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Mutterstadt (Rhein-Pfalz-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Zur jüdischen Geschichte in Mutterstadt siehe
die umfassenden Seiten bei
www.judeninmutterstadt.org
Bei "Alemannia Judaica" finden Sie
nur wenig Ergänzendes zu dieser Seite:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Mutterstadt bestand eine jüdische Gemeinde bis 1940. Ihre Entstehung geht in
die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden 1719/22 Juden
am Ort genannt (Familie des Nathan zu Mutterstadt; 1743 als Nathan
Dehlheim genannt, damit der Stammvater der bis nach 1933 ansässigen Familie
Dellheim).
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie folgt: 1801 21 jüdische Einwohner (1,3 % der Gesamteinwohnerschaft), 1825
25 (1,4 %), 1825 82 (3,2 %), 1835 101, 1848 122 (in 29 Familien), 1860 171, 1875
150, 1900 124.
1808/09 werden an jüdischen Familienvorständen genannt (mit
bereits angenommenem Familiennamen und Gewerbe): Nathan
Dellheim, Simon Dellheim (Gebrauchtwarenhändler), Marx Landmann
(Gebrauchtwarenhändler), Jacques Löb (Gebrauchtwarenhändler), Lazarus Löb
(Gebrauchtwarenhändler), Abraham Mayer (Gebrauchtwarenhändler), Abraham Weil,
Jacques Weil, Simon Weil (Gebrauchtwarenhändler), Daniel
Wolff.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
jüdische Schule (Israelitische Volksschule bis 1920, danach Religionsschule),
ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben war ein
Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Unter den Lehrern sind
insbesondere zu nennen: Jakob Ehrlich (1865 bis 1883 am Ort, siehe
Bericht zu seinem Tod unten) und Michael Rosenstiel (seit 1890 Elementarlehrer
an der Israelitischen Volksschule, ab 1920 noch als Religionslehrer tätig,
konnte 1930 sein 40-jähriges Dienstjubiläum in der Gemeinde feiern, siehe
Bericht unten). Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat Frankenthal.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Julius Israel
(geb. 6.4.1897 in Strümpfelbrunn, gef. 4.8.1918), Julius Löb (geb. 8.2.1895,
gef. 3.9.1916), Max Marx (geb. 20.5.1894 in Mutterstadt, gef. 15.9.1916). Die Namen
von Julius Löb und Max Marx stehen auf den Tafeln der Gedenkstätte für die Gefallenen der Weltkriege
vor dem allgemeinen Friedhof der Stadt (Fotos auf der Seite zum jüdischen
Friedhof in Mutterstadt).
Um 1924, als zur Gemeinde etwa 120 Personen gehörten, waren die
Gemeindevorsteher Theodor Marx, Ludwig Leopold Loeb und Max Loeb. Als Lehrer,
Kantor und Schochet war der bereits genannte Michael Rosenstiel tätig. An
jüdischen Vereinen gab es den Israelitischen Unterstützungsverein (1924 unter
Leitung von Ludwig Loeb IV mit 15 Mitgliedern). 1932 waren die
Gemeindevorsteher Ludwig Leopold Loeb (1. Vors.), Bernhard Loeb (2. Vors.) und
Fritz Dellheim (3. Vors.). Weiterhin war Michael Rosenstiel in der Gemeinde. Er
erteilte im Schuljahr 1931/32 noch zehn Kindern der Gemeinde den
Religionsunterricht.
1933 wurden noch 91 jüdische Einwohner in Mutterstadt gezählt. Auf
Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Repressalien und
der Entrechtung sind mehrere von ihnen in den folgenden Jahren vom Ort verzogen
oder ausgewandert (18 in die USA). 1937 wurden noch 80 jüdische Einwohner
gezählt Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge zerstört. Wenig
später mussten die jüdischen Familien immer mehr in sog.
