Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Buttenwiesen (Landkreis Dillingen an der Donau) 
Texte/Berichte zur jüdischen Geschichte des Ortes

Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Buttenwiesen wurden in jüdischen Periodika gefunden. 
Bei Gelegenheit werden weitere Texte eingestellt.    
Ein Teil der Texte konnte noch nicht abgeschrieben werden, bitte bei Interesse das Original durch Anklicken einsehen.

Übersicht

Aus der Geschichte des Rabbinates in Buttenwiesen  
Über Rabbiner Jontof (Jonas) Sänger (1866)  
Feier zum 76. Geburtstag von Rabbiner Jontof (Jonas) Sänger (1878)  
Erinnerung am Jahrzeittag von Jontof Sänger (Rabbiner in Buttenwiesen, gest. 1880)    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule 
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1869 / 1929 
Schulgeschichtliche Aufzeichnungen über die israelitische Volksschule Buttenwiesen von Hauptlehrer M. Sonn (1928)    
Lehrer Lewkowitz erreicht eine Unterrichtsbefreiung der jüdischen Schüler am Sabbat (1934) 
Beitrag von Lehrer Lewkowitz (1934)   
Lehrer Lewkowitz stellt Anträge auf der Lehrerversammlung in der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg (1935)  
Verkauf des jüdischen Schulhauses (1937) 
Kleine Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben  
Fest zum 40jährigen Jubiläum von Peppi Lammfromm als Vorsteherin des Israelitischen Frauenvereins (1904)   
Chanukka-Feier des Schomrei-Schabbat-Vereins (1908)  
Klage über eine "Sabbatentweihung" durch den jüdischen Jugendbund aus Augsburg (1926)   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde    
Dr. Binswanger wird zum Physikus ernannt und siedelt nach Hürben-Krumbach über (1871)  
Zum Tod des Gemeindevorstehers Bernhard Leiter (1875)  
Zum Tod des Vorbeters Josef Sänger (Chassen-Josef, 1876)  
Zum Tod des aus Buttenwiesen stammenden Moses Leither, gest. in Fürth (1887)  
Zum Tod des langjährigen Gemeindesekretärs und Kassier Rafael Benjamin Sänger (1889)  
Jacob L. Sänger berichtet über fromme jüdische Viehhändler in Donauwörth (1898)  
25jähriges Jubiläum des Kultusvorstandes Salomon Ullmann (1902)    
Zum Tod von Carl Sänger (1923)  
Zum Tod von Samuel Hummel und Martha Reiter geb. Hummel (1927)    
Zur Silbernen Hochzeit von Leo Reiter (langjähriger Gemeinderat und -Kassier) und seiner Frau (1930)  
-  70. Geburtstag des aus Buttenwiesen nach Öhringen verzogenen 
Zum Tod von Israel Lammfromm (1930) - 48 Jahre Mitglied bei der Feuerwehr  
Zum Tod von Cilly Lammfromm (1934)  
Zum Tod von Isaak Schloss (1935)   
Anzeigen jüdischer Personen / Gewerbebetriebe    
Carl Sänger bietet koschere Fettgänse und Gänsefett an (1878 / 1890)  
Der Sofer (Torarollenschreiber) Jacob Sänger verkauft eine Torarolle mit Zubehör (1879)  
Anzeige der Weingroßhandlung R. Sänger Söhne (1891)  
Anzeigen der Firma Max Lamm (1878 - 1907)   
Verlobungsanzeige von Klara Gutmann und Albert Leiter (1937)   

 
 

Aus der Geschichte des Rabbinates in Buttenwiesen  

Über Rabbiner Jontof (Jonas) Sänger (1866)   
Anmerkung: nach der kurzen Notiz war Jontof Sänger ein Schüler des streng orthodoxen Rabbiners Wolf Hamburg in Fürth, der dort eine blühende jüdische Hochschule betrieb.   

Buttenwiesen Israelit 23051866.jpg (35389 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Mai 1866 (aus einem längeren Bericht über Toraschulen / Jeschiwot in Bayern: "f. in Buttenwiesen (ich glaube 70-80 Familien), wo noch ein Mann von echtem Schrot und Korn, ein Schüler des Rabbiners Wolf Hamburg, nämlich Rabbiner Jontof Sänger seine Gemeinde zur Tora und Gottesfurcht führt, waren auch immer einige Talmudschüler."   


Feier zum 76. Geburtstag von Rabbiner Jotof (Jonas) Sänger (1878)  

