|
Eingangsseite
Aktuelle Informationen
Jahrestagungen von Alemannia
Judaica
Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft
Jüdische Friedhöfe
(Frühere und
bestehende) Synagogen
Übersicht:
Jüdische Kulturdenkmale in der Region
Bestehende
jüdische Gemeinden in der Region
Jüdische
Museen
FORSCHUNGS-
PROJEKTE
Literatur
und Presseartikel
Adressliste
Digitale
Postkarten
Links
| |
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"
zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Meckesheim (Rhein-Neckar-Kreis)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zur Kurpfalz gehörenden
Meckesheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1937. Ihre Entstehung geht in die
Zeit um 1700 zurück. Damals zog mit Moses Marx aus Dilsberg ein erster Jude
nach Meckesheim. 1744 gab es bereits drei, 1809 sieben jüdische Haushalte.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt:
1825 40 jüdische Einwohner, 1843 52, 1875 63, höchste Zahl um 1880 mit 66
Personen, 1900 48.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.) eine
Schule, ein rituelles Bad und einen Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der
zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (siehe Ausschreibungen der Stelle
unten). Die Gemeinde wurde 1827 dem Rabbinatsbezirk Heidelberg
zugeteilt.
Die jüdischen Familien lebten vom Handel mit Landesprodukten,
Textilien, Leder, Eisenwaren und Vieh. Im 19. Jahrhundert war die Gastwirtschaft
"Zur Krone" (Mandelgasse) eine jüdische Gastwirtschaft.
Um 1933 gab es noch folgende Handels- und Gewerbebetriebe im Besitz
jüdischer Familien / Personen: Landesproduktenhandlung Moses Eisemann
(Leopoldstraße 9 mit Lagerhalle Industriestraße 60, abgebrochen),
Kolonialwarengeschäft und Altwaren Meier Kaufmann (Bahnhofstraße 7),
Manufakturgeschäft Max Neuberger (Friedrichstraße 30), Kurzwarengeschäft
Lina Stein (Friedrichstraße 1, abgebrochen).
1933 lebten noch 17 jüdischen Personen in Meckesheim. In den folgenden
Jahren Jahren ist ein Teil von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen
Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien ausgewandert
beziehungsweise in andere Städte verzogen. Je vier Personen emigrierten nach
Holland und Brasilien, je eine Person nach Palästina und in die USA. Die
letzten vier jüdischen Einwohner wurde im Oktober 1940 nach Gurs deportiert.
Alle vier sind umgekommen (eine Person starb in Südfrankreich, zwei in
Auschwitz, eine in Lublin-Maidanek).
Von den in Meckesheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Max Eisemann (1867),
Jettchen Freund geb. Kaufmann (1879), Lina Kaufmann geb. Weil (1868), Ludwig
Kaufmann (1871), Maier Kaufmann (1868), Max Kaufmann (1903), Rifka Kaufmann geb.
Stahl (1874), Sophie Kaufmann (1874), Heinrich (Heinz) Stein (1907), Lina Stein
geb. Neuberger (1876).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1879 /
1900 / 1903 (nur zu den Hohen Festtagen)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. April 1879:
"Annonce. In hiesiger Gemeinde ist die Stelle des Lehrers und
Vorsängers mit einem fixen Gehalte von Mark 600 und Nebeneinkünfte von
Mark 250-300 zu besetzen.
Nur Deutsche können Berücksichtigung finden und wollen Bewerbungen an
Unterzeichneten gerichtet werden.
Meckesheim bei Heidelberg, 13. April 1879. Der Vorstand der
israelitischen Kultusgemeinde." |
| |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. September 1900:
"Religionsschulstelle.
