Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Rülzheim mit Kandel (Kreis Germersheim) 
Jüdische Geschichte / Synagoge 

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der weiteren Angestellten der Gemeinde sowie Berichte aus der jüdischen Schule  
Kleinere Mitteilungen aus dem Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
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Kennkarte aus der NS-Zeit     
Zur Geschichte der Synagoge und weiterer Einrichtungen der Gemeinde   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

      

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
    
In Rülzheim bestand bis 1940 eine eine der größten jüdischen Gemeinden in der Südpfalz. 1667 werden erstmals Juden am Ort genannt. Um 1700 sind es mehrere Familien. 1750 wurden acht Familien gezählt, 1808 bereits 179 jüdische Gemeindeglieder (10,2 % der Gesamteinwohnerschaft). 

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts stieg die Zahl weiter an: 1825 237 (10,7 % der Gesamteinwohnerschaft) und 1857 484 jüdische Einwohner (von insgesamt 2.975 Einwohnern). Zur jüdischen Gemeinde in Rülzheim gehörten seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts auch die in Kandel wohnenden jüdischen Personen (1924 9 Personen).

Die Familien lebten großenteils vom Handel, u.a. mit Haushaltwaren, Seife, landwirtschaftlichen Produkten. Jüdische Gewerbetreibende spielten u.a. eine besondere Rolle in der örtlichen Tabakindustrie: drei Zigarrenfabriken am Ort gehörten jüdischen Unternehmern (siehe unten das Dokument zu den Cigarrenfabriken J. Feibelmann & Söhne). 

An Einrichtungen hatte die Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Elementar-/Konfessionsschule, ein rituelles Bad sowie einen Friedhof. Die Konfessionsschule bestand seit 1830/31. An ihr wurden bis zu 104 Schüler unterrichtet (1856). Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Elementarlehrer angestellt, zeitweise auch ein weiterer Lehrer, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (z.B. war neben dem 1916 verstorbenen Hauptlehrer Kahn auch der Lehrer Teitelmann als Vorbeter und Schochet tätig). Zudem hatte die Gemeinde noch einen Synagogen- und Friedhofsdiener angestellt, der auch Vertretungsdienste für den Vorbeter übernahm (vgl. zu diesen Stellen die Ausschreibungstexte unten). 1932 wird unter den Einrichtungen auch eine Gemeindebibliothek genannt. Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat Landau.   
   
Ruelzheim Friedhof 12035.jpg (191962 Byte)Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Heinrich Cahn (geb. 15.5.1884 in Rülzheim, gef. 24.11.1914), Arthur Feibelmann (geb. 17.10.1895 in Dahn, gef. 17.3.1915), Oskar Feibelmann (geb. 16.6.1880 in Rülzheim, gef. 31.7.1916), Joseph Haas (geb. 15.11.1892 in Rülzheim, gef. 30.9.1916), Hermann Klaus (geb. 9.6.1882 in Rülzheim, gef. 16.8.1916), Simon Klaus (geb. 11.8.1883 in Rülzheim, gef. 20.7.1915). Außerdem sind gefallen: Ludwig Cahn (geb. 3.8.1893 in Rülzheim, vor 1914 in Speyer wohnhaft, gef. 23.4.1917), Otto Cahn (geb. 21.4.1882 in Rülzheim, vor 1914 in Germersheim wohnhaft, gest. an der Kriegsverletzung am 12.12.1920 und im jüdischen Friedhof in Rülzheim beigesetzt). 
Links der Grabstein für Otto Cahn im jüdischen Friedhof Rülzheim.    
 
Um 1924, als zur jüdischen Gemeinde 149 Personen gehörten (3,7 % von insgesamt etwa 4.000 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Hermann Feibelmann, Luitpold Haas, L. Traub und Julius Haas I. Als Lehrer und Kantor war Nathan Haas angestellt, als Synagogendiener Heinrich Schönberger. Die Israelitische Volksschule besuchten damals noch 11 Kinder. An jüdischen Vereinen bestanden: ein Armenverein (1924 unter Leitung von H.S. Landauer), ein Frauenverein (1924 unter Leitung von Frau F. Caspary, 1932 unter Leitung von Frau Josef Kaim), der Verein Ahawas chessed (1924 unter Leitung von Leopold Feibelmann, 1932 unter Leitung von Josef Kaim), der Talmud-Tora-Verein (1924 unter Leitung von Willy Loeb, 1932 unter Leitung von Alfons Mayer) und der Synagogen-Chorverein (1924 unter Leitung von Julius Haas II.). 
  
Anfang der 1930er-Jahre waren von den etwa 4.000 Einwohner des Ortes 184 jüdische Personen (1933: 172). Damals war Nathan Falkenberg Vorsitzender der Gemeinde; als Lehrer war Nathan Haas, als Kantor Bernhard Glüßmann tätig. Der Gemeinde Rülzheim waren weiterhin auch die jüdischen Einwohner von Kandel angeschlossen. Im Zusammenhang mit dem Novemberpogrom wurden die Synagoge und viele jüdische Häuser und Geschäfte verwüstet und geplündert; der Friedhof wurde geschändet. Ein großer Teil der jüdischen Einwohner konnte noch aus- oder abwandern, jedoch sind von den 1933 am Ort wohnhaften jüdischen Einwohnern zahlreiche in Konzentrationslagern umgekommen. 
  
Von den in Rülzheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Bella Ackermann geb. Cahn (1870), David Blum (1897), Ida Blum (1870), Fanny Brückheimer (1897), Julius Albert Cahn (1877), Irma Cahn (1875), Josef Cahn (1883), Ludwig Cahn (1865), Otto Cahn (1892), Hildegard Cohen geb. Schönberger (1898), Jenny Crost geb. Schönberger (1896), Julie David (1873), Paula Dreyfuss (1884),  Abraham Falkenberg (1878), Selma Falkenberg geb. Haas (1879), Elsa Fassbender geb. Feibelmann (1901), Alfons Feibelmann (1879), Artur Feibelmann (1878), Berta Feibelmann geb. Dreifuss (1870), Cäcilie Feibelmann geb. Haas (1891), Edith Feibelmann (1927), Elisabeth Fanny Feibelmann (1911), Emil Feibelmann (1862), Emil Feibelmann (1879), Hermann Feibelmann (1875), Hermann Feibelmann (1880), Hermine Feibelmann (1875), Johanna Feibelmann (1901), Julius Feibelmann (1870), Karoline Feibelmann (1886), Leo Feibelmann (1878), Leon Feibelmann (1897), Karoline (Lina) Feibelmann geb. Klaus (1886), Max Feibelmann (1870), Robert Feibelmann (1880), Ruth Feibelmann (1920), Tilly Feibelmann (1891), Zacharias Feibelmann (1865), Wilhelmine Goldscheider geb. Cahn (1859), Blondine Grünebaum geb. Haas (1870), Barbara (Babette) Haas (1864 oder 1865), Elisabeth (Elise) Haas geb. Haas (1872), Emil Haas (1868), Erwin Haas (1888), Eugen Haas (1882), Ida Haas (1866), Isidor Haas (1875), Julius Haas (1869), Julius Haas (1878), Julius Haas (1885), Leopold Haas (1880), Lothar Haas (1921), Max Haas (1870, siehe Kennkarte unten), Melanie Haas geb. Abraham (1894), Salomon (Sally) Haas (1881), Edmund Kahn (1897), Frieda Kahn geb. Kahn (1898), Flora Kapp geb. Klaus (1884), Else Kayem (1893), Paula Kern geb. Klaus (1891), Egon Klaus (1923), Helene Klaus geb. Kirchheimer (1898), Julius Klaus (1886), Ruth Klaus (1926), Nellie Klaus geb. Kaufmann (1900), Otto Klaus (1892), Siegbert Klaus (1888), Therese Klaus (?), Bertha Kleinmeyer geb. Feibelmann (1871), Elias Kling (1868), Blondine Levy geb. Haas (1873), Wigand Löb (1885), Alphons Mayer (1860), Maximilian Mayer (1899), Wilhelmine (Mine) Meier geb. Haas (1890), Rosa Moos geb. Haas (1876), Berta Nathan geb. Mayer (1898), Anna Neu geb. Falkenburg (1877), Lisel Raskin (1911), Karolina (Lilli) Rosenstiel geb. Feibelmann (1897), Minna Rosenthal geb. Cahn (1860), Blondine Rothschild geb. Mayer (1871), Berta Schönberger geb. Felsenstein (1892), Frieda Schönberger (1892), Herta Schönberger (1932), Julius Schönberger (1889), Max Schönberger (1887), Nelly Schwalbe geb. Cahn (1890), Amalie Schwarzberg geb. Wolff (1872), Hermine Simon geb. Klaus (1872), Sophie Steigerwald geb. Schuster (1878), Maria Strauss geb. Haas (1894), Hermine Emilie Wallenstein geb. Haas (1883), Blondine Willstädter geb. Haas (1871), Jakob Wolf (1879), Karoline Wolf geb. Cahn (1888), Herta Zell geb. Mayer (1905).  
              