Buttenwiesen Israelit 20031878a.jpg (14648 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. März 1878: "Buttenwiesen (Bayern). Ein seltenes Fest hat vergangenen Samstagabend den 2. März unsere Gemeinde gefeiert. Die hiesige Kultusverwaltung hat bei dem auf diesen Tag fallenden 76.
Buttenwiesen Israelit 20031878b.jpg (329408 Byte)Geburtstag unseres hoch verdienten Rabbiners Jontof Sänger – sein Licht leuchte - Anlass genommen, diesen Tag zu einem frohen und festlichen dadurch zu gestalten, dass sie durch Überreichung eines Ehrengeschenkes, bestehend in einem silbernen Pokal, im Namen der Gemeinde, ein Zeichen der Dankbarkeit und Verehrung für die derselbe 47 Jahre lang geleisteten Dienste widmen wollte.
Die Verdienste unseres Herrn Rabbiners sind weit über die Grenzen unseres Vaterlandes hinaus bekannt; dass er in unserer Gemeinde den echt jüdischen Geist erhalten, das weiß unsere Gemeinde am besten zu würdigen, und hat es durch die großartige Teilnahme bewiesen. Den vielen Freunden unseres Herrn Rabbiners von Nah und Fern wird es erwünscht sein, wenn wir in aller Kürze eine Schilderung dieses Festes liefern.
Nachdem der Herr Gefeierte, vom Vorstande und dem Festkomitee abgeholt und in den mit Teppichen und Blumen und sinnreichen Inschriften dekorierten Saal eingetreten, erhob sich die ganze versammelte Gemeinde. Hierauf wurde die Feier durch einen von dem Herrn Gemeindesekretär Leopold Reiter verfassten und von demselben in gelungener Weise vorgetragenen Prolog mit der Abschrift: ‚Dies ist der Tag, den der HERR gemacht, lasset uns freuen und fröhlich an ihm sein’ (Psalm 118,24) eröffnet, welcher den allseitigen Beifall der Versammlung hervorrief. Hierauf sprach der Kultusvorstand, Herr Salomon Ullmann im Namen der Gemeinde Worte der Anerkennung und des Dankes. Dem Verdienste seinen Lohn. Er hob hervor, dass diese Worte die Triebfeder der Dankbarkeit, Verehrung und Liebe seien, und die allgemeine Ovation dem Muster eines Familienvaters, dem friedliebenden und friedstiftenden Bürger, dem treuen Wächter unserer Religion, nämlich dem ehrwürdigen Herrn Rabbiner gelte. Die aus warmem Herzen kommenden Worte versetzten die Versammlung in die gerührteste Stimmung. Sodann wurde von demselben das Ehrengeschenk dem Gefeierten überreicht. Nach kurzer Paule hielt Herr Lehrer Heilbronner die Festrede, worin er das Leben und Wirken des Herrn Rabbiners schilderte, und den Vers aus den Sprüche 24,25 (hebräisch und deutsch:) ‚Demjeningen, der zurechtweist, dem wird der Segen des Guten’ in trefflicher Weise verwertete; dieser Rede folgte allgemeiner Beifall.
Die Erwiderung des sichtlich ergriffenen Herrn Rabbiners wies auf die im Jahre 1831 bei seinem Amtsantritte gehaltene Rede hin, in der er gleich dem Propheten Jeremias in Hinweis auf seine damalige Jugend, und in Anbetracht, dass er als junger Mann in seinem Geburtsort wirken solle, ausrief: (hebräisch und deutsch:) ‚Siehe, ich weiß nicht zu reden, denn ich bin noch jung; da sagte der Ewige zu mir, sprich nicht, ich bin noch jung, sondern überall, wohin ich dich sende, gehe und Alles, was ich Dir gebiete, tue. Das Wort Gottes zu lehren, war die Richtschnur seines Lebens, und deshalb sei es ihm gelungen, den Frieden und die Eintracht während seiner 47jährigen Wirksamkeit in seiner Gemeinde zu erhalten.
Als er mit den Worten ‚Den Becher des Heils und des Friedens nehme ich dankend an, und werde für diesen Beweis der Liebe und Anhänglichkeit Gott für meine Gemeinde anrufen’ schloss, stimmte die ganze Versammlung in ein begeistertes Hoch für ihren Gefeierten ein. Dessen Sohn, Herr Raphael Sänger, dankte hierauf für die seinem Vater erwiesene Ehre, und betonte, dass hiermit die hiesige Gemeinde sich selbst ein ehrendes Zeugnis, wonach sie sich zu dem religiösen Prinzip seines Vaters bekenne, ausgestellt habe.
Auf die mit großem Beifall aufgenommenen Worte: ‚Wie gut und wie angenehm ist es, wenn Brüder einträchtig beieinander sind’, die Redner auf alle hiesigen Bürger ohne Unterschied der Konfession angewendet wissen wollte, nahm Herr Pfarrer Veh Veranlassung, das Versprechen zu geben, dass er Alles aufbieten wolle, das friedliche Zusammenleben der christlichen und jüdischen Bevölkerung zu erhalten und zu kräftigen, was allseitige Anerkennung fand.
Herr Isak Reiter schilderte in ausführlicher Rede das Familienleben des Herrn Gefeierten, sowie dessen Sparsamkeit, wodurch es ihm gelungen sei, unter den bescheidensten Verhältnissen seine Kinder zu erziehen und zu versorge, wobei er der Mitwirkung der Gattin des Herrn Gefeierten in anerkennender Weise gedachte.
Herr Rabbiner Dr. H. Sänger aus Bingen, der schon beim Frühgottesdienste in der Synagoge auf Ersuchen des Herrn Kultusvorstandes eine Predigt, worin er das jüdische Gemeindeleben in klaren Zügen schilderte, und der Gemeinde für die ihm gebotene Gelegenheit im Kreise seiner Eltern zu weilen, und das Gebot von Ehrung von Vater und Mutter erfüllen zu können, seinen Dank aussprach, hob sodann hervor, dass auch die Gemeinde dieses Gebot heute erfülle, indem er auseinandersetzt, dass Vater und Mutter nicht nur die leiblichen, sondern
Buttenwiesen Israelit 20031878c.jpg (144903 Byte)auch die geistigen Eltern seien. Die Versammlung Israels, in ihrem Bündnisse mit Gott, habe auch einen Ehebund geschlossen, und stehe zum Gesamtvolke wie ein Kind zu seiner Mutter. Jede einzelne Gemeinde, die sich einen geistigen Führer gewählt, vertrete mit demselben Elternstelle an dem nachfolgenden Geschlechte. Wenn daher das heutige Geschlechte eine Jubelfeier einer fast nahezu 50jährigen Vermählung der hiesigen Gemeinde mit ihrem Rabbiner feiere, dann habe es auch Teil an dem Gebote, Vater und Mutter zu ehren.
Der katholische Lehrer, Herr Saumweber von hier, gab seinem Wunsche, dass der Gefeierte noch eine Reihe von Jahren, in ungeschwächter Gesundheit wirken möge, in einem höchst gelungenen Rechenexempel Ausdruck, er wies darauf hin, dass das 50jährige Jubiläum Seiner Majestät unserem erhabenen König Anlass heben möge, das Verdienst des Jubilars durch eine Auszeichnung zu belohnen, und schloss in dieser Erwartung mit einem Hoch auf seine Majestät, in welches die Versammlung begeistert einstimmte.
Der Neffe und Schüler des Herrn Rabbiners, nämlich Herr Jakob Sänger, Toraschreiber, führte das schöne Gleichnis (Taanit 5) von Rabbi Jizchak auf Rabbi Nachman vor, und wendete dieses seines ganzen Inhaltes nach auf den Jubilar an, und schloss mit dem Wunsche, dass seine Nachkommen an Tugend und Gelehrsamkeit ihm gleichen mögen. Herr Salomon Einstein toastierte sodann auf den Jubilar, sowie auf die ganze Gemeinde. Herr Simon Fuchs übertrachte in seinem Vortrage, als Vertreter der Jugend, die Glückwünsche derselben, während der Kultusdiener, Herr Max Lamm, in kurzer Rede seinen Wunsch, dass es ihm vergönnt sein möge, noch viele Jahre den Anordnungen eines so friedliebenden Oberhauptes Folge leisten zu können, äußerte. Hierauf verlief das Fest in der heitersten Stimmung, und konnten erst die frühen Morgenstunden das Auseinandergehen veranlassen."

Erinnerung am Jahrzeittag von Jontof Sänger (Rabbiner in Buttenwiesen, gest. 1880)

Buttenwiesen Israelit 03041902.jpg (12321 Byte)Hinweis in der Zeitschrift "Der Israelit" am 3. April 1902: "Donnerstag, 3. Nissan. Jontof Sänger, Rabbiner in Buttenwiesen, gest. 3. Nissan 5640 (15. März 1880)."

    
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1869 / 1929

Buttenwiesen Israelit 02061869.jpg (52800 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Juni 1869:     
 
Buttenwiesen CV 19091929.jpg (58772 Byte)Anzeige in der "CV-Zeitung" vom 19. September 1929:      

 
Schulgeschichtliche Aufzeichnungen über die israelitische Volksschule Buttenwiesen von Hauptlehrer M. Sonn (1928)  

  
Seit 1846 war eine jüdische Konfessionsschule vorhanden. Die Höchstzahl jüdischer Schüler wurde 1848 mit insgesamt 116 erreicht. Das jüdische Schulhaus wurde 1906 renoviert. Nach Auflösung der jüdischen Schule 1932 (zuletzt noch fünf Schüler) wurde das Gebäude 1937 an die politische Gemeinde verkauft. In den folgenden Jahren wurde es als Gendarmeriestation und als Apotheke, dann als Wohnhaus verwendet, Adresse: Geistbergstraße 4).
Die Beiträge von Hauptlehrer Sonn erschienen in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 15. Januar 1928, 15. Februar 1928, 15. März 1928, 15. April 1928, 15. Mai 1928 und 15. Juni 1928. 

