Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 


zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zurück zur Übersicht "Synagogen in Hessen"  
Zur Übersicht "Synagogen im Kreis Groß-Gerau"   
   
    

Mörfelden mit Walldorf (Stadt Mörfelden-Walldorf, Kreis Groß-Gerau)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und Vorbeter   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)     
    
In Mörfelden bestand eine jüdische Gemeinde bis 1936/41. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden Juden am Ort um 1550 und wieder 1611 genannt. Im 17. und 18. Jahrhundert lebten meist nur ein oder zwei jüdische Familien am Ort: 1734 waren es zwei Familien mit zusammen acht Kindern. 

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1828 45 jüdische Einwohner (4,5 % von insgesamt 1.000 Einwohnern), 1861 80 (5,5 % von 1.460), 1880 33 (1,6 % von 2.055), 1900 35 (1,2 % von 2.917), 1910 39 (1,0 % von 3.784). Die jüdischen Familien lebten bis weit ins 19. Jahrhunderts hinein vor allem vom Handel mit Vieh, Getreide, Kolonialwaren oder Textilien. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts eröffneten einige Läden und Handlungen am Ort; andere waren nun als Handwerker oder Angestellte tätig.  
Zur jüdischen Gemeinde in Mörfelden gehörten auch die im benachbarten Walldorf lebenden jüdischen Personen: 1895 7 jüdische Einwohner, 1900 6, 1925 5 jüdische Einwohner.  

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Religionsschule) und ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Groß-Gerau beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben war zeitweise ein jüdischer Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Ansonsten wurden die Aufgaben durch auswärtige Personen unternommen (siehe unten zu 1924/32). Die Gemeinde gehörte zum orthodoxen Bezirksrabbinat Darmstadt II.    
     
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Josef Reiß (geb. 28.8.1886 in Mörfelden, gef. 24.2.19165) und Adolf Rosenthal (geb. 14.12.1884 in Hausen, gef. 27.6.1918). Ihre Namen stehen auf der Gedenktafel an der evangelischen Kirche und auf einem Ehrenmal der Ortsgemeinde im kommunalen Friedhof (Waldfriedhof).  
 
Die jüdischen Einwohner waren im Leben des Ortes völlig integriert. Der langjährige Gemeindevorsteher Simon Schott war Mitglied des Mörfelder Gesangvereins. Julius Oppenheimer war 1921 Mitbegründer der Naturfreunde. Adolf Reiß war Torwart der ersten Fußballmannschaft der "Freien Turn- und Sängervereinigung".  
 
Um 1924, als zur Gemeinde 40 Personen gehörten (0,9 % von insgesamt 4.389 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Simon Schott, Max Reiß und Julius Oppenheimer. Lehrer Julius Rothschild aus Groß-Gerau unterrichtete die damals drei schulpflichtigen jüdischen Kinder in Religion. Auch der Schochet der Gemeinde - Jacob Gottschall aus Groß-Gerau - kam regelmäßig nach Mörfelden. 1932 waren die Gemeindevorsteher Simon Schott (1. Vors.), Simon Goldschmidt (2. Vors.) und Hermann Neu (3. Vors.).     

1933 lebten noch 39 jüdische Personen in Mörfelden (0,8 % von insgesamt 5.025 Einwohnern), drei in Walldorf (Max, Sara und Ferdinande Reiss, die eine kleine Gemüsehandlung betrieben).
In den folgenden Jahren ist ein Teil von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. 1936 wurde die Gemeinde aufgelöst, die Synagoge verkauft. Beim Novemberpogrom 1938 zündeten SA-Leute die Scheune der Familie Goldschmidt an und warfen Steine und Flaschen gegen die Häuser anderer jüdischer Familien. Max Strauß und Adolf Reiß wurden verhaftet, mussten in Groß-Geraus auf dem Marktplatz 'Turnübungen' machen und wurden schließlich in das KZ Buchenwald verschleppt. Nach sechs Wochen kamen sie kahlgeschoren, ausgehungert und um Jahre gealtert zurück. 1939 lebten noch 18, am 5. Februar 1941 11 jüdische Personen am Ort. Simon Schott erhängte sich, als er von der bevorstehenden Deportation erfuhr, im März 1942 in seiner Scheune. Wenig später die letzten zehn jüdischen Einwohner (Simon Goldschmidt, Betty Goldschmidt, Henriette Mainzer, Else Mainzer, Adolf Reiß, Trude Reiß, Inge Reiß, Bertha Reiß, Mina Reiß und Rosa Reiß) mit einem Lastwagen nach Darmstadt gefahren und am 20. März nach Polen deportiert. Aus Walldorf wurden Max und Sara Reiss im September 1942 in das Ghetto Theresienstadt verbracht, wo sie wenig später umgekommen sind.  
  
