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in Ichenhausen
Ichenhausen
(Kreis Günzburg)
Texte/Berichte zur jüdischen Geschichte des Ortes
Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit
Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Ichenhausen wurden in jüdischen Periodika
gefunden.
Bei Gelegenheit werden weitere Texte eingestellt. Neueste Einstellung am
30.9.2011.
Übersicht:
 | Allgemeine Berichte zur Geschichte der jüdischen
Gemeinde
- Geschichtliches vom ehemaligen Markt und der
nunmehrigen Stadt Ichenhausen - zur jüdischen Geschichte (Artikel von 1928)
- "Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Ichenhausen" von Hauptlehrer Jakob Blum (1935) |
 | Aus der Geschichte
des Rabbinates
- Ausschreibungen der Stelle des
Rabbiners (Distriktrabbiner / Bezirksrabbiner)
- Feier
zum 70. Geburtstag von Rabbiner Isak Hochheimer (1860)
- Rabbiner
Dr. Löb wirbt für sein Pensionat (1863)
- Rabbiner
Meier Ettlinger / Rabbiner Dr. Löb betreiben eine Jeschiwa (1866)
- Dank an
Rabbiner Dr. Löb (1867)
- Rabbiner
Dr. Löb wird zur Probepredigt nach Krefeld eingeladen (1869)
- Zum Tod der Mutter von Rabbiner Dr. Löb (1871)
- Zum Tod
von Rabbi Koppel Ullmann (1886)
- Zum Tod von
Oberrabbiner Dr. Elieser Löb in Altona,
ehemals in Ichenhausen (1892)
- Anzeige
der Rabbiner Dr. Cohn (Ichenhausen) und Dr. Werner (München) betr.
Betreuung der Israelitischen Insassen der Idiotenanstalt zu Ursberg bei
Krumbach (1902)
- Zum Tod von
Rabbinatsassessor
A.H. Goldberg (1921)
- Zum Tod von
Distriktsrabbiner Dr. Aron Cohn (1922)
- Danksagung
nach dem Tod von Distriktsrabbiner Dr. Aron Cohn (1922)
- Rabbiner
Dr. Neuwirth wird nach Ichenhausen berufen (1924)
- Amtseinsetzung von
Rabbiner Dr. Neuwirth (1924)
- Zum Tod von Fanni Cohn, Witwe von Rabbiner Dr. Aron Cohn
(1931)
- Amtsantritt
von Rabbiner Simon Schwab (1933)
- Beitrag
von Rabbiner Simon Schwab: "Um die Heimat des Judentums?" (1933)
- Publikation von Rabbiner Simon Schwab (1934)
- Beitrag
von Rabbiner Simon Schwab: "Bekenntnis" (aus der Publikation
"Heimkehr ins Judentum", 1935)
- Vortrag von Bezirksrabbiner Simon Schwab in Würzburg
(1936)
- Ausschreibung
der Stelle des Bezirksrabbiners (1936)
- Abschied von Rabbiner Simon Schwab (1937)
- Das Bezirksrabbinat Ichenhausen ist wieder besetzt
(1937)
- Einführung von
Gerhard Frank als Distriktsrabbiner
(1937) |
 | Aus
der Geschichte der jüdischen Lehrer, der Schule und der weiteren
Kultusbeamten
- Ausschreibungen der Stellen
der Elementar- und Religionslehrers / Vorbeter / Synagogendiener
- Ausschreibung der
Vorbeter- und Schochet-Stelle (1871)
- Ausschreibung
der Stelle des Kantors und Schochet (1908)
- Hebräischlehrer gesucht (1886)
- Prediger
Hochheimer, Sohn des Rabbiners muss auf Grund seines politischen
Engagements in die Vereinigten Staaten fliehen (1849)
- Zum
Tod von Lehrer Daniel Wormser (bis 1874 Lehrer in Ichenhausen, gestorben in
Hamburg 1900)
- Abschied
von Kantor Perlmutter (1908)
- Zum Tod von
Hauptlehrer Julius Thalmann (1909)
- Zum
Tod von Hauptlehrer Isaac Brader (1920)
- 50jähriges
Dienstjubiläum und 80. Geburtstag des Synagogendiener M. Meinfelder (1922)
- Zum Tod
der Witwe von Hauptlehrer Julius Thalmann (1927)
- Lehrer Blum
verlässt die Schule (1927)
- Lehrer
Sigmund Hammelburger übernimmt die Lehrerstelle (1929)
- 50.
Geburtstag und Auszeichnung von Hauptlehrer Hammelburger (1931)
- Die
Bezirkskonferenz der israelitischen Lehrer in Schwaben tagt in der
jüdischen Schule in Ichenhausen (1936) |
 | Kleine Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und
Vereinsleben
- Artikel von 1865
- Die Gemeinde in Ichenhausen achtet auf Wohltätigkeit
wie auf Toralernen (1865)
- Königlicher Besuch in Ichenhausen (1867)
- Chanukkafeier in der Gemeinde (1921)
- Aufführung
eines Palästinafilmes und Vortrag über den Zionismus (1925)
- Erweiterung des Gebietes der Israelitischen Gemeinde (1927)
- Schenkung von
Max Koschland aus San Francisco (1929)
- Aufführung des Jüdischen Jugendvereins (1930)
- Chanukkafeier in der
Gemeinde (1930)
- 50jährige Gründungsfeier für den Verein Bikkur
Cholim (1930)
. Vortrag
von Rabbiner Schwab über "Um die Heimat des Judentums?" (1933!) |
 | Berichte zu einzelnen Personen aus der
Gemeinde
- Zum Tod von
Rabbi Jacob Hirsch Holländer (1867)
- Goldene
Hochzeit von Heinrich und Sophie Bißinger (1898)
- Zum
Tod des aus Ichenhausen stammenden Nathan Hirsch (in München, 1900)
- Zum Tod von Mina
Friedberger (1911)
- Ehrung
des 1. Kultusvorstehers Michael Sulzer und Verleihung des Ehrenbürgerrechts
(1911)
- Hermann Reichenberger erhält das Eiserne Kreuz (1914)
- Unteroffizier
Emil Heilbronner wird mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet (1916)
- Vizefeldwebel
R. Kann und Unteroffizier Max Meyer werden mit dem Eisernen Kreuz
ausgezeichnet (1917)
- Zum Tod von
Mina Gerstle geb. Hirsch (1921)
- Zum
Tod des aus Ichenhausen stammenden Anselm Hirsch (1922)
- Zum
Tod des langjährigen Gemeindevorsitzenden und Stadtrates Aaron S.G. Heller
(1931)
- Zum
Tod des langjährigen Synagogendieners Moses Meinfelder (1933)
- Zum Tod von Leopold Koschland (1934)
- Zum Tod von Siegfried Erlanger (1937)
- Zum
Tod von Frieda Krämer nach ihrer Reise (Auswanderung?) nach Kanada (1937)
- Trauerrede für
Frieda Krämer (1937) |
 | Anzeigen jüdischer
Personen / Gewerbebetriebe
- Anzeige
des Eisen- und Tuchgeschäftes Jacob Hirsch & Söhne (1867)
- Der
Toraschreiber A. Körber empfiehlt sich (1886)
- Anzeige von
Heinrich Seligmann (1890)
- Werbung
für den Lamm'schen Wochenkalender (1890/1900)
- Anzeige des
Restaurants Falk (1900)
- Anzeigen
des Weiß-, Woll- und Baumwollwarengeschäftes L.S. Friedberger
(1900 / 1901 / 1903)
- S. Henle
wirbt für seine Torawimpel (1900)
- Anzeige von Witwe
J.N. Koschland (1903)
- Anzeigen der
Wurstwarenfabrik Eduard Liebermann
(1911/1928)
- Anzeige
des Putzgeschäftes L. & M. Mann (1912)
- Heiratsanzeige
von Moses Gradmann und Adele geb. Fulda (1922)
- Heiratsanzeige
von Hermann Hirschberg und Jenny geb. Gradmann (1922)
- Willy
Goldberg wirbt für seine Wimpeln (1924)
- Verlobungsanzeige
von Dr. Lili Neuwirth und Dr. Julius Ottenheimer (1928)
- Anzeige von Frau
Meinfelder (1928)
- Hochzeitsanzeige
von Mina Oppenheimer und Willy Goldberg (1933)
- Heiratsanzeige
von Zipora Meyer und Julius Weil (1934)
- Verlobungsanzeige
von Klara Gutmann und Albert Leiter (1937)
- Verlobungsanzeige
von Hilde Mann und Alfred Gerstle sowie Sophie Emanuel und
Theo David
Gerstle (1937) |
 | Einige
Postkarten/Briefe mit Bezug zu jüdischen Gewerbebetrieben und Privatpersonen in Ichenhausen
(aus der
Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries)
- Geschäftsbrief
von Kriegshaber nach Ichenhausen (1853)
- Brief
von Julius Liebermann nach München (1858)
- Postkarte
von 1876, versandt von Ichenhausen nach Königsbronn
- Geschäftskarte
der Gebr. Krämer & Weimersheimer (1882)
- Postkarte
von 1902, versandt von Kleinsteinach nach Ichenhausen
- Postkarte
von 1909, versandt von München nach Ichenhausen
- Postkarte
von 1908, versandt an den Militärapotheker Sigo Bernheimer im
Garnisonslazarett Lager Lechfeld
- Postkarten
von 1908 an Sigo Bernheimer
- Postkarte von 1909
an Sigo Bernheimer
- Karte
an Lina Weimersheimer aus Ichenhausen (1908)
- Postkarte
von Sigmund Erlanger, Ichenhausen (1912)
- Karte
an die Fa. Regensburger in Ichenhausen (1923)
- Karte
aus dem familiären Umfeld des Hollywood-Gründers Carl Lämmle, verschickt
von Frida H. Lämmle aus Ichenhausen (1925)
- Briefkopf
der Kleiderfabrik Gebrüder Sulzer (1934)
- Postkarte
von 1902 an den "Königlichen Gerichtsvollzieher" von Anselm
Gerstle, Ichenhausen
- Brief
an Sigmund Günzburger, Ichenhausen (1886)
- Karte
von David Levy (Trikotwarenfabrik in Hechingen) an Israel Koschland in
Ichenhausen
- Rechnung
von Samuel Gabriel Heller, Ichenhausen für Max Kaiser in Krumbach
(1877)
- Brief
von J. L. Hesselberger aus Fürth an Israel Koschland in Ichenhausen
(1856)
- Rechnung
von Gustav Henle, Ichenhausen für Max Herz in Krumbach (1911) |
 | Sonstiges
- Ichenhausener Gebetbuch (1544)
- Haustürinschrift am
Haus Friedberger (innerhalb
eines Artikels von 1927)
- Patriotisches
Gedicht von J. Blum (1927)
|
Allgemeine
Berichte zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
Geschichtliches vom ehemaligen Markt und der
nunmehrigen Stadt Ichenhausen - zur jüdischen Geschichte (Artikel von 1928)
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. April
1928: "Geschichtliches vom ehemaligen Markt und der nunmehrigen Stadt
Ichenhausen (Anmerkung: nachfolgende Ausführungen entnehmen wir dem
unter obigem Titel erschienenen Buche von H. Dekan Heinrich Sinz.
Ichenhausen 1926. Verlag von Josef Wagner.)
Erwerb von Bauplätzen. Als durch den Pressburger Frieden die
Markgrafschaft samt Ichenhausen an die Krone Bayern kam, erhielten die
Juden große Erleichterung. Gemäß gutsherrlicher Verordnung durfte
bisher kein Jude ein Haus im Mittelmarkte besitzen, diese Beschränkung
fiel durch die Toleranz Bayerns. Im Jahre 1808 kaufte nun Marx Jakob das
Haus Nr. 60 im Mittelmarkte (Apotheke) und damit erwachte ein
Widerspruchsgeist gegen alle Grundrentenrechte, der nicht mehr zur Ruhe
kam, bis die Rechte den Berechtigten entwunden waren. Gleich zu Beginn der
neuen zeit, im ersten bayerischen Jahre, tauchten neue, allerdings schön
länger vordringliche Fragen auf, deren Austrag in hitzigem Für und Wider
durchgekämpft wurde.
Schon am 28. November 1798 hatte Obervogt Willibald Staiger und Compagnie
(Böhnle und Konsorten), die sich zu diesem Zwecke zusammenschlossen, von
der hiesigen Ortsherrschaft den an den Markt gegen Aufgang grenzenden so
genannten eigentümlichen St. Annagarten, ¾ Jauchert ungefähr im Maße
haltend, um (wie er sagte) die enorme Summe von 3.855 Gulden gekauft mit
dem ausdrücklich vorbedungenen unbeschränkten Rechte, geräumig schöne
Wohnungen für die Juden und Christen bauen zu dürfen. Der Garten war
wegen der nahen Anliegenheit und Verbindung mit dem Markte teils der am
besten gelegene Platz, teils aber wegen des steten Durchlaufens der Leute
zur Nutzung an Gras und Obst für die Herrschaft der schädlichste. Nach
allpflichtmäßiger Einschätzung hatte der Garten höchstens einen Wert
von 1.200 bis 1.500 Gulden. Die hohe Summe wurde nur bezahlt, weil den
Käufern das unbeschränkte Baurecht eingeräumt wurde und zwar zu einer
Zeit, wo die hiesige Ortsherrschaft solche Erlaubnis zu geben noch im
Stande war und von ihr nur die jurisdiktionellen und grundherrlichen
Effekten auf die zu erbauenden Häuser vorgehalten wurden. Staiger hatte
die anderen Konsorten ausgelöst und das ganze Geschäft schließlich
allein auf sich genommen. Mehrere sehr ansehnliche Häuser, die an
Schönheit, Güte und Ordnung andere in Ichenhausen weit übertrafen,
waren schon erbaut unter Aufwendung eines großen Kapitals. Dieselben
wurden von Christen bewohnt, lauter nützlichen und sehr häuslichen
Leuten, welche durch ihre steten Beiträge die gemeinen Lasten des
Marktes, auch die schon vergangenen aus der Kriegsschuld, mitzubezahlen
halfen. |
Bau
eines neuen Judenhauses (1806). Nun sollte (1806) ein neues Haus in
diesem Garten für die Judenschaft erbaut werden. Da begann eine große
Hetze gegen Staiger, der viele Neider hatte und dem schlimme schädliche
Absichten unterlegt wurden, woran sich auch Bürgermeister Bader (der noch
nicht lange im Markte ansässig war) und Metzger Augustin Seif
beteiligten, die sich beim königlich bayerischen Landgericht, das in
Wettenhausen errichtet war, beschwerten. Staiger verteidigte sich in einem
ausführlichen Schreiben: nach dem Rezesse von 1717 dürfe die Judenschaft
nur 35 Häuser besitzen, abteilen und mit so viel Ehen oder Inwohnern von
ihren Kindern besetzen, als sie will. So sei es bis vor fünf und sechs
Jahren gewesen, wo in manchem Hause nicht nur 12 und mehr, sondern in
manchem Zimmer sogar zwei bis zwei zahlreiche Familien sich befanden,
sodass an manchen Dingen ebenso viele Eigentum hatten als Bewohner im
Hause waren, ohne dass die Grenzen eines jeden Eigentums selbst mehr
bestimmt werden konnten. Das sei, da jetzt 192 Familien hier weilen, der
allgemeinen Gesundheit schädlich und führe zu vielen Prozessen und
Zwistigkeiten der Inwohner. Neue Ansiedlungen seien nicht nur sehr
nützlich, sondern sogar nach Grundsätzen der medizinischen Polizei zur
Abwendung sichtlich drohender und schon wirklich gezeigter Übel höchst
notwendig. Die Judenschaft selbst, so schreibt Obervogt Staiger weiter,
ist dem ganzen Markte allhier, als dem notorisch in der ganzen Gegend
vorzüglichsten Gewerbs- und Handelsorte, nicht nur ganz unschädlich,
sondern durch sich selbst sowohl als wie durch den häufigen Zug von
fremden Leuten jedem, Gewerbe höchst nützlich und der ganzen Gegend
durch Absatz von Holz, Viktualien, Obst und jeden Kleinigkeiten zum
Verkauf am bequemsten und vorteilhaftesten, in dem die Leute jedes
Bagatell bei so zahlreichem Volker teuer genug anzubringen imstande sind
und von der Ichenhausischen christlichen Bevölkerung alle Klasse der
Professionisten sich nähern können. Und da täglich nur auf Boten- und
Taglöhner, ohne anderes wie z.B. Waschen und so weiter zu rechnen, bis 30
und mehr Personen bei den Juden beschäftigt sind, ja sogar durch den
Dienst sich mehrere Christenfamilien nähren können, so kann man
behaupten, dass die Judenschaft zum bestand des Marktes und des im
Vergleich zu anderen Orten und kleinen Städten so unvergleichlich großen
und starken Gewerbes beiträgt, ohne in Anschlag zu bringen, was die
Judenschaft an Gemeindslasten, Kriegslieferungen, Quartieren, Weggeldern
und im Steuerwesen beizutragen hat zur Erleichterung der allgemeinen
Gemeinde. Staiger hatte schon vor einem Jahr für ein neu zu erbauendes
Haus für die Judenschaft bereits das Holz gekauft, Bretter, Kreuzstöcke,
Türen, Beschläge und so weiter herbeigeschafft und dadurch eine
beträchtliche Ausgabe von einigen hundert Gulden erlitten und bat
deshalb, dass ihm, der schon 18 Jahre Amt und Ort Ichenhausen verwaltet,
der Bau gestattet werde (14. Juli 1806).
Das Königliche Landgericht Wettenhausen gab das Gesuch weiter an die
königlich bayerische Landesdirektion in Schwaben zu Ulm und bemerkte
hiezu: Dieserorts ist man der unmaßgeblichen Ansicht, dass dem Beamten
Staiger der obwaltenden Umstände wegen die allergnädigste Erlaubnis zur
Erbauung des neuen Hauses erteilt werde, jedoch unter der doppelten
Klausel, dass 1. bei Erbauung und Veräußerung des Hauses nur auf bessere
Verteilung der schon vorhandenen, keineswegs aber auf Ansiedlung neuer
oder fremder Judenfamilien Bedacht genommen werden soll und dass 2. eine
solche Anhäufung jüdischer Familien in einem und demselben Hause, wie
sie bisher statt hatte, in Zukunft nicht mehr gestattet werde. Um das
letztere desto eher zu bezwecken, würde es vielleicht am besten sein,
wenn von nun an für die Judenschaft in Ichenhausen nicht mehr die Anzahl
der Häuser, die sie bewohnen, sondern die Anzahl der Familien, die sich
häuslich niederlassen darf, allergnädigst bestimmt würde. Dazu dürfte
freilich nötig sein, nähere Untersuchungen darüber anzustellen, wie
viele Judenfamilien sich zu Ichenhausen ernähren können. Am 4. August
1806 kam von der königlichen Landesdirektion in Ulm die Rückantwort an
das Landrichteramt Wettenhausen, welche lautete: Die Erbauung eines neuen
Judenhauses wird zwar nach dem landrichteramtlichen Antrag, jedoch nur
unter der ausdrücklichen Bedingung genehmigt, dass keine fremde Familie
darin aufgenommen werde und dass solches auch für die Zukunft nicht von
mehr Familien zugleich bewohnt werde, es sei denn, dass diese eine von
jenen seien, welche schon in einem anderen Judenhause ihren Insitz haben.
Damit war der Streit um das neue Judenhaus beendigt, dem einen Bau folgten
bald viele andere.
Erlass vom Jahre 1813: Am 31. Juli 1813 wurde folgender Erlass des
königlichen Generalkommissariats des Oberdonaukreises herausgegeben: 1.
Es muss eine Matrikel über die Judenschaft hergestellt werden mit
besonderer Berücksichtigung der Erwerbsart. 2. Der Schulden- und
Vermögensstand der Gemeinde muss so genau als möglich erhoben werden. 3.
Wegen Auflösung der kirchlichen Gemeinden und Verwendung der nach dem
Gesetze überflüssigen Synagogen, dann in Ansehung des dabei angestellten
Personals, wird nähere Entschließung erfolgen; sogleich ist aber die
bisher von den Rabbinern noch ausgeübte Gerichtsbarkeit als erloschen
anzusehen und das Geeignete wegen allenfalls bei denselben anhängigen
Gegenständen von Amts wegen zu verfügen. Vom Patrimonialgerichte wurde
dann den Juden gemäß Auftrag vom 11. August 1813 eröffnet, dass mit dem
23. August die nach dem neuesten Edikte über die Verhältnisse der
jüdischen Glaubensgenossen herzustellende Matrikel begonnen werde.
Ferneres muss jeder Jude einen deutschen Familiennamen annehmen.
Das Letztere hatten viele in der vorhergehenden Jahrzehnten dahier schon
aus eigenem Antrieb getan; die anderen wählten sich neue und durften sie
führen, falls sie nicht zu häufig oder einer bereits bekannten Familie
eigen waren. Nach dem Edikte über die Verhältnisse der Juden sollte auch
mit Ausnahme der bereits ansässigen Familienväter der Schacherhandel
eingestellt sein, namentlich auch für Jünglinge vom 12. bis 30. Jahre.
Es sollte eine Musterung der ledigen Jünglinge, die über 12 Jahre alt,
sohin nicht mehr schulpflichtig sind, stattfinden. Sie sollten zur Auswahl
eines bodenständigen Berufes bestimmt werden und die Realisierung ihrer
Zusage binnen 14 Tagen versichern. Der Kleinhandel im Umherziehen sollte
unterbleiben, außer es ist die Notwendigkeit dieses Erwerbszweiges für
ein Familienoberhaupt bestimmt anerkannt und dann nur für gewisse
Bezirke. Jeder, der die Berechtigung zum Hausierhandel erlangen will, hat
beim Landgerichte um Bewilligung nachzusuchen, die er dann schriftlich
erhält. Ohne diese Erlaubnis darf kein Handel getrieben werden. Alle
anderen in Händen befindlichen Pässe sind ungültig.
Verfassung 1818. Regierungsentwurf 1849. Letzter Vergleich mit der
Ortsherrschaft. Die bayerische Verfassung vom Jahre 1818 sicherte den
nichtchristlichen Glaubensgenossen vollkommene Gewissensfreiheit zu, diese
erhielten aber an den staatsbürgerlichen Rechen nur in dem Maße einen
Anteil, wie er ihnen in der organischen Edikten über |
ihre
Aufnahme in die Staatsgesellschaft gewährt wurde. Das galt auch von den
Juden. Am 7. April 1824 leisteten die Schutzjuden Ichenhausens ihren Eid.
Mit der Ortsherrschaft gab es beständig Streit bald über diese, bald
über jene Grundrentenverweigerung, bis es schließlich zu einem
förmlichen Prozesse kam (1829), der sich zehn Jahre hinzog. Inzwischen
hatte die Regierung 1831 das Versprechen gegeben, die Gesetze über die
Verhältnisse der jüdischen Glaubensgenossen zu revidieren. Als dies
nicht geschah, wandten sich die Juden 1846 in ausführlichen Bittschriften
zur Aufhebung aller Ausnahmegesetze an den Landtag. Ein im Jahre 1849
eingebrachter Regierungsentwurf gestand den israelitischen
Staatsangehörigen fortan im ganzen Umfang des Königreiches bei gleichen
Pflichten, auch gleiche staatsbürgerliche und bürgerliche Rechte mit den
christlichen Staatseinwohnern zu und hob alle entgegenstehenden
Bestimmungen früherer Gesetze und Verordnungen auf. Dieser Entwurf wurde
zwar von der zweiten Kammer angenommen, von der Reichsratkammer aber wurde
er am 16. Februar 1850 angelehnt.
Der Prozess zwischen der Gutsherrschaft und Judenschaft in Ichenhausen, in
welchen die ganze politische Lage hineinspielte, endete mit einem
Abgaben-Moderations-Vergleich (dem zweiten) in Augsburg am 9. Januar 1839,
der Vertrag wurde im Protokoll des Landgerichts Günzburg am 29. Januar
1839 protokolliert und vom Königlichen Staatsministerium in München am
11. März 1840 ratifiziert. Beide Teile hegten den Wunsch, den
langjährigen Streit, der beim königlichen Oberapellationsgericht
schwebte, durch einen Vergleich zu beendigen. Die Juden hatten hierzu
ermächtigt den Aron Schwab, Samuel Neuburger, Leopold Hirsch und Daniel
Einstein. Der Rezess von 1818 war zu Grunde gelegt, wobei aber die
Judenschaft auf den Fall, dass infolge der Zeit die israelitischen
Glaubensgenossen im Königreiche Bayern sich gesetzlicher Emanzipation,
d.h. völliger Gleichstellung mit den Bekennern der christlichen
Konfession zu erfreuen hätten, sich in dieser Beziehung ihre Recht
vorbehielt, jedoch mit dem Zusatze, dass dieser Vergleich auf alle 15
Jahre von heute ab gilt. In diesem Vergleiche waren die Abgaben der
Israeliten an die Gutsherrschaft bestimmt. Jeder verheiratete oder
ansässige Israelite hatte jährlich zu bezahlen a) Grundzins 2 Gulden, b)
Feldfrohn in Geld reluiert 3 Gulden, c) Küchengefälle 1 Gulden 15
Kreuzer, d) Herbergsgeld 2 Gulden, im ganzen 8 Gulden 15 Kreuzer. Nach dem
Ablösungsgesetz vom 4. Juni 1848 fiel das Herbergsgeld weg, sodass nur
mehr 6 Gulden 15 Kreuzer zu bezahlen waren. Jedes Haus, auch ½, 1/3, ¼,
1/6 Häuser, hatten das gleiche zu zahlen. Witwen zahlten bis zur
Wiederverheiratung die Hälfte. Aus jedem zehentbaren Acker war der Zehent
oder das fixierte Großzehentgeld zu entrichten. Die Erhebung der
jährlichen Rechnungsgelder sollte geschehen wie früher in vier
Quartalen, Sebastian, Georgi, Bartholomä und Martini. Der Vergleich
sollte auch für die Nachfolger gelten – es war nur mehr einer. Die
Israeliten mussten zugeben: Der Vertrag ist nicht Ausfluss der
Leibeigenschaft, steht auch nicht im Widerspruch mit den in Bayern
dermalen geltenden Gesetzen, sondern in Anerkennung des mehr als
hundertjährigen Besitzes der Herrschaft.
