Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Ichenhausen (Kreis Günzburg) 
Texte/Berichte zur jüdischen Geschichte des Ortes  
   
Hier: Texte zur Geschichte der Rabbiner und jüdischen Lehrer in Ichenhausen   

Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Ichenhausen wurden in jüdischen Periodika gefunden. 
Bei Gelegenheit werden weitere Texte eingestellt. Neueste Einstellung am 23.1.2013.    
  
  
Übersicht:

Aus der Geschichte des Rabbinates    
Übersicht über die Rabbiner in Ichenhausen   
Ausschreibungen der Stelle des Rabbiners (Distriktrabbiner / Bezirksrabbiner)   
D
er Rabbinatskandidat Dr. Heinrich Hochheimer - Sohn von Rabbiner Isaak Hochheimer - wird von 40 Männern für seine Predigten besoldet (1847) 
Rabbinatskandidat Dr. Heinrich Hochheimer, Sohn des Rabbiners muss auf Grund seines politischen Engagements in die Vereinigten Staaten fliehen (1849)  
-  Feier zum 70. Geburtstag von Rabbiner Isak Hochheimer (1860)    
Rabbiner Dr. Elieser Löb wirbt für sein Pensionat (1863)  
-  Rabbiner Meier Ettlinger / Rabbiner Dr. Elieser Löb betreiben eine Jeschiwa (1866)    
-  Dank an Rabbiner Dr. Löb (1867)           
-  
Rabbiner Dr. Löb wird zur Probepredigt nach Krefeld eingeladen (1869)    
-  
Zum Tod der Mutter von Rabbiner Dr. Löb (1871)  
Rabbiner Dr. Löb wechselt nach Altona (1873)  
Zum Tod von Rabbi Koppel Ullmann (1886)  
-  
Zum Tod von Oberrabbiner Dr. Elieser Löb in Altona, ehemals in Ichenhausen (1892) 
Weitere Artikel zum Tod von Rabbiner Dr. Elieser Löb in Altona (1892)  
Anzeige der Rabbiner Dr. Cohn (Ichenhausen) und Dr. Werner (München) betr. Betreuung der Israelitischen Insassen der Idiotenanstalt zu Ursberg bei Krumbach (1902)      
-  
Zum Tod von Rabbinatsassessor Abraham Jehoschua Goldberg (1921)    
-  
Zum Tod von Distriktsrabbiner Dr. Aron Cohn (1922) 
Danksagung nach dem Tod von Distriktsrabbiner Dr. Aron Cohn (1922)     
 
Rabbiner Dr. Samuel Neuwirth wird nach Ichenhausen berufen (1924)    
Amtseinsetzung von Rabbiner Dr. Samuel Neuwirth (1924)   
Zum Tod von Fanni Cohn, Witwe von Rabbiner Dr. Aron Cohn (1931)  
Amtsantritt von Rabbiner Simon Schwab (1933) 
eitrag von Rabbiner Simon Schwab: "Um die Heimat des Judentums?" (1933)        
Publikation von Rabbiner Simon Schwab (1934)  
B
eitrag von Rabbiner Simon Schwab: "Bekenntnis" (aus der Publikation "Heimkehr ins Judentum", 1935)      
Vortrag von Bezirksrabbiner Simon Schwab in Würzburg (1936)  
A
usschreibung der Stelle des Bezirksrabbiners (1936)     
Abschied von Rabbiner Simon Schwab (1937)   
Das Bezirksrabbinat Ichenhausen ist wieder besetzt (1937)   
Einführung von Gerhard Frank als Distriktsrabbiner (1937)   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer, der Schule und der weiteren Kultusbeamten 
Ausschreibungen der Stellen der Elementar- und Religionslehrers / Vorbeter / Synagogendiener   
-  
Ausschreibung der Vorbeter- und Schochet-Stelle (1871)  
Ausschreibung der Stelle des Kantors und Schochet (1908)    
-  
Hebräischlehrer gesucht (1886) 
Zum Tod von Lehrer Daniel Wormser (bis 1874 Lehrer in Ichenhausen, gestorben in Hamburg 1900)  
L
ehrer Isaak Brader wurde zum Hauptlehrer ernannt (1907)  
Karte an Lehrer Isaak Brader (1906)   
-  Abschied von Kantor Perlmutter (1908)   
-  
Zum Tod von Hauptlehrer Julius Thalmann (1909)   
-  
Zum Tod von Hauptlehrer Isaac Brader (1920)   
-  
50jähriges Dienstjubiläum und 80. Geburtstag des Synagogendiener M. Meinfelder (1922) 
Zum Tod der Witwe von Hauptlehrer Julius Thalmann (1927)   
Lehrer Blum verlässt die Schule (1927)   
Lehrer Sigmund Hammelburger übernimmt die Lehrerstelle (1929)  
50. Geburtstag und Auszeichnung von Hauptlehrer Hammelburger (1931)  
Die Bezirkskonferenz der israelitischen Lehrer in Schwaben tagt in der jüdischen Schule in Ichenhausen (1936)   

   
   
   
   
Aus der Geschichte des Rabbinates    
  
Übersicht über die Rabbiner in Ichenhausen 

um 1763 wird Rabbiner Samuel genannt, der eine Jeschiwa (Talmudschule) betriebt   
1775-1828: Rabbiner Meyer Levi Ellinger (geb. ca. 1736, gest. 1828 in Ichenhausen): 1775 "Unterrabbiner" in Ichenhausen, nach 1792 fürstlicher "Landesrabbiner" (zuständig auch für Binswangen, Buttenwiesen und Hürben), zuletzt "Oberrabbiner". 
1828 bis 1861: Rabbiner Isaak Hochheimer (geb. 1790 in Fürth als Sohn von Rabbiner Moses Hechheimer, gest. 1861 in Ichenhausen): studierte Karlsruhe, Mainz und Frankfurt; 1828 Rabbiner in Ichenhausen.  
1840er-Jahre als Prediger und Dajan bei seinem Vater Isaak Hochheimer: Rabbinatskandidat / später Rabbiner Dr. Heinrich Hochheimer (geb. 1818 in Ansbach, gest. 1912 in Baltimore, USA): studierte in München; in den 1840er-Jahren Prediger und Dajan in Ichenhausen bei seinem Vater; nach seinem politischen Engagement im Revolutionsjahr 1848 nach Amerika emigriert, wo er Rabbiner in Baltimore wurde (zunächst Gemeinde Niche Israel, dann Gemeinde Oheb Israel; 1892 in den Ruhestand).  
1862 bis 1874: Rabbiner Dr. Elieser (Lazarus) Löb (geb. 1835 in Pfungstadt, gest. 1892 in Altona): studierte in Gießen, gründete 1857 in Pfungstadt ein orthodoxes jüdisches Internat (Israelitisches Lehr- und Erziehungsinstitut), wo er als Lehrer wirkte; seit 1862 Rabbiner in Ichenhausen, wo er eine Talmudschule (Jeschiwa) betreibt; 1874 Oberrabbiner in Altona. 
1874 bis 1920: Rabbiner Dr. Aron Cohn (geb. 1840 in Altona, gest. 1922 ebd.): studierte in Würzburg, Berlin und Halle; 1866 Rabbiner in Náklo (Nakel, Prov. Posen), 1874 bis 1920 Rabbiner in Ichenhausen, ging 1920 in den Ruhestand. 
1924 bis 1932: Rabbiner Dr. Samuel Neuwirth (geb. 1867 in Sebeskellemes [Šarišské Lúky], Ostslowakei, gest. 1941 in Stuttgart): studierte in Würzburg und Berlin; War Lehrer an der Präparandenschule Schwabach, später Lehrer und Prediger in Frankfurt; 1900 bis 1924 Rabbiner in Bingen, 1924 bis 1932 Rabbiner in Ichenhausen; zog 1934 nach Stuttgart; seine Frau Babette (Berta) geb. Rosenfelder (geb. 1871 in Würzburg) wurde 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert und 1942/43 in Maly Trostinec ermordet. 
1933 bis 1936: Rabbiner Simon Schwab (geb. 1908 in Frankfurt, gest. 1995 in New York): studierte an Jeschiwot in Frankfurt, Mir und Telsch; zunächst Dozent in Montreux; 1933 bis 1936 Bezirksrabbiner in Ichenhausen; 1936 in die USA emigriert; 1937 bis 1956 Rabbiner in Baltimore, ab 1958 Rabbiner in Washington Heights (New York City), USA und Leiter einer Rabbinerseminars in New York.  
1937 bis 1939: Rabbiner Dr. Gerhard Frank (geb. 1912 in Buttenwiesen als Sohn des Lehrers Salomon Frank und der Johanna geb. Einstein; verschollen, vermutlich ermordet 1944 im KZ Auschwitz): studierte in Frankfurt und Berlin; 1935 Rabbinatsassessor in Königsberg, seit Mai 1937 Bezirksrabbiner in Ichenhausen; nach dem Novemberpogrom im KZ Dachau; 1939 nach Holland emigriert, wo er in der Folgezeit in verschiedenen Lagern, zuletzt im KZ Westerbork als Seelsorger und Rabbiner wirkte; am 4. September 1944 mit Frau Berta und Sohn Rafael nach Theresienstadt deportiert; Frau und Sohn überlebten das Ghetto Theresienstadt; Gerhard Frank wurde nach Auschwitz weiterdeportiert.    

  
    
Ausschreibungen der Stelle des Rabbiners (Distriktrabbiner / Bezirksrabbiner) (1861 / 1922 / 1924 / 1933)    

Ichenhausen Israelit 10041861.jpg (74081 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. April 1861: "Konkurs! Behufs sofortiger Wiederbesetzung der hiesigen vakanten Rabbinatsstelle, mit welcher ein jährliches Fixum von fl. 563 – dann ein nicht unbedeutender Emolumenten-Ertrag und freie Wohnung verbunden ist, werden Bewerber ersucht, ihre Qualifikations-Noten und Zeugnisse über Hatarat Horaa, absolvierte Studien und Rednertalent längstens bis zum 1. Juni laufenden Jahres an den unterfertigten Kultusvorstand portofrei einzusenden. Ichenhausen, Königreich Bayern, den 5. April 1861. 
Der israelitische Kultusvorstand: Daniel Einstein. J.B. Seligmann."  
Die in der konservativ-orthodoxen Zeitschrift "Der Israelit" erschienene Anzeige wurde auch in der liberalen "Allgemeinen Zeitung des Judentums" publiziert:   
Ichenhausen AZJ 16041861.jpg (72430 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. April 1861: "Konkurs. Behufs sofortiger Wiederbesetzung der hiesigen vakanten Rabbinats-Stelle, mit welcher ein jährliches Fixum von fl. 563, dann ein nicht unbedeutender Emolumenten-Ertrag und freie Wohnung verbunden ist, werden Bewerber ersucht, ihre Qualifikations-Noten und Zeugnisse über Hatarat Horaah, absolvierte Studien und Rednertalent längstens bis zum 1. Juni laufenden Jahres an den unterfertigten Kultus-Vorstand portofrei einzusenden. 
Ichenhausen
(Königreich Bayern), den 5. April 1861. 
Der israelitische Kultusvorstand. Daniel Einstein, J.B. Seligman."  
     
Ichenhausen Israelit 15061922.jpg (53716 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Juni 1922: "Durch den Tod des seitherigen Stelleninhabers, der fast 50 Jahre hier wirkte, ist die Stelle eines Distriktsrabbiners mit dem Sitze in Ichenhausen (Schwaben) wieder zu besetzen. Gehalt Mk. 50.000.-, außerdem entsprechende Nebeneinnahmen. Geeignete Bewerber wollen Lebenslauf und sonstige Belege bis 1. Juli einsenden an die Israelitische Kultusverwaltung Ichenhausen."  
  
Ichenhausen Israelit 17041924.jpg (47601 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. April 1924: "Die durch das Ableben unseres Distriktsrabbiners des Herrn Dr. Cohn frei gewordene Stelle des Rabbiners wollen wir wieder besetzen. Bewerber, die die deutsche Reichsangehörigkeit besitzen, auf gesetzestreuem Boden stehen und akademische Bildung haben, wollen sich unter Beifügung von Zeugnissen melden. Gehalt: Gruppe 10 der Reichsbesoldungsordnung. 
Israelitische Kultusverwaltung Ichenhausen (Bayern)."  
  
Ichenhausen BayrGZ 01021933.jpg (62612 Byte)Anzeige in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Februar 1933: "Infolge Ruhestandversetzung des bisherigen Stelleninhabers soll die Stelle eines Bezirksrabbiners des Rabbinatsbezirks Ichenhausen mit dem Sitz in Ichenhausen durch einen jüngeren, orthodoxen, akademisch gebildeten Rabbiner neu besetzt werden. Die Anstellung erfolgt gemäß der Beamten- und Besoldungsordnung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Bewerbungen bitten wir an den Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Ichenhausen zu richten. 
Ichenhausen, den 23. Januar 1933. Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde Ichenhausen. Julius Krämer, 1. Vorstand."  
      
Ichenhausen Israelit 26011933.jpg (63754 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Januar 1933: derselbe Text wie oben. 
    
Ichenhausen Israelit 19111936.jpg (50359 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. November 1936: "Infolge Wegganges des bisherigen Stelleninhabers, soll die Stelle eines Bezirksrabbiners des Rabbinatsbezirks Ichenhausen durch einen jüngeren, orthodoxen Rabbiner neu besetzt werden. Es wäre erwünscht, wenn Unterricht in Englisch und Iwrith erteilt werden könnte. Die Anstellung erfolgt gemäß der Beamten- und Besoldungsordnung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Bewerbungen bitten wir an den Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Ichenhausen zu richten. 
Ichenhausen, 16. November 1936. 
Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde Ichenhausen. Julius Krämer, 1. Vorstand."   

