Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Partenheim (Kreis Alzey-Worms)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Kennkarten aus der NS-Zeit   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen       
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)         
              
In Partenheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht mindestens in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. 
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1804 75 jüdische Einwohner, 1824 110 (9,32 % von insgesamt 1.180 Einwohnern), 1828 130, 1855 Höchstzahl von 165, 1861 119 (10,5 % von 1.128), 1880 68 (6,4 % von 1.064), 1900 36 (3,5 % von 1.035), 1905 27, 1910 26 (2,7 % von 948). Die jüdischen Familienvorstände verdienten ihren Lebensunterhalt als Schuhmacher, Metzger, Viehhändler beziehungsweise Pferdehändler, Weinhändler. Viele hatten dazu auch eine Landwirtschaft (Weinbau; vgl. den Bericht über die antisemitischen Ausschreitungen 1881, als den jüdischen Weinbergbesitzern die Weinstücke ausgerissen wurden). 
  
An Einrichtungen war eine Synagoge und (im 19. Jahrhundert) eine israelitische Schule sowie ein rituelles Bad vorhanden. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war im 19. Jahrhundert zeitweise ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibungen der Stelle unten). Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof in Jugenheim beigesetzt. Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Alzey
 
1881
kam es zu Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung: in den von Juden bewohnten Häusern wurden Fenster eingeworfen oder die jüdischen Einwohner durch andere Aktionen schikaniert. Die sich über mehrere Monate hinziehenden Vorfälle führten zu einer verstärkten Abwanderung der jüdischen Familien aus Partenheim (vergleiche die oben genannten Zahlen). Bereits 1927 war die Auflösung der jüdischen Gemeinde geplant. 
  
Um 1900 war Gemeindevorsteher ein Herr Grünebaum; sein Sohn Otto Grünebaum wurde Lehrer und war u.a. in Schornsheim tätig.  
   
Um 1925, als noch 16 jüdische Einwohner gezählt wurden (in vier Familien, 1,8 % der Einwohnerschaft) waren die Gemeindevorsteher Philipp Walter (Metzger), Wilhelm Sanders und Julius Hirschmann (Weinkaufmann). 
  
Seit 1933 (12 jüdische Einwohner = 1,3 % von insgesamt 947 Einwohnern) trafen die nationalsozialistischen antijüdischen Maßnahmen auch die noch in Partenheim lebenden jüdischen Einwohner. Philipp Walter beziehungsweise Julius Hirschmann waren in den ersten Jahren der NS-Zeit die letzten Vorsteher der Gemeinde. 1939 waren keine jüdische Personen mehr am Ort. Zwei von den 1933 am Ort lebenden jüdischen Personen starben nach der Deportation im Oktober 1940 nach Gurs, zwei wurden in Auschwitz ermordet. 
    
Von den in Partenheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Helene Eichbaum geb. Kahn (1863), Max Hirsch (1886), Friedrich Hirschmann (1888), Julius Hirschmann (1893), Marga Martha Frieda Hirschmann (1925, siehe Kennkarte unten), Nathan Kahn (1867, siehe Kennkarte unten), Karl Löwenstein (1873, siehe Kennkarte unten), Emma Reifenberg geb. Hirschmann (1863), Karoline (Lina) Simon geb. Kahn (1862), Frieda Walter (1897), Henriette Walter geb. Kahn (1858), Friedrich Wolf (1911), Heinrich Wolf (1878), Ida Wolf geb. Dornhardt (1905), Karl Wolf (1908).
      
      
      
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1865 / 1870  

Partenheim Israelit 05041865.jpg (26715 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. April 1865: "Die israelitische Gemeinde zu Partenheim (Rheinhessen) sucht einen Religionslehrer. Nebst gutem Gehalt wird freie Wohnung und Heizung zugesichert. 
Der Vorstand
. Jakob Hirsch." 
 
Partenheim Israelit 15061870.jpg (41462 Byte) Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Juni 1870: "Lehrer gesucht! In der israelitischen Gemeinde zu Partenheim, Rheinhessen, ist die Stelle eines Lehrers, Vorsängers und Schächters vakant. Fixer Gehalt 300 Gulden, Nebenakzidenzien circa 100 Gulden, freie Wohnung und Heizung. Verheiratete Bewerber werden bevorzugt. Anmeldungen wolle man richten an Jacob Hirsch, Vorsteher".

   
    
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Berichte zu den antisemitischen Ausschreitungen in Partenheim 1881

Partenheim Israelit 09021881.JPG (131089 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Februar 1881. Aus Rheinhessen. Auch in unserer Provinz hat die Antisemitenbewegung böse Früchte gezeitigt. In den beiden, meistens von Protestanten bewohnten Dörfern Partenheim und Jugenheim ist die bekannte antisemitische Petition fast von allen protestantischen Bewohnern derselben unterzeichnet worden. - "Was von Berlin kömmt," sagte ein Bürgermeisterei-Adjunkt, "ist gut und muss unterschrieben werden." Dabei ließen es aber die Herren Antisemiten nicht bewenden. Sie warfen den Juden die Fenster ein; schwere Steine wurden auf die Dächer geworfen, die natürlich großen Schaden gelitten haben. Schon haben sich einige Israeliten entschlossen, diese beiden Dörfer zu verlassen und nach Mainz oder Bingen zu ziehen. - Gegen die in den genannten Dörfern wohnenden Juden liegt nicht die geringste Beschwerde vor; es sind fleißige, friedliche Menschen, und unter ihnen befinden sich keine Wucherer. Der Hass ist ein künstlich geschürter, lediglich durch die von Berlin ausgehende Antisemitenbewegung angefacht, Während der großen Kälte in den verflossenen Wochen hatte man, um den Juden einen Schabernack zu spielen, auf das Strengste verboten, für die Juden am Sabbat Feuer anzumachen und die Wärmeöfen zu bedienen, sodass die Armen gezwungen waren, bei 12 Grad Kälte in ungeheizten Zimmern zu sitzen. 
Nach den hier geltenden Gesetzen sind die politischen Gemeinden verpflichtet, für den durch Ruhestörung verursachten Schaden aufzukommen und werden beide Gemeinden die eingeworfenen Fenster und die zerstörten Dächer wieder herstellen müssen, wenn die Täter nicht zu eruieren oder nicht im Stande zu bezahlen sind. Die Anzeuge ist bereits bei der Staatsbehörde gemacht. Die Herren Stöcker, Förster etc. können auf diese Erfolge stolz sein.
Wie wir vernehmen, sind von der Behörde energische Maßregeln ergriffen worden, um die Wiederkehr der Exzesse zu verhindern. 
 
