Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Mainz (Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz) 
   
Die neue Synagoge (eingeweiht am 3. September 2010)  

Übersicht:

Abbildungen / Film / Fotos - von den Plänen 1999 bis zur Einweihung am 3. September 2010 
Auf dem Weg zur neuen Synagoge - Presseberichte aus der Zeit vom Dezember 2007 bis zur Einweihung im September 2010  

  
  
  
Abbildungen / Film / Fotos - von den Plänen 1999 bis zur Einweihung am 3. September 2010 

Pläne für die neue Synagoge
 beziehungsweise des neuen 
jüdischen Gemeindezentrums (1999),
 2008-2010 werden sie ausgeführt
Mainz Synagoge Plan 05.jpg (10978 Byte) Mainz Synagoge Plan 06.jpg (19698 Byte)
     
      
Außenansichten - wenige Wochen 
vor der Einweihung 
(Fotos: Hahn, 
Aufnahmen vom 15. Juli 2010)
Mainz Synagoge n444.jpg (136090 Byte) Mainz Synagoge n443.jpg (155002 Byte)
     Die Arbeiten im Außenbereich werden durchgeführt 
        
Mainz Synagoge n440.jpg (130866 Byte) Mainz Synagoge n441.jpg (118158 Byte) Mainz Synagoge n442.jpg (132867 Byte)
  Detailansichten der Fassade
           
        

3. September 2010, 8.30 Uhr: 
Abschied vom alten Betsaal 
und Ausheben der Torarollen
(Fotos: Hahn)

Mainz Synagoge alt 10170.jpg (86240 Byte) Mainz Synagoge alt 10171.jpg (77376 Byte)
   Blick auf das Gebäude, in dem sich bis Anfang September 2010 die 
Räume der jüdischen Gemeinde und der Betsaal befanden
  Foto in hoher Auflösung    
        
Mainz Synagoge alt 10173.jpg (73542 Byte) Mainz Synagoge alt 10172.jpg (74562 Byte) Mainz Synagoge alt 10174.jpg (80377 Byte)
Gedenktafel für die Opfer der 
Shoa aus Mainz - (von 1947)
Der Betsaal ist zum 
Abschiedsgottesdienst überfüllt
Während des Gottesdienstes - 
Blick auf den Toraschrein
   Foto in hoher Auflösung  Foto in hoher Auflösung 
Mainz Synagoge alt 10175.jpg (89719 Byte) Mainz Synagoge alt 10176.jpg (100830 Byte) Mainz Synagoge alt 10177.jpg (103929 Byte)
Blick auf den geöffneten 
Toraschrein
Die Torarollen werden 
ausgehoben
Die Torarollen verlassen das Haus 
des bisherigen Betsaales
Foto in hoher Auflösung Foto in hoher Auflösung Foto in hoher Auflösung
     
        

3. September 2010, 10.00 Uhr: 
Die Einweihung der neuen Synagoge 
  

  
Das Festprogramm 
der Einweihungsfeier
Mainz Synagoge FP 010.jpg (91666 Byte) Mainz Synagoge FP 010a.jpg (143501 Byte)
     
     
Mainz Synagoge neu 10172.jpg (91568 Byte) Mainz Synagoge neu 10173.jpg (87414 Byte) Mainz Synagoge neu10174.jpg (105351 Byte)
Die neue Synagoge im frühen Morgenlicht des Einweihungstages - der rote Teppich wird die Ehrengäste wird ausgerollt.
Auf der Eingangstüre steht "Meor Hagola - Beth Knesset Magenza" ("Leuchte der Diaspora - Synagoge Mainz") in Erinnerung an den großen Mainzer Gelehrten Gerschom ben Jehuda (960-1028), der den Beinamen "Meor Hagola" trug. 
  Foto in hoher Auflösung   Foto in hoher Auflösung   Foto in hoher Auflösung  
      
