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Informationen des "Arbeitskreises
Geschichte, Brauchtum und Chronik aus Fellheim":
| Zum Arbeitskreis: der Arbeitskreis führt seit
2003 Führungen durch den ehemaligen jüdischen Ortskern Fellheims durch.
Anfang 2008 wurde eine kleine Broschüre herausgegeben, in der der "Text" Führungen nebst Bildern und einer DVD mit Zeitzeugenaussagen und TV-Beiträgen enthalten ist. Broschüre und DVD kosten zusammen 5,--
€ und können bei der Gemeindeverwaltung in Fellheim bestellt werden. Titel: Fellheim an der Iller. Eine bebilderte Führung durch den ehemaligen jüdischen Ortskern Fellheims, hgg. v. Arbeitskreis Geschichte, Brauchtum und Chronik in Zusammenarbeit mit dem Amt für ländliche Entwicklung und der Gemeinde Fellheim (2007). |
Kontaktadresse:
Christian Herrmann Arbeitskreis Geschichte, Brauchtum und Chronik
Bahnhofstraße 4 87748 Fellheim Tel. 08335/987333
E-Mail |
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In dem bis 1806 den Freiherren von Reichlin-Meldegg gehörenden Fellheim
bestand eine jüdische Gemeinde bis um 1933. Ihre Entstehung geht in die Zeit
des 17. Jahrhunderts zurück. Freiherr Philipp Bernhard von Reichlin-Meldegg
erlaubte nach dem Dreißigjährigen Krieg den Zuzug von Juden in Fellheim.
Seit
Anfang des 18. Jahrhunderts hatte die Gemeinde einen eigenen Rabbiner. Als erster wurde
1716 Marx Nissont angestellt. Mitte des 18. Jahrhunderts war als Rabbiner
Simon Leopold Laupheimer tätig, danach Joel Nathan Greilsheimer. 1877 starb
nach 47jähriger Dienstzeit Rabbiner M. H. Seligsberg.
Anfang des 19. Jahrhunderts
wurde die Höchstzahl jüdischer Einwohner mit etwa 500 Personen erreicht.
Danach ging sie durch Aus- und Abwanderung schnell zurück, sodass um 1910 nur
noch 22 jüdische Einwohner gezählt wurden (1925: 20). Wenig später wurde
Fellheim zur Filialgemeinde von Memmingen
und gehörte mit ihr zum Bezirksrabbinat Augsburg.
Um 1925 war Gemeindevorsteher
der Filialgemeinde J. Einstein.
Nach 1933 konnten noch 12 jüdische Einwohner auswandern (allerdings erst
1938/1941), die letzten 14 wurden 1942 deportiert. Von den in Fellheim geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem; abgestimmt mit der Liste von G. Römer, Leidenweg
s.Lit. S. 173): Berta Einstein geb. Mayer (1870), Isak Einstein (1866), Julius
Einstein (1903), Jette Fränkel geb. Bacharach (1876), Johanna Frank geb.
Einstein (1890), Justin Frank (ca. 1914), Bernhard Frankenthaler (1873), Lina
Frankenthaler geb. Lichtenauer (1878), Bernhard Freimann (1901), Hans Freimann
(1931), Lisa Freimann geb. Guggenheimer (1907), Frieda Günzburger geb.
Heilbronner (1860), Josef Günzburger (1883), Rosalie Günzburger geb.
Heilbronner (1893), Alfred Guggenheimer (1877), Julius Gutmann (1873), Paula
Hess geb. Kahn (1870), Samuel Hess (1874), Jakob Jacobs (1869), Salomon
Laupheimer (1882), Berta Mayer geb. Kusiel (1872), Elias Mayer (1891), Hans A.
Mayer (1931), Johanna Mayer (1923), Martin Mayer (1926), Siegfried Mayer (1895),
Sara Nathan geb. Schwabacher (1880), Sofie Osswald geb. Goldstein 1874),
Bernhard Schwabacher (1879), Max Strauss (1873).
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1874 / 1884
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. Februar 1874:
"Erledigte Stelle. Die hiesige Lehrerstelle, womit auch der
Vorsänger- und Schächterdienst verbunden ist, soll besetzt werden. Der
Gehalt besteht in 550 Gulden nebst freier Wohnung und in
Schächtergebühren und sonstigen Akzidenzien, die ungefähr 150 Gulden
betragen. Bewerber um diese Stelle werden aufgefordert, ihre Gesuche
binnen 3 Wochen unter Beilage ihrer Zeugnisse bei der unterfertigten
Kultusverwaltung einzureichen. Fellheim (Bayern), 14. Januar 1874.
Israelitische Kultusverwaltung." |
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Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. Juni 1884:
"Erledigte Stelle. Durch das schnelle Ableben des seit 10
Jahren in hiesiger israelitischer Gemeinde funktionierenden Lehrers ist
die Elementar- und Religionslehrerstelle, womit auch die Funktionen des
Schächters, Vorsängers und Gemeindeschreibers verbunden sind, zur
provisorischen Besetzung erledigt.
Der Gehalt besteht in Mark 640.- fix nebst freier, schöner Wohnung, in
Schächtergefällen und in sonstigen Akzidenzien, die ungefähr Mark 560.-
betragen.
Bewerber um die Stelle (ledige bevorzugt) werden aufgefordert, ihre
Gesuche binnen 3 Wochen unter Beilage ihrer Befähigungszeugnisse bei der
unterzeichneten Verwaltung einzureichen.
Fellheim, den 2. Juni 1884. Israelitische Kultus-Verwaltung." |
Zum Tod von Lehrer Isidor Kahn (1931)
Jüdischer Lehrer am Ende des 19. Jahrhunderts in
Fellheim war Isidor Kahn. Er wechselte ca. 1900 nach Hürben.
Zu seinem Tod 1931 erschien nachstehender Artikel.
