Schmuel Stadecken, Sohn des Abraham, gestorben zu Partenheim und beerdigt in Jugenheim 26. Adar 1694.    
  

1722
gab es vier Schutzjudenfamilien (Abraham, Hirsch Löw, Izig, Hertz, vgl. Liste unten). In verschiedenen Dokumenten wird über die Handelstätigkeiten der jüdischen Einwohner berichtet: so verkaufte 1760 der Schutzjude Josef Hersch aus Partenheim Haus und Hof an Philipp Franz Wamboldt von Umstadt (HStAD B 20 Nr. 779); 1772 musste der Schutzjude Juda von Partenheim wegen der Bezahlung eines Pferdes gegen einen Gabsheimer Bürger prozessieren (Akten in HStAD O 1 A Nr. 48/6 Bl. 1-11v). Er war somit wohl als Pferdehändler tätig.
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1804 75 jüdische Einwohner, 1824 110 (9,32 % von insgesamt 1.180 Einwohnern), 1828 130, 1855 Höchstzahl von 165, 1861 119 (10,5 % von 1.128), 1880 68 (6,4 % von 1.064), 1892 48 (in 13 Familien), 1895 50 (in 12 Familien), 1897 44 (in 12 Familien), 1899 45 (in 10 Haushaltungen), 1901 39 (in 9 Haushaltungen; 3,5 % von 1.035), 1905 36 (von 1.035 Einwohnern), 1910 26 (2,7 % von 948). Die jüdischen Familienvorstände verdienten ihren Lebensunterhalt als Schuhmacher, Metzger, Viehhändler beziehungsweise Pferdehändler, Weinhändler. Mehrere hatten dazu auch eine Landwirtschaft (Weinbau; vgl. den Bericht über die antisemitischen Ausschreitungen 1881, als den jüdischen Weinbergbesitzern die Weinstücke ausgerissen wurden). 
  
An Einrichtungen war eine Synagoge und (im 19. Jahrhundert) eine israelitische Schule sowie ein rituelles Bad vorhanden. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war im 19. Jahrhundert zeitweise ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibungen der Stelle unten). Von den Lehrern wird genannt: um 1864 bis 1865 Lehrer Bärmann (genannt in "Der Israelitische Lehrer" vom 16.6.1864, ebd. 5.1.1865, Ausschreibung der Stelle 1865 s.u.). Um 1893/1903 wurde der Religionsunterricht durch Lehrer Golding (Essenheim) erteilt. Damals gab es in Partenheim noch drei, 1895 fünf, 1896 wieder drei, 1903 zehn, 1905 fünf (drei Jungen, zwei Mädchen) schulpflichtige jüdische Kinder. Ab 1886 war als Kantor und Schochet der Partenheimer Kaufmann J. Grünebaum in der Gemeinde tätig (vgl. unten Bericht von 1912).
  
Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof in Jugenheim beigesetzt.
 
Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Alzey
 

Von den Gemeindevorstehern werden genannt:  1845 bis 1852 Michel Kahn; 1863 bis 1865 und 1866 bis 1868 Jacob Hirsch; 1872 Lazarus Kahn; um 1865/70 Jakob Hirsch (und 1866 Jakob Kahn); um 1872 Lazarus Kahn; um 1877/1880 Jacob Hirsch; um 1892 J. Kahn III., J. Loewenstein, J. Wolf; um 1895 J. Kahn III, J. Loewenstein und J. Grünebaum; 1896/1903 J. Grünebaum, L. Hirschmann, J. Wolf, um 1905 Kahn (Quelle: neben den Nennungen in jüdischen Periodika Recherche von Wolfhard Klein in den Rechnungsbüchern der jüdischen Gemeinde Partenheim im Centrum Judaicum Berlin).
 

Von jüdischen Vereinen werden genannt: 1869 eine gemeinsame "Chewra-Kadischa (Beerdigungs- und Wohltätigkeitsverein) von Partenheim, Jugenheim, Vendersheim, Niedersaulheim, Stadecken und Essenheim" ("Der Israelit" vom 11.8.1869 S. 634 Spendenliste). Die "Chewra Kadischa" verwaltete den gemeinsam von den genannten jüdischen Gemeinden belegten jüdischen Friedhof in Jugenheim. Um 1895/1903 wird in Partenheim ein Israelitischer Wohltätigkeitsverein unter Leitung von A. Kahn genannt.
 
1881
kam es zu Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung: in den von Juden bewohnten Häusern wurden Fenster eingeworfen oder die jüdischen Einwohner durch andere Aktionen schikaniert. Die sich über mehrere Monate hinziehenden Vorfälle führten zu einer verstärkten Abwanderung der jüdischen Familien aus Partenheim (vergleiche die oben genannten Zahlen). Bereits 1927 war die Auflösung der jüdischen Gemeinde geplant. 
  
Um 1900 war Gemeindevorsteher weiterhin J. Grünebaum (vgl. oben); sein Sohn Otto Grünebaum wurde Lehrer und war u.a. in Schornsheim tätig (Weiteres zu ihm unten). Neben J. Grünebaum waren um 1900 weiterhin L. Hirschmann und J. Wolf im Vorsteheramt der Gemeinde. 
   
Um 1925, als noch 16 jüdische Einwohner gezählt wurden (in vier Familien, 1,8 % der Einwohnerschaft) waren die Gemeindevorsteher Philipp Walter (Metzger; Gemeindevorsteher bereits mindestens seit 1915, vgl. "Dr. Bloch's österreichische Wochenschrift" 15.10.1915 S. 770 Spendenliste; dann bis 1935 Landesarchiv Speyer H 51 Nr. 122, S. 14.15.17.29.39.78.91), Wilhelm Sanders und Julius Hirschmann (Weinkaufmann). 
  