Von den in Mörfelden geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945", abgeglichen mit der Liste bei A. Schleindl s. Lit. S. 208): Albert Bendheim (1913), Berta van Bingen geb. Oppenheimer (1903), Elisabeth Cohn (1905), Babette (Betty) Goldschmidt geb. Schott (1881), Simon Goldschmidt (1880), Clara Lazarus geb. Oppenheimer (1876), Henriette Mainzer geb. Sobernheim (1902), Ilse Mainzer (1928), Bertha Oppenheimer (1903), Adolf Reiss (1902), Berta Reiss (1893), Gertrud (Trude) Reiss (1902), Ingeborg (Inge) Reiss (1937), Minna Reis (1896), Recha Reiss (1900), Rosa Reiss (1890), Toni Roos geb. Kahn (1897), Amalie Rosenthal geb. Baum (1886), Klara Salomon geb. Sobernheim (1903), Lion Schott (1886), Simon Schott (1870), Theodor Schott (1879), Josef Sobernheim (1899), Salomon Sobernheim (1865), Lisette Weishaupt geb. Weinberg (1876), Recha Wolf geb. Reiss (1900).    
   
Aus Walldorf sind umgekommen: Max Reiss (1857), Sara Reiss (1865).       
  
An die aus Mörfelden-Walldorf umgekommenen jüdischen Personen erinnern seit den mehrfachen Verlegungsaktionen zwischen Juni 2007 und Oktober 2012 sog. "Stolpersteine". Darüber nähere Informationen auf den Seiten des "Fördervereins Jüdische Geschichte und Kultur im Kreis Groß-Gerau e.V."  (vgl. auch Bericht unten zur Buchvorstellung im November 2009) sowie in der Website der Stadt Mörfelden-Walldorf.  
   
"Stolpersteine" liegen vor den folgenden Häusern, in denen die genannten Personen zuletzt lebten (Hinweis: es wurden nicht nur für ermordete, sondern auch für vertriebene Familienmitglieder "Stolpersteine" verlegt): 
   
in Mörfelden Brückenstraße 2 für Amalie, Delfine und Rudolf Rosenthal; Elisabethenstraße 6 für Adolf, Lisette, Kurt, Richard, Elisabeth Maria und Lydia Weishaupt sowie Paul Meyer; Herweghstraße 11 für Albert, Anna und Hella Ingrid Bernstein; Hintergasse 18 für Klara Salomon sowie Henriette und Ilse Mainzer; Langgasse 2 für Simon und Babette Goldschmidt; Langgasse 40 für Max, Hedwig, Elisabeth, Gertrude und Ludwig Cohn; Mittelgasse 9 für Simon und Bertha Schott sowie Max, Erna, Kurz und Ruth Strauß; Weingartenstraße 5 für Jette, Recha, Adolf, Gertrud und Ingeborg Reiß; Westendstraße 7-9 für Hermann, Henriette, Herbert und Heinz Neu sowie für Heinrich und Theodor Schott; Zwerggasse 2 für Regina, Julius und Bertha Oppenheimer; Zwerggasse 3 für Zerlinde, Rosa, Bertha und Minna Reiß.  
in Walldorf An den Eichen 25-27 für Clara Marie Adler; Bäckerweg 28 für Siegfried Fay, Farmstraße 24 für Dr. Otto Ortweiler; Langstraße 37 für Max, Sara und Ferinande Reiß; Meisenweg 8 für Dr. Alexander Besser.      
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und Vorbeter   
Suche nach einem Vorbeter für die hohen Feiertage im Herbst 1902  

Moerfelden Israelit 11091902.jpg (38402 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. September 1902: "Auf die hohen Feiertage suchen einen Vorbeter, welcher auch leienen kann. 
M. Schott, Vorsteher der israelitischen Gemeinde, Mörfelden bei Frankfurt."