Von den in Kandel geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Martha Guckenheimer (1902), Ida Haas (1874, Foto des Grabsteines in Gurs siehe unten), Oskar Haas (1875), Paula Simon geb. Haas (1884).
    
 Erinnerung an die Deportation in das südfranzösische Internierungslager Gurs im Oktober 1940: Grabstein für Ida Haas in Gurs       

Kandel Gurs BK 020.jpg (191427 Byte) Grabstein im Friedhof des ehemaligen Internierungslagers Gurs für  
Ida Haas
geb. am 14. Oktober 1874 in Kandel, später wohnhaft in Karlsruhe,  
am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert, wo sie am 7. Januar 1941 umgekommen ist. 
(Foto: Bernhard Kukatzki)      

     
     
     
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der weiteren Angestellten der Gemeinde sowie Berichte aus der jüdischen Schule  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1866 / 1891/92 / 1903 / 1920  

Ruelzheim Israelit 09051866.jpg (79982 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Mai 1866: "Besetzung einer israelitischen Vorbeter und Schulverweserstelle zu Rülzheim in der bayerischen Pfalz. Bei der israelitischen Kultusgemeinde Rülzheim (in der bayerischen Pfalz) ist eine Vorbeter- und Schulverweserstelle vakant, die alsbald besetzt werden soll und mit welcher folgende Bezüge verbunden sind: 
a. Baargehalt aus der Kultuskasse als Schulverweser  250 Gulden    
b. Wohnungsentschädigung  50 Gulden   
c. Erträge der Kasualien vom Vorbeterdienste  100 Gulden   
d. Erträgnisse des Schächterdienstes veranschlagt zu 200 Gulden.   Summa 600 Gulden. 
Bewerber um diese Stelle werden hiermit eingeladen, ihre Gesuche, mit Zeugnissen belegt, innerhalb 4 Wochen bei dem unterzeichneten Vorstand persönlich einzureichen. Kandidaten, welche sich als Vorbeter besonders qualifizieren, erhalten den Vorzug. Rülzheim, den 1. Mai 1866. Der israelitische Synagogenvorstand  Israel Cahn."  
  
Ruelzheim Israelit 28111866.jpg (83159 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. November 1866: "Vakante Schulverweser- und Vorbeterstelle. Bei der israelitischen Kultusgemeinde Rülzheim (bayerische Pfalz) ist die Stelle eines Schulverwesers, womit die Funktionen eines Vorsängers und Schächters verbunden sind, erledigt. Dieselbe wird hiermit zur Bewerbung innerhalb von 4 Wochen unter dem Beifügen ausgeschrieben, dass Kandidaten, welche sich als Vorsänger besonders qualifizieren, den Vorzug erhalten und dass Bewerber ihre Gesuche mit Zeugnissen belegt in der festgesetzten Frist persönlich bei dem Unterfertigten einzureichen haben. Mit der fraglichen Stelle sind folgende Bezüge verbunden. 
Baargehalt  250 Gulden, 
Wohnungs-Entschädigung  50 Gulden, 
Kasualien als Vorbeter 100 Gulden, 
Erträgnisse des Schächterdienstes 200 Gulden; zusammen 600 Gulden.  
Im Fall der neu angestellte Schulverweser respektive Vorbeter den Anforderungen der Kultusgemeinde entspricht, wird eine entsprechende Erhöhung des Gehaltes in Aussicht gestellt. – Rülzheim, 23. November 1866. Der israelitische Synagogen-Vorstand.  Israel Cahn."  
  
Ruelzheim Israelit 28101891.jpg (87283 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Oktober 1891: "Wiederbesetzung der israelitischen I. Lehrerstelle in Rülzheim. Die durch die Pensionierung des Lehrers Nathan Salomon in Erledigung gekommene I. israelitische Lehrerstelle zu Rülzheim wird hiermit zur Bewerbung innerhalb 3 Wochen ausgeschrieben. Die an diese Stelle geknüpften Gehaltsbezüge sind folgende: 1. Gehalt aus der Gemeindekasse Mark 1.050. 2. Für Miteinübung und Direktion des Synagogenchors, sowie für Übersetzen der Haftara und passender Interpretation derselben aus der israelitischen Kultuskasse Mar50, jedoch in widerruflicher Weise. Die Beiträge zum Pensionsfond und zur Witwenkasse übernimmt die Gemeinde. Bewerber um diese Stelle wollen ihre Gesuche in der gestellten Frist persönlich bei der Ortsschulkommission dahier einreichen. 
Rülzheim, 22. Oktober 1891. 
Der Bürgermeister: Seelinger. Der israelitische Kultusvorstand: Haas. 
 
Ruelzheim Israelit 28121892.jpg (106857 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Dezember 1892: "Vakante Schullehrer- und Vorsängerstelle. Durch das Ableben des II. Lehrers ist bei der israelitischen Kultusgemeinde Rülzheim (bayerische Pfalz) die Stelle eines Schullehrers, womit die Funktionen eines Vorsängers und Schächters verbunden sind, erledigt, welche hiermit zur Bewerbung innerhalb 2 Monaten ausgeschrieben wird. Die mit dieser Stelle verbundenen Bezüge sind folgende: 1. Gehalt als Lehrer 471,43. 2. Gehalt als Vorsänger 342,86. 3. Ertrag des Schächterdienstes 500. 4. Wohnungsentschädigung 85,71.  5. Kasualien bar (vorbehaltlich der Vereinbarung mit dem Vorstande) 100.  6. Anschlag eines Gartens 10.  7. Außerdem übernimmt die Gemeinde die Beiträge zum Schullehrerpensionsfond und zur Schullehrerwitwenkasse mit 48, zusammen 1.558 Mark. Der Anzustellende hat den Synagogenchor einzuüben und zu leiten. Bewerber wollen ihre Gesuche mit Zeugnissen belegt sofort dem unterzeichneten Kultusvorstande einsenden, von welchem sie dann Einladung zur Abhaltung eines Probegottesdienstes erhalten. Nur solche Bewerber, welche an einem bayerischen Seminar ihre Anstellungsprüfung mit gutem Erfolg bestanden, musikalisch gebildet und über die Stimmmittel verfügen, können auf die Stelle reflektieren. 
Rülzheim, 24. Dezember 1892. Der israelitische Kultusvorstand: Haas."  
  
Ruelzheim Israelit 14121903.jpg (98168 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Dezember 1903: "Vakanz. In der hiesigen Kultusgemeinde ist die Stelle eines Kantors und Schächters alsbald zu besetzen. Mit derselben ist ein fixiertes Einkommen von 1.000 Mark, ferner Ertrag des Schächterdienstes ca. 600 Mark, sowie sonstige Nebenverdienste ca. 300-400 Mark verbunden. Reichsangehörige Bewerber, welche befähigt sind, den Religionsunterricht eventuell zu erteilen, über gute Stimmmittel verfügen und die zur Leitung eines Chores nötigen musikalischen Kenntnisse besitzen, wollen ihre gehörig belegten Gesuche mit Angabe ihrer Familienverhältnisse bis spätestens 1. Januar 1904 anher einreichen. Seminaristisch Gebildete erhalten den Vorzug. 
Rülzheim (Rheinpfalz), den 8. Dezember. Der israelitische Kultusvorstand: S. Landauer."  
 
Ruelzheim Israelit 04111920.jpg (81851 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. November 1920: "Die Stelle eines Kantors und Schochets ist in der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde bis 1. Januar 1921 neu zu besetzen. Das jährliche Einkommen beträgt 7.000 Mark Fixum und 3.000 Mark garantiertes Nebeneinkommen. Musikalisch gebildeten Herren ist gute Gelegenheit geboten zu schönem Nebenverdienst. Ledige seminaristisch gebildete Herren bevorzugt. Meldungen mit Zeugnisabschriften sind zu richten an den unterzeichneten Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde. 
Rülzheim, den 27. Oktober. Der israelitische Kultusvorstand. Julius Feibelmann."  