Seit 1933 (12 jüdische Einwohner = 1,3 % von insgesamt 947 Einwohnern) trafen die nationalsozialistischen antijüdischen Maßnahmen auch die noch in Partenheim lebenden jüdischen Einwohner. Philipp Walter (gest. 1935 s.u.) beziehungsweise Julius Hirschmann waren in den ersten Jahren der NS-Zeit die letzten Vorsteher der Gemeinde (Julius Hirschmann: für 1938 Nennung auch im Landesarchiv Speyer H 51 Nr. 68 S, 333). 1939 waren keine jüdische Personen mehr am Ort. Zwei von den 1933 am Ort lebenden jüdischen Personen starben nach der Deportation im Oktober 1940 nach Gurs, zwei wurden in Auschwitz ermordet. 
    
Von den in Partenheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Helene Eichbaum geb. Kahn (1863), Max Hirsch (1886), Friedrich Hirschmann (1888), Julius Hirschmann (1893), Marga Martha Frieda Hirschmann (1925, siehe Kennkarte unten), Nathan Kahn (1867, siehe Kennkarte unten), Karl Löwenstein (1873, siehe Kennkarte unten), Emma Reifenberg geb. Hirschmann (1863), Karoline (Lina) Simon geb. Kahn (1862), Frieda Walter (1897), Henriette (Jettchen) Walter geb. Kahn (1858), Friedrich Wolf (1911), Heinrich Wolf (1878), Ida Wolf geb. Dornhardt (1905), Karl Wolf (1908).
      
      
      
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
      
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet (1865 / 1866 / 1870 / 1881)  

Partenheim Israelit 05041865.jpg (26715 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. April 1865: "Die israelitische Gemeinde zu Partenheim (Rheinhessen) sucht einen Religionslehrer. Nebst gutem Gehalt wird freie Wohnung und Heizung zugesichert. 
Der Vorstand
. Jakob Hirsch." 
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der israelitische Lehrer" vom 15. März 1866: "Vakanz.
Die israelitische Religionslehrer und Kantor-Stelle zu Partenheim kann wieder besetzt werden. Gehalt fl. 300, freie Wohnung und Heizung des Schullokals. Bewerber wollen ihre Meldungen baldigst an den israelitischen Vorstand einsenden.
Der Vorstand:
Jakob Hirsch. Jakob Kahn
." 
 
Partenheim Israelit 15061870.jpg (41462 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Juni 1870: "Lehrer gesucht! In der israelitischen Gemeinde zu Partenheim, Rheinhessen, ist die Stelle eines Lehrers, Vorsängers und Schächters vakant. Fixer Gehalt 300 Gulden, Nebenakzidenzien circa 100 Gulden, freie Wohnung und Heizung. Verheiratete Bewerber werden bevorzugt. Anmeldungen wolle man richten an Jacob Hirsch, Vorsteher".
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Oktober 1881: "Ein israelitischer Religionslehrer gesucht. Altdeutsch bevorzugt.
Partenheim in Rheinhessen, 11. Oktober 1881. Der Vorstand."  
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Oktober 1881: "Ein israelitischer Religionslehrer per gesucht von der israelitischen Gemeinde in Partenheim bei Mainz. Polen und Russen werden nicht berücksichtigt.
Partenheim in Rheinhessen, im Oktober 1881. Der Vorstand. -  

   
    
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  

Liste der Schutzjuden 1722 

Dokument im Hessischen Staatsarchiv Darmstadt Signatur F 2 Nr. 34/9  (Aufnahmenummer 32): "Zu Partenheim In dem Ritterschaftlichen flecken befindet sich an Judenschaften als Männer - Weiber und Kinder so über 13 Jahre alt seindt..." 
Aufgeführt werden die vier Familien des Abraham mit Frau Beumele, Hirsch Löw mit Frau Gutroth und einem (über 13-jährigen) Sohn Löwe, Izig mit Frau Malche, Hertz mit Frau Boule. Zusammen 9 Personen ohne die unter 13-jährigen Kinder.

   
Berichte zu den antisemitischen Ausschreitungen in Partenheim 1881
Anmerkung: vgl. die Berichte in den Seiten zu Jugenheim und Nieder-Olm.  

Partenheim Israelit 09021881.JPG (131089 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Februar 1881. Aus Rheinhessen. Auch in unserer Provinz hat die Antisemitenbewegung böse Früchte gezeitigt. In den beiden, meistens von Protestanten bewohnten Dörfern Partenheim und Jugenheim ist die bekannte antisemitische Petition fast von allen protestantischen Bewohnern derselben unterzeichnet worden. - "Was von Berlin kömmt," sagte ein Bürgermeisterei-Adjunkt, "ist gut und muss unterschrieben werden." Dabei ließen es aber die Herren Antisemiten nicht bewenden. Sie warfen den Juden die Fenster ein; schwere Steine wurden auf die Dächer geworfen, die natürlich großen Schaden gelitten haben. Schon haben sich einige Israeliten entschlossen, diese beiden Dörfer zu verlassen und nach Mainz oder Bingen zu ziehen. - Gegen die in den genannten Dörfern wohnenden Juden liegt nicht die geringste Beschwerde vor; es sind fleißige, friedliche Menschen, und unter ihnen befinden sich keine Wucherer. Der Hass ist ein künstlich geschürter, lediglich durch die von Berlin ausgehende Antisemitenbewegung angefacht, Während der großen Kälte in den verflossenen Wochen hatte man, um den Juden einen Schabernack zu spielen, auf das Strengste verboten, für die Juden am Sabbat Feuer anzumachen und die Wärmeöfen zu bedienen, sodass die Armen gezwungen waren, bei 12 Grad Kälte in ungeheizten Zimmern zu sitzen. 
Nach den hier geltenden Gesetzen sind die politischen Gemeinden verpflichtet, für den durch Ruhestörung verursachten Schaden aufzukommen und werden beide Gemeinden die eingeworfenen Fenster und die zerstörten Dächer wieder herstellen müssen, wenn die Täter nicht zu eruieren oder nicht im Stande zu bezahlen sind. Die Anzeuge ist bereits bei der Staatsbehörde gemacht. Die Herren Stöcker, Förster etc. können auf diese Erfolge stolz sein.
Wie wir vernehmen, sind von der Behörde energische Maßregeln ergriffen worden, um die Wiederkehr der Exzesse zu verhindern. 
 
