Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Ichenhausen (Kreis Günzburg) 
Texte/Berichte zur jüdischen Geschichte des Ortes  
  
Hier: Texte zum jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben sowie zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde   

Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Ichenhausen wurden in jüdischen Periodika gefunden. 
Bei Gelegenheit werden weitere Texte eingestellt. Neueste Einstellung am 26.1.2015.    
   
   
Übersicht:

Allgemeine Berichte zur Geschichte der jüdischen Gemeinde   
-  
Geschichtliches vom ehemaligen Markt und der nunmehrigen Stadt Ichenhausen - zur jüdischen Geschichte (Artikel von 1928) 
-  
"Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde Ichenhausen" von Hauptlehrer Jakob Blum (1935)  
Kleine Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben  
I
n der Gemeindeverwaltung von Ichenhausen sind vier jüdische Männer tätig (1847)  
Aus einem Reisebericht: Eindrücke aus der jüdischen Gemeinde Ichenhausen (1850)    
-  Artikel von 1865   
-  
Die Gemeinde in Ichenhausen achtet auf Wohltätigkeit wie auf Toralernen (1865)   
-  
Königlicher Besuch in Ichenhausen (1867)    
-  
Chanukkafeier in der Gemeinde (1921)  
Aufführung eines Palästinafilmes und Vortrag über den Zionismus (1925)    
-  
Erweiterung des Gebietes der Israelitischen Gemeinde (1927)    
-  
Schenkung von Max Koschland aus San Francisco (1929)    
-  
Aufführung des Jüdischen Jugendvereins (1930)  
-  
Chanukkafeier in der Gemeinde (1930)   
-  
50jährige Gründungsfeier für den Verein Bikkur Cholim (1930)   
Vortrag von Rabbiner Schwab über "Um die Heimat des Judentums?" (1933!)  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Zum Tod von Rabbi Jacob Hirsch Holländer (1867)    
Goldene Hochzeit von Heinrich und Sophie Bißinger (1898)        
-  Zum Tod des aus Ichenhausen stammenden Nathan Hirsch (in München, 1900)   
Zum Tod von Mina Friedberger (1911)  
-  Ehrung des 1. Kultusvorstehers Michael Sulzer und Verleihung des Ehrenbürgerrechts (1911) 
4
0-jähriges Amtsjubiläum des Kultusbeamten Moritz Meinfelder (1912)    
-  Hermann Reichenberger erhält das Eiserne Kreuz (1914)   
Unteroffizier Emil Heilbronner wird mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet (1916)  
Vizefeldwebel R. Kann und Unteroffizier Max Meyer werden mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet (1917)  
Zum Tod von Mina Gerstle geb. Hirsch (1921)  
Zum Tod des aus Ichenhausen stammenden Anselm Hirsch (1922) 
Zum Tod des langjährigen Gemeindevorsitzenden und Stadtrates Aaron S.G. Heller (1931)  
Z
um Tod des langjährigen Synagogendieners Moses Meinfelder (1933)    
-  Zum Tod von Leopold Koschland (1934)  
B
eiträge von zwei Schülerinnen - Irmgard und Renate Regensburger - zu den Hohen Feiertagen (1936)   
-  Zum Tod von Siegfried Erlanger (1937)     
Zum Tod von Frieda Krämer nach ihrer Reise (Auswanderung?) nach Kanada (1937)  
-  Trauerrede für Frieda Krämer (1937)     
Anzeigen jüdischer Personen / Gewerbebetriebe  
A
nzeige des Glas-, Porzellan- und Eisenwarengeschäftes Heinrich Wimpfheimer (1863) 
A
nzeigen des Eisen- und Tuchgeschäftes Jacob Hirsch & Söhne (1865 / 1867)       
-  Der Toraschreiber A. Körber empfiehlt sich (1886)       
-  
Anzeige von Heinrich Seligmann (1890)    
-  
Werbung für den Lamm'schen Wochenkalender (1890/1900)    
Anzeige des Restaurants Falk (1900)   
Anzeigen des Weiß-, Woll- und Baumwollwarengeschäftes L.S. Friedberger (1900 / 1901 / 1903)  
S. Henle wirbt für seine Torawimpel (1900)     
Anzeige von Witwe J.N. Koschland (1903)    
Anzeigen der Wurstwarenfabrik Eduard Liebermann (1911/1928)  
Anzeige des Putzgeschäftes L. & M. Mann (1912)   
Verlobungsanzeige von Johanna Hirschberg und Jacob Gradmann (1920)     
Heiratsanzeige von Moses Gradmann und Adele geb. Fulda (1922)  
Heiratsanzeige von Hermann Hirschberg und Jenny geb. Gradmann (1922)  
Willy Goldberg wirbt für seine Wimpeln (1924)    
Verlobungsanzeige von Dr. Lili Neuwirth und Dr. Julius Ottenheimer (1928)   
Anzeige von Frau Meinfelder (1928)  
V
erlobungsanzeige von Friedl Goldberg und Benno Goldschmidt (1930)  
Hochzeitsanzeige von Mina Oppenheimer und Willy Goldberg (1933)  
H
eiratsanzeige von Zipora Meyer und Julius Weil (1934)    
Verlobungsanzeige von Klara Gutmann und Albert Leiter (1937)  
Verlobungsanzeige von Hilde Mann und Alfred Gerstle sowie Sophie Emanuel und Theo David Gerstle (1937)  
Einige Postkarten/Briefe  mit Bezug zu jüdischen Gewerbebetrieben und Privatpersonen in Ichenhausen (aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries) 
 - Geschäftsbrief von Kriegshaber nach Ichenhausen (1853)  
Brief von Julius Liebermann nach München (1858) 
Postkarte von 1876, versandt von Ichenhausen nach Königsbronn  
Geschäftskarte der Gebr. Krämer & Weimersheimer (1882) 
Postkarte, versandt von Leopold Bissinger (1888) 
Postkarte der Fa. L. S. Friedberger nach Ebingen (1889)   
Postkarte von 1902, versandt von Kleinsteinach nach Ichenhausen   
Postkarte von 1909, versandt von München nach Ichenhausen  
Postkarte von 1908, versandt an den Militärapotheker Sigo Bernheimer im Garnisonslazarett Lager Lechfeld   
Postkarten von 1908 an Sigo Bernheimer 
Postkarte von 1909 an Sigo Bernheimer 
Karte an Lina Weimersheimer aus Ichenhausen (1908) 
Postkarte von Sigmund Erlanger, Ichenhausen (1912) 
Karte an die Fa. Regensburger in Ichenhausen (1923)  
Karte aus dem familiären Umfeld des Hollywood-Gründers Carl Lämmle, verschickt von Frida H. Lämmle aus Ichenhausen (1925) 
Briefkopf der Kleiderfabrik Gebrüder Sulzer (1934)   
Postkarte von 1902 an den "Königlichen Gerichtsvollzieher" von Anselm Gerstle, Ichenhausen 
Brief an Sigmund Günzburger, Ichenhausen (1886) 
Karte von David Levy (Trikotwarenfabrik in Hechingen) an Israel Koschland in Ichenhausen 
Rechnung von Samuel Gabriel Heller, Ichenhausen für Max Kaiser in Krumbach (1877)   
Brief von J. L. Hesselberger aus Fürth an Israel Koschland in Ichenhausen (1856)  
Rechnung von Gustav Henle, Ichenhausen für Max Herz in Krumbach (1911)      
Sonstiges   
Ichenhausener Gebetbuch (1544)  
Erinnerungen an die Auswanderungen im 19. Jahrhundert: Grabstein in New York für Leopold Coshland (Koschland) aus Ichenhausen (gest. 1860)    
Haustürinschrift am Haus Friedberger (innerhalb eines Artikels von 1927)   
Patriotisches Gedicht von J. Blum (1927) 
Kennkarte aus der NS-Zeit für Elsa Strauß geb. Meier (1939)   

   
   
   
Allgemeine Berichte zur Geschichte der jüdischen Gemeinde     
Geschichtliches vom ehemaligen Markt und der nunmehrigen Stadt Ichenhausen - zur jüdischen Geschichte (Artikel von 1928)

