Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Ichenhausen (Kreis Günzburg) 
Texte/Berichte zur jüdischen Geschichte des Ortes   

Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Ichenhausen wurden in jüdischen Periodika gefunden. 
Bei Gelegenheit werden weitere Texte eingestellt. Neueste Einstellung am 30.9.2011.    
    

Übersicht:

Allgemeine Berichte zur Geschichte der jüdischen Gemeinde   
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Geschichtliches vom ehemaligen Markt und der nunmehrigen Stadt Ichenhausen - zur jüdischen Geschichte (Artikel von 1928) 
-  
"Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde Ichenhausen" von Hauptlehrer Jakob Blum (1935)  
Aus der Geschichte des Rabbinates     
Ausschreibungen der Stelle des Rabbiners (Distriktrabbiner / Bezirksrabbiner)   
-  Feier zum 70. Geburtstag von Rabbiner Isak Hochheimer (1860)    
Rabbiner Dr. Löb wirbt für sein Pensionat (1863)  
-  Rabbiner Meier Ettlinger / Rabbiner Dr. Löb betreiben eine Jeschiwa (1866)    
-  Dank an Rabbiner Dr. Löb (1867)           
-  
Rabbiner Dr. Löb wird zur Probepredigt nach Krefeld eingeladen (1869)    
-  
Zum Tod der Mutter von Rabbiner Dr. Löb (1871)   
-  
Zum Tod von Rabbi Koppel Ullmann (1886)  
-  
Zum Tod von Oberrabbiner Dr. Elieser Löb in Altona, ehemals in Ichenhausen (1892) 
Anzeige der Rabbiner Dr. Cohn (Ichenhausen) und Dr. Werner (München) betr. Betreuung der Israelitischen Insassen der Idiotenanstalt zu Ursberg bei Krumbach (1902)      
-  
Zum Tod von Rabbinatsassessor A.H. Goldberg (1921)    
-  
Zum Tod von Distriktsrabbiner Dr. Aron Cohn (1922) 
Danksagung nach dem Tod von Distriktsrabbiner Dr. Aron Cohn (1922)     
 
Rabbiner Dr. Neuwirth wird nach Ichenhausen berufen (1924)    
Amtseinsetzung von Rabbiner Dr. Neuwirth (1924)   
Zum Tod von Fanni Cohn, Witwe von Rabbiner Dr. Aron Cohn (1931)  
A
mtsantritt von Rabbiner Simon Schwab (1933)  
B
eitrag von Rabbiner Simon Schwab: "Um die Heimat des Judentums?" (1933)        
Publikation von Rabbiner Simon Schwab (1934)  
B
eitrag von Rabbiner Simon Schwab: "Bekenntnis" (aus der Publikation "Heimkehr ins Judentum", 1935)      
Vortrag von Bezirksrabbiner Simon Schwab in Würzburg (1936)  
A
usschreibung der Stelle des Bezirksrabbiners (1936)     
Abschied von Rabbiner Simon Schwab (1937)   
Das Bezirksrabbinat Ichenhausen ist wieder besetzt (1937)   
Einführung von Gerhard Frank als Distriktsrabbiner (1937)   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer, der Schule und der weiteren Kultusbeamten 
Ausschreibungen der Stellen der Elementar- und Religionslehrers / Vorbeter / Synagogendiener   
-  
Ausschreibung der Vorbeter- und Schochet-Stelle (1871)  
Ausschreibung der Stelle des Kantors und Schochet (1908)    
-  
Hebräischlehrer gesucht (1886) 
Prediger Hochheimer, Sohn des Rabbiners muss auf Grund seines politischen Engagements in die Vereinigten Staaten fliehen (1849)      
Zum Tod von Lehrer Daniel Wormser (bis 1874 Lehrer in Ichenhausen, gestorben in Hamburg 1900)  
-  
Abschied von Kantor Perlmutter (1908)   
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Zum Tod von Hauptlehrer Julius Thalmann (1909)   
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Zum Tod von Hauptlehrer Isaac Brader (1920)   
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50jähriges Dienstjubiläum und 80. Geburtstag des Synagogendiener M. Meinfelder (1922) 
Zum Tod der Witwe von Hauptlehrer Julius Thalmann (1927)   
Lehrer Blum verlässt die Schule (1927)   
Lehrer Sigmund Hammelburger übernimmt die Lehrerstelle (1929)  
50. Geburtstag und Auszeichnung von Hauptlehrer Hammelburger (1931)  
Die Bezirkskonferenz der israelitischen Lehrer in Schwaben tagt in der jüdischen Schule in Ichenhausen (1936)   
Kleine Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben  
-  
Artikel von 1865   
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Die Gemeinde in Ichenhausen achtet auf Wohltätigkeit wie auf Toralernen (1865)   
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Königlicher Besuch in Ichenhausen (1867)    
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Chanukkafeier in der Gemeinde (1921)  
Aufführung eines Palästinafilmes und Vortrag über den Zionismus (1925)    
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Erweiterung des Gebietes der Israelitischen Gemeinde (1927)    
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Schenkung von Max Koschland aus San Francisco (1929)    
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Aufführung des Jüdischen Jugendvereins (1930)  
-  
Chanukkafeier in der Gemeinde (1930)   
-  
50jährige Gründungsfeier für den Verein Bikkur Cholim (1930)   
Vortrag von Rabbiner Schwab über "Um die Heimat des Judentums?" (1933!)  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Zum Tod von Rabbi Jacob Hirsch Holländer (1867)    
Goldene Hochzeit von Heinrich und Sophie Bißinger (1898)        
-  Zum Tod des aus Ichenhausen stammenden Nathan Hirsch (in München, 1900)   
Zum Tod von Mina Friedberger (1911)  
-  Ehrung des 1. Kultusvorstehers Michael Sulzer und Verleihung des Ehrenbürgerrechts (1911)   
-  Hermann Reichenberger erhält das Eiserne Kreuz (1914)   
Unteroffizier Emil Heilbronner wird mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet (1916)  
Vizefeldwebel R. Kann und Unteroffizier Max Meyer werden mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet (1917)  
Zum Tod von Mina Gerstle geb. Hirsch (1921)  
Zum Tod des aus Ichenhausen stammenden Anselm Hirsch (1922) 
Zum Tod des langjährigen Gemeindevorsitzenden und Stadtrates Aaron S.G. Heller (1931)  
Z
um Tod des langjährigen Synagogendieners Moses Meinfelder (1933)    
-  Zum Tod von Leopold Koschland (1934)   
-  Zum Tod von Siegfried Erlanger (1937)     
Zum Tod von Frieda Krämer nach ihrer Reise (Auswanderung?) nach Kanada (1937)  
-  Trauerrede für Frieda Krämer (1937)     
Anzeigen jüdischer Personen / Gewerbebetriebe  
A
nzeige des Eisen- und Tuchgeschäftes Jacob Hirsch & Söhne (1867)       
-  Der Toraschreiber A. Körber empfiehlt sich (1886)       
-  
Anzeige von Heinrich Seligmann (1890)    
-  
Werbung für den Lamm'schen Wochenkalender (1890/1900)    
Anzeige des Restaurants Falk (1900)   
Anzeigen des Weiß-, Woll- und Baumwollwarengeschäftes L.S. Friedberger (1900 / 1901 / 1903)  
S. Henle wirbt für seine Torawimpel (1900)     
Anzeige von Witwe J.N. Koschland (1903)    
Anzeigen der Wurstwarenfabrik Eduard Liebermann (1911/1928)  
Anzeige des Putzgeschäftes L. & M. Mann (1912)     
Heiratsanzeige von Moses Gradmann und Adele geb. Fulda (1922)  
Heiratsanzeige von Hermann Hirschberg und Jenny geb. Gradmann (1922)  
Willy Goldberg wirbt für seine Wimpeln (1924)    
Verlobungsanzeige von Dr. Lili Neuwirth und Dr. Julius Ottenheimer (1928)   
Anzeige von Frau Meinfelder (1928)  
Hochzeitsanzeige von Mina Oppenheimer und Willy Goldberg (1933)  
H
eiratsanzeige von Zipora Meyer und Julius Weil (1934)    
Verlobungsanzeige von Klara Gutmann und Albert Leiter (1937)  
Verlobungsanzeige von Hilde Mann und Alfred Gerstle sowie Sophie Emanuel und Theo David Gerstle (1937)  
Einige Postkarten/Briefe  mit Bezug zu jüdischen Gewerbebetrieben und Privatpersonen in Ichenhausen (aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries) 
 - Geschäftsbrief von Kriegshaber nach Ichenhausen (1853)  
Brief von Julius Liebermann nach München (1858) 
Postkarte von 1876, versandt von Ichenhausen nach Königsbronn  
Geschäftskarte der Gebr. Krämer & Weimersheimer (1882)  
Postkarte von 1902, versandt von Kleinsteinach nach Ichenhausen   
Postkarte von 1909, versandt von München nach Ichenhausen  
Postkarte von 1908, versandt an den Militärapotheker Sigo Bernheimer im Garnisonslazarett Lager Lechfeld   
Postkarten von 1908 an Sigo Bernheimer 
Postkarte von 1909 an Sigo Bernheimer 
Karte an Lina Weimersheimer aus Ichenhausen (1908) 
Postkarte von Sigmund Erlanger, Ichenhausen (1912) 
Karte an die Fa. Regensburger in Ichenhausen (1923)  
Karte aus dem familiären Umfeld des Hollywood-Gründers Carl Lämmle, verschickt von Frida H. Lämmle aus Ichenhausen (1925) 
Briefkopf der Kleiderfabrik Gebrüder Sulzer (1934)   
Postkarte von 1902 an den "Königlichen Gerichtsvollzieher" von Anselm Gerstle, Ichenhausen 
Brief an Sigmund Günzburger, Ichenhausen (1886) 
Karte von David Levy (Trikotwarenfabrik in Hechingen) an Israel Koschland in Ichenhausen 
Rechnung von Samuel Gabriel Heller, Ichenhausen für Max Kaiser in Krumbach (1877)   
Brief von J. L. Hesselberger aus Fürth an Israel Koschland in Ichenhausen (1856)  
Rechnung von Gustav Henle, Ichenhausen für Max Herz in Krumbach (1911)      
Sonstiges   
Ichenhausener Gebetbuch (1544)   
Haustürinschrift am Haus Friedberger (innerhalb eines Artikels von 1927)   
Patriotisches Gedicht von J. Blum (1927)     
    

     

    

Allgemeine Berichte zur Geschichte der jüdischen Gemeinde     
Geschichtliches vom ehemaligen Markt und der nunmehrigen Stadt Ichenhausen - zur jüdischen Geschichte (Artikel von 1928)

Ichenhausen BayrGZ 01041928.jpg (145730 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. April 1928: "Geschichtliches vom ehemaligen Markt und der nunmehrigen Stadt Ichenhausen (Anmerkung: nachfolgende Ausführungen entnehmen wir dem unter obigem Titel erschienenen Buche von H. Dekan Heinrich Sinz. Ichenhausen 1926. Verlag von Josef Wagner.)
Erwerb von Bauplätzen. Als durch den Pressburger Frieden die Markgrafschaft samt Ichenhausen an die Krone Bayern kam, erhielten die Juden große Erleichterung. Gemäß gutsherrlicher Verordnung durfte bisher kein Jude ein Haus im Mittelmarkte besitzen, diese Beschränkung fiel durch die Toleranz Bayerns. Im Jahre 1808 kaufte nun Marx Jakob das Haus Nr. 60 im Mittelmarkte (Apotheke) und damit erwachte ein Widerspruchsgeist gegen alle Grundrentenrechte, der nicht mehr zur Ruhe kam, bis die Rechte den Berechtigten entwunden waren. Gleich zu Beginn der neuen zeit, im ersten bayerischen Jahre, tauchten neue, allerdings schön länger vordringliche Fragen auf, deren Austrag in hitzigem Für und Wider durchgekämpft wurde.
Schon am 28. November 1798 hatte Obervogt Willibald Staiger und Compagnie (Böhnle und Konsorten), die sich zu diesem Zwecke zusammenschlossen, von der hiesigen Ortsherrschaft den an den Markt gegen Aufgang grenzenden so genannten eigentümlichen St. Annagarten, ¾ Jauchert ungefähr im Maße haltend, um (wie er sagte) die enorme Summe von 3.855 Gulden gekauft mit dem ausdrücklich vorbedungenen unbeschränkten Rechte, geräumig schöne Wohnungen für die Juden und Christen bauen zu dürfen. Der Garten war wegen der nahen Anliegenheit und Verbindung mit dem Markte teils der am besten gelegene Platz, teils aber wegen des steten Durchlaufens der Leute zur Nutzung an Gras und Obst für die Herrschaft der schädlichste. Nach allpflichtmäßiger Einschätzung hatte der Garten höchstens einen Wert von 1.200 bis 1.500 Gulden. Die hohe Summe wurde nur bezahlt, weil den Käufern das unbeschränkte Baurecht eingeräumt wurde und zwar zu einer Zeit, wo die hiesige Ortsherrschaft solche Erlaubnis zu geben noch im Stande war und von ihr nur die jurisdiktionellen und grundherrlichen Effekten auf die zu erbauenden Häuser vorgehalten wurden. Staiger hatte die anderen Konsorten ausgelöst und das ganze Geschäft schließlich allein auf sich genommen. Mehrere sehr ansehnliche Häuser, die an Schönheit, Güte und Ordnung andere in Ichenhausen weit übertrafen, waren schon erbaut unter Aufwendung eines großen Kapitals. Dieselben wurden von Christen bewohnt, lauter nützlichen und sehr häuslichen Leuten, welche durch ihre steten Beiträge die gemeinen Lasten des Marktes, auch die schon vergangenen aus der Kriegsschuld, mitzubezahlen halfen.
Ichenhausen BayrGZ 01041928a.jpg (400847 Byte)Bau eines neuen Judenhauses (1806). Nun sollte (1806) ein neues Haus in diesem Garten für die Judenschaft erbaut werden. Da begann eine große Hetze gegen Staiger, der viele Neider hatte und dem schlimme schädliche Absichten unterlegt wurden, woran sich auch Bürgermeister Bader (der noch nicht lange im Markte ansässig war) und Metzger Augustin Seif beteiligten, die sich beim königlich bayerischen Landgericht, das in Wettenhausen errichtet war, beschwerten. Staiger verteidigte sich in einem ausführlichen Schreiben: nach dem Rezesse von 1717 dürfe die Judenschaft nur 35 Häuser besitzen, abteilen und mit so viel Ehen oder Inwohnern von ihren Kindern besetzen, als sie will. So sei es bis vor fünf und sechs Jahren gewesen, wo in manchem Hause nicht nur 12 und mehr, sondern in manchem Zimmer sogar zwei bis zwei zahlreiche Familien sich befanden, sodass an manchen Dingen ebenso viele Eigentum hatten als Bewohner im Hause waren, ohne dass die Grenzen eines jeden Eigentums selbst mehr bestimmt werden konnten. Das sei, da jetzt 192 Familien hier weilen, der allgemeinen Gesundheit schädlich und führe zu vielen Prozessen und Zwistigkeiten der Inwohner. Neue Ansiedlungen seien nicht nur sehr nützlich, sondern sogar nach Grundsätzen der medizinischen Polizei zur Abwendung sichtlich drohender und schon wirklich gezeigter Übel höchst notwendig. Die Judenschaft selbst, so schreibt Obervogt Staiger weiter, ist dem ganzen Markte allhier, als dem notorisch in der ganzen Gegend vorzüglichsten Gewerbs- und Handelsorte, nicht nur ganz unschädlich, sondern durch sich selbst sowohl als wie durch den häufigen Zug von fremden Leuten jedem, Gewerbe höchst nützlich und der ganzen Gegend durch Absatz von Holz, Viktualien, Obst und jeden Kleinigkeiten zum Verkauf am bequemsten und vorteilhaftesten, in dem die Leute jedes Bagatell bei so zahlreichem Volker teuer genug anzubringen imstande sind und von der Ichenhausischen christlichen Bevölkerung alle Klasse der Professionisten sich nähern können. Und da täglich nur auf Boten- und Taglöhner, ohne anderes wie z.B. Waschen und so weiter zu rechnen, bis 30 und mehr Personen bei den Juden beschäftigt sind, ja sogar durch den Dienst sich mehrere Christenfamilien nähren können, so kann man behaupten, dass die Judenschaft zum bestand des Marktes und des im Vergleich zu anderen Orten und kleinen Städten so unvergleichlich großen und starken Gewerbes beiträgt, ohne in Anschlag zu bringen, was die Judenschaft an Gemeindslasten, Kriegslieferungen, Quartieren, Weggeldern und im Steuerwesen beizutragen hat zur Erleichterung der allgemeinen Gemeinde. Staiger hatte schon vor einem Jahr für ein neu zu erbauendes Haus für die Judenschaft bereits das Holz gekauft, Bretter, Kreuzstöcke, Türen, Beschläge und so weiter herbeigeschafft und dadurch eine beträchtliche Ausgabe von einigen hundert Gulden erlitten und bat deshalb, dass ihm, der schon 18 Jahre Amt und Ort Ichenhausen verwaltet, der Bau gestattet werde (14. Juli 1806).
Das Königliche Landgericht Wettenhausen gab das Gesuch weiter an die königlich bayerische Landesdirektion in Schwaben zu Ulm und bemerkte hiezu: Dieserorts ist man der unmaßgeblichen Ansicht, dass dem Beamten Staiger der obwaltenden Umstände wegen die allergnädigste Erlaubnis zur Erbauung des neuen Hauses erteilt werde, jedoch unter der doppelten Klausel, dass 1. bei Erbauung und Veräußerung des Hauses nur auf bessere Verteilung der schon vorhandenen, keineswegs aber auf Ansiedlung neuer oder fremder Judenfamilien Bedacht genommen werden soll und dass 2. eine solche Anhäufung jüdischer Familien in einem und demselben Hause, wie sie bisher statt hatte, in Zukunft nicht mehr gestattet werde. Um das letztere desto eher zu bezwecken, würde es vielleicht am besten sein, wenn von nun an für die Judenschaft in Ichenhausen nicht mehr die Anzahl der Häuser, die sie bewohnen, sondern die Anzahl der Familien, die sich häuslich niederlassen darf, allergnädigst bestimmt würde. Dazu dürfte freilich nötig sein, nähere Untersuchungen darüber anzustellen, wie viele Judenfamilien sich zu Ichenhausen ernähren können. Am 4. August 1806 kam von der königlichen Landesdirektion in Ulm die Rückantwort an das Landrichteramt Wettenhausen, welche lautete: Die Erbauung eines neuen Judenhauses wird zwar nach dem landrichteramtlichen Antrag, jedoch nur unter der ausdrücklichen Bedingung genehmigt, dass keine fremde Familie darin aufgenommen werde und dass solches auch für die Zukunft nicht von mehr Familien zugleich bewohnt werde, es sei denn, dass diese eine von jenen seien, welche schon in einem anderen Judenhause ihren Insitz haben. Damit war der Streit um das neue Judenhaus beendigt, dem einen Bau folgten bald viele andere.
Erlass vom Jahre 1813: Am 31. Juli 1813 wurde folgender Erlass des königlichen Generalkommissariats des Oberdonaukreises herausgegeben: 1. Es muss eine Matrikel über die Judenschaft hergestellt werden mit besonderer Berücksichtigung der Erwerbsart. 2. Der Schulden- und Vermögensstand der Gemeinde muss so genau als möglich erhoben werden. 3. Wegen Auflösung der kirchlichen Gemeinden und Verwendung der nach dem Gesetze überflüssigen Synagogen, dann in Ansehung des dabei angestellten Personals, wird nähere Entschließung erfolgen; sogleich ist aber die bisher von den Rabbinern noch ausgeübte Gerichtsbarkeit als erloschen anzusehen und das Geeignete wegen allenfalls bei denselben anhängigen Gegenständen von Amts wegen zu verfügen. Vom Patrimonialgerichte wurde dann den Juden gemäß Auftrag vom 11. August 1813 eröffnet, dass mit dem 23. August die nach dem neuesten Edikte über die Verhältnisse der jüdischen Glaubensgenossen herzustellende Matrikel begonnen werde. Ferneres muss jeder Jude einen deutschen Familiennamen annehmen.
Das Letztere hatten viele in der vorhergehenden Jahrzehnten dahier schon aus eigenem Antrieb getan; die anderen wählten sich neue und durften sie führen, falls sie nicht zu häufig oder einer bereits bekannten Familie eigen waren. Nach dem Edikte über die Verhältnisse der Juden sollte auch mit Ausnahme der bereits ansässigen Familienväter der Schacherhandel eingestellt sein, namentlich auch für Jünglinge vom 12. bis 30. Jahre. Es sollte eine Musterung der ledigen Jünglinge, die über 12 Jahre alt, sohin nicht mehr schulpflichtig sind, stattfinden. Sie sollten zur Auswahl eines bodenständigen Berufes bestimmt werden und die Realisierung ihrer Zusage binnen 14 Tagen versichern. Der Kleinhandel im Umherziehen sollte unterbleiben, außer es ist die Notwendigkeit dieses Erwerbszweiges für ein Familienoberhaupt bestimmt anerkannt und dann nur für gewisse Bezirke. Jeder, der die Berechtigung zum Hausierhandel erlangen will, hat beim Landgerichte um Bewilligung nachzusuchen, die er dann schriftlich erhält. Ohne diese Erlaubnis darf kein Handel getrieben werden. Alle anderen in Händen befindlichen Pässe sind ungültig.
Verfassung 1818. Regierungsentwurf 1849. Letzter Vergleich mit der Ortsherrschaft. Die bayerische Verfassung vom Jahre 1818 sicherte den nichtchristlichen Glaubensgenossen vollkommene Gewissensfreiheit zu, diese erhielten aber an den staatsbürgerlichen Rechen nur in dem Maße einen Anteil, wie er ihnen in der organischen Edikten über
Ichenhausen BayrGZ 01041928b.jpg (209583 Byte)ihre Aufnahme in die Staatsgesellschaft gewährt wurde. Das galt auch von den Juden. Am 7. April 1824 leisteten die Schutzjuden Ichenhausens ihren Eid. Mit der Ortsherrschaft gab es beständig Streit bald über diese, bald über jene Grundrentenverweigerung, bis es schließlich zu einem förmlichen Prozesse kam (1829), der sich zehn Jahre hinzog. Inzwischen hatte die Regierung 1831 das Versprechen gegeben, die Gesetze über die Verhältnisse der jüdischen Glaubensgenossen zu revidieren. Als dies nicht geschah, wandten sich die Juden 1846 in ausführlichen Bittschriften zur Aufhebung aller Ausnahmegesetze an den Landtag. Ein im Jahre 1849 eingebrachter Regierungsentwurf gestand den israelitischen Staatsangehörigen fortan im ganzen Umfang des Königreiches bei gleichen Pflichten, auch gleiche staatsbürgerliche und bürgerliche Rechte mit den christlichen Staatseinwohnern zu und hob alle entgegenstehenden Bestimmungen früherer Gesetze und Verordnungen auf. Dieser Entwurf wurde zwar von der zweiten Kammer angenommen, von der Reichsratkammer aber wurde er am 16. Februar 1850 angelehnt.
Der Prozess zwischen der Gutsherrschaft und Judenschaft in Ichenhausen, in welchen die ganze politische Lage hineinspielte, endete mit einem Abgaben-Moderations-Vergleich (dem zweiten) in Augsburg am 9. Januar 1839, der Vertrag wurde im Protokoll des Landgerichts Günzburg am 29. Januar 1839 protokolliert und vom Königlichen Staatsministerium in München am 11. März 1840 ratifiziert. Beide Teile hegten den Wunsch, den langjährigen Streit, der beim königlichen Oberapellationsgericht schwebte, durch einen Vergleich zu beendigen. Die Juden hatten hierzu ermächtigt den Aron Schwab, Samuel Neuburger, Leopold Hirsch und Daniel Einstein. Der Rezess von 1818 war zu Grunde gelegt, wobei aber die Judenschaft auf den Fall, dass infolge der Zeit die israelitischen Glaubensgenossen im Königreiche Bayern sich gesetzlicher Emanzipation, d.h. völliger Gleichstellung mit den Bekennern der christlichen Konfession zu erfreuen hätten, sich in dieser Beziehung ihre Recht vorbehielt, jedoch mit dem Zusatze, dass dieser Vergleich auf alle 15 Jahre von heute ab gilt. In diesem Vergleiche waren die Abgaben der Israeliten an die Gutsherrschaft bestimmt. Jeder verheiratete oder ansässige Israelite hatte jährlich zu bezahlen a) Grundzins 2 Gulden, b) Feldfrohn in Geld reluiert 3 Gulden, c) Küchengefälle 1 Gulden 15 Kreuzer, d) Herbergsgeld 2 Gulden, im ganzen 8 Gulden 15 Kreuzer. Nach dem Ablösungsgesetz vom 4. Juni 1848 fiel das Herbergsgeld weg, sodass nur mehr 6 Gulden 15 Kreuzer zu bezahlen waren. Jedes Haus, auch ½, 1/3, ¼, 1/6 Häuser, hatten das gleiche zu zahlen. Witwen zahlten bis zur Wiederverheiratung die Hälfte. Aus jedem zehentbaren Acker war der Zehent oder das fixierte Großzehentgeld zu entrichten. Die Erhebung der jährlichen Rechnungsgelder sollte geschehen wie früher in vier Quartalen, Sebastian, Georgi, Bartholomä und Martini. Der Vergleich sollte auch für die Nachfolger gelten – es war nur mehr einer. Die Israeliten mussten zugeben: Der Vertrag ist nicht Ausfluss der Leibeigenschaft, steht auch nicht im Widerspruch mit den in Bayern dermalen geltenden Gesetzen, sondern in Anerkennung des mehr als hundertjährigen Besitzes der Herrschaft.
Gustav von Stain verkaufte 1854-1858 seinen Ichenhauser Besitz. Was der Prozess und das große Revolutionsjahr 1848 nicht geändert hatten, das änderte das Gesetz vom 3. Juli 1869, das alle noch bestehenden Beschränkungen der bürgerlichen Rechte der Israeliten beseitigte. Die Israeliten bilden mit den Christen seitdem eine politische Gemeinde, von dieser getrennt besteht ihre Kultusgemeinde und das Rabbinat, das von den ehedem elf Rabbinaten in Schwaben neben jenem von Augsburg verblieb als Distriktsrabbinat Ichenhausen."