       
Der Rabbinatskandidat Dr. Heinrich Hochheimer - Sohn von Rabbiner Isaak Hochheimer - wird von 40 Männern für seine Predigten besoldet (1847)    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom  13. September 1847: "Wer in Bayern bekannt ist, muss es zugeben dass die dortigen Israeliten sich seit Jahren bestreben, ordentliche Gewerbe zu treiben, dass sie kein Geldopfer scheuen, ihre Kinder zeitgemäß bilden zu lassen, dass sie überall, bei strenger Religiosität, den besseren Einrichtungen im Kultus zugetan sind. Als Beleg hierfür möge von so vielem, das sich anführen ließe, hier nur noch erwähnt werden, dass in Ichenhausen etliche und 40 junge Männer den Rabbinatskandidaten Hochheimer, Sohn des dortigen Rabbiners, aus eigenen Mitteln besolden, um alle 14 Tage eine Predigt zu hören. Dieser junge Mann erfreuet sich des Beifalls der ganzen Gemeinde und haben ihm die ledigen Leute dort als Beweis ihrer Achtung eine sehr wertvolle goldene Repetieruhr überreicht. Auch eine Kleinkinderbewahranstalt wurde dort von den Israeliten gegründet und steht unter Leitung des Lehrers Ullmann, der neben wackeren Kenntnissen in der hebräischen Literatur viel pädagogisches Geschick hat."          

  
Prediger Hochheimer, Sohn des Rabbiners muss auf Grund seines politischen Engagements in die Vereinigten Staaten fliehen (1849)    

Ichenhausen DtrZiionswaechter 31081849.jpg (82682 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" vom 31. August 1849:  "Ichenhausen, 1. August (1849). Hier hat sich ein bedauerlicher Vorfall ereignet. Prediger Hochheimer, Sohn des Rabbiners daselbst, ließ sich seit den Märztagen in politische Dinge ein, reiste herum zu den Volksversammlungen und sprach wie ein aufrichtiger Republikaner. Sein Vater wies ihn oft zurück in die Grenze, in denen sich allein ein Theologe zu bewegen hat, doch das war umsonst. Als er nun einst bei einer Volksversammlung in einem Orte tüchtig ausgepfiffen wurde und es überdies zu handgreiflichem Gemenge kam, da wurde die Regierung auf ihn aufmerksam und ließ ihn fahnden. Er rettete sich noch zeitlich aus dem Lande und ist nun zum Grame seines alten Vaters auf dem Weltmeer, das zu der neuen Welt führt. Möge dieses besonders den jüngeren Theologen eine Warnung sein. - Wir vermissen diesen jungen Mann jedenfalls ungern, da er sein Amt gut ausfüllte und das Vertrauen der Seinigen besaß."     


Feier zum 70. Geburtstag von Rabbiner Isak Hochheimer (1860)   

Ichenhausen Israelit 31101860.jpg (93297 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Oktober 1860: "Ichenhausen, Ende Tischri 5621. Alles, was der Orthodoxie auch nur mittelbar nützlich sein kann, mag billiger Weise Anspruch auf ein Plätzchen in Ihrem geschätzten Blatte machen. In dieser Voraussetzung ersuche ich Sie, nachstehenden Bericht über ein Fest, welches am ersten Sukkot-Tage hier begangen wurde, zu veröffentlichen. Unser würdiger Herr Rabbiner Isak Hochheimer, der schon zweiunddreißig Jahre segensreich in hiesiger Gemeinde wirkt, und der sich ebenfalls dem Proteste gegen das Philippson’sche Bibelwerk angeschlossen, erreichte am ersten Tage des verflossenen Laubhüttenfestes seinen siebzigsten Geburtstag. Nur wenigen Vertrauten war dies vorher bekannt, und sie beschlossen, dem würdigen Greise einen schönen Ehrentag zu bereiten. Durch eine Kollekte war bald eine namhafte Summe aufgebracht. Die Liste lag in einem Haus offen, und wer sich anschließen
Ichenhausen Israelit 31101860a.jpg (272674 Byte)wollte, kam und unterzeichnete, und dies tat auch so ziemlich der größere Teil der hiesigen Gemeindeglieder. Das geräumige Schullokal wurde entsprechend dekoriert, alle Beteiligten fanden sich am Nachmittage des schönen Tages dazu ein, wo dann der Jubilar durch ein Komitee abgeholt und eingeführt wurde. Nach Enthüllung des Ehrengeschenkes, welches in zwei prächtig gearbeiteten Armleuchtern bestand, dankte der ehrwürdige Greis gerührt und gab die Versicherung seines ferneren Strebens zur Aufrechterhaltung des alten Kultus, damit die Gemeinde auch ferner des Rufes einer wahrhaft israelitischen Gemeinde würdig sei. Es wurden mehrere Toaste ausgebracht, die alle die Anerkennung aussprachen, dass der würdige Rabbiner stets bemüht war, Religiosität aufrecht zu erhalten und den Indifferentismus nicht aufkommen zu lassen. Auch lässt es sich wirklich mit Bestimmtheit behaupten, dass es in unserer Gemeinde, die als die zweitgrößte in Bayern angesehen werden kann, keinen Entweiher des Schabbat, keinen öffentlichen Religionsübertreter, und was, Gott sei Danke, noch mehr hervorgehoben zu werden verdient, keine Reformsüchtigen gebe. Auch dies dürfte nur dem klugen Wirken des Herrn Rabbiners zuzuschreiben sein, der es vorzieht, lieber unter vier Augen zurechtzuweisen, als durch öffentliches Verfahren und strafendes Einschreiten Widerwillen, Trotz oder gar Unfrieden in der Gemeinde hervorzurufen.
Nicht vergessen darf werden, dass zu diesem schönen Feste, in Folge an sie ergangener Einladung, auch die zwei hiesigen christlichen Geistlichen, sowie ein Geistlicher eines Nachbarortes und die hiesige Gemeindeverwaltung erschienen waren. Der würdige Herr Pfarrvikar, als Vertreter seines von seltener und rühmenswerter Toleranz beseelten, kranken Herrn Pfarrers Bauer, richtete eine Beglückwünschungsrede an den greisen Jubilar, sprach seine herzliche Freude darüber aus, dass unter den Bekennern beider Konfessionen die schönste Eintracht und wohltuender Friede herrsche, und schloss mit dem Wunsche, dass dieses liebevolle Verhalten immer ungestört fortwalten möge. Auch Privatgeschenke wurden von hier und auswärts als Beweise der Achtung und Wertschätzung dem würdigen Greise verehrt. Mögen die Wünsche, welche Herr Rabbiner Hochheimer der Gemeinde, und die, welche die zahlreiche Gesellschaft ihm darbrachte, in Erfüllung gehen und die Gemeinde wird sich immerhin ihres Friedens mit Gott und ihres Friedens unter sich selbst zu erfreuen haben.
Für die orthodox-israelitische Bibelanstalt wird der Herr Rabbiner nächstens eine Sammlung veranstalten, deren Ausfall recht ergiebig zu sein verspricht."
     
Ichenhausen AZJ 13111860.jpg (224621 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. November 1860: "Aus Bayern, im Oktober. Ichenhausen, die zweitgrößte Israelitengemeinde des Landes, feierte am 1. dieses Monats, dem ersten Tag des Laubhüttenfestes, das 70. Geburtsfest ihres hochwürdigen Rabbiners, Herrn J. Hochheimer, in höchst würdiger und gemütsvoller Weise, welches Zeugnis gibt, wie die größeren Gemeinden immerhin das Verdienst ihrer Rabbinen zu würdigen wissen, wie das fromme und bescheidende Wirken derselben allgemeine Anerkennung findet und wie der Geist echter Toleranz unter den katholischen Geistlichen sich doch noch vielfach in lobenswerter Art kundgibt. Schon vier Wochen vor dem Feste wurde auf Anregung der Herren Kultusvorsteher Daniel Einstein und J.R. Seligmann Vorbereitung hierzu getroffen und Alles beeiferte sich, rege Teilnahme zu bekunden. Mittags 1 Uhr wurde der Jubilar in seiner Wohnung durch die Herren Lehrer und einem gewählte Komitee feierlichst abgeholt, um sich mit denselben in das Schulhaus zu begeben. Dort waren in dem festlich geschmückten Saale die Kultusvorsteher, der Königliche Herr Schulinspektor, der Pfarrvikar, viele Geistliche aus der Umgegend, die größere Schuljugend und der größte Teil der Gemeinde, sowie die Magistratsmitglieder versammelt. Als der Gefeierte eintrat, stimmte die Schuljugend ein für die Feier eigenes verfasstes und von Herrn Kantor Weintraub in Musik gesetztes Lied an. Die Vorsteher begrüßten und beglückwünschten denselben namens der Gemeinde und überreichten ihm für dieselbe zwei äußerst kostbare silberne Kandelaber. Herr Einstein hob in gehaltvoller Ansprache die Verdienste des Rabbinen während seiner 33jährigen Amtsführung hervor. Dieser erwiderte in kurzen, aber herzlichen und ergreifenden Worten. Dann traten auch die katholischen Geistlichen zum Jubilar und beglückwünschten ihn, und der Herr Pfarrvikar hat in geistvoller und gewählter Ansprache die Verdienste desselben um die Schule, wie um Erhaltung des Friedens und der brüderlichen Eintracht in der großen Gemeinde auseinandergesetzt. Da blieb kein Auge tränenleer. Der angeredete Greis war tief ergriffen und konnte nur in wenigen Worten seinen Dank aussprechen. Auch die anwesenden Magistratsräte und einige Andere begrüßten den geliebten geistlichen in herzlicher Anrede.
Viele überreichten noch sehr sinn- und geschmackvolle Geschenke. Auch von Vielen, die seit mehreren Jahren von hier nach München und anderen Orten übergesiedelt, kamen Beglückwünschungsadressen, begleitet mit ansehnlichen Ehrengeschenken. Der Rest des Tages wurde in heiterer Stimmung bei einem Mahle zugebracht, wobei gehaltvolle Toaste gesprochen wurden. Abends brachte ein Sängerchor, unter Beteiligung vieler christlicher Sänger, noch eine Serenade vor der Wohnung des Jubilars, womit ein freundlicher, in den Annalen unserer Gemeinde denkwürdiger Tag sich schloss."   

   
Rabbiner Dr. Löb wirbt für sein Pensionat (1863)  

Ichenhausen AZJ 24111863.jpg (25429 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. November 1863: "In das Pensionat des Unterzeichneten können sofort noch einige Zöglinge eintreten. Unterricht: im Hebräischen, in den modernen Sprachen, den Real- und Merkantilwissenschaften. Auf Verlagen in Latein und Griechisch. 
Ichenhausen (Bayern). Dr. Löb."   

   
Rabbiner Meier Ettlingers Jeschiwa (Beitrag von 1866)   

Ichenhausen Israelit 23051866.jpg (35719 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Mai 1866 (der Beitrag handelt von den in Bayern vorhandenen Jeschiwot / Talmudschulen): "b. in Ichenhausen hat Rabbiner Meir Ettlinger – seligen Andenkens -, ein Schüler des Rabbiner Aron Fuld – seligen Andenkens – sehr viele Schüler erzogen und zur Fortsetzung ihres Studium veranlasst; gegenwärtig wirkt Rabbiner Dr. Löb innerhalb des unter gegenwärtigen Verhältnissen Möglichen, durch sein Institut".   

   
Dank an Rabbiner Dr. Löb (1867)  

Ichenhausen Israelit 27111867.jpg (146685 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. November 1867: "Ichenhausen, im November (1867). Dieser Tage überreichten die hiesigen israelitischen Kultus-Vorsteher, die Herren D. Einstein und N. Heilbronner, denen sich die Herren L. G. Koschland und S. Guttmann angeschlossen, dem Herrn Rabbiner Dr. Löb, im Namen der Zuhörer der Sabbat-Nachmittag-Vorträge desselben, mit einer Dankadresse eine äußerst pracht- und wertvolle Menora schäl Chanukka (Chanukka-Leuchter).
Die Teilnehmer an diesen Vorträgen ehrten durch diesen Akten nicht nur den Vortragenden, sondern mehr noch sich selbst, indem sie bekundeten, dass ihnen die Tora und deren Deutung das höchste Kleinod sei und sie ernst gemeinte, im Dienste der Wahrheit und Erkenntnis stehende Bestrebungen zu würdigen und anzuerkennen wissen. Herr Dr. Löb war von diesem unerwarteten Ausdruck der Freundschaft und Liebe äußerst überrascht, und dankte tief ergriffen, hervorhebend, wie dieser Beweis der Sympathie, den er nur auf Rechnung seines Wollens, nicht seiner Leistungen setze, ihn ermutige und ermahne, auf der betretenen Laufbahn auszuharren und weiter zu schreiten. Ein glückliches Resultat werde sicher erreicht, so Rabbiner, Kultusführer und Gemeinde von demselben Sinne durchdrungen, sich die Arbeit um Erhaltung unserer heiligen Religion gegenseitig erleichtern und eben diesem erhabenen Ziele mit vereinten Kräften und innigen Frieden zusteuern; und wenn sein (des Rabbiners) Wirken unter Gottes Hilfe manchen Erfolg aufzuweisen habe, so sei dies nicht sein Verdienst, sondern nur den vereinten Bemühungen und Anstrengungen aller Beteiligten, dem liebevollen, opferfähigen und opferwilligen Entgegenkommen der Gemeinde beizumessen."

  
Rabbiner Dr. Löb wird zur Probepredigt nach Krefeld eingeladen (1869)  

Ichenhausen Israelit 19051869.JPG (94103 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Mai 1869: "Ichenhausen, Ende April (1869). Unsere israelitische Gemeinde befand sich dieser Tage in der größten Aufregung. Es verbreitete sich nämlich die Kunde, dass unser hoch verehrter Rabbiner, Herr Dr. Loeb, als erster Kandidat um das Oberrabbinat zu Krefeld zur Probepredigt berufen sei. Die Gemeinde begriff sofort, welch ein Verlust ihr drohe, wenn ihr Rabbiner, der seit seiner siebenjährigen Amtsführung so Großes hier geleistet und sich hierdurch die Sympathien aller Mitglieder ohne Ausnahme in höchstem Maße erworben, den hiesigen Platz, der ein so schönes Feld der Wirksamkeit bietet, verlassen würde. Von diesem Gedanken geleitet, richteten der Vorstand und eine große Zahl der ehrenwertesten Gemeindemitglieder die eindringlichsten Bitten an den Herrn Rabbiner und bestimmten hierdurch denselben, dass er sich bereit erklärte, hier zu verbleiben.
Ehre der Gemeinde, die mit solcher Anhänglichkeit an ihrem Hirten hängt und jedes Opfer bringt, sich denselben zu erhalten; Ehre dem Rabbiner, der diese Anhänglichkeit zu schätzen weiß und im Bewusstsein, hier ein – Gott sei Dank – gesegnetes Feld der Tätigkeit zu haben, gerne auf äußere Vorteile verzichtet. Mehrere Gemeindemitglieder."   

