Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Steinbach (Stadt Schwäbisch Hall, Landkreis Schwäbisch Hall) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Rückblick auf eine Ausstellung 2007  
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde 

In Steinbach bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938, zuletzt als Filiale zur Synagogengemeinde Schwäbisch Hall. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. Erstmals wurden 1621 Juden am Ort genannt. Möglicherweise gab es bereits im 15./16. Jahrhundert (aus Hall vertriebene?) Juden im Ort (1554 Jud Schay aus Steinbach in Hechingen, 1562 Jud Isaac aus Steinbach genannt Beifuß in Berlichingen genannt). 
  
Das jüdische Wohngebiet konzentrierte sich auf die früher sog. "Judengasse" (heute Neustetter Straße).     
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1806 60 jüdische Einwohner, 1822 78, 1826 84, 1833 83, 1838 85, 1844 90 (Höchstzahl jüdischer Einwohner), 1846 88, 1858 65, 1864 46, 1871 35, 1880 22, 1890 12, 1894 14, 1900 10, 1910 6. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der jüdischen Einwohner vor allem durch die Abwanderung nach Schwäbisch Hall schnell zurück.    
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (seit 1828, 1869 wurde die Schule nach Hall verlegt), ein rituelles Bad (seit 1809 im Synagogengebäude s.u.) und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Braunsbach bzw. Schwäbisch Hall-Braunsbach.       
  
Noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde von den Steinbacher Juden geschrieben, dass sie zu den "Mittellosesten im Land" gehören.  
  
1924 waren noch zwei jüdische Personen in Steinbach wohnhaft. Die bis zur Deportation 1941 in Steinbach lebende Mathilde Adler wurde nach Riga deportiert. Sie wurde vermutlich ermordet (für tot erklärt). 
  
     
     
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben 
Staatliche Unterstützung für eine Schullehrerwohnung (1843)    

Steinbach AZJ 11121843.jpg (43811 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. Dezember 1843: "Steinbach (Königreich Württemberg), 6. November (1843). In Folge Erlasses des hohen Ministeriums des Innern und des Kirchen- und Schulwesens vom 21. vorigen Monats und vermöge höchster Entschließung vom 20. vorigen Monats ist der hiesigen israelitischen Schulgemeinde zu den Kosten der Herstellung einer Schullehrer-Wohnung ein Beitrag von 100 Gulden aus dem Reservefond der Staatskasse von Seiner Majestät des Königs gnädigst bewilligt worden."    

   
    

Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge 

Schon 1702 bestand eine Synagoge (Betsaal) in Steinbach, die Mayer Seligmann in seinem dortigen Haus eingerichtet hatte. Das Stift Comburg verlangte die Schließung der Synagoge. Zwei Jahre später wurde erneut die Abhaltung jüdischer Zeremonien in Steinbach verboten. Aber auch diesmal schien das Verbot nicht auf Dauer gewirkt zu haben, denn 1710 folgte ein erneutes Verbot. Wenige Jahre später werden gemeinsame Gottesdienste der Steinbacher und Unterlimpurger Juden in Unterlimpurg gefeiert. Allerdings lag den Steinbachern daran, möglichst bald wieder einen eigenen Betsaal zu bekommen. 1737 klagten sie darüber, dass es beschwerlich sei, bei Regen und Winterwetter in die Schule nach Unterlimpurg zu gehen. Das Stift Comburg gestattete damals die Abhaltung von Gottesdiensten in Steinbach, worauf es für einige Jahre zur Trennung zwischen den Gemeinden kam. Nach dem Tod von Moses Mayer in Unterlimpurg 1744, dem der dortige Betsaal gehörte, wurden die Gottesdienste möglicherweise wieder nur in Steinbach besucht.   
     