  
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Auszeichnung für den Schumacher-Lehrling Heinrich Reiß (1910)  

Moerfelden FrfIsrFambl 27051910.jpg (46924 Byte) Artikel im '"Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 27. Mai 1910: "Frankfurt am Main. Der Lehrling Heinrich Reiß aus Mörfelden, der jüngst seine Gesellenprüfung gut bestand, wurde für seine in der Lehrlingsprüfungsausstellung ausgestellten Stiefel diplomiert; ferner erhielt er von der Schuhmacher-Innung einen Ehrenpreis und 5 Mark. Es ist das der zweite Lehrling des Schuhmachermeisters Max Behr, der prämiiert wurde."   

      
      
 
    
Zur Geschichte der Synagoge             
     
Zunächst war vermutlich ein Betraum in einem der jüdischen Häuser vorhanden. Am 17. April 1829 (am Tag vor dem Pessachfest) konnte eine Synagoge eingeweiht werden. Sie wurde in einem umgebauten früheren Schafstall eingerichtet. Zur Einweihung stiftete die bürgerliche Gemeinde einen goldbestickten Vorhang für den Toraschrein (Parochet). Spenden zum Bau der Synagoge kamen auch von der Frau Großherzogin und von Baron von Rothschild in Frankfurt. Die Synagoge hatte 54 Plätze für Männer, 32 für Frauen. 
 
Über 100 Jahre war die Mörfelder Synagoge Mittelpunkt des religiösen Lebens der in Mörfelden und Walldorf lebenden jüdischen Personen. 
  
In der NS-Zeit war die Synagoge 1936/37 mehrfach Anschlagsziel steinewerfender Hitler-Jungen. Auf Grund der Zerstörungen resignierte die Gemeinde. Die Synagoge wurde geschlossen. Im Herbst 1937 wurde das Gebäude zum Preis von 1.200 RM an die Konsumgenossenschaft Trebur verkauft. Der Betrag wurde, zu je einem Drittel an die Reichsvereinigung der Juden (Bezirksstelle Main), an das Bezirksrabbinat Darmstadt und an die einzelnen Mitglieder der jüdischen Gemeinde Mörfelden verteilt. Beim Novemberpogrom 1938 wurde von Nationalsozialisten versucht, die Synagoge anzuzünden, obwohl sie nicht mehr der jüdischen Gemeinde gehörte. 
  
1970 wurde das Synagogengebäude abgebrochen. Am 2. September 1984 wurde ein Gedenkstein am Standort der ehemaligen Mörfelder Synagoge enthüllt. Zu diesem Ereignis wurden überlebende jüdische Familien nach Mörfelden eingeladen.         
    
    
Adresse/Standort der Synagoge:    Kalbsgasse 1 (frühere Löwengasse)  
   
   
Fotos 
(die Fotos in der oberen Fotozeile: Quelle: Website der Stadt Mörfelden-Walldorf 
Hinweis: historische Fotos, insbesondere Familienfotos siehe über www.vor-dem-holocaust.de)     

 Moerfelden-Walldorf Sto 022.jpg (110179 Byte)  Moerfelden-Walldorf Sto 021.jpg (104804 Byte) Moerfelden-Walldorf Sto 020.jpg (22790 Byte) 
 Gedenkstein am Standort der 
ehemaligen Synagoge 
Von 2007 bis 2012 wurden in Mörfelden und Walldorf 53 "Stolpersteine" zur Erinnerung 
an die ermordeten und vertriebenen jüdischen Einwohner der Stadt verlegt. 
     