   
Zum Tod der Mutter von Rabbiner Dr. Löb (1871)  

Ichenhausen Israelit 19041871.jpg (104223 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. April 1871: "Nekrolog. Ichenhausen. Ende Februar wurde die Mutter unseres verehrten Herrn Rabbinen Dr. Löb zu Grabe getragen, deren Tugenden nicht nur hier, sondern auch in der weiten Ferne so bekannt waren, dass wir nicht umhin können, unserem tief gefühlten Schmerz über ihren so unerwarteten Hintritt öffentlich Ausdruck zu geben. Die Verklärte war eine biedere, edle Frau, welche stets bemüht war, Gutes auszuüben, Arme zu unterstützen, Friede herzustellen, und mit Hinansetzung eigenen Interesses das Wohl ihrer Nächsten fördern zu helfen. Ihr einziger Sohn, Herr Rabbiner Dr. Löb, hielt mit gepresstem herzen am Grabe der Verklärten die Trauerrede, welche von dem größten Teile der Gemeinde mit lautloser Stille unter Strömen von Tränen vernommen wurde. Dabei verdient erwähnt zu werden, dass nicht nur der praktische Arzt, Herr Dr. Rapp, sondern auch der katholische Ortsgeistliche, Herr Pfarrer Meier, dem Leichenzuge sich anschlossen und Letzterer sogar der Trauerrede anwohnte, ein Zeichen sowohl der allgemeinen verdienten Hochachtung, deren sich die Verblichene zu erfreuen hatte, als auch namentlich ein Beweis der rühmenswerten Humanität des ehrwürdigen Herrn geistlichen und der erfreulichen Eintracht der hiesigen Einwohnerschaft. Möge diese auch in anderen paritätischen Orten statthaben, und das humane Vorgehen unseres Herrn Pfarrers überall Nachahmung finden. D.E."    

    
Rabbiner Dr. Löb wechselt nach Altona (1873)   
Anmerkung: im nachfolgenden Artikel erlaubt sich die liberal geprägte "Allgemeine Zeitung des Judentums" einen kleinen Seitenhieb gegenüber der Orthodoxie.       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. Juni 1873:  "Von der Elbe, 27. Mai (1873). Das Rabbinat in Altona ist wieder besetzt. Als Nachfolger Ettlingers wurde Herr Dr. Löb aus Ichenhausen in Bayern gewählt. Was dem Manne an talmudischem Wissen abgeht, ersetzt er durch neuorthodoxe Frömmigkeit. Die Wahl liefert neuerdings den Beweis, dass es der Orthodoxie an Zeug fehlt".         

 
Zum Tod von Rabbi Koppel Ullmann (1886)  

Ichenhausen Israelit 25031886.jpg (244279 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. März 1886: "Ichenhausen, 22. März (1886). Vor vier Wochen haben wir einen Mann zu grabe getragen, der es wohl verdient, dass ihm ein Nachruf gewidmet werde. Rabbi Koppel Ullmann – das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen – wurde nach kurzem Krankenlager in ein besseres Jenseits abberufen, um dortselbst den Lohn zu empfangen für seine treue, musterhafte Pflichterfüllung. Mit Recht darf von diesem Manne behauptet werden, dass er sein ganzes Leben der Pflichterfüllung gewidmet hatte. Wem die Gelegenheit geboten war, das Leben dieses Mannes kennen zu lernen, der musste innewerden, welch einen veredelnden Einfluss unsere heilige Tora hat auf den, der sie erfasst und zu üben vermag. Sein ganzes Tun und Lassen suchte er mit den Gesetzen unserer heiligen Lehre in Einklang zu bringen; ebenso war er bestrebt, seine Kinder zu guten Jehudim zu erziehen, in welchem Bestreben er von seiner würdigen Gattin lebhaft unterstützt wurde. Seine Familie verliert daher in ihm einen liebevollen Gatten und Vater, wir verlieren in ihm einen teuren Lehrer und Freunde; unsere Gemeinde verliert ein ihrer schönsten Zierden und das ganze Judentum einen seiner treuesten Träger und Verfechter. Eine besondere Beschäftigung war es, durch die sich der Verblichene unsterbliche Verdienste erworben hat. Es bestand hier seit Langem die schöne Einrichtung, dass man die noch nicht schulpflichtigen Kinder zu Rabbi Ullmann – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – schickte, damit er sie beaufsichtigte und sich mit ihnen beschäftige. Die Kleinen erlernten hier Hebräisch lesen, alle Segenssprüche und es wurde ihnen ein solcher Sinn für Jüdischkeit eingepflanzt, dass gewiss viel mehr gute Jehudim aus unserer Gemeinde hervorgegangen wären, wenn nicht leider viele Eltern ihre Kinder im 12. und 13. Lebensjahre in solche Schulen schickten, wo sie den Sabbat entweihen (sc. z.B. am Sabbat schreiben müssen); dass nach Absolvierung der Schuljahre dann auch nicht nach Stellen in religiösen Häusern getrachtet wird, braucht wohl nicht gesagt zu werden.
Welchen Schmerz und Kummer verursachte es dem teueren Verblichenen, wenn der eine oder andere seiner früheren Zöglinge, die mit besondere Liebe dem Jüdischen anhingen, nach Ulm oder Augsburg übersiedelte, weil er zu gut wusste, dass selbst die hellste Flamme, wenn ihr die Nahrung entzogen bleibt, nach und nach erlischt. Dass es ein solch wackerer Mann an Ermahnungen gegenüber den betreffenden Eltern nicht fehlen ließ und ihnen namentlich vorstellte, dass sie Alles, was sie für ihre Kinder in Ulm und Augsburg zu erzielen wünschen, gerade ebenso in Fürth und Pfungstadt etc. erreichen könnten, versteht sich von selbst.
Obwohl der Unterricht mit vorerwähnten Kleinen und derjenige mit größeren Kindern in den fünf Büchern Moses und Raschi und der jüdischen Geschichte ferner einige gewerbliche Beschäftigungen seine ganze Zeit in Anspruch nahmen, wusste er dennoch so viel Zeit herauszubringen, um sich ständig mit der Tora zu beschäftigen. Dass er morgens und abends ein regelmäßiger Besucher des Gotteshauses und bei dem dreimal in der Woche stattfindenden Schiur Gemara (Lernstunde zu Talmudtexten) ein nie fehlendes Mitglied war, bedarf wohl keiner besonderen Erwähnung.
Auch manches jüdische Institut wird in dem Hinscheiden dieses Rabbi Koppel Ullmann – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – einen seinen Förderer zu beklagen haben, wie er auch vielen verschämten Armen fehlen wird, für die er, da er selbst über Reichtum nicht zu verfügen hatte, von Zeit zu Zeit Gaben sammelte. Das Leben und Wirken dieses edlen Mannes möge zur Nachahmung aneifern und sich so der Sprache erfüllen: das Andenken an den Gerechten ist zum Segen."   

   
Zum Tod von Oberrabbiner Dr. Elieser Löb in Altona, ehemals in Ichenhausen (1892)   

Ichenhausen Israelit 11021892.jpg (171346 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Februar 1892: "Ichenhausen, 5. Februar (1892). Die Nachricht von dem Hinscheiden des Herrn Oberrabbiners Dr. Elieser Löb – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – in Altona hat auch in hiesiger Gemeinde, dem Orte seiner ehemaligen langjährigen Wirksamkeit die tiefste Trauer hervorgerufen, und die sich überall bekundende Teilnahme zeigt so recht, welch ein inniges und liebevolles Andenken dem edlen Verblichenen und seiner geehrten Familie in hiesiger Gemeinde bewahrt geblieben ist. Die telegraphische Trauerbotschaft ist hier leider mit Verspätung eingelaufen, sodass es unserem verehrten Rabbiner in Begleitung eines unserer Herren Vorsteher nicht mehr möglich war, zum Leichenbegängnisse rechtzeitig eintreffen zu können. Dagegen versammelte sich die ganze Gemeinde am vergangenen Sonntagnachmittag zu einer Gedächtnisfeier in der Synagoge; der Eindruck, den diese Feier auf alle Anwesenden machte, war ein überwältigender, der die Gemüter nicht nur mit Schmerz, sondern auch mit einem edlen Stolze erfüllte. Die geehrten Leser des ‚Israelit’ haben schon von Mainz, Altona und Hamburg aus vernommen, welch ein hervorragender Talmid Chochom (Gelehrter) und außergewöhnlich edler Mensch der Betrauerte gewesen; unser geehrter Rabbiner, Herr Dr. Cohn – sein Licht leuchte, der Trauer über den großen Toten in tief empfunden Worten Ausdruck gebend, legte uns dar, wie Dr. Löb – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – in hiesiger Gemeinde Tora, Gottesdienst und Wohltätigkeit in ausgedehntestem Maße zur Entfaltung brachte und wie es hauptsächlich seiner großartigen Wirksamkeit zu danken sei, dass heute noch echt jüdisches Leben in hiesiger Gemeinde – Gott sei Dank – pulsiere. Die tief durchdachte Trauerrede ausführlich und getreu wieder zu geben, bin ich nicht imstande; im Anschlusse an dieselbe wurde von unserem Kantor, Herrn Perlmutter, das El Male Rachamim (‚Gott voller Erbarmen…’) in herzergreifender Weise vorgetragen.
Die meisten Mitglieder der hiesigen Gemeinde haben das Glück gehabt, Dr. Löb – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – persönlich gekannt zu haben und ich kann mit wahrhafter Freude konstatieren, dass die Hochachtung und Liebe, welche sich der Verblichene durch seinen edlen Charakter, sein ehrliches, wahrheitsliebendes Wesen und seine unbegrenzte Mildtätigkeit – lauter Produkte seiner echten und wahren Frömmigkeit – erworben, in den Herzen Aller feste Wurzel gefasst haben. Das Andenken eines wahrhaft Frommen bleibt unvergessen und die Erwähnung seiner Tugend gereicht der Welt zum Segen, wie es der weise König – seligen Andenkens – mit den Worten lehrt: das Andenken an den Gerechten ist zum Segen. H.L."

    
Weitere Artikel zum Tod von Rabbiner Dr. Elieser Löb in Altona (1892)   
Anmerkung: wird nicht ausgeschrieben, da das Wirken von Löbs Zeit in Ichenhausen zur kurz erwähnt wird.      

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Weitere Artikel zum Tod von Oberrabbiner Dr. Loeb
  

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Anzeige der Rabbiner Dr. Cohn (Ichenhausen) und Dr. Werner (München): Betreuung der israelitischen Insassen der Idiotenanstalt zu Ursberg bei Krumbach (1902)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Juli 1902: "Schon seit langer Zeit beschäftigt uns die Sorge, den an Geist und Körper verkümmerten israelitischen Unglücklichen in Bayern, die jetzt entweder in Privathäusern notdürftig untergebracht werden, oder in nichtjüdischen Anstalten ein deren Bestimmungen entsprechendes Leben führen müssen, eine Zufluchtsstätte zu schaffen, an welcher sie den Anforderungen unserer heiligen Religion gemäß gehegt und verpflegt werden können. Alle Versuche, die wir bisher zu diesem Zwecke unternommen hatten, scheiterten jedoch an der Schwierigkeit, die für die erste Einrichtung erforderlichen bedeutenden Mittel aufzubringen. Die auf der letzten bayerischen Rabbiner-Konferenz empfangenen Anregungen veranlassten uns nunmehr, diese wichtige Angelegenheit mit größerer Energie zu verfolgen; und es erfüllt uns mit inniger Freude, Ihnen mitteilen zu können, dass der weitbekannte, edle und hochherzige Wohltäter, Seiner Hochwürden Herr Superior Ringeisen sich bereit erklärt hat, in seiner segensreich wirkenden Idiotenanstalt zu Ursberg bei Krumbach (Distrikts-Rabbinat Ichenhausen), die zur Zeit 1340 Insassen zählt, unter unserer religiösen Aufsicht eine jüdische Anteilung zu errichten, in welcher den aufgenommenen Unglücklichen unseres Glaubens rituelle Kost verabreicht und Gelegenheit geboten werden soll, Religionsunterricht zu empfangen und einem Gottesdienste anzuwohnen.  
Um nun zu beurteilen, ob zu diesem Behufe der Bau eines besonderen Hauses nötig sein sollte, wünscht der hochwürdige Herr Superior zu erfahren, für wie viele jüdische Idioten ungefähr zunächst eine Aufnahme beansprucht werden würde. Wir ersuchen Sie daher, baldmöglichst dem unterfertigen Dr. Cohn-Ichenhausen ohne jede Verbindlichkeit Auskunft darüber erteilen zu wollen, 
1) wie viele Unglückliche (männliche und weibliche) aus Ihrer Gemeinde und Ihrem Rabbinatsbezirke voraussichtlich in der jüdischen Abteilung der Idiotenanstalt untergebracht werden sollen;  
2) ob eine einmalige oder eine alljährliche Entschädigung und in welcher Höhe für jeden einzelnen derselben mit Angabe der Namen entrichtet, oder ob wegen Leistungsunfähigkeit der Angehörigen und der Heimatgemeinden eventuell unentgeltliche Verpflegung beantragt werden muss. 
Indem wir überzeugt sind, dass Sie mit voller Bereitwilligkeit Ihre Kräfte dieser großen Mizwoh widmen werden, grüßen wir Sie herzlich und zeichnen  Ichenhausen im Juli (1903)  
Distrikts-Rabbiner Dr. Cohn - Ichenhausen, Distrikts-Rabbiner Dr. Werner - München, Kultusvorsteher Oettinger-Hürben-Krumbach."      