 
"Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde Ichenhausen" von Hauptlehrer Jakob Blum (1935)

Ichenhausen BayrGZ 01071935a.jpg (56510 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Juli 1935: "Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde Ichenhausen. Aktenmäßig erzählt von Hauptlehrer Jakob Blukm (Nürnberg). Die Freiherren vom Stain zu Rechtenstein, seit 1574 Lehnsherren von Schloss und Markt Ichenhausen in der Markgrafschaft Burgau (Schwaben, damals zu Vorderösterreich gehörig), waren den Juden allzeit freundlich und gewogen und mancher verzweifelte Schutzjude, dem die Günzburger Bürgerschaft oder die Thannhausen’sche Ortsherrschaft den Schutz aufgesagt und wie einen räudigen Hund davongejagt hatte, fand mit ihrer gnädigen Bewilligung zu Ichenhausen eine neue Heimat.
Freilich handelten sie nicht aus reiner Menschenfreundlich-
Ichenhausen BayrGZ 01071935b.jpg (216432 Byte)keit. Die Herrschaft war verschuldet und die Juden mussten die Aufnahme-Genehmigung mit manchem Gulden aufwiegen. An einmaligen Gebühren und jährlichen Leistungen waren nach den Akten zu tragen:
1. Noch vor Protokollierung des Schutzes von einem einheimischen Juden an den herrschaftlichen Beamten 2 fl. und ein Hemd, bzw. ein weiterer Gulden; 2. bei der Auswanderung eine Nachsteuer von 12 fl., außerdem 10 Prozent vom Werte des Hauses und 12 Prozent vom übrigen Vermögen, den vollen Jahreszins und das volle Schutzgeld; 3. für die in Ichenhausen geborenen Personen, die von dort auch den Schutz erhalten, unter dem Namen ‚Konsens’ 10 fl. Der einheimische Jude, welcher eine Fremde heiratete, zahlte 15 fl., während der Herrschaft freistand, die Höhe dieser Gebühr zu bestimmen, wenn beide die Ehe schließende Teile Fremde waren; 4. als Bürgerrecht zahlte die einheimische Person 1.30 fl., die ortsfremde 3 fl. und wenn beide Eheleute Ortsfremde waren, nach Konvenienz der Herrschaft. Zu dieser Gebühr kam dann noch 1 fl. als ‚Schützengeld’; 5. als jährliche Prästanda Küchendingt (= geld), Schächt-, Krautstrangen (= Frohngeld), Herbergsgeld und Schutzgeld im Gesamtbetrag von 10 fl.; dazu noch 1 fl. 30 kr. Grundzins von jedem Haus oder Hausanteil, sodass also z.B. von einem Haus, das durch Erbschaft auf 5 Familien überkommen war, fünfmal 1 fl. 30 kr. als Grundzins erhoben wurde; 6. Fallgelder, d.s. Gebühren bei Sterbefällen und zwar für den gestorbenen Mann 6 fl., für die gestorbene Frau 4 fl. und für ein Kind 2 fl.; 7. die ledigen Burschen hatten ferner ein Fastnachtsgeld zu erlegen und jeder Hausanteileigner musste dem Pfarrer eine Gebühr zahlen (jura Stolae) für den Entgang von Einnahmen, die er hätte, wenn das Haus von Christen bewohnt würde.
Das waren schwere Lasten in jenen geldarmen Zeiten, und so ein Ichenhauser Schutzjude hatte zu sprengen und zu rennen, bis er allein soviel verdient hatte, dass er mit seinem Abgaben nicht im Rückstand blieb und dadurch des Schutzes verlustig ging. Dafür aber gaben die Herren vom Stain ihren Juden auch gute und klare Verträge auf festem, haltbarem Pergament, mit großen Siegeln in die Hände und was noch mehr bedeuten wollte, sie hielten sich und die Christengemeinde (Anmerkung: bis 1869 bestanden zwei völlig getrennte Gemeinden: Erst seit Gesetz vom 3. Juli 1869 bildete die jüdische Gemeinde mit der christlichen eine einzige politische Gemeinde mit gemeinsamer Rechnungsstellung etc.) auch streng an diese Verträge gebunden. Das wollte aber etwas heißen in einer Zeit, in der Kaiser Karl V. und sein Nachfolger Rudolf II. sehr freigebig den Reichsstädten, Klöstern und freiherrlichen Ortsherrschaften das Privilegium der ‚Judenfreiheit’ erteilten, d.h. das Vorrecht, ihre Juden ‚ausschaffen’ zu dürfen und keine weiteren mehr aufnehmen zu müssen, worauf sich dann auch die Städte ringsum wie Nördlingen, Memmingen, Ulm, Regensburg, Günzburg, Burgau, aber auch die kleinen Ortsherrschaften wie Thannhausen, Neuburg a. Kammel anschickten, sich ihrer Juden zu ‚entledigen’.
Als indes zu Beginn des 19. Jahrhunderts die staatsbürgerlichen Verhältnisse der Juden sich änderten, schlug das gute Einvernehmen ins Gegenteil um. Ende des Jahres 1805 kam die Markgrafschaft Burgau an Bayern. 1818 sicherte die Verfassung des bayerischen Staates auch den Juden ein größeres Maß von Freiheiten und Rechten zu, wenn sie ihnen auch nicht die volle staatsbürgerliche Anerkennung brachte. Im Jahre
Ichenhausen BayrGZ 01071935c.jpg (316332 Byte)1829 versuchte die Judenschaft sich von den ihr auferlegten besonderen Lasten an die Gutsherrschaft, die aus der Schutzgewährung herrührten, zu befreien, da sich ihre bürgerlichen Verhältnisse inzwischen im allgemeinen geändert und sich dadurch auch jenes zur Grundherrschaft anderes gestaltet hätte.
Am 9. Mai und am 6. August wiederholt die Judenschaft in Ichenhausen in einer alleruntertänigst treugehorsamsten Vorstellung und Bitte an ‚Seine Majestät des Königs von Bayern allerhöchstes Staatsministerium des Innern’ das Verlangen, einen Rechtszustand herzustellen, welcher die ‚Grenzen der grundherrlichen Rechte wie die Pflichten der Judenschaft bezeichnet und prozessualische Weitläufigkeiten entfernt’, da nämlich inzwischen die Grundherrschaft ‚mit immer weniger Rücksicht, mit immer weniger Schonung jedes Gefälle, selbst die so genannten Fallgelder, auf dem Wege der Pfändung beigetrieben.’
Nun mag freilich niemand gern Steuern und Abgaben leisten, namentlich wenn er sie für zu Unrecht angefordert hält. Es will aber auch niemand freiwillig auf ein Recht verzichten, das seiner Meinung nach gar wohl begründet und verbrieft ist und zudem so hübsche Summen einbringt. So zog sich der Prozess eine lange Weile hin und ehe er nicht entschieden war, wollten die Juden auch die strittigen Abgaben nicht mehr leisten. Damit war freilich die Herrschaft nicht einverstanden und sie zog recht ungnädige Saiten auf. Durch Trommelschlag wurden scharfe Maßnahmen gegen die Zahlungssäumigen angedroht. Da beugten sich die meisten der Gewalt, protestierten zwar – aber zahlten doch. Die anderen indes meinten, es wurde keine Suppe so heiß gegessen wie gekocht und sie wollten es darauf ankommen lassen.
Man hat vor 100 Jahren auch gut kochen können, wenn man etwas zu kochen hatte und dass es daran den Frauen auf Sabbat nicht fehlte, ließen sich die Männer schon angelegen sein. Wer aber nicht so viel verdiente, dass es zu einem rechten Sabbatschmause langte, der bekam aus der Armenkasse soviel gesandt, dass er an diesem Tage nicht darben brauchte. Es brozzelte also in allen Küchen am Freitag und süßer Schaletduft drang aus den Häusern. Es gab recht viele arme Juden damals in der Judengemeinde und einer hat um jene Zeit sogar eine Hypothek auf seinen Synagogenstand von der Gemeinde aufnehmen wollen, um das Reisegeld für seine Kinder nach Amerika zusammenzukratzen. Aber ein paar zinnerne Teller, eine blank geputzte funkelnde Messinglampe für Schabbos, ein silberner Kidduschbecher fand sich doch fast in jedem Hause, um dem Sabbat festlichen Glanz zu verleihen. Wer begreift daher den Schrecken der Ichenhäuser, als am Freitag, dem 3. Juni 1831, just um die Zeit, als die Hausfrauen den Sabbattisch gedeckt hatten, das Patrimonialgericht mit den angedrohten Exekutionen (Pfändungen) begann? Der größte Teil der Renitenten zahlte jetzt freiwillig, um die 15 kr. Pfändungsgebühr zu sparen; aber was wollten jene machen, die kein Geld mehr im Beutel hatten? Und so berichten denn die Akten weiter, dass das Gericht gepfändet habe, bei Heinemann Abraham: 1 silberner Becher mit 10 ½ Lot, Wert 18 fl., geforderte Gebühr 5 fl.; Tannhauser Jainkl: 1 silberbeschlagene Meerschaumpfeife, Wert 9 fl., geforderte Gebühr 3 fl.; Gerstle Abraham: 1 silberbeschlagene Pfeife, 1 silberne Uhr, Wert 10 fl., geforderte Gebühr 6 fl.; Hollender Josef: 1 Dzd. Messer und Gabeln, Wert 8 fl., geforderte Gebühr 5 fl. 54 kr.; Ullmann Emanuel: 1 silberner Becher, Wert 7 fl. 30 kr., geforderte Gebühr 5 fl.; Bernheim Jainkl: 1 silbernes Messer mit Gabel, Wert 7 fl. 30 kr., geforderte Gebühr 5 fl. 45 kr.; Semler Leopold: 2 silberne Bestecke 5/6 Lot, Wert 7 fl., geforderte Gebühr 5 fl. 30 kr.; Gerstle Simon: 1 silbernes Salzbüchschen, Wert 6 fl., geforderte Gebühr 5 fl.; Kahn Samuel, 8 zinnerne Zeller, 1 Schalethafen, Wert 7 fl., geforderte Gebühr 5 fl. 30 kr.; Kahn Hirsch: 2 silberne Bestecke, Wert 7 fl. 12 kr., geforderte Gebühr 5 fl. 50 kr.; Bissinger, Elise: nichts gefunden; Fischer, Jakob: 6 zinnerne Teller, 1 Zinnplatte, Zinnkannen, 1 Messingleuchter; Günzburger Lemle: 1 silbernes Salzbüchschen, 1 silberbeschlagene Meerschaumpfeife im Werte von 10 fl. 24 kr., geforderte Gebühr 5 fl. 45 kr.
Ei war das eine Aufregung! Samuel Kahn und Jakob Bernheim mussten später sogar wegen Widersetzung gegen die Obrigkeit in einem neuen Prozess vor dem Königlichen Appelationsgericht für den Oberdonaukreis sich verteidigen, weil sie gar so getobt hatten; doch hatte das Gericht ein Einsehen und sprach sie frei. Es hatte wohl Verständnis dafür, dass man den Schalethafen und das silberne Essbesteck nicht unmittelbar vor dem Sabbat pfänden dürfe. -
Erst nach zehnjährigem Kampfe wurde der Prozess zwischen der Gutsherrschaft und der Judenschaft durch einen Vergleich beendet, ohne dass sich für die Juden viel geändert hätte. Erst das Jahr 1869 beseitigte die letzten Beschränkungen ihrer bürgerlichen Rechte. Wenige Jahre vorher (1858) endete auch die Gutsherrschaft derer vom Stain nach einer fast dreihundertjährigen, den Juden im Allgemeinen wohlwollenden Ortsregierung."    

     
   
Aus der Geschichte des Rabbinates      
Ausschreibungen der Stelle des Rabbiners (Distriktrabbiner / Bezirksrabbiner)    

Ichenhausen Israelit 10041861.jpg (74081 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. April 1861: "Konkurs! Behufs sofortiger Wiederbesetzung der hiesigen vakanten Rabbinatsstelle, mit welcher ein jährliches Fixum von fl. 563 – dann ein nicht unbedeutender Emolumenten-Ertrag und freie Wohnung verbunden ist, werden Bewerber ersucht, ihre Qualifikations-Noten und Zeugnisse über Hatarat Horaa, absolvierte Studien und Rednertalent längstens bis zum 1. Juni laufenden Jahres an den unterfertigten Kultusvorstand portofrei einzusenden. Ichenhausen, Königreich Bayern, den 5. April 1861. 
Der israelitische Kultusvorstand: Daniel Einstein. J.B. Seligmann."  
Die in der konservativ-orthodoxen Zeitschrift "Der Israelit" erschienene Anzeige wurde auch in der liberalen "Allgemeinen Zeitung des Judentums" publiziert:   
Ichenhausen AZJ 16041861.jpg (72430 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. April 1861: "Konkurs. Behufs sofortiger Wiederbesetzung der hiesigen vakanten Rabbinats-Stelle, mit welcher ein jährliches Fixum von fl. 563, dann ein nicht unbedeutender Emolumenten-Ertrag und freie Wohnung verbunden ist, werden Bewerber ersucht, ihre Qualifikations-Noten und Zeugnisse über Hatarat Horaah, absolvierte Studien und Rednertalent längstens bis zum 1. Juni laufenden Jahres an den unterfertigten Kultus-Vorstand portofrei einzusenden. Ichenhausen (Königreich Bayern), den 5. April 1861. 
Der israelitische Kultusvorstand. Daniel Einstein, J.B. Seligman."  
     
Ichenhausen Israelit 15061922.jpg (53716 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Juni 1922: "Durch den Tod des seitherigen Stelleninhabers, der fast 50 Jahre hier wirkte, ist die Stelle eines Distriktsrabbiners mit dem Sitze in Ichenhausen (Schwaben) wieder zu besetzen. Gehalt Mk. 50.000.-, außerdem entsprechende Nebeneinnahmen. Geeignete Bewerber wollen Lebenslauf und sonstige Belege bis 1. Juli einsenden an die Israelitische Kultusverwaltung Ichenhausen."  
  
Ichenhausen Israelit 17041924.jpg (47601 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. April 1924: "Die durch das Ableben unseres Distriktsrabbiners des Herrn Dr. Cohn frei gewordene Stelle des Rabbiners wollen wir wieder besetzen. Bewerber, die die deutsche Reichsangehörigkeit besitzen, auf gesetzestreuem Boden stehen und akademische Bildung haben, wollen sich unter Beifügung von Zeugnissen melden. Gehalt: Gruppe 10 der Reichsbesoldungsordnung. Israelitische Kultusverwaltung Ichenhausen (Bayern)."  
  
Ichenhausen BayrGZ 01021933.jpg (62612 Byte)Anzeige in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Februar 1933: "Infolge Ruhestandversetzung des bisherigen Stelleninhabers soll die Stelle eines Bezirksrabbiners des Rabbinatsbezirks Ichenhausen mit dem Sitz in Ichenhausen durch einen jüngeren, orthodoxen, akademisch gebildeten Rabbiner neu besetzt werden. Die Anstellung erfolgt gemäß der Beamten- und Besoldungsordnung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Bewerbungen bitten wir an den Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Ichenhausen zu richten. Ichenhausen, den 23. Januar 1933. Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde Ichenhausen. Julius Krämer, 1. Vorstand."  
      
Ichenhausen Israelit 26011933.jpg (63754 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Januar 1933: derselbe Text wie oben. 
    
Ichenhausen Israelit 19111936.jpg (50359 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. November 1936: "Infolge Wegganges des bisherigen Stelleninhabers, soll die Stelle eines Bezirksrabbiners des Rabbinatsbezirks Ichenhausen durch einen jüngeren, orthodoxen Rabbiner neu besetzt werden. Es wäre erwünscht, wenn Unterricht in Englisch und Iwrith erteilt werden könnte. Die Anstellung erfolgt gemäß der Beamten- und Besoldungsordnung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Bewerbungen bitten wir an den Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Ichenhausen zu richten. 
Ichenhausen, 16. November 1936. 
Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde Ichenhausen. Julius Krämer, 1. Vorstand."   

    
Feier zum 70. Geburtstag von Rabbiner Isak Hochheimer (1860)

Ichenhausen Israelit 31101860.jpg (93297 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Oktober 1860: "Ichenhausen, Ende Tischri 5621. Alles, was der Orthodoxie auch nur mittelbar nützlich sein kann, mag billiger Weise Anspruch auf ein Plätzchen in Ihrem geschätzten Blatte machen. In dieser Voraussetzung ersuche ich Sie, nachstehenden Bericht über ein Fest, welches am ersten Sukkot-Tage hier begangen wurde, zu veröffentlichen. Unser würdiger Herr Rabbiner Isak Hochheimer, der schon zweiunddreißig Jahre segensreich in hiesiger Gemeinde wirkt, und der sich ebenfalls dem Proteste gegen das Philippson’sche Bibelwerk angeschlossen, erreichte am ersten Tage des verflossenen Laubhüttenfestes seinen siebzigsten Geburtstag. Nur wenigen Vertrauten war dies vorher bekannt, und sie beschlossen, dem würdigen Greise einen schönen Ehrentag zu bereiten. Durch eine Kollekte war bald eine namhafte Summe aufgebracht. Die Liste lag in einem Haus offen, und wer sich anschließen
Ichenhausen Israelit 31101860a.jpg (272674 Byte)wollte, kam und unterzeichnete, und dies tat auch so ziemlich der größere Teil der hiesigen Gemeindeglieder. Das geräumige Schullokal wurde entsprechend dekoriert, alle Beteiligten fanden sich am Nachmittage des schönen Tages dazu ein, wo dann der Jubilar durch ein Komitee abgeholt und eingeführt wurde. Nach Enthüllung des Ehrengeschenkes, welches in zwei prächtig gearbeiteten Armleuchtern bestand, dankte der ehrwürdige Greis gerührt und gab die Versicherung seines ferneren Strebens zur Aufrechterhaltung des alten Kultus, damit die Gemeinde auch ferner des Rufes einer wahrhaft israelitischen Gemeinde würdig sei. Es wurden mehrere Toaste ausgebracht, die alle die Anerkennung aussprachen, dass der würdige Rabbiner stets bemüht war, Religiosität aufrecht zu erhalten und den Indifferentismus nicht aufkommen zu lassen. Auch lässt es sich wirklich mit Bestimmtheit behaupten, dass es in unserer Gemeinde, die als die zweitgrößte in Bayern angesehen werden kann, keinen Entweiher des Schabbat, keinen öffentlichen Religionsübertreter, und was, Gott sei Danke, noch mehr hervorgehoben zu werden verdient, keine Reformsüchtigen gebe. Auch dies dürfte nur dem klugen Wirken des Herrn Rabbiners zuzuschreiben sein, der es vorzieht, lieber unter vier Augen zurechtzuweisen, als durch öffentliches Verfahren und strafendes Einschreiten Widerwillen, Trotz oder gar Unfrieden in der Gemeinde hervorzurufen.
Nicht vergessen darf werden, dass zu diesem schönen Feste, in Folge an sie ergangener Einladung, auch die zwei hiesigen christlichen Geistlichen, sowie ein Geistlicher eines Nachbarortes und die hiesige Gemeindeverwaltung erschienen waren. Der würdige Herr Pfarrvikar, als Vertreter seines von seltener und rühmenswerter Toleranz beseelten, kranken Herrn Pfarrers Bauer, richtete eine Beglückwünschungsrede an den greisen Jubilar, sprach seine herzliche Freude darüber aus, dass unter den Bekennern beider Konfessionen die schönste Eintracht und wohltuender Friede herrsche, und schloss mit dem Wunsche, dass dieses liebevolle Verhalten immer ungestört fortwalten möge. Auch Privatgeschenke wurden von hier und auswärts als Beweise der Achtung und Wertschätzung dem würdigen Greise verehrt. Mögen die Wünsche, welche Herr Rabbiner Hochheimer der Gemeinde, und die, welche die zahlreiche Gesellschaft ihm darbrachte, in Erfüllung gehen und die Gemeinde wird sich immerhin ihres Friedens mit Gott und ihres Friedens unter sich selbst zu erfreuen haben.
Für die orthodox-israelitische Bibelanstalt wird der Herr Rabbiner nächstens eine Sammlung veranstalten, deren Ausfall recht ergiebig zu sein verspricht."
     
Ichenhausen AZJ 13111860.jpg (224621 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. November 1860: "Aus Bayern, im Oktober. Ichenhausen, die zweitgrößte Israelitengemeinde des Landes, feierte am 1. dieses Monats, dem ersten Tag des Laubhüttenfestes, das 70. Geburtsfest ihres hochwürdigen Rabbiners, Herrn J. Hochheimer, in höchst würdiger und gemütsvoller Weise, welches Zeugnis gibt, wie die größeren Gemeinden immerhin das Verdienst ihrer Rabbinen zu würdigen wissen, wie das fromme und bescheidende Wirken derselben allgemeine Anerkennung findet und wie der Geist echter Toleranz unter den katholischen Geistlichen sich doch noch vielfach in lobenswerter Art kundgibt. Schon vier Wochen vor dem Feste wurde auf Anregung der Herren Kultusvorsteher Daniel Einstein und J.R. Seligmann Vorbereitung hierzu getroffen und Alles beeiferte sich, rege Teilnahme zu bekunden. Mittags 1 Uhr wurde der Jubilar in seiner Wohnung durch die Herren Lehrer und einem gewählte Komitee feierlichst abgeholt, um sich mit denselben in das Schulhaus zu begeben. Dort waren in dem festlich geschmückten Saale die Kultusvorsteher, der Königliche Herr Schulinspektor, der Pfarrvikar, viele Geistliche aus der Umgegend, die größere Schuljugend und der größte Teil der Gemeinde, sowie die Magistratsmitglieder versammelt. Als der Gefeierte eintrat, stimmte die Schuljugend ein für die Feier eigenes verfasstes und von Herrn Kantor Weintraub in Musik gesetztes Lied an. Die Vorsteher begrüßten und beglückwünschten denselben namens der Gemeinde und überreichten ihm für dieselbe zwei äußerst kostbare silberne Kandelaber. Herr Einstein hob in gehaltvoller Ansprache die Verdienste des Rabbinen während seiner 33jährigen Amtsführung hervor. Dieser erwiderte in kurzen, aber herzlichen und ergreifenden Worten. Dann traten auch die katholischen Geistlichen zum Jubilar und beglückwünschten ihn, und der Herr Pfarrvikar hat in geistvoller und gewählter Ansprache die Verdienste desselben um die Schule, wie um Erhaltung des Friedens und der brüderlichen Eintracht in der großen Gemeinde auseinandergesetzt. Da blieb kein Auge tränenleer. Der angeredete Greis war tief ergriffen und konnte nur in wenigen Worten seinen Dank aussprechen. Auch die anwesenden Magistratsräte und einige Andere begrüßten den geliebten geistlichen in herzlicher Anrede.
Viele überreichten noch sehr sinn- und geschmackvolle Geschenke. Auch von Vielen, die seit mehreren Jahren von hier nach München und anderen Orten übergesiedelt, kamen Beglückwünschungsadressen, begleitet mit ansehnlichen Ehrengeschenken. Der Rest des Tages wurde in heiterer Stimmung bei einem Mahle zugebracht, wobei gehaltvolle Toaste gesprochen wurden. Abends brachte ein Sängerchor, unter Beteiligung vieler christlicher Sänger, noch eine Serenade vor der Wohnung des Jubilars, womit ein freundlicher, in den Annalen unserer Gemeinde denkwürdiger Tag sich schloss."   

   
Rabbiner Dr. Löb wirbt für sein Pensionat (1863)  

Ichenhausen AZJ 24111863.jpg (25429 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. November 1863: "In das Pensionat des Unterzeichneten können sofort noch einige Zöglinge eintreten. Unterricht: im Hebräischen, in den modernen Sprachen, den Real- und Merkantilwissenschaften. Auf Verlagen in Latein und Griechisch. 
Ichenhausen (Bayern). Dr. Löb."   

   
Rabbiner Meier Ettlingers Jeschiwa (Beitrag von 1866)

Ichenhausen Israelit 23051866.jpg (35719 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Mai 1866 (der Beitrag handelt von den in Bayern vorhandenen Jeschiwot / Talmudschulen): "b. in Ichenhausen hat Rabbiner Meir Ettlinger – seligen Andenkens -, ein Schüler des Rabbiner Aron Fuld – seligen Andenkens – sehr viele Schüler erzogen und zur Fortsetzung ihres Studium veranlasst; gegenwärtig wirkt Rabbiner Dr. Löb innerhalb des unter gegenwärtigen Verhältnissen Möglichen, durch sein Institut".   

   
Dank an Rabbiner Dr. Löb (1867)  

Ichenhausen Israelit 27111867.jpg (146685 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. November 1867: "Ichenhausen, im November (1867). Dieser Tage überreichten die hiesigen israelitischen Kultus-Vorsteher, die Herren D. Einstein und N. Heilbronner, denen sich die Herren L. G. Koschland und S. Guttmann angeschlossen, dem Herrn Rabbiner Dr. Löb, im Namen der Zuhörer der Sabbat-Nachmittag-Vorträge desselben, mit einer Dankadresse eine äußerst pracht- und wertvolle Menora schäl Chanukka (Chanukka-Leuchter).
Die Teilnehmer an diesen Vorträgen ehrten durch diesen Akten nicht nur den Vortragenden, sondern mehr noch sich selbst, indem sie bekundeten, dass ihnen die Tora und deren Deutung das höchste Kleinod sei und sie ernst gemeinte, im Dienste der Wahrheit und Erkenntnis stehende Bestrebungen zu würdigen und anzuerkennen wissen. Herr Dr. Löb war von diesem unerwarteten Ausdruck der Freundschaft und Liebe äußerst überrascht, und dankte tief ergriffen, hervorhebend, wie dieser Beweis der Sympathie, den er nur auf Rechnung seines Wollens, nicht seiner Leistungen setze, ihn ermutige und ermahne, auf der betretenen Laufbahn auszuharren und weiter zu schreiten. Ein glückliches Resultat werde sicher erreicht, so Rabbiner, Kultusführer und Gemeinde von demselben Sinne durchdrungen, sich die Arbeit um Erhaltung unserer heiligen Religion gegenseitig erleichtern und eben diesem erhabenen Ziele mit vereinten Kräften und innigen Frieden zusteuern; und wenn sein (des Rabbiners) Wirken unter Gottes Hilfe manchen Erfolg aufzuweisen habe, so sei dies nicht sein Verdienst, sondern nur den vereinten Bemühungen und Anstrengungen aller Beteiligten, dem liebevollen, opferfähigen und opferwilligen Entgegenkommen der Gemeinde beizumessen."