Hinweis auf das ehemalige KZ-Außenkommando Walldorf
In Walldorf bestand vom August bis Dezember 1944 ein Außenkommando des Konzentrationslagers Natzweiler/Elsass. Zum Bau der Erweiterung des Rhein-Main-Flughafens durch eine neue Rollbahn wurden hier etwa 1.700 jüdische Frauen zwischen 20 und 40 Jahren (teilweise auch Mädchen ab 11 Jahren) zur Zwangsarbeit unter katastrophalen Arbeits- und Lebensbedingungen gezwungen. Die Frauen war überwiegend als noch arbeitsfähig im KZ Auschwitz ausgewählt und statt zum Tod durch Vergasung zum Tod durch Arbeit bestimmt worden. Die Frauen arbeiteten für die Frankfurter Baufirma Züblin & Cie AG. der die Ausführung der Bauarbeiten übertragen worden waren. Die Frauen waren zu den schwersten Arbeiten eingesetzt, die hygienischen Verhältnisse im Lager waren katastrophal, die Ernährung völlig unzureichend. Entkräftete, kranke oder schwangere Frauen wurden - soweit sie nicht im Lager starben - aus dem Lager mit unbekanntem Ziel abtransportiert. Nach Auflösung des Lagers Ende 1944 wurden die Frauen vermutlich in mehreren Transporten von Walldorf weggebracht, einige direkt, andere über verschiedene Arbeitslager nach dem Frauen-KZ Ravensbrück. Nur wenige Frauen überlebten. 
Weitere Informationen: Website www.kz-walldorf.de    

   

Literatur / Medien:

Walldorf Lit 070.jpg (35572 Byte)Klara Strompf: KZ-Außenlager Walldorf. Jüdische Frauen aus Ungarn am Flughafen Frankfurt/Main 1944. Hrsg. von Erhard Roy Wiehn. Hartung-Gorre Verlag Konstanz 1. Auflage 2009 68 S. € 14,80.   
Vorstellung des Buches auf Verlags-Seite.   

Walldorf Lit 071.jpg (59216 Byte)Vera und Miki Dotan: Aufstieg aus der Hölle. Erschienen 2010. 325 S. 
Informationen auf der Website der Margit-Horvath-Stiftung:    
Zum Inhalt: Vera Dotan ist eine der Überlebenden der KZ-Außenstelle Walldorf. Vera und Miki Dotan sind vielen Mörfelden-Wallorfern durch ihre zahlreichen Besuche in den letzten Jahren bekannt. Als Dreizehnjährige war Vera Dotan in der KZ-Außenstelle Walldorf zusammen mit ihrer Mutter interniert. Bis heute erinnert sie sich außergewöhnlich detailliert an die Zeit im Lager. Vera Dotan gab auf ihren Reisen nach Deutschland zahlreiche Interviews und stellt sich immer wieder dem Gespräch mit Schulklassen. Vera Dotan sprach bei der Gedenkveranstaltung in der Hessischen Landesvertretung in Berlin 2005 und stand während des Jugendcamps 2006 nach Ungarn den Teilnehmern Rede und Antwort. Nun finanzierte die Margit-Horváth-Stiftung die Übersetzung ihrer Autobiographie ins Englische. 

Film von Malte Rauch / Eva Voosen: Runway. 1. Std. 27 min.  
Informationen bei amazon.de  
In 1944, 1700 Hungarian women were transported in cattle cars from the Auschwitz concentration camp to the town of Walldorf, near Frankfurt, Germany. Without explanation, the women were put to work for several months under grueling, sometimes fatal conditions. In 2000, these women return to the town and learn about ... their role in the construction of a secret runway during the war. 

Flyer der Margit Horvath Stiftung zur KZ-Außenstelle Walldorf mit "Historischem Lehrpfad"     

Cornelia Rühlig / Bernhard Brehl, Hans J. Vorndran: "Das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung" - "Remembrance is the Secret of Redemption...". Zunächst im Jahr 2000 erschienen - zur Geschichte der KZ Außenstelle Walldorf. Eine Ergänzung von 2009 enthält neuere Forschungsergebnisse aus den Jahren 2000-2007, eingebettet in eine zusammenfassende Gesamtdarstellung des Themas.  
Hrsg. vom Magistrat der Stadt Mörfelden-Walldorf. 74 S. Mai 2003². Ergänzung 2009. Auch in englischer Sprache erschienen. 