"Judenhäusern" zusammenziehen. Die letzten 52 jüdischen Einwohner
wurden im Oktober 1940 in das KZ Gurs in Südfrankreich deportiert.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der
Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule
Zum Tod von Lehrer Jakob Ehrlich (1865 bis 1883 Lehrer in
Mutterstadt)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. April 1884: "Mutterstadt.
Unsere jüdische Gemeinde wurde durch das Hinscheiden eines wahren Isch
zaddik (= frommer, gerechter Mann), von einem schmerzlichen Verluste
betroffen, Am 28. Adar (= Dienstag, 25. März 1884) wurde nämlich
nach langem Leiden der seit einem halben Jahre pensionierte Lehrer Jakob
Ehrlich zu Grabe getragen. An dem Leichenbegängnisse beteiligten sich
nicht bloß viele Glaubensgenossen von hier und aus der Umgegend, sondern
auch viele Christen, namentlich viele Kollegen aus den Kantonen Speyer und
Ludwigshafen - ein Zeichen, dass sich der Verblichene des besten Rufes
erfreute. Herr Lehrer Singer von Frankenthal
hob in einer sehr treffenden Rede die Verdienste des Verstorbenen
hervor.
Herr Ehrlich wirkte 18 Jahre in hiesiger Gemeinde, in der er seinen
Pflichten als Volkserzieher und Kantor aufs Getreulichste nachkam. Seine
Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
Lehrer Michael Rosenstiel wird zum Hauptlehrer
ernannt (1917)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 9. Februar
1917: "München. Folgende Ernennungen sind zu berichten: der
bekannte Mathematiker ordentlicher Professor Dr. Max Nöther - Erlangen
zum Geheimen Hofrat, Dr. Paul Arndt, Kunstmaler, Max Obermeyer - München
zu Professoren, Lehrer Jakob Possenheimer - Böchingen, Michael
Rosenstiel - Mutterstadt, Benzion Ellinger - Fürth, Moses Rüll - Nürnberg,
Martin Estenfeld - Mürsbach und Samuel Massenbacher - Niederwerrn zu
Hauptlehrern." |
Schließung der Israelitischen Schule (1920)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. April 1920: "Mutterstadt, 12.
April (1920). Die hiesige israelitische Schule, die in den letzten Jahren
nur wenige Kinder hatte, soll ab 1. Mai nächsthin aufgelöst und der
derzeitige Inhaber der Schulstelle, Herr Lehrer Michael Rosenstiel, der über
die Kriegsjahre an der hiesigen protestantischen Schule eine Schulklasse führte,
pensioniert werden." |
Oberlehrer Michael Rosenstiel feiert mit der Gemeinde sein
40jähriges Ortsjubiläum (1930)
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Mai
1930: "Mutterstadt (Rheinplatz). Der Oberlehrer a.D. Herr M. Rosenstiel,
zur Zeit Vorbeter und Religionslehrer der israelitischen Kultusgemeinde
Mutterstadt, konnte am 1. Mai dieses Jahres auf eine vierzigjährige
Tätigkeit innerhalb unserer Kultusgemeinde zurückblicken. Aus diesem
Anlass fand am Samstag, dem 3. Mai, in der hiesigen Synagoge nach dem
allgemeinen Gottesdienste eine kleine Feier statt. Der Bezirksrabbiner,
Herr Dr. Steckelmacher, hielt eine dem Jubilar gewidmete Predigt und
feierte ihn als Lehrer und Erzieher. Der Vorsitzende der israelitischen
Kultusgemeinde, Herr Ludwig Leopold Loeb, begrüßte die Erschienenen,
insbesondere den Herrn Rabbiner, sowie den Bürgermeister der politischen
Gemeinde Mutterstadt und dankte dem Jubilar für seine vierzigjährige
aufopfernde Tätigkeit innerhalb der Kultusgemeinde und überreichte
demselben mit entsprechenden Worten eine goldene Uhr mit Widmung. Der
Bürgermeister der Gemeinde, Herr Weber, überbrachte mit kernigen Worten
die Glückwünsche der Gemeinde und überreichte eine goldene Kette.