  
Rabbiner Dr. Loeb wird zur Probepredigt nach Krefeld eingeladen (1869)

Ichenhausen Israelit 19051869.JPG (94103 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Mai 1869: "Ichenhausen, Ende April (1869). Unsere israelitische Gemeinde befand sich dieser Tage in der größten Aufregung. Es verbreitete sich nämlich die Kunde, dass unser hoch verehrter Rabbiner, Herr Dr. Loeb, als erster Kandidat um das Oberrabbinat zu Krefeld zur Probepredigt berufen sei. Die Gemeinde begriff sofort, welch ein Verlust ihr drohe, wenn ihr Rabbiner, der seit seiner siebenjährigen Amtsführung so Großes hier geleistet und sich hierdurch die Sympathien aller Mitglieder ohne Ausnahme in höchstem Maße erworben, den hiesigen Platz, der ein so schönes Feld der Wirksamkeit bietet, verlassen würde. Von diesem Gedanken geleitet, richteten der Vorstand und eine große Zahl der ehrenwertesten Gemeindemitglieder die eindringlichsten Bitten an den Herrn Rabbiner und bestimmten hierdurch denselben, dass er sich bereit erklärte, hier zu verbleiben.
Ehre der Gemeinde, die mit solcher Anhänglichkeit an ihrem Hirten hängt und jedes Opfer bringt, sich denselben zu erhalten; Ehre dem Rabbiner, der diese Anhänglichkeit zu schätzen weiß und im Bewusstsein, hier ein – Gott sei Dank – gesegnetes Feld der Tätigkeit zu haben, gerne auf äußere Vorteile verzichtet. Mehrere Gemeindemitglieder."   

   
Zum Tod der Mutter von Rabbiner Dr. Löb (1871)

Ichenhausen Israelit 19041871.jpg (104223 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. April 1871: "Nekrolog. Ichenhausen. Ende Februar wurde die Mutter unseres verehrten Herrn Rabbinen Dr. Löb zu Grabe getragen, deren Tugenden nicht nur hier, sondern auch in der weiten Ferne so bekannt waren, dass wir nicht umhin können, unserem tief gefühlten Schmerz über ihren so unerwarteten Hintritt öffentlich Ausdruck zu geben. Die Verklärte war eine biedere, edle Frau, welche stets bemüht war, Gutes auszuüben, Arme zu unterstützen, Friede herzustellen, und mit Hinansetzung eigenen Interesses das Wohl ihrer Nächsten fördern zu helfen. Ihr einziger Sohn, Herr Rabbiner Dr. Löb, hielt mit gepresstem herzen am Grabe der Verklärten die Trauerrede, welche von dem größten Teile der Gemeinde mit lautloser Stille unter Strömen von Tränen vernommen wurde. Dabei verdient erwähnt zu werden, dass nicht nur der praktische Arzt, Herr Dr. Rapp, sondern auch der katholische Ortsgeistliche, Herr Pfarrer Meier, dem Leichenzuge sich anschlossen und Letzterer sogar der Trauerrede anwohnte, ein Zeichen sowohl der allgemeinen verdienten Hochachtung, deren sich die Verblichene zu erfreuen hatte, als auch namentlich ein Beweis der rühmenswerten Humanität des ehrwürdigen Herrn geistlichen und der erfreulichen Eintracht der hiesigen Einwohnerschaft. Möge diese auch in anderen paritätischen Orten statthaben, und das humane Vorgehen unseres Herrn Pfarrers überall Nachahmung finden. D.E."    

    
Zum Tod von Rabbi Koppel Ullmann (1886)

Ichenhausen Israelit 25031886.jpg (244279 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. März 1886: "Ichenhausen, 22. März (1886). Vor vier Wochen haben wir einen Mann zu grabe getragen, der es wohl verdient, dass ihm ein Nachruf gewidmet werde. Rabbi Koppel Ullmann – das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen – wurde nach kurzem Krankenlager in ein besseres Jenseits abberufen, um dortselbst den Lohn zu empfangen für seine treue, musterhafte Pflichterfüllung. Mit Recht darf von diesem Manne behauptet werden, dass er sein ganzes Leben der Pflichterfüllung gewidmet hatte. Wem die Gelegenheit geboten war, das Leben dieses Mannes kennen zu lernen, der musste innewerden, welch einen veredelnden Einfluss unsere heilige Tora hat auf den, der sie erfasst und zu üben vermag. Sein ganzes Tun und Lassen suchte er mit den Gesetzen unserer heiligen Lehre in Einklang zu bringen; ebenso war er bestrebt, seine Kinder zu guten Jehudim zu erziehen, in welchem Bestreben er von seiner würdigen Gattin lebhaft unterstützt wurde. Seine Familie verliert daher in ihm einen liebevollen Gatten und Vater, wir verlieren in ihm einen teuren Lehrer und Freunde; unsere Gemeinde verliert ein ihrer schönsten Zierden und das ganze Judentum einen seiner treuesten Träger und Verfechter. Eine besondere Beschäftigung war es, durch die sich der Verblichene unsterbliche Verdienste erworben hat. Es bestand hier seit Langem die schöne Einrichtung, dass man die noch nicht schulpflichtigen Kinder zu Rabbi Ullmann – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – schickte, damit er sie beaufsichtigte und sich mit ihnen beschäftige. Die Kleinen erlernten hier Hebräisch lesen, alle Segenssprüche und es wurde ihnen ein solcher Sinn für Jüdischkeit eingepflanzt, dass gewiss viel mehr gute Jehudim aus unserer Gemeinde hervorgegangen wären, wenn nicht leider viele Eltern ihre Kinder im 12. und 13. Lebensjahre in solche Schulen schickten, wo sie den Sabbat entweihen (sc. z.B. am Sabbat schreiben müssen); dass nach Absolvierung der Schuljahre dann auch nicht nach Stellen in religiösen Häusern getrachtet wird, braucht wohl nicht gesagt zu werden.
Welchen Schmerz und Kummer verursachte es dem teueren Verblichenen, wenn der eine oder andere seiner früheren Zöglinge, die mit besondere Liebe dem Jüdischen anhingen, nach Ulm oder Augsburg übersiedelte, weil er zu gut wusste, dass selbst die hellste Flamme, wenn ihr die Nahrung entzogen bleibt, nach und nach erlischt. Dass es ein solch wackerer Mann an Ermahnungen gegenüber den betreffenden Eltern nicht fehlen ließ und ihnen namentlich vorstellte, dass sie Alles, was sie für ihre Kinder in Ulm und Augsburg zu erzielen wünschen, gerade ebenso in Fürth und Pfungstadt etc. erreichen könnten, versteht sich von selbst.
Obwohl der Unterricht mit vorerwähnten Kleinen und derjenige mit größeren Kindern in den fünf Büchern Moses und Raschi und der jüdischen Geschichte ferner einige gewerbliche Beschäftigungen seine ganze Zeit in Anspruch nahmen, wusste er dennoch so viel Zeit herauszubringen, um sich ständig mit der Tora zu beschäftigen. Dass er morgens und abends ein regelmäßiger Besucher des Gotteshauses und bei dem dreimal in der Woche stattfindenden Schiur Gemara (Lernstunde zu Talmudtexten) ein nie fehlendes Mitglied war, bedarf wohl keiner besonderen Erwähnung.
Auch manches jüdische Institut wird in dem Hinscheiden dieses Rabbi Koppel Ullmann – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – einen seinen Förderer zu beklagen haben, wie er auch vielen verschämten Armen fehlen wird, für die er, da er selbst über Reichtum nicht zu verfügen hatte, von Zeit zu Zeit Gaben sammelte. Das Leben und Wirken dieses edlen Mannes möge zur Nachahmung aneifern und sich so der Sprache erfüllen: das Andenken an den Gerechten ist zum Segen."   

   
Zum Tod von Oberrabbiner Dr. Elieser Löb in Altona, ehemals in Ichenhausen (1892)   

Ichenhausen Israelit 11021892.jpg (171346 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Februar 1892: "Ichenhausen, 5. Februar (1892). Die Nachricht von dem Hinscheiden des Herrn Oberrabbiners Dr. Elieser Löb – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – in Altona hat auch in hiesiger Gemeinde, dem Orte seiner ehemaligen langjährigen Wirksamkeit die tiefste Trauer hervorgerufen, und die sich überall bekundende Teilnahme zeigt so recht, welch ein inniges und liebevolles Andenken dem edlen Verblichenen und seiner geehrten Familie in hiesiger Gemeinde bewahrt geblieben ist. Die telegraphische Trauerbotschaft ist hier leider mit Verspätung eingelaufen, sodass es unserem verehrten Rabbiner in Begleitung eines unserer Herren Vorsteher nicht mehr möglich war, zum Leichenbegängnisse rechtzeitig eintreffen zu können. Dagegen versammelte sich die ganze Gemeinde am vergangenen Sonntagnachmittag zu einer Gedächtnisfeier in der Synagoge; der Eindruck, den diese Feier auf alle Anwesenden machte, war ein überwältigender, der die Gemüter nicht nur mit Schmerz, sondern auch mit einem edlen Stolze erfüllte. Die geehrten Leser des ‚Israelit’ haben schon von Mainz, Altona und Hamburg aus vernommen, welch ein hervorragender Talmid Chochom (Gelehrter) und außergewöhnlich edler Mensch der Betrauerte gewesen; unser geehrter Rabbiner, Herr Dr. Cohn – sein Licht leuchte, der Trauer über den großen Toten in tief empfunden Worten Ausdruck gebend, legte uns dar, wie Dr. Löb – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – in hiesiger Gemeinde Tora, Gottesdienst und Wohltätigkeit in ausgedehntestem Maße zur Entfaltung brachte und wie es hauptsächlich seiner großartigen Wirksamkeit zu danken sei, dass heute noch echt jüdisches Leben in hiesiger Gemeinde – Gott sei Dank – pulsiere. Die tief durchdachte Trauerrede ausführlich und getreu wieder zu geben, bin ich nicht imstande; im Anschlusse an dieselbe wurde von unserem Kantor, Herrn Perlmutter, das El Male Rachamim (‚Gott voller Erbarmen…’) in herzergreifender Weise vorgetragen.
Die meisten Mitglieder der hiesigen Gemeinde haben das Glück gehabt, Dr. Löb – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – persönlich gekannt zu haben und ich kann mit wahrhafter Freude konstatieren, dass die Hochachtung und Liebe, welche sich der Verblichene durch seinen edlen Charakter, sein ehrliches, wahrheitsliebendes Wesen und seine unbegrenzte Mildtätigkeit – lauter Produkte seiner echten und wahren Frömmigkeit – erworben, in den Herzen Aller feste Wurzel gefasst haben. Das Andenken eines wahrhaft Frommen bleibt unvergessen und die Erwähnung seiner Tugend gereicht der Welt zum Segen, wie es der weise König – seligen Andenkens – mit den Worten lehrt: das Andenken an den Gerechten ist zum Segen. H.L."

    
Anzeige der Rabbiner Dr. Cohn (Ichenhausen) und Dr. Werner (München): Betreuung der israelitischen Insassen der Idiotenanstalt zu Ursberg bei Krumbach (1902)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Juli 1902: "Schon seit langer Zeit beschäftigt uns die Sorge, den an Geist und Körper verkümmerten israelitischen Unglücklichen in Bayern, die jetzt entweder in Privathäusern notdürftig untergebracht werden, oder in nichtjüdischen Anstalten ein deren Bestimmungen entsprechendes Leben führen müssen, eine Zufluchtsstätte zu schaffen, an welcher sie den Anforderungen unserer heiligen Religion gemäß gehegt und verpflegt werden können. Alle Versuche, die wir bisher zu diesem Zwecke unternommen hatten, scheiterten jedoch an der Schwierigkeit, die für die erste Einrichtung erforderlichen bedeutenden Mittel aufzubringen. Die auf der letzten bayerischen Rabbiner-Konferenz empfangenen Anregungen veranlassten uns nunmehr, diese wichtige Angelegenheit mit größerer Energie zu verfolgen; und es erfüllt uns mit inniger Freude, Ihnen mitteilen zu können, dass der weitbekannte, edle und hochherzige Wohltäter, Seiner Hochwürden Herr Superior Ringeisen sich bereit erklärt hat, in seiner segensreich wirkenden Idiotenanstalt zu Ursberg bei Krumbach (Distrikts-Rabbinat Ichenhausen), die zur Zeit 1340 Insassen zählt, unter unserer religiösen Aufsicht eine jüdische Anteilung zu errichten, in welcher den aufgenommenen Unglücklichen unseres Glaubens rituelle Kost verabreicht und Gelegenheit geboten werden soll, Religionsunterricht zu empfangen und einem Gottesdienste anzuwohnen.  
Um nun zu beurteilen, ob zu diesem Behufe der Bau eines besonderen Hauses nötig sein sollte, wünscht der hochwürdige Herr Superior zu erfahren, für wie viele jüdische Idioten ungefähr zunächst eine Aufnahme beansprucht werden würde. Wir ersuchen Sie daher, baldmöglichst dem unterfertigen Dr. Cohn-Ichenhausen ohne jede Verbindlichkeit Auskunft darüber erteilen zu wollen, 
1) wie viele Unglückliche (männliche und weibliche) aus Ihrer Gemeinde und Ihrem Rabbinatsbezirke voraussichtlich in der jüdischen Abteilung der Idiotenanstalt untergebracht werden sollen;  
2) ob eine einmalige oder eine alljährliche Entschädigung und in welcher Höhe für jeden einzelnen derselben mit Angabe der Namen entrichtet, oder ob wegen Leistungsunfähigkeit der Angehörigen und der Heimatgemeinden eventuell unentgeltliche Verpflegung beantragt werden muss. 
Indem wir überzeugt sind, dass Sie mit voller Bereitwilligkeit Ihre Kräfte dieser großen Mizwoh widmen werden, grüßen wir Sie herzlich und zeichnen  Ichenhausen im Juli (1903)  
Distrikts-Rabbiner Dr. Cohn - Ichenhausen, Distrikts-Rabbiner Dr. Werner - München, Kultusvorsteher Oettinger-Hürben-Krumbach."      


Zum Tod von Rabbinatsassessor A.H. Goldberg (1921)    

Ichenhausen Israelit 04081921.jpg (207801 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. August 1921: "Personalien. Rabbinatsassessor A. J. Goldberg – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen. Ichenhausen, 29. Juli (1921). Von einem schweren, in seiner ganzen Größe noch nicht zu ermessenden Verlust wurde die hiesige Kultusgemeinde und mit ihr ganz Israel durch das am 12. Tamus erfolgte Ableben des Herrn Rabbinatsassessors A. J. Goldberg betroffen. Mit ihm ist eine jener Persönlichkeiten dahingegangen, wie sie leider in heutiger Zeit immer seltener zu finden sind. Ausgestattet mit allen Vorzügen des Geistes, betrachtete er es als seine vornehmste Aufgabe, von seinem unergründlichen Wissen in Bibel, Talmud und den Auslegungen Anderen mitzuteilen und nicht gering ist die Zahl derer, die er in die Urquellen des jüdischen Wissens einführte und der schon Fortgeschrittenen, die er ihren Fähigkeiten entsprechend, weiter belehrte. Seine hervorragenden, talmudischen Kenntnisse fanden unter anderem auch darin ihre Würdigung, dass viele Große unseres Geschlechts, selbst aus Russland und Erez Israel wegen halachischer Entscheidungen in brieflichen Gedankenaustausch mit ihm eintraten und sein vor mehreren Jahren in der Öffentlichkeit erschienenes Werk … legt beredtes Zeugnis von seinem talmudischen Wissensschatze und seiner Gedankentiefe ab. Und – was ihm im Studium heilig war, das übertrug er auch aufs praktische Leben. Mit heiligem Ernst und freudiger Gesetzestreue widmete er sich selbst unter den schwierigsten Verhältnissen der Erfüllung der Gebote Gottes und besondere Befriedigung erfüllte ihn, wenn er Anderen in seinem Beispiel Anlass zu gleich frommer Betätigung gab. Sein Haus war stets eine Zufluchtstätte der Armen und Bedrängten und obwohl selbst von den Sorgen des Alltags nicht verschont, verließ ihn doch niemand ohne Unterstützung in Rat und Tat. Seine aufrichtige Frömmigkeit, seine beispiellose Bescheidenheit und Herzensgüte ließen ihn die Sympathien Aller, die ihn kannten, gewinnen. Als Vorbeter und Baal Tokea an den ehrfurchtgebietenden Tagen verstand er es, durch seine tiefster Andacht entspringende Vortragsweise sein Zuhörer in heiliger Ergriffenheit mit zu begeistern. Seiner Familie war er ein aufopfernder, besorgter Vater, der Gemeinde ein hingebungsvoller Lehrer und Berater, dem Verein ‚Talmud Tora’ widmete er während 33 Jahren seine Kraft durch Abhaltung von Vorträgen, die von echt jüdischer Begeisterung durchweht, belehrend und erzieherisch wirkten.
Die Bestattung gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung der Anhänglichkeit und Verehrung und zeigte auch äußerlich die große Trauer um den teuren Entschlafenen. Am Grabe sprach in Abwesenheit des Herrn Rabbiners, Herr Lehrer J. Blum, in bewegten Worten der allgemeinen Klage Ausdruck gebend und zeichnete in Anlehnung an den laufenden Wochenabschnitt ein getreues Lebensbild des Verklärten, sodann sprachen ein Sohn im Namen der Familie, den teuren Vater zugleich als Magen HaIr (Schild der Stadt) bezeichnend, Herr Lehrer M. Schuster als Schwiegersohn und Herr Emil Gerstle, als Vorstand des Talmud Tora-Vereins, der den Dank für das segensreiche Wirken innerhalb des Vereins zum Ausdruck brachte. In der Abteilung des Friedhofes, in der die früheren Großen der Gemeinde ruhen, wurde auch das, was sterblich an ihm war, der Erde übergeben. Wir haben einen geraden und verlässlichen Mann von uns gehen sehen, sein Geist aber möge in unserer Mitte weiter leben und sein Wirken segensreiche Folgen zeitigen uns und ganz Israel. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."   

    
Zum Tod von Distriktsrabbiner Dr. Aron Cohn (1922)    

Ichenhausen AZJ 31031922.jpg (23288 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 31. März 1922: "In Ichenhausen ist Rabbiner Dr. Aron Cohn im Alter von 82 Jahren verschieden. Er wurde als Sohn des Klausrabbiners und Dajan Jekew Cohn in Altona geboren und hat in Ichenhausen fast ein halbes Jahrhundert gewirkt."
    
Ichenhausen Israelit 23031922.jpg (22078 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. März 1922: "Ichenhausen, 15. März (1922). Distriktsrabbiner Dr. Cohn ist im hohen Greisenalter heute verschieden. Eine ausführliche Würdigung seiner Persönlichkeit und Lebenswirksamkeit bleibt vorbehalten."   
   
Ichenhausen Israelit 30031922.jpg (259123 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. März 1922: "Personalien. Distriktrabbiner Dr. Aron Cohn das Andenken an den Gerechten ist zum Segen -. Ichenhausen in Schwaben, 20. März (1922). ‚Und sie kamen bis zur Tenne Arad, die jenseits des Jordans und hielten dort eine große und sehr schwere Klage. Da sah die Einwohnerschaft des Landes die Trauer in der Tenne Arad und sprach: ‚Eine schwere Trauer ist das für Ägypten?’ (1. Mose 50, 10-11).
Wahrlich, zu einem Tage schwerer Trauer wurde für die Kultusgemeinde Ichenhausen und die ihr angeschlossenen Distriktsgemeinden der Tanis Esther, der Jahrzeitstag des früheren Rabbiners Isaak Hochheimer – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen -, da nun auch der Mann an diesem Tage zur ewigen Ruhe entschlummerte, der fast ein halbes Jahrhundert hindurch ihr geistiger und religiöser Führer bis zu seinem Todestage gewesen ist. Am Tage nach Purim wurde Distriktsrabbiner Doktor Aron Cohn, ein Sohn des berühmten Rebbe Jakob Cohn, Dajon am Bes Din (Richter am Rabbinatsgericht) zu Altona (der noch Schüler des Chasam Sofers war) und Schüler des Rabbi Jacob Norden und Rabbi Jisroel Hildesheimer auf das Bes Olom (Friedhof) geleitet. In würdiger Weise hatte die Kultusverwaltung dafür Sorge getragen, dass, der Ehre des großen Toten entsprechend, der ganzen Gemeinde noch einmal die Schwere des Verlustes anlässlich der Beisetzung zum Bewusstsein komme. Vom Trauerhause wurde der Sarg von Männern der Chewroh kadischo in die Synagoge getragen. Dort zeichnete, nach Psalmgesängen, vorgetragen in ergreifender Weise von dem Synagogenchore unter der bewährten Leitung des Herrn Oberkantors Schwarz, im Auftrage der israelitischen Kultusgemeinde Ichenhausen, Herr Distriktsrabbiner Dr. Brader von Ansbach, selbst ein Schüler des Verklärten, im Anschluss an Maleachi 2,6 ein anschauliches Bild von dem großen Geistesfürsten in Israel. Er schilderte sein reiches Wissen, seine gewaltige Kraft der Rede, seine tiefe Frömmigkeit und seine opferbereite Nächstenliebe und fand treffliche Worte zur Kennzeichnung der an Selbstverleugnung grenzenden Friedensliebe dieses Mannes, der ein Priester und Lehrer allzeit der Mahnung unserer Weisen eingedenk blieb: ‚Groß ist der Friede.’
Am Grabe dankte Herr Lehrer Blum im Auftrage der Kultusverwaltung dem Verewigten für sein segensreiches Wirken in der Gemeinde, für seine geistvollen Vorträge in den frommen Vereinen, für seine Hingebung als Vorbeter am Versöhnungstage, für seine ersprießliche Tätigkeit als Religionslehrer an der israelitischen Volksschule, sowie für die treuen Ratschläge, die er als Schriftführer der israelitischen Gemeindeverwaltung so oft erteilt hatte. Herr Rabbiner Dr. Bärwald – München, sprach im Namen der bayerischen Rabbinerkonferenz, deren Gründer und Ehrenvorsitzender der Dahingeschiedene gewesen, aus bewegtem Herzen Worte des Dankes und der Anerkennung für die selbstlose, aufopfernde Tätigkeit aus. Insbesondere schilderte er die großen Verdienste, die der edle Mann um die Gründung und Ausgestaltung der Reliktenkasse bayerischer Rabbiner sich erworben hatte, der es durch seine Tätigkeit manche Witwe zu verdanken habe, wenn Not ihr ferngehalten werde, gleichwie sie es ermöglichte, mancher Waise aus einem Rabbinerhause eine bessere Erziehung angedeihen zu lassen. Auch im Namen der Kultusgemeinde Nakel in Westpreußen, in der der Verewigte zuerst gewirkt, sprach er Worte des Dankes.
Im Auftrage der Lehrer der Distriktsgemeinden rühmt Herr Hauptlehrer Gutmann von Oettingen, gleichfalls ein Schüler der Verstorbenen, in beredten Worten das große Lehrergeschick des teuren Rabbi, durch das er es verstanden hatte, getreu der Mahnung unserer Alten, die Kinder nach ihrer Individualität zu erziehen. Herr Bankdirektor Rosenfelder, Nördlingen, stattete den Dank der Distriktsgemeinden ab, indem er insbesondere rühmend hervorhob, dass Herr Dr. Cohn lange Jahre als Rabbinatsverweser der Gemeinde Nördlingen auf jedes Honorar für diese Tätigkeit verzichtet hatte. Für den Gesangverein ‚Zijon’ sowie für die Chewroh ‚Bikkur Cholim’ sprach der Vorstand dieser Vereine, Herr Moses Thalmann, ergreifende Worte des Abschieds für ihr Ehrenmitglied. Herr Lehrer Rosenblatt – Memmingen dankt nochmals dem vertrauten Freunde seines Hauses in herzlicher Weise für alle Liebe und Freundschaft, während Herr Lehrer J. Koschland, ein Neffe des Verklärten, der aus Beuel – Bonn herbeigeeilt war, rührende Worte des Trostes im Sinne des Verstorbenen an die Verwandten richtete und zugleich dem Danke derselben, wie der grenzenlosen Verehrung, die sie für ihr Familienhaupt hegten, ergreifenden Ausdruck verlieh. Im Namen des Stadtrates sowie des Armenrates beklagte Herr Bürgermeister Thaler den Verlust dieses Mannes, der durch seine Friedensliebe dazu beigetragen hatte, das
Ichenhausen Israelit 30031922a.jpg (53263 Byte)einträchtige Verhältnis aufrecht zu erhalten, das hier allzeit unter den Konfessionen herrschte.
Ein fast unübersehbarer Trauerzug unter Führung des Krieger- und Soldatenvereins, dessen Ehrenmitglied der Verstorbene gleichfalls gewesen, des Gesangvereines, sowie der israelitischen Schulen mit ihren Fahnen hatte dem heimgegangenen Lehrer das letzte Geleit gegeben. Der Vorstand des Bezirksamts, die Vorstandschaft der protestantischen Kirchengemeinde, die beiden Bürgermeister der Stadt, der Stadt- und Armenrat, sowie ein zahlreiches Gefolge aus allen Berufsschichten bezeugten die Liebe und Verehrung, die dem würdigen Rabbiner entgegengebracht worden war. Möge Gott seiner leidgebeugten Gattin, die in seltener Treue als eine echte wackere Frau dem Gatten zur Seite gestanden, sowie den Kindern und Anverwandten Trost spenden. In der Gemeinde wie im Distrikt wird das Andenken dieses Gerechten in Ehren gehalten werden. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."    