 
Ausschreibung der Stelle des Synagogen- und Friedhofdieners (1909)  

Ruelzheim Israelit 13051909.jpg (55649 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Mai 1909: "Die Kultusgemeinde Rülzheim (Rheinpfalz) sucht per sofort einen Synagogen- und Friedhof-Diener, der auch imstande ist, den Kantor und Schochet in dessen Funktionen zu vertreten. Das Einkommen beläuft sich auf Mark 650.- Fixum und circa Mark 700.- nicht garantierte Nebenverdienste. Bewerber, Verheiratete bevorzugt, wollen Ihre Gesuche bis zum 20. Mai 1909 richten an den Kultusvorstand. 
Rülzheim (Pfalz), den 3. Mai 1909. S. Landauer."  

 
Lehrer Nathan Salomon geht in der Ruhestand (1892)  

Ruelzheim Israelit 20061892.jpg (136647 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Juni 1892: "Rülzheim, Pfalz, 29. Mai (1892). Selten bringt der ‚Israelit’ Bericht aus unserer Pfalz; ich will es daher nicht versäumen, von einer Feier seltener Art Notiz zu nehmen, welche zu Ehren des Herrn Lehrers N. Salomon, der während 31 Jahren an der Oberschule dahier gewirkt, am 24. dieses Monats statthatte. Nachdem sich eine stattliche Anzahl Herren verschiedener Konfessionen zur Beteiligung im großen Saale des Gemeindehauses eingefunden, wurde Herr Salomon, von einer Deputation abgeholt, eingeführt. Zuerst ergriff der königliche Distriktsschulinspektor, Herr Luttenberger, das Wort und zeichnete in meisterhafter Rede das Leben, Streben und Wirken des Gefeierten, sodass dieser mit hoher Befriedigung auf die 47jährige, höchst ersprießliche und gesegnete Berufstätigkeit zurückblicken könne. Es habe deshalb auch die königliche Regierung in dem Erlasse, worin dieselbe die Pensionierung des Herrn S. gültig bewährte, diesem Herrn ihre ‚Anerkennung für seine vieljährige, treue Dienstleistung’ ausgesprochen. Hieran reihte Herr Synagogenvorstand Haas warme Worte der Anerkennung, wie Herr Salomon nicht nur in der Schule, sondern auch durch religiöse Vorträge und Interpretationen in der Synagoge belehrend und erbauend in der Gemeinde gewirkt, und überreichte im Auftrage der Kultusgemeinde als Zeichen der Anerkennung ein Geschenk. Gerührt und tief bewegt drückte Herr Salomon in schwungvoller Rede seinen tief gefühlten Dank aus. Daran schloss sich eine gesellige Zusammenkunft, die bis Mitternacht dauerte."

 
Zum Tod von Lehrer Nathan Salomon (1896)  

Ruelzheim Israelit 11091896.jpg (285867 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. September 1896: "Rülzheim, Pfalz (unlieb verspätet). Wiederum hat uns der Tod, der eisig kalte, eine Lücke gerissen in die Reihen jener Kämpen, welche mutig die Fahne des unverfälschten Judentums gleich einem Siegesbanner hochhalten. Herr Oberlehrer Nathan Salomon ist nicht mehr! Am Rosch Chodesch Elul (= Montag, 10. August 1896) bereitete ein längeres Leiden seinem viel bewegten Leben ein jähes Ende. Wenn der Lebensinhalt eines Menschen nach seinem Wirken und Schaffen messen wird, so kann man wohl kühn behaupten, dass selten ein Talent so reich verzinst in die Hand des allgütigen Weltenlenkers zurückerstattet wurde. Pünktlichste, ja peinliche Pflichterfüllung galt Herrn Salomon als Wegweiser seines Erdenwandels. Ein Lehrer in des Wortes edelster Bedeutung, fasste er seinen Beruf von wahrhaft idealer Seite auf. Durch eifrige, gewissenhafte Fortbildung mit allen Errungenschaften der modernen Pädagogik vertraut, musste die in die Herzen seiner Schüler gelegte Saat die herrlichsten Früchte zeitigen. Von seinen Vorgesetzten wurden ihm denn auch wiederholt, besonders bei seiner 50jährigen Jubelfeier, Anerkennungen und Belobung über seine erzieherische Tätigkeit rückhaltlos ausgesprochen.  
Wahrhaft unerreicht wird er jedoch bleiben inbezug auf seine Werke echter jüdischer Wohltätigkeit. Allen derartigen Einrichtungen unserer Gemeinde leistete er in uneigennützigster Weise die treuesten Dienste. Kein Bedürftiger, kein Gedrückter verließ seine Schwelle, ohne lindernden Trost, wie ihn nur aufrichtige Teilnahme spenden kann, fürs wunde Herz empfangen zu haben. Nebst alledem erfreuten sich aber auch die anderen Säulen des Judentums - Tora und Gottesdienst - bei ihm der eifrigsten Pflege. Seine scharfer Geist drang in alle Materien der so überaus reichen jüdischen Literatur ein und freudig strahlte sein Auge, wenn er eine kostbare Perle aus dem tiefen Meere des Talmud an's Tageslicht gefördert hatte. Allen unvergesslich wird sein schöner Schiur (Lernstunde) bleiben, in dem er als echter Sohn der Tora (= Toragelehrter) an den geistigen Standpunkt seiner Hörer anknüpfte und ihnen in Kürze eine Fülle anziehender und belehrender Wahrheiten bot. 
Dem Dahingeschiedenen war es leider nicht erspart geblieben, auch den Kelch des Leidens zu kosten. Ein Töchterchen, womit seine Ehe gesegnet war, das sein eheliches Glück auch für die Zukunft mitfördern helfen sollte, wurde ihm durch den Tod entrissen. Noch Schlimmeres sollte ihm widerfahren! Sein auf idealer Basis aufgebautes Familienleben wurde in seinen Grundfesten erschüttert, als sein geliebtes, edles Weib - sie ruhe in Frieden - vor 6 Jahren das Zeitliche mit dem Ewigen vertauscht und ihn beinahe vereinsamt zurückließ. Auch an ihm selbst war die Zeit nicht spurlos vorbeigerauscht; ein schweres Leiden zwang ihn, der Schule, seiner Welt, zu entsagen und den wohl verdienten Ruhestand aufzusuchen, den er leider nur 4 Jahre genießen konnte. 
Sein Leichenbegängnis legte beredtes Zeugnis davon ab, welcher Beliebtheit sich der Dahingeschiedene in allen Kreisen unserer Bevölkerung zu erfreuen hatte. Zahlreiche nichtjüdische Mitbürger, viele Kollegen und Freunde des Verblichenen waren herbeigeeilt, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. An der Bahre zeichnete H. Rabbiner Dr. Meyer aus Zweibrücken in kurzen Strichen die Verdienste des Heimgegangenen. Um den Verstorbenen weint eine Nichte, die er im zarten Kindesalter adoptierte und welcher er zum treubesorgten Vater ward. 
Möge Herr Lehrer Salomon in jenen lichten Gefilden den reichsten Lohn seines irdischen Wirkens finden. Sein Andenken aber wird in hiesiger Gemeinde für ewige Zeiten gesichert sein, denn wer den Besten seiner Zeit genug getan, der hat gelebt für alle Zeiten. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

  
Lehrer und Kantor Heinrich Schottland (nach 1903 bis 1920 Lehrer in Rülzheim) 
Anmerkung:  Lehrer Heinrich (Heinz) Schottland ist am 21. Februar 1884 in Bretzing [Brzeziny] bei Lodz, Polen geboren. Seine Eltern waren Moses Schottland (geb. 10. November 1855 in Brzeziny, gest. 7. April 1924 in Burghaslach, dort Bericht zu seinem Tod; Kaufmann und Kultusbeamter) und Esther geb. Schottland (geb. 18. Mai 1856 in Brzeziny, gest. 29. April 1933 in Würzburg). Heinrich Schottland besuchte die Israelitische Lehrerbildungsanstalt in Würzburg (Examen 1903). Er war zunächst Lehrer in Rülzheim, wo er 1906 Eugenie geb. Leb heiratete; seit Herbst 1920 war er Lehrer in Frankenthal. 1936/37 übernahm er die jüdische Sonderklasse in Ludwigshafen (siehe Pressebericht), 1937 emigrierte er mit seiner Frau und der Familie in die USA, wo er sich Henry Morris Shotland nannte. 1954 wurde er zum Rabbiner ordiniert und gründete die Tikwah-Chadosho-Synagoge in New York. Er starb 1957 in New York.    
Quelle: vgl. Strätz Biographisches Handbuch Würzburger Juden II S. 524; Angaben von Werner Schäfer, Frankenthal; einige weitere Angaben siehe Seite zu Frankenthal.    