Buttenwiesen Bayr GZ 15011928a.jpg (368624 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Januar 1928: "Schulgeschichtliche Aufzeichnungen über die israelitische Volksschule Buttenwiesen von Hauptlehrer M. Sonn.
I. Gründung der Schule. Schon Ende des siebzehnten Jahrhunderts gab es in Buttenwiesen eine Schule, an welcher so genannte ‚Schulmeister’, die gleichzeitig Mesner waren, Unterricht erteilten. Der erste Schulmeister, der von 1681 bis 1698 Dienst machte, war Paul Schuster, ein ehrsamer Handwerker. Ihm folgten noch weitere Schulmeister, von welchen uns der ludi magisteri Buttenwiesens, Joh. Gg. Knies, besonders interessiert. Dieser war von 1780 bis 7. August 1825 hier angestellt, also zurzeit, als in der Markgrafschaft Burgau durch das Dekret Josef II. vom 12. September 1782 der Schulzwang eingeführt wurde. Knies nahm in seinen letzten Jahren für die jüdischen Kinder den israelitischen Adstanten Aron Josef Ullmann zur Aushilfe. Die Schule wurde also von christlichen und israelitischen Kindern besucht; letztere übertrafen sogar erstere an Zahl. Doch liegen keine weiteren Akten über diesen ersten Schulbetrieb vor. 
Vom Jahre 1826 bis 1846 war an dieser ‚Simultanschule’ der katholische Lehrer Stefan Utz tätig, dem von 1844 bis 1846 sein Sohn Franz Xaver Utz als Schulgehilfe zur Seite stand. Damals im Jahre 1845 besuchten insgesamt 98 Werktags- und 76 Feiertagsschüler die Schule; darunter waren (die Mehrzahl) 111 israelitische Kinder. Neben dieser ‚Simultanschule’ bestand innerhalb der israelitischen Gemeinde dahier eine wahrscheinlich anfangs des neunzehnten Jahrhunderts gegründete Israelitische Religionsschule.
Israelitische Religionsschule. Auch von dieser Schule kann nur wenig berichtet werden. Als geprüfter Religionslehrer wirkte an derselben Herr Samuel Kleiber bis zum Jahre 1840. Ein eigenes Schulhaus war nicht vorhanden. Lehrer Kleiber stellte in seinem Wohnhaus, Hausnummer 71, der israelitischen Gemeinde ein Schulzimmer zur Verfügung. Was für einen Gehalt er für seine Unterrichtstätigkeit bezog, lässt sich aus den Akten nicht feststellen. Wahrscheinlich war derselbe recht gering bemessen. Bezog doch der damalige Rabbiner Jonas Sänger auch nur einen Jahresgehalt von zweihundert Gulden. Nach dem Tode Kleibers wurde von 1840 bis 1842 der Religionsunterricht durch Rabbiner Jonas Sänger, abwechselnd auch durch den Kultusdiener Isack Hummel erteilt. Im Jahre 1842 übertrug dann die israelitische Gemeinde auf Grund eines besonderen Vertrages dem hier als Privatlehrer tätigen Abraham Heilbronner das Amt eines Religionslehrers. Der hierbei von den Kultusvorständen mit dem Lehrer Heilbronner abgeschlossene
Vertrag enthält so eigenartige Bestimmungen, die das untergeordnete Verhältnis, die untergeordnete Stellung des Religionslehrers grell beleuchten, dass die hier als Zeugen der ‚guten, alten Zeit’ – wie sie vermeintlich oft genannt wurde – Aufnahme finden sollen. Die Vereinbarung lautet wort- und schriftgetreu:
Buttenwiesen, 19. Mai 1842. ‚In Folge des Gemeindebeschlusses vom 17. d.M. wurde bestimmt, dass der Abraham Heilbronner von Ichenhausen der Königlichen Regierung von Schwaben und Neuburg zur Besetzung der Religionslehrerstelle zu besetzen sei. Bei dieser Gelegenheit hat man sich verabredet dem zu wählenden folgende Bedingungen zu setzen:
1. hat der Lehrer neben den planmäßigen Lehrgegenständen wöchentlich den Religionsschülern in einigen Stunden den Unterricht in allen Büchern des alten Testaments in der Ursprache zu erteilen; ebenso hat der Lehrer sich zu befleißigen, dass der Kommentar Raschi gehörig gelehrt werde;
2. solange der Lehrer in einem Privathause unentgeltliche Wohnung bekommen wird, hat er die von de Gemeinde für freie Wohnung jährlich bestimmten 25 Gulden nicht anzusprechen;
3. ebenso hat sich der zu wählende zu verpflichten, vor Umfluss von fünf Jahren sich nicht verehelichen zu wollen.
4. Desgleichen hat derselbe darauf zu verzichten, bei seiner dereinstigen Verehelichung eine vom hiesigen Orte geborene Frauensperson heiraten zu wollen;
5. Ebenso hat derselbe die Verbindlichkeit zu übernehmen, wenn je der Unterricht der deutschen Schule dem israelitischen Religionslehrer zugeteilt und resp. gestattet würde, den Gesamtunterricht um den jährlichen Gesamtgehalt von 325 Gulden sohin um inplus von 75 Gulden erteilen zu wollen.
Der gewählte Abraham Heilbronner wurde hierauf von den geschlossenen und aufgezeichneten 5 Bedingungen gehörig in Kenntnis gesetzt. Derselbe erklärt hierauf: ich habe diese Bedingungen von 1-5 inclus. klar und deutlich aufgefasst und erkläre mich bereit und verpflichte mich solche genau und vollkommen zu erfüllen. Die Kultusverwaltung einen und Lehrer Heilbronner andernteils noch weiteres, dass sie den vorstehenden Bedingungen die Qualifikation eines förmlichen Vertrages beilegen und diese Verhandlung so betrachten, als wäre ihr Inhalt in dem zu erwartenden Anstellungsdekret der Königlichen Regierung enthalten.’
Urkundlich eigenhändiger Unterschriften: Jos. Ullmann. David Bauer. A. Heilbronner.
Dieser so genannte ‚Vertrag’, den ich mit all seinen Sprach- und Schriftfehlern hier niedergeschrieben, zeigt so recht deutlich, mit welch diktatorischer Gewalt die Anstellung des Lehrers erfolgt, wie man ihm viele Pflichten, ja sogar Einschränkungen merkwürdigster Art auferlegte und wenige Rechte zuerkannte, wie in sklavischer Unterwürfigkeit der Lehrer – es soll damit dem verdienten Manne, der später noch manchen Strauß durchkämpfte, durchaus kein Vorwurf gemacht werden  - ohne weiteres unterschreibt, was die Kultusverwaltung diktiert. Dieser Geist spukt noch in mancher Gemeindestube.
Auf Grund der von der israelitischen Kultusgemeinde erfolgten ‚Präsentation’ des Religions-Lehramtskandidaten und geprüften Schuldienst-Exspektanten Abraham Heilbronner wurde dieser bereits am 1. Juni 1842 als israelitischer Religionslehrer von der Schwäbischen Regierung bestätigt und demselben eine ‚Dekretur zu seiner Legitimation’ ausgefertigt. Bis zum Jahre 1846 amtierte A. Heilbronner als Religionslehrer. Die Zahl der schulpflichtigen israelitischen Kinder betrug damals 73 in der Werktagsschule und 34 in der Sonntagsschule. Das bisherige Schulzimmer bot längst nicht mehr den genügenden Raum, weshalb auch von der vorgesetzten Behörde der Auftrag zur Schaffung eines den Verhältnissen entsprechenden und zeitgemäßen Schulsaales erteilt wurde. Auch die politische Gemeinde erhielt, da das Gebäude, in welchem sich die Simultanschule befand, auch zu klein und baufällig war, den gleichen behördlichen Auftrag. Die hierauf folgenden Beratungen der israelitischen und katholischen Gemeinde führten zu keinem Resultat. Der Antrag der israelitischen Kultusgemeinde, bei dem geplanten Neubau einer Schulhauses für die Gesamtgemeinde auch einen Schulsaal für die israelitische Religionsschule zu schaffen, scheiterte nicht nur an der Weigerung der katholischen Gemeinde, sondern auch an der Nichtgenehmigung des Ordinariates und der Regierung, da das katholische Schulgebäude zugleich Mesnerwohnung bildete.
Hierdurch veranlasst, fasste die israelitische Kultusgemeinde am 13. April 1845 den Beschluss, ihre Religionsschule in eine Elementarschule umzuwandeln. Doch standen der Ausführung dieses Beschlusses noch manche große Hindernisse im Wege. Nicht nur die katholische Gemeinde, sondern auch der bisher an der Simultanschule als Lehrer
Buttenwiesen Bayr GZ 15011928b.jpg (168567 Byte)amtierende Stefan Utz stellte Ansprüche an die israelitische Gemeinde. Utz begründete seine Forderung damit, dass bei einer Schultrennung ihm das Schulgeld der israelitischen Kinder, welche die überwiegende Mehrheit der Schüler bildeten, entgehe und infolgedessen seine Fassion nicht mehr erreicht werde. Von der Lokal- und Distriktsschulinspektion sowohl, also auch von der Königlichen Regierung war dem Beschluss der israelitischen Gemeinde, eine eigene Elementarschule zu gründen, die Genehmigung bereits erteilt worden, wovon uns nachfolgendes Ernennungsdekret des Lehrers Heilbronner berichtet.
II. Eröffnung der Schule.  Augsburg, den 28. Juni 1846.   Im Namen Seiner Majestät des Königs von Bayern. Der israelitische Religionslehrer Abraham Heilbronner wird hiedurch unter Beibehaltung seiner bisherigen Eigenschaft als israelitischer Religionslehrer nunmehr auch als Schullehrer an der neu gebildeten mit der Religionsschule vereinigten teutschen Schule der Juden zu Buttenwiesen, K. Landgerichts Wertingen, mit einem jährlichen Einkommen von fünfundsiebzig Gulden für die teutsche Schule unter Beibehaltung seiner bisher als Religionslehrer genossenen Bezüge ernannte, und demselben gegenwärtige Ausfertigung zugestellt, welche er dem gedachten K. Landgerichte, sowie der k. Distrikts-Schul-Inspektion in Wertingen vorzuzeigen hat.
Königliche Regierung von Schwaben und Neuburg, Kammer des Innern.
An den israelitischen Religionslehrer Abraham Heilbronner in Buttenwiesen. Dessen Ernennung als Schullehrer an der teutschen Schule der Juden zu Buttenwiesen.
Trotz dieser behördlichen endgültigen Genehmigung, die mit der Ernennungsurkunde ausgesprochen war, sah sich die israelitische Gemeinde gezwungen, sich mit dem oben erwähnten Lehrer Utz gütlich zu einigen. Dieses Abkommen verpflichtete die israelitische Kultusgemeinde, an Lehrer Utz vom Jahre 1846 bis zu seiner Pensionierung 1860 jährlich 80 Gulden und von 1860 bis zu seinem im Jahre 1873 erfolgten Tode jährlich 50 Gulden als ‚Aversum’ zu bezahlen. Nach Beseitigung aller Hindernisse trat dann mit Beginn des Schuljahres 1846 die
Israelitische Elementarschule ins Leben. Der Unterricht erfolgte vorerst noch im gleichen Raume, der bisher der Religionsschule gedient hatte. Aber schon am 30. Juli 1846 erging vom Königlichen Landgerichte Wertingen an die israelitische Gemeinde die Aufforderung zur Auswahl eines Bauplatzes und zur Erbauung eines eigenen Schulhauses zu schreiten.
Das hierüber vorliegende amtliche Schriftstück hat nachfolgenden Wortlaut: Wertingen, 30. Juni 1846. Vom Königlichen Landgerichte! Nachdem die Errichtung einer eigenen Schule und der Bau eines eigenen Schulhauses nunmehr der israelitischen Gemeinde gestattet ist, so muss vor allem zur Auswahl eines Bauplatzes geschritten werden. Die israelitische Kultusverwaltung wird daher aufgefordert, hierüber in Beratungen zu gehen, Beschluss zu fassen und diesen anher vorzulegen. Dieselbe wird bei der Auswahl gut tun, einen sachverständigen Baumeister beizuziehen, weil der Grund, auf welchem gebaut werden soll, ein nicht unerheblicher Punkt beim Bau ist, sich auch hierbei der Zustimmung der Lokalschulinspektion zu versichern. Die Vorlage des Ergebnisses wird binnen 8 Tagen gewärtigt. Der Königliche Landrichter: v. Aretin."  
 