  
Danksagung nach dem Tod von Distriktsrabbiner Dr. Ahron Cohn (1922)  

Ichenhausen Israelit 11041922.jpg (48676 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. April 1922: "Danksagung
Für die uns von allen, allen Seiten bewiesene herzliche Teilnahme beim Hinscheiden unseres teuren, unvergesslichen Gattung und Vaters 
Herrn Distriktsrabbiner Dr. Ahron Cohn – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – 
sagen auf diesem Wege unseren tief gefühlten Dank    Fanny Cohn und Kinder. Ichenhausen (Bayern), 9. April 1922."   

    
Rabbiner Dr. Neuwirth wird nach Ichenhausen berufen (1924)    

Ichenhausen Israelitn 21081924.jpg (20209 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. August 1924: "Ichenhausen, 15. August (1924). Herr Rabbiner Dr. Neuwirth, der 23 Jahre bei der Religions-Gesellschaft in Bingen als Rabbiner wirkte, wurde als Rabbiner nach Ichenhausen (Bayern) berufen."   

   
Amtseinsetzung von Rabbiner Dr. Neuwirth (1924)

Ichenhausen Israelit 02101924.jpg (214038 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Oktober 1924: "Personalien. Ichenhausen, 7. September (1924). Zu einer erhebenden Feier von nachhaltigstem Eindruck gestaltete sich die am gestrigen Sabbat erfolgte Amtseinsetzung des Herrn Rabbiner Dr. Neuwirth als Nachfolger des unvergesslichen Dr. Cohn als Distriktsrabbiner von Ichenhausen. Die Nöte der Inflation hatten verursacht, dass dieses altehrwürdige Rabbinat 2 ½ Jahre unbesetzt blieb und so war die Freude allgemein, als es nach Überwindung größter Schwierigkeiten den rastlosen Bemühungen der Kultusverwaltung gelungen war, allen Hemmungen zum Trotz opferwillig die Frage der Wiederbesetzung zu lösen und in der Person des Herrn Dr. Neuwirth in Bingen einen würdigen Wahrer und Hüter der Tradition für die Gemeinden unseres Distrikts zu gewinnen. Die am Freitagabend in schlichtem Rahmen veranstaltete Einführungsfeier bleibt eine unvergessliche, kostbare Erinnerung aller Teilnehmer. Kultusverwaltung und Vertreter der Distriktsgemeinden holten ihr neues geistliches Oberhaupt aus seiner Amtswohnung ab, um es ins Gotteshaus zu geleiten. Festlich gekleidete Kinder mit Blumen und Fähnchenschmuck bildeten Spalier, das Gotteshaus selbst war mit Girlanden und Blattpflanzen reich verziert. Der durch die Mitglieder des Gesangvereins ‚Zion’ verstärkte Synagogenchor begrüßte mit den feierlichen Klängen des Boruch habo, einstudiert durch Herrn Oberkantor Schwarz, den sichtlich Ergriffenen. In einer von der Größe der Verantwortung durchdrungenen, tief durchdachten Ansprache rief nun der erste Kultusvorstand, Herr Julius Krämer, dem neuen geistigen Führer der Gemeinde Worte herzlichen Willkommens zu, dabei der Erwartung Ausdruck verleihend, die die ganze Gemeinde an diesen Tag knüpft und das uneingeschränkte Vertrauen aller Kultusmitglieder zu dem selbst gewählten Rabbinen betonend. Zugleich sprach er innigen Dank aus seiner Verwaltung für die getreulich mitgetragenen Sorgen und Arbeiten, seiner Gemeinde für die bewiesene Opferwilligkeit, Herrn Distriktsrabbiner Dr. Brader von Ansbach, einem Sohne unserer Kultusgemeinde, der es sich nicht hatte nehmen lassen, persönlich die Amtseinführung des Rabbiners durch seine Anteilnahme zu einer weihevollen zu gestalten, für seine uneigennützige vertretungsweise Amtsführung während der ganzen Interimszeit sowie Herrn Lehrer Blum für die Wahrung religiöser Belange. Hierauf sprach in zu Herzen gehender Weise Herr Distriktsrabbiner Dr. Brader und beglückwünschte Gemeinde und Rabbiner.
Tief ergriffen antwortete Herr Rabbiner Dr. Neuwirth. Er wies darauf hin, dass nur der Wunsch, ein größeres reicheres Feld der Wirksamkeit zu finden, ihn veranlasst habe, nach 23jähriger Tätigkeit bei der Israelitischen Religionsgesellschaft in Bingen dem Rufe einer altehrwürdigen Gemeinde Folge zu leisten. Er zitierte den Geist seines seligen Vorgängers, von ihm Segen und Gelingen für sich und sein Werk erflehend. Dann erstattete er heißen Dank für das ihm gewährte Vertrauen, gelobte Treue und Liebe der Gemeinde, dem Berufe und dem Staate und versprach ein Wahrer und Förderer des konfessionellen Friedens zu sein.
Die eigentliche Antrittspredigt hielt Herr Dr. Neuwirth am anderen Tage nach Beendigung des Schachris-Gebetes. Die Kleidung des Hohenpriesters symbolisch auffassend, entwarf er ein Bild von der Stellung und den Aufgaben eines Rabbiners, das in seiner hohen, idealen Berufsauffassung und in seiner aus der Tiefe eines selbstlosen, gläubigen Herzens quellenden Reinheit zu den Herzen seiner Gemeinde sprach und sie begeisterte für ihren neuen Führer. Möge Gemeinde und Rabbiner in frohen Tagen und glücklichen Anlässen zusammenwachsen lassen und reichen Segen dem Werke des ehrwürdigen Rabbiners spenden."   

    
Zum Tod von Fanni Cohn, Witwe von Rabbiner Dr. Aron Cohn (1931)

Ichenhausen Israelit 01041931.jpg (181971 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. April 1931: "Ichenhausen, 20. März (1931). Am 8. Adar durcheilte die hiesige Gemeinde die Schreckenskunde. Frau Fanni Cohn, die Gattin unseres verstorbenen unvergesslichen Rabbiners Dr. Ahron Cohn ist nicht mehr. In tragischer Weise wurde sie aus dem leben abberufen. Nach einem mehrwöchentlichen Aufenthalte bei ihren Hamburger Kindern war sie auf der Heimreise in der Nähe Ansbachs im Alter von 79 Jahren einem Herzschlage erlegen. Überaus schmerzlich ist der Verlust, den unsere Gemeinde erlitten hat. Eine wackere Frau in des Wortes tiefster Bedeutung ist von uns gegangen. Das Leben dieser edlen Frau war eine Kette von Gebotserfüllungen und guten Taten. Mehr als 30 Jahre leitete die Dahingeschiedene in einer geradezu vorbildlichen Weise unsere Frauen-Chewra (Frauenverein). Kaum lässt es sich schildern, was die Verstorbene für das innere Leben unserer Gemeinde bedeutete. Sie war die einzige Frau, die noch die alten üblichen Traditionen aufs Genaueste kannte, die in Fragen des Kaschrut die rabbinischen Entscheidungen aufs peinlichste beherrschte und befolgte. Ob es galt, seelischen Schmerz zu lindern, Kranken Trost und Hilfe zu bringen oder ihnen die letzte Stunde zu erleichtern, stets war unsere liebe ‚Frau Dr. Cohn’ mit an erster Stelle. Wollten arme Durchwanderer ihre Unterstützung – sie gingen zu ihr, der langjährigen Vorsitzenden unseres Unterstützungsvereins. Kam die Zeit von Pessach oder Rosch haSchana heran, da war es wiederum sie, die unermüdlich von Haus zu Haus ging, um das Challe-Geld zu sammeln, das den Armen des Erez Israel zugute kam, an denen ihr Herz in unendlicher Treue hing. Gibt es aber Worte, die unbeschreiblich große Liebe und Güte zu schildern, die sie in ihrer Aufgabe als Mutter erblickte? Sie glich der ‚heiligen Krone’, zu der ihre Kinder, Enkel und Urenkelchen in tiefster Ehrfurcht aufblickten. Die ganze Gemeinde, Freund von fern und nah, geleiteten die Verstorbene auf ihrem letzten Wege. Herr Distriktsrabbiner Dr. Neuwirth zeichnete bewegten Herzens das Lebensbild der Gattin seines verstorbenen Amtsvorgängers, die sich die Erfüllung von Tora, Gottesdienst und Wohltätigkeit zur Lebensaufgabe gemacht hatte. Herr Hauptlehrer Hammelburger sprach der Dahingeschiedenen namens  des Frauenvereins in herzlichen Worten seinen Dank aus. Möge Gott den Hinterbliebenen Kraft und Trost in ihrem tiefen Schmerze spenden. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."     

   
Amtsantritt von Rabbiner Simon Schwab (1933)     

Ichenhausen Israelit 26101933.jpg (122080 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Oktober 1933: "Amtsantritt des neuen Rabbiners
Ichenhausen, 20. Oktober (1933). Unsere Gemeinde, in der noch frisches Leben pulsiert, ist in ein neues Stadium getreten mit dem Amtseintritte ihres neuen Führers, Herrn Rabbiner Simon Schwab. Rabbiner Simon Schwab, der zuletzt in Darmstadt gewirkt hatte, trat zu Jomkippur seine Amtswirksamkeit bei uns und im Bezirke an, ohne besondere äußere Feierlichkeiten, gleich mit der Arbeit, wie es dem tätigen frischen Wesen dieses jungen Rabbiners entspricht. Seine ersten Predigten, seine Lehrvorträge waren ein Erlebnis für uns alle. Seine warmherzige Art, mit dem Rüstzeug seines reichen Wissens und einer tiefen Empfindung an die Menschen, an die Gemeinde und die Einzelnen, heranzutreten und besonders die Jugend um sich zu sammeln, ist auch den Lesern des 'Israelit' allzu bekannt, als dass der erste Eindruck seiner Leistungen hier geschildert werden müsste. 
Herr Rabbiner Simon Schwab, Sohn des Herrn Leopold Schwab in Frankfurt am Main, hatte, nachdem er in Frankfurt die Samson-Raphael Hirsch-Schule absolvierte und eine Zeitlang auf der Breuer'schen Jeschiwah gelernt, mehrere Jahre auf den berühmtesten litauischen Jeschiwot in Telsch und in Mir sich intensiv dem Lernen gewidmet. In Mir erhielt er auch die Rabbinerautorisation. Neben seinen hervorragenden talmudischen Kenntnissen nahm er in Litauen auch den Mussargeist ganz in sich auf, sodass der junge Rabbiner mit der Synthese von Tora, Mussar und Bildung uns zu den weitgehendsten Hoffnungen berechtigt. Wir wünschen Herrn Rabbiner Schwab, dass er in seiner neuen Gemeinde ein Wirkungsfeld findet, von dem aus er seine reichen Gaben für ganz Israel einsetzen kann."      

    
Beitrag von Rabbiner Simon Schwab: "Um die Heimat des Judentums?" (1933)   

Beitrag in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Dezember 1933 - Teil III 
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Publikation von Rabbiner Simon Schwab (1934)

Ichenhausen Israelit 17011935.jpg (118601 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Januar 1935: "Bedeutende Neuerscheinung!  
In unserem Verlag ist erschienen: 
Heimkehr ins Judentum
 
von Bezirksrabbiner Simon Schwab in Ichenhausen. Broschiert RM 2.50 – in Leinwand geb. RM. 3.00. Ein schon gleich nach seinem Erscheinen lebhaft umstrittenes, hoch aktuelles Teschuwa-Buch, voll ernster, unerbittlicher und unbestechlicher Selbstkritik. 
‚Niemand kann diese Seiten lesen, ohne ihre Berechtigung innerlich zu bejahen. Sie werden viel aufwühlen, packen, ergreifen und begeistern…’ (Rabb. Dr. E. Munk im Israelit Nr. 51 Jg. 1934). 
Aus dem Inhalt: Die große Abrechnung – Wer gibt die Parole aus? – Um die Heimat – Messianismus (Die Moschiach-Botschaft des Chofez Chajim) – G’tt und der Nationalismus – Anti-Assimilation – Kulturproblem – ‚Lern’-Bewegung? – Unser Vortrupp.
Zu beziehen durch alle Buchhandlungen oder durch Verlag des Israelit u. Hermon GmbH. Frankfurt am Man - Rechnelgrabenstraße 7."
 
Ichenhausen Israelit 20121934.jpg (261231 Byte)Ähnliche Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Dezember 1934. 

  
Beitrag von Rabbiner Simon Schwab: "Bekenntnis" (aus der Publikation "Heimkehr ins Judentum", 1935)    

 Beitrag in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. März 1935
Zum Lesen bitte Textabbildungen anklicken
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Vortrag von Bezirksrabbiner Simon Schwab in Würzburg (1936)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. März 1936: "Würzburg, 28. Februar (1936). Ein wahres religiöses Erlebnis war am Samstagabend, den 23. dieses Monats für die Würzburger Gemeinde, der Vortrag des Herrn Rabbiner Simon Schwab, Ichenhausen über 'Palästina und wir'. Nach einer hebräischen Begrüßungsrede, in der Leiter des Noar Agudati Würzburgs, Chawer (Kamerad) Roberg, einen kurzen Rückblick des agudistischen Lebens der Würzburger Gemeinde entwarf und dann auch die Entwicklung des Noar Agudati und auf dessen Bedeutung und Erfolge hinwies, ergriff Herr Rabbiner S. Schwab das Wort zu seinen in Form und Inhalt vollendeten Ausführungen. Ausgehend von der Aufgabe des jüdischen Volkes als eines Königreichs von Priester und einem heiligen Volk zeigte der Redner, wie Gruppen im Judentum versuchen, die unbedingt zusammengehörigen Begriffe Königreich von Priestern und heiliges Volk auseinander zu reißen und damit den wahren und echten Sinn des Judentums fälschen. Klar und eindeutig wies der Redner auf die Einstellung der Agudas Jisroel hin, die die Verwirklichung dieser unverfälschten Ziele erstrebt. Nach diesen Voraussetzungen ging Herr Rabbiner Schwab auf sein eigentliches Thema ein. Was der Redner bot, war mehr als mein gewöhnlicher Palästinabericht. Von hoher Warte aus gesehen, zeigte er einige der brennendsten religiösen Probleme, die heute in Erze Jisroel bestehen. Er schilderte das Land und seine Menschen in ihrem fast unüberwindlichen Gegensatze, ganz besonders auf religiösem Gebiet. Er sprach von zwei Fronten, die sich deutlich herausbilden.: 'Die Front mit Gott' und 'die Front ohne Gott'. An tief ergreifenden Beispielen führte er aus, wie sich aber trotzdem auch im areligiösen Lager gewisse Symptome erkennen lassen, die uns etwas hoffnungsvoller in die Zukunft schauen lassen. Allgemein angenehm berührten die Ausführungen über die orthodoxe Jugend, die sich in Erez Jisroel ganz besonders nahe kommt und dass auch hier noch die Aussicht, Zusammenschluss aller gesetzestreuen kreise zu gemeinsamer Arbeit, besteht. Nur dieser Zusammenschluss und die Masseneinwanderung gesetzestreuer Chaluzim könne das große Ziel des gesetzestreuen Aufbaues in Erez Jisroel erreichen. - In seinen, in vollendeter Form und mit großer Begeisterung vorgetragenen Worten schilderte dann Herr Rabbiner Schwab die grandiose Bedeutung der für das kommende Jahr geplanten Kenessio('große Versammlung'). - Die zahlreich erschienene Hörerschaft, die den Ausführungen mit Spannung und tiefer Ergriffenheit folgte, dankte dem Redner für seine feinen, vornehmen, klaren und deshalb allen zu Herzen gehenden Worte und mit dem Wunsche, dass Herr Rabbiner Schwab recht bald wieder unser Gast in Würzburg sei, schloss der Leiter des Noar Agudati den überaus gut gelungenen Abend."     

   
Ausschreibung der Stelle des Bezirksrabbiners (1936)   

Anzeige in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Dezember 1936: "Bekanntmachung
Infolge Wegganges des bisherigen Stelleninhabers soll die Stelle eines Bezirksrabbiners des Rabbinatsbezirks Ichenhausen, mit dem Sitz in Ichenhausen, durch einen jüngeren, orthodoxen Rabbiner neu besetzt werden. 
Es wäre erwünscht, wenn Unterricht in Englisch und Iwrit erteilt werden könnte. 
Die Anstellung erfolgt gemäß der Beamten- und Besoldungsordnung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Bewerbungen bitten wir an den Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Ichenhausen zu richten. 
Ichenhausen, 16. November 1936. Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde Ichenhausen: Julius Krämer, 1. Vorstand."       

 
Abschied von Rabbiner Simon Schwab (1937)

Ichenhausen BayrGZ 01021937.jpg (142206 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Februar 1937: "Abschied von Rabbiner Simon Schwab – Ichenhausen. Ichenhausen, im Januar 1937. Nach mehr als 3jährigem, segensreichem Wirken im Rabbinatsbezirk Ichenhausen verließ in der Mitte vorigen Monats Herr Rabbiner Simon Schwab mit seiner Familie unsere Gemeinde, um einer ehrenvollen Berufung als Rabbiner nach Baltimore zu folgen. Wer Herrn Rabbiner Schwab und seine Tätigkeit während dieser Zeit kennen gelernt hat, der kann ermessen, welch große Lücke im religiösen Leben unserer Gemeinde und unseres Bezirkes durch sein Weggehen entstanden ist. Denn er hat es verstanden, durch sein unermüdliches Schaffen, durch den vollen Einsatz seiner Persönlichkeit, durch seine von einer hellen Begeisterung für unsere heilige Lehre getragenen wunderbare Rednergabe sich die Herzen aller zu erobern. Immer hilfsbereit, für jedermann in Freud und Leid ein liebenswürdiger und aufrichtiger Freund und Berater, ließ er keinen Augenblick ungenützt, um Jung und Alt zu unserer heiligen Religion hin- und zurückzuführen. Durch wunderbare, tief durchdachte Predigten, in hervorragend ausgeführten wissenschaftlichen Vorträgen, in zahllosen, für jedermann leicht fasslichen aktuellen Schiurim – und vor allem durch seine überragende Persönlichkeit, die – auf der einen Seite gütig und verstehend für jeden Einzelnen, auf der anderen Seite streng und zugeständnislos für sich selbst – das glänzende Beispiel eines echten Jehudi vorlebte, wusste er die Liebe für unsere heilige Lehre zu wecken und zu heben und das religiöse Leben in Gemeinde und Bezirk in ungeahnter Weise zu entfalten. Möge Herrn Rabbiner Schwab in seinem neuen Wirkungskreis der Erfolg und die Anerkennung zuteil werden, die sein tiefes Wissen, seine Hingabe und seinen edlen Charakter verdienen! Möge ihm und seiner Familie alles Glück beschieden sein! D.W."

     
Das Bezirksrabbinat Ichenhausen ist wieder besetzt (1937)

Ichenhausen BayrGZ 01051937.jpg (34644 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Mai 1937. "Aus der Gemeinde Ichenhausen. Unser seit Mitte Dezember 1936 vakant gewesenes Bezirks-Rabbinat ist nunmehr wieder besetzt worden. Herr Rabbiner Gerhard Frank auch Ichenhausen wurde durch die einstimmige Wahl der Bezirksgemeinden als Rabbiner des Rabbinatsbezirks Ichenhausen berufen. Er wird am 1. Mai dieses Jahres sein Amt antreten. Möge ihm Glück und Erfolg beschieden sein!"
  
Ichenhausen Israelit 15041937.jpg (34727 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. April 1937: "Ichenhausen, 11. April (1937). In der heutigen Generalversammlung der Israelitischen Kultusgemeinde wurde mit überwiegender Mehrheit beschlossen, Herrn Gerhard Frank aus Ichenhausen, Schüler des Berliner Seminars, zum Bezirksrabbiner zu berufen. Herr Rabbiner Frank wird die Stelle am 1. Mai antreten."  

  
Einführung von Gerhard Frank als Distriktsrabbiner (1937)

Ichenhausen BayrGZ 15051937.jpg (115795 Byte)Artikel in der "Bayerischen israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Mai 1937: "Einführung des neuen Distriktsrabbiners in Ichenhausen. Am 30. April 1937 fand im Rahmen des Freitag-Abend-Gottesdienstes die feierliche Amtseinführung unseres neuen Rabbiners Gerhard Frank statt. Nach dem Minchagebet bestieg der zweite Vorstand, Herr Gustav Gerstle, in Stellvertretung des Herrn ersten Vorstandes die Kanzel, um Herrn Rabbiner Frank als Distriktsrabbiner zu begrüßen und ihn in sein Amt einzuführen. Er dankte Gemeinde, Bezirk und dem Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden für die Bemühungen zur Wiederbesetzung des altehrwürdigen Rabbinats und umriss in kurzen Zügen die Erwartungen, die Gemeinde und Bezirk an das Wirken des jungen Rabbiners knüpfen. Herr Distriktsrabbiner Frank dankte in ergreifendem Gebete Gott, der ihn vor diese Aufgabe gerade hier in Ichenhausen, das ihm wie eine Heimat sei, gestellt habe, er dankte Gemeinde und Bezirk und dem Herrn Vorredner und entwarf sodann ein Programm, das er sich als Richtschnur für sein Wirken nehmen wolle und das übereinstimme mit den Grundpfeilern, auf denen die Welt ruhe: ‚al hoemeth, weal hadin, weal hascholaum’ (auf Wahrheit, Recht und Frieden). Eine weihevolle echte Freitagabend-Stimmung erfüllte das Gotteshaus; und diese Stimmung wurde hinübergeleitet in den Freitag-Abend-Gottesdienst, der – verschönt durch die Gesänge des Synagogenchores – einen würdigen Abschluss dieser erhebenden Feier bildete. D.W."
   
Ichenhausen Israelit 07051937.jpg (160988 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Mai 1937: "Amtseinführung des neuen Bezirksrabbiners
Ichenhausen, 2. Mai (1937). In Verbindung mit dem Freitagabend-Gottesdienst wurde am jüngsten Sabbat Bezirksrabbiner Herr Gerhard Frank in sein neues Amt eingeweiht. Unter den Klängen des Mah Tauwo, gesungen von dem gut geschulten Synagogenchor unter Leitung des Herrn Naftali Reichenberger, wurde der neue Raw von Mitgliedern der Kultusverwaltung und Gemeindebeamten an seinen Platz geführt. Darauf hielt in Vertretung des ersten Vorstandes, Herrn Julius Krämer, der ein eifriger Verfechter der Wiederbesetzung des Bezirksrabbinates war, Herr Gustav Gerstle die Begrüßungsrede. Er rief im Namen der ganzen Gemeinde und im Auftrage des Bezirkes dem neu gewählten Rabbiner ein herzliches Boruch Haboh (Willkommen) zu und dankte vor allem der Gemeinde Ichenhausen, den Vorständen des Bezirkes und namentlich dem Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden, dass sie sich alle einmütig für die Wiederbesetzung des Bezirksrabbinates eingesetzt und damit ermöglicht haben, Herrn Rabbiner Gerhard Frank, Sohn des Oberlehrers Herr Salomon Frank aus Ichenhausen, nach Ichenhausen zu berufen. Redner streifte die verschiedenen Aufgaben des Rabbiners, insbesondere die der Erziehung unserer Jugend, die einen zielbewussten Führer braucht, um als treue Jehudim in der heutigen bewegten Zeit bestehen zu können.   
Herr Rabbiner Frank dankte für die herzliche Begrüßung. Er sei glücklich, dass es ihm vergönnt sei, gerade in seiner Heimatgemeinde das Wort Gottes zu verkünden und an die Spitze einer Gemeinde gestellt zu werden, die keine innere Zersplitterung und Zerrissenheiten kennt und schon von jeher auf dem Boden des traditionellen Judentums steht und stets für das Sinaijudentum Opfer zu bringen wusste. Herr Rabbiner Frank entfaltete sodann sein Arbeitsprogramm nach den Worten der Weisen: ‚auf Recht, auf Wahrheit und auf Frieden’. Er hofft, dadurch ein harmonisches Zusammenwirken mit der Gemeinde und dem Bezirk verwirklichen zu können.  
Möge es dem jungen Rabbiner vergönnt sein, mit Gottes Hilfe ein treuer geistiger Berater der Gemeinde und ein vorbildlicher Meister unserer Jugend zu werden.  L. Schw."   

 
   
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer, der Schule und der weiteren Kultusbeamten  
Ausschreibungen der Stellen des Elementar- und Religionslehrers / Vorbeter / Synagogendiener 

Ichenhausen AZJ 01061857.jpg (66534 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Juni 1857: "Es ist sofort in der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde die Stelle eines Vorsänger- und Schächter-Subsistuts mit einem Jahresgehalte von Gulden 200.- nebst freier Kost und Logis durch ein unverheiratetes Subjekt zu besetzen, und werden musikalisch gebildeten Bewerbern bei der Fähigkeit zur Leitung eines Chors Nebeneinkünfte in Aussicht gestellt und bevorzugt. Bewerber um diese Stelle wollen ihre Zeugnisse in portofreien Briefen baldmöglichst einsenden an den 
Vorstand der israelitischen Gemeinde zu Ichenhausen (in Bayern)."
 
Ichenhausen Israelit 24121862.jpg (75240 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Dezember 1862: "Zur sofortigen Wiederbesetzung der vakant gewordenen Kantor- und Schächterstelle dahier, mit welcher außer mehreren Akzidenzien ein fassionsmäßiges Einkommen von 600 Gulden verbunden ist, werden Bewerber aufgefordert, ihre Zeugnisse über musikalische Bildung und Qualifikation zur Leitung eines Chores, sowie über moralisch-religiösen Lebenswandel bis längstens 1. Februar kommenden Jahres an den unterfertigten Kultus-Vorstand franko einzusenden. Ichenhausen (Bayern), den 9. Dezember 1862. Der israelitische Kultus-Vorstand. D. Einstein. J.R. Seligmann."
 
Ichenhausen AZJ 27051872.jpg (29837 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 27. Mai 1872: "Man sucht einen Lehrer der französischen und englischen Sprache, einen tüchtigen Elementar- und einen Reallehrer zu engagieren. Franko-Offerten einzusenden an das Rabbinat Ichenhausen bei Günzburg (Königreich Bayern)."
 