Fotos zu Lehrer und Kantor 
Heinrich Schottland 
(erhalten von Werner Schäfer,
 Frankenthal)  
Frankenthal Schottland 107.jpg (81322 Byte) Frankenthal Schottland 105.jpg (185093 Byte) Frankenthal Schottland 106.jpg (76286 Byte) Ruelzheim Aufbau 241957a.jpg (114178 Byte) Ruelzheim Aufbau 241957b.jpg (95140 Byte)
Auf dem ersten Foto von links: Kantor Heinrich Schottland als Soldat im Ersten Weltkrieg (noch während der Rülzheimer Zeit). 
Auf dem zweiten Foto von links: Familie Schottland 1930; stehend hinten von links: Alexander Eduard (geb. 2. Oktober 1907 in Rülzheim, studierte Jura und war in Frankenthal Referendar im Bezirksamt, lebte nach 1927 in Heidelberg, promovierte zum Dr. jur., war als Rechtsanwalt tätig, lebte in Saarbrücken und anderen Orten; starb 1959 in New York), Gertrude (Trude, geb. 19. Juli 1910 in Rülzheim, studierte 1932 bis 1935 in Würzburg und wurde noch Zahnärztin in Mannheim, 1937 in die USA emigriert), Edwin (geb. 18. Dezember 1908 in Rülzheim, Abitur in Ludwigshafen 1927, Studium der Mathematik und Physik in Heidelberg, Paris, Göttingen, Berlin und München, 1934/35 promoviert in Heidelberg [Quelle]; war 1934/35 am Internat Prediger Hirsch in Coburg als Lehrer tätig); Im Vordergrund von links: Heinrich Schottland, Tochter Hannah (geb. 15. Juni 1922),  Eugenie geb. Löb (geb. 27. Juni 1880 in Rülzheim)  
Auf dem dritten Foto von links: Tochter Hannah Schottland (geb. 15. Juni 1922 in Frankenthal). Vgl. Seite zu Frankenthal.   
Ruelzheim Aufbau 1958.jpg (80543 Byte) Rechts oben die Todesanzeigen für Lehrer/Rabbiner Schottland / Shotland in der Zeitschrift "Der Aufbau" vom 1.3.1957.
  
Links der Bericht über die Beisetzung von Rabbiner Shotland am 24. Februar 1958 
in der Zeitschrift "Der Aufbau" vom 8. März 1957.     

 
Zum Tod von Hauptlehrer Kahn (1916)   

Ruelzheim FrfIsrFambl 18081916.jpg (65428 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 18. August 1916: "Rülzheim (Pfalz). Die Trauerkunde von dem Hinscheiden des Hauptlehrers Kahn hat allgemein Betrübnis hervorgerufen. Durch sein mildes, herzliches Wesen hatte er sich bei Juden und Christen zahlreiche Verehrer erworben. Von seinen Schülern und Schülerinnen wurde er innigst geliebt. Der jüdischen Gemeinde war er ein treuer Führer und Berater. Die Beteiligung an der letzten Ehrung war eine ungewöhnlich große. Es sprachen Rabbiner Dr. Steckelmacher, Lehrer Teitelmann, der Ortspfarrer, der Bürgermeister Hauptmann Schönewald und der christliche Lehrer."   

   
Über den Lehrer Arthur Godlewski (ca. 1921 bis 1927 in Rülzheim) 

(Quelle: Gedenkbuch für die Karlsruhe Juden - Seite zu Arthur und Elise Godlewsky  

Untergrombach Godlewsky 010.jpg (45490 Byte)links: Elise und Arthur Godlewsky. 
Zur Familie vgl. u.a. auf der Seite zu Cham unter den Artikel zu den jüdischen Lehrern. 
Arthur Godlewsky (geb. 1892 in Sulzbach) studierte an der Jeschiwa in Höchberg, danach am Jüdischen Lehrerseminar in Köln. Er machte den ganzen Ersten Weltkrieg als Frontkämpfer mit und kam hoch dekoriert aus dem Krieg zurück. 1921 heiratete er in Rexingen Elsa (Elise) Lemberger (geb. 1895). Damals ist als Wohnort von Arthur Godlewsky bereits Rülzheim angegeben, wo er als Kantor und Religionslehrer tätig war und von Februar 1921 bis Januar 1927 auch ein Schuh- und Sportartikelgeschäft betrieb. Von 1921 bis 1925 erteilte er an den Mittel- und Volksschulen von Germersheim und Leimersheim zusätzlich Religionsunterricht. Wegen staatlichen Geldmangels verlor er diese Beschäftigung 1925. Von Februar 1927 an bis 1930 war Godlewsky Lehrer in Untergrombach, von 1930 bis 1938 er in Karlsruhe-Durlach und Karlsruhe, bis er schließlich nach Konstanz versetzt wurde. Beim Novemberpogrom 1938 wurde er misshandelt und verhaftet. Am 22. Oktober 1940 wurde das Ehepaar nach Gurs deportiert und über andere Lager 1942 nach Auschwitz deportiert und ermordet.     

       
Schulprüfung im Religionsunterricht (1937)     

Artikel in "Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz" vom 1. November 1937: "Rülzheim. (Schulprüfung). Vor kurzem fand in Rülzheim die Jahresprüfung der schulpflichtigen Kinder in der Religionslehre statt. Man konnte mit Freude feststellen, in welchem Maße sich die Schuljugend in den Geist der hebräischen Sprache eingelebt hat. Sogar die Allerkleinsten setzten in ihrer Unterhaltung in hebräischer Sprache über verschiedene Dinge des Schulzimmers alle Anwesenden in Erstaunen."        

    
    
Kleinere Mitteilungen aus dem Gemeindeleben 
Erfolglose Wahl des Synagogen-Ausschusses (1911)  

Ruelzheim FrfIsrFambl 01091911.jpg (23457 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 1. September 1911: "Rülzheim (Pfalz). Die Wahl des Synagogen-Ausschusses verlief ergebnislos, da von 50 Wahlberechtigten nur einer seine Stimme abgab."

     
Gründung eines Jugendvereins durch Kantor Teitelmann (1916)  

Ruelzheim FrfIsrFambl 03111916.jpg (38516 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 3. November 1916: "Rülzheim. Trotz des Krieges zeigt sich allenthalben das Bedürfnis, das geistige Leben in die alten Bahnen zu lenken. Es war wohl einem glücklichen Einfall unseres Kantors Teitelmann zu danken, dass die hiesige Jugend zu einem Verein zusammentrat. Für den Winter sind mehrere größere Veranstaltungen, sowie Lehrkurse geplant."  

     
     
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Ein jüdischer Einwohner rettet dem Pfarrer Gerber das Leben (1816)  

Ruelzheim Sulamith 1817 64.jpg (42957 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Sulamith' Jahrgang 1817 S. 64: "Die königlich bayerische Kreisdirektion zu Landau belobt im dortigen Kreisanzeiger, den Israeliten Wolf zu Rülzheim, welcher am 3. Juli 1816 den, von einem wütenden Zuchtstiere zu Boden geworfenen dortigen Pfarrer Gerber, mit eigener Lebensgefahr das Leben rettete." 