Nachdem zwei Schülerinnen noch zwei der Feier entsprechende Gedicht
gesprochen hatten, dankte der Jubilar mit bewegten
Worten." |
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Der Antisemitismus macht sich auch in Mutterstadt
bemerkbar (1888)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 27. Dezember
1888: "Aus der Pfalz, 14. Dezember (1888) (Frankfurter
Zeitung). Obschon die Saat Stöckers in der Pfalz im Allgemeinen wenig
fruchtbaren Boden findet, kommt doch ein Stückchen Judenhetze zuweilen
vereinzelt vor. Die Israeliten Mutterstadts, eines Dorfes mit 4.000
Seelen, beabsichtigten in der Nähe des christlichen Friedhofes eine
Totenstätte anzulegen. Die Gemeindeverwaltung wie auch die Regierung
hatten dagegen nichts einzuwenden; die erstere stellte sogar ein
Gemeindegrundstück ihren israelitischen Mitbürgern zu diesem Zwecke zur
Verfügung. Das hat nun bei einigen Antisemiten böses Blut gemacht und
große Bewegung hervorgerufen. In einer Massenpetition, der sich leider
viele Ortsbewohner anschlossen, wir die Gemeindevertretung beschworen,
ihren desfallsigen Beschluss zurückzunehmen und die Anlage eines israelitischen
Friedhofes in der Nähe des christlichen nicht zu gestatten. - So
geschehen in der 'toleranten' Pfalz." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige der Lotterieannahmestellen Ferdinand Dellheim
(1904)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. März 1904: "Große
Freiburger Geldlotterie
- Ziehung - schon vom 23.-26. März (1904) -
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Lose à Mark 3.30 (Porto und Liste 30 Pfennige her)
versendet gegen Einsendung des Betrages und gegen Nachnahme
Ferdinand Dellheim, Mutterstadt (Pfalz) .
Aufträge werden streng nach Wunsch ausgeführt.
Es empfiehlt sich sofort zu bestellen, das diese Lose rasch vergriffen
sein werden. |
Jüdische Familiengeschichte
Über die Familie Eppstein / Eppler - Beitrag von
Rolf Michael Mayer (2009, E-Mail)
Vom Taunus über Frankfurt und Mannheim nach
Fußgönheim, Ruchheim und Mutterstadt.
HaLevi – Eppstein – Eppler – Mayer. Vier Namen – eine Familie
1335 erteilte Kaiser Ludwig IV. (Ludwig der Bayer) Gottfried von Eppstein die Erlaubnis, im Tal und an seiner Burg Eppinstein im Taunus 10 jüdische Familien anzusiedeln. 1392 zog eine dieser Familien von dort nach Frankfurt am Main. Ihr ursprünglicher Name war HaLevi gewesen, was sie als Angehörige des Stammes der Leviten auswies.
Wie bei vielen Juden wurde dieser Herkunftsort zum späteren Nachnamen - hier Koppelmann (von)
Eppstein. Nathan HaLevi Eppstein war von 1450 - 1470 Oberrabbiner in Frankfurt. Während des Fettmilch-Aufstandes 1612 - 1614 wurden alle Juden aus Frankfurt vertrieben und die inzwischen weit verzweigte Familie Eppstein zerstreute sich in alle Richtungen.
1674 tauchte der Name erstmals in Mannheim auf, als ein Jesaias Eppstein als Mitbegründer
der jüdischen Begräbnisbruderschaft genannt wird. Ab 1730 wird ein Jacob Eppstein mehrmals in den Mannheimer Ratsprotokollen erwähnt. 1743 saß er wegen nicht bezahlter Verbindlichkeiten zeitweise im Arrest.
