Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Homburg (Kreisstadt, Saarpfalz-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)        
    
In Homburg lebten einzelne Juden möglicherweise schon im Mittelalter, nachdem die Stadt 1330 Stadtrecht erhielt (ohne dass es zur Stadtbildung kam). In einem diesbezüglichen Privileg gestattet der Kaiser den Grafen von Homburg, vier Juden in der Stadt oder anderswo in ihrem Gebiet zu halten. Ob sich in Homburg tatsächlich jüdische Personen niederließen, ist nicht bekannt. 
   
Eine jüdische Gemeinde bestand in Homburg in der Neuzeit bis 1940. Ihre Entstehung geht in das 17./18. Jahrhundert zurück. Eine erste Erwähnung von Juden in der Stadt liegt von 1686 vor. Im 18. Jahrhundert blieb die Zahl der hier wohnhaften jüdischen Familien zunächst gering: so wurden 1777 vier Familien gezählt. 
  
Seit Ende des 18. Jahrhundert nahm die Zahl der jüdischen Einwohner schnell zu. 1791 waren es zehn Familien mit etwa 60 Personen, 1808 126 Personen; 1841 wurde die Höchstzahl von 281 jüdischen Einwohnern erreicht. Durch Aus- und Abwanderung ging danach die Zahl wieder zurück: 1900 140, 1925 wieder 178 Personen, d.i. 1,99 % der Gesamteinwohnerschaft von 8.920 Personen. Zur jüdischen Gemeinde Homburg gehörten auch die in Waldmohr lebenden jüdischen Personen (1925 18).
  
An Einrichtungen hatte die Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule, ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Von 1864 bis nach 1911 wirkte Lehrer Lippmann Holland in der Gemeinde (siehe Artikel unten). Die Gemeinde war dem Rabbinatsbezirk Zweibrücken zugeordnet.   
  
Jüdische Gewerbetreibende hatten im 19./20. Jahrhundert eine bedeutende Stellung im wirtschaftlichen Leben der Stadt inne. 
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Unteroffizier Emil Hirsch (geb. 16.9.1882 in Homburg, vor 1914 in Saarbrücken wohnhaft, gef. 18.10.1917), Leo Isaak (geb. 29.9.1885 in Homburg, gef. 25.6.1916) und Ernst Salmon (geb. 5.10.1895 in Homburg, gef. 4.4.1916).    
   
Um 1925 bildeten den Gemeindevorstand die Herren Leo Hirsch, Salomon Levy (Waldmohr) und Max Salomon II. Als Lehrer und Kantor war damals Ludwig Samuel (Oberlehrer) angestellt. Er unterrichtete im Religionsunterricht 16 Kinder (1925, 1932 nur noch acht Kinder) und war als Religionslehrer auch an den höheren Schulen der Stadt tätig. An jüdischen Vereinen bestanden der Israelitische Wohltätigkeitsverein (gegr. 1913), der Israelitische Frauenverein (gegr. 1919), ein Verein für jüdische Geschichte und Literatur, die Armenkasse und der Jüdische Jugendbund. 1932 waren die Gemeindevorsteher Leo Hirsch, Richard Seligmann und Aron Salmon. 
    
Von den 1933 registrierten 163 jüdischen Einwohnern wurden 29 in der NS-Zeit ermordet.
    
Nach Kriegsende 1945 kamen einige wenige der Überlebenden nach Homburg zurück.
   
   
   
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
     
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Auszeichnungen für Lehrer und Kantor Lippmann Holland (1907 und 1911)

Homburg Israelit 10011907.jpg (55691 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Januar 1907: "Homburg (Rheinpfalz), 6. Dezember. Unserem Lehrer und Kantor Herrn Lippmann Holland, wurde anlässlich der Neujahrsauszeichnungen vom Prinzregenten der 'Hauptlehrertitel' verliehen. Herr Lippmann Holland hat von 1852-54 die Lehrerbildungsanstalt zu Karlsruhe besucht. Von 1854-1864, unter Abrechnung eines Jahres, in welchem er seiner Militärpflicht genügte, wirkte er in St. Ingbert als Lehrer und Kantor und ist seit 1. Juni 1864 in hiesiger israelitischer Kultusgemeinde in vorgenannter Eigenschaft zur allseitigen Zufriedenheit tätig. S.R. in H." 
 
Homburg Israelit 21121911.jpg (33180 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Dezember 1911: "Homburg (Bayern). 4. Dezember (1911). Herrn Hauptlehrer Holland dahier wurde für 50jährige treue Dienstleistung der Ludwigsorden verliehen und wurde ihm diese wohl verdiente Auszeichnung am gestrigen Tage durch Herrn königlicher Bezirksamtmann Schlosser feierlich überreicht."
   
Homburg FrfIsrFambl 22121911.jpg (19191 Byte)Meldung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 22. Dezember 1911: "Homburg (Pfalz). Hauptlehrer Holland erhielt anlässlich seines 50-jährigen Amtsjubiläums den Ludwig-Orden."   