Ichenhausen Israelit 20121876.jpg (85337 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Dezember 1876: "An der hiesigen deutsch-israelitischen Volksschule sind in Folge Pensionierung der bisherigen Inhaber baldigst zwei Stellen zu besetzen, und zwar: 1) die des ersten Lehrers, definitiv, mit einem von der Gemeinde gewährten Anfangsgehalte von 1.200 Mark pro Jahr nebst freier Wohnung, 2) die des dritten Lehrers, provisorisch, (Schulgehilfe) mit einem Fixum von 800 Mark pro Jahr nebst freier Wohnung, bei befriedigenden Leistungen hat derselbe gleichfalls baldige definitive Anstellung mit erhöhtem Gehalte zu erwerben. Sollte einer der Anzustellenden imstande sein, den Gemeindeschochet in Behinderungsfällen vertreten zu können, so steht demselben eine bedeutende Remuneration in Aussicht. Geeignete Bewerber, die eine gediegene pädagogische und musikalische Bildung besitzen, wollen sich unter Einsendung der ihnen zu Gebote stehenden Zeugnisse bis zum 31. Dezember dieses Jahres wenden an die israelitische Kultusverwaltung N. Heilbronner. Ichenhausen, den 10. Dezember 1876."
  
Ichenhausen Israelit 24011877.jpg (77083 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Januar 1877: "Nachdem die Stelle des ersten Lehrers an der hiesigen israelitischen Gemeindeschule nunmehr besetzt worden ist, wird die vakante dritte Lehrstelle nochmals zur Konkurrenz ausgeschrieben. Dieselbe ist vorläufig mit einem Fixum von 800 Mark pro Jahr nebst freier Wohnung dotiert und wird in kurzer Zeit bei befriedigenden Leistungen des Inhabers zu einer definitiven erhoben. Für die etwaige Vertretung des Hilfs-Schochets wird eine jährliche Remuneration gewährt. 
Unverheiratete, seminaristisch gebildete Bewerber werden aufgefordert, sich umgehend unter Beifügung ihrer Zeugnisse zu wenden an den israelitischen Kultusvorstand Nathan Heilbronner. Ichenhausen, 14. Januar 1877."
 
Ichenhausen BayrGZ 11111927.jpg (82437 Byte)Anzeige in der "Bayerischen israelitischen Gemeindezeitung" vom 11. November 1927: "Die Stelle eines Lehrers an unserer Volksschule (zur Zeit 23 hauptschulpflichtige Kinder) wird frei und soll bis zum 1. Februar 1928 wieder besetzt werden. Das Stelleneinkommen kann durch Kasualien sowie durch Übernahme des Kassen- und Schriftwesens der Kultusgemeinde, wie auch durch Vertretung des Kantors und Schochets wesentlich erhöht werden. Mit Genehmigung der zuständigen Kreisregierung bringen wir die Stelle hiermit zur Ausschreibung mit dem Bemerken, dass Meldungen von Bewerbern, die das bayerische Staatsexamen abgelegt haben, bis spätestens ende Dezember an die Regierung von Unterfranken und außerdem mit allen Zeugnisabschriften auch an unsere Kultusverwaltung eingereicht werden wollen. Ichenhausen, den 4. November 1927. Israelitische Kultusverwaltung Ichenhausen. Julius Krämer, 1. Vorstand."
 
Ichenhausen Israelit 10111927.jpg (81579 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. November 1927: "Die Stelle eines Lehrers an unserer Volksschule (zurzeit 23 hauptschulpflichtige Kinder) wird frei und soll bis zum 1. Februar 1928 wieder besetzt werden. Das Stelleneinkommen kann durch Kasualien sowie durch Übernahme des Kassen- und Schriftwesens der Kultusgemeinde wie auch durch Vertretung des Kantors und Schochets wesentlich erhöht werden. Mit Genehmigung der zuständigen Kreisregierung bringen wir die Stelle hiermit zur Ausschreibung mit dem Bemerken, dass Meldungen von Bewerbern, die das bayerische Staatsexamen abgelegt haben, bis spätestens Ede Dezember an die Regierung von Unterfranken und außerdem mit allen Zeugnisabschriften, auch an unsere Kultusverwaltung eingereicht werden wollen. 
Ichenhausen, den 4. November 1927. Julius Krämer, 1. Vorstand."

  
Ausschreibung der Vorbeter- und Schochet-Stelle (1871)  

Ichenhausen Israelit 08031871.jpg (43209 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. März 1871: "Annonce. Zum 1. Mai dieses Jahres wird die hiesige Vorbeter- und Schochetstelle vakant. Fassionsmäßiges Einkommen 800 Gulden bei freier Wohnung, exklusive 150 Gulden Nebenverdienste. Qualifizierte Bewerber, die einen Chor zu dirigieren imstande sind, wollen ihre Zeugnisse baldigst einsenden. Ichenhausen in Bayern. 
Die israelitische Kultusverwaltung. Daniel Einstein, Vorstand."  

  
Ausschreibung der Stelle des Kantors und Schochet (1908)  

Ichenhausen Israelit 24041908.jpg (74887 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. April 1908: "Kantor- und Schochet-Stelle. Nachdem unser bisheriger Kantor nach 37-jähriger Tätigkeit in der hiesigen Kultusgemeinde sich in den Ruhestand begibt, soll dessen Stelle durch einen musikalisch gebildeten Kantor und geübten Schochet und Baal-koreh mit einem jährlichen Gehalt von Mark 2.200.- nebst freier Wohnung und bedeutendem Nebeneinkommen zum 1. September dieses Jahres wieder besetzt werden. Streng religiöse Bewerber wollen ihre Zeugnisse unter Angabe ihres Lebenslaufs, ihres Alters und ihrer Familienverhältnisse längstens bis zum 15. Mai dieses Jahres einsenden an die Israelitische Kultusverwaltung M. Sulzer, 1. Vorstand. Ichenhausen (Bayern), 19. April 1908."    

   
Hebräischlehrer gesucht (1886)

Ichenhausen Israelit 04031886.jpg (65872 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. März 1886: "Für einen talmudisch gebildeten Mann, welcher die Befähigung besitzt, Kinder im Hebräischen zu unterrichten, bietet sich am hiesigen orte Gelegenheit zur Begründung einer ausreichenden Existenz. Schriftliche Meldungen sind zu richten an den israelitischen Kultusvorstand Ichenhausen (Bayern)."

 
Prediger Hochheimer, Sohn des Rabbiners muss auf Grund seines politischen Engagements in die Vereinigten Staaten fliehen (1849)    

Ichenhausen DtrZiionswaechter 31081849.jpg (82682 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" vom 31. August 1849:  "Ichenhausen, 1. August (1849). Hier hat sich ein bedauerlicher Vorfall ereignet. Prediger Hochheimer, Sohn des Rabbiners daselbst, ließ sich seit den Märztagen in politische Dinge ein, reiste herum zu den Volksversammlungen und sprach wie ein aufrichtiger Republikaner. Sein Vater wies ihn oft zurück in die Grenze, in denen sich allein ein Theologe zu bewegen hat, doch das war umsonst. Als er nun einst bei einer Volksversammlung in einem Orte tüchtig ausgepfiffen wurde und es überdies zu handgreiflichem Gemenge kam, da wurde die Regierung auf ihn aufmerksam und ließ ihn fahnden. Er rettete sich noch zeitlich aus dem Lande und ist nun zum Grame seines alten Vaters auf dem Weltmeer, das zu der neuen Welt führt. Möge dieses besonders den jüngeren Theologen eine Warnung sein. - Wir vermissen diesen jungen Mann jedenfalls ungern, da er sein Amt gut ausfüllte und das Vertrauen der Seinigen besaß."     

  
Zum Tod von Lehrer Daniel Wormser (bis 1864 Lehrer in Ichenhausen, gestorben in Hamburg (1900)  

Ichenhausen Israelit 17051900.jpg (182059 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Mai 1900: "Hamburg, 14. Mai (1900). Eine Trauerbotschaft, zur tiefsten Wehmut stimmend, durcheilte am vergangenen Freitag alle Schichten der jüdischen Bevölkerung Hamburgs. ‚Lehrer Wormser ist tot!’ Ob dieser Worte erbebten die Herzen vieler Hunderte unserer jüdischen Mitbürger, und nach Hunderten zählte das Trauergefolge, das sich heute vor dem Krankenhause der jüdischen Gemeinde einfand, um dem geliebten Lehrer, dem segensreich wirkenden Menschenfreund, dem edlen, rastlos tätigen Helfer der Verlassenen und Unterdrückten die letzte Ehre zu erweisen. 
Mir sei es vergönnt, dem Andenken dieses hochherzigen Mannes einige Worte des Nachrufes in Ihrem geschätzten Blatte zu widmen.   
Daniel Wormser seligen Andenkens, in einem kleinen Schwarzwald-Dörfchen geboren, entstammte einer armen, frommen Familie. Schon im zarten Knabenalter des Vaters beraubt, lernte der Verblichene frühzeitig den Ernst des Lebens kennen. Nach Überwindung mannigfacher Schwierigkeiten, die sich dem mittellosen Knaben entgegenstellten, gelang es ihm, sich in Karlsruhe unter der Ägide des Herrn Oberrates Altmann seligen Andenkens dem Torastudium zu widmen und sich gleichzeitig an dem dortigen Seminar für den Lehrerberuf vorzubereiten. Der damalige Leiter des Karlsruhe Seminars war ein direkter Schüler Pestalozzis, und ein wahrer Jünger dieses Meisters der Erziehungskunst ist auch Daniel Wormser seligen Andenkens geworden. Mit dem Reifezeugnis eines Lehrers für Stadtschulen versehen und vom Oberrat Altmann seligen Andenkens mit dem  Ehrendiplom ‚Chower’ geschmückt, trat D. Wormser ins Schulleben hinaus. Zuerst wirkte er als Lehrer in einem badischen Orte, dann in München und hernach unter Dr. E. Löb seligen Andenkens als Lehrer an der Gemeindeschule zu Ichenhausen in Bayern. Von hier aus kam er 1864 als 24-jähriger Mann an die hiesige Talmud-Tora-Schule, die zur Stätte seiner dauernden Wirksamkeit wurde. Voll der höchsten Begeisterung für den erhabenen Beruf eines Lehrers und eingedenk der Worte unserer Weisen: ‚Nehmet besondere Rücksicht auf die Kinder der Armen, denn durch sie wird die Tora in Israel verbreitet’, ergriff D. Wormser seine Lehrtätigkeit mit einem Feuereifer und einer nie ermüdenden Tatkraft, die unerreicht dasteht. Rastlos arbeitete dieser strebsame Mann an seiner geistigen Vervollkommnung. Dem Studium unserer heiligen Tora und dem Vertiefen in die Werke pädagogischer Schriftensteller lag D. Wormser – seligen Andenkens – mit hingebendem Fleiße ob. Noch als 50-jähriger Mann unterzog er sich mit Erfolg dem Mittelschullehrer- und Rektoratsexamen. Sein ganzes Wissen stellte er in den Dienst der Erziehung zur Religion.  
Ichenhausen Israelit 17051900a.jpg (130584 Byte) Des Dahingeschiedenen hervorragende Bedeutung gipfelte jedoch nicht darin, dass er von jenen Idealen erfüllt war, die es ihm ermöglichten, so Großes in pädagogischer Hinsicht zu leisten, was ihn vielmehr zu einem für ganz Israel (= das ganze Judentum) hoch bedeutenden Manne machte, war sein ihn zur Tatkraft anspornendes Herz, das für die Not der Armen so warm schlug. Auf dem Felde der jüdischen Wohltätigkeit hat er, der nicht mit Glücksgütern gesegnete, anspruchslose Lehrer, Unerreichtes geleistet. Herr Oberrabbiner Hirsch – sein Licht leuchte – gab an der Bahre des Verschiedenen in oft von Tränen erstickter Stimme den Gefühlen Ausdruck, die die jüdische Gesamtheit ob des harten Verlustes, der sie betroffen, bewegen. Er erinnerte an die selbstloseste, aufreibende Tätigkeit, die der Verstorbene zu Gunsten der aus Russland, Rumänien und Galizien vertriebenen Glaubensgenossen entfaltete; er gedachte der Energie, die derselbe im Kampfe gegen die Seelenfänger entwickelte, wie er es verstand, religiös verirrte Kinder an das Elternherz zurückzuführen und aus den Schlingen der Missionsgesellschaften zu retten.   
Auf dem Friedhofe schilderte der Direktor der Talmud-Tora-Realschule, Herr Dr. J. Goldschmidt, in tief empfundenen und ergreifenden Worten des Entschlafenen vielseitige Tätigkeit als Lehrer und Menschenfreund.  
Darauf sprach Herr Rechtsanwalt Dr. Alexander, im Namen des Vorstandes des von Herrn D. Wormser – seligen Andenkens – ins Leben gerufenen Vereins für Obdachlose und erwähnte, dass der Verein trotz vielfacher Anfeindungen, durch des Verstorbenen ungeahnte Tätigkeit zu einer ungemein segensreich wirkenden Institution geworden sei.  
Auch von nichtjüdischer, hoch stehender Seite wurde die Bedeutung dieses wahren Menschenfreundes gewürdigt. Möge Gott, der Linderer aller Schmerzen, der tief gebeugten Witwe und den trauernden Söhnen Trost spenden. Möge bald der Tag kommen, von dem es heißt: und der Tod wird verschlungen für immer (Jesaja 35,8). Amen." 

  
Abschied von Kantor Perlmutter (1908)

Ichenhausen Israelit 24091908.jpg (151458 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. September 1908: "Ichenhausen, 14. September 1908. Der festlich geschmückte Saal der Falkschen Restauration vereinigte gestern, Sonntagabend, fast sämtliche Mitglieder der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde, die, eine Einladung der Kultusverwaltung folgend, erschienen waren, um den Abschied ihres langjährigen Kantors, Herrn Perlmutter zu feiern. Mit bekannter Meisterschaft zeichnete Herr Distriktsrabbiner Dr. Cohn unter Zugrundelegung der Worte ‚Gesegnet bist du bei deinem Kommen und gesegnet bist du bei dem Gehen’ ein Bild der siebenunddreißigjährigen Tätigkeit der Herrn Perlmutter als Kantor und Schochet in hiesiger Gemeinde. Mit Recht betonte er hierbei die Berufstreue und Gewissenhaftigkeit des auch durch besondere Friedensliebe ausgezeichneten Mannes und schloss mit den besten Wünschen für das fernere Wohlergehen des Scheidenden. Warme Worte der Anerkennung fand hierauf der 1. Kultusvorstand Herr Sulzer, der dem Scheidenden als Zeichen der Anerkennung und Dankbarkeit der Kultusgemeinde einen prachtvollen Pokal, sowie 300 Mark überreichte. Im Auftrage der hiesigen jüdischen Metzger wurde von Herrn J. Wolf Herrn Perlmutter ein silberner Pokal als Beweis der Dankbarkeit für seine besonders ausgezeichnete Tätigkeit als Schochet übergeben. Herr Hauptlehrer Broder rühmte die Verdienste des Scheidenden in seiner Eigenschaft als Dirigent des Synagogenchores, während der 2. Kultusvorstand, Herr Heller, Herrn Perlmutter als Vorbeter feierte. Der Gesangverein Zion verschönerte den Abend durch prachtvolle Liedervorträge, sodass Herr Perlmutter in seiner Danksagung für die ihm erzeigten Ehrungen mit vollem Rechte ausrufen durfte: ‚Dieser Abend wird mir und meiner Familie unvergesslich bleiben.’ Möge es dem nunmehr in München bei seinen Kindern Wohnenden beschieden sein, sich noch ad multos annos des wohl verdienten Ruhestandes erfreuen zu können. Alle Hochachtung aber auch vor einer Gemeinde, die ihre Beamten so ehrt und schätzt."

  
Zum Tod von Hauptlehrer Julius Thalmann (1909)

Ichenhausen FrfIsrFambl 12111909.jpg (238451 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 12. November 1909: "Ichenhausen. Der ganze Ort, nicht nur die jüdische Gemeinde, sondern auch die Angehörigen der beiden anderen Konfessionen, sind in tiefe Trauer gehüllt. Herr Hauptlehrer Julius Thalmann, der 32 Jahre hindurch in treuester Pflichterfüllung im Dienste der hiesigen israelitischen Volksschule gestanden, erlitt plötzlich Sonntagmorgen in der Synagoge einen Herzschlag, dem er kurz danach erlegen ist. In ihm hat die Judenheit einen solch vielseitigen Mann verloren, wie heutzutage leider nur noch wenige zu finden sind. Als Lehrer verstand er es in seltener Begabung, die Kinder an sich zu fesseln, sodass sie mit Wonne auf seine Worte lauschten und er sie nach seinem Grundsatze ‚Tauroh im derech erez’ (Tora verbunden mit respektvollem Benehmen) erziehen konnte. Allen wohltätigen Vereinen stand er als erster Hilfsarbeiter vor. Die ‚Chewrah Kadischah’, die die schönste und größte aller unserer Mizwaus (Verpflichtungen) ausübt, die Beschäftigung mit den Toten, zeichnete sich unter seiner Leitung ganz besonders aus. Auch die ‚Chewrah Bikkur Chaulim’ (Krankenpflegeverein), deren uneigennützige Aufgabe im Versorgen und Wachen bei den Kranken besteht, lag in keiner Hand besser als in der seinigen. Seit 8 Jahren übte er in großer Uneigennützigkeit die heilige Mizwoh (Verpflichtung) eines Mohel (Beschneiders) aus. Und endlich, mit welcher Wonne erinnert sich die jüdische Gemeinde an die Jomim Nauroim (ehrfurchtgebietenden Tage), an denen er das Schacharis-(Morgen-) und Mincha-Gebet in den alten schönen Melodien vortrug und ferner als Bal-tokea tätig war.
Die Liebe, Verehrung und Dankbarkeit, mit der alle, die ihn kannten, an ihm hingen, bewies das überaus große Trauergefolge, wie es Ichenhausen kaum je gesehen hat.
An seiner Bahre sprachen in herzzerreißenden Worten um den zu früh heimgegangenen Freunde Seine Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Cohn und sein würdiger Kollege Herr Hauptlehrer J. Brader, ferner der katholische Geistliche, dann ein Turnwart im Namen des Turnvereins, dessen 1. Turnrat er war, und endlich rief ihm der Kommandeur der Bezirksfeuerwehr von Schwaben für die hohen und edlen Verdienste, die sich der Dahingeschiedene als Kommandant der Ichenhausener freiwilligen Feuerwehr erworben hat, Worte des Dankes nach.
So hat Ichenhausen einen wirklich unersetzlichen Verlust erlitten, die tief gebeugte Gattin hat einen treuen Begleiter durchs schicksalreiche Leben verloren, die drei Kinder einen zärtlichen und liebevollen Vater. Möge den Hinterbliebenen nach den herben Schicksalsschlägen der letzten Jahre – 3 erwachsene, in der vollen Blüte der Jahre stehende Söhne sind ihnen im Laufe von 5 Jahren durch den Tod entrissen worden – das Verdienst ihres Familienhauptes beistehen, so werden ihnen nur noch heitere und sonnige Tage beschieden sein. Wir aber wollen seinem Beispiele nachahmen, dann wird sein Andenken gewürdigt und erhalten bleiben für alle Zeiten. Sein dankbarer Schüler M.M."
   
Ichenhausen Israelit 18111909.jpg (146280 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. November 1909: "Ichenhausen, 14. November (1909). Durch das plötzliche und unerwartete Hinscheiden des Hauptlehrers J. Thalmann – seligen Andenkens – hat nicht allein die hiesige israelitische Kultusgemeinde, sondern auch die politische Gemeinde dahier einen schweren Verlust erlitten. Hatte er doch seine Kraft und seinen Opfermut nicht nur dem Judentum, sondern auch dem allgemeinen Interesse gewidmet und als Mann der Tat stets zielbewusst an seinem Werk gearbeitet. J. Thalmann entwickelte in seinem hiesigen fast 33jährigen Wirken auf den verschiedensten Gebieten eine solche rege Tätigkeit, dass man darüber staunen musste, wie es ihm möglich war, dies alles zu vollbringen. Er war Elementar- und Religionslehrer an der hiesigen israelitischen Volksschule II, Baal Tokea (Schofarbläser), Chasan (Vorbeter), Schochet und Mohel (Beschneider), 2. Vorstand der Chewra Kadischa, Gründer und 30 Jahre lang Vorsteher des Bikkur-cholim-Vereins, ferner Gründer und 25 Jahre lang Leiter des hiesigen Turnvereins, Kassierer des Bezirkslehrervereins Günzburg u.v.m. Dass ein solcher Mann ein Leichenbegängnis erhielt, wie es der hiesige Ort seit Jahren nicht gesehen hatte, lässt sich leicht denken; außer den verschiedenen hiesigen und auswärtigen Vereinen gaben ihm die Spitzen der weltlichen und geistlichen Behörden – des Bezirksamts Günzburg, der hiesige Magistrat und das Gemeindekollegium, der Bezirkslehrerverein Günzburg und selbstverständlich die vollzählige jüdische Gemeinde das Geleite zur letzten Ruhestätte. Am Grabe widmeten Herr Distriktsrabbiner Dr. Cohn, der katholische Pfarrer als Lokalschulinspektor, Hauptlehrer Brader, ferner der Vorsteher des Bezirkslehrervereins Günzburg, der Vorsteher des Turngaus Günzburg und schließlich Herr Isidor Koschland im Namen des Bikkur-Cholim-Vereins warme Worte der Anerkennung dem dahingeschiedenen Lehrer und edlen Menschen. Mögen diese Beweise der Liebe und Verehrung den lindernden Balsam des Trostes in die schwer verwundeten herzen der trauernden Hinterbliebenen träufeln."

  
Zum Tod von Hauptlehrer Isaac Brader (1920)

Ichenhausen Israelit 22041920.jpg (100325 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. April 1920: "Hauptlehrer Isaac Brader – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen -. Ichenhausen, 4. April (1920). Am 20. Adar hauchte Hauptlehrer Isaac Brader seine edle Seele aus. Das bedeutet für unsere Gemeinde und für die Judenheit Bayerns einen empfindlichen Verlust. Der Verklärte ragte in unsere Zeit hinein als ein Memento jener Zeiten, in der jüdische junge strebsame Leute auf die eigene Kraft und auf die Fähigkeit ihres eigenen Willens angewiesen waren, um die Vorbereitung für den dornenvollen Beruf des jüdischen Lehrers zu treffen. Unsere junge Generation hat kaum einen Begriff von dem Idealismus, welcher Leute wie Brader – seligen Andenkens – erfüllte. Er lebte in einer Welt des Altruismus, die Kinder waren ihm ein Heiligtum, die Schule war ihm ein Eden und die Gemeinde war ihm die Stätte, in der er an jedem Einzelnen selbstlose Wohltat ausübte. Jedes bedrückte Herz suchte ihn und fand bei ihm Trost und Genesung. Seine Sabbatvorträge führten zwanglos zur Erfüllung der jüdischen Weltanschauung, sein Gotteswort einte in unzähligen Fällen Entfremdete und Friedlose. Die Vielen, die an seiner Bahre weinten, zeugten, dass sie einen Vater verloren hatten. Sein Andenken ist in unserer Gemeinde unvergesslich; die Erinnerung an ihn ist und bleibt ein Segen. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

  
50jähriges Dienstjubiläum und 80. Geburtstag des Synagogendiener M. Meinfelder (1922)

Ichenhausen Israelit 20071922.JPG (157628 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Juli 1922: "Personalien. Ichenhausen, 3. Juli (1922). Ein seltenes Jubiläum gab Gelegenheit zu einem gelungenen, harmonisch verlaufenen Fest. Herr M. Meinfelder feierte am vergangenen Sonntag sein 50jähriges Dienstjubiläum als Synagogendiener unserer Kultusgemeinde. Aus diesem Anlass veranstaltete die Kultusverwaltung einen ‚Bunten Abend’, der zugleich der Feier des 80. Geburtstages galt. Heitere Vorträge, auf die originelle Wesensart des Jubilars gemünzt, wechselten mit musikalischen Darbietungen des Gesangvereins Zion, des Herrn Oberkantors Schwarz, sowie mit Einzelvorträgen in reicher Fülle ab. Herr Kultusvorstand Krämer betonte in seiner gelungenen Ansprache, wie der verehrte Jubilar, unser Mosche, es verstanden habe, zu zeigen, wie man auch der scheinbar unbedeutendsten Aufgabe hohen Wert abringen könne, wie man auch im einfachsten Kreise Wertvolles schaffen kann, wenn man es mit seinen Pflichten ernst nimmt. Herr Lehrer Blum würdigte den Gefeierten in längerer humordurchtränkten Rede als Mensch, Beamten und Kollegen und bezeichnete das Fest als das ‚goldene Hochzeitsfest’ der vor 50 Jahren zwischen Kultusgemeinde und Synagogendiener geschlossenen harmonischen Ehe. Außer einem bedeutenden Geldgeschenk, das von zwei Mitgliedern der Kultusgemeinde unter den hiesigen und ehemaligen Angehörigen der Kultusgemeinde gesammelt worden war, überreichte die Verwaltung dem Senior ihrer Beamten, der in seltener körperlicher und geistiger Frische noch seines Amtes waltet, einen prächtig arrangierten Korb mit Lebens- und Genussmitteln, sowie eine Widmung, in der die vorbildliche Pflichttreue, die peinliche Gewissenhaftigkeit,  die seltene Sachkenntnis, die fast sprichwörtliche Sparsamkeit für die Kultusgemeinde, die anspruchslose humorvolle Bescheidenheit, sowie die wunderbare Treue in der Wahrung und Übermittlung der traditionellen synagogalen Gebräuche und Melodien zum Ausdruck kommen. Möge dem rüstigen Jubelgreis, von dessen Beliebtheit die allgemeine Anteilnahme weitester Kreise beredtes Zeugnis ablegte, noch ein langer, froher, gesunder Lebensabend bescheiden sein."

