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Alzey-Worms)
Jüdische Geschichte / Synagoge
(Seite erstellt unter Mitarbeit
von Wolfhard Klein)
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Partenheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938.
Ihre Entstehung geht mindestens in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück.
Im jüdischen Friedhof in Jugenheim ist das
älteste Grab aus dem Jahr 1671 für Frau Abigail aus Partenheim. Im
Memorbuch des jüdischen Gemeinde Mainz wird Schmuel Stadecken, Sohn des Abraham,
gestorben zu Partenheim und beerdigt in Jugenheim 26. Adar 1694.
1722
gab es vier Schutzjudenfamilien (Abraham, Hirsch Löw, Izig, Hertz, vgl. Liste
unten). In verschiedenen Dokumenten wird über die Handelstätigkeiten der
jüdischen Einwohner berichtet: so verkaufte 1760 der Schutzjude Josef Hersch aus
Partenheim Haus und Hof an Philipp Franz Wamboldt von Umstadt (HStAD B 20 Nr. 779); 1772 musste der Schutzjude Juda von Partenheim wegen
der Bezahlung eines Pferdes gegen einen Gabsheimer Bürger prozessieren (Akten
in
HStAD O 1 A Nr. 48/6 Bl. 1-11v). Er war somit wohl als Pferdehändler
tätig.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie folgt: 1804 75 jüdische Einwohner, 1824 110 (9,32 % von insgesamt 1.180 Einwohnern),
1828 130, 1855 Höchstzahl von 165, 1861 119 (10,5 % von 1.128), 1880 68
(6,4 % von 1.064), 1892 48 (in 13 Familien), 1895 50 (in 12 Familien), 1897 44
(in 12 Familien), 1899 45 (in 10 Haushaltungen), 1901 39 (in 9 Haushaltungen; 3,5 % von 1.035), 1905
36 (von 1.035 Einwohnern), 1910 26 (2,7 % von 948). Die
jüdischen Familienvorstände verdienten ihren Lebensunterhalt als Schuhmacher,
Metzger, Viehhändler beziehungsweise Pferdehändler, Weinhändler. Mehrere hatten
dazu auch eine Landwirtschaft (Weinbau; vgl. den Bericht über die
antisemitischen Ausschreitungen 1881, als den jüdischen Weinbergbesitzern die
Weinstücke ausgerissen wurden).
An Einrichtungen war eine Synagoge
und (im 19. Jahrhundert) eine israelitische Schule sowie ein rituelles Bad vorhanden.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war im 19. Jahrhundert zeitweise
ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war
(vgl. Ausschreibungen der Stelle unten). Von den Lehrern wird genannt: um 1864
bis 1865 Lehrer Bärmann (genannt in "Der Israelitische Lehrer" vom
16.6.1864, ebd. 5.1.1865, Ausschreibung der Stelle 1865 s.u.). Um 1893/1903
wurde der Religionsunterricht durch Lehrer Golding (Essenheim)
erteilt. Damals gab es in Partenheim noch drei, 1895 fünf, 1896 wieder drei,
1903 zehn, 1905 fünf (drei Jungen, zwei Mädchen) schulpflichtige jüdische
Kinder. Ab 1886 war als Kantor und Schochet der Partenheimer Kaufmann J.
Grünebaum in der Gemeinde tätig (vgl. unten Bericht von 1912).
Die Toten der
Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof in Jugenheim
beigesetzt.
Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Alzey.
Von den Gemeindevorstehern werden genannt: 1845 bis 1852 Michel
Kahn; 1863 bis 1865 und 1866 bis 1868 Jacob Hirsch; 1872 Lazarus Kahn; um 1865/70 Jakob Hirsch
(und 1866 Jakob Kahn); um 1872 Lazarus Kahn; um 1877/1880 Jacob Hirsch; um 1892 J. Kahn III., J. Loewenstein, J. Wolf; um 1895 J.
Kahn III, J. Loewenstein und J. Grünebaum; 1896/1903 J. Grünebaum, L. Hirschmann,
J. Wolf, um 1905 Kahn (Quelle: neben den Nennungen in jüdischen Periodika
Recherche von Wolfhard Klein in den Rechnungsbüchern der jüdischen Gemeinde
Partenheim im Centrum Judaicum Berlin).
Von jüdischen Vereinen werden genannt: 1869 eine gemeinsame "Chewra-Kadischa
(Beerdigungs- und Wohltätigkeitsverein) von Partenheim,
Jugenheim,
Vendersheim,
Niedersaulheim,
Stadecken und
Essenheim" ("Der Israelit" vom 11.8.1869
S. 634 Spendenliste). Die "Chewra Kadischa" verwaltete den gemeinsam von
den genannten jüdischen Gemeinden belegten jüdischen
Friedhof in Jugenheim. Um 1895/1903 wird in
Partenheim ein Israelitischer Wohltätigkeitsverein unter Leitung von A.
Kahn genannt.
1881 kam es zu Ausschreitungen
gegen die jüdische Bevölkerung: in den von Juden bewohnten Häusern wurden
Fenster eingeworfen oder die jüdischen Einwohner durch andere Aktionen
schikaniert. Die sich über mehrere Monate hinziehenden Vorfälle führten zu
einer verstärkten Abwanderung der jüdischen Familien aus Partenheim
(vergleiche die oben genannten Zahlen). Bereits 1927 war die Auflösung der jüdischen Gemeinde geplant.
Um 1900 war Gemeindevorsteher weiterhin J. Grünebaum (vgl. oben); sein Sohn Otto
Grünebaum wurde Lehrer und war u.a. in Schornsheim
tätig (Weiteres zu ihm unten). Neben J. Grünebaum waren um 1900 weiterhin L. Hirschmann und J. Wolf im
Vorsteheramt der Gemeinde.