    
    
Aus dem jüdischen Gemeindeleben    
Angedachte Verlegung des Rabbinatssitzes von Zweibrücken nach Homburg (1908) 
Anmerkung: Ob dieser Beschluss der Synagogenvorstände des Rabbinatsbezirkes umgesetzt wurde, ist nicht wahrscheinlich. Tatsächlich wurde der Sitz des Rabbinates Zweibrücken 1911 nach Pirmasens verlegt. Zum Kontext dieser Überlegungen - den Streit um Bezirksrabbiner Dr. Meyer - siehe Texte zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Zweibrücken.

Homburg FrfIsrFambl 14021908.jpg (36378 Byte)Artikel in "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 14. Februar 1908: "Zweibrücken. Die Synagogenvorstände des Rabbinatsbezirks genehmigten einstimmig den Antrag des Bezirksrabbiners Dr. Meyer auf Verlegung des Rabbinatssitzes nach Homburg (Pfalz). - Der Beschluss bedarf noch der Genehmigung der Regierung."

   
Ende der jüdischen Gemeinde in der NS-Zeit (1935)

Homburg Israelit 03101935.jpg (41870 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Oktober 1935. "Mannheim. Nach einer Mitteilung des 'Mannheimer Gemeindeblattes' werden demnächst viele jüdische Gemeinden im Saargebiet aufgelöst werden, u.a. die Gemeinde Homburg, in der die vier oder fünf zurückbleibenden Familien die Gemeindeeinrichtungen nicht mehr halten können. In St. Ingbert wohnen fast gar keine Juden mehr."

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 

Zum Tod von Aron Weiler (1922)

Homburg Israelit 04011923.jpg (91230 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Januar 1923: "Homburg (Pfalz), 27. Dezember. Wir haben heute in hiesiger Gemeinde, Aron Weiler zu Grabe getragen. Derselbe war ein hoch angesehener, aufrichtiger und religiöser Jehudi, hochangesehen insbesondere auch bei allen Behörden infolge seiner Intelligenz und mannhaften Auftretens. Eine ungeheure Beteiligung aller Stände und Behörden, insbesondere seiner Berufskollegen von Nah und Fern legen beredtes Zeugnis ab, wie beliebt und in welch hoher Achtung der leider so rasch Verstorbene stand. An den hohen Feiertagen übte er alljährlich zu aller Zufriedenheit die Hilfschasonstelle (Hilfsvorbeterstelle) aus und im Gemillus Hachesed (Wohltätigkeit) war er geradezu vorbildlich. Er tat mehr im Stillen als manche ahnten und Gott verlieh ihm die Mittel, Andren zu helfen und Tränen zu trocknen. Besonders betätigte er die Gebote des Gastfreundschaft. Sein Andenken wird uns zum Segen gereichen. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

   
Zum Tod von Frau Levi geb. Lerner (1923) 

Homburg Israelit 08031923.jpg (70188 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. März 1923: "Homburg (Saar), 19. Februar. Hier verstarb Frau Levi geb. Lerner, Gattin des Herrn Emil Levy. Vier kleine Kinderchen lässt die fromme und gottesfürchtige, erst 32jährige Frau als Waisen zurück. Nicht allein ihre nächsten Angehörigen sind in namenlose Trauer versetzt über den Verlust der so herrlichen hochbegabten wackeren Frau, wie sie Herr Rabbiner Dr. Mayer in einem tief durchdachten Hesped (Trauerrede) so richtig nannte. Eine ungeheure Beteiligung von Juden und Nichtjuden bezeugte ihre so große Beliebtheit und kein Auge blieb tränenleer, als der tief gebeugte alte Vater mit herzzerreißenden Worten vom Grab Abschied nahm. Die ganze Gemeinde trauert um die zu früh Dahingeschiedene. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

     
Zum 60. Geburtstag von Heinrich Levy in Tel Aviv (1936)

Homburg Saar Israelit 23121936.jpg (49330 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Dezember 1936: "Tel Aviv, 19. Dezember. Herr Heinrich Levy, früher Homburg an der Saar, begeht seinen 60. Geburtstag am Schabbos Paraschat wajehi (Schabbat mit der Toralesung wajehi, d.i. 1. Mose 47,28 bis 50,26, das war am Samstag, 22. Dezember 1936). Herr Levy ist ein Mann von toratreuer Gesinnung, der in seiner früheren Gemeinde die drei Grundpfeiler des Judentums Tora, Gottesdienst und Wohltätigkeit mit Aufbietung seiner ganzen Kraft aufrecht erhalten hat. Herr Levy hat sich auch bereits im heiligen Lande und in Tel Aviv treue Freunde erworben. Wir wünschen ihm weitere Jahrzehnte in voller Gesundheit und Arbeitskraft in der neuen Heimat. (Alles Gute) bis 120."

  
  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Anzeige des Manufaktur- und Schuhgeschäftes D. Oppenheimer Nachf. (1911)        

Homburg FrfIsrFambl 12051911.jpg (30636 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 12. Mai 1911: "Suche für mein Manufaktur- und Schuhgeschäft per sofort oder 15. Mai einen Lehrling bei freier Station im Hause. 
D. Oppenheimer Nachfolger, Homburg i. Pfalz."   