Partenheim Israelit 09021881b.jpg (22277 Byte)Artikel in der Beilage zur Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Februar 1881. Mainz. Auf Verfügung des Großherzoglichen Ministeriums ist die Gemeinde Partenheim, in welcher jüngst verschiedene Ausschreitungen gegen die dort wohnenden Israeliten vorgekommen sind, auf die Dauer von vier Wochen mit einem Gendarmerie-Wachposten, aus zwei Mann bestehend, belegt worden. 
   
Partenheim Israelit 18051881.jpg (34881 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Mai 1881. Partenheim, 10. Mai (1881). Die Antisemiten scheinen immer noch keine Ruhe zu haben; neuerdings verlegen sie sich auf Schändlichkeiten, die nicht scharf genug getadelt werden können. In einer der jüngst verflossenen Nächte wurden die Reben derjenigen Weinberge, die Israeliten gehören, fast sämtlich abgeschnitten, dem Weinmakler B. von Partenheim wurden nicht allein die Einlager und Sprösslinge, sondern auch die Stöcke aus der Erde herausgerissen.   

     
    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Verlobungsanzeige für Hedwig Löwenstein und Richard Neu (1932)  
(aus der Sammlung von Hans-Peter Trautmann)       

Reichelsheim Dok 16021932.png (20914 Byte)Anzeige im "Darmstädter Tagblatt" vom 16. Februar 1932: 
"Hedwig Löwenstein - Richard Neu. 
Verlobte. 
Partenheim (Rheinhessen) - Fränkisch-Crumbach (im Odenwald)"     

        

Kennkarten aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarten zu Personen, 
die in Partenheim geboren sind
 
 Partenheim KK MZ Hirschmann Marga.jpg (93640 Byte)  Partenheim KK MZ Kahn Nathan.jpg (85920 Byte)  Partenheim KK MZ Loewenstein Karl.jpg (90820 Byte)
  KK (Mainz 1939) für Marga Frieda Hirschmann
 (geb. 17. April 1925 in Partenheim), Schülerin,
 wohnhaft in Mainz, am 27. September 1942 
deportiert ab Darmstadt in das Ghetto 
Theresienstadt, am 6. Oktober 1944 in das
 Vernichtungslager Auschwitz, ermordet   
 KK (Mainz 1939) für Nathan Kahn
 (geb. 19. April 1867 in Partenheim), wohnhaft 
in Mainz, am 27. September 1942 
deportiert ab Darmstadt in das Ghetto 
Theresienstadt, wo er am 13. Oktober 1942
 umgekommen ist     
 KK (Mainz 1939) für Karl Löwenstein 
(geb. 9. November 1873 in Partenheim, wohnhaft
 in Darmstadt, am 27. September 1942 
deportiert ab Darmstadt in das Ghetto 
Theresienstadt, wo er am 26. November 1943
 umgekommen ist ) 

    
    
    
Zur Geschichte der Synagoge            
    
Eine kleine Synagoge unbekannten Baujahres war vorhanden (1855 genannt). Sie stand in der Schmiedgasse auf dem Grundstück des Josef Kahn. 1895 wurde festgestellt, dass die Zugänge zur Synagoge unwürdig seien, da unmittelbar daneben ein Schlachthof und eine Metzgerei lagen.      
     
Bereits in den 1920er-Jahren waren kaum noch Gottesdienste in der Partenheimer Synagoge möglich, da es keine zehn jüdischen Männer mehr am Ort gab. Die jüdischen Familien besuchten meist die Gottesdienste im benachbarten Jugenheim. Im Februar 1938 wurde das Synagogengebäude verkauft. Es entging damit der Zerstörung beim Novemberpogrom 1938, doch wurde es in den Kriegsjahren durch Artilleriebeschuss vollkommen zerstört
.    
    
    
Adresse/Standort der SynagogeSchmiedgasse
       
       
Fotos   

Fotos sind noch nicht vorhanden; über Hinweise oder Zusendungen freut sich der Webmaster der "Alemannia Judaica"; 
Adresse siehe Eingangsseite  
  
        

   
    

Links und Literatur  

Links:    

Website der Gemeinde Partenheim    

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. Darmstadt 1972. Bd. 2. S. 194-195.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 273-274.     
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 310 (mit weiteren Literaturangaben).  

    
     

 
 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Partenheim.  Numbering 165 at its height in 1855, the community dwindled to 36 (3 % of the total) in 1900 and 12 in 1933. Partenheim was a Nazi stronghold from 1930 and the Jews disposed of their synagogue before Kristallnacht (9-10 November 1938). By the end of 1939, there were no Jews in Partenheim.  
      
        

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 03. Dezember 2015