Die drei Kinder seines Sohnes Mayer Löb Eppstein gingen in die Pfalz: Sara als Dienstmagd nach
Mutterstadt, ebenso ihr Bruder Joseph, der in der dortigen jüdischen Gemeinde Vorsänger wurde. Er nannte sich später
"Eppler" und ist der Ur-Urgroßvater von Heinz Eppler, der mit seinen Eltern vor den Nazis flüchten musste und heute in den USA lebt.
Heinz Epplers Großvater Isidor starb 1941 im Lager Gurs in den Pyrenäen und dessen zweite Frau Bertha 1944 in Marseille.
Joseph Eppler starb 1869 in Mutterstadt und wurde auf dem jüdischen
Friedhof in Fußgönheim begraben.
Der dritte, Jacob Mayer Eppstein arbeitete 1806 als Lehrer in Iggelheim und heiratete 1807 in
Fußgönheim die Tochter des Händlers Moyse Hirsch. 1808 ging er nach
Ruchheim, wo er eine Anstellung als Lehrer der jüdischen Gemeinde gefunden hatte. Hier wurde 1810 der Sohn Jacob geboren, der später ebenfalls Lehrer wurde und im Saarland und Hunsrück tätig war. Aus dieser Linie stammen die
Eppsteins, die heute in Israel, USA und anderen Teilen der Welt leben.
Ebenso Dr. Paul Eppstein (vgl. Wikipedia-Artikel
zu ihm), der 1902 in Ludwigshafen geboren wurde und von 1928 - 1933 Leiter der Volkshochschule Mannheim war, bis die Nazis ihm die weitere Ausübung dieser Tätigkeit untersagten. Er ging daraufhin nach Berlin in die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland, von wo er im Januar 1943 mit seiner Frau, Dr. Hedwig Strauss, ins Lager Theresienstadt deportiert wurde. Dort angekommen, wurde er zum
"Ältesten der Juden" bestimmt. In dieser Funktion hatte er die Anordnungen der Lagerleitung umzusetzen. Am 27. September 1944 wurde er von der SS verhaftet und erschossen.
Ein weiterer Nachkomme der Ruchheimer Linie war Eugen Eppstein, der als Mitglied der KPD 1924 Reichstagsabgeordneter der Weimarer Republik war und 1943 im KZ Lublin-Majdanek ermordet wurde. Sein Name findet sich auf einer Liste mit 33 Namen bekannter deutscher Persönlichkeiten wie Albert Einstein, Heinrich Mann oder Kurt Tucholsky, welche die Nationalsozialisten 1933 ausbürgern wollten.
Der offizielle Name der Familie war seit 1807 Mayer, ohne dass der Name Eppstein gänzlich abgelegt wurde und die meisten Familienteile nannten sich später wieder Eppstein.
Nach seiner Tätigkeit als jüdischer Dorfschullehrer von Ruchheim ging Jacob Mayer Eppstein nach
Fußgönheim zurück, wo 1814 Jacob Salomon Mayer (der Ur-Urgroßvater des Verfassers) geboren wurde. Sein Vater Jacob Mayer Eppstein starb
1845 in Worms, wo er von einer Pferdekutsche überfahren wurde.
Jacob Salomon Mayer behielt den Namen Mayer bei. Mit seiner Ehefrau Esther Levi aus
Altdorf bei Edenkoben hatte er acht Kinder. Sohn Emanuel war mit Susanna Joel verheiratet, deren Familie ebenfalls in Fußgönheim wohnte. Emanuels Tochter Bertha wurde mit ihrem Ehemann Alfred Bernstein ins Lager Gurs deportiert. Bertha starb 1944 in Limoges, ihr Mann im gleichen Jahr im Lager
Nexon.
Welche Mitglieder der Familie im ehemaligen "Mayer-Haus" - es war das zweite Haus rechts neben der Kirche – wohnten, ist nicht bekannt. Die Gräber von Emanuel und Susanna Mayer findet man ebenfalls auf dem jüdischen
Friedhof in Fußgönheim.