     
     
     
Zur Geschichte der Synagoge       
    
In der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts war ein Betsaal vorhanden. Seit 1827 bemühte sich die jüdische Gemeinde um den Bau einer Synagoge, zunächst jedoch ohne Erfolg. 1860 konnte die frühere, seit 1793 profanierte Klosterkirche der Franziskaner (erbaut 1697-99) von der jüdischen Gemeinde erworben und zu einer Synagoge umgebaut werden. Am 21. Februar 1862 wurde das Gebäude feierlich eingeweiht. Es handelt sich um einen einfachen, langgestreckten Saalbau. Beim Umbau zur Synagoge wurden nur relativ geringe Eingriffe in die Bausubstanz vorgenommen (Verlegung des Eingangs, Einbau einer Empore u.a.m.).  
  
In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg gab es einen Vorschlag in der Gemeinde, aus der ehemaligen Klosterkirche in ein anderes Gebäude der Stadt umzuziehen. Die Klosterkirche würde "nicht mehr den Verhältnissen der Zeit entsprechen". Der Vorschlag fand jedoch keine Mehrheit in der Gemeinde. Immerhin wurde in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" (Ausgabe vom 19. Juli 1912) darüber berichtet:  

Homburg AZJ 19071912.jpg (49143 Byte)"Homburg i.d.Pf., 12. Juli. Unsere hiesige israelitische Kultusgemeinde will sich verändern. Ein Mitglied der Kultusgemeinde hat an die Königliche Regierung der Pfalz eine Eingabe gerichtet, wonach die früher katholisch gewesene Klosterkirche und jetziges israelitisches Bethaus nicht mehr den Verhältnissen entsprechen soll. Als Betsaal ist dem Gesuch zufolge der Gebäude der ehemaligen Freimaurerloge, errichtet von dem verstorbenen Apotheker Lotz, in Aussicht genommen. Außer dem Gesuchsteller steht die übrige israelitische Gemeinde der Veränderung sehr skeptisch gegenüber, da bis dato das Bethaus zu irgendwelchen Wünschen keinen Anlass gab".

Die ehemalige Klosterkirche blieb bis 1938 Zentrum des jüdischen Gemeindelebens in Homburg. 

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die gesamte Inneneinrichtung der Synagoge von SS-Leuten und anderen Nationalsozialisten zerstört; der Davidstern am Nordgiebel wurde entfernt. Das Gebäude kam 1939 in den Besitz der Stadt. 1945 wurde das Gebäude bei Fliegerangriffen auf die Stadt stark in Mitleidenschaft gezogen. 
  
1952
wurden der Dachstuhl und Teile der Umfassungsmauern auf Grund bestehender Einsturzgefahr abgebrochen. In den 1980er-Jahren war geplant, die Ruine vollends abzubrechen, um an dieser Stelle ein Mehrfamilienhaus mit Tiefgarage zu erstellen. Nach 1987 wurde der Plan eines Wiederaufbaus und einer musealen Nutzung des Synagogengebäudes verfolgt. 2000-2002 wurde die Ruine als Gedenkstätte instandgesetzt. Die Maßnahmen wurden jedoch so konzipiert, dass künftig auch eine Wiederherstellung des Innenraumes möglich ist. Am 25. März 2003 erfolgte die Einweihung der Gedenkstätte. Im Inneren ist eine Tafel mit Hinweisen zur Geschichte des Gebäudes angebracht. 
     
     

Adresse/Standort der Synagoge
Klosterstraße 6
    
    

Fotos
(Historische Aufnahmen erste Zeile: Sammlung Hahn; 
die beiden Fotos mit * aus dem Buch Synagogen Rheinland-Pfalz, Saar s.Lit.
neuere Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 3.6.2011) 

Historische Ansichten von Homburg  
Homburg Pfalz AK Marktplatz 16.jpg (390918 Byte)  Homburg Synagoge 01.jpg (73265 Byte) Homburg Synagoge 02.jpg (19436 Byte)
 Der Homburger Marktplatz - links die Synagoge 
(in hoher Auflösung eingestellt) 
Der Ausschnitt rechts zeigt die ehemalige Klosterkirche / Synagoge 
(Karte in niedriger Auflösung eingestellt) 
    
Die Synagoge 
um 1920
Homburg Synagoge 03.jpg (69900 Byte) Homburg Synagoge 04.jpg (42362 Byte)
   Außen- und Innenansicht der ehemaligen Synagoge*  
   
Die zerstörte Synagoge 
1938
Homburg Synagoge 111.jpg (95335 Byte) Homburg Synagoge 110.jpg (74727 Byte)
  (Quelle: Tigmann s. Lit. S. 48)  
       
Die Ruine der ehemaligen Klosterkirche / Synagoge  
Homburg Synagoge 197.jpg (112151 Byte) Homburg Synagoge 191.jpg (128875 Byte) Homburg Synagoge 192.jpg (77317 Byte)
Blick auf die Ruine Eingangsportal Hinweistafel
     