Partenheim Israelit 09021881b.jpg (22277 Byte)Artikel in der Beilage zur Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Februar 1881. Mainz. Auf Verfügung des Großherzoglichen Ministeriums ist die Gemeinde Partenheim, in welcher jüngst verschiedene Ausschreitungen gegen die dort wohnenden Israeliten vorgekommen sind, auf die Dauer von vier Wochen mit einem Gendarmerie-Wachposten, aus zwei Mann bestehend, belegt worden. 
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. März 1881: "Darmstadt, 14. Februar (1881, Privatmitteilung). Die 'Germania', die sich bekanntlich seit Jahren nach Exzessen gegen die Juden sehnt, ließ sich jüngst aus Mainz über Untaten berichten, die in einer Reihe von Ortschaften geschehen sein sollten, in Oberingelheim, Stadecken, Essenheim, Partenheim, Jugenheim, überall sollen Demolierungen von Judenhäusern vorgekommen sein. Das Jesuitenblatt knüpft daran selbst allerhand Betrachtungen, die sich bis zu Dr. Bamberger versteigen. Aber auch diese kleine Tröstung verbleibt der edlen Germania nicht. Der 'Darmstädter Anzeiger' bringt aus Partenheim folgenden authentischen Bericht:  
Es ist unwahr, dass den hiesigen Israeliten schon seit drei Wochen allabendlich die Fenster eingeworfen werden. Es kam allerdings vor, dass einem Israeliten zwei, dem anderen drei Fenster eingeworfen wurden, es geschah dies aber von 12-15-jährigen Buben und nicht von erwachsenen Einwohnern, die sämtlich diese Bubenstreiche verurteilen und bedauern. Da die in Rede stehende Notiz in allen Mainzer Blättern zu lesen war, so kam die dortigen Staatsanwaltschaft auch hierher, um sich von dem Stand der Dinge zu überzeugen, fand aber gar nichts vor, das ihr Einschreiten nötig gemacht hätte, indem die hiesigen israelitischen Einwohner selbst bemerkten, die Sache sei ja garnicht der Rede wert. In Jugenheim ist gar nichts vorgekommen, und die zwei Familien, welche nach Bingen, respektive nach Mainz ziehen, haben diesen Entschluss schon lange gefasst, indem dort ihre Kinder und Anverwandte wohnen. (Die Vorgänge waren doch schlimmer, siehe nächste Nummer. Redaktion.)"
 
Partenheim Israelit 18051881.jpg (34881 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Mai 1881. Partenheim, 10. Mai (1881). Die Antisemiten scheinen immer noch keine Ruhe zu haben; neuerdings verlegen sie sich auf Schändlichkeiten, die nicht scharf genug getadelt werden können. In einer der jüngst verflossenen Nächte wurden die Reben derjenigen Weinberge, die Israeliten gehören, fast sämtlich abgeschnitten, dem Weinmakler B. von Partenheim wurden nicht allein die Einlager und Sprösslinge, sondern auch die Stöcke aus der Erde herausgerissen.   

    
Bei der Wahl zur Handelskammer für den Kreis Oppenheim in Partenheim wird Elkan Fröhlich aus Oppenheim zum Mitglied der Handelskammer gewählt (1902)     

Artikel im "Israelitischen Familienblatt" vom 18. Dezember 1902: "Partenheim. Am 2. Dezember diesen Jahres fand hier die Wahl zur Handelskammer für unseren Kreis in Oppenheim statt. Die Wahlbeteiligung, welche, wie noch nie, eine sehr rege war, indem mehrere Kandidaten aufgestellt waren, ergab das Resultat, dass einer unserer Glaubensgenossen, nämlich Herr Bankier Elkan Fröhlich, als Mitglied zur Handelskammer gewählt wurde. Herr Fröhlich, welcher auch das Ehrenamt als 1. Vorsteher der israelitischen Gemeinde Oppenheim bekleidet, erfreut sich bei der gesamten städtischen Bürgerschaft, auch der christlichen, größter Beliebtheit."     

      
      
Die "historischen Erzählungen" von Arthur Kahn (1850-1928) 
Anmerkung: Arthur Kahn ist am 5. September 1850 in Groß-Gerau geboren. Er studierte Medizin in Berlin (Abschluss mit Promotion zum Dr. med.). Er heiratete Hedwig geb. Schmuhl, mit der er drei Söhne hatte. Arthur Kahn war mit seiner Familie mehrere Jahre in den USA, kehrte jedoch 1895 nach Deutschland zurück und lebte in Bonn, dann in Berlin. Er war schriftstellerisch tätig und sammelte Geschichten insbesondere aus kleinen jüdischen Gemeinden am Rhein. Diese Geschichten wurden in jüdischen Zeitschriften veröffentlicht.  
In mehreren Erzählungen spielt Partenheim und umliegende Orte eine besondere Rolle.