Buttenwiesen Bayr GZ 15021928a.jpg (305189 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Februar 1928:   
 
Buttenwiesen Bayr GZ 15031928.jpg (140593 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. März 1928:    
 
Buttenwiesen BayrGZ 15041928.jpg (112422 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. April 1928:    
 
Buttenwiesen BayrGZ 15051928.jpg (353533 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Mai 1928:   
Buttenwiesen BayrGZ 15051928a.jpg (71220 Byte)  
   
Buttenwiesen Bayr GZ 15061928.jpg (174410 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Juni 1928:   

 
Lehrer Lewkowitz erreicht eine Unterrichtsbefreiung der jüdischen Schüler am Sabbat (1934)

Buttenwiesen Israelit 07061934a.jpg (41240 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juni 1934: "Buttenwiesen, 28. Mai (1934). Den Bemühungen von Lehrer Lewkowitz ist es gelungen, sämtliche jüdischen Schüler vom Unterricht am Sabbat und der damit verbundenen Sabbatentweihung zu befreien. Die Lehrpersonen zeigten sich entgegenkommend und änderten teilweise den auf Samstag fallenden Stundenplan. Die Einrichtung von ‚Sabbatstunden’ für de Jugend ist vorgesehen."

     
Beitrag von Lehrer Lewkowitz (1934)       

Buttenwiesen Israelit 02081934.jpg (149581 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. August 1934:      

     
Lehrer Lewkowitz stellt Anträge auf der Lehrerversammlung in der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg (1935)

Buttenwiesen Bayr GZ 15071935.jpg (149135 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Juli 1935: "Vereinsmitteilungen (sc. des Lehrervereins der israelitischen Lehrer in Bayern). I. Zu der am 22. Juli nachmittags 3 Uhr in der Lehrerbildungsanstalt in Würzburg stattfindenden Mitgliederversammlung sind folgende Anträge eingegangen: …

Anträge Lewkowitz (Buttenwiesen). 1. Die Arbeit des Junglehrers in der Kleingemeinde ist verantwortungsvoller geworden. Vielfach ist der Anfänger ihren schweren Aufgaben nicht immer ganz gewachsen. Deshalb muss noch mehr als bisher eine organisierte Fortbildungsarbeit einsetzen. Die dafür eingesetzten, leider selten stattfindenden ‚Bezirkskonferenzen’ entsprechen erfahrungsgemäß nicht immer der weltanschaulich-religiösen Einstellung ihrer Besucher. – Finanzielle Gründe sollten mit allen möglichen Hilfsmaßnahmen hinweggeräumt werden, sodass auch in Bezirken mit weit entfernten jüdischen Gemeinden eine geregelte Fortbildungsarbeit für Junglehrer einsetzen kann.
2. Als Auftakt und ständige Einrichtung zu dieser wichtigen Aufgabe mögen in den Ferien stattfindende Zusammenkommen der Junglehrerschaft in Gemeinschaftslagern dienen und zwar in Kleingemeinden, oder in der Nähe von solchen, wo jüdisches Leben pulsiert; verbunden soll jeweils damit ein Schulungskurs sein, um unsere Arbeit zu vertiefen. Somit ist auch dem Kollegen, der abseits der ‚großen Straße’ liegt, Gelegenheit geboten, seine anderen, gleichaltrigen Kollegen kennen zu lernen, für seine Arbeit Anregung zu bekommen und ihn vor dem schlimmsten – dem Entfremden durch die dörfische Abgeschiedenheit – zu bewahren.
3. Unsere ‚Mitteilungen’ sollten sich noch mehr als bisher in den Dienst des Aufgabenkreises des Junglehrers in Klein-Gemeinden stellen und sie zur eventuellen Aussprache in denselben herbeiziehen.
4. Die Mitgliederversammlung möge ferner in eine Debatte über einheitliche Gehaltsregelung der Junglehrer eintreten, denn die Verhältnisse sind hier äußerst verschieden."

 
Verkauf des jüdischen Schulhauses (1937)

Buttenwiesen Bayr GZ 15051937.jpg (47421 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Mai 1937: "Verkauf des Jüdischen Schulhauses in Buttenwiesen. Die Israelitische Kultusgemeinde hat ihr Schulgebäude verkauft. Die Schule wurde 1846 gegründet, das Haus durch die Gemeinde dem jüdischen Schlossermeister Moses Sänger für 4.000 Gulden 1848 abgekauft. 1906 erfolgte eine Erneuerung und Erweiterung des Hauses. Der Schulbesuch nahm folgenden interessanten Verlauf: 1846 besuchten 107 Schüler, 1848 116, 1880 62, 1900 40, 1911 23 Schüler die Werktags- und Sonntagsschule. Heute beträgt die Zahl der jüdischen Schüler weniger als 5…"

   
  
Kleine Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
  
Fest zum 40jährigen Jubiläum von Peppi Lammfromm als Vorsteherin des Israelitischen Frauenvereins (1904)

Buttenwiesen Israelit 18011904.JPG (129318 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Januar 1904: "Buttenwiesen (Bayern). Am 19. Dezember beging der hiesige ‚Israelitische Frauenverein’ ein erhebendes, schönes Fest, welches die Mitglieder zu Ehren ihrer Vorsteherin, Frau Peppi Lammfromm veranstalteten. Frau Lammfromm hat dieses Ehrenamt seit vier Dezennien inne und hat sich in dieser langen Reihe von Jahren unvergängliche Verdienste um die Bestrebungen des ‚Israelitischen Frauenvereins’ erworben. In Anerkennung und dankbaren Würdigung dieser Verdienste versammelte sich nahezu die gesamte hiesige jüdische Gemeinde im Gräflich Treuberg’schen Gasthaus. Nachdem die Frau Jubilarin durch eine Deputation in den festlich geschmückten Saal geleitet war, hielt Herr Lehrer Bernheim die Festrede und überreichte namens des Vereins eine sinnige Ehrengabe. Und nun folgten in bunter Reihe Musikstücke, Ansprachen, launige und ernste Vorträge. Besonders mögen die Rede des Herrn Isaac Reiter und das vorzügliche Klavierspiel von Frl. Thekla Bauer hervorgehoben sein. Die Jubilarin selbst sprach in kurzen, kernigen Worten ihren Dank für die ihr erwiesene Ehrung aus und forderte die Mitglieder auf, sich stets und gerne in den Dienst der Nächstenliebe zu stellen. Herr Israel Lammfromm wies unter lebhaftem Beifall der Festversammlung darauf hin, dass der Verein zugleich sein 60. Stiftungsfest begehen könne und ersuchte die Anwesenden, das einzige noch lebende Gründungsmitglied, Herrn pens. Lehrer Heilbronner in Augsburg, durch Erheben von den Plätzen zu ehren. Für die Fidelitas des in jeder Hinsicht wohl gelungenen Abends machten sich die Herren Leo Reiter und Gustav Einstein, und die Damen Fräulein Ida Ullmann, Frieda Reiter, Rosa Einstein, Ida Reiter und Fanni Sänger verdient."