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Januar
1931: "Hauptlehrer Kahn (Krumbach) – er ruhe in Frieden. Am 20.
November ist Herr Hauptlehrer Isidor Kahn von Krumbach (geboren zu
Burgpreppach) im 67. Lebensjahre aus seinem Wirkungskreise abberufen
worden, ‚allzu früh für seine Gemeinde, der er mehr als drei
Jahrzehnte in vorbildlicher Pflichterfüllung, hingebender Treue und
wahrer Nächstenliebe als Lehrer und Seelsorger’ gewidmet hatte. Kein
Wort in dem warm empfundenen Nachruf des Vorstandes seiner Gemeinde ist
ohne tiefste innere Wahrheit und Berechtigung ausgesprochen. Hauptlehrer
Kahn – er ruhe in Frieden – gehörte zu der alten Garde
aufrechter, liberal denkender Lehrerpersönlichkeiten, deren Stolz ihr
Beruf, deren Stärke ihr Charakter und deren Größe ihr reines
Menschentum ausmachte. Er war begeistert für die Ideale seines Standes,
ein Lehrer von vorbildlichem Streben nach Vervollkommnung und
Berufstüchtigkeit, ein Chasen (Vorbeter) von feinem Verständnis und
beachtlichem Können, ein Menschenfreund und Seelenarzt – und dabei
allzeit ein froher Kamerad und ein treuer Freund jedem, der, von der Güte
seines Herzens oder dem Zauber seiner geschlossenen, abgerundeten
Persönlichkeit bezwungen, sich ihm erschloss. Kahn hat fast seine ganze
gesegnete unterrichtliche Tätigkeit an der jüdischen Volksschule (zuerst
in Fellheim, dann in Hürben bzw. Krumbach), sich auswirken lassen
können. Als vor wenigen Jahren seine Volksschule von der Regierung von
Schwaben aufgelöst wurde, blieb er der Religionslehrer seiner Gemeinde.
Er war verwachsen mit seiner Gemeinde und all ihren Institutionen wie
selten einer; daneben bewahrte er sich die Weite des Blicks für alle
Fragen des Gesamtjudentums, dem er sich unlöslich verkettet fühlte, wie
für die Schicksalsfragen seines deutschen Vaterlandes, dessen treuester
Söhne einer er gewesen ist. Darüber hinaus fand er Zeit für mannigfache
soziale Betätigungen, insbesondere für die Betreuung des Münchener
Ferienheims in Krumbach. – So ist die Trauer seiner Gemeinde um den
Verlust dieses seltenen Mannes nur zu begreiflich. Man muss es gesehen
haben, wie dem Verewigten die Hochschätzung und Verehrung seiner
Gemeindeangehörigen wie eine reife Frucht zufiel, um die Aufrichtigkeit
ihrer Klage in ihrer ganzen Tiefe zu erfassen. Aber auch die Schar seiner
Kollegen trauert um den frühen Heimgang ihres Amtsbruders; denn sein Herz
schlug warm für alle ihre Bestrebungen, sein gastliches Haus stand jedem
offen, den der Weg ins Schwabenland führte, seines Rates und seiner Hilfe
konnte sicher sein, wer ihrer bedurfte.
Nun ruht er aus im stillen Frieden des so idyllisch gelegenen Besolom
(‚Haus der Ewigkeit’ = Friedhof) der alten Hürbener Gemeinde, der
andächtige Verehrer der Kunst, der begeisterungsfähige Bewunderer der
Natur, der schlichte Diener seines Gottes, der gütige Gatte und Vater,
der liebenswerte Mensch und Freunde. Seine Seele sei eingebunden in den
Bund des Lebens. Bl., Nürnberg.
Am Grabe widmete Kollege Hammelburger (Ichenhausen) im Namen des
Jüdischen Lehrervereins für Bayern und der Bezirkskonferenz Schwaben dem
heimgegangenen Freunde herzliche Abschiedsworte des Dankes und der
Verehrung." |
Aus der Geschichte des Rabbinates
Rabbiner Seligsberg hat ein Buch verfasst (1842)
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. Juli 1842:
"M'kor chajim von M. H. Seligsberg, Rabbiner in
Fellheim. 9. broch. Preis 1 1/2 Taler oder 2 Gulden 24 Kreuzer.
Vorzüglich für Brüderschaften zur Erbauung. Ulm, im Juli 1842.
Stettin'sche Buchhandlung." |
Kleinere Mitteilungen aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben
Der Verein "Chevre Hanorim" feiert sein
100-jähriges Bestehen
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. April 1877:
"Fellheim (Bayern). Vor einiger Zeit feierte unser Verein 'Chevre
Hanorim' (Jünglings-Verein), gegenwärtig aus noch 10 Mitgliedern
bestehend, das hundertjährige Jubiläum. Dieses Fest wurde durch
Gottesdienst und ein kleines Festessen gefeiert, wobei der Zweck des
Vereins und die Wichtigkeit dieses Festes in würdiger Weise erläutert
wurde; auch wurde unserer armen Brüder in Brückenau
durch eine kleine Sammlung für dieselben gedacht."
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Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Auszeichnung von Ludwig Heilbronner mit dem Eisernen Kreuz im Krieg 1870/71
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 31. Oktober 1871:
"Bonn, 20. Oktober (1871). Wir tragen die Mitteilung einiger
Auszeichnungen nach, die Glaubensgenossen aus ihrer Teilnahme am Kriege
1870/71 geworden, und die wir erst jetzt erfuhren... Ludwig
Heilbronner aus Fellheim, Gefreiter im 12. königlich bayerischen
Infanterie-Regiment, wurde in Folge seines ausgezeichneten Verhaltens in
der Schlacht bei Sedan mit dem eisernen Kreuze dekoriert." |
Über den Antiquitätenhändler Albert Einstein, längjähriger Vorsteher der
Kultusgemeinde Fellheim (gest. 1926)
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 7.