Aus dem Jahr 1771 liegt ein Vertrag vor, in dem die beiden Gemeinden vereinbarten, den "Schulgang" (Besuch der Gottesdienste) jährlich wechseln zu lassen, das heißt von Neujahr 1771 bis 1772 in Löw Mayers Haus in Unterlimpurg, 1772/1773 wieder in Steinbach. In diesem Vertrag hieß es, die Synagoge sei lange ausschließlich in Steinbach gehalten worden. Der in diesem Vertrag vereinbarte Rhythmus wurde jedoch nicht streng eingehalten: nach 1782 oder spätestens 1788 wurde er wieder aufgegeben. Gottesdienste fanden nun ausschließlich in Steinbach statt.  
    
Die Steinbacher Synagoge befand sich im Dachgeschoss des Haus, das Mayer Abraham und Herzle Abraham jeweils zur Hälfte besaßen (heutige Adresse des Hauses: Neustetter Strasse 29). 1746 wurden bei der Teilung des Hauses eine Frauen- und eine Männerschule erwähnt, wobei die Synagoge beiden Hausbesitzern gemeinsam gehörte. 1767 erweitere Herzle Abraham die Frauenschule, um Platz für die Ehefrau des Schulmeisters Seligmann Binckhes zu schaffen, die sonst nicht hätte bei den Frauen stehen können.  
     
Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die engen Verhältnisse im Steinbacher Betsaal immer unerträglicher empfunden. 1807 berichtete der Stabsamtmann, an Sabbaten stünden die Juden in ihrem Betsaal "wie aufeinander gepfropft". Zu den Steinbacher Juden, die damals aus 17 Familien (zusammen 72 Personen) bestand, kamen über Sabbat zusätzlich zahlreiche Betteljuden, was die Lage noch verschärfte. Zudem hat Aron Herzle, dem jetzigen Hausbesitzer die beiden Stuben des Betsaales dringend für eigene Wohnzwecke gebraucht. Im November 1806 bat die jüdische Gemeinde Steinbach um eine Bauerlaubnis für eine am Ort zu erstellende Synagoge. Die Erlaubnis wurde von König Friedrich von Württemberg am 6. Januar 1807 persönlich erteilt. Laut Ministerialdekret vom 22. Mai 1808 wurde der Steinbacher Judenschaft gestattet, eine Kollekte bei den anderen Gemeinden in Württemberg zur Erhebung der Geldmittel zu organisieren. Die Baukosten wurden auf etwa 2.400 Gulden berechnet. 1809 wurde der Neubau beim Torturm nach Unterlimpurg abgeschlossen. Die Steinbacher Synagoge sollte auch das Gotteshaus für die Haller Juden werden. Die ersten dort 1825/28 wohnenden Juden kamen zu den Gottesdiensten in den Nachbarort. Auch nach Gründung einer Gemeinde in Hall wurden bis 1935 an Festtagen die Gottesdienste der beiden Gemeinden zusammen in Steinbach gefeiert.  
    
In der Pogromnacht im November 1938 wurde die Synagoge weitgehend zerstört. Am 10. November 1938 kamen um 2 Uhr morgens mehrere Männer, darunter ein SS-Offizier nach Steinbach. Sie zerschlugen die Eingangstür und versuchten mit Papier die Synagoge anzuzünden, was mehrfach misslang, da der Raum sehr feucht war. Einige Zeit später kamen weitere SA-Männer und andere Parteigenossen und zwischen 4.30 Uhr und 5 Uhr zündeten den Betsaal mit Benzin an. Als mit gewollter Verzögerung die Feuerwehr vor allem zum Schutz der Nachbarhäuser alarmiert wurde, stand das Synagogengebäude bereits in Flammen. Gegen 5.30 Uhr war das Synagogendach teilweise eingestürzt; nach dem Löschen der Flammen war von der Synagoge nur noch ein Schutthaufen mit Außenmauern vorhanden.  
  
Anfang 1939 übertrug die Israelitische Gemeinde das Synagogengrundstück der Stadt, die "als Gegenleistung" sich verpflichtete, "das Grundstück [...] in einen ordnungsmäßigen, den Verhältnissen zweckentsprechenden Zustande zu bringen". 1940 wurde das Grundstück weiterverkauft, damit auf ihm ein Dreifamilienhaus erbaut werden könnte. Bis heute ist diese Haus, in dem die Mauerreste der früheren Synagoge aufgegangen sind, als Wohnhaus erhalten. Eine Gedenktafel wurde 1989 angebracht (Neustetter Strasse 34).   
    