Titelbilder der
 Publikationen 
Moerfelden-Walldorf Lit 212.jpg (67418 Byte) Moerfelden-Walldorf Lit 210.jpg (124303 Byte) Moerfelden-Walldorf Lit 213.jpg (65295 Byte)
 

     

Text aus der Website der Stadt Mörfelden-Walldorf über eine Einladung an ehemalige KZ-Arbeiterinnen im Jahr 2000:  
Auf Einladung der Stadt Mörfelden-Walldorf, der Stadt Frankfurt sowie der Flughafen Frankfurt am Main AG kamen 19 der 1700 ungarischen, jüdischen Frauen, die 1944 im KZ-Außenlager Walldorf inhaftiert waren zur Einweihung des "Historischen Lehrpfades" am 15.11.2000 nach Walldorf. Sie haben trotz ihres hohen Lebensalters diese beschwerliche Reise voller Erinnerungen und Gefühle aus den USA, Schweden, Ungarn und Israel auf sich genommen. Der Schriftsteller Peter Härtling hielt unter Beteiligung zahlreicher Vertreter des öffentlichen Lebens, Schülerinnen und Schüler der Bertha-von-Suttner-Schule sowie der Bevölkerung eine sehr beachtete Ansprache. Nach dem Totengebet von Rabiner Asher wurden die Namen aller hier inhaftierten Zwangsarbeiterinnen (1.700!) verlesen. Das Besuchsprogramm der Frauen sah neben Empfängen der Städte Mörfelden-Walldorf und Frankfurt sowie auf dem Flughafen vor allem Begegnungen mit jungen Menschen vor. Die Leidensgeschichte der im "vergessenen" KZ-Außenlager Walldorf inhaftierten ungarischen jüdischen Frauen wurde von der Stadthistorikerin Cornelia Rühlig in der Broschüre "Das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung..." ausführlich dokumentiert. Die Broschüre ist in den Stadtbüros erhältlich. 
Walldorf KZ 150.jpg (43414 Byte) Walldorf KZ 151.jpg (49603 Byte) Walldorf KZ 152.jpg (50460 Byte)
Fotos von der Einladung der Stadt Mörfelden-Walldorf an die ehemaligen KZ-Arbeiterinnen (aus der Website der Stadt Mörfelden-Walldorf)
     
Erinnerungsarbeit vor Ort
(Quelle des Fotos: Arbeitskreis Ehemalige Synagoge Pfungstadt e.V.)
Walldorf KZ 155.jpg (114219 Byte)  
  Ein Lehrpfad erinnert heute an das
 frühere KZ-Außenkommando 
 

       
      

Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 

November 2009: Buch zu den "Stolpersteinen" in Mörfelden-Walldorf 
Artikel in "Echo-Online" vom 24.11.2009 (Artikel): "Steine gegen das Vergessen
Buchvorstellung: Förderverein Jüdische Geschichte und Kultur im Kreis Groß-Gerau gibt Werk über die Stolperstein-Aktion in Mörfelden-Walldorf heraus. 
MÖRFELDEN-WALLDORF.
Lebensgeschichten erzählen mehr als nackte Zahlen. Diese Erkenntnis setzt der Förderverein jüdische Geschichte und Kultur im Kreis Groß-Gerau um, indem er das Buch 'Steine gegen das Vergessen - Stolpersteine in Mörfelden-Walldorf' herausgibt..."  
 
Juni 2010: Schülerinnen und Schüler putzen die "Stolpersteine"   
Artikel in der "Frankfurter Neuen Presse" vom 30. Juni 2010 (Artikel): "Die Stolpersteine glänzen wieder. 
 'Na, das sieht doch schon sehr gut aus, viel besser als in der Brückenstraße', meinte Seiler und begutachtete die frisch gereinigten Stolpersteine. Das Schüler-Team mit Tugba, Selina und Desire hatte beste Vorarbeit geleistet und die Stolpersteine in der Westendstraße vom gröbsten Belag befreit..."    
  