Weitere Informationen: https://de.wikipedia.org/wiki/Arthur_Kahn   

Lutz Koepke: Ich spaziere zuweilen von Niedersaulheim nach Mainz. Johannes Neeb und Arthur Kahn: ein rheinhessisches Lesebuch. Ahrensburg 2024. ISBN 978-3-384-26949-2. 
Buch kann heruntergeladen werden von https://www.regionalgeschichte.net/bibliothek/aufsaetze/koepke-lutz/koepke-ich-spaziere-zuweilen-von-niedersaulheim-nach-mainz.html bzw. hier eingestellt als pdf-Datei
Zum Buchautor Lutz Köpke:   https://de.wikipedia.org/wiki/Lutz_Köpke
 
Historische Erzählung "Die Dorfseele": im Mittelpunkt der Bereich um Partenheim  
Beginn der historischen Erzählung "Die Dorfseele - Historische Erzählung aus dem Anfang des neunzehnten Jahrhunderts. Von Arthur Kahn" in: "Sabbat-Stunden" - Illustrierte Feuilleton-Beilage der 'Jüdischen Presse' 1902 Nr. 40: "In meinem Zimmer hängt ein kleines Bildnis. welches vor nunmehr hundert Jahren in den Besitz meiner Vorfahren gelangte. Es ist ein Aquarell und stellt eine junge Dame dar mit mächtig hoher, weißgepuderter Haarfrisur, ein Gesichtchen von stiller, vornehmer Schönheit: die letzte Gräfin von Waldbrunn oder Walbrunn auf Schloss Walbrunn zu Partenheim. Dort wohnten meine Vorfahren als 'Hofjuden oder Hoffaktoren' der Grafen von Walbrunn, wie auch der Grafen von Ingelheim. Die Beziehungen zwischen den Schlossherren und ihren Hofjuden müssen, nach einigen Briefen und Dokumenten, weiche bis vor wenigen Jahren noch vorhanden waren, zu schließen, die denkbar besten gewesen sein. In ganz besonderer Gunst stand bei den Herren von Walbrunn mein Urgroßvater, Löw Partenheim genannt.
Zu der Zeit, in der unsere Erzählung beginnt, hatten die wenigsten Juden einen Familiennamen. Sie setzten zu ihrem Vornamen gewöhnlich den Namen ihres Geburtsortes, den ihre Nachkommen dann als Familienbezeichnung beibehielten. Als Zeichen ihrer Huld verliehen die Herren von Walbrunn ihrem Hoffaktor als Privilegium de non appellando im Jahre 1784 den Familiennamen 'Hirsch', ein Jahr später die Herren von Dalheim und Sörgenloch ihrem Hofjuden Nathan zu Udenheim den Familiennamen 'Kahn'. Und auf besondere Verwendung der am Hofe zu Darmstadt viel verkehrenden Herren durften die Hofjuden Hirsch in Partenheim und Kahn in Udenheim Grundbesitz erwerben, was bisher keinem ihrer Glaubensgenossen im Landgrafentum Hessen gestattet war. Obwohl nun beide Familien ihre wirklichen Eigennamen auf einem Dokument verbrieft besaßen, hörten weder Bauern noch Juden auf, den einen meiner Vorfahren und auch dessen Sohn nach seinem Wohnort Nathan und Aron Udenheim, den anderen, den Hofjuden, Löw Partenheim zu nennen. Diese Gepflogenheit ist unter den Juden übrigens so tief eingewurzelt, dass sie selbst heute noch an vielen Orten gang und gäbe ist und der Träger eines Familiennamens wie Meyer, Stein, Kallmann etc. öfters als Joseph Sprendlinger, Simon Ingelheim oder Susmann Worms weiter bekannt ist.
Löw Partenheim, der Hofjude, war viele Meilen im Umkreis wegen seiner bevorzugten Stellung bei den Grafen, wie wegen seines Reichtums und seiner an Verschwendung grenzenden Wohltätigkeit allverehrt. Sein an Ansehen und Besitz in gleichem Glanze stehender Freund Aron Kahn war ihm nur an Gelehrsamkeit und Frömmigkeit überlegen. Doch besaß Löw Partenheim außer seinem Reichtum ein Kleinod, das dereinst die beiden so hoch angesehenen Männer noch näher zusammenbringen sollte: die älteste Tochter, die Bepp (Anm.: Bertha). deren blendende Schönheit einen wahren Sagenkreis um sie wob. Die Juden der Umgegend pflegten zu sagen, seit Esther, der Gemahlin des Perserkönigs Ahasverus, und Esterka, der Gattin des Polenkönigs Casimir, habe es kein so schönes Judenmädchen gegeben, wie Löw Partenheim's Bepp. Mein Großvater, dessen Schwester sie war, geriet ordentlich in Exstase, wenn er auf sie zu sprechen kam. 'Sie war wie aus Marmor, mit braunen Haaren und blauen Augen', pflegte er zu sagen, 'und das Gesicht wie Purpur auf Marmor gepinselt'. Der Großvater, der sich gerne in poetischen Wendungen ausdrückte, meinte, das Hohelied habe ganz auf die Bepp gepasst. 'So schön, wie sie war, so schön und klug ist sie gewesen', fuhr er dann fort, 'sie war zu schön und zu vollkommen für diese Erde. Kein Wunder, dass die Herrschaften im Schloss sie so liebten. Sie ist mit dem Schlossfräulein zusammen erzogen worden..."      
Fortsetzung siehe eingestellte pdf-Datei mit den Artikeln aus der Zeitschrift "Sabbat-Stunden" 1902-1903.    
  