  

Fotos 
Historische Fotos/Darstellungen: 
(Quellen: Darstellung um 1820 und Außenansicht um 1930 aus: Taddey, Kein kleines Jerusalem, s. Lit.  Abb. 54 und 56; 
Scan der historischen Ansichtskarte von 1907 sowie der historischen Ansichtskarten erhalten von Bernd Schultheiss; 
Innenansicht aus: Jüdische Gotteshäuser und Friedhöfe in Württemberg 1932 S. 79)

Darstellung 
um 1820
Steinbach Synagoge 002.jpg (85371 Byte)  
   Die Steinbacher Synagoge unterhalb 
der Comburg (erstes Haus links). 
  
      
 Historische Ansichtskarten - 
Karte rechts von 1907 
(aus der Sammlung von 
Bernd Schultheiss) 
Steinbach Synagoge 870a.jpg (107191 Byte) Steinbach Synagoge 870.jpg (90130 Byte)
  Blick auf Steinbach bzw. 
"Haalsteige mit Comburg"
Ausschnittvergrößerung: die 
Synagoge rechts des Torturmes
     
Weitere historische 
Ansichtskarten - undatiert 
(aus der Sammlung von 
Bernd Schultheiss)  
Steinbach PK 149.jpg (242184 Byte) Steinbach Synagoge 840.jpg (53274 Byte) 
   Blick auf 
"Steinbach mit Comburg" 
 Ausschnittvergrößerung: die 
Synagoge rechts des Torturmes 
       
  Steinbach Synagoge 095.jpg (203542 Byte) Steinbach Synagoge 095a.jpg (84433 Byte)
  Historische Karte "Steinbach bei Schwäb Hall mit Sonnenbau, Comburg und Einkorn"; 
am linken Bildrand 2. Gebäude von links die ehemalige Synagoge 
(Foto rechts Ausschnittvergrößerung)  
     
     
Innenansichten um 1930    
Steinbach Synagoge 001.jpg (64632 Byte) Steinbach Synagoge 001.jpg (84900 Byte) Steinbach Synagoge 020.jpg (41226 Byte)
Die Steinbacher Synagoge 
um 1930
Innenansicht der Synagoge 
in Steinbach um 1930
Innenaufnahme der Synagoge mit Blick 
zur Frauenempore (Quelle: 
Synagogues Memorial Jerusalem)
     
         
        
Grabstein für den Erbauer der
 Steinbacher Synagoge Aron Herz 
(gest. 1817) mit Fassade der 
Synagoge auf seinem Grabstein 
(Quelle: Kohring s. Lit. Grabstein Nr. 104)
Steinbach Synagoge 051.jpg (86392 Byte) Steinbach Synagoge 050.jpg (105215 Byte)
       Vergrößerung aus 
dem linken Foto
       

   

Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Foto um 1965 
(Quelle: Sauer s. Lit. Abb. 110)
Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn)
Steinbach Synagoge 100.jpg (120280 Byte) Steinbach Synagoge 110.jpg (85493 Byte) Steinbach Synagoge 111.jpg (71515 Byte)
Das über den Grundmauern der Steinbacher Synagoge erbaute Haus 
rechts des Torturmes nach Unterlimpurg
   
   
Fotos 2003/04
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 5.9. 2003 bzw. mit * am 27.9.2004):
 
Steinbach Synagoge 180.jpg (67059 Byte) Steinbach Synagoge 150.jpg (72738 Byte) Steinbach Synagoge 181.jpg (55843 Byte)
Blick von der Comburg 
auf Steinbach*
Rechts des Torturmes nach Unterlimpurg
 /Schwäbisch Hall steht das auf den
 Grundmauern der Synagoge erbaute Haus
Blick aus dem Torturm Richtung 
Steinbach und Comburg
   