Mainz Synagoge neu 10174.jpg (93975 Byte) Mainz Synagoge neu 10176.jpg (92964 Byte) Mainz Synagoge neu 10205.jpg (94519 Byte)
Einzug der Ehrengäste: vorne Bundespräsident Wulff mit Ministerpräsident Beck, dahinter Vorsitzende Knobloch und Vorsitzende Schindler-Siegreich Der "Chorale Juive de France" 
mit Cantor Raphael Cohen und 
dem Dirigenten Hector Sabo 
umrahmte die Feier mit Chorgesang
 
Blick in die Synagoge - 
die Anwesenden stehen 
zum Einzug der Torarollen
 
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Mainz Synagoge neu 10175.jpg (114067 Byte) Mainz Synagoge neu 10177.jpg (87854 Byte) Mainz Synagoge neu 10178.jpg (83827 Byte)
Feierlicher Einzug 
der Torarollen
Nach einer Umrundung der Bima (mit dem Toralesepult) werden die 
Torarollen in den Toraschrein eingestellt.
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Mainz Synagoge neu 10179.jpg (88489 Byte) Mainz Synagoge neu 10180.jpg (102036 Byte) Mainz Synagoge neu 10181.jpg (88295 Byte)
Rabbiner Julian-Chaim Soussan 
bläst den Schofar nach der 
Einhebung der Torarollen
Entzünden des Ner Tamid (Ewiges Licht) durch die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Mainz Stella Schindler-Siegreich Grußwort des 
Bundespräsidenten 
Christian Wulff
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Mainz Synagoge neu 10182.jpg (87305 Byte) Mainz Synagoge neu 10183.jpg (68278 Byte) Mainz Synagoge neu 10184.jpg (76455 Byte)
Grußwort von 
Ministerpräsident Kurt Beck
Kantor 
Raphael Cohen 
Grußwort von 
Oberbürgermeister Jens Beutel
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Mainz Synagoge neu 10185.jpg (96325 Byte) Mainz Synagoge neu 10187.jpg (70643 Byte) Mainz Synagoge neu 10188.jpg (63553 Byte)
Offizielle Schlüsselübergabe durch 
den Architekten Manuel Herz
Eintrag in das "Goldene Buch" der 
Stadt Mainz: Bundespräsident Wulff
Vorsitzende des Zentralrates der Juden 
in Deutschland: Charlotte Knobloch
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Mainz Synagoge neu 10189.jpg (67062 Byte) Mainz Synagoge neu 10190.jpg (69000 Byte) Mainz Synagoge neu 10191.jpg (68471 Byte)
Ministerpräsident Kurt Beck Vorsitzende Stella Schindler-Siegreich Architekt Manuel Herz
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Mainz Synagoge neu 10192.jpg (61722 Byte) Mainz Synagoge neu 10193.jpg (635889 Byte)  
Dr. Fritz Weinschenk 
(geb. 1920 in Mainz)
Bundespräsident Christian Wulff 
und Oberbürgermeister Jens Beutel
 
Foto in hoher Auflösung      
      
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Blick in die 
Synagoge
Blick auf die Wand 
über dem Toraschrein
Blick auf den Toraschrein, 
links das "Ewige Licht"
Foto in hoher Auflösung  Foto in hoher Auflösung  Foto in hoher Auflösung 
     
Mainz Synagoge neu 10196.jpg (98230 Byte) Mainz Synagoge neu 10197.jpg (122306 Byte) Mainz Synagoge neu 10198.jpg (71974 Byte)
Das "ewige Licht" (Ner tamid) Der Grundstein Vorlesepult für die Tora
Foto in hoher Auflösung  Foto in hoher Auflösung  Foto in hoher Auflösung 
     
Mainz Synagoge neu 10199.jpg (68434 Byte) Mainz Synagoge neu 10201.jpg (115817 Byte) Mainz Synagoge neu 10202.jpg (113350 Byte)
Im Gemeinderaum 
neben der Synagoge
Im Hof des Gemeindezentrums - Empfang der Gäste 
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Foto in hoher Auflösung      
     
