Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Synagogen in Bayerisch Schwaben

     
Fellheim (Kreis Unterallgäu) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Aus der Geschichte des Rabbinates  
Kleinere Mitteilungen aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
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Zur Geschichte der Synagoge   
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aktuelle Berichte zur Frage nach der Zukunft der ehemaligen Synagoge (Stand: November 2009)
 
Links und Literatur   

    
   
Informationen des "Arbeitskreises Geschichte, Brauchtum und Chronik aus Fellheim":

Zum Arbeitskreis: der Arbeitskreis führt seit 2003 Führungen durch den ehemaligen jüdischen Ortskern Fellheims durch. Anfang 2008 wurde eine kleine Broschüre herausgegeben, in der der "Text" Führungen nebst Bildern und einer DVD mit Zeitzeugenaussagen und TV-Beiträgen enthalten ist. Broschüre und DVD kosten zusammen 5,-- € und können bei der Gemeindeverwaltung in Fellheim bestellt werden. Titel: Fellheim an der Iller. Eine bebilderte Führung durch den ehemaligen jüdischen Ortskern Fellheims, hgg. v. Arbeitskreis Geschichte, Brauchtum und Chronik in Zusammenarbeit mit dem Amt für ländliche Entwicklung und der Gemeinde Fellheim (2007).   
Kontaktadresse:    
Christian Herrmann    Arbeitskreis Geschichte, Brauchtum und Chronik     
Bahnhofstraße 4    87748 Fellheim    Tel. 08335/987333   E-Mail  

           

       

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

In dem bis 1806 den Freiherren von Reichlin-Meldegg gehörenden Fellheim bestand eine jüdische Gemeinde bis um 1933. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. Freiherr Philipp Bernhard von Reichlin-Meldegg erlaubte nach dem Dreißigjährigen Krieg den Zuzug von Juden in Fellheim. 
 
Seit Anfang des 18. Jahrhunderts hatte die Gemeinde einen eigenen Rabbiner. Als erster wurde 1716 Marx Nissont angestellt. Mitte des 18. Jahrhunderts war als Rabbiner Simon Leopold Laupheimer tätig, danach Joel Nathan Greilsheimer. 1877 starb nach 47jähriger Dienstzeit Rabbiner M. H. Seligsberg. 
 
Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die Höchstzahl jüdischer Einwohner mit etwa 500 Personen erreicht. Danach ging sie durch Aus- und Abwanderung schnell zurück, sodass um 1910 nur noch 22 jüdische Einwohner gezählt wurden (1925: 20). Wenig später wurde Fellheim zur Filialgemeinde von Memmingen und gehörte mit ihr zum Bezirksrabbinat Augsburg. 
 
Um 1925 war Gemeindevorsteher der Filialgemeinde J. Einstein. 
  
Nach 1933 konnten noch 12 jüdische Einwohner auswandern (allerdings erst 1938/1941), die letzten 14 wurden 1942 deportiert. Von den in Fellheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem; abgestimmt mit der Liste von G. Römer, Leidenweg s.Lit. S. 173): Berta Einstein geb. Mayer (1870), Isak Einstein (1866), Julius Einstein (1903), Jette Fränkel geb. Bacharach (1876), Johanna Frank geb. Einstein (1890), Justin Frank (ca. 1914), Bernhard Frankenthaler (1873), Lina Frankenthaler geb. Lichtenauer (1878), Bernhard Freimann (1901), Hans Freimann (1931), Lisa Freimann geb. Guggenheimer (1907), Frieda Günzburger geb. Heilbronner (1860), Josef Günzburger (1883), Rosalie Günzburger geb. Heilbronner (1893), Alfred Guggenheimer (1877), Julius Gutmann (1873), Paula Hess geb. Kahn (1870), Samuel Hess (1874), Jakob Jacobs (1869), Salomon Laupheimer (1882), Berta Mayer geb. Kusiel (1872), Elias Mayer (1891), Hans A. Mayer (1931), Johanna Mayer (1923), Martin Mayer (1926), Siegfried Mayer (1895), Sara Nathan geb. Schwabacher (1880), Sofie Osswald geb. Goldstein 1874), Bernhard Schwabacher (1879), Max Strauss (1873).
  
 

Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1874 / 1884

Fellheim AZJ 03021874.jpg (59788 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. Februar 1874: "Erledigte Stelle. Die hiesige Lehrerstelle, womit auch der Vorsänger- und Schächterdienst verbunden ist, soll besetzt werden. Der Gehalt besteht in 550 Gulden nebst freier Wohnung und in Schächtergebühren und sonstigen Akzidenzien, die ungefähr 150 Gulden betragen. Bewerber um diese Stelle werden aufgefordert, ihre Gesuche binnen 3 Wochen unter Beilage ihrer Zeugnisse bei der unterfertigten Kultusverwaltung einzureichen. Fellheim (Bayern), 14. Januar 1874. Israelitische Kultusverwaltung."
    
Fellheim AZJ 17061884.jpg (89853 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. Juni 1884: "Erledigte Stelle. Durch das schnelle Ableben des seit 10 Jahren in hiesiger israelitischer Gemeinde funktionierenden Lehrers ist die Elementar- und Religionslehrerstelle, womit auch die Funktionen des Schächters, Vorsängers und Gemeindeschreibers verbunden sind, zur provisorischen Besetzung erledigt. 
Der Gehalt besteht in Mark 640.- fix nebst freier, schöner Wohnung, in Schächtergefällen und in sonstigen Akzidenzien, die ungefähr Mark 560.- betragen. 
Bewerber um die Stelle (ledige bevorzugt) werden aufgefordert, ihre Gesuche binnen 3 Wochen unter Beilage ihrer Befähigungszeugnisse bei der unterzeichneten Verwaltung einzureichen. 
Fellheim, den 2. Juni 1884. Israelitische Kultus-Verwaltung."

    
Zum Tod von Lehrer Isidor Kahn (1931)
Jüdischer Lehrer am Ende des 19. Jahrhunderts in Fellheim war Isidor Kahn. Er wechselte ca. 1900 nach Hürben. Zu seinem Tod 1931 erschien nachstehender Artikel.