Gustav von Stain verkaufte 1854-1858 seinen Ichenhauser Besitz. Was der
Prozess und das große Revolutionsjahr 1848 nicht geändert hatten, das
änderte das Gesetz vom 3. Juli 1869, das alle noch bestehenden
Beschränkungen der bürgerlichen Rechte der Israeliten beseitigte. Die
Israeliten bilden mit den Christen seitdem eine politische Gemeinde, von
dieser getrennt besteht ihre Kultusgemeinde und das Rabbinat, das von den
ehedem elf Rabbinaten in Schwaben neben jenem von Augsburg verblieb als
Distriktsrabbinat Ichenhausen." |
"Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Ichenhausen" von Hauptlehrer Jakob Blum (1935)
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Juli 1935:
"Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde Ichenhausen. Aktenmäßig
erzählt von Hauptlehrer Jakob Blukm (Nürnberg). Die Freiherren vom Stain
zu Rechtenstein, seit 1574 Lehnsherren von Schloss und Markt Ichenhausen
in der Markgrafschaft Burgau (Schwaben, damals zu Vorderösterreich
gehörig), waren den Juden allzeit freundlich und gewogen und mancher
verzweifelte Schutzjude, dem die Günzburger Bürgerschaft oder die
Thannhausen’sche Ortsherrschaft den Schutz aufgesagt und wie einen
räudigen Hund davongejagt hatte, fand mit ihrer gnädigen Bewilligung zu
Ichenhausen eine neue Heimat.
Freilich handelten sie nicht aus reiner Menschenfreundlich- |
keit.
Die Herrschaft war verschuldet und die Juden mussten die
Aufnahme-Genehmigung mit manchem Gulden aufwiegen. An einmaligen Gebühren
und jährlichen Leistungen waren nach den Akten zu tragen:
1. Noch vor Protokollierung des Schutzes von einem einheimischen Juden an
den herrschaftlichen Beamten 2 fl. und ein Hemd, bzw. ein weiterer Gulden;
2. bei der Auswanderung eine Nachsteuer von 12 fl., außerdem 10 Prozent
vom Werte des Hauses und 12 Prozent vom übrigen Vermögen, den vollen
Jahreszins und das volle Schutzgeld; 3. für die in Ichenhausen geborenen
Personen, die von dort auch den Schutz erhalten, unter dem Namen ‚Konsens’
10 fl. Der einheimische Jude, welcher eine Fremde heiratete, zahlte 15
fl., während der Herrschaft freistand, die Höhe dieser Gebühr zu
bestimmen, wenn beide die Ehe schließende Teile Fremde waren; 4. als
Bürgerrecht zahlte die einheimische Person 1.30 fl., die ortsfremde 3 fl.
und wenn beide Eheleute Ortsfremde waren, nach Konvenienz der Herrschaft.
Zu dieser Gebühr kam dann noch 1 fl. als ‚Schützengeld’; 5. als
jährliche Prästanda Küchendingt (= geld), Schächt-, Krautstrangen (=
Frohngeld), Herbergsgeld und Schutzgeld im Gesamtbetrag von 10 fl.; dazu
noch 1 fl. 30 kr. Grundzins von jedem Haus oder Hausanteil, sodass also
z.B. von einem Haus, das durch Erbschaft auf 5 Familien überkommen war,
fünfmal 1 fl. 30 kr. als Grundzins erhoben wurde; 6. Fallgelder, d.s.
Gebühren bei Sterbefällen und zwar für den gestorbenen Mann 6 fl., für
die gestorbene Frau 4 fl. und für ein Kind 2 fl.; 7. die ledigen Burschen
hatten ferner ein Fastnachtsgeld zu erlegen und jeder Hausanteileigner
musste dem Pfarrer eine Gebühr zahlen (jura Stolae) für den Entgang von
Einnahmen, die er hätte, wenn das Haus von Christen bewohnt würde.
Das waren schwere Lasten in jenen geldarmen Zeiten, und so ein Ichenhauser
Schutzjude hatte zu sprengen und zu rennen, bis er allein soviel verdient
hatte, dass er mit seinem Abgaben nicht im Rückstand blieb und dadurch
des Schutzes verlustig ging. Dafür aber gaben die Herren vom Stain ihren
Juden auch gute und klare Verträge auf festem, haltbarem Pergament, mit
großen Siegeln in die Hände und was noch mehr bedeuten wollte, sie
hielten sich und die Christengemeinde (Anmerkung: bis 1869 bestanden
zwei völlig getrennte Gemeinden: Erst seit Gesetz vom 3. Juli 1869
bildete die jüdische Gemeinde mit der christlichen eine einzige
politische Gemeinde mit gemeinsamer Rechnungsstellung etc.) auch
streng an diese Verträge gebunden. Das wollte aber etwas heißen in einer
Zeit, in der Kaiser Karl V. und sein Nachfolger Rudolf II. sehr freigebig
den Reichsstädten, Klöstern und freiherrlichen Ortsherrschaften das
Privilegium der ‚Judenfreiheit’ erteilten, d.h. das Vorrecht, ihre
Juden ‚ausschaffen’ zu dürfen und keine weiteren mehr aufnehmen zu
müssen, worauf sich dann auch die Städte ringsum wie Nördlingen,
Memmingen, Ulm, Regensburg, Günzburg, Burgau, aber auch die kleinen
Ortsherrschaften wie Thannhausen, Neuburg a. Kammel anschickten, sich
ihrer Juden zu ‚entledigen’.
Als indes zu Beginn des 19. Jahrhunderts die staatsbürgerlichen
Verhältnisse der Juden sich änderten, schlug das gute Einvernehmen ins
Gegenteil um. Ende des Jahres 1805 kam die Markgrafschaft Burgau an
Bayern. 1818 sicherte die Verfassung des bayerischen Staates auch den
Juden ein größeres Maß von Freiheiten und Rechten zu, wenn sie ihnen
auch nicht die volle staatsbürgerliche Anerkennung brachte. Im Jahre |
1829
versuchte die Judenschaft sich von den ihr auferlegten besonderen Lasten
an die Gutsherrschaft, die aus der Schutzgewährung herrührten, zu
befreien, da sich ihre bürgerlichen Verhältnisse inzwischen im
allgemeinen geändert und sich dadurch auch jenes zur Grundherrschaft
anderes gestaltet hätte.
Am 9. Mai und am 6. August wiederholt die Judenschaft in Ichenhausen in
einer alleruntertänigst treugehorsamsten Vorstellung und Bitte an ‚Seine
Majestät des Königs von Bayern allerhöchstes Staatsministerium des
Innern’ das Verlangen, einen Rechtszustand herzustellen, welcher die ‚Grenzen
der grundherrlichen Rechte wie die Pflichten der Judenschaft bezeichnet
und prozessualische Weitläufigkeiten entfernt’, da nämlich inzwischen
die Grundherrschaft ‚mit immer weniger Rücksicht, mit immer weniger
Schonung jedes Gefälle, selbst die so genannten Fallgelder, auf dem Wege
der Pfändung beigetrieben.’
Nun mag freilich niemand gern Steuern und Abgaben leisten, namentlich wenn
er sie für zu Unrecht angefordert hält. Es will aber auch niemand
freiwillig auf ein Recht verzichten, das seiner Meinung nach gar wohl
begründet und verbrieft ist und zudem so hübsche Summen einbringt. So
zog sich der Prozess eine lange Weile hin und ehe er nicht entschieden
war, wollten die Juden auch die strittigen Abgaben nicht mehr leisten.
Damit war freilich die Herrschaft nicht einverstanden und sie zog recht
ungnädige Saiten auf. Durch Trommelschlag wurden scharfe Maßnahmen gegen
die Zahlungssäumigen angedroht. Da beugten sich die meisten der Gewalt,
protestierten zwar – aber zahlten doch. Die anderen indes meinten, es
wurde keine Suppe so heiß gegessen wie gekocht und sie wollten es darauf
ankommen lassen.
Man hat vor 100 Jahren auch gut kochen können, wenn man etwas zu kochen
hatte und dass es daran den Frauen auf Sabbat nicht fehlte, ließen sich
die Männer schon angelegen sein. Wer aber nicht so viel verdiente, dass
es zu einem rechten Sabbatschmause langte, der bekam aus der Armenkasse
soviel gesandt, dass er an diesem Tage nicht darben brauchte. Es brozzelte
also in allen Küchen am Freitag und süßer Schaletduft drang aus den
Häusern. Es gab recht viele arme Juden damals in der Judengemeinde und
einer hat um jene Zeit sogar eine Hypothek auf seinen Synagogenstand von
der Gemeinde aufnehmen wollen, um das Reisegeld für seine Kinder nach
Amerika zusammenzukratzen. Aber ein paar zinnerne Teller, eine blank
geputzte funkelnde Messinglampe für Schabbos, ein silberner
Kidduschbecher fand sich doch fast in jedem Hause, um dem Sabbat
festlichen Glanz zu verleihen. Wer begreift daher den Schrecken der
Ichenhäuser, als am Freitag, dem 3. Juni 1831, just um die Zeit, als die
Hausfrauen den Sabbattisch gedeckt hatten, das Patrimonialgericht mit den
angedrohten Exekutionen (Pfändungen) begann? Der größte Teil der
Renitenten zahlte jetzt freiwillig, um die 15 kr. Pfändungsgebühr zu
sparen; aber was wollten jene machen, die kein Geld mehr im Beutel hatten?
Und so berichten denn die Akten weiter, dass das Gericht gepfändet habe,
bei Heinemann Abraham: 1 silberner Becher mit 10 ½ Lot, Wert 18 fl.,
geforderte Gebühr 5 fl.; Tannhauser Jainkl: 1 silberbeschlagene
Meerschaumpfeife, Wert 9 fl., geforderte Gebühr 3 fl.; Gerstle Abraham: 1
silberbeschlagene Pfeife, 1 silberne Uhr, Wert 10 fl., geforderte Gebühr
6 fl.; Hollender Josef: 1 Dzd. Messer und Gabeln, Wert 8 fl., geforderte
Gebühr 5 fl. 54 kr.; Ullmann Emanuel: 1 silberner Becher, Wert 7 fl. 30
kr., geforderte Gebühr 5 fl.; Bernheim Jainkl: 1 silbernes Messer mit
Gabel, Wert 7 fl. 30 kr., geforderte Gebühr 5 fl. 45 kr.; Semler Leopold:
2 silberne Bestecke 5/6 Lot, Wert 7 fl., geforderte Gebühr 5 fl. 30 kr.;
Gerstle Simon: 1 silbernes Salzbüchschen, Wert 6 fl., geforderte Gebühr
5 fl.; Kahn Samuel, 8 zinnerne Zeller, 1 Schalethafen, Wert 7 fl.,
geforderte Gebühr 5 fl. 30 kr.; Kahn Hirsch: 2 silberne Bestecke, Wert 7
fl. 12 kr., geforderte Gebühr 5 fl. 50 kr.; Bissinger, Elise: nichts
gefunden; Fischer, Jakob: 6 zinnerne Teller, 1 Zinnplatte, Zinnkannen, 1
Messingleuchter; Günzburger Lemle: 1 silbernes Salzbüchschen, 1
silberbeschlagene Meerschaumpfeife im Werte von 10 fl. 24 kr., geforderte
Gebühr 5 fl. 45 kr.
Ei war das eine Aufregung! Samuel Kahn und Jakob Bernheim mussten später
sogar wegen Widersetzung gegen die Obrigkeit in einem neuen Prozess vor
dem Königlichen Appelationsgericht für den Oberdonaukreis sich
verteidigen, weil sie gar so getobt hatten; doch hatte das Gericht ein
Einsehen und sprach sie frei. Es hatte wohl Verständnis dafür, dass man
den Schalethafen und das silberne Essbesteck nicht unmittelbar vor dem
Sabbat pfänden dürfe. -
Erst nach zehnjährigem Kampfe wurde der Prozess zwischen der
Gutsherrschaft und der Judenschaft durch einen Vergleich beendet, ohne
dass sich für die Juden viel geändert hätte. Erst das Jahr 1869
beseitigte die letzten Beschränkungen ihrer bürgerlichen Rechte. Wenige
Jahre vorher (1858) endete auch die Gutsherrschaft derer vom Stain nach
einer fast dreihundertjährigen, den Juden im Allgemeinen wohlwollenden
Ortsregierung." |
Aus der Geschichte des
Rabbinates
Ausschreibungen
der Stelle des Rabbiners (Distriktrabbiner / Bezirksrabbiner)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. April 1861: "Konkurs!
Behufs sofortiger Wiederbesetzung der hiesigen vakanten Rabbinatsstelle,
mit welcher ein jährliches Fixum von fl. 563 – dann ein nicht
unbedeutender Emolumenten-Ertrag und freie Wohnung verbunden ist, werden
Bewerber ersucht, ihre Qualifikations-Noten und Zeugnisse über Hatarat
Horaa, absolvierte Studien und Rednertalent längstens bis zum 1. Juni
laufenden Jahres an den unterfertigten Kultusvorstand portofrei
einzusenden. Ichenhausen, Königreich Bayern, den 5. April 1861.
Der israelitische Kultusvorstand: Daniel Einstein. J.B.
Seligmann." |
| Die in der konservativ-orthodoxen
Zeitschrift "Der Israelit" erschienene Anzeige wurde auch in der
liberalen "Allgemeinen Zeitung des Judentums" publiziert:
|
Anzeige in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. April 1861: "Konkurs.
Behufs sofortiger Wiederbesetzung der hiesigen vakanten Rabbinats-Stelle,
mit welcher ein jährliches Fixum von fl. 563, dann ein nicht
unbedeutender Emolumenten-Ertrag und freie Wohnung verbunden ist, werden
Bewerber ersucht, ihre Qualifikations-Noten und Zeugnisse über Hatarat Horaah, absolvierte Studien und Rednertalent längstens bis
zum 1. Juni laufenden Jahres an den unterfertigten Kultus-Vorstand
portofrei einzusenden. Ichenhausen (Königreich Bayern), den 5. April
1861.
Der israelitische Kultusvorstand. Daniel Einstein, J.B. Seligman." |
| |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Juni 1922: "Durch
den Tod des seitherigen Stelleninhabers, der fast 50 Jahre hier wirkte,
ist die Stelle eines Distriktsrabbiners mit dem Sitze in
Ichenhausen (Schwaben) wieder zu besetzen. Gehalt Mk. 50.000.-, außerdem
entsprechende Nebeneinnahmen. Geeignete Bewerber wollen Lebenslauf und
sonstige Belege bis 1. Juli einsenden an die Israelitische
Kultusverwaltung Ichenhausen." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. April 1924: "Die
durch das Ableben unseres Distriktsrabbiners des Herrn Dr. Cohn frei
gewordene Stelle des Rabbiners wollen wir wieder besetzen.
Bewerber, die die deutsche Reichsangehörigkeit besitzen, auf
gesetzestreuem Boden stehen und akademische Bildung haben, wollen sich
unter Beifügung von Zeugnissen melden. Gehalt: Gruppe 10 der
Reichsbesoldungsordnung. Israelitische Kultusverwaltung Ichenhausen
(Bayern)." |
| |
Anzeige
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Februar 1933:
"Infolge Ruhestandversetzung des bisherigen Stelleninhabers soll die
Stelle eines Bezirksrabbiners des Rabbinatsbezirks Ichenhausen mit
dem Sitz in Ichenhausen durch einen jüngeren, orthodoxen, akademisch
gebildeten Rabbiner neu besetzt werden. Die Anstellung erfolgt gemäß der
Beamten- und Besoldungsordnung des Verbandes Bayerischer Israelitischer
Gemeinden. Bewerbungen bitten wir an den Vorstand der Israelitischen
Kultusgemeinde Ichenhausen zu richten. Ichenhausen, den 23. Januar 1933.
Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde Ichenhausen. Julius Krämer,
1. Vorstand." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Januar 1933:
derselbe Text wie oben. |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. November 1936: "Infolge
Wegganges des bisherigen Stelleninhabers, soll die Stelle eines Bezirksrabbiners
des Rabbinatsbezirks Ichenhausen durch einen jüngeren, orthodoxen
Rabbiner neu besetzt werden. Es wäre erwünscht, wenn Unterricht in
Englisch und Iwrith erteilt werden könnte. Die Anstellung erfolgt gemäß
der Beamten- und Besoldungsordnung des Verbandes Bayerischer
Israelitischer Gemeinden. Bewerbungen bitten wir an den Vorstand der
israelitischen Kultusgemeinde Ichenhausen zu richten.
Ichenhausen, 16. November 1936.
Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde Ichenhausen. Julius
Krämer, 1. Vorstand." |
Feier
zum 70. Geburtstag von Rabbiner Isak Hochheimer (1860)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Oktober 1860: "Ichenhausen,
Ende Tischri 5621. Alles, was der Orthodoxie auch nur mittelbar nützlich
sein kann, mag billiger Weise Anspruch auf ein Plätzchen in Ihrem
geschätzten Blatte machen. In dieser Voraussetzung ersuche ich Sie,
nachstehenden Bericht über ein Fest, welches am ersten Sukkot-Tage hier
begangen wurde, zu veröffentlichen. Unser würdiger Herr Rabbiner Isak
Hochheimer, der schon zweiunddreißig Jahre segensreich in hiesiger
Gemeinde wirkt, und der sich ebenfalls dem Proteste gegen das Philippson’sche
Bibelwerk angeschlossen, erreichte am ersten Tage des verflossenen
Laubhüttenfestes seinen siebzigsten Geburtstag. Nur wenigen Vertrauten
war dies vorher bekannt, und sie beschlossen, dem würdigen Greise einen
schönen Ehrentag zu bereiten. Durch eine Kollekte war bald eine namhafte
Summe aufgebracht. Die Liste lag in einem Haus offen, und wer sich
anschließen |
wollte,
kam und unterzeichnete, und dies tat auch so ziemlich der größere Teil
der hiesigen Gemeindeglieder. Das geräumige Schullokal wurde entsprechend
dekoriert, alle Beteiligten fanden sich am Nachmittage des schönen Tages
dazu ein, wo dann der Jubilar durch ein Komitee abgeholt und eingeführt
wurde. Nach Enthüllung des Ehrengeschenkes, welches in zwei prächtig
gearbeiteten Armleuchtern bestand, dankte der ehrwürdige Greis gerührt
und gab die Versicherung seines ferneren Strebens zur Aufrechterhaltung
des alten Kultus, damit die Gemeinde auch ferner des Rufes einer wahrhaft
israelitischen Gemeinde würdig sei. Es wurden mehrere Toaste ausgebracht,
die alle die Anerkennung aussprachen, dass der würdige Rabbiner stets
bemüht war, Religiosität aufrecht zu erhalten und den Indifferentismus
nicht aufkommen zu lassen. Auch lässt es sich wirklich mit Bestimmtheit
behaupten, dass es in unserer Gemeinde, die als die zweitgrößte in
Bayern angesehen werden kann, keinen Entweiher des Schabbat, keinen
öffentlichen Religionsübertreter, und was, Gott sei Danke, noch mehr
hervorgehoben zu werden verdient, keine Reformsüchtigen gebe. Auch dies
dürfte nur dem klugen Wirken des Herrn Rabbiners zuzuschreiben sein, der
es vorzieht, lieber unter vier Augen zurechtzuweisen, als durch
öffentliches Verfahren und strafendes Einschreiten Widerwillen, Trotz
oder gar Unfrieden in der Gemeinde hervorzurufen.
Nicht vergessen darf werden, dass zu diesem schönen Feste, in Folge an
sie ergangener Einladung, auch die zwei hiesigen christlichen Geistlichen,
sowie ein Geistlicher eines Nachbarortes und die hiesige
Gemeindeverwaltung erschienen waren. Der würdige Herr Pfarrvikar, als
Vertreter seines von seltener und rühmenswerter Toleranz beseelten,
kranken Herrn Pfarrers Bauer, richtete eine Beglückwünschungsrede an den
greisen Jubilar, sprach seine herzliche Freude darüber aus, dass unter
den Bekennern beider Konfessionen die schönste Eintracht und wohltuender
Friede herrsche, und schloss mit dem Wunsche, dass dieses liebevolle
Verhalten immer ungestört fortwalten möge. Auch Privatgeschenke wurden
von hier und auswärts als Beweise der Achtung und Wertschätzung dem
würdigen Greise verehrt. Mögen die Wünsche, welche Herr Rabbiner
Hochheimer der Gemeinde, und die, welche die zahlreiche Gesellschaft ihm
darbrachte, in Erfüllung gehen und die Gemeinde wird sich immerhin ihres
Friedens mit Gott und ihres Friedens unter sich selbst zu erfreuen haben.
Für die orthodox-israelitische Bibelanstalt wird der Herr Rabbiner
nächstens eine Sammlung veranstalten, deren Ausfall recht ergiebig zu
sein verspricht." |
| |
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. November 1860: "Aus
Bayern, im Oktober. Ichenhausen, die zweitgrößte Israelitengemeinde des
Landes, feierte am 1. dieses Monats, dem ersten Tag des Laubhüttenfestes,
das 70. Geburtsfest ihres hochwürdigen Rabbiners, Herrn J. Hochheimer, in
höchst würdiger und gemütsvoller Weise, welches Zeugnis gibt, wie die
größeren Gemeinden immerhin das Verdienst ihrer Rabbinen zu würdigen
wissen, wie das fromme und bescheidende Wirken derselben allgemeine
Anerkennung findet und wie der Geist echter Toleranz unter den
katholischen Geistlichen sich doch noch vielfach in lobenswerter Art
kundgibt. Schon vier Wochen vor dem Feste wurde auf Anregung der Herren
Kultusvorsteher Daniel Einstein und J.R. Seligmann Vorbereitung hierzu
getroffen und Alles beeiferte sich, rege Teilnahme zu bekunden. Mittags 1
Uhr wurde der Jubilar in seiner Wohnung durch die Herren Lehrer und einem
gewählte Komitee feierlichst abgeholt, um sich mit denselben in das
Schulhaus zu begeben. Dort waren in dem festlich geschmückten Saale die
Kultusvorsteher, der Königliche Herr Schulinspektor, der Pfarrvikar,
viele Geistliche aus der Umgegend, die größere Schuljugend und der
größte Teil der Gemeinde, sowie die Magistratsmitglieder versammelt. Als
der Gefeierte eintrat, stimmte die Schuljugend ein für die Feier eigenes
verfasstes und von Herrn Kantor Weintraub in Musik gesetztes Lied an. Die
Vorsteher begrüßten und beglückwünschten denselben namens der Gemeinde
und überreichten ihm für dieselbe zwei äußerst kostbare silberne
Kandelaber. Herr Einstein hob in gehaltvoller Ansprache die Verdienste des
Rabbinen während seiner 33jährigen Amtsführung hervor. Dieser erwiderte
in kurzen, aber herzlichen und ergreifenden Worten. Dann traten auch die
katholischen Geistlichen zum Jubilar und beglückwünschten ihn, und der
Herr Pfarrvikar hat in geistvoller und gewählter Ansprache die Verdienste
desselben um die Schule, wie um Erhaltung des Friedens und der
brüderlichen Eintracht in der großen Gemeinde auseinandergesetzt. Da
blieb kein Auge tränenleer. Der angeredete Greis war tief ergriffen und
konnte nur in wenigen Worten seinen Dank aussprechen. Auch die anwesenden
Magistratsräte und einige Andere begrüßten den geliebten geistlichen in
herzlicher Anrede.
Viele überreichten noch sehr sinn- und geschmackvolle Geschenke. Auch von
Vielen, die seit mehreren Jahren von hier nach München und anderen Orten
übergesiedelt, kamen Beglückwünschungsadressen, begleitet mit
ansehnlichen Ehrengeschenken. Der Rest des Tages wurde in heiterer
Stimmung bei einem Mahle zugebracht, wobei gehaltvolle Toaste gesprochen
wurden. Abends brachte ein Sängerchor, unter Beteiligung vieler
christlicher Sänger, noch eine Serenade vor der Wohnung des Jubilars,
womit ein freundlicher, in den Annalen unserer Gemeinde denkwürdiger Tag
sich schloss." |
Rabbiner
Dr. Löb wirbt für sein Pensionat (1863)
Anzeige in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. November 1863: "In das Pensionat
des Unterzeichneten können sofort noch einige Zöglinge eintreten.
Unterricht: im Hebräischen, in den modernen Sprachen, den Real- und
Merkantilwissenschaften. Auf Verlagen in Latein und Griechisch.
Ichenhausen (Bayern). Dr. Löb."
|
Rabbiner
Meier Ettlingers Jeschiwa (Beitrag von 1866)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Mai 1866 (der Beitrag
handelt von den in Bayern vorhandenen Jeschiwot / Talmudschulen): "b. in Ichenhausen
hat Rabbiner Meir Ettlinger – seligen Andenkens -, ein Schüler
des Rabbiner Aron Fuld – seligen Andenkens – sehr viele Schüler
erzogen und zur Fortsetzung ihres Studium veranlasst; gegenwärtig wirkt
Rabbiner Dr. Löb innerhalb des unter gegenwärtigen Verhältnissen
Möglichen, durch sein Institut". |
Dank an
Rabbiner Dr. Löb (1867)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. November 1867: "Ichenhausen,
im November (1867). Dieser Tage überreichten die hiesigen israelitischen
Kultus-Vorsteher, die Herren D. Einstein und N. Heilbronner, denen sich
die Herren L. G. Koschland und S. Guttmann angeschlossen, dem Herrn
Rabbiner Dr. Löb, im Namen der Zuhörer der Sabbat-Nachmittag-Vorträge
desselben, mit einer Dankadresse eine äußerst pracht- und wertvolle Menora
schäl Chanukka (Chanukka-Leuchter).