Um 1925, als noch 16 jüdische Einwohner gezählt wurden (in vier
Familien, 1,8 % der
Einwohnerschaft) waren die Gemeindevorsteher Philipp Walter (Metzger;
Gemeindevorsteher bereits mindestens seit 1915, vgl. "Dr. Bloch's
österreichische Wochenschrift" 15.10.1915 S. 770 Spendenliste; dann bis
1935 Landesarchiv Speyer H 51 Nr. 122, S. 14.15.17.29.39.78.91), Wilhelm
Sanders und Julius Hirschmann (Weinkaufmann).
Seit 1933 (12 jüdische Einwohner = 1,3 % von insgesamt 947 Einwohnern) trafen die nationalsozialistischen antijüdischen Maßnahmen auch die
noch in Partenheim lebenden jüdischen Einwohner. Philipp Walter (gest. 1935 s.u.) beziehungsweise
Julius Hirschmann waren in den ersten Jahren der NS-Zeit die letzten Vorsteher der
Gemeinde (Julius Hirschmann: für 1938 Nennung auch im Landesarchiv Speyer H
51 Nr. 68 S, 333). 1939 waren keine jüdische
Personen mehr am Ort. Zwei von den 1933 am Ort lebenden jüdischen Personen starben nach der Deportation im
Oktober 1940 nach Gurs, zwei wurden in Auschwitz ermordet.
Von den in
Partenheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Helene Eichbaum geb.
Kahn (1863), Max Hirsch (1886), Friedrich Hirschmann (1888), Julius Hirschmann
(1893), Marga Martha Frieda Hirschmann (1925, siehe Kennkarte unten), Nathan Kahn
(1867, siehe Kennkarte unten), Karl Löwenstein (1873, siehe Kennkarte
unten), Emma Reifenberg geb.
Hirschmann (1863), Karoline (Lina) Simon geb. Kahn (1862), Frieda Walter (1897),
Henriette (Jettchen) Walter geb. Kahn (1858), Friedrich Wolf (1911), Heinrich Wolf (1878), Ida Wolf geb. Dornhardt (1905), Karl Wolf (1908).
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet (1865 /
1866 / 1870 / 1881)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. April 1865: "Die
israelitische Gemeinde zu Partenheim (Rheinhessen) sucht einen
Religionslehrer. Nebst gutem Gehalt wird freie Wohnung und Heizung
zugesichert.
Der Vorstand. Jakob Hirsch." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der israelitische Lehrer" vom 15. März 1866: "Vakanz.
Die israelitische Religionslehrer und Kantor-Stelle zu Partenheim kann
wieder besetzt werden. Gehalt fl. 300, freie Wohnung und Heizung des
Schullokals. Bewerber wollen ihre Meldungen baldigst an den israelitischen
Vorstand einsenden.
Der Vorstand:
Jakob Hirsch. Jakob Kahn." |
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Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Juni 1870:
"Lehrer gesucht! In der israelitischen Gemeinde zu Partenheim,
Rheinhessen, ist die Stelle eines Lehrers, Vorsängers und Schächters
vakant. Fixer Gehalt 300 Gulden, Nebenakzidenzien circa 100 Gulden, freie
Wohnung und Heizung. Verheiratete Bewerber werden bevorzugt. Anmeldungen
wolle man richten an Jacob Hirsch, Vorsteher". |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Oktober 1881: "Ein
israelitischer Religionslehrer gesucht. Altdeutsch bevorzugt.
Partenheim in Rheinhessen, 11. Oktober 1881. Der Vorstand."
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Oktober 1881: "Ein
israelitischer Religionslehrer per gesucht von der israelitischen Gemeinde
in Partenheim bei Mainz. Polen und Russen werden nicht berücksichtigt.
Partenheim in Rheinhessen, im Oktober 1881. Der Vorstand. -
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Aus dem
jüdischen Gemeindeleben
Liste der Schutzjuden 1722
Dokument
im Hessischen Staatsarchiv Darmstadt Signatur
F 2 Nr. 34/9 (Aufnahmenummer 32): "Zu Partenheim In dem
Ritterschaftlichen flecken befindet sich an Judenschaften als Männer -
Weiber und Kinder so über 13 Jahre alt seindt..."
Aufgeführt werden die vier Familien des Abraham mit Frau Beumele, Hirsch Löw
mit Frau Gutroth und einem (über 13-jährigen) Sohn Löwe, Izig mit Frau Malche, Hertz
mit Frau Boule. Zusammen 9 Personen ohne die unter 13-jährigen Kinder.
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Berichte zu den antisemitischen Ausschreitungen in
Partenheim 1881
Anmerkung: vgl. die Berichte in den Seiten zu
Jugenheim und
Nieder-Olm.
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9.
Februar 1881. Aus Rheinhessen. Auch in unserer Provinz hat die
Antisemitenbewegung böse Früchte gezeitigt. In den beiden, meistens von
Protestanten bewohnten Dörfern Partenheim und Jugenheim ist die
bekannte antisemitische Petition fast von allen protestantischen Bewohnern
derselben unterzeichnet worden. - "Was von Berlin kömmt," sagte ein
Bürgermeisterei-Adjunkt, "ist gut und muss unterschrieben werden."