Homburg Synagoge 194.jpg (172510 Byte) Homburg Synagoge 196.jpg (148245 Byte) Homburg Synagoge 198.jpg (179118 Byte)
 Innenansichten der Kirchen-/Synagogenruine Foto oben aus der Website 
der Stadt Homburg
   
     
Homburg Synagoge 190.jpg (132864 Byte) Homburg Synagoge 193.jpg (106210 Byte) Homburg Synagoge 195.jpg (75789 Byte)
Seitenwand des 
Gebäudes
Hinweistafel zur Geschichte 
der Klosterkirche / Synagoge
 Gedenken an die 
ehemalige Synagoge
          
Erinnerung an die 
Synagogengeschichte am 
alten Rathaus
Homburg Stadt 190.jpg (102728 Byte) Homburg Stadt 190a.jpg (62824 Byte)
   Auf der Geschichtstafel "Daten zur Geschichte der Stadt Homburg" wird an die jüdische Geschichte / Synagogengeschichte 
erinnert im Zusammenhang mit der Nennung des Franziskanerklosters: "1860-1936 Klosterkirche ist Synagoge" 
    
     
 "Reichspogromnacht in Homburg"
mit der Geschichte 
des Synagogengebäudes 
bis zur Gegenwart
Podcast, erarbeitet von Christina Agne im Sommersemester 2010
im Rahmen einer Fachdidaktikveranstaltung Geschichte in der Universität des Saarlandes
(wmv-Datei, 54,7 mb)
   
   

  
  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 

 November 2004: Gedenkstunde zum 66. Jahrestag des Novemberpogroms 1938 in der ehemaligen Synagoge 
(Quelle: Website der Stadt Homburg)  
Homburg Synagoge 111.jpg (23400 Byte)Zunächst wurde im Rahmen eines Gottesdienstes in der protestantischen Stadtkirche dieses Tages vor 66 Jahren gedacht. Pfarrer Dr. Klaus Beckmann bezeichnete dabei die Ruine der Synagoge als ein Zeugnis der Zwietracht und Zeichen unserer Schande. Nach dem Gottesdienst betonte Oberbürgermeister Joachim Rippel auf dem Christian-Weber-Platz, dass der 9. November niemals übergangen oder dem Vergessen übergeben werden dürfe. Die Geschehnisse dieser sogenannten "Reichskristallnacht" gehörten zu den schlimmsten und beschämendsten Momenten der deutschen Geschichte und waren ein erschreckender Schlag gegen die Menschlichkeit, mit der die Vernichtung der Juden eingeleitet wurde. Die Bewahrung des Denkmals der Synagogenruine und auch die Erinnerung an diesen Tag sei notwendig. Durch Verdrängen können wir unsere Vergangenheit nicht für die Gestaltung der Zukunft nutzen, so Joachim Rippel. Er wies darauf hin, dass keine Gesellschaft orientierungslos in die Zukunft gehen könne. Der OB bedankte sich bei der ACK für ihr Engagement. Zum Abschluss des Gedenkens zogen die Teilnehmer der Veranstaltung schweigend in die von nur wenigen Kerzen beleuchtete Ruine der Synagoge in der Klosterstraße, wo Schülerinnen und Schüler die Namen der vielen im Jahr 1940 deportierten Homburger Juden vortrugen (siehe Foto links).
  
Weitere Berichte zur Erinnerungsarbeit vor Ort finden sich in der Website der Stadt Homburg www.homburg.de über die Eingabe im Suchfenster z.B. mit dem Begriff "Synagoge".  
  
Oktober 2010: Über den Umgang mit der jüdischen Geschichte in der Stadt Homburg     
Artikel in der "Saarbrücker Zeitung" vom 8. Oktober 2010 (Artikel): "Verdrängung ist keine Lösung
Vor einigen Wochen erschien in unserer Zeitung ein Artikel über eine Gruppe von Homburger Konfirmanden, die auf einer Gedenktafel an der Homburger Synagoge die Namen der verschleppten, getöteten und geflüchteten Homburger Juden anbringen möchte. Unser Leser Gerd Imbsweiler hat sich als Historiker mit diesem Thema beschäftigt und schickte uns den folgenden Bericht über die Verdrängung der Homburger Geschichte - und über die Jüdin Jenny Hirsch.

