Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 


zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zurück zur Übersicht "Synagogen in Hessen" 
Zur Übersicht über die Synagogen im Kreis Fulda  
    

Bad Salzschlirf (Kreis Fulda)
Jüdische Geschichte / Betraum

Übersicht: 

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Allgemeine Berichte    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Zur Geschichte der Beträume   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

     

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)  
    
In Bad Salzschlirf bestand eine jüdische Filialgemeinde zur Gemeinde Fulda im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Wenige jüdische Familien waren Ende des 19. Jahrhunderts nach Salzschlirf zugezogen, ohne hier einer festen jüdischen Gemeinde anzugehören. Die erste Familie war vermutlich die aus Grebenau zugezogene Familie Seligmann und Lina Weihl mit dem Sohn Isidor. Die Kinder Henny und Minna des Ehepaares sind 1894/97 in Bad Salzschlirf geboren. Bis 1905 sind sechs weitere Familien zugezogen: vier Familien Strauß (Geschwister Nathan, Sally, Karl und Auguste Strauß, alle mit eigenen Familien) sowie eine weitere Familie Weihl (Gerson und Nanny mit Kindern). Letztere eröffnete ein Textilwarengeschäft am Ort.  
  
1905 wurde vom Regierungspräsidenten in Kassel verfügt, dass die jüdischen Einwohner von Salzschlirf in die Synagogengemeinde Fulda einzugemeinden seien. Eine Übergangsfrist von drei Jahren wurde gewährt. Vor Ablauf der Frist beantragten die jüdischen Familien in Salzschlirf die Genehmigung einer eigenen selbständigen Synagogengemeinde, da Fulda zu weit vom Ort entfernt sei. Diesem Antrag wurde im Mai 1909 auf die Dauer von drei Jahren zugestimmt. Als Auflage wurde gemacht, dass ein Vorstand gebildet würde (Wahl des Gemeindeältesten und gegebenenfalls eines Rechnungsführers) und ein eigener Friedhof zu beschaffen sei. Die endgültige Genehmigung einer Synagogengemeinde Bad Salzschlirf wurde vom Innenministerium in Berlin im August 1912 allerdings verweigert. Man wies darauf hin, dass die Zahl der jüdischen Familien am Ort zu klein sei, obwohl sich diese von 1905 (drei Familien) bis 1907 (sieben Familien mit 20 Personen) erhöht hatte, seit 1909 ein Gemeindeältester und ein Rechnungsführer gewählt worden waren und mit der jüdischen Gemeinde in Schlitz ein Vertrag zur Mitbenutzung des Friedhofes geschlossen worden war. Auf Grund einer Verordnung im Dezember 1915 wurden die in Bad Salzschlirf lebenden jüdischen Einwohner der Synagogengemeinde in Fulda zugeteilt. Abgesehen von der Zugehörigkeit zur Fuldaer Gemeinde konnten die Salzschlirfer Juden eigene Kultuseinrichtungen haben. 
 
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (Betsaal, s.u.). Die in Bad Salzschlirf verstorbenen jüdischen Personen wurden gemäß dem 1909 geschlossenen Vertrag auf dem Friedhof in Schlitz beigesetzt.  
  
Im Ersten Weltkrieg waren unter den Kriegsteilnehmern von Bad Salzschlirf auch Nathan Strauß, Karl Strauß, Salli Strauß (Feldbackmeister, siehe Bericht unten), Simon Strauß, Isidor Weihl, Emil Weihl und Arthur Weihl. Gefallen ist von Ihnen Arthur Weihl. Sein Name steht auf der Gedenktafel für die Gefallenen der Weltkriege im Salzschlirfer Friedhof.
  