   
Zum Tod der Witwe von Hauptlehrer Thalmann (1927)    

Ichenhausen Israelit 16061927.jpg (149574 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juni 1927: "Ichenhausen, 25. Mai (1927). Eine fast unübersehbare Menschenmenge zeugte von der Achtung und der Beliebtheit, deren sich Frau Hauptlehrer Thalmann seligen Andenkens in ihrem Leben rühmen konnte, als es galt, die Heimgegangene auf dem Bes olam (Friedhof) zur ewigen Ruhe zu betten. Herr Bezirksrabbiner Dr. Neuwirth zeichnete in zu herzen gehender Weise das Bild dieser seltenen Frau, deren Frömmigkeit sich in einem Leben, reich bewegt durch Glück und Wolkendüster, mannigfach zu bewähren Gelegenheit fand. Auch im Namen des Zweigvereins vom Roten Kreuz stattete er ihr den Dank dieser interkonfessionellen Organisation für ihre langjährige, segensreiche Tätigkeit ab. Für den Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, deren Mitglied im Ausschuss der Ortsgruppe sie war, für den Bikkur-Cholim-Verein (Krankenbesuchsverein) – eine Gründung ihres in der Gemeinde unvergessenen seligen Gatten – sowie für den israelitischen Frauenverein Ichenhausen, dem die Entschlafene mehr als 25 Jahre als 2. Vorsitzende und Kassiererin, zuletzt als Ehrenvorsitzende angehört hatte, sprach ihr Herr Lehrer Blum Dank und Treuegelöbnis aus. In unserer Gemeinde empfindet man die Lücke, die hier der Tod gerissen, allgemein tief und schmerzlich. Eine wackere Frau – Lehrerstochter und Lehrersgattin – eine kluge und eine gute Frau ist zu ihrem Schöpfer gerufen worden; was sie im Dienste von Wohltätigkeit an Toten und Lebenden gewirkt, begleitete sie als ein selten reicher Kranz von duftenden Blüten. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."


Lehrer Blum verlässt die Schule (1927)

Ichenhausen Israelit 17111927.jpg (98986 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. November 1927: "Ichenhausen, 13. November (1927). Am 1. Januar verlässt Herr Blum, Lehrer an der hiesigen israelitischen Volksschule, nach 6jähriger Tätigkeit die Stätte seiner Wirksamkeit, um in Nürnberg einen Teil des Religionsunterrichtes an den höheren Schulen zu übernehmen. Seinem Scheiden wird allgemein mit großem Bedauern entgegengesehen. Verliert doch in ihm nicht nur die Schule einen begabten, pädagogisch befähigten, mit reichen Kenntnissen jüdischen und profanen Wissens ausgestatteten Lehrer, sondern auch die Gemeinde einen Mann von reinem, lauterem Charakter, der gar oft mit verständnisvollem Sinn sich um die Hebung und Förderung ihrer Interessen und Bestrebungen manches Verdienst erwarb. Und nicht zuletzt verdankt Herr Lehrer Blum die Beliebtheit und Wertschätzung, deren er sich in allen Kreisen der mehr als 100 Familien zählenden Gemeinde erfreut, seinem sanften, milden, wahrhaft vornehmen Wesen, seinem freundlichen Entgegenkommen gegen jedermann."

     
Lehrer Sigmund Hammelburger übernimmt die Stelle in Ichenhausen (1929)

Muehlhausen BayrGZ 15011929.jpg (15640 Byte)Meldung in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Januar 1929: "Personalien. Die Volksschullehrerstelle Ichenhausen wurde dem Lehrer Sigmund Hammelburger, bisher Lehrer in Mühlhausen (Oberfranken), übertragen."
  
Ichenhausen Hammelburger 010.jpg (50296 Byte)Literaturhinweis zu Lehrer Hammelburger - auf den Foto links mit seiner Frau Hannchen geb. Strauß in Ichenhausen 1938:  
Christian Plätzer: Spuren des fränkisch-jüdischen Lehrers Sigmund Hammelburger und seiner Familie. In: Johann Fleischmann: Mesusa 4 (hrsg. vom Arbeitskreis "Jüdische Landgemeinden in Aisch, Aurach, Ebrach und Seebach". Lebensbeschreibungen und Schicksale. 2004. S. 310-363. Website des Arbeitskreises

  
50. Geburtstag und Auszeichnung von Hauptlehrer Hammelburger (1931)  

Ichenhausen Israelit 17121931.jpg (21899 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Dezember 1931: "Ichenhausen, 13. Dezember (1931). Anlässlich seines 50. Geburtstages wurde Hauptlehrer Hammelburger, dahier, von Herrn Bezirksrabbiner Dr. Neuwirth den Chawer-Titel verliehen."   

  
Die Bezirkskonferenz der israelitischen Lehrer in Schwaben tagt in der jüdischen Schule in Ichenhausen (1936)
     

Ichenhausen BayrIsrGZ 15121936.jpg (364216 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Dezember 1936: "Bericht der Bezirkskonferenz Schwaben. Auf unserer letzten Bezirkskonferenz hatten wir in Augsburg ein sehr gediegenes Referat unseres Kollegen Krämer gehört über das Thema: 'Konzentration des gesamten Volksschulunterrichts unter dem speziellen Gesichtspunkte des Jüdischen'. Nach einem Repetitionskolleg über Ziel, Aufgabe und Zweck aller Erziehung an sich und des 'erziehenden Unterrichtes' im besonderen wurden wir durch Erfahrungstatsachen des Kollegen in seiner 8. Klasse theoretisch von der Durchführbarkeit des genannten Konzentrationsproblems klar überzeugt. Nach einer regen Diskussion, an der sich insbesondere Kollege Hammelburger, Ichenhausen, und Kollege Frank, Fischach, heute in Ichenhausen, beteiligten, beschlossen wir die nächste Bezirkskonferenz in Ichenhausen abzuhalten, um an einem 'Lehrbeispiel' die Probe auf das Exempel machen zu können. Kollege Hammelburger hatte sich hierzu gerne bereit erklärt. Sie ergab es sich, dass wir zum erstenmal außerhalb Augsburgs unsere Fortbildungskonferenz abhielten und zwar in der ehrwürdigen Gemeinde Ichenhausen, in der Schule des Kollegen Hammelburger..." 
Zum weiteren Lesen bitte die Textabbildung anklicken.  

  
  
   
 
Kleine Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben  
Artikel von 1865   

Ichenhausen Israelit 18101865.jpg (289775 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Oktober 1865: "Ist Ihnen Ichenhausen bekannt? Dieser Ort, ehedem zur Hälfte aus Armen bestehend, hat sich durch seine amerikanischen Kolonisten in sozialer und materieller Hinsicht außerordentlich gehoben. Sie glauben wohl, dass seine Einwohner mächtige Eroberer, oder gar Freischärler, Piraten und Flibustiers geworden. Mitnichten! Unter der Regierung des Königs Ludwig I., der seine Passion an anderen Dingen, als an den Hebräern fand, - nur hielt er sie nicht mit Gewalt, wie Pharao, in seinem Lande zurück, er ließ sie ziehen, wohin sie wollten – wanderten die Juden scharenweise aus Bayern und suchten in der neuen Welt ein neues Vaterland. Dort, nicht gehemmt in Schritt und Tritt, ohne Fesseln an Händen und Füßen, ihre physischen und geistigen Kräfte nach sittlich freier Wahl verwertend, gelang es ihnen bald, sich reichliche Existenz zu verschaffen, und sie vergaßen dabei auch der Ihrigen nicht, die in der alten stiefmütterlichen Heimat zurückbleiben mussten; die jungen Emigranten unterstützten ihre Eltern, Geschwister und Anverwandte und retteten sie aus ihrer drückenden Lage. Unsere Glaubensgenossen in Bayern, und speziell die in Ichenhausen, könnten darum auch zu diesem König sagen: Eure Majestät haben es herzlich schlecht mit uns gemeint, aber der König aller Könige hat es uns zum Heile gelenkt. – Die Gemeinde zählt zweihundert Familien und zeichnet sich durch friedliches und einträchtiges Zusammenleben vorteilhaft aus. Der Sohn des seiner Zeit durch grammatikalische und mathematische Kenntnisse ausgezeichneten Oberappellanten in Ansbach, R. Moses Hochheimer s.A. – Großvater des Rabbiners in Baltimore – amtierte hier länger als drei Dezennien als Seelsorger, frommer und bieder. Sein Nachfolger, der frühere Direktor des Instituts zu Pfungstadt, erwirbt sich schon um des warmen Interesses willen, das er an Jugenderziehung und Unterweisung nimmt, allgemeine Sympathien. Sie sehen, lieber Freund, ich habe auf meinen Streifzügen durch unser schönes Germanien einen artigen Vorrat von Notizen gesammelt, ich könnte Ihnen auch noch einige Data geben von Illereichen-Altenstadt und seiner herrlichen, mit prächtigen Stuckaturen gezierten Synagoge, von Fellheim, Buttenwiesen, Binswangen und Fischach, Gemeinden, die, obschon klein und unbedeutend, sich dennoch die Ehre nicht rauben ließen, je selbständig von geistlichen Hirten geführt zu werden, doch – ‚Kaum hab’ ich Posto hier gefasst, regt sich dort hinten, mir bekannt ein Gast; doch diesmal ist er von den Neu’sten, er wird sich grenzenlos erdreisten.’  
Les extrèmes se touchent; sitzt da neben mir in den ‚drei Mohren’ zu Augsburg, inmitten des konservativen Schwabenlandes, ein Kind der Abtrünnigkeit, ein Rabulist – wie ich höre ein Sohn, nicht der Musen oder des Parnassus, sondern – des Sandbergs, hält in drastischen Ausdrücken einen Apotheosen-Sermon über die Ultrareform und ‚allwissbegierige Horcher, Hörer, versammeln sich um ihn zu Hauf’. ‚Haben wir’s hier doch durchgesetzt, dass trotz der, allerdings lauwarmen, Einrede des ungarischen Rabbi unsere renovierte Synagoge mit einem Orgelwerk bekleidet worden ist. Die Orthodoxen, die wir gottlob an den Fingern abzählen können, mögen sich ärgern, so viel sie wollen, unser energischer Vorstand ging seinen Weg ‚gradaus’ und brach mutig eine Lanze für die kostbarsten Errungenschafen unserer Zeit, für Zivilisation, Bildung und Fortschrift; ja er hat ein für allemal das Joch abgeschüttelt, das uns die Stock-Talmudisten aufgebürdet hatten; dieweil sie ‚aus den alten Bücherkrusten logen uns nur, was sie wussten; was sie wussten, selbst nicht glaubten, sich und uns das Leben raubten’. – Original fahr hin in deiner Pracht! Die Orgel wird gedreht im neuen Bethause zu Augsburg, sie entzückt das Ohr der frommen Beter, sie rührt die Seelen der andächtigen menge – und, was tut’s, nach alledem, was ich gesehen und gehört, spreche ich mit traurigem Herzen das Wort des Patriarchen: keine Gottesfurcht ist an diesem Ort. – Mit Gott! Mein Teurer, ich bleibe Ihr wohl affektionierter S."

  
Die Gemeinde in Ichenhausen achtet auf Wohltätigkeit wie auf Toralernen (1865)

Ichenhausen Israelit 15111865.jpg (79900 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. November 1865: "Ichenhausen (Bayern). Durch die in jüngster Zeit von hiesiger Gemeinde an sie eingesandten circa 600 Gulden in zwei Posten, werden Sie den Sinn für Wohltätigkeit ersehen haben, dass aber nebenbei dahier auch Sinn für das Lernen der Tora herrscht, dafür möge Folgendes Ihnen als Beweis dienen: Unser Rabbiner, Herr Dr. Lob, hat es durch seinen unermüdlichen Eifer … dahin gebracht, dass eine große Anzahl achtbarer Männer und Jünglinge in hiesiger Gemeinde sich jeden Samstag Nachmittag um ihn versammelt, um zwei Stunden lang Vorträge über den Wochen-Abschnitt zu hören. Auch unser würdiger Talmudlehrer, Rabbi Koppel Ullmann, er, erwirbt sich um die Hebung des religiösen Sinnes in unserer Gemeinde erhebliche Verdienste. S.K."

  
Königlicher Besuch in Ichenhausen (1867)

Ichenhausen Israelit 02101867.JPG (248727 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Oktober 1867: "Ichenhausen, 18. September (1867). Vorige Woche hatten wir die Ehre, von den Prinzen Luitpold und Otto, Bruder und Onkel des regierenden Königs Ludwig II., die zu dem hier stattfindenden Manöver der königlichen Truppen hierher gekommen waren, besucht zu werden. Letzterer (der Sonntag früh hier ankam und bis Montagvormittag dahier verweilt), nahm sein Absteigequartier bei Herrn Bankier Heilbronner, dem er auch die Sorge für seine Tafel übertrug, eine Ehre, die gewiss selten einem Israeliten Bayerns zuteil wird. Prinz Luitpold hingegeben war schon Samstag Vormittag eingetroffen, und empfing Sonntagvormittags die Gemeindebehörden sowie den Herrn Pfarrer und den Herrn Rabbiner. Der Prinz ließ sich einzeln die Persönlichkeiten vorstellen und erkundigte sich huldvollst nach den Gemeinde-Institutionen, nach dem Verhältnis zwischen den christlichen und jüdischen Einwohnern. Dem Rabbiner Dr.. Löb gab er insbesondere das Versprechen möglichenfalls die Synagoge besuchen zu wollen. Diesem Versprechen kam er Montagnachmittags nach. Vor der Synagoge wurde er von dem Herrn Rabbiner, den Kultus-Verwaltungsmitgliedern und dem sämtlichen Lehrerpersonal empfangen. In der Synagoge angelangt, begab sich Seine Königliche Hoheit sogleich zum Toraschrein, ließ denselben öffnen, besichtigte die Torarollen, worauf dann Herr Dr. Löb ein passendes Gebet für den Landesvater, für den anwesenden Prinzen und für das ganze königliche Haus verrichtete, welches der Prinz andachtsvoll anzuhören geruhte, und wovon er sichtlich gerührt war. Er erkundigte sich sodann genau nach der Zahl der hiesigen israelitischen Einwohner und deren Verhältnisse, nach mehreren jüdischen Zeremonien, namentlich nach dem Trauungsvollzug, sowie nach der Deutung mehrerer in der Synagoge angebrachter hebräischer Verse. Nach etwa halbstündigem Aufenthalt verabschiedete er sich unter Händedruck vom Herrn Rabbiner, dem er seine besondere Befriedigung über Alles ausdrückte. Abends veranstaltete der jüdische Gesangverein ‚Zion’, gemeinschaftlich mit der hiesigen Feuerwehr, bei illuminierten Häusern eine Serenade nebst Fackelzug, worüber der Prinz sich zu dem zu ihm beschiedenen Vereinsvorsteher, Herrn Anselm Hirsch und dem Vereinsdirigenten, Herrn Kantor Stark, höchst wohlgefällig äußerte, und wiederholt seinen Dank und seine huldvolle Gesinnung für Ichenhausen und dessen Bewohner ohne Unterschied der Konfession zu erkennen gab."  
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. Oktober 1867: "Ichenhausen (Bayern), 19. September (1867). Bei den stattgehabten Manövern der bayrischen Armee schlug deren Feldzeugmeister Seine königliche Hoheit Prinz Luitpold hier sein Hauptquartier auf. Auch Prinz Otto, Bruder des regierenden Königs, kam bei dieser Gelegenheit hierher, und nahm seine Wohnung bei dem Kultus-Verwaltungsmitglieder Herrn Bankier Heilbronner, dem auch die Ehre zuteil ward, den Prinzen bewirten zu dürfen. Unter den herzlichsten Ausdrücken der Zufriedenheit und des Wohlwollens, verließ der junge leutselige Prinz seinen Wirt, bei dem er sich, wie er sagte, ganz heimisch gefühlt hatte. 
Prinz Luitpold hatte Sonntag früh die Gewogenheit, die hiesige Gemeinde-Verwaltung, zu der auch drei jüdische Mitglieder, die Herren D. Einstein, Wimpfheimer und Heilbronner, gehören, den Pfarrer und Rabbiner an der Spitze, in Audienz zu empfangen, und sich mit denselben huldvollst zu unterhalten. Nach beendigtem Manöver beehrte Seine königliche Hoheit die Synagoge mit Hochderen Besuch. Seiner Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Löb und die Kultusverwaltung begrüßten ihn vor den Toren ehrfurchtsvoll, und geleiteten ihn in die Säume des Heiligtums. Dort ließ er sich die Bundeslade öffnen, die Tora zeigen, und mit sichtlichem Interesse die verschiedenen Inschriften und Embleme erklären. Tief ergriffen schien der Prinz beim Gebet, das der Rabbiner für seiner Majestät den König, für den Prinzen, für das ganze königliche Haus und für die bayerischen Truppen sprach. Nach etwa einer halben Stunde verließ er das Gotteshaus, das auf ihn, nach seiner Äußerung, einen sehr angenehmen Eindruck gemacht hatte, indem er dem Herrn Dr. Löb herzlich die Hand drückte. Abends brachte der jüdische Gesangverein 'Zion'  Seiner königlichen Hoheit eine Serenade mit Fackelzug während die ganze Straße illuminiert war, unter der lebhaftesten und freudigsten Teilnahme der sämtlichen Bevölkerung. Der Prinz ließ den Vorstand des Vereins, Herr Anselm Hirsch, und dessen Dirigenten, die hiesigen Kantor E. Stark, zu sich bescheiden, um seinen Dank abzustatten, und seinem Wohlwollen für die hiesige Gemeinde Ausdruck zu verleihen."      

  
Chanukkafeier in der Gemeinde (1921)

Ichenhausen Israelit 13011921a.jpg (96822 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Januar 1921: "Ichenhausen, 20. Dezember (1920). Ein Elternabend vereinigte am 7. Tag von Chanukka Eltern und Schüler der hiesigen Gemeinde zu einem harmonischen Feste, dem der größte Teil der übrigen Gemeindemitglieder durch seine Anwesenheit erhöhte Bedeutung verlieh. Herr Lehrer Blum wies in seiner Ansprache unter anderem auf die innigen Wechselbeziehungen zwischen Schule, Elternhaus und Gemeinde hin. Zahlreiche Darbietungen der Schuljugend erfreuten durch ruhige Sicherheit und gelungenes Spiel. Die Pausen wurden durch Vorträge des Gesangvereins ‚Zion’ sowie durch Liedervorträge sangeskundiger Damen verschönt und damit wurde auch äußerlich eine Brücke geschlagen zwischen Schule und Gemeinde. Die strahlenden Augen der Kinder – alle, selbst die Kleinsten, durften auf der Bühne auftreten – sowie die freudig erregte Stimmung im Saale zeigte, dass derartige Veranstaltungen geeignet erscheinen Licht und Anregung ins Schulgetriebe zu bringen und zugleich auch sonst fern stehende Kreise für die Schule zu interessieren."

 
Aufführung eines Palästinafilmes und Vortrag über den Zionismus (1925) 

Ichenhausen JuedRundschau 02011925.jpg (51716 Byte)Artikel in der "Jüdischen Rundschau" vom 2. Januar 1925: "Ichenhausen. Die Aufführung des Palästinafilms gestaltete sich zu einem Ereignis für unsere Gemeinde. Das Theater war zweimal vollständig überfüllt und wies auch das dritte Mal einen recht guten Besuch auf. Was wir zu sehen bekamen, übertraf in der Tat alle Erwartungen. Herr Dr. Löwengart, der auch die einleitenden Worte zum Film gesprochen hatte, hielt einen Tag nach der Filmvorführung einen Vortrag über das werdende jüdische Palästina und die Grundziele des Zionismus, an den sich eine angeregte Diskussion anschloss."

 
Erweiterung des Gebietes der Israelitischen Gemeinde (1927)

Ichenhausen BayrGZ 15071927.jpg (149384 Byte)Artikel in der "Bayerischen israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Juli 1927: "Bekanntmachung über die Erweiterung des Gebietes der israelitischen Kultusgemeinde Augsburg, Fischach, Ichenhausen, Illereichen-Altenstadt, Ingolstadt, Kempten, Krumbach, Memmingen und Oettingen. Die nachstehend aufgeführten Kultusgemeinden haben beschlossen, ihr Gebiet wie folgt auszudehnen:
 
Die Israelitische Kultusgemeinde Ichenhausen auf die Finanzamtsbezirke Burgau, Günzburg, Lauingen, Neu-Ulm und Weißenhorn.  
…  
Es ergeht hiermit die Aufforderung an alle Religionsgenossen, die in den von der Ausdehnung betroffenen gebieten wohnen oder unabhängig vom Wohnsitz steuerpflichtig sind, etwaige Einsprüche gegen die Gebietserweiterung bis spätestens 1. September 1927 bei dem Vorstand der betreffenden Kultusgemeinde schriftlich oder mündliche einzulegen. München, den 7. Juli 1927. Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Dr. Neumeyer".

 
Schenkung von Max Koschland aus San Francisco (1929)

Ichenhausen BayrGZ 01061929A.jpg (93943 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Juni 1929: "Ichenhausen. In der gemäß § 20, Abs. 7 unserer Gemeindesatzung auf den 10. Mai 1929 ordnungsgemäß einberufenen Gemeindeversammlung gab der erste Kultusvorstand, Herr Julius Krämer, folgendes bekannt. Herr Max Koschland aus San Francisco hat der Israelitischen Kultusgemeinde von Ichenhausen eine Schenkung im Barbetrag von RM 5000.- gemacht, an die er folgende Bedingungen knüpft: ‚Der Betrag soll zur Einrichtung der Dampfheizung in der hiesigen Synagoge Verwendung finden. Die Erstellung der Dampfheizung hat so rechtzeitig in Angriff genommen zu werden, dass dieselbe zum kommenden Winter in Betrieb gesetzt werden kann. In der Synagoge ist eine Tafel anzubringen, die darauf hinweist, dass die Familie Koschland durch Schenkung ihres Mitgliedes, des Herrn Max Koschland, San Francisco, mit RM 4000.- zu Ehren Ihrer seligen Eltern Isidor und Regina Koschland, Ichenhausen, die Errichtung der Heizanlage in der hiesigen Synagoge ermöglicht hat.’ Die Gemeindeversammlung nahm diese hochherzige Schenkung sichtlich erfreut an unter gleichzeitiger Verpflichtung zur Erfüllung der hieran geknüpften Bedingungen."

 
Aufführung des Jüdischen Jugendvereins (1930)

Ichenhausen BayrGZ 01111930.jpg (44952 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. November 1930: "Ichenhausen. Ein Wagnis, aber ein wohl geglücktes Wagnis hat der hiesige Jüdische Jugendverein unter Leitung seines Vorstandes Fritz Kahn unternommen, indem er das 6. Bild aus dem ‚Jeremias’ (‚Stimmen um Mitternacht’) von Stefan Zweig zur Aufführung brachte. Es war ein voller Erfolg. Jeder gab sein bestes, besonders auch die Träger der Rolle des Königs (Herr Fritz Kahn) und des Jeremias (Herr Theo Gerstle). Erwähnt sei, dass die Wahl und Einstudierung dieses Stückes bereits vor der Münchener Aufführung (anlässlich der J.J.V.-Tagung) erfolgt war."

 
Chanukkafeier in der Gemeinde (1930)

Ichenhausen BayrGZ 15011931.jpg (56267 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Januar 1931: "Chanukkafeier in Ichenhausen. Auf Anregung der Kultusverwaltung fand am Samstag, dem 20. Dezember, eine würdige und selten gemütliche Chanukkafeier statt. Das Orchester der jüdischen Jugendgruppe unter seinem bewährten Dirigenten Naftali Reichenberger, verschönte den Abend. Die herzlichen Worte des ersten vorsitzenden der Kultusgemeinde, Herrn Julius Krämer, der ausgezeichnete Vortrag von Herrn Rabbiner Dr. Neuwirth über ‚Die Unsterblichkeit der Seele nach jüdischer Auffassung’ und alle Darbietungen von ernsten und heiteren Liedern und Vorträgen hielt die Mitglieder der größten Landgemeinde in Bayern bis nach Mitternacht gesellig beisammen."

  
50jährige Gründungsfeier für den Verein Bikkur Cholim (1930)

Ichenhausen BayrGZ 15011931b.jpg (89955 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Januar 1931: "Ichenhausen. Der hiesige Bickur-Cholim-Verein (Krankenpflegeverein) beging in erhebender Weise unter Teilnahme seiner sämtlichen hiesigen und teilweise auswärtigen Mitglieder am 25. Dezember 1930 seine 50jährige Gründungsfeier. Der prächtig geschmückte Saal zeigte als Erinnerung das Bild seines unvergesslichen Gründers, Herrn Hauptlehrer Thalmann seligen Andenkens. Der Sohn des Vorstandsnachfolgers, Herr Max Thalmann, gedachte in seiner nach Inhalt und Form tief durchdachten Ansprache der edelsinnigen Gründer dieser segensreichen Einrichtung, der leider schon verstorbenen Hauptlehrerseheleute Julius und Mathilde Thalmann, die sich in hiesiger Gemeinde durch ihr vorbildliches, gemeinnütziges Wirken den Dank der Nachlebenden erworben haben. Der Verlauf der Feier gestaltete sich durch Ansprachen der Herren Rabbiner Neuwirth, Kultusvorstand Krämer, Hauptlehrer Hammelburger, ferner durch gesangliche und deklamatorische Darbietungen des Synagogen-Chors (dirigiert von Herrn N. Reichenberger), des Gesangvereins Zion, des Herrn Kantor Schwarz sowie der Herren Max Regensburger und Theo Gerstle sehr anregend."

  
Vortrag von Rabbiner Schwab über "Um die Heimat des Judentums?" (1933!)  

Ichenhausen Israelit 30111933.jpg (488550 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. November 1933 - wurde noch nicht abgeschrieben. 

