Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Augsburg  
Texte/Berichte zur jüdischen Geschichte der Stadt

Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Augsburg wurden in jüdischen Periodika gefunden. 
Bei Gelegenheit werden weitere Texte eingestellt. Letzte Einstellung: 2. Februar 2012. 
   
   Es konnten noch nicht alle Texte ausgeschrieben werden. Zum Lesen in diesem Fall bitte die Textabbildung anklicken.      
     
Übersicht:

Allgemeine Beiträge zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
-  Beitrag "Zur Geschichte der Juden in Augsburg" (mittelalterliche Geschichte, 1926)   
-  Beitrag von Dr. Ludwig Mayer über "Jüdisches Leben in Augsburg" (1928)   
-  Beitrag von Dr. Ludwig Mayer über "Juden in Augsburg in alter und neuer Zeit" (1937!)  
-  Über das Siegel der Augsburger Juden aus dem Jahr 1298  
-  Erinnerung an ein Gelöbnis der mittelalterlichen jüdischen Gemeinde im Jahr 1308 (Artikel von 1908)    
Bauarbeiten im Bereich des mittelalterlichen "Judenwalles" (1891) 
Aus der Geschichte des Rabbinates in Augsburg    
Ausschreibung des Distrikts-Rabbinates in Augsburg (1862)   
Anzeige von Distriktsrabbiner Dr. Hirschfeld (1864)    
Zum Tod von Rabbiner Dr. Heinrich Groß (1910)   
Beisetzung von Rabbiner Dr. Heinrich Groß (1910)   
Das Rabbinat in Augsburg wird mit Rabbiner Dr. Richard Grünfeld besetzt (1910)   
Über den neuen Distriktsrabbiner Dr. Richard Grünfeld (1910)    
Beitrag von Rabbiner Dr. Ernst Jacob über die "Paulus-Forschung der letzten Jahre" (1931) 
Beisetzung von Rabbiner Dr. Richard Grünfeld (1931)      
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und anderer Kultusbeamten sowie des Schulwesens   
-  Ausschreibungen der Stelle eines Vorbeters für die Hohen Feiertage (1874 / 1884)   
-  Ausschreibungen der Stelle eines Religionslehrers und zweiten Kantors (1889 / 1890)  
-  Kleine Panne beim Vorbeterdienst in der Synagoge (1893)   
-  Ausschreibung der Stelle eines Schochet und Religionslehrers (1895)   
-  50. Geburtstag von Oberkantor Wilhelm Heimann (1928)   
-  Zum Israelitischen Religionsunterricht in Augsburg (1930)   
-  Zum Tod von Samuel Steinfeld, Oberkantor in Augsburg seit 1895 (1933) 
Danksagung nach dem Tod des Bruders von Oberkantor Wilhelm Heimann (1935)       
40-jähriges Ortsjubiläum von Lehrer Dr. Ernst Fränkl (1936)    
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben  
-  15 Jahre vor Erlaubnis einer Ansiedlung: Jüdische Kaufleute aus Buchau feiern ein Festmahl zum 25. Jubiläumsfest des württ. Königs (1841) 
-  Augsburger Bürger sind gegen eine weitere Aufnahme von Juden in der Stadt (1856)   
Erlaubnis zur Bildung einer Kultusgemeinde (1861)   
-  Ein Grundstück zur Anlage eines Friedhofes wird von der Stadt zur Verfügung gestellt (1867)    
-  50 Jahre Wiederaufnahme von Juden in Augsburg (1906)   
-  Einweihung eines Gefallenendenkmals auf dem Israelitischen Friedhof (1920)   
-  Eröffnung des jüdischen Jugendvereins (1928)   
-  Haushaltsplan der Israelitischen Kultusgemeinde (1929)   
-  Mitgliederversammlung des Israelitischen Frauenvereins (1929)   
-  Aus dem jüdischen Gemeindeleben (1930)  
-  Haushaltsplan der Israelitischen Kultusgemeinde (1931)  
-  Aus dem jüdischen Gemeindeleben (1931) 
Bericht aus dem Gemeindeleben (März 1934)     
Über die Arbeit des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten (1934)  
Bericht aus dem Gemeindeleben (Mai 1935)  
Bericht aus dem Gemeindeleben (Juni 1935)      
-  Verbot der Stadtverwaltung für die Benutzung der städtischen Bäder durch jüdische Einwohner (1935) 
Aus dem jüdischen Gemeindeleben (im November 1936)     
Rückgang der Zahl der Gemeindeglieder (1937)  
Umzug der Chaluzim (1937)     
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Zum Tod des Bankiers und langjährigen Gemeindevorstehers S. Rosenbusch (1895)       
-  Zum Tod der Bankierswitwe Jeanette Rosenbusch (1901)   
-  80. Geburtstag von Fabrikant Oswald Binswanger (1902)  
-  Goldene Hochzeit von Heinrich Feist und Fanny geb. Obermeier (1903)   
Diamantene Hochzeit des Elias Veit'schen Ehepaares (1902)    
-  25-jähriges Jubiläum von Justizrat Ludwig Bauer als Vorstand der Gemeinde (1905) 
Erster Preis für Fritz Landauer an der Technischen Hochschule in München (1906)    
-  60. Geburtstag und 30-jähriges Amtsjubiläum des Gemeindevorstehers Justizrat Ludwig Bauer (1910)  
-  Zum Tod von Fabrikant Oswald Binswanger (1911)   
-  Die Witwe von Kommerzienrat Heinrich Landauer errichtet eine Wohltätigkeitsstiftung (1917)  
-  Zum Tod von Kommerzienrat Hugo Landauer (1929)   
-  Ehrung für den Kassier der Israelitischen Kultusgemeinde Max Schloss (1931)    
Zum Tod von Therese Einstein geb. Erlanger (1931)    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen       
-  Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe in Augsburg (1930) 
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe in Augsburg (1934) 
Hochzeitsanzeige für Siegfried Polatschek und Anny geb. Herrmann (1936)      
Weitere Dokumente zu Gewerbebetrieben in jüdischem Besitz   
Karte an die Firma Leiter & Neuburger in Augsburg aus Buttenwiesen (1881)  
Kartenbrief an Herrn Obermayer & Cassel, Cigarrenimport, Fuggerhaus (1898)   
Kaufhaus Georg Rosenberg in der Annastraße (Postkarte um 1910) 
Modewarengeschäft Max Ginsberger, Inh. Bernhard Loeb (Weberhaus, Ecke Untere Maximilianstraße) (um 1915/20)  
Dampfbrennerei, Likör- und Essigfabrik Jakob Binswanger & Cie. (Rechnung von 1915)  
S
chirm- und Taschengeschäft Jacob Oberdorfer in der Unteren Maximilianstraße, 1910-1920  
Postkarte an Hermann Weil, Maschinenfabrik in Augsburg-Pfersee (1923)   
Kaufhaus Schocken und Schuhgeschäft Polatschek (Postkarte Anfang der 1930er-Jahre)   
Ehemaliges Warenhaus Landauer (Postkarte von 1941)  
Weitere Dokumente zu Privatpersonen   
1919 von Hermann Baer (Oberdorf - Augsburg) nach Bopfingen verschickte Karte 
K
arte an Familie Moritz Rogger in Augsburg aus Bad Kissingen, versandt am 2. Juni 1922    
Karte an Betty Hamburger in Nördlingen von Familie Rogger (Augsburg), geschrieben am 10. Mai 1937    
    
           

      
   
Allgemeine Beiträge zur jüdischen Geschichte in Augsburg    
Beitrag "Zur Geschichte der Juden in Augsburg" (mittelalterliche Geschichte; 1926)   

Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 8. Februar 1926: "Zur Geschichte der Juden in Augsburg. Anlässlich der Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden zu Augsburg am 21. und 22. Februar entnehmen wir nachfolgende Schilderungen der von Rabbiner Dr. Grünfeld zur Einweihung der neuen Synagoge in Augsburger herausgegebenen Festschrift. Die Zeichnungen sind mit gütiger Erlaubnis von Herrn Prof. Ernst Liebermann (München) und dem Bezirkslehrerverein Augsburg der von letzterem Verein herausgegebenen Mappe "Augsburg" entnommen.   
Die Anfänge der jüdischen Gemeinde Augsburg sind in tiefes Dunkel gehüllt. Nur die Sage weiß zu berichten, dass schon vor der Tempelzerstörung (70 n.Chr.G.), ja sogar schon vor Christi Geburt Juden in Augsburg gewohnt haben. Der älteste urkundliche Bericht über die Juden in Augsburg stammt erst aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts, woraus wohl zu schließen, dass einzelne Juden bereits in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts in Augsburg ansässig waren. Das wird uns auch von anderer Seite bestätigt. Der um das Jahr 1200 in Regensburg lebende Rabbiner R. Jehuda Hachasid (der Fromme), der, nebenher bemerkt, für die den Hebräischen Unkundigen das Beten in der Landessprache empfiehlt, schreibt in seinem Testamente: 'In Augsburg soll kein Rabbiner wohnen, da er daselbst nicht lange leben wird' (vielleicht waren dort in rascher Aufeinanderfolge einige Rabbiner gestorben), und weiter: 'In Augsburg soll kein Kohen (Priester) wohnen, auch keiner, der Elieser heißt' (vielleicht aus demselben abergläubischen Grunde) und endlich: 'Auch soll kein Ehepaar nach Augsburg ziehen' (vielleicht aus der Befürchtung, dass eine neue jüdische Gemeinde in Augsburg das Schicksal ihrer Vorgängerin teilen könnte.).   
Der erste. in der Urkunde von 1212 erwähnte Jude schreibt sich: Joseph aus Augsburg. Aus den Jahren 1232 und 1242 sind nach überlieferten Inschriften auf Grabdenkmälern noch die Namen Eljakim und Rabbi Baruch erhalten. Über den Mystiker David von Augsburg wusste der gelehrte Rabbiner und Forscher Dr. Heinrich Groß seligen Andenkens viel Interessantes zu berichten. Um 1250 gab es hier bereits eine Judengemeinde und schon im Jahre 1270 (nach jüdischen Quellen) eine Judenverfolgung. Von einer Judengasse, einem Judenhaus, einem Judenfriedhof ist um dieselbe Zeit die Rede. 
Es ist wahrscheinlich, dass die Juden nicht unter einem gesetzlichen Zwange, sondern freiwillig in einer Straße und sodann, zahlreicher geworden, in einem Stadtviertel zusammenwohnten. Pflegten doch in den mittelalterlichen Städten überhaupt Leute derselben gewerblichen, sozialen oder kommerziellen Klasse bestimmte Straßen einzunehmen. 
Das Judenviertel umfasste die Anwesen C 278-282 am Judenberg, dann die Häuserreihe an der Nordseite der Weißen Gasse C 301-307, an der Westseite der Pfladergasse C 308 bis 317, an der Südseite des Elias Hollplatzes 318-327, an   
Augsburg Bayr GZ 08021926b.jpg (453073 Byte)der Ostseite des Unteren Hunoldsgraben 294-300 und and er Westseite des Unteren Hunoldsgraben 282-293. Übrigens taucht der Name Judenberg erst im Jahre 1404 in den Steuerbüchern auf, bis dahin hatte er 'Hegniberg' geheißen. Bis zum Jahre 1806 führte die jetzige Karlstraße, die im Mittelalter in etliche, ganz kleine Gässchen abgeteilt war, den Namen 'Judengasse', Die Anlegung dieser Gasse wurde den Juden von Kaiser Karl IV. im Jahre 1335 ausdrücklich gestattet. Diese Straße war überhaupt das eigentliche Judenviertel und wurde nächtlich oder an hohen christlichen Feiertagen durch Tore abgeschlossen.   
Das Judenhaus (domus Judaeorum) grenzte an die dem Domkapitel gehörige Schuhmacherhalle (domus calciatorium). Im Judenviertel stand selbstverständlich auch die Synagoge, der Judenfriedhof lag vor der Stadt in der Nähe der Heilig-Kreuz-Kirche gegenüber der Richtstätte. Auch ein Garten bei dem Judenkirchhof gehörte der Gemeinde.  
Die Gemeinde war, so meint ein Geschichtsforscher, im 13. Jahrhundert 'entweder sehr klein oder sehr arm', wahrscheinlich aber klein und arg zugleich. Das beweist das im Verhältnis zu anderen Städten geradezu unglaublich geringfügige Schutzgeld, das die Juden an die Stadtgemeinde zu entrichten hatten. Im Jahre 1290 muss es aber die Gemeinde schon zu Wohlstand gebracht haben, da sie vom Rat der Stadt die Erlaubnis erbittet und erhält, im Hause A 308 ein eigenes Badhaus (Badhus) zu errichten. Damit hatte es freilich eine eigene Bewandtnis. Die Juden hatten sich beim Rate beklagt, dass sie, ihre Kinder, ihr Gesind 'vil ungemacht' in den öffentlichen Badeanstalten, die damals, wie jetzt die Kaffeehäuser, Anstalten zur Unterhaltung und zum Vergnügen waren, von den mitbadenden Christen zu erleiden hätten. Da wurde ihnen denn die Errichtung eines eigenen Badhauses umso bereitwilliger gestattet, als das Fernbleiben der Juden von den öffentlichen Badeanstalten den ureigensten Wünschen des Rates entsprach.  
Noch in demselben Jahre durften die Augsburger Juden auch ein eigenes Tanzhaus (Tantzhaus) bauen. Es diente hauptsächlich zur Abhaltung von Hochzeitsfesten, bei welchen es stets sehr hoch herging, und wird darum anderswo ausdrücklich Hochzeitshaus oder Spielhaus genannt. In Augsburg, Rothenburg o.d. Tauber u.a. hieß es aber Tanzhaus.  
Außerdem besaß die Gemeinde einen Gemeindebackofen (Secki Isaak) der Schalantjud 1372 (Verwalter des Backofens und wohl nicht, wie andere meinen, von scholaren, Studenten) und eine eigene Fleischbank. Im Steuerbuch von 1346 heißt es auch: 'Daz sint der Juden Gut: des ersten verstuierent si die appotek für 100 Pfund den'. Wahrscheinlich war aber nur das Haus, in welchem sich die Apotheke befand, im Besitze der Juden.   
Die genannten Gemeindehäuser, der Friedhof (in den Steuerbüchern 'der Juden Comun', Gemeingut geheißen), die von Juden bewohnten Häuser der Judengasse waren wirkliches Eigentum der Juden, was schon daraus zu schließen, dass nach den einzelnen Austreibungen die Judenhäuser als herrenloses Gut behandelt und von der Stadt als willkommene Beute konfisziert wurden. Auch außerhalb des Judenviertels durften sie, wie aus den Steuerbüchern hervorgeht, Häuser erwerben, (von Hailigerutztor ab intra: domus Eberlin judei etc.), wenn auch nicht bewohnen, während den Juden sonst fast überall die Erwerbung und der Besitz von Grundstücken verboten waren.    
Selbstverständlich waren die Augsburger Juden, trotzdem sie später 'Bürger' wurden ('noster judeus N.N., factus est civis', heißt es im Bürgerbuch) und in den städtischen Büchern und Urkunden auch so genannt wurden, und trotzdem man sie am Ende des 14. Jahrhunderts sogar zur Erwerbung des Bürgerrechts zwang ('das niemen hie sizzen sol, er hab dann burgerrecht empfangen' 1397), samt und sonders Schutzjuden. 'Bürger sein' bedeutet für den Juden 'unter dem Schutz, unter dem Frieden der Stadt stehen'. Schon unter dem Umstand, dass man das Bürgerrecht nur für die Zeit der Geltung des Judenschutzes, dass man es auch für eine gewisse Zeit erwerben konnte (Michel von Ulm, der jude ist unser burger worden ain Jahre  usw,), charakterisiert zur Genüge dies Bürgerrecht der Juden. Auswärtige Juden konnten aber das Recht, vorübergehend hier zu wohnen, Warenlager zu halten (Aufenthaltsgeding) nur dadurch erwerben, dass sie Bürger wurden. Man unterschied also Juden mit Bürgerrechten und andere, 'die auf einem geding sitzen' und 'einen Handbrief haben', also nur zeitweilig den Schutz der Stadt genossen und anderswo 'Paktbürger' genannt wurden. Bei ihrem Wegzuge von Augsburg waren sie darauf bedacht, sich für den Fall ihrer Rückkehr die erworbenen Rechte zu erhalten und verpflichteten sich darum, auch während ihrer Abwesenheit eine Art Schutzgeld bezahlen. Das Steuerbuch 1425 enthält darüber folgende Bemerkung: 'A.D. MCCC vicesimo sexto an Aftermonat (Dienstag) nächst nach sant Michelstag ist josepp dem juden   
Augsburg Bayr GZ 08021926c.jpg (497153 Byte)von laugingen (Lauignen) sun (Sohn) durch einen raut (Rat) hie zu Augspurg gegünnt worden, sich gen laugingen zü setzen und alle jahr 3 fl. herein zu Stür (Steuer) zegeben, und wenne (wenn es) im (ihm) nitmer füglich sey, zu laugingen zesitzen, das er dem hie wiederein gen augsburg ziehn möge und das recht widerumb hab, als er sy dann vor gepept hant, die weyl der hie was als andere juden on alles erkaufen usw.'.  
Der Rat der Stadt nahm es mit der Pflicht, die Juden zu beschützen, meist ernst, nicht blos im wohlverstandenen eigenen Interesse, sondern auch aus einem gewissen Rechtlichkeitsgefühl. Stets wurden - nach dem Achtbuch - die Personen aus der Stadt gewiesen, die einen Juden misshandelt, geschlagen, getötet oder Unruhen gegen die Juden erragt hatten. Aber irgendwelche aktive Bürgerrechte hatten die Schutzjuden nicht. 
Es ist interessant, zu erfahren, wie sich das Institut des 'Judenschutzes' herausgebildet hat. Die Juden waren Eigentum des Kaisers. Dieser konnte über seinen Besitz - Leib und Leben ausgenommen - natürlich frei verfügen, er durfte seinen Kammerknechten zu jeder Zeit außerordentliche Steuern auferlegen, ein Recht, von welchem der weitgehendste Gebrauch gemacht wurde, er konnte sie verkaufen, verschenken und verpfänden. Sehr bezeichnend heißt es in einem kaiserlichen Dekret: 'Die Hälfte des 'Genusses' von den Juden ist an die Kammer abzugeben.'  Das Recht, Juden aufzunehmen und zu halten, wurde als Gnadengeschenk an die freien Städte, an geistliche und weltliche Fürsten auf Zeit (10, 12, 20 Jahre) verliehen. So kam es z.B., dass in Augsburg der Judenschutz bald in den Händen des Bischofs, dessen oberster Beamter der Burggraf war, bald in den Händen der Stadt lag, ja dass es Zeiten gab, da ein Teil der Augsburger Juden dem Bischof, ein anderer Teil der Stadt unterstellt waren. (Vielleicht ist darauf der Umstand zurückzuführen, dass die Juden in zwei getrennten Straßenzügen, wovon der eine bis an die Bischofsstadt reichte, wohnen). So kam es auch, dass die Kaiser für eine Schuld an irgendeine Persönlichkeit dieser 'seine Juden', d.h. seine Ansprüche an die Juden, verpfändete. Später, wohl nach 1348, hat sich neben dem allgemeinen Schutz- und Abhängigkeitsverhältnis gegenüber dem Kaiser auch ein solches dem Rate gegenüber entwickelt. An beide waren dann Schutzgelder zu zahlen. Nach den Baumeisterrechnungen, (die Baumeister waren ehrenamtliche Verwalter der städtischen Finanzen) waren es nicht unbedeutende Summer, die die Stadt empfing; wir hören von 100, 300, 600 Pfr. Es ist darum verständlich, dass die Stadt im Jahre 1311 einige vom, Kaiser gefangene Juden loskauft, um sie eben als Steuerobjekt nicht zu verlieren.  --
Über die rechtlichen und teilweise auch sozialen Verhältnisse der Juden gibt das Stadtrecht von 1276 die nötigen Aufschlüsse. Bischof Hartmann, durch vielfache, auch kriegerische Unternehmungen in Not geraten, musste 1270 allerlei 'Gerechtigkeiten' an den Rat der Stadt verkaufen, u.a. auch den Judenschutz. Da wurden denn 1276 die Juden Gegenstand der städtischen Gesetzgebung.   
Die Juden bildeten demnach nicht bloß eine religiöse, sondern auch eine selbständige politische Gemeinde. Sie waren also der städtischen Obrigkeit nicht unterstellt und hatten auch die Gerichtsbarkeit über ihre Angehörigen. Solche 'Eximierung' entsprach den Gewohnheiten des Mittelalters überhaupt (auch in Bezug auf manche andere Stände), so auch den eigenen Wünschen der Juden. Besonders die eigene Gerichtsbarkeit, die man ihnen nach dem ehemals geltenden Grundsatze einräumte, 'dass jeder nach seinem Volksrechte abgeurteilt werden solle', war sicherlich ganz und gar nach ihrem Geschmacke. Die Gemeindevertretung bestand aus dem Judenmeister und aus einem von den jüdischen Steuerzahlern gewählten Rate von 12 Mitgliedern. In den Händen des Rats lag die eigentliche Gemeindeverwaltung in die Verwaltung der Stiftungen, (welche Selgeret hießen = Seelgeräte, Zuwendungen von Gaben, Diensten, Geräten 'um der Seele willen'. Daher wurden auch manche Wohltätigkeitsanstalten 'Seelhäuser' genannt.) Der Rat vertrat die Gemeinde dem Reiche und der Stadt gegenüber und führte das Amtssiegel. Auf dem Siegel der Augsburger Gemeinde befand sich der zweiköpfige kaiserliche Adler und ein mit Schnüren verzierter Judenhut. Die zweisprachige Umschrift lautet: 'S. (Signum) Judeorum Augusta', und sodann hebräisch: 'Siegel der Augsburger Juden'.  
War die Synagoge der religiöse Mittelpunkt der Gemeinde, so bildete die Judenschule den kommunalen; sie war Rathaus und Gerichtsgebäude zugleich. Der Judenmeister galt als Judenrichter, die 12 Männer des Gemeinderats fungierten bei Gerichtsverhandlungen als Schöffen. Natürlich erstreckte sich die Kompetenz des jüdischen Gerichts nur auf die Streitigkeiten der Juden untereinander, und Leibesstrafen konnte nur der Vogt verfügen.  
Bei Streitigkeiten zwischen Christ und Jud trat ein gemischtes Gericht aus 12 Christen und 12 Juden bestehend zusammen.
Augsburg Bayr GZ 08021926d.jpg (493277 Byte)Die Verhandlung fand 'uff der juden schuele' statt, den Vorsitz führte der Vogt. Nach der Majorität der abgegebenen Stimmen wurde das Urteil festgestellt.   
Diese schöne Bild der Rechtsgleichheit wurde indes durch manchen Zug getrübt. Der Christ, der eigene Juden überführen wollte, brauchte dazu einen christlichen und einen jüdischen Zeugen, während der Jude seine Aussage nur durch christliche Zeugen bestätigen lassen konnte.    
Wahrhaft entehrend und demütigend waren aber erst die Formalitäten des Judeneides. Während des ganzen Mittelalters und allerorten bemühte man sich eifrigst, den Judeneid mit raffiniert hässlichen Formen auszustatten. Hier in Augsburg war die Prozedur verhältnismäßig gnädig. 'Erstlich soll der Jud auf ain Schweinhaut steen und sollen die Buecher Mosy vor ihm ligen und soll die gerecht handt in dem Buche ligen und der Christ im also vorsprechen nach jüdischer Art, der ihm den Aydt gibt.' Auch fehlte in der Augsburger Eidesformel die Hausforderung göttlicher Strafgerichte über den meineinigen, also gerade jener Bestandteil, der für die Juden so überaus kränkend war. Für den Eid, den gewöhnlich der Beklagte zu leisten hatte, und für den man dem Juden 14 Tage frist gab. haben wir in Augsburg zwei verschiedene Fassungen, die aus einer älteren (wohl hässlicheren) hervorgegangen zu sein scheinen. Die eine lautet: Umb die inziht (Beschuldigung), als mich der man N. geschuldigt haut, derselben Sache bin ich unschuldig mit wortten, mit werchen (Werken), mit allen Sachen. Daz daz war si, des swer (schwör') ich bei dem Gott, der hymel und etrich (Erdreich) geschaffen haut und allein geschepft (geschaffen hat), des swer ich bei der e (Gesetz), die Gott selber schraib mit siner hant und die gab dem herren heren Moysen in monte Synay. Den ait, den ich gesworen haun, der ist waer und reht, als waer mir helf diu hailig geschrift der fümf buoch heren Moyses.' Die andere Fassung, die nur in lateinischer Sprache vorliegt, stimmt inhaltlich mit der ersten überein. Für alle Fälle, wo die Eidesleistung gefordert war, reichte die erwähnte Eidesformel nicht aus; und so muss es wohl noch eine andere gegeben haben.    
Dass der Eid in der Synagoge abgenommen ward, beweist auch ein kleiner durchlöcherter, im Achtbuch liegender Pergamentzettel, auf dem zu lesen, dass im Jahre 1381 der damalige Judenmetzger  Chiskijah, genannt Hartmann - übrigens ohne Angabe von Gründen - geächtet wurde. Der Bürgermeister Rapolt kommt am Freitag, 1. Adar mit Hartmann in die Synagoge und lässt diesen dort vor den Gemeindevertretern nach jüdischer Art schwören, dass H. sich innerhalb der nächsten 10 Jahre der Stadt Augsburg und deren Umgebung innerhalb von 6 Bannmeilen nicht näheren werde. Der Urkunde fehlen Unterschrift und Siegel. Warum sie abgeschnitten wurden, ist nicht zu ermitteln.    
Das Augsburger Stadtrecht behandelt, was bei ihrer Beschäftigung nicht weiter verwunderlich st, sehr ausführlich der Juden Pfandrecht. Die Juden pflegten sich nämlich, um sich gegen den Verlust des dargeliehenen Geldes zu sichern, außerdem dem Schuldbrief noch ein Pfand vom Entleiher geben zu lassen. Für alle in dieser Beziehung nur möglichen Differenzen zwischen Christen und Juden sind Bestimmungen getroffen, Die Rechtsprechung hat hier in de Händen des Burggrafen.    
Das Strafrecht behandelt die Juden ganz anders wie die Christen. Ein auf frischer Tat ergriffener jüdischer Dieb wurde womöglich sofort dem Gerichtet vorgeführt. Sollte ein Jude gehängt werden, so setzte man ihm einen Judenhut mit brennendem Pech aufs Haupt. Wurde er gleichzeitig mit einem Christen exekutiert, so hängte man ihn außerhalb des Galgens an einem Balken auf, um ihn von dem Christen zu unterscheiden. Am furchtbarsten wurden die Fleischesverbrechen zwischen Juden und Christen bestraft. Die Überführten wurden lebendig verbrannt. Die Praxis wurde später milder. So wurde im Jahre 1590 ein Jude, der sich vorübergehend in Augsburg aufhalten durfte und mit einer Christin Ehebruch getrieben hatte, 'nur' mit Peitschen ausgehauen. In einem anderen Falle wurde der Jude Seligmann zu 20 fl. Geldstrafe verurteilt, die mitschuldige Christin aber viel schwerer bestraft. 'Elia Meyerin soll man auf einen Karren setzen, ihre 'Arme' blos lassen, ihr Haar zertun, kein Tuch auf dem Haupt haben, ein Judenhütlein darauf setzen, also durch die Stadt und dann zur Stadt hinausführen'. Das Achtbuch weiß von solchen Fällen noch manches zu erzählen.    
Der Übertritt eines Christen zum Judentum wurde schon 1246 mit dem Tode bestraft und im Jahre 1265 R. Abraham, Sohn unseres Stammvaters Abraham (hebräischer Name für einen Proselyten), welcher das Christentum verlassen und sich zur jüdischen Religion bekannt hatte, grausam gefoltert und am Freitag, Neumond Kislew verbrannt. Das Stadtrecht brauchte daher diese 'Übung' nicht erst gesetzlich festzulegen.  
Die Augsburger Juden stammten zumeist aus den Nachbargebieten. Die Steuerbücher und sonstige Urkunden führen als Heimat der Eingewanderten auf die Dörfer und Städte:  
Augsburg Bayr GZ 08021926e.jpg (171362 Byte)Aychach, Biberach, Bischofsheim, Buren (Kaufbeuren), Burgau, Dillingen, Friedberg, Frisingen, Graz (?), Günzburg, Harburg, Höchstetten, Jettingen, Ingolstadt, Landsberg, Lauingen, Kufstein, Memmingen, Mindelheim, Müllerstadt, München, Neuburg, Nördlingen, Nürnberg, Ottelsried, Öttingen, Pappenheim, Rothenburg, Seyfriedsberg, Straßburg, Straubing, Sulz, Ulm, Weißenhorn, Werd (Donauwörth), Wertingen, Zürich, Zusmarshausen usw.  - -
Hatten es die Juden, nachdem ihre, bisher stetigem Schwanken ausgesetzten rechtlichen Verhältnisse durch das Augsburger Stadtrecht gesetzlich geregelt worden waren, und durch ihre rege Beteiligung am Geld- und Warenhandel in verhältnismäßig kurzer Zeit zu Wohlstand gebracht, so wussten sie von ihm auch einen weisen Gebrauch zu machen.   
Im Jahre 1298 inszenierte der fränkische Edelmann Rindfleisch fast in ganz Deutschland blutige Judenverfolgungen. Weil aber der Augsburger Rat, anscheinend wider alles Erwarten, die auch in hiesiger Stadt herrschende Erregung gegen de Juden niederhielt und die Juden in Schutz nahm, erboten sich die Juden aus Dankbarkeit, vor ihrem Friedhof am heiligen Kreuztor bis an den Graben innerhalb 4 Jahren eine Mauer zu bauen 'der stat ze ehren und zu nuz und dem richen zu dienst'*, eine Mauer, 'so hoch und so dick', wie die Vertreter der Stadt es nur wünschen mögen. Die Urkunde darüber beginnt mit den Worten: 'Wir Benditte, Jüdlin sin sun, Michel, Lambt, Aron sin bruder, Ostermann, Josef von Werde (Donauwörth), Mosman sin sun, Josef von Biberach und sin tochtermann Mans, Libermänin und ir sun Saelikman, Choewellin Fridebach, Josef von Mülerstat, Jäcklin und diu gemain de juden in der stat ze Auspurch'. Die Juden hielten ihr Wort: Das Stück der von den Juden errichteten Stadtmauer bekam den Namen 'Judenpastey'. Und wenn die Judengemeinde im Jahre 1308 'gelopt', für den ihr zu gewährenden Schutz der Stadt die bedeutende Summe von 500 Pfund zu bezahlen, so mag dabei die Erkenntlichkeit für bereits gewährten Schutz schwer ins Gewicht gefallen sein.   
Überhaupt muss um diese Zeit die Augsburger Judengemeinde großes Ansehen genossen haben, da ihre Verhältnisse für andere Gemeinden vorbildlich wurden. Die Gemeinden in München, Ingolstadt, Nördlingen, Zürich, Schaffhausen, Winterthur usw. erhielten vom König Ludwig dem Bayern die Privilegien der Augsburger Juden."      