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 Nach der Feier vor 
der neuen Synagoge  
 Zwei ergänzende Fotos - ein Jahr nach der Einweihung am 4. September 2011 
(Fotos: Michael Ohmsen, Fotoseite zu Mainz)   
 Foto in hoher Auflösung  Foto oben in hoher Auflösung   Foto oben in hoher Auflösung  

      
    
Hinweise auf You-Tube-Filme   

Ankunft des Bundespräsidenten Christian Wulff
     
Prozession vom alten Betsaal zur neuen Synagoge
     
Vor der neuen Synagoge
 
Video: Architektur: Worte zu Wänden - die Neue Synagoge in Mainz (2011)  
 
     

   
   
   
Auf dem Weg zur neuen Synagoge - Presseberichte vom Dezember 2007 bis zur Einweihung am 3. September 2010     

Ende Dezember 2007:  Synagogenbau rückt näher -  Nachtragsetat könnte Finanzierungslücke schließen
Artikel von Bernd Funke in der "Allgemeinen Zeitung" (Rhein-Main-Presse) vom 20. Dezember 2007: 
"Synagogenbau rückt näher -  Nachtragsetat könnte Finanzierungslücke schließen. 
In das Bauvorhaben "Gemeindezentrum mit Synagoge" nach Plänen des Kölner Architekten Manuel Herz in der Hindenburgstraße kommt Bewegung. Gestern trafen sich Jüdische Gemeinde, Kuratorium zur Förderung des Jüdischen Gemeindezentrums, die Vorsitzenden der Stadtratsfraktionen und Vertreter der Stadtspitze zu einem Gespräch, über dessen Ergebnis Vertraulichkeit vereinbart wurde. Dem Ziel, die derzeitige Finanzierungslücke von etwa 1,4 Millionen Euro zu schließen, kam man nach AZ-Informationen dabei sehr nahe. So nahe, dass bereits der 9. November 2008 als mögliches Datum für den Spatenstich für das Gemeindezentrum und die Synagoge, für die bereits die Baugenehmigung vorliegt, genannt wurde. Bislang hat die Stadt 3,6 Millionen Euro im Haushalt verankert und damit ihre bereits vor Jahren gegebene Zusage eingehalten. Das Land ist zudem bereit, von den Gesamtkosten von rund 10 Millionen Euro die Hälfte zu übernehmen. Die Finanzierungslücke von 1,4 Millionen Euro könnte die Stadt durch einen Nachtragshaushalt schließen, der die Aufnahme eines Kredits in dieser Höhe beinhaltet. Das Land habe, so AZ-Informationen, bereits signalisiert, diesen Nachtragshaushalt genehmigen zu wollen. Jetzt sollen sich die Fraktionen mit dem Lösungsvorschlag auseinandersetzen. In der Februar-Sitzung des Stadtrats könnte der Nachtragshaushalt diskutiert und beschlossen werden. Um das Treffen hatten Jüdische Gemeinde und Kuratorium, die eine fünfköpfige Arbeitsgruppe gebildet haben, gebeten. Seit einem Jahr verhandelt sie mit Land, Bundesanstalt für Immobilien, Bundesfinanzministerium und den drei Mainzer Bundestagsabgeordneten. Zuschüsse des Bundes sind nicht zu erwarten, da inzwischen die Länder allein für Kultusangelegenheiten zuständig sind. Allerdings wird die Bundesanstalt für Immobilien für das Grundstück weniger verlangen, als veranschlagt." 
   