Moses Mayer, ein weiterer Sohn Jacob Salomons, zog nach Oggersheim, wo 1882 Sohn Albert (der Großvater des Verfassers) geboren wurde. Albert war 1914 nach Mannheim verzogen, wo er eine Fischhandlung betrieb.
Er war mit einer nichtjüdischen Frau verheiratet, die nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten regelmäßig von der Gestapo bedrängt wurde, sich von ihrem jüdischen Mann scheiden zu lassen, was sie jedoch strikt ablehnte. Die Ehe mit einer
"arischen" Frau hat Albert Mayer letztendlich das Leben gerettet, denn er wurde – wie die meisten Juden aus Mischehen – erst spät, im Frühjahr 1945 in das KZ Theresienstadt deportiert. Zu dieser Zeit gingen von dort keine Transporte mehr in die Vernichtungslager im Osten. In Theresienstadt traf er seine Schwester Ella wieder, die bereits 1944
deportiert worden war.
Im Juni 1945 kehrten beide unversehrt nach Deutschland zurück, doch mindestens 18 Mitglieder der Familie Eppstein - Eppler - Mayer verloren im Holocaust ihr Leben." |
Zur Geschichte der Synagoge
Eine Synagoge in Mutterstadt war um 1760 vorhanden,
wobei es sich um einen einfachen Betraum im Dachgeschoss eines jüdischen
Wohnhauses handelte (in einem um 1980 abgebrochenen kleinen Haus an der Ecke
Obere Kirchstraße/Rheingönheimer Straße).
1838 wurde eine neue Synagoge erstellt, doch konnte dies zunächst nicht
vollendet werden, da der jüdischen Gemeinde die Mittel fehlten. Erst mit
Unterstützung der bürgerlichen Gemeinde wurde die Synagoge fertiggestellt. Bei
der Einweihung wurden am Ort auch die Kirchenglocken geläutet; der katholische
Pfarrer Dibelius hielt eine kleine Ansprache, wofür er jedoch von der Speyerer
Regierung gerügt worden ist.
Nach 1868 musste die Synagoge gründlich erneuert werden, nachdem in
diesem Jahr die Frauenempore eingestürzt war. Im Sommer 1871 erfolgte
die Wiedereinweihung der Synagoge.
Ein nächster völliger Umbau, der einem Neubau der Synagoge gleich kam, fand 1904/05
statt. Dazu gingen von verschiedenen, auch im Ausland lebenden (ehemaligen)
jüdischen Gemeindegliedern Spenden
ein:
Spenden zum Umbau der Synagoge (1904)
Artikel im
"Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 11. März 1904: "Mutterstadt. Dem Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde
Mutterstadt wurde durch Vermittlung der Frau Adolf Löb Witwe dahier die
Summe von 4.000 Mark zum Umbau der hiesigen Synagoge übersandt und zwar
von Louis Löb, Sohn des dahier verstorbenen Moses Löb, 2.000 Mark, von
dessen Brüder Emil Löb, New York 1.000 Mark und Robert Löb, Sohn des
dahier verstorbenen Adolf Löb, New York 1.000 Mark. Durch diese
Zuwendungen wird er der israelitischen Gemeinde ermöglicht, in diesem Frühjahr
noch mit dem Umbau der Synagoge zu beginnen." |
Die Einweihung fand am 5. Januar 1905 statt. Bei
der Synagoge handelte es sich um einen repräsentativen Putzbau mit fünf
Fensterachsen. Ein Dachreiter mit Kuppel war aufgesetzt. Die Synagoge hatte eine
Orgel. Die Fenster enthielten sieben figürliche Darstellungen berühmter
Gestalten aus der Geschichte Israels wie Abraham und Moses.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch ortsansässigen
Parteimitglieder angezündet, während die SA das Gelände so lange absperrte,
bis sie völlig ausgebrannt war. Einige Wochen später wurde die Brandruine
abgebrochen; das Grundstück kam in den Besitz der bürgerlichen Gemeinde, die
während des Zweiten Weltkrieges hier einen 310 qm großen Löschteich anlegte..