August 1926: "Fellheim (Schwaben). Am 5. dieses Monats starb hier der
älteste jüdische Veteran Schwabens, Herr Antiquitätenhändler Albert
Einstein, Kriegsteilnehmer der Feldzüge 1866 und 70/71 und langjähriger
Vorstand der Kultusgemeinde Fellheim. An seinem Grabe sprachen Herr
Prediger Rosenblatt (Memmingen), Herr
Hauptlehrer Frank, Fischach, als
Schwiegersohn, ferner Herr Oberleutnant d.R. und Bahnvorstand Ostermann.
Der letztere wies in seinem ehrenden Nachruf u.a. darauf hin, wie der
Korporalschaftsführer Einstein durch die Tat die Behauptung Lügen
gestraft, als ob Soldaten-Ehre und Tapferkeit von der Konfession abhingen.
Der imposante Trauerzug, an welchem 5 Veteranenvereine mit Fahnen sich
beteiligten, war wohl der weitaus größte am Ort seit Menschengedenken.
Es war ein ergreifender Moment, als sich beim Kommando 'zum Gebet' die
prächtigen Fahnen über den zu Grabe gebrachten Gründer des
Veteranenvereins Fellheim senkten. - Albert Einstein hat auch bis an sein
Ende ehrenamtlich als Vorbeter an den hohen Feiertagen gewirkt und noch am
letzten Jom Kippur, als 82jährioger, das ihm in jungen Jahren von dem
durch seine Belehrungs- und Erbauungsschriften bekannten Rabbiner
Seligsberg übertragenen Neïloh mit seltener Kraft seines
unverwüstlichen Tenors vorgebetet. Seiner Gemeinde war er nicht nur
Führer, sondern auch Vorbild im privaten wie geschäftlichen Leben. Die
überaus große Beteiligung bei der Bestattung, die Liebe und Ehre, die
ihm schon bei Lebzeiten von Nah- und Fernstehenden stets entgegengebracht
worden sind, zeugen von der Beliebtheit, deren sich dieser brave und
aufrichtige Mann erfreute. Ehre seinem Andenken!" |
Über den aus Fellheim stammenden Antiquar Ludwig
Rosenthal (geb. 1840 in Fellheim, gest. 1929 in München)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. Juli
1905: "Ein
deutscher Buchhändler. Unter den Begründern der großen Buchhandlungen
Deutschlands in alter und neuer Zeit finden sich viele Männer, die es nur
durch eisernen Fleiß und ihre nie ermüdende Umsicht, verbunden mit natürlicher
Begabung für den erwählten Beruf, zu einem Weltruf gebracht haben. Zu
diesen ‚Männern eigener Kraft’ dürfen wir mit vollem Recht auch den
Antiquar Ludwig Rosenthal, den Gründer der Firma Ludwig Rosenthals
Antiquariat in München rechnen, der in diesem Monat auf eine fünfzigjährige
Tätigkeit im Buchhandel zurückblicken kann. Das ‚Börsenblatt für den
deutschen Buchhandel’ widmet dem vortrefflichen Manne, der auch ein
guter Jude ist, in Nr. 119 aus der Feder Paul Bürgers einen sehr
interessanten Aufsatz, dem wir die nachfolgenden Mitteilungen entnehmen:
Ludwig Rosenthal ist am 2. Juli 1840 in Fellheim, einem kleinen Flecken an
der Iller im Königreich Bayern, geboren. Die geringen Mittel des Vaters
erlaubten es nicht, den begabten Knaben eine höhere Schule besuchen zu
lassen. Doch wusste es der Vater zu ermöglichen, dass der dreizehnjährige
Volksschüler wöchentlich dreimal mit vierstündiger Wanderung im zwei
Wegstunden entfernten Buxheim Privatunterricht in der englischen Sprache
genießen konnte. So nur mangelhaft für den Buchhandel vorgebildet, trat
er im Mai 1855 bei J. Heß in Ellwangen in die Lehre. Unter der Leitung
dieses anerkannt tüchtigen Buchhändlers und Antiquars machte er, immer
bestrebt, die Lücken seiner Vorbildung durch Privatstunden bei einem
Gymnasiallehrer in der englischen, französischen und lateinischen Sprache
und in eigener Fortbildung durch Lesen bis spät in die Nacht hinein
auszufüllen, eine gute Schule durch. Das erste Buch, das der Lehrling
auszeichnete, war Scheffels Ekkehard, 1855 erschienen. Schon in der Lehre
machte sich sein Sammeleifer und sein Suchen nach seltenen, wertvollen Büchern
bemerkbar und wies ihm den Weg, den er in der Folge gehen sollte. In einem
Ankauf des Sohnes seines Chefs entdeckte er einen Reiberdruck, die ‚Mirabilia
urbis Romae’, wovon in diesem Jahre ein Faksimile-Neudruck erschienen
ist. Für den nach heutigen Verhältnissen spotbilligen |
Preis von
1.200 Mark wurde das spannenlange Bändchen, wie sich der glückliche
Finder in einem Brief an seinen Vater ausdrückte, verkauft. Vor der
Vernichtung durch Einstampfen rettete dann sein Sammeleifer eine große
Anzahl Goethescher Originalausgaben. Nach dreieinhalbjähriger Lehrzeit,
die der immer Strebende gut ausgenützt hatte, erhielt er von seinem Chef
das Lehrzeugnis mit den besten Wünschen für die Zukunft. Nur kurze Zeit
arbeitete der junge Gehilfe in der Kuhlmeyschen Buchhandlung (H.H.
Feddersen) in Liegnitz.