Ende Februar 2008: Klares Votum für die Synagoge - Stadtrat wertet Neubau als historische Chance / Nur drei Gegenstimmen
Artikel von Werner Wenzel in der "Allgemeinen Zeitung" (Rhein-Main-Presse) vom 21. Februar 2008:    
"Klares Votum für die Synagoge - Stadtrat wertet Neubau als historische Chance / Nur drei Gegenstimmen
Mainz erhält ein jüdisches Gemeindezentrum und eine Synagoge. Mit der Verabschiedung des Nachtragshaushalts stimmte der Stadtrat gestern mit überwältigender Mehrheit für den Neubau und die Erhöhung des städtischen Zuschusses von 3,6 auf 5 Millionen Euro. 
Zum dritten Mal in diesem Jahrhundert stehe der Bau einer neuen Synagoge zur Entscheidung, sagte Oberbürgermeister Jens Beutel (SPD) vor der Abstimmung und erinnerte an die am 9. November 1938 von den Nazis zerstörte Synagoge von 1912, die ebenfalls an der Hindenburgstraße stand. Dort soll nun, "als Bauwerk der Hoffnung", auch die neue Synagoge nach den im Rat vielfach gelobten Entwürfen von Manuel Hertz entstehen. Im Rat gab es eine sehr breite Mehrheit für das Projekt, das nun für knapp 10,2 Millionen Euro, davon je fünf Millionen von Stadt und Land, gebaut werden kann. FDP und ÖDP/Freie Wähler, die im Finanzausschuss noch Bedenken geäußert hatten, stellten diese hinter den politischen Erwägungen und der historischen Chance zurück. Für die CDU hatte Fraktionsvorsitzende Dr. Andrea Litzenburger den Beschluss unter anderem als Zeichen der "moralischen Verantwortung des Rates" gewertet und appelliert, "finanzielle Fragen nicht in den Vordergrund" zu stellen. "Wer das diskutiert", so Litzenburger, "ist sich der historischen Tragweite des Beschlusses nicht bewusst". SPD-Fraktionsvorsitzender Oliver Sucher sprach von einem "erneuten wichtigen öffentlichen Bekenntnis des Rates, beim Wiederaufbau zu helfen" und nannte den für die Grundsteinlegung ins Auge gefassten 70. Jahrestag der Reichspogromnacht ein richtiges Ausrufezeichen. Der Beharrlichkeit der Kuratoriums um Herbert Heidel und der Geduld der jüdischen Gemeinde zollte Fraktionssprecher Günter Beck von den Grünen Respekt. Er bedaure die erneute finanzpolitische Diskussion. Er hoffe, dass die Mainzer wie 1912 die Synagoge als "unsere Synagoge" annehmen, sagte FDP-Fraktionsvorsitzender Christopher Sitte. "70 Jahre sind des Wartens auch genug", sagte Herbert Egner (ÖDP/Freie Wähler). 
Stephan Stritter (Republikaner) lieh sich finanzpolitische Argumente von FDP und ÖDP/Freien Wählern, um das Nein der drei Rep-Stadträte zu begründen, obwohl diese grundsätzlich für den Synagogenbau an dieser Stelle seien. Dazu sagte unter Applaus auch aus den anderen Fraktionen CDU-Fraktionsvorsitzende Litzenburger: "Ich bedaure sehr, dass die Debatte beschmutzt wurde. Sie haben aus der Geschichte nichts gelernt." 
Erleichtert sprach nach der Abstimmung Stella Schindler-Siegreich, Vorsitzende der Mainzer jüdischen Gemeinde, von einer "historischen Entscheidung" für Mainz, das bisher als einzige Landeshauptstadt nicht über ein jüdisches Gemeindezentrum verfüge.     
  
Anfang August 2008:   Gemeinde für "Synagogenplatz"    
Artikel von Bernd Funke in der "Allgemeinen Zeitung" (Rhein-Main-Presse) vom 7. August 2008 (Artikel):  
"Gemeinde für "Synagogenplatz". 
Nach Plänen des Kölner Architekten Manuel Herz soll in der Hindenburgstraße dieser Neubau entstehen. Als Adresse für das geplante Gotteshaus hat die jüdische Gemeinde "Synagogenplatz" vorgeschlagen. Die Diskussion um die Benennung des Standorts für die geplante Synagoge nähert sich möglicherweise ihrem Ende. Als zukünftige Adresse steht der Vorschlag "Synagogenplatz" im Raum.   

Streit war darüber entbrