Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Mulfingen (Hohenlohe-Kreis) 
Betsaal/Synagoge

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde

In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zum Hochstift Würzburg gehörenden Mulfingen bestand eine jüdische Gemeinde bis um 1870. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden 1695 Juden am Ort genannt. Ihre Zahl blieb klein: 1807 waren es 24 Personen. 1833 wurde die Gemeinde dem Rabbinat Weikersheim zugeteilt. Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1838 mit 33 Personen erreicht (1854: 27). Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der Juden schnell zurück. 1886 wurden nur noch zwei jüdische Einwohner gezählt. Die jüdischen Familien lebten vom Handel mit Waren aller Art. Bis 1868 bestand noch ein jüdisches Textilgeschäft.   
 

Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge

Erstmals wird in einem Bericht des Kreisamtmannes aus Öhringen 1807 von einer in Mulfingen für die damals fünf jüdischen Familien am Ort vorhandenen "Synagoge" berichtet. Es handelte sich damals bereits um den im Dachgeschoss eines großen "Judenhauses" eingerichteten Betsaal mit Männer- und Frauenabteil. Dieser Betsaal wurde genutzt, so lange im 19. Jahrhundert die Zehnzahl der männlichen Beter erreicht wurde. 1902 wurde er geschlossen. Auf demselben Stock im Dachgeschoss des Mulfinger "Judenhauses" war auch ein Festsaal der Gemeinde und eine Lehrerwohnung untergebracht. 1987 wurde das auf dem Grundstück Hauptstraße 34 stehende Gebäude abgebrochen, das Grundstück mit einem Geschäfts- und Wohnhaus neu bebaut.


Fotos 
Historische Fotos: 

Historische Fotos sind nicht bekannt, eventuelle Hinweise bitte an den 
Webmaster von Alemannia Judaica: Adresse siehe Eingangsseite 

     
Ältere Ansichtskarte von Mulfingen
 (erhalten von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)
Mulfingen Ort 010.jpg (78380 Byte) Mulfingen Ort 011.jpg (39658 Byte)
  Ansicht des Ortes Ausschnitt: Das ehemalige "Judenhaus" (hohes Gebäude), in dem sich der Betsaal befand

Plan (gezeichnet und beschrieben von Eggert Hornig):

Mulfingen Synagoge Plan01.jpg (40559 Byte) 
Plan des jüdischen Gemeindezentrums im 3. Stock des Hauses Hauptstraße 34. Es bezeichnen: 1: Flur mit alten Treppen (18. Jahrhundert) - 2: Betraum 3,50 x 4,00 m, weißer Stuck, neben dem Fenster Holzrahmen für den Toraschrein 1,00 x 1,25 m und 0.90 m über Boden - 3: Frauenraum 3,50 x 1,60 m, holzverkleidete Verbindung zu 2 - 4: Schulraum (?) 3,50 x 3,70 m, karminrote Wandbemalung mit S-Linien - 5: Festraum 6,60 x 2,10 m, Bohlenwand zur Abseite unter der Dachschräge, 2 Lucken zum Dachboden für Laubhüttenfest, graurote Bemalung mit blauem Strich in Hüfthöhe und unter der Stuckleiste an der Decke, angeblich früher mit Bildern, darunter gelbe Bemalung mit Leiste unter der Decke mit zinnoberroter (Buchstaben oder Blumen?) und dunkelgrüner (Blätter) Verzierung - 6 Lehrerwohnung mit Abseite unter der Dachschräge, Wand türkis
Zimmerhöhe: 2,70 m; alle Fenster mit getöntem Glas und Bleirippen. Türen zu 2,3,4,5 mit schönen Schlössern, z.T. beschlagen

Fotos nach 1945/Gegenwart:  
(Fotos: sw-Fotos von Hahn; Farbfotos von R. Bauer, Aufnahmedatum 28.5.1987)

Fotos Mai 1987 vor dem Abbruch des Hauses: Mulfingen Synagoge 001.jpg (54805 Byte) Mulfingen Synagoge 004.jpg (38026 Byte)
Ehemaliges jüdisches Wohn- und Gemeindehaus Das Gemeindezentrum befand sich im 3. Stock (die beiden Fenster im Giebel des 3. Stockes sind nach Osten gerichtet und sind Fenster des Betsaales und Frauenabteils)
 Mulfingen Synagoge 003.jpg (41920 Byte) Mulfingen Synagoge 002.jpg (32140 Byte) Mulfingen Synagoge 011.jpg (69533 Byte)
Das nach Westen gerichtete Fenster im Dachgiebel gehört zu dem Festraum der Gemeinde Der Giebel auf der Ostseite Der Flur im 3. Stock (im obigen Plan Nr. 1): die Tür links gehört zur Lehrerwohnung; die Tür gerade aus führt zum Festraum
Mulfingen Synagoge 017.jpg (56807 Byte) Mulfingen Synagoge 019.jpg (57115 Byte) Mulfingen Synagoge 012.jpg (53692 Byte)
Im Betsaal (der Männer). Rechts des Fenster war der Toraschrein (vgl. Foto rechts); links blickt man ins Frauenabteil Im Holzrahmen war einst ein Toraschrank eingebaut Blick in das Frauenabteil - recht Durchblick zum Betsaal der Männer
Mulfingen Synagoge 014.jpg (65604 Byte) Mulfingen Synagoge 018.jpg (70107 Byte) Mulfingen Synagoge 016.jpg (79409 Byte)
Im Festsaal der Gemeinde Reste der Wandbemalung
Mulfingen Synagoge 015.jpg (60062 Byte) Mulfingen Synagoge 010.jpg (67358 Byte)
Die Lucken zum Dachboden, die zum Laubhüttenfest geöffnet werden könnten Blick vom Dachboden in den ehemaligen Festsaal  
Foto 2004:
(Fotos: Hahn, 
Aufnahmedatum 1.8.2004)
Mulfingen Synagoge 120.jpg (36260 Byte) Mulfingen Judenhaus 100.jpg (31656 Byte)
Das an Stelle des ehemaligen "Judenhauses" (mit Betsaall erstellte Gebäude; das Haus rechts daneben entspricht noch dem oben abgebildeten Gebäude Ehemaliges jüdisches Wohnhaus in Mulfingen
Unweit des ehemaligen jüdischen Betsaal-Gebäudes: Gedenken an die 39 Sinti-Kinder, die in das KZ Auschwitz deportiert wurden Mulfingen Gedenken 101.jpg (55885 Byte) Mulfingen Gedenken 100.jpg (54348 Byte)
Im katholischen Kinderheim S. Josef in Mulfingen (Gebäude oben) waren schulpflichtige Sinti-Kinder untergebracht, deren Eltern bereits deportiert worden waren. 40 Kinder waren von der Deportation zurückgestellt worden, damit für eine Dissertation an ihnen "rassenbiologische Untersuchungen" gemacht werden konnten. Nach Abschluss dieser Untersuchungen wurden diese Kinder am 9.5.1944 direkt nach Auschwitz deportiert. Von den Kindern überlebten nur vier Gedenkstein mit den Namen der 39 Sinti-Kinder

 

Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Mulfingen    

Literatur:  

Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. 1966. S. 107f.
Jürgen Hermann Rauser: Mulfinger Heimatbuch. 1980 (enthält so gut wie nichts zur jüdischen Geschichte des Ortes).

Sinti-Kinder von Mulfingen:

Johannes Meister: Das Schicksal der Sinti-Kinder aus der St. Josephspflege in Mulfingen, Heidelberg 1987.
Vgl. dazu u.a. folgende Links: Link 1, Link 2

   

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 16. Juli 2007