       
     
      
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde         
Zum Tod von Rabbi Jacob Hirsch Holländer (1867)   

Ichenhausen Israelit 18091867.jpg (219784 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. September 1867: "Ichenhausen, Elul. Die hiesige Gemeinde hat einen harten, ja einen unersetzlichen Verlust zu betrauern. Am Sonntag, dem 2. Elul starb Rabbi Jacob Hirsch Holländer. Der Tod dieses Mannes hat hier die allgemeinste Teilnahme erregt. Jeder fühlt, dass die hiesige Gemeinde in ihm nicht nur eine ihrer schönsten Zierden verlor, sondern dass die Lücke, die durch den Hintritt des Verstorbenen entstand, schwer auszufüllen sein wird.
Von sehr armen, aber wackern Eltern geboren, verließ er nach zurückgelegtem 13. Lebensjahre, ohne alle Subsistenzmittel, im tiefsten Drange nach Kenntnissen, das elterliche Haus, ging nach Fürth und frequentierte daselbst mehrere Jahre mit unermüdetem Eifer die Jeschiwa. Von da zurückgekehrt, wirkte er mehrere Jahre in der hiesigen Gemeinde als Privatlehrer. Es vereinigten sich in ihm alle Eigenschaften eines guten Lehrers: ruhiges Temperament, Geduld, Liebe zum Amte, Hingebung an die Jugend, gründliches Fachwissen und wahre Herzensfrömmigkeit. Nach seiner Verheiratung vertauschte er diese Stellung mit der eines Geschäftsmannes. Obwohl ihn da harte und erschütternde Schläge des Geschickes leider oft heimsuchten, ertrag er sie doch mit gelassener Ergebung und wusste sich stets aus großer Niedergeschlagenheit durch felsenfestes Vertrauen auf die göttliche Vorsehung durch innere Geisteskraft aufzurichten. Es ist wohl unmöglich, all die hohen Vorzüge, die der Verewigte besessen, genau zu spezifizieren; ich will daher dieselben nur andeutungsweise geben. -
Er war ein Stern am Horizont der talmudisch-theologischen Literatur, eine talmudische Größe, ein Mann, von welchem man eigentlich nicht recht wissen konnte, ob Gelehrsamkeit oder Demut und Bescheidenheit, ob Frömmigkeit oder Menschliebe im edelsten, weitesten Sinne, ob seine große Erfahrung und Menschenkenntnis, ob Geduld und Resignation, oder Sanftmut und Friedensliebe den Grundzug seines edlen Charakters und seiner ganzen Persönlichkeit ausmachten. Ein Mann, der von Liebe zur Religion durchdrungen, stets bemüht war, den Forderungen derselben, soweit seine Kräfte reichten, nach allen Seiten hin zu genügen. Mit Recht kann hier angewendet werden das…, denn der Verblichene, obwohl stets mit physischem Leiden kämpfend, betrieb dennoch das Torastudium mit der begeisterungsvollsten Hingebung.
Auch die hiesigen Wohltätigkeits-Anstalten fanden in ihm einen eifrigen Förderer und tätigen Teilnehmer. Er war Vorsteher des Vereins Bikur Cholim (Krankenbesuchsverein), hielt allsabbatliche Vorträge beim Verein Chewra Kadischa, war Mitglied des Vereines Tora Or, dessen Zweck fleißiges Gesetzesstudium ist, woselbst er auch öfters Vorträge hielt.
Bei seinem Leichenbegängnis beteiligten sich nicht nur alle Glieder der Gemeinde sondern auch mehrere achtbare christliche Mitbürger folgten der Bahre. Am Grabe sprach der hiesige Rabbiner, Herr Dr. Löb, eine auf das erregte Gemüt der zahlreichen Zuhörer tief einwirkende Trauerrede, in der er seinem großen Schmerze passende und erhebende Worte über die Verdienste des Verewigten lieh.
Wenn auch die Körperhülle dieses Mannes aus unserer Mitte geschieden, so hat sein frommes und edles Wirken ihm ein bleibendes Denkmal gesetzt im Herzen Aller, die ihn kannten und mit ihm in Berührung kamen. Jakob unser Vater – nicht ist er tot. …r."

   
Goldene Hochzeit von Heinrich und Sophie Bißinger (1898)
    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. September 1898: "Ichenhausen (Bayern), 31. August (1898). Heute feierten dahier in voller geistiger und körperlicher Rüstigkeit die israelitischen Ehegatten Heinrich S. und Sophie Bißinger, das goldene Hochzeitsjubiläum im Kreise von Kindern und Enkeln und unter Anteilnahme der Bewohner der Ortsgemeinde ohne Unterschied des Glaubens und des Standes. Zahlreiche Ehrengaben von Verwandten und Freunden aus nah und Fern, desgleichen herzlich gehaltene telegraphische Glückwünsche und viele Beweise aufrichtiger Verehrung in Wort und Schrift, gingen dem Jubelpaare zu, das den Anstrengungen des im Familienkreise einfach gefeierten Festes vom Vorabende bis um Mitternacht des Jubeltages selbst, sich gewachsen zeigte. 
Möchte es demselben vergönnt sein, in stiller Beschaulichkeit sich noch lange des schön verlaufenen Festes erinnern zu können, auf dass ihm die vor 25 Jahren am Ehehimmel aufgestiegene silbern leuchtende Sonne, deren Glanz sich ihm nun in Gold verwandelte, nach weiteren 10 Jahren auch noch in diamantenen Strahlenkranze den friedlichen Lebensabend erleuchten möge. E.K."    

  
Zum Tod des aus Ichenhausen stammenden Nathan Hirsch (in München, 1900)   

Ichenhausen Israelit 23081900.jpg (116447 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. August 1900: "München, im August (1900). Ein in weiten Kreisen bekannter und geschätzter Mann, Herr Nathan Hirsch, ist am 16. dieses Monats nach langem und sehr schwerem leiden verschieden. Am 3. Juli 1832 in Ichenhausen (Bayern) geboren, kam er nach vorhergegangener kaufmännischer Tätigkeit (in Bamberg, Mainz), im Jahre 1858 nach München, wo er auch bald das Bürger- und Heimatrecht erwarb. Noch im gleichen Jahre trat er in die bekannte Millykerzen- und Seifenfabrik (E. Wassermann) zuerst als Prokurist, später als Teilhaber ein. Unter seiner Mitarbeit entwickelte sich dieses Etablissement aus kleinen Anfängen zu einem in der Branche hoch bedeutenden und tonangebenden Unternehmen. Der Verstorbene zeichnete sich durch ausgeprägten Gemeinsinn und durch mannigfache Bürgertugenden aus; das Vertrauen seiner Mitbürger innerhalb der hiesigen israelitischen Gemeinde berief ihn im Jahre 1878 in die Kultusverwaltung, welcher er seitdem ununterbrochen bis zu seinem nun erfolgten Hinscheiden als eifriges und wegen seines friedliebenden, konzilianten Wesens allgemein beliebtes Mitglied angehörte. Die riesige, aus allen kreisen rekrutierende Teilnahme an seiner Bestattung legte Zeugnis ab von den vielseitigen, aufrichtigen Sympathien, deren sich der Dahingeschiedene zu erfreuen hatte."

          
Zum Tod von Mina Friedberger (1911)   

Ichenhausen FrfIsrFambl 28041911.jpg (31214 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. April 1911: "Ichenhausen. Am 2. Tag Pessach verschied in ihrem 92. Lebensjahre, die älteste Einwohnerin des hiesigen Orte, die ob ihrer Herzensgüte und Wohltätigkeitsliebe von jedermann hoch verehrte Frau Mina Friedberger."

  
Ehrung des 1. Kultusvorstehers Michael Sulzer und Verleihung des Ehrenbürgerrechts (1911)

Ichenhausen Israelit 22061911.jpg (69015 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Juni 1911: "Ichenhausen, 13. Juni (1911). Unserem hoch verehrten 1. Kultusvorsteher, Herrn Magistratsrat Michael Sulzer, wurde heute, anlässlich der Feier seines 80. Geburtstages, eine wohl verdiente Ehrung zuteil, indem ihm durch einstimmigen Beschluss des Magistrats und Gemeindekollegiums der hiesigen Marktgemeinde in Anerkennung seines verdienstvollen Wirkens auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens und ganz besonders für seine musterhafte, uneigennützige Tätigkeit als Magistratsrat und Gemeindekassierer das Ehrenbürgerrecht verliehen wurde. Der feierlichen Übergabe der Ehrenbürgerrechts-Urkunde wohnte, außer den beiden Kollegien der israelitischen Kultusverwaltung und der Familie des Jubilars auch der Königliche Bezirksamtmann, Herr Wimmer bei, dem dem Jubilar in herzlichen Worten den Dank des Königlichen Amtes aussprach."

   
Hermann Reichenberger erhält das Eiserne Kreuz (1914)

Ichenhausen Frf IsrFambl 16101914.jpg (27210 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 16. Oktober 1914: "Ichenhausen. Der beim bayrischen 6. Feld-Artillerie-Regiment dienende Einjährig-Gefreite Hermann Reichenberger, Sohn des Kaufmanns Naftali Reichenberger, Mitinhaber der Firma Gebr. Sulzer, hat am 30. September das Eiserne Kreuz erhalten."

  
Unteroffizier Emil Heilbronner wird mit dem Eisernen Kreis ausgezeichnet (1916) 

Ichenhausen FrfIsrFambl 28071916.jpg (16677 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. Juli 1916: "Ichenhausen. Dem Unteroffizier Emil Heilbronner, Inhaber der bayerischen Verdienstmedaille, wurde das Eiserne Kreuz überreicht." 

  
Vizefeldwebel R. Kann und Unteroffizier Max Meyer werden mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet (1917)  

Ichenhausen FrfIsrFambl 09021917.jpg (19961 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 9. Februar 1917: "Frankfurt am Main. Vizefeldwebel R. Kann und Unteroffizier Max Meyer, gebürtig aus Ichenhausen, wurden mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet."   

  
Zum Tod von Mina Gerstle geb. Hirsch (1921)  

Ichenhausen Israelit 24031921.jpg (103736 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. März 1921: "Ichenhausen, 15. März (1921). Am Schabbat Paraschat Wajikra (= Schabbat mit der Toralesung Wajikra = 3. Mose 1,1 - 5,26, das war am 19. März 1921; evtl. Fehler in der Angabe, da dieser Schabbat nach dem 15. März lag) starb im 66. Lebensjahre Frau Mina Gerstle geb. Hirsch, in München, wo sie die letzten 15 Jahre mit ihrem Gatten in harmonischer Ehe verbrachte. Einem echt jüdischen angesehenen Hause entstammend, setzte sie dessen Traditionen in ihrem eigenen Hause fort, baute dasselbe zu einem ‚Mikdosch meat’ (kleinen Heiligtum) aus und wandelte darin als Priesterin und Hüterin des Gottesgesetzes. Von einer echten, tiefen Frömmigkeit beseelt, zeichnete sie sich durch große Wohltätigkeit im Stillen aus und stand jedermann, der sie hilfesuchend anging, mit Rat und Tat freudig zur Seite. Von ihrer Beliebtheit zeugte das große Leichenbegängnis in ihrer alten Heimat, wohin Freunde von nah und Fern geeilt waren, um ihr die letzte Ehre zu erweisen. An der Bahre zeichnete Herr Distriktsrabbiner Dr. Cohn, der Freud und Leid ihres Hauses Jahrzehnte hindurch geteilt, tief bewegt ein getreues Lebensbild der Verklärten und hob ihre großen Verdienste hervor, die sie sich um den israelitischen Frauenverein als dessen Vorstandsmitglied erworben hat. Herr Max Meyer aus Köln, dem sie seit dem frühen Tode seiner Eltern in mütterlicher Liebe zugetan war, rief ihr herzliche Worte des Abschieds und des Dankes nach. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  
   
Ichenhausen FrfIsrFambl 18031921.jpg (62716 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 18. März 1921: "Ichenhausen. Mina Gerstle geb. Hirsch in München, wohin sie vor 15 Jahren mit ihrem Gatten ging, ist verschieden. Von einer ungeheuchelten, echten tiefen Frömmigkeit beseelt. zeichnete sich die Verewigte durch große Wohltätigkeit im Stillen aus. Von ihrer Beliebtheit zeugte das große Leichenbegängnis hier in ihrer alten Heimat. Rabbiner Dr. Cohn zeichnete das Lebensbild der seltenen Frau und betonte ihre großen Verdienste um den Israelitischen Frauenverein. Max Meyer aus Köln, dem sie seit dem frühen Tode seiner Eltern in mütterlicher Liebe zugetan war, tief ihr herzliche Worte des Dankes nach." 

       
Zum Tod des aus Ichenhausen stammenden Anselm Hirsch (1922)  

Ichenhausen Israelit 02021922.jpg (152871 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Februar 1922: "(Frankfurt am Main). Anselm Hirsch das Andenken an den Gerechten ist zum Segen. Die an Schrecken reichen Wochen dieser schweren Winterzeit haben uns am 27. Tewes, dem Jahrzeitstage S. R. Hirschs, eine in weiten Kreisen unserer Gemeinde geschätzte, wackere Persönlichkeit entrissen, die bei aller Schlichtheit und Anspruchslosigkeit ihres Wesens und Wirkens auch an dieser Stelle warme Würdigung verdient. Anselm Hirsch, der aus voller Rüstigkeit, kaum 66 Jahre alt, nach zweitätiger Krankheit dahinschied, stammte aus Ichenhausen in Bayern, einer als Stätte der Tora und der Gottesfurcht bis in die neueste Zeit hinein berühmten Landgemeinde. Die Lehr- und Wanderjahre führten den Jüngling nach der jüdischen Metropole des gesetzestreuen Nordens, nach Halberstadt, wo er sein jüdisches Wissen und Wollen reichlich zu mehren und zu starken Gelegenheit fand. Was er im Vaterhaus, in der Heimat und bei vorbildlichen Lehrmeistern an jüdischen Lichtsaaten in sich aufgenommen, das hat er dann, beglückt durch die Ehe mit einem tapferen Weibe, einer Tochter des Münchener Hauses Feuchtwanger, hier in Frankfurt in die Praxis des Lebens umgesetzt. Er gehörte zu den stillen jüdischen Helden, die in der neuen Zeit leider nichts Alltägliches mehr sind, die ihren Lebensköcher mit – Kindern zu füllen den Mut und den Ehrgeiz haben - 'Heil dem Manne, der gefüllt mit ihnen seinen Köcher' (Psalm 127,6), und die so durch ihr Leben einen Kommentar zu dem tiefen Wort der Weisen liefern, dass der um des Lebens Notdurft hart ringende, mit Kindern gesegnete Familienvater recht eigentlich die Gottesfurcht zu bewähren vermag. 
Diese Gottesfurcht, die Liebe zu den Mizwos und eine frohgemute, immer zu heiterem Witzwort geneigte Natur haben ihm den Lebenskampf erleichtert, bis er in den letzten Jahren die Früchte seiner Arbeit in seinen Kindern reifen sehen durfte. An der Bahre entwarf Herr Rabbinatsassessor Posen in einem von warmem Mitempfinden durchglühten Hesped (Trauerrede) ein treues Bild des Heimgegangenen, die Söhne und Töchter mahnend, ihres unvergesslichen Vaters allezeit würdig zu bleiben. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

   
Zum Tod des langjährigen Gemeindevorsitzenden und Stadtrates Aaron S. G. Heller (1931)  

Ichenhausen Israelit 05111931.jpg (151300 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. November 1931: "Ichenhausen (Bayern), 1. November (1931). Unsere altehrwürdige Gemeinde hat den Verlust eines ihrer besten Mitglieder zu beklagen. Am Freitag, den 30. Oktober, wurde Herr Aaron S. G. Heller im Alter von nahezu neunundsiebzig Jahren zur ewigen Ruhe gebettet. Der Verblichene gehörte der Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde beinahe fünfundvierzig Jahre an, war fünfundzwanzig Jahre deren erster Vorsitzender und wurde, als er aus Gesundheitsrücksichten dieses Amt niederlegte, zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Auch den städtischen Kollegien gehörte er viele Jahrzehnte als Stadtrat an und erwarb sich in dieser Eigenschaft durch seinen Weitblick und insbesondere durch seine Friedfertigkeit unvergängliche Verdienste um die Stadt.    S
ein Leichenbegängnis gestaltete sich zu einer erhebenden Trauerkundgebung, an der sich die Angehörigen aller Bekenntnisse beteiligten. Unter Vorantritt der Freiwilligen Feuerwehr, der der Verblichene nahezu ein halbes Jahrhundert als aktiver Feuerwehrmann angehört hatte, begab sich der eindrucksvolle Trauerzug in den Hof der weihevoll erleuchteten Synagoge, wo Herr Rabbiner Dr. Neuwirth in tief gefühlten Worten der Trauer und der Dankbarkeit der Gemeinde und der zahlreichen Körperschaften beredten Ausdruck verlieh. Im Namen des Landesverbandes bayerischer israelitischer Gemeinden sprach alsdann Herr Schloß, Augsburg, Mitglied des Rates des Verbandes. Der Vorsitzende der Kultusgemeinde Ichenhausen, Herr Krämer, würdigte hierauf in herzlichen Worten die Verdienste des Heimgegangenen, worauf dessen Schwiegersohn, Herr Wäglein, der Trauer der Familie Ausdruck verlieh.   
Gerade in unserer Zeit, in der die jüdischen Landgemeinden von der Gefahr des Niedergangs mehr als früher bedroht sind, reißt der Verlust eines Mannes wie Aaron S. G. Heller eine besonders schmerzliche Lücke; denn er verband tiefe Frömmigkeit mit dem Willen und der Fähigkeit zu hingebender Mitarbeit an den Aufgaben der religiösen und der politischen Gemeinde und er trug so zu beider Gedeihen und zur friedvollen Zusammenarbeit der jüdischen und der nichtjüdischen Bürger unseres, von ihm so heiß geliebten Vaterlandes bei."
   
Ichenhausen BayrGZ 15111931.jpg (138144 Byte)Derselbe Bericht erschien in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. November 1931. 

   
Zum Tod des langjährigen Synagogendieners Moses Meinfelder (1933)    

Ichenhausen Israelit 23111933.jpg (132191 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. November 1933: "Ichenhausen, 20. November (1933). Am Samstag, den 18. November verschied dahier im Alter von über 91 Jahren der Nestor unserer Gemeinde, Moses Meinfelder. Mehr als 56 Jahre (1872-1928) bekleidete er in vorbildlicher Pflichttreue und Gewissenhaftigkeit das Amt unseres Synagogendieners. Er war ebenso ein hingebungsvoller Hüter und Pfleger unseres Gotteshauses wie ein eifervoller Wächter unserer alten, herrlichen, synagogalen Gesänge und Bräuche, die er über drei Generationen hinweg hat erhalten helfen. Seine biedere Art und sein originelles, humorvolles Wesen haben ihm die Herzen aller Kultusmitglieder gewonnen, von denen er viele in früheren Zeiten in Chuppoh-Nigun (Hochzeitsmelodie) mit seiner Klarinette durch die Straßen Ichenhausens zum Traualtar begleitet hat. - Die allgemeine Hochschätzung und Verehrung, die dem Entschlafenen aus allen Kreisen der Bevölkerung entgegengebracht wurde, spiegelte sich wider in der außerordentlich großen Beteiligung an seiner Beisetzung, an der auch ein Zug der Freiwilligen Feuerwehr, welcher er 60 Jahre lang angehört hatte, mit Fahne teilnahm. - Da mit Rücksicht auf den Rosch-Chodesch (Monatsanfang) eine Grabrede nicht gehalten werden konnte, würdigte in einem anschließend an die Beerdigung angesetzten Maariwgottesdienst in der Synagoge, an welchem die ganze Gemeinde teilnahm Herr Rabbiner Simon Schwab die hervorragenden Verdienste unseres 'Mosche' Meinfelder, in dessen Persönlichkeit der religiöse Glanz und Strahl längst vergangener Zeiten sich verfangen habe. Herr Kultusvorsteher Julius Krämer schilderte unter Dankesworten die opfervolle, vorbildliche Hingabe des Entschlafenen, der ein Musterbeispiel sei dafür, dass es nicht so sehr darauf ankomme, welches Amt man innehabe, als vielmehr darauf, wie man den Platz, auf den man gestellt ist, ausfülle. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."      

  
Zum Tod von Leopold Koschland (1934)

Ichenhausen Israelit 14061934.jpg (108641 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Juni 1934: "Ichenhausen, 7. Juni (1934). Am Erew Schabbat Koddäsch BeHaalticha wurde das älteste Mitglied unserer Gemeinde, Leopold Koschland, im Alter von fast 87 Jahren zu Grabe getragen. Der Verstorbene, der von glühender Liebe zu Tora und Gottesdienst durchdrungen war, wollte noch am Morgen seines Todestages bei seinem Enkelkinde als Pate fungieren, als ihn Gott kurz zuvor in die ewige Heimat zurückrief. Selbst noch in der Todesstunde zeigte sich seine tiefe Frömmigkeit. Er ließ die Männer der Chewra Kadischa zu sich rufen, verabschiedete sich von ihnen mit Worten der Mechila, sagte mit ihnen zusammen die Schemot, bis er seine reine Seele aushauchte. Am Grabe sprach Herr Rabbiner Schwab und schilderte den Entschlafenen als einen Jehudi, dessen Charakter und Wirken durch und durch gehämmertes Gold waren. Als langjähriger ehrenamtlicher Mohel sei es ihm vergönnt gewesen, nahezu 400 Knaben in den Abrahamsbund aufzunehmen. Seine besondere Liebe galt den Armen von Erez Jisrael, für die er Jahrzehnte hindurch in hiesiger Gemeinde als Gabbai väterlich sorgte. Alsdann dankte Herr Hauptlehrer Hammelburger namens der Chewra Kadischa ihrem Ehrenvorsitzenden, der sich um die Förderung derselben in fast 60jähriger Mitgliedschaft - darunter 30 Jahre als erster Vorsitzender - bleibende Verdienste erworben habe, die bereits von dem Vorgänger des jetzigen Rabbiners, Herrn Rabbiner Dr. Neuwirth, Stuttgart, durch Verleihung des Chower-Titels gewürdigt waren. Zuletzt nahm ein Sohn des Verstorbenen in herzlichen Dankesworten Abschied vom Vater, auf den mit Recht das Wort angewendet werden dürfe: Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

 
Zum Tod von Siegfried Erlanger (1937)

Ichenhausen Israelit 07011937.jpg (89120 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Januar 1937: "Ichenhausen, 3. Januar (1937). Wie ein Blitz aus heiterem Himmel wirkte die Trauerkunde in unserer Gemeinde vom Ableben Siegfried Erlangers. Er erreichte ein Alter von erst 55 Jahren. Am 10. Tewet hatte ihn die ganze Gemeinde zur letzten Ruhestätte begleitet. Mit tief bewegten Worten sprach Herr Hauptlehrer Hammelburger an seiner Bahre und nahm Abschied von dem vornehmen, allzeit hilfsbereiten Menschen. Herr Julius Krämer, erster Vorsitzender unserer Gemeinde, gab seinem persönlichen Schmerz über den Verlust des lieben Freundes Ausdruck. Groß ist der Verlust für die Kulturverwaltung, dessen eifriger und unermüdlicher Mitarbeiter er war. Als treuer Chewra Kadischah-Mann und tätiger Mitarbeiter im Verein Bikkur Cholim hatte er Gelegenheit, Wohltätigkeit in großem Maße zu üben. Möge sein Verdienst der Gattin und den zwei Kindern, denen er gute jüdische Erziehung gab, beistehen. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

   
Zum Tod von Frieda Krämer nach ihrer Reise (Auswanderung?) nach Kanada (1937)  

Ichenhausen Israelit 27051937.jpg (76136 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Mai 1937: "Ichenhausen, 20. Mai (1937). Aus Kanada kommt die erschütternde Trauerkunde, dass Frau Frieda Krämer, Gattin unseres ersten Kultusvorstehers, Herrn Julius Krämer, infolge einer Operation plötzlich verstorben ist. Der Trauerfall ist deshalb so tragisch, weil die Verschiedene erst vor vier Wochen in voller Gesundheit Ichenhausen verließ, um in Begleitung ihres Gatten ihren Sohn zu besuchen. Frau Krämer ist nur 57 Jahre alt geworden und hatte es verstanden, durch ihr sonniges Wesen, große Liebenswürdigkeit und vornehmen Charakter allgemeine Wertschätzung in der ganzen Gemeinde sich zu erwerben. Möge dieses Bewusststein dem tief betrübten Gatten als Nechomo (Trost) dienen. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens.   L. Schw."

   
Trauerrede für Frieda Krämer (1937)

Ichenhausen BayrGZ 01071937.jpg (103551 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Juli 1937: "Ein Hesped in Ichenhausen. Am Sonntag, den 13. Juni 1937, fand im Anschluss an den Abendgottesdienst unter Teilnahme der Gemeinde und einer Anzahl auswärtiger Freunde und Verwandten ein Hesped (Trauerrede) zu Ehren der kurz vor dem Schewuothfeste in Kanada dahingeschiedenen Gattin des Gemeindevorstandes, Frieda Krämer statt. Herr und Frau Krämer hatten sich nach den Pessachfeiertagen aufgemacht, um ihren seit 8 Jahren in Kanada wohnenden Sohn und dessen Gattin zu besuchen; kaum angekommen musste sich Frau Krämer einer Operation unterziehen, der sie leider erlag. - Die Trauer und der Schmerz um den Verlust dieser bescheidenen und wohltätigen Frau ist allgemein in unserer Gemeinde; denn wo sie war, da war Licht und Freude, Hilfsbereitschaft und Gemiluth Chesed (Wohltätigkeit) im wahrsten Sinne des Wortes. - Das schilderte in ergreifender Weise Herr Distriktsrabbiner Gerhard Frank in seiner Ansprache, indem er die Verdienste der leider so früh Dahingeschiedenen als Mitschwester, als Mutter und als Gattin würdigte. Möge die Tatsache der allgemeinen herzlichen Teilnahme den Hinterbliebenen Trost spenden und unserem so hart getroffenen Herrn Vorstande Julius Krämer die Kraft verleihen, das Schwere zu tragen und wie bisher auch weiterhin segensreich für unsere Gemeinde zu wirken 'bis 120 Jahre'. D.W."

    


   
   
Anzeigen jüdischer Personen / Gewerbebetriebe    

Anzeige des Eisen- und Tuchgeschäftes Jacob Hirsch & Söhne (1867)    

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Oktober 1867: "Offene Lehrlings-Stelle
In unserm Eisen- und Tuchgeschäfte kann ein kräftiger junger Mann vn 15-16 Jahren mit guten Vorkenntnissen, unter annehmbaren Bedingungen in die Lehre treten. 
Hierauf Reflektierende wollen sich portofrei direkt an uns wenden, und bemerken wir noch, dass unser Geschäft an Sabbat- und Feiertagen geschlossen ist. 
Ichenhausen bei Günzburg an der Donau (Bayern), den 25. September 1867. Jacob Hirsch & Söhne."       