Der Trieb zur Selbständigkeit ließ dem auf Verdienst angewiesenen
strebsamen Jüngling keine Ruhe, er suchte Betätigung der in der Lehre
empfangenen Anregungen im eigenen Geschäft. Daher gründete der noch
nicht zwanzigjährige junge Mann nach rühmlicher Ablegung der in der
Neuzeit vergeblich wieder angestrebten Lehrlings- bzw. Gehilfenprüfung
und der Prüfung für den selbständigen Betrieb des Buchhandels und
Antiquariates Ende des Jahres 1859 unter stiller Teilhaberschaft seines
Vaters in Fellheim in recht bescheidenen Verhältnissen ein Antiquariat
durch den Ankauf der ersten Bibliothek.
Rastlose geschäftliche und private Arbeit und kleine Erfolge spornten den
immer weiter Schreitenden, der nie vergaß, sein bibliographisches Wissen
und seine typographischen Kenntnisse zu bereichern und praktisch auszunützen,
zu neuen Unternehmungen an. Im Jahre 1863 trat er mit dem Gesamtbuchhandel
in Verbindung, wurde Mitglied des Börsenvereins und hatte seinen
Kommissionär in Leipzig und Stuttgart. Gleichzeitig erschien der erste
Antiquariatskatalog, ‚Katholische Theologie’, schon mit einem Anhang
’Manuskripte’, Marienliteratur, Jesuiten und Häresie. Er umfasste die
stattliche Anzahl von 3000 Nummern älterer Literatur. Dieser Richtung,
vorwiegend nur ältere Literatur im reinen Antiquariat zu vertreiben, ist
der früh Entschlossene auch immer treu geblieben. Es folgten bei stetem
Fortschritt der geschäftlichen Entwicklung ganz naturgemäß Kataloge über
protestantische Theologie, Reformationsschriften, alte Jurisprudenz und
Medizin, typographische Seltenheiten, Holzschnittwerke, Ornamentik, Werke
in schönen Einbänden etc.
Für eine weitere Ausdehnung konnte der kleine Ort Fellheim dem jetzt
geschäftlich schon vielgewandten Antiquar nicht mehr genügen. Er
verlegte daher sein Geschäft, nachdem ihm auf sein Gesuch‚ in Erwägung,
dass der pp. Rosenthal die gesetzlichen Vorbedingungen zur Ansässigmachung
resp. Übersiedlung erfüllt hat, eine sehr gute Befähigung besitzt und
nachgewiesenermaßen mit so viel Vermögen (es waren laut Vermögens- und
Leumundszeugnisses der Gemeindeverwaltung zu Fellheim 5.000 Gulden)
versehen ist, dass mit Sicherheit angenommen werden kann, dass derselbe
dahier seinen Nahrungsstand wird sichern können, zumal ihm das Zeugnis
großer Geschäftsgewandtheit und Tätigkeit zur Seite steht, und
das Antiquariatswesen vorzüglich kommerzieller Natur ist’…
eine persönliche Antiquariatsbuchhandlungs-Konzession für die Stadt München
bewilligt war, im Jahre 1867 nach München.
München war der richtig gewählte Ort. Hier konnten sich die Kräfte des
jungen Antiquars voll entfalten. Es entwickelte sich bei dem rastlosen
Eifer und der Herausgabe bibliographisch anerkannt gut beachteter Kataloge
das Geschäft schnell weiter. Geschäftsreisen im engen Vaterlande, in
Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien, England erweiterten den
Geschäftskreis immer mehr, führten zur Auffindung und Erwerbung seltener
typographischer Erzeugnisse und Handschriften, schufen neue Verbindungen
und Absatzgebiete, brachten den immer Lernbegierigen mit Gelehrten und
Bibliophilen zusammen, die wiederum den regen Eifer, das vielseitige
bibliographische Wissen und das schnelle erfassen und Erfüllen ihrer Wünsche
von Seiten des jungen Geschäftsmannes zu schützen wussten.
Im Jahre 1874 nahm Ludwig Rosenthal seine Brüder Jacques und Nathan, die
bei ihm das Antiquariats-Geschäft erlernt hatten, zu Teilhabern auf; er
selbst blieb aber nach wie vor die Seele des Geschäfts. Große Ankäufe
von hervorragenden Bibliotheken, der Bibliothek des Benediktinerklosters
St. Veit bei Neumarkt a. Rott, der Stadtbibliothek Leutkirch in Württemberg,
der Bibliothek der Familie Hoerman von Gutenberg (mit
Kupferstichsammlung), der Bibliothek des Jesuitenkollegiums Landsberg, der
Bibliothek des Freiherren Karl Maria von Aretin, Direktors des Königlichen
bayerischen Nationalmuseums in München, eines Teils der Bibliothek des
Kathäuserklosters Buxheim bei Memmingen, der Bibliothek des Rittergutes
Lobris in Schlesien brachten mit der Zeit eine Ausdehnung des Geschäfts,
dass das Bücherlager der Firma Ludwig Rosenthal’s Antiquariat in München
an Inkunabeln, seltenen Drucken, Handschriften, Einzelblättern das größte
Deutschlands geworden ist und einen Weltruf erworben hat. Ja, die Größe
des Geschäfts ließ es wünschensweit erscheinen, eine Teilung zu
schaffen, und so gingen die Brüder, die über 20 Jahre an dem großen Bau
gemeinsam gearbeitet hatten, im Jahre 1895 auseinander und führten, jeder
für sich unter eigener Firma, ein Antiquariat weiter. Ludwig Rosenthal
behielt, seinem Hauptanteil am Geschäft entsprechend, die alte Firma und
führte sie mit alter Kraft in den für richtig erkannten Bahnen weiter,
bis er in diesem Jahre 1905, 50 Jahre nach Eintritt in den Buchhandel,
seine drei Söhne Adolf, Norbert und Heinrich zu seinen Teilhabern
ernannte. Was die Wissenschaft dem Rosenthal’schen Antiquariat
verdankte, ist oft in Berichten und Besprechungen anerkannt worden. Die
gut bearbeiteten Kataloge der Firma werden wegen ihrer bibliographischen
Genauigkeit als Nachschlagewerke benutzt und öfter in
Spezialbibliographien zitiert. Bei der Auffindung der verschollenen
Globuskarte mit dem Schiffskurs der Magellanschen Weltumsegelung in den
Jahren 1519 bis 1522 des Johannes Schöner von 1523, durch Professor Dr.