Historische Erzählung "Die ewige Braut"; Partenheim und Orte der Umgebung werden vielfach genannt   
Abschnitt aus der Erzählung, abgedruckt im "Israelitischen Familienblatt" vom 24. November 1911: "...Zu der Zeit, in der unsere Erzählung beginnt, hatten noch viele Juden keinen eigentlichen Familiennamen. Sie setzten zu ihrem Rufnamen meist noch den Namen ihres Geburts- oder Wohnortes hinzu und wurden zu diesem einfachen Verfahren auch noch dadurch bestimmt, dass ihre Glaubensgenossen ohnehin von jeher sich so unter sich kenntlich machten. So hieß, bevor die Grafen und Freiherren von Wallbrunn als Zeichen ihrer besonderen Huld ihrem Hofjuden (Hoffaktor), meinem Urgroßvater, den Namen 'Hirsch' verliehen, dieser in der ganzen Gegend Löw Partenheim. In einem Pergamentdiplom mit vielfach verschnörkelter aber kalligraphisch meisterhafter Schrift war auch meinem Urgroßvater väterlicherseits, dem Hofjuden Nathan zu Udenheim als 'Privilegium de non appellando' im Jahre 1779 von den Herren von Dahlheim und Sörgenloch gnädigst verstattet worden, den Flamen 'Kahn' zu führen. Zugleich war mit diesem Privilegium dem Hoffaktor und seiner Familie auf ewige Zeiten das Recht verliehen worden, Grundbesitz in 'jedweglicher Form' zu erwerben und zu besitzen. Trotz dieser Namensverleihung blieb es bei den Juden und Bauern in der Benennung beim Alten. Meine Vorfahren hießen auch weiterhin Löw Partenheim und Nathan Udenheim und bis auf den heutigen Tag ist es auf dem Lande in den süddeutschen Staaten so geblieben, dass man die Männer nach ihrem Vornamen und Wohnungsdomizil und nur selten mit ihrem Familiennamen ruft. Nathchen Weisenau, Mosche Mombach, Leibchen Bing, Manche Poppelsdorf und viele ähnliche Namen sind auch heute noch den Leuten geläufiger als die wirklichen Familiennamen. Löw Partenheim, der Hofjude der Wallbrunn und Ingelheim, war viele Meilen im Umkreis wegen seiner bevorzugten Stellung bei dem Grafen wie wegen seines Reichtums und seiner an Verschwendung grenzenden Wohltätigkeit wohl verehrt. Sein an Ansehen und Besitz in gleichem Range stehender Freund Aron Udenheim, Kahn, war ihm nur an Gelehrsamkeit und Frömmigkeit überlegen. Doch besaß Löw Partenheim außer seinem Reichtum ein Kleinod, das dereinst die beiden so hoch angesehenen Männer noch näher zusammenbringen sollte, die älteste Tochter, die Bepp (Bertha), deren unvergleichliche Schönheit einen wahren Sagenkreis um sich wob. Die Juden der Umgebung pflegten zu sagen, seit Esther, der Gemahlin des Perserkönigs Ahasveros, und Esterka, der Gattin des Polenkönigs Kasimir, habe es kein so schönes Judenmädchen gegeben, wie Löw Partenheim's Bepp. Mein Großvater, dessen Schwester sie war, geriet förmlich in Ekstase, wenn er auf sie zu sprechen kam. 'Sie war wie aus Alabaster' pflegte er zu sagen, 'mit braunen Haaren und blauen Augen, und das Gesicht wie Purpur auf Marmor gepinselt.' Der Großvater, der sich gerne in poetischen Wendungen ausdrückte, meinte, das hohe Lied habe ganz auf die Bepp gepasst. 'Sie war zu schön und zu vollkommen für diese Erde. Kein Wunder, dass die Herrschaften im Schloss sie so liebten. Sie ist mit dem Schlossfräulein zusammen erzogen worden, und wenn diese beiden Mädchen durch's Dorf gingen, wurden sie immer von neuem bewundert."
Das oben erwähnte kleine Bildchen, welches die junge Gräfin vorstellte, wurde der Bepp zu ihrem Geburtstage von ihrer vornehmen Freundin geschenkt und verblieb seitdem in unserer Familie...." 
Fortsetzung siehe eingestellte pdf-Datei mit den 16 Folgen des Romans in der Zeitschrift "Israelitisches Familienblatt" 1911-1912
  

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  
Zum Tod der erst 21-jährigen Sabina Kahn, Tochter von Abraham Kahn (1879) 