Nach Klärung des Restitutionsverfahrens wurde das Grundstück 1956 für
3.850 an einen Landwirt verkauft. Das Grundstück wurde im Anwesen des hier
stehenden Bauernhof integriert und teilweise neu bebaut. Eine kleine Hinweistafel
ist angebracht.
Adresse/Standort der Synagoge: Oggersheimer
Straße 24
Fotos
(Historische Bild aus Landesamt s. Lit. S. 279 und O. Weber s.
Lit. S. 126; Neuere Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 22.6.2008)
Die Synagoge in Mutterstadt
(Quelle: historische Postkarten und
Fotos, übernommen aus
www.synagogen.info) |
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Ausschnitt aus einer
Postkarte
um 1915 |
Oben: dieselbe Karte auf dem
Wikipedia-Artikel
zu Mutterstadt |
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| Winteraufnahme |
Die Synagoge mit
dem
charakteristischen Türmchen |
Die Synagoge rechts im
Hintergrund |
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Die brennende Synagoge
am 10. November 1938 |
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Das Grundstück der
Synagoge
im Juni 2008 |
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Das Grundstück
der ehemaligen Synagoge; das rote Ziegelsteingebäude ist auf dem
historischen Foto (oben) rechts der Synagoge zu sehen |
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| Hinweistafel |
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Das Grundstück der
Synagoge
Im März 2010
(Foto: Michael Ohmsen) |
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(für Anfragen zur
Verwendung des Fotos: E-Mail des
Fotografen, Fotoseite: www.panoramio.com/user/2867083/tags/Judaica)
Bei dem eingestellten Foto handelt es sich um ein hochauflösendes
Foto
(bitte anklicken, Dateigröße 0,7 mb) |
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Hinweis auf eine
virtuelle Rekonstruktion der
ehemaligen Synagoge in Mutterstadt |
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Die Firma
Architectura Virtualis hat eine virtuelle Rekonstruktion der
ehemaligen Synagoge in Mutterstadt erstellt: Link
zur virtuellen Rekonstruktion
sowie
pdf-Datei
der Firma Architectura Virtualis |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Wolfgang Bossert: Die jüdische Kultusgemeinde in
Mutterstadt. |
 | Hans-Jürgen Becker: Zerstörung der Synagoge in
Mutterstadt. In: Sachor 1/00 Heft Nr. 18 S. 77-81. |
 | ders.: Zerstörung der jüdischen Synagoge in Mutterstadt.
Hintergründe - Ereignisse - Zeitzeugenberichte. In: Heimatjahrbuch des
Landkreises Ludwigshafen 10/2000 S. 65-70. |
 | Karl Heinz Debus: Die Reichskristallnacht in der
Pfalz. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrhein. Bd. 129 1981 zu
Mutterstadt S. 477. |
 | Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter
besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der
Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005.
S. 117-118. |
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 278-279 (mit weiteren Literaturangaben).
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Mutterstadt Palatinate. Jews are
first mentioned in 1719-22. They reached a peak population of 171 in 1860,
declining steadily to 91 (total 6.024) in 1933. In 1838, the community built a
synagogue. A new one was erected in 1905. In the Weimar period, most Jews were
merchants and about half were livestock dealers. In 1934, under the Nazis, 16
Jewish peddlers lost their licences. By early November 1938, 30 Jews had left
the town. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was burned,
Jewish homes and stores were destroyed, money and automobiles were stolen, and
Jewish men were sent to the dachau concentration camp. In February 1940, Jews
were mobilized for forced farm labor. Of the 48 who emigrated through 1940, 18
reached the United States. Those remaining were moved to 'Jewish houses' and
on 22 October 1940, 50 were deported to the Gurs concentration camp. In all, 39
perished in the Holocaust.

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