   
Beitrag von Dr. Ludwig Mayer über "Jüdisches Leben in Augsburg" (1928)    

Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Juni 1928: "Jüdisches Leben in Augsburg. Von Referendar Ludwig Mayer, Augsburg.   Das moderne jüdische Gemeinschaftsleben, wie es seit der Emanzipation sich herauskristallisiert hat, trägt durchaus andere Merkmale, als dies noch um das Jahr 1700 der Fall war. Im Ghetto war die Förderung jüdischen Lebens in allen Zweigen des Daseins Selbstverständlichkeit und Notwendigkeit. Selbstverständlichkeit - weil der Ghettojude allein auf die jüdische Gemeinschaft angewiesen war und nur in ihr sich behaupten konnte, Notwendigkeit - weil diese Gemeinschaft den einzigen Gesellschaftskomplex darstellte, auf dem er zu einer schöpferischen Entfaltung seiner Kräfte gelangen konnte. Eine Spaltung in privates und öffentliches jüdisches Sein war undenkbar, der Individualwille ging in dem der Gesamtheit auf, der seinerseits rückströmend ersteren befruchtete. Die Betrachtung und Bewertung der Intensität des damaligen jüdischen Lebens muss sich daher auf die Totalität, auf alle Verzweigungen des Daseins der damaligen jüdischen Menschen erstrecken.  
Der Emanzipations- und als seine Folge der Assimilationsprozess haben die engen Bande, die zwischen dem einzelnen Juden und der jüdischen Gemeinschaft bestanden, wesentlich gelockert. Eine neue Umwelt tat sich auf, vielfältige Beziehungen wirtschaftlicher, kultureller und politischer Art verknüpfen heute den deutschen Juden mit der nichtjüdischen Welt. Was früher unentrinnbares Schicksal war, die Zugehörigkeit zur jüdischen Gemeinschaft, wird heute freie Willensbestimmung, die eine abgestufte Skala von Intensitätsgraden hinsichtlich der Beteiligung am jüdischen Leben zulässt. Wenn man diese veränderte Sachlage berücksichtigt, wird man bei der Bewertung des jüdischen Lebens der Gegenwart in der Pflege und Erhaltung der jüdischen Komponente unseres Daseins das entscheidende Kriterium erkennen müssen.     
Unter den dargelegten Gesichtspunkten soll das jüdische Leen in Augsburg, in Vergangenheit und Gegenwart, einer kurzen Betrachtung unterzogen werden.   
Die Geschichte der Juden in Augsburg (Anmerkung: Die folgenden historischen Daten sind der ausgezeichneten Darstellung des Augsburger Bezirksrabbiners Dr. Grünfeld: 'Ein Gang durch die Geschichte der Juden in Augsburg', Augsburg 1917, entnommen) ist fast so alt und wechselvoll wie die der Stadt selbst. Angeblich sollen schon in der römischen Ansiedlung Augusta Vindelicorum Juden gewohnt haben. Die frühesten urkundlichen Beweise für das Auftreten der Juden in Augsburg stammen aus dem beginnenden dreizehnten Jahrhundert. Um das Jahr 1290 scheint die jüdische Gemeinde in Augsburg eine ziemliche Ausdehnung und Bedeutung erlangt zu haben. Wir hören von einem reichen vielgestalteten Gemeindeleben: Die Gemeinde besitzt neben der Synagoge einen Judenfriedhof, ein Judenhaus (vermutlich das jüdische Rathaus), ein eigenes Badhaus, Tanzhaus und andere gemeindliche Einrichtungen. Der körperschaftliche Aufbau der Gemeindeorganisation gipfelt in einer eigenen jüdischen Gemeindevertretung, bestehend aus einem Judenmeister und zwölf gewählten Räten. Für Streitigkeiten zwischen Juden war die Kompetenz eines jüdischen Gerichtshofes gegeben. Auf ein hochstehendes und ausgebreitetes religiöses Leben weist das Wirken einer Reihe von berühmten Rabbinern, darunter vorübergehend auch dar Rabbi Meir von Rothenburg, hin. 
Um die Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts begann die Vertreibung der Juden aus Augsburg, die sich dann in den Augsburg benachbarten Orten, wie Kriegshaber, Steppach, Pfersee und Göggingen ansiedelten. Erst die zur Beginn des neunzehnten Jahrhunderts einsetzende Emanzipation der deutschen Juden hat den dauernden Aufenthalt von Juden und damit die Bildung einer jüdischen Gemeinde zum zweiten Male in Augsburg ermöglicht.     
Die israelitische Kultusgemeinde Augsburg, die zu den jüdischen Großgemeinden zu rechnen ist, zählt heute etwa zwölfhundert Seelen. Ihr religiöser Mittelpunkt ist die im Jahre 1917 eingeweiht Synagoge, ein in künstlerischer Hinsicht sehr bemerkenswerter Bau, der unter den in Augsburg gewiss reichlich vorhandenen architektonischen Sehenswürdigkeiten einen hervorragenden Platz einnimmt. Ihrer religiösen Einstellung nach steht die große Mehrzahl der Gemeinde auf liberalem Boden, wobei der stete Zuzug aus kleineren Orten - eine für die gegenwärtige soziologische Situation des deutschen Judentums symptomatische Erscheinung - eine etwas konservative Färbung aufweist. 
Das Tätigkeitsgebiet der jüdischen Gemeinde in Augsburg erschöpft sich heute - wie in zunehmendem Maße in den anderen jüdischen Großgemeinden - nicht mehr allein in der Verwaltung von Kultusangelegenheiten. Die soziale Arbeit, gerade nach den Erschütterungen, die Krieg und Inflation dem jüdischen Mittelstand zufügten, ist heute ein integrierender Bestandteil der Gemeindearbeit geworden, die in Augsburg von einer Wohlfahrtsstelle der jüdischen Gemeinde als der Zentralstelle der Augsburger jüdischen Wohlfahrtstätigkeit einheitlich geleitet wird. Zu ihrer Ergänzung wirken im Geiste lebendiger jüdischer Religiosität, als Chewrah Kadischah, der Israelitische Männer- und der Israelitische Frauenverein.       
Der Pflege und Verbreitung jüdischen Wissens dienen die von der Gemeinde unterhaltene und ständig weiter im Ausbau begriffene Gemeindebibliothek, sowie eine gut ausgestattete Lesehalle. Diese kulturellen Bestrebungen finden ihre Resonanz in den alljährlich in den Wintermonaten von der Gemeinde veranstalteten jüdischen Vorträgen, von denen die im letzten Jahre gehaltenen der Herren Dr. Martin Buber, Rabbiner Dr. Baeck und Dr. Ernst Simon (Frankfurt am Main) besondere Erwähnung verdienen. 
Bei der Beurteilung jüdischen Lebens innerhalb einer Gemeinde darf das Vereinsleben nicht übersehen werden. Gerade die jüdischen Vereine, denen heute in weit höherem Maße gesellschaftsbildende Kräfte als der Gemeindeorganisation als solcher zukommen, sind in ihrer Gesamtheit heute ein wichtiger Faktor zur Verlebendigung des Gemeindelebens. In Augsburg sind die hauptsächlichen deutsch-jüdischen Organisationen durch Ortsgruppen vertreten, deren Arbeiten und Vorträge ein getreues Abbild von den religiösen und politischen Strömungen im Judentum der Gegenwart darstellen.   
In einer der letzten Nummern dieser Zeitschrift (Anmerkung: 1928, Nr.7: 'Zur Einführung der 'Bayerischen israelitischen Gemeindezeitung' in Augsburg) war bereits ausgeführt, dass die Bestrebungen des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden auch in Augsburg
lebhaftem Interesse begegnen, das auch der Verband seinerseits zu würdigen verstand, als er vor einigen Jahren in den Mauern Augsburgs eine erfolgreiche Tagung abhielt. Dass die Bestrebungen, die auf die Schaffung eines Gesamtverbandes der deutschen Juden hinzielen, sowie die Tendenzen innerhalb der Weltjudenheit: Palästinaaufbau, Krimkolonisation, Weltkonferenz für liberales Judentum - um nur einige der wichtigsten Brennpunkte jüdischen Geschehens zu nennen - mit Anteilnahme verfolgt werden, bedarf keiner näheren Ausführung. 
Was die Zukunftsaufgaben der jüdischen Gemeinde und mithin die Zukunftsmöglichkeiten jüdischen Lebens in Augsburg betrifft, so wird es in erster Linie immer wieder darauf ankommen, gegenüber Abbröckelungstendenzen innerhalb der Gemeinde eine einheitliche Front derer zu schaffen, die sich für ein gesteigertes jüdisches Leben auch in zukünftigen Zeiten verantwortlich fühlen. Zu dessen Verwirklichung bedarf es einer prinzipiellen Koordination aller Institutionen und Vereinigungen, die an einem starb entwickelten jüdischen Gemeinschaftsleben interessiert sind. Besonders die Pflege eines wachen und tätigen jüdischen Geistes innerhalb der heranwachsenden Jugend und die nachhaltige Unterstützung aller solcher Bestrebungen muss eine der vornehmsten Aufgaben der Gemeinde sein. Es darf in diesem Zusammenhang die erfreuliche Tatsache vermerkt werden, dass der bisher nur mehr formell bestehende Jüdische Jugendverein im Herbst dieses Jahres eine energische und umfassend Reaktivierung erfahren wird, um wieder zu einem geistigen Mittelpunkt der gesamten jüdischen Jugend in Augsburg zu werden.
Die jüdische Kultusgemeinde Augsburg hat im Vergleich zu den großen Zentren des deutschen Judentums, dessen Nöte und Kämpfe auch die ihrigen sind, gewiss eine mehr untergeordnete Bedeutung. Jedoch die numerische Begrenztheit der Gemeindearbeit hinsichtlich der Mittel und des Raumes braucht noch nicht eine solche des Lebens und des Geistes zur Folge haben. Denn gerade dieser Sachverhalt wird einer Intensivierung der zu bewältigenden Aufgaben in vielem recht förderlich sein. Auch an dem jüdischen Leben in Augsburg, Gegenwart und Zukunft überblickend, erfüllt sich die Wahrheit des Goetheschen Wortes: 
Wie fruchtbar ist der kleinste Kreis, Wenn man ihn wohl zu pflegen weiß!"    