Ichenhausen BayrGZ 01041928.jpg (145730 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. April 1928: "Geschichtliches vom ehemaligen Markt und der nunmehrigen Stadt Ichenhausen (Anmerkung: nachfolgende Ausführungen entnehmen wir dem unter obigem Titel erschienenen Buche von H. Dekan Heinrich Sinz. Ichenhausen 1926. Verlag von Josef Wagner.)
Erwerb von Bauplätzen. Als durch den Pressburger Frieden die Markgrafschaft samt Ichenhausen an die Krone Bayern kam, erhielten die Juden große Erleichterung. Gemäß gutsherrlicher Verordnung durfte bisher kein Jude ein Haus im Mittelmarkte besitzen, diese Beschränkung fiel durch die Toleranz Bayerns. Im Jahre 1808 kaufte nun Marx Jakob das Haus Nr. 60 im Mittelmarkte (Apotheke) und damit erwachte ein Widerspruchsgeist gegen alle Grundrentenrechte, der nicht mehr zur Ruhe kam, bis die Rechte den Berechtigten entwunden waren. Gleich zu Beginn der neuen zeit, im ersten bayerischen Jahre, tauchten neue, allerdings schön länger vordringliche Fragen auf, deren Austrag in hitzigem Für und Wider durchgekämpft wurde.
Schon am 28. November 1798 hatte Obervogt Willibald Staiger und Compagnie (Böhnle und Konsorten), die sich zu diesem Zwecke zusammenschlossen, von der hiesigen Ortsherrschaft den an den Markt gegen Aufgang grenzenden so genannten eigentümlichen St. Annagarten, ¾ Jauchert ungefähr im Maße haltend, um (wie er sagte) die enorme Summe von 3.855 Gulden gekauft mit dem ausdrücklich vorbedungenen unbeschränkten Rechte, geräumig schöne Wohnungen für die Juden und Christen bauen zu dürfen. Der Garten war wegen der nahen Anliegenheit und Verbindung mit dem Markte teils der am besten gelegene Platz, teils aber wegen des steten Durchlaufens der Leute zur Nutzung an Gras und Obst für die Herrschaft der schädlichste. Nach allpflichtmäßiger Einschätzung hatte der Garten höchstens einen Wert von 1.200 bis 1.500 Gulden. Die hohe Summe wurde nur bezahlt, weil den Käufern das unbeschränkte Baurecht eingeräumt wurde und zwar zu einer Zeit, wo die hiesige Ortsherrschaft solche Erlaubnis zu geben noch im Stande war und von ihr nur die jurisdiktionellen und grundherrlichen Effekten auf die zu erbauenden Häuser vorgehalten wurden. Staiger hatte die anderen Konsorten ausgelöst und das ganze Geschäft schließlich allein auf sich genommen. Mehrere sehr ansehnliche Häuser, die an Schönheit, Güte und Ordnung andere in Ichenhausen weit übertrafen, waren schon erbaut unter Aufwendung eines großen Kapitals. Dieselben wurden von Christen bewohnt, lauter nützlichen und sehr häuslichen Leuten, welche durch ihre steten Beiträge die gemeinen Lasten des Marktes, auch die schon vergangenen aus der Kriegsschuld, mitzubezahlen halfen.
Ichenhausen BayrGZ 01041928a.jpg (400847 Byte)Bau eines neuen Judenhauses (1806). Nun sollte (1806) ein neues Haus in diesem Garten für die Judenschaft erbaut werden. Da begann eine große Hetze gegen Staiger, der viele Neider hatte und dem schlimme schädliche Absichten unterlegt wurden, woran sich auch Bürgermeister Bader (der noch nicht lange im Markte ansässig war) und Metzger Augustin Seif beteiligten, die sich beim königlich bayerischen Landgericht, das in Wettenhausen errichtet war, beschwerten. Staiger verteidigte sich in einem ausführlichen Schreiben: nach dem Rezesse von 1717 dürfe die Judenschaft nur 35 Häuser besitzen, abteilen und mit so viel Ehen oder Inwohnern von ihren Kindern besetzen, als sie will. So sei es bis vor fünf und sechs Jahren gewesen, wo in manchem Hause nicht nur 12 und mehr, sondern in manchem Zimmer sogar zwei bis zwei zahlreiche Familien sich befanden, sodass an manchen Dingen ebenso viele Eigentum hatten als Bewohner im Hause waren, ohne dass die Grenzen eines jeden Eigentums selbst mehr bestimmt werden konnten. Das sei, da jetzt 192 Familien hier weilen, der allgemeinen Gesundheit schädlich und führe zu vielen Prozessen und Zwistigkeiten der Inwohner. Neue Ansiedlungen seien nicht nur sehr nützlich, sondern sogar nach Grundsätzen der medizinischen Polizei zur Abwendung sichtlich drohender und schon wirklich gezeigter Übel höchst notwendig. Die Judenschaft selbst, so schreibt Obervogt Staiger weiter, ist dem ganzen Markte allhier, als dem notorisch in der ganzen Gegend vorzüglichsten Gewerbs- und Handelsorte, nicht nur ganz unschädlich, sondern durch sich selbst sowohl als wie durch den häufigen Zug von fremden Leuten jedem, Gewerbe höchst nützlich und der ganzen Gegend durch Absatz von Holz, Viktualien, Obst und jeden Kleinigkeiten zum Verkauf am bequemsten und vorteilhaftesten, in dem die Leute jedes Bagatell bei so zahlreichem Volker teuer genug anzubringen imstande sind und von der Ichenhausischen christlichen Bevölkerung alle Klasse der Professionisten sich nähern können. Und da täglich nur auf Boten- und Taglöhner, ohne anderes wie z.B. Waschen und so weiter zu rechnen, bis 30 und mehr Personen bei den Juden beschäftigt sind, ja sogar durch den Dienst sich mehrere Christenfamilien nähren können, so kann man behaupten, dass die Judenschaft zum bestand des Marktes und des im Vergleich zu anderen Orten und kleinen Städten so unvergleichlich großen und starken Gewerbes beiträgt, ohne in Anschlag zu bringen, was die Judenschaft an Gemeindslasten, Kriegslieferungen, Quartieren, Weggeldern und im Steuerwesen beizutragen hat zur Erleichterung der allgemeinen Gemeinde. Staiger hatte schon vor einem Jahr für ein neu zu erbauendes Haus für die Judenschaft bereits das Holz gekauft, Bretter, Kreuzstöcke, Türen, Beschläge und so weiter herbeigeschafft und dadurch eine beträchtliche Ausgabe von einigen hundert Gulden erlitten und bat deshalb, dass ihm, der schon 18 Jahre Amt und Ort Ichenhausen verwaltet, der Bau gestattet werde (14. Juli 1806).
Das Königliche Landgericht Wettenhausen gab das Gesuch weiter an die königlich bayerische Landesdirektion in Schwaben zu Ulm und bemerkte hiezu: Dieserorts ist man der unmaßgeblichen Ansicht, dass dem Beamten Staiger der obwaltenden Umstände wegen die allergnädigste Erlaubnis zur Erbauung des neuen Hauses erteilt werde, jedoch unter der doppelten Klausel, dass 1. bei Erbauung und Veräußerung des Hauses nur auf bessere Verteilung der schon vorhandenen, keineswegs aber auf Ansiedlung neuer oder fremder Judenfamilien Bedacht genommen werden soll und dass 2. eine solche Anhäufung jüdischer Familien in einem und demselben Hause, wie sie bisher statt hatte, in Zukunft nicht mehr gestattet werde. Um das letztere desto eher zu bezwecken, würde es vielleicht am besten sein, wenn von nun an für die Judenschaft in Ichenhausen nicht mehr die Anzahl der Häuser, die sie bewohnen, sondern die Anzahl der Familien, die sich häuslich niederlassen darf, allergnädigst bestimmt würde. Dazu dürfte freilich nötig sein, nähere Untersuchungen darüber anzustellen, wie viele Judenfamilien sich zu Ichenhausen ernähren können. Am 4. August 1806 kam von der königlichen Landesdirektion in Ulm die Rückantwort an das Landrichteramt Wettenhausen, welche lautete: Die Erbauung eines neuen Judenhauses wird zwar nach dem landrichteramtlichen Antrag, jedoch nur unter der ausdrücklichen Bedingung genehmigt, dass keine fremde Familie darin aufgenommen werde und dass solches auch für die Zukunft nicht von mehr Familien zugleich bewohnt werde, es sei denn, dass diese eine von jenen seien, welche schon in einem anderen Judenhause ihren Insitz haben. Damit war der Streit um das neue Judenhaus beendigt, dem einen Bau folgten bald viele andere.
Erlass vom Jahre 1813: Am 31. Juli 1813 wurde folgender Erlass des königlichen Generalkommissariats des Oberdonaukreises herausgegeben: 1. Es muss eine Matrikel über die Judenschaft hergestellt werden mit besonderer Berücksichtigung der Erwerbsart. 2. Der Schulden- und Vermögensstand der Gemeinde muss so genau als möglich erhoben werden. 3. Wegen Auflösung der kirchlichen Gemeinden und Verwendung der nach dem Gesetze überflüssigen Synagogen, dann in Ansehung des dabei angestellten Personals, wird nähere Entschließung erfolgen; sogleich ist aber die bisher von den Rabbinern noch ausgeübte Gerichtsbarkeit als erloschen anzusehen und das Geeignete wegen allenfalls bei denselben anhängigen Gegenständen von Amts wegen zu verfügen. Vom Patrimonialgerichte wurde dann den Juden gemäß Auftrag vom 11. August 1813 eröffnet, dass mit dem 23. August die nach dem neuesten Edikte über die Verhältnisse der jüdischen Glaubensgenossen herzustellende Matrikel begonnen werde. Ferneres muss jeder Jude einen deutschen Familiennamen annehmen.
Das Letztere hatten viele in der vorhergehenden Jahrzehnten dahier schon aus eigenem Antrieb getan; die anderen wählten sich neue und durften sie führen, falls sie nicht zu häufig oder einer bereits bekannten Familie eigen waren. Nach dem Edikte über die Verhältnisse der Juden sollte auch mit Ausnahme der bereits ansässigen Familienväter der Schacherhandel eingestellt sein, namentlich auch für Jünglinge vom 12. bis 30. Jahre. Es sollte eine Musterung der ledigen Jünglinge, die über 12 Jahre alt, sohin nicht mehr schulpflichtig sind, stattfinden. Sie sollten zur Auswahl eines bodenständigen Berufes bestimmt werden und die Realisierung ihrer Zusage binnen 14 Tagen versichern. Der Kleinhandel im Umherziehen sollte unterbleiben, außer es ist die Notwendigkeit dieses Erwerbszweiges für ein Familienoberhaupt bestimmt anerkannt und dann nur für gewisse Bezirke. Jeder, der die Berechtigung zum Hausierhandel erlangen will, hat beim Landgerichte um Bewilligung nachzusuchen, die er dann schriftlich erhält. Ohne diese Erlaubnis darf kein Handel getrieben werden. Alle anderen in Händen befindlichen Pässe sind ungültig.
Verfassung 1818. Regierungsentwurf 1849. Letzter Vergleich mit der Ortsherrschaft. Die bayerische Verfassung vom Jahre 1818 sicherte den nichtchristlichen Glaubensgenossen vollkommene Gewissensfreiheit zu, diese erhielten aber an den staatsbürgerlichen Rechen nur in dem Maße einen Anteil, wie er ihnen in der organischen Edikten über
Ichenhausen BayrGZ 01041928b.jpg (209583 Byte)ihre Aufnahme in die Staatsgesellschaft gewährt wurde. Das galt auch von den Juden. Am 7. April 1824 leisteten die Schutzjuden Ichenhausens ihren Eid. Mit der Ortsherrschaft gab es beständig Streit bald über diese, bald über jene Grundrentenverweigerung, bis es schließlich zu einem förmlichen Prozesse kam (1829), der sich zehn Jahre hinzog. Inzwischen hatte die Regierung 1831 das Versprechen gegeben, die Gesetze über die Verhältnisse der jüdischen Glaubensgenossen zu revidieren. Als dies nicht geschah, wandten sich die Juden 1846 in ausführlichen Bittschriften zur Aufhebung aller Ausnahmegesetze an den Landtag. Ein im Jahre 1849 eingebrachter Regierungsentwurf gestand den israelitischen Staatsangehörigen fortan im ganzen Umfang des Königreiches bei gleichen Pflichten, auch gleiche staatsbürgerliche und bürgerliche Rechte mit den christlichen Staatseinwohnern zu und hob alle entgegenstehenden Bestimmungen früherer Gesetze und Verordnungen auf. Dieser Entwurf wurde zwar von der zweiten Kammer angenommen, von der Reichsratkammer aber wurde er am 16. Februar 1850 angelehnt.
Der Prozess zwischen der Gutsherrschaft und Judenschaft in Ichenhausen, in welchen die ganze politische Lage hineinspielte, endete mit einem Abgaben-Moderations-Vergleich (dem zweiten) in Augsburg am 9. Januar 1839, der Vertrag wurde im Protokoll des Landgerichts Günzburg am 29. Januar 1839 protokolliert und vom Königlichen Staatsministerium in München am 11. März 1840 ratifiziert. Beide Teile hegten den Wunsch, den langjährigen Streit, der beim königlichen Oberapellationsgericht schwebte, durch einen Vergleich zu beendigen. Die Juden hatten hierzu ermächtigt den Aron Schwab, Samuel Neuburger, Leopold Hirsch und Daniel Einstein. Der Rezess von 1818 war zu Grunde gelegt, wobei aber die Judenschaft auf den Fall, dass infolge der Zeit die israelitischen Glaubensgenossen im Königreiche Bayern sich gesetzlicher Emanzipation, d.h. völliger Gleichstellung mit den Bekennern der christlichen Konfession zu erfreuen hätten, sich in dieser Beziehung ihre Recht vorbehielt, jedoch mit dem Zusatze, dass dieser Vergleich auf alle 15 Jahre von heute ab gilt. In diesem Vergleiche waren die Abgaben der Israeliten an die Gutsherrschaft bestimmt. Jeder verheiratete oder ansässige Israelite hatte jährlich zu bezahlen a) Grundzins 2 Gulden, b) Feldfrohn in Geld reluiert 3 Gulden, c) Küchengefälle 1 Gulden 15 Kreuzer, d) Herbergsgeld 2 Gulden, im ganzen 8 Gulden 15 Kreuzer. Nach dem Ablösungsgesetz vom 4. Juni 1848 fiel das Herbergsgeld weg, sodass nur mehr 6 Gulden 15 Kreuzer zu bezahlen waren. Jedes Haus, auch ½, 1/3, ¼, 1/6 Häuser, hatten das gleiche zu zahlen. Witwen zahlten bis zur Wiederverheiratung die Hälfte. Aus jedem zehentbaren Acker war der Zehent oder das fixierte Großzehentgeld zu entrichten. Die Erhebung der jährlichen Rechnungsgelder sollte geschehen wie früher in vier Quartalen, Sebastian, Georgi, Bartholomä und Martini. Der Vergleich sollte auch für die Nachfolger gelten – es war nur mehr einer. Die Israeliten mussten zugeben: Der Vertrag ist nicht Ausfluss der Leibeigenschaft, steht auch nicht im Widerspruch mit den in Bayern dermalen geltenden Gesetzen, sondern in Anerkennung des mehr als hundertjährigen Besitzes der Herrschaft.
Gustav von Stain verkaufte 1854-1858 seinen Ichenhauser Besitz. Was der Prozess und das große Revolutionsjahr 1848 nicht geändert hatten, das änderte das Gesetz vom 3. Juli 1869, das alle noch bestehenden Beschränkungen der bürgerlichen Rechte der Israeliten beseitigte. Die Israeliten bilden mit den Christen seitdem eine politische Gemeinde, von dieser getrennt besteht ihre Kultusgemeinde und das Rabbinat, das von den ehedem elf Rabbinaten in Schwaben neben jenem von Augsburg verblieb als Distriktsrabbinat Ichenhausen."

 
"Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde Ichenhausen" von Hauptlehrer Jakob Blum (1935)  

Ichenhausen BayrGZ 01071935a.jpg (56510 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Juli 1935: "Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde Ichenhausen. Aktenmäßig erzählt von Hauptlehrer Jakob Blukm (Nürnberg). Die Freiherren vom Stain zu Rechtenstein, seit 1574 Lehnsherren von Schloss und Markt Ichenhausen in der Markgrafschaft Burgau (Schwaben, damals zu Vorderösterreich gehörig), waren den Juden allzeit freundlich und gewogen und mancher verzweifelte Schutzjude, dem die Günzburger Bürgerschaft oder die Thannhausen’sche Ortsherrschaft den Schutz aufgesagt und wie einen räudigen Hund davongejagt hatte, fand mit ihrer gnädigen Bewilligung zu Ichenhausen eine neue Heimat.
Freilich handelten sie nicht aus reiner Menschenfreundlich-
Ichenhausen BayrGZ 01071935b.jpg (216432 Byte)keit. Die Herrschaft war verschuldet und die Juden mussten die Aufnahme-Genehmigung mit manchem Gulden aufwiegen. An einmaligen Gebühren und jährlichen Leistungen waren nach den Akten zu tragen:
1. Noch vor Protokollierung des Schutzes von einem einheimischen Juden an den herrschaftlichen Beamten 2 fl. und ein Hemd, bzw. ein weiterer Gulden; 2. bei der Auswanderung eine Nachsteuer von 12 fl., außerdem 10 Prozent vom Werte des Hauses und 12 Prozent vom übrigen Vermögen, den vollen Jahreszins und das volle Schutzgeld; 3. für die in Ichenhausen geborenen Personen, die von dort auch den Schutz erhalten, unter dem Namen ‚Konsens’ 10 fl. Der einheimische Jude, welcher eine Fremde heiratete, zahlte 15 fl., während der Herrschaft freistand, die Höhe dieser Gebühr zu bestimmen, wenn beide die Ehe schließende Teile Fremde waren; 4. als Bürgerrecht zahlte die einheimische Person 1.30 fl., die ortsfremde 3 fl. und wenn beide Eheleute Ortsfremde waren, nach Konvenienz der Herrschaft. Zu dieser Gebühr kam dann noch 1 fl. als ‚Schützengeld’; 5. als jährliche Prästanda Küchendingt (= geld), Schächt-, Krautstrangen (= Frohngeld), Herbergsgeld und Schutzgeld im Gesamtbetrag von 10 fl.; dazu noch 1 fl. 30 kr. Grundzins von jedem Haus oder Hausanteil, sodass also z.B. von einem Haus, das durch Erbschaft auf 5 Familien überkommen war, fünfmal 1 fl. 30 kr. als Grundzins erhoben wurde; 6. Fallgelder, d.s. Gebühren bei Sterbefällen und zwar für den gestorbenen Mann 6 fl., für die gestorbene Frau 4 fl. und für ein Kind 2 fl.; 7. die ledigen Burschen hatten ferner ein Fastnachtsgeld zu erlegen und jeder Hausanteileigner musste dem Pfarrer eine Gebühr zahlen (jura Stolae) für den Entgang von Einnahmen, die er hätte, wenn das Haus von Christen bewohnt würde.
Das waren schwere Lasten in jenen geldarmen Zeiten, und so ein Ichenhauser Schutzjude hatte zu sprengen und zu rennen, bis er allein soviel verdient hatte, dass er mit seinem Abgaben nicht im Rückstand blieb und dadurch des Schutzes verlustig ging. Dafür aber gaben die Herren vom Stain ihren Juden auch gute und klare Verträge auf festem, haltbarem Pergament, mit großen Siegeln in die Hände und was noch mehr bedeuten wollte, sie hielten sich und die Christengemeinde (Anmerkung: bis 1869 bestanden zwei völlig getrennte Gemeinden: Erst seit Gesetz vom 3. Juli 1869 bildete die jüdische Gemeinde mit der christlichen eine einzige politische Gemeinde mit gemeinsamer Rechnungsstellung etc.) auch streng an diese Verträge gebunden. Das wollte aber etwas heißen in einer Zeit, in der Kaiser Karl V. und sein Nachfolger Rudolf II. sehr freigebig den Reichsstädten, Klöstern und freiherrlichen Ortsherrschaften das Privilegium der ‚Judenfreiheit’ erteilten, d.h. das Vorrecht, ihre Juden ‚ausschaffen’ zu dürfen und keine weiteren mehr aufnehmen zu müssen, worauf sich dann auch die Städte ringsum wie Nördlingen, Memmingen, Ulm, Regensburg, Günzburg, Burgau, aber auch die kleinen Ortsherrschaften wie Thannhausen, Neuburg a. Kammel anschickten, sich ihrer Juden zu ‚entledigen’.
Als indes zu Beginn des 19. Jahrhunderts die staatsbürgerlichen Verhältnisse der Juden sich änderten, schlug das gute Einvernehmen ins Gegenteil um. Ende des Jahres 1805 kam die Markgrafschaft Burgau an Bayern. 1818 sicherte die Verfassung des bayerischen Staates auch den Juden ein größeres Maß von Freiheiten und Rechten zu, wenn sie ihnen auch nicht die volle staatsbürgerliche Anerkennung brachte. Im Jahre
Ichenhausen BayrGZ 01071935c.jpg (316332 Byte)1829 versuchte die Judenschaft sich von den ihr auferlegten besonderen Lasten an die Gutsherrschaft, die aus der Schutzgewährung herrührten, zu befreien, da sich ihre bürgerlichen Verhältnisse inzwischen im allgemeinen geändert und sich dadurch auch jenes zur Grundherrschaft anderes gestaltet hätte.
Am 9. Mai und am 6. August wiederholt die Judenschaft in Ichenhausen in einer alleruntertänigst treugehorsamsten Vorstellung und Bitte an ‚Seine Majestät des Königs von Bayern allerhöchstes Staatsministerium des Innern’ das Verlangen, einen Rechtszustand herzustellen, welcher die ‚Grenzen der grundherrlichen Rechte wie die Pflichten der Judenschaft bezeichnet und prozessualische Weitläufigkeiten entfernt’, da nämlich inzwischen die Grundherrschaft ‚mit immer weniger Rücksicht, mit immer weniger Schonung jedes Gefälle, selbst die so genannten Fallgelder, auf dem Wege der Pfändung beigetrieben.’
Nun mag freilich niemand gern Steuern und Abgaben leisten, namentlich wenn er sie für zu Unrecht angefordert hält. Es will aber auch niemand freiwillig auf ein Recht verzichten, das seiner Meinung nach gar wohl begründet und verbrieft ist und zudem so hübsche Summen einbringt. So zog sich der Prozess eine lange Weile hin und ehe er nicht entschieden war, wollten die Juden auch die strittigen Abgaben nicht mehr leisten. Damit war freilich die Herrschaft nicht einverstanden und sie zog recht ungnädige Saiten auf. Durch Trommelschlag wurden scharfe Maßnahmen gegen die Zahlungssäumigen angedroht. Da beugten sich die meisten der Gewalt, protestierten zwar – aber zahlten doch. Die anderen indes meinten, es wurde keine Suppe so heiß gegessen wie gekocht und sie wollten es darauf ankommen lassen.
Man hat vor 100 Jahren auch gut kochen können, wenn man etwas zu kochen hatte und dass es daran den Frauen auf Sabbat nicht fehlte, ließen sich die Männer schon angelegen sein. Wer aber nicht so viel verdiente, dass es zu einem rechten Sabbatschmause langte, der bekam aus der Armenkasse soviel gesandt, dass er an diesem Tage nicht darben brauchte. Es brozzelte also in allen Küchen am Freitag und süßer Schaletduft drang aus den Häusern. Es gab recht viele arme Juden damals in der Judengemeinde und einer hat um jene Zeit sogar eine Hypothek auf seinen Synagogenstand von der Gemeinde aufnehmen wollen, um das Reisegeld für seine Kinder nach Amerika zusammenzukratzen. Aber ein paar zinnerne Teller, eine blank geputzte funkelnde Messinglampe für Schabbos, ein silberner Kidduschbecher fand sich doch fast in jedem Hause, um dem Sabbat festlichen Glanz zu verleihen. Wer begreift daher den Schrecken der Ichenhäuser, als am Freitag, dem 3. Juni 1831, just um die Zeit, als die Hausfrauen den Sabbattisch gedeckt hatten, das Patrimonialgericht mit den angedrohten Exekutionen (Pfändungen) begann? Der größte Teil der Renitenten zahlte jetzt freiwillig, um die 15 kr. Pfändungsgebühr zu sparen; aber was wollten jene machen, die kein Geld mehr im Beutel hatten? Und so berichten denn die Akten weiter, dass das Gericht gepfändet habe, bei Heinemann Abraham: 1 silberner Becher mit 10 ½ Lot, Wert 18 fl., geforderte Gebühr 5 fl.; Tannhauser Jainkl: 1 silberbeschlagene Meerschaumpfeife, Wert 9 fl., geforderte Gebühr 3 fl.; Gerstle Abraham: 1 silberbeschlagene Pfeife, 1 silberne Uhr, Wert 10 fl., geforderte Gebühr 6 fl.; Hollender Josef: 1 Dzd. Messer und Gabeln, Wert 8 fl., geforderte Gebühr 5 fl. 54 kr.; Ullmann Emanuel: 1 silberner Becher, Wert 7 fl. 30 kr., geforderte Gebühr 5 fl.; Bernheim Jainkl: 1 silbernes Messer mit Gabel, Wert 7 fl. 30 kr., geforderte Gebühr 5 fl. 45 kr.; Semler Leopold: 2 silberne Bestecke 5/6 Lot, Wert 7 fl., geforderte Gebühr 5 fl. 30 kr.; Gerstle Simon: 1 silbernes Salzbüchschen, Wert 6 fl., geforderte Gebühr 5 fl.; Kahn Samuel, 8 zinnerne Zeller, 1 Schalethafen, Wert 7 fl., geforderte Gebühr 5 fl. 30 kr.; Kahn Hirsch: 2 silberne Bestecke, Wert 7 fl. 12 kr., geforderte Gebühr 5 fl. 50 kr.; Bissinger, Elise: nichts gefunden; Fischer, Jakob: 6 zinnerne Teller, 1 Zinnplatte, Zinnkannen, 1 Messingleuchter; Günzburger Lemle: 1 silbernes Salzbüchschen, 1 silberbeschlagene Meerschaumpfeife im Werte von 10 fl. 24 kr., geforderte Gebühr 5 fl. 45 kr.
Ei war das eine Aufregung! Samuel Kahn und Jakob Bernheim mussten später sogar wegen Widersetzung gegen die Obrigkeit in einem neuen Prozess vor dem Königlichen Appelationsgericht für den Oberdonaukreis sich verteidigen, weil sie gar so getobt hatten; doch hatte das Gericht ein Einsehen und sprach sie frei. Es hatte wohl Verständnis dafür, dass man den Schalethafen und das silberne Essbesteck nicht unmittelbar vor dem Sabbat pfänden dürfe. -
Erst nach zehnjährigem Kampfe wurde der Prozess zwischen der Gutsherrschaft und der Judenschaft durch einen Vergleich beendet, ohne dass sich für die Juden viel geändert hätte. Erst das Jahr 1869 beseitigte die letzten Beschränkungen ihrer bürgerlichen Rechte. Wenige Jahre vorher (1858) endete auch die Gutsherrschaft derer vom Stain nach einer fast dreihundertjährigen, den Juden im Allgemeinen wohlwollenden Ortsregierung."    

