Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Eppstein (Main-Taunus-Kreis)
Jüdische Geschichte

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
- Allgemeiner Beitrag zur jüdischen Geschichte in Eppstein von 1937   
Jüdische Familiengeschichte - über die Familie Eppstein (Beitrag von Rolf Michael Mayer)  
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Links und Literatur   

   

Zur jüdischen Geschichte in Eppstein     
  
Nach Germania Judaica (s.Lit.) gestattete Ludwig der Bayer dem Ortsherrn Gottfried von Eppstein am 5. August 1335, je zehn Juden in Steinheim, Homburg und Eppstein zu halten; es ist aber nicht bekannt, ob sich daraufhin Juden in Eppstein und Homburg angesiedelt haben. Zumindest kann angenommen werden, dass sich in Eppstein (Stadtrechte seit 1318) oder Umgebung im Mittelalter Juden niedergelassen haben. 1410 wird die Witwe Gudula von Eppstein in Frankfurt aufgenommen. 1446 und 1456 werden Juden aus Eppstein in Hanau genannt. Eine andere Familie war in Frankfurt bereits 1392 zugezogen, von der sich eine später weit verzweigte jüdische Familie Eppstein herleitet (siehe Beitrag unten von Rolf Michael Mayer).   
 
Um 1620 flohen jüdische Familien aus Eppstein vor den Spaniern nach Wiesbaden.   
  
Im 19./20. Jahrhundert kam es nur zu vereinzelten Niederlassungen in der Stadt, über die keine weiteren Informationen vorliegen. 
  
Zu Gast in der Stadt war zwischen 1837 und 1847 mehrfach der Komponist Felix Mendelssohn-Bartholdy. Aus diesem Grund wurde 1909 am ehemaligen Gasthaus "Zur Sonne" in der Burgstraße 57 eine Gedenktafel und 1929 eine Mendelssohn-Gedenkstätte am Eingang zur Martinswand (Felsmassiv südöstlich von Eppstein) angebracht. In der NS-Zeit wurden diese Gedenkstätten entfernt, jedoch 1947 (an der "Sonne") beziehungsweise 1995 (an der Martinswand) wieder angebracht
.  

Mendelssohn-Gedenkstätte am 
Eingang zur Martinswand (Quelle:
  Verschönerungsverein Eppstein)
Eppstein Denkmal MB 010.jpg (23396 Byte) Eppstein Denkmal MB 011.jpg (23463 Byte)

Hinweis (Mai 2014): in Eppstein besteht von Seiten des Magistrates eine Bereitschaft zur Verlegung von "Stolpersteinen" in der Stadt für Opfer der NS-Zeit. Jedoch ist bislang noch unklar, ob es Personen in der Stadt gegeben hat, für die "Stolpersteine" zu verlegen sind. 
Siehe Artikel von Manfred Becht in der "Frankfurter Neuen Presse" vom 26. Mai 2014: "Stolpersteine in Eppstein?".     
       
       
       
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
     
Allgemeiner Beitrag  

Zur jüdischen Geschichte in Eppstein - aus einer Reisebeschreibung auf den Spuren der jüdischen Geschichte (1937 !)

Eppstein GblIsrGF Juni 1937 21.jpg (121794 Byte)Artikel aus dem "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde in Frankfurt" vom Juni 1937 S. 21: "Eppstein. Die Burg mit ihrem von uns so oft erwähnten Herrschergeschlecht wird schon 1124 genannt. Das Geschlecht ist zeitweise das mächtigste der ganzen Landschaft und bestimmt weithin jüdisches Geschick. 1265 wohnen im Eppsteiner Gebiet schon Juden, zu deren Gunsten Gottfried von Eppstein den bekannten Landfrieden abschließt. 1318 erhält das Dorf am Fuße der Burg Stadtrechte, als erfahrungsmäßig auch Juden. Ludwig der Bayer bestätigt den Eppsteinern dieses Recht 1335 nochmals für alle ihre Lande, schärft ihnen 1 Jahre darauf noch besonders 'vast und ernstlichen' ein, die Juden, auch die Frankfurter, von denen sie gewisse Einkünfte beziehen, vor den Judenschlägern zu schirmen; was auch geschehen zu sein scheint.  
Trotzdem kennen wir aus jenem Jahrhundert mit Namen nur die Witwe Gudula von Eppstein, und sie all werden 1410 in Frankfurt aufgenommen. Jedenfalls haben, wohl wegen der unzulänglichen Verkehrmöglichkeiten, immer nur wenigen Juden in Eppstein gewohnt, schon seit einer Reihe von Jahren gar keine mehr. - Im 19. Jahrhundert hat Felix Mendelssohn-Bartholdy einige Zeit in Eppstein gelebt und gearbeitet. Das Gasthaus zur 'Sonne' zeigt eine Gedenktafel zu seinen Ehren. - Auch Goethe und Bismarck, Alexander Dumas und Victor Hugo haben die Burg und Stadt Eppstein besucht. - Von Eppstein über den Staufen, den Rhein- und Odenwald-Blick, den Lorsbacher Kopf (Feldbergblick!) und die Grosse Schneise in 2 1/4 Stunden nach Hofheim im Taunus." 