 
Zum Tod von Lazarus Cahn I. (1875)  

Ruelzheim Israelit 20011875.jpg (234204 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Januar 1875: "Aus der bayerischen Rheinpfalz. Wenn vorzugsweise in unserer Zeit das Beispiel wahrhaft frommer, vom väterlichen Glauben begeisterter Männer ein so wichtiger, ja fast unentbehrlicher Hebel zur Erhaltung und Kräftigung des jüdisch-religiösen Lebens in der Gemeinde ist: so ist unverkennbar der Verlust solcher Männer umso beklagenswerter und schmerzlicher, da das Judentum unserer Zeit, leider! an solchen Männern keinen Überfluss hat. 
Auch die israelitische Gemeinde Rülzheim hat einen solchen Verlust durch das Hinscheiden eines teuren und treuen Mitgliedes erlitten und fühle ich mich gedrungen, dem Manne, den uns der unerbittliche Tod nach des Allmächtigen unerforschlichem Ratschlusse so plötzlich entrissen, in diesen von dem Verblichenen - er ruhe in Frieden - so hoch geschätzten Blättern ein Denkmal der Liebe und Verehrung zu setzen.
Lazarus Cahn I., Teilhaber der Firma Ulrich Cahn hier, entschlummerte am 9. dieses Monats, morgens 1/2 2 Uhr in einem Alter von erst 52 Jahren. 
Im Traktat Sabbat 145b heißt es: 'In der Geburtsstadt, d.h. im irdischen Dasein, da erhält der Mensch seinen Wert durch die Stimme der Zeitgenossen; scheidet er aber von hinnen und tritt sein Name in die Erinnerung der Nachwelt ein, so wird der Stempel seines Rufes bedingt von dem Gewande, in welchem sein Wirken der Nachwelt überliefert wird.
Auf den Heimgegangenen dürfen wir nach beiden Richtungen hin das alte Wort, dass (hebräisch und deutsch:) der Abzug eines frommen Mannes eine bemerkbare Lücke in seinem Wohnorte bereite, Platz greifen lassen. Wer seinen bescheidenen, echt frommen Wandel beobachtet, wie er nie stolz oder dünkelhaft sich erhoben; wer seine Gewissenhaftigkeit in der Beobachtung religiöser Vorschriften, in der mit seltener Genauigkeit gepaarten Übung der kleines Mizwaus (Gebote) bemerkt; wer seine Liebe zum Wohl tun, seine Hingabe für Tora und Gebet, seine Freude und seinen Eifer für Edles und Erhabenes gekannt hat: der vermag sich den Eindruck vorzustellen, den die am frühen Morgen, am Heiligen Schabbat Paraschat WaEra (Schabbat mit der Toralesung WaEra = 2. Mose 6,2 - 9,35) verbreitete Schreckenskunde von seinem Hintritte auf die Einwohnerschaft - unter der jüdischen wie unter der nichtjüdischen - hervorbrachte. 
Montags vorher fastete er noch den zweiten Fasttag (Montag, 11. Januar, an dem das lange Wehu Rachum-Gebet gesprochen wurde) der sowie zu Jom Kippur Katan am Mittwoch vorher (Rüsttag vor Rosch Chodesch; d.h. in diesem Fall am Mittwoch, 6. Januar 1875 vor dem 1. Schewat = 7. Januar 1875).
Dass eine tiefe Trauer auf allen Gesichtern sich abspiegelte, die am Sonntag (10. Januar 1875) in großer Zahl dem Leichenzuge folgten, lässt sich wohl denken. - Sein unvergesslicher Name und die Erinnerung an sein mustergültiges Leben als Gatte, Vater, Bruder und Familienglied, als Jude, Bürger und Mensch im edelsten Sinne des Wortes, wird seiner mit irdischen Gütern gesegneten, aber schwer geprüften Familie, welche mit dem talmudischen Trauerredner klagen darf:  'Wehe um die Verlorenen, die nicht wieder gefunden werden' - als der größte Schatz ihres Erbteils dauerhaft bleiben."

 
Zum Tod von Rabbi Samuel Klaus (1875) 

Ruelzheim Israelit 03031875.jpg (250143 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. März 1875 (abgekürzt zitiert): "Aus der bayrischen Pfalz. Kaum sind die Zähren getrocknet ob des schweren Verlustes, von dem die Gemeinde Rülzheim - Gott möge sie schützen - betroffen wurde - und diese schätzbaren Blätter vor ca. 3 Wochen Notiz davon nahmen - und siehe 'unsere Augen rinnen von Tränen und unsere Wimpern fließen von Wasser' (Jeremia 9,17). Denn wir standen schon wieder am Sarge eines Mannes, der zu den seltenen sowohl hier, als in der ganzen Pfalz zählte!
Ach dieser unerbittliche Tod! 'Heute pocht er an dieser Pforte, morgen an jener; noch Keinen hat er verschont! Die unerwünschte, schmerzliche Botschaft, früher oder später, bestellt er an jeder Schwelle, wo ein Lebendiger wohnt!' 
Rabbi Samuel Klaus hieß der Teure, dessen Verlust wir beklagen, dessen sterbliche Hülle gestern, 7. Februar, dem kühlen Schoße der Erde überantwortet wurde... Der Verblichene (fing) in seinem 12. Lebensjahre an, bei Rabbi Josef - er ruhe in Frieden - zu Albersweiler) zu 'lernen'. Durch seinen eisernen Fleiß, gepaart mit eminentem Talente machte er überraschende Fortschritte, so, dass er zu 15 Jahren als 'feiner Bochur' in Frankfurt am Main eintrat. Zwei Jahren verbrachte er daselbst... Widrige Familienverhältnisse aber beriefen ihn nach Hause; denn seine selige Mutter war Witwe geworden, und er sollte Ernährer derselben und ihrer drei noch unmündigen Kinder werden... Er wurde Fruchthändler, erwarb sich als solcher allgemeines Vertrauen und, erst nachdem seine Geschwister erzogen und versorgt waren, dachte er daran, ein 'Haus' zu gründen. Auch da ruhte der 'Segen Gottes auf seinen Werken'... Ja, jede freie Stunde, die ihm an Werktagen blieb, ganz besonders aber Sabbate und Festtage widmete er der Beschäftigung mit Talmud und Midrasch, bewies aber auch durch sein Beispiel, dass nicht das Lernen die Hauptsache ist, sondern die Tat. Und wenn so der vielen Grüfte wir gedenken, die sich in kürzerer Zeit hier und anderwärts über eine Anzahl aus den Reihen der Unsrigen geschlossen, dürfte die Frage sich herandrängen: Wo ist ein genügender Ersatz uns geboten? Wer tritt an die Stelle der 'Gegangenen' in die Vorderreihe? Wer füllet die großen Lücken aus, die unter uns entstanden sind? Wohl besitzen wir hier und da Männer, welche in unermüdlicher Tätigkeit und mit zähestem Widerstande der Verflachung des religiösen Lebens entgegentreten; aber sie sind großenteils über die Höhen des Lebens hinaus und - zu vereinzelt. Von dem Verblichenen dürfen wir sagen: 'und seine Hände blieben aufrecht bis Sonnenuntergang' (2. Mose 17,12), er blieb fest in wahrhafter Frömmigkeit bis zum Untergange seiner Lebenssonne, der am Vortag zum Heiligen Schabbat Paraschat Mischpatim (Vortag zum Schabbat mit der Toralesung Mischpatim = 2. Mose 21,1-24,18, das war Freitag, 5. Februar 1875). Ist seine irdische Hülle ihrem Ursprunge wiedergegeben..., sein Geist aber und Beispiel werden lange, werden immer fortleben im Kreise seiner Frau und Kinder, in den Herzen seiner zahlreichen Freunde, unter seinen Gemeindegenossen, welche alle nicht daran zweifeln, dass seine Seele sei eingebunden in den Bund des Leben. Rülzheim 5636. N. Salomon, 1. Lehrer."      