Krumbach BayrGZ 01011931.jpg (202947 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Januar 1931: "Hauptlehrer Kahn (Krumbach) – er ruhe in Frieden. Am 20. November ist Herr Hauptlehrer Isidor Kahn von Krumbach (geboren zu Burgpreppach) im 67. Lebensjahre aus seinem Wirkungskreise abberufen worden, ‚allzu früh für seine Gemeinde, der er mehr als drei Jahrzehnte in vorbildlicher Pflichterfüllung, hingebender Treue und wahrer Nächstenliebe als Lehrer und Seelsorger’ gewidmet hatte. Kein Wort in dem warm empfundenen Nachruf des Vorstandes seiner Gemeinde ist ohne tiefste innere Wahrheit und Berechtigung ausgesprochen. Hauptlehrer Kahn – er ruhe in Frieden – gehörte zu der alten Garde aufrechter, liberal denkender Lehrerpersönlichkeiten, deren Stolz ihr Beruf, deren Stärke ihr Charakter und deren Größe ihr reines Menschentum ausmachte. Er war begeistert für die Ideale seines Standes, ein Lehrer von vorbildlichem Streben nach Vervollkommnung und Berufstüchtigkeit, ein Chasen (Vorbeter) von feinem Verständnis und beachtlichem Können, ein Menschenfreund und Seelenarzt – und dabei allzeit ein froher Kamerad und ein treuer Freund jedem, der, von der Güte seines Herzens oder dem Zauber seiner geschlossenen, abgerundeten Persönlichkeit bezwungen, sich ihm erschloss. Kahn hat fast seine ganze gesegnete unterrichtliche Tätigkeit an der jüdischen Volksschule (zuerst in Fellheim, dann in Hürben bzw. Krumbach), sich auswirken lassen können. Als vor wenigen Jahren seine Volksschule von der Regierung von Schwaben aufgelöst wurde, blieb er der Religionslehrer seiner Gemeinde. Er war verwachsen mit seiner Gemeinde und all ihren Institutionen wie selten einer; daneben bewahrte er sich die Weite des Blicks für alle Fragen des Gesamtjudentums, dem er sich unlöslich verkettet fühlte, wie für die Schicksalsfragen seines deutschen Vaterlandes, dessen treuester Söhne einer er gewesen ist. Darüber hinaus fand er Zeit für mannigfache soziale Betätigungen, insbesondere für die Betreuung des Münchener Ferienheims in Krumbach. – So ist die Trauer seiner Gemeinde um den Verlust dieses seltenen Mannes nur zu begreiflich. Man muss es gesehen haben, wie dem Verewigten die Hochschätzung und Verehrung seiner Gemeindeangehörigen wie eine reife Frucht zufiel, um die Aufrichtigkeit ihrer Klage in ihrer ganzen Tiefe zu erfassen. Aber auch die Schar seiner Kollegen trauert um den frühen Heimgang ihres Amtsbruders; denn sein Herz schlug warm für alle ihre Bestrebungen, sein gastliches Haus stand jedem offen, den der Weg ins Schwabenland führte, seines Rates und seiner Hilfe konnte sicher sein, wer ihrer bedurfte.
Nun ruht er aus im stillen Frieden des so idyllisch gelegenen Besolom (‚Haus der Ewigkeit’ = Friedhof) der alten Hürbener Gemeinde, der andächtige Verehrer der Kunst, der begeisterungsfähige Bewunderer der Natur, der schlichte Diener seines Gottes, der gütige Gatte und Vater, der liebenswerte Mensch und Freunde. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens. Bl., Nürnberg.
Am Grabe widmete Kollege Hammelburger (Ichenhausen) im Namen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern und der Bezirkskonferenz Schwaben dem heimgegangenen Freunde herzliche Abschiedsworte des Dankes und der Verehrung."

  
  
Aus der Geschichte des Rabbinates 
Rabbiner Seligsberg hat ein Buch verfasst (1842) 

Fellheim AZJ 16071842.jpg (32902 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. Juli 1842: "M'kor chajim von M. H. Seligsberg, Rabbiner in Fellheim. 9. broch. Preis 1 1/2 Taler oder 2 Gulden 24 Kreuzer. Vorzüglich für Brüderschaften zur Erbauung. Ulm, im Juli 1842. Stettin'sche Buchhandlung." 

   
Kleinere Mitteilungen aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben 
Der Verein "Chevre Hanorim" feiert sein 100-jähriges Bestehen

Fellheim Israelit 18041877.jpg (48750 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. April 1877: "Fellheim (Bayern). Vor einiger Zeit feierte unser Verein 'Chevre Hanorim' (Jünglings-Verein), gegenwärtig aus noch 10 Mitgliedern bestehend, das hundertjährige Jubiläum. Dieses Fest wurde durch Gottesdienst und ein kleines Festessen gefeiert, wobei der Zweck des Vereins und die Wichtigkeit dieses Festes in würdiger Weise erläutert wurde; auch wurde unserer armen Brüder in Brückenau durch eine kleine Sammlung für dieselben gedacht."

 
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 

Auszeichnung von Ludwig Heilbronner mit dem Eisernen Kreuz im Krieg 1870/71

Fellheim AZJ 31101871.jpg (68738 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 31. Oktober 1871: "Bonn, 20. Oktober (1871). Wir tragen die Mitteilung einiger Auszeichnungen nach, die Glaubensgenossen aus ihrer Teilnahme am Kriege 1870/71 geworden, und die wir erst jetzt erfuhren...  Ludwig Heilbronner aus Fellheim, Gefreiter im 12. königlich bayerischen Infanterie-Regiment, wurde in Folge seines ausgezeichneten Verhaltens in der Schlacht bei Sedan mit dem eisernen Kreuze dekoriert."