Zum Tod von Rabbinatsassessor Abraham Jehoschua Goldberg (1921)  
Anmerkung: Abraham Jehoschua Goldberg lebte über viele Jahre in Ichenhausen. Er war verheiratet mit Rosa geb. Brody. Sein Sohn Hirsch Goldberg (geb. 1889 in Ichenhausen, ermordet 1942 in Auschwitz) studierte in Berlin und war als Rabbiner in Pforzheim tätig  

Ichenhausen Israelit 04081921.jpg (207801 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. August 1921: "Personalien. Rabbinatsassessor A. J. Goldberg das Andenken an den Gerechten ist zum Segen. Ichenhausen, 29. Juli (1921). Von einem schweren, in seiner ganzen Größe noch nicht zu ermessenden Verlust wurde die hiesige Kultusgemeinde und mit ihr ganz Israel durch das am 12. Tamus erfolgte Ableben des Herrn Rabbinatsassessors A. J. Goldberg betroffen. Mit ihm ist eine jener Persönlichkeiten dahingegangen, wie sie leider in heutiger Zeit immer seltener zu finden sind. Ausgestattet mit allen Vorzügen des Geistes, betrachtete er es als seine vornehmste Aufgabe, von seinem unergründlichen Wissen in Bibel, Talmud und den Auslegungen Anderen mitzuteilen und nicht gering ist die Zahl derer, die er in die Urquellen des jüdischen Wissens einführte und der schon Fortgeschrittenen, die er ihren Fähigkeiten entsprechend, weiter belehrte. Seine hervorragenden, talmudischen Kenntnisse fanden unter anderem auch darin ihre Würdigung, dass viele Große unseres Geschlechts, selbst aus Russland und Erez Israel wegen halachischer Entscheidungen in brieflichen Gedankenaustausch mit ihm eintraten und sein vor mehreren Jahren in der Öffentlichkeit erschienenes Werk … legt beredtes Zeugnis von seinem talmudischen Wissensschatze und seiner Gedankentiefe ab. Und – was ihm im Studium heilig war, das übertrug er auch aufs praktische Leben. Mit heiligem Ernst und freudiger Gesetzestreue widmete er sich selbst unter den schwierigsten Verhältnissen der Erfüllung der Gebote Gottes und besondere Befriedigung erfüllte ihn, wenn er Anderen in seinem Beispiel Anlass zu gleich frommer Betätigung gab. Sein Haus war stets eine Zufluchtstätte der Armen und Bedrängten und obwohl selbst von den Sorgen des Alltags nicht verschont, verließ ihn doch niemand ohne Unterstützung in Rat und Tat. Seine aufrichtige Frömmigkeit, seine beispiellose Bescheidenheit und Herzensgüte ließen ihn die Sympathien Aller, die ihn kannten, gewinnen. Als Vorbeter und Baal Tokea an den ehrfurchtgebietenden Tagen verstand er es, durch seine tiefster Andacht entspringende Vortragsweise sein Zuhörer in heiliger Ergriffenheit mit zu begeistern. Seiner Familie war er ein aufopfernder, besorgter Vater, der Gemeinde ein hingebungsvoller Lehrer und Berater, dem Verein ‚Talmud Tora’ widmete er während 33 Jahren seine Kraft durch Abhaltung von Vorträgen, die von echt jüdischer Begeisterung durchweht, belehrend und erzieherisch wirkten.
Die Bestattung gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung der Anhänglichkeit und Verehrung und zeigte auch äußerlich die große Trauer um den teuren Entschlafenen. Am Grabe sprach in Abwesenheit des Herrn Rabbiners, Herr Lehrer J. Blum, in bewegten Worten der allgemeinen Klage Ausdruck gebend und zeichnete in Anlehnung an den laufenden Wochenabschnitt ein getreues Lebensbild des Verklärten, sodann sprachen ein Sohn im Namen der Familie, den teuren Vater zugleich als Magen HaIr (Schild der Stadt) bezeichnend, Herr Lehrer M. Schuster als Schwiegersohn und Herr Emil Gerstle, als Vorstand des Talmud Tora-Vereins, der den Dank für das segensreiche Wirken innerhalb des Vereins zum Ausdruck brachte. In der Abteilung des Friedhofes, in der die früheren Großen der Gemeinde ruhen, wurde auch das, was sterblich an ihm war, der Erde übergeben. Wir haben einen geraden und verlässlichen Mann von uns gehen sehen, sein Geist aber möge in unserer Mitte weiter leben und sein Wirken segensreiche Folgen zeitigen uns und ganz Israel. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."   

    
Zum Tod von Distriktsrabbiner Dr. Aron Cohn (1922)    

Ichenhausen AZJ 31031922.jpg (23288 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 31. März 1922: "In Ichenhausen ist Rabbiner Dr. Aron Cohn im Alter von 82 Jahren verschieden. Er wurde als Sohn des Klausrabbiners und Dajan Jekew Cohn in Altona geboren und hat in Ichenhausen fast ein halbes Jahrhundert gewirkt."
    
Ichenhausen Israelit 23031922.jpg (22078 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. März 1922: "Ichenhausen, 15. März (1922). Distriktsrabbiner Dr. Cohn ist im hohen Greisenalter heute verschieden. Eine ausführliche Würdigung seiner Persönlichkeit und Lebenswirksamkeit bleibt vorbehalten."   
   
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom  23. März 1922: "Ichenhausen. Dr. Aron Cohn, unser verehrter Rabbiner, ist im Alter von 82 Jahren verschieden. Er wurde als Sohn des Klausrabbiners und Dajan Jekew Cohn in Altona geboren und hat in Ichenhausen fast ein halbes Jahrhundert gewirkt."        
  
Ichenhausen Israelit 30031922.jpg (259123 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. März 1922: "Personalien. Distriktrabbiner Dr. Aron Cohn das Andenken an den Gerechten ist zum Segen -. Ichenhausen in Schwaben, 20. März (1922). ‚Und sie kamen bis zur Tenne Arad, die jenseits des Jordans und hielten dort eine große und sehr schwere Klage. Da sah die Einwohnerschaft des Landes die Trauer in der Tenne Arad und sprach: ‚Eine schwere Trauer ist das für Ägypten?’ (1. Mose 50, 10-11).
Wahrlich, zu einem Tage schwerer Trauer wurde für die Kultusgemeinde Ichenhausen und die ihr angeschlossenen Distriktsgemeinden der Tanis Esther, der Jahrzeitstag des früheren Rabbiners Isaak Hochheimer – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen -, da nun auch der Mann an diesem Tage zur ewigen Ruhe entschlummerte, der fast ein halbes Jahrhundert hindurch ihr geistiger und religiöser Führer bis zu seinem Todestage gewesen ist. Am Tage nach Purim wurde Distriktsrabbiner Doktor Aron Cohn, ein Sohn des berühmten Rebbe Jakob Cohn, Dajon am Bes Din (Richter am Rabbinatsgericht) zu Altona (der noch Schüler des Chasam Sofers war) und Schüler des Rabbi Jacob Norden und Rabbi Jisroel Hildesheimer auf das Bes Olom (Friedhof) geleitet. In würdiger Weise hatte die Kultusverwaltung dafür Sorge getragen, dass, der Ehre des großen Toten entsprechend, der ganzen Gemeinde noch einmal die Schwere des Verlustes anlässlich der Beisetzung zum Bewusstsein komme. Vom Trauerhause wurde der Sarg von Männern der Chewroh kadischo in die Synagoge getragen. Dort zeichnete, nach Psalmgesängen, vorgetragen in ergreifender Weise von dem Synagogenchore unter der bewährten Leitung des Herrn Oberkantors Schwarz, im Auftrage der israelitischen Kultusgemeinde Ichenhausen, Herr Distriktsrabbiner Dr. Brader von Ansbach, selbst ein Schüler des Verklärten, im Anschluss an Maleachi 2,6 ein anschauliches Bild von dem großen Geistesfürsten in Israel. Er schilderte sein reiches Wissen, seine gewaltige Kraft der Rede, seine tiefe Frömmigkeit und seine opferbereite Nächstenliebe und fand treffliche Worte zur Kennzeichnung der an Selbstverleugnung grenzenden Friedensliebe dieses Mannes, der ein Priester und Lehrer allzeit der Mahnung unserer Weisen eingedenk blieb: ‚Groß ist der Friede.’
Am Grabe dankte Herr Lehrer Blum im Auftrage der Kultusverwaltung dem Verewigten für sein segensreiches Wirken in der Gemeinde, für seine geistvollen Vorträge in den frommen Vereinen, für seine Hingebung als Vorbeter am Versöhnungstage, für seine ersprießliche Tätigkeit als Religionslehrer an der israelitischen Volksschule, sowie für die treuen Ratschläge, die er als Schriftführer der israelitischen Gemeindeverwaltung so oft erteilt hatte. Herr Rabbiner Dr. Bärwald – München, sprach im Namen der bayerischen Rabbinerkonferenz, deren Gründer und Ehrenvorsitzender der Dahingeschiedene gewesen, aus bewegtem Herzen Worte des Dankes und der Anerkennung für die selbstlose, aufopfernde Tätigkeit aus. Insbesondere schilderte er die großen Verdienste, die der edle Mann um die Gründung und Ausgestaltung der Reliktenkasse bayerischer Rabbiner sich erworben hatte, der es durch seine Tätigkeit manche Witwe zu verdanken habe, wenn Not ihr ferngehalten werde, gleichwie sie es ermöglichte, mancher Waise aus einem Rabbinerhause eine bessere Erziehung angedeihen zu lassen. Auch im Namen der Kultusgemeinde Nakel in Westpreußen, in der der Verewigte zuerst gewirkt, sprach er Worte des Dankes.
Im Auftrage der Lehrer der Distriktsgemeinden rühmt Herr Hauptlehrer Gutmann von Oettingen, gleichfalls ein Schüler der Verstorbenen, in beredten Worten das große Lehrergeschick des teuren Rabbi, durch das er es verstanden hatte, getreu der Mahnung unserer Alten, die Kinder nach ihrer Individualität zu erziehen. Herr Bankdirektor Rosenfelder, Nördlingen, stattete den Dank der Distriktsgemeinden ab, indem er insbesondere rühmend hervorhob, dass Herr Dr. Cohn lange Jahre als Rabbinatsverweser der Gemeinde Nördlingen auf jedes Honorar für diese Tätigkeit verzichtet hatte. Für den Gesangverein ‚Zijon’ sowie für die Chewroh ‚Bikkur Cholim’ sprach der Vorstand dieser Vereine, Herr Moses Thalmann, ergreifende Worte des Abschieds für ihr Ehrenmitglied. Herr Lehrer Rosenblatt – Memmingen dankt nochmals dem vertrauten Freunde seines Hauses in herzlicher Weise für alle Liebe und Freundschaft, während Herr Lehrer J. Koschland, ein Neffe des Verklärten, der aus Beuel – Bonn herbeigeeilt war, rührende Worte des Trostes im Sinne des Verstorbenen an die Verwandten richtete und zugleich dem Danke derselben, wie der grenzenlosen Verehrung, die sie für ihr Familienhaupt hegten, ergreifenden Ausdruck verlieh. Im Namen des Stadtrates sowie des Armenrates beklagte Herr Bürgermeister Thaler den Verlust dieses Mannes, der durch seine Friedensliebe dazu beigetragen hatte, das
Ichenhausen Israelit 30031922a.jpg (53263 Byte)einträchtige Verhältnis aufrecht zu erhalten, das hier allzeit unter den Konfessionen herrschte.
Ein fast unübersehbarer Trauerzug unter Führung des Krieger- und Soldatenvereins, dessen Ehrenmitglied der Verstorbene gleichfalls gewesen, des Gesangvereines, sowie der israelitischen Schulen mit ihren Fahnen hatte dem heimgegangenen Lehrer das letzte Geleit gegeben. Der Vorstand des Bezirksamts, die Vorstandschaft der protestantischen Kirchengemeinde, die beiden Bürgermeister der Stadt, der Stadt- und Armenrat, sowie ein zahlreiches Gefolge aus allen Berufsschichten bezeugten die Liebe und Verehrung, die dem würdigen Rabbiner entgegengebracht worden war. Möge Gott seiner leidgebeugten Gattin, die in seltener Treue als eine echte wackere Frau dem Gatten zur Seite gestanden, sowie den Kindern und Anverwandten Trost spenden. In der Gemeinde wie im Distrikt wird das Andenken dieses Gerechten in Ehren gehalten werden. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."    

  
Danksagung nach dem Tod von Distriktsrabbiner Dr. Ahron Cohn (1922)  

Ichenhausen Israelit 11041922.jpg (48676 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. April 1922: "Danksagung
Für die uns von allen, allen Seiten bewiesene herzliche Teilnahme beim Hinscheiden unseres teuren, unvergesslichen Gattung und Vaters 
Herrn Distriktsrabbiner Dr. Ahron Cohn – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – 
sagen auf diesem Wege unseren tief gefühlten Dank    Fanny Cohn und Kinder. Ichenhausen (Bayern), 9. April 1922."   

    
Rabbiner Dr. Samuel Neuwirth wird nach Ichenhausen berufen (1924)    

Ichenhausen Israelitn 21081924.jpg (20209 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. August 1924: "Ichenhausen, 15. August (1924). Herr Rabbiner Dr. Neuwirth, der 23 Jahre bei der Religions-Gesellschaft in Bingen als Rabbiner wirkte, wurde als Rabbiner nach Ichenhausen (Bayern) berufen."   