Artikel in "Der israelitische Bote" vom 16. Oktober 1879: "Partenheim in Rheinhessen. Noch selten hat der Tod eines jungen Mädchens in so weiten Kreisen und in allen Schichten der Bevölkerung solche innige Teilnahme erregt, als der am 2. Tag von Rosch HaSchanah (Neujahrsfest) erfolgte Tod des Fräulein Sabina Kahn, Tochter des Herrn Abraham Kahn. In einem Alter, in welchem gewöhnlich der Wirkungskreis eines Weibes erst beginnt, schloss hier ein junges Leben, das reich an schönen Taten und Zügen von einer herrlichen Frauenseele zeugte. Stilles Wohltun, mildes, freundliches Wirken, durchhaucht von tiefster Frömmigkeit, so war ihr ganzes jungfräuliches Leben, des einer wackeren Frau in des Wortes schönster Bedeutung. So edel wie ihr Gemüt, so schön wie ihre Gestalt, so klar war ihr Geist. Ihrer großen Frömmigkeit halber war sie schon eine seltsame Erscheinung in unserer Zeit, die leider so wenig solcher Beispiele aufzuweisen hat. So hauchte sie am 2. Tag von Rosch Haschanah Nachmittags 2 Uhr ihre Seele aus. Dass die leider so früh Verblichene aber auch die Liebe und Verehrung der christlichen Bevölkerung in hohem Grade besaß, bewies sich bei der Beerdigung. Eine so große Zahl Leidtragender, jeden Alters und jeder Konfession, ist noch nie hier einem Sarge gefolgt. Am Zom Gedaljah wurde die Hülle der 21-jährigen Jungfrau in den Schoß der Erde gesenkt, beweint von ihren gramgebeugten Eltern und Geschwistern, beweint von ihren Verwandten und zahlreichen Freunden, beweint von allen. die sie gekannt. Und wahrlich - eine Krone ist gefallen von unserem Haupt - einen Verlust haben alle erlitten, ein schweres Leid hat Alle betroffen. Möge die Entschlafene sanft ruhen, die schwergeprüfte Familie aber tröste Gott.
Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens
."    
Anmerkung:  -  Zom Gedaljah siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Zom_Gedalja   
 
Nachruf in "Der Israelitische Bote" vom 16. Oktober 1879: "Nachruf an Sabine Kahn in Partenheim.
Noch kann es unser armes Herz nicht fassen,   Dass schon dein reiner Geist nicht mehr hier weilt,
Dass du so schnell uns wieder hast verlassen,  Dass du, du Reine, Holde schon von uns geeilt.
Doch ach, schon sammelt sich der Freunde ernste Schar   Vor unseres Lieblings nun so ödem Haus,
Das Unfassbare wird nun schrecklich wahr,  Schon tragen sie den engen Sarg hinaus.
Wisst Ihr, Ihr Träger, was Ihr uns nun nehmt?  0, ahnet Ihr, dass dieser enge Sarg
Die Engelreine, deren Tod uns härmt und grämt,  Die Welt voll Liebe dieses schmale Haus uns barg.
Da drinnen schläft ja unseres Lebens Wonne,  Da drinnen schläft ja unsre blasse süße Maid,
Erlosch’nen Blicks — die uns erlosch’ne Sonne  Blondlockig, weiß ihr Antlitz, weiß ihr Kleid.
Noch selten barg sich in so schöner, edler Hülle,  Solch hoher Geist mit reinerem Gemüte.
Ein Herz noch selten heh’rer Tugend Fülle  Als deines barg, du reine Himmelsblüte.
Schön wie du, schön wie dein Herz, war auch dein Leben,  Dein Thun, dein Walten, eine Himmelspoesie,
Dein Wollen stets ein reines Aufwärtsstreben   Dein Wirken schön wie Himmelsharmonie.
Ernst, fromm und gut und kindlich war dein Sinn, Dem Hohen, Schönen stets nur zugewendet,
So floss, dem Bösen fern, dein unschuldvolles Leben hin, So hast du es, ach! allzu früh geendet.
Wie ähnlich warst auf Erden du schon einem Engel, Noch lang bevor der Todesengel dich geküsst,
Ach, einer Lilie gleich geknickt am Stengel   Bevor die Mittagssonne sie begrüßt.
Drum ringen wir im Schmerzenskrampf die Hände, Ob der ins Grab gesunk’nen Jugendpracht,
Drum namenlos der Schmerz und ohne Ende, Im Herzen Weh, im Herzen — dunkle Nacht.
Du schläfst nun ruhig und sanft in deinem Grab,  Nicht schmerzen dich mehr Erdensorgen,
Kein grauer Dämm’rungsstrahl fällt trüb hinab Dich neu zu wecken zu einem düstern Morgen. 
Doch wär’ denn nichts mehr weiter uns geblieben, Von dir, als dieser graue Grabeshügel?
Vergeblich uns’re Sehnsucht, umsonst all unser Lieben, Gesperrt von furchtbar festem Grabesriegel?
Doch nein! die Liebe führt hinauf zu Himmelshöh’n,   Die Liebe ja — ist stärker noch als Grab und Tod,
Die Liebe, einst verschönt sie unser Wiederseh’n,  Sie hebt uns heute schon hinauf zu dir — zu Gott!   E-t-B."   

 
Otto Grünebaum, Sohn des Kaufmanns und Gemeindevorstehers J. Grünebaum erhält eine Stelle in Pfungstadt (1901) sowie weitere Dokumente  
Anmerkung: Otto Grünebaum ist als Sohn des Kaufmanns und Gemeindevorstehers J. Grünebaum am 28. Juni 1880 in Partenheim geboren. Nach Abschluss seiner Ausbildung zum Lehrer war er zunächst im Jahr 1900 ein halbes Jahr Religionslehrer in Schornsheim. 1901 wurde er Lehrer an der höheren Bürgerschule in Pfungstadt. 1904 wurde er Lehrer an der Knabenschule in Gießen (zunächst provisorische, ab 1911 definitive Anstellung. Dazu war er als Kaufmann in Gießen tätig. Er heiratete am 9. November 1909 Johanna geb. Bockmann, die am 30. August 1888 in Stein-Bockenheim geboren ist. Mit ihr hatte er vier Kinder: Kurt (geb. 7. Mai 1910 in Gießen, später Jurastudium in Freiburg und Gießen, tätig als Journalist, gest. 1988 in Brüssel, siehe zu ihm https://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Grünebaum), Walter (geb. 16. Februar 1910 in Gießen, später Handlungsgehilfe bei Fa. Rosenthal & Markus, 1933 nach Dresden verzogen), Erich (geb. 22. Mai 1917 in Gießen, 1934 nach Frankfurt, dann nach Palästina emigriert) und Charlotte Pauline (geb. 30. April 1930 in Gießen, 1937 mit den Eltern nach Frankfurt, dann in die USA emigriert, verheiratete Elwin). Otto Grünebaum und seine Frau Johanna emigrierten in die USA, wo beide gestorben sind.
Quelle: Hanno Müller: Juden in Gießen 1788 - 1942. S. 176.     