 
Über den Antiquitätenhändler Albert Einstein, längjähriger Vorsteher der Kultusgemeinde Fellheim (gest. 1926)

Fellheim BayrGZ 07081926.jpg (114900 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 7. August 1926: "Fellheim (Schwaben). Am 5. dieses Monats starb hier der älteste jüdische Veteran Schwabens, Herr Antiquitätenhändler Albert Einstein, Kriegsteilnehmer der Feldzüge 1866 und 70/71 und langjähriger Vorstand der Kultusgemeinde Fellheim. An seinem Grabe sprachen Herr Prediger Rosenblatt (Memmingen), Herr Hauptlehrer Frank, Fischach, als Schwiegersohn, ferner Herr Oberleutnant d.R. und Bahnvorstand Ostermann. Der letztere wies in seinem ehrenden Nachruf u.a. darauf hin, wie der Korporalschaftsführer Einstein durch die Tat die Behauptung Lügen gestraft, als ob Soldaten-Ehre und Tapferkeit von der Konfession abhingen. Der imposante Trauerzug, an welchem 5 Veteranenvereine mit Fahnen sich beteiligten, war wohl der weitaus größte am Ort seit Menschengedenken. Es war ein ergreifender Moment, als sich beim Kommando 'zum Gebet' die prächtigen Fahnen über den zu Grabe gebrachten Gründer des Veteranenvereins Fellheim senkten. - Albert Einstein hat auch bis an sein Ende ehrenamtlich als Vorbeter an den hohen Feiertagen gewirkt und noch am letzten Jom Kippur, als 82jährioger, das ihm in jungen Jahren von dem durch seine Belehrungs- und Erbauungsschriften bekannten Rabbiner Seligsberg übertragenen Neïloh mit seltener Kraft seines unverwüstlichen Tenors vorgebetet. Seiner Gemeinde war er nicht nur Führer, sondern auch Vorbild im privaten wie geschäftlichen Leben. Die überaus große Beteiligung bei der Bestattung, die Liebe und Ehre, die ihm schon bei Lebzeiten von Nah- und Fernstehenden stets entgegengebracht worden sind, zeugen von der Beliebtheit, deren sich dieser brave und aufrichtige Mann erfreute. Ehre seinem Andenken!"

 
Über den aus Fellheim stammenden Antiquar Ludwig Rosenthal (geb. 1840 in Fellheim, gest. 1929 in München)