Um 1924 wurden 30 jüdische Einwohner in Bad Salzschlirf gezählt (1922 sollen es sogar 45 gewesen sein). Vorsteher der Gemeinde war Gerson Weihl (Angabe nach dem Handbuch der jüdischen Gemeindeverwaltung und Wohlfahrtspflege 1924/25 S. 68). Den Familien gehörten einige Einzelhandelsgeschäfte/Läden/Praxen am Ort - so hatten Karl Strauss und Gerson Weihl je ein Textilgeschäft, Nathan Strauß besaß eine Metzgerei, Simon Strauß eine Bäckerei (seit 1911), Dr. Hary Plato und Dr. Siegfried Schmoll je eine Zahnarztpraxis (Plato 1921 bis 1924; Schmoll seit 1923). Josef Coszmann hatte das Kino im Kurpark gepachtet; Mischa Weintraub hatte ein Fotoatelier in der Bahnhofstraße beim Kurpark.    

Die nationalsozialistische Machtergreifung 1933 wirkte sich auch unmittelbar auf die jüdischen Familien in Bad Salzschlirf aus. Vor dem Textilgeschäft der Familie Strauß stand am 1. April 1933 zur Überwachung des Boykotts ein SA-Mann. Juden wurde verboten, den Kurpark zu betreten, was sich vor allem gegen den Fotografen Weintraub richtete, der im Kurpark die Mehrzahl seiner Fotos machte. Es kam mehrfach zu willkürlichen Verhaftungen, Misshandlungen und gewaltsamen Aktionen gegen mehrere der jüdischen Einwohner. Fast alle jüdischen Familien sind in den folgenden Jahren von Bad Salzschlirf verzogen oder konnten auswandern. Im März 1938 starb in Frankfurt der Bäckermeister Simon Strauß an Folge der in Bad Salzschlirf erlittenen Misshandlungen, Kränkungen und Demütigungen. Er hatte bereits 1934 sein Geschäft schließen müssen. 1941 wurde der letzte jüdische Einwohner aus Bad Salzschlirf deportiert.  
   

Von den in Bad Salzschlirf geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Fanny Adler geb. Weihl (1884), Helene (Henny) Coszmann geb. Weihl (1894), Joseph Coszmann (1876), Minna Schmoll geb. Weihl (1897), Auguste Strauß (1874), Bertha Strauß geb. Rosenberg (1882), Karl Strauß (1876), Leo Strauß (1906), Simon Strauß, Minna Strauß geb. Plaut (1878), Sally Strauß (1878), Alfred Weihl (1892), Emil Weihl (1879), Ida Weihl (1880), Lina Weihl geb. Wolf (1860), Margarethe Weihl geb. Marburger (1896), Otto Weihl (1911), Sally Weihl (1914), Walter Weihl (1922).     
  
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges lebten von 1949 bis 1949 etwa 1.000 Juden, die aus Konzentrationslagern des Ostens befreit wurden ("Displaced Persons") in Bad Salzschlirf. Sie wurden in den Kuranlagen untergebracht. Diese konnten erst nach 1950 - nach der Auswanderung der Displaced Persons" (insbesondere nach Israel und den USA) - wieder für den öffentlichen Betrieb genutzt werden.  
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
   
Allgemeine Berichte 

Ein rituelles Logierhaus ist in Bad Salzschlirf noch nicht vorhanden (1901)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Juni 1901: "Salzschlirf, 3. Juni (1901). Die Verwaltung des hiesigen Bades bittet uns, darauf hinzuweisen, dass bei ihr sehr häufig Anfragen nach einem Logierhause einlaufen, in welchem rituell gekocht wird. Es sei zwar daselbst ein Kolonialwarenhändler, der nebenbei das Geschäft eines Restaurateurs betreibt, indes genüge dies nur bescheidenen Ansprüchen. Bei dem Aufschwung, den Salzschlirf nimmt (1899 1.600, 1900 2.424, 1901 bis jetzt 3.000) würde ein rituelles Haus ersten Ranges ohne Zweifel sehr rentieren."    