Dabei ließen es aber die Herren Antisemiten nicht bewenden. Sie warfen den
Juden die Fenster ein; schwere Steine wurden auf die Dächer geworfen, die
natürlich großen Schaden gelitten haben. Schon haben sich einige Israeliten
entschlossen, diese beiden Dörfer zu verlassen und nach Mainz oder Bingen zu
ziehen. - Gegen die in den genannten Dörfern wohnenden Juden liegt nicht die
geringste Beschwerde vor; es sind fleißige, friedliche Menschen, und unter
ihnen befinden sich keine Wucherer. Der Hass ist ein künstlich geschürter,
lediglich durch die von Berlin ausgehende Antisemitenbewegung angefacht,
Während der großen Kälte in den verflossenen Wochen hatte man, um den Juden
einen Schabernack zu spielen, auf das Strengste verboten, für die Juden am
Sabbat Feuer anzumachen und die Wärmeöfen zu bedienen, sodass die Armen gezwungen
waren, bei 12 Grad Kälte in ungeheizten Zimmern zu sitzen.
Nach den hier geltenden Gesetzen sind die politischen Gemeinden verpflichtet,
für den durch Ruhestörung verursachten Schaden aufzukommen und werden beide
Gemeinden die eingeworfenen Fenster und die zerstörten Dächer wieder
herstellen müssen, wenn die Täter nicht zu eruieren oder nicht im Stande zu
bezahlen sind. Die Anzeuge ist bereits bei der Staatsbehörde gemacht. Die
Herren Stöcker, Förster etc. können auf diese Erfolge stolz sein.
Wie wir vernehmen, sind von der Behörde energische Maßregeln ergriffen worden,
um die Wiederkehr der Exzesse zu verhindern. |
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Artikel in der Beilage zur Zeitschrift "Der
Israelit" vom 9. Februar 1881. Mainz. Auf Verfügung des Großherzoglichen
Ministeriums ist die Gemeinde Partenheim, in welcher jüngst verschiedene
Ausschreitungen gegen die dort wohnenden Israeliten vorgekommen sind, auf die
Dauer von vier Wochen mit einem Gendarmerie-Wachposten, aus zwei Mann bestehend,
belegt worden.
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Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. März 1881: "Darmstadt,
14. Februar (1881, Privatmitteilung). Die 'Germania', die sich bekanntlich
seit Jahren nach Exzessen gegen die Juden sehnt, ließ sich jüngst aus Mainz
über Untaten berichten, die in einer Reihe von Ortschaften geschehen sein
sollten, in Oberingelheim,
Stadecken,
Essenheim, Partenheim,
Jugenheim, überall sollen Demolierungen
von Judenhäusern vorgekommen sein. Das Jesuitenblatt knüpft daran selbst
allerhand Betrachtungen, die sich bis zu Dr. Bamberger versteigen. Aber auch
diese kleine Tröstung verbleibt der edlen Germania nicht. Der 'Darmstädter
Anzeiger' bringt aus Partenheim folgenden authentischen Bericht:
Es ist unwahr, dass den hiesigen Israeliten schon seit drei Wochen
allabendlich die Fenster eingeworfen werden. Es kam allerdings vor, dass
einem Israeliten zwei, dem anderen drei Fenster eingeworfen wurden, es
geschah dies aber von 12-15-jährigen Buben und nicht von erwachsenen
Einwohnern, die sämtlich diese Bubenstreiche verurteilen und bedauern. Da
die in Rede stehende Notiz in allen Mainzer Blättern zu lesen war, so kam
die dortigen Staatsanwaltschaft auch hierher, um sich von dem Stand der
Dinge zu überzeugen, fand aber gar nichts vor, das ihr Einschreiten nötig
gemacht hätte, indem die hiesigen israelitischen Einwohner selbst bemerkten,
die Sache sei ja garnicht der Rede wert. In
Jugenheim ist gar nichts vorgekommen, und die zwei Familien, welche nach
Bingen, respektive nach Mainz ziehen, haben diesen Entschluss schon lange
gefasst, indem dort ihre Kinder und Anverwandte wohnen. (Die Vorgänge
waren doch schlimmer, siehe nächste Nummer. Redaktion.)" |
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Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18.
Mai 1881. Partenheim, 10. Mai (1881). Die Antisemiten scheinen immer noch
keine Ruhe zu haben; neuerdings verlegen sie sich auf Schändlichkeiten, die
nicht scharf genug getadelt werden können. In einer der jüngst verflossenen
Nächte wurden die Reben derjenigen Weinberge, die Israeliten gehören, fast
sämtlich abgeschnitten, dem Weinmakler B. von Partenheim wurden nicht allein
die Einlager und Sprösslinge, sondern auch die Stöcke aus der Erde
herausgerissen. |
Bei der Wahl zur Handelskammer für
den Kreis Oppenheim in Partenheim wird Elkan Fröhlich aus
Oppenheim zum Mitglied der Handelskammer
gewählt (1902)
Artikel
im "Israelitischen Familienblatt" vom 18. Dezember 1902: "Partenheim.
Am 2. Dezember diesen Jahres fand hier die Wahl zur Handelskammer für
unseren Kreis in Oppenheim statt. Die
Wahlbeteiligung, welche, wie noch nie, eine sehr rege war, indem mehrere
Kandidaten aufgestellt waren, ergab das Resultat, dass einer unserer
Glaubensgenossen, nämlich Herr Bankier Elkan Fröhlich, als Mitglied
zur Handelskammer gewählt wurde. Herr Fröhlich, welcher auch das Ehrenamt
als 1. Vorsteher der israelitischen Gemeinde
Oppenheim bekleidet, erfreut sich bei
der gesamten städtischen Bürgerschaft, auch der christlichen, größter
Beliebtheit." |
Die "historischen Erzählungen" von
Arthur Kahn (1850-1928)
Anmerkung: Arthur Kahn ist am 5. September 1850 in
Groß-Gerau geboren. Er studierte Medizin
in Berlin (Abschluss mit Promotion zum Dr. med.). Er heiratete Hedwig geb.