Fellheim AZJ 07071905a.jpg (147478 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. Juli 1905: "Ein deutscher Buchhändler. Unter den Begründern der großen Buchhandlungen Deutschlands in alter und neuer Zeit finden sich viele Männer, die es nur durch eisernen Fleiß und ihre nie ermüdende Umsicht, verbunden mit natürlicher Begabung für den erwählten Beruf, zu einem Weltruf gebracht haben. Zu diesen ‚Männern eigener Kraft’ dürfen wir mit vollem Recht auch den Antiquar Ludwig Rosenthal, den Gründer der Firma Ludwig Rosenthals Antiquariat in München rechnen, der in diesem Monat auf eine fünfzigjährige Tätigkeit im Buchhandel zurückblicken kann. Das ‚Börsenblatt für den deutschen Buchhandel’ widmet dem vortrefflichen Manne, der auch ein guter Jude ist, in Nr. 119 aus der Feder Paul Bürgers einen sehr interessanten Aufsatz, dem wir die nachfolgenden Mitteilungen entnehmen: Ludwig Rosenthal ist am 2. Juli 1840 in Fellheim, einem kleinen Flecken an der Iller im Königreich Bayern, geboren. Die geringen Mittel des Vaters erlaubten es nicht, den begabten Knaben eine höhere Schule besuchen zu lassen. Doch wusste es der Vater zu ermöglichen, dass der dreizehnjährige Volksschüler wöchentlich dreimal mit vierstündiger Wanderung im zwei Wegstunden entfernten Buxheim Privatunterricht in der englischen Sprache genießen konnte. So nur mangelhaft für den Buchhandel vorgebildet, trat er im Mai 1855 bei J. Heß in Ellwangen in die Lehre. Unter der Leitung dieses anerkannt tüchtigen Buchhändlers und Antiquars machte er, immer bestrebt, die Lücken seiner Vorbildung durch Privatstunden bei einem Gymnasiallehrer in der englischen, französischen und lateinischen Sprache und in eigener Fortbildung durch Lesen bis spät in die Nacht hinein auszufüllen, eine gute Schule durch. Das erste Buch, das der Lehrling auszeichnete, war Scheffels Ekkehard, 1855 erschienen. Schon in der Lehre machte sich sein Sammeleifer und sein Suchen nach seltenen, wertvollen Büchern bemerkbar und wies ihm den Weg, den er in der Folge gehen sollte. In einem Ankauf des Sohnes seines Chefs entdeckte er einen Reiberdruck, die ‚Mirabilia urbis Romae’, wovon in diesem Jahre ein Faksimile-Neudruck erschienen ist. Für den nach heutigen Verhältnissen spotbilligen
Fellheim AZJ 07071905b.jpg (391099 Byte)Preis von 1.200 Mark wurde das spannenlange Bändchen, wie sich der glückliche Finder in einem Brief an seinen Vater ausdrückte, verkauft. Vor der Vernichtung durch Einstampfen rettete dann sein Sammeleifer eine große Anzahl Goethescher Originalausgaben. Nach dreieinhalbjähriger Lehrzeit, die der immer Strebende gut ausgenützt hatte, erhielt er von seinem Chef das Lehrzeugnis mit den besten Wünschen für die Zukunft. Nur kurze Zeit arbeitete der junge Gehilfe in der Kuhlmeyschen Buchhandlung (H.H. Feddersen) in Liegnitz.
Der Trieb zur Selbständigkeit ließ dem auf Verdienst angewiesenen strebsamen Jüngling keine Ruhe, er suchte Betätigung der in der Lehre empfangenen Anregungen im eigenen Geschäft. Daher gründete der noch nicht zwanzigjährige junge Mann nach rühmlicher Ablegung der in der Neuzeit vergeblich wieder angestrebten Lehrlings- bzw. Gehilfenprüfung und der Prüfung für den selbständigen Betrieb des Buchhandels und Antiquariates Ende des Jahres 1859 unter stiller Teilhaberschaft seines Vaters in Fellheim in recht bescheidenen Verhältnissen ein Antiquariat durch den Ankauf der ersten Bibliothek.
Rastlose geschäftliche und private Arbeit und kleine Erfolge spornten den immer weiter Schreitenden, der nie vergaß, sein bibliographisches Wissen und seine typographischen Kenntnisse zu bereichern und praktisch auszunützen, zu neuen Unternehmungen an. Im Jahre 1863 trat er mit dem Gesamtbuchhandel in Verbindung, wurde Mitglied des Börsenvereins und hatte seinen Kommissionär in Leipzig und Stuttgart. Gleichzeitig erschien der erste Antiquariatskatalog, ‚Katholische Theologie’, schon mit einem Anhang ’Manuskripte’, Marienliteratur, Jesuiten und Häresie. Er umfasste die stattliche Anzahl von 3000 Nummern älterer Literatur. Dieser Richtung, vorwiegend nur ältere Literatur im reinen Antiquariat zu vertreiben, ist der früh Entschlossene auch immer treu geblieben. Es folgten bei stetem Fortschritt der geschäftlichen Entwicklung ganz naturgemäß Kataloge über protestantische Theologie, Reformationsschriften, alte Jurisprudenz und Medizin, typographische Seltenheiten, Holzschnittwerke, Ornamentik, Werke in schönen Einbänden etc.
Für eine weitere Ausdehnung konnte der kleine Ort Fellheim dem jetzt geschäftlich schon vielgewandten Antiquar nicht mehr genügen. Er verlegte daher sein Geschäft, nachdem ihm auf sein Gesuch‚ in Erwägung, dass der pp. Rosenthal die gesetzlichen Vorbedingungen zur Ansässigmachung resp. Übersiedlung erfüllt hat, eine sehr gute Befähigung besitzt und nachgewiesenermaßen mit so viel Vermögen (es waren laut Vermögens- und Leumundszeugnisses der Gemeindeverwaltung zu Fellheim 5.000 Gulden) versehen ist, dass mit Sicherheit angenommen werden kann, dass derselbe dahier seinen Nahrungsstand wird sichern können, zumal ihm das Zeugnis großer Geschäftsgewandtheit und Tätigkeit zur Seite steht, und  das Antiquariatswesen vorzüglich kommerzieller Natur ist’… eine persönliche Antiquariatsbuchhandlungs-Konzession für die Stadt München bewilligt war, im Jahre 1867 nach München.
München war der richtig gewählte Ort. Hier konnten sich die Kräfte des jungen Antiquars voll entfalten. Es entwickelte sich bei dem rastlosen Eifer und der Herausgabe bibliographisch anerkannt gut beachteter Kataloge das Geschäft schnell weiter. Geschäftsreisen im engen Vaterlande, in Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien, England erweiterten den Geschäftskreis immer mehr, führten zur Auffindung und Erwerbung seltener typographischer Erzeugnisse und Handschriften, schufen neue Verbindungen und Absatzgebiete, brachten den immer Lernbegierigen mit Gelehrten und Bibliophilen zusammen, die wiederum den regen Eifer, das vielseitige bibliographische Wissen und das schnelle erfassen und Erfüllen ihrer Wünsche von Seiten des jungen Geschäftsmannes zu schützen wussten.
Im Jahre 1874 nahm Ludwig Rosenthal seine Brüder Jacques und Nathan, die bei ihm das Antiquariats-Geschäft erlernt hatten, zu Teilhabern auf; er selbst blieb aber nach wie vor die Seele des Geschäfts. Große Ankäufe von hervorragenden Bibliotheken, der Bibliothek des Benediktinerklosters St. Veit bei Neumarkt a. Rott, der Stadtbibliothek Leutkirch in Württemberg, der Bibliothek der Familie Hoerman von Gutenberg (mit Kupferstichsammlung), der Bibliothek des Jesuitenkollegiums Landsberg, der Bibliothek des Freiherren Karl Maria von Aretin, Direktors des Königlichen bayerischen Nationalmuseums in München, eines Teils der Bibliothek des Kathäuserklosters Buxheim bei Memmingen, der Bibliothek des Rittergutes Lobris in Schlesien brachten mit der Zeit eine Ausdehnung des Geschäfts, dass das Bücherlager der Firma Ludwig Rosenthal’s Antiquariat in München an Inkunabeln, seltenen Drucken, Handschriften, Einzelblättern das größte Deutschlands geworden ist und einen Weltruf erworben hat. Ja, die Größe des Geschäfts ließ es wünschensweit erscheinen, eine Teilung zu schaffen, und so gingen die Brüder, die über 20 Jahre an dem großen Bau gemeinsam gearbeitet hatten, im Jahre 1895 auseinander und führten, jeder für sich unter eigener Firma, ein Antiquariat weiter. Ludwig Rosenthal behielt, seinem Hauptanteil am Geschäft entsprechend, die alte Firma und führte sie mit alter Kraft in den für richtig erkannten Bahnen weiter, bis er in diesem Jahre 1905, 50 Jahre nach Eintritt in den Buchhandel, seine drei Söhne Adolf, Norbert und Heinrich zu seinen Teilhabern ernannte. Was die Wissenschaft dem Rosenthal’schen Antiquariat verdankte, ist oft in Berichten und Besprechungen anerkannt worden. Die gut bearbeiteten Kataloge der Firma werden wegen ihrer bibliographischen Genauigkeit als Nachschlagewerke benutzt und öfter in Spezialbibliographien zitiert. Bei der Auffindung der verschollenen Globuskarte mit dem Schiffskurs der Magellanschen Weltumsegelung in den Jahren 1519 bis 1522 des Johannes Schöner von 1523, durch Professor Dr. Fr. R. von Wieser kritisch gewürdigt, und bei der Auffindung des ‚Missale speciale’, in dem Hupp, Misset und Stein einen Versuchsdruck Gutenbergs und einen Vorläufer des Psalteriums von 1457 erkannten, durfte Ludwig Rosenthal der Wissenschaft die oft bewährten Handlangerdienste tun. Er selbst hat im Repertorium für Kunstwissenschaft, Band V, Seite 379-405, eine bibliographische Studie über Hans Behaims alttestamentliche Holzschnitte und deren Verwendung zur Bücherillustration 1529 bis 1612 geschrieben, auch sonst manches von bibliographischem Interesse in Fachblättern mitgeteilt. Wohl die meisten Bibliotheken und Museen beziehen ihre Cimelien direkt oder indirekt vom Hause Ludwig Rosenthal. Ein Hauptgeschäft macht die Firma nach Amerika, ganz erklärlich, weil die dortigen jungen Bibliotheken und Museen typographischer Seltenheiten noch sehr ermangeln.
Eine Biographie Ludwig Rosenthals ist daher auch in Amerika zuerst in ‚The Curio vol. I 1988’ erschienen. – Der in völliger Mittellosigkeit früh auf eigenen Verdienst Angewiesene hat, streng gegen sich selbst, in harter Arbeit nicht nur tagsüber, sondern auch in manchen Nachtstunden sich bemüht, die Lücken seines Wissens auszufüllen und sein Geschäft auf jene Höhe zu bringen, auf der es nach mühevollen Jahren jetzt steht. Ludwig Rosenthal ist somit der Begründen des blühenden Antiquariatsbuchhandels in München geworden, denn außer den direkt aus seinem Geschäft hervorgegangenen Firmen Jacques und Nathan Rosenthal sind die Inhaber mehrere angesehener Firmen Münchens seine Schüler gewesen. Durch
Fellheim AZJ 07071905c.jpg (50953 Byte)Ludwig Rosenthal ist der von ihm vertretene Zweig des Antiquariats, dessen Mittelpunkt früher auch in Leipzig und Berlin lag, nach Süddeutschland verlegt worden; München ist durch ihn der Hauptplatz für Inkunabeln, seltene Drucke und Handschriften jeder Art geworden. Möge dem nunmehr 50 Jahre im Buchhandel tätigen Mann, der heute an leitender Stelle eines weltbekannten Hauses steht und mit nie ermüdendem Fleiß, umgeben von einem bibliographischen Handapparat, wie ihn nur große Bibliotheken besitzen – ein rühmliches Vorbild aller seiner Mitarbeiter – von früh bis abends in voller Rüstigkeit arbeitet, das seltene Glück beschieden sein, auch noch das 50jährige Bestehen des selbst gegründeten Geschäfts in gleicher Frische zu erleben."
Fellheim BayrGZ 15011929.jpg (194737 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Januar 1929: "Antiquar Ludwig Rosenthal. Am 23. Dezember verstarb in München im hohen Alter von fast 89 Jahren Herr Antiquar Ludwig Rosenthal, der Gründer des weltbekannten Antiquariats Ludwig Rosenthal’s Antiquariat, München. Geboren am 2. Juli 1840 in Fellheim in Bayern trat er im Mai 1855 bei Isaak Heß in Ellwangen in die Lehre, wo er durch unablässiges Selbststudium alles das nachholte, was ihm zu erwerben infolge der beschränkten Mittel seines Vaters in seiner frühesten Jugend nicht möglich war. So gelang es ihm sich neben der Kenntnis fremder Sprachen ein umfangreiches Rüstzeug für den Buchhändler und Antiquar zu erwerben. Bereits im Jahre 1859 gründete er in Fellheim die Firma Ludwig Rosenthal’s Antiquariat, die er im Jahre 1867 nach München verlegte.
Durch Ludwig Rosenthal trat München mit Leipzig, Berlin, Frankfurt in gleiche Linie, im Hinblick auf Inkunabeln und Handschrift übernahm es sogar die führende Rolle in Deutschland. Die Wissenschaft verdankte dem Rosenthalschen Antiquariat viele Entdeckungen alter Werke von unschätzbarem Werte. Erinnert sei an die wertvolle Globuskarte mit der Schiffstour der Magellanschen Weltumsegelung von 1523, den Verrazano Weltglobus von 1530, einen seltenen unbekannten Holzdruck des Endkrist, das Missale speziale, die 47 Blätter umfassende Mantegna Spielkarte des Baccio Baldini aus dem 15. Jahrhundert. Ludwig Rosenthal selbst schrieb über Hans Beham’s alttestamentliche Holzschnitte und deren Verwendung zur Bücherillustration 1529-1612. Viele Bibliotheken und Büchersammler verdanken ihm Bereicherung ihrer Schütze. Bekannt sind die Aufträge, die die Firma Ludwig Rosenthal für König Ludwig II. erledigte. Auch Ignaz von Döllinger gehörte zu den ständigen Kunden des Hauses.
Erst im Alter von 82 Jahren hat sich Ludwig Rosenthal endgültig vom Geschäft zurückgezogen. Mit seinem Ausscheiden ist der Antiquar der alten Schule, wie Butsch, Vater & Sohn, J. Heß, der alte Köhler, Weigel und Simon Baer fast gänzlich verschwunden. Wie diese gehörte auch Ludwig Rosenthal zu den Männern, denen das Buch nicht nur Handelsware bedeutete, wie diese näherte er auch sich mehr den Bibliophilen, welche die Bücher wie ihre Kinder lieben und von denen sie sich zumeist nur sehr ungern trennen. Sein einfacher Sinn, der ihn abhielt, nach Titel und Orden zu streben, die ihm unter König Ludwig II, leicht erreichbar gewesen wären, drückte sich in seiner ganzen Lebensweise aus. In diesem Sinne wurde der Verstorbene auch seinem Wunsche entsprechend in aller Stille bestattet."