Fr. R. von Wieser kritisch gewürdigt, und bei der Auffindung des
‚Missale speciale’, in dem Hupp, Misset und Stein einen Versuchsdruck
Gutenbergs und einen Vorläufer des Psalteriums von 1457 erkannten, durfte
Ludwig Rosenthal der Wissenschaft die oft bewährten Handlangerdienste
tun. Er selbst hat im Repertorium für Kunstwissenschaft, Band V, Seite
379-405, eine bibliographische Studie über Hans Behaims alttestamentliche
Holzschnitte und deren Verwendung zur Bücherillustration 1529 bis 1612
geschrieben, auch sonst manches von bibliographischem Interesse in Fachblättern
mitgeteilt. Wohl die meisten Bibliotheken und Museen beziehen ihre
Cimelien direkt oder indirekt vom Hause Ludwig Rosenthal. Ein Hauptgeschäft
macht die Firma nach Amerika, ganz erklärlich, weil die dortigen jungen
Bibliotheken und Museen typographischer Seltenheiten noch sehr ermangeln.
Eine Biographie Ludwig Rosenthals ist daher auch in Amerika zuerst in ‚The
Curio vol. I 1988’ erschienen. – Der in völliger Mittellosigkeit früh
auf eigenen Verdienst Angewiesene hat, streng gegen sich selbst, in harter
Arbeit nicht nur tagsüber, sondern auch in manchen Nachtstunden sich bemüht,
die Lücken seines Wissens auszufüllen und sein Geschäft auf jene Höhe
zu bringen, auf der es nach mühevollen Jahren jetzt steht. Ludwig
Rosenthal ist somit der Begründen des blühenden Antiquariatsbuchhandels
in München geworden, denn außer den direkt aus seinem Geschäft
hervorgegangenen Firmen Jacques und Nathan Rosenthal sind die Inhaber
mehrere angesehener Firmen Münchens seine Schüler gewesen. Durch |
Ludwig
Rosenthal ist der von ihm vertretene Zweig des Antiquariats, dessen
Mittelpunkt früher auch in Leipzig und Berlin lag, nach Süddeutschland
verlegt worden; München ist durch ihn der Hauptplatz für Inkunabeln,
seltene Drucke und Handschriften jeder Art geworden. Möge dem nunmehr 50
Jahre im Buchhandel tätigen Mann, der heute an leitender Stelle eines
weltbekannten Hauses steht und mit nie ermüdendem Fleiß, umgeben von
einem bibliographischen Handapparat, wie ihn nur große Bibliotheken
besitzen – ein rühmliches Vorbild aller seiner Mitarbeiter – von früh
bis abends in voller Rüstigkeit arbeitet, das seltene Glück beschieden
sein, auch noch das 50jährige Bestehen des selbst gegründeten Geschäfts
in gleicher Frische zu erleben." |
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Artikel
in der "Bayerischen
Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Januar 1929: "Antiquar Ludwig
Rosenthal. Am 23. Dezember verstarb in München im hohen Alter von
fast 89 Jahren Herr Antiquar Ludwig Rosenthal, der Gründer des
weltbekannten Antiquariats Ludwig Rosenthal’s Antiquariat, München.
Geboren am 2. Juli 1840 in Fellheim in Bayern trat er im Mai 1855 bei
Isaak Heß in Ellwangen in die Lehre, wo er durch unablässiges
Selbststudium alles das nachholte, was ihm zu erwerben infolge der beschränkten
Mittel seines Vaters in seiner frühesten Jugend nicht möglich war. So
gelang es ihm sich neben der Kenntnis fremder Sprachen ein umfangreiches Rüstzeug
für den Buchhändler und Antiquar zu erwerben. Bereits im Jahre 1859 gründete
er in Fellheim die Firma Ludwig Rosenthal’s Antiquariat, die er im Jahre
1867 nach München verlegte.
Durch Ludwig Rosenthal trat München mit Leipzig, Berlin, Frankfurt in
gleiche Linie, im Hinblick auf Inkunabeln und Handschrift übernahm es
sogar die führende Rolle in Deutschland. Die Wissenschaft verdankte dem
Rosenthalschen Antiquariat viele Entdeckungen alter Werke von unschätzbarem
Werte. Erinnert sei an die wertvolle Globuskarte mit der Schiffstour der
Magellanschen Weltumsegelung von 1523, den Verrazano Weltglobus von 1530,
einen seltenen unbekannten Holzdruck des Endkrist, das Missale speziale,
die 47 Blätter umfassende Mantegna Spielkarte des Baccio Baldini aus dem
15. Jahrhundert. Ludwig Rosenthal selbst schrieb über Hans Beham’s
alttestamentliche Holzschnitte und deren Verwendung zur Bücherillustration
1529-1612. Viele Bibliotheken und Büchersammler verdanken ihm
Bereicherung ihrer Schütze. Bekannt sind die Aufträge, die die Firma
Ludwig Rosenthal für König Ludwig II. erledigte. Auch Ignaz von Döllinger
gehörte zu den ständigen Kunden des Hauses.