  
Chanukka-Feier des Schomrei-Schabbat-Vereins (1908)

Buttenwiesen Israelit 31121908.jpg (159526 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Dezember 1908: "Buttenwiesen, 28. Dezember (1908). Am vergangenen Schabbat Chanukka hielt der hiesige Schomrei Schabbat-Verein, der bisher aus 14 Mitgliedern bestand, seinen ersten Familienabend ab. Es waren hierzu sämtliche Damen und Herren der Kultusgemeinde eingeladen, und dieselben haben sich vollzählig in dem von Herrn Lammfromm sinnig dekorierten Saal eingefunden. Vor einer brennenden in lieblichem Pflanzenschmuck stehenden Menora wurde unter Klavierbegleitung mit Begeisterung die Chanukka-Hymne gesungen. Hierauf ergriff der Vorstand der Ortsgruppe, Herr Lehrer Bernheim, das Wort zur Begrüßung und zu seinem Vortrag ‚Das Chanukkafest und seine Lehren für unsere Gegenwart’. Dabei kam er am Schlusse auf die hohe ethische Bedeutung des Sabbatgedankens zu sprechen und forderte in einem warmen Appell die dem Vereine Fernstehenden auf, sich ihm anzuschließen. Alle Anwesenden leisteten dem Rufe Folge, gewiss ein schönes Zeugnis für das Verständnis unserer Sabbatidee und des Gefühles der Zusammengehörigkeit. Die Mitgliederzahl stieg auf 36. Nun sprach Herr Jakob Sänger in eingehender Weise über die Bedeutung des Sabbats, und dann ergriff Herr Lammfromm das Wort, um in humorvoller Art über Chanukka und Sabbat zu plaudern. Damit und mit einem Klaviervortrag von Frau und Herrn Lehrer Bernheim war der Übergang zur Fidelitas gewonnen. Diese wurde noch gehoben durch Einzelvorträge von Frau Lehrer Bernheim, Frau Fanni Hummel, Fräulein Amelie Schloss, Fräulein Rosa Leiter und Herrn Adolf Leiter, sowie durch zwei Einakter, gespielt von Fräulein Ida Reiter, Fräulein Bella Lammfromm, Fräulein Frieda Leiter und Herrn Adolf Leiter. Die gehobene Stimmung benützte Frau Lehrer Bernheim, um für die israelitische Kinderheilstätte in Kissingen mit schönem Ergebnis zu Herzen zu rühren. So verlief der Abend, der über die Mitternachtsstunde hinaus ausgedehnt wurde, in schönster Weise und mit Erfolgen aller Art."

 
Klage über eine "Sabbatentweihung" durch den jüdischen Jugendbund aus Augsburg (1926)

Buttenwiesen Israelit 24061926.JPG (211141 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Juni 1926: "Sabbatentweihung. Man schreibt uns aus Bayern: Was unser kleiner Ort noch nie geschaut, ein Schauspiel, das unsere jüdische Gemeinde noch nie gesehen, wurden diesen Sabbat uns geboten. Am Sabbat Abend 8 Uhr kam mit wehender Fahne eine Truppe von 12-15 Mädchen und Jungen ins Dorf marschiert, der ‚jüdische’ Jugendbund aus Augsburg. Sabbat Nachmittag waren sie dort abgereist, unterwegs ausgestiegen, um dann zu zu Fuß mit Sack und Pack am heiligen Sabbattage ins Dort einzuziehen. Das Herz krampfte sich mir zusammen ob dieser (hebräisch und deutsch) Sabbatschändung!
Und wer gab Veranlassung zu diesem in unserer Gemeinde einzig dastehenden Vorkommnis? Eine Frau, eine Witwe, war vor wenigen Tagen aus Augsburg hier hergekommen, um den Jahrzeitstag ihres Mannes zu begehen. Der Geist der Pietät lebte noch in ihrem Herzen, und so besuchte sie den Gottesdienst und das Grab ihres Gatten an seinem Todestage. Und die Nachfeier? Die Witwe glaubte es ihrer 19jährigen Tochter schuldig zu sein, deren Augsburger Kameraden hier einen fröhlichen Tag bereiten zu müssen. Und das musste ein Sabbat sein! Und wie merkwürdig der Sabbat Schelach lecha: ein Sabbat, dessen Wochenabschnitt uns ein so abschreckendes Beispiel in der Erzähler von dem Holzsammler, dem Sabbatentweiher bietet, der in der Wüste am Sabbat Holz aufgesammelt. Und was sagt uns da die heilige Schrift? ‚Gott sprach zu Moses: ‚Der Mann soll getötet werden; die ganze Gemeinde soll ihn steinigen außerhalb des Lagers!’ Ist es für jedes echtjüdische Herz tief schmerzlich und bedauerlich, wie in den jüdischen Stadt- und Landgemeinden das Judentum verflacht und seiner jüdischen ideale, seines lebendigen Inhaltes beraubt wird, wie an heiligen Sabbat- und Festtagen Einzelne reisen, kaufen und verkaufen, wie Speise- und Ehegesetze mit Füßen getreten werden, wie das jüdische Heim zerstört, jüdische Eigenart verwischt wird, wie Gleichgültigkeit und Interesselosigkeit der Jugend zunehmen, jüdisches Wissen, jüdische Lehrer und jüdisches Leben verfallen! Noch bedauerlicher ist es, wenn solche Unjüdischkeit noch veranlasst und noch weiter verbreitet wird.
Fühlt Ihr es nicht, Ihr Väter und Mütter, dass Ihr durch solche Sabbatentweihung Euch ins eigene Fleisch schneidet! Merkt Ihr nicht, dass Ihr durch solche unjüdische Veranstaltungen die Jugend dem Judentum entfremdet? Der Sabbat ist ein Bundeszeichen zwischen Gott und Israel auf ewig. Ihr zerreißt es; nehmt den Sabbat- und Festtagen ihre Heiligkeit und Weihe! Ist das der Erfolg des Aufrufes der bayerischen Rabbiner, die zu jüdischem leben, zur Schamhaftigkeit und jüdischer Zucht mahnend aufgefordert, die gegen würdelose Kleidung, gegen Unsitte und Unmoral ihre Stimme erheben? Genügen da nicht die Sonntage zu solchen Ausflügen und Vergnügungen. Muss gerade der Sabbat das Opfer sein, der ohnedies Entweihung in Fülle zu erdulden hat!"

 
 
Berichte über einzelne Personen aus der Gemeinde   
  
Dr. Binswanger wird zum Physikus ernannt und siedelt nach Hürben-Krumbach über (1871)  

Buttenwiesen Israelit 31051871.jpg (61094 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Mai 1871: "Buttenwiesen (Bayern). Der hiesige allgemein geachtete Arzt, Herr Dr. Binswanger, wurde zum Physikus ernannt und siedelt in dieser Eigenschaft nach Hürben-Krumbach über; es ist dies der erste jüdische Arzt in Bayern, der eine derartige Anstellung erhalten hat. – (Auch im Großherzogtum Hessen wurde vor einiger Zeit unser Glaubensgenosse, der rühmlichst bekannte Herr Dr. Weil in Zwingenberg a.d. Bergstraße zum Kreisphysikus befordert; es ist dies auch in dem genannten Lande der erste derartige Fall. Red.).