  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe / Privatpersonen 
Anzeige von J. Einstein (1867)

Fellheim Israelit 21081867.jpg (30956 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. August 1867: "Ein junger Mann, mit den besten Zeugnissen versehen, wünscht sich in Bälde, am liebsten in einem Manufakturwaren-Geschäft, das Sabbat und Feiertage geschlossen ist, als Commis oder Reisender zu platzieren. Näheres bei J. Einstein, Fellheim (Bayern)."

 
  

Zur Geschichte des Betsaales /der Synagoge 

Zunächst richteten sich die in Fellheim aufgenommenen jüdischen Familien einen Betsaal in einem der jüdischen Häuser ein. 1738 konnte auf dem heutigen Grundstück Memminger Straße 17 eine Synagoge erbaut werden. 
 
Beim Novemberpogrom 1938 kamen am 10. November 1938 etwa 40 Männer in drei Lastautos aus dem benachbarten Boos nach Fellheim. Sie drangen in die Synagoge ein, zerschlugen einen Teil des Mobiliars, holten die Ritualien heraus (darunter zehn alte Torarollen, ein Toramantel von Anfang des 18. Jahrhunderts und ein Toraschrein-Vorhang von 1796) und verbrannten sie auf der Rückfahrt nach Boos. Zusätzlich kamen SS-Leute aus Memmingen nach Fellheim, die den Rest des Inventars vernichteten und den Toraschrein schwer beschädigten. Einige Dorfbewohner beteiligten sich zwar an der Verwüstung, jedoch widersetzt sich die Mehrheit der Einwohner der Zerstörung der Synagoge. 
 
