Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Heiligenstadt (Kreis Bamberg)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)    
    
In Heiligenstadt bestand eine jüdische Gemeinde bis 1902. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden 1617 fünf jüdische Bewohner genannt, die gegenüber den Herren von Streitberg abgabepflichtig waren. Ihre Blütezeit hatte die jüdische Gemeinde zwischen der zweiten Hälfte des 18. und der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
  
Die jüdischen Familien lebten bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts überwiegend vom Handel (1811: sieben Hausierhändler beziehungsweise Kram- und Warenhändler sowie acht Viehhändler, teilweise mit Schnittwarenhandel, ein Metzger). Seit den 1830er-Jahren verlagerte sich der Handel teilweise auf andere Produkte (Spezerei-Handel, Eisen- und Metallwarenhandel, Tuch-, Pelz- und Bänderhandel). Einige der jungen jüdischen Jugendlichen ließen sich in einem Handwerk ausbilden (Hutmacher, Seifensieder, Glaser, Schuhmacher, Schneider, Weber, Seiler). 
  
Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich im 19. Jahrhundert wie folgt: 1809/10 68 jüdische Einwohner (15,6 % von insgesamt 436), 1825 80 (18,8 % von insgesamt etwa 425), 1840 77 (15,8 % von 486), 1852 87 (20,4 % von 426), 1867 53 (12,7 % von 416), 1875 27 (5,9 % von  455), 1880 26 (5,7 % von 458), 1890 12 (2,9 % von 415), 1900 15 (3,9 % von 387). Bereits nach 1830 sind die ersten fünf Juden aus Heiligenstadt nach Nordamerika ausgewandert. Nach 1860 verzogen viele in die umliegenden Städte Bamberg, Bayreuth, Forchheim, Nürnberg und Hollfeld. 1890 sind von den damals noch fünf jüdischen Familien weitere zwei nach Nordamerika ausgewandert.
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule, eine Mikwe und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schächter tätig war. Als Lehrer und Vorbeter  werden genannt: 1811 Nathan Mayer, bis 1828 Simon Hüler (als Vorsänger), ab 1827 bis 1863 Samuel Rosenbaum, um 1846 ein Herr Levi (siehe unten), bis 1863 Simon Dachauer (danach in Redwitz), 1863 - 1871 Simon Ullmann. Dann wurde die Stelle noch einmal neu ausgeschrieben (siehe Anzeige unten).
    
Es ist nicht sicher, ob die Stelle nochmals besetzt wurde. In den Jahren vor Auflösung der Gemeinde unterrichteten die Lehrer aus Aufseß (Rothschild, Leopold Schloß) bzw. Hagenbach (Lehrer Katz unterrichtete das letzte schulpflichtige jüdische Kind).  
   
Nachdem 1890 nur noch 12 jüdische Einwohner gezählt wurden, wurde behördlicherseits die Auflösung der Gemeinde beschlossen. Da die letzten jüdischen Gemeindeglieder freilich alles taten, um die Auflösung nochmals herauszuschieben, wurde erst am 15. Februar 1902 von der Königlichen Regierung von Oberfranken der Zusammenschluss der beiden Kultusgemeinden Heiligenstadt und Aufseß angeordnet. 1910 wohnte keine jüdische Person mehr in Heiligenstadt.
   
Von den in Heiligenstadt geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):    . . .
Eine Liste konnte noch nicht erstellt werden - die Recherchen in den Listen von Yad Vashem und im Bundesarchiv sind schwer durchführbar auf Grund der Namensgleichheit mit dem thüringischen Heiligenstadt im Eichsfeld. 
      
      
      
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
     
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1871    

Heiligenstadt Israelit 19071871.jpg (42691 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Juli 1871: "Die hiesige israelitische Elementar- und Religionsschulstelle, mit welcher auch Vorsängerdienst mit verbunden ist, ist in Erledigung gekommen. Bewerber wollen ihre Zeugnisse an unterzeichneten Kultusvorstand einsehen. Dieselbe trägt 300 Gulden fixen Gehalt nebst freier Wohnung und Beheizung, und sich auch demselben bedeutende Nebenverdienste in Aussicht gestellt. 
Heiligenstadt bei Bamberg, im Juli 1871. Jos. Seckendorf, Kultusvorstand."  

  
  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Lob und Kritik an der jüdischen Gemeinde Heiligenstadt (1846)  
  

Heiligenstadt AZJ 30111846.jpg (41017 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. November 1846: "Die kleine Gemeinde Heiligenstadt ist wegen ihrer Mildtätigkeit und ihres religiösen Sinnes bekannt; doch hört man in der dortigen Synagoge noch kein lebendiges Wort der Belehrung. Es würde ihrem Religionslehrer, Herrn Levi, wohl nicht schwer fallen, diesem Übel nach Kräften zu steuern."    