   
Hinweis auf die Villa Bellevue, die ab Sommer 1907 von Jacob Straußer als israelitisches Hotel betrieben wird (1907)         

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 22. Februar 1907: "Bad Salzschlirf. Die reizende am Walde gelegene Villa Bellevue, Herrn L. Arnold gehörend, ging durch Kauf an Herrn Hotelier Jac. Straußer aus Frankfurt am Main über und wird derselbe zur kommenden Saison die Villa als ein israelitisches Hotel ersten Ranges betreiben. Das Hotel untersteht der Aufsicht Seiner Ehrwürden, Herrn Provinzialrabbiner Dr. Cahn in Fulda."     


   

Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
  
Anzeigen der jüdischen Pensionen "Villa Waldschlösschen" und "Pension Weihl" (1918 - 1929)   
Die älteste jüdische Pension wurde von Lina und Seligmann Weihl geleitet. 1907 eröffnete das Hotelierehepaar Sophie und Jacob Straußer in der bisherigen Villa Bellevue ein "Israelitisches Haus I. Ranges" (siehe Artikel oben), das zwischen 1915 und 1918 in "Villa Waldschlößchen" umbenannt wurde. Nach dem Tod von Jacob Straußer Anfang des 1920er-Jahre führte Sophie das Haus bis zu ihrem Tod 1929 weiter. 
 
Erstmals ließt man von einem möglicherweise einzurichtenden jüdischen Hotel in Bad Salzschlirf 1903 in einer von Herz Höchster aus Lauterbach aufgegebenen Anzeige. Es könnte sich um das spätere Hotel "Villa Waldschlößchen" handeln: 

Bad Salzschlirf Israelit 26111903.jpg (74748 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. November 1903: "Hotel-Verpachtung
In dem aufblühenden Badeort Salzschlirf ist neu erbautes 1. Hotel mit 50 Zimmern, schönem Vorgarten und allen dazu gehörigen Bequemlichkeiten, entweder zu pachten, auch auf Wunsch unter sehr günstigen Bedingungen zu verkaufen. Da noch kein besseres jüdisches Hotel da und großes Bedürfnis hierzu vorhanden ist, so wäre es eine sehr gute Existenz. Nähere Auskunft erteilt Herz Höchster, Lauterbach (Hessen)." 

     
     
Salzschlirf FrfIsrFambl 02081918.jpg (33911 Byte) Salzschlirf FrfIsrFambl 23081918.jpg (36198 Byte) Bad Salzschlirf Israelit 02081923.jpg (41830 Byte)
Anzeige im "Frankfurter Israelitischen
 Familienblatt" vom 2. August 1918 - der
 hebräische Begriff meint "Koscher" 
Anzeige im "Frankfurter Israelitischen
 Familienblatt" vom 23. August 1918 
   
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" 
vom 2. August 1923 
  
Bad Salzschlirf Israelit 26061924.jpg (61085 Byte) Bad Salzschlirf Israelit 24071924.jpg (34999 Byte) Salzschlirf Israelit 20061929.jpg (31360 Byte)
Anzeigen in der Zeitschrift "Der Israelit" 
vom 26. Juni 1924 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" 
vom 24. Juli 1924 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" 
vom 20. Juni 1929 
        
     

Weitere Anzeigen

Bad Salzschlirf A 005.jpg (38262 Byte)  Bad Salzschlirf A 006.jpg (54418 Byte)  Bad Salzschlirf A 008.jpg (58960 Byte) 
Anzeige  von Mischa Weintraub in der "Kur- und
 Theaterzeitung vom 30. Mai 1913: "M.
 Weintraub - Porträtmaler. Ausführung von
 Porträtmalereien, Photoskizzen,
 Kunst-Photographien, Gummi und Kohledruck.
 Sport- und Landschafts-Photographie. 
Bad Salzschlirf, Mühlenstraße 67 - Meran, 
Villa Kaiserbrücke, Franz-Ferdinand-Kai
Anzeige von Zahnarzt Plato in der
 "Kur- und Theaterzeitung" vom 22. Mai 1921:
 "Zahnarzt Plato, Bad Salzschlirf, 
Haus Rabenau, Lindenstraße. 
Sprechstunden: 9-12, 2-6; 
Sonntags 9-12 Uhr."
Traueranzeige für Seligmann Weihl in der Frankfurter Zeitung vom 14. März 1923: "Heute morgen entschlief nach schwerer Krankheit mein lieber Mann, unser lieber Vater... Seligmann Weihl im Alter von 70 Jahren. Bad Salzschlirf, den 12. März 1923...Frau Lina Weihl geb. Wolff und Familie... Beerdigung am 14. März nachmittags 4 Uhr in Schlitz"