In der Zeit des Zweiten Weltkrieges für das Gebäude für militärische Zwecke (Unterbringung für Flugzeugmotoren) verwendet. 
 
Nach 1945 wurde das Gebäude beschlagnahmt und der jüdischen Vermögensverwaltung JRSO übertragen. 1951 wurde es an Privatleute verkauft, die es 1954 renovierten und zu einem Wohnhaus umbauten. 
Im August 1948 fand gegen acht der beim Novemberpogrom in Fellheim Beteiligten vor dem Landgericht Memmingen ein Prozess statt. Zwei der Personen wurden frei gesprochen, sechs erhielten Gefängnisstrafen zwischen vier und 15 Monaten.
 
Die Gemeinde Fellheim hat das Gebäude der ehemaligen Synagoge sowie den Platz zwischen Synagoge und Friedhof 2007 gekauft. Verhandlungen über eine Umgestaltung der ehemaligen Synagoge und über ein Nutzungskonzept laufen.
  
Außer der Synagoge bestanden an jüdischen Einrichtungen: seit 1794 eine Mikwe und seit 1836 eine jüdische Schule. Die Schule musste 1910 geschlossen werden. Der Religionsunterricht für die noch verbliebenen jüdischen Kinder wurde von einem Lehrer aus Memmingen erteilt. Im Gebäude der ehemaligen jüdischen Schule ist heute das Rathaus der Gemeinde Fellheim untergebracht. Am 6. November 1988 wurde zur Erinnerung an die jüdische Gemeinde eine Gedenktafel angebracht.
  

  
Fotos  
Historische Fotos: 
(Quelle für obere: Foto links oben bei H. Hammer-Schenk: Synagogen in Deutschland. 1981 Bd. 2 Abb. 187; rechts oben bei G. Römer: Schwäbische Juden S. 10)

Fellheim Synagoge 003.jpg (79864 Byte) Fellheim Synagoge 190.jpg (67071 Byte)

Die Synagoge in Fellheim, auf dem rechten Bild ist hinter dem PKW der Eingang zum Friedhof zu sehen

 
Fellheim Synagoge 411.jpg (64645 Byte) Fellheim Synagoge 410.jpg (77374 Byte)
Historische Postkarte von Fellheim mit der Synagoge (siehe Ausschnittsvergrößerung rechts; 
Quelle: Sammlung Hahn)
        
Fellheim Synagoge 710.jpg (73574 Byte) Fellheim Synagoge 711.jpg (72784 Byte) Fellheim Ort 110.jpg (74119 Byte)
Historische Postkarte von Fellheim mit Synagoge und "Geschäftshaus Thannhauser" (Ausschnittsvergrößerungen; Quelle: Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)
   

Neue Fotos:
(Fotos: Hahn; Aufnahmedatum 23.7.2004)

Fellheim Synagoge 150.jpg (38313 Byte) Fellheim Synagoge 151.jpg (50393 Byte) Fellheim Schule 01.jpg (23366 Byte)
Das Gebäude der ehemaligen Synagoge in Fellheim, als Wohnhaus genutzt. Das linke Foto ist aus dem Friedhof heraus aufgenommen (Eingangstor zum Friedhof) Die ehemalige jüdische Schule, heute Rathaus der Gemeinde Fellheim (Foto/Quelle: Gemeinde Fellheim)

        
     
Erinnerungsarbeit vor Ort - aktuelle Berichte zur Frage nach der Zukunft der ehemaligen Synagoge    

Dezember 2008: Rückbau der früheren Synagoge soll geprüft werden.  
Artikel von Armin Schmid in der "Memminger Zeitung" vom 30. Dezember 2008: "Aus Synagoge soll "Haus der Kunst und Kultur" werden   -   Gemeinderat - Rückbau des früheren jüdischen Gotteshauses soll geprüft werden - Frage der technischen Möglichkeit und des Unterhalts.
Fellheim.  Die ehemalige Synagoge soll nach Möglichkeit zu einem 'Haus der Kunst und Kultur' zurückgebaut werden. Diesen Grundsatzbeschluss hat der er Gemeinderat zum Ausklang des alten Jahres gefasst. 'Wäre doch schade, wenn wir das historische Ensemble vom ,Langen Haus über die Synagoge bis zum ehemaligen Judenfriedhof nicht erhalten und nutzen würden', erläuterte Bürgermeister Alfred Grözinger. Auch im Hinblick auf die gerade laufende Dorferneuerung bilden die steinernen Zeugen jüdischer Vergangenheit einen Kernpunkt. So stellen für Bürgermeister Grözinger der Rückbau der Synagoge und die Neugestaltung der davor liegenden Staatsstraße wie auch der Kreisstraße MN14 ein zusammenhängendes Projekt dar, das den Ortsmittelpunkt neu ordnet und für die Zukunft gestaltet. Die Pläne, aus der ehemaligen Synagoge ein neues Rathaus zu formen, wurden unterdessen aufgegeben. 'Dies hätte nur bedingt Sinn gemacht und wäre auch finanziell zu aufwendig geworden', meinte der Fellheimer Rathauschef auch im Hinblick darauf, dass die Gemeinde bei dieser Lösung den größten Kostenanteil hätte selbst tragen müssen. In der als Wohnhaus genutzten ehemaligen Synagoge erinnert derweil fast nichts mehr an das frühere Gotteshaus. Das dreigeschossige Gebäude beherbergt derzeit sechs Wohnungen, die allerdings momentan bereits zum großen Teil leer stehen beziehungsweise gekündigt wurden. Im Prinzip soll in dem zehn mal 15 Meter großen Gebäude vom Boden bis zur Decke wieder ein großer Raum entstehen. Beim Rückbau ruhen die Hoffnungen darauf, dass möglichst viel von der alten Bausubstanz freigelegt und renoviert werden kann. Fenster, Gesimse, Treppenhaus, Empore oder ein prächtiges Eingangsbauwerk könnten so wieder herausgestellt werden und der ehemaligen Synagoge ihren Gebäudecharakter zurückgeben. 
Idee: Schulklassen über jüdische Geschichte informieren. Die Nutzung eines geplanten Kunst- und Kulturhauses soll überregional stattfinden. So könnte nach einer Instandsetzung die Unterrichtung von Schulklassen zum Thema "jüdische Geschichte" dort stattfinden, genauso wie Konzerte oder Vorträge. Die Finanzierung dieses Projektes will der Gemeinderat nicht vorrangig auf den Schultern der Kommune lasten sehen. 
Finanzierungsvarianten sollen überlegt werden. Zunächst soll geprüft werden, ob der Rückbau aus technischer und baulicher Sicht möglich ist. Danach sollen eine Kostenschätzung gemacht und Finanzierungsmöglichkeiten überlegt werden. Erst danach fällt die Entscheidung, ob ein Rückbau durchgeführt wird. Genauso wichtig wie ein Rückbau sind dem Fellheimer Ratsgremium der künftige Unterhalt und das Organisationsmanagement eines künftigen Kulturhauses. Bürgermeister Grözinger könnte sich vorstellen, dass sich das Landratsamt mit einbringt, um den organisatorischen Rahmen und die Betreuung des Kulturhauses sicherzustellen. Zudem sollen die Dienste des örtlichen "Arbeitskreises für Geschichte und Kultur" in Anspruch genommen werden." 
   