   
Zur Verabschiedung des protestantischen Pfarrers (1853)  

Heiligenstadt AZJ 15081853.jpg (39529 Byte)Innerhalb eines Artikels "aus Bayern" in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. August 1853 erschien eine als "Kuriosum" charakterisierte Meldung: "...Zum Schluss ein Kuriosum: Die Vorstände der israelitischen Gemeinde in Heiligenstadt, - unseres Wissens weder heilig, noch eine Stadt - widmen dem von dort abgegangenen protestantischen Pfarrer ob seiner Humanität einen eigenen Nachruf im Korrespondent v. u.f.D. Das ist doch ein bisschen zu viel. Vielleicht nachrufen bald christliche Gemeinden abgehenden Rabbinern, bei denen sie gar oft, so wie jüdische Lehrer, in größerer Achtung als bei ihren jüdischen Gemeinden stehen. K."

      
      
      

Zur Geschichte der Synagoge         
    
Seit 1760 war eine "Synagoge" beziehungsweise ein Betsaal im Haus des Salomon Joseph Schlamb eingerichtet. 1811 wird von einer Synagoge im Haus des Moyses Mayer berichtet. Diese Betstube, die als düster, stickig und klein beschrieben wird, hatte Platz für etwa 30 Personen. Die Frauen waren in einem kleineren Nebenraum untergebracht. Für die damals 22 Kinder Kinder der Gemeinde wurde es ganz eng, wenn sie am Gottesdienst teilnehmen wollten. 
 
1818 plante die jüdische Gemeinde eine neuen Synagoge. Sie sollte nach Erwerb eines Anwesens im Hof zwischen Hauptstraße 20 und 22 erstellt werden. Freilich bekam die Gemeinde nicht die Genehmigung zum Bau einer solchen Synagoge. So blieb es bei der alten Betstube, auch wenn sie zuletzt nach den Worten des Distriktsrabbiners Dr. Eckstein (Bamberg) fast nur noch eine Ruine war; ein "der Verödung anheim fallendes Gebäude". Nach 1890 wurden kaum noch Gottesdienste in dem halb verfallenen Bethaus abgehalten, sodass die Heiligenstädter Juden an Fest- und Feiertagen die Synagoge in Aufseß besuchen mussten. 
    
    
Adresse/Standort der Synagoge:       Hauptstraße 17  
   
   
Fotos

Historische Aufnahme
(Guth s. Lit. S. 191)
Heiligenstadt Synagoge 100.jpg (80766 Byte)  
  Das Haus mit der Betstube (vor 1900)   
     
Das Grundstück heute
(Foto 2004: Jürgen Hanke, Kronach)
Heiligenstadt Synagoge 120.jpg (41794 Byte)  
  Das Grundstück des Hauses mit dem Betsaal
 wurde schon einige Zeit neu bebaut.
 
     
Erinnerung an frühere jüdische 
Wohnhäuser und Einrichtungen -
 Hinweistafel am Haus Marktplatz 3
(Foto: Jürgen Hanke, Kronach, Aufnahmedatum 21.5.2009) 
Heiligenstadt Judenhaus 010.jpg (43145 Byte) Heiligenstadt Hinweistafel 010.jpg (53852 Byte)
    Hinweistafel mit dem Text: "Ehemalige Judenhaus. Häuserzeile im 18.-19. Jahrhundert
 vornehmlich von Juden bewohnt. In diesem Anwesen gab es eine sogenannte Laubhütte für 
das jüdisch-religiöse Laubhüttenfest, im Nachbarhaus eine Mikwe zum rituellen Baden, 
die Judenschule befand sich in Hauptstraße 17."

   
     

Links und Literatur

Links:

Website des Marktes Heiligenstadt i.Ofr. 
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Heiligenstadt (interner Link)  

Literatur:  

Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 134.
Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 206-207.  
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 236.
Peter Landendorfer: Möglichkeiten der Quellenforschung am Beispiel Heiligenstadt. In: Jüdische Landgemeinden in Franken. Beiträge zu Kultur und Geschichte einer Minderheit. Schriften des Fränkische-Schweiz-Museum Bd. 2. Hg. vom Zweckverband Fränkische-Schweiz-Museum. S. 15-19.  
Klaus Guth (Hg.) u.a.: Jüdische Landgemeinden in Oberfranken (1800-1942). Ein historisch-topographisches Handbuch. Bamberg 1988. zu Heiligenstadt S. 186-194 (mit weiteren Quellenangaben).
Juedisches Leben FraenkSchweiz Lit.jpg (62242 Byte)Jüdisches Leben in der Fränkischen Schweiz. Hrsg. vom Arbeitskreis Heimatkunde im Fränkische-Schweiz-Verein. Erlangen; Jena: Palm und Enke. 1997. (Die Fränkische Schweiz - Landschaft und Kultur; Bd. 11. 
Enthält zu Heiligenstadt Beiträge von Peter Landendörfer: Heiligenstadt (S. 558-606) sowie "Jüdische Persönlichkeiten aus Heiligenstadt" (S. 764-770) und "Jüdischer Unterricht und Lehrplan" (S. 789-792). 

   
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Heiligenstadt  Upper Franconia. A few Jewish families settled in the 18th century under the protection of the nobles of the house of Stauffenberg. The community numbered 68 (total 436) in 1810. In 1902 it was attached to Aufsess and by 1910 no Jews were left.  
     
      

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 25. Oktober 2017