   
Beitrag von Dr. Ludwig Mayer über "Juden in Augsburg in alter und neuer Zeit" (1937!)   

Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. August 1937:     
   
   

     
Über das Siegel der Augsburger Juden aus dem Jahr 1298 

Abbildung in der Zeitschrift "Menora" - Jahrgang 1928 Hefte November/Dezember S. 668: 
"Siegel der Augsburger Juden aus dem Jahre 1298".     
    
Artikel in der Zeitschrift "Der Orient" vom 29. Januar 1842: "Ein Siegel der Juden zu Augsburg vom Jahre 1298.  Paul von Stetten zitiert in seiner Geschichte von Augsburg (Anmerkung: erschienen 1743 Frankfurt und Leipzig) I S. 81 und 85 eine Urkunde vom Jahre 1298, in welcher sich die in Augsburg wohnenden Juden aus Dankbarkeit dafür, dass der Rat der Stadt sie bei den damaligen an vielen Orten Deutschlands stattfindenden Judenverfolgungen (Anmerkung: auf die ich ein anderes Mal noch zurückzukommen gedenke) kräftig geschützt hatte, verpflichten: 'binnen vier Jahren auf ihre Kosten eine Mauer vor ihrem Kirchhofe, von der Stadtmauer beim Heiligen Kreuz an bis an den Stadt-Graben, in der Höhe und Dicke, wie ihnen selbige von den beiden Stadtpflegern Hartmann Langenmantel und Conrad Lang angezeigt werden würde, zu erbauten.' Diese Urkunde, die Stetten vor sich gehabt hat, die er aber nur im Exzerpt mitteilte, ist besonders deshalb merkwürdig, weil ihr das Siegel der damaligen Augsburger Juden angehängt war. Stetten hat dies Siegel in seinem Buche S. 70 abdrucken lassen und ich teile es hier den Lesern dieser Blätter mit: 
...   
Die Zeichnung stellt den zweiköpfigen kaiserlichen Adler dar, zwischen dessen Köpfen sich ein runder Hut mit herabhängender doppelt befestigter Schnur befindet. 
Die Umschrift: - - Siegel der Augsburger Juden und S(IGILLUM). JUDAEORUM IN AUGUSTAE. (ORBE?)."   

   
Erinnerung an ein Gelöbnis der mittelalterlichen jüdischen Gemeinde im Jahr 1308 (Artikel von 1908)  

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. Oktober 1908:      

  
Bauarbeiten im Bereich des mittelalterlichen "Judenwalles" (1891)   

Augsburg Israelit 07051891.jpg (245801 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Mai 1891: "Augsburg, 24. April (1891). Gegenwärtig wird hier der sogenannte Judenwall, doe nordwestliche Bastei der alten Stadtbefestigung, abgetragen, um einem Gefängnisbau Platz zu machen. Beim Abbruch derartiger Objekte rechnet man gewöhnlich darauf, irgendwelche Funde zu machen, die aber bis jetzt am Judenwall noch ziemlich spärlich sind. Nur einige zersprungene Steinkugeln und ein roh zugehauener Sandstein mit einer Inschrift wurden ausgegraben. Dieser Stein aber ist von einigem Interesse, weil er in unverkennbarem Zusammenhang mit der Geschichte des Walles steht. Er ist nämlich ein israelitischer Grabstein mit hebräischer Inschrift, wie solche in der Einfahrt und im Hofraum des Hauses Peutingerstraße D. 95, in die Wände eingemauert, noch mehrfach erhalten sind. (Die Erhaltung dieser Steine ist dem gelehrten Stadtschreiber Dr. Konrad Peutinger zu verdanken, der am 28. Dezember 1547 im 82. Lebensjahre in diesem Hause starb.) Nun wissen wir, dass an der Stelle des Judenwalles früher ein israelitischer Begräbnisplatz war, welchem ohne Zweifel der gefundene Stein entstammt. Von diesem jüdischen Begräbnisplatze, der schon im 13. Jahrhundert bestand, hat ersichtlich auch der später dort errichtete Wall seinen Namen bekommen. In den Jahren 1298-1302 erbauten die Juden auf eigene Kosten die Stadtmauer an ihrem Begräbnisplatz, und zwar vom alten Zeuggässchen an bis zur Wertachbrucker Mauer, wie die Chroniken schreiben, aus Dankbarkeit für erhaltenen Schutz. Aber die Zeiten änderten sich und 1438 wurden alle Juden aus Augsburg ausgewiesen und zogen auch 1440 ab. An dieses Ereignis knüpft sich eine interessante Episode der Augsburger Geschichte. Die Augsburger bauten damals ein Rathaus und verwendeten dazu kurzer Hand etwa 200 Grabsteine von dem nach Austreibung der Juden entbehrlich gewordenen Begräbnisplatze als Baumaterial. Nun erregte, wie 'Fugger's Ehrenspiegel' (5. Buch Kapitel 10) meldet, der damalige Rathausbau so allgemeines Aufsehen, dass man glaubte, die Augsburger müssten durch Vertreibung der Juden sich beträchtlich bereichert haben. Der kaiserliche Insiegelbewahrer von Mörsber brachte es deshalb beim Kaiser dahin, dass in der kaiserlichen Kanzlei nachgeforscht wurde, ob den Augsburgern das Privilegium erteilt worden sei, die dem kaiserlichen Kammergericht unterstehenden Juden vertreiben zu dürfen. Da sich hierüber nichts vorfand und auch der Augsburger Rat keine schriftliche Erlaubnis vorzulegen vermochte, wurde die Sache dahin ausgeglichen, dass die Augsburger dem Kaiser 12.000 Gulden Strafe zahlen mussten. Jeder der 200 Steine kam ihnen demnach auf 60 Gulden oder ca. 360 Mark zu stehen, da der Gulden damals etwa 6 Mark jetzigen Geldes wert war. 1455 wurde der Begräbnisplatz vollständig eingeebnet und zu den Festungswerken gezogen, 1518-1523 eine Bastei daselbst errichtet und dieselbe, die nur schlecht aufgeworfen worden war, 1531 besser angelegt und zu einer wirklich Bastion nach der italienischen Befestigungsmanier ausgebaut. Seine letzte Gestaltung und Einrichtung hat der 'Judenwall' in den Jahren 1807 bis 1809 bekommen."        

    
   

Aus der Geschichte des Rabbinates in Augsburg
   

1861 wurde eine selbständige Israelitische Kultusgemeinde in Augsburg gegründet. Bereits im folgenden Jahr 1862 wurde der Sitz des Distriktrabbinates von Kriegshaber nach Augsburg verlegt.  
   
Ausschreibung des Distrikt-Rabbinates in Augsburg (1862)    

Augsburg AZJ 01071862.jpg (63445 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Juli 1862: "Das Distriktsrabbinat in Augsburg, zu welchem die nahe gelegenen Kultusgemeinden Kriegshaber, Pfersee und Steppach gehören, ist zu besetzen. Die Stelle wird vorläufig in provisorischer Eigenschaft vergeben. Damit ist - ohne Einrechnung herkömmlicher Gebühren - ein fixer Jahresgehalt von Gulden 1.200 verbunden. Bewerbungen sind unter Beilegung entsprechender Zeugnisse binnen zwei Monaten an den unterzeichneten Ausschuss einzusenden.  Am 25. Juni 1862. Der Ausschuss der israelitischen Kultusgemeinde Augsburg."  
Auf diese Ausschreibung bewarb sich erfolgreich der liberale Rabbiner Dr. Jakob Heinrich Hirschfeld (aus Fünfkirchen; Rabbiner in Augsburg von 1863 bis 1870). 
Die Rabbiner in Augsburg waren im 19./20. Jahrhundert: 
1863 - 1870  Dr. Jakob Heinrich Hirschfeld  
1875 - 1910  Rabbiner Dr. Heinrich (Henoch Ben Elijahu) Groß      
1910 - 1929  Rabbiner Richard (Jizchak Ben Elieser) Grünfeld  
1929 - 1938  Rabbiner Ernst Jacob   

   
Anzeige von Distriktsrabbiner Dr. Hirschfeld (1864)   

Augsburg Israelit 10021864.jpg (86896 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Februar 1864: "Eltern, die ihre Töchter an trefflichen Lehranstalten eine höhere Ausbildung angedeihen zu lassen und Augsburg wegen seines gesunden Klima's vorzuziehen geneigt sein dürften, erbietet sich eine Dame von höherem Stande und höherer Bildung Mädchen nach zurückgelegtem 7. Lebensjahre in ihrem Hause unter annehmbaren Bedingungen aufzunehmen. Nebst häuslichem Komfort und der Beaufsichtigung und Leitung in Arbeiten der Instituts-Aufgaben von Seite der Dame wird auf wahre Herzens- und Geistesbildung hingestrebt werden. Der Religionsunterricht wird sowie die öffentlichen Religionsschulen des Distriktes unter Überwachung und Leitung Seiner Hochwürden des Herrn Distrikts-Rabbiners Dr. Hirschfeld stehen; auch kann gegen besondere Vergütung Klavier- und Singunterricht erteilt werden. 
Reflektionen belieben sich zu wenden an Seine Hochwürden Herrn Distrikts-Rabbiner Dr. Hirschfeld in Augsburg."       

     
Zum Tod von Rabbiner Dr. Heinrich Groß (1910)  

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. Februar 1910: "In Augsburg starb im Alter von 75 Jahren Rabbiner Dr. Groß. Der Verblichene stammte aus Ungarn, besuchte das Breslauer Rabbinerseminar, war zuerst Rabbiner in Groß-Strehlitz und seit 1875 Rabbiner in Augsburg. Neben seiner umfangreichen amtlichen Tätigkeit war er auch auf wissenschaftlichem Gebiete ein gelehrter und fleißiger Arbeiter. Sein Hauptwerk, die Gallia judaica, erschien in Paris im Jahre 1897."      

  
Beisetzung von Rabbiner Dr. Heinrich Groß (1910)   

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Februar 1910: "Augsburg, 9. Februar (1910). Ein imposantes Trauergefolge erwies am 2. dieses Monats den sterblichen Überresten des Distrktsrabbiners Dr. Heinrich Groß die letzte Ehre. Alle Gesellschaftskreise und Bevölkerungsschichten hatten Vertreter entsendet, von nah und fern waren Amtskollegen, Freunde, ehemalige Schüler und Glaubensgenossen erschienen, um dem Verewigten einen letzten Beweis ihrer Liebe und Verehrung zu geben. Seitens der Stadtverwaltung nahmen Oberbürgermeister Hofrat Wolfram, Bürgermeister Hofrat Gentner, sowie viele Mitglieder der beiden Kollegien an der Beerdigung teil. Besonders zahlreich war die Geistlichkeit beider Konfessionen vertreten. So schritten unter anderem im Trauerzuge Monsignore Friesenegger und Kirchenrat Hans. Auch die Rektoren mit den Lehrerkollegien der Mittelschulen waren fast vollständig anwesend. Die Beerdigungsfeierlichkeiten wurden vorgenommen durch Herrn Rabbiner Dr. Werner - München. Derselbe gab, in ungemein herzenswarmer geistreicher Rede, eine ergreifende Schilderung der Persönlichkeit des Entschlafenen. Er war treu und frei, er war gläubig und duldsam.   
Mit dem Gemüte eines Kindes vereinigte er den Scharfsinn des rastlos tätigen Forschers. Trotzdem sein Denken in der Antike wurzelte, war er ein moderner Mensch, der nicht achtlos an den Tagesfragen vorbeiging. Für die Kultusgemeinde widmete Herr Justizrat Bauer dem Verschiedenen einen tief empfundenen Nachruf. Herr Rabbiner Dr. Cohn - Ichenhausen sprach namens der Freien Konferenz der bayerischen Rabbiner herzliche Abschiedsworte. Nachdem der Sarg in die Gruft hinabgesenkt ward, ergriff ein Neffe des Entschlafenen, Rabbiner Dr. Thieberger - Budweis, das Wort, um namens des Verwandtenkreises dem unvergesslichen Toten Dank zu sagen für all die unbegrenzte, nie versiegene Liebe und Güte, womit er während seines langen, segensreichen Lebens alle seine Angehörigen umfasste. Den Schluss der erhebenden Trauerfeier bildete ein herzlich gehaltener Nachruf, den der Rektor von St. Anna, Oberstudienrat Dr. Preuß, im Namen der Augsburger Mittelschulen dem treuen, unermüdlichen und erfolgreichen Mitarbeiter widmete. Dem edlen Verklärten bleibt innerhalb unserer Gemeinde ein treues Gedenken für alle Zukunft gesichert."     