Artikel im "Israelitischen Familienblatt" vom 8. Mai 1901: "Erfreuliches aus Hessen.
Während die Erklärung über die Grundsätze, von denen die hessische Staatsregierung bei der Anstellung oder vielmehr Nichtanstellung jüdischer Justizanwärter ausgeht, wie erst kürzlich an dieser Stelle mitgeteilt, noch aussteht und erst demnächst zu erwarten ist, kommt uns erfreulichere Kunde aus dem Ressort des hessischen Kultusministeriums. Es ist schon seinerzeit mit Genugtuung begrüßt worden, dass die höhere Schulkarriere unseren Glaubensgenossen in Hessen nicht mehr verschlossen ist, dass wir bereits staatlich angestellte jüdische Oberlehrer in Hessen zu verzeichnen haben. Nunmehr können wir die sehr erfreuliche Mitteilung machen, dass unserem Glaubensgenossen, dem Schulverwalter Otto Grünebaum aus Partenheim (Rheinhessen) durch ministerielles Dekret eine Lehrerstelle an der höheren Bürgerschule zu Pfungstadt übertragen worden ist, und hiermit alle israelitischen Lehrer in Hessen, die das staatliche Seminar besucht haben, ihre Verwendung gefunden haben. Diese hocherfreuliche Tatsache erfordert die rückhaltloseste Anerkennung, und es kann uns nur mit Genugtuung erfüllen, wenn wir sehen, von welch vorurteilsloser und gerechter Denkart das hessische Schulministerium neuerdings gegen unsere Glaubensgenossen beseelt ist."    
 
Anzeigen in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. September 1901 mit Neujahrsgrüßen: "Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die besten Glückwünsche sowie eine gute Einschreibung und Versiegelung. Familie J. Grünebaum, Partenheim.
Zum Jahreswechsel an Verwandte, Freunde und Kollegen die besten Glückwünsche. Gute Einschreibung und Versiegelung   O. Grünebaum, Lehrer, Pfungstadt."  
  
Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 8. September 1904 mit Neujahrsgrüßen:
"Allen Freunden und Bekannten
eine gute Einschreibung und Versiegelung.

Familie Grünebaum, Partenheim  -  Otto Grünebaum,
Lehrer, Giessen."    
 
Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 28. September 1905 mit Neujahrs- und Feiertagsgrüßen:
"Allen Freunden und Bekannten auf diesem Weg gute Einschreibung und Versiegelung sowie vergnügte Feiertage 
J. Grünebaum und Familie, Partenheim (Hessen)."
 
Artikel in der "Israelitischen Wochenschrift" vom 12. April 1911: "Definitive Anstellung.
Partenheim
(Hessen). — Am 1. April dieses Jahres wurde Herrn Lehrer Otto Grünebaum, welcher bereits 8 Jahre an der städtischen Volksschule in Gießen als Schulverwalter tätig ist, eine Stelle daselbst definitiv übertragen. Lehrer Grünebaum ist der Sohn des in Partenheim wohnenden Kaufmanns J. Grünebaum, welcher schon über 26 Jahre in der dortigen israelitischen Gemeinde das Amt eines Chasan und Schochet versieht und seit einigen Jahren auch als Rechner der israelitischen Gemeinde angestellt ist."  
 
Grab von Otto und Johanna Grünebaum im Cedar Park Cemetery in Paramus, Bergen County, NJ/USA  https://de.findagrave.com/memorial/290659980/otto-gruenebaum
Grab von Otto Grünebaum: 26. Juni 1880 - 14. Februar 1969 und von
Johanna Grünebaum: 30. August 1888 - 26. Dezember 1972. 

    
Kurze Mitteilungen zu einzelnen Personen  
-  Tod von Karoline Hirschmann geb. Bergmann im Alter von 70 Jahren (in "Israelitisches Familienblatt" vom 13. September 1928)
-  Verlobung von Martin Löwenstein (Schornsheim) und Hedwig geb. Sanders (Partenheim) in: "Israelitisches Familienblatt" vom 18. April 1929 Familienanzeigen. 
-  Hochzeit von Martin Löwenstein (Schornsheim) und Hedwig geb. Sanders (Partenheim) in: "Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens" September 1929 S. 7.    

   
    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Anzeige von J. Grünebaum - Stellensuche für ein Mädchen (1898)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juli 1898: "Suche für ein Mädchen, 17 Jahre alt, welches fast alle häusliche Arbeiten verrichten kann, auch im Geschäfte nicht unerfahren ist, Stellung in einem besseren Hause, wo Gelegenheit geboten ist, sich in der Küche als auch in häuslichen Arbeiten weiter auszubilden. Familienanschluss erwünscht. Nähere Auskunft erteilt:
J. Grünebaum,
Vorstand, Partenheim, Rheinhessen."    