Homburg. Wenn die Anregung der Konfirmandengruppe von Pfarrerin Petra Scheidhauer, eine Gedenktafel der ermordeten und geflüchteten Juden aufzustellen, endlich auf fruchtbaren Boden fiele, wäre dies ein längst fälliger Akt der Pietät, der andernorts Selbstverständlichkeit ist. 
1985 plante ein privater Investor, auf dem Synagogengrundstück mit Zustimmung des Bauausschusses ein Mehrfamilienhaus zu errichten. Öffentlicher Protest, unterstützt vom Historischen Verein unter Vorsitz des rührigen Edgar Blatters und des Landeskonservatoramts, verhinderte dies. Zwei Jahre später befragte ich mit Schülern meiner damaligen Schule, des Saarpfalz-Gymnasiums, im Rahmen des Projektes "Pogrom am 9. November 1938" in Homburg Zeitzeugen. Dabei stellte sich heraus, dass die Behauptung auf der Erinnerungstafel an der Synagoge "1945 Zerstörung durch Fliegerangriffe" irreführend war.
Auf einem Luftbild von 1952, das mir ein Homburger zur Verfügung stellte, ist deutlich zu erkennen, dass das Dach der Synagoge noch intakt war. Nicht die Bombenangriffe der Alliierten waren also für den Verfall der Synagoge verantwortlich, sondern das Wegschauen der Stadt. 
Sie ließ das Gebäude systematisch soweit verkommen, bis schließlich der Plan, sie zu überbauen, vielfach begrüßt wurde - nach dem Motto: Aus den Augen, aus dem Sinn, wenn nicht, wie gesagt geschichtsbewusste Bürger dagegen aufbegehrt hätten. 
Jetzt reagierte die Stadt: Abgesehen von der kurzfristigen Überlegung, auf dem Gelände ein Siebenpfeiffermuseum zu errichten, was wegen der Kosten schnell in den Akten verschwand, hat sie die Pläne, das Gelände anderweitig zu nutzen, aufgegeben, den Verfall durch Sanierung gestoppt, den Text der Gedenktafel geändert. Er lautet seither: "2001 Sicherung der Ruine durch die Stadt". So weit, so gut. 
Eine Zeile darüber heißt es jedoch: "Schändung der Synagoge in der Reichspogromnacht". Wer geschändet hat, nämlich "angesehene Homburger Bürger", so die Formulierung eines Täters mir gegenüber, wird tunlichst verschwiegen, insofern ist die Formulierung ein klassisches Beispiel für Verdrängung. Diese Haltung gegenüber dem Schicksal der ehemaligen jüdischen Mitbürger zieht sich wie ein roter Faden durch die Nachkriegsgeschichte - bis heute.
Die obige Anregung, in der Synagoge eine Gedenktafel anzubringen, ist immer wieder vorgetragen worden, zuletzt im Leserbrief vom 22. Juli 2009. 
In vielen Gemeinden geht man mit dieser Phase der Geschichte offen um, man stellt sich ihr, indem auf Gedenktafeln an die Deportierten und Emigrierten erinnert wird oder vor den Wohnungen der NS-Opfer Stolpersteine in den Bürgersteig verlegt werden, wie unlängst in Dahn und Saarbrücken. Mittlerweile sind es rund 5500 in etwa 100 Gemeinden. Nichts dergleichen in Homburg. Dabei ist Homburg in vielerlei Hinsicht eine geschichtsbewusste Stadt. 
Denken wir an Siebenpfeiffer oder Herzog Karl August. Wenn es aber um die Erinnerung an die Juden oder den Pogrom geht, schaut man weg. Am Morgen des 10. November 1938 stürmten Homburger Bürger zwei Häuser und verwüsteten das Innere: Neben dem Textilgeschäft des Salomon Aron in der Adolf-Hitler-Straße (heute: Eisenbahnstraße) auch das der Familie Alexander und Hedwig Hirsch in der Deutsch Gass 27 (heute: Karlsberstraße). Keine Plakette oder Stolperstein erinnert an diesen Vandalismus. 
Wie übermächtig die Verdrängung zu sein scheint, dafür ist meines Erachtens folgende Begebenheit symptomatisch: 
Den jungen Leuten ist der Grabstein von 2006 aufgefallen. Hier wurde Jenny Hirsch, das letzte Mitglied der ehemaligen Judengemeinde, bestattet. Sie kam als Jenny Levy 1903 in Frankfurt zur Welt, wuchs bei ihren Großeltern in Dillingen auf, arbeitete bei der Deutschen Bank in Saarbrücken, emigrierte in der Nazizeit nach Frankreich, war seit 1940, der Okkupation Frankreichs, ständig auf der Flucht vor der Gestapo, ein Großteil ihrer Angehörigen wurde Opfer der Shoa, nach dem Krieg kam sie mit dem ebenfalls emigrierten Adolf Hirsch, den sie in Saargemünd 1947 geheiratet hatte und der in seine Heimatstadt zurückkehrt war, nach Homburg. Im Rahmen meines erwähnten Projektes hatte ich mit der 84-jährigen, die damals schon im Haus auf dem Schlossberg ihren Lebensabend verbrachte, Kontakt aufgenommen. 2005, zu ihrem 102. Geburtstag, hatte das Haus eine schlichte Feier arrangiert. Zugegen waren Frau Heil, die sie jahrelang freiwillig betreute (ohne davon Aufhebens zu machen), Herr Wainstock von der Synagogengemeinde Saar und ihr Neffe Giftach Hirsch aus Basel, auch meine Wenigkeit, schließlich tauchten auch ein Vertreter der Stadt und des Kreises auf. 
Als der Vertreter des Kreises mich erblickte, fragte er mich: "Was machschd dann duu do?" Ich: "Ich kenne Frau Hirsch, ich habe sie aus Anlass eines Schulprojektes und meines Aufsatzes in den Saarpfalzblättern interviewt. Außerdem ist sie die letzte überlebende Jüdin." Er: "Mer hann noch mer Judde." Ich: "Das mag sein, das sind solche, die in den letzten Jahren aus der ehemaligen Sowjetunion eingewandert sind, aber nicht Überlebende der NS-Zeit." Dieses Gespräch zeigte mir: Der Anlass für die zwei Vertreter der Stadt und des Kreises, zu diesem Geburtstag zu kommen, war das einzig und allein das biblische Alter der Frau Hirsch - es war ihnen nicht bewusst, dass mit dieser Person das Kapitel der Judengemeinde Homburg endgültig geschlossen wurde, ebenso wenig, dass Jenny Hirsch damit in zweifacher Hinsicht zum Symbol geworden war - zum Symbol einer vergangenen Epoche und des Tiefpunktes der deutschen Geschichte. 
Daran zu erinnern, ist eine Aufgabe der Nachgeborenen. Sollte der Vorschlag der Konfirmanden aus Bruchhof realisiert werden, wäre ein wichtiger Schritt zum besseren Verständnis getan.
"Ich kenne Frau Hirsch, ich hab sie aus Anlass eines Schulprojektes und meines Aufsatzes in den Saarpfalzblättern interviewt."
Gerd Imbsweiler. " 
  