Die Teilnehmer an diesen Vorträgen ehrten durch diesen Akten nicht nur
den Vortragenden, sondern mehr noch sich selbst, indem sie bekundeten,
dass ihnen die Tora und deren Deutung das höchste Kleinod sei und sie
ernst gemeinte, im Dienste der Wahrheit und Erkenntnis stehende
Bestrebungen zu würdigen und anzuerkennen wissen. Herr Dr. Löb war von
diesem unerwarteten Ausdruck der Freundschaft und Liebe äußerst
überrascht, und dankte tief ergriffen, hervorhebend, wie dieser Beweis
der Sympathie, den er nur auf Rechnung seines Wollens, nicht seiner
Leistungen setze, ihn ermutige und ermahne, auf der betretenen Laufbahn
auszuharren und weiter zu schreiten. Ein glückliches Resultat werde
sicher erreicht, so Rabbiner, Kultusführer und Gemeinde von demselben
Sinne durchdrungen, sich die Arbeit um Erhaltung unserer heiligen Religion
gegenseitig erleichtern und eben diesem erhabenen Ziele mit vereinten
Kräften und innigen Frieden zusteuern; und wenn sein (des Rabbiners)
Wirken unter Gottes Hilfe manchen Erfolg aufzuweisen habe, so sei dies
nicht sein Verdienst, sondern nur den vereinten Bemühungen und
Anstrengungen aller Beteiligten, dem liebevollen, opferfähigen und
opferwilligen Entgegenkommen der Gemeinde beizumessen." |
Rabbiner
Dr. Loeb wird zur Probepredigt nach Krefeld eingeladen (1869)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Mai 1869: "Ichenhausen,
Ende April (1869). Unsere israelitische Gemeinde befand sich dieser Tage
in der größten Aufregung. Es verbreitete sich nämlich die Kunde, dass
unser hoch verehrter Rabbiner, Herr Dr. Loeb, als erster Kandidat um das
Oberrabbinat zu Krefeld zur Probepredigt berufen sei. Die Gemeinde begriff
sofort, welch ein Verlust ihr drohe, wenn ihr Rabbiner, der seit seiner
siebenjährigen Amtsführung so Großes hier geleistet und sich hierdurch
die Sympathien aller Mitglieder ohne Ausnahme in höchstem Maße erworben,
den hiesigen Platz, der ein so schönes Feld der Wirksamkeit bietet,
verlassen würde. Von diesem Gedanken geleitet, richteten der Vorstand und
eine große Zahl der ehrenwertesten Gemeindemitglieder die
eindringlichsten Bitten an den Herrn Rabbiner und bestimmten hierdurch
denselben, dass er sich bereit erklärte, hier zu verbleiben.
Ehre der Gemeinde, die mit solcher Anhänglichkeit an ihrem Hirten hängt
und jedes Opfer bringt, sich denselben zu erhalten; Ehre dem Rabbiner, der
diese Anhänglichkeit zu schätzen weiß und im Bewusstsein, hier ein – Gott
sei Dank – gesegnetes Feld der Tätigkeit zu haben, gerne auf
äußere Vorteile verzichtet. Mehrere Gemeindemitglieder." |
Zum Tod der Mutter von Rabbiner Dr. Löb (1871)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. April 1871: "Nekrolog.
Ichenhausen. Ende Februar wurde die Mutter unseres verehrten Herrn
Rabbinen Dr. Löb zu Grabe getragen, deren Tugenden nicht nur hier,
sondern auch in der weiten Ferne so bekannt waren, dass wir nicht umhin
können, unserem tief gefühlten Schmerz über ihren so unerwarteten
Hintritt öffentlich Ausdruck zu geben. Die Verklärte war eine biedere,
edle Frau, welche stets bemüht war, Gutes auszuüben, Arme zu
unterstützen, Friede herzustellen, und mit Hinansetzung eigenen
Interesses das Wohl ihrer Nächsten fördern zu helfen. Ihr einziger Sohn,
Herr Rabbiner Dr. Löb, hielt mit gepresstem herzen am Grabe der
Verklärten die Trauerrede, welche von dem größten Teile der Gemeinde
mit lautloser Stille unter Strömen von Tränen vernommen wurde. Dabei
verdient erwähnt zu werden, dass nicht nur der praktische Arzt, Herr Dr.
Rapp, sondern auch der katholische Ortsgeistliche, Herr Pfarrer Meier, dem
Leichenzuge sich anschlossen und Letzterer sogar der Trauerrede anwohnte,
ein Zeichen sowohl der allgemeinen verdienten Hochachtung, deren sich die
Verblichene zu erfreuen hatte, als auch namentlich ein Beweis der
rühmenswerten Humanität des ehrwürdigen Herrn geistlichen und der
erfreulichen Eintracht der hiesigen Einwohnerschaft. Möge diese auch in
anderen paritätischen Orten statthaben, und das humane Vorgehen unseres
Herrn Pfarrers überall Nachahmung finden. D.E." |
Zum
Tod von Rabbi Koppel Ullmann (1886)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. März 1886: "Ichenhausen,
22. März (1886). Vor vier Wochen haben wir einen Mann zu grabe getragen,
der es wohl verdient, dass ihm ein Nachruf gewidmet werde. Rabbi Koppel
Ullmann – das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen – wurde
nach kurzem Krankenlager in ein besseres Jenseits abberufen, um dortselbst
den Lohn zu empfangen für seine treue, musterhafte Pflichterfüllung. Mit
Recht darf von diesem Manne behauptet werden, dass er sein ganzes Leben
der Pflichterfüllung gewidmet hatte. Wem die Gelegenheit geboten war, das
Leben dieses Mannes kennen zu lernen, der musste innewerden, welch einen
veredelnden Einfluss unsere heilige Tora hat auf den, der sie erfasst und
zu üben vermag. Sein ganzes Tun und Lassen suchte er mit den Gesetzen
unserer heiligen Lehre in Einklang zu bringen; ebenso war er bestrebt,
seine Kinder zu guten Jehudim zu erziehen, in welchem Bestreben er von
seiner würdigen Gattin lebhaft unterstützt wurde. Seine Familie verliert
daher in ihm einen liebevollen Gatten und Vater, wir verlieren in ihm
einen teuren Lehrer und Freunde; unsere Gemeinde verliert ein ihrer
schönsten Zierden und das ganze Judentum einen seiner treuesten Träger
und Verfechter. Eine besondere Beschäftigung war es, durch die sich der
Verblichene unsterbliche Verdienste erworben hat. Es bestand hier seit
Langem die schöne Einrichtung, dass man die noch nicht schulpflichtigen
Kinder zu Rabbi Ullmann – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen
– schickte, damit er sie beaufsichtigte und sich mit ihnen beschäftige.
Die Kleinen erlernten hier Hebräisch lesen, alle Segenssprüche
und es wurde ihnen ein solcher Sinn für Jüdischkeit eingepflanzt, dass
gewiss viel mehr gute Jehudim aus unserer Gemeinde hervorgegangen wären,
wenn nicht leider viele Eltern ihre Kinder im 12. und 13. Lebensjahre in
solche Schulen schickten, wo sie den Sabbat entweihen (sc. z.B. am
Sabbat schreiben müssen); dass nach Absolvierung der Schuljahre dann
auch nicht nach Stellen in religiösen Häusern getrachtet wird, braucht
wohl nicht gesagt zu werden.
Welchen Schmerz und Kummer verursachte es dem teueren Verblichenen, wenn
der eine oder andere seiner früheren Zöglinge, die mit besondere Liebe
dem Jüdischen anhingen, nach Ulm oder Augsburg übersiedelte, weil er zu
gut wusste, dass selbst die hellste Flamme, wenn ihr die Nahrung entzogen
bleibt, nach und nach erlischt. Dass es ein solch wackerer Mann an
Ermahnungen gegenüber den betreffenden Eltern nicht fehlen ließ und
ihnen namentlich vorstellte, dass sie Alles, was sie für ihre Kinder in
Ulm und Augsburg zu erzielen wünschen, gerade ebenso in Fürth und
Pfungstadt etc. erreichen könnten, versteht sich von selbst.
Obwohl der Unterricht mit vorerwähnten Kleinen und derjenige mit
größeren Kindern in den fünf Büchern Moses und Raschi und der
jüdischen Geschichte ferner einige gewerbliche Beschäftigungen seine
ganze Zeit in Anspruch nahmen, wusste er dennoch so viel Zeit
herauszubringen, um sich ständig mit der Tora zu beschäftigen.
Dass er morgens und abends ein regelmäßiger Besucher des Gotteshauses
und bei dem dreimal in der Woche stattfindenden Schiur Gemara
(Lernstunde zu Talmudtexten) ein nie fehlendes Mitglied war, bedarf wohl
keiner besonderen Erwähnung.
Auch manches jüdische Institut wird in dem Hinscheiden dieses Rabbi
Koppel Ullmann – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen –
einen seinen Förderer zu beklagen haben, wie er auch vielen verschämten
Armen fehlen wird, für die er, da er selbst über Reichtum nicht zu
verfügen hatte, von Zeit zu Zeit Gaben sammelte. Das Leben und
Wirken dieses edlen Mannes möge zur Nachahmung aneifern und sich so der
Sprache erfüllen: das Andenken an den Gerechten ist zum Segen." |
Zum Tod von Oberrabbiner Dr. Elieser Löb in Altona,
ehemals in Ichenhausen (1892)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Februar 1892: "Ichenhausen,
5. Februar (1892). Die Nachricht von dem Hinscheiden des Herrn
Oberrabbiners Dr. Elieser Löb – das Andenken an den Gerechten ist
zum Segen – in Altona hat auch in hiesiger Gemeinde, dem Orte seiner
ehemaligen langjährigen Wirksamkeit die tiefste Trauer hervorgerufen, und
die sich überall bekundende Teilnahme zeigt so recht, welch ein inniges
und liebevolles Andenken dem edlen Verblichenen und seiner geehrten
Familie in hiesiger Gemeinde bewahrt geblieben ist. Die telegraphische
Trauerbotschaft ist hier leider mit Verspätung eingelaufen, sodass es
unserem verehrten Rabbiner in Begleitung eines unserer Herren Vorsteher
nicht mehr möglich war, zum Leichenbegängnisse rechtzeitig eintreffen zu
können. Dagegen versammelte sich die ganze Gemeinde am vergangenen
Sonntagnachmittag zu einer Gedächtnisfeier in der Synagoge; der Eindruck,
den diese Feier auf alle Anwesenden machte, war ein überwältigender, der
die Gemüter nicht nur mit Schmerz, sondern auch mit einem edlen Stolze
erfüllte. Die geehrten Leser des ‚Israelit’ haben schon von Mainz,
Altona und Hamburg aus vernommen, welch ein hervorragender Talmid
Chochom (Gelehrter) und außergewöhnlich edler Mensch der Betrauerte
gewesen; unser geehrter Rabbiner, Herr Dr. Cohn – sein Licht leuchte,
der Trauer über den großen Toten in tief empfunden Worten Ausdruck
gebend, legte uns dar, wie Dr. Löb – das Andenken an den Gerechten
ist zum Segen – in hiesiger Gemeinde Tora, Gottesdienst und
Wohltätigkeit in ausgedehntestem Maße zur Entfaltung brachte und wie
es hauptsächlich seiner großartigen Wirksamkeit zu danken sei, dass
heute noch echt jüdisches Leben in hiesiger Gemeinde – Gott sei Dank
– pulsiere. Die tief durchdachte Trauerrede ausführlich und getreu
wieder zu geben, bin ich nicht imstande; im Anschlusse an dieselbe wurde
von unserem Kantor, Herrn Perlmutter, das El Male Rachamim (‚Gott
voller Erbarmen…’) in herzergreifender Weise vorgetragen.
Die meisten Mitglieder der hiesigen Gemeinde haben das Glück gehabt, Dr.
Löb – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen –
persönlich gekannt zu haben und ich kann mit wahrhafter Freude
konstatieren, dass die Hochachtung und Liebe, welche sich der Verblichene
durch seinen edlen Charakter, sein ehrliches, wahrheitsliebendes Wesen und
seine unbegrenzte Mildtätigkeit – lauter Produkte seiner echten und
wahren Frömmigkeit – erworben, in den Herzen Aller feste Wurzel gefasst
haben. Das Andenken eines wahrhaft Frommen bleibt unvergessen und die
Erwähnung seiner Tugend gereicht der Welt zum Segen, wie es der weise
König – seligen Andenkens – mit den Worten lehrt: das Andenken an
den Gerechten ist zum Segen. H.L." |
Anzeige
der Rabbiner Dr. Cohn (Ichenhausen) und Dr. Werner (München): Betreuung der
israelitischen Insassen der Idiotenanstalt zu Ursberg bei Krumbach (1902)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Juli 1902: "Schon
seit langer Zeit beschäftigt uns die Sorge, den an Geist und Körper
verkümmerten israelitischen Unglücklichen in Bayern, die jetzt entweder
in Privathäusern notdürftig untergebracht werden, oder in
nichtjüdischen Anstalten ein deren Bestimmungen entsprechendes Leben
führen müssen, eine Zufluchtsstätte zu schaffen, an welcher sie den
Anforderungen unserer heiligen Religion gemäß gehegt und verpflegt
werden können. Alle Versuche, die wir bisher zu diesem Zwecke unternommen
hatten, scheiterten jedoch an der Schwierigkeit, die für die erste
Einrichtung erforderlichen bedeutenden Mittel aufzubringen. Die auf der
letzten bayerischen Rabbiner-Konferenz empfangenen Anregungen veranlassten
uns nunmehr, diese wichtige Angelegenheit mit größerer Energie zu
verfolgen; und es erfüllt uns mit inniger Freude, Ihnen mitteilen zu
können, dass der weitbekannte, edle und hochherzige Wohltäter, Seiner Hochwürden
Herr Superior Ringeisen sich bereit erklärt hat, in seiner segensreich
wirkenden Idiotenanstalt zu Ursberg bei Krumbach (Distrikts-Rabbinat
Ichenhausen), die zur Zeit 1340 Insassen zählt, unter unserer
religiösen Aufsicht eine jüdische Anteilung zu errichten, in welcher den
aufgenommenen Unglücklichen unseres Glaubens rituelle Kost verabreicht
und Gelegenheit geboten werden soll, Religionsunterricht zu empfangen und
einem Gottesdienste anzuwohnen.
Um nun zu beurteilen, ob zu diesem Behufe der Bau eines besonderen Hauses
nötig sein sollte, wünscht der hochwürdige Herr Superior zu erfahren,
für wie viele jüdische Idioten ungefähr zunächst eine Aufnahme beansprucht
werden würde. Wir ersuchen Sie daher, baldmöglichst dem unterfertigen
Dr. Cohn-Ichenhausen ohne jede Verbindlichkeit Auskunft darüber erteilen
zu wollen,
1) wie viele Unglückliche (männliche und weibliche) aus Ihrer Gemeinde
und Ihrem Rabbinatsbezirke voraussichtlich in der jüdischen Abteilung der
Idiotenanstalt untergebracht werden sollen;
2) ob eine einmalige oder eine alljährliche Entschädigung und in welcher
Höhe für jeden einzelnen derselben mit Angabe der Namen entrichtet, oder
ob wegen Leistungsunfähigkeit der Angehörigen und der Heimatgemeinden
eventuell unentgeltliche Verpflegung beantragt werden muss.
Indem wir überzeugt sind, dass Sie mit voller Bereitwilligkeit Ihre
Kräfte dieser großen Mizwoh widmen werden, grüßen wir Sie herzlich und
zeichnen Ichenhausen im Juli (1903)
Distrikts-Rabbiner Dr. Cohn - Ichenhausen, Distrikts-Rabbiner Dr. Werner -
München, Kultusvorsteher Oettinger-Hürben-Krumbach." |
Zum Tod von Rabbinatsassessor
A.H. Goldberg (1921)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. August 1921: "Personalien.
Rabbinatsassessor A. J. Goldberg – das Andenken an den Gerechten ist zum
Segen. Ichenhausen, 29. Juli (1921). Von einem schweren, in seiner ganzen
Größe noch nicht zu ermessenden Verlust wurde die hiesige Kultusgemeinde
und mit ihr ganz Israel durch das am 12. Tamus erfolgte Ableben des Herrn
Rabbinatsassessors A. J. Goldberg betroffen. Mit ihm ist eine jener
Persönlichkeiten dahingegangen, wie sie leider in heutiger Zeit immer
seltener zu finden sind. Ausgestattet mit allen Vorzügen des Geistes,
betrachtete er es als seine vornehmste Aufgabe, von seinem
unergründlichen Wissen in Bibel, Talmud und den Auslegungen
Anderen mitzuteilen und nicht gering ist die Zahl derer, die er in die
Urquellen des jüdischen Wissens einführte und der schon
Fortgeschrittenen, die er ihren Fähigkeiten entsprechend, weiter
belehrte. Seine hervorragenden, talmudischen Kenntnisse fanden unter
anderem auch darin ihre Würdigung, dass viele Große unseres Geschlechts,
selbst aus Russland und Erez Israel wegen halachischer
Entscheidungen in brieflichen Gedankenaustausch mit ihm eintraten und sein
vor mehreren Jahren in der Öffentlichkeit erschienenes Werk … legt
beredtes Zeugnis von seinem talmudischen Wissensschatze und seiner
Gedankentiefe ab. Und – was ihm im Studium heilig war, das übertrug er
auch aufs praktische Leben. Mit heiligem Ernst und freudiger Gesetzestreue
widmete er sich selbst unter den schwierigsten Verhältnissen der
Erfüllung der Gebote Gottes und besondere Befriedigung erfüllte
ihn, wenn er Anderen in seinem Beispiel Anlass zu gleich frommer
Betätigung gab. Sein Haus war stets eine Zufluchtstätte der Armen und
Bedrängten und obwohl selbst von den Sorgen des Alltags nicht verschont,
verließ ihn doch niemand ohne Unterstützung in Rat und Tat. Seine
aufrichtige Frömmigkeit, seine beispiellose Bescheidenheit und
Herzensgüte ließen ihn die Sympathien Aller, die ihn kannten, gewinnen.
Als Vorbeter und Baal Tokea an den ehrfurchtgebietenden
Tagen verstand er es, durch seine tiefster Andacht entspringende
Vortragsweise sein Zuhörer in heiliger Ergriffenheit mit zu begeistern.
Seiner Familie war er ein aufopfernder, besorgter Vater, der Gemeinde ein
hingebungsvoller Lehrer und Berater, dem Verein ‚Talmud Tora’
widmete er während 33 Jahren seine Kraft durch Abhaltung von Vorträgen,
die von echt jüdischer Begeisterung durchweht, belehrend und erzieherisch
wirkten.
Die Bestattung gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung der
Anhänglichkeit und Verehrung und zeigte auch äußerlich die große
Trauer um den teuren Entschlafenen. Am Grabe sprach in Abwesenheit des
Herrn Rabbiners, Herr Lehrer J. Blum, in bewegten Worten der allgemeinen
Klage Ausdruck gebend und zeichnete in Anlehnung an den laufenden
Wochenabschnitt ein getreues Lebensbild des Verklärten, sodann sprachen
ein Sohn im Namen der Familie, den teuren Vater zugleich als Magen HaIr
(Schild der Stadt) bezeichnend, Herr Lehrer M. Schuster als
Schwiegersohn und Herr Emil Gerstle, als Vorstand des Talmud
Tora-Vereins, der den Dank für das segensreiche Wirken innerhalb des
Vereins zum Ausdruck brachte. In der Abteilung des Friedhofes, in der die
früheren Großen der Gemeinde ruhen, wurde auch das, was sterblich an ihm
war, der Erde übergeben. Wir haben einen geraden und verlässlichen
Mann von uns gehen sehen, sein Geist aber möge in unserer Mitte
weiter leben und sein Wirken segensreiche Folgen zeitigen uns und ganz
Israel. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
Zum Tod von
Distriktsrabbiner Dr. Aron Cohn (1922)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 31. März 1922: "In
Ichenhausen ist Rabbiner Dr. Aron Cohn im Alter von 82 Jahren verschieden.
Er wurde als Sohn des Klausrabbiners und Dajan Jekew Cohn in Altona
geboren und hat in Ichenhausen fast ein halbes Jahrhundert gewirkt." |
| |
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. März 1922: "Ichenhausen,
15. März (1922). Distriktsrabbiner Dr. Cohn ist im hohen Greisenalter
heute verschieden. Eine ausführliche Würdigung seiner Persönlichkeit
und Lebenswirksamkeit bleibt vorbehalten." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. März 1922: "Personalien.
Distriktrabbiner Dr. Aron Cohn – das Andenken an den Gerechten ist
zum Segen -. Ichenhausen in Schwaben, 20. März (1922). ‚Und sie
kamen bis zur Tenne Arad, die jenseits des Jordans und hielten dort eine
große und sehr schwere Klage. Da sah die Einwohnerschaft des Landes die
Trauer in der Tenne Arad und sprach: ‚Eine schwere Trauer ist das für
Ägypten?’ (1. Mose 50, 10-11).
Wahrlich, zu einem Tage schwerer Trauer wurde für die Kultusgemeinde
Ichenhausen und die ihr angeschlossenen Distriktsgemeinden der Tanis
Esther, der Jahrzeitstag des früheren Rabbiners Isaak Hochheimer – das
Andenken an den Gerechten ist zum Segen -, da nun auch der Mann an
diesem Tage zur ewigen Ruhe entschlummerte, der fast ein halbes
Jahrhundert hindurch ihr geistiger und religiöser Führer bis zu seinem
Todestage gewesen ist. Am Tage nach Purim wurde Distriktsrabbiner Doktor
Aron Cohn, ein Sohn des berühmten Rebbe Jakob Cohn, Dajon am Bes Din
(Richter am Rabbinatsgericht) zu Altona (der noch Schüler des Chasam
Sofers war) und Schüler des Rabbi Jacob Norden und Rabbi Jisroel
Hildesheimer auf das Bes Olom (Friedhof) geleitet. In würdiger Weise
hatte die Kultusverwaltung dafür Sorge getragen, dass, der Ehre des
großen Toten entsprechend, der ganzen Gemeinde noch einmal die Schwere
des Verlustes anlässlich der Beisetzung zum Bewusstsein komme. Vom
Trauerhause wurde der Sarg von Männern der Chewroh kadischo in
die Synagoge getragen. Dort zeichnete, nach Psalmgesängen, vorgetragen in
ergreifender Weise von dem Synagogenchore unter der bewährten Leitung des
Herrn Oberkantors Schwarz, im Auftrage der israelitischen Kultusgemeinde
Ichenhausen, Herr Distriktsrabbiner Dr. Brader von Ansbach, selbst ein
Schüler des Verklärten, im Anschluss an Maleachi 2,6 ein anschauliches
Bild von dem großen Geistesfürsten in Israel. Er schilderte sein reiches
Wissen, seine gewaltige Kraft der Rede, seine tiefe Frömmigkeit und seine
opferbereite Nächstenliebe und fand treffliche Worte zur Kennzeichnung
der an Selbstverleugnung grenzenden Friedensliebe dieses Mannes, der ein
Priester und Lehrer allzeit der Mahnung unserer Weisen eingedenk blieb:
‚Groß ist der Friede.’
Am Grabe dankte Herr Lehrer Blum im Auftrage der Kultusverwaltung dem
Verewigten für sein segensreiches Wirken in der Gemeinde, für seine
geistvollen Vorträge in den frommen Vereinen, für seine Hingebung als
Vorbeter am Versöhnungstage, für seine ersprießliche Tätigkeit als
Religionslehrer an der israelitischen Volksschule, sowie für die treuen
Ratschläge, die er als Schriftführer der israelitischen
Gemeindeverwaltung so oft erteilt hatte. Herr Rabbiner Dr. Bärwald –
München, sprach im Namen der bayerischen Rabbinerkonferenz, deren
Gründer und Ehrenvorsitzender der Dahingeschiedene gewesen, aus bewegtem
Herzen Worte des Dankes und der Anerkennung für die selbstlose,
aufopfernde Tätigkeit aus. Insbesondere schilderte er die großen
Verdienste, die der edle Mann um die Gründung und Ausgestaltung der
Reliktenkasse bayerischer Rabbiner sich erworben hatte, der es durch seine
Tätigkeit manche Witwe zu verdanken habe, wenn Not ihr ferngehalten
werde, gleichwie sie es ermöglichte, mancher Waise aus einem
Rabbinerhause eine bessere Erziehung angedeihen zu lassen. Auch im Namen
der Kultusgemeinde Nakel in Westpreußen, in der der Verewigte zuerst
gewirkt, sprach er Worte des Dankes.
Im Auftrage der Lehrer der Distriktsgemeinden rühmt Herr Hauptlehrer
Gutmann von Oettingen, gleichfalls ein Schüler der Verstorbenen, in
beredten Worten das große Lehrergeschick des teuren Rabbi, durch das er
es verstanden hatte, getreu der Mahnung unserer Alten, die Kinder nach
ihrer Individualität zu erziehen. Herr Bankdirektor Rosenfelder,
Nördlingen, stattete den Dank der Distriktsgemeinden ab, indem er
insbesondere rühmend hervorhob, dass Herr Dr. Cohn lange Jahre als
Rabbinatsverweser der Gemeinde Nördlingen auf jedes Honorar für diese
Tätigkeit verzichtet hatte. Für den Gesangverein ‚Zijon’ sowie für
die Chewroh ‚Bikkur Cholim’ sprach der Vorstand dieser Vereine, Herr
Moses Thalmann, ergreifende Worte des Abschieds für ihr Ehrenmitglied.