September 2010: Publikation zu den "Stolpersteinen" in Mörfelden und Walldorf   
Artikel in der "Frankfurter Neuen Presse" vom 31. August 2010 (Artikel): "53. Stolperstein für einen Juden
Otto Ortweiler wurde von den Nationalsozialisten zwangsweise in den Ruhestand versetzt. 
Die Nachforschungen über das Leben von Otto Ortweiler sind abgeschlossen. Buchautor Hans-Jürgen Vorndran will bei den Freunden der Waldenser darüber berichten. 
Mörfelden-Walldorf. Die Spurensuche in Mörfelden-Walldorf geht weiter. Bereits im Schlusswort seines Buches 'Steine gegen das Vergessen', das im Oktober vergangenen Jahres erschienen ist, hat Hans-Jürgen Vorndran die Verlegung eines 53. Stolpersteins für Otto Ortweiler angekündigt..."  
 
Februar 2011: Freiexemplare der Publikation über die "Stolpersteine" an die Schule - die Aktion wird fortgesetzt   
Artikel von dib in der "Frankfurter Neuen Presse" vom 5. Februar 2011 (Artikel): "'Niemals einen Schlussstrich ziehen'
Wider das Vergessen: Die Aktion Stolpersteine wird weiter fortgesetzt
Das Buch 'Stolpersteine gegen das Vergessen' soll im Geschichtsunterricht verwendet werden. Je weniger Zeitzeugen es gibt, um so wichtiger ist die Buchlektüre..."      
   
April 2013: Informationen zu den "Stolpersteinen", Fotos und Dokumente auf der Website der Stadt   
Artikel in der "Frankfurter Rundschau" (Regionalteil Kreis Groß-Gerau) vom 28. April 2013 (Link zum Artikel): "Netzauftritt für Stolpersteine
In Mörfelden-Walldorf erinnern 54 Stolpersteine an Bürger, die Opfer des Nazi-Regimes wurden. Auf der Web-Seite der Stadt können Interessierte jetzt Informationen zu ihrem Schicksal nachlesen.– 
Mörfelden-Walldorf. Das Projekt 'Stolpersteine gegen das Vergessen' des Künstlers Gunter Demnig ist in vielen Städten und Gemeinden präsent. Mehr als 40.000 Stolpersteine erinnern inzwischen in 800 europäischen Kommunen an Opfer des Nazi-Regimes. In Mörfelden-Walldorf sind bereits 54 Stolpersteine verlegt worden. Auf der städtischen Internetseite gibt es jetzt ausführliche Informationen über die Menschen, an die erinnert wird. 
Hans-Jürgen Vorndran ist der Initiator des Projekts in Mörfelden-Walldorf. Nachdem im Juni 2007 die ersten 15 Stolpersteine in Mörfelden und Walldorf verlegt wurden, sei er darauf hingewiesen worden, dass die Stadt Frankfurt auf ihrer Homepage über die Stolpersteine informiere. 'Dies war die Initialzündung zur Idee, die damit verbundenen Namen, Orte und Fakten auch in Mörfelden-Walldorf der Weltöffentlichkeit über das Internet vorzustellen', berichtet Vorndran. 
Zusammen mit dem für die EDV verantwortlichen Hauptamtsleiter Thomas Krüger und dem EDV-Büro Urban Jänicke wurde die Webpräsenz erarbeitet. Einiges ist bereits seit 2008 online, doch wurde die Dokumentation jetzt noch erheblich erweitert. Einiges wurde ergänzt, teilweise wurde die Darstellung neu gestaltet. 'Auch Übersichtskarten und die Verlegeorte sollten hinzukommen', erklärt Vorndran. 
In dem Buch 'Steine gegen das Vergessen' und der Broschüre 'Jüdische Spuren. Rundgang durch das alte Walldorf' finden sich viele weitere Informationen, Fotos und Dokumente, die Autor Hans-Jürgen Vorndran nun ebenfalls im Internet zugänglich machen will – sie sollen allen Interessierten als Downloads bereitstehen. (eda.)
Infos zu den Geschichten hinter den Stolpersteinen gibt es auf der Seite www.moerfelden-walldorf.de."     
  