November 2011: Über die Geschichte der Familie Hirsch in Homburg    
Homburg Haus Hirsch 010.jpg (31284 Byte)Foto links (Stadtarchiv Homburg): historische Aufnahmen des Anwesens Ludwig Hirsch, früher Kaiserstraße 30, heute Saarbrückerstraße 30. Es wurde von der Stadt Homburg erworben, für das Hitlerjugendheim abgerissen, welches dann am 14.5.1945 durch Bombenangriffe zerstört wurde.    
Artikel von Gerd Imbsweiler in der "Saarbrücker Zeitung" vom November 2010 (Artikel): "Das Schicksal der Emigration
Obwohl die Familie Hirsch in Homburg angesehen war und Vater Hirsch im ersten Weltkrieg für Tapferkeit und Patriotismus ausgezeichnet worden war, fielen Hirschs den Judenverfolgungen zum Opfer, die die Gauleiter Wagner und Bürckel massiv veranstalteten, um sich bei den Nazi-Oberen einen guten Namen zu machen. Im ersten Teil schilderte Gerd Imbsweiler die Vertreibung der Familie und ihre ständige Angst vor der Deportation, die auch in Südfrankreich überall drohte. Der erste Teil endete damit, dass Sohn Alfons im letzten Moment seine Mutter am Bahnhof von Lyon vor dem sicheren Tod retten konnte.
Homburg.
Ein Glück, dass Alfons, der Vichysoldat, nach Hause kam. Als er erfuhr, dass Mutter abgeholt worden war, begab er sich in Uniform nach Lyon. Dort hatte der Weitertransport schon stattgefunden, aber einige waren wegen Platzmangels zurückgeblieben, auch die Mutter.
Alfons wurde beim zuständigen deutschen Oberst vorstellig, der erklärte die Festnahme der Mutter als Missverständnis; Alfons nahm die Mutter mit nach Hause. Dort besorgte er zusammen mit Erich der Familie falsche Papiere, brachte die Eltern mit Hilfe eines Kameraden bei einem Bauern in den Französischen Alpen unter. 
Ständige Todesangst. Auch Charlotte Hirsch, nun Charlotte Hiller, brachte Alfons zunächst in ein Jugendlager, dann versteckte sie Erich mit noch weiteren fünf Jüdinnen in einem Benediktinerkloster bei Perpignan. Die Schwester Oberin warnte die Mädchen vor einer Polin. Tatsächlich wurden sie an die Nazis, die inzwischen auch im tiefsten Süden Vichyfrankreichs herumschnüffelten, verraten. Bevor die Gestapo auftauchte, wurden die Mädchen jedoch schnell an Familien in der Umgebung verteilt.
Charlotte hatte großes Glück: Sie kam zu einer dreiköpfigen Familie nach Toulouse, die dort eine Drogerie betrieb. Sie hatte die Aufgabe, die Mutter, die im Rollstuhl saß, zu betreuen und in der Drogerie der Familie auszuhelfen. Die Geschwister warnten Charlotte vor den deutschen Soldaten, weil sie schwarzhaarig war und eine etwas dunkle Hautfarbe hatte. 
Charlotte achtete darauf nicht, auch nicht, als sie einmal gefragt wurde: "Fräulein, essen Sie Schweinefleisch?" 
Razzien erlebte sie oft, einmal beobachtete sie vom Balkon, wie ein Rabbiner von den Deutschen abgeholt wurde. So verging Monat um Monat voller Angst, bis Mitte des Jahres 1944 Frankreich befreit wurde. Die Eltern Hirsch ließen sich wieder in Nyons nieder, sie wohnten jetzt zur Miete, denn in ihrer alten Wohnung hatten sich Fremde niedergelassen, die die Hunde auf Charlotte hetzten, als sie die Wohnung zurückforderte. Erst als die Brüder sich einschalteten, durften die Eltern in ihre angestammte Wohnung zurückkehren. 
Charlotte litt darunter, dass ihre alten Freundinnen und Freunde mit ihren Angehörigen nicht mehr heimkehrten, sie waren in den Vernichtungslagern verschwunden. Sie bat ihre Eltern, ins gelobte Land Eretz Israel ziehen zu dürfen. Die Eltern lehnten ab, sie hatten zuviel Angst, denn die Engländer hatten noch das Mandat über Palästina und erschwerten die Einwanderung mit allen möglichen Schikanen, die im Einzelfall zur Todesgefahr werden konnten. Doch es gab Hoffnung: einzelne, aus Europa stammende Männer und Frauen, die im künftigen Staat Israel bereits legal registriert waren, wurden dort ausgesucht, um Flüchtlinge zu versammeln und ins gelobte Land zu bringen. 
In Homburg begraben. Einer dieser Männer war Charlottes Großcousin Wilhelm-Akiva Hirsch. Seine Eltern, August II Hirsch und Mathilde, geb. Mayer, sind in Auschwitz ermordet worden, sein Bruder Adolf ist in Frankreich zwar auch ins Sammellager gebracht worden, konnte mit Hilfe eines Nachbarn aber entkommen; nach dem Krieg ist er nach Homburg zurückgekehrt und hat Jenny Hirsch geheiratet; beide sind auf dem Homburger Judenfriedhof beerdigt. 