   
Amtseinsetzung von Rabbiner Dr. Samuel Neuwirth (1924)   

Ichenhausen Israelit 02101924.jpg (214038 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Oktober 1924: "Personalien. Ichenhausen, 7. September (1924). Zu einer erhebenden Feier von nachhaltigstem Eindruck gestaltete sich die am gestrigen Sabbat erfolgte Amtseinsetzung des Herrn Rabbiner Dr. Neuwirth als Nachfolger des unvergesslichen Dr. Cohn als Distriktsrabbiner von Ichenhausen. Die Nöte der Inflation hatten verursacht, dass dieses altehrwürdige Rabbinat 2 ½ Jahre unbesetzt blieb und so war die Freude allgemein, als es nach Überwindung größter Schwierigkeiten den rastlosen Bemühungen der Kultusverwaltung gelungen war, allen Hemmungen zum Trotz opferwillig die Frage der Wiederbesetzung zu lösen und in der Person des Herrn Dr. Neuwirth in Bingen einen würdigen Wahrer und Hüter der Tradition für die Gemeinden unseres Distrikts zu gewinnen. Die am Freitagabend in schlichtem Rahmen veranstaltete Einführungsfeier bleibt eine unvergessliche, kostbare Erinnerung aller Teilnehmer. Kultusverwaltung und Vertreter der Distriktsgemeinden holten ihr neues geistliches Oberhaupt aus seiner Amtswohnung ab, um es ins Gotteshaus zu geleiten. Festlich gekleidete Kinder mit Blumen und Fähnchenschmuck bildeten Spalier, das Gotteshaus selbst war mit Girlanden und Blattpflanzen reich verziert. Der durch die Mitglieder des Gesangvereins ‚Zion’ verstärkte Synagogenchor begrüßte mit den feierlichen Klängen des Boruch habo, einstudiert durch Herrn Oberkantor Schwarz, den sichtlich Ergriffenen. In einer von der Größe der Verantwortung durchdrungenen, tief durchdachten Ansprache rief nun der erste Kultusvorstand, Herr Julius Krämer, dem neuen geistigen Führer der Gemeinde Worte herzlichen Willkommens zu, dabei der Erwartung Ausdruck verleihend, die die ganze Gemeinde an diesen Tag knüpft und das uneingeschränkte Vertrauen aller Kultusmitglieder zu dem selbst gewählten Rabbinen betonend. Zugleich sprach er innigen Dank aus seiner Verwaltung für die getreulich mitgetragenen Sorgen und Arbeiten, seiner Gemeinde für die bewiesene Opferwilligkeit, Herrn Distriktsrabbiner Dr. Brader von Ansbach, einem Sohne unserer Kultusgemeinde, der es sich nicht hatte nehmen lassen, persönlich die Amtseinführung des Rabbiners durch seine Anteilnahme zu einer weihevollen zu gestalten, für seine uneigennützige vertretungsweise Amtsführung während der ganzen Interimszeit sowie Herrn Lehrer Blum für die Wahrung religiöser Belange. Hierauf sprach in zu Herzen gehender Weise Herr Distriktsrabbiner Dr. Brader und beglückwünschte Gemeinde und Rabbiner.
Tief ergriffen antwortete Herr Rabbiner Dr. Neuwirth. Er wies darauf hin, dass nur der Wunsch, ein größeres reicheres Feld der Wirksamkeit zu finden, ihn veranlasst habe, nach 23jähriger Tätigkeit bei der Israelitischen Religionsgesellschaft in Bingen dem Rufe einer altehrwürdigen Gemeinde Folge zu leisten. Er zitierte den Geist seines seligen Vorgängers, von ihm Segen und Gelingen für sich und sein Werk erflehend. Dann erstattete er heißen Dank für das ihm gewährte Vertrauen, gelobte Treue und Liebe der Gemeinde, dem Berufe und dem Staate und versprach ein Wahrer und Förderer des konfessionellen Friedens zu sein.
Die eigentliche Antrittspredigt hielt Herr Dr. Neuwirth am anderen Tage nach Beendigung des Schachris-Gebetes. Die Kleidung des Hohenpriesters symbolisch auffassend, entwarf er ein Bild von der Stellung und den Aufgaben eines Rabbiners, das in seiner hohen, idealen Berufsauffassung und in seiner aus der Tiefe eines selbstlosen, gläubigen Herzens quellenden Reinheit zu den Herzen seiner Gemeinde sprach und sie begeisterte für ihren neuen Führer. Möge Gemeinde und Rabbiner in frohen Tagen und glücklichen Anlässen zusammenwachsen lassen und reichen Segen dem Werke des ehrwürdigen Rabbiners spenden."   

    
Zum Tod von Fanni Cohn, Witwe von Rabbiner Dr. Aron Cohn (1931)   

Ichenhausen Israelit 01041931.jpg (181971 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. April 1931: "Ichenhausen, 20. März (1931). Am 8. Adar durcheilte die hiesige Gemeinde die Schreckenskunde. Frau Fanni Cohn, die Gattin unseres verstorbenen unvergesslichen Rabbiners Dr. Ahron Cohn ist nicht mehr. In tragischer Weise wurde sie aus dem leben abberufen. Nach einem mehrwöchentlichen Aufenthalte bei ihren Hamburger Kindern war sie auf der Heimreise in der Nähe Ansbachs im Alter von 79 Jahren einem Herzschlage erlegen. Überaus schmerzlich ist der Verlust, den unsere Gemeinde erlitten hat. Eine wackere Frau in des Wortes tiefster Bedeutung ist von uns gegangen. Das Leben dieser edlen Frau war eine Kette von Gebotserfüllungen und guten Taten. Mehr als 30 Jahre leitete die Dahingeschiedene in einer geradezu vorbildlichen Weise unsere Frauen-Chewra (Frauenverein). Kaum lässt es sich schildern, was die Verstorbene für das innere Leben unserer Gemeinde bedeutete. Sie war die einzige Frau, die noch die alten üblichen Traditionen aufs Genaueste kannte, die in Fragen des Kaschrut die rabbinischen Entscheidungen aufs peinlichste beherrschte und befolgte. Ob es galt, seelischen Schmerz zu lindern, Kranken Trost und Hilfe zu bringen oder ihnen die letzte Stunde zu erleichtern, stets war unsere liebe ‚Frau Dr. Cohn’ mit an erster Stelle. Wollten arme Durchwanderer ihre Unterstützung – sie gingen zu ihr, der langjährigen Vorsitzenden unseres Unterstützungsvereins. Kam die Zeit von Pessach oder Rosch haSchana heran, da war es wiederum sie, die unermüdlich von Haus zu Haus ging, um das Challe-Geld zu sammeln, das den Armen des Erez Israel zugute kam, an denen ihr Herz in unendlicher Treue hing. Gibt es aber Worte, die unbeschreiblich große Liebe und Güte zu schildern, die sie in ihrer Aufgabe als Mutter erblickte? Sie glich der ‚heiligen Krone’, zu der ihre Kinder, Enkel und Urenkelchen in tiefster Ehrfurcht aufblickten. Die ganze Gemeinde, Freund von fern und nah, geleiteten die Verstorbene auf ihrem letzten Wege. Herr Distriktsrabbiner Dr. Neuwirth zeichnete bewegten Herzens das Lebensbild der Gattin seines verstorbenen Amtsvorgängers, die sich die Erfüllung von Tora, Gottesdienst und Wohltätigkeit zur Lebensaufgabe gemacht hatte. Herr Hauptlehrer Hammelburger sprach der Dahingeschiedenen namens  des Frauenvereins in herzlichen Worten seinen Dank aus. Möge Gott den Hinterbliebenen Kraft und Trost in ihrem tiefen Schmerze spenden. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."     

   
Amtsantritt von Rabbiner Simon Schwab (1933)     

Ichenhausen Israelit 26101933.jpg (122080 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Oktober 1933: "Amtsantritt des neuen Rabbiners
Ichenhausen, 20. Oktober (1933). Unsere Gemeinde, in der noch frisches Leben pulsiert, ist in ein neues Stadium getreten mit dem Amtseintritte ihres neuen Führers, Herrn Rabbiner Simon Schwab. Rabbiner Simon Schwab, der zuletzt in Darmstadt gewirkt hatte, trat zu Jomkippur seine Amtswirksamkeit bei uns und im Bezirke an, ohne besondere äußere Feierlichkeiten, gleich mit der Arbeit, wie es dem tätigen frischen Wesen dieses jungen Rabbiners entspricht. Seine ersten Predigten, seine Lehrvorträge waren ein Erlebnis für uns alle. Seine warmherzige Art, mit dem Rüstzeug seines reichen Wissens und einer tiefen Empfindung an die Menschen, an die Gemeinde und die Einzelnen, heranzutreten und besonders die Jugend um sich zu sammeln, ist auch den Lesern des 'Israelit' allzu bekannt, als dass der erste Eindruck seiner Leistungen hier geschildert werden müsste. 
Herr Rabbiner Simon Schwab, Sohn des Herrn Leopold Schwab in Frankfurt am Main, hatte, nachdem er in Frankfurt die Samson-Raphael Hirsch-Schule absolvierte und eine Zeitlang auf der Breuer'schen Jeschiwah gelernt, mehrere Jahre auf den berühmtesten litauischen Jeschiwot in Telsch und in Mir sich intensiv dem Lernen gewidmet. In Mir erhielt er auch die Rabbinerautorisation. Neben seinen hervorragenden talmudischen Kenntnissen nahm er in Litauen auch den Mussargeist ganz in sich auf, sodass der junge Rabbiner mit der Synthese von Tora, Mussar und Bildung uns zu den weitgehendsten Hoffnungen berechtigt. Wir wünschen Herrn Rabbiner Schwab, dass er in seiner neuen Gemeinde ein Wirkungsfeld findet, von dem aus er seine reichen Gaben für ganz Israel einsetzen kann."      

    
Beitrag von Rabbiner Simon Schwab: "Um die Heimat des Judentums?" (1933)   

Beitrag in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Dezember 1933 - Teil III 
Zum Lesen bitte Textabbildungen anklicken
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Publikation von Rabbiner Simon Schwab (1934)   

Ichenhausen Israelit 17011935.jpg (118601 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Januar 1935: "Bedeutende Neuerscheinung!  
In unserem Verlag ist erschienen: 
Heimkehr ins Judentum
 
von Bezirksrabbiner Simon Schwab in Ichenhausen. Broschiert RM 2.50 – in Leinwand geb. RM. 3.00. Ein schon gleich nach seinem Erscheinen lebhaft umstrittenes, hoch aktuelles Teschuwa-Buch, voll ernster, unerbittlicher und unbestechlicher Selbstkritik. 
‚Niemand kann diese Seiten lesen, ohne ihre Berechtigung innerlich zu bejahen. Sie werden viel aufwühlen, packen, ergreifen und begeistern…’ (Rabb. Dr. E. Munk im Israelit Nr. 51 Jg. 1934). 
Aus dem Inhalt: Die große Abrechnung – Wer gibt die Parole aus? – Um die Heimat – Messianismus (Die Moschiach-Botschaft des Chofez Chajim) – G’tt und der Nationalismus – Anti-Assimilation – Kulturproblem – ‚Lern’-Bewegung? – Unser Vortrupp.
Zu beziehen durch alle Buchhandlungen oder durch Verlag des Israelit u. Hermon GmbH. Frankfurt am Man - Rechnelgrabenstraße 7."
 
Ichenhausen Israelit 20121934.jpg (261231 Byte)Ähnliche Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Dezember 1934. 

  
Beitrag von Rabbiner Simon Schwab: "Bekenntnis" (aus der Publikation "Heimkehr ins Judentum", 1935)    

 Beitrag in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. März 1935
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Vortrag von Bezirksrabbiner Simon Schwab in Würzburg (1936)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. März 1936: "Würzburg, 28. Februar (1936). Ein wahres religiöses Erlebnis war am Samstagabend, den 23. dieses Monats für die Würzburger Gemeinde, der Vortrag des Herrn Rabbiner Simon Schwab, Ichenhausen über 'Palästina und wir'. Nach einer hebräischen Begrüßungsrede, in der Leiter des Noar Agudati Würzburgs, Chawer (Kamerad) Roberg, einen kurzen Rückblick des agudistischen Lebens der Würzburger Gemeinde entwarf und dann auch die Entwicklung des Noar Agudati und auf dessen Bedeutung und Erfolge hinwies, ergriff Herr Rabbiner S. Schwab das Wort zu seinen in Form und Inhalt vollendeten Ausführungen. Ausgehend von der Aufgabe des jüdischen Volkes als eines Königreichs von Priester und einem heiligen Volk zeigte der Redner, wie Gruppen im Judentum versuchen, die unbedingt zusammengehörigen Begriffe Königreich von Priestern und heiliges Volk auseinander zu reißen und damit den wahren und echten Sinn des Judentums fälschen. Klar und eindeutig wies der Redner auf die Einstellung der Agudas Jisroel hin, die die Verwirklichung dieser unverfälschten Ziele erstrebt. Nach diesen Voraussetzungen ging Herr Rabbiner Schwab auf sein eigentliches Thema ein. Was der Redner bot, war mehr als mein gewöhnlicher Palästinabericht. Von hoher Warte aus gesehen, zeigte er einige der brennendsten religiösen Probleme, die heute in Erze Jisroel bestehen. Er schilderte das Land und seine Menschen in ihrem fast unüberwindlichen Gegensatze, ganz besonders auf religiösem Gebiet. Er sprach von zwei Fronten, die sich deutlich herausbilden.: 'Die Front mit Gott' und 'die Front ohne Gott'. An tief ergreifenden Beispielen führte er aus, wie sich aber trotzdem auch im areligiösen Lager gewisse Symptome erkennen lassen, die uns etwas hoffnungsvoller in die Zukunft schauen lassen. Allgemein angenehm berührten die Ausführungen über die orthodoxe Jugend, die sich in Erez Jisroel ganz besonders nahe kommt und dass auch hier noch die Aussicht, Zusammenschluss aller gesetzestreuen kreise zu gemeinsamer Arbeit, besteht. Nur dieser Zusammenschluss und die Masseneinwanderung gesetzestreuer Chaluzim könne das große Ziel des gesetzestreuen Aufbaues in Erez Jisroel erreichen. - In seinen, in vollendeter Form und mit großer Begeisterung vorgetragenen Worten schilderte dann Herr Rabbiner Schwab die grandiose Bedeutung der für das kommende Jahr geplanten Kenessio('große Versammlung'). - Die zahlreich erschienene Hörerschaft, die den Ausführungen mit Spannung und tiefer Ergriffenheit folgte, dankte dem Redner für seine feinen, vornehmen, klaren und deshalb allen zu Herzen gehenden Worte und mit dem Wunsche, dass Herr Rabbiner Schwab recht bald wieder unser Gast in Würzburg sei, schloss der Leiter des Noar Agudati den überaus gut gelungenen Abend."     

   
Ausschreibung der Stelle des Bezirksrabbiners (1936)   

Anzeige in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Dezember 1936: "Bekanntmachung
Infolge Wegganges des bisherigen Stelleninhabers soll die Stelle eines Bezirksrabbiners des Rabbinatsbezirks Ichenhausen, mit dem Sitz in Ichenhausen, durch einen jüngeren, orthodoxen Rabbiner neu besetzt werden. 
Es wäre erwünscht, wenn Unterricht in Englisch und Iwrit erteilt werden könnte. 
Die Anstellung erfolgt gemäß der Beamten- und Besoldungsordnung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Bewerbungen bitten wir an den Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Ichenhausen zu richten. 
Ichenhausen, 16. November 1936. Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde Ichenhausen: Julius Krämer, 1. Vorstand."       