 
Zum Tod des Gemeindevorstehers Bernhard Leiter (1875)

Buttenwiesen Israelit 03111875.jpg (142795 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. November 1875: "Buttenwiesen. Ich erfülle hiermit die traurige Pflicht, einem Ehrenmanne den verdienten Nachruf zu widmen. Herr Bernhard Leiter, unser seit 25 Jahren würdiger Kultusvorstand, hat unsere ganze Gemeinde durch seinen Hintritt in tiefste Trauer versetzt. Seltene Eigenschaften zierten diesen Mann. Er war ein Gottesfürchtiger im wahren Sinne des Wortes, was er nicht bloß durch sein eigenes Leben betätigte, sondern auch durch die echt-jüdische Erziehung seiner Kinder. Zu dieser großen Eigenschaft, die er mit unserem Stammvater Abraham gemein hatte, kommt noch eine andere, die ihn ganz besonders zu seinem Amte als Kultusvorstand befähigte und ihn so Großes leisten ließ; er war ein (hebräisch und deutsch:) Frieden liebender und Frieden erstrebender Mann, der sich die Liebe und Achtung nicht nur der ganzen Gemeinde, sondern auch Aller, die mit ihm in nähere Berührung kamen, erworben hatte. Wir haben in ihm auch noch einen vorzüglichen Vorbeter verloren, der es verstand durch seinen innigen, herzlichen Vortrag auch die harten herzen zu rühren; jeder empfand, dass dieser Mann mit Gott sprach, dass ihm das Gebet aus tiefstem Herzen kam. Auch die politische Gemeinde verliert in ihm ein tüchtiges, ehrenwertes Verwaltungsmitglied, ja, wohin wir blicken, fühlen wir den herben Verlust, und in bitterem Schmerze müssen wir klagen, dass eine Zierde unserer Gemeinde, eine Zierde des Judentums, ein selten edler Mann uns entrissen worden. Für unsere Gemeinde ist er unersetzlich. Möge der Vater der Waisen und Witwen (sc. Gott) seiner verwaisten Familie, seiner verwaisten Gemeinde Trost schicken und die Zurückgebliebenen in dem Vorsatze bestärken, dem edlen Toten nachzueifern und zur Kräftigung und Erhaltung unserer Gemeinde gleich ihm durch Gottesfurcht und Friedensliebe beizutragen!

 
Zum Tod des Vorbeters Josef Sänger (Chassen-Josef, 1876)

Buttenwiesen Israelit 01031876.jpg (172974 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. März 1876: "Buttenwiesen. Unsere Gemeinde hat leider schon wiederum den Heimgang eines Mannes zu beklagen, der in weiten Kreisen bekannt war. Raw Josef Sänger – seligen Andenkens -, der fast ein halbes Jahrhundert als Vorbeter und Schochet hier fungierte, ist uns unerwartet entrissen worden. Es ist für uns ein harter Verlust, denn wir besaßen in ihm einen der immer seltener werdenden so genannten alten Vorbeter, der mit einem außergewöhnlich Reichtum an alten herrlichen Melodien mit einer außerordentlich umfangreichen schönen Stimme begabt war. Dabei verband er einen Vortrag so klar und deutlich, dass man jede Silbe verstehen konnte. Was ihn aber so recht zum Vorbeter machte, das war die in unseren Tagen immer seltener werdende Erscheinung, dass bei ihm der Gesang vollständig in den Hintergrund trat und er nicht darin seine Aufgabe suchte, durch schöne Melodien die Ohren seiner Gemeinde zu kitzeln, sondern die Herzen der Betenden zu ergreifen. Man muss ihn an den erfurchtgebietenden Tagen gehört haben, wie allgewaltig er durch seine Gebete seine Gemeinde hinriss; das war ein Bittender und um Verzeihung gleichsam Bettelnder, der sein ganzes Herz vor seinem Gotte ausschüttete. Wie aufopfernd und unerschrocken er Wohltätigkeit übte, das weiß die ganze Gemeinde. Als z.B. im Jahre 1854 die Cholera auch hier leider zahlreiche Opfer forderte und Alles in Angst und Schrecken die Häuser mied, worin Tote lagen, da war er es, der trotz einer noch unversorgten Familie, ohne Furcht und ohne Besinnen den Toten den letzten Liebesdienst erwies.
Seine Herzensgüte und die Weichheit seines Gemütes sind beredte Beweise für seine Biederkeit und Menschenliebe. Sein Wunsch war es oft, einst ohne lange krank zu sein von dieser Welt zu scheiden. Und so war es ihm beschieden, als er gerade im Begriffe war, einem Leidenden zu helfen, im 75. Jahre plötzlich von uns zu gehen. Er besaß nämlich in einzelnen Gebieten der Arzneikunst und Chirurgie außerordentliche Kenntnisse und hat vielleicht mehr als 100 Menschen das Leben gerettet. In vielen Fällen wurde er von Ärzten zurate gezogen. Und so ward er auch an seinem letzten Tage gerufen, um einem Brauer, der sich auf schreckliche Weise verbrüht hatte, zu helfen. Wir verlieren leider viel an diesem Manne und die ganze Gegend betrauert den Heimgang des so beliebten Chassen-(Vorsänger-)Josef. Seine Taten und sein Leben, sie haben ihm sicherlich die kommende Welt erworben. Er vernichtet den Tod auf ewig."

 
Zum Tod des aus Buttenwiesen stammenden Moses Leither, gest. in Fürth (1887)

Buttenwiesen Israelit 16061887.jpg (229743 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juni 1887: "Fürth. Wenn Männer heimgehen, die in der Betätigung frommer, edler Werke ihre Lebensaufgabe erblicken, so ist es gewiss angezeigt, auf das Wirken solcher Verblichenen zurückzuschauen und der weiteren Öffentlichkeit ein Bild ihrer Lebenstätigkeit vorzuführen. Zu diesen Männern kann mit Recht der vor einigen Wochen zu grabe getragene Herr Moses Leiter – seligen Andenkens – dahier gezählt werden. Der Verlebte, früher in Buttenwiesen wohnhaft, übersiedelte vor ungefähr 10 Jahren von letztgenanntem Orte nach hiesiger Stadt und widmete während dieser Zeit seiner religiösen Gesinnung gemäß ausschließlich seine ganz Kraft der Ausübung von Geboten und guten Werken. Seine Liebe zu unserer Heiligen Tora äußerte er dadurch, dass er nicht bloß, wie er dies schon von frühester Jugend an getan, täglich allein eine bestimmte Zeit mit Lernen verbrachte, sondern sich auch an dem schon seit Jahren in der Klaussynagoge dahier bestehenden Gemara-Schiur rege beteiligte und dafür Sorge trug, dass dem fraglichen Schiur durch Zuziehung von jungen bewährten Kräften eine weitere Fortdauer gesichert wurde. Wie groß seine Anhänglichkeit an das Heilige Land und dessen Bewohner war, beweist der Umstand, dass er vor einigen Jahren dem Zentralkomitee für israelitische Armen und Pilgerwohnungen zehntausend Mark mit der Bestimmung überhab, dass ein seinen Namen tragendes Haus erbaut werde, in welchem zwei Talmide Chachamim (Gelehrte), deren Einsetzung auf seine Präsentation zu geschehen habe, für ihre Lebzeit wohnen sollen, welche Anordnung getreulich ausgeführt worden. Von aber ganz besonderer Bedeutung war der Dahingeschiedene für die hiesige israelitische Waisenanstalt, in welcher er das Amt eines Vorstandes bekleidete und für die er mit seiner staunenswerten Hingebung tätig war. Klagend stand daher die Verwaltung dieser Anstalt mit den Waisen an der Bahre ihres getreuen Führers, an dem das gemeinnützige Institut eine unschätzbare Repräsentative verloren.
Mit vielen Tugenden, die des Mannes Haupt zieren, verband der Verstorbene ein klares Urteil, das ihn bei allen wichtigen Fragen das Richtige finden ließ, was der genannten Anstalt sehr zustatten kam. Er konnte ein Vater der Waisen in des Wortes vollster Bedeutung genannt werden. Herr Dr. Königshöfer – sein Licht leuchte – Direktor der hiesigen israelitischen Waisenanstalt, gab auch an der Bahre dieses biederen Mannes dem Schmerze über den erlittenen Verlust in beredter Weise Ausdruck, indem er eine Stelle aus dem Midrasch Jalkut zitierte, wobei auch Redner die große Bescheidenheit betonte, die dem nunmehr Verklärten ganz besonders eigen war. Der selige Leiter zählte nämlich zu jenen Frommen, die ihre geübten Werke der Wohltätigkeit der Öffentlichkeit gegenüber geheim hielten, von welcher Tugend, die Anordnung, dass seinen Grabstein außer seinem Namen und der Sterbezeit nur die Worte …zu gehen mit deinem Gott decken sollen, ein sprechendes Zeugnis liefert. Wie man allgemein hört, hat der Verblichene mehrere Wohltätigkeits-Anstalten, worunter auch die hiesige israelitische Waisenanstalt wahrscheinlich gerechnet werden darf, mit Legaten bedacht. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