Wilhelm war 1936 nach Palästina ausgewandert und hatte sich einem Kibbutz angeschlossen. Dort gehörte er der israelischen Selbstwehrorganisation, der "Hagana", an. Die Hagana entsandte Wilhelm in geheimer Mission nach Europa zur Vorbereitung Einwanderungswilliger. Auf seiner Fahrt nach Belgien besuchte er Charlottes Eltern, um sie zu bewegen, Charlotte mitnehmen zu dürfen. Vergeblich! Wilhelm ist übrigens am 29. Juli 1948 im Befreiungskrieg des Staates Israel gefallen. Er hinterließ seine Frau Ora mit dem vierjährigen Yftach und dem Säugling Izhak. Dieser war 2005 anlässlich des 102jährigen Geburtstages der Jenny Hirsch übrigens in Homburg zu Besuch.
Reise nach Israel. Nachdem der Staat Israel ausgerufen war, willigten die Eltern schließlich ein, dass Charlotte als Touristin nach Israel fahren dürfe, um das dortige Leben kennenzulernen. In Haifa angekommen, bezog sie ein Zimmer, fand nach kurzer Zeit Beschäftigung in einer Nervenheilanstalt. Dort nahm sie Kontakt zu ihrer Großcousine Lilli Fuchs-Hirsch (Tochter von Leon Hirsch, des Inhabers des Schuhhauses Hirsch in der Eisenbahnstraße) auf. Lilli lebte mit Mann und drei Kindern in Israel. Charlotte verliebte sich schließlich in Israel in Julius Brünn, einen Emigranten aus Allenstein in Ostpreußen. Beide heirateten 1951 in Tel Aviv. Aus der Ehe gingen Sohn Avi und Tochter Riki hervor. 
Avi lebt in Tel Aviv, wo ihn der Schreiber dieser Zeilen mit seiner Frau 2008 besuchte, Riki in Petack Tiqwa. Charlotte starb 2005, Julius, der als Bibliothekar im Polizeidienst arbeitete, starb 2001. Charlotte, benannt nach ihrer Urgroßmutter Charlotte Heilbronner-Einstein, nach eigener Aussage einer Verwandten Albert Einsteins, wollte nach den schlimmen Erfahrungen, die sie gemacht hatte, nie mehr etwas mit Deutschland zu tun haben. 
Als ihr Mann Julius bei einem deutsch-israelischen Polizistenaustausch mit deutschen Kollegen zusammentraf, begann Charlotte, ihre Einstellung zu ändern. Sie stellte ihre Vorurteile zurück, begann über ihre Odyssee zu erzählen, zumal ihr Sohn Avi während seines Studiums in Saarbrücken Homburg und den Judenfriedhof besuchte und seither intensiv Ahnenforschung betreibt. Charlotte berichtete dabei über das mutige Verhalten der Drogisten-Familie in Toulouse, das ihr einst das Leben gerettet hatte. 
Zur Erinnerung an diese Menschlichkeit wurde der Familie in Yad Vashem ein Baum gepflanzt, was eine große Ehre ist. Leider in Abwesenheit der noch lebenden Tochter der Familie, die zu betagt war, um zu kommen. Ihr wurden vom Konsul Israels in Südfrankreich eine Medaille überreicht. 
Brief an OB Ulmcke. Charlotte stand übrigens brieflich mit dem Homburger Oberbürgermeister Rainer Ulmcke in Verbindung. Im Stadtarchiv fand ich folgendes Schreiben vom 10.5.1983. Darin schrieb sie: "Mit vielem Dank habe ich Ihre Zeilen erhalten, in denen Sie mir mitteilen, dass meine Anregung an die Stadt Homburg, den jüdischen Mitbürgern meiner Heimatstadt am Platze der verbrannten Synagoge eine Gedenktafel zu errichten, von den Stadtvätern angenommen und errichtet werden wird. Es wird für mich eine große Genugtuung sein, wenn ich an dieser Stätte all derer gedenken darf, die leider damals unschuldig ins Verderben gestürzt wurden und lebend nicht mehr zurückkamen. In diesem Sinne grüßt Sie mit Hochachtung Charlotte Brünn, geb. Ludwig Hirsch." Von den Geschwistern Charlottes lebt nur noch Margot, die jüngste.
Sie war, wie schon erwähnt, mit den Eltern zwei Jahre bei einem Bauern in den Alpen versteckt (die Kosten dafür beglich Erich); die Nazizeit bleibt für sie ein immerwährendes Trauma. Sie wohnt heute in Südfrankreich im Altersheim. Nachkommen hat sie keine.
Überall in der Welt. Erich, der älteste Bruder, lebte in Orange und wirkte im Viehhandel. Seine einzige Tochter ist kinderlos verheiratet, sie ist Richterin in Südfrankreich. 
Die älteste Schwester Anneliese war mit einem jüdischen Bauern, der aus Russland stammte, verheiratet. Er diente in den Forces Francaises Libres, in Südfrankreich hatten sie einen Bauernhof. Ihre vier Kinder leben in verschiedenen Ländern: zwei in Lothringen, eins in Paris, eins in Israel. Alfons war mit einer jüdischen Flüchtlingsfrau verheiratet, leitete einen großen Viehhandel in Südfrankreich, wo seine kinderlose Witwe bis heute lebt. 
Die Familie Ludwig Hirsch symbolisiert das Schicksal der Judengemeinde Homburgs, die durch das "Tausendjährige" Reich ein Ende fand und anschließend in alle Welt verstreut wurde. Wieder einmal!"  
  