Schmuhl, mit der er drei Söhne hatte. Arthur Kahn war mit seiner Familie mehrere
Jahre in den USA, kehrte jedoch 1895 nach Deutschland zurück und lebte in Bonn,
dann in Berlin. Er war schriftstellerisch tätig und sammelte Geschichten
insbesondere aus kleinen jüdischen Gemeinden am Rhein. Diese Geschichten wurden
in jüdischen Zeitschriften veröffentlicht.
In mehreren Erzählungen spielt Partenheim und umliegende Orte eine besondere
Rolle.
Weitere Informationen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Arthur_Kahn
Lutz
Koepke: Ich
spaziere zuweilen von Niedersaulheim nach Mainz. Johannes Neeb und Arthur
Kahn: ein rheinhessisches Lesebuch. Ahrensburg 2024. ISBN 978-3-384-26949-2.
Buch kann heruntergeladen werden von
https://www.regionalgeschichte.net/bibliothek/aufsaetze/koepke-lutz/koepke-ich-spaziere-zuweilen-von-niedersaulheim-nach-mainz.html
bzw. hier
eingestellt als pdf-Datei.
Zum Buchautor Lutz Köpke:
https://de.wikipedia.org/wiki/Lutz_Köpke |
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| Historische Erzählung "Die Dorfseele": im
Mittelpunkt der Bereich um Partenheim |
Beginn der historischen Erzählung "Die Dorfseele - Historische Erzählung
aus dem Anfang des neunzehnten Jahrhunderts. Von Arthur Kahn" in:
"Sabbat-Stunden" - Illustrierte Feuilleton-Beilage der 'Jüdischen Presse'
1902 Nr. 40: "In meinem Zimmer hängt ein kleines Bildnis. welches vor
nunmehr hundert Jahren in den Besitz meiner Vorfahren gelangte. Es ist ein
Aquarell und stellt eine junge Dame dar mit mächtig hoher, weißgepuderter
Haarfrisur, ein Gesichtchen von stiller, vornehmer Schönheit: die letzte
Gräfin von Waldbrunn oder Walbrunn auf Schloss Walbrunn zu Partenheim.
Dort wohnten meine Vorfahren als 'Hofjuden oder Hoffaktoren' der Grafen von
Walbrunn, wie auch der Grafen von Ingelheim.
Die Beziehungen zwischen den Schlossherren und ihren Hofjuden müssen, nach
einigen Briefen und Dokumenten, weiche bis vor wenigen Jahren noch vorhanden
waren, zu schließen, die denkbar besten gewesen sein. In ganz besonderer
Gunst stand bei den Herren von Walbrunn mein Urgroßvater, Löw Partenheim
genannt.
Zu der Zeit, in der unsere Erzählung beginnt, hatten die wenigsten Juden
einen Familiennamen. Sie setzten zu ihrem Vornamen gewöhnlich den Namen
ihres Geburtsortes, den ihre Nachkommen dann als Familienbezeichnung
beibehielten. Als Zeichen ihrer Huld verliehen die Herren von Walbrunn ihrem
Hoffaktor als Privilegium de non appellando im Jahre 1784 den
Familiennamen 'Hirsch', ein Jahr später die Herren von
Dalheim und
Sörgenloch ihrem Hofjuden Nathan zu
Udenheim den Familiennamen 'Kahn'. Und auf besondere Verwendung der am Hofe
zu Darmstadt viel verkehrenden Herren durften die Hofjuden Hirsch in
Partenheim und Kahn in Udenheim Grundbesitz erwerben, was bisher keinem ihrer
Glaubensgenossen im Landgrafentum Hessen gestattet war. Obwohl nun beide
Familien ihre wirklichen Eigennamen auf einem Dokument verbrieft besaßen,
hörten weder Bauern noch Juden auf, den einen meiner Vorfahren und auch
dessen Sohn nach seinem Wohnort Nathan und Aron Udenheim, den anderen, den
Hofjuden, Löw Partenheim zu nennen. Diese Gepflogenheit ist unter den Juden
übrigens so tief eingewurzelt, dass sie selbst heute noch an vielen Orten
gang und gäbe ist und der Träger eines Familiennamens wie Meyer, Stein, Kallmann etc. öfters als Joseph Sprendlinger, Simon Ingelheim oder Susmann
Worms weiter bekannt ist.
Löw Partenheim, der Hofjude, war viele Meilen im Umkreis wegen seiner
bevorzugten Stellung bei den Grafen, wie wegen seines Reichtums und seiner
an Verschwendung grenzenden Wohltätigkeit allverehrt. Sein an Ansehen und
Besitz in gleichem Glanze stehender Freund Aron Kahn war ihm nur an
Gelehrsamkeit und Frömmigkeit überlegen. Doch besaß Löw Partenheim außer
seinem Reichtum ein Kleinod, das dereinst die beiden so hoch angesehenen
Männer noch näher zusammenbringen sollte: die älteste Tochter, die Bepp (Anm.:
Bertha). deren blendende Schönheit einen wahren Sagenkreis um sie wob.
Die Juden der Umgegend pflegten zu sagen, seit Esther, der Gemahlin des
Perserkönigs Ahasverus, und Esterka, der Gattin des Polenkönigs Casimir,
habe es kein so schönes Judenmädchen gegeben, wie Löw Partenheim's Bepp.