        
    
Jüdische Familiengeschichte  
Über die Familie Eppstein - Beitrag von Rolf Michael Mayer (2009, E-Mail

Vom Taunus über Frankfurt und Mannheim nach Fußgönheim, Ruchheim und Mutterstadt
HaLevi – Eppstein – Eppler – Mayer. Vier Namen – eine Familie

1335 erteilte Kaiser Ludwig IV. (Ludwig der Bayer) Gottfried von Eppstein die Erlaubnis, im Tal und an seiner Burg Eppinstein im Taunus 10 jüdische Familien anzusiedeln. 1392 zog eine dieser Familien von dort nach Frankfurt am Main. Ihr ursprünglicher Name war HaLevi gewesen, was sie als Angehörige des Stammes der Leviten auswies. 
Wie bei vielen Juden wurde dieser Herkunftsort zum späteren Nachnamen - hier Koppelmann (von) Eppstein. Nathan HaLevi Eppstein war von 1450 - 1470 Oberrabbiner in Frankfurt. Während des Fettmilch-Aufstandes 1612 - 1614 wurden alle Juden aus Frankfurt vertrieben und die inzwischen weit verzweigte Familie Eppstein zerstreute sich in alle Richtungen.
1674 tauchte der Name erstmals in Mannheim auf, als ein Jesaias Eppstein als Mitbegründer der jüdischen Begräbnisbruderschaft genannt wird. Ab 1730 wird ein Jacob Eppstein mehrmals in den Mannheimer Ratsprotokollen erwähnt. 1743 saß er wegen nicht bezahlter Verbindlichkeiten zeitweise im Arrest.
Die drei Kinder seines Sohnes Mayer Löb Eppstein gingen in die Pfalz: Sara als Dienstmagd nach Mutterstadt, ebenso ihr Bruder Joseph, der in der dortigen jüdischen Gemeinde Vorsänger wurde. Er nannte sich später "Eppler" und ist der Ur-Urgroßvater von Heinz Eppler, der mit seinen Eltern vor den Nazis flüchten musste und heute in den USA lebt. 
Heinz Epplers Großvater Isidor starb 1941 im Lager Gurs in den Pyrenäen und dessen zweite Frau Bertha 1944 in Marseille. 
Joseph Eppler starb 1869 in Mutterstadt und wurde auf dem jüdischen Friedhof in Fußgönheim begraben.
Der dritte, Jacob Mayer Eppstein arbeitete 1806 als Lehrer in Iggelheim und heiratete 1807 in Fußgönheim die Tochter des Händlers Moyse Hirsch. 1808 ging er nach Ruchheim, wo er eine Anstellung als Lehrer der jüdischen Gemeinde gefunden hatte. Hier wurde 1810 der Sohn Jacob geboren, der später ebenfalls Lehrer wurde und im Saarland und Hunsrück tätig war. Aus dieser Linie stammen die Eppsteins, die heute in Israel, USA und anderen Teilen der Welt leben. 
Ebenso Dr. Paul Eppstein (vgl. Wikipedia-Artikel zu ihm), der 1902 in Ludwigshafen geboren wurde und von 1928 - 1933 Leiter der Volkshochschule Mannheim war, bis die Nazis ihm die weitere Ausübung dieser Tätigkeit untersagten. Er ging daraufhin nach Berlin in die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland, von wo er im Januar 1943 mit seiner Frau, Dr. Hedwig Strauss, ins Lager Theresienstadt deportiert wurde. Dort angekommen, wurde er zum "Ältesten der Juden" bestimmt. In dieser Funktion hatte er die Anordnungen der Lagerleitung umzusetzen. Am 27. September 1944 wurde er von der SS verhaftet und erschossen. 