Juli 2012: Besuch von Nachkommen einer Homburger jüdischen Familie     
Artikel von Ulrike Stumm in der "Saarbrücker Zeitung" vom 4. Juli 2012: "Auf Spurensuche in Homburg. 
Homburg
. Sie sehen aus wie ganz normale Touristen - ausstaffiert mit Rucksäcken, Sonnenhüten, Kameras. Doch der Schein trügt. Avi Brünn, seine Frau Zipi, sein Sohn Omri, 20, und seine Tochter Tamar, 15, sind aus Israel nach Homburg gereist, um hier nach Spuren ihrer Vorfahren zu suchen: der weit verzweigten und lange hier beheimateten jüdischen Familie Hirsch ..." 
Link zum Artikel      
 

      
       

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Homburg/Saar  
Bericht über die Pogromnacht 1938 in Homburg: hier anklicken  
Seite zum jüdischen Friedhof in Homburg (interner Link) 
Website der Synagogengemeinde Saar 

Literatur:  

Germania Judaica II,1 S. 369.
Homburg Lit Blinn.jpg (212815 Byte)Dieter Blinn: Juden in Homburg. Geschichte einer jüdischen Lebenswelt. 1330-1945. Homburg/Saar 1993. 
Martin Baus: Verdrängte Geschichte, Nazi-Herrschaft, Verfolgung, Widerstand - Ein Wegweiser durch den Saarplatz-Kreis. Blieskastel 1995.  
Eva Tigmann: "Was geschah am 9. November 1938?". Eine Dokumentation über die Verbrechen an der jüdischen Bevölkerung im Saarland im November 1938. Eine Veröffentlichung des Adolf-Bender-Zentrums St. Wendel. Saarbücken 1998.
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 443-444 (mit weiteren Literaturangaben).  
Edgar Schwer: Den jüdischen Gefallenen des Saarlandes 1914-1918 zum Gedenken. In: Saarländische Familienkunde Band 12/4. Jahrgang XLVIII 2015 S. 559-600. Online zugänglich: eingestellt als pdf-Datei.    

   
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Homburg/Saar. Jews are first mentioned in 1686. In 1791, ten families were present, among them the horse trader Shemuel David, one of the richest men in the principality and a supplier to the court. In 1848, the community reached a peak population of 281. Of the 55 family heads, 32 were brokers and 15 livestock dealers. Jews served on the municipal council. The community was officially recognized in 1823. A Jewish school was opened in the same year, with 45 children attending in 1869. A new synagogue was consecrated in 1862. During the Weimar period, Jews expanded their commercial horizons. In 1921-36, 56 new businesses were opened, including 14 in textiles and 11 in the tobacco industry. Jewish charities were started and the Zionists and Central Union (C.V.) became active. In mid-1933, 157 Jews remained. By 1935, most Jews had sold or liquidated their businesses, with only four or five families remaining. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was partially burned and the five Jewish men in the city were sent to the Dachau concentration camp. In all, 135 Jews left Homburg in 1933-40, 80 emigrating to France and 23 to other German cities. On 22 October 1940, 17 Jews were deported to the Gurs concentration camp. A total of 29 perished in the camps, including 16 in Auschwitz.  
    
     

                   
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Stand: 18. August 2017