   
Zum Tod von Mina Feibelmann (1875)  

Ruelzheim Israelit 27101875.jpg (130114 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Oktober 1875: "Rülzheim. Am Halbfeiertag von Sukkot vollendet eine Fromme, die Treuen schwinden von den Menschenkindern (nach Psalm 12,2). Eine Fromme hat vollendet, die Treuen schwinden dahin von den Menschenkindern. Wieder hat der Tod die Reihe unserer Frommen gelichtet. Frau Witwe Mina Feibelmann hat am Dienstag, dem Halbfeiertag von Sukkot (= 19. Oktober 1875), im Alter von 76 Jahren das Zeitliche gesegnet. Wenn von irgend einer jüdischen Frau das schöne Wort: (hebräisch und deutsch:) 'Ein graues Haupt ist eine herrliche Krone, auf dem Wege der Frömmigkeit wird sie erlangt', gesagt werden kann, so gilt es besonders von der Heimgegangenen, denn ihre Pflichten als Gattin, Hausfrau und Israelitin galten ihr als ihr Höchstes, ihr Teuerstes. Ihrem Gatten, der ihr schon vor 24 Jahren durch den Tod entrissen wurde, war sie stets eine treue und liebevolle Gefährtin, eine wahre Gehilfin des Lebens. Tätig früh und spät, solange ihre Kräfte es nur gestatteten, legte sie in emsiger Rührigkeit stets selbst Hand ans Werk und fand im häuslichen Wirken ihre größte Lust und Freude. So lebte sie auch für ihre Nebenmenschen. Wie hat sie so gern Beistand und Hilfe geleistet, wo es nötig war! Die Klagen der Armen und Dürftigen fanden bei ihr kein verschlossenes Ohr und kein verhärtetes Herz. Den Lehren und Vorschriften Gottes gemäß zu leben, war ihr Streben, ihr Ziel. Den Ratschlüssen und Schickungen Gottes sich ganz anheimzustellen, erkannte sie für die Aufgabe ihres menschlichen Daseins und darum auch des ihrigen, und das hat sie auch bewährt in guten und schlimmen Tagen, von denen sie eben so wenig wie noch irgend ein Staubgeborener frei geblieben ist. Sie hinterlässt 5 Kinder, 32 Enkel und 1 Urenkel. Mit Recht dürfen wir daher ihr zurufen: 'Es sterbe meine Seele den Tod der Frommen und sei ein solcher mein Ende' (4. Mose 23,10). O, möchten auch wir so den Tod der Gerechten sterben, möchte unser Ende wie das ihrige sein: Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens. Amen."  

 
Zum Tod von Louise Salomon (1890)  

Ruelzheim Israelit 08011891.jpg (261499 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Januar 1891: "Rülzheim, bayerische Pfalz, 26. Dezember (1870).  (deutsch und hebräisch:) 'Wehe um die, welche dahinschwinden und nicht mehr aufzufinden sind'. - Wenn das Verdienst von edlen Männern, welche als öffentliche Charaktere in weiteren Kreisen Segen stifteten, besonderer Anerkennung würdig erscheint, so darf auch das Verdienst edler Frauen, die im engeren Kreise die Leuchte des echten, unverfälschten Judentums, sowie das Licht wahrer Menschenliebe strahlen ließen, nicht ungewürdigt bleiben. Einer solchen Edlen unseres Volks lassen Sie uns, hochgeschätzter Herr Redakteur, gerade in dieser von ihr seit mindestens 25 Jahren regelmäßig mit großer Begeisterung gelegenen Zeitschrift ein bleibendes Denkmal setzen, nachdem deren Leben abgeschlossen vor uns liegt, und es umso mehr verdient, öffentlich erkannt zu werden, je stiller und bescheidener es wirkte. Frau Louise Salomon, in Wahrheit ein Muster echter Frömmigkeit, im wahren Sinne des Wortes eine wackere Frau hat am 17. Dezember nach längerem Leiden ihre irdische Laufbahn vollendet. Zu Herschberg, einem kleinen Orte, von zwar wohlhabenden, aber einfach lebenden Eltern stammend, erhielt dieselbe, fern von allem eiteln Prunke, eine fromme, religiöse, sittliche Erziehung. Ganz besondert hatte sich in ihr die echtreligiöse Gesinnung ihrer Mutter - sie ruhe in Frieden - einer Tochter des ehemaligen Rabbiners zu Homburg bei Zweibrücken, Rabbi Nathan Salomon, bewahrt, und sie bildete Gottesfurcht die reine und lautere Frömmigkeit den Grundton ihres Lebens. Und wenn die wahre Bildung besteht in der Reinheit und dem Edelmute des Herzens, in der Biederkeit des Charakters, so hat sie solche im höchsten Grade besessen und auf die wohltuendste Weise kundgetan. 
Im stillen häuslichen Kreise, an der Seite ihres sie so zärtlich liebenden Gatten, N. Salomon - sein Licht leuchte -, entfaltete sie als Gattin und Hausfrau in ihrer bescheidenen Art eine Fülle des Segens, und sie war der Mittelpunkt, von welchem aus Glück und Freude, Heiterkeit und Frohsinn nach allen Seiten hin sich verbreitete. Denn nicht auf den engen Kreis ihrer Familie beschränkte sich ihr edles Wirken; ihre emsige und wohltuende Tätigkeit, ihre Herzensgüte kannte keine Schranken. Die Pforten ihres Hauses waren weit geöffnet allen, die darin eine Stätte der Ruhe und der Erquickung suchten. In der umfassendsten Weise genügte sie einem heiligen Bedürfnisse ihres für Tora, Gottesdienst und Wohltätigkeit beseelten Wesens durch besondere Aufmerksamkeit gegen Gelehrte und Toralehrer
Als Hochgenuss galt ihr der Besuch der Synagoge, den sie mit den Worten 'Ich freue mich mit denen, die zu mir sprechen: Ins Haus des Ewigen lasset uns gehen' (Psalm 122,1) einleitete, und wahrlich zeugte die Innigkeit, mit der sie die Gebete sprach, von ihrer Gesinnung dem dem Verständnisse. 
Und so hat sie sowohl als Vorsteherin des israelitischen Frauenvereins seit 21 Jahren, wie überhaupt durch ihr liebevolles, menschenfreundliches, segenbringendes Walten und Wirken innerhalb wie außerhalb ihres Hauses die Achtung und Liebe aller, die mit ihr verkehrten, in hohem Grade erworben. An ihrem Leichenbegängnisse beteiligte sich die ganze israelitische Gemeinde, der ganze Gemeinderat mit dem Bürgermeister an der Spitze, sämtliche dahier wirkende Lehrer und noch viele andere. Möge ihr tief gebeugter Gatte hierin, sowie in der Verehrung, die sie stets gezollt erhielt, Beruhigung und Tröst finden. Möge ihr schönes Beispiel zur Nachahmung ermuntern 'zum ewigen Gedenken sei der Gerechte'! Sie selbst aber möge eingehen in die lichten Höhen des Edens und dort die Frucht ihrer guten Saat ernten! Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

  
Albert Friedhoff eröffnet ein rituelles Speisehaus in Bad Wildbad (Württemberg) (1901)
   

Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Mai 1901: "Wildbad, im Mai (1901). Es dürfte die Leser des Israelit ohne Zweifel interessieren, dass in unserem herrlichen Orte Herr Albert Friedhoff aus Rülzheim ein rituelles Speisehaus erreicht hat. Ein streng religiöser Lehrer, der seine Ausbildung in der Talmud Tora-Schule und Präparandenanstalt zu Burgpreppach und in der Lehrerbildungsanstalt in Würzburg erhalten hat, wird während der Hauptsaison persönlich die Küche überwachen."   
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Mai 1901: "Streng Koscher - Streng Koscher
Wildbad
. Rituelles Speisenhaus in nächster Nähe des Kurhauses. Schochet hat von streng orthodoxem Rabbiner Autorisation. Mäßige Preise, Pension mit und ohne Logis. Zugleich empfehle ich meine feinen Wurstwaren in allen Sorten. 
Albert Friedhoff aus Rülzheim."    

    
Rechtspraktikant Hermann Kahn in St. Ingbert wird Amtsanwalt beim Amtsgericht in Kandel (1906)      

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 27. April 1906: "Der geprüfte Rechtspraktikant Hermann Kahn in St. Ingbert wurde zum Amtsanwalt beim Amtsgericht in Kandel ernannt und zwar widerruflich".        

   
Silberne Hochzeit von Vorsteher Samuel Landauer (1916)  

Ruelzheim FrfIsrFambl 05051916.jpg (15714 Byte)Mitteilung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 5. Mai 1916: "Rülzheim (Pfalz). Samuel Landauer, der langjährige Vorsteher der israelitischen Gemeinde, feierte seine silberne Hochzeit".   

      
Silberne Hochzeit von Josef Feibelmann und Frau (1916)   

Ruelzheim FrfIsrFambl 10111916.jpg (15414 Byte)Mitteilung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 10. November 1916: "Rülzheim. Josef Feibelmann, Vorstandsmitglied der hiesigen Gemeinde, begeht am 11. November seine silberne Hochzeit."  

   
Unteroffizier Herbert Bodenheimer erhält das EK II (1918)  

Ruelzheim FrfIsrFambl 15021918.jpg (18063 Byte)Mitteilung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 15. Februar 1918: "Rülzheim (Pfalz). Unteroffizier Herbert Bodenheimer, Sohn des Zigarrenfabrikanten F. Bodenheimer, erhielt das Eiserne Kreuz 2. Klasse."  