 
Zum Tod des langjährigen Gemeindesekretärs und Kassier Rafael Benjamin Sänger (1889)

Buttenwiesen Israelit 09091889.jpg (102512 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. September 1889: "Buttenwiesen (Bayern). Unsere Gemeinde wurde am Tag vor TuBischwat in tiefe Trauer versetzt. Unser langjähriger Gemeindesekretär und Kassier HaChawer Rafael Benjamin Sänger wurde unerwartet schnell seiner Familie und der Gemeinde entrissen. Mit ihm ist einer der immer seltener werdenden Männer dahingegeben, der die Tora mit einem respektvollen Umgang verband. Nach dem Tode unseres verewigten Rabbiner Rabbi Jomtof Sänger war er hier der einzige Lamdan (Gelehrte), bei dem man sich noch Rat in religiösen Angelegenheiten holen konnte. Das Studium der Tora war auch seine Freude und mit großer Aufmerksamkeit lauschte an jedem Schabbat ein Kreis von Zuhörern seinen religiösen Vorträgen. Ein bescheidener, gottesfürchtiger, friedliebender Mann, von dem man im wahrsten Sinne des Wortes sagen durfte, er habe in seinem Leben niemandem weh getan, im geschäftlichen Verkehr die Ehrlichkeit selbst; wenn es sich um religiöse Angelegenheiten aber handelte, da war er der Mann der festen Überzeugung, der mutig, ohne Rücksicht und Furcht die gute Sache verfocht. Wir erfüllen hiermit nur eine Pflicht, wenn wir dem Verstorbenen diesen öffentlichen Nachruf widmen und ohne Übertreibung sagen: auch unsere Gemeinde hat einen schweren Verlust erlitten. Möge der Allvater der tief betrübten Familie Trost schicken! –r."

  
Jacob L. Sänger berichtet über fromme jüdische Viehhändler in Donauwörth (1898)

Buttenwiesen Israelit 17031898.jpg (138007 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. März 1898: "Buttenwiesen (Bayern). Erhalter einer seltenen Mizwoh zu sein, war mir diesen Purim vergönnt. In Donauwörth werden stets große Viehmärkte abgehalten; ein solche sollte nun auch Purim stattfinden. Viele jüdische Viehhändler mussten schon am 13. Adar (Taanit Ester, Fasten der Ester, 7. März 1898) dort sein. Bekanntlich wohnen in Donauwörth keine Juden. 
Sonntag kamen nun verschiedene Herren zu mir mit dem Ersuchen, am 13. Adar die Megilloh in Donauwörth zur Verlesung zu bringen. Ich sagte natürlich auch sofort zu. Montagmittag wurde ich per Droschke abgeholt. Als es Abend war, begann ich in dem großartig beleuchteten schönen Saal des Hotel Krebb das Maariw-Gebet. Von allen Seiten kamen die Jehudim herbeigeströmt, sodass in kurzer Zeit 48 Personen, aus allen möglichen Gemeinden Bayerns versammelt waren. Die ruhe und die Feierlichkeit während der Megillah-Vorlesung war ein schöner, selten-erhebender Akt. Nach Beendigung wurden mir allseitig gute Wünsche zugerufen und alles drückte mir gerührt die Hand.
Nachdem ich alsdann einen Imbiss genommen hatte (ich hatte mir mein Essen mitgebracht), fuhr ich vergnügt und munter mit einer Purimstimmung, wie sie nur das Bewusstsein, eine schöne Mizwa (Weisung) erfüllt zu haben, hervorrufen kann, nach Hause. Das Wort unserer Weisen hat sich auch hier wieder herrlich bewährt, wenn sie sagen 'nicht verwitwet ist Israel' (Jeremia 51,5).
(Donauwörth war früher eine große jüdische Gemeinde. Vor einigen Jahrhunderten wurde sie im Zusammenhang mit der bekannten bayerischen Vertreibung aufgelöst). Jacob K. Sänger, Sofer, Schreiber von Torarollen, Tefillin und Mesusot".

  
25jähriges Jubiläum des Kultusvorstandes Salomon Ullmann (1902)

Buttenwiesen Israelit 13011902.jpg (282872 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Januar 1902: "Buttenwiesen (Bayern). Am Samstag, den 4. Januar, veranstaltete die hiesige israelitische Kultusgemeinde zu Ehren des 25jährigen Jubiläums des Kultusvorstandes, Herr Salomon Ullmann, eine Jubelfeier, die einen herrlichen verlauf nahm und sowohl dem Herrn Jubilar, wie der hiesigen Gemeinde zur Ehre gereichte.
Fleißige Hände hatten sich schon Tage vorher bemüht, die Säle des gräflichen Treuberg’schen Gasthauses aufs Festlichste zu schmücken. Die gesamte jüdische Gemeinde, die politische Verwaltung, eine Anzahl katholische geistliche und Vertreter benachbarter Gemeinden, eine Abordnung der freiwilligen Feuerwehr und der Gesangverein ‚Liederkranz’, Buttenwiesen, versammelten sich abends 7 Uhr im Festlokale, wo eine Viertelstunde später der Jubilar, geleitet von einer Deputation der israelitischen Verwaltung, erschien.
Bei Eintritt desselben erhoben sich die Anwesenden und der Gesangverein, unter Leitung des Herrn Lehrer Bernheim, intonierte einen Festgruß. Hierauf sprach Fräulein Rosa Einstein den Festprolog in geradezu künstlerischer Weise, und der reiche Beifall, welcher der jungen Dame zuteil wurde, bestätigte, wie sehr sie es durch ihren meisterhaften Vortrag verstanden hat, alle Anwesenden zu entzücken. Auf Ersuchen des Festkomitees hatte es Herr Israel Lammfromm übernommen, die Festrede zu halten, und er entledigte sich dieser Aufgabe in vorzüglichster Weise. Redner führte aus, dass, als Herr Ullmann vor 25 Jahren an die Spitze der hiesigen Gemeinde berufen wurde, dieselbe in zwei feindlichen Lagern geteilt war. Dem Jubilar ist es zu danken, dass die Gegensätze vollständig ausgeglichen, und dass die Geschäftsordnung der hiesigen Gemeinde der Neuzeit angepasst wurde. Trotz vielfacher und segenbringender Neugestaltungen hat der Jubilar die traditionellen Institutionen des Judentums hochgehalten. Darum betrachte die ganze Gemeinde den heutigen Tag als einen Festtag und aller Wunsch sei nur, dass es Herrn Ullmann vergönnt sein möge, noch viele Jahre seines Ehrenamtes zu walten.
Anschließend hieran überreichte der zweite Vorstand, Herr Bernhard Kreisle, mit einer herzlichen Ansprache einen von den Gemeindemitgliedern gewidmeten silbernen Pokal. Namens der Wohltätigkeitsstiftung, deren Vorstand Herr Ullmann ebenfalls ist, sprach Herr Moritz Hummel den Dank Aller mit jener Institution in Berührung stehender Personen und deren Gratulation aus. – Als Vertreter der christlichen gemeinde überbrachte der Hochwürdige Herr Pfarrer Helmschrott in herzlichster Weise deren Gratulation und Glückwünsche. Dasselbe tat im Namen der Freiwilligen Feuerwehr Buttenwiesen deren Kommandant Herr Bühlmeier. Auf die in hiesiger Gemeinde bestehende erfreuliche und segenbringende Einigkeit brachte Herr Isaak Reiter ein ‚Hoch’ aus. Als Vertreter der Jugend Buttenwiesens sprach Herr Ignaz Lamm; sein ‚Hoch’ galt den Mitgliedern der politischen und Kultusverwaltung, welche der Jugend als leuchtende Beispiele getreulicher Pflichterfüllung und hingebender Liebe zur Heimat vorangehen.
Die aus allen Gauen Deutschlands eingetroffenen Telegramme und eine von in Frankfurt am Main weilenden Ortskindern gewidmete Adresse wurden von Herrn Israel Lammfromm zur Verlesung gebracht. Tief gerührt dankte Herr Ullmann für die ihm erwiesenen Ehrungen, und in demselben Sinne sprach der Sohn des Jubilars, Herr Joseph Ullmann aus München.
Nach Schluss des offiziellen Teiles trat der Humor in seine Rechte. Zahlreiche Vorträge setzten die Lachmuskeln in Bewegung. Besonders zu erwähnen sind die vortrefflichen eigenen Dichtungen von Frl. Fanni Sänger, welche großes Talent bekunden. Frl. Hedwig Reiter und Herr Ignaz Lamm brachten eine Serie oberbayerischer Dialektdichtungen und die Herren Gustav Einstein und Adolf Leiter eine Anzahl zündender Kouplets. Das Fest dauerte bis zum frühen Morgen und wird allen Buttenwiesern, sowie den zahlreichen Fremden eine liebe Erinnerung bleiben. J.L."