Herr Lehrer Rosenblatt – Memmingen dankt nochmals dem vertrauten Freunde
seines Hauses in herzlicher Weise für alle Liebe und Freundschaft,
während Herr Lehrer J. Koschland, ein Neffe des Verklärten, der aus
Beuel – Bonn herbeigeeilt war, rührende Worte des Trostes im Sinne des
Verstorbenen an die Verwandten richtete und zugleich dem Danke derselben,
wie der grenzenlosen Verehrung, die sie für ihr Familienhaupt hegten,
ergreifenden Ausdruck verlieh. Im Namen des Stadtrates sowie des
Armenrates beklagte Herr Bürgermeister Thaler den Verlust dieses Mannes,
der durch seine Friedensliebe dazu beigetragen hatte, das |
einträchtige
Verhältnis aufrecht zu erhalten, das hier allzeit unter den Konfessionen
herrschte.
Ein fast unübersehbarer Trauerzug unter Führung des Krieger- und
Soldatenvereins, dessen Ehrenmitglied der Verstorbene gleichfalls gewesen,
des Gesangvereines, sowie der israelitischen Schulen mit ihren Fahnen
hatte dem heimgegangenen Lehrer das letzte Geleit gegeben. Der Vorstand
des Bezirksamts, die Vorstandschaft der protestantischen Kirchengemeinde,
die beiden Bürgermeister der Stadt, der Stadt- und Armenrat, sowie ein
zahlreiches Gefolge aus allen Berufsschichten bezeugten die Liebe und
Verehrung, die dem würdigen Rabbiner entgegengebracht worden war. Möge
Gott seiner leidgebeugten Gattin, die in seltener Treue als eine echte
wackere Frau dem Gatten zur Seite gestanden, sowie den Kindern und
Anverwandten Trost spenden. In der Gemeinde wie im Distrikt wird das
Andenken dieses Gerechten in Ehren gehalten werden. Seine Seele sei
eingebunden in den Bund des Lebens." |
Danksagung nach dem Tod von Distriktsrabbiner Dr. Ahron
Cohn (1922)
Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. April 1922: "Danksagung.
Für die uns von allen, allen Seiten bewiesene herzliche Teilnahme beim
Hinscheiden unseres teuren, unvergesslichen Gattung und Vaters
Herrn Distriktsrabbiner Dr. Ahron Cohn – das Andenken an den
Gerechten ist zum Segen –
sagen auf diesem Wege unseren tief gefühlten Dank Fanny
Cohn und Kinder. Ichenhausen (Bayern), 9. April 1922." |
Rabbiner
Dr. Neuwirth wird nach Ichenhausen berufen (1924)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. August 1924: "Ichenhausen,
15. August (1924). Herr Rabbiner Dr. Neuwirth, der 23 Jahre bei der
Religions-Gesellschaft in Bingen als Rabbiner wirkte, wurde als Rabbiner
nach Ichenhausen (Bayern) berufen." |
Amtseinsetzung von Rabbiner Dr. Neuwirth (1924)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Oktober 1924: "Personalien.
Ichenhausen, 7. September (1924). Zu einer erhebenden Feier von
nachhaltigstem Eindruck gestaltete sich die am gestrigen Sabbat erfolgte
Amtseinsetzung des Herrn Rabbiner Dr. Neuwirth als Nachfolger des
unvergesslichen Dr. Cohn als Distriktsrabbiner von Ichenhausen. Die Nöte
der Inflation hatten verursacht, dass dieses altehrwürdige Rabbinat 2 ½
Jahre unbesetzt blieb und so war die Freude allgemein, als es nach Überwindung
größter Schwierigkeiten den rastlosen Bemühungen der Kultusverwaltung
gelungen war, allen Hemmungen zum Trotz opferwillig die Frage der
Wiederbesetzung zu lösen und in der Person des Herrn Dr. Neuwirth in
Bingen einen würdigen Wahrer und Hüter der Tradition für die Gemeinden
unseres Distrikts zu gewinnen. Die am Freitagabend in schlichtem Rahmen
veranstaltete Einführungsfeier bleibt eine unvergessliche, kostbare
Erinnerung aller Teilnehmer. Kultusverwaltung und Vertreter der
Distriktsgemeinden holten ihr neues geistliches Oberhaupt aus seiner
Amtswohnung ab, um es ins Gotteshaus zu geleiten. Festlich gekleidete
Kinder mit Blumen und Fähnchenschmuck bildeten Spalier, das Gotteshaus
selbst war mit Girlanden und Blattpflanzen reich verziert. Der durch die
Mitglieder des Gesangvereins ‚Zion’ verstärkte Synagogenchor begrüßte
mit den feierlichen Klängen des Boruch
habo, einstudiert durch Herrn Oberkantor Schwarz, den sichtlich
Ergriffenen. In einer von der Größe der Verantwortung durchdrungenen,
tief durchdachten Ansprache rief nun der erste Kultusvorstand, Herr Julius
Krämer, dem neuen geistigen Führer der Gemeinde Worte herzlichen
Willkommens zu, dabei der Erwartung Ausdruck verleihend, die die ganze
Gemeinde an diesen Tag knüpft und das uneingeschränkte Vertrauen aller
Kultusmitglieder zu dem selbst gewählten Rabbinen betonend. Zugleich
sprach er innigen Dank aus seiner Verwaltung für die getreulich
mitgetragenen Sorgen und Arbeiten, seiner Gemeinde für die bewiesene
Opferwilligkeit, Herrn Distriktsrabbiner Dr. Brader von Ansbach, einem
Sohne unserer Kultusgemeinde, der es sich nicht hatte nehmen lassen, persönlich
die Amtseinführung des Rabbiners durch seine Anteilnahme zu einer
weihevollen zu gestalten, für seine uneigennützige vertretungsweise
Amtsführung während der ganzen Interimszeit sowie Herrn Lehrer Blum für
die Wahrung religiöser Belange. Hierauf sprach in zu Herzen gehender
Weise Herr Distriktsrabbiner Dr. Brader und beglückwünschte Gemeinde und
Rabbiner.
Tief ergriffen antwortete Herr Rabbiner Dr. Neuwirth. Er wies darauf hin,
dass nur der Wunsch, ein größeres reicheres Feld der Wirksamkeit zu
finden, ihn veranlasst habe, nach 23jähriger Tätigkeit bei der
Israelitischen Religionsgesellschaft in Bingen dem Rufe einer altehrwürdigen
Gemeinde Folge zu leisten. Er zitierte den Geist seines seligen Vorgängers,
von ihm Segen und Gelingen für sich und sein Werk erflehend. Dann
erstattete er heißen Dank für das ihm gewährte Vertrauen, gelobte Treue
und Liebe der Gemeinde, dem Berufe und dem Staate und versprach ein Wahrer
und Förderer des konfessionellen Friedens zu sein.
Die eigentliche Antrittspredigt hielt Herr Dr. Neuwirth am anderen Tage
nach Beendigung des Schachris-Gebetes. Die Kleidung des Hohenpriesters
symbolisch auffassend, entwarf er ein Bild von der Stellung und den
Aufgaben eines Rabbiners, das in seiner hohen, idealen Berufsauffassung
und in seiner aus der Tiefe eines selbstlosen, gläubigen Herzens
quellenden Reinheit zu den Herzen seiner Gemeinde sprach und sie
begeisterte für ihren neuen Führer. Möge Gemeinde und Rabbiner in
frohen Tagen und glücklichen Anlässen zusammenwachsen lassen und reichen
Segen dem Werke des ehrwürdigen Rabbiners spenden." |
Zum
Tod von Fanni Cohn, Witwe von Rabbiner Dr. Aron Cohn (1931)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. April 1931: "Ichenhausen, 20. März (1931). Am 8. Adar durcheilte die hiesige
Gemeinde die Schreckenskunde. Frau Fanni Cohn,
die Gattin unseres verstorbenen unvergesslichen Rabbiners Dr. Ahron Cohn
ist nicht mehr. In tragischer Weise wurde sie aus dem leben abberufen.
Nach einem mehrwöchentlichen Aufenthalte bei ihren Hamburger Kindern war
sie auf der Heimreise in der Nähe Ansbachs im Alter von 79 Jahren einem
Herzschlage erlegen. Überaus schmerzlich ist der Verlust, den unsere Gemeinde erlitten hat. Eine wackere
Frau in des Wortes tiefster Bedeutung ist von uns gegangen. Das Leben
dieser edlen Frau war eine Kette von Gebotserfüllungen und guten Taten.
Mehr als 30 Jahre leitete die Dahingeschiedene in einer geradezu
vorbildlichen Weise unsere Frauen-Chewra
(Frauenverein). Kaum lässt es sich schildern, was die Verstorbene für
das innere Leben unserer Gemeinde bedeutete. Sie war die einzige Frau, die
noch die alten üblichen Traditionen
aufs Genaueste kannte, die in Fragen des Kaschrut
die rabbinischen Entscheidungen
aufs peinlichste beherrschte und befolgte. Ob es galt, seelischen Schmerz
zu lindern, Kranken Trost und Hilfe zu bringen oder ihnen die letzte
Stunde zu erleichtern, stets war unsere liebe ‚Frau Dr. Cohn’ mit an
erster Stelle. Wollten arme Durchwanderer ihre Unterstützung
– sie gingen zu ihr, der langjährigen Vorsitzenden unseres Unterstützungsvereins.
Kam die Zeit von Pessach oder Rosch
haSchana heran, da war es wiederum sie, die unermüdlich von Haus zu
Haus ging, um das Challe-Geld zu
sammeln, das den Armen des Erez
Israel zugute kam, an denen ihr Herz in unendlicher Treue hing. Gibt
es aber Worte, die unbeschreiblich große Liebe und Güte zu schildern,
die sie in ihrer Aufgabe als Mutter erblickte? Sie glich der ‚heiligen
Krone’, zu der ihre Kinder, Enkel und Urenkelchen in tiefster Ehrfurcht
aufblickten. Die ganze Gemeinde, Freund von fern und nah, geleiteten die
Verstorbene auf ihrem letzten Wege. Herr Distriktsrabbiner Dr. Neuwirth
zeichnete bewegten Herzens das Lebensbild der Gattin seines verstorbenen
Amtsvorgängers, die sich die Erfüllung von Tora,
Gottesdienst und Wohltätigkeit zur Lebensaufgabe gemacht hatte. Herr
Hauptlehrer Hammelburger sprach der Dahingeschiedenen namens
des Frauenvereins in
herzlichen Worten seinen Dank aus. Möge Gott
den Hinterbliebenen Kraft und Trost in ihrem tiefen Schmerze spenden. Ihre
Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
Amtsantritt
von Rabbiner Simon Schwab (1933)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Oktober 1933: "Amtsantritt
des neuen Rabbiners.
Ichenhausen, 20. Oktober (1933). Unsere Gemeinde, in der noch frisches
Leben pulsiert, ist in ein neues Stadium getreten mit dem Amtseintritte
ihres neuen Führers, Herrn Rabbiner Simon Schwab. Rabbiner Simon Schwab,
der zuletzt in Darmstadt gewirkt hatte, trat zu Jomkippur seine
Amtswirksamkeit bei uns und im Bezirke an, ohne besondere äußere
Feierlichkeiten, gleich mit der Arbeit, wie es dem tätigen frischen Wesen
dieses jungen Rabbiners entspricht. Seine ersten Predigten, seine
Lehrvorträge waren ein Erlebnis für uns alle. Seine warmherzige Art, mit
dem Rüstzeug seines reichen Wissens und einer tiefen Empfindung an die
Menschen, an die Gemeinde und die Einzelnen, heranzutreten und besonders
die Jugend um sich zu sammeln, ist auch den Lesern des 'Israelit' allzu
bekannt, als dass der erste Eindruck seiner Leistungen hier geschildert
werden müsste.
Herr Rabbiner Simon Schwab, Sohn des Herrn Leopold Schwab in Frankfurt am
Main, hatte, nachdem er in Frankfurt die Samson-Raphael Hirsch-Schule
absolvierte und eine Zeitlang auf der Breuer'schen Jeschiwah gelernt,
mehrere Jahre auf den berühmtesten litauischen Jeschiwot in Telsch und in
Mir sich intensiv dem Lernen gewidmet. In Mir erhielt er auch die Rabbinerautorisation.
Neben seinen hervorragenden talmudischen Kenntnissen nahm er in Litauen
auch den Mussargeist ganz in sich auf, sodass der junge Rabbiner mit der
Synthese von Tora, Mussar und Bildung uns zu den weitgehendsten Hoffnungen
berechtigt. Wir wünschen Herrn Rabbiner Schwab, dass er in seiner neuen
Gemeinde ein Wirkungsfeld findet, von dem aus er seine reichen Gaben für ganz
Israel einsetzen kann." |
Beitrag
von Rabbiner Simon Schwab: "Um die Heimat des Judentums?" (1933)
Beitrag in der Zeitschrift
"Der Israelit" vom 7. Dezember 1933 - Teil III
Zum Lesen bitte Textabbildungen anklicken |
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Publikation von Rabbiner Simon Schwab (1934)
Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Januar 1935: "Bedeutende
Neuerscheinung!
In unserem Verlag ist erschienen:
Heimkehr ins Judentum
von Bezirksrabbiner Simon Schwab in Ichenhausen. Broschiert RM 2.50 – in
Leinwand geb. RM. 3.00. Ein schon gleich nach seinem Erscheinen lebhaft
umstrittenes, hoch aktuelles Teschuwa-Buch, voll ernster, unerbittlicher
und unbestechlicher Selbstkritik.
‚Niemand kann diese Seiten lesen, ohne ihre Berechtigung innerlich zu
bejahen. Sie werden viel aufwühlen, packen, ergreifen und
begeistern…’ (Rabb. Dr. E. Munk im Israelit Nr. 51 Jg. 1934).
Aus dem Inhalt: Die große Abrechnung – Wer gibt die Parole aus? – Um
die Heimat – Messianismus (Die Moschiach-Botschaft des Chofez Chajim)
– G’tt und der Nationalismus – Anti-Assimilation – Kulturproblem
– ‚Lern’-Bewegung? – Unser Vortrupp.
Zu beziehen durch alle Buchhandlungen oder durch Verlag des Israelit u.
Hermon GmbH. Frankfurt am Man - Rechnelgrabenstraße 7." |
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Ähnliche
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 20. Dezember 1934. |
Beitrag
von Rabbiner Simon Schwab: "Bekenntnis" (aus der Publikation
"Heimkehr ins Judentum", 1935)
Beitrag in der
"Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. März 1935
Zum Lesen bitte Textabbildungen anklicken |
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Vortrag von Bezirksrabbiner Simon Schwab in Würzburg (1936)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. März 1936:
"Würzburg, 28. Februar (1936). Ein wahres religiöses Erlebnis war
am Samstagabend, den 23. dieses Monats für die Würzburger Gemeinde, der
Vortrag des Herrn Rabbiner Simon Schwab, Ichenhausen über 'Palästina und
wir'. Nach einer hebräischen Begrüßungsrede, in der Leiter des Noar
Agudati Würzburgs, Chawer (Kamerad) Roberg, einen kurzen Rückblick des
agudistischen Lebens der Würzburger Gemeinde entwarf und dann auch die
Entwicklung des Noar Agudati und auf dessen Bedeutung und Erfolge hinwies,
ergriff Herr Rabbiner S. Schwab das Wort zu seinen in Form und Inhalt
vollendeten Ausführungen. Ausgehend von der Aufgabe des jüdischen Volkes
als eines Königreichs von Priester und einem heiligen Volk zeigte
der Redner, wie Gruppen im Judentum versuchen, die unbedingt
zusammengehörigen Begriffe Königreich von Priestern und heiliges
Volk auseinander zu reißen und damit den wahren und echten Sinn des
Judentums fälschen. Klar und eindeutig wies der Redner auf die
Einstellung der Agudas Jisroel hin, die die Verwirklichung dieser
unverfälschten Ziele erstrebt. Nach diesen Voraussetzungen ging Herr
Rabbiner Schwab auf sein eigentliches Thema ein. Was der Redner bot, war
mehr als mein gewöhnlicher Palästinabericht. Von hoher Warte aus
gesehen, zeigte er einige der brennendsten religiösen Probleme, die heute
in Erze Jisroel bestehen. Er schilderte das Land und seine Menschen in
ihrem fast unüberwindlichen Gegensatze, ganz besonders auf religiösem
Gebiet. Er sprach von zwei Fronten, die sich deutlich herausbilden.: 'Die
Front mit Gott' und 'die Front ohne Gott'. An tief ergreifenden Beispielen
führte er aus, wie sich aber trotzdem auch im areligiösen Lager gewisse Symptome
erkennen lassen, die uns etwas hoffnungsvoller in die Zukunft schauen
lassen. Allgemein angenehm berührten die Ausführungen über die
orthodoxe Jugend, die sich in Erez Jisroel ganz besonders nahe kommt und
dass auch hier noch die Aussicht, Zusammenschluss aller gesetzestreuen
kreise zu gemeinsamer Arbeit, besteht. Nur dieser Zusammenschluss und die Masseneinwanderung
gesetzestreuer Chaluzim könne das große Ziel des gesetzestreuen Aufbaues
in Erez Jisroel erreichen. - In seinen, in vollendeter Form und mit
großer Begeisterung vorgetragenen Worten schilderte dann Herr Rabbiner Schwab
die grandiose Bedeutung der für das kommende Jahr geplanten Kenessio('große Versammlung'). - Die zahlreich erschienene
Hörerschaft, die den Ausführungen mit Spannung und tiefer Ergriffenheit
folgte, dankte dem Redner für seine feinen, vornehmen, klaren und deshalb
allen zu Herzen gehenden Worte und mit dem Wunsche, dass Herr Rabbiner
Schwab recht bald wieder unser Gast in Würzburg sei, schloss der Leiter
des Noar Agudati den überaus gut gelungenen
Abend." |
Ausschreibung
der Stelle des Bezirksrabbiners (1936)
Anzeige
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1.
Dezember 1936: "Bekanntmachung.
Infolge Wegganges des bisherigen Stelleninhabers soll die Stelle eines Bezirksrabbiners
des Rabbinatsbezirks Ichenhausen, mit dem Sitz in Ichenhausen, durch einen
jüngeren, orthodoxen Rabbiner neu besetzt werden.
Es wäre erwünscht, wenn Unterricht in Englisch und Iwrit erteilt werden
könnte.
Die Anstellung erfolgt gemäß der Beamten- und Besoldungsordnung des
Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Bewerbungen bitten wir an
den Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Ichenhausen zu
richten.
Ichenhausen, 16. November 1936. Verwaltung der Israelitischen
Kultusgemeinde Ichenhausen: Julius Krämer, 1.
Vorstand." |
Abschied von Rabbiner Simon Schwab (1937)
Artikel in
der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Februar 1937: "Abschied von Rabbiner Simon Schwab – Ichenhausen. Ichenhausen, im
Januar 1937. Nach mehr als 3jährigem, segensreichem Wirken im
Rabbinatsbezirk Ichenhausen verließ in der Mitte vorigen Monats Herr
Rabbiner Simon Schwab mit seiner Familie unsere Gemeinde, um einer
ehrenvollen Berufung als Rabbiner nach Baltimore zu folgen. Wer Herrn
Rabbiner Schwab und seine Tätigkeit während dieser Zeit kennen gelernt
hat, der kann ermessen, welch große Lücke im religiösen Leben unserer
Gemeinde und unseres Bezirkes durch sein Weggehen entstanden ist. Denn er
hat es verstanden, durch sein unermüdliches Schaffen, durch den vollen
Einsatz seiner Persönlichkeit, durch seine von einer hellen Begeisterung
für unsere heilige Lehre getragenen wunderbare Rednergabe sich die Herzen
aller zu erobern. Immer hilfsbereit, für jedermann in Freud und Leid ein
liebenswürdiger und aufrichtiger Freund und Berater, ließ er keinen
Augenblick ungenützt, um Jung und Alt zu unserer heiligen Religion hin-
und zurückzuführen. Durch wunderbare, tief durchdachte Predigten, in
hervorragend ausgeführten wissenschaftlichen Vorträgen, in zahllosen, für
jedermann leicht fasslichen aktuellen Schiurim – und vor allem durch
seine überragende Persönlichkeit, die – auf der einen Seite gütig und
verstehend für jeden Einzelnen, auf der anderen Seite streng und zugeständnislos
für sich selbst – das glänzende Beispiel eines echten Jehudi vorlebte,
wusste er die Liebe für unsere heilige Lehre zu wecken und zu heben und
das religiöse Leben in Gemeinde und Bezirk in ungeahnter Weise zu
entfalten. Möge Herrn Rabbiner Schwab in seinem neuen Wirkungskreis der
Erfolg und die Anerkennung zuteil werden, die sein tiefes Wissen, seine
Hingabe und seinen edlen Charakter verdienen! Möge ihm und seiner Familie
alles Glück beschieden sein! D.W." |
Das Bezirksrabbinat Ichenhausen ist wieder besetzt
(1937)
Artikel in
der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Mai 1937. "Aus der Gemeinde
Ichenhausen. Unser seit Mitte Dezember 1936 vakant
gewesenes Bezirks-Rabbinat ist nunmehr wieder besetzt worden. Herr
Rabbiner Gerhard Frank auch Ichenhausen wurde durch die einstimmige Wahl
der Bezirksgemeinden als Rabbiner des Rabbinatsbezirks Ichenhausen
berufen. Er wird am 1. Mai dieses Jahres sein Amt antreten. Möge ihm Glück
und Erfolg beschieden sein!" |
| |
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. April 1937: "Ichenhausen,
11. April (1937). In der heutigen Generalversammlung der Israelitischen
Kultusgemeinde wurde mit überwiegender Mehrheit beschlossen, Herrn
Gerhard Frank aus Ichenhausen, Schüler des Berliner Seminars, zum
Bezirksrabbiner zu berufen. Herr Rabbiner Frank wird die Stelle am 1. Mai
antreten." |
Einführung von Gerhard Frank als Distriktsrabbiner
(1937)
Artikel in
der "Bayerischen israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Mai 1937: "Einführung des neuen Distriktsrabbiners in
Ichenhausen. Am 30. April
1937 fand im Rahmen des Freitag-Abend-Gottesdienstes die feierliche
Amtseinführung unseres neuen Rabbiners Gerhard Frank statt. Nach dem
Minchagebet bestieg der zweite Vorstand, Herr Gustav Gerstle, in
Stellvertretung des Herrn ersten Vorstandes die Kanzel, um Herrn Rabbiner
Frank als Distriktsrabbiner zu begrüßen und ihn in sein Amt einzuführen.
Er dankte Gemeinde, Bezirk und dem Verband Bayerischer Israelitischer
Gemeinden für die Bemühungen zur Wiederbesetzung des altehrwürdigen
Rabbinats und umriss in kurzen Zügen die Erwartungen, die Gemeinde und
Bezirk an das Wirken des jungen Rabbiners knüpfen. Herr Distriktsrabbiner
Frank dankte in ergreifendem Gebete Gott, der ihn vor diese Aufgabe gerade
hier in Ichenhausen, das ihm wie eine Heimat sei, gestellt habe, er dankte
Gemeinde und Bezirk und dem Herrn Vorredner und entwarf sodann ein
Programm, das er sich als Richtschnur für sein Wirken nehmen wolle und
das übereinstimme mit den Grundpfeilern, auf denen die Welt ruhe: ‚al
hoemeth, weal hadin, weal hascholaum’ (auf Wahrheit, Recht und
Frieden). Eine weihevolle echte Freitagabend-Stimmung erfüllte das
Gotteshaus; und diese Stimmung wurde hinübergeleitet in den
Freitag-Abend-Gottesdienst, der – verschönt durch die Gesänge des
Synagogenchores – einen würdigen Abschluss dieser erhebenden Feier
bildete. D.W." |
| |
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Mai 1937: "Amtseinführung des
neuen Bezirksrabbiners.
Ichenhausen, 2. Mai (1937). In Verbindung mit dem
Freitagabend-Gottesdienst wurde am jüngsten Sabbat Bezirksrabbiner Herr
Gerhard Frank in sein neues Amt eingeweiht. Unter den Klängen des Mah
Tauwo, gesungen von dem gut geschulten Synagogenchor unter Leitung des
Herrn Naftali Reichenberger, wurde der neue Raw von Mitgliedern der
Kultusverwaltung und Gemeindebeamten an seinen Platz geführt. Darauf
hielt in Vertretung des ersten Vorstandes, Herrn Julius Krämer, der ein
eifriger Verfechter der Wiederbesetzung des Bezirksrabbinates war, Herr
Gustav Gerstle die Begrüßungsrede. Er rief im Namen der ganzen Gemeinde
und im Auftrage des Bezirkes dem neu gewählten Rabbiner ein herzliches Boruch
Haboh (Willkommen) zu und dankte vor allem der Gemeinde Ichenhausen,
den Vorständen des Bezirkes und namentlich dem Verband Bayerischer
Israelitischer Gemeinden, dass sie sich alle einmütig für die
Wiederbesetzung des Bezirksrabbinates eingesetzt und damit ermöglicht
haben, Herrn Rabbiner Gerhard Frank, Sohn des Oberlehrers Herr Salomon
Frank aus Ichenhausen, nach Ichenhausen zu berufen. Redner streifte die
verschiedenen Aufgaben des Rabbiners, insbesondere die der Erziehung
unserer Jugend, die einen zielbewussten Führer braucht, um als treue
Jehudim in der heutigen bewegten Zeit bestehen zu können.