  
Das Rabbinat in Augsburg wird mit Rabbiner Dr. Richard Grünfeld besetzt (1910)    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. Juni 1906: "In Augsburg ist die durch den Tod des Herrn Rabbiner Dr. Groß vakant gewordene Stelle neu besetzt worden. Gewählt ist Herr Rabbiner Dr. Grünfeld (Bingen), ein Schüler des Breslauer Rabbinerseminars."        

  
Über den neuen Distriktsrabbiner Dr. Richard Grünfeld (1910)   

Augsburg FrfIsrFambl 23091910.jpg (22187 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 23. September 1910:     

   
Beitrag von Rabbiner Dr. Ernst Jacob über die "Paulus-Forschung der letzten Jahre" (1931)   

Augsburg BayrGZ 15111931c.jpg (116037 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. November 1931:       

    
Beisetzung von Rabbiner Dr. Richard Grünfeld (1931)  

Augsburg BayrGZ 15111931.jpg (241579 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. November 1931: "Rabbiner Dr. Richard Grünfelds Beerdigung.   Der Heimgang des langjährigen, hochverdienten Bezirksrabbiners i.R. Dr. Richard Grünfeld hat in der israelitischen Gemeinde Augsburg und weit darüber hinaus, tiefe und herzliche Trauer hervorgerufen. Die Verwaltung der Kultusgemeinde bot sofort nach Eintreffen der Trauernachricht ein Ehrenbegräbnis an, um ihrem geliebten Seelsorger seine letzte Ruhe in der Stadt zu bereiten, in der er so segensreich gewirkt hat. Die Mitglieder der Verwaltung, Herr Kommerzienrat Dann und Herr Max Schloß, holten am Sonntag, den 1. November, die sterblichen Überreste Dr. Grünfelds aus Nürnberg ab. Eine ganze Anzahl Gemeindemitglieder führen dem Toten bis Donauwörth und darüber hinaus entgegen. Bei der Einfahrt in Augsburg wurde der Weg an der Synagoge vorbei gewählt und dort zu einem kurzen, stillen Gedenken Halt gemacht.   
Die Beerdigung selbst erfolgte Montag, den 2. November, auf dem israelitischen Friedhof an der Haunstetter Straße in Anwesenheit der Familie, der Verwaltung der Kultusgemeinde Augsburg, des Präsidenten des Verbandes Bayerischer israelitischer Gemeinden, von sieben Amtsbrüdern des Verstorbenen, Vertretern der Stadt Augsburg und zahlreicher Behörden, Abordnungen der Bezirksgemeinden, insbesondere der Kultusgemeinde Memmingen und Binswangen, sowie anderer Körperschaften und einem unübersehbaren Kreis von Leidtragenden. Bei der Trauerfeier sprachen Bezirksrabbiner Dr. Ernst Jacob (Augsburg), Justizrat Dr. Eugen Strauß, 1. Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Augsburg, Oberstlandesgerichtsrat Dr. Neumayer für den Verband bayerischer israelitischer Gemeinden und die Nachbargemeinde München, Direktor Wallach für die Schwäbische Loge, Rabbiner Dr. Baerwald (München) für die Bayerische Rabbinerkonferenz und den Deutschen Rabbinerverband, Dr. Mayer (Augsburg) für den israelitischen Jugendverein und die Schüler des Verstorbenen, Rabbiner Dr. Freudenthal (Nürnberg) als der Freund und Amtsbruder, der dem Verstorbenen am nächsten stand, für die Familie und die Freunde. Der Bezirksrabbiner gab in seiner Rede auch der Trauer der Gemeinde Bingen, der Bezirksgemeinden, des Israelitischen Männervereins um sein Ehrenmitglied, des Israelitischen Frauenvereins und der Beamten der Kultusgemeinde Ausdruck.        
Dr. Richard Grünfeld hat zwanzig Jahre lang in Bingen und neunzehn Jahre in Augsburg gewirkt. In beiden Gemeinden war er bei der Errichtung schöner, neuer Gotteshäuser mittätig und hat diesen die Weihe geben dürfen. Er verfasste bei diesen Gelegenheiten Geschichtsdarstellungen der Gemeinden Bingen und Augsburg; er ist der Herausgeber des neuen Augsburger Gebetbuches. Im Kriege hat er ein großes Hilfswerk aufgebaut, das auch vielen jüdischen Kriegsgefangenen im Lager Lechfeld zugute kam; damals konnte er durch seine freundschaftlichen Beziehungen zum neutralen Auslange vielen, die wirklich hungerten, Brot geben und Nackte bekleiden. Er war durch seine Güte, seinen Takt und seine Klugheit der verehrte geistige Führer und Seelsorger seiner Gemeinden, der begeisternde Lehrer seiner Schüler, der segensreich wirkende Förderer der israelitischen Wohlfahrtspflege, das Vorbild einer tiefgläubigen Persönlichkeit. Das Andenken an den liebenswerten Menschen, den Mann des Wortes, des Glaubens und Geistes, des tätigen Lebens, wird in der Gemeinde Augsburg fortleben."    

  
    
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und anderer Kultusbeamten sowie des Schulwesens
 
Ausschreibungen der Stelle eines Vorbeters für die Hohen Feiertage (1874 / 1884)   

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. Juli 1874: "Vorbeter-Gesuch
Für die bevorstehenden Feiertage (Neujahr und Versöhnungstag) suchen wir zum Vorbeten für Schacharith und respektive Mincha eine Persönlichkeit, welche diese Funktionen bereits versehen und eine angenehme Stimme besitzt. 
Offerten mit Zeugnissen über Fähigkeit und Charakter sind unter Mitteilung des anzusprechenden Honorars im Laufe des Monats Juli einzusenden an die Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde in Augsburg."      
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. März 1884: "Vorbeter gesucht
Für die kommenden hohen Feiertage (Neujahr und Versöhnungstag) wird gegen gutes Honorar ein tüchtig geübter, mit guter Stimme versehener Vorbeter gesucht. Musikalisch gebildete Bewerber werden bevorzugt.  
Offerten unter Beifügung von Zeugnissen und mit ausführlicher Angabe über bisherige Tätigkeit sind baldigst zu richten an 
die Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde Augsburg."      

   
Ausschreibungen der Stelle eines Religionslehrers und zweiten Kantors (1889 / 1890)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Februar 1889: "Ein jüngerer, geprüfter und tüchtiger Religionslehrer fände in hiesiger Kultusgemeinde ein lohnendes Einkommen durch Erteilen von Privatunterricht.   
Die unterfertigte Verwaltung würde einen solchen, wenn musikalisch gebildet und zum Vorsängerdienst befähigt, die Stelle eines zweiten Kantors in widerruflicher Eigenschaft und mit einem Anfangsgehalte von Mark 800.- übertragen.  
Bevorzugt wird ein Mohel (Beschneider) oder eventuell derjenige, welcher sich bereit erklärt, diese Funktion auf Kosten der hiesigen Gemeinde erlernen zu wollen. Bewerber wollen Zeugnisabschriften sowie genaue Mitteilung über bisherige Tätigkeit richten an die 
Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde Augsburg."       
       
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. Februar 1890: "In hiesiger Gemeinde ist die Stelle eines zweiten Kantors und geprüften Religionslehrers in widerruflicher Weise zu besetzen. Anfangsgehalt Mark 1.500.-. Dienstantritt spätestens am 1. Juli 1890. Mohel (Beschneider) wird bevorzugt. Bewerber wollen mit Zeugnissen belegte Gesuche unter Angabe bisheriger Tätigkeit richten an die 
Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde Augsburg."    

     
Kleine Panne beim Vorbeterdienst in der Synagoge (1893)  
Anmerkung: der Artikel wurde vermutlich von einem orthodox geprägten jüdischen Gemeindeglied für die konservative Zeitschrift "Der Israelit" verfasst. Vermutlich litt das Gemeindeglied sehr unter den liberal geprägten Gemeindeverhältnissen in Augsburg.    

Augsburg Israelit 09031893.jpg (77334 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. März 1893: "Augsburg, 13. Februar (1893). Als heute früh um 7 1/2 der Gottesdienst beginnen sollte, war keiner der beiden Herren Vorbeter anwesend.  
Zum Glück waren zwei pensionierte Herren Lehrer in der Synagoge anwesend, wovon der eine bis nach Tachnu vorbetete, während der andere Herr das Toravorlesen und das Schlussgebet verrichtete.   
Ob die Nichtanwesenheit der beiden Herren mit einem gestern Abend stattgefundenen Balle, oder mit sonst etwas zusammenhängt, ließ sich nicht feststellen, da die anwesenden Gemeindemitglieder keine Mitteilung erhielten. Ein Indifferentismus in religiösen Sachen, wie er hier existiert, ist nirgends anzutreffen. Wolle man die Missstände, die in religiöser Beziehung dahier herrschen, alle aufzählen, so bedürfte man dazu bedeutend mehr Raum, als im 'Israelit' zu Verfügung steht."       

  
Ausschreibung der Stelle eines Schochet und Religionslehrers (1895)    

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. Oktober 1895: "Die Stelle eines 
Schochets und Religionslehrers 
ist in hiesiger Gemeinde sofort zu besetzen. Das Einkommen beträgt Mark 2.000.- nebst freier Dienstwohnung. Bewerber, welche befähigt sind, auch Aushilfe im Kantoratsdienste zu leisten, wollen ihre Gesuche mit den nötigen Zeugnissen belegt, umgehend an die unterfertigte Verwaltung einsenden. Israelitische Kultusverwaltung Augsburg."      

  
50. Geburtstag von Oberkantor Wilhelm Heimann (1928)   

Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Juli 1928: "Aus der Gemeinde Augsburg. Augsburg. Am 1. August begeht Herr Oberkantor Wilhelm Heimann im Kreise seiner Familie den fünfzigsten Geburtstag. Um der Bescheidenheit des schlichten Mannes nicht nahe zu treten, muss es dem Schreiber dieser Zeilen versagt bleiben, vom Menschen Heimann hier zu berichten. Ein Urteil hierüber bleibe der großen Schar der ihm nahestehenden Freunde und Bekannten vorbehalten. Die Gemeinde Augsburg hat einen glücklichen Gruff getan, als sie für ihre neu erbaute imposante Synagoge eine weitere Kraft in Oberkantor Heimann erwarb. Sie schützt in ihm nicht nur den gottbegnadeten Sänger, sondern auch den würdigen Interpreten ihrer Gefühle, Wünsche und Bitten beim öffentlichen Gebet, und die Kenner sind sich noch nicht schlüssig darüber, ob sie dem herrlichen Stimmmaterial oder dem kunstvollendeten Vortrag, dem Singen oder dem 'Sagen', dem Oberkantor oder dem Schliach Zibbur den Preis zuerkennen müssen. Man muss schon weit nach dem Osten, dem Reservoir unserer Größten auf dem Gebiete des Chasonus, greifen, um diesen Schmelz der Stimme, diese Wärme und Innigkeit des Vortrags zu erleben, die die Hörer in ihren Banne ziehen und zur Andacht zwingen. Möge der Jubilar noch lange in Gesundheit und Glück uns erhalten bleiben."     

 
Zum Israelitischen Religionsunterricht in Augsburg (1930)  

Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. April 1930:     

    
Zum Tod von Samuel Steinfeld, Oberkantor in Augsburg seit 1895 (1933)    

Josbach BayrGZ 15041933.jpg (148932 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. April 1933: "Samuel Steinfeld - er ruhe in Frieden -. Am 13. März (1933) verschied unser lieber Freund und Kollege, der wegen seiner hohen geistigen Qualitäten und seiner Friedensliebe allgemein geschätzte Oberkantor und Lehrer i.R. Samuel Steinfeld. 
Samuel Steinfeld seligen Andenkens war am 6. Juli 1863 in Josbach in Hessen geboren. Seine Ausbildung empfing er im Lehrerseminar in Köln und genoss dann die Freuden und Leiden des jungen Lehrers in den Gemeinden Meckenheim, Gailingen und Sinsheim (Baden). Hier schloss er den Bund der Ehe mit einer gleichhochstrebenden Frau. Aus der überaus glücklichen Ehe entsprossen sieben Kinder. 
Im Jahre 1890 wurde der Verblichene als zweiter Kantor nach Karlsruhe berufen. Hier war ihm die Möglichkeit gegeben, auf dem Konservatorium seinen sonoren Bariton schulen zu lassen, und es ist sicherlich dieser ausgezeichneten Stimmbildung mit zuzuschreiben, dass der Sänger bis zum Lebensende bewundernswert durchhalten konnte. 
1895 wurde ihm von der Kultusgemeinde Augsburg unter 60 Bewerbern die Stelle eines 1. Kantors und Lehrers übertragen. Er waltete hier bis zur Erreichung der Altersgrenze in segensreichster Weise, im Nebenamt auch als Schofarbläser, gewissenhafter Mohel und zuverlässiger Verwalter der Armenkasse. 
Dem gab am Tage der Beerdigung, die unter großer Anteilnahme der Gesamtgemeinde in ehrenvollster Weise sich vollzog, Herr Bezirksrabbiner Dr. Jakob, in tief gefühlten Worten Ausdruck. Unter ehrenden Worten sprach sodann der erste Vorsitzende des Vorstandes, Herr Justizrat Dr. Strauß, dem pflichttreuen Beamten den Dank und die Anerkennung der Verwaltung und der Gesamtgemeinde aus und schloss mit der Versicherung, dass man hier seiner stets in Ehren gedenken werde. Feierlich umrahmt waren die beiden Nachrufe durch ein Quartett 'Enoch' von Lewandovsky und durch das 'El mole Rachamim', tief empfunden und künstlerisch vollendet gesungen vom Ortskollegen, Herrn Oberkantor Heimann.  
Nach der Beerdigung gab im Trauerhause der langjährige Amtsgenosse Dr. E. Fränkl in einem 'Lernen' der großen Trauer des engeren Freundeskreises Ausdruck und versprach im Namen und im Auftrage der Standesorganisationen (Jüdischer Lehrerverein für Bayern, Bezirkskonferenz Schwaben und Allgemeiner deutscher Kantorenverband) dem treuen Kollegen Treue um Treue. Möge von jedermann Gottesverehrung und Menschenliebe in gleicher Vorbildlichkeit geübt werden! (hebräisch und deutsch:) 'Möge unser Ende dem seinen gleichen!' Dr. E.F." 