Mein Großvater, dessen Schwester sie war, geriet ordentlich in Exstase, wenn
er auf sie zu sprechen kam. 'Sie war wie aus Marmor, mit braunen Haaren und
blauen Augen', pflegte er zu sagen, 'und das Gesicht wie Purpur auf Marmor
gepinselt'. Der Großvater, der sich gerne in poetischen Wendungen
ausdrückte, meinte, das Hohelied habe ganz auf die Bepp gepasst. 'So schön,
wie sie war, so schön und klug ist sie gewesen', fuhr er dann fort, 'sie war
zu schön und zu vollkommen für diese Erde. Kein Wunder, dass die
Herrschaften im Schloss sie so liebten.
Sie ist mit dem Schlossfräulein zusammen erzogen worden..."
Fortsetzung siehe eingestellte pdf-Datei mit den
Artikeln aus der Zeitschrift "Sabbat-Stunden" 1902-1903. |
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| Historische Erzählung "Die ewige Braut";
Partenheim und Orte der Umgebung werden vielfach genannt
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Abschnitt
aus der Erzählung, abgedruckt im "Israelitischen Familienblatt" vom 24.
November 1911: "...Zu der Zeit, in der unsere Erzählung beginnt, hatten noch
viele Juden keinen eigentlichen Familiennamen. Sie setzten zu ihrem Rufnamen
meist noch den Namen ihres Geburts- oder Wohnortes hinzu und wurden zu
diesem einfachen Verfahren auch noch dadurch bestimmt, dass ihre
Glaubensgenossen ohnehin von jeher sich so unter sich kenntlich machten. So
hieß, bevor die Grafen und Freiherren von Wallbrunn als Zeichen ihrer
besonderen Huld ihrem Hofjuden (Hoffaktor), meinem Urgroßvater, den Namen
'Hirsch' verliehen, dieser in der ganzen Gegend Löw Partenheim. In einem
Pergamentdiplom mit vielfach verschnörkelter aber kalligraphisch
meisterhafter Schrift war auch meinem Urgroßvater väterlicherseits, dem
Hofjuden Nathan zu Udenheim als 'Privilegium de non appellando' im Jahre
1779 von den Herren von Dahlheim und Sörgenloch gnädigst verstattet worden,
den Flamen 'Kahn' zu führen. Zugleich war mit diesem Privilegium dem
Hoffaktor und seiner Familie auf ewige Zeiten das Recht verliehen worden,
Grundbesitz in 'jedweglicher Form' zu erwerben und zu besitzen. Trotz dieser
Namensverleihung blieb es bei den Juden und Bauern in der Benennung beim
Alten. Meine Vorfahren hießen auch weiterhin Löw Partenheim und Nathan
Udenheim und bis auf den heutigen Tag ist es auf dem Lande in den
süddeutschen Staaten so geblieben, dass man die Männer nach ihrem Vornamen
und Wohnungsdomizil und nur selten mit ihrem Familiennamen ruft. Nathchen
Weisenau, Mosche Mombach, Leibchen Bing, Manche Poppelsdorf und viele
ähnliche Namen sind auch heute noch den Leuten geläufiger als die wirklichen
Familiennamen. Löw Partenheim, der Hofjude der Wallbrunn und Ingelheim, war
viele Meilen im Umkreis wegen seiner bevorzugten Stellung bei dem Grafen wie
wegen seines Reichtums und seiner an Verschwendung grenzenden Wohltätigkeit
wohl verehrt. Sein an Ansehen und Besitz in gleichem Range stehender Freund
Aron Udenheim, Kahn, war ihm nur an Gelehrsamkeit und Frömmigkeit
überlegen. Doch besaß Löw Partenheim außer seinem Reichtum ein Kleinod, das
dereinst die beiden so hoch angesehenen Männer noch näher zusammenbringen
sollte, die älteste Tochter, die Bepp (Bertha), deren unvergleichliche
Schönheit einen wahren Sagenkreis um sich wob. Die Juden der Umgebung
pflegten zu sagen, seit Esther, der Gemahlin des Perserkönigs Ahasveros, und
Esterka, der Gattin des Polenkönigs Kasimir, habe es kein so schönes
Judenmädchen gegeben, wie Löw Partenheim's Bepp. Mein Großvater, dessen
Schwester sie war, geriet förmlich in Ekstase, wenn er auf sie zu sprechen
kam. 'Sie war wie aus Alabaster' pflegte er zu sagen, 'mit braunen Haaren
und blauen Augen, und das Gesicht wie Purpur auf Marmor gepinselt.' Der
Großvater, der sich gerne in poetischen Wendungen ausdrückte, meinte, das
hohe Lied habe ganz auf die Bepp gepasst. 'Sie war zu schön und zu
vollkommen für diese Erde. Kein Wunder, dass die Herrschaften im Schloss sie
so liebten. Sie ist mit dem Schlossfräulein zusammen erzogen worden, und
wenn diese beiden Mädchen durch's Dorf gingen, wurden sie immer von neuem
bewundert."
Das oben erwähnte kleine Bildchen, welches die junge Gräfin vorstellte,
wurde der Bepp zu ihrem Geburtstage von ihrer vornehmen Freundin geschenkt
und verblieb seitdem in unserer Familie...."