Erst im Alter von 82 Jahren hat sich Ludwig Rosenthal endgültig vom Geschäft
zurückgezogen. Mit seinem Ausscheiden ist der Antiquar der alten Schule,
wie Butsch, Vater & Sohn, J. Heß, der alte Köhler, Weigel und Simon
Baer fast gänzlich verschwunden. Wie diese gehörte auch Ludwig Rosenthal
zu den Männern, denen das Buch nicht nur Handelsware bedeutete, wie diese
näherte er auch sich mehr den Bibliophilen, welche die Bücher wie ihre
Kinder lieben und von denen sie sich zumeist nur sehr ungern trennen. Sein
einfacher Sinn, der ihn abhielt, nach Titel und Orden zu streben, die ihm
unter König Ludwig II, leicht erreichbar gewesen wären, drückte sich in
seiner ganzen Lebensweise aus. In diesem Sinne wurde der Verstorbene auch
seinem Wunsche entsprechend in aller Stille bestattet." |
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe / Privatpersonen
Anzeige von J. Einstein (1867)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. August 1867: "Ein
junger Mann, mit den besten Zeugnissen versehen, wünscht sich in Bälde,
am liebsten in einem Manufakturwaren-Geschäft, das Sabbat und Feiertage
geschlossen ist, als Commis oder Reisender zu platzieren. Näheres bei J.
Einstein, Fellheim (Bayern)." |
Zur Geschichte des Betsaales /der Synagoge
Zunächst richteten sich die in Fellheim
aufgenommenen jüdischen Familien einen Betsaal in einem der jüdischen
Häuser ein. 1738 konnte auf dem heutigen Grundstück Memminger Straße 17 eine
Synagoge erbaut werden.
Beim Novemberpogrom 1938 kamen am 10. November 1938 etwa 40 Männer in
drei Lastautos aus dem benachbarten Boos nach Fellheim. Sie drangen in die
Synagoge ein, zerschlugen einen Teil des Mobiliars, holten die Ritualien heraus
(darunter zehn alte Torarollen, ein Toramantel von Anfang des 18. Jahrhunderts
und ein Toraschrein-Vorhang von 1796) und verbrannten sie auf der Rückfahrt
nach Boos. Zusätzlich kamen SS-Leute aus Memmingen nach Fellheim, die den Rest
des Inventars vernichteten und den Toraschrein schwer beschädigten. Einige
Dorfbewohner beteiligten sich zwar an der Verwüstung, jedoch widersetzt sich
die Mehrheit der Einwohner der Zerstörung der Synagoge.
In der Zeit
des Zweiten Weltkrieges für das Gebäude für militärische Zwecke
(Unterbringung für Flugzeugmotoren) verwendet.
Nach 1945 wurde das
Gebäude beschlagnahmt und der jüdischen Vermögensverwaltung JRSO übertragen.
1951 wurde es an Privatleute verkauft, die es 1954 renovierten und zu einem
Wohnhaus umbauten.
Im August 1948 fand gegen acht der beim Novemberpogrom in Fellheim Beteiligten
vor dem Landgericht Memmingen ein Prozess statt. Zwei der Personen wurden frei
gesprochen, sechs erhielten Gefängnisstrafen zwischen vier und 15 Monaten.
Die Gemeinde Fellheim hat das Gebäude
der ehemaligen Synagoge sowie den Platz zwischen Synagoge und Friedhof 2007 gekauft. Verhandlungen
über eine Umgestaltung der ehemaligen Synagoge und über ein Nutzungskonzept laufen.
Außer der Synagoge bestanden an jüdischen Einrichtungen: seit 1794 eine Mikwe
und seit 1836 eine jüdische Schule. Die Schule musste 1910 geschlossen
werden. Der Religionsunterricht für die noch verbliebenen jüdischen Kinder
wurde von einem Lehrer aus Memmingen erteilt. Im Gebäude der ehemaligen
jüdischen Schule ist heute das Rathaus der Gemeinde Fellheim
untergebracht. Am 6. November 1988 wurde zur Erinnerung an die jüdische
Gemeinde eine Gedenktafel angebracht.
Fotos
Historische Fotos:
(Quelle für obere: Foto links oben bei H. Hammer-Schenk: Synagogen in Deutschland. 1981 Bd.
2 Abb. 187; rechts oben bei G. Römer: Schwäbische Juden S. 10)
Neue Fotos:
(Fotos: Hahn; Aufnahmedatum 23.7.2004)
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| Das Gebäude der
ehemaligen Synagoge in Fellheim, als Wohnhaus genutzt. Das linke Foto ist
aus dem Friedhof heraus aufgenommen (Eingangstor zum Friedhof) |
Die ehemalige jüdische
Schule, heute Rathaus der Gemeinde Fellheim (Foto/Quelle:
Gemeinde Fellheim) |
Erinnerungsarbeit
vor Ort - aktuelle Berichte zur Frage nach der Zukunft der ehemaligen Synagoge
| Dezember 2008:
Rückbau der früheren Synagoge soll geprüft
werden. |
Artikel von Armin Schmid in der "Memminger
Zeitung" vom 30. Dezember 2008: "Aus Synagoge soll "Haus der Kunst und
Kultur" werden
- Gemeinderat - Rückbau des früheren jüdischen Gotteshauses soll geprüft werden - Frage der technischen Möglichkeit und des Unterhalts.
Fellheim. Die ehemalige Synagoge soll nach Möglichkeit zu einem
'Haus der Kunst und Kultur' zurückgebaut werden. Diesen Grundsatzbeschluss hat der er Gemeinderat zum Ausklang des alten Jahres gefasst.
'Wäre doch schade, wenn wir das historische Ensemble vom ,Langen Haus über die Synagoge bis zum ehemaligen Judenfriedhof nicht erhalten und nutzen würden', erläuterte Bürgermeister Alfred
Grözinger. Auch im Hinblick auf die gerade laufende Dorferneuerung bilden die steinernen Zeugen jüdischer Vergangenheit einen Kernpunkt. So stellen für Bürgermeister Grözinger der Rückbau der Synagoge und die Neugestaltung der
davor liegenden Staatsstraße wie auch der Kreisstraße MN14 ein zusammenhängendes Projekt dar, das den Ortsmittelpunkt neu ordnet und für die Zukunft gestaltet.
Die Pläne, aus der ehemaligen Synagoge ein neues Rathaus zu formen, wurden unterdessen aufgegeben.