 
Abschied von Rabbiner Simon Schwab (1937)   

Ichenhausen BayrGZ 01021937.jpg (142206 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Februar 1937: "Abschied von Rabbiner Simon Schwab – Ichenhausen. Ichenhausen, im Januar 1937. Nach mehr als 3jährigem, segensreichem Wirken im Rabbinatsbezirk Ichenhausen verließ in der Mitte vorigen Monats Herr Rabbiner Simon Schwab mit seiner Familie unsere Gemeinde, um einer ehrenvollen Berufung als Rabbiner nach Baltimore zu folgen. Wer Herrn Rabbiner Schwab und seine Tätigkeit während dieser Zeit kennen gelernt hat, der kann ermessen, welch große Lücke im religiösen Leben unserer Gemeinde und unseres Bezirkes durch sein Weggehen entstanden ist. Denn er hat es verstanden, durch sein unermüdliches Schaffen, durch den vollen Einsatz seiner Persönlichkeit, durch seine von einer hellen Begeisterung für unsere heilige Lehre getragenen wunderbare Rednergabe sich die Herzen aller zu erobern. Immer hilfsbereit, für jedermann in Freud und Leid ein liebenswürdiger und aufrichtiger Freund und Berater, ließ er keinen Augenblick ungenützt, um Jung und Alt zu unserer heiligen Religion hin- und zurückzuführen. Durch wunderbare, tief durchdachte Predigten, in hervorragend ausgeführten wissenschaftlichen Vorträgen, in zahllosen, für jedermann leicht fasslichen aktuellen Schiurim – und vor allem durch seine überragende Persönlichkeit, die – auf der einen Seite gütig und verstehend für jeden Einzelnen, auf der anderen Seite streng und zugeständnislos für sich selbst – das glänzende Beispiel eines echten Jehudi vorlebte, wusste er die Liebe für unsere heilige Lehre zu wecken und zu heben und das religiöse Leben in Gemeinde und Bezirk in ungeahnter Weise zu entfalten. Möge Herrn Rabbiner Schwab in seinem neuen Wirkungskreis der Erfolg und die Anerkennung zuteil werden, die sein tiefes Wissen, seine Hingabe und seinen edlen Charakter verdienen! Möge ihm und seiner Familie alles Glück beschieden sein! D.W."

     
Das Bezirksrabbinat Ichenhausen ist wieder besetzt (1937)  

Ichenhausen BayrGZ 01051937.jpg (34644 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Mai 1937. "Aus der Gemeinde Ichenhausen. Unser seit Mitte Dezember 1936 vakant gewesenes Bezirks-Rabbinat ist nunmehr wieder besetzt worden. Herr Rabbiner Gerhard Frank auch Ichenhausen wurde durch die einstimmige Wahl der Bezirksgemeinden als Rabbiner des Rabbinatsbezirks Ichenhausen berufen. Er wird am 1. Mai dieses Jahres sein Amt antreten. Möge ihm Glück und Erfolg beschieden sein!"
  
Ichenhausen Israelit 15041937.jpg (34727 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. April 1937: "Ichenhausen, 11. April (1937). In der heutigen Generalversammlung der Israelitischen Kultusgemeinde wurde mit überwiegender Mehrheit beschlossen, Herrn Gerhard Frank aus Ichenhausen, Schüler des Berliner Seminars, zum Bezirksrabbiner zu berufen. Herr Rabbiner Frank wird die Stelle am 1. Mai antreten."  

  
Einführung von Gerhard Frank als Distriktsrabbiner (1937)   

Ichenhausen BayrGZ 15051937.jpg (115795 Byte)Artikel in der "Bayerischen israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Mai 1937: "Einführung des neuen Distriktsrabbiners in Ichenhausen. Am 30. April 1937 fand im Rahmen des Freitag-Abend-Gottesdienstes die feierliche Amtseinführung unseres neuen Rabbiners Gerhard Frank statt. Nach dem Minchagebet bestieg der zweite Vorstand, Herr Gustav Gerstle, in Stellvertretung des Herrn ersten Vorstandes die Kanzel, um Herrn Rabbiner Frank als Distriktsrabbiner zu begrüßen und ihn in sein Amt einzuführen. Er dankte Gemeinde, Bezirk und dem Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden für die Bemühungen zur Wiederbesetzung des altehrwürdigen Rabbinats und umriss in kurzen Zügen die Erwartungen, die Gemeinde und Bezirk an das Wirken des jungen Rabbiners knüpfen. Herr Distriktsrabbiner Frank dankte in ergreifendem Gebete Gott, der ihn vor diese Aufgabe gerade hier in Ichenhausen, das ihm wie eine Heimat sei, gestellt habe, er dankte Gemeinde und Bezirk und dem Herrn Vorredner und entwarf sodann ein Programm, das er sich als Richtschnur für sein Wirken nehmen wolle und das übereinstimme mit den Grundpfeilern, auf denen die Welt ruhe: ‚al hoemeth, weal hadin, weal hascholaum’ (auf Wahrheit, Recht und Frieden). Eine weihevolle echte Freitagabend-Stimmung erfüllte das Gotteshaus; und diese Stimmung wurde hinübergeleitet in den Freitag-Abend-Gottesdienst, der – verschönt durch die Gesänge des Synagogenchores – einen würdigen Abschluss dieser erhebenden Feier bildete. D.W."
   
Ichenhausen Israelit 07051937.jpg (160988 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Mai 1937: "Amtseinführung des neuen Bezirksrabbiners
Ichenhausen, 2. Mai (1937). In Verbindung mit dem Freitagabend-Gottesdienst wurde am jüngsten Sabbat Bezirksrabbiner Herr Gerhard Frank in sein neues Amt eingeweiht. Unter den Klängen des Mah Tauwo, gesungen von dem gut geschulten Synagogenchor unter Leitung des Herrn Naftali Reichenberger, wurde der neue Raw von Mitgliedern der Kultusverwaltung und Gemeindebeamten an seinen Platz geführt. Darauf hielt in Vertretung des ersten Vorstandes, Herrn Julius Krämer, der ein eifriger Verfechter der Wiederbesetzung des Bezirksrabbinates war, Herr Gustav Gerstle die Begrüßungsrede. Er rief im Namen der ganzen Gemeinde und im Auftrage des Bezirkes dem neu gewählten Rabbiner ein herzliches Boruch Haboh (Willkommen) zu und dankte vor allem der Gemeinde Ichenhausen, den Vorständen des Bezirkes und namentlich dem Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden, dass sie sich alle einmütig für die Wiederbesetzung des Bezirksrabbinates eingesetzt und damit ermöglicht haben, Herrn Rabbiner Gerhard Frank, Sohn des Oberlehrers Herr Salomon Frank aus Ichenhausen, nach Ichenhausen zu berufen. Redner streifte die verschiedenen Aufgaben des Rabbiners, insbesondere die der Erziehung unserer Jugend, die einen zielbewussten Führer braucht, um als treue Jehudim in der heutigen bewegten Zeit bestehen zu können.   
Herr Rabbiner Frank dankte für die herzliche Begrüßung. Er sei glücklich, dass es ihm vergönnt sei, gerade in seiner Heimatgemeinde das Wort Gottes zu verkünden und an die Spitze einer Gemeinde gestellt zu werden, die keine innere Zersplitterung und Zerrissenheiten kennt und schon von jeher auf dem Boden des traditionellen Judentums steht und stets für das Sinaijudentum Opfer zu bringen wusste. Herr Rabbiner Frank entfaltete sodann sein Arbeitsprogramm nach den Worten der Weisen: ‚auf Recht, auf Wahrheit und auf Frieden’. Er hofft, dadurch ein harmonisches Zusammenwirken mit der Gemeinde und dem Bezirk verwirklichen zu können.  
Möge es dem jungen Rabbiner vergönnt sein, mit Gottes Hilfe ein treuer geistiger Berater der Gemeinde und ein vorbildlicher Meister unserer Jugend zu werden.  L. Schw."   

 
   
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer, der Schule und der weiteren Kultusbeamten  
Ausschreibungen der Stellen des Elementar- und Religionslehrers / Vorbeter / Synagogendiener 

Ichenhausen AZJ 01061857.jpg (66534 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Juni 1857: "Es ist sofort in der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde die Stelle eines Vorsänger- und Schächter-Subsistuts mit einem Jahresgehalte von Gulden 200.- nebst freier Kost und Logis durch ein unverheiratetes Subjekt zu besetzen, und werden musikalisch gebildeten Bewerbern bei der Fähigkeit zur Leitung eines Chors Nebeneinkünfte in Aussicht gestellt und bevorzugt. Bewerber um diese Stelle wollen ihre Zeugnisse in portofreien Briefen baldmöglichst einsenden an den 
Vorstand der israelitischen Gemeinde zu Ichenhausen (in Bayern)."
 
Ichenhausen Israelit 24121862.jpg (75240 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Dezember 1862: "Zur sofortigen Wiederbesetzung der vakant gewordenen Kantor- und Schächterstelle dahier, mit welcher außer mehreren Akzidenzien ein fassionsmäßiges Einkommen von 600 Gulden verbunden ist, werden Bewerber aufgefordert, ihre Zeugnisse über musikalische Bildung und Qualifikation zur Leitung eines Chores, sowie über moralisch-religiösen Lebenswandel bis längstens 1. Februar kommenden Jahres an den unterfertigten Kultus-Vorstand franko einzusenden. Ichenhausen (Bayern), den 9. Dezember 1862. Der israelitische Kultus-Vorstand. D. Einstein. J.R. Seligmann."  
 
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. Dezember 1862: Derselbe Text wie in der konservativ-orthodoxen Zeitung "Der Israelit" (siehe oben) erschien in der liberalen "Allgemeinen Zeitung des Judentums".   
   
Ichenhausen AZJ 27051872.jpg (29837 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 27. Mai 1872: "Man sucht einen Lehrer der französischen und englischen Sprache, einen tüchtigen Elementar- und einen Reallehrer zu engagieren. Franko-Offerten einzusenden an das Rabbinat Ichenhausen bei Günzburg (Königreich Bayern)."
 
Ichenhausen Israelit 20121876.jpg (85337 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Dezember 1876: "An der hiesigen deutsch-israelitischen Volksschule sind in Folge Pensionierung der bisherigen Inhaber baldigst zwei Stellen zu besetzen, und zwar: 1) die des ersten Lehrers, definitiv, mit einem von der Gemeinde gewährten Anfangsgehalte von 1.200 Mark pro Jahr nebst freier Wohnung, 2) die des dritten Lehrers, provisorisch, (Schulgehilfe) mit einem Fixum von 800 Mark pro Jahr nebst freier Wohnung, bei befriedigenden Leistungen hat derselbe gleichfalls baldige definitive Anstellung mit erhöhtem Gehalte zu erwerben. Sollte einer der Anzustellenden imstande sein, den Gemeindeschochet in Behinderungsfällen vertreten zu können, so steht demselben eine bedeutende Remuneration in Aussicht. Geeignete Bewerber, die eine gediegene pädagogische und musikalische Bildung besitzen, wollen sich unter Einsendung der ihnen zu Gebote stehenden Zeugnisse bis zum 31. Dezember dieses Jahres wenden an die israelitische Kultusverwaltung N. Heilbronner. Ichenhausen, den 10. Dezember 1876."
  
Ichenhausen Israelit 24011877.jpg (77083 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Januar 1877: "Nachdem die Stelle des ersten Lehrers an der hiesigen israelitischen Gemeindeschule nunmehr besetzt worden ist, wird die vakante dritte Lehrstelle nochmals zur Konkurrenz ausgeschrieben. Dieselbe ist vorläufig mit einem Fixum von 800 Mark pro Jahr nebst freier Wohnung dotiert und wird in kurzer Zeit bei befriedigenden Leistungen des Inhabers zu einer definitiven erhoben. Für die etwaige Vertretung des Hilfs-Schochets wird eine jährliche Remuneration gewährt. 
Unverheiratete, seminaristisch gebildete Bewerber werden aufgefordert, sich umgehend unter Beifügung ihrer Zeugnisse zu wenden an den israelitischen Kultusvorstand Nathan Heilbronner. Ichenhausen, 14. Januar 1877."
 
Ichenhausen BayrGZ 11111927.jpg (82437 Byte)Anzeige in der "Bayerischen israelitischen Gemeindezeitung" vom 11. November 1927: "Die Stelle eines Lehrers an unserer Volksschule (zur Zeit 23 hauptschulpflichtige Kinder) wird frei und soll bis zum 1. Februar 1928 wieder besetzt werden. Das Stelleneinkommen kann durch Kasualien sowie durch Übernahme des Kassen- und Schriftwesens der Kultusgemeinde, wie auch durch Vertretung des Kantors und Schochets wesentlich erhöht werden. Mit Genehmigung der zuständigen Kreisregierung bringen wir die Stelle hiermit zur Ausschreibung mit dem Bemerken, dass Meldungen von Bewerbern, die das bayerische Staatsexamen abgelegt haben, bis spätestens ende Dezember an die Regierung von Unterfranken und außerdem mit allen Zeugnisabschriften auch an unsere Kultusverwaltung eingereicht werden wollen. Ichenhausen, den 4. November 1927. Israelitische Kultusverwaltung Ichenhausen. Julius Krämer, 1. Vorstand."
 
Ichenhausen Israelit 10111927.jpg (81579 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. November 1927: "Die Stelle eines Lehrers an unserer Volksschule (zurzeit 23 hauptschulpflichtige Kinder) wird frei und soll bis zum 1. Februar 1928 wieder besetzt werden. Das Stelleneinkommen kann durch Kasualien sowie durch Übernahme des Kassen- und Schriftwesens der Kultusgemeinde wie auch durch Vertretung des Kantors und Schochets wesentlich erhöht werden. Mit Genehmigung der zuständigen Kreisregierung bringen wir die Stelle hiermit zur Ausschreibung mit dem Bemerken, dass Meldungen von Bewerbern, die das bayerische Staatsexamen abgelegt haben, bis spätestens Ede Dezember an die Regierung von Unterfranken und außerdem mit allen Zeugnisabschriften, auch an unsere Kultusverwaltung eingereicht werden wollen. 
Ichenhausen, den 4. November 1927. Julius Krämer, 1. Vorstand."

  
Ausschreibung der Vorbeter- und Schochet-Stelle (1871)  

Ichenhausen Israelit 08031871.jpg (43209 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. März 1871: "Annonce. Zum 1. Mai dieses Jahres wird die hiesige Vorbeter- und Schochetstelle vakant. Fassionsmäßiges Einkommen 800 Gulden bei freier Wohnung, exklusive 150 Gulden Nebenverdienste. Qualifizierte Bewerber, die einen Chor zu dirigieren imstande sind, wollen ihre Zeugnisse baldigst einsenden. Ichenhausen in Bayern. 
Die israelitische Kultusverwaltung. Daniel Einstein, Vorstand."  