Fortsetzung siehe eingestellte pdf-Datei mit den
16 Folgen des Romans in der Zeitschrift "Israelitisches Familienblatt"
1911-1912 |
Berichte zu
einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
Zum Tod der erst 21-jährigen Sabina Kahn, Tochter von Abraham Kahn (1879)
Artikel
in "Der israelitische Bote" vom 16. Oktober 1879: "Partenheim in
Rheinhessen. Noch selten hat der Tod eines jungen Mädchens in so weiten
Kreisen und in allen Schichten der Bevölkerung solche innige Teilnahme
erregt, als der am 2. Tag von Rosch HaSchanah (Neujahrsfest) erfolgte
Tod des Fräulein Sabina Kahn, Tochter des Herrn Abraham Kahn. In einem
Alter, in welchem gewöhnlich der Wirkungskreis eines Weibes erst beginnt,
schloss hier ein junges Leben, das reich an schönen Taten und Zügen von
einer herrlichen Frauenseele zeugte. Stilles Wohltun, mildes, freundliches
Wirken, durchhaucht von tiefster Frömmigkeit, so war ihr ganzes
jungfräuliches Leben, des einer wackeren Frau in des Wortes schönster
Bedeutung. So edel wie ihr Gemüt, so schön wie ihre Gestalt, so klar war ihr
Geist. Ihrer großen Frömmigkeit halber war sie schon eine seltsame
Erscheinung in unserer Zeit, die leider so wenig solcher Beispiele
aufzuweisen hat. So hauchte sie am 2. Tag von Rosch Haschanah
Nachmittags 2 Uhr ihre Seele aus. Dass die leider so früh Verblichene aber
auch die Liebe und Verehrung der christlichen Bevölkerung in hohem Grade
besaß, bewies sich bei der Beerdigung. Eine so große Zahl Leidtragender,
jeden Alters und jeder Konfession, ist noch nie hier einem Sarge gefolgt. Am
Zom Gedaljah wurde die Hülle der 21-jährigen Jungfrau in den Schoß der
Erde gesenkt, beweint von ihren gramgebeugten Eltern und Geschwistern,
beweint von ihren Verwandten und zahlreichen Freunden, beweint von allen.
die sie gekannt. Und wahrlich - eine Krone ist gefallen von unserem Haupt
- einen Verlust haben alle erlitten, ein schweres Leid hat Alle betroffen.
Möge die Entschlafene sanft ruhen, die schwergeprüfte Familie aber tröste
Gott.
Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."
Anmerkung: - Zom Gedaljah siehe
https://de.wikipedia.org/wiki/Zom_Gedalja |
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Nachruf
in "Der Israelitische Bote" vom 16. Oktober 1879: "Nachruf an Sabine Kahn
in Partenheim.
Noch kann es unser armes Herz nicht fassen, Dass schon dein
reiner Geist nicht mehr hier weilt,
Dass du so schnell uns wieder hast verlassen, Dass du, du Reine, Holde
schon von uns geeilt.
Doch ach, schon sammelt sich der Freunde ernste Schar Vor
unseres Lieblings nun so ödem Haus,
Das Unfassbare wird nun schrecklich wahr, Schon tragen sie den engen
Sarg hinaus.
Wisst Ihr, Ihr Träger, was Ihr uns nun nehmt? 0, ahnet Ihr, dass
dieser enge Sarg
Die Engelreine, deren Tod uns härmt und grämt, Die Welt voll Liebe
dieses schmale Haus uns barg.
Da drinnen schläft ja unseres Lebens Wonne, Da drinnen schläft ja
unsre blasse süße Maid,
Erlosch’nen Blicks — die uns erlosch’ne Sonne Blondlockig, weiß ihr
Antlitz, weiß ihr Kleid.
Noch selten barg sich in so schöner, edler Hülle, Solch hoher Geist
mit reinerem Gemüte.
Ein Herz noch selten heh’rer Tugend Fülle Als deines barg, du reine
Himmelsblüte.
Schön wie du, schön wie dein Herz, war auch dein Leben, Dein Thun,
dein Walten, eine Himmelspoesie,
Dein Wollen stets ein reines Aufwärtsstreben Dein Wirken schön
wie Himmelsharmonie.
Ernst, fromm und gut und kindlich war dein Sinn, Dem Hohen, Schönen stets
nur zugewendet,
So floss, dem Bösen fern, dein unschuldvolles Leben hin, So hast du es, ach!
allzu früh geendet.
Wie ähnlich warst auf Erden du schon einem Engel, Noch lang bevor der
Todesengel dich geküsst,
Ach, einer Lilie gleich geknickt am Stengel Bevor die
Mittagssonne sie begrüßt.
Drum ringen wir im Schmerzenskrampf die Hände, Ob der ins Grab gesunk’nen
Jugendpracht,
Drum namenlos der Schmerz und ohne Ende, Im Herzen Weh, im Herzen — dunkle
Nacht.
Du schläfst nun ruhig und sanft in deinem Grab, Nicht schmerzen dich
mehr Erdensorgen,
Kein grauer Dämm’rungsstrahl fällt trüb hinab Dich neu zu wecken zu einem
düstern Morgen.
Doch wär’ denn nichts mehr weiter uns geblieben, Von dir, als dieser graue
Grabeshügel?
Vergeblich uns’re Sehnsucht, umsonst all unser Lieben, Gesperrt von
furchtbar festem Grabesriegel?
Doch nein! die Liebe führt hinauf zu Himmelshöh’n, Die Liebe ja
— ist stärker noch als Grab und Tod,
Die Liebe, einst verschönt sie unser Wiederseh’n, Sie hebt uns heute
schon hinauf zu dir — zu Gott! E-t-B." |
Otto Grünebaum, Sohn des
Kaufmanns und Gemeindevorstehers J. Grünebaum erhält eine Stelle in Pfungstadt (1901) sowie
weitere Dokumente
Anmerkung: Otto Grünebaum ist als Sohn des Kaufmanns und Gemeindevorstehers J. Grünebaum am
28. Juni 1880 in Partenheim geboren. Nach Abschluss seiner Ausbildung zum Lehrer
war er zunächst im Jahr 1900 ein halbes Jahr Religionslehrer in
Schornsheim. 1901 wurde er Lehrer an der
höheren Bürgerschule in Pfungstadt.