Herr Rabbiner Frank dankte für die herzliche Begrüßung. Er sei glücklich,
dass es ihm vergönnt sei, gerade in seiner Heimatgemeinde das Wort Gottes
zu verkünden und an die Spitze einer Gemeinde gestellt zu werden, die
keine innere Zersplitterung und Zerrissenheiten kennt und schon von jeher
auf dem Boden des traditionellen Judentums steht und stets für das
Sinaijudentum Opfer zu bringen wusste. Herr Rabbiner Frank entfaltete
sodann sein Arbeitsprogramm nach den Worten der Weisen: ‚auf Recht,
auf Wahrheit und auf Frieden’. Er hofft, dadurch ein harmonisches
Zusammenwirken mit der Gemeinde und dem Bezirk verwirklichen zu können.
Möge es dem jungen Rabbiner vergönnt sein, mit Gottes Hilfe ein treuer
geistiger Berater der Gemeinde und ein vorbildlicher Meister unserer
Jugend zu werden. L. Schw."
|
Aus
der Geschichte der jüdischen Lehrer, der Schule und der weiteren Kultusbeamten
Ausschreibungen
der Stellen des Elementar- und Religionslehrers / Vorbeter / Synagogendiener
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Juni 1857: "Es ist
sofort in der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde die Stelle eines Vorsänger-
und Schächter-Subsistuts mit einem Jahresgehalte von Gulden 200.- nebst
freier Kost und Logis durch ein unverheiratetes Subjekt zu besetzen, und
werden musikalisch gebildeten Bewerbern bei der Fähigkeit zur Leitung
eines Chors Nebeneinkünfte in Aussicht gestellt und bevorzugt. Bewerber
um diese Stelle wollen ihre Zeugnisse in portofreien Briefen baldmöglichst
einsenden an den
Vorstand der israelitischen Gemeinde zu Ichenhausen (in
Bayern)." |
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Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Dezember 1862: "Zur
sofortigen Wiederbesetzung der vakant gewordenen Kantor- und Schächterstelle
dahier, mit welcher außer mehreren Akzidenzien ein fassionsmäßiges
Einkommen von 600 Gulden verbunden ist, werden Bewerber aufgefordert, ihre
Zeugnisse über musikalische Bildung und Qualifikation zur Leitung eines
Chores, sowie über moralisch-religiösen Lebenswandel bis längstens 1.
Februar kommenden Jahres an den unterfertigten Kultus-Vorstand franko
einzusenden. Ichenhausen (Bayern), den 9. Dezember 1862. Der israelitische
Kultus-Vorstand. D. Einstein. J.R. Seligmann." |
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Anzeige in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 27. Mai 1872: "Man sucht
einen Lehrer der französischen und englischen Sprache, einen tüchtigen
Elementar- und einen Reallehrer zu engagieren. Franko-Offerten einzusenden
an das Rabbinat Ichenhausen bei Günzburg (Königreich Bayern)." |
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Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Dezember 1876: "An der
hiesigen deutsch-israelitischen Volksschule sind in Folge Pensionierung
der bisherigen Inhaber baldigst zwei Stellen zu besetzen, und zwar: 1) die
des ersten Lehrers, definitiv, mit einem von der Gemeinde gewährten
Anfangsgehalte von 1.200 Mark pro Jahr nebst freier Wohnung, 2) die des
dritten Lehrers, provisorisch, (Schulgehilfe) mit einem Fixum von 800 Mark
pro Jahr nebst freier Wohnung, bei befriedigenden Leistungen hat derselbe
gleichfalls baldige definitive Anstellung mit erhöhtem Gehalte zu
erwerben. Sollte einer der Anzustellenden imstande sein, den
Gemeindeschochet in Behinderungsfällen vertreten zu können, so steht
demselben eine bedeutende Remuneration in Aussicht. Geeignete Bewerber,
die eine gediegene pädagogische und musikalische Bildung besitzen, wollen
sich unter Einsendung der ihnen zu Gebote stehenden Zeugnisse bis zum 31.
Dezember dieses Jahres wenden an die israelitische Kultusverwaltung N.
Heilbronner. Ichenhausen, den 10. Dezember 1876." |
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Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Januar 1877: "Nachdem die
Stelle des ersten Lehrers an der hiesigen israelitischen Gemeindeschule
nunmehr besetzt worden ist, wird die vakante dritte Lehrstelle nochmals
zur Konkurrenz ausgeschrieben. Dieselbe ist vorläufig mit einem Fixum von
800 Mark pro Jahr nebst freier Wohnung dotiert und wird in kurzer Zeit bei
befriedigenden Leistungen des Inhabers zu einer definitiven erhoben. Für
die etwaige Vertretung des Hilfs-Schochets wird eine jährliche
Remuneration gewährt.
Unverheiratete, seminaristisch gebildete Bewerber
werden aufgefordert, sich umgehend unter Beifügung ihrer Zeugnisse zu
wenden an den israelitischen Kultusvorstand Nathan Heilbronner.
Ichenhausen, 14. Januar 1877." |
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Anzeige in
der "Bayerischen israelitischen Gemeindezeitung" vom 11. November 1927: "Die Stelle eines Lehrers an unserer Volksschule (zur Zeit 23
hauptschulpflichtige Kinder) wird frei und soll bis zum 1. Februar 1928
wieder besetzt werden. Das Stelleneinkommen kann durch Kasualien sowie
durch Übernahme des Kassen- und Schriftwesens der Kultusgemeinde, wie
auch durch Vertretung des Kantors und Schochets wesentlich erhöht werden.
Mit Genehmigung der zuständigen Kreisregierung bringen wir die Stelle
hiermit zur Ausschreibung mit dem Bemerken, dass Meldungen von Bewerbern,
die das bayerische Staatsexamen abgelegt haben, bis spätestens ende
Dezember an die Regierung von Unterfranken und außerdem mit allen
Zeugnisabschriften auch an unsere Kultusverwaltung eingereicht werden
wollen. Ichenhausen, den 4. November 1927. Israelitische Kultusverwaltung
Ichenhausen. Julius Krämer, 1. Vorstand." |
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Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. November 1927: "Die Stelle
eines Lehrers an unserer Volksschule (zurzeit 23 hauptschulpflichtige
Kinder) wird frei und soll bis zum 1. Februar 1928 wieder besetzt werden.
Das Stelleneinkommen kann durch Kasualien sowie durch Übernahme des
Kassen- und Schriftwesens der Kultusgemeinde wie auch durch Vertretung des
Kantors und Schochets wesentlich erhöht werden. Mit Genehmigung der zuständigen
Kreisregierung bringen wir die Stelle hiermit zur Ausschreibung mit dem
Bemerken, dass Meldungen von Bewerbern, die das bayerische Staatsexamen
abgelegt haben, bis spätestens Ede Dezember an die Regierung von
Unterfranken und außerdem mit allen Zeugnisabschriften, auch an unsere
Kultusverwaltung eingereicht werden wollen.
Ichenhausen, den 4. November
1927. Julius Krämer, 1. Vorstand." |
Ausschreibung der
Vorbeter- und Schochet-Stelle (1871)
Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. März 1871: "Annonce.
Zum 1. Mai dieses Jahres wird die hiesige Vorbeter- und Schochetstelle
vakant. Fassionsmäßiges Einkommen 800 Gulden bei freier Wohnung,
exklusive 150 Gulden Nebenverdienste. Qualifizierte Bewerber, die einen
Chor zu dirigieren imstande sind, wollen ihre Zeugnisse baldigst
einsenden. Ichenhausen in Bayern.
Die israelitische Kultusverwaltung. Daniel Einstein, Vorstand." |
Ausschreibung der Stelle des Kantors und Schochet
(1908)
Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. April 1908: "Kantor- und
Schochet-Stelle. Nachdem unser bisheriger Kantor nach 37-jähriger Tätigkeit
in der hiesigen Kultusgemeinde sich in den Ruhestand begibt, soll dessen
Stelle durch einen musikalisch gebildeten Kantor und geübten Schochet und
Baal-koreh mit einem jährlichen Gehalt von Mark 2.200.- nebst freier
Wohnung und bedeutendem Nebeneinkommen zum 1. September dieses Jahres
wieder besetzt werden. Streng religiöse Bewerber wollen ihre Zeugnisse
unter Angabe ihres Lebenslaufs, ihres Alters und ihrer Familienverhältnisse
längstens bis zum 15. Mai dieses Jahres einsenden an die Israelitische
Kultusverwaltung M. Sulzer, 1. Vorstand. Ichenhausen (Bayern), 19. April
1908." |
Hebräischlehrer gesucht (1886)
Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. März 1886: "Für einen
talmudisch gebildeten Mann, welcher die Befähigung besitzt, Kinder im
Hebräischen zu unterrichten, bietet sich am hiesigen orte Gelegenheit zur
Begründung einer ausreichenden Existenz. Schriftliche Meldungen sind zu
richten an den israelitischen Kultusvorstand Ichenhausen (Bayern)." |
Prediger
Hochheimer, Sohn des Rabbiners muss auf Grund seines politischen Engagements in
die Vereinigten Staaten fliehen (1849)
Artikel
in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" vom 31. August
1849: "Ichenhausen, 1. August (1849). Hier hat sich ein
bedauerlicher Vorfall ereignet. Prediger Hochheimer, Sohn des Rabbiners
daselbst, ließ sich seit den Märztagen in politische Dinge ein, reiste
herum zu den Volksversammlungen und sprach wie ein aufrichtiger Republikaner.
Sein Vater wies ihn oft zurück in die Grenze, in denen sich allein ein Theologe
zu bewegen hat, doch das war umsonst. Als er nun einst bei einer
Volksversammlung in einem Orte tüchtig ausgepfiffen wurde und es
überdies zu handgreiflichem Gemenge kam, da wurde die Regierung auf ihn
aufmerksam und ließ ihn fahnden. Er rettete sich noch zeitlich aus dem
Lande und ist nun zum Grame seines alten Vaters auf dem Weltmeer, das zu
der neuen Welt führt. Möge dieses besonders den jüngeren Theologen eine
Warnung sein. - Wir vermissen diesen jungen Mann jedenfalls ungern, da er
sein Amt gut ausfüllte und das Vertrauen der Seinigen
besaß." |
Zum Tod von Lehrer Daniel Wormser (bis 1864 Lehrer in
Ichenhausen, gestorben in Hamburg (1900)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Mai 1900: "Hamburg, 14. Mai
(1900). Eine Trauerbotschaft, zur tiefsten Wehmut stimmend, durcheilte am
vergangenen Freitag alle Schichten der jüdischen Bevölkerung Hamburgs.
‚Lehrer Wormser ist tot!’ Ob dieser Worte erbebten die Herzen vieler
Hunderte unserer jüdischen Mitbürger, und nach Hunderten zählte das
Trauergefolge, das sich heute vor dem Krankenhause der jüdischen Gemeinde
einfand, um dem geliebten Lehrer, dem segensreich wirkenden
Menschenfreund, dem edlen, rastlos tätigen Helfer der Verlassenen und
Unterdrückten die letzte Ehre zu erweisen.
Mir sei es vergönnt, dem Andenken dieses hochherzigen Mannes einige Worte
des Nachrufes in Ihrem geschätzten Blatte zu widmen.
Daniel Wormser seligen Andenkens, in einem kleinen Schwarzwald-Dörfchen
geboren, entstammte einer armen, frommen Familie. Schon im zarten
Knabenalter des Vaters beraubt, lernte der Verblichene frühzeitig den
Ernst des Lebens kennen. Nach Überwindung mannigfacher Schwierigkeiten,
die sich dem mittellosen Knaben entgegenstellten, gelang es ihm, sich in
Karlsruhe unter der Ägide des Herrn Oberrates Altmann seligen Andenkens
dem Torastudium zu widmen und sich gleichzeitig an dem dortigen Seminar für
den Lehrerberuf vorzubereiten. Der damalige Leiter des Karlsruhe Seminars
war ein direkter Schüler Pestalozzis, und ein wahrer Jünger dieses
Meisters der Erziehungskunst ist auch Daniel Wormser seligen Andenkens
geworden. Mit dem Reifezeugnis eines Lehrers für Stadtschulen versehen
und vom Oberrat Altmann seligen Andenkens mit dem
Ehrendiplom ‚Chower’ geschmückt, trat D. Wormser ins
Schulleben hinaus. Zuerst wirkte er als Lehrer in einem badischen Orte,
dann in München und hernach unter Dr. E. Löb seligen Andenkens als
Lehrer an der Gemeindeschule zu Ichenhausen
in Bayern. Von hier aus kam er 1864 als 24-jähriger Mann an die hiesige
Talmud-Tora-Schule, die zur Stätte seiner dauernden Wirksamkeit wurde.
Voll der höchsten Begeisterung für den erhabenen Beruf eines Lehrers und
eingedenk der Worte unserer Weisen: ‚Nehmet besondere Rücksicht auf die
Kinder der Armen, denn durch sie wird die Tora in Israel verbreitet’,
ergriff D. Wormser seine Lehrtätigkeit mit einem Feuereifer und einer nie
ermüdenden Tatkraft, die unerreicht dasteht. Rastlos arbeitete dieser
strebsame Mann an seiner geistigen Vervollkommnung. Dem Studium unserer
heiligen Tora und dem Vertiefen in die Werke pädagogischer
Schriftensteller lag D. Wormser – seligen Andenkens – mit hingebendem
Fleiße ob. Noch als 50-jähriger Mann unterzog er sich mit Erfolg dem
Mittelschullehrer- und Rektoratsexamen. Sein ganzes Wissen stellte er in
den Dienst der Erziehung zur Religion. |
Des
Dahingeschiedenen hervorragende Bedeutung gipfelte jedoch nicht darin,
dass er von jenen Idealen erfüllt war, die es ihm ermöglichten, so Großes
in pädagogischer Hinsicht zu leisten, was ihn vielmehr zu einem für ganz
Israel (= das ganze Judentum) hoch bedeutenden Manne machte, war sein
ihn zur Tatkraft anspornendes Herz, das für die Not der Armen so warm
schlug. Auf dem Felde der jüdischen Wohltätigkeit hat er, der nicht mit
Glücksgütern gesegnete, anspruchslose Lehrer, Unerreichtes geleistet.
Herr Oberrabbiner Hirsch – sein
Licht leuchte – gab an der Bahre des Verschiedenen in oft von Tränen
erstickter Stimme den Gefühlen Ausdruck, die die jüdische Gesamtheit ob
des harten Verlustes, der sie betroffen, bewegen. Er erinnerte an die
selbstloseste, aufreibende Tätigkeit, die der Verstorbene zu Gunsten der
aus Russland, Rumänien und Galizien vertriebenen Glaubensgenossen
entfaltete; er gedachte der Energie, die derselbe im Kampfe gegen die
Seelenfänger entwickelte, wie er es verstand, religiös verirrte Kinder
an das Elternherz zurückzuführen und aus den Schlingen der
Missionsgesellschaften zu retten.
Auf dem Friedhofe schilderte der Direktor der Talmud-Tora-Realschule, Herr
Dr. J. Goldschmidt, in tief empfundenen und ergreifenden Worten des
Entschlafenen vielseitige Tätigkeit als Lehrer und Menschenfreund.
Darauf sprach Herr Rechtsanwalt Dr. Alexander, im Namen des Vorstandes des
von Herrn D. Wormser – seligen Andenkens – ins Leben gerufenen Vereins
für Obdachlose und erwähnte, dass der Verein trotz vielfacher
Anfeindungen, durch des Verstorbenen ungeahnte Tätigkeit zu einer
ungemein segensreich wirkenden Institution geworden sei.
Auch von nichtjüdischer, hoch stehender Seite wurde die Bedeutung dieses
wahren Menschenfreundes gewürdigt. Möge Gott, der Linderer aller
Schmerzen, der tief gebeugten Witwe und den trauernden Söhnen Trost
spenden. Möge bald der Tag kommen, von dem es heißt: und
der Tod wird verschlungen für immer (Jesaja 35,8). Amen." |
Abschied
von Kantor Perlmutter (1908)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. September 1908: "Ichenhausen,
14. September 1908. Der festlich geschmückte Saal der Falkschen
Restauration vereinigte gestern, Sonntagabend, fast sämtliche Mitglieder
der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde, die, eine Einladung der
Kultusverwaltung folgend, erschienen waren, um den Abschied ihres langjährigen
Kantors, Herrn Perlmutter zu feiern. Mit bekannter Meisterschaft zeichnete
Herr Distriktsrabbiner Dr. Cohn unter Zugrundelegung der Worte ‚Gesegnet bist du bei deinem Kommen und gesegnet bist du bei dem Gehen’
ein Bild der siebenunddreißigjährigen Tätigkeit der Herrn Perlmutter
als Kantor und Schochet in hiesiger Gemeinde. Mit Recht betonte er hierbei
die Berufstreue und Gewissenhaftigkeit des auch durch besondere
Friedensliebe ausgezeichneten Mannes und schloss mit den besten Wünschen
für das fernere Wohlergehen des Scheidenden. Warme Worte der Anerkennung
fand hierauf der 1. Kultusvorstand Herr Sulzer, der dem Scheidenden als
Zeichen der Anerkennung und Dankbarkeit der Kultusgemeinde einen
prachtvollen Pokal, sowie 300 Mark überreichte. Im Auftrage der hiesigen
jüdischen Metzger wurde von Herrn J. Wolf Herrn Perlmutter ein silberner
Pokal als Beweis der Dankbarkeit für seine besonders ausgezeichnete Tätigkeit
als Schochet übergeben. Herr Hauptlehrer Broder rühmte die Verdienste
des Scheidenden in seiner Eigenschaft als Dirigent des Synagogenchores, während
der 2. Kultusvorstand, Herr Heller, Herrn Perlmutter als Vorbeter feierte. Der Gesangverein Zion verschönerte den Abend
durch prachtvolle Liedervorträge, sodass Herr Perlmutter in seiner
Danksagung für die ihm erzeigten Ehrungen mit vollem Rechte ausrufen
durfte: ‚Dieser Abend wird mir und meiner Familie unvergesslich
bleiben.’ Möge es dem nunmehr in München bei seinen Kindern Wohnenden
beschieden sein, sich noch ad multos annos des wohl verdienten Ruhestandes
erfreuen zu können. Alle Hochachtung aber auch vor einer Gemeinde, die
ihre Beamten so ehrt und schätzt." |
Zum Tod von Hauptlehrer Julius Thalmann (1909)
Artikel im
"Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 12. November 1909: "Ichenhausen. Der ganze Ort, nicht nur die jüdische Gemeinde, sondern
auch die Angehörigen der beiden anderen Konfessionen, sind in tiefe
Trauer gehüllt. Herr Hauptlehrer Julius Thalmann, der 32 Jahre hindurch
in treuester Pflichterfüllung im Dienste der hiesigen israelitischen
Volksschule gestanden, erlitt plötzlich Sonntagmorgen in der Synagoge
einen Herzschlag, dem er kurz danach erlegen ist. In ihm hat die Judenheit
einen solch vielseitigen Mann verloren, wie heutzutage leider nur noch
wenige zu finden sind. Als Lehrer verstand er es in seltener Begabung, die
Kinder an sich zu fesseln, sodass sie mit Wonne auf seine Worte lauschten
und er sie nach seinem Grundsatze ‚Tauroh im derech erez’ (Tora
verbunden mit respektvollem Benehmen) erziehen konnte. Allen wohltätigen
Vereinen stand er als erster Hilfsarbeiter vor. Die ‚Chewrah Kadischah’, die die schönste und größte aller unserer Mizwaus
(Verpflichtungen) ausübt, die Beschäftigung mit den Toten, zeichnete
sich unter seiner Leitung ganz besonders aus. Auch die ‚Chewrah
Bikkur Chaulim’ (Krankenpflegeverein), deren uneigennützige Aufgabe
im Versorgen und Wachen bei den Kranken besteht, lag in keiner Hand besser
als in der seinigen. Seit 8 Jahren übte er in großer Uneigennützigkeit
die heilige Mizwoh (Verpflichtung) eines Mohel
(Beschneiders) aus. Und endlich, mit welcher Wonne erinnert sich die jüdische
Gemeinde an die Jomim Nauroim
(ehrfurchtgebietenden Tage), an denen er das Schacharis-(Morgen-) und
Mincha-Gebet in den alten schönen Melodien vortrug und ferner als Bal-tokea
tätig war.
Die Liebe, Verehrung und Dankbarkeit, mit der alle, die ihn kannten, an
ihm hingen, bewies das überaus große Trauergefolge, wie es Ichenhausen
kaum je gesehen hat.
An seiner Bahre sprachen in herzzerreißenden Worten um den zu früh
heimgegangenen Freunde Seine Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Cohn und sein würdiger
Kollege Herr Hauptlehrer J. Brader, ferner der katholische Geistliche,
dann ein Turnwart im Namen des Turnvereins, dessen 1. Turnrat er war, und
endlich rief ihm der Kommandeur der Bezirksfeuerwehr von Schwaben für die
hohen und edlen Verdienste, die sich der Dahingeschiedene als Kommandant
der Ichenhausener freiwilligen Feuerwehr erworben hat, Worte des Dankes
nach.
So hat Ichenhausen einen wirklich unersetzlichen Verlust erlitten, die
tief gebeugte Gattin hat einen treuen Begleiter durchs schicksalreiche
Leben verloren, die drei Kinder einen zärtlichen und liebevollen Vater. Möge
den Hinterbliebenen nach den herben Schicksalsschlägen der letzten Jahre
– 3 erwachsene, in der vollen Blüte der Jahre stehende Söhne sind
ihnen im Laufe von 5 Jahren durch den Tod entrissen worden – das
Verdienst ihres Familienhauptes beistehen, so werden ihnen nur noch
heitere und sonnige Tage beschieden sein. Wir aber wollen seinem Beispiele
nachahmen, dann wird sein Andenken gewürdigt und erhalten bleiben für
alle Zeiten. Sein dankbarer Schüler M.M." |
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Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. November 1909: "Ichenhausen,
14. November (1909). Durch das plötzliche und unerwartete Hinscheiden des
Hauptlehrers J. Thalmann – seligen
Andenkens – hat nicht allein die hiesige israelitische
Kultusgemeinde, sondern auch die politische Gemeinde dahier einen schweren
Verlust erlitten. Hatte er doch seine Kraft und seinen Opfermut nicht nur
dem Judentum, sondern auch dem allgemeinen Interesse gewidmet und als Mann
der Tat stets zielbewusst an seinem Werk gearbeitet. J. Thalmann
entwickelte in seinem hiesigen fast 33jährigen Wirken auf den
verschiedensten Gebieten eine solche rege Tätigkeit, dass man darüber
staunen musste, wie es ihm möglich war, dies alles zu vollbringen. Er war
Elementar- und Religionslehrer an der hiesigen israelitischen Volksschule
II, Baal Tokea (Schofarbläser),
Chasan (Vorbeter), Schochet
und Mohel (Beschneider), 2. Vorstand der Chewra Kadischa, Gründer und 30 Jahre lang Vorsteher des Bikkur-cholim-Vereins,
ferner Gründer und 25 Jahre lang Leiter des hiesigen Turnvereins,
Kassierer des Bezirkslehrervereins Günzburg u.v.m. Dass ein solcher Mann
ein Leichenbegängnis erhielt, wie es der hiesige Ort seit Jahren nicht
gesehen hatte, lässt sich leicht denken; außer den verschiedenen
hiesigen und auswärtigen Vereinen gaben ihm die Spitzen der weltlichen
und geistlichen Behörden – des Bezirksamts Günzburg, der hiesige
Magistrat und das Gemeindekollegium, der Bezirkslehrerverein Günzburg und
selbstverständlich die vollzählige jüdische Gemeinde das Geleite zur
letzten Ruhestätte. Am Grabe widmeten Herr Distriktsrabbiner Dr. Cohn,
der katholische Pfarrer als Lokalschulinspektor, Hauptlehrer Brader,
ferner der Vorsteher des Bezirkslehrervereins Günzburg, der Vorsteher des
Turngaus Günzburg und schließlich Herr Isidor Koschland im Namen des
Bikkur-Cholim-Vereins warme Worte der Anerkennung dem
dahingeschiedenen Lehrer und edlen Menschen. Mögen diese Beweise der
Liebe und Verehrung den lindernden Balsam des Trostes in die schwer
verwundeten herzen der trauernden Hinterbliebenen träufeln." |
Zum
Tod von Hauptlehrer Isaac Brader (1920)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. April 1920: "Hauptlehrer
Isaac Brader – das Andenken an den
Gerechten ist zum Segen -. Ichenhausen, 4. April (1920). Am 20. Adar
hauchte Hauptlehrer Isaac Brader seine edle Seele aus. Das bedeutet für
unsere Gemeinde und für die Judenheit Bayerns einen empfindlichen
Verlust. Der Verklärte ragte in unsere Zeit hinein als ein Memento jener
Zeiten, in der jüdische junge strebsame Leute auf die eigene Kraft und
auf die Fähigkeit ihres eigenen Willens angewiesen waren, um die
Vorbereitung für den dornenvollen Beruf des jüdischen Lehrers zu
treffen. Unsere junge Generation hat kaum einen Begriff von dem
Idealismus, welcher Leute wie Brader – seligen
Andenkens – erfüllte. Er lebte in einer Welt des Altruismus, die
Kinder waren ihm ein Heiligtum, die Schule war ihm ein Eden und die
Gemeinde war ihm die Stätte, in der er an jedem Einzelnen selbstlose
Wohltat ausübte. Jedes bedrückte Herz suchte ihn und fand bei ihm Trost
und Genesung. Seine Sabbatvorträge führten zwanglos zur Erfüllung der jüdischen
Weltanschauung, sein Gotteswort einte in unzähligen Fällen Entfremdete
und Friedlose. Die Vielen, die an seiner Bahre weinten, zeugten, dass sie
einen Vater verloren hatten. Sein Andenken ist in unserer Gemeinde
unvergesslich; die Erinnerung an ihn ist und bleibt ein Segen. Seine
Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
50jähriges
Dienstjubiläum und 80. Geburtstag des Synagogendiener M. Meinfelder (1922)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Juli 1922: "Personalien.