     
Steinbach Synagoge 151.jpg (90044 Byte) Steinbach Synagoge 152.jpg (69985 Byte) Steinbach Synagoge 153.jpg (55649 Byte)
Gedenktafel 
für die Synagoge
Das über den Grundmauern der Steinbacher Synagoge 
erbaute Haus
   
Rechts Grabstein für den Erbauer der Steinbacher Synagoge Aron Herz (gest. 1817) mit Fassade der Synagoge auf seinem Grabstein  Steinbach Friedhof 182.jpg (73596 Byte) Steinbach Friedhof 180.jpg (64109 Byte)
            
     
Ehemaliges jüdisches Haus Neunstetter Straße 24 (mit Mesusa-Ritze am Eingang)
(Fotos: Hahn am 27.9.2004)
Steinbach Haus 110.jpg (50163 Byte) Steinbach Haus 111.jpg (41948 Byte)

      
  
    
Rückblick auf eine Ausstellung 2007:  

SHA Ausstellung 200601.jpg (120283 Byte)Rückblick auf eine Ausstellung im Hällisch-Fränkischen Museum vom 13. Juli bis 23. September 2007: 
"Vom Bretterhaufen zum Vorzeigeobjekt - Die neu entdeckte Synagogenvertäfelung von Eliezer Sussmann (um 1738).
Die Unterlimpurger Synagogenvertäfelung des polnischen Wandermalers Eliezer Sussmann (1738/39) zählt zu den wichtigsten Judaica in Deutschland und gilt als Ausstellungsstück von europäischem Rang. Vor einigen Jahren wurden an Holzverkleidungen im Dachgeschoss eines Steinbacher, früher von Juden bewohnten Hauses (Neustetter Straße 29) die Spuren einer farbigen Fassung entdeckt. Malweise und Ornamentik sind eindeutig Elieser Sussmann zuzuschreiben. Die Tafeln waren während des Zweiten Weltkriegs aus Brandschutzgründen mit einer Kalkschwemme übertüncht worden. Auf Grund seines schlechten Erhaltungszustands musste der Dachstuhl 2003 erneuert werden. Die ausgebauten Bretter erwarb der Historische Verein für Württembergisch Franken. An der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart wurde im Rahmen einer Diplomarbeit die Synagogenvertäfelung gereinigt, die Maltechnik analysiert und die Fassung gefestigt. Anschließend erstellte die Diplomandin Kristel Leivo die Konzeption für eine Restaurierung, rekonstruierte die Räumlichkeiten und fertigte ein Modell, an dem unter anderem die Gliederung in "Frauen- und Männerschul" abzulesen ist. In der Ausstellung wird dieses einmalige Zeugnis deutschen Landjudentums erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.
Website Hällisch-Fränkisches Museum  

    

         

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Schwäbisch Hall   
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Steinbach (interner Link)      

Literatur:

Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. 1966. S. 164.

Gerhard Taddey: Kein kleines Jerusalem. Geschichte der Juden im Landkreis Schwäbisch Hall. 
1992.

Heinrich Kohring: Der jüdische Friedhof in Schwäbisch Hall-Steinbach. 1996. 

Unterlimpurg Buch 01.jpg (83327 Byte)Andreas Maisch: Mayer Seligmann, Judt zu Unterlimpurg: Juden in Schwäbisch Hall und      
Steinbach 1688-1802. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Schwäbisch Hall Bd. 14. 
Schwäbisch Hall 2001.
Schw Hall Lit 090.jpg (32630 Byte)Andreas Maisch / Daniel Stihler / unter Mitarbeit von Heike Krause: Schwäbisch Hall. Geschichte einer Stadt. Künzelsau (Swiridoff Verlag) 2006.  
In diesem Buch findet sich u.a. im Kapitel "Vernichtung der jüdischen Gemeinde (Schwäbisch Hall) und das Konzentrationslager Hessental" eine Luftaufnahme der Brandruine der Synagoge in Steinbach mit teilweise eingestürztem Giebel und ohne Dach.

weitere Lit. s. Schwäbisch Hall

    

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 26. August 2011