  
Zum Tod von Carl Sänger (1923)

Buttenwiesen Israelit 03051923.jpg (180747 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Mai 1923: "Buttenwiesen, 26. April (1923). Carl Sänger, der letzte hiesige männliche Träger der Familie Sänger, die seit nahezu 150 Jahren durch ihre hervorragenden Mitglieder die Führer und Leiter unserer Gemeinde stellte und am meisten dazu beitrug, ihr den berechtigten ruf einer wahrhaften Mutter in Israel zu verleihen, ist in die Ewigkeit eingezogen. Carl Sänger erreicht das gesegnete Alter von 82 Jahren. Als Sohn von Rabbi Jossef – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – 1841 geboren, weihte er sich dem Kaufmannsstand und reichte in jungen Jahren seiner Kusine, der Tochter unsere unvergesslichen Rabbiners Jomtow Sänger – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – die Hand zum Ehebunde. Nach wenigen Jahren riss ihm der unerbittliche Tod die ebenbürtige Gattin von der Seite. In zweiter Ehe gab er in einer Schwester des vor kurzem in Frankfurt am Main verstorbenen Geheimrat Dr. Elieser Rosenbaum – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – seinen kleinen verwaisten Kindern eine neue Mutter. Trotz vieler harter Schicksalsschläge blieb er stets der treue, aufrechte Jehudi, der in seinem großen Gottvertrauen Trost und Stütze fand. Von einer beispiellosen Friedensliebe und Hilfsbereitschaft beseelt, war er bei Groß und Klein – Jude und Nichtjude – gleich beliebt und geschätzt. Von seinem seligen Vater besaß er wunderbare Kenntnisse einer Heilmethode, speziell für Schnitt- und Brandwunden und Hautkrankheiten, die ihn befähigten, in Fällen, wo alle ärztliche Kunst zu versagen drohte, rettend einzugreifen. Ungezählte verdanken ihm so ihr Leben. Nie nahm er Entgelt dafür, alles tat er in selbstloser Weise zur Ehre Gottes. Kein Wunder, dass sich seine Beerdigung zu einer wahren Heiligung Gottes gestaltete. Neben der ganzen Gemeinde und zahlreich selbst aus weitester Ferne herbeigeeilten Verwandten gaben ihm viele Hunderte Nichtjuden aus der ganzen Umgegend das letzte Geleite. Auch der politischen Gemeinde diente er jahrzehntelang als Mitglied der Verwaltung. Im Namen der Familie, der jüdischen und politischen Gemeinde dankte Herr Lehrer Sonn dem Heimgegangenen in warmen Worten für das von ihm Geleistete, ihm besonders für seine 40jährige Tätigkeit als Vorbeter an Jom Kippur. Nicht so rasch werden seine alten, zu Herzen gehenden Melodien verhallen. In der Reihe der Ehrengräber, an der Seite des von ihm so hoch verehrten, ihm vor wenigen Jahren im Tode vorausgegangenen Schwagers Rabbi Jakob Sänger – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – fand er seine letzte Ruhestätte. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

  
Zum Tod von Samuel Hummel und Martha Reiter geb. Hummel (1927)

Buttenwiesen Bayr GZ 08031927.jpg (55801 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 8. März 1927:   

 
Zur Silbernen Hochzeit von Leo Reiter (langjähriger Gemeinderat und -Kassier) und seiner Frau (1930)

Buttenwiesen BayrGZ 01031930.jpg (82177 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. März 1930:   

 
Zum Tod von Israel Lammfromm (1930) - 48 Jahre Mitglied bei der Feuerwehr

Buttenwiesen Israelit 04121930.jpg (113177 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Dezember 1930:    
 
Buttenwiesen BayrGZ 01121930.jpg (56319 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Dezember 1930:    

  
70. Geburtstag des aus Buttenwiesen nach Öhringen verzogenen Jakob Einstein (1931)  

Oehringen Israelit 09071931.jpg (79158 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Juli 1931: "Öhringen, 2. Juli (1931). Am 10. Juli feiert unser Gemeindemitglied, Herr Jakob Einstein, seinen 70. Geburtstag. Aus der altjüdischen Gemeinde Buttenwiesen stammend, verpflanzte er die fromme Tradition des Elternhauses auch in seinen neuen Wohnsitz, wo er die Belange des gesetzestreuen Judentums zu fördern bestrebt ist. Seit Jahrzehnten lässt er an den ehrfurchtgebietenden Tagen mit lieblicher Stimme die schönen Melodien seiner Altvordern erschallen mit echter Freude am Gottesgebot errichtet und schmückt er alljährlich seine Sukkoh (Laubhütte) – die einzige im Städtchen. Als Förderer des württembergischen Landesverbandes für die Interessen des gesetzestreuen Judentums und als treues Mitglied der Agudas Jisroel sucht er auch für die weiteren Ziele der Orthodoxie zu wirken. Möge Herr Einstein ein gesunder und heiterer Lebensabend beschieden sein. (Alles Gute) bis 120 Jahre."

 
Zum Tod von Cilly Lammfromm (1934)
  

Buttenwiesen Israelit 07061934.jpg (57859 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juni 1934:      

 
Zum Tod von Isaak Schloss (1935)

Buttenwiesen Bayr GZ 15011935.jpg (56954 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Januar 1935:   

 
  
Anzeigen jüdischer Personen / Gewerbebetriebe    
Isaak Hummel bietet Etrogim und Lulawim an (1861)  

Buttenwiesen AZJ 30041861.jpg (62826 Byte)Anzeige in "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. April 1861:      


Carl Sänger bietet koschere Fettgänse und Gänsefett an (1878 / 1890)

Buttenwiesen Israelit 23101878.jpg (57928 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Oktober 1878:      
    
Buttenwiesen Israelit 13111890.jpg (32214 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. November 1890:      

  
Der Sofer (Torarollenschreiber) Jacob Sänger verkauft eine Torarolle mit Zubehör (1879)

Buttenwiesen Israelit 23041879.jpg (56971 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. April 1879:      

    
Anzeige der Weingroßhandlung R. Sänger Söhne (1891)    

Buttenwiesen Israelit 06041891.jpg (81924 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. April 1891:     

 
Anzeigen der Firma Max Lamm (1878 - 1907) 

Buttenwiesen Israelit 16011878.jpg (57950 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Januar 1878:     
 
Buttenwiesen Israelit 22101879.jpg (64977 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Oktober 1879:      
  
Buttenwiesen Israelit 25101900.jpg (69532 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Oktober 1900:     
 
Buttenwiesen Israelit 07031901.jpg (45961 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. März 1901:      
 
Buttenwiesen Israelit 14111907.jpg (67732 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. November 1907:      

     
Verlobungsanzeige von Klara Gutmann und Albert Leiter (1937)  

Buttenwiesen Israelit 22071937.jpg (28144 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Juli 1937: "Gott sei gepriesen. 
Klara Gutmann - Albert Leiter. Verlobte. 
Ichenhausen - Schwaben. Buttenwiesen - Schwaben. 
Schabbat Nachamu 5697 (
= 24. Juli 1937)". 

 

 

 

 

 

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Stand: 27. Juli 2009