Juni 2009: Die Synagoge soll aufgewertet werden  
Fellheim Synagoge 09.jpg (44573 Byte)Foto links mit Untertext: "Der nun eingeschlagene Weg ist der richtige" - Zitat Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert.  
Von der einstigen Pracht der Synagoge im Fellheimer Ortszentrum (unser Bild unten zeigt eine Aufnahme, die vermutlich aus dem Jahr 1910 stammt) ist derzeit nichts zu sehen. Die Gemeinde will nun einen Rückbau vorantreiben. Dafür soll zunächst die Bausubstanz des Gebäudes untersucht werden. Foto: Waltl Jensen/Repro: Armin Schmid  
   
Artikel von Johannes Schlecker in der "Memminger Zeitung" vom 2. Juli 2009 (Artikel):    
Synagoge soll aufgewertet werden.  
Diskussion - Erst wird Bausubstanz überprüft - Förderung von Rückbau vom Ergebnis abhängig

Die Gemeinde Fellheim will den Rückbau der Synagoge im Ortszentrum weiter voranbringen und das Gebäude als Erinnerungs- und Begegnungsstätte sowie für kulturelle Veranstaltungen nutzen. Mit der technischen Umsetzung, einer möglichen Finanzierung sowie der künftigen Verwaltung und Trägerschaft beschäftigten sich am Mittwochabend mehrere Experten, darunter auch Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert, Mitglieder der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) sowie Vertreter des bayerischen Staatsministeriums und des Landesamts für Denkmalpflege.
Synagoge soll aufgewertet werden. In der Runde herrschte Konsens, dass zunächst eine Bauvoruntersuchung in die Wege geleitet werden muss, um die Bausubstanz zu prüfen. Dadurch soll festgestellt werden, welche Gebäudeteile möglicherweise noch in Originalform existieren. Den Stein ins Rollen brachte Dr. Bernd Vollmar vom Landesamt für Denkmalpflege. "Wir wissen einfach noch zu wenig über den aktuellen Zustand des Gebäudes." Daher sei eine vorbereitende Untersuchung als erster Schritt unverzichtbar. Das Ergebnis könnte seiner Ansicht nach bereits im Herbst dieses Jahres vorliegen. Den Ausführungen Vollmars vorausgegangen war die Vorstellung eines vom Arbeitskreis Geschichte, Brauchtum und Kultur erarbeiteten Nutzungskonzeptes für die Synagoge, die seit 2007 wieder im Besitz der Gemeinde Fellheim ist. In dem dreigeschossigen Gebäude, das derzeit sechs Wohnungen beherbergt, soll wieder ein großer Innenraum entstehen. "Leider existieren keine alten Pläne mehr über die Innenansichten", erklärte Christian Hermann vom Arbeitskreis Geschichte. Um die Bedeutung des Gebäudes sichtbar zu machen, sei auch eine möglichst vollständige Herstellung der einstigen Außenansicht das Ziel. Landrat Hans-Joachim Weirather, der zu dem Treffen geladen hatte, verwies auf die Bedeutung der Synagoge und auf das "Alleinstellungsmerkmal" des Gebäudes im gesamten Allgäu. Teile des Dachstuhls seien noch in ihrer Form von 1786 erhalten. "Eine Alternative zu einem großen, zentralen Innenraum sehe ich nicht." Die Voruntersuchung könne jedoch kein Ziel, sondern nur ein Teil des Ganzen sein. Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert sprach von einem "Reichtum für die Denkmalpflege". Die Höhe einer möglichen Förderung sei jedoch davon abhängig, wie hochwertig die Bausubstanz ist. "Wenn alles weg ist, stellt sich die Frage ganz anders", so Reichert. Fast alle Anwesenden, wie etwa Ministerialrat Dr. Andreas Bauer vom bayerischen Wissenschaftsministerium, der eine Voruntersuchung als "förderfähig" bezeichnete, signalisierten Interesse, sich an dem Projekt zu beteiligen. Konkrete Summen wurden an diesem Abend allerdings nicht genannt. 
Kosten auf rund zwei Millionen Euro geschätzt. Eine offene Arbeitsgruppe unter Leitung von Fellheims Bürgermeister Alfred Grözinger soll das Projekt weiter koordinieren. Der Rathauschef schätzt die Gesamtkosten eines Rückbaus auf rund zwei Millionen Euro. "Die Gemeinde allein kann dieses Projekt auf jeden Fall nicht tragen", so Grözinger. Das Treffen habe jedoch eine positive Entwicklung angestoßen. 
    
September 2009: Veranstaltungen zum "Europäischen Tag der jüdischen Kultur"  
Fellheim ETJK 2009p.jpg (50486 Byte)"Europäischer Tag der jüdischen Kultur am 6.9.2009 in Fellheim.  
Der "Europäische Tag der jüdischen Kultur" 
am Sonntag, den 6. September stand unter dem Motto 
'Jüdische Feste und Traditionen'. 
Der AK Geschichte beteiligte sich daran mit folgender Veranstaltung:  
Jüdische Feste und Traditionen.  
Zusammen mit der Gempfinger Hofmarkmusik wurden
Einblicke in jüdische Feste und den jüdischen Kalender gewährt.   
Die Veranstaltung fand statt im Foyer des Fellheimer Schlosses".
   