'Dies hätte nur bedingt Sinn gemacht und wäre auch finanziell zu aufwendig geworden', meinte der Fellheimer Rathauschef auch im Hinblick darauf, dass die Gemeinde bei dieser Lösung den größten Kostenanteil hätte selbst tragen müssen.
In der als Wohnhaus genutzten ehemaligen Synagoge erinnert derweil fast nichts mehr an das frühere Gotteshaus. Das dreigeschossige Gebäude beherbergt derzeit sechs Wohnungen, die allerdings momentan bereits zum großen Teil leer stehen beziehungsweise gekündigt wurden. Im Prinzip soll in dem zehn mal 15 Meter großen Gebäude vom Boden bis zur Decke wieder ein großer Raum entstehen. Beim Rückbau ruhen die Hoffnungen darauf, dass möglichst viel von der alten Bausubstanz freigelegt und renoviert werden kann.
Fenster, Gesimse, Treppenhaus, Empore oder ein prächtiges Eingangsbauwerk könnten so wieder herausgestellt werden und der ehemaligen Synagoge ihren Gebäudecharakter zurückgeben.
Idee: Schulklassen über jüdische Geschichte informieren. Die Nutzung eines geplanten Kunst- und Kulturhauses soll überregional stattfinden. So könnte nach einer Instandsetzung die Unterrichtung von Schulklassen zum Thema
"jüdische Geschichte" dort stattfinden, genauso wie Konzerte oder Vorträge. Die Finanzierung dieses Projektes will der Gemeinderat nicht vorrangig auf den Schultern der Kommune lasten sehen.
Finanzierungsvarianten sollen überlegt werden. Zunächst soll geprüft werden, ob der Rückbau aus technischer und baulicher Sicht möglich ist. Danach sollen eine Kostenschätzung gemacht und Finanzierungsmöglichkeiten überlegt werden. Erst danach fällt die Entscheidung, ob ein Rückbau durchgeführt wird. Genauso wichtig wie ein Rückbau sind dem Fellheimer Ratsgremium der künftige Unterhalt und das Organisationsmanagement eines künftigen Kulturhauses. Bürgermeister Grözinger könnte sich vorstellen, dass sich das Landratsamt mit einbringt, um den organisatorischen Rahmen und die Betreuung des Kulturhauses sicherzustellen. Zudem sollen die Dienste des örtlichen
"Arbeitskreises für Geschichte und Kultur" in Anspruch genommen werden." |
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| Juni 2009:
Die Synagoge soll aufgewertet werden |
Foto
links mit Untertext: "Der nun eingeschlagene Weg ist der richtige" -
Zitat Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert.
Von der einstigen Pracht der Synagoge im Fellheimer Ortszentrum (unser Bild unten zeigt eine Aufnahme, die vermutlich aus dem Jahr 1910 stammt) ist derzeit nichts zu sehen. Die Gemeinde will nun einen Rückbau vorantreiben. Dafür soll zunächst die Bausubstanz des Gebäudes untersucht werden. Foto: Waltl Jensen/Repro: Armin Schmid
Artikel von Johannes Schlecker in der "Memminger Zeitung" vom 2.
Juli 2009 (Artikel):
Synagoge soll aufgewertet werden.
Diskussion - Erst wird Bausubstanz überprüft - Förderung von Rückbau vom Ergebnis abhängig
Die Gemeinde Fellheim will den Rückbau der Synagoge im Ortszentrum weiter voranbringen und das Gebäude als Erinnerungs- und Begegnungsstätte sowie für kulturelle Veranstaltungen nutzen. Mit der technischen Umsetzung, einer möglichen Finanzierung sowie der künftigen Verwaltung und Trägerschaft beschäftigten sich am Mittwochabend mehrere Experten, darunter auch Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert, Mitglieder der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) sowie Vertreter des bayerischen Staatsministeriums und des Landesamts für Denkmalpflege.
Synagoge soll aufgewertet werden. In der Runde herrschte Konsens, dass zunächst eine Bauvoruntersuchung in die Wege geleitet werden muss, um die Bausubstanz zu prüfen. Dadurch soll festgestellt werden, welche Gebäudeteile möglicherweise noch in Originalform existieren. Den Stein ins Rollen brachte Dr. Bernd Vollmar vom Landesamt für Denkmalpflege.
"Wir wissen einfach noch zu wenig über den aktuellen Zustand des Gebäudes." Daher sei eine vorbereitende Untersuchung als erster Schritt unverzichtbar. Das Ergebnis könnte seiner Ansicht nach bereits im Herbst dieses Jahres vorliegen.
Den Ausführungen Vollmars vorausgegangen war die Vorstellung eines vom Arbeitskreis Geschichte, Brauchtum und Kultur
erarbeiteten Nutzungskonzeptes für die Synagoge, die seit 2007 wieder im Besitz der Gemeinde Fellheim ist. In dem dreigeschossigen Gebäude, das derzeit sechs Wohnungen beherbergt, soll wieder ein großer Innenraum entstehen.
"Leider existieren keine alten Pläne mehr über die Innenansichten", erklärte Christian Hermann vom Arbeitskreis Geschichte. Um die Bedeutung des Gebäudes sichtbar zu machen, sei auch eine möglichst vollständige Herstellung der einstigen Außenansicht das Ziel.
Landrat Hans-Joachim Weirather, der zu dem Treffen geladen hatte, verwies auf die Bedeutung der Synagoge und auf das
"Alleinstellungsmerkmal" des Gebäudes im gesamten Allgäu. Teile des Dachstuhls seien noch in ihrer Form von 1786 erhalten.
"Eine Alternative zu einem großen, zentralen Innenraum sehe ich nicht." Die Voruntersuchung könne jedoch kein Ziel, sondern nur ein Teil des Ganzen sein.
Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert sprach von einem "Reichtum für die Denkmalpflege". Die Höhe einer möglichen Förderung sei jedoch davon abhängig, wie hochwertig die Bausubstanz ist.