    
Verlobungsanzeige für Hedwig Löwenstein und Richard Neu (1932)  
(aus der Sammlung von Hans-Peter Trautmann)       

Reichelsheim Dok 16021932.png (20914 Byte)Anzeige im "Darmstädter Tagblatt" vom 16. Februar 1932: 
"Hedwig Löwenstein - Richard Neu. 
Verlobte. 
Partenheim (Rheinhessen) - Fränkisch-Crumbach (im Odenwald)"     

     
Todesanzeige/Danksagung für den Gemeindevorsteher Philipp Walter (1935)   
Anmerkung: nach Dokumentation Friedhof Jugenheim https://www.jugenheim-rheinhessen.de/juedischer-friedhof/languages/de/families/Family_75328326.html ist Philipp Uri Walter am 22. Dezember 1934 in Partenheim gestorben. Er war seit 1894 in Partenheim verheiratet mit Henriette (Jettchen) geb. Kahn, die am 2. Februar 1858 in Partenheim geboren ist. Sie wurde nach der Deportation ab Frankfurt am Main - zunächst über das Ghetto Theresienstadt, dann in das Vernichtungslager Treblinka dort am 26. September 1942 ermordet. Auch die am 17. Juni 1897 in Partenheim geborene und wie die Mutter zuletzt in Frankfurt am Main wohnhafte Tochter Frieda Walter wurde nach der Deportation 1942 ermordet. 

Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 10. Januar 1935: "Danksagung
Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme bei dem Hinscheiden meines geliebten Mannes, unseres unvergesslichen Vaters, Schwiegervaters, Großvaters, Bruders, Schwagers und Onkels, des Herrn
Philipp Walter

sagen wir allen, die an unserem schweren Verlust teilgenommen haben, unseren tiefgefühlten Dank.
Partenheim, Gau - Odernheim, Köln.

Für die trauernden Hinterbliebenen:
Jettchen Walter geb. Kahn, Frieda Walter,
Selma Köhler geb. Walter,  Josef Köhler  und drei Enkelkinder." 

      

Kennkarten aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarten zu Personen, 
die in Partenheim geboren sind
 
 Partenheim KK MZ Hirschmann Marga.jpg (93640 Byte)  Partenheim KK MZ Kahn Nathan.jpg (85920 Byte)  Partenheim KK MZ Loewenstein Karl.jpg (90820 Byte)
  KK (Mainz 1939) für Marga Frieda Hirschmann
 (geb. 17. April 1925 in Partenheim), Schülerin,
 wohnhaft in Mainz, am 27. September 1942 
deportiert ab Darmstadt in das Ghetto 
Theresienstadt, am 6. Oktober 1944 in das
 Vernichtungslager Auschwitz, ermordet   
 KK (Mainz 1939) für Nathan Kahn
 (geb. 19. April 1867 in Partenheim), wohnhaft 
in Mainz, am 27. September 1942 
deportiert ab Darmstadt in das Ghetto 
Theresienstadt, wo er am 13. Oktober 1942
 umgekommen ist     
 KK (Mainz 1939) für Karl Löwenstein 
(geb. 9. November 1873 in Partenheim, wohnhaft
 in Darmstadt, am 27. September 1942 
deportiert ab Darmstadt in das Ghetto 
Theresienstadt, wo er am 26. November 1943
 umgekommen ist ) 

    
    
    
Zur Geschichte der Synagoge            
    
Eine kleine Synagoge unbekannten Baujahres war vorhanden (1855 genannt). Sie stand in der Schmiedgasse auf dem Grundstück des Josef Kahn. 1895 wurde festgestellt, dass die Zugänge zur Synagoge unwürdig seien, da unmittelbar daneben ein Schlachthof und eine Metzgerei lagen.      
     
Bereits in den 1920er-Jahren waren kaum noch Gottesdienste in der Partenheimer Synagoge möglich, da es keine zehn jüdischen Männer mehr am Ort gab. Die jüdischen Familien besuchten meist die Gottesdienste im benachbarten Jugenheim. Im Februar 1938 wurde das Synagogengebäude verkauft. Es entging damit der Zerstörung beim Novemberpogrom 1938, doch wurde es in den Kriegsjahren durch Artilleriebeschuss vollkommen zerstört.    
    
    
Adresse/Standort der SynagogeSchmiedgasse
       
       
Fotos   

Fotos sind noch nicht vorhanden; über Hinweise oder Zusendungen freut sich der
Webmaster der "Alemannia Judaica"; Adresse siehe Eingangsseite  
  
        

   
    

Links und Literatur  

Links:    

bulletWebsite der Gemeinde Partenheim  
bulletDokumentation des jüdischen Friedhofes Jugenheim: https://www.jugenheim-rheinhessen.de/juedischer-friedhof/languages/de/index.html     

Literatur:  

bulletPaul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. Darmstadt 1972. Bd. 2. S. 194-195.
bulletPinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 273-274.     
bulletLandesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 310 (mit weiteren Literaturangaben).  
bulletWolfhard Klein: Die Synagogen in Essenheim, Jugenheim, Nieder-Saulheim, Partenheim, Stadecken und Vendersheim. In: Mandelzweig (Hrsg.: Förderverein der Synagoge Weisenau) Nr. 2 - 2022. Eingestellt als pdf-Datei

    
     

 
 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Partenheim.  Numbering 165 at its height in 1855, the community dwindled to 36 (3 % of the total) in 1900 and 12 in 1933. Partenheim was a Nazi stronghold from 1930 and the Jews disposed of their synagogue before Kristallnacht (9-10 November 1938). By the end of 1939, there were no Jews in Partenheim.  
       
        

                   
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Stand: 31. Januar 2026