     
     
     
Kleine Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben  
In der Gemeindeverwaltung von Ichenhausen sind vier jüdische Männer tätig (1847)    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. September 1847:  "In Ichenhausen, der zweitgrößten Judengemeinde Bayerns - sie zählt trotz einer Auswanderung von mehr als 100 Seelen nach Amerika, noch über 1200 Seelen - sitzen 4 Israeliten bei der Gemeindeverwaltung, darunter die beiden Kultusvorsteher Herr Daniel Einslein und Herr H. Wimpfheimer. Erstgenannter wurde sogar zum Rechnungsrevisor bestellt. Erst vor ganz kurzer Zeit wurde diese Wahl vorgenommen, und wenn gleich die christlichen Bewohner weit zahlreicher sind, so haben doch fast alle für die Zuziehung der Israeliten gestimmt".             

      
Aus einem Reisebericht: Eindrücke aus der jüdischen Gemeinde Ichenhausen (1850)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29. Juli 1850: "Wieder nach Bayern zurückkehrend, erwähne ich des schönen israelitischen Schulhauses in der großen Gemeinde Ichenhausen mit vier Lehrern, von welchen einer das lukrative Geschäft einer Weinschenke betreibt, und der gut organisierten Kleinkinderschule des gemütreichen Lehrers Ullmann, in dessen zweitätigem Umgang ich liebe Jugenderinnerungen noch einmal im Geiste durchlebte. Die dortige Synagoge sieht verfallen und abstoßend aus und nur wenn man einen Blick nach oben wendet, zeigen sich Spuren ehemaliger baulicher Schönheit. Harmonierend mit diesem sieht man noch hie und da ein 'Breithäubchen' auf manch frommem Kopf., Bekannt ist, dass der Sohn des hiesigen Rabbiners, Herr Hochheimer, durch politische Verhältnisse veranlasst nach Amerika geflüchtet und dadurch für Bayern und besonders die hiesige Gemeinde, wo er als Prediger zu wirken angefangen hatte, verloren gegangen ist. In dem Hause des hiesigen Kaufmanns Herrn Neuburger findet man viele seltene hebräische und deutsche Werke, besonders verschiedene alte Bibelausgaben."      

  
Artikel von 1865   

Ichenhausen Israelit 18101865.jpg (289775 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Oktober 1865: "Ist Ihnen Ichenhausen bekannt? Dieser Ort, ehedem zur Hälfte aus Armen bestehend, hat sich durch seine amerikanischen Kolonisten in sozialer und materieller Hinsicht außerordentlich gehoben. Sie glauben wohl, dass seine Einwohner mächtige Eroberer, oder gar Freischärler, Piraten und Flibustiers geworden. Mitnichten! Unter der Regierung des Königs Ludwig I., der seine Passion an anderen Dingen, als an den Hebräern fand, - nur hielt er sie nicht mit Gewalt, wie Pharao, in seinem Lande zurück, er ließ sie ziehen, wohin sie wollten – wanderten die Juden scharenweise aus Bayern und suchten in der neuen Welt ein neues Vaterland. Dort, nicht gehemmt in Schritt und Tritt, ohne Fesseln an Händen und Füßen, ihre physischen und geistigen Kräfte nach sittlich freier Wahl verwertend, gelang es ihnen bald, sich reichliche Existenz zu verschaffen, und sie vergaßen dabei auch der Ihrigen nicht, die in der alten stiefmütterlichen Heimat zurückbleiben mussten; die jungen Emigranten unterstützten ihre Eltern, Geschwister und Anverwandte und retteten sie aus ihrer drückenden Lage. Unsere Glaubensgenossen in Bayern, und speziell die in Ichenhausen, könnten darum auch zu diesem König sagen: Eure Majestät haben es herzlich schlecht mit uns gemeint, aber der König aller Könige hat es uns zum Heile gelenkt. – Die Gemeinde zählt zweihundert Familien und zeichnet sich durch friedliches und einträchtiges Zusammenleben vorteilhaft aus. Der Sohn des seiner Zeit durch grammatikalische und mathematische Kenntnisse ausgezeichneten Oberappellanten in Ansbach, R. Moses Hochheimer s.A. – Großvater des Rabbiners in Baltimore – amtierte hier länger als drei Dezennien als Seelsorger, frommer und bieder. Sein Nachfolger, der frühere Direktor des Instituts zu Pfungstadt, erwirbt sich schon um des warmen Interesses willen, das er an Jugenderziehung und Unterweisung nimmt, allgemeine Sympathien. Sie sehen, lieber Freund, ich habe auf meinen Streifzügen durch unser schönes Germanien einen artigen Vorrat von Notizen gesammelt, ich könnte Ihnen auch noch einige Data geben von Illereichen-Altenstadt und seiner herrlichen, mit prächtigen Stuckaturen gezierten Synagoge, von Fellheim, Buttenwiesen, Binswangen und Fischach, Gemeinden, die, obschon klein und unbedeutend, sich dennoch die Ehre nicht rauben ließen, je selbständig von geistlichen Hirten geführt zu werden, doch – ‚Kaum hab’ ich Posto hier gefasst, regt sich dort hinten, mir bekannt ein Gast; doch diesmal ist er von den Neu’sten, er wird sich grenzenlos erdreisten.’  
Les extrèmes se touchent; sitzt da neben mir in den ‚drei Mohren’ zu Augsburg, inmitten des konservativen Schwabenlandes, ein Kind der Abtrünnigkeit, ein Rabulist – wie ich höre ein Sohn, nicht der Musen oder des Parnassus, sondern – des Sandbergs, hält in drastischen Ausdrücken einen Apotheosen-Sermon über die Ultrareform und ‚allwissbegierige Horcher, Hörer, versammeln sich um ihn zu Hauf’. ‚Haben wir’s hier doch durchgesetzt, dass trotz der, allerdings lauwarmen, Einrede des ungarischen Rabbi unsere renovierte Synagoge mit einem Orgelwerk bekleidet worden ist. Die Orthodoxen, die wir gottlob an den Fingern abzählen können, mögen sich ärgern, so viel sie wollen, unser energischer Vorstand ging seinen Weg ‚gradaus’ und brach mutig eine Lanze für die kostbarsten Errungenschafen unserer Zeit, für Zivilisation, Bildung und Fortschrift; ja er hat ein für allemal das Joch abgeschüttelt, das uns die Stock-Talmudisten aufgebürdet hatten; dieweil sie ‚aus den alten Bücherkrusten logen uns nur, was sie wussten; was sie wussten, selbst nicht glaubten, sich und uns das Leben raubten’. – Original fahr hin in deiner Pracht! Die Orgel wird gedreht im neuen Bethause zu Augsburg, sie entzückt das Ohr der frommen Beter, sie rührt die Seelen der andächtigen menge – und, was tut’s, nach alledem, was ich gesehen und gehört, spreche ich mit traurigem Herzen das Wort des Patriarchen: keine Gottesfurcht ist an diesem Ort. – Mit Gott! Mein Teurer, ich bleibe Ihr wohl affektionierter S."

  
Die Gemeinde in Ichenhausen achtet auf Wohltätigkeit wie auf Toralernen (1865)

Ichenhausen Israelit 15111865.jpg (79900 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. November 1865: "Ichenhausen (Bayern). Durch die in jüngster Zeit von hiesiger Gemeinde an sie eingesandten circa 600 Gulden in zwei Posten, werden Sie den Sinn für Wohltätigkeit ersehen haben, dass aber nebenbei dahier auch Sinn für das Lernen der Tora herrscht, dafür möge Folgendes Ihnen als Beweis dienen: Unser Rabbiner, Herr Dr. Lob, hat es durch seinen unermüdlichen Eifer … dahin gebracht, dass eine große Anzahl achtbarer Männer und Jünglinge in hiesiger Gemeinde sich jeden Samstag Nachmittag um ihn versammelt, um zwei Stunden lang Vorträge über den Wochen-Abschnitt zu hören. Auch unser würdiger Talmudlehrer, Rabbi Koppel Ullmann, er, erwirbt sich um die Hebung des religiösen Sinnes in unserer Gemeinde erhebliche Verdienste. S.K."