   
Der Toraschreiber A. Körber empfiehlt sich (1886)

Ichenhausen Israelit 13051886.jpg (77506 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Mai 1886: "A. Körber, Schreiber von Torarollen, Tefillin und Mesusot, Ichenhausen (Bayern). Hiermit beehre mich ergebenst anzuzeigen, dass ich mich hier als Schreiber von Torarollen, Tefillin und Mesusot niedergelassen habe und empfehle mich in allen in dieses Fach einschlagenden Arbeiten unter Garantie gediegener Ausführung sowohl in neuen Tefilin, Mesusot, Torarollen als wie auch in jeglicher Reparatur bei solider und prompter Bedienung. Viele große Gemeinden in Deutschland, welche mir die Korrektur von Torarollen anvertrauten, haben ihr volle Zufriedenheit durch Zeugnisse kundgegeben und bin gerne bereit, auf Verlangen solche zur Verfügung zu stellen. Ich halte mich daher geschätzten Gemeinden und Wiederverkäufern als wie auch einzelnen Herren bei Bedarf bestens empfohlen. Hochachtungsvoll  A. Körber aus Tarnow, wohnhaft in Ichenhausen (Bayern). Referenz: Seiner Ehrwürden Herr Dr. Sohn, Rabbiner in ichenhausen."

 
Anzeige von Heinrich Seligmann (1890)         

Ichenhausen Israelit 08051890.jpg (42447 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Mai 1890: "Lehrlings-Stelle. Suche für meinen Sohn, der heuer das einjährige Examen macht, bis Mitte August dieses Jahres eine Stelle, am liebsten in einem Bank- und Wechselgeschäft. Kost und Logis im Hause wäre sehr erwünscht. 
Heinrich Seligmann,
Ichenhausen (Bayern)."

  
Werbung für den Lamm'schen Wochenkalender (1890 / 1900)

Ichenhausen Israelit 25081890.jpg (67380 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. August 1890: "Max Lamms hebräischer und deutscher Wochen-Abreiß-Kalender pro 5651 (September 1890 bis Oktober 1891), 11. Jahrgang, Preis 60 Pfennig, ist erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen. Gegen Einsendung von 70 Pfennig (40 Kr. österr.) per Exemplar versende denselben franko an jede mir aufgegebene Adresse. Verlag des Lamm'schen Wochenkalenders. S.G. Heller, Ichenhausen (Bayern)."
   
Ichenhausen Israelit 30071900.jpg (55841 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Juli 1900: "In meinem Verlage erschien soeben: Lamm's hebräischer und deutscher Wochenkalender pro 5661 (21. Jahrgang). Preis 60 Pfennig. Gegen Voreinsendung von 70 Pfg. franco Zusendung (Ausland 80 Pfg.).  S.G. Heller's Buchhandlung, Ichenhausen (Bayern). 
Dieser äußerst praktische Wandkalender sollte in keinem jüdischen Hause fehlen."  

    
Anzeige des Restaurants Falk (1900)  

Ichenhausen Israelit 10051900.jpg (48669 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Mai 1900: "Zur gefälligen Beachtung für israelitische Bäckerei! Eine im besten Zustande befindliche Mazzes-Maschine und alle hinzu gehörigen, sonstigen Apparate ist zu jedem annehmbaren Preise, wegen Todesfall und Aufgabe der Bäckerei zu verkaufen. Gefällige Offerten an Restaurant Falk, Ichenhausen, Bayern."  

  
Anzeigen des Weiß-, Woll- und Baumwollwarengeschäftes L.S. Friedberger (1900 / 1901 / 1903  )   

Ichenhausen Israelit 02081900.jpg (44564 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. August 1900
"Für mein Weiß-, Woll- und Baumwollwaren-Geschäft suche einen tüchtigen Commis, welcher mit Branche, Buchführung und Lagerarbeiten vertraut, ebenso einen Lehrling mit genügenden Vorkenntnissen.
L.S. Friedberger, Ichenhausen (Bayern)."    
   
Ichenhausen Israelit 11071901.jpg (37075 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Juli 1901
"Für mein Weiß-, Woll- und Baumwollwarengeschäft Engros suche einen tüchtigen jungen Mann mit nötiger Vorbildung als Lehrling oder Volontair. 
L.S. Friedberger
, Ichenhausen, Bayern."   
Ichenhausen Israelit 29081901.jpg (60201 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. August 1901: "Commis 
der Weiß, Woll- und Baumwollwaren mit flotter Handschrift, mit Komptoir- und Lagerarbeiten vertraut, findet in meinem Engros-Geschäfte Engagement. Ebenso findet ein Lehrling mit den nötigen Vorkenntnissen unter günstigen Konditionen Aufnahme. 
L.S. Friedberger,
Ichenhausen, Bayern."     
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. April 1903: "Suche für mein Manufaktur-, Weiß- und Wollwaren-Geschäft Engros und -Detail einen Lehrling oder Volontair, mit nötigen Vorkenntnissen, aus achtbarer Familie. Samstags und Feiertage geschlossen. 
L.S. Friedberger, Ichenhausen in Bayern."       


S. Henle wirbt für seine Torawimpel (1900)  

Ichenhausen Israelit 061211900.jpg (51312 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Dezember 1900: "Wimpel. Nach Einsendung von Datum und Namen werden Wimpeln von Buben von 2-3 Jahren schön in Farben ausgeführt für 2-6 Mark. Vertreter zum Sammeln auf allen Plätzen gesucht. 
S. Henle, Dekorationsmaler, Ichenhausen, Bayern. 
Referenz: Herr Bezirksrabbiner Dr. Kohn, hier."  

       
Anzeige von Witwe J.N. Koschland (1903)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. November 1903: "Lehrmädchen-Gesuch. Für mein Manufaktur- und Weißwaren-Geschäft, samstags und Feiertage streng geschlossen, suche ich zum sofortigen Eintritt ein 
Lehrmädchen
aus achtbarer Familie. 
J.N. Koschland Witwe, Ichenhausen, Bayern."   

     
Anzeigen der Wurstwarenfabrik Eduard Liebermann (1911/1928)

Ichenhausen Israelit 04051911.jpg (54771 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Mai 1911: "Eduard Liebermann, Ichenhausen (Bayern). Meine langjährige Tätigkeit im In- und Auslande befähigt mich das Beste zu bieten. Wurstwaren-Fabrik mit elektrischem Kraftbetrieb. Täglicher Versand von exquisiten, frischen und Dauer-Wurstwaren. Billigste und prompte Bedienung. Spezialität: Wiener-, Frankfurter-, Halberstädter Würstchen sowie alle Aufschnittwaren. Verlangen Sie Probesendung. Filiale: D. Levitte, München, Landschaftsstraße 1. Unter Aufsicht des Ehrwürdigen Herrn Distrikts-Rabbiner Dr. Kohn, Ichenhausen."
 
Ichenhausen BayrGZ 15071928.jpg (74277 Byte)Anzeige in der "Bayrischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Juli 1928: "Erklärung. Dem verehrlichen Publikum Münchens diene hiermit zur gefälligen Kenntnisnahme, dass ich in München, Brunnstraße 12 (Eingang Kreuzstraße) eine Filiale für Wurst- und Aufschnitt-Waren eröffnet habe. Das Geschäft führt Frau Selma Frankenburger, die vertraglich verpflichtet ist, ausschließlich mein Fabrikat, welches unter Aufsicht Seiner Ehrwürden des Herrn Distriktsrabbiners Dr. S. Neuwirth in Ichenhausen steht, zu verkaufen. Sämtliche Ware ist plombiert und mit den üblichen Anfangsbuchstaben ASch des Namens des Gemeinde-Schochets Ichenhausen versehen, wodurch eine Verwechslung ganz ausgeschlossen ist. Um regen Zuspruch bittet Eduard Liebermann, Ichenhausen, Wurstwarenfabrik."
  
Ichenhausen BayrGZ 15071928a.jpg (28806 Byte)Anzeige in der "Bayrischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Juli 1928: "Es besteht Veranlassung darauf hinzuweisen, dass das neu eröffnete Fleischwarengeschäft von Selma Frankenburger, München, Brunnstraße, Ecke Kreuzstraße, unter meiner Aufsicht nicht steht. Ichenhausen, den 1. Juli 1928. Rabbiner Dr. S. Neuwirth."

    
Anzeige des Putzgeschäftes L. & M. Mann (1912)       

Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 16. August 1912: 
"Modes
Für unser am Samstagen und israelitischen Feiertagen geschlossenes Putzgeschäft suchen wir zum sofortigen Eintritt eine tüchtige 
1. Arbeiterin

die sowohl den billigen, als auch den besseren Genre flott und selbstständig chic garnieren kann. Gefälligen Offerten mit Gehaltsansprüchen - Jahresstelle - sowie Zeugnisabschriften erbitten 
L. & M. Mann, Ichenhausen
(Bayern)."    

 
Heiratsanzeige von Moses Gradmann und Adele geb. Fulda (1922)  

Ichenhausen Israelit 02031922.jpg (24740 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. März 1922: "Gott sei gepriesen.  
Moses Gradmann - Adele Gradmann geb. Fulda. Vermählte. 
Ichenhausen. 1. Adar 5682 - 28. Februar 1922." 

  
Heiratsanzeige von Hermann Hirschberg und Jenny geb. Gradmann (1922) 

Ichenhausen Israelit 09111922.jpg (43864 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. November 1922: 
"Hermann Hirschberg - Jenny Hirschberg geb. Gradmann. Vermählte.  Frankfurt am Main, Hegelstraße 13 - Ichenhausen (Bayern). Trauung: Dienstag, den 14. November 1922 - 23. Marcheschwan 5683.  Synagoge Ichenhausen."  


Willy Goldberg wirbt für seine Wimpeln (1924)

Ichenhausen Israelit 17071924.jpg (34602 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Juli 1924: "Wimpeln verfertigt in feinster Kunstausführung rasch und billig Willy Goldberg, Ichenhausen in Bayern."

     
Verlobungsanzeige von Dr. Lili Neuwirth und Dr. Julius Ottenheimer (1928)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. September 1928: "Statt Karten - 
Beste Neujahrsgrüße ("Gute Einschreibung und Versiegelung"). 
Ihre Verlobung beehren sich anzuzeigen. 
Dr. med. Lili Neuwirth - Dr. med. Julius Ottenheimer. 
Stuttgart - September 1928 - Ichenhausen."       

   
Anzeige von Frau Meinfelder (1928)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. November 1928: "Suche für meine Nichte, 15 Jahre, große Figur, Stelle als Lehrmädchen für den Verkauf, wo sie sich auch für Haushalt betätigen kann, in religiösem Hause. 
Angebote an Frau Meinfelder, Ichenhausen bei Günzburg."      

    
Hochzeitsanzeige von Mina Oppenheimer und Willy Goldberg (1933) 
    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. März 1933: "Gott sei gepriesen
Mina Oppenheimer - Willy Goldberg - 
geben ihre - so Gott will - am 3. April 1933 - 7. Nissan 5693 in Ansbach, Hotel Zirkel, stattfindende 
Vermählung bekannt.  Hanau - Bechhofen / Ichenhausen."     

     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. November 1934: "Mit Gottes Hilfe.  
Zipora Meyer - Julius Weil. Vermählte.  
Ichenhausen / Basel Birmannsgasse 17  -  Basel Spalentorweg 8.  
Trauung 25. November 1934 - 18. Kislew 5695. 
Pension Ivria, Zürich".     

 
Verlobungsanzeige von Klara Gutmann und Albert Leiter (1937)
  

Buttenwiesen Israelit 22071937.jpg (28144 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Juli 1937: "Gott sei gepriesen. 
Klara Gutmann - Albert Leiter. Verlobte. 
Ichenhausen - Schwaben. Buttenwiesen - Schwaben. 
Schabbat Nachamu 5697 (
= 24. Juli 1937)". 

    
Verlobungsanzeige von Hilde Mann und Alfred Gerstle sowie Sophie Emanuel und Theo David Gerstle (1937)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. September 1937: 
"Statt Karten - Gott sei gepriesen. 
Hilde Mann - Alfred Gerstle. Sophie Emanuel - Theo David Gerstle. Verlobte. 
Ichenhausen - Jerusalem / Hamburg - Kibbuz Chofez - Chajim Gedera / Ichenhausen".       

    
    
Einige Postkarten und weitere Dokumente mit Bezug zu jüdischen Gewerbebetrieben und Privatpersonen in Ichenhausen 
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries)   

Geschäftsbrief von Kriegshaber 
nach Ichenhausen (1853)
 
Kriegshaber Dok 180.jpg (88884 Byte) Kriegshaber Dok 180a.jpg (67388 Byte)
     Absender des Briefes waren die (jüdischen Gemeindeglieder in Kriegshaber
Gebr. Feist & M. Götz in Kriegshaber; der Brief wurde am 21. Dezember 1853 
an Israel Koschland in Ichenhausen verschickt
.   
     
Brief von Julius Liebermann 
nach München (1858)
  
Ichenhausen Dok 117.jpg (105037 Byte) Ichenhausen Dok 118.jpg (86635 Byte)
  Absender des Briefes war Julius Lieberman aus Ichenhausen. Der Brief wurde laut Poststempel und handschriftlichem Datumsvermerkt am 8. Oktober 1858 an Heinrich Liebermann in München verschickt.   
     
Postkarte von 1876, versandt von Ichenhausen nach Königsbronn   Ichenhausen Dok 1014a.jpg (105014 Byte) Ichenhausen Dok 1014.jpg (115234 Byte)
   Die Postkarte wurde am 3. September aus Ichenhausen versandt; Empfänger war das Königliche Hüttenamt Königsbronn bei Heidenheim. Als Absender zeichnet die Fa. Jacob Hirsch & Söhne in Ichenhausen. 
     
Geschäftskarte der Gebr. Krämer 
& Weimersheimer (1882)
 
Ichenhausen Dok 010901a.jpg (95151 Byte) Ichenhausen Dok 010901.jpg (100006 Byte)
   Geschäftskarte der Gebrüder Krämer & Weimersheimer vom 28. April 1882, versandt
  von Ichenhausen nach Freiburg. Gebr. Krämer & Weimersheimer waren 
Inhaber eines Leder- und Häutegeschäftes.
     
Postkarte von 1902, versandt von Kleinsteinach nach Ichenhausen  Ichenhausen PK 110.jpg (98950 Byte) Ichenhausen PK 110a.jpg (103295 Byte)
  Die Postkarte wurde am 20. Oktober 1902 in Kleinsteinach abgestempelt und an Moritz Bernheimer in Ichenhausen gesandt; Absender: S. Wolfermann (vermutlich Sali Wolfermann, geb. 27. März 1877 in Mainbernheim, letzter Wohnort Kleinsteinach)
        
Postkarte von 1909, versandt 
von München nach Ichenhausen
  
Ichenhausen PK 111.jpg (77196 Byte) Ichenhausen PK 111a.jpg (86929 Byte)
  Die Firmen-Postkarte der Spritfabrik von Max Wassermann aus München wurde am 26. März 1909 an Moritz Bernheimer in Ichenhausen versandt.
        
Postkarte von 1908, versandt an den 
 Militärapotheker Sigo Bernheimer 
im Garnisonslazarett Lager Lechfeld
  
Ichenhausen PK 112.jpg (84180 Byte) Ichenhausen PK 112a.jpg (114267 Byte)
  Die Postkarte wurde am 5. Juni 1908 an Sigo Bernheimer versandt, Einjähriger Freiwilliger Militärapotheker im Garnisonslazarett Lager Lechfeld; es handelt sich um eine Geschäftspostkarte aus Ichenhausen von den Gebrüdern Sulzer. Sigo Bernheimer (geb. 18. Mai 1884) wurde in der NS-Zeit nach Auschwitz deportiert.
      
Postkarten von 1908
an Sigo Bernheimer
  
Ichenhausen PK 114.jpg (83979 Byte) Wuerzburg Dok 464.jpg (117781 Byte)Wuerzburg Dok 464a.jpg (148789 Byte)
    Die Postkarte an Sigo Bernheimer wurden am 17. Oktober beziehungsweise 
am 28. Oktober 1908 aus Ichenhausen versandt.   
      
Postkarte von 1909
an Sigo Bernheimer 
 
Ichenhausen PK 113.jpg (91690 Byte) 
    'Die Postkarte wurde am 14. September 1909 an Sigo Bernheimer in Schweinfurt verschickt mit Glückwünschen zum (jüdischen) Jahreswechsel. 
      
Karte an Lina Weimersheimer 
aus Ichenhausen (1908)
  
Ichenhausen Dok 723.jpg (175486 Byte)Ichenhausen Dok 723a.jpg (102381 Byte) Ichenhausen Lina Weimersheimer 010.jpg (117185 Byte)
  Die Karte (mit persönlichem Inhalt) an Frl. Lina Weimersheimer (c/o Lehrer Possenheimer) wurde am 29. September 1910 (Poststempel Ichenhausen) nach Böchingen in der Pfalz verschickt; die Familie Weimersheimer hatte in Ichenhausen ein Leder- und Häutegeschäft, das in der NS-Zeit 1938 zwangsweise aufgelöst und veräußert wurde. Lina Weimersheimer (Foto rechts aus dem Buch zur Ausstellung "Ein fast normales Leben" anlässlich der Feier "10 Jahre Wiedererrichtung der Synagoge Augsburg - 10 Jahre Gründung des Jüdischen Kulturmuseums" S. 135 mit dem Untertitel: "Eine bildschöne Braut: die zwanzigjährige Lina Weimersheimer aus Ichenhausen. Sie heiratete den Arzt Dr. Alfred Löwenstein".    
     
Postkarte von Sigmund Erlanger, 
Ichenhausen von 1912 
 
Ichenhausen Doku 014.jpg (40776 Byte) Ichenhausen Doku 013.jpg (48189 Byte)
     Die Postkarte wurde an den pensionierten Lokomotivführer Friedrich Schneider in Augsburg geschickt. Mitgeteilt wird der Zins aus einem Guthaben.   
      
Karte an die Fa. Regensburger 
in Ichenhausen (1923)
 
 
Ichenhausen Dok 722.jpg (211418 Byte)
  Die Brief wurde mit Datum vom 13. August 1923 von der Süddeutschen Transport- Versicherungs-AG in München an die Firma Regensburger & Co. in Ichenhausen geschickt. 
   
Karte aus dem familiären Umfeld 
des Hollywood-Gründers Carl Laemmle
,
 verschickt von Frieda H. Laemmle 
aus Ichenhausen (1925) 
Ichenhausen Dok 530.jpg (181066 Byte) Ichenhausen Dok 530a.jpg (91535 Byte)
Oben: Ansicht von Ichenhausen 
Ichenhausen Dok 531.jpg (186468 Byte) 
Foto oben: Besuch von Carl Laemmle 
bei Verwandten in Ichenhausen 
(insbesondere Familie Heller); aus: Gernot
 Römer, Schwäbische Juden S. 253.
Nach den Recherchen von Peter Karl Müller handelt es sich bei der Absenderin sehr wahrscheinlich um Frieda Laemmle geb. Heller (Unterschrift Frieda H. Laemmle - das H. steht für Heller). Frieda Heller war die älteste Tochter von Aron Heller und Fanny, geb. Gerstle. Sie heiratete Louis Laemmle, den Bruder von Carl Laemmle, der (Carl) seine Lehrzeit bei dem Vater von Frida in Ichenhausen absolvierte. Die jüngste der Heller-Mädchen Eppi heiratete einen Neffen von Carl Laemmle - Edward Laemmle. Dies erklärt auch ein Foto in Gernot Römer´s Buch "Schwäbische Juden", das die Heller-Familie mit Carl Laemmle und Sohn zeigt (siehe links). Im Buch "Ein eigenes Reich - Wie jüdische Emigranten "Hollywood" erfanden" von Neal Gabler findet sich die Aussage, dass Louis Laemmle wahrscheinlich im Hitler-Deutschland geblieben wäre, hätte ihm nicht seine durch einen Schlaganfall halb gelähmte Frau ein Ultimatum gestellt, gegebenenfalls auch ohne ihn Deutschland zu verlassen (S. 471). Am 30. Sept.1938 reisten Sie ab nach Amerika. Eine weitere Bestätigung, dass es sich bei der Schreiberin um Frieda Laemmle, geb. Heller handelt ist der Stammbaum der Familie (siehe Link), auf dem als Sohn von Frieda und Louis der 1912 geborene Richard eingetragen ist. 
Zum Inhalt der obigen Karte: Frieda bedankt sich für die guten Wünsche zu Richards Barmitzwah. Es war eine wunderbare Feier und alle hatten eine eine gute Zeit und waren glücklich. Anschließend äußert sie die Hoffnung auf ein mögliches Treffen in New York, da Sie vor hat, am 9. Oktober mit dem Segelschiff von Cuxhaven nach New York zu reisen, wo Sie am 19. Oktober hofft anzukommen. Es folgen noch die besten Wünsche für ein glückliches Neues Jahr. 
Link zu einem Stammbaum, auf dem Aron Heller und seine Tochter Frieda, die Frau von Carl Laemmles Bruder Louis, als auch deren Schwester Peppi, die einen Neffen von Carl Laemmle heiratete, zu finden sind
 
Wikipedia-Artikel zu Carl Laemmle 
     
     
Briefkopf der Kleiderfabrik 
Gebrüder Sulzer (1934)
  
Ichenhausen Dok 20090301.jpg (105384 Byte)
  Rechnung der Kleiderfabrik Fa. Gebrüder Sulzer aus Ichenhausen vom 13. April 1934 
        
Ichenhausen Doku 010.jpg (35639 Byte) Ichenhausen Doku 011.jpg (19964 Byte) Ichenhausen Doku 012.jpg (44603 Byte)
Postkarte von 1902 an den "Königlichen
  Gerichtsvollzieher" von Anselm Gerstle,
  Ichenhausen
  
Brief an Sigmund Günzburger,
  Ichenhausen von 1886
  
Karte von David Levy (Trikotwarenfabrik
 in Hechingen) an Israel Koschland
,
 Ichenhausen, mit dem der Reisende 
Herr Essinger angekündigt wird.  
   
     
Ichenhausen Doku 016.jpg (66820 Byte) Ichenhausen Doku 017.jpg (37755 Byte) Ichenhausen Doku 015.jpg (49789 Byte)
Rechnung von Samuel Gabriel Heller,
  Ichenhausen (1877) für Max K
aiser 
in Krumbach
 Brief von J. L. Hesselberger aus Fürth 
vom 8. Januar 1856 an Israel Koschland
 
in Ichenhausen
Rechnung von Gustav Henle, 
Ichenhausen  für Max Herz
 
in Krumbach (1911)
     



       
Sonstiges
   

Ichenhausener Gebetbuch (1544)

Ichenhausen BayrGZ 06071925a.jpg (186255 Byte)Abbildung links: "Ichenhausener Gebetbuch aus dem Jahre 1544. Eigentum der Bayerischen Staatsbibliothek in München" in einem Beitrag über "Hebräische Buchdruckereien im Gebiete des heutigen Bayern" von Dr. Josef Prys in München."

  
Haustürinschrift und weitere Besonderheiten am und im Haus Friedberger (innerhalb eines Artikels von 1927)

Ichenhausen BayrGZ 19091927.jpg (124329 Byte)Aus einem Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 19. September 1927: 
Bildunterschrift: "Haustüre mit hebräischer Inschrift. Privatbesitz: H. Friedberger, Ichenhausen."
 
"Eine ausgesprochene Sederplatte aus Zinn mit sinngemäßer Beschriftung finden wir im hause des Herrn Friedberger in Ichenhausen und bei Herrn Dr. M. J. Gutmann, besonders die erste ist sehr schön ausgeführt. Das Friedberger'sche Haus, das schon seit seiner Erbauung (1763) im Familienbesitz ist, bezeichnet sich schon beim äußeren Anblick als jüdisches Eigentum. Es trägt in einer geschmackvollen Cartouche die Zeilen: (hebräisch und deutsch) 'Schwarz auf Weiß, Erinnerung der Tempel-Zerstörung, im Jahre 1763'; dazu ist im oberen Türbalken eingeschnitten der Wunsch: (hebräisch und deutsch) 'Gesegnet seist Du bei Deinem Eingang und gesegnet bei Deinem Ausgang, im Jahre 1763'; Abb. 3). Ein besonders reicher Zimmerschmuck des Friedberger'schen Hauses ist die prächtige Lampe, die ähnlich einer Sabbatlampe, jedoch mit 16 Kerzen erstrahlt (Abb. 4). Sie dürfte mit dem Hausbau zeitlich zusammenfallen."

  
Patriotisches Gedicht von J. Blum (1927)  

Ichenhausen Israelit 28071927.jpg (98102 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Juli 1927: "Der Jude auf Posten. Von J. Blum in Ichenhausen.  
Dort zwischen Serre und Hebuterne, 
Unweit der Somme, der Heimat so fern, 
Stehn deutsche Männer und Jungen bereit  
Zur Wehr und Ehr, zum Sieg im Streit. 
Schleichen im Dunkel der schützenden Nacht, 
In Gruppen zu zweien und einzeln auf Wacht.  
Versinkend im Wasser und lehmigem Brei, 
An Löchern und Trichtern und Gräben vorbei.  
Das Gewehr umspannt von nerviger Hand  
Die Gasschutzmaske am Schulterband,  
Auf dem Kopf den Helm von schwerem Stahl,  
Um die Brust den Gürtel für Tod und Qual,  
Den Mut gestählt in Jammer und Not, 
Im Kampf bewährt auf Leben und Tod, 
Doch im Herzen nach Heimat, nach Kind und nach Weib, 
Die zehrende Sehnsucht, das rührende Leid. 
So wachten sie gestern, so wachen sie heut'; 
Steh'n treu ihren Posten, wie Pflicht es gebeut. 
Da ruft sie die Aufsicht vom Grabendienst an: 
'Der Feind,' - 'Alles ruhig!'   'Parole?'  'Sedan!'   
Den Feinden - befangen im blutigen Wahn - , 
bot unser Kriegsherr den Frieden an!  
Da jubelt der Jüngling: 'O, ist das fein, 
vielleicht wenige Wochen, dann kehren wir heim!'  
's ist doch nur Schwindel, ich glaube es nicht;  
Ein Latrinenbefehl' - der zweite spricht.  
Der Jude blieb still. Den betrübt es wohl gar? 
Er betet leise: 'O Gott, mach's wahr'."     

   

  

 

 

  

 

       

 

 

  
    

     

  

   

 

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Stand: 28. Oktober 2011