April 2014: Gedenken an die Nazi-Verbrechen   
Artikel in der "Neu-Isenburger Neuen Presse" vom 25. März 2014: "Jugendliche gedenken der Opfer von Naziverbrechen
Mörfelden-Walldorf.
Am ersten April 1933 riefen die Nazis zum Boykott jüdischer Geschäfte auf. Dieser Boykott stand am Anfang der Drangsalierung der Hitler-Regierung gegenüber Juden, an deren Ende die Deportation und Vernichtung mehrerer Millionen Menschen standen. Auch in Mörfelden und Walldorf haben jüdische Familien gelebt, die unter den Nazis gelitten haben. Seit ein paar Jahren erinnern die 'Stolpersteine' des Künstlers Gunter Demnig an sie.
Am Dienstag, 1. April, soll an den Judenboykott erinnert und der Opfer des Nationalsozialismus gedacht werden. Zu diesem Anlass laden die Stadt Mörfelden-Walldorf, der Förderverein für jüdische Geschichte und Kultur im Kreis Groß-Gerau und die evangelische Kirche in Walldorf zu einer Gedenkaktion am Stolperstein vor dem Haus in der Farmstraße 24 in Walldorf ein. In diesem Hause lebten Otto Ortweiler und seine Ehefrau Therese Ortweiler. Therese Ortweiler praktizierte als Ärztin in diesem Haus, bevor sie von den Nazis vertrieben wurde. 
Bei der Gedenkveranstaltung, die um 17.30 Uhr beginnt, wird Bürgermeister Heinz Peter Becker (SPD) über die Stolperstein-Aktion und die Notwendigkeit des Gedenkens sprechen, Jugendliche der evangelischen Gemeinde in Walldorf werden über das Leben des Ehepaars Ortweiler berichten und den Stolperstein reinigen. Hans Jürgen Vorndran vom Förderverein für jüdische Geschichte und Kultur im Kreis-Groß Gerau wird über die Boykottaktionen der Nazis informieren."  
Link zum Artikel      
Artikel von Karlheinz Niess in der "Neu-Isenburger Neuen Presse" vom 3. April 2014: "Konfirmanden ließen das Messing wieder strahlen..."  
Link zum Artikel     
 

   
    
Links und Literatur

Links:  

Website der Gemeinde Mörfelden-Walldorf   mit Informationsseiten zur jüdischen Geschichte und den "Stolpersteinen"      
Seite des "Fördervereins Jüdische Geschichte und Kultur im Kreis Groß-Gerau e.V." mit mehreren Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Mörfelden-Walldorf 
Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Mörfelden und Walldorf  
    

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 90-92.   
Keine Abschnitte zu Mörfelden bei Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 und dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. 
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 165-168. 
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 259-261. 
Monica Kingreen: Die gewaltsamen Verschleppungen der Juden aus Mörfelden-Walldorf im Kontext der Deportationen aus den Dörfern und Städten des Volksstaates Hessen 1942, in: Förderverein Jüdische Geschichte und Kultur im Kreis Gross-Gerau: Steine gegen das Vergessen. Stolpersteine in Mörfelden-Walldorf, Mörfelden-Walldorf 2009, S. 151-168. 
weitere Literatur siehe in der Dokumentation zu den "Stolpersteinen" in Mörfelden-Walldorf über die Website der Stadt Mörfelden-Walldorf.  
Cornelia Ruhlig/Inge Auer (Hrsg.): Die schlimmste Sache war die Angst, die andauernde Angst. Alltagsgeschichte der jüdischen Familien von Mörfelden und Walldorf (1918-1942) 381 S. Mörfelden-Walldorf 1986. 1991². Informationen bei amazon.de.   
Rechts: Titelbild und
 Inhaltsverzeichnis 
Moerfelden-Walldorf Lit 211.jpg (99138 Byte) Walldorf Lit 080a.jpg (73861 Byte) Walldorf Lit 080b.jpg (53008 Byte)

      
      


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Moerfelden  Hesse. Jews first lived there in the 16th century. The community numbered 80 (5 % of the total) in 1861, declining to 35 (1 %) by 1900. In 1936, the community disbanded and approximately half of the remaining Jews left before Kristallnacht (9-10 November 1938), when Nazis made an attempt to burn the synagogue, even though it had already been sold. Eight Jews emigrated, two committed suicide, and 12 were deported in 1942. 
  
     

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge   

             

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 05. April 2014