November 2009: Förderkreis für die Synagoge geplant    
Fellheim Synagoge 164.jpg (73138 Byte)Foto links von Armin Schmid: Das Gebäude der ehemaligen Synagoge     
Artikel von Armin Schmid vom 3. November 2009 in der "Memminger Zeitung" (Artikel):  
"Fellheim: Förderkreis für Synagoge geplant
Arbeitsgruppe - Überregionales Haus der Kunst und Kultur favorisiert - Alte Schriften und Dokumente entdeckt
Die zukünftige Nutzung der ehemaligen Fellheimer Synagoge stand bei einem Treffen der offenen Arbeitsgruppe im Mittelpunkt. Die Versammlung endete mit einer Absichtserklärung, einen Förderkreis für das historische Bauwerk zu gründen. Der Sprecher des Fellheimer Arbeitskreises Geschichte, Christian Herrmann, machte deutlich, dass es nicht um eine religiöse Nutzung der Synagoge geht. Vielmehr soll ein Haus der Kultur und Kunst entstehen.

Kreisheimatpfleger Peter Kern teilte mit, dass bei einer näheren Untersuchung der Synagoge religiöse Schriften und Dokumente gefunden wurden. Die Fundstücke werden demnach bereits geprüft und untersucht. Kern kündigte zudem an, dass ein Restaurator nach Restbeständen alter Bausubstanzen suchen wird. Da über die Gestaltung des Innenbereichs der Synagoge keine Bilder und Aufzeichnungen vorliegen würden, sollen so Erkenntnisse über alte Farbfassungen und ehemalige bauliche Ausgestaltungen gewonnen werden. Christian Herrmann betonte, dass Fellheim die einzige in ihrer Bausubstanz erhalten gebliebene Synagoge im Allgäu besitzt. Zudem existiere noch ein Großteil der ehemaligen jüdischen Wohnhäuser. «Fellheim bietet noch die Möglichkeit, einstiges jüdisches Leben auf dem Land vor Ort zu erfahren», erläuterte der Arbeitskreis-Sprecher. Er sieht in der Restaurierung der Synagoge einen wichtigen Impuls für den Erhalt eines einzigartigen dörflichen Häuserensembles in der Ortsmitte. «Im Landkreis fehlt es an sanierten, historischen Gebäuden, die man vorzeigen kann», erklärte Kreisheimatpfleger Kern. Er könne sich durchaus auch vom Landratsamt angeregte Veranstaltungen über Baukultur oder Bilderausstellungen vorstellen. Im Innenraum könnte ein Saal für etwa 100 Personen ausgebaut werden. Für die Neugestaltung des Außenbereichs könnten Pläne aus dem Jahr 1948 verwendet werden. Die damalige Absicht, die Synagoge für die rund 80 im Raum Memmingen verbliebenen Juden nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufzubauen, sei nie verwirklicht worden. Bürgermeister Alfred Grözinger berichtete von einer guten Bausubstanz und regte an, die charakteristische Außenansicht der ehemaligen Synagoge deutlich herauszustellen. Dies könne durch hohe Fenster oder den Rückbau des Eingangs zu einer Frauenempore geschehen. Grözinger machte aber deutlich, dass dies nicht von Fellheim allein geleistet werden könne. 
Veranstaltungen und Führungen. Der Bürgermeister regte überregionale Veranstaltungen, Führungen oder Besuche von Schulklassen an. Christian Herrmann schlug vor, Exponate vom Memminger Stadtmuseum in die sanierte Synagoge auszulagern."    
    

        

      

Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Fellheim 
Website der Gemeinde Fellheim (Dorferneuerung Fellheim)  
Fellheim Judengasse 01.jpg (84548 Byte)Seite zur Thematik "Dorferneuerung Fellheim": hier anklicken 
 
Foto links aus dieser Seite: "Judengasse" und Synagoge in Fellheim
Zur Seite über den jüdischen Friedhof Fellheim (interner Link): hier anklicken  
Seite mit Informationen und Foto zur jüdischen Familie Adolf Frenkel und Martha geb. Einstein aus Fellheim: hier anklicken  
Kalenderblatt mit Foto des Friedhofes Fellheim (pdf-Datei): hier anklicken 
Website "Jewish Genealogy in Bavarian Swabia" 

Literatur:

Wilhelm Rapp: Geschichte des Dorfes Fellheim. Hg. von der Gemeinde Fellheim 1960.

Baruch Z. Ophir und Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. München und Wien 1979 S. 465-466.

Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. München 1988 S. 238-239.

Michael Trüger: Der jüdische Friedhof in Fellheim / Schwaben. In: Der Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern. 11. Jahrgang Nr. 74 vom Oktober 1997  S. 24.

Synagogengedenkbuch BY 01.jpg (49758 Byte)Neuerscheinung in 2007: "Mehr als Steine...." Synagogen-Gedenkband Bayern. Band I: Oberfranken - Oberpfalz - Niederbayern - Oberbayern - Schwaben. Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager. Hg. von Wolfgang Kraus, Berndt Hamm und Meier Schwarz. Reihe: Gedenkbuch der Synagogen in Deutschen. Begründet und herausgegeben von Meier Schwarz. Synagogue Memorial Jerusalem. Bd. 3: Bayern. Kunstverlag Josef Fink Lindenberg im Allgäu.    (mit umfassenden Quellen- und Literaturangaben)
ISBN 978-3-98870-411-3.
Abschnitt zu Fellheim S. 431-439.
 


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Fellheim  Swabia. Five Jewish families were among the settlers who rebuilt the village in 1670 after its destruction in 1633. A new cemetery was consecrated in 1777 and a synagogue in 1786. In the early 19th century Jews constituted two-thirds of the population, numbering nearly 400. By the 1840s a decline set in through emigration to the U.S. and (from the 1860s) nearby Memmingen. In 1857, the Jewish public school still enrolled 96 children but by 1890 the Jewish poppulation was down to 108. In 1933, 26 Jews remained. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue and Jewish omes were vandalized. Six Jews left for the U.S. in 1938 and another six in 1941. The remaining 14 were deported, eight of them to Piaski (Poland) via Munich on 3 April 1942.  
    

  

                   
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Stand: 04. November 2009