1904 wurde er Lehrer an der Knabenschule in
Gießen (zunächst provisorische, ab 1911 definitive Anstellung. Dazu war er als Kaufmann in Gießen tätig. Er heiratete am 9.
November 1909 Johanna geb. Bockmann, die am 30. August 1888 in
Stein-Bockenheim geboren ist. Mit
ihr hatte er vier Kinder: Kurt (geb. 7. Mai 1910 in Gießen, später
Jurastudium in Freiburg und Gießen, tätig als Journalist, gest. 1988 in Brüssel,
siehe zu ihm
https://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Grünebaum), Walter (geb. 16.
Februar 1910 in Gießen, später Handlungsgehilfe bei Fa. Rosenthal & Markus, 1933
nach Dresden verzogen), Erich (geb. 22. Mai 1917 in Gießen, 1934 nach
Frankfurt, dann nach Palästina emigriert) und Charlotte Pauline (geb. 30.
April 1930 in Gießen, 1937 mit den Eltern nach Frankfurt, dann in die USA
emigriert, verheiratete Elwin). Otto Grünebaum und seine Frau Johanna
emigrierten in die USA, wo beide gestorben sind.
Quelle: Hanno Müller: Juden in Gießen 1788 - 1942. S. 176.
Artikel im "Israelitischen Familienblatt" vom 8. Mai 1901: "Erfreuliches
aus Hessen.
Während die Erklärung über die Grundsätze, von denen die hessische
Staatsregierung bei der Anstellung oder vielmehr Nichtanstellung jüdischer
Justizanwärter ausgeht, wie erst kürzlich an dieser Stelle mitgeteilt, noch
aussteht und erst demnächst zu erwarten ist, kommt uns erfreulichere Kunde
aus dem Ressort des hessischen Kultusministeriums. Es ist schon seinerzeit
mit Genugtuung begrüßt worden, dass die höhere Schulkarriere unseren
Glaubensgenossen in Hessen nicht mehr verschlossen ist, dass wir bereits
staatlich angestellte jüdische Oberlehrer in Hessen zu verzeichnen haben.
Nunmehr können wir die sehr erfreuliche Mitteilung machen, dass unserem
Glaubensgenossen, dem Schulverwalter Otto Grünebaum aus Partenheim
(Rheinhessen) durch ministerielles Dekret eine Lehrerstelle an der
höheren Bürgerschule zu Pfungstadt
übertragen worden ist, und hiermit alle israelitischen Lehrer in Hessen, die
das staatliche Seminar besucht haben, ihre Verwendung gefunden haben. Diese
hocherfreuliche Tatsache erfordert die rückhaltloseste Anerkennung, und es
kann uns nur mit Genugtuung erfüllen, wenn wir sehen, von welch
vorurteilsloser und gerechter Denkart das hessische Schulministerium
neuerdings gegen unsere Glaubensgenossen beseelt ist." |
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Anzeigen
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. September 1901 mit
Neujahrsgrüßen:
"Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die besten Glückwünsche sowie
eine gute Einschreibung und Versiegelung. Familie J. Grünebaum,
Partenheim.
Zum Jahreswechsel an Verwandte, Freunde und Kollegen die besten
Glückwünsche. Gute Einschreibung und Versiegelung O.
Grünebaum, Lehrer, Pfungstadt."
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Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 8. September
1904 mit Neujahrsgrüßen:
"Allen Freunden und Bekannten
eine gute Einschreibung und Versiegelung.
Familie Grünebaum, Partenheim - Otto Grünebaum, Lehrer,
Giessen." |
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Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 28. September 1905 mit
Neujahrs- und Feiertagsgrüßen:
"Allen Freunden und Bekannten auf diesem Weg gute Einschreibung und
Versiegelung sowie vergnügte Feiertage
J. Grünebaum und Familie, Partenheim (Hessen)." |
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Artikel
in der "Israelitischen Wochenschrift" vom 12. April 1911: "Definitive
Anstellung.
Partenheim (Hessen). — Am 1. April dieses Jahres wurde Herrn Lehrer
Otto Grünebaum, welcher bereits 8 Jahre an der städtischen Volksschule
in Gießen als Schulverwalter tätig ist, eine Stelle daselbst
definitiv übertragen. Lehrer Grünebaum ist der Sohn des in Partenheim
wohnenden Kaufmanns J. Grünebaum, welcher schon über 26 Jahre in der
dortigen israelitischen Gemeinde das Amt eines Chasan und Schochet versieht
und seit einigen Jahren auch als Rechner der israelitischen Gemeinde
angestellt ist." |
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Grab
von Otto und Johanna Grünebaum im Cedar Park Cemetery in Paramus, Bergen
County, NJ/USA
https://de.findagrave.com/memorial/290659980/otto-gruenebaum
Grab von Otto Grünebaum: 26. Juni 1880 - 14. Februar 1969 und von
Johanna Grünebaum: 30. August
1888 - 26. Dezember 1972. |
Kurze Mitteilungen zu einzelnen
Personen
- Tod von Karoline Hirschmann geb. Bergmann im Alter von 70 Jahren
(in "Israelitisches Familienblatt" vom 13. September 1928)
- Verlobung von Martin Löwenstein (Schornsheim)
und Hedwig geb. Sanders (Partenheim) in: "Israelitisches Familienblatt" vom
18. April 1929 Familienanzeigen.
- Hochzeit von Martin Löwenstein (Schornsheim)
und Hedwig geb. Sanders (Partenheim) in: "Mitteilungsblatt des
Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens" September 1929 S. 7.