  
Königlicher Besuch in Ichenhausen (1867)   

Ichenhausen Israelit 02101867.JPG (248727 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Oktober 1867: "Ichenhausen, 18. September (1867). Vorige Woche hatten wir die Ehre, von den Prinzen Luitpold und Otto, Bruder und Onkel des regierenden Königs Ludwig II., die zu dem hier stattfindenden Manöver der königlichen Truppen hierher gekommen waren, besucht zu werden. Letzterer (der Sonntag früh hier ankam und bis Montagvormittag dahier verweilt), nahm sein Absteigequartier bei Herrn Bankier Heilbronner, dem er auch die Sorge für seine Tafel übertrug, eine Ehre, die gewiss selten einem Israeliten Bayerns zuteil wird. Prinz Luitpold hingegeben war schon Samstag Vormittag eingetroffen, und empfing Sonntagvormittags die Gemeindebehörden sowie den Herrn Pfarrer und den Herrn Rabbiner. Der Prinz ließ sich einzeln die Persönlichkeiten vorstellen und erkundigte sich huldvollst nach den Gemeinde-Institutionen, nach dem Verhältnis zwischen den christlichen und jüdischen Einwohnern. Dem Rabbiner Dr.. Löb gab er insbesondere das Versprechen möglichenfalls die Synagoge besuchen zu wollen. Diesem Versprechen kam er Montagnachmittags nach. Vor der Synagoge wurde er von dem Herrn Rabbiner, den Kultus-Verwaltungsmitgliedern und dem sämtlichen Lehrerpersonal empfangen. In der Synagoge angelangt, begab sich Seine Königliche Hoheit sogleich zum Toraschrein, ließ denselben öffnen, besichtigte die Torarollen, worauf dann Herr Dr. Löb ein passendes Gebet für den Landesvater, für den anwesenden Prinzen und für das ganze königliche Haus verrichtete, welches der Prinz andachtsvoll anzuhören geruhte, und wovon er sichtlich gerührt war. Er erkundigte sich sodann genau nach der Zahl der hiesigen israelitischen Einwohner und deren Verhältnisse, nach mehreren jüdischen Zeremonien, namentlich nach dem Trauungsvollzug, sowie nach der Deutung mehrerer in der Synagoge angebrachter hebräischer Verse. Nach etwa halbstündigem Aufenthalt verabschiedete er sich unter Händedruck vom Herrn Rabbiner, dem er seine besondere Befriedigung über Alles ausdrückte. Abends veranstaltete der jüdische Gesangverein ‚Zion’, gemeinschaftlich mit der hiesigen Feuerwehr, bei illuminierten Häusern eine Serenade nebst Fackelzug, worüber der Prinz sich zu dem zu ihm beschiedenen Vereinsvorsteher, Herrn Anselm Hirsch und dem Vereinsdirigenten, Herrn Kantor Stark, höchst wohlgefällig äußerte, und wiederholt seinen Dank und seine huldvolle Gesinnung für Ichenhausen und dessen Bewohner ohne Unterschied der Konfession zu erkennen gab."  
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. Oktober 1867: "Ichenhausen (Bayern), 19. September (1867). Bei den stattgehabten Manövern der bayrischen Armee schlug deren Feldzeugmeister Seine königliche Hoheit Prinz Luitpold hier sein Hauptquartier auf. Auch Prinz Otto, Bruder des regierenden Königs, kam bei dieser Gelegenheit hierher, und nahm seine Wohnung bei dem Kultus-Verwaltungsmitglieder Herrn Bankier Heilbronner, dem auch die Ehre zuteil ward, den Prinzen bewirten zu dürfen. Unter den herzlichsten Ausdrücken der Zufriedenheit und des Wohlwollens, verließ der junge leutselige Prinz seinen Wirt, bei dem er sich, wie er sagte, ganz heimisch gefühlt hatte. 
Prinz Luitpold hatte Sonntag früh die Gewogenheit, die hiesige Gemeinde-Verwaltung, zu der auch drei jüdische Mitglieder, die Herren D. Einstein, Wimpfheimer und Heilbronner, gehören, den Pfarrer und Rabbiner an der Spitze, in Audienz zu empfangen, und sich mit denselben huldvollst zu unterhalten. Nach beendigtem Manöver beehrte Seine königliche Hoheit die Synagoge mit Hochderen Besuch. Seiner Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Löb und die Kultusverwaltung begrüßten ihn vor den Toren ehrfurchtsvoll, und geleiteten ihn in die Säume des Heiligtums. Dort ließ er sich die Bundeslade öffnen, die Tora zeigen, und mit sichtlichem Interesse die verschiedenen Inschriften und Embleme erklären. Tief ergriffen schien der Prinz beim Gebet, das der Rabbiner für seiner Majestät den König, für den Prinzen, für das ganze königliche Haus und für die bayerischen Truppen sprach. Nach etwa einer halben Stunde verließ er das Gotteshaus, das auf ihn, nach seiner Äußerung, einen sehr angenehmen Eindruck gemacht hatte, indem er dem Herrn Dr. Löb herzlich die Hand drückte. Abends brachte der jüdische Gesangverein 'Zion'  Seiner königlichen Hoheit eine Serenade mit Fackelzug während die ganze Straße illuminiert war, unter der lebhaftesten und freudigsten Teilnahme der sämtlichen Bevölkerung. Der Prinz ließ den Vorstand des Vereins, Herr Anselm Hirsch, und dessen Dirigenten, die hiesigen Kantor E. Stark, zu sich bescheiden, um seinen Dank abzustatten, und seinem Wohlwollen für die hiesige Gemeinde Ausdruck zu verleihen."      

  
Chanukkafeier in der Gemeinde (1921)  

Ichenhausen Israelit 13011921a.jpg (96822 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Januar 1921: "Ichenhausen, 20. Dezember (1920). Ein Elternabend vereinigte am 7. Tag von Chanukka Eltern und Schüler der hiesigen Gemeinde zu einem harmonischen Feste, dem der größte Teil der übrigen Gemeindemitglieder durch seine Anwesenheit erhöhte Bedeutung verlieh. Herr Lehrer Blum wies in seiner Ansprache unter anderem auf die innigen Wechselbeziehungen zwischen Schule, Elternhaus und Gemeinde hin. Zahlreiche Darbietungen der Schuljugend erfreuten durch ruhige Sicherheit und gelungenes Spiel. Die Pausen wurden durch Vorträge des Gesangvereins ‚Zion’ sowie durch Liedervorträge sangeskundiger Damen verschönt und damit wurde auch äußerlich eine Brücke geschlagen zwischen Schule und Gemeinde. Die strahlenden Augen der Kinder – alle, selbst die Kleinsten, durften auf der Bühne auftreten – sowie die freudig erregte Stimmung im Saale zeigte, dass derartige Veranstaltungen geeignet erscheinen Licht und Anregung ins Schulgetriebe zu bringen und zugleich auch sonst fern stehende Kreise für die Schule zu interessieren."

 
Aufführung eines Palästinafilmes und Vortrag über den Zionismus (1925) 

Ichenhausen JuedRundschau 02011925.jpg (51716 Byte)Artikel in der "Jüdischen Rundschau" vom 2. Januar 1925: "Ichenhausen. Die Aufführung des Palästinafilms gestaltete sich zu einem Ereignis für unsere Gemeinde. Das Theater war zweimal vollständig überfüllt und wies auch das dritte Mal einen recht guten Besuch auf. Was wir zu sehen bekamen, übertraf in der Tat alle Erwartungen. Herr Dr. Löwengart, der auch die einleitenden Worte zum Film gesprochen hatte, hielt einen Tag nach der Filmvorführung einen Vortrag über das werdende jüdische Palästina und die Grundziele des Zionismus, an den sich eine angeregte Diskussion anschloss."

 
Erweiterung des Gebietes der Israelitischen Gemeinde (1927)   

Ichenhausen BayrGZ 15071927.jpg (149384 Byte)Artikel in der "Bayerischen israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Juli 1927: "Bekanntmachung über die Erweiterung des Gebietes der israelitischen Kultusgemeinde Augsburg, Fischach, Ichenhausen, Illereichen-Altenstadt, Ingolstadt, Kempten, Krumbach, Memmingen und Oettingen. Die nachstehend aufgeführten Kultusgemeinden haben beschlossen, ihr Gebiet wie folgt auszudehnen:
 
Die Israelitische Kultusgemeinde Ichenhausen auf die Finanzamtsbezirke Burgau, Günzburg, Lauingen, Neu-Ulm und Weißenhorn.  
…  
Es ergeht hiermit die Aufforderung an alle Religionsgenossen, die in den von der Ausdehnung betroffenen gebieten wohnen oder unabhängig vom Wohnsitz steuerpflichtig sind, etwaige Einsprüche gegen die Gebietserweiterung bis spätestens 1. September 1927 bei dem Vorstand der betreffenden Kultusgemeinde schriftlich oder mündliche einzulegen. München, den 7. Juli 1927. Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Dr. Neumeyer".

 
Schenkung von Max Koschland aus San Francisco (1929)  

Ichenhausen BayrGZ 01061929A.jpg (93943 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Juni 1929: "Ichenhausen. In der gemäß § 20, Abs. 7 unserer Gemeindesatzung auf den 10. Mai 1929 ordnungsgemäß einberufenen Gemeindeversammlung gab der erste Kultusvorstand, Herr Julius Krämer, folgendes bekannt. Herr Max Koschland aus San Francisco hat der Israelitischen Kultusgemeinde von Ichenhausen eine Schenkung im Barbetrag von RM 5000.- gemacht, an die er folgende Bedingungen knüpft: ‚Der Betrag soll zur Einrichtung der Dampfheizung in der hiesigen Synagoge Verwendung finden. Die Erstellung der Dampfheizung hat so rechtzeitig in Angriff genommen zu werden, dass dieselbe zum kommenden Winter in Betrieb gesetzt werden kann. In der Synagoge ist eine Tafel anzubringen, die darauf hinweist, dass die Familie Koschland durch Schenkung ihres Mitgliedes, des Herrn Max Koschland, San Francisco, mit RM 4000.- zu Ehren Ihrer seligen Eltern Isidor und Regina Koschland, Ichenhausen, die Errichtung der Heizanlage in der hiesigen Synagoge ermöglicht hat.’ Die Gemeindeversammlung nahm diese hochherzige Schenkung sichtlich erfreut an unter gleichzeitiger Verpflichtung zur Erfüllung der hieran geknüpften Bedingungen."

 
Aufführung des Jüdischen Jugendvereins (1930)  

Ichenhausen BayrGZ 01111930.jpg (44952 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. November 1930: "Ichenhausen. Ein Wagnis, aber ein wohl geglücktes Wagnis hat der hiesige Jüdische Jugendverein unter Leitung seines Vorstandes Fritz Kahn unternommen, indem er das 6. Bild aus dem ‚Jeremias’ (‚Stimmen um Mitternacht’) von Stefan Zweig zur Aufführung brachte. Es war ein voller Erfolg. Jeder gab sein bestes, besonders auch die Träger der Rolle des Königs (Herr Fritz Kahn) und des Jeremias (Herr Theo Gerstle). Erwähnt sei, dass die Wahl und Einstudierung dieses Stückes bereits vor der Münchener Aufführung (anlässlich der J.J.V.-Tagung) erfolgt war."

 
Chanukkafeier in der Gemeinde (1930)  

Ichenhausen BayrGZ 15011931.jpg (56267 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Januar 1931: "Chanukkafeier in Ichenhausen. Auf Anregung der Kultusverwaltung fand am Samstag, dem 20. Dezember, eine würdige und selten gemütliche Chanukkafeier statt. Das Orchester der jüdischen Jugendgruppe unter seinem bewährten Dirigenten Naftali Reichenberger, verschönte den Abend. Die herzlichen Worte des ersten vorsitzenden der Kultusgemeinde, Herrn Julius Krämer, der ausgezeichnete Vortrag von Herrn Rabbiner Dr. Neuwirth über ‚Die Unsterblichkeit der Seele nach jüdischer Auffassung’ und alle Darbietungen von ernsten und heiteren Liedern und Vorträgen hielt die Mitglieder der größten Landgemeinde in Bayern bis nach Mitternacht gesellig beisammen."

  
50jährige Gründungsfeier für den Verein Bikkur Cholim (1930)   

Ichenhausen BayrGZ 15011931b.jpg (89955 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Januar 1931: "Ichenhausen. Der hiesige Bickur-Cholim-Verein (Krankenpflegeverein) beging in erhebender Weise unter Teilnahme seiner sämtlichen hiesigen und teilweise auswärtigen Mitglieder am 25. Dezember 1930 seine 50jährige Gründungsfeier. Der prächtig geschmückte Saal zeigte als Erinnerung das Bild seines unvergesslichen Gründers, Herrn Hauptlehrer Thalmann seligen Andenkens. Der Sohn des Vorstandsnachfolgers, Herr Max Thalmann, gedachte in seiner nach Inhalt und Form tief durchdachten Ansprache der edelsinnigen Gründer dieser segensreichen Einrichtung, der leider schon verstorbenen Hauptlehrerseheleute Julius und Mathilde Thalmann, die sich in hiesiger Gemeinde durch ihr vorbildliches, gemeinnütziges Wirken den Dank der Nachlebenden erworben haben. Der Verlauf der Feier gestaltete sich durch Ansprachen der Herren Rabbiner Neuwirth, Kultusvorstand Krämer, Hauptlehrer Hammelburger, ferner durch gesangliche und deklamatorische Darbietungen des Synagogen-Chors (dirigiert von Herrn N. Reichenberger), des Gesangvereins Zion, des Herrn Kantor Schwarz sowie der Herren Max Regensburger und Theo Gerstle sehr anregend."

  
Vortrag von Rabbiner Schwab über "Um die Heimat des Judentums?" (1933!)  

Ichenhausen Israelit 30111933.jpg (488550 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. November 1933 - wurde noch nicht abgeschrieben. 

       
     
      
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde         
Zum Tod von Rabbi Jacob Hirsch Holländer (1867)   

Ichenhausen Israelit 18091867.jpg (219784 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. September 1867: "Ichenhausen, Elul. Die hiesige Gemeinde hat einen harten, ja einen unersetzlichen Verlust zu betrauern. Am Sonntag, dem 2. Elul starb Rabbi Jacob Hirsch Holländer. Der Tod dieses Mannes hat hier die allgemeinste Teilnahme erregt. Jeder fühlt, dass die hiesige Gemeinde in ihm nicht nur eine ihrer schönsten Zierden verlor, sondern dass die Lücke, die durch den Hintritt des Verstorbenen entstand, schwer auszufüllen sein wird.
Von sehr armen, aber wackern Eltern geboren, verließ er nach zurückgelegtem 13. Lebensjahre, ohne alle Subsistenzmittel, im tiefsten Drange nach Kenntnissen, das elterliche Haus, ging nach Fürth und frequentierte daselbst mehrere Jahre mit unermüdetem Eifer die Jeschiwa. Von da zurückgekehrt, wirkte er mehrere Jahre in der hiesigen Gemeinde als Privatlehrer. Es vereinigten sich in ihm alle Eigenschaften eines guten Lehrers: ruhiges Temperament, Geduld, Liebe zum Amte, Hingebung an die Jugend, gründliches Fachwissen und wahre Herzensfrömmigkeit. Nach seiner Verheiratung vertauschte er diese Stellung mit der eines Geschäftsmannes. Obwohl ihn da harte und erschütternde Schläge des Geschickes leider oft heimsuchten, ertrag er sie doch mit gelassener Ergebung und wusste sich stets aus großer Niedergeschlagenheit durch felsenfestes Vertrauen auf die göttliche Vorsehung durch innere Geisteskraft aufzurichten. Es ist wohl unmöglich, all die hohen Vorzüge, die der Verewigte besessen, genau zu spezifizieren; ich will daher dieselben nur andeutungsweise geben. -
Er war ein Stern am Horizont der talmudisch-theologischen Literatur, eine talmudische Größe, ein Mann, von welchem man eigentlich nicht recht wissen konnte, ob Gelehrsamkeit oder Demut und Bescheidenheit, ob Frömmigkeit oder Menschliebe im edelsten, weitesten Sinne, ob seine große Erfahrung und Menschenkenntnis, ob Geduld und Resignation, oder Sanftmut und Friedensliebe den Grundzug seines edlen Charakters und seiner ganzen Persönlichkeit ausmachten. Ein Mann, der von Liebe zur Religion durchdrungen, stets bemüht war, den Forderungen derselben, soweit seine Kräfte reichten, nach allen Seiten hin zu genügen. Mit Recht kann hier angewendet werden das…, denn der Verblichene, obwohl stets mit physischem Leiden kämpfend, betrieb dennoch das Torastudium mit der begeisterungsvollsten Hingebung.
Auch die hiesigen Wohltätigkeits-Anstalten fanden in ihm einen eifrigen Förderer und tätigen Teilnehmer. Er war Vorsteher des Vereins Bikur Cholim (Krankenbesuchsverein), hielt allsabbatliche Vorträge beim Verein Chewra Kadischa, war Mitglied des Vereines Tora Or, dessen Zweck fleißiges Gesetzesstudium ist, woselbst er auch öfters Vorträge hielt.
Bei seinem Leichenbegängnis beteiligten sich nicht nur alle Glieder der Gemeinde sondern auch mehrere achtbare christliche Mitbürger folgten der Bahre. Am Grabe sprach der hiesige Rabbiner, Herr Dr. Löb, eine auf das erregte Gemüt der zahlreichen Zuhörer tief einwirkende Trauerrede, in der er seinem großen Schmerze passende und erhebende Worte über die Verdienste des Verewigten lieh.
Wenn auch die Körperhülle dieses Mannes aus unserer Mitte geschieden, so hat sein frommes und edles Wirken ihm ein bleibendes Denkmal gesetzt im Herzen Aller, die ihn kannten und mit ihm in Berührung kamen. Jakob unser Vater – nicht ist er tot. …r."