Ichenhausen, 3. Juli (1922). Ein seltenes Jubiläum gab Gelegenheit zu
einem gelungenen, harmonisch verlaufenen Fest. Herr M. Meinfelder feierte
am vergangenen Sonntag sein 50jähriges Dienstjubiläum als
Synagogendiener unserer Kultusgemeinde. Aus diesem Anlass veranstaltete
die Kultusverwaltung einen ‚Bunten Abend’, der zugleich der Feier des
80. Geburtstages galt. Heitere Vorträge, auf die originelle Wesensart des
Jubilars gemünzt, wechselten mit musikalischen Darbietungen des
Gesangvereins Zion, des Herrn Oberkantors Schwarz, sowie mit Einzelvorträgen
in reicher Fülle ab. Herr Kultusvorstand Krämer betonte in seiner
gelungenen Ansprache, wie der verehrte Jubilar, unser Mosche, es
verstanden habe, zu zeigen, wie man auch der scheinbar unbedeutendsten
Aufgabe hohen Wert abringen könne, wie man auch im einfachsten Kreise
Wertvolles schaffen kann, wenn man es mit seinen Pflichten ernst nimmt.
Herr Lehrer Blum würdigte den Gefeierten in längerer humordurchtränkten
Rede als Mensch, Beamten und Kollegen und bezeichnete das Fest als das
‚goldene Hochzeitsfest’ der vor 50 Jahren zwischen Kultusgemeinde und
Synagogendiener geschlossenen harmonischen Ehe. Außer einem bedeutenden
Geldgeschenk, das von zwei Mitgliedern der Kultusgemeinde unter den
hiesigen und ehemaligen Angehörigen der Kultusgemeinde gesammelt worden
war, überreichte die Verwaltung dem Senior ihrer Beamten, der in seltener
körperlicher und geistiger Frische noch seines Amtes waltet, einen prächtig
arrangierten Korb mit Lebens- und Genussmitteln, sowie eine Widmung, in
der die vorbildliche Pflichttreue, die peinliche Gewissenhaftigkeit,
die seltene Sachkenntnis, die fast sprichwörtliche Sparsamkeit für
die Kultusgemeinde, die anspruchslose humorvolle Bescheidenheit, sowie die
wunderbare Treue in der Wahrung und Übermittlung der traditionellen
synagogalen Gebräuche und Melodien zum Ausdruck kommen. Möge dem rüstigen
Jubelgreis, von dessen Beliebtheit die allgemeine Anteilnahme weitester
Kreise beredtes Zeugnis ablegte, noch ein langer, froher, gesunder
Lebensabend bescheiden sein." |
Zum Tod der Witwe von Hauptlehrer Thalmann
(1927)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juni 1927: "Ichenhausen, 25.
Mai (1927). Eine fast unübersehbare Menschenmenge zeugte von der Achtung
und der Beliebtheit, deren sich Frau Hauptlehrer Thalmann seligen
Andenkens in ihrem Leben rühmen konnte, als es galt, die Heimgegangene
auf dem Bes olam (Friedhof) zur
ewigen Ruhe zu betten. Herr Bezirksrabbiner Dr. Neuwirth zeichnete in zu
herzen gehender Weise das Bild dieser seltenen Frau, deren Frömmigkeit
sich in einem Leben, reich bewegt durch Glück und Wolkendüster,
mannigfach zu bewähren Gelegenheit fand. Auch im Namen des Zweigvereins
vom Roten Kreuz stattete er ihr den Dank dieser interkonfessionellen
Organisation für ihre langjährige, segensreiche Tätigkeit ab. Für den
Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, deren Mitglied
im Ausschuss der Ortsgruppe sie war, für den Bikkur-Cholim-Verein (Krankenbesuchsverein)
– eine Gründung ihres in der Gemeinde unvergessenen seligen Gatten –
sowie für den israelitischen Frauenverein Ichenhausen, dem die
Entschlafene mehr als 25 Jahre als 2. Vorsitzende und Kassiererin, zuletzt
als Ehrenvorsitzende angehört hatte, sprach ihr Herr Lehrer Blum Dank und
Treuegelöbnis aus. In unserer Gemeinde empfindet man die Lücke, die hier
der Tod gerissen, allgemein tief und schmerzlich. Eine wackere
Frau – Lehrerstochter und Lehrersgattin – eine kluge und eine gute
Frau ist zu ihrem Schöpfer gerufen worden; was sie im Dienste von Wohltätigkeit
an Toten und Lebenden gewirkt, begleitete sie als ein selten reicher Kranz
von duftenden Blüten. Ihre Seele
sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
Lehrer Blum verlässt die Schule (1927)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. November 1927: "Ichenhausen, 13.
November (1927). Am 1. Januar verlässt Herr Blum, Lehrer an der hiesigen
israelitischen Volksschule, nach 6jähriger Tätigkeit die Stätte seiner
Wirksamkeit, um in Nürnberg einen Teil des Religionsunterrichtes an den höheren
Schulen zu übernehmen. Seinem Scheiden wird allgemein mit großem
Bedauern entgegengesehen. Verliert doch in ihm nicht nur die Schule einen
begabten, pädagogisch befähigten, mit reichen Kenntnissen jüdischen und
profanen Wissens ausgestatteten Lehrer, sondern auch die Gemeinde einen
Mann von reinem, lauterem Charakter, der gar oft mit verständnisvollem
Sinn sich um die Hebung und Förderung ihrer Interessen und Bestrebungen
manches Verdienst erwarb. Und nicht zuletzt verdankt Herr Lehrer Blum die
Beliebtheit und Wertschätzung, deren er sich in allen Kreisen der mehr
als 100 Familien zählenden Gemeinde erfreut, seinem sanften, milden,
wahrhaft vornehmen Wesen, seinem freundlichen Entgegenkommen gegen
jedermann." |
Lehrer
Sigmund Hammelburger übernimmt die Stelle in Ichenhausen (1929)
Meldung
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15.
Januar 1929: "Personalien. Die Volksschullehrerstelle Ichenhausen
wurde dem Lehrer Sigmund Hammelburger, bisher Lehrer in Mühlhausen
(Oberfranken), übertragen." |
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Literaturhinweis
zu Lehrer Hammelburger - auf den Foto links mit seiner Frau Hannchen geb.
Strauß in Ichenhausen 1938:
Christian Plätzer: Spuren des fränkisch-jüdischen Lehrers
Sigmund Hammelburger und seiner Familie. In: Johann Fleischmann: Mesusa 4
(hrsg. vom Arbeitskreis "Jüdische Landgemeinden in Aisch, Aurach,
Ebrach und Seebach". Lebensbeschreibungen und Schicksale. 2004. S.
310-363. Website des Arbeitskreises. |
50. Geburtstag und Auszeichnung von Hauptlehrer
Hammelburger (1931)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Dezember 1931: "Ichenhausen, 13.
Dezember (1931). Anlässlich seines 50. Geburtstages wurde Hauptlehrer
Hammelburger, dahier, von Herrn Bezirksrabbiner Dr. Neuwirth den Chawer-Titel
verliehen." |
Die
Bezirkskonferenz der israelitischen Lehrer in Schwaben tagt in der jüdischen
Schule in Ichenhausen (1936)
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15.
Dezember 1936: "Bericht der Bezirkskonferenz Schwaben. Auf
unserer letzten Bezirkskonferenz hatten wir in Augsburg ein sehr
gediegenes Referat unseres Kollegen Krämer gehört über das Thema:
'Konzentration des gesamten Volksschulunterrichts unter dem speziellen
Gesichtspunkte des Jüdischen'. Nach einem Repetitionskolleg über Ziel,
Aufgabe und Zweck aller Erziehung an sich und des 'erziehenden
Unterrichtes' im besonderen wurden wir durch Erfahrungstatsachen des
Kollegen in seiner 8. Klasse theoretisch von der Durchführbarkeit des
genannten Konzentrationsproblems klar überzeugt. Nach einer regen
Diskussion, an der sich insbesondere Kollege Hammelburger, Ichenhausen,
und Kollege Frank, Fischach, heute in Ichenhausen, beteiligten,
beschlossen wir die nächste Bezirkskonferenz in Ichenhausen abzuhalten,
um an einem 'Lehrbeispiel' die Probe auf das Exempel machen zu können.
Kollege Hammelburger hatte sich hierzu gerne bereit erklärt. Sie ergab es
sich, dass wir zum erstenmal außerhalb Augsburgs unsere
Fortbildungskonferenz abhielten und zwar in der ehrwürdigen Gemeinde
Ichenhausen, in der Schule des Kollegen Hammelburger..."
Zum weiteren Lesen bitte die Textabbildung anklicken. |
Kleine
Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben
Artikel von 1865
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Oktober 1865: "Ist Ihnen
Ichenhausen bekannt? Dieser Ort, ehedem zur Hälfte aus Armen bestehend,
hat sich durch seine amerikanischen Kolonisten in sozialer und materieller
Hinsicht außerordentlich gehoben. Sie glauben wohl, dass seine Einwohner
mächtige Eroberer, oder gar Freischärler, Piraten und Flibustiers
geworden. Mitnichten! Unter der Regierung des Königs Ludwig I., der seine
Passion an anderen Dingen, als an den Hebräern fand, - nur hielt er sie
nicht mit Gewalt, wie Pharao, in seinem Lande zurück, er ließ sie
ziehen, wohin sie wollten – wanderten die Juden scharenweise aus Bayern
und suchten in der neuen Welt ein neues Vaterland. Dort, nicht gehemmt in
Schritt und Tritt, ohne Fesseln an Händen und Füßen, ihre physischen
und geistigen Kräfte nach sittlich freier Wahl verwertend, gelang es
ihnen bald, sich reichliche Existenz zu verschaffen, und sie vergaßen
dabei auch der Ihrigen nicht, die in der alten stiefmütterlichen Heimat
zurückbleiben mussten; die jungen Emigranten unterstützten ihre Eltern,
Geschwister und Anverwandte und retteten sie aus ihrer drückenden Lage.
Unsere Glaubensgenossen in Bayern, und speziell die in Ichenhausen, könnten
darum auch zu diesem König sagen: Eure Majestät haben es herzlich
schlecht mit uns gemeint, aber der König aller Könige hat es uns zum
Heile gelenkt. – Die Gemeinde zählt zweihundert Familien und zeichnet
sich durch friedliches und einträchtiges Zusammenleben vorteilhaft aus.
Der Sohn des seiner Zeit durch grammatikalische und mathematische
Kenntnisse ausgezeichneten Oberappellanten in Ansbach,
R. Moses Hochheimer s.A. – Großvater des Rabbiners in Baltimore –
amtierte hier länger als drei Dezennien als Seelsorger, frommer und
bieder. Sein Nachfolger, der frühere Direktor des Instituts zu Pfungstadt,
erwirbt sich schon um des warmen Interesses willen, das er an
Jugenderziehung und Unterweisung nimmt, allgemeine Sympathien. Sie sehen,
lieber Freund, ich habe auf meinen Streifzügen durch unser schönes
Germanien einen artigen Vorrat von Notizen gesammelt, ich könnte Ihnen
auch noch einige Data geben von Illereichen-Altenstadt
und seiner herrlichen, mit prächtigen Stuckaturen gezierten Synagoge, von
Fellheim, Buttenwiesen,
Binswangen und Fischach,
Gemeinden, die, obschon klein und unbedeutend, sich dennoch die Ehre nicht
rauben ließen, je selbständig von geistlichen Hirten geführt zu werden,
doch – ‚Kaum hab’ ich Posto hier gefasst, regt sich dort hinten, mir
bekannt ein Gast; doch diesmal ist er von den Neu’sten, er wird sich
grenzenlos erdreisten.’
Les extrèmes se touchent; sitzt da neben mir in den ‚drei Mohren’ zu Augsburg,
inmitten des konservativen Schwabenlandes, ein Kind der Abtrünnigkeit,
ein Rabulist – wie ich höre ein Sohn, nicht der Musen oder des
Parnassus, sondern – des Sandbergs, hält in drastischen Ausdrücken
einen Apotheosen-Sermon über die Ultrareform und ‚allwissbegierige
Horcher, Hörer, versammeln sich um ihn zu Hauf’. ‚Haben wir’s hier
doch durchgesetzt, dass trotz der, allerdings lauwarmen, Einrede des
ungarischen Rabbi unsere renovierte Synagoge mit einem Orgelwerk bekleidet
worden ist. Die Orthodoxen, die wir gottlob an den Fingern abzählen können,
mögen sich ärgern, so viel sie wollen, unser energischer Vorstand ging
seinen Weg ‚gradaus’ und brach mutig eine Lanze für die kostbarsten
Errungenschafen unserer Zeit, für Zivilisation, Bildung und Fortschrift;
ja er hat ein für allemal das Joch abgeschüttelt, das uns die
Stock-Talmudisten aufgebürdet hatten; dieweil sie ‚aus den alten Bücherkrusten
logen uns nur, was sie wussten; was sie wussten, selbst nicht glaubten,
sich und uns das Leben raubten’. – Original fahr hin in deiner Pracht!
Die Orgel wird gedreht im neuen Bethause zu Augsburg, sie entzückt das
Ohr der frommen Beter, sie rührt die Seelen der andächtigen menge –
und, was tut’s, nach alledem, was ich gesehen und gehört, spreche ich
mit traurigem Herzen das Wort des Patriarchen: keine
Gottesfurcht ist an diesem Ort.
– Mit Gott! Mein Teurer, ich bleibe Ihr wohl affektionierter S." |
Die Gemeinde in
Ichenhausen achtet auf Wohltätigkeit
wie auf Toralernen (1865)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. November 1865: "Ichenhausen
(Bayern). Durch die in jüngster Zeit von hiesiger Gemeinde an sie
eingesandten circa 600 Gulden in zwei Posten, werden Sie den Sinn für
Wohltätigkeit ersehen haben, dass aber nebenbei dahier auch Sinn für das
Lernen der Tora herrscht, dafür möge Folgendes Ihnen als Beweis dienen:
Unser Rabbiner, Herr Dr. Lob, hat es durch seinen unermüdlichen Eifer …
dahin gebracht, dass eine große Anzahl achtbarer Männer und Jünglinge
in hiesiger Gemeinde sich jeden Samstag Nachmittag um ihn versammelt, um
zwei Stunden lang Vorträge über den Wochen-Abschnitt zu hören. Auch
unser würdiger Talmudlehrer, Rabbi Koppel Ullmann, er, erwirbt sich um
die Hebung des religiösen Sinnes in unserer Gemeinde erhebliche
Verdienste. S.K." |
Königlicher Besuch in Ichenhausen (1867)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Oktober 1867: "Ichenhausen, 18.
September (1867). Vorige Woche hatten wir die Ehre, von den Prinzen
Luitpold und Otto, Bruder und Onkel des regierenden Königs Ludwig II.,
die zu dem hier stattfindenden Manöver der königlichen Truppen hierher
gekommen waren, besucht zu werden. Letzterer (der Sonntag früh hier ankam
und bis Montagvormittag dahier verweilt), nahm sein Absteigequartier bei
Herrn Bankier Heilbronner, dem er auch die Sorge für seine Tafel übertrug,
eine Ehre, die gewiss selten einem Israeliten Bayerns zuteil wird. Prinz
Luitpold hingegeben war schon Samstag Vormittag eingetroffen, und empfing Sonntagvormittags
die Gemeindebehörden sowie den Herrn Pfarrer und den
Herrn Rabbiner. Der Prinz ließ sich einzeln die Persönlichkeiten
vorstellen und erkundigte sich huldvollst nach den Gemeinde-Institutionen,
nach dem Verhältnis zwischen den christlichen und jüdischen Einwohnern.
Dem Rabbiner Dr.. Löb gab er insbesondere das Versprechen möglichenfalls
die Synagoge besuchen zu wollen. Diesem Versprechen kam er Montagnachmittags
nach. Vor der Synagoge wurde er von dem Herrn Rabbiner,
den Kultus-Verwaltungsmitgliedern und dem sämtlichen Lehrerpersonal
empfangen. In der Synagoge angelangt, begab sich Seine Königliche Hoheit
sogleich zum Toraschrein, ließ denselben öffnen, besichtigte die
Torarollen, worauf dann Herr Dr. Löb ein passendes Gebet für den
Landesvater, für den anwesenden Prinzen und für das ganze königliche
Haus verrichtete, welches der Prinz andachtsvoll anzuhören geruhte, und
wovon er sichtlich gerührt war. Er erkundigte sich sodann genau nach der
Zahl der hiesigen israelitischen Einwohner und deren Verhältnisse, nach
mehreren jüdischen Zeremonien, namentlich nach dem Trauungsvollzug, sowie
nach der Deutung mehrerer in der Synagoge angebrachter hebräischer Verse.
Nach etwa halbstündigem Aufenthalt verabschiedete er sich unter Händedruck
vom Herrn Rabbiner, dem er seine besondere Befriedigung über Alles ausdrückte.
Abends veranstaltete der jüdische Gesangverein ‚Zion’,
gemeinschaftlich mit der hiesigen Feuerwehr, bei illuminierten Häusern
eine Serenade nebst Fackelzug, worüber der Prinz sich zu dem zu ihm
beschiedenen Vereinsvorsteher, Herrn Anselm Hirsch und dem
Vereinsdirigenten, Herrn Kantor Stark, höchst wohlgefällig äußerte,
und wiederholt seinen Dank und seine huldvolle Gesinnung für Ichenhausen
und dessen Bewohner ohne Unterschied der Konfession zu erkennen gab." |
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Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8.
Oktober 1867: "Ichenhausen (Bayern), 19. September (1867). Bei
den stattgehabten Manövern der bayrischen Armee schlug deren
Feldzeugmeister Seine königliche Hoheit Prinz Luitpold hier sein
Hauptquartier auf. Auch Prinz Otto, Bruder des regierenden Königs, kam
bei dieser Gelegenheit hierher, und nahm seine Wohnung bei dem
Kultus-Verwaltungsmitglieder Herrn Bankier Heilbronner, dem auch die Ehre
zuteil ward, den Prinzen bewirten zu dürfen. Unter den herzlichsten
Ausdrücken der Zufriedenheit und des Wohlwollens, verließ der junge
leutselige Prinz seinen Wirt, bei dem er sich, wie er sagte, ganz heimisch
gefühlt hatte.
Prinz Luitpold hatte Sonntag früh die Gewogenheit, die hiesige
Gemeinde-Verwaltung, zu der auch drei jüdische Mitglieder, die Herren D.
Einstein, Wimpfheimer und Heilbronner, gehören, den Pfarrer und Rabbiner
an der Spitze, in Audienz zu empfangen, und sich mit denselben huldvollst
zu unterhalten. Nach beendigtem Manöver beehrte Seine königliche Hoheit
die Synagoge mit Hochderen Besuch. Seiner Ehrwürden Herr Rabbiner Dr.
Löb und die Kultusverwaltung begrüßten ihn vor den Toren
ehrfurchtsvoll, und geleiteten ihn in die Säume des Heiligtums. Dort
ließ er sich die Bundeslade öffnen, die Tora zeigen, und mit sichtlichem
Interesse die verschiedenen Inschriften und Embleme erklären. Tief
ergriffen schien der Prinz beim Gebet, das der Rabbiner für seiner
Majestät den König, für den Prinzen, für das ganze königliche Haus
und für die bayerischen Truppen sprach. Nach etwa einer halben Stunde
verließ er das Gotteshaus, das auf ihn, nach seiner Äußerung, einen
sehr angenehmen Eindruck gemacht hatte, indem er dem Herrn Dr. Löb
herzlich die Hand drückte. Abends brachte der jüdische Gesangverein
'Zion' Seiner königlichen Hoheit eine Serenade mit Fackelzug
während die ganze Straße illuminiert war, unter der lebhaftesten und
freudigsten Teilnahme der sämtlichen Bevölkerung. Der Prinz ließ den
Vorstand des Vereins, Herr Anselm Hirsch, und dessen Dirigenten, die
hiesigen Kantor E. Stark, zu sich bescheiden, um seinen Dank abzustatten,
und seinem Wohlwollen für die hiesige Gemeinde Ausdruck zu
verleihen." |
Chanukkafeier in der Gemeinde (1921)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Januar 1921: "Ichenhausen, 20.
Dezember (1920). Ein Elternabend vereinigte am 7. Tag von Chanukka Eltern
und Schüler der hiesigen Gemeinde zu einem harmonischen Feste, dem der größte
Teil der übrigen Gemeindemitglieder durch seine Anwesenheit erhöhte
Bedeutung verlieh. Herr Lehrer Blum wies in seiner Ansprache unter anderem
auf die innigen Wechselbeziehungen zwischen Schule, Elternhaus und
Gemeinde hin. Zahlreiche Darbietungen der Schuljugend erfreuten durch
ruhige Sicherheit und gelungenes Spiel. Die Pausen wurden durch Vorträge
des Gesangvereins ‚Zion’ sowie durch Liedervorträge sangeskundiger
Damen verschönt und damit wurde auch äußerlich eine Brücke geschlagen
zwischen Schule und Gemeinde. Die strahlenden Augen der Kinder – alle,
selbst die Kleinsten, durften auf der Bühne auftreten – sowie die
freudig erregte Stimmung im Saale zeigte, dass derartige Veranstaltungen
geeignet erscheinen Licht und Anregung ins Schulgetriebe zu bringen und
zugleich auch sonst fern stehende Kreise für die Schule zu interessieren." |
Aufführung eines Palästinafilmes und Vortrag über
den Zionismus (1925)
Artikel in
der "Jüdischen Rundschau" vom 2. Januar 1925: "Ichenhausen. Die
Aufführung des Palästinafilms gestaltete sich zu einem Ereignis für
unsere Gemeinde. Das Theater war zweimal vollständig überfüllt und wies
auch das dritte Mal einen recht guten Besuch auf. Was wir zu sehen
bekamen, übertraf in der Tat alle Erwartungen. Herr Dr. Löwengart, der
auch die einleitenden Worte zum Film gesprochen hatte, hielt einen Tag
nach der Filmvorführung einen Vortrag über das werdende jüdische Palästina
und die Grundziele des Zionismus, an den sich eine angeregte Diskussion
anschloss." |
Erweiterung des Gebietes der Israelitischen Gemeinde (1927)
Artikel in
der "Bayerischen israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Juli 1927: "Bekanntmachung
über die Erweiterung des Gebietes der israelitischen Kultusgemeinde
Augsburg, Fischach, Ichenhausen, Illereichen-Altenstadt, Ingolstadt,
Kempten, Krumbach, Memmingen und Oettingen. Die nachstehend aufgeführten
Kultusgemeinden haben beschlossen, ihr Gebiet wie folgt auszudehnen:
…
Die Israelitische Kultusgemeinde Ichenhausen auf die
Finanzamtsbezirke Burgau, Günzburg, Lauingen, Neu-Ulm und Weißenhorn.
…
Es ergeht hiermit die Aufforderung an alle Religionsgenossen, die in den
von der Ausdehnung betroffenen gebieten wohnen oder unabhängig vom
Wohnsitz steuerpflichtig sind, etwaige Einsprüche gegen die
Gebietserweiterung bis spätestens 1. September 1927 bei dem Vorstand der
betreffenden Kultusgemeinde schriftlich oder mündliche einzulegen. München,
den 7. Juli 1927. Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Dr.
Neumeyer". |
Schenkung von Max Koschland aus San Francisco (1929)
Artikel in
der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Juni 1929: "Ichenhausen.
In der gemäß § 20, Abs. 7 unserer Gemeindesatzung auf den 10. Mai 1929
ordnungsgemäß einberufenen Gemeindeversammlung gab der erste
Kultusvorstand, Herr Julius Krämer, folgendes bekannt. Herr Max Koschland
aus San Francisco hat der Israelitischen Kultusgemeinde von Ichenhausen
eine Schenkung im Barbetrag von RM 5000.- gemacht, an die er folgende
Bedingungen knüpft: ‚Der Betrag soll zur Einrichtung der Dampfheizung
in der hiesigen Synagoge Verwendung finden. Die Erstellung der
Dampfheizung hat so rechtzeitig in Angriff genommen zu werden, dass
dieselbe zum kommenden Winter in Betrieb gesetzt werden kann. In der
Synagoge ist eine Tafel anzubringen, die darauf hinweist, dass die Familie
Koschland durch Schenkung ihres Mitgliedes, des Herrn Max Koschland, San
Francisco, mit RM 4000.- zu Ehren Ihrer seligen Eltern Isidor und Regina
Koschland, Ichenhausen, die Errichtung der Heizanlage in der hiesigen
Synagoge ermöglicht hat.’ Die Gemeindeversammlung nahm diese
hochherzige Schenkung sichtlich erfreut an unter gleichzeitiger
Verpflichtung zur Erfüllung der hieran geknüpften Bedingungen." |
Aufführung des Jüdischen Jugendvereins (1930)
Artikel in
der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. November 1930: "Ichenhausen.
Ein Wagnis, aber ein wohl geglücktes Wagnis hat der hiesige Jüdische
Jugendverein unter Leitung seines Vorstandes Fritz Kahn unternommen, indem
er das 6. Bild aus dem ‚Jeremias’ (‚Stimmen um Mitternacht’) von
Stefan Zweig zur Aufführung brachte. Es war ein voller Erfolg. Jeder gab
sein bestes, besonders auch die Träger der Rolle des Königs (Herr Fritz
Kahn) und des Jeremias (Herr Theo Gerstle). Erwähnt sei, dass die Wahl
und Einstudierung dieses Stückes bereits vor der Münchener Aufführung
(anlässlich der J.J.V.-Tagung) erfolgt war." |
Chanukkafeier in der
Gemeinde (1930)
Artikel in
der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Januar 1931: "Chanukkafeier
in Ichenhausen. Auf Anregung der Kultusverwaltung fand am Samstag, dem 20.