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige von J. Grünebaum -
Stellensuche für ein Mädchen (1898)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juli 1898: "Suche für ein
Mädchen, 17 Jahre alt, welches fast alle häusliche Arbeiten verrichten kann,
auch im Geschäfte nicht unerfahren ist, Stellung in einem besseren Hause, wo
Gelegenheit geboten ist, sich in der Küche als auch in häuslichen Arbeiten
weiter auszubilden. Familienanschluss erwünscht. Nähere Auskunft erteilt:
J. Grünebaum, Vorstand, Partenheim, Rheinhessen." |
Verlobungsanzeige für Hedwig Löwenstein und Richard
Neu (1932)
(aus der Sammlung von Hans-Peter
Trautmann)
Anzeige
im "Darmstädter Tagblatt" vom 16. Februar 1932:
"Hedwig Löwenstein - Richard Neu.
Verlobte.
Partenheim (Rheinhessen) - Fränkisch-Crumbach
(im Odenwald)" |
Todesanzeige/Danksagung für den
Gemeindevorsteher Philipp Walter (1935)
Anmerkung: nach Dokumentation Friedhof Jugenheim
https://www.jugenheim-rheinhessen.de/juedischer-friedhof/languages/de/families/Family_75328326.html
ist Philipp Uri Walter am 22. Dezember 1934 in Partenheim gestorben. Er
war seit 1894 in Partenheim verheiratet mit Henriette (Jettchen) geb. Kahn,
die am 2. Februar 1858 in Partenheim geboren ist. Sie wurde nach der Deportation
ab Frankfurt am Main - zunächst über das Ghetto Theresienstadt, dann in das
Vernichtungslager Treblinka dort am 26. September 1942 ermordet. Auch die am 17.
Juni 1897 in Partenheim geborene und wie die Mutter zuletzt in Frankfurt am Main
wohnhafte Tochter Frieda Walter wurde nach der Deportation 1942 ermordet.
Anzeige
in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 10. Januar 1935:
"Danksagung
Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme bei dem Hinscheiden meines
geliebten Mannes, unseres unvergesslichen Vaters, Schwiegervaters,
Großvaters, Bruders, Schwagers und Onkels, des Herrn
Philipp Walter
sagen wir allen, die an unserem schweren Verlust teilgenommen haben, unseren
tiefgefühlten Dank.
Partenheim, Gau - Odernheim, Köln.
Für die trauernden Hinterbliebenen:
Jettchen Walter geb. Kahn, Frieda Walter,
Selma Köhler geb. Walter, Josef Köhler und drei Enkelkinder."
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| Kennkarten
aus der NS-Zeit |
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Am 23. Juli 1938 wurde
durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von
Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht
eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen
Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch"
galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste
Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt.
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv
zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände:
Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV:
Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm.
Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de |
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Kennkarten
zu Personen,
die in Partenheim geboren sind |
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KK (Mainz 1939) für Marga
Frieda Hirschmann
(geb. 17. April 1925 in Partenheim), Schülerin,
wohnhaft in Mainz, am 27. September 1942
deportiert ab Darmstadt in das Ghetto
Theresienstadt, am 6. Oktober 1944 in das
Vernichtungslager Auschwitz, ermordet |
KK (Mainz 1939) für Nathan
Kahn
(geb. 19. April 1867 in Partenheim), wohnhaft
in Mainz, am 27. September 1942
deportiert ab Darmstadt in das Ghetto
Theresienstadt, wo er am 13. Oktober 1942
umgekommen ist |
KK (Mainz 1939) für Karl
Löwenstein
(geb. 9. November 1873 in Partenheim, wohnhaft
in Darmstadt, am 27. September 1942
deportiert ab Darmstadt in das Ghetto
Theresienstadt, wo er am 26. November 1943
umgekommen ist ) |
Zur Geschichte der Synagoge
Eine kleine Synagoge
unbekannten Baujahres war vorhanden (1855 genannt). Sie stand in der
Schmiedgasse auf dem Grundstück des Josef Kahn. 1895 wurde festgestellt, dass
die Zugänge zur Synagoge unwürdig seien, da unmittelbar daneben ein
Schlachthof und eine Metzgerei lagen.
Bereits in den 1920er-Jahren waren kaum noch Gottesdienste in der
Partenheimer Synagoge möglich, da es keine zehn jüdischen Männer mehr am Ort
gab. Die jüdischen Familien besuchten meist die Gottesdienste im benachbarten
Jugenheim. Im Februar 1938 wurde das Synagogengebäude verkauft. Es
entging damit der Zerstörung beim Novemberpogrom 1938, doch wurde es in den
Kriegsjahren durch Artilleriebeschuss vollkommen zerstört.
Adresse/Standort der Synagoge: Schmiedgasse
Fotos
Fotos sind noch
nicht vorhanden; über Hinweise oder Zusendungen freut sich der
Webmaster
der "Alemannia Judaica"; Adresse siehe Eingangsseite |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen.
Anfang - Untergang - Neubeginn. Darmstadt 1972. Bd. 2. S. 194-195. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 273-274. |
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 310 (mit weiteren Literaturangaben).
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 | Wolfhard Klein: Die Synagogen in Essenheim,
Jugenheim, Nieder-Saulheim, Partenheim, Stadecken und Vendersheim. In:
Mandelzweig (Hrsg.: Förderverein der Synagoge Weisenau) Nr. 2 - 2022.
Eingestellt als pdf-Datei. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Partenheim. Numbering 165
at its height in 1855, the community dwindled to 36 (3 % of the total) in 1900
and 12 in 1933. Partenheim was a Nazi stronghold from 1930 and the Jews disposed
of their synagogue before Kristallnacht (9-10 November 1938). By the end
of 1939, there were no Jews in Partenheim.

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