   
Goldene Hochzeit von Heinrich und Sophie Bißinger (1898)
    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. September 1898: "Ichenhausen (Bayern), 31. August (1898). Heute feierten dahier in voller geistiger und körperlicher Rüstigkeit die israelitischen Ehegatten Heinrich S. und Sophie Bißinger, das goldene Hochzeitsjubiläum im Kreise von Kindern und Enkeln und unter Anteilnahme der Bewohner der Ortsgemeinde ohne Unterschied des Glaubens und des Standes. Zahlreiche Ehrengaben von Verwandten und Freunden aus nah und Fern, desgleichen herzlich gehaltene telegraphische Glückwünsche und viele Beweise aufrichtiger Verehrung in Wort und Schrift, gingen dem Jubelpaare zu, das den Anstrengungen des im Familienkreise einfach gefeierten Festes vom Vorabende bis um Mitternacht des Jubeltages selbst, sich gewachsen zeigte. 
Möchte es demselben vergönnt sein, in stiller Beschaulichkeit sich noch lange des schön verlaufenen Festes erinnern zu können, auf dass ihm die vor 25 Jahren am Ehehimmel aufgestiegene silbern leuchtende Sonne, deren Glanz sich ihm nun in Gold verwandelte, nach weiteren 10 Jahren auch noch in diamantenen Strahlenkranze den friedlichen Lebensabend erleuchten möge. E.K."    

  
Zum Tod des aus Ichenhausen stammenden Nathan Hirsch (in München, 1900)   

Ichenhausen Israelit 23081900.jpg (116447 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. August 1900: "München, im August (1900). Ein in weiten Kreisen bekannter und geschätzter Mann, Herr Nathan Hirsch, ist am 16. dieses Monats nach langem und sehr schwerem leiden verschieden. Am 3. Juli 1832 in Ichenhausen (Bayern) geboren, kam er nach vorhergegangener kaufmännischer Tätigkeit (in Bamberg, Mainz), im Jahre 1858 nach München, wo er auch bald das Bürger- und Heimatrecht erwarb. Noch im gleichen Jahre trat er in die bekannte Millykerzen- und Seifenfabrik (E. Wassermann) zuerst als Prokurist, später als Teilhaber ein. Unter seiner Mitarbeit entwickelte sich dieses Etablissement aus kleinen Anfängen zu einem in der Branche hoch bedeutenden und tonangebenden Unternehmen. Der Verstorbene zeichnete sich durch ausgeprägten Gemeinsinn und durch mannigfache Bürgertugenden aus; das Vertrauen seiner Mitbürger innerhalb der hiesigen israelitischen Gemeinde berief ihn im Jahre 1878 in die Kultusverwaltung, welcher er seitdem ununterbrochen bis zu seinem nun erfolgten Hinscheiden als eifriges und wegen seines friedliebenden, konzilianten Wesens allgemein beliebtes Mitglied angehörte. Die riesige, aus allen kreisen rekrutierende Teilnahme an seiner Bestattung legte Zeugnis ab von den vielseitigen, aufrichtigen Sympathien, deren sich der Dahingeschiedene zu erfreuen hatte."

          
Zum Tod von Mina Friedberger (1911)   

Ichenhausen FrfIsrFambl 28041911.jpg (31214 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. April 1911: "Ichenhausen. Am 2. Tag Pessach verschied in ihrem 92. Lebensjahre, die älteste Einwohnerin des hiesigen Orte, die ob ihrer Herzensgüte und Wohltätigkeitsliebe von jedermann hoch verehrte Frau Mina Friedberger."

  
Ehrung des 1. Kultusvorstehers Michael Sulzer und Verleihung des Ehrenbürgerrechts (1911)  

Ichenhausen Israelit 22061911.jpg (69015 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Juni 1911: "Ichenhausen, 13. Juni (1911). Unserem hoch verehrten 1. Kultusvorsteher, Herrn Magistratsrat Michael Sulzer, wurde heute, anlässlich der Feier seines 80. Geburtstages, eine wohl verdiente Ehrung zuteil, indem ihm durch einstimmigen Beschluss des Magistrats und Gemeindekollegiums der hiesigen Marktgemeinde in Anerkennung seines verdienstvollen Wirkens auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens und ganz besonders für seine musterhafte, uneigennützige Tätigkeit als Magistratsrat und Gemeindekassierer das Ehrenbürgerrecht verliehen wurde. Der feierlichen Übergabe der Ehrenbürgerrechts-Urkunde wohnte, außer den beiden Kollegien der israelitischen Kultusverwaltung und der Familie des Jubilars auch der Königliche Bezirksamtmann, Herr Wimmer bei, dem dem Jubilar in herzlichen Worten den Dank des Königlichen Amtes aussprach."   
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. Juni 1911: "Dem 1. Kultusvorstand der jüdischen Gemeinde in Ichenhausen, Magistratsrat Michael Sulzer, wurde anlässlich der Feier seines 80. Geburtstages nach einstimmigem Beschluss des Magistrats und Gemeindekollegiums in Anerkennung seines ersprießlichen Wirkens auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens das Ehrenbürgerrecht verliehenb".     

    
40-jähriges Amtsjubiläum des Kultusbeamten Moritz (Moses) Meinfelder (1912)    
vgl. Bericht unten zu seinem Tod 1933.   

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 25. Oktober 1912: "Ichenhausen (Bayern). Kultusbeamter Moritz Meinfelder feierte sein 40-jähriges Amtsjubiläum".          


Hermann Reichenberger erhält das Eiserne Kreuz (1914)  

Ichenhausen Frf IsrFambl 16101914.jpg (27210 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 16. Oktober 1914: "Ichenhausen. Der beim bayrischen 6. Feld-Artillerie-Regiment dienende Einjährig-Gefreite Hermann Reichenberger, Sohn des Kaufmanns Naftali Reichenberger, Mitinhaber der Firma Gebr. Sulzer, hat am 30. September das Eiserne Kreuz erhalten."

  
Unteroffizier Emil Heilbronner wird mit dem Eisernen Kreis ausgezeichnet (1916) 

Ichenhausen FrfIsrFambl 28071916.jpg (16677 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. Juli 1916: "Ichenhausen. Dem Unteroffizier Emil Heilbronner, Inhaber der bayerischen Verdienstmedaille, wurde das Eiserne Kreuz überreicht." 

  
Vizefeldwebel R. Kann und Unteroffizier Max Meyer werden mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet (1917)  

Ichenhausen FrfIsrFambl 09021917.jpg (19961 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 9. Februar 1917: "Frankfurt am Main. Vizefeldwebel R. Kann und Unteroffizier Max Meyer, gebürtig aus Ichenhausen, wurden mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet."   

  
Zum Tod von Mina Gerstle geb. Hirsch (1921)  

Ichenhausen Israelit 24031921.jpg (103736 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. März 1921: "Ichenhausen, 15. März (1921). Am Schabbat Paraschat Wajikra (= Schabbat mit der Toralesung Wajikra = 3. Mose 1,1 - 5,26, das war am 19. März 1921; evtl. Fehler in der Angabe, da dieser Schabbat nach dem 15. März lag) starb im 66. Lebensjahre Frau Mina Gerstle geb. Hirsch, in München, wo sie die letzten 15 Jahre mit ihrem Gatten in harmonischer Ehe verbrachte. Einem echt jüdischen angesehenen Hause entstammend, setzte sie dessen Traditionen in ihrem eigenen Hause fort, baute dasselbe zu einem ‚Mikdosch meat’ (kleinen Heiligtum) aus und wandelte darin als Priesterin und Hüterin des Gottesgesetzes. Von einer echten, tiefen Frömmigkeit beseelt, zeichnete sie sich durch große Wohltätigkeit im Stillen aus und stand jedermann, der sie hilfesuchend anging, mit Rat und Tat freudig zur Seite. Von ihrer Beliebtheit zeugte das große Leichenbegängnis in ihrer alten Heimat, wohin Freunde von nah und Fern geeilt waren, um ihr die letzte Ehre zu erweisen. An der Bahre zeichnete Herr Distriktsrabbiner Dr. Cohn, der Freud und Leid ihres Hauses Jahrzehnte hindurch geteilt, tief bewegt ein getreues Lebensbild der Verklärten und hob ihre großen Verdienste hervor, die sie sich um den israelitischen Frauenverein als dessen Vorstandsmitglied erworben hat. Herr Max Meyer aus Köln, dem sie seit dem frühen Tode seiner Eltern in mütterlicher Liebe zugetan war, rief ihr herzliche Worte des Abschieds und des Dankes nach. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  
   
Ichenhausen FrfIsrFambl 18031921.jpg (62716 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 18. März 1921: "Ichenhausen. Mina Gerstle geb. Hirsch in München, wohin sie vor 15 Jahren mit ihrem Gatten ging, ist verschieden. Von einer ungeheuchelten, echten tiefen Frömmigkeit beseelt. zeichnete sich die Verewigte durch große Wohltätigkeit im Stillen aus. Von ihrer Beliebtheit zeugte das große Leichenbegängnis hier in ihrer alten Heimat. Rabbiner Dr. Cohn zeichnete das Lebensbild der seltenen Frau und betonte ihre großen Verdienste um den Israelitischen Frauenverein. Max Meyer aus Köln, dem sie seit dem frühen Tode seiner Eltern in mütterlicher Liebe zugetan war, tief ihr herzliche Worte des Dankes nach." 

       
Zum Tod des aus Ichenhausen stammenden Anselm Hirsch (1922)  

Ichenhausen Israelit 02021922.jpg (152871 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Februar 1922: "(Frankfurt am Main). Anselm Hirsch das Andenken an den Gerechten ist zum Segen. Die an Schrecken reichen Wochen dieser schweren Winterzeit haben uns am 27. Tewes, dem Jahrzeitstage S. R. Hirschs, eine in weiten Kreisen unserer Gemeinde geschätzte, wackere Persönlichkeit entrissen, die bei aller Schlichtheit und Anspruchslosigkeit ihres Wesens und Wirkens auch an dieser Stelle warme Würdigung verdient. Anselm Hirsch, der aus voller Rüstigkeit, kaum 66 Jahre alt, nach zweitätiger Krankheit dahinschied, stammte aus Ichenhausen in Bayern, einer als Stätte der Tora und der Gottesfurcht bis in die neueste Zeit hinein berühmten Landgemeinde. Die Lehr- und Wanderjahre führten den Jüngling nach der jüdischen Metropole des gesetzestreuen Nordens, nach Halberstadt, wo er sein jüdisches Wissen und Wollen reichlich zu mehren und zu starken Gelegenheit fand. Was er im Vaterhaus, in der Heimat und bei vorbildlichen Lehrmeistern an jüdischen Lichtsaaten in sich aufgenommen, das hat er dann, beglückt durch die Ehe mit einem tapferen Weibe, einer Tochter des Münchener Hauses Feuchtwanger, hier in Frankfurt in die Praxis des Lebens umgesetzt. Er gehörte zu den stillen jüdischen Helden, die in der neuen Zeit leider nichts Alltägliches mehr sind, die ihren Lebensköcher mit – Kindern zu füllen den Mut und den Ehrgeiz haben - 'Heil dem Manne, der gefüllt mit ihnen seinen Köcher' (Psalm 127,6), und die so durch ihr Leben einen Kommentar zu dem tiefen Wort der Weisen liefern, dass der um des Lebens Notdurft hart ringende, mit Kindern gesegnete Familienvater recht eigentlich die Gottesfurcht zu bewähren vermag. 
Diese Gottesfurcht, die Liebe zu den Mizwos und eine frohgemute, immer zu heiterem Witzwort geneigte Natur haben ihm den Lebenskampf erleichtert, bis er in den letzten Jahren die Früchte seiner Arbeit in seinen Kindern reifen sehen durfte. An der Bahre entwarf Herr Rabbinatsassessor Posen in einem von warmem Mitempfinden durchglühten Hesped (Trauerrede) ein treues Bild des Heimgegangenen, die Söhne und Töchter mahnend, ihres unvergesslichen Vaters allezeit würdig zu bleiben. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

   
Zum Tod des langjährigen Gemeindevorsitzenden und Stadtrates Aaron S. G. Heller (1931)  

Ichenhausen Israelit 05111931.jpg (151300 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. November 1931: "Ichenhausen (Bayern), 1. November (1931). Unsere altehrwürdige Gemeinde hat den Verlust eines ihrer besten Mitglieder zu beklagen. Am Freitag, den 30. Oktober, wurde Herr Aaron S. G. Heller im Alter von nahezu neunundsiebzig Jahren zur ewigen Ruhe gebettet. Der Verblichene gehörte der Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde beinahe fünfundvierzig Jahre an, war fünfundzwanzig Jahre deren erster Vorsitzender und wurde, als er aus Gesundheitsrücksichten dieses Amt niederlegte, zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Auch den städtischen Kollegien gehörte er viele Jahrzehnte als Stadtrat an und erwarb sich in dieser Eigenschaft durch seinen Weitblick und insbesondere durch seine Friedfertigkeit unvergängliche Verdienste um die Stadt.    S
ein Leichenbegängnis gestaltete sich zu einer erhebenden Trauerkundgebung, an der sich die Angehörigen aller Bekenntnisse beteiligten. Unter Vorantritt der Freiwilligen Feuerwehr, der der Verblichene nahezu ein halbes Jahrhundert als aktiver Feuerwehrmann angehört hatte, begab sich der eindrucksvolle Trauerzug in den Hof der weihevoll erleuchteten Synagoge, wo Herr Rabbiner Dr. Neuwirth in tief gefühlten Worten der Trauer und der Dankbarkeit der Gemeinde und der zahlreichen Körperschaften beredten Ausdruck verlieh. Im Namen des Landesverbandes bayerischer israelitischer Gemeinden sprach alsdann Herr Schloß, Augsburg, Mitglied des Rates des Verbandes. Der Vorsitzende der Kultusgemeinde Ichenhausen, Herr Krämer, würdigte hierauf in herzlichen Worten die Verdienste des Heimgegangenen, worauf dessen Schwiegersohn, Herr Wäglein, der Trauer der Familie Ausdruck verlieh.   
Gerade in unserer Zeit, in der die jüdischen Landgemeinden von der Gefahr des Niedergangs mehr als früher bedroht sind, reißt der Verlust eines Mannes wie Aaron S. G. Heller eine besonders schmerzliche Lücke; denn er verband tiefe Frömmigkeit mit dem Willen und der Fähigkeit zu hingebender Mitarbeit an den Aufgaben der religiösen und der politischen Gemeinde und er trug so zu beider Gedeihen und zur friedvollen Zusammenarbeit der jüdischen und der nichtjüdischen Bürger unseres, von ihm so heiß geliebten Vaterlandes bei."
   