    
Anzeige der Restauration Weihl (1903)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Mai 1903: "Eine tüchtige Köchin gesucht. 
Restauration Weihl,
Bad Salzschlirf."           

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Kriegsauszeichnungen für Feldbackmeister Saly Strauß (1917)    

Bad Salzschlirf FrfIsrFambl 02021917.jpg (18512 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 2. Februar 1917: "Bad Salzschlirf. Feldbackmeister Saly Strauß erhielt das Eiserne Kreuz 2. Klasse, nachdem er bereits mit der Hessischen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet war."   

  
  
  
Zur Geschichte der Beträume    
    
In Bad Salzschlirf gab es keine eigentliche Synagoge, sondern nur Beträume ("Synagoge") in den Kurpensionen Waldschlösschen und Weihl. Während der Kursaison wurde regelmäßig Gottesdienst abgehalten, außerhalb der Kursaison wohl nur unregelmäßig. Der Betsaal in der Pension Weihl wurde 1903 eingerichtet; mit Hilfe von Spenden der Kurgäste hatte man auch eine Torarolle anschaffen können.    
 
Die Einrichtung des Betraums im Restaurant Weihl (1903)  

Bad Salzschlirf FrfIsrFambl 31071903.jpg (85404 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 31. Juli 1903: "Bad Salzschlirf, an der Strecke Fulda - Giessen (Oberhessische Bahn) gelegen, bekannt durch den berühmten Bonifatiusbrunnen, bestes Heilmittel für Gicht, wird jetzt auch viel von Israeliten besucht. Angenehmer Aufenthalt, streng rituelle Küche im Restaurant Weihl. Seit diesem Jahre ist durch freiwillige Beiträge der Kurgäste eine Sefer Thauro (Torarolle) beschafft worden und wird Freitag Abend und Samstag regelmäßiger Gottesdienst abgehalten, auch ist stets für Minjan (10 Männer zum Gottesdienst) gesorgt, wenn Kurgäste Jahrzeit haben. Zu Auskunft gerne bereit. S. Weihl, Restaurateur."       

   
Weitere Hinweise auf den Betsaal in der Pension Weihl  

Bad Salzschlirf A 009.jpg (36030 Byte) Bad Salzschlirf A 007.jpg (24880 Byte)
Hinweis auf die während der Saison regelmäßigen jüdischen Gottesdienste in Bad Salzschlirf ("Badezeitung" vom 11. August 1912)  Kurzvorstellung der "Israelitischen Synagogengemeinde" im Adressbuch Bad Salzschlirf 1925/27: "Betsaal in Pension Weihl". 

Im Wohnhaus der Familie des Gerson Weihl, der 1909 zum Gemeindeältesten gewählt wurde, war der Betraum im Erdgeschoss der rechten Gebäudehälfte. Den linken Teil benutzte der Schwiegersohn von Frau Weihl für eine Zahnarztpraxis. Im Obergeschoss und Dachgeschoss war die Wohnung der Familie. Während der Kursaison wurde der Betsaal auch von den jüdischen Kurgästen in Bad Salzschlirf rege besucht. An den jüdischen Feiertagen wurde der Speisesaal in der Pension Weihl für Gottesdienste verwendet. 
   
Nach 1933 wurde das Gebäude von Frau Weihl an eine nichtjüdische Familie verkauft.    
    