  
Danksagung nach dem Tod des Bruders von Oberkantor Wilhelm Heimann (1935)     

Anzeige in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. April 1935: 

 
40-jähriges Ortsjubiläum von Lehrer Dr. Ernst Fränkl (1936)    

Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Februar 1936: "Dr. Ernst Fränkl 40 Jahre Lehrer in Augsburg. 
Am 1. Februar war es unserem lieben Freunde Dr. Ernst Fränkl vergönnt, sein 40-jähriges Dienstjubiläum als Lehrer in Augsburg zu feiern. Für Dr. Fränkl war diese Dienstzeit eine Zeit des Erfolges, errungen durch eigene Kraft; es waren Jahre des Aufstieges, erreicht durch unaufhörliche, ernsteste Arbeit an sich. Der Jubilar hat allen Grund, mit innerer Befriedigung auf sein Werk zurückzublicken; denn seine Arbeit war nicht vergebens. Nicht nur Wissen vermittelte er seinen Schülern, sondern er verstand es auch, religiöses Gefühl bei ihnen zu erwecken, weil er selbst von aufrichtiger Religiosität erfüllt ist. Als guten Lehrer ist ihm auch die Macht des Beispiels bekannt und so wirkt er durch gutes Beispiel, durch Unermüdlichkeit, durch Pflichttreue und durch vorbildliche Berufsauffassung auf Schüler und Erwachsene gleichmäßig stark und anhaltend ein.     
Wer so wirken kann, wie es dem Jubilar vergönnte ist, der ist ein wahrer Lehrer. Dr. Fränkl hat offenbar die Grundbedingungen zu seinem Beruf als Lehrer und Erzieher in die Wiege gelegt bekommen. Sein seliger Großvater Aron Fränkl war, wie Kollege Rose in Altenstadt in seiner 1931 erschienen Schrift 'geschichtliches der Israelitischen Kultusgemeinde Altenstadt' nachweist, der erste vorschriftsmäßig vorgebildete Volksschullehrer der israelitischen Volksschule in Altenstadt (laut Urkunde vom 11.10.1929 über die feierliche Installation des Lehrers Aron Fränkl an der deutschen Judenschule zu Altenstadt durch das Distriktsschulinspektorat Illertissen 'nach allerhöchster Verordnung'). 'Unser erster Sohn muss Lehrer werden', das war der Lieblingswunsch des Vaters unseres Jubilars. So durfte dieser den für seine seelische Einstellung allein zu voller Beglückung führenden Lebensweg beschreiten.     
Dr. Ernst Fränkl wurde am 4. August 1874 in Altenstadt geboren; nach dem Besuch der Talmud-Toraschule in Burgpreppach, war er 1890-1893 in der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt Würzburg, die er 1893 mit gutem Erfolge absolvierte. Von 1893-1896 amtierte er in Georgensgmünd und seit 1. Februar 1896 ununterbrochen in Augsburg. Im Jahre 1897 legte er die Anstellungsprüfung in Augsburg ab, unterzog sich 1901-1904 philosophischen Studien in Augsburg, München, Zürich und Bern und promovierte mit magna cum laude in Bern auf Grund der Dissertation: 'Über Vorstellungselemente und Aufmerksamkeit, ein Beitrag zur experimentellen Psychologie' (254 Seiten).   
Im Jahre 1907 erhielt er die goldene Fortschrittsmedaille auf der Ausstellung 'Das Kind', Wien, für hervorragende Leistungen auf psychologischem Gebiete. Im Jahre 1929 wurde der jüdische Religionslehrer Dr. Ernst Fränkl vom Rektor eines protestantischen Gymnasiums in Augsburg während seines Urlaubs als Rektoratsvertretung bestellt.   
Dr. Ernst Fränkl nahm auch stets regen Anteil an der Arbeit unseres Lehrervereins. Es bedeutete daher nur eine Anerkennung dieser Tatsache, wenn ihn die Vereinsleitung anlässlich der 50-jährigen Jubiläumstagung des Vereins zum Festredner bestimmte. Seit 1933 ist Freund Fränkl auch Obmann unserer Schwäbischen Bezirkskonferenz. 
So hat denn der Jubilar seine Arbeitskraft nicht nur seiner Gemeinde geweiht, sondern er hat darüber hinaus treue Mitarbeit an vielen gemeinnützigen Bestrebungen geleistet und überall befruchtend und anregend gewirkt. Darum nehmen an seinem Jubelfeste nicht nur die Mitglieder der israelitischen Kultusgemeinde Augsburg teil, sondern auch vor allem seine Berufsgenossen in Stadt und Land. Wir wünschen dem Jubilar weiterhin gesunden Optimismus und Befriedigung in seinem Beruf und seiner Arbeit."   

      
    
   
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben    
15 Jahre vor Erlaubnis einer Ansiedlung:  Jüdische Kaufleute aus Buchau feiern ein Festmahl zum 25. Jubiläumsfest des (württembergischen) Königs (1841)  
Anmerkung: 1841 war das 25-jährige Thronjubiläum von König Wilhelm I. von Württemberg zu feiern.   

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. Oktober 1841: "Augsburg, 29. September (1841). Es ist bemerkenswert, und ein Zeichen der Zeit, wie die Israeliten Deutschlands keine Gelegenheit vorübergehen lassen, an den freudigen Ereignissen des Vaterlandes ihre ungeheuchelte Teilnahme zu erkennen zu geben. Als am 29. September israelitische Kaufleute aus Buchau am Federsee zufällig in Augsburg zur Messe sein mussten, feierten sie, 20 an der Zahl, das 25. Jubiläumsfest ihres Königs, durch ein Festmahl."       

  
Augsburger Bürger sind gegen eine weitere Aufnahme von Juden in der Stadt (1856)  

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. November 1856: "München, 8. November (1856). In Augsburg hat eine Anzahl Bürger aus dem Umstande, dass mehrere Israeliten neuerlich um Aufnahme und Konzessionierung als Großhändler nachgesucht haben und diese Gesuche vom Magistrate begutachtet worden sind, Anlass genommen, eine Anti-Juden-Adresse an die Königliche Regierung zu richten. Der Schluss der Adresse lautet, nach dem Augsburger Anzeigenblatt: 'Wir unterzeichnete Bürger Augsburgs erlauben uns die untertänigste Bitte, dass den bemerkten Gesuchen die Zustimmung hoher Stelle versagt und dadurch die Stadt Augsburg vor den Fortschritten einer Gefahr bewahrt und gesichert werde, welche den größten und dringendsten beigezählt werden darf, wie sie jemals bestanden hat.' - 
(Was hat Augsburg von den Juden, denen es stets feindlich gesinnt war, zu fürchten? Etwa, dass sie ihm aus dem langen Verfall seines einst so blühenden Handels aufhelfen? Redaktion der Allgemeinen Zeitung des Judentums.)"     

  
Erlaubnis zur Bildung einer Kultusgemeinde (1861)

Augsburg AZJ 23071861.jpg (15029 Byte)Meldung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. Juli 1861: "Augsburg, 3. Juli (1861). Die in hiesiger Gemeinde ansässigen Israeliten haben vom Ministerium die Erlaubnis zur Bildung eines Kultusgemeinde erhalten."

   
Ein Grundstück zur Anlage eines Friedhofes wird von der Stadt zur Verfügung gestellt (1867)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Februar 1867:     

  
50 Jahre Wiederaufnahme von Juden in Augsburg (1906)    

Augsburg FrfIsrFambl 02111906.jpg (41151 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 2. November 1906:     

  
Einweihung eines Gefallenendenkmals auf dem Israelitischen Friedhof (1920)   

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. August 1920:      

  
Eröffnung des jüdischen Jugendvereins (1928)    

Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 2. Oktober 1928:      

  
Haushaltsplan der Israelitischen Kultusgemeinde (1929)    

Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. April 1930:     

   
Mitgliederversammlung des Israelitischen Frauenvereins (1929)    

Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Mai 1929:      

   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben (1930)   

Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Dezember 1930:      
Augsburg BayrGZ 01121930a.jpg (123629 Byte)   

  
Haushaltsplan der Israelitischen Kultusgemeinde (1931)  

Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Februar 1931:      

  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben (1931)   

Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Mai 1931:      
Augsburg BayrGZ 01051931a.jpg (173072 Byte)     

     
Bericht aus dem Gemeindeleben (März 1934)    

Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. März 1934:       

  
Über die Arbeit des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten (1934)   

Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Juni 1934: ""

    
Bericht aus dem Gemeindeleben (Mai 1935) 

Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Mai 1935:     

    
Bericht aus dem Gemeindeleben (Juni 1935)    

Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Juni 1935:      

  
Verbot der Stadtverwaltung für die Benutzung der städtischen Bäder durch jüdische Einwohner (1935)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Juli 1935:      

   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben (im November 1936)  

Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Dezember 1936:    

   
Rückgang der Zahl der Gemeindeglieder (1937)  

Augsburg Israelit 18031937.jpg (56523 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. März 1937:      

   
Umzug der Chaluzim (1937)  

Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. August 1937:       


   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Zum Tod des Bankiers und langjährigen Gemeindevorstehers S. Rosenbusch (1895)        

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 31. Mai 1895: "Augsburg, 21. Mai (1895). Der Begründer des gleichnamigen Bankhauses, Herr S. Rosenbusch, wurde heute hier zu Grabe getragen. Die angesehensten Bürger unserer Stadt und der größte Teil der israelitischen Kultusgemeinde gaben ihm das letzte Geleite. Herr Dr. Groß schilderte in überaus warmen Worten, wie der Verstorbene einer der Begründer der hiesigen Gemeinde und viele Jahre hindurch ihr erster Vorstand war, der mit Geschick und Verständnis seines Amtes waltete, wie ihn auch die Stadtgemeinde durch Verleihung von Ehrenämtern auszeichnete, wie er, hilfreich und gut, immer bereit war, Not zu lindern, und wie endlich die Söhne das gemeinnützige Wirken des Vaters fortsetzen. Das edle Wirken des Verstorbenen verdient auch in diesem Blatte als Muster gerühmt zu werden."     

     
Zum Tod der Bankierswitwe Jeanette Rosenbusch (1901)   

Augsburg Israelit 02011902.jpg (122121 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Januar 1902: "Augsburg, Ende Dezember (1901). Am Mittwoch, den 25. Dezember, wurde dahier eine wahrhaft edle und tugendreiche Frau zur letzten Ruhe bestattet, die Bankierswitwe Frau Jeanette Rosenbusch, eine Frau, deren ganzes Leben und Wirken das herrlichste Abbild eines bewundernswert reinen Charakters darstellt. Der Grab ihrer einfachen Bescheidenheit ist wohl mit der Tatsache am besten bezeichnet, dass auf letztwillige Verfügung hin jedes Lob in dem ihr gewidmeten Nachruf unterbleiben musste. 'Doch', führte Herr Distriktsrabbiner Dr. Groß in warm empfundenen und zu Herzen gehenden Worten aus, 'bedarf es an und für sich am Sarge einer solch' edlen Frau keiner großen Lobeshymne, sie hat sich durch ihre Taten selbst das schönste Denkmal gesetzt!' Welch' seltene Frauengestalt mit Frau Jeanette Rosenbusch aus dieser Welt geschieden, ist wohl augenscheinlich damit dargetan, dass drei Orden auf dem Sarge sichtbar waren. Die edle Verblichene war ausgezeichnet worden im Jahre 1872 mit der Kriegsdenkmünze von 1870-71 für Nichtkombattanten, im Jahre 1896 mit dem Orden vom Roten Kreuze 3. Klasse und im Jahre 1899 mit der Kaiser Wilhelm-Medaille. 
In dem großen Trauergefolge bemerkten wir die beiden Herren Bürgermeister unserer Stadt mit verschiedenen Herren des Gemeindekollegiums, Herrn Oberregierungsrat Schmid u.a.  
'Möge die treue Dahingeschiedene vor dem Throne des Höchsten Entgelt finden für all das Gute, das sie geübt und für all' die Liebe, die sie betätigt'' Sie wird aber auch hier fortleben, nicht nur im Herzen ihrer sie wahrhaft verehrenden Kinder und Verwandten, nein - es ist ihr auch das ehrendste Andenken gesichert in den vielen Herzen derer, die ihren vornehmen Charakter bewunderten. Sie ruhe in Frieden! F."   