Ichenhausen BayrGZ 15111931.jpg (138144 Byte)Derselbe Bericht erschien in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. November 1931. 

   
Zum Tod des langjährigen Synagogendieners Moses (Moritz) Meinfelder (1933)    

Ichenhausen Israelit 23111933.jpg (132191 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. November 1933: "Ichenhausen, 20. November (1933). Am Samstag, den 18. November verschied dahier im Alter von über 91 Jahren der Nestor unserer Gemeinde, Moses Meinfelder. Mehr als 56 Jahre (1872-1928) bekleidete er in vorbildlicher Pflichttreue und Gewissenhaftigkeit das Amt unseres Synagogendieners. Er war ebenso ein hingebungsvoller Hüter und Pfleger unseres Gotteshauses wie ein eifervoller Wächter unserer alten, herrlichen, synagogalen Gesänge und Bräuche, die er über drei Generationen hinweg hat erhalten helfen. Seine biedere Art und sein originelles, humorvolles Wesen haben ihm die Herzen aller Kultusmitglieder gewonnen, von denen er viele in früheren Zeiten in Chuppoh-Nigun (Hochzeitsmelodie) mit seiner Klarinette durch die Straßen Ichenhausens zum Traualtar begleitet hat. - Die allgemeine Hochschätzung und Verehrung, die dem Entschlafenen aus allen Kreisen der Bevölkerung entgegengebracht wurde, spiegelte sich wider in der außerordentlich großen Beteiligung an seiner Beisetzung, an der auch ein Zug der Freiwilligen Feuerwehr, welcher er 60 Jahre lang angehört hatte, mit Fahne teilnahm. - Da mit Rücksicht auf den Rosch-Chodesch (Monatsanfang) eine Grabrede nicht gehalten werden konnte, würdigte in einem anschließend an die Beerdigung angesetzten Maariwgottesdienst in der Synagoge, an welchem die ganze Gemeinde teilnahm Herr Rabbiner Simon Schwab die hervorragenden Verdienste unseres 'Mosche' Meinfelder, in dessen Persönlichkeit der religiöse Glanz und Strahl längst vergangener Zeiten sich verfangen habe. Herr Kultusvorsteher Julius Krämer schilderte unter Dankesworten die opfervolle, vorbildliche Hingabe des Entschlafenen, der ein Musterbeispiel sei dafür, dass es nicht so sehr darauf ankomme, welches Amt man innehabe, als vielmehr darauf, wie man den Platz, auf den man gestellt ist, ausfülle. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."      

  
Zum Tod von Leopold Koschland (1934)  

Ichenhausen Israelit 14061934.jpg (108641 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Juni 1934: "Ichenhausen, 7. Juni (1934). Am Erew Schabbat Koddäsch BeHaalticha wurde das älteste Mitglied unserer Gemeinde, Leopold Koschland, im Alter von fast 87 Jahren zu Grabe getragen. Der Verstorbene, der von glühender Liebe zu Tora und Gottesdienst durchdrungen war, wollte noch am Morgen seines Todestages bei seinem Enkelkinde als Pate fungieren, als ihn Gott kurz zuvor in die ewige Heimat zurückrief. Selbst noch in der Todesstunde zeigte sich seine tiefe Frömmigkeit. Er ließ die Männer der Chewra Kadischa zu sich rufen, verabschiedete sich von ihnen mit Worten der Mechila, sagte mit ihnen zusammen die Schemot, bis er seine reine Seele aushauchte. Am Grabe sprach Herr Rabbiner Schwab und schilderte den Entschlafenen als einen Jehudi, dessen Charakter und Wirken durch und durch gehämmertes Gold waren. Als langjähriger ehrenamtlicher Mohel sei es ihm vergönnt gewesen, nahezu 400 Knaben in den Abrahamsbund aufzunehmen. Seine besondere Liebe galt den Armen von Erez Jisrael, für die er Jahrzehnte hindurch in hiesiger Gemeinde als Gabbai väterlich sorgte. Alsdann dankte Herr Hauptlehrer Hammelburger namens der Chewra Kadischa ihrem Ehrenvorsitzenden, der sich um die Förderung derselben in fast 60jähriger Mitgliedschaft - darunter 30 Jahre als erster Vorsitzender - bleibende Verdienste erworben habe, die bereits von dem Vorgänger des jetzigen Rabbiners, Herrn Rabbiner Dr. Neuwirth, Stuttgart, durch Verleihung des Chower-Titels gewürdigt waren. Zuletzt nahm ein Sohn des Verstorbenen in herzlichen Dankesworten Abschied vom Vater, auf den mit Recht das Wort angewendet werden dürfe: Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

  
Beiträge von zwei Schülerinnen - Irmgard und Renate Regensburger - zu den Hohen Feiertagen (1936)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Oktober 1936: "Aus Schüleraufsätzen. 
I. Vom Jom-Kippur.
Es ist der Abend des neunten Tischri: der 'Kol-nidre'. Wir haben den Alltag vergessen und tiefer Ernst liegt auf allen Gesichtern. Der Chason hebt an, die feierlichen Melodien des Kol-Nidre zu singen. Die Tore des göttlichen Gerichtes sind geöffnet und bangend harren alle auf sein Urteil. Wir denken daran, wie wir das ganze Jahr verlebt haben, und ob Gott auch unsere Sünden verzeihen wird. Wir wollen an diesem Tage nichts von Speise und Trank wissen. Wir wollen uns von dem Alltag losreißen, um vollkommen rein der göttlichen Idee zu leben. Wir sind ganz demütig vor Gott, ganz winzige Menschenkinder, die nicht einmal fest auftreten können. Ganz spät erst in der Nacht, noch tief ergriffen von der feierlichen Predigt und dem ergreifenden Gottesdienst, gehen wir nach Hause, um am anderen Früh mit derselben Andacht wieder in die Synagoge zu gehen. Schon bevor der Morgen graut, gehen wir in die Synagoge, um uns wieder ganz dem Gebot der Tora hinzugeben. Wir sind schwache Menschen. Der Allmächtige sieht, wie hilflos wir doch sind. Wir beten weiter, bis die letzte Tekiah erklingt. Der heilige Fürst zieht fort. Wir Menschen flehen noch einmal zu Gott: 'selach lonu, verzeih' uns, verzeih' uns!' Und jetzt wird es uns leicht und frei, und wir haben das feste Vertrauen, dass Gott unser Schicksal zum Guten lenken wird. 
Irmgard Regensburger, Ichenhausen (13 Jahre).  
 
II. Ein Erlebnis aus dem Monat
Tischri.   
Der Roschhaschonoh und der Jom-Kippur sind vorbei und damit haben wir die ernsten Feiertage hinter uns. Und nun kommt das herrliche Sukkofest. Wie viele Freuden haben wir da. Wir dürfen in der Sukkoh essen, und die Mizwoh ausüben, das Lulaw zu schütteln. Jetzt kommt aber ein Fest der reinsten Freude, an diesem Feste, da gibt es keine anderen Mizwaus, da gibt es nur Freude und Lust. Alle Gesichter verwandeln sich. Aber nicht nur die Gesichter von uns Kindern, denn uns fällt es ja gar nicht schwer, lustig zu sein, sondern auch den älteren Leuten sieht man es an, dass das Fest der Freude und der Lust zu uns gekommen ist. Wir Kinder tanzen, singen Lieder und ziehen mit unseren Fähnlein herum. Wir wissen gar nicht, wohin mit unserer Freude. Aber nicht nur wir freuen uns, sondern auch die Großen freuen sich. Sie gehen mit der heiligen Tora herum und schwingen sie und tanzen mit ihr. Man kann es gar nicht glauben, dass diese Leute, die am Simchastorafest mit der Tora tanzen, auch manchmal so ernst und streng sein können. Ja, so gut aufgelegt waren die Leute, dass uns mehrere davon sogar beschenkten. Da sind dann sogar unsere großen Mädels herbeigesprungen und haben ihre Sachen geholt, da wollten sie dann keine großen Damen sein. Später haben dann noch die Herren gesungen und dann gingen alle Leute mit frohem Mute heim. Es ist schade, dass es noch ein ganzes Jahr dauert, bis wieder Simchastora ist.  
Renate Regensburger, Ichenhausen (11 Jahre).                  


Zum Tod von Siegfried Erlanger (1937)  

Ichenhausen Israelit 07011937.jpg (89120 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Januar 1937: "Ichenhausen, 3. Januar (1937). Wie ein Blitz aus heiterem Himmel wirkte die Trauerkunde in unserer Gemeinde vom Ableben Siegfried Erlangers. Er erreichte ein Alter von erst 55 Jahren. Am 10. Tewet hatte ihn die ganze Gemeinde zur letzten Ruhestätte begleitet. Mit tief bewegten Worten sprach Herr Hauptlehrer Hammelburger an seiner Bahre und nahm Abschied von dem vornehmen, allzeit hilfsbereiten Menschen. Herr Julius Krämer, erster Vorsitzender unserer Gemeinde, gab seinem persönlichen Schmerz über den Verlust des lieben Freundes Ausdruck. Groß ist der Verlust für die Kulturverwaltung, dessen eifriger und unermüdlicher Mitarbeiter er war. Als treuer Chewra Kadischah-Mann und tätiger Mitarbeiter im Verein Bikkur Cholim hatte er Gelegenheit, Wohltätigkeit in großem Maße zu üben. Möge sein Verdienst der Gattin und den zwei Kindern, denen er gute jüdische Erziehung gab, beistehen. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

   
Zum Tod von Frieda Krämer nach ihrer Reise (Auswanderung?) nach Kanada (1937)  

Ichenhausen Israelit 27051937.jpg (76136 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Mai 1937: "Ichenhausen, 20. Mai (1937). Aus Kanada kommt die erschütternde Trauerkunde, dass Frau Frieda Krämer, Gattin unseres ersten Kultusvorstehers, Herrn Julius Krämer, infolge einer Operation plötzlich verstorben ist. Der Trauerfall ist deshalb so tragisch, weil die Verschiedene erst vor vier Wochen in voller Gesundheit Ichenhausen verließ, um in Begleitung ihres Gatten ihren Sohn zu besuchen. Frau Krämer ist nur 57 Jahre alt geworden und hatte es verstanden, durch ihr sonniges Wesen, große Liebenswürdigkeit und vornehmen Charakter allgemeine Wertschätzung in der ganzen Gemeinde sich zu erwerben. Möge dieses Bewusststein dem tief betrübten Gatten als Nechomo (Trost) dienen. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens.   L. Schw."

   
Trauerrede für Frieda Krämer (1937)  

Ichenhausen BayrGZ 01071937.jpg (103551 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Juli 1937: "Ein Hesped in Ichenhausen. Am Sonntag, den 13. Juni 1937, fand im Anschluss an den Abendgottesdienst unter Teilnahme der Gemeinde und einer Anzahl auswärtiger Freunde und Verwandten ein Hesped (Trauerrede) zu Ehren der kurz vor dem Schewuothfeste in Kanada dahingeschiedenen Gattin des Gemeindevorstandes, Frieda Krämer statt. Herr und Frau Krämer hatten sich nach den Pessachfeiertagen aufgemacht, um ihren seit 8 Jahren in Kanada wohnenden Sohn und dessen Gattin zu besuchen; kaum angekommen musste sich Frau Krämer einer Operation unterziehen, der sie leider erlag. - Die Trauer und der Schmerz um den Verlust dieser bescheidenen und wohltätigen Frau ist allgemein in unserer Gemeinde; denn wo sie war, da war Licht und Freude, Hilfsbereitschaft und Gemiluth Chesed (Wohltätigkeit) im wahrsten Sinne des Wortes. - Das schilderte in ergreifender Weise Herr Distriktsrabbiner Gerhard Frank in seiner Ansprache, indem er die Verdienste der leider so früh Dahingeschiedenen als Mitschwester, als Mutter und als Gattin würdigte. Möge die Tatsache der allgemeinen herzlichen Teilnahme den Hinterbliebenen Trost spenden und unserem so hart getroffenen Herrn Vorstande Julius Krämer die Kraft verleihen, das Schwere zu tragen und wie bisher auch weiterhin segensreich für unsere Gemeinde zu wirken 'bis 120 Jahre'. D.W."

    
   
   
Anzeigen jüdischer Personen / Gewerbebetriebe  
    
Anzeige des Glas-, Porzellan- und Eisenwarengeschäftes Heinrich Wimpfheimer (1863)     

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. November 1863: "Offene Lehrlings-Stelle. In meinem Engros- & detail-, Glas-, Porzellan- und Eisenwaren-Geschäft kann ein junger Mann aus guter Familie, mit den nötigen Schulkenntnissen versehen, sofort auf 3 Jahre in die Lehre treten. Kost und Logis, Vergütung 160 Thaler.  - 
Ichenhausen
(Bayern), den 7. November 1863. Heinrich Wimpfheimer".       

  
Anzeigen des Eisen- und Tuchgeschäftes Jacob Hirsch & Söhne (1865 / 1867)    

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 28. März 1865: "Offene Lehrlings-Stelle
In unserem Eisen- und Tuchgeschäfte kann ein kräftiger junger Mann von 15-16 Jahren mit guten Vorkenntnissen, mosaischer Religion und von achtbarer Familie, unter vorteilhaften Bedingungen als Lehrling sofort Aufnahme finden. - Hierauf Reflektierende wollen sich portofrei direkt an uns wenden. 
Ichenhausen bei Günzburg an der Donau (Bayern, den 16. März 1865. Jacob Hirsch & Söhne."       
  
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Oktober 1867: "Offene Lehrlings-Stelle
In unserm Eisen- und Tuchgeschäfte kann ein kräftiger junger Mann von 15-16 Jahren mit guten Vorkenntnissen, unter annehmbaren Bedingungen in die Lehre treten. 
Hierauf Reflektierende wollen sich portofrei direkt an uns wenden, und bemerken wir noch, dass unser Geschäft an Sabbat- und Feiertagen geschlossen ist. 
Ichenhausen bei Günzburg an der Donau (Bayern), den 25. September 1867. Jacob Hirsch & Söhne."       

   
Der Toraschreiber A. Körber empfiehlt sich (1886)  

Ichenhausen Israelit 13051886.jpg (77506 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Mai 1886: "A. Körber, Schreiber von Torarollen, Tefillin und Mesusot, Ichenhausen (Bayern). Hiermit beehre mich ergebenst anzuzeigen, dass ich mich hier als Schreiber von Torarollen, Tefillin und Mesusot niedergelassen habe und empfehle mich in allen in dieses Fach einschlagenden Arbeiten unter Garantie gediegener Ausführung sowohl in neuen Tefilin, Mesusot, Torarollen als wie auch in jeglicher Reparatur bei solider und prompter Bedienung. Viele große Gemeinden in Deutschland, welche mir die Korrektur von Torarollen anvertrauten, haben ihr volle Zufriedenheit durch Zeugnisse kundgegeben und bin gerne bereit, auf Verlangen solche zur Verfügung zu stellen. Ich halte mich daher geschätzten Gemeinden und Wiederverkäufern als wie auch einzelnen Herren bei Bedarf bestens empfohlen. Hochachtungsvoll  A. Körber aus Tarnow, wohnhaft in Ichenhausen (Bayern). Referenz: Seiner Ehrwürden Herr Dr. Sohn, Rabbiner in ichenhausen."