    
Adresse/Standort der Synagogean der Mühlenstraße  
   
   
Fotos
(Quelle: Altaras 1994 S. 38; dies., Ausgabe 2007 S. 115)

Ehemalige Haus der Familie Weihl 
mit dem Betsaal
(Aufnahme vom Mai 1988)
Salzschlirf Synagoge 100.jpg (97747 Byte)   
  Der Betsaal war an Stelle des 1988 im
 Erdgeschoss befindlichen Friseurladens 
im Bereich rechts der Außentreppe
 

    
     
Links und Literatur

Links:  

Website der Gemeinde Bad Salzschlirf  
Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Bad Salzschlirf 

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 222
Thea Altaras: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 38. 
Ausgabe 2007 S. 115. 
Anja Listmann: Beinahe vergessen. Jüdisches Leben in Bad Salzschlirf. Hünfeld 2000. 
Bad Salzschlirf Buch 01.jpg (35776 Byte)Aus der  Buchbesprechung von Heinrich Sippel im "Schlitzer Boten" vom 20. April 2000

Nun hat auch Bad Salzschlirf - nach Lauterbach, Schlitz u. a. Nachbarorten - seine Judenchronik erhalten! Am 4. April stellte Anja Listmann aus Bad Salzschlirf ihr Buch zum Thema "Beinahe vergessen - jüdisches Leben in Bad Salzschlirf" im Haus des Gastes vor.
Rund 50 interessierte Zuhörer lauschten gespannt den engagierten Ausführungen von Anja Listmann, als diese von ihren Studien berichtete, die zu dem 180 Seiten umfassenden, vom Rhönverlag Hünfeld, ISBN 3-931796-89-2, herausgegebenen Bändchen (DM 24,80) führten.
"Ich mag keine Juden" hatte eine Zeitgenossin in einem Gespräch mit der Autorin geäußert und damit tiefe Betroffenheit bei Anja Listmann hervorgerufen. Es war dies der Anlass für die junge Bad Salzschlirferin, sich mit der Judengeschichte ihres Heimatortes zu befassen.
Die junge Frau musste erstaunt zur Kenntnis nehmen, dass es höchste Zeit war, die von ihr gemachten Feststellungen zu Papier zu bringen, waren diese doch schon auf dem Weg, zu Rudimenten zu verkommen. Nur noch ganz wenige Zeitzeugen standen ihr für ihre tiefgründigen Recherchen zur Verfügung. Zudem wurde die Autorin immer wieder mit dem Hinweis konfrontiert, "es brächte nur Ärger" und sei nicht ungefährlich, sich mit diesem Thema heute noch zu befassen.
Dass sie sich in dieser Weise nicht beeinflussen ließ, ist Anja Listmanns Verdienst. Es hat sich gelohnt, alle Spurenansätze zu verfolgen. Vor uns liegt eine Schrift, die es verdient, weite Verbreitung zu erlangen, und die der Aufgabe gerecht wird, den Salzschlirfern von heute mahnend zu künden, dass vor sechs Jahrzehnten Menschen unter ihnen lebten, die einer anderen Religion angehörten und von einer verhängnisvollen tödlichen Ideologie verfolgt wurden.
 
Vgl. weitere Buchbesprechung von Peter Nowak in: junge Welt vom 18.11.2000   Online  
  
Fulda Lit 140.jpg (118420 Byte) Juden in Deutschland und 1000 Jahre Judentum in Fulda
hrsg. von Michael Imhof.  Zukunft Bildung Region Fulda e. V. 
Erschienen im Michael Imhof Verlag Petersberg 2011.  
24 x 30 cm, 440 Seiten, 700 S/W und 200 Farbabbildungen, Hardcover. ISBN 978-3-86568-673-2 
(D) 44,00 €   CHF 62,90  (A) 45,25 €. 
zu Bad Salzschlirf Beitrag von Michael Imhof und Anja Listmann S. 278-282.  

    
      


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Bad Salzschlirf  Hesse-Nassau. Established after 1900, the small community grew to 36 in 1925. The three remaining Jews (1939) perished in the Holocaust. 
A Displaced Persons camp was located there in 1946-1949. 
   
     

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge   

                     

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 23. Mai 2017