"Wenn alles weg ist, stellt sich die Frage ganz anders", so Reichert. Fast alle Anwesenden, wie etwa Ministerialrat Dr. Andreas Bauer vom bayerischen Wissenschaftsministerium, der eine Voruntersuchung als
"förderfähig" bezeichnete, signalisierten Interesse, sich an dem Projekt zu beteiligen. Konkrete Summen wurden an diesem Abend allerdings nicht genannt.
Kosten auf rund zwei Millionen Euro geschätzt. Eine offene Arbeitsgruppe unter Leitung von Fellheims Bürgermeister Alfred Grözinger soll das Projekt weiter koordinieren. Der Rathauschef schätzt die Gesamtkosten eines Rückbaus auf rund zwei Millionen Euro.
"Die Gemeinde allein kann dieses Projekt auf jeden Fall nicht tragen", so Grözinger. Das Treffen habe jedoch eine positive Entwicklung angestoßen. |
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| September 2009:
Veranstaltungen zum "Europäischen Tag der
jüdischen Kultur" |
"Europäischer
Tag der jüdischen Kultur am 6.9.2009 in Fellheim.
Der "Europäische Tag der jüdischen Kultur"
am Sonntag, den 6. September stand unter dem Motto
'Jüdische Feste und Traditionen'.
Der AK Geschichte beteiligte sich daran mit folgender
Veranstaltung:
Jüdische Feste und Traditionen.
Zusammen mit der Gempfinger Hofmarkmusik wurden
Einblicke in jüdische Feste und den jüdischen Kalender gewährt.
Die Veranstaltung fand statt im Foyer des Fellheimer Schlosses". |
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| November 2009:
Förderkreis für die Synagoge geplant
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Foto
links von Armin Schmid: Das Gebäude der ehemaligen Synagoge
Artikel von Armin Schmid vom 3. November 2009 in der "Memminger
Zeitung" (Artikel):
"Fellheim: Förderkreis für Synagoge geplant
Arbeitsgruppe - Überregionales Haus der Kunst und Kultur favorisiert - Alte Schriften und Dokumente entdeckt
Die zukünftige Nutzung der ehemaligen Fellheimer Synagoge stand bei einem Treffen der offenen Arbeitsgruppe im Mittelpunkt. Die Versammlung endete mit einer Absichtserklärung, einen Förderkreis für das historische Bauwerk zu gründen. Der Sprecher des Fellheimer Arbeitskreises Geschichte, Christian Herrmann, machte deutlich, dass es nicht um eine religiöse Nutzung der Synagoge geht. Vielmehr soll ein Haus der Kultur und Kunst entstehen.
Kreisheimatpfleger Peter Kern teilte mit, dass bei einer näheren Untersuchung der Synagoge religiöse Schriften und Dokumente gefunden wurden. Die Fundstücke werden demnach bereits geprüft und untersucht. Kern kündigte zudem an, dass ein Restaurator nach Restbeständen alter Bausubstanzen suchen wird. Da über die Gestaltung des Innenbereichs der Synagoge keine Bilder und Aufzeichnungen vorliegen würden, sollen so Erkenntnisse über alte Farbfassungen und ehemalige bauliche Ausgestaltungen gewonnen werden. Christian Herrmann betonte, dass Fellheim die einzige in ihrer Bausubstanz erhalten gebliebene Synagoge im Allgäu besitzt. Zudem existiere noch ein Großteil der ehemaligen jüdischen Wohnhäuser. «Fellheim bietet noch die Möglichkeit, einstiges jüdisches Leben auf dem Land vor Ort zu erfahren», erläuterte der Arbeitskreis-Sprecher.
Er sieht in der Restaurierung der Synagoge einen wichtigen Impuls für den Erhalt eines einzigartigen dörflichen Häuserensembles in der Ortsmitte.
«Im Landkreis fehlt es an sanierten, historischen Gebäuden, die man vorzeigen kann», erklärte Kreisheimatpfleger Kern. Er könne sich durchaus auch vom Landratsamt angeregte Veranstaltungen über Baukultur oder Bilderausstellungen vorstellen.
Im Innenraum könnte ein Saal für etwa 100 Personen ausgebaut werden. Für die Neugestaltung des Außenbereichs könnten Pläne aus dem Jahr 1948 verwendet werden. Die damalige Absicht, die Synagoge für die rund 80 im Raum Memmingen verbliebenen Juden nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufzubauen, sei nie verwirklicht worden. Bürgermeister Alfred Grözinger berichtete von einer guten Bausubstanz und regte an, die charakteristische Außenansicht der ehemaligen Synagoge deutlich herauszustellen.
Dies könne durch hohe Fenster oder den Rückbau des Eingangs zu einer Frauenempore geschehen. Grözinger machte aber deutlich, dass dies nicht von Fellheim allein geleistet werden könne.
Veranstaltungen und Führungen. Der Bürgermeister regte überregionale Veranstaltungen, Führungen oder Besuche von Schulklassen an. Christian Herrmann schlug vor, Exponate vom Memminger Stadtmuseum in die sanierte Synagoge auszulagern." |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Fellheim Swabia. Five
Jewish families were among the settlers who rebuilt the village in 1670 after
its destruction in 1633. A new cemetery was
consecrated in 1777 and a synagogue in 1786. In the early 19th century Jews
constituted two-thirds of the population, numbering nearly 400. By the 1840s a
decline set in through emigration to the U.S. and (from the 1860s) nearby
Memmingen. In 1857, the Jewish public school still enrolled 96 children but by
1890 the Jewish poppulation was down to 108. In 1933, 26 Jews remained. On Kristallnacht
(9-10 November 1938), the synagogue and Jewish omes were vandalized. Six Jews
left for the U.S. in 1938 and another six in 1941. The remaining 14 were
deported, eight of them to Piaski (Poland) via Munich on 3 April 1942.

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