     
80. Geburtstag von Fabrikant Oswald Binswanger (1902)   

Augsburg Israelit 24021902.jpg (120438 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Februar 1902: "Augsburg, 9. Februar (1902). (hebräisch und deutsch:) 'Unsere Lebenszeit währt 70 Jahre, wenn es hoch kommt 80.' (Psalm 90, Vers 10). Am vergangenen Heiligen Schabbat war dem allgemein beliebten und hoch geehrten Mitglied unserer Gemeinde, Herrn Fabrikanten Oswald Binswanger, durch Gottes Gnade das hohe Glück beschieden, in seltener körperlicher und geistiger Frische seinen 80. Geburtstag feiern zu können. Von allen Seiten wurden dem Herrn Jubilar die ehrendsten Beweise treuer Verehrung und Liebe gebracht, und wenn an dieser Stelle im besonderen des leutseligen und bescheidenen Herrn gedacht wird, so geschieht dies deshalb, weil er die Worte seines Gottes: (hebräisch und deutsch:) 'Andere sehen ihren Gott in Wagen, wieder andere auf Rossen; wir aber - im Namen 'Gott' gedenken wir unseres Gottes' (Psalm 20, Vers 8) - bis zur Stunde auf das genaueste und sorgfältigste erfüllt. Denn die religiöse Pflicht (hebräisch und deutsch:) der regelmäßige Besuch des Gottesdienstes, wird von dem Herrn Jubilar in geradezu musterhafter Weise betätigt. So leuchten also in der Krone seines ausgezeichneten Charakters der tief-religiöse Sinn, die treue Gottesfurcht und edle Menschenliebe als glänzende und strahlende Perlen mächtig hervor. Mögen die zahlreichen heißen Wünsche für die Gesundheit und das weitere Wohlergehen des heute noch unermüdlichen und arbeitslustigen Herrn Jubilars durch den gütigen Weltenlenker in Erfüllung gebracht werden, auf dass ihm bis 100 Jahre der denkbar schönste Lebensabend beschieden ist, getreu dem Worte des Psalmisten (hebräisch und deutsch:) 'Der Herr hütet Alle, die ihn lieben!' F."    

  
Diamantene Hochzeit des Elias Veit'schen Ehepaares (1902)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Oktober 1902: "Das Elias Veit'sche Ehepaar in Augsburg, das am 17. August seine Diamantshochzeit feierte (vgl. Nr. 70 der 'Israelit' unter Augsburg").    


Goldene Hochzeit von Heinrich Feist und Fanny geb. Obermeier (1903)   

Augsburg FrfIsrFambl 19061903.jpg (69026 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 19. Juni 1903: "Augsburg, 9. Juni (1903). Das Fest der goldenen Hochzeit feierten gestern die Rentierseheleute Heinrich und Fanny Feist geb. Obermeier, in körperlicher und geistiger Rüstigkeit. Aus diesem Anlass lief aus Bekanntenkreisen eine Unzahl von Gratulationen und Blumenspenden bei dem Jubelpaar ein. An dem Gratulationsakt beteiligt sich auch die Vorstandschaft der israelitischen Kultusgemeinde, deren Vorstandsmitglied der Jubilar viele Jahre war. Er war ferner 26 Jahre lang Teilhaber der Firma Gebrüder Feist & M. Goetz bis zu seinem Übertritt ins Privatleben. Die Jubilarin ist in der Vorstandschaft des israelitischen Frauenvereins seit dessen Gründung."         

  
25-jähriges Jubiläum von Justizrat Ludwig Bauer als Vorstand der Gemeinde (1905) 

Augsburg FrfIsrFambl 16061905.jpg (42923 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 16. Juni 1905: "Augsburg. Am 7. Juni (1905) beging Herr Justizrat Ludwig Bauer sein 25-jähriges Jubiläum als erster Vorstand der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde. Der sich eines hohen Ansehens und allgemeiner Beliebtheit erfreuende Jubilar hatte sich in Rücksicht auf den vor kurzem erfolgten Tod seines Bruders, des bekannten Wiener Bankdirektors, jede Ehrung verbeten."         

  
Erster Preis für Fritz Landauer an der Technischen Hochschule in München (1906)       

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. Dezember 1906: "München. Bei den Preisbewerbungen der Technischen Hochschule in München errangen 2 Juden erste Preise. Nämlich der Lehramtskandidat Siegfried Rothenberg aus Nürnberg und der Student Fritz Landauer aus Augsburg."    

 
60. Geburtstag und 30-jähriges Amtsjubiläum des Gemeindevorstehers Justizrat Ludwig Bauer (1910)   

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Februar 1910: "Am 5. Februar feierte Herr Justizrat Bauer in Augsburg seinen 60. Geburtstag und gleichzeitig sein 30-jähriges Jubiläum als erster Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde in Augsburg. Dem Jubilar wurden durch eine Deputation der Gemeindevertretung Glückwünsche ausgesprochen, eine Adresse überreicht und eine goldene Ehrenmedaille, die zum erstenmal für diesen Zweck geprägt wurde, ausgehändigt. Die Gemahlin des Gefeierten wurde durch ein Blumenarrangement geehrt."     

  
Zum Tod von Oswald Binswanger (1911)   

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. Januar 1911: "In Augsburg ist der Privatier Herr Oswald Binswanger im Alter von 89 Jahren gestorben. Der Dahingeschiedene war ein treuer Sohn seines Glaubens und genoss hohes Ansehen bei allen, die ihn kannten. Die Armen und Bedrängten, ohne Unterschied der Konfession, verlieren in ihm einen großen Wohltäter."      

  
Die Witwe von Kommerzienrat Heinrich Landauer errichtet eine Wohltätigkeitsstiftung (1917)    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. März 1917: "Die Witwe des Kommerzienrats Heinrich Landauer in Augsburg hat auf Wunsch ihres verstorbenen Mannes dem Stadtmagistrat den Betrag von 30.000 Mark zur Errichtung eines Wohltätigkeitsstiftung übergeben: die Renten sollen für würdige nichtkonskribierte Arme ohne Unterschied der Konfession und des Geschlechts verwendet werden. Außerdem hat Landauer einer größeren Zahl von Wohltätigkeitsvereinen und -anstalten Legate im Gesamtbetrage von 5.300 Mark ausgeworfen."       

  
Zum Tod von Kommerzienrat Hugo Landauer (1929)   

Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. April 1929: "Aus der Gemeinde Augsburg. Hugo Landauer. 
Die Augsburger Israelitische Kultusgemeinde hat einen schweren Verlust erlitten. Ihr zweiter Vorstand, Herr Hugo Landauer, ist nach schwerem Leiden in seinem 62. Lebensjahr verschieden. Als würdiger Sohn des langjährigen bewährten Synagogen-Kommissärs, Herrn Kommerzienrat Heinrich Landauer, hat er allen jüdischen Angelegenheiten sein wärmstes Interesse entgegengebracht. Es war herzerfrischend zu sehen, wie er sich eingesetzt hat, wenn er erfuhr, dass seiner Glaubensgemeinschaft zu nahe getreten worden war.    
Den Traditionen seines Hauses folgend ist Herr Hugo Landauer am 1. Januar 1918 als zweiter Vorstand und Stiftungskassier in die Verwaltung eingetreten. Schweren Kummer hat es ihm bereitet, dass die ansehnlichen Stiftungsvermögen, die er zu verwalten hatte und die mündelsicher angelegt sein mussten, infolge der Inflation dahinschwangen, und er hat seine ganze Energie darauf verwandt, nach der Stabilisierung die früheren Stifter oder deren Hinterbliebene zur Auffrischung der wertlos gewordenen Stiftungen zu veranlassen.       
Als sehr geschätztes Mitglied der Baukommission hat er seine reichen praktischen Kenntnisse des Bauwesens freudigst in den Dienst der Gemeinde gestellt, welche seinem bewährten Rat und seinem Wissen viel zu verdanken hat. Seine ganze Persönlichkeit strahlte Wärme und Güte aus; er war von strenger Rechtlichkeit und von vornehmem Charakter, die Armen hatten an ihm einen wahren Freund und Berater und einen großzügigen Wohltäter.  
Bei der heute stattgefundenen Einäscherung, die dem schlichten Wesen des Verstorbenen entsprechend, in aller Stille stattfinden sollte, würdigte Rabbiner Dr. Grünfeld in warmen Worten die Persönlichkeit des Entschlafenen.
Der 1. Vorstand, Justizrat Dr. Strauß, brachte den Dank der Gemeinde zum Ausdruck, die den Verlust schwer empfindet.  
Aus den schlichten Worten der Angestellten und Arbeiter sprach deutlich die Liebe und Wertschätzung, die der Entschlafene auch in deren Kreisen genossen hat. Die Israelitische Kultusgemeinde Augsburg verliert in Herrn Hugo Landauer einen ihrer Besten. Sie wird ihm stets ein ehrendes Gedenken bewahren."       

   
Ehrung für den Kassier der Israelitischen Kultusgemeinde Max Schloss (1931)  

Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Februar 1931: "Ehrung für Max Schloß.  
Augsburg, den 20. Januar 1931. Am Montag, dem 19. Januar, abends, veranstaltete die Israelitische Kultusgemeinde Augsburg eine Festsitzung ihrer Verwaltung und ihres Gemeindeausschusses zu Ehren des Herrn Max Schloß, der auf eine fünfundzwanzigjährige Mitgliedschaft in der Verwaltung und ehrenamtliche Tätigkeit als Gemeindekassier zurückblicken kann. Dem Jubilar war bereits vorher ein silberner Pokal als Ehren- und Gedächtnishabe überreicht worden. Auch das Bezirksrabbinat hatte seine Verdienste mit einem herzlichen Glückwunschschreiben gewürdigt. In der Festsitzung zeichnete der 1. Vorstand, Herr Justizrat Dr. Eugen Strauß, die Persönlichkeit des Herrn Max Schloß und ihre Bedeutung für die Gemeinde Augsburg. Herr Schloß sei der Repräsentant einer ganzen Generation, in die der Tod schon manche Lücke gerissen habe; dieses Geschlecht war durch jüdisches Gefühl und jüdisches Wissen ausgezeichnet. Der Gefeierte sei ein Mann, bei dem Strenge und Pflichttreue seinem warmen Herzen und seiner Verbundenheit mit den Gemeindeinteressen erst ihr wahres Gesicht gäben. Die Gemeinde wünsche Herrn Schloß noch lange in Rüstigkeit in ihrer Leitung zu sehen. Hierauf wies Herr Kommerzienrat Dann auf die großen Aufgaben hin, an denen Herr Schloß in diesen fünfundzwanzig Jahren mitgearbeitet hat, den Bau der Synagoge, die Überleitung der Gemeindeverwaltung zum System des Steuereinzugs durch das Finanzamt und zur Eingruppierung ihrer Beamten in feste Besoldungsklassen, die Überwindung der schwierigen Lage in der Inflationszeit. Der Redner schilderte auch die Verdienste des Herrn Schloß um das Wohlfahrtsamt der Gemeinde und die Vertretung ihrer Interessen bei städtischen und Staatsbehörden, sowie bei den öffentlichen Kassen. Mit peinlicher Gewissenhaftigkeit und mit hingebendem Fleiße widme er ihr allwöchentlich mehrere Tage Arbeit. Herr Justizrat Dr. Teutsch sprach als Vorsitzender des Gemeindeausschusses und wies darauf hin, was es heiße, fünfundzwanzig Jahre lang die Mühseligkeiten eines Finanzministers auf sich zu nehmen, besonders in schlechten Zeiten. Die beste Ehrung für Herrn Schloß bestehe darin, dass die Gemeindevertretung gelobe, sich immer wie er in den Dienst der Gemeinde zu stellen. Herr Schloß dankte tief gerührt und gedachte in einem kurzen Rückblick mancher heiterer Ereignisse in seiner Wirksamkeit und mancher getreuer Mitarbeiter, die er in seinem dornenvollen, arbeitsreichen Amt gefunden hatte. Der Vorsitzende schloss die Festsitzung mit herzlichen Wünschen für den Jubilar und seine segensreiche Tätigkeit."      

 
Zum Tod von Therese Einstein geb. Erlanger (1931)   

Augsburg BayrGZ 15091931.jpg (97550 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. September 1931: "Aus der Gemeinde Augsburg. Eine Förderin des Roten Kreuzes ist gestorben. Der Tod riss am 17. Juli dieses Jahres Frau Therese Einstein geb. Erlanger, Inhaberin des Ludwigskreuzes und des Verdienstkreuzes II. Klasse vom Roten Kreuz, in Augsburg-Kriegshaber nach nur zweitägigem Kranksein im 51. Lebensjahr aus einem aufopferungsreichen, verdienstvollen Leben. Am 19. Juli wurde die sterbliche Hülle der Erde übergeben. Mitglieder des freiwilligen Sanitätszuges 9 der Kolonne Augsburg bildeten am Grabe Spalier. Als Vertreter der Augsburger Sanitätskolonne war Herr Gewerberat, Abteilungsführer J. Wagner anwesend, ferner Vertretungen der Vorstands- und Mitgliedschaften mehrerer Rot-Kreuz-Frauenvereine. Nach der Grabrede von Herrn Bezirksrabbiner Dr. Jakob widmete die Vorsteherin vom Grauenverein des Roten Kreuzes Augsburg, Frl. Rosa Bauer im Namen des schwäbischen Kreisvereins vom Roten Kreuz der Verstorbenen einen Nachruf und hob besonders hervor, dass die Verewigte mehrere Jahre vor dem Weltkrieg den Frauen-Zweigverein der Stadtbezirke Kriegshaber und Oberhausen mitgründete. Anschließend darauf rief Herr K. Schädle, Zugführer-Stellvertreter des freiwilligen Sanitätszuges 9 (Augsburg-Kriegshaber) der Verstorbenen Worte des Dankes ins Grab; ein edles Mutterherz habe aufgehört zu schlagen,  nicht nur für die eigene Familie, sondern auch für die große Gemeinschaft des Roten Kreuzes und damit für die leidende Menschheit. Als leuchtendes Bild edelster Nächstenliebe wird Frau Therese Einstein weiterleben in den Herzen aller, die sie kannten."      