Dezember, eine würdige und selten gemütliche Chanukkafeier statt. Das
Orchester der jüdischen Jugendgruppe unter seinem bewährten Dirigenten
Naftali Reichenberger, verschönte den Abend. Die herzlichen Worte des
ersten vorsitzenden der Kultusgemeinde, Herrn Julius Krämer, der
ausgezeichnete Vortrag von Herrn Rabbiner Dr. Neuwirth über ‚Die
Unsterblichkeit der Seele nach jüdischer Auffassung’ und alle
Darbietungen von ernsten und heiteren Liedern und Vorträgen hielt die
Mitglieder der größten Landgemeinde in Bayern bis nach Mitternacht
gesellig beisammen." |
50jährige Gründungsfeier für den Verein Bikkur
Cholim (1930)
Artikel in
der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Januar 1931: "Ichenhausen.
Der hiesige Bickur-Cholim-Verein (Krankenpflegeverein) beging in
erhebender Weise unter Teilnahme seiner sämtlichen hiesigen und teilweise
auswärtigen Mitglieder am 25. Dezember 1930 seine 50jährige Gründungsfeier.
Der prächtig geschmückte Saal zeigte als Erinnerung das Bild seines
unvergesslichen Gründers, Herrn Hauptlehrer Thalmann seligen Andenkens.
Der Sohn des Vorstandsnachfolgers, Herr Max Thalmann, gedachte in seiner
nach Inhalt und Form tief durchdachten Ansprache der edelsinnigen Gründer
dieser segensreichen Einrichtung, der leider schon verstorbenen
Hauptlehrerseheleute Julius und Mathilde Thalmann, die sich in hiesiger
Gemeinde durch ihr vorbildliches, gemeinnütziges Wirken den Dank der
Nachlebenden erworben haben. Der Verlauf der Feier gestaltete sich durch
Ansprachen der Herren Rabbiner Neuwirth, Kultusvorstand Krämer,
Hauptlehrer Hammelburger, ferner durch gesangliche und deklamatorische
Darbietungen des Synagogen-Chors (dirigiert von Herrn N. Reichenberger),
des Gesangvereins Zion, des Herrn Kantor Schwarz sowie der Herren Max
Regensburger und Theo Gerstle sehr anregend." |
Vortrag von Rabbiner Schwab über "Um die Heimat
des Judentums?" (1933!)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. November 1933 - wurde
noch nicht abgeschrieben. |
Berichte zu einzelnen
Personen aus der Gemeinde
Zum Tod von Rabbi Jacob Hirsch Holländer (1867)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. September 1867: "Ichenhausen,
Elul. Die hiesige Gemeinde hat einen harten, ja einen
unersetzlichen Verlust zu betrauern. Am Sonntag, dem 2. Elul starb
Rabbi Jacob Hirsch Holländer. Der Tod dieses Mannes hat hier die
allgemeinste Teilnahme erregt. Jeder fühlt, dass die hiesige Gemeinde in
ihm nicht nur eine ihrer schönsten Zierden verlor, sondern dass die
Lücke, die durch den Hintritt des Verstorbenen entstand, schwer
auszufüllen sein wird.
Von sehr armen, aber wackern Eltern geboren, verließ er nach
zurückgelegtem 13. Lebensjahre, ohne alle Subsistenzmittel, im tiefsten
Drange nach Kenntnissen, das elterliche Haus, ging nach Fürth und
frequentierte daselbst mehrere Jahre mit unermüdetem Eifer die Jeschiwa.
Von da zurückgekehrt, wirkte er mehrere Jahre in der hiesigen Gemeinde
als Privatlehrer. Es vereinigten sich in ihm alle Eigenschaften eines
guten Lehrers: ruhiges Temperament, Geduld, Liebe zum Amte, Hingebung an
die Jugend, gründliches Fachwissen und wahre Herzensfrömmigkeit. Nach
seiner Verheiratung vertauschte er diese Stellung mit der eines
Geschäftsmannes. Obwohl ihn da harte und erschütternde Schläge des
Geschickes leider oft heimsuchten, ertrag er sie doch mit gelassener
Ergebung und wusste sich stets aus großer Niedergeschlagenheit durch
felsenfestes Vertrauen auf die göttliche Vorsehung durch innere
Geisteskraft aufzurichten. Es ist wohl unmöglich, all die hohen Vorzüge,
die der Verewigte besessen, genau zu spezifizieren; ich will daher
dieselben nur andeutungsweise geben. -
Er war ein Stern am Horizont der talmudisch-theologischen Literatur, eine
talmudische Größe, ein Mann, von welchem man eigentlich nicht recht
wissen konnte, ob Gelehrsamkeit oder Demut und Bescheidenheit, ob
Frömmigkeit oder Menschliebe im edelsten, weitesten Sinne, ob seine
große Erfahrung und Menschenkenntnis, ob Geduld und Resignation, oder
Sanftmut und Friedensliebe den Grundzug seines edlen Charakters und seiner
ganzen Persönlichkeit ausmachten. Ein Mann, der von Liebe zur Religion
durchdrungen, stets bemüht war, den Forderungen derselben, soweit seine
Kräfte reichten, nach allen Seiten hin zu genügen. Mit Recht kann hier
angewendet werden das…, denn der Verblichene, obwohl stets mit
physischem Leiden kämpfend, betrieb dennoch das Torastudium mit der
begeisterungsvollsten Hingebung.
Auch die hiesigen Wohltätigkeits-Anstalten fanden in ihm einen eifrigen
Förderer und tätigen Teilnehmer. Er war Vorsteher des Vereins Bikur
Cholim (Krankenbesuchsverein), hielt allsabbatliche Vorträge beim
Verein Chewra Kadischa, war Mitglied des Vereines Tora Or,
dessen Zweck fleißiges Gesetzesstudium ist, woselbst er auch öfters
Vorträge hielt.
Bei seinem Leichenbegängnis beteiligten sich nicht nur alle Glieder der
Gemeinde sondern auch mehrere achtbare christliche Mitbürger folgten der
Bahre. Am Grabe sprach der hiesige Rabbiner, Herr Dr. Löb, eine auf das
erregte Gemüt der zahlreichen Zuhörer tief einwirkende Trauerrede, in
der er seinem großen Schmerze passende und erhebende Worte über die
Verdienste des Verewigten lieh.
Wenn auch die Körperhülle dieses Mannes aus unserer Mitte geschieden, so
hat sein frommes und edles Wirken ihm ein bleibendes Denkmal gesetzt im
Herzen Aller, die ihn kannten und mit ihm in Berührung kamen. Jakob
unser Vater – nicht ist er tot. …r." |
Goldene
Hochzeit von Heinrich und Sophie Bißinger (1898)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. September
1898: "Ichenhausen (Bayern), 31. August (1898). Heute feierten dahier
in voller geistiger und körperlicher Rüstigkeit die israelitischen
Ehegatten Heinrich S. und Sophie Bißinger, das goldene
Hochzeitsjubiläum im Kreise von Kindern und Enkeln und unter Anteilnahme
der Bewohner der Ortsgemeinde ohne Unterschied des Glaubens und des Standes.
Zahlreiche Ehrengaben von Verwandten und Freunden aus nah und Fern,
desgleichen herzlich gehaltene telegraphische Glückwünsche und viele
Beweise aufrichtiger Verehrung in Wort und Schrift, gingen dem Jubelpaare
zu, das den Anstrengungen des im Familienkreise einfach gefeierten Festes
vom Vorabende bis um Mitternacht des Jubeltages selbst, sich gewachsen
zeigte.
Möchte es demselben vergönnt sein, in stiller Beschaulichkeit sich noch
lange des schön verlaufenen Festes erinnern zu können, auf dass ihm die
vor 25 Jahren am Ehehimmel aufgestiegene silbern leuchtende Sonne, deren
Glanz sich ihm nun in Gold verwandelte, nach weiteren 10 Jahren auch noch
in diamantenen Strahlenkranze den friedlichen Lebensabend erleuchten
möge. E.K." |
Zum
Tod des aus Ichenhausen stammenden Nathan Hirsch (in München, 1900)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. August 1900:
"München, im August (1900). Ein in weiten Kreisen bekannter und
geschätzter Mann, Herr Nathan Hirsch, ist am 16. dieses Monats nach
langem und sehr schwerem leiden verschieden. Am 3. Juli 1832 in Ichenhausen
(Bayern) geboren, kam er nach vorhergegangener kaufmännischer Tätigkeit
(in Bamberg, Mainz), im Jahre 1858 nach München, wo er auch bald das
Bürger- und Heimatrecht erwarb. Noch im gleichen Jahre trat er in die
bekannte Millykerzen- und Seifenfabrik (E. Wassermann) zuerst als
Prokurist, später als Teilhaber ein. Unter seiner Mitarbeit entwickelte
sich dieses Etablissement aus kleinen Anfängen zu einem in der Branche
hoch bedeutenden und tonangebenden Unternehmen. Der Verstorbene zeichnete
sich durch ausgeprägten Gemeinsinn und durch mannigfache Bürgertugenden
aus; das Vertrauen seiner Mitbürger innerhalb der hiesigen israelitischen
Gemeinde berief ihn im Jahre 1878 in die Kultusverwaltung, welcher er
seitdem ununterbrochen bis zu seinem nun erfolgten Hinscheiden als
eifriges und wegen seines friedliebenden, konzilianten Wesens allgemein
beliebtes Mitglied angehörte. Die riesige, aus allen kreisen
rekrutierende Teilnahme an seiner Bestattung legte Zeugnis ab von den
vielseitigen, aufrichtigen Sympathien, deren sich der Dahingeschiedene zu
erfreuen hatte." |
Zum Tod von Mina Friedberger (1911)
Artikel im
"Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. April 1911: "Ichenhausen.
Am 2. Tag Pessach verschied in ihrem 92. Lebensjahre, die älteste
Einwohnerin des hiesigen Orte, die ob ihrer Herzensgüte und Wohltätigkeitsliebe
von jedermann hoch verehrte Frau Mina Friedberger." |
Ehrung
des 1. Kultusvorstehers Michael Sulzer und Verleihung des Ehrenbürgerrechts
(1911)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Juni 1911:
"Ichenhausen, 13. Juni (1911). Unserem hoch verehrten 1.
Kultusvorsteher, Herrn Magistratsrat Michael Sulzer, wurde heute,
anlässlich der Feier seines 80. Geburtstages, eine wohl verdiente Ehrung
zuteil, indem ihm durch einstimmigen Beschluss des Magistrats und
Gemeindekollegiums der hiesigen Marktgemeinde in Anerkennung seines
verdienstvollen Wirkens auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens und
ganz besonders für seine musterhafte, uneigennützige Tätigkeit als
Magistratsrat und Gemeindekassierer das Ehrenbürgerrecht verliehen wurde.
Der feierlichen Übergabe der Ehrenbürgerrechts-Urkunde wohnte, außer
den beiden Kollegien der israelitischen Kultusverwaltung und der Familie
des Jubilars auch der Königliche Bezirksamtmann, Herr Wimmer bei, dem dem
Jubilar in herzlichen Worten den Dank des Königlichen Amtes
aussprach." |
Hermann Reichenberger erhält das Eiserne Kreuz (1914)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 16. Oktober
1914: "Ichenhausen. Der beim bayrischen 6.
Feld-Artillerie-Regiment dienende Einjährig-Gefreite Hermann
Reichenberger, Sohn des Kaufmanns Naftali Reichenberger, Mitinhaber der
Firma Gebr. Sulzer, hat am 30. September das Eiserne Kreuz erhalten." |
Unteroffizier Emil Heilbronner wird mit dem Eisernen
Kreis ausgezeichnet (1916)
Artikel im
"Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. Juli 1916: "Ichenhausen.
Dem Unteroffizier Emil Heilbronner, Inhaber der bayerischen
Verdienstmedaille, wurde das Eiserne Kreuz überreicht." |
Vizefeldwebel R. Kann und Unteroffizier Max Meyer
werden mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet (1917)
Artikel im
"Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 9. Februar 1917: "Frankfurt
am Main. Vizefeldwebel R. Kann und Unteroffizier Max Meyer, gebürtig
aus Ichenhausen, wurden mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet."
|
Zum Tod von Mina Gerstle geb. Hirsch (1921)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. März 1921: "Ichenhausen, 15. März
(1921). Am Schabbat Paraschat Wajikra (= Schabbat mit der Toralesung
Wajikra = 3. Mose 1,1 - 5,26, das war am 19. März 1921; evtl. Fehler in
der Angabe, da dieser Schabbat nach dem 15. März lag) starb im 66.
Lebensjahre Frau Mina Gerstle geb. Hirsch, in München, wo sie die letzten
15 Jahre mit ihrem Gatten in harmonischer Ehe verbrachte. Einem echt jüdischen
angesehenen Hause entstammend, setzte sie dessen Traditionen in ihrem
eigenen Hause fort, baute dasselbe zu einem ‚Mikdosch meat’ (kleinen
Heiligtum) aus und wandelte darin als Priesterin und Hüterin des
Gottesgesetzes. Von einer echten, tiefen Frömmigkeit beseelt, zeichnete
sie sich durch große Wohltätigkeit im Stillen aus und stand jedermann,
der sie hilfesuchend anging, mit Rat und Tat freudig zur Seite. Von ihrer
Beliebtheit zeugte das große Leichenbegängnis in ihrer alten Heimat,
wohin Freunde von nah und Fern geeilt waren, um ihr die letzte Ehre zu
erweisen. An der Bahre zeichnete Herr Distriktsrabbiner Dr. Cohn, der
Freud und Leid ihres Hauses Jahrzehnte hindurch geteilt, tief bewegt ein
getreues Lebensbild der Verklärten und hob ihre großen Verdienste
hervor, die sie sich um den israelitischen Frauenverein als dessen
Vorstandsmitglied erworben hat. Herr Max Meyer aus Köln, dem sie seit dem
frühen Tode seiner Eltern in mütterlicher Liebe zugetan war, rief ihr
herzliche Worte des Abschieds und des Dankes nach. Ihre
Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
| |
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 18. März
1921: "Ichenhausen. Mina Gerstle geb. Hirsch in München,
wohin sie vor 15 Jahren mit ihrem Gatten ging, ist verschieden. Von einer
ungeheuchelten, echten tiefen Frömmigkeit beseelt. zeichnete sich die
Verewigte durch große Wohltätigkeit im Stillen aus. Von ihrer
Beliebtheit zeugte das große Leichenbegängnis hier in ihrer alten
Heimat. Rabbiner Dr. Cohn zeichnete das Lebensbild der seltenen Frau und
betonte ihre großen Verdienste um den Israelitischen Frauenverein. Max
Meyer aus Köln, dem sie seit dem frühen Tode seiner Eltern in
mütterlicher Liebe zugetan war, tief ihr herzliche Worte des Dankes
nach." |
Zum Tod des aus Ichenhausen stammenden Anselm Hirsch
(1922)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Februar 1922: "(Frankfurt am Main).
Anselm Hirsch – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen.
Die an Schrecken reichen Wochen dieser schweren Winterzeit haben uns am
27. Tewes, dem Jahrzeitstage S. R. Hirschs, eine in weiten Kreisen unserer
Gemeinde geschätzte, wackere Persönlichkeit entrissen, die bei aller
Schlichtheit und Anspruchslosigkeit ihres Wesens und Wirkens auch an
dieser Stelle warme Würdigung verdient. Anselm Hirsch, der aus voller Rüstigkeit,
kaum 66 Jahre alt, nach zweitätiger Krankheit dahinschied, stammte aus Ichenhausen
in Bayern, einer als Stätte der Tora und der Gottesfurcht bis in
die neueste Zeit hinein berühmten Landgemeinde. Die Lehr- und Wanderjahre
führten den Jüngling nach der jüdischen Metropole des gesetzestreuen
Nordens, nach Halberstadt, wo er sein jüdisches Wissen und Wollen
reichlich zu mehren und zu starken Gelegenheit fand. Was er im Vaterhaus,
in der Heimat und bei vorbildlichen Lehrmeistern an jüdischen Lichtsaaten
in sich aufgenommen, das hat er dann, beglückt durch die Ehe mit einem
tapferen Weibe, einer Tochter des Münchener Hauses Feuchtwanger, hier in
Frankfurt in die Praxis des Lebens umgesetzt. Er gehörte zu den stillen jüdischen
Helden, die in der neuen Zeit leider nichts Alltägliches mehr sind, die
ihren Lebensköcher mit – Kindern zu füllen den Mut und den Ehrgeiz
haben -
'Heil dem Manne, der gefüllt mit ihnen seinen Köcher' (Psalm
127,6), und die so durch ihr Leben einen Kommentar zu dem tiefen Wort der
Weisen liefern, dass der um des Lebens Notdurft hart ringende, mit Kindern
gesegnete Familienvater recht eigentlich die Gottesfurcht zu bewähren
vermag.
Diese Gottesfurcht, die Liebe zu den Mizwos und eine frohgemute,
immer zu heiterem Witzwort geneigte Natur haben ihm den Lebenskampf
erleichtert, bis er in den letzten Jahren die Früchte seiner Arbeit in
seinen Kindern reifen sehen durfte. An der Bahre entwarf Herr
Rabbinatsassessor Posen in einem von warmem Mitempfinden durchglühten
Hesped (Trauerrede) ein treues Bild des Heimgegangenen, die Söhne und Töchter
mahnend, ihres unvergesslichen Vaters allezeit würdig zu bleiben. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
Zum Tod des langjährigen Gemeindevorsitzenden und
Stadtrates Aaron S. G. Heller (1931)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. November 1931: "Ichenhausen
(Bayern), 1. November (1931). Unsere altehrwürdige Gemeinde hat den
Verlust eines ihrer besten Mitglieder zu beklagen. Am Freitag, den 30.
Oktober, wurde Herr Aaron S. G. Heller im Alter von nahezu neunundsiebzig
Jahren zur ewigen Ruhe gebettet. Der Verblichene gehörte der Verwaltung
der israelitischen Kultusgemeinde beinahe fünfundvierzig Jahre an, war fünfundzwanzig
Jahre deren erster Vorsitzender und wurde, als er aus Gesundheitsrücksichten
dieses Amt niederlegte, zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Auch den städtischen
Kollegien gehörte er viele Jahrzehnte als Stadtrat an und erwarb sich in
dieser Eigenschaft durch seinen Weitblick und insbesondere durch seine
Friedfertigkeit unvergängliche Verdienste um die Stadt.
S
ein Leichenbegängnis gestaltete sich zu einer erhebenden
Trauerkundgebung, an der sich die Angehörigen aller Bekenntnisse
beteiligten. Unter Vorantritt der Freiwilligen Feuerwehr, der der
Verblichene nahezu ein halbes Jahrhundert als aktiver Feuerwehrmann angehört
hatte, begab sich der eindrucksvolle Trauerzug in den Hof der weihevoll
erleuchteten Synagoge, wo Herr Rabbiner Dr. Neuwirth in tief gefühlten
Worten der Trauer und der Dankbarkeit der Gemeinde und der zahlreichen Körperschaften
beredten Ausdruck verlieh. Im Namen des Landesverbandes bayerischer
israelitischer Gemeinden sprach alsdann Herr Schloß, Augsburg, Mitglied
des Rates des Verbandes. Der Vorsitzende der Kultusgemeinde Ichenhausen,
Herr Krämer, würdigte hierauf in herzlichen Worten die Verdienste des
Heimgegangenen, worauf dessen Schwiegersohn, Herr Wäglein, der Trauer der
Familie Ausdruck verlieh.
Gerade in unserer Zeit, in der die jüdischen Landgemeinden von der Gefahr
des Niedergangs mehr als früher bedroht sind, reißt der Verlust eines
Mannes wie Aaron S. G. Heller eine besonders schmerzliche Lücke; denn er
verband tiefe Frömmigkeit mit dem Willen und der Fähigkeit zu
hingebender Mitarbeit an den Aufgaben der religiösen und der politischen
Gemeinde und er trug so zu beider Gedeihen und zur friedvollen
Zusammenarbeit der jüdischen und der nichtjüdischen Bürger unseres, von
ihm so heiß geliebten Vaterlandes bei." |
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Derselbe
Bericht erschien in der "Bayerischen Israelitischen
Gemeindezeitung" vom 15. November 1931. |
Zum
Tod des langjährigen Synagogendieners Moses Meinfelder (1933)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. November 1933: "Ichenhausen,
20. November (1933). Am Samstag, den 18. November verschied dahier im
Alter von über 91 Jahren der Nestor unserer Gemeinde, Moses Meinfelder.
Mehr als 56 Jahre (1872-1928) bekleidete er in vorbildlicher Pflichttreue
und Gewissenhaftigkeit das Amt unseres Synagogendieners. Er war ebenso ein
hingebungsvoller Hüter und Pfleger unseres Gotteshauses wie ein
eifervoller Wächter unserer alten, herrlichen, synagogalen Gesänge und
Bräuche, die er über drei Generationen hinweg hat erhalten helfen. Seine
biedere Art und sein originelles, humorvolles Wesen haben ihm die Herzen
aller Kultusmitglieder gewonnen, von denen er viele in früheren Zeiten in
Chuppoh-Nigun (Hochzeitsmelodie) mit seiner Klarinette durch die Straßen
Ichenhausens zum Traualtar begleitet hat. - Die allgemeine Hochschätzung
und Verehrung, die dem Entschlafenen aus allen Kreisen der Bevölkerung
entgegengebracht wurde, spiegelte sich wider in der außerordentlich
großen Beteiligung an seiner Beisetzung, an der auch ein Zug der
Freiwilligen Feuerwehr, welcher er 60 Jahre lang angehört hatte, mit
Fahne teilnahm. - Da mit Rücksicht auf den Rosch-Chodesch (Monatsanfang)
eine Grabrede nicht gehalten werden konnte, würdigte in einem
anschließend an die Beerdigung angesetzten Maariwgottesdienst in der
Synagoge, an welchem die ganze Gemeinde teilnahm Herr Rabbiner Simon Schwab
die hervorragenden Verdienste unseres 'Mosche' Meinfelder, in dessen
Persönlichkeit der religiöse Glanz und Strahl längst vergangener Zeiten
sich verfangen habe. Herr Kultusvorsteher Julius Krämer schilderte unter
Dankesworten die opfervolle, vorbildliche Hingabe des Entschlafenen, der
ein Musterbeispiel sei dafür, dass es nicht so sehr darauf ankomme,
welches Amt man innehabe, als vielmehr darauf, wie man den Platz, auf den
man gestellt ist, ausfülle. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des
Lebens." |
Zum Tod von Leopold Koschland (1934)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Juni 1934:
"Ichenhausen, 7. Juni (1934). Am Erew Schabbat Koddäsch
BeHaalticha wurde das älteste Mitglied unserer Gemeinde, Leopold
Koschland, im Alter von fast 87 Jahren zu Grabe getragen. Der Verstorbene,
der von glühender Liebe zu Tora und Gottesdienst durchdrungen war,
wollte noch am Morgen seines Todestages bei seinem Enkelkinde als Pate
fungieren, als ihn Gott kurz zuvor in die ewige Heimat zurückrief.
Selbst noch in der Todesstunde zeigte sich seine tiefe Frömmigkeit. Er
ließ die Männer der Chewra Kadischa zu sich rufen, verabschiedete
sich von ihnen mit Worten der Mechila, sagte mit ihnen zusammen die
Schemot, bis er seine reine Seele aushauchte. Am Grabe sprach Herr
Rabbiner Schwab und schilderte den Entschlafenen als einen Jehudi, dessen
Charakter und Wirken durch und durch gehämmertes Gold waren. Als
langjähriger ehrenamtlicher Mohel sei es ihm vergönnt gewesen, nahezu
400 Knaben in den Abrahamsbund aufzunehmen. Seine besondere Liebe galt den
Armen von Erez Jisrael, für die er Jahrzehnte hindurch in hiesiger
Gemeinde als Gabbai väterlich sorgte. Alsdann dankte Herr
Hauptlehrer Hammelburger namens der Chewra Kadischa ihrem
Ehrenvorsitzenden, der sich um die Förderung derselben in fast
60jähriger Mitgliedschaft - darunter 30 Jahre als erster Vorsitzender -
bleibende Verdienste erworben habe, die bereits von dem Vorgänger des
jetzigen Rabbiners, Herrn Rabbiner Dr. Neuwirth, Stuttgart, durch
Verleihung des Chower-Titels gewürdigt waren. Zuletzt nahm ein Sohn des
Verstorbenen in herzlichen Dankesworten Abschied vom Vater, auf den mit
Recht das Wort angewendet werden dürfe: Seine Seele sei eingebunden in
den Bund des Lebens." |
Zum Tod von Siegfried Erlanger (1937)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Januar 1937: "Ichenhausen,
3. Januar (1937). Wie ein Blitz aus heiterem Himmel wirkte die Trauerkunde
in unserer Gemeinde vom Ableben Siegfried Erlangers. Er erreichte ein
Alter von erst 55 Jahren. Am 10. Tewet hatte ihn die ganze Gemeinde
zur letzten Ruhestätte begleitet. Mit tief bewegten Worten sprach Herr
Hauptlehrer Hammelburger an seiner Bahre und nahm Abschied von dem
vornehmen, allzeit hilfsbereiten Menschen. Herr Julius Krämer, erster
Vorsitzender unserer Gemeinde, gab seinem persönlichen Schmerz über den
Verlust des lieben Freundes Ausdruck. Groß ist der Verlust für die
Kulturverwaltung, dessen eifriger und unermüdlicher Mitarbeiter er war.
Als treuer Chewra Kadischah-Mann und tätiger Mitarbeiter im Verein
Bikkur Cholim hatte er Gelegenheit, Wohltätigkeit in großem Maße
zu üben. Möge sein Verdienst der Gattin und den zwei Kindern, denen er
gute jüdische Erziehung gab, beistehen. Seine Seele sei eingebunden in
den Bund des Lebens." |
Zum Tod von Frieda Krämer nach ihrer Reise
(Auswanderung?) nach Kanada (1937)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Mai 1937: "Ichenhausen, 20.