Die mit Vorsänger- und Schächterdienst verbundene Religionsschulstelle
in Meckesheim ist zu besetzen. Gehalt 700 Mark, 400-500 Mark
Nebeneinnahmen. Unverheiratete, seminaristisch gebildete Bewerber wollen
ihre mit Zeugnisabschriften versehenen Meldungen richten an
Die Bezirks-Synagoge Heidelberg: Dr. Pinkuß." |
| |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. August 1903:
"Die Gemeinde Meckesheim bei Heidelberg sucht auf die hohen Festtage,
Neujahr und Versöhnungsfest, einen Vorbeter. Der Vorsteher: J. Bachert." |
Manuskript
von Berthold Rosenthal, Mannheim (geschrieben 1937) zur jüdischen
Geschichte in Meckesheim mit Familienstammbäumen und einem Gräberverzeichnis
des jüdischen Friedhofes in Meckesheim (auf Seite
zum Friedhof)
(Quelle: Guide to the papers of
Berthold Rosenthal in the Leo Baeck Institute New York)
 |
 |
 |
 |
 |
| |
|
|
|
|
| |
|
|
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
| |
|
|
Stammbaum der Familien
Bachert und Neuberger
in Meckesheim |
Stammbaum der
Familie Eisemann
in Meckesheim |
| |
|
|
|
|
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
Zunächst wurden die Gottesdienste
in einem Betsaal eines jüdischen Privathauses abgehalten, dessen
Standort nicht mehr bekannt ist. Aus der Zeit um 1700 stammte eine Torarolle,
die sich noch 1937 in der Synagoge befand. Die Torarolle stammte von Moses Marx;
der erste Betsaal dürfte somit in seinem Haus gewesen sein.
Nach 1830 wurde eine Synagoge in der
Leopoldstraße 23 erbaut. Leider konnten bis heute keine Dokumente zu ihrer
Baugeschichte gefunden werden.
Durch Beschluss des Badischen Staatsministeriums vom 12.
Oktober 1937 wurde die klein gewordene jüdische Gemeinde aufgelöst und die
noch verbliebenen Juden der Nachbargemeinde Neidenstein zugeteilt. Die Synagoge
wurde Ende 1937 verkauft. Daher entging sie auch einer Zerstörung beim Novemberpogrom
1938. Seither wird das Gebäude als Wohnhaus (zunächst auch als
Schreinerwerkstatt) verwendet.
Fotos
Historische Fotos:
|
Historische Fotos sind nicht bekannt,
Hinweise bitte an den
Webmaster von "Alemannia Judaica",
E-Mail-Adresse siehe Eingangsseite |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
| Foto um 1965 (?) |
 |
|
| |
Foto bei Hundsnurscher/Taddey
(s.Lit.)
vermutlich um 1965 |
|
| |
|
|
Fotos Ende 1983
(Fotos: Hahn) |
 |
 |
| |
Charakteristisch
für das Gebäude von der Eingangsseite: zwei Eingänge, vermutlich
einerseits zum Betsaal für die Männer und andererseits für die Empore
der Frauen |
| |
|
Fotos 1987
(Sammlung Hahn,
Fotograf: R. Rasemann) |
 |
 |
| |
Veränderungen am Gebäude:
Die linke Eingangstür ist
zugemauert |
Das Gebäude
von Südosten |
| |
|
|
| |
 |
 |
| |
Das Gebäude von Süden |
| |
|
Fotos 2003/04:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum
14.10.2003 bzw. mit *) von
J. Krüger, Karlsruhe Sommer 2004) |
 |
 |
| |
Blick auf die ehemalige
Synagoge
von der Leopoldstraße |
Das Gebäude
von Süden* |
| |
|
|
| |
 |
 |
| |
Blickrichtung wie oben* |
Ostseite im Morgenlicht |
| |
|
|
Fotos Frühjahr 2011
(Fotos: Michael Ohmsen,
Aufnahmen vom März 2011) |
 |
 |
| |
Das Foto
in höherer Auflösung
auf der Fotoseite von M. Ohmsen |
Das Foto
in höherer Auflösung
auf der Fotoseite von M. Ohmsen |
| |
|
|
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. 197-198. |
 | Friedrich Zimmermann: Ortsgeschichte des Kraichgaudorfes Meckesheim
im Elsenztal. 1937. |
 | ders.: Die Juden in Meckesheim. Maschinenschriftlich 1936/37.
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Meckesheim Baden. Jews arrived in 1700
and numbered 63 in 1875 (total 1,261) taking an active part in local life. A
synagogue was built in 1830 and a cemetery
was opened in 1896. In 1933, 17 Jews remained. Ten left in 1934-38, half
emigrating, and five more left for Holland after Kristallnacht (9-10
November 1938). The last five Jews were deported to the Gurs concentration camp
on 22 October 1940, all perishing along with three deported to the camps from
other places.

vorherige Synagoge zur ersten Synagoge nächste Synagoge
|