    
80. Geburtstag von Benedikt Cahn (1929)  

Ruelzheim BayrGZ 01011929.jpg (57145 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Januar 1929: "Rülzheim (Rheinpfalz). Am 9. Dezember 1928 konnte Herr Benedikt Cahn, hier, in voller körperlicher und geistiger Frische seinen 80. Geburtstag feiern. An dieser schönen Feier nahm nicht nur die zahlreiche Familie des Jubilars freudigen Anteil, sondern auch die ganze jüdische und bürgerliche Gemeinde. Herr Cahn war einst Mitbegründer des Synagogenchors, langjähriges Mitglied der Vorstandschaft, er nahm als Chevauxleger am Feldzeit 1870/71 teil und hatte durch seine persönliche Tüchtigkeit und Tatkraft sein Geschäft zu hoher Blüte gebracht. Mögen dem Jubilar noch viele Jahre frohen Rückblick auf sein arbeitsreiches Leben gewähren!"

 
70. Geburtstag von Frau Jakob Klaus Witwe (1929)  

Ruelzheim Israelit 04071929.jpg (13447 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Juli 1929: "Wiesbaden, 2. Juli (1929). Frau Jak. Klaus Wwe. in Rülzheim (Pfalz) begeht am 8. Juli dieses Jahres ihren 70. Geburtstag". 

   
Danksagung der Familie Haas nach dem Tod von Adolf Haas (1938)     

Artikel in "Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz" vom 1. März 1938: "Rülzheim. Dank. 
Für die anlässlich des schweren Verlustes meines lieben Mannes und unseres guten Vaters Adolf Haas erwiesene Teilnahme danken herzlichst  
Frau Adolf Haas und Kinder  
Familien Haas, Aron und Mayer.  
Rülzheim, Pirmasens, Charlotte (USA), München."      

  
Zum Unfalltod von Hans Joachim Loeb (1938)    

Artikel in "Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz" vom 1. Oktober 1938: "Aus Rülzheim. Am 2. September (1938) fiel Hans Joachim Loeb, Sohn von Herrn Willy Loeb, einem Unfall durch ein Auto zum Opfer. Als einziges Kind bedeutet dieser furchtbare Verlust einen schweren Schicksalsschlag für seine Eltern. Aber mit den Eltern betrauert die ganze Gemeinde diesen jungen Menschen, der zu den schönsten Hoffnungen berechtigte, und der wegen seiner geistigen Reife und seiner Wohlerzogenheit von allen geliebt wurde."        

    
    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Lehrlingsgesuche der Eisen-, Baumaterialien- und Holzhandlung S. Landauer (1897/99)

Ruelzheim Israelit 21101897.jpg (42433 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Oktober 1897: "Lehrlings-Gesuch
Ich suche für mein Eisen-, Baumaterialien- und Holz-Geschäft einen jungen Mann mit guten Schulkenntnissen, aus guter Familie. Kost und Logis im Hause. Samstags und Feiertage geschlossen. 
S. Landauer,
Rülzheim (Pfalz)."  
    
Ruelzheim Israelit 26101899.jpg (40734 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Oktober 1899: "Lehrlings-Gesuch.  
Suche
für mein Geschäft einen braven jungen Mann, mit guten Schulkenntnissen. Kost und Logis im Hause. Samstags und Feiertage Geschäft geschlossen. 
S. Landauer, Eisen-, Baumaterialien- und Holzhandlung, Rülzheim, Pfalz". 

   
Verlobungsanzeige von Jennie Wolff und Moriz Fleischer (1901)     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Mai 1901: 
"Jennie Wolff - Moriz Fleischer. Verlobte.  
Rülzheim
, Pfalz - Stuttgart. Karlsruhe i.B., Fasanenstrasse 38 pt.  
Lag Beomer 5661  (= 7. Mai 1901)".   

   
   
Weitere Dokumente  
Postkarte der Zigarrenfabriken J. Feibelmann & Söhne (1901)  
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries) 

Ruelzheim Dok 14002.jpg (156441 Byte) Ruelzheim Dok 14002a.jpg (165987 Byte)  
Die Postkarte der Cigarrenfabriken J. Feibelmann & Söhne in Rülzheim wurde an Eduard Cramer jun. in Bochum versandt am 26. Juni 1901.
Zur Geschichte der Familie Feibelmann: Der Familienname Feibelmann findet sich in Rülzheim bereits 1750 in dort noch erhaltenen alten Gemeinderechnungen. Zu dieser Zeit lebte der 1732 geborene Jakob Feibelmann aller Wahrscheinlichkeit nach schon in Rülzheim. 
Jakob Feibelmann
und seine Frau Judith geb. Mentele hatten vier Söhne: Emanuel (geb. 1758), Leon (geb. 1760), Joseph (geb. 1765) und Jakob (geb. 1773). Jakob Feibelmann und seine vier Söhne waren die Vorfahren fast aller bis 1938 in Rülzheim lebenden Angehörigen der Familie Feibelmann. In der Liste der in der NS-Zeit aus Rülzheim Umgekommenen ist der Familienname Feibelmann 14 mal zu finden.
Weitere Berichte und Informationen zu Familienmitgliedern siehe oben auf dieser Seite, zusammengefasst: 
- 1875 stirbt Mina Feibelmann und hinterlässt 5 Kinder, 32 Enkel und 1 Urenkel.
- Im Ersten Weltkrieg verloren im Kampf fürs Vaterland Arthur und Oskar Feibelmann ihr Leben.
- 1916 feiert Josef Feibelmann und seine Frau das Fest der Silbernen Hochzeit. Josef Feibelmann war Mitglied des Vorstands der hiesigen israelitischen Gemeinde.
- 1920 zeichnet Julius Feibelmann als Kultusvorstand in einer Stellenausschreibung für einen Kantor und Schochet. 
- Um 1924 gehörte Hermann Feibelmann mit zum Gemeindevorstand.  

Speziell zur Geschichte der Zigarrenfabriken J. Feibelmann & Söhne finden sich einzelne Angaben u.a. in: 
- Seite der Karnevalsgesellschaft ROT-WEISS "Die Stecher" e.V. Rülzheim 
- Seite von Bernhard Kukatzki "Das pfälzische Judentum vom 19. Jhd. bis heute" (mit Hinweis, dass nach 1945 der nach Rülzheim zurückgekehrte Arnold Feibelmann die Sotaco-Tabakhandelsgesellschaft in Rülzheim gegründet hat).  

       

Kennkarte aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarte des in Rülzheim 
geborenen Max Haas
 
 Ruelzheim KK MZ Haas Max.jpg (85472 Byte)   
  Kennkarte (Mainz 1939) für Max Haas (geb. 23. Dezember 1870 in Rülzheim), Kaufmann, 
wohnhaft in Polch, Mainz und Saarbrücken; am 27. Juli 1942 deportiert ab Trier - Köln 
in das Ghetto Theresienstadt, wo er am 21. August 1942 umgekommen ist  
 
 

    
   
   
Zur Geschichte der Synagoge und weiterer Einrichtungen der jüdischen Gemeinde       
   
Die Synagoge in Rülzheim wurde 1832/33 durch den bekannten Synagogenarchitekten August von Voit erbaut (bayrischer Hofbaumeister). Dieser entwarf auch die Pläne der Synagogen in Herxheim, Ingenheim, Kallstadt, Kirchheimbolanden und Speyer. Es handelt sich in Rülzheim um einen spätklassizistischen, flach gedeckten, zweigeschossigen Saalbau mit einem flachen Satteldach. Am Eingang findet sich ein schön gestaltetes Architrav mit der hebräischen Portalinschrift aus Jesaja 26,2 ("Öffnet die Tore, dass einziehe ein gerechtes Volk, welches die Treue bewahrt"). 1867 wurde das Synagogendach erneuert. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Gebäude vergrößert und neu ausgestattet. Dabei wurden allerdings Teile der von Voit entworfenen Innenausstattung entfernt oder verändert.  
  
