Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 


zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zu den Synagogen in Baden-Württemberg 


Tairnbach (Gemeinde Mühlhausen, Rhein-Neckar-Kreis) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge 

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde

In Tairnbach bestand eine jüdische Gemeinde bis zu ihrer Auflösung 1885. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16. Jahrhunderts zurück. Die Ritter von Hirschhorn, denen der Weiler Tairnbach gehörte, gestatteten nach 1500 den ersten Juden die Niederlassung am Ort. Zunächst wurden nicht mehr als zwei bis drei Familien am Ort aufgenommen. Erst nach dem Dreißigjährigen Krieg nahm die Zahl der Juden am Ort zu und erreichte um 1825 ihren Höchststand. Damals hatte Tairnbach 372 Einwohner, von denen 124 zur jüdischen Gemeinde gehörten (33 % der Einwohnerschaft). Die Höchstzahl jüdischer Einwohner wurde 1836 mit 172 Personen erreicht. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verringerte sich die Zahl durch Ab- und Auswanderung sehr schnell: 1890 waren nur noch drei, 1895 keine Juden mehr in Tairnbach wohnhaft. 

Zur Geschichte des Betsaals/der Synagoge

 Im 16. Jahrhundert konnte ein jüdisches Gemeindeleben am Ort noch nicht entstehen. Erst im 18. Jahrhundert gab es die Möglichkeit, nach Erreichen der Zehnzahl religionsmündiger jüdischer Männer im Ort Gottesdienste zu feiern. Zunächst wird ein Betsaal vorhanden gewesen sein. 

Eine Synagoge wurde mit Hilfe der Ortsherrschaft vor 1800 errichtet, vielleicht schon 1761 gleichzeitig mit dem großen herrschaftlichen Judenmietshaus. Dieses wurde als ein "Gebäude gleich einer Caserne" bezeichnet. Im Erdgeschoss befand sich die Wohnung des Lehrers und Vorsängers der Gemeinde. Die Synagoge stand am sogenannten Judenschulweg (auch Judengang genannt), direkt am Tairnbächel. Der Judenweg zweigt bis heute rechtwinklig von der Untergasse, damals Schmaltzgasse ab. 1857 beschwerte sich der Vorsteher der jüdischen Gemeinde über einen nahe dem Synagogeneingang angelegten Misthaufen. 1877 wurden im Tairnbacher Feuerversicherungsbuch die Neubaukosten des israelitischen Gotteshauses mit 8.250 Mark angegeben. Der Kaufwert lag mit 5.700 Mark im gleichen Jahr wesentlich darunter. Aus den Zahlenangaben lässt sich ablesen, dass die Synagoge einst mit dem drei- bis vierfachen finanziellen Aufwand – verglichen mit einem normalen Tairnbacher Wohnhaus – errichtet wurde. 

Nach Abwanderung vieler Gemeindeglieder, insbesondere in die in der weiteren Umgebung liegenden Städte, war es bereits in den 1870er-Jahren für die Gemeinde sehr schwer, einen regelmäßigen Synagogengottesdienst aufrecht zu erhalten. Auswärtige jüdische Männer mussten geholt werden, um die erforderliche Zehnzahl zu erreichen. 1881 wird von der Baufälligkeit des steinernen Gebäudes berichtet. Im Jahr darauf ersteigerte die ortsansässige Zigarrenfabrik Arnheim und Dinkelspiel das marode Bauwerk und riss es ab. Die behauenen Steine fanden vermutlich beim Bau eines (inzwischen abgebrochenen) Fabrikgebäudes in der Eschelbacher Straße Verwendung. 1885 wurde die Gemeinde aufgelöst. An Stelle der ehemaligen Synagoge wurde später eine Scheune gebaut.

Friedhof: In Tairnbach bestand kein jüdischer Friedhof. Die aus der Gemeinde verstorbenen wurden in Waibstadt oder Oberöwisheim, seit 1868 teilweise im jüdischen Friedhof in Michelfeld beigesetzt (siehe dortige Liste).  


Foto / Plan

Tairnbach Synagoge 010.jpg (73484 Byte)

Tairnbach Synagoge Plan.jpg (79041 Byte)

Judenschulweg mit Synagogenstandort in Tairnbach (Quelle: Höflin s. Lit. S. 73) Plan von Tairnbach 1875 (Ausschnitt). Im linken unteren Viertel ist Grundstück 64 eingetragen. Um dieses herum führte der schmal eingezeichnete "Judenschulweg". Das Gebäude rechts dieses Grundstückes müsste die Synagoge sein; daneben auf demselben Grundstück vermutlich das rituelle Bad

Ein neueres Foto vom Synagogenstandort wird noch erstellt

 

Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Mühlhausen: hier anklicken

Literatur:

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 268f.
1200 Jahre Mühlhausen im Kraichgau mit den Ortschaften Rettigheim und Tairnbach. 1982. S. 276f, 285.
Gerhard Höflin: Jüdisches Leben in Tairnbach. in: Historische Streiflichter aus Tairnbach. Heimatbuch. Hg. vom Heimatverein Tairnbach. Bad Schönborn 1995. S. 72-78.
Gräberverzeichnis Waibstadt. 1913. S. 52ff.

      

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge

 

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 14. September 2006