Mai (1937). Aus Kanada kommt die erschütternde Trauerkunde, dass Frau
Frieda Krämer, Gattin unseres ersten Kultusvorstehers, Herrn Julius Krämer,
infolge einer Operation plötzlich verstorben ist. Der Trauerfall ist
deshalb so tragisch, weil die Verschiedene erst vor vier Wochen in voller
Gesundheit Ichenhausen verließ, um in Begleitung ihres Gatten ihren Sohn
zu besuchen. Frau Krämer ist nur 57 Jahre alt geworden und hatte es
verstanden, durch ihr sonniges Wesen, große Liebenswürdigkeit und
vornehmen Charakter allgemeine Wertschätzung in der ganzen Gemeinde sich
zu erwerben. Möge dieses Bewusststein dem tief betrübten Gatten als
Nechomo (Trost) dienen. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des
Lebens. L. Schw." |
Trauerrede für Frieda Krämer (1937)
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Juli
1937: "Ein Hesped in Ichenhausen. Am Sonntag, den 13. Juni
1937, fand im Anschluss an den Abendgottesdienst unter Teilnahme der
Gemeinde und einer Anzahl auswärtiger Freunde und Verwandten ein Hesped
(Trauerrede) zu Ehren der kurz vor dem Schewuothfeste in Kanada
dahingeschiedenen Gattin des Gemeindevorstandes, Frieda Krämer statt.
Herr und Frau Krämer hatten sich nach den Pessachfeiertagen aufgemacht,
um ihren seit 8 Jahren in Kanada wohnenden Sohn und dessen Gattin zu
besuchen; kaum angekommen musste sich Frau Krämer einer Operation
unterziehen, der sie leider erlag. - Die Trauer und der Schmerz um den
Verlust dieser bescheidenen und wohltätigen Frau ist allgemein in unserer
Gemeinde; denn wo sie war, da war Licht und Freude, Hilfsbereitschaft und Gemiluth
Chesed (Wohltätigkeit) im wahrsten Sinne des Wortes. - Das schilderte
in ergreifender Weise Herr Distriktsrabbiner Gerhard Frank in seiner
Ansprache, indem er die Verdienste der leider so früh Dahingeschiedenen
als Mitschwester, als Mutter und als Gattin würdigte. Möge die Tatsache
der allgemeinen herzlichen Teilnahme den Hinterbliebenen Trost spenden und
unserem so hart getroffenen Herrn Vorstande Julius Krämer die Kraft
verleihen, das Schwere zu tragen und wie bisher auch weiterhin segensreich
für unsere Gemeinde zu wirken 'bis 120 Jahre'. D.W." |
Anzeigen jüdischer
Personen / Gewerbebetriebe
Anzeige
des Eisen- und Tuchgeschäftes Jacob Hirsch & Söhne (1867)
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Oktober 1867:
"Offene Lehrlings-Stelle.
In unserm Eisen- und Tuchgeschäfte kann ein kräftiger junger Mann vn
15-16 Jahren mit guten Vorkenntnissen, unter annehmbaren Bedingungen in
die Lehre treten.
Hierauf Reflektierende wollen sich portofrei direkt an uns wenden, und
bemerken wir noch, dass unser Geschäft an Sabbat- und Feiertagen
geschlossen ist.
Ichenhausen bei Günzburg an der Donau (Bayern), den 25. September 1867.
Jacob Hirsch & Söhne." |
Der Toraschreiber A. Körber empfiehlt sich (1886)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Mai 1886: "A.
Körber, Schreiber von Torarollen, Tefillin und Mesusot,
Ichenhausen (Bayern). Hiermit beehre mich ergebenst anzuzeigen, dass
ich mich hier als Schreiber von Torarollen, Tefillin und Mesusot
niedergelassen habe und empfehle mich in allen in dieses Fach
einschlagenden Arbeiten unter Garantie gediegener Ausführung sowohl in
neuen Tefilin, Mesusot, Torarollen als wie auch in jeglicher
Reparatur bei solider und prompter Bedienung. Viele große Gemeinden in
Deutschland, welche mir die Korrektur von Torarollen anvertrauten, haben
ihr volle Zufriedenheit durch Zeugnisse kundgegeben und bin gerne bereit,
auf Verlangen solche zur Verfügung zu stellen. Ich halte mich daher
geschätzten Gemeinden und Wiederverkäufern als wie auch einzelnen Herren
bei Bedarf bestens empfohlen. Hochachtungsvoll A. Körber aus
Tarnow, wohnhaft in Ichenhausen (Bayern). Referenz: Seiner
Ehrwürden Herr Dr. Sohn, Rabbiner in ichenhausen." |
Anzeige von Heinrich Seligmann (1890)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Mai 1890:
"Lehrlings-Stelle. Suche für meinen Sohn, der heuer das einjährige
Examen macht, bis Mitte August dieses Jahres eine Stelle, am
liebsten in einem Bank- und Wechselgeschäft. Kost und Logis im
Hause wäre sehr erwünscht.
Heinrich Seligmann, Ichenhausen (Bayern)." |
Werbung
für den Lamm'schen Wochenkalender (1890 / 1900)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. August 1890: "Max
Lamms hebräischer und deutscher Wochen-Abreiß-Kalender pro 5651
(September 1890 bis Oktober 1891), 11. Jahrgang, Preis 60 Pfennig, ist
erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen. Gegen Einsendung von
70 Pfennig (40 Kr. österr.) per Exemplar versende denselben franko an
jede mir aufgegebene Adresse. Verlag des Lamm'schen Wochenkalenders. S.G.
Heller, Ichenhausen (Bayern)." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Juli 1900: "In
meinem Verlage erschien soeben: Lamm's hebräischer und deutscher Wochenkalender
pro 5661 (21. Jahrgang). Preis 60 Pfennig. Gegen Voreinsendung von 70 Pfg.
franco Zusendung (Ausland 80 Pfg.). S.G. Heller's Buchhandlung, Ichenhausen
(Bayern).
Dieser äußerst praktische Wandkalender sollte in keinem jüdischen Hause
fehlen." |
Anzeige des Restaurants Falk (1900)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Mai 1900: "Zur
gefälligen Beachtung für israelitische Bäckerei! Eine im besten
Zustande befindliche Mazzes-Maschine und alle hinzu gehörigen,
sonstigen Apparate ist zu jedem annehmbaren Preise, wegen Todesfall und
Aufgabe der Bäckerei zu verkaufen. Gefällige Offerten an Restaurant
Falk, Ichenhausen, Bayern." |
Anzeigen des Weiß-, Woll- und Baumwollwarengeschäftes
L.S. Friedberger (1900 / 1901 / 1903 )
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. August 1900:
"Für
mein Weiß-, Woll- und Baumwollwaren-Geschäft suche einen tüchtigen Commis,
welcher mit Branche, Buchführung und Lagerarbeiten vertraut, ebenso einen
Lehrling mit genügenden Vorkenntnissen.
L.S. Friedberger, Ichenhausen (Bayern)." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Juli 1901:
"Für mein Weiß-, Woll- und Baumwollwarengeschäft Engros suche
einen tüchtigen jungen Mann mit nötiger Vorbildung als Lehrling oder
Volontair.
L.S. Friedberger, Ichenhausen, Bayern." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. August 1901: "Commis
der Weiß, Woll- und Baumwollwaren mit flotter Handschrift, mit Komptoir-
und Lagerarbeiten vertraut, findet in meinem Engros-Geschäfte Engagement.
Ebenso findet ein Lehrling mit den nötigen Vorkenntnissen unter
günstigen Konditionen Aufnahme.
L.S. Friedberger, Ichenhausen,
Bayern." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. April 1903: "Suche
für mein Manufaktur-, Weiß- und Wollwaren-Geschäft Engros und -Detail
einen Lehrling oder Volontair, mit nötigen Vorkenntnissen, aus
achtbarer Familie. Samstags und Feiertage geschlossen.
L.S. Friedberger, Ichenhausen in
Bayern." |
S. Henle wirbt für seine Torawimpel (1900)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Dezember 1900: "Wimpel.
Nach Einsendung von Datum und Namen werden Wimpeln von Buben von 2-3
Jahren schön in Farben ausgeführt für 2-6 Mark. Vertreter zum Sammeln
auf allen Plätzen gesucht.
S. Henle, Dekorationsmaler, Ichenhausen, Bayern.
Referenz: Herr Bezirksrabbiner Dr. Kohn, hier." |
Anzeige von Witwe J.N.
Koschland (1903)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. November 1903: "Lehrmädchen-Gesuch.
Für mein Manufaktur- und Weißwaren-Geschäft, samstags und Feiertage
streng geschlossen, suche ich zum sofortigen Eintritt ein
Lehrmädchen aus achtbarer Familie.
J.N. Koschland Witwe, Ichenhausen, Bayern." |
Anzeigen der Wurstwarenfabrik Eduard Liebermann
(1911/1928)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Mai 1911: "Eduard
Liebermann, Ichenhausen (Bayern). Meine langjährige Tätigkeit im In-
und Auslande befähigt mich das Beste zu bieten. Wurstwaren-Fabrik
mit elektrischem Kraftbetrieb. Täglicher Versand von exquisiten, frischen
und Dauer-Wurstwaren. Billigste und prompte Bedienung. Spezialität:
Wiener-, Frankfurter-, Halberstädter Würstchen sowie alle
Aufschnittwaren. Verlangen Sie Probesendung. Filiale: D. Levitte,
München, Landschaftsstraße 1. Unter Aufsicht des Ehrwürdigen Herrn
Distrikts-Rabbiner Dr. Kohn, Ichenhausen." |
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Anzeige
in der "Bayrischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Juli
1928: "Erklärung. Dem verehrlichen Publikum Münchens diene
hiermit zur gefälligen Kenntnisnahme, dass ich in München, Brunnstraße
12 (Eingang Kreuzstraße) eine Filiale für Wurst- und Aufschnitt-Waren
eröffnet habe. Das Geschäft führt Frau Selma Frankenburger, die
vertraglich verpflichtet ist, ausschließlich mein Fabrikat, welches unter
Aufsicht Seiner Ehrwürden des Herrn Distriktsrabbiners Dr. S. Neuwirth in
Ichenhausen steht, zu verkaufen. Sämtliche Ware ist plombiert und mit den
üblichen Anfangsbuchstaben ASch des Namens des Gemeinde-Schochets
Ichenhausen versehen, wodurch eine Verwechslung ganz ausgeschlossen ist.
Um regen Zuspruch bittet Eduard Liebermann, Ichenhausen,
Wurstwarenfabrik." |
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Anzeige
in der "Bayrischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Juli
1928: "Es besteht Veranlassung darauf hinzuweisen, dass das neu
eröffnete Fleischwarengeschäft von Selma Frankenburger, München,
Brunnstraße, Ecke Kreuzstraße, unter meiner Aufsicht nicht steht.
Ichenhausen, den 1. Juli 1928. Rabbiner Dr. S. Neuwirth." |
Anzeige
des Putzgeschäftes L. & M. Mann (1912)
Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom
16. August 1912:
"Modes.
Für unser am Samstagen und israelitischen Feiertagen geschlossenes
Putzgeschäft suchen wir zum sofortigen Eintritt eine
tüchtige
1. Arbeiterin,
die sowohl den billigen, als auch den besseren Genre flott und
selbstständig chic garnieren kann. Gefälligen Offerten mit
Gehaltsansprüchen - Jahresstelle - sowie Zeugnisabschriften
erbitten
L. & M. Mann, Ichenhausen (Bayern)." |
Heiratsanzeige von Moses Gradmann und Adele geb. Fulda
(1922)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. März 1922: "Gott
sei gepriesen.
Moses Gradmann - Adele Gradmann geb. Fulda. Vermählte.
Ichenhausen. 1. Adar 5682 - 28. Februar 1922." |
Heiratsanzeige von Hermann Hirschberg und Jenny geb.
Gradmann (1922)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. November 1922:
"Hermann Hirschberg - Jenny Hirschberg geb. Gradmann.
Vermählte. Frankfurt am Main, Hegelstraße 13 - Ichenhausen
(Bayern). Trauung: Dienstag, den 14. November 1922 - 23. Marcheschwan
5683. Synagoge Ichenhausen." |
Willy Goldberg wirbt für seine Wimpeln (1924)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Juli 1924: "Wimpeln
verfertigt in feinster Kunstausführung rasch und billig Willy
Goldberg, Ichenhausen in Bayern." |
Verlobungsanzeige
von Dr. Lili Neuwirth und Dr. Julius Ottenheimer (1928)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. September 1928:
"Statt Karten -
Beste Neujahrsgrüße ("Gute Einschreibung und Versiegelung").
Ihre Verlobung beehren sich anzuzeigen.
Dr. med. Lili Neuwirth - Dr. med. Julius Ottenheimer.
Stuttgart - September 1928 - Ichenhausen." |
Anzeige von Frau Meinfelder (1928)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. November 1928:
"Suche für meine Nichte, 15 Jahre, große Figur, Stelle als Lehrmädchen
für den Verkauf, wo sie sich auch für Haushalt betätigen kann, in
religiösem Hause.
Angebote an Frau Meinfelder, Ichenhausen bei
Günzburg." |
Hochzeitsanzeige von Mina Oppenheimer und Willy Goldberg (1933)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. März 1933: "Gott
sei gepriesen.
Mina Oppenheimer - Willy Goldberg -
geben ihre - so Gott will - am 3. April 1933 - 7. Nissan 5693 in Ansbach,
Hotel Zirkel, stattfindende
Vermählung bekannt. Hanau - Bechhofen
/ Ichenhausen." |
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 22. November 1934: "Mit Gottes Hilfe.
Zipora Meyer - Julius Weil. Vermählte.
Ichenhausen / Basel Birmannsgasse 17 - Basel Spalentorweg
8.
Trauung 25. November 1934 - 18. Kislew 5695.
Pension Ivria, Zürich". |
Verlobungsanzeige
von Klara Gutmann und Albert Leiter (1937)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Juli 1937: "Gott
sei gepriesen.
Klara Gutmann - Albert Leiter. Verlobte.
Ichenhausen - Schwaben. Buttenwiesen
- Schwaben.
Schabbat Nachamu 5697 (= 24. Juli 1937)". |
Verlobungsanzeige von Hilde Mann und Alfred Gerstle sowie Sophie Emanuel und
Theo David Gerstle (1937)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. September 1937:
"Statt Karten - Gott sei gepriesen.
Hilde Mann - Alfred Gerstle. Sophie Emanuel - Theo David Gerstle.
Verlobte.
Ichenhausen - Jerusalem / Hamburg - Kibbuz Chofez - Chajim Gedera /
Ichenhausen". |
Einige Postkarten
und weitere Dokumente mit Bezug zu
jüdischen Gewerbebetrieben und Privatpersonen in Ichenhausen
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim /
Ries)
Geschäftsbrief von
Kriegshaber
nach Ichenhausen (1853) |
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Absender des
Briefes waren die (jüdischen Gemeindeglieder in Kriegshaber)
Gebr. Feist
& M. Götz in Kriegshaber; der Brief wurde am 21. Dezember 1853
an
Israel Koschland in Ichenhausen verschickt. |
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Brief von Julius Liebermann
nach München (1858) |
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Absender des
Briefes war Julius Lieberman aus Ichenhausen. Der Brief wurde laut
Poststempel und handschriftlichem Datumsvermerkt am 8. Oktober 1858 an
Heinrich Liebermann in München verschickt. |
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| Postkarte von 1876,
versandt von Ichenhausen nach Königsbronn |
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Die Postkarte
wurde am 3. September aus Ichenhausen versandt; Empfänger war das
Königliche Hüttenamt Königsbronn bei Heidenheim. Als Absender zeichnet
die Fa. Jacob Hirsch & Söhne in Ichenhausen. |
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Geschäftskarte der Gebr.
Krämer
& Weimersheimer (1882) |
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Geschäftskarte
der Gebrüder Krämer & Weimersheimer vom 28. April 1882, versandt
von
Ichenhausen nach Freiburg. Gebr. Krämer & Weimersheimer waren
Inhaber
eines Leder- und Häutegeschäftes. |
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| Postkarte von 1902,
versandt von Kleinsteinach nach
Ichenhausen |
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Die Postkarte
wurde am 20. Oktober 1902 in Kleinsteinach
abgestempelt und an Moritz Bernheimer in Ichenhausen gesandt; Absender: S.
Wolfermann (vermutlich Sali Wolfermann, geb. 27. März 1877 in Mainbernheim,
letzter Wohnort Kleinsteinach) |
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Postkarte von 1909,
versandt
von München nach Ichenhausen |
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Die
Firmen-Postkarte der Spritfabrik von Max Wassermann aus München wurde am
26. März 1909 an Moritz Bernheimer in Ichenhausen versandt. |
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Postkarte von 1908,
versandt an den
Militärapotheker Sigo Bernheimer
im Garnisonslazarett
Lager Lechfeld |
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Die Postkarte
wurde am 5. Juni 1908 an Sigo Bernheimer versandt, Einjähriger
Freiwilliger Militärapotheker im Garnisonslazarett Lager Lechfeld; es
handelt sich um eine Geschäftspostkarte aus Ichenhausen von den
Gebrüdern Sulzer. Sigo Bernheimer (geb. 18. Mai 1884) wurde in der
NS-Zeit nach Auschwitz deportiert. |
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Postkarten von 1908
an Sigo Bernheimer |
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Die
Postkarte an Sigo Bernheimer wurden am 17. Oktober beziehungsweise
am 28. Oktober 1908 aus Ichenhausen versandt. |
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Postkarte von 1909
an Sigo Bernheimer |
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'Die
Postkarte wurde am 14. September 1909 an Sigo Bernheimer in Schweinfurt
verschickt mit Glückwünschen zum (jüdischen) Jahreswechsel. |
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Karte an Lina Weimersheimer
aus Ichenhausen (1908) |
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Die Karte (mit
persönlichem Inhalt) an Frl. Lina Weimersheimer (c/o Lehrer Possenheimer)
wurde am 29. September 1910 (Poststempel Ichenhausen) nach Böchingen
in der Pfalz verschickt; die Familie Weimersheimer hatte in Ichenhausen
ein Leder- und Häutegeschäft, das in der NS-Zeit 1938 zwangsweise
aufgelöst und veräußert wurde. Lina Weimersheimer (Foto rechts aus dem
Buch zur Ausstellung "Ein fast normales Leben" anlässlich der
Feier "10 Jahre Wiedererrichtung der Synagoge Augsburg - 10 Jahre
Gründung des Jüdischen Kulturmuseums" S. 135 mit dem Untertitel:
"Eine bildschöne Braut: die zwanzigjährige Lina Weimersheimer aus
Ichenhausen. Sie heiratete den Arzt Dr. Alfred
Löwenstein". |
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Postkarte von
Sigmund Erlanger,
Ichenhausen von 1912 |
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Die
Postkarte wurde an den pensionierten Lokomotivführer Friedrich Schneider
in Augsburg geschickt. Mitgeteilt wird der Zins aus einem Guthaben. |
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Karte an die Fa.
Regensburger
in Ichenhausen (1923) |
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Die Brief wurde
mit Datum vom 13. August 1923 von der Süddeutschen Transport-
Versicherungs-AG in München an die Firma Regensburger & Co. in
Ichenhausen geschickt. |
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Karte aus dem
familiären Umfeld
des Hollywood-Gründers Carl Laemmle,
verschickt von Frieda H. Laemmle
aus Ichenhausen (1925) |
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| Oben: Ansicht von Ichenhausen |
Foto oben: Besuch von Carl Laemmle
bei Verwandten in Ichenhausen
(insbesondere Familie Heller); aus: Gernot
Römer, Schwäbische Juden S. 253. |
Nach den
Recherchen von Peter Karl Müller handelt es sich bei der Absenderin
sehr wahrscheinlich um Frieda Laemmle geb. Heller (Unterschrift Frieda H.
Laemmle - das H. steht für Heller). Frieda Heller war die älteste Tochter von Aron Heller und Fanny, geb. Gerstle. Sie heiratete Louis Laemmle, den Bruder von Carl Laemmle, der (Carl) seine Lehrzeit bei dem Vater von Frida in Ichenhausen
absolvierte. Die jüngste der Heller-Mädchen Eppi heiratete einen Neffen von Carl
Laemmle - Edward Laemmle. Dies erklärt auch ein Foto in Gernot Römer´s Buch "Schwäbische Juden", das die Heller-Familie mit Carl Laemmle und Sohn zeigt
(siehe links). Im Buch "Ein eigenes Reich - Wie jüdische Emigranten "Hollywood" erfanden" von Neal Gabler findet
sich die Aussage, dass Louis Laemmle wahrscheinlich im Hitler-Deutschland geblieben wäre, hätte ihm nicht seine durch einen Schlaganfall halb gelähmte Frau ein Ultimatum
gestellt, gegebenenfalls auch ohne ihn Deutschland zu verlassen (S. 471).
Am 30. Sept.1938 reisten Sie ab nach Amerika. Eine weitere Bestätigung, dass es sich bei der Schreiberin um Frieda Laemmle, geb. Heller handelt ist der
Stammbaum der Familie (siehe Link), auf dem als Sohn von Frieda und Louis der 1912 geborene Richard
eingetragen ist.
Zum Inhalt der obigen Karte: Frieda bedankt sich für die guten Wünsche zu
Richards Barmitzwah. Es war eine wunderbare Feier und alle hatten
eine eine gute Zeit und waren glücklich. Anschließend äußert sie die Hoffnung auf ein mögliches Treffen in New York, da Sie vor hat, am 9. Oktober mit dem Segelschiff von Cuxhaven nach New York zu reisen, wo Sie am 19. Oktober hofft anzukommen. Es folgen noch die besten Wünsche für ein glückliches Neues Jahr. |
| Link
zu einem Stammbaum, auf dem Aron Heller und seine Tochter Frieda, die
Frau von Carl Laemmles Bruder Louis, als auch deren Schwester Peppi, die
einen Neffen von Carl Laemmle heiratete, zu finden sind |
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| Wikipedia-Artikel
zu Carl Laemmle |
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Briefkopf der Kleiderfabrik
Gebrüder Sulzer (1934) |
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Rechnung der
Kleiderfabrik Fa. Gebrüder Sulzer aus Ichenhausen vom 13. April 1934 |
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Sonstiges
Ichenhausener Gebetbuch (1544)
Abbildung
links: "Ichenhausener Gebetbuch aus dem Jahre 1544. Eigentum der
Bayerischen Staatsbibliothek in München" in einem Beitrag über
"Hebräische Buchdruckereien im Gebiete des heutigen Bayern" von
Dr. Josef Prys in München." |
Haustürinschrift
und weitere Besonderheiten am und im Haus Friedberger (innerhalb
eines Artikels von 1927)
Aus
einem Artikel in der "Bayerischen Israelitischen
Gemeindezeitung" vom 19. September 1927:
Bildunterschrift: "Haustüre mit hebräischer Inschrift.
Privatbesitz: H. Friedberger, Ichenhausen."
"Eine ausgesprochene Sederplatte aus Zinn mit sinngemäßer
Beschriftung finden wir im hause des Herrn Friedberger in Ichenhausen und
bei Herrn Dr. M. J. Gutmann, besonders die erste ist sehr schön
ausgeführt. Das Friedberger'sche Haus, das schon seit seiner Erbauung
(1763) im Familienbesitz ist, bezeichnet sich schon beim äußeren Anblick
als jüdisches Eigentum. Es trägt in einer geschmackvollen Cartouche die
Zeilen: (hebräisch und deutsch) 'Schwarz auf Weiß, Erinnerung der
Tempel-Zerstörung, im Jahre 1763'; dazu ist im oberen Türbalken
eingeschnitten der Wunsch: (hebräisch und deutsch) 'Gesegnet seist Du
bei Deinem Eingang und gesegnet bei Deinem Ausgang, im Jahre 1763';
Abb. 3). Ein besonders reicher Zimmerschmuck des Friedberger'schen Hauses
ist die prächtige Lampe, die ähnlich einer Sabbatlampe, jedoch mit 16
Kerzen erstrahlt (Abb. 4). Sie dürfte mit dem Hausbau zeitlich
zusammenfallen." |
Patriotisches Gedicht von J. Blum (1927)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Juli 1927: "Der
Jude auf Posten. Von J. Blum in Ichenhausen.
Dort zwischen Serre und Hebuterne,
Unweit der Somme, der Heimat so fern,
Stehn deutsche Männer und Jungen bereit
Zur Wehr und Ehr, zum Sieg im Streit.
Schleichen im Dunkel der schützenden Nacht,
In Gruppen zu zweien und einzeln auf Wacht.
Versinkend im Wasser und lehmigem Brei,
An Löchern und Trichtern und Gräben vorbei.
Das Gewehr umspannt von nerviger Hand
Die Gasschutzmaske am Schulterband,
Auf dem Kopf den Helm von schwerem Stahl,
Um die Brust den Gürtel für Tod und Qual,
Den Mut gestählt in Jammer und Not,
Im Kampf bewährt auf Leben und Tod,
Doch im Herzen nach Heimat, nach Kind und nach Weib,
Die zehrende Sehnsucht, das rührende Leid.
So wachten sie gestern, so wachen sie heut';
Steh'n treu ihren Posten, wie Pflicht es gebeut.
Da ruft sie die Aufsicht vom Grabendienst an:
'Der Feind,' - 'Alles ruhig!' 'Parole?' 'Sedan!'
Den Feinden - befangen im blutigen Wahn - ,
bot unser Kriegsherr den Frieden an!
Da jubelt der Jüngling: 'O, ist das fein,
vielleicht wenige Wochen, dann kehren wir heim!'
's ist doch nur Schwindel, ich glaube es nicht;
Ein Latrinenbefehl' - der zweite spricht.
Der Jude blieb still. Den betrübt es wohl gar?
Er betet leise: 'O Gott, mach's wahr'." |
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