Bis zu den Ereignissen beim Novemberpogrom 1938 war die Synagoge in Rülzheim Mittelpunkt des jüdischen religiösen Lebens am Ort. Von den Gottesdiensten zu den hohen Feiertagen im Herbst 1937 und im Herbst 1938 liegen noch Berichte vor:    
  
Über den Gottesdienst an Jom Kippur in der Synagoge in Rülzheim (1937)   

Artikel in "Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz" vom 6. Oktober 1937: "Rülzheim. Jomim nauroim (sc. hohe Feiertage) in Rülzheim. Die Synagoge bot das gewohnt-festliche Bild. Araun hakaudesch (Toraschrein) und Almemor (Vorlesepult) weiß, weiße Tücher auf den Pulten der Beter, und die Herren mit dem Sargenes (Totengewänder) angetan. Der Abendgottesdienst wurde durch den Vorbeter in feierlicher Weise eröffnet; die altbekannten Nigunim (Melodien) erklangen, und bald wurde auch der letzte Beter von der Stimmung der Jomim nauroim (Hohe Feiertage) erfasst. Jeder einzelne versteht mehr den Sinn der Gebete denn je. Eine Ansprache des Lehrers drückte die Gedanken und Empfindungen der Gemeindemitglieder, zusammengefasst aus. Im Schacharisgebet (Abendgebet) fungierten am ersten Tag Herr Julius Feibelmann, am zweiten Herr Dr. Kahn. Sie verstanden ihn so gut zu leiten, dass, obwohl alle Piutim, die dem Gottesdienst eine Länge von insgesamt 5 Stunden verleihen, gebetet wurden, sich der Gemeinde keine Müdigkeit oder Langeweile bemächtigte. Unermüdlich sangen wechselweise Chasan (Vorbeter) und K'hillo (Gemeinde). Beim Aus- und Einheben (der Torarollen) trat der vierstimmige Männerchor abwechselnd unter dem Dirigentenstab von Herrn Julius Haas I und Herrn Landsberg in Funktion, und unterstrich die Bedeutung dieser Höhepunkte des Gottesdienstes. Jedem der Baale T'filloh (zur Lesung gerufene Männer) ertönte ein lautes, ehrlich gemeintes Schkoch seitens der Gemeinde entgegen, wenn er nach dem mit Kawonoh vorgetragenen Gebet den Almemor verließ, ganz besonders aber nach Vortrag des N'ilohgebetes von Herrn Julius Haas I, dem das Fasten an Schönheit und Gewalt des Vorbetens keinen Abbruch tat. Jeder einzelne empfang die Schönheit des Gottesdienstes, sei es durch die Nigunim (Melodien), seit es durch die erhebende Seelenfeier am Jom Kippur, und mancher dachte: Wer weiß, ob es nächstes Jahr wieder so sein wird? Darauf kann man nur antworten: So Gott will. L."        

Über den Gottesdienst an den hohen Feiertagen in der Rülzheimer Synagoge (1938)     

Artikel in "Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz" vom 1. November 1938:  der Text ist noch abzuschreiben.       

Im Zusammenhang mit den Ereignissen in der Pogromnacht im November 1938 wurde die Synagoge geschändet und im Inneren zerstört. Dabei wurden Fenster und Inneneinrichtung zerstört, das Dach in Brand gesetzt, Teppiche, Torarollen, Toravorhänge, Gebetsbücher, vier siebenarmige Leuchter, Kronleuchter und weitere Gegenstände gestohlen oder im Hof verbrannt.
  
Nach 1945 diente das Gebäude als Lager und Schuppen, bis es 1953 von der Katholischen Kirchengemeinde Rülzheim erworben wurde (durch Kauf von der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinplatz), die es als Jugendheim bis in die 1970er-Jahre nutzte. 1986 wurde die ehemalige Synagoge unter Denkmalschutz gestellt und 1988 von der Ortsgemeinde erworben. 1990/91 wurde das Gebäude renoviert und am 13. Juni 1991 als "Geschichts- und Begegnungsstätte" umgestaltet. Seither finden hier Veranstaltungen, Konzerte, Ausstellungen usw. statt
.   
   
   
Lage der Synagoge: Auf der Ostseite der Kuntzengasse in der Ortsmitte. 
     

Kontaktanschrift: Geschichts- und Begegnungsstätte, Kuntzengasse 3-5, 76761 Rülzheim  
       
       
       
Fotos 
Historische Fotos: 

Historische Fotos sind nicht bekannt, eventuelle Hinweise bitte 
an den Webmaster von "Alemannia Judaica", Adresse siehe Eingangsseite

  
Neuere Fotos:  

Die ehemalige Synagoge im Dezember 2003  
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 9.12.2003)    
   
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Die ehemalige 
Synagoge  
Der (moderne) Eingangsbereich 
zur ehemaligen Synagoge  
Seitenansicht 
(von Norden)  
     
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Hinweistafeln am Eingang  Quelle dieses Fotos: www.ruelzheim.de  
   
    
Innenaufnahmen   Ruelzheim Synagoge 230.jpg (13174 Byte) Ruelzheim Synagoge 231.jpg (25459 Byte)
    Portalinschrift aus Jesaja 26,2: 
"Öffnet die Tore, dass hineingehe 
das gerechte Volk"
Gedenktafel 
  
     
Die ehemalige Synagoge im Sommer 2012 
(Fotos: Michael Ohmsen, vgl. Fotoseite zu Rülzheim in der Website von M. Ohmsen)  
   
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 Am Synagogengebäude wird gebaut   Blick von Westen zum Eingangsbereich   Hinweistafeln 
     
Weitere Fotos von Michael Ohmsen     
 Ruelzheim Kriegerdenkmal 092.jpg (129118 Byte) Ruelzheim Kriegerdenkmal 095.jpg (568003 Byte) Ruelzheim Kriegerdenkmal 096.jpg (536682 Byte) Ruelzheim Schachthaus 020.jpg (128799 Byte)
 Das Gefallenendenkmal (mit Namen jüdischer Gefallener des Ersten Weltkrieges)  Das ehemalige 
jüdische Schlachthaus 
   
     
Die ehemalige Synagoge im Frühjahr 2014 
(Fotos: Sascha Zimmermann, Bruchsal, Aufnahmedatum 8.6.2014)   
  
Ruelzheim Synagoge 2014010.jpg (1514446 Byte) Ruelzheim Gedenktafel Synagoge 010.jpg (757405 Byte)   
Die beiden Fotos (in hoher Auflösung) zeigen das Synagogengebäude von Westen 
mit der Gedenktafel und den Namen der "jüdischen Bürgerinnen und Bürger, die zwischen 
1933 und 1945 vertrieben, deportiert, ermordet wurden".   
 

    
     

Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Rülzheim (hierin Seiten zum jüdischen Friedhof und zur ehemaligen Synagoge) 
Wikipedia-Artikel zur Synagoge in Rülzheim   
Rhein-Neckar-Wiki: Artikel "Synagoge Rülzheim"   
Kurze Informationsseite zur Synagoge Rülzheim  
Seite zum jüdischen Friedhof in Rülzheim (interner Link)   

Literatur:  

Bernhard Kukatzki: Das pfälzische Judentum. Aufsatz online zugänglich: hier anklicken 
ders.: Die israelitische Kultusgemeinde Rülzheim : Synagoge, Schule, Badhaus und Friedhof. - in: Rülzheim: Rülzheim im Wandel der Zeiten. 1991.
Rainer J. Bender: Die soziale und wirtschaftliche Entwicklung der jüdischen Gemeinde von Rülzheim. in: Rülzheim: Rülzheim im Wandel der Zeiten. 1991.
Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005. S. 138f.  

  
   


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Ruelzheim Palatinate. Jews numbered eight families in 1750 and reached a population of 179 in 1800 (the second largest in the Speyer bishopric) and 484 (total 2,975) in 1857, with their number dwindling steadily after. Most were in trade and the Jews played an important part in the local tobacco industry, owning three cigarette factories. A synagogue was erected in 1832-33 and the community was one of the few in the Palatinate to have a mohel. On Passover, two bakeries prepared matzot for other communities as well as Ruelzheim. A Jewish elementary school was opened in 1830-31, reaching an enrollment of 104 in 1856. Relations with the local population were generally good. In 1933, 172 Jews remained. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was wrecked along with Jewish homes and stores, the cemetery was desecrated, and Jewish men were sent to the Dachau concentration camp. Of the 198 Jews present in 1930, 88 left for other German cities by 1930 (75 in 1938-39), 49 emigrated to the United States, and 26 went to other European countries. During the Holocaust, 56 perished in the concentration camps, deported either from other German cities of from occupied Europe. 
         
           

                   
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Stand: 31. Mai 2015