  
Ausschreibung der Stelle des Kantors und Schochet (1908)  

Ichenhausen Israelit 24041908.jpg (74887 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. April 1908: "Kantor- und Schochet-Stelle. Nachdem unser bisheriger Kantor nach 37-jähriger Tätigkeit in der hiesigen Kultusgemeinde sich in den Ruhestand begibt, soll dessen Stelle durch einen musikalisch gebildeten Kantor und geübten Schochet und Baal-koreh mit einem jährlichen Gehalt von Mark 2.200.- nebst freier Wohnung und bedeutendem Nebeneinkommen zum 1. September dieses Jahres wieder besetzt werden. Streng religiöse Bewerber wollen ihre Zeugnisse unter Angabe ihres Lebenslaufs, ihres Alters und ihrer Familienverhältnisse längstens bis zum 15. Mai dieses Jahres einsenden an die Israelitische Kultusverwaltung M. Sulzer, 1. Vorstand. Ichenhausen (Bayern), 19. April 1908."    

   
Hebräischlehrer gesucht (1886)   

Ichenhausen Israelit 04031886.jpg (65872 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. März 1886: "Für einen talmudisch gebildeten Mann, welcher die Befähigung besitzt, Kinder im Hebräischen zu unterrichten, bietet sich am hiesigen orte Gelegenheit zur Begründung einer ausreichenden Existenz. Schriftliche Meldungen sind zu richten an den 
israelitischen Kultusvorstand Ichenhausen
(Bayern)."

   
Zum Tod von Lehrer Daniel Wormser (bis 1864 Lehrer in Ichenhausen, gestorben in Hamburg (1900)  

Ichenhausen Israelit 17051900.jpg (182059 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Mai 1900: "Hamburg, 14. Mai (1900). Eine Trauerbotschaft, zur tiefsten Wehmut stimmend, durcheilte am vergangenen Freitag alle Schichten der jüdischen Bevölkerung Hamburgs. ‚Lehrer Wormser ist tot!’ Ob dieser Worte erbebten die Herzen vieler Hunderte unserer jüdischen Mitbürger, und nach Hunderten zählte das Trauergefolge, das sich heute vor dem Krankenhause der jüdischen Gemeinde einfand, um dem geliebten Lehrer, dem segensreich wirkenden Menschenfreund, dem edlen, rastlos tätigen Helfer der Verlassenen und Unterdrückten die letzte Ehre zu erweisen. 
Mir sei es vergönnt, dem Andenken dieses hochherzigen Mannes einige Worte des Nachrufes in Ihrem geschätzten Blatte zu widmen.   
Daniel Wormser seligen Andenkens, in einem kleinen Schwarzwald-Dörfchen geboren, entstammte einer armen, frommen Familie. Schon im zarten Knabenalter des Vaters beraubt, lernte der Verblichene frühzeitig den Ernst des Lebens kennen. Nach Überwindung mannigfacher Schwierigkeiten, die sich dem mittellosen Knaben entgegenstellten, gelang es ihm, sich in Karlsruhe unter der Ägide des Herrn Oberrates Altmann seligen Andenkens dem Torastudium zu widmen und sich gleichzeitig an dem dortigen Seminar für den Lehrerberuf vorzubereiten. Der damalige Leiter des Karlsruhe Seminars war ein direkter Schüler Pestalozzis, und ein wahrer Jünger dieses Meisters der Erziehungskunst ist auch Daniel Wormser seligen Andenkens geworden. Mit dem Reifezeugnis eines Lehrers für Stadtschulen versehen und vom Oberrat Altmann seligen Andenkens mit dem  Ehrendiplom ‚Chower’ geschmückt, trat D. Wormser ins Schulleben hinaus. Zuerst wirkte er als Lehrer in einem badischen Orte, dann in München und hernach unter Dr. E. Löb seligen Andenkens als Lehrer an der Gemeindeschule zu Ichenhausen in Bayern. Von hier aus kam er 1864 als 24-jähriger Mann an die hiesige Talmud-Tora-Schule, die zur Stätte seiner dauernden Wirksamkeit wurde. Voll der höchsten Begeisterung für den erhabenen Beruf eines Lehrers und eingedenk der Worte unserer Weisen: ‚Nehmet besondere Rücksicht auf die Kinder der Armen, denn durch sie wird die Tora in Israel verbreitet’, ergriff D. Wormser seine Lehrtätigkeit mit einem Feuereifer und einer nie ermüdenden Tatkraft, die unerreicht dasteht. Rastlos arbeitete dieser strebsame Mann an seiner geistigen Vervollkommnung. Dem Studium unserer heiligen Tora und dem Vertiefen in die Werke pädagogischer Schriftensteller lag D. Wormser – seligen Andenkens – mit hingebendem Fleiße ob. Noch als 50-jähriger Mann unterzog er sich mit Erfolg dem Mittelschullehrer- und Rektoratsexamen. Sein ganzes Wissen stellte er in den Dienst der Erziehung zur Religion.  
Ichenhausen Israelit 17051900a.jpg (130584 Byte) Des Dahingeschiedenen hervorragende Bedeutung gipfelte jedoch nicht darin, dass er von jenen Idealen erfüllt war, die es ihm ermöglichten, so Großes in pädagogischer Hinsicht zu leisten, was ihn vielmehr zu einem für ganz Israel (= das ganze Judentum) hoch bedeutenden Manne machte, war sein ihn zur Tatkraft anspornendes Herz, das für die Not der Armen so warm schlug. Auf dem Felde der jüdischen Wohltätigkeit hat er, der nicht mit Glücksgütern gesegnete, anspruchslose Lehrer, Unerreichtes geleistet. Herr Oberrabbiner Hirsch – sein Licht leuchte – gab an der Bahre des Verschiedenen in oft von Tränen erstickter Stimme den Gefühlen Ausdruck, die die jüdische Gesamtheit ob des harten Verlustes, der sie betroffen, bewegen. Er erinnerte an die selbstloseste, aufreibende Tätigkeit, die der Verstorbene zu Gunsten der aus Russland, Rumänien und Galizien vertriebenen Glaubensgenossen entfaltete; er gedachte der Energie, die derselbe im Kampfe gegen die Seelenfänger entwickelte, wie er es verstand, religiös verirrte Kinder an das Elternherz zurückzuführen und aus den Schlingen der Missionsgesellschaften zu retten.   
Auf dem Friedhofe schilderte der Direktor der Talmud-Tora-Realschule, Herr Dr. J. Goldschmidt, in tief empfundenen und ergreifenden Worten des Entschlafenen vielseitige Tätigkeit als Lehrer und Menschenfreund.  
Darauf sprach Herr Rechtsanwalt Dr. Alexander, im Namen des Vorstandes des von Herrn D. Wormser – seligen Andenkens – ins Leben gerufenen Vereins für Obdachlose und erwähnte, dass der Verein trotz vielfacher Anfeindungen, durch des Verstorbenen ungeahnte Tätigkeit zu einer ungemein segensreich wirkenden Institution geworden sei.  
Auch von nichtjüdischer, hoch stehender Seite wurde die Bedeutung dieses wahren Menschenfreundes gewürdigt. Möge Gott, der Linderer aller Schmerzen, der tief gebeugten Witwe und den trauernden Söhnen Trost spenden. Möge bald der Tag kommen, von dem es heißt: und der Tod wird verschlungen für immer (Jesaja 35,8). Amen." 

    
Lehrer Isaak Brader wurde zum Hauptlehrer ernannt (1907)    
Anmerkung (nach den Recherchen von Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries): Lehrer Israel Isaac (Jizchak) Brader war mindestens schon 1879 in Ichenhausen, da in diesem Jahr sein Sohn David in Ichenhausen geboren ist. Isaac Brader ist am 14. November 1851 in Mönchsdeggingen als Sohn eines Lehrers geboren. Er war (seit 22. Oktober 1873 in Harburg) verheiratet mit Karoline geb. Weinbach (geb. 25. März 1850, gest. 6. Oktober 1899). In zweiter Ehe war er verheiratet mit Esther geb. Floersheimer (seit 18. Februar 1902 in Karlsruhe). Der Sohn David (Rabbiner Dr. David Brader) ließ sich in Berlin zum Rabbiner ausbilden; war tätig als Rabbinatssubstitut in Ansbach, bis 1910 an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt Köln und Rabbiner in Recklinghausen; 1912 Realschullehrer in Nürnberg, auch Rabbiner in Weiden; 1917 bis 1925 Distriktsrabbiner in Ansbach, 1925 in die Schweiz verzogen; weitere Geschichte unbekannt. Ein weiterer Sohn war Benny Brader, der am 2. Dezember 1942 im Ghetto Theresienstadt umgekommen ist.      

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 11. Januar 1907: "Ichenhausen (Bayern). Herr J. Brader erster Lehrer an der Volksschule der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde, wurde von Seiner königlichen Hoheit dem Prinzregenten zum Hauptlehrer ernannt".           

  
Karte an Lehrer Isaak Brader (1906) 
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries)   

Karte von Moritz Weimersheimer 
aus Costa Rica (1906)  
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Die Ansichtskarte zeigt einen Ausschnitt des Limon Park auf Costa Rica und wurde am 26. Juni 1906 von Port Limon nach Ichenhausen geschickt. Der Ankunftsstempel Ichenhausen trägt das Datum 18. Juli 1906. Kartenempfänger war der Lehrer Isaak Brader. Absender der Karte Moritz Weimersheimer, vielleicht ein ehemaliger Schüler von Isaak Brader: Moritz Weimersheimer (geboren am 18. November 1886 in Ichenhausen) war verheiratet mit Klara (Claire) Essinger, der Gründerin eines Kinderheimes in Herrlingen für verhaltensgestörte, schwer erziehbar milieugeschädigte Kinder. Moritz Weimersheimer war Bezirksarzt in Herrlingen und verstarb bereits 1919.    

  
   
Abschied von Kantor Perlmutter (1908)  

Ichenhausen Israelit 24091908.jpg (151458 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. September 1908: "Ichenhausen, 14. September 1908. Der festlich geschmückte Saal der Falkschen Restauration vereinigte gestern, Sonntagabend, fast sämtliche Mitglieder der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde, die, eine Einladung der Kultusverwaltung folgend, erschienen waren, um den Abschied ihres langjährigen Kantors, Herrn Perlmutter zu feiern. Mit bekannter Meisterschaft zeichnete Herr Distriktsrabbiner Dr. Cohn unter Zugrundelegung der Worte ‚Gesegnet bist du bei deinem Kommen und gesegnet bist du bei dem Gehen’ ein Bild der siebenunddreißigjährigen Tätigkeit der Herrn Perlmutter als Kantor und Schochet in hiesiger Gemeinde. Mit Recht betonte er hierbei die Berufstreue und Gewissenhaftigkeit des auch durch besondere Friedensliebe ausgezeichneten Mannes und schloss mit den besten Wünschen für das fernere Wohlergehen des Scheidenden. Warme Worte der Anerkennung fand hierauf der 1. Kultusvorstand Herr Sulzer, der dem Scheidenden als Zeichen der Anerkennung und Dankbarkeit der Kultusgemeinde einen prachtvollen Pokal, sowie 300 Mark überreichte. Im Auftrage der hiesigen jüdischen Metzger wurde von Herrn J. Wolf Herrn Perlmutter ein silberner Pokal als Beweis der Dankbarkeit für seine besonders ausgezeichnete Tätigkeit als Schochet übergeben. Herr Hauptlehrer Brader rühmte die Verdienste des Scheidenden in seiner Eigenschaft als Dirigent des Synagogenchores, während der 2. Kultusvorstand, Herr Heller, Herrn Perlmutter als Vorbeter feierte. Der Gesangverein Zion verschönerte den Abend durch prachtvolle Liedervorträge, sodass Herr Perlmutter in seiner Danksagung für die ihm erzeigten Ehrungen mit vollem Rechte ausrufen durfte: ‚Dieser Abend wird mir und meiner Familie unvergesslich bleiben.’ Möge es dem nunmehr in München bei seinen Kindern Wohnenden beschieden sein, sich noch ad multos annos des wohl verdienten Ruhestandes erfreuen zu können. Alle Hochachtung aber auch vor einer Gemeinde, die ihre Beamten so ehrt und schätzt."

  
Zum Tod von Hauptlehrer Julius Thalmann (1909)   

Ichenhausen FrfIsrFambl 12111909.jpg (238451 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 12. November 1909: "Ichenhausen. Der ganze Ort, nicht nur die jüdische Gemeinde, sondern auch die Angehörigen der beiden anderen Konfessionen, sind in tiefe Trauer gehüllt. Herr Hauptlehrer Julius Thalmann, der 32 Jahre hindurch in treuester Pflichterfüllung im Dienste der hiesigen israelitischen Volksschule gestanden, erlitt plötzlich Sonntagmorgen in der Synagoge einen Herzschlag, dem er kurz danach erlegen ist. In ihm hat die Judenheit einen solch vielseitigen Mann verloren, wie heutzutage leider nur noch wenige zu finden sind. Als Lehrer verstand er es in seltener Begabung, die Kinder an sich zu fesseln, sodass sie mit Wonne auf seine Worte lauschten und er sie nach seinem Grundsatze ‚Tauroh im derech erez’ (Tora verbunden mit respektvollem Benehmen) erziehen konnte. Allen wohltätigen Vereinen stand er als erster Hilfsarbeiter vor. Die ‚Chewrah Kadischah’, die die schönste und größte aller unserer Mizwaus (Verpflichtungen) ausübt, die Beschäftigung mit den Toten, zeichnete sich unter seiner Leitung ganz besonders aus. Auch die ‚Chewrah Bikkur Chaulim’ (Krankenpflegeverein), deren uneigennützige Aufgabe im Versorgen und Wachen bei den Kranken besteht, lag in keiner Hand besser als in der seinigen. Seit 8 Jahren übte er in großer Uneigennützigkeit die heilige Mizwoh (Verpflichtung) eines Mohel (Beschneiders) aus. Und endlich, mit welcher Wonne erinnert sich die jüdische Gemeinde an die Jomim Nauroim (ehrfurchtgebietenden Tage), an denen er das Schacharis-(Morgen-) und Mincha-Gebet in den alten schönen Melodien vortrug und ferner als Bal-tokea tätig war.
Die Liebe, Verehrung und Dankbarkeit, mit der alle, die ihn kannten, an ihm hingen, bewies das überaus große Trauergefolge, wie es Ichenhausen kaum je gesehen hat.
An seiner Bahre sprachen in herzzerreißenden Worten um den zu früh heimgegangenen Freunde Seine Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Cohn und sein würdiger Kollege Herr Hauptlehrer J. Brader, ferner der katholische Geistliche, dann ein Turnwart im Namen des Turnvereins, dessen 1. Turnrat er war, und endlich rief ihm der Kommandeur der Bezirksfeuerwehr von Schwaben für die hohen und edlen Verdienste, die sich der Dahingeschiedene als Kommandant der Ichenhausener freiwilligen Feuerwehr erworben hat, Worte des Dankes nach.
So hat Ichenhausen einen wirklich unersetzlichen Verlust erlitten, die tief gebeugte Gattin hat einen treuen Begleiter durchs schicksalreiche Leben verloren, die drei Kinder einen zärtlichen und liebevollen Vater. Möge den Hinterbliebenen nach den herben Schicksalsschlägen der letzten Jahre – 3 erwachsene, in der vollen Blüte der Jahre stehende Söhne sind ihnen im Laufe von 5 Jahren durch den Tod entrissen worden – das Verdienst ihres Familienhauptes beistehen, so werden ihnen nur noch heitere und sonnige Tage beschieden sein. Wir aber wollen seinem Beispiele nachahmen, dann wird sein Andenken gewürdigt und erhalten bleiben für alle Zeiten. Sein dankbarer Schüler M.M."
   