 
Anzeige von Heinrich Seligmann (1890)         

Ichenhausen Israelit 08051890.jpg (42447 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Mai 1890: "Lehrlings-Stelle. 
Suche für meinen Sohn, der heuer das einjährige Examen macht, bis Mitte August dieses Jahres eine Stelle, am liebsten in einem Bank- und Wechselgeschäft. Kost und Logis im Hause wäre sehr erwünscht. 
Heinrich Seligmann,
Ichenhausen (Bayern)."

  
Werbung für den Lamm'schen Wochenkalender (1890 / 1900)  

Ichenhausen Israelit 25081890.jpg (67380 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. August 1890: "Max Lamms hebräischer und deutscher Wochen-Abreiß-Kalender pro 5651 (September 1890 bis Oktober 1891), 11. Jahrgang, Preis 60 Pfennig, ist erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen. Gegen Einsendung von 70 Pfennig (40 Kr. österr.) per Exemplar versende denselben franko an jede mir aufgegebene Adresse. Verlag des Lamm'schen Wochenkalenders. S.G. Heller, Ichenhausen (Bayern)."
   
Ichenhausen Israelit 30071900.jpg (55841 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Juli 1900: "In meinem Verlage erschien soeben: Lamm's hebräischer und deutscher Wochenkalender pro 5661 (21. Jahrgang). Preis 60 Pfennig. Gegen Voreinsendung von 70 Pfg. franco Zusendung (Ausland 80 Pfg.).  S.G. Heller's Buchhandlung, Ichenhausen (Bayern). 
Dieser äußerst praktische Wandkalender sollte in keinem jüdischen Hause fehlen."  

    
Anzeige des Restaurants Falk (1900)    

Ichenhausen Israelit 10051900.jpg (48669 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Mai 1900: "Zur gefälligen Beachtung für israelitische Bäckerei! Eine im besten Zustande befindliche Mazzes-Maschine und alle hinzu gehörigen, sonstigen Apparate ist zu jedem annehmbaren Preise, wegen Todesfall und Aufgabe der Bäckerei zu verkaufen. Gefällige Offerten an Restaurant Falk, Ichenhausen, Bayern."  

 
Anzeigen des Weiß-, Woll- und Baumwollwarengeschäftes L.S. Friedberger (1900 / 1901 / 1903  )   

Ichenhausen Israelit 02081900.jpg (44564 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. August 1900
"Für mein Weiß-, Woll- und Baumwollwaren-Geschäft suche einen tüchtigen Commis, welcher mit Branche, Buchführung und Lagerarbeiten vertraut, ebenso einen Lehrling mit genügenden Vorkenntnissen.
L.S. Friedberger, Ichenhausen (Bayern)."    
   
Ichenhausen Israelit 11071901.jpg (37075 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Juli 1901
"Für mein Weiß-, Woll- und Baumwollwarengeschäft Engros suche einen tüchtigen jungen Mann mit nötiger Vorbildung als Lehrling oder Volontair. 
L.S. Friedberger
, Ichenhausen, Bayern."   
Ichenhausen Israelit 29081901.jpg (60201 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. August 1901: "Commis 
der Weiß, Woll- und Baumwollwaren mit flotter Handschrift, mit Komptoir- und Lagerarbeiten vertraut, findet in meinem Engros-Geschäfte Engagement. Ebenso findet ein Lehrling mit den nötigen Vorkenntnissen unter günstigen Konditionen Aufnahme. 
L.S. Friedberger,
Ichenhausen, Bayern."     
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. April 1903: "Suche für mein Manufaktur-, Weiß- und Wollwaren-Geschäft Engros und -Detail einen Lehrling oder Volontair, mit nötigen Vorkenntnissen, aus achtbarer Familie. Samstags und Feiertage geschlossen. 
L.S. Friedberger, Ichenhausen in Bayern."       


S. Henle wirbt für seine Torawimpel (1900)  

Ichenhausen Israelit 061211900.jpg (51312 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Dezember 1900: "Wimpel. Nach Einsendung von Datum und Namen werden Wimpeln von Buben von 2-3 Jahren schön in Farben ausgeführt für 2-6 Mark. Vertreter zum Sammeln auf allen Plätzen gesucht. 
S. Henle, Dekorationsmaler, Ichenhausen, Bayern. 
Referenz: Herr Bezirksrabbiner Dr. Kohn, hier."  

       
Anzeige von Witwe J.N. Koschland (1903)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. November 1903: "Lehrmädchen-Gesuch. Für mein Manufaktur- und Weißwaren-Geschäft, samstags und Feiertage streng geschlossen, suche ich zum sofortigen Eintritt ein 
Lehrmädchen
aus achtbarer Familie. 
J.N. Koschland Witwe, Ichenhausen, Bayern."   

     
Anzeigen der Wurstwarenfabrik Eduard Liebermann (1911/1928)  

Ichenhausen Israelit 04051911.jpg (54771 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Mai 1911: "Eduard Liebermann, Ichenhausen (Bayern). Meine langjährige Tätigkeit im In- und Auslande befähigt mich das Beste zu bieten. Wurstwaren-Fabrik mit elektrischem Kraftbetrieb. Täglicher Versand von exquisiten, frischen und Dauer-Wurstwaren. Billigste und prompte Bedienung. Spezialität: Wiener-, Frankfurter-, Halberstädter Würstchen sowie alle Aufschnittwaren. Verlangen Sie Probesendung. Filiale: D. Levitte, München, Landschaftsstraße 1. Unter Aufsicht des Ehrwürdigen Herrn Distrikts-Rabbiner Dr. Kohn, Ichenhausen."
 
Ichenhausen BayrGZ 15071928.jpg (74277 Byte)Anzeige in der "Bayrischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Juli 1928: "Erklärung. Dem verehrlichen Publikum Münchens diene hiermit zur gefälligen Kenntnisnahme, dass ich in München, Brunnstraße 12 (Eingang Kreuzstraße) eine Filiale für Wurst- und Aufschnitt-Waren eröffnet habe. Das Geschäft führt Frau Selma Frankenburger, die vertraglich verpflichtet ist, ausschließlich mein Fabrikat, welches unter Aufsicht Seiner Ehrwürden des Herrn Distriktsrabbiners Dr. S. Neuwirth in Ichenhausen steht, zu verkaufen. Sämtliche Ware ist plombiert und mit den üblichen Anfangsbuchstaben ASch des Namens des Gemeinde-Schochets Ichenhausen versehen, wodurch eine Verwechslung ganz ausgeschlossen ist. Um regen Zuspruch bittet Eduard Liebermann, Ichenhausen, Wurstwarenfabrik."
  
Ichenhausen BayrGZ 15071928a.jpg (28806 Byte)Anzeige in der "Bayrischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Juli 1928: "Es besteht Veranlassung darauf hinzuweisen, dass das neu eröffnete Fleischwarengeschäft von Selma Frankenburger, München, Brunnstraße, Ecke Kreuzstraße, unter meiner Aufsicht nicht steht. Ichenhausen, den 1. Juli 1928. Rabbiner Dr. S. Neuwirth."

    
Anzeige des Putzgeschäftes L. & M. Mann (1912)       

Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 16. August 1912: 
"Modes
Für unser am Samstagen und israelitischen Feiertagen geschlossenes Putzgeschäft suchen wir zum sofortigen Eintritt eine tüchtige 
1. Arbeiterin

die sowohl den billigen, als auch den besseren Genre flott und selbstständig chic garnieren kann. Gefälligen Offerten mit Gehaltsansprüchen - Jahresstelle - sowie Zeugnisabschriften erbitten 
L. & M. Mann, Ichenhausen
(Bayern)."    

  
Verlobungsanzeige von Johanna Hirschberg und Jacob Gradmann (1920)    

Anzeige im "Frankfurter Jüdischen Familienblatt" vom 16. April 1920: "Statt Karten: 
Johanna Hirschberg - Jacob Gradmann. Verlobte    
Frankfurt am Main Hegelstraße 13 - Ichenhausen (Bayern). 
Empfang: Samstag und Sonntag, den 17. und 18. April.  Paraschat (Wochenabschnitt zur Tora) Schemini".      

  
Heiratsanzeige von Moses Gradmann und Adele geb. Fulda (1922)  

Ichenhausen Israelit 02031922.jpg (24740 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. März 1922: "Gott sei gepriesen.  
Moses Gradmann - Adele Gradmann geb. Fulda. Vermählte. 
Ichenhausen. 1. Adar 5682 - 28. Februar 1922." 

  
Heiratsanzeige von Hermann Hirschberg und Jenny geb. Gradmann (1922)   

Ichenhausen Israelit 09111922.jpg (43864 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. November 1922: 
"Hermann Hirschberg - Jenny Hirschberg geb. Gradmann. Vermählte.  
Frankfurt am Main, Hegelstraße 13 - Ichenhausen (Bayern). 
Trauung: Dienstag, den 14. November 1922 - 23. Marcheschwan 5683.  Synagoge Ichenhausen."  


Willy Goldberg wirbt für seine Wimpeln (1924)  

Ichenhausen Israelit 17071924.jpg (34602 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Juli 1924: "Wimpeln verfertigt in feinster Kunstausführung rasch und billig Willy Goldberg, Ichenhausen in Bayern."

     
Verlobungsanzeige von Dr. Lili Neuwirth und Dr. Julius Ottenheimer (1928)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. September 1928: "Statt Karten - 
Beste Neujahrsgrüße ("Gute Einschreibung und Versiegelung"). 
Ihre Verlobung beehren sich anzuzeigen. 
Dr. med. Lili Neuwirth - Dr. med. Julius Ottenheimer. 
Stuttgart - September 1928 - Ichenhausen."       

   
Anzeige von Frau Meinfelder (1928)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. November 1928: 
"Suche für meine Nichte, 15 Jahre, große Figur, Stelle als Lehrmädchen für den Verkauf, wo sie sich auch für Haushalt betätigen kann, in religiösem Hause. 
Angebote an Frau Meinfelder, Ichenhausen bei Günzburg."      

    
Verlobungsanzeige von Friedl Goldberg und Benno Goldschmidt (1930)      

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Juni 1930: 
"Friedl Goldberg - Benno Goldschmidt. Verlobte. 
Ichenhausen  Juni 1930 - Siwan 5690 - Nürnberg".            

 
Hochzeitsanzeige von Mina Oppenheimer und Willy Goldberg (1933) 
    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. März 1933: "Gott sei gepriesen
Mina Oppenheimer - Willy Goldberg - 
geben ihre - so Gott will - am 3. April 1933 - 7. Nissan 5693 in Ansbach, Hotel Zirkel, stattfindende 
Vermählung bekannt.  Hanau - Bechhofen / Ichenhausen."     

    
Hochzeitsanzeige für Zipora Meyer und Julius Weil (1934)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. November 1934: "Mit Gottes Hilfe.  
Zipora Meyer - Julius Weil. Vermählte.  
Ichenhausen / Basel Birmannsgasse 17  -  Basel Spalentorweg 8.  
Trauung 25. November 1934 - 18. Kislew 5695. 
Pension Ivria, Zürich".     

 
Verlobungsanzeige von Klara Gutmann und Albert Leiter (1937)
  

Buttenwiesen Israelit 22071937.jpg (28144 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Juli 1937: "Gott sei gepriesen. 
Klara Gutmann - Albert Leiter. Verlobte. 
Ichenhausen - Schwaben. Buttenwiesen - Schwaben. 
Schabbat Nachamu 5697 (
= 24. Juli 1937)". 

    
Verlobungsanzeige von Hilde Mann und Alfred Gerstle sowie Sophie Emanuel und Theo David Gerstle (1937)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. September 1937: 
"Statt Karten - Gott sei gepriesen. 
Hilde Mann - Alfred Gerstle. Sophie Emanuel - Theo David Gerstle. Verlobte. 
Ichenhausen - Jerusalem / Hamburg - Kibbuz Chofez - Chajim Gedera / Ichenhausen".       

    
    
Einige Postkarten und weitere Dokumente mit Bezug zu jüdischen Gewerbebetrieben und Privatpersonen in Ichenhausen 
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries)   

Geschäftsbrief von Kriegshaber 
nach Ichenhausen (1853)
 
Kriegshaber Dok 180.jpg (88884 Byte) Kriegshaber Dok 180a.jpg (67388 Byte)

Absender des Briefes waren die (jüdischen Gemeindeglieder in Kriegshaber) Gebr. Feist & M. Götz in Kriegshaber; der Brief wurde am 21. Dezember 1853 an Israel Koschland in Ichenhausen verschickt.     

     
Brief von Julius Liebermann 
nach München (1858)
  
Ichenhausen Dok 117.jpg (105037 Byte) Ichenhausen Dok 118.jpg (86635 Byte)

 Absender des Briefes war Julius Lieberman aus Ichenhausen. Der Brief wurde laut Poststempel und handschriftlichem Datumsvermerk am 8. Oktober 1858 an Heinrich Liebermann in München verschickt.   

     
Postkarte von 1876, versandt von 
Ichenhausen nach Königsbronn
  
Ichenhausen Dok 1014a.jpg (105014 Byte) Ichenhausen Dok 1014.jpg (115234 Byte)

Die Postkarte wurde am 3. September aus Ichenhausen versandt; Empfänger war das Königliche Hüttenamt Königsbronn bei Heidenheim. Als Absender zeichnet die Fa. Jacob Hirsch & Söhne in Ichenhausen

     
Geschäftskarte der Gebr. Krämer 
& Weimersheimer (1882)
 
Ichenhausen Dok 010901a.jpg (95151 Byte) Ichenhausen Dok 010901.jpg (100006 Byte)

Geschäftskarte der Gebrüder Krämer & Weimersheimer vom 28. April 1882, versandt von Ichenhausen nach Freiburg. Gebr. Krämer & Weimersheimer waren Inhaber eines Leder- und Häutegeschäftes.

     
Postkarte, versandt von 
Leopold Bissinger (1888)
   
Ichenhausen Scan 150069.jpg (104157 Byte) Ichenhausen Scan 150069a.jpg (116091 Byte)

Obige Postkarte wurde versandt von Leopold Bissinger am 2. Juli 1888 an die verehrliche Brunnenverwaltung der Göppinger Mineralwasser "Quelle" 
Text der Rückseite:
"P.P. Ich kam zufällig in Besitze von 47 Stück leeren Überkinger Mineralwasser Krügchen und erlaube mir heute Ihnen diesselben franco und per Bahn zu übersenden mit dem ergebenen Ersuchen diese mit ihrem berühmten Wasser zu füllen und mir baldigst per Nachnahme wieder zugehen zu lassen. Hochachtend - Leopold Bissinger - Ichenhausen 2. Juli 1888 - St. Günzburg a. D." 
  