Ein weiterer Nachkomme der Ruchheimer Linie war Eugen Eppstein, der als Mitglied der KPD 1924 Reichstagsabgeordneter der Weimarer Republik war und 1943 im KZ Lublin-Majdanek ermordet wurde. Sein Name findet sich auf einer Liste mit 33 Namen bekannter deutscher Persönlichkeiten wie Albert Einstein, Heinrich Mann oder Kurt Tucholsky, welche die Nationalsozialisten 1933 ausbürgern wollten.
Der offizielle Name der Familie war seit 1807 Mayer, ohne dass der Name Eppstein gänzlich abgelegt wurde und die meisten Familienteile nannten sich später wieder Eppstein.
Nach seiner Tätigkeit als jüdischer Dorfschullehrer von Ruchheim ging Jacob Mayer Eppstein nach Fußgönheim zurück, wo 1814 Jacob Salomon Mayer (der Ur-Urgroßvater des Verfassers) geboren wurde. Sein Vater Jacob Mayer Eppstein starb 1845 in Worms, wo er von einer Pferdekutsche überfahren wurde.
Jacob Salomon Mayer behielt den Namen Mayer bei. Mit seiner Ehefrau Esther Levi aus Altdorf bei Edenkoben hatte er acht Kinder. Sohn Emanuel war mit Susanna Joel verheiratet, deren Familie ebenfalls in Fußgönheim wohnte. Emanuels Tochter Bertha wurde mit ihrem Ehemann Alfred Bernstein ins Lager Gurs deportiert. Bertha starb 1944 in Limoges, ihr Mann im gleichen Jahr im Lager Nexon.
Welche Mitglieder der Familie im ehemaligen "Mayer-Haus" - es war das zweite Haus rechts neben der Kirche – wohnten, ist nicht bekannt. Die Gräber von Emanuel und Susanna Mayer findet man ebenfalls auf dem jüdischen Friedhof in Fußgönheim.
Moses Mayer, ein weiterer Sohn Jacob Salomons, zog nach Oggersheim, wo 1882 Sohn Albert (der Großvater des Verfassers) geboren wurde. Albert war 1914 nach Mannheim verzogen, wo er eine Fischhandlung betrieb. Er war mit einer nichtjüdischen Frau verheiratet, die nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten regelmäßig von der Gestapo bedrängt wurde, sich von ihrem jüdischen Mann scheiden zu lassen, was sie jedoch strikt ablehnte. Die Ehe mit einer "arischen" Frau hat Albert Mayer letztendlich das Leben gerettet, denn er wurde – wie die meisten Juden aus Mischehen – erst spät, im Frühjahr 1945 in das KZ Theresienstadt deportiert. Zu dieser Zeit gingen von dort keine Transporte mehr in die Vernichtungslager im Osten. In Theresienstadt traf er seine Schwester Ella wieder, die bereits 1944 deportiert worden war. 
Im Juni 1945 kehrten beide unversehrt nach Deutschland zurück, doch mindestens 18 Mitglieder der Familie Eppstein - Eppler - Mayer verloren im Holocaust ihr Leben."  

 
   


Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Eppstein     
Seite des Verschönerungsvereines Eppstein zu den Mendelssohn-Gedenkstätten in Eppstein   

Literatur:  

Germania Judaica II,1 S. 369. 
Eckart J. Lejeune: Berühmte Nachkommen des Koppelman Eppstein. In: Genealogie Heft 12. 1971 S. 719-720.  
Berthold Picard: "Wer hat dich, du schöner Wald" oder Mendelssohn-Bartholdy in Eppstein. In: Jahrbuch des Main-Taunus-Kreises 1998. 

   
     

                   
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Stand: 26. Mai 2014