Ichenhausen Israelit 18111909.jpg (146280 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. November 1909: "Ichenhausen, 14. November (1909). Durch das plötzliche und unerwartete Hinscheiden des Hauptlehrers J. Thalmann – seligen Andenkens – hat nicht allein die hiesige israelitische Kultusgemeinde, sondern auch die politische Gemeinde dahier einen schweren Verlust erlitten. Hatte er doch seine Kraft und seinen Opfermut nicht nur dem Judentum, sondern auch dem allgemeinen Interesse gewidmet und als Mann der Tat stets zielbewusst an seinem Werk gearbeitet. J. Thalmann entwickelte in seinem hiesigen fast 33jährigen Wirken auf den verschiedensten Gebieten eine solche rege Tätigkeit, dass man darüber staunen musste, wie es ihm möglich war, dies alles zu vollbringen. Er war Elementar- und Religionslehrer an der hiesigen israelitischen Volksschule II, Baal Tokea (Schofarbläser), Chasan (Vorbeter), Schochet und Mohel (Beschneider), 2. Vorstand der Chewra Kadischa, Gründer und 30 Jahre lang Vorsteher des Bikkur-cholim-Vereins, ferner Gründer und 25 Jahre lang Leiter des hiesigen Turnvereins, Kassierer des Bezirkslehrervereins Günzburg u.v.m. Dass ein solcher Mann ein Leichenbegängnis erhielt, wie es der hiesige Ort seit Jahren nicht gesehen hatte, lässt sich leicht denken; außer den verschiedenen hiesigen und auswärtigen Vereinen gaben ihm die Spitzen der weltlichen und geistlichen Behörden – des Bezirksamts Günzburg, der hiesige Magistrat und das Gemeindekollegium, der Bezirkslehrerverein Günzburg und selbstverständlich die vollzählige jüdische Gemeinde das Geleite zur letzten Ruhestätte. Am Grabe widmeten Herr Distriktsrabbiner Dr. Cohn, der katholische Pfarrer als Lokalschulinspektor, Hauptlehrer Brader, ferner der Vorsteher des Bezirkslehrervereins Günzburg, der Vorsteher des Turngaus Günzburg und schließlich Herr Isidor Koschland im Namen des Bikkur-Cholim-Vereins warme Worte der Anerkennung dem dahingeschiedenen Lehrer und edlen Menschen. Mögen diese Beweise der Liebe und Verehrung den lindernden Balsam des Trostes in die schwer verwundeten herzen der trauernden Hinterbliebenen träufeln."

   
Zum Tod von Hauptlehrer Isaac Brader (1920)   

Ichenhausen Israelit 22041920.jpg (100325 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. April 1920: "Hauptlehrer Isaac Braderdas Andenken an den Gerechten ist zum Segen -. Ichenhausen, 4. April (1920). Am 20. Adar hauchte Hauptlehrer Isaac Brader seine edle Seele aus. Das bedeutet für unsere Gemeinde und für die Judenheit Bayerns einen empfindlichen Verlust. Der Verklärte ragte in unsere Zeit hinein als ein Memento jener Zeiten, in der jüdische junge strebsame Leute auf die eigene Kraft und auf die Fähigkeit ihres eigenen Willens angewiesen waren, um die Vorbereitung für den dornenvollen Beruf des jüdischen Lehrers zu treffen. Unsere junge Generation hat kaum einen Begriff von dem Idealismus, welcher Leute wie Brader – seligen Andenkens – erfüllte. Er lebte in einer Welt des Altruismus, die Kinder waren ihm ein Heiligtum, die Schule war ihm ein Eden und die Gemeinde war ihm die Stätte, in der er an jedem Einzelnen selbstlose Wohltat ausübte. Jedes bedrückte Herz suchte ihn und fand bei ihm Trost und Genesung. Seine Sabbatvorträge führten zwanglos zur Erfüllung der jüdischen Weltanschauung, sein Gotteswort einte in unzähligen Fällen Entfremdete und Friedlose. Die Vielen, die an seiner Bahre weinten, zeugten, dass sie einen Vater verloren hatten. Sein Andenken ist in unserer Gemeinde unvergesslich; die Erinnerung an ihn ist und bleibt ein Segen. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

  
50-jähriges Dienstjubiläum und 80. Geburtstag des Synagogendiener M. Meinfelder (1922)  

Ichenhausen Israelit 20071922.JPG (157628 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Juli 1922: "Personalien. Ichenhausen, 3. Juli (1922). Ein seltenes Jubiläum gab Gelegenheit zu einem gelungenen, harmonisch verlaufenen Fest. Herr M. Meinfelder feierte am vergangenen Sonntag sein 50jähriges Dienstjubiläum als Synagogendiener unserer Kultusgemeinde. Aus diesem Anlass veranstaltete die Kultusverwaltung einen ‚Bunten Abend’, der zugleich der Feier des 80. Geburtstages galt. Heitere Vorträge, auf die originelle Wesensart des Jubilars gemünzt, wechselten mit musikalischen Darbietungen des Gesangvereins Zion, des Herrn Oberkantors Schwarz, sowie mit Einzelvorträgen in reicher Fülle ab. Herr Kultusvorstand Krämer betonte in seiner gelungenen Ansprache, wie der verehrte Jubilar, unser Mosche, es verstanden habe, zu zeigen, wie man auch der scheinbar unbedeutendsten Aufgabe hohen Wert abringen könne, wie man auch im einfachsten Kreise Wertvolles schaffen kann, wenn man es mit seinen Pflichten ernst nimmt. Herr Lehrer Blum würdigte den Gefeierten in längerer humordurchtränkten Rede als Mensch, Beamten und Kollegen und bezeichnete das Fest als das ‚goldene Hochzeitsfest’ der vor 50 Jahren zwischen Kultusgemeinde und Synagogendiener geschlossenen harmonischen Ehe. Außer einem bedeutenden Geldgeschenk, das von zwei Mitgliedern der Kultusgemeinde unter den hiesigen und ehemaligen Angehörigen der Kultusgemeinde gesammelt worden war, überreichte die Verwaltung dem Senior ihrer Beamten, der in seltener körperlicher und geistiger Frische noch seines Amtes waltet, einen prächtig arrangierten Korb mit Lebens- und Genussmitteln, sowie eine Widmung, in der die vorbildliche Pflichttreue, die peinliche Gewissenhaftigkeit,  die seltene Sachkenntnis, die fast sprichwörtliche Sparsamkeit für die Kultusgemeinde, die anspruchslose humorvolle Bescheidenheit, sowie die wunderbare Treue in der Wahrung und Übermittlung der traditionellen synagogalen Gebräuche und Melodien zum Ausdruck kommen. Möge dem rüstigen Jubelgreis, von dessen Beliebtheit die allgemeine Anteilnahme weitester Kreise beredtes Zeugnis ablegte, noch ein langer, froher, gesunder Lebensabend bescheiden sein."

   
Zum Tod der Witwe von Hauptlehrer Thalmann (1927)    

Ichenhausen Israelit 16061927.jpg (149574 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juni 1927: "Ichenhausen, 25. Mai (1927). Eine fast unübersehbare Menschenmenge zeugte von der Achtung und der Beliebtheit, deren sich Frau Hauptlehrer Thalmann seligen Andenkens in ihrem Leben rühmen konnte, als es galt, die Heimgegangene auf dem Bes olam (Friedhof) zur ewigen Ruhe zu betten. Herr Bezirksrabbiner Dr. Neuwirth zeichnete in zu herzen gehender Weise das Bild dieser seltenen Frau, deren Frömmigkeit sich in einem Leben, reich bewegt durch Glück und Wolkendüster, mannigfach zu bewähren Gelegenheit fand. Auch im Namen des Zweigvereins vom Roten Kreuz stattete er ihr den Dank dieser interkonfessionellen Organisation für ihre langjährige, segensreiche Tätigkeit ab. Für den Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, deren Mitglied im Ausschuss der Ortsgruppe sie war, für den Bikkur-Cholim-Verein (Krankenbesuchsverein) – eine Gründung ihres in der Gemeinde unvergessenen seligen Gatten – sowie für den israelitischen Frauenverein Ichenhausen, dem die Entschlafene mehr als 25 Jahre als 2. Vorsitzende und Kassiererin, zuletzt als Ehrenvorsitzende angehört hatte, sprach ihr Herr Lehrer Blum Dank und Treuegelöbnis aus. In unserer Gemeinde empfindet man die Lücke, die hier der Tod gerissen, allgemein tief und schmerzlich. Eine wackere Frau – Lehrerstochter und Lehrersgattin – eine kluge und eine gute Frau ist zu ihrem Schöpfer gerufen worden; was sie im Dienste von Wohltätigkeit an Toten und Lebenden gewirkt, begleitete sie als ein selten reicher Kranz von duftenden Blüten. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."


Lehrer Blum verlässt die Schule (1927)  

Ichenhausen Israelit 17111927.jpg (98986 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. November 1927: "Ichenhausen, 13. November (1927). Am 1. Januar verlässt Herr Blum, Lehrer an der hiesigen israelitischen Volksschule, nach 6jähriger Tätigkeit die Stätte seiner Wirksamkeit, um in Nürnberg einen Teil des Religionsunterrichtes an den höheren Schulen zu übernehmen. Seinem Scheiden wird allgemein mit großem Bedauern entgegengesehen. Verliert doch in ihm nicht nur die Schule einen begabten, pädagogisch befähigten, mit reichen Kenntnissen jüdischen und profanen Wissens ausgestatteten Lehrer, sondern auch die Gemeinde einen Mann von reinem, lauterem Charakter, der gar oft mit verständnisvollem Sinn sich um die Hebung und Förderung ihrer Interessen und Bestrebungen manches Verdienst erwarb. Und nicht zuletzt verdankt Herr Lehrer Blum die Beliebtheit und Wertschätzung, deren er sich in allen Kreisen der mehr als 100 Familien zählenden Gemeinde erfreut, seinem sanften, milden, wahrhaft vornehmen Wesen, seinem freundlichen Entgegenkommen gegen jedermann."

     
Lehrer Sigmund Hammelburger übernimmt die Stelle in Ichenhausen (1929)  

Muehlhausen BayrGZ 15011929.jpg (15640 Byte)Meldung in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Januar 1929: "Personalien. Die Volksschullehrerstelle Ichenhausen wurde dem Lehrer Sigmund Hammelburger, bisher Lehrer in Mühlhausen (Oberfranken), übertragen."
  
Ichenhausen Hammelburger 010.jpg (50296 Byte)Literaturhinweis zu Lehrer Hammelburger - auf den Foto links mit seiner Frau Hannchen geb. Strauß in Ichenhausen 1938:  
Christian Plätzer: Spuren des fränkisch-jüdischen Lehrers Sigmund Hammelburger und seiner Familie. In: Johann Fleischmann: Mesusa 4 (hrsg. vom Arbeitskreis "Jüdische Landgemeinden in Aisch, Aurach, Ebrach und Seebach". Lebensbeschreibungen und Schicksale. 2004. S. 310-363. Website des Arbeitskreises

  
50. Geburtstag und Auszeichnung von Hauptlehrer Hammelburger (1931)  

Ichenhausen Israelit 17121931.jpg (21899 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Dezember 1931: "Ichenhausen, 13. Dezember (1931). Anlässlich seines 50. Geburtstages wurde Hauptlehrer Hammelburger, dahier, von Herrn Bezirksrabbiner Dr. Neuwirth den Chawer-Titel verliehen."   

  
Die Bezirkskonferenz der israelitischen Lehrer in Schwaben tagt in der jüdischen Schule in Ichenhausen (1936)
     

Ichenhausen BayrIsrGZ 15121936.jpg (364216 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Dezember 1936: "Bericht der Bezirkskonferenz Schwaben. Auf unserer letzten Bezirkskonferenz hatten wir in Augsburg ein sehr gediegenes Referat unseres Kollegen Krämer gehört über das Thema: 'Konzentration des gesamten Volksschulunterrichts unter dem speziellen Gesichtspunkte des Jüdischen'. Nach einem Repetitionskolleg über Ziel, Aufgabe und Zweck aller Erziehung an sich und des 'erziehenden Unterrichtes' im besonderen wurden wir durch Erfahrungstatsachen des Kollegen in seiner 8. Klasse theoretisch von der Durchführbarkeit des genannten Konzentrationsproblems klar überzeugt. Nach einer regen Diskussion, an der sich insbesondere Kollege Hammelburger, Ichenhausen, und Kollege Frank, Fischach, heute in Ichenhausen, beteiligten, beschlossen wir die nächste Bezirkskonferenz in Ichenhausen abzuhalten, um an einem 'Lehrbeispiel' die Probe auf das Exempel machen zu können. Kollege Hammelburger hatte sich hierzu gerne bereit erklärt. Sie ergab es sich, dass wir zum erstenmal außerhalb Augsburgs unsere Fortbildungskonferenz abhielten und zwar in der ehrwürdigen Gemeinde Ichenhausen, in der Schule des Kollegen Hammelburger..." 
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Stand: 02. März 2015