Zur Person von Leopold Bissinger: es kommen zwei Personen in Frage: 
Entweder Leopold Bissinger (geb. 1857 in Bissingen als Sohn von Heinrich Leopold Bissinger [1821 Ichenhausen - 1887 Ichenhausen] und der Jachet Julie geb. Neumann [1830 Wassertrüdingen - 1908 Ichenhausen]), wohnte sein ganzes Leben in Ichenhausen (gest. 5. April 1935). 
Quelle: https://www.geni.com/people/Leopold-Bissinger/6000000018445562278; Hinweis von Andrew M. Greene am 21.4.2015.    
oder Leopold Bissinger (geb. 1859 in Ichenhausen als Sohn von Anselm Loeb Bissinger [geb. am 16. Juli 1819 in Ichenhausen] und Therese Treinle geb. Thannhauser [geb. 16. November 1822 in Giengen] war verheiratet mit Sophie geb. Mann (geb. 1863 in Ichenhausen). Dieser Leopold Bissinger starb 1939 im Alter von 80 Jahren in München. 
Quelle: http://www.geni.com/people/Leopold-Bissinger/6000000018445044576 
  
Anmerkung: Die Familie Bissinger lässt sich über viele Generationen in Ichenhausen nachweisen. Geburts- und Sterbejahr des Stammvaters Low Loeb Ben Baruch verlieren sich im Dunkel der Vergangenheit. Dessen Sohn Baruch Bissinger (geb. 1720 in Bissingen) wurde jedoch schon auf dem jüdischen Friedhof Ichenhausen begraben (1780).    

     
Postkarte der Fa. L. S. Friedberger
nach Ebingen (1889)
   
Ichenhausen Dok 13020.jpg (179139 Byte) Ichenhausen Dok 13020a.jpg (189935 Byte)

Absender der am 5. Februar 1889 verschickten Karte ist das Weiß-, Woll - und  Baumwollwarengeschäft L. S. Friedberger; die Karte ist adressiert an Wilhelm Keller in Ebingen war geschäftlicher Natur. Wilhelm Keller war Inhaber einer Korsettfabrik in Ebingen. Zum Weiß-  Woll- und Baumwollwarengeschäft L. S. Friedberger vergleiche die Anzeigen oben aus den Jahren 1900 bis 1903. 

     
Postkarte von 1902, versandt von 
Kleinsteinach nach Ichenhausen
 
Ichenhausen PK 110.jpg (98950 Byte) Ichenhausen PK 110a.jpg (103295 Byte)

Die Postkarte wurde am 20. Oktober 1902 in Kleinsteinach abgestempelt und an Moritz Bernheimer in Ichenhausen gesandt; Absender: S. Wolfermann (vermutlich Sali Wolfermann, geb. 27. März 1877 in Mainbernheim, letzter Wohnort Kleinsteinach)  

        
Postkarte von 1909, versandt 
von München nach Ichenhausen
  
Ichenhausen PK 111.jpg (77196 Byte) Ichenhausen PK 111a.jpg (86929 Byte)
  Die Firmen-Postkarte der Spritfabrik von Max Wassermann aus München wurde am 26. März 1909 an Moritz Bernheimer in Ichenhausen versandt.
        
Postkarte von 1908, versandt an den 
 Militärapotheker Sigo Bernheimer 
im Garnisonslazarett Lager Lechfeld
  
Ichenhausen PK 112.jpg (84180 Byte) Ichenhausen PK 112a.jpg (114267 Byte)
Die Postkarte wurde am 5. Juni 1908 an Sigo Bernheimer versandt, Einjähriger Freiwilliger Militärapotheker im Garnisonslazarett Lager Lechfeld; es handelt sich um eine Geschäftspostkarte aus Ichenhausen von den Gebrüdern Sulzer. Sigo Bernheimer (geb. 18. Mai 1884) wurde in der NS-Zeit nach Auschwitz deportiert.
      
Postkarten von 1908
an Sigo Bernheimer
  
Ichenhausen PK 114.jpg (83979 Byte) Wuerzburg Dok 464.jpg (117781 Byte)Wuerzburg Dok 464a.jpg (148789 Byte)
    Die Postkarte an Sigo Bernheimer wurden am 17. Oktober beziehungsweise am 28. Oktober 1908 aus Ichenhausen versandt.   
      
Postkarte von 1909
an Sigo Bernheimer 
 
Ichenhausen PK 113.jpg (91690 Byte) 
    'Die Postkarte wurde am 14. September 1909 an Sigo Bernheimer in Schweinfurt verschickt mit Glückwünschen zum (jüdischen) Jahreswechsel. 
      
Karte an Lina Weimersheimer 
aus Ichenhausen (1908)
  
Ichenhausen Dok 723.jpg (175486 Byte)Ichenhausen Dok 723a.jpg (102381 Byte) Ichenhausen Lina Weimersheimer 010.jpg (117185 Byte)

Die Karte (mit persönlichem Inhalt) an Frl. Lina Weimersheimer (c/o Lehrer Possenheimer) wurde am 29. September 1910 (Poststempel Ichenhausen) nach Böchingen in der Pfalz verschickt; die Familie Weimersheimer hatte in Ichenhausen ein Leder- und Häutegeschäft, das in der NS-Zeit 1938 zwangsweise aufgelöst und veräußert wurde. Lina Weimersheimer (Foto rechts aus dem Buch zur Ausstellung "Ein fast normales Leben" anlässlich der Feier "10 Jahre Wiedererrichtung der Synagoge Augsburg - 10 Jahre Gründung des Jüdischen Kulturmuseums" S. 135 mit dem Untertitel: "Eine bildschöne Braut: die zwanzigjährige Lina Weimersheimer aus Ichenhausen. Sie heiratete den Arzt Dr. Alfred Löwenstein".    

     
Postkarte von Sigmund Erlanger, 
Ichenhausen von 1912 
 
Ichenhausen Doku 014.jpg (40776 Byte) Ichenhausen Doku 013.jpg (48189 Byte)
      Die Postkarte wurde an den pensionierten Lokomotivführer Friedrich Schneider in Augsburg geschickt. Mitgeteilt wird der Zins aus einem Guthaben.   
      
Karte an die Fa. Regensburger 
in Ichenhausen (1923)
 
 
Ichenhausen Dok 722.jpg (211418 Byte)

 Die Brief wurde mit Datum vom 13. August 1923 von der Süddeutschen Transport- Versicherungs-AG in München an die Firma Regensburger & Co. in Ichenhausen geschickt. 

      
Karte aus dem familiären Umfeld 
des Hollywood-Gründers Carl Laemmle
,
 verschickt von Frieda H. Laemmle 
aus Ichenhausen (1925) 
Ichenhausen Dok 530.jpg (181066 Byte) Ichenhausen Dok 530a.jpg (91535 Byte)
Oben: Ansicht von Ichenhausen 
Ichenhausen Dok 531.jpg (186468 Byte) 
Foto oben: Besuch von Carl Laemmle 
bei Verwandten in Ichenhausen 
(insbesondere Familie Heller); aus: Gernot
 Römer, Schwäbische Juden S. 253.
Nach den Recherchen von Peter Karl Müller handelt es sich bei der Absenderin sehr wahrscheinlich um Frieda Laemmle geb. Heller (Unterschrift Frieda H. Laemmle - das H. steht für Heller). Frieda Heller war die älteste Tochter von Aron Heller und Fanny, geb. Gerstle. Sie heiratete Louis Laemmle, den Bruder von Carl Laemmle, der (Carl) seine Lehrzeit bei dem Vater von Frida in Ichenhausen absolvierte. Die jüngste der Heller-Mädchen Eppi heiratete einen Neffen von Carl Laemmle - Edward Laemmle. Dies erklärt auch ein Foto in Gernot Römer´s Buch "Schwäbische Juden", das die Heller-Familie mit Carl Laemmle und Sohn zeigt (siehe links). Im Buch "Ein eigenes Reich - Wie jüdische Emigranten "Hollywood" erfanden" von Neal Gabler findet sich die Aussage, dass Louis Laemmle wahrscheinlich im Hitler-Deutschland geblieben wäre, hätte ihm nicht seine durch einen Schlaganfall halb gelähmte Frau ein Ultimatum gestellt, gegebenenfalls auch ohne ihn Deutschland zu verlassen (S. 471). Am 30. Sept.1938 reisten Sie ab nach Amerika. Eine weitere Bestätigung, dass es sich bei der Schreiberin um Frieda Laemmle, geb. Heller handelt ist der Stammbaum der Familie (siehe Link), auf dem als Sohn von Frieda und Louis der 1912 geborene Richard eingetragen ist. 
Zum Inhalt der obigen Karte: Frieda bedankt sich für die guten Wünsche zu Richards Barmitzwah. Es war eine wunderbare Feier und alle hatten eine eine gute Zeit und waren glücklich. Anschließend äußert sie die Hoffnung auf ein mögliches Treffen in New York, da Sie vor hat, am 9. Oktober mit dem Segelschiff von Cuxhaven nach New York zu reisen, wo Sie am 19. Oktober hofft anzukommen. Es folgen noch die besten Wünsche für ein glückliches Neues Jahr. 
Link zu einem Stammbaum, auf dem Aron Heller und seine Tochter Frieda, die Frau von Carl Laemmles Bruder Louis, als auch deren Schwester Peppi, die einen Neffen von Carl Laemmle heiratete, zu finden sind 
 
Wikipedia-Artikel zu Carl Laemmle 
     
     
Briefkopf der Kleiderfabrik 
Gebrüder Sulzer (1934)
  
Ichenhausen Dok 20090301.jpg (105384 Byte)
  Rechnung der Kleiderfabrik Fa. Gebrüder Sulzer aus Ichenhausen vom 13. April 1934 
        
Ichenhausen Doku 010.jpg (35639 Byte) Ichenhausen Doku 011.jpg (19964 Byte) Ichenhausen Doku 012.jpg (44603 Byte)
Postkarte von 1902 an den "Königlichen
  Gerichtsvollzieher" von Anselm Gerstle,
  Ichenhausen
  
Brief an Sigmund Günzburger,
  Ichenhausen von 1886
  
Karte von David Levy (Trikotwarenfabrik
 in Hechingen) an Israel Koschland
,
 Ichenhausen, mit dem der Reisende 
Herr Essinger angekündigt wird.  
   
     
Ichenhausen Doku 016.jpg (66820 Byte) Ichenhausen Doku 017.jpg (37755 Byte) Ichenhausen Doku 015.jpg (49789 Byte)
Rechnung von Samuel Gabriel Heller,
  Ichenhausen (1877) für Max K
aiser 
in Krumbach
 Brief von J. L. Hesselberger aus Fürth 
vom 8. Januar 1856 an Israel Koschland
 
in Ichenhausen
Rechnung von Gustav Henle, 
Ichenhausen  für Max Herz
 
in Krumbach (1911)
     



       
Sonstiges
   

Ichenhausener Gebetbuch (1544)
  

Ichenhausen BayrGZ 06071925a.jpg (186255 Byte)Abbildung links: "Ichenhausener Gebetbuch aus dem Jahre 1544. Eigentum der Bayerischen Staatsbibliothek in München" in einem Beitrag über "Hebräische Buchdruckereien im Gebiete des heutigen Bayern" von Dr. Josef Prys in München."

  
Erinnerungen an die Auswanderungen im 19. Jahrhundert: Grabstein in New York für Leopold Coshland (Koschland) aus Ichenhausen (gest. 1860)   

Ichenhausen New York Salem 1831a.jpg (117977 Byte)   Ichenhausen New York Salem 1831.jpg (100905 Byte)Grabstein für "Our beloved Father 
Leopold Coshland  Born in Ichenhausen Bavaria  
Died Feb. 26, 1860  Aged 38 years. 
Remains interred in Salem Fields Cemetery" und 
"Our beloved Mother Sarah Coshland
Born in Neidenstein-Baden 
and was summoned to a better world on 
Febr. 3 1886 aged 73 years".    

 
Haustürinschrift und weitere Besonderheiten am und im Haus Friedberger (innerhalb eines Artikels von 1927)  

Ichenhausen BayrGZ 19091927.jpg (124329 Byte)Aus einem Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 19. September 1927: 
Bildunterschrift: "Haustüre mit hebräischer Inschrift. Privatbesitz: H. Friedberger, Ichenhausen."
 
"Eine ausgesprochene Sederplatte aus Zinn mit sinngemäßer Beschriftung finden wir im hause des Herrn Friedberger in Ichenhausen und bei Herrn Dr. M. J. Gutmann, besonders die erste ist sehr schön ausgeführt. Das Friedberger'sche Haus, das schon seit seiner Erbauung (1763) im Familienbesitz ist, bezeichnet sich schon beim äußeren Anblick als jüdisches Eigentum. Es trägt in einer geschmackvollen Cartouche die Zeilen: (hebräisch und deutsch) 'Schwarz auf Weiß, Erinnerung der Tempel-Zerstörung, im Jahre 1763'; dazu ist im oberen Türbalken eingeschnitten der Wunsch: (hebräisch und deutsch) 'Gesegnet seist Du bei Deinem Eingang und gesegnet bei Deinem Ausgang, im Jahre 1763'; Abb. 3). Ein besonders reicher Zimmerschmuck des Friedberger'schen Hauses ist die prächtige Lampe, die ähnlich einer Sabbatlampe, jedoch mit 16 Kerzen erstrahlt (Abb. 4). Sie dürfte mit dem Hausbau zeitlich zusammenfallen."  

  
Patriotisches Gedicht von J. Blum (1927)  

Ichenhausen Israelit 28071927.jpg (98102 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Juli 1927: "Der Jude auf Posten. Von J. Blum in Ichenhausen.  
Dort zwischen Serre und Hebuterne, 
Unweit der Somme, der Heimat so fern, 
Stehn deutsche Männer und Jungen bereit  
Zur Wehr und Ehr, zum Sieg im Streit. 
Schleichen im Dunkel der schützenden Nacht, 
In Gruppen zu zweien und einzeln auf Wacht.  
Versinkend im Wasser und lehmigem Brei, 
An Löchern und Trichtern und Gräben vorbei.  
Das Gewehr umspannt von nerviger Hand  
Die Gasschutzmaske am Schulterband,  
Auf dem Kopf den Helm von schwerem Stahl,  
Um die Brust den Gürtel für Tod und Qual,  
Den Mut gestählt in Jammer und Not, 
Im Kampf bewährt auf Leben und Tod, 
Doch im Herzen nach Heimat, nach Kind und nach Weib, 
Die zehrende Sehnsucht, das rührende Leid. 
So wachten sie gestern, so wachen sie heut'; 
Steh'n treu ihren Posten, wie Pflicht es gebeut. 
Da ruft sie die Aufsicht vom Grabendienst an: 
'Der Feind,' - 'Alles ruhig!'   'Parole?'  'Sedan!'   
Den Feinden - befangen im blutigen Wahn - , 
bot unser Kriegsherr den Frieden an!  
Da jubelt der Jüngling: 'O, ist das fein, 
vielleicht wenige Wochen, dann kehren wir heim!'  
's ist doch nur Schwindel, ich glaube es nicht;  
Ein Latrinenbefehl' - der zweite spricht.  
Der Jude blieb still. Den betrübt es wohl gar? 
Er betet leise: 'O Gott, mach's wahr'."     

     

Kennkarte aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarte der in Ichenhausen 
geborenen Elsa Strauß geb. Maier
 
 Ichenhausen KK MZ Strauss Elsa.jpg (94728 Byte)    
   Kennkarte (ausgestellt in Mainz 1939) für Elsa Strauß geb. Maier (geb. 26. Juni 1885 in Ichenhausen)    

   

  

 

    

     

  

   

 

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Stand: 20. Mai 2015