Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Steinbach (Gemeinde Fernwald, Kreis Gießen)
Jüdische Geschichte / Synagoge

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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
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Zur Geschichte der Synagoge   
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Links und Literatur   

        

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde                  
      
In Steinbach bestand eine jüdische Gemeinde bis nach 1910. 
 
Erstmals werden Juden in Steinbach in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts genannt. 1717/18 ist von Jud Seligmann die Rede, der vorübergehend eine Hofreite kaufte und dafür den Erbzins zu entrichten hatte. Er lebte unter anderem vom Handel mit Tabak. Damals (beziehungsweise schon in den Jahren zuvor) lebten möglicherweise bereits mehrere Juden am Ort, so wird 1706 ein "Jud Gedscheldt" genannt, bei dem jedoch nicht sicher ist, ob er in Steinbach wohnte oder sich nur längere Zeit hier aufhielt. 1735 wird Jud Lieb (Löb Katz) genannt. 
 
Um 1785 gab es zwei jüdische Familien in Steinbach (Seligmann Katz und Aron Katz). Bis 1815 stieg die Zahl auf fünf jüdische Familien, die vor allem vom Handel lebten und eigene Häuser und Ländereien erworben hatten. Es waren die Familien David Katz I, Löb Katz I, Gerson Katz, Löb Katz II und Samuel Katz.       
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1804 21 jüdische Einwohner (3,3 % von insgesamt 656 Einwohner), 1828 38 (5,1 % von 744), 1830 36, 1844 52 (6,2 % von 844), 1861 93 (10,0 % von 983), 1895 42 (4,3 % von 941), 1903 35 (3,6 % von 984). Seit der Mitte der 19. Jahrhunderts sind die jüdischen Familien aus Steinbach ausgewandert (Nordamerika) beziehungsweise abgewandert, unter anderem nach Frankfurt am Main und in einige andere jüdische Gemeinden. Die jüdischen Familien lebten vor allem vom Vieh- und Landesproduktenhandel.    
   
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule, ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Religionslehrer angestellt, der auch als Vorbeter und Schochet tätig war. Als Lehrer werden u.a. genannt: um 1826 Salomon Strauß, um 1839 Lehrer Heinemann, um 1840 Gerson Schulhof, um 1846/48 Abraham Birk (geb. 1822 in Vollmerz), um 1854/56 Lehrer Mayer Stern (geb. in Gladenbach, gest. in Langsdorf), um 1857/58 Lehrer David Stern, um 1860/62 Lehrer Jugenheimer (genannt bei einer Lehrerkonferenz in Gießen 1860), um 1863/65 Lehrer Mainzer, um 1868 Lehrer Morgenthal, um 1869/72 Israel Goldschmidt. 
   
An jüdischen Vereinen gab es einen "Israelitischen Unterstützungsverein" (in den 1850er-Jahren genannt).
   
Auf Grund der Abwanderung der meisten jüdischen Familien wurde die Gemeinde nach 1910 aufgelöst. In den 1920er-Jahren gehörten die nur noch wenigen Steinbacher Juden zur liberalen jüdischen Gemeinde in Gießen. Die Zahl der jüdischen Einwohner ging zwischen 1910 und 1939 von 28 auf 1939 nur noch eine Person zurück. Letzte jüdische Einwohnerin war die mit einem christlichen Einwohner verheiratete Jettchen geb. Löwenberg (geb. 1894). Sie wurde noch im Februar 1945 in das Ghetto Theresienstadt eingeliefert, konnte jedoch nach Kriegsende nach Steinbach zu ihrer Familie (fünf Kinder) zurückkehren. Die ganze Familie hatte in der NS-Zeit schwer unter Restriktionen zu leiden. So wurde ein Sohn 1943 zur Zwangsarbeit in das KZ Buchenwald transportiert, ein anderer Sohn wurde Anfang 1945 zur Zwangsarbeit in eine Munitionsfabrik geschickt.               
     
Von den in Steinbach geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (die Angaben in den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und die Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945" können kaum herausgezogen werden, da die Zuordnung der Nachweise für "Steinbach" oft unklar ist; die nachfolgende Liste nach der Zusammenstellung bei Müller/Damrath s.Lit. S. 34): Sabine Cahn geb- Katz (1865), Ludwig Katz (1886), Moses Krämer (1886), Hermann Krämer (1890), Emil Theodor Löwenberg (1882), Johanna Löwenberg (1884), Franziska Mayer (1874), Frieda Nemrow geb. Neustädter (1883), Paula Rosenthal geb. Katz (1883), Bertha Winkelstein geb. Katz (1856).
Alle genannten Personen sind in Steinbach geboren und lebten später in anderen Orten.
   
Am 12. November 2008 wurde eine Gedenktafel auf dem Kirchenvorplatz mit den Namen der genannten Personen und der Angabe ihrer Geburtshäuser (Adressen) eingeweiht.     
     
     
     
 
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
  

Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Anzeige von Gottschalk Löwenberg (1903)      

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. April 1903: "Suche 
für meinen Sohn, 14 Jahre, mit gutem Schulzeugnis, und guten Kenntnissen eine Lehrstelle, womöglich in einem Manufaktur-Geschäft, bei freier Kost und Logis. Gefällige Offerten erbittet 
Gottschalk Löwenberg, Steinbach
bei Gießen."      

   
   
   
Zur Geschichte der Synagoge                     
    
Zunächst war ein Betraum in einem der jüdischen Häuser vorhanden, vermutlich bereits in dem seit 1812 in jüdischem Besitz (des Samuel Katz) befindlichen Gebäude, in dem um 1854 die Synagoge eingerichtet wurde (dieses Gebäude wird im Brandkataster als "Schulhaus" geführt). 
 
Um 1854 wurde das genannte Gebäude zu einer zweigeschossigen Synagoge mit dem Betsaal mit Frauenempore ausgebaut. Beim Synagogengebäude handelte es sich um ein von der Straße aus zurückliegendes Hinterhaus mit einem langen und schmalen davor liegenden Hof, der von beiden Längsseiten durch Wohnhäuser begrenzt wird. Das Synagogengebäude war ein quadratisches Fachwerkgebäude mit Walmdach. Zwei Eingänge, einer vom Hof aus, der andere an der linken Außenwand, führten in das Gebäude. 
  
Nach der Abwanderung der meisten jüdischen Familien aus Steinbach konnten seit etwa 1910 keine Gottesdienste mehr in der Synagoge abgehalten werden. Das Synagogengebäude kam 1919 in Privatbesitz von Gottschalk Löwenbergs Tochter Johanna und wurde in der Folgezeit als Schreinerwerkstatt verwendet. Nach 1945 wurde das Gebäude zu einem Wohnhaus umgebaut und ist als solches erhalten.      
   
   
Adresse/Standort der Synagoge    Garbenteicher Weg 1   
   
    
Fotos
(Quelle: Altaras 1994 S. 73)   

Das Gebäude der ehemaligen 
Synagoge in Steinbach (um 1980)
Steinbach Synagoge 010.jpg (32112 Byte)  
  Es handelt sich um das Hinterhaus 
(Mitte des Fotos) 
 

   
  
Links und Literatur

Links:  

Website der Gemeinde Fernwald 

Literatur:  

Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 (kein Abschnitt zu Steinbach)  
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 73.  
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) (kein Abschnitt zu Steinbach). 
Hanno Müller: Juden in Steinbach. Fernwald 1988.   
ders.: Juden in den Landämtern Gießen und Hüttenberg 1809-1822. In: Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins 92 2007 S. 271-283.  
Steinbach Fw Lit 020.jpg (77248 Byte)ders. und Friedrich Damrath: Juden in Steinbach. Fernwald-Steinbach 2008. Zweite verbesserte Auflage 2010. 

        
n.e.   

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 11. Dezember 2014