   
    

Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe in Augsburg (1930)   

Augsburg BayrGZ 01101930.jpg (257023 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Oktober 1930. 
Zum Lesen der Anzeigen bitte Textabbildung anklicken.      

       
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe in Augsburg (1934)   

Anzeige in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. April 1934:
Zum Lesen der Anzeigen bitte Textabbildung anklicken.    

   
Hochzeitsanzeige für Siegfried Polatschek und Anny geb. Herrmann (1936)
     

Anzeige in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. August 1936: 
"Statt Karten. Siegfried Polatschek - Anny Polatschek geb. Herrmann. Vermählte. 
Augsburg - Scheßlitz. Trauung: Sonntag, 16. August, 12 1/2 Uhr Hauptsynagoge Bamberg. 
Hochzeit: Weiße Taube, Bamberg". 

 
   
    
Weitere Dokumente zu Gewerbebetrieben in jüdischem Besitz      
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)    

Karte an die Firma Leiter & Neuburger 
in Augsburg aus Buttenwiesen (1881)
  
Buttenwiesen Dok 198.jpg (101761 Byte) Buttenwiesen Dok 198a.jpg (129362 Byte)

Die Postkarte wurde von Wally Kratzer aus Buttenwiesen am 21. Mai 1881 nach Augsburg geschickt. Sie bestellte drei schwarze Strohhüte, 3 m schottisches Band und 6 m schwarze Cordel.   

     
Kartenbrief an Herrn Obermayer & Cassel,
 Cigarrenimport, Fuggerhaus (1898) 
 
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Die Firma Obermayer & Cassel importierte Zigarren, war ein Großhandelsgeschäft und hatte eine Lotterieannahme. Als Adresse wird in der Biografie von Ilse Cassel auch das Fuggerhaus in der Maximilianstrasse angegeben, was sich mit der Anschrift des Kartenbriefes deckt. Als Absender des Kartenbriefes ist der Name "Heinrich" erkennbar, vermutlich Heinrich Obermayer, der Vater von Lisbeth Obermayer (vgl. Biografie von Lisbeth Obermayer ). Er wäre zur Zeit des Kartenbriefes 20 Jahre alt gewesen und schrieb den Brief von Eschwege an seine Eltern in Augsburg.
Hans Cassel wurde 1895 in Augsburg geboren. Er war Teilhaber der Fa. E. Obermayer & Cassel. Er starb 1957 oder 1958 in den USA. (vgl. Biografie von Ilse Cassel ).
Der Absender Heinrich Obermayer wurde 1878 in Augsburg geboren und starb 1936 in Augsburg (vgl. Biografie von Lisbeth Obermayer). Im Text wird ein Louis Goldmann genannt, den Heinrich im Zug bedauerlicherweise erst später im Zug trifft, da dieser in einem anderen Coupe reiste. Louis Goldmann könnte aus Eschwege stammen. 
Der Inhalt des Kartenbriefes: "Liebe Eltern, lieber Ludwig.
Wohl und munter bin ich hier angekommen und hoffe Euch alle gleichfalls beim besten Wohlsein. Ich schätze dich liebe Mama, bei Ankunft dieses Briefes zu Hause und bist Du hoffentlich gesund und munter zu Hause angekommen. In Frankfurt war es wirklich so wunderschön und habe mich mit der lieben Mama ganz riesig gefreut. Schade, dass die Zeit so kurz war. Ich wäre so gerne noch ein paar Tage in Frankfurt geblieben. Auch war es schad, dass Du lieber Papa und lieber Ludwig mit dem? goldigen? Hansel? nicht mit in Frankfurt warst. Ich hätte mich ja so gefreut. Ich kenne ihn vom Landratsamt und soll ich einfach ein schriftliches Gesuch zur Zurückstellung auf 4 Jahre einreichen. Ich kann mich dann stellen, wann ich will. Herr Louis Goldmann fährt mit demselben Zug zurück wie ich. Ich traf ihn leider erst in Nieder???. Er war in einem anderen Coupe g???.
Es
folgen ein paar schwer leserliche Grußworte und ganz unten abschließend der Name Heinrich".  
        
 Kaufhaus Georg Rosenberg
in der Annastraße (Postkarte um 1910)
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 Blick in die Annastraße in Augsburg mit dem Manufakturwarengeschäft Georg Rosenberg. Kaufmann Georg Rosenberg (1867-1933) war verheiratet mit Clara geb. Wertheimer. Der Sohn Paul Rosenberg (1901-1958) wurde Rechtsanwalt (1933 in "Schutzhaft" genommen; 1934 in die USA emigriert, wo er als Vertreter und Packer seinen Lebensunterhalt bestritt); die Tochter Elisabeth heiratete 1924 den Leipziger Kaufmann Samuel Siegel. Vgl. Informationen auf einer Seite des Hauses der Bayerischen Geschichte.  

     
 Modewarengeschäft Max Ginsberger & Co.
(Weberhaus / Ecke 
Untere Maximilianstraße) (um 1915/20) 
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Inhaber des Modewarengeschäfts Max Ginsberger & Co. im Weberhaus in Augsburg war zuletzt Bernhard Loeb (geb. 1893 in Augsburg, verheiratet mit Rosa geb. Grünhut, zwei Kinder: Gertrud, geb. 1921 und Fritz, geb. 1925). Das Modehaus hatte eine große Damenhutherstellung (vgl. Auslagen in den Schaufenstern). Ende 1936 musste Bernhard Loeb sein Geschäft zwangsweise verkaufen, da die Stadt eine Verlängerung des Mietvertrages für den Laden verweigerte. Die ganze Familie wurde Anfang April 1942 ab München in das Ghetto Piaski deportiert; alle vier Familienmitglieder wurden ermordet. Weitere Informationen auf einer Seite des Hauses der Bayerischen Geschichte.  

        
Dampfbrennerei, Likör- und Essigfabrik 
Jakob Binswanger & Cie.
 (Rechnung von 1915)
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Die Rechnung der Dampfbrennerei usw. Jakob Binswanger & Cie. wurde am 17. Juni 1915 an Max Herz (Kaufmann, später Bürgermeister) in Krumbach geschickt. Zur Firmengeschichte: 1863 zerstörte ein Feuer die Destillerie der Familie Binswanger in Osterberg. Danach Umsiedlung nach Augsburg, wo die Firma 75 Jahre (bis zur erzwungenen "Arisierung" 1938) Bestand hatte. 
Vgl. Link: Geschichte der Familie Binswanger in Osterberg und Familienblatt von Rolf Hofmann: Family Sheet Oswald Binswanger of Osterberg + Augsburg (pdf-Datei) 

      
Schirm- und Taschengeschäft 
Jacob Oberdorfer in der 
Unteren Maximilianstraße, 1910-1920
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   Das Geschäft von Jacob Oberdorfer wird genannt in einem 
Artikel in der "Augsburger Allgemeinen" vom 15.7.2010: "Nur die Häuser blieben"
     
      
Postkarte an Hermann Weil, 
Maschinenfabrik in 
Augsburg-Pfersee (1923) 
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Der Adressat Hermann Weil (geb. 1893 in Buchau) war mit seinem Bruder Siegfried Teilhaber der "Motoren- und Maschinenfabrik Augsburg-Pfersee. Hermann Weil und seine Tochter Edith Weil (Information über Link) flohen 1938 in die Niederlande. Im Dezember 1943 oder Januar 1944 wurden beide von Amsterdam nach Auschwitz deportiert, wo sie am 28.Januar 1944 ermordet wurden. Vgl. über Link: Die Geschichte der Familie Siegfried Weil, Augsburg.  
Die Karte selbst ist an die Frau von Hermann Weil geschrieben: Selma Weil geb. Oberdorfer (geb. 1893 in Hainsfarth). Selma Weil blieb 1938 in Augsburg bei ihrer Mutter. Ihre Adresse war 1939 die Halderstrasse 6, direkt neben der Synagoge. In der Liste der ermordeten Juden Augsburgs findet sich der 3. September 1943 als eingetragener Deportationstag. Der Name ihrer bei Ihr lebenden Mutter Karoline Oberdorfer geb. Steiner findet sich ebenfalls in der Liste der ermordeten Juden Augsburgs mit dem eingetragenen Deportationstag 30. August 1942.
Die Absenderin der Karte ist Hedwig Gutmann geb. Steiner (geb. 1874 in Steinhart). Sie war eine jüngere Schwester von Selmas Mutter und somit Selmas Tante. Auch die Namen von Hedwig Gutmanns und Karoline Oberdorfer geb. Steiner finden sich in den Listen der Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland. 
Link zu den "Jewish Birth Records of Steinhart" von Rolf Hofmann.     

     
     
Kaufhaus Schocken und 
Schuhgeschäft Polatschek 
(Postkarte Anfang der 1930er-Jahre)
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Postkarte Anfang der 1930er-Jahre mit dem Kaufhaus Schocken und (gegenüber) dem Schuhgeschäft Polatschek (jeweils Ausschnittvergrößerungen aus der Postkarte). Das Kaufhaus Schocken - 1901 in Zwickau gegründet - hatte erst 1929 die Augsburger Filiale eröffnet. Es bestand bis zur erzwungenen Aufgabe und "Arisierung" 1938. Gegen das Schuhgeschäft Polatschek gab es bereits Anfang der 1930er-Jahre antijüdischen Aktionen. Weitere Informationen zur Familie auf einer Seite des Hauses der Bayerischen Geschichte

     
Ehemaliges Warenhaus Landauer
(Postkarte von 1941)
 
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Die am 4. Juni 1941 per Feldpost nach Oberndorf bei Donauwörth verschickte Postkarte zeigt das Gebäude des ehemaligen Warenhauses Landauer (Ausschnitt rechts), als es bereits mehrere Jahre zwangsweise arisiert worden war. 1906 hatte Hugo Landauer ein Geschäft mit Manufakturwaren in Augsburg eröffnet, aus dem später das Kauf- und Warenhaus der Gebr. Landauer wurde. Warengeschäfte der Fa. Landauer gab es in mehreren Städten, das Stammhaus befand sich in Stuttgart; das Geschäft in Augsburg halt jedoch als das bedeutendste. 
Link: pdf-Datei mit Foto vom Boykott des Warenhauses Landauer am 1. April 1933.
      

   
Weitere Dokumente zu Privatpersonen   
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries)           
1919 von Hermann Baer (Oberdorf - Augsburg) nach Bopfingen verschickte Karte  

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Es handelt sich um eine gemalte Karte. Maler und Versender ist Hermann Baer, geb. 1898 in Oberdorf als Sohn des Distriktarztes Dr. Salomon Bär (seit 1909 Arzt in Baden-Oos) und seiner Frau Klara geb. Guggenheimer aus Augsburg. Als Adresse gibt Hermann die Adresse seines Großvaters mütterlicherseits an (Ulrich Guggenheimer in Augsburg).  

    
Karte an Familie Moritz Rogger 
in Augsburg aus Bad Kissingen,
 versandt am 2. Juni 1922 
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Die Karte wurde von Amele Lion verschickt, die auf Grund ihrer Magenbeschwerden in Bad Kissingen Besserung sucht. Sie hielt sich in Bad Kissingen in einer Pension auf, "wo es nicht gar soviel Glaubensgenossen hat". Zu Amele Lion konnten noch keine weiteren Informationen gefunden werden; über Familie Moritz Rogger siehe weitere Informationen bei der nächsten Karte.

       
  Karte an Betty Hamburger
in Nördlingen von Familie Rogger
 (Augsburg), geschrieben am 
10. Mai 1937 
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Es handelt sich um eine Karte aus dem Schocken-Verlag: "Blick auf die Wassertürme beim Roten Tor" in Augsburg. Empfängerin der Karte ist Betty Hamburger, geb. am 29. April 1889 in Nördlingen, ledig, seit 1939 in Pirmasens lebend, gest. am 4. Januar 1940 in New York. Sie war wohl gesundheitlich angeschlagen, hatte Problem mit dem Magen. Im Text der Karte finden sich Anspielungen auf ihren Gesundheitsstand. Ihr Vater war Gabriel Hamburger aus Schopfloch (gest. am 30. Dezember 1936 in Nördlingen), ihre Mutter war Nanni, geb. Neustätter aus Sulzbürg. Letztere konnte nach nach Amerika emigrieren, überlebte ihre Tochter um 9 Jahre und starb am 19. Juli 1949 in New York. Absender der Karte sind (siehe Unterschrift rechts) sind "die Rogger´s" in Augsburg. Der Vater war Josef Rogger aus Mönchsdeggingen, später in Nördlingen; Moritz Rogger (Moses, geb. 25. Oktober 1879 in Nördlingen) heiratet an seinem 32. Geburtstag im Jahr 1911 in München Karoline geb. Hummel (geb. 1881 in München). Das Ehepaar Rogger wird von Augsburg aus in den Osten deportiert und in den Tod geschickt. Empfängerin und Absender kannten sich vermutlich von der gemeinsamen Zeit in Nördlingen. 

 

  

     

   

  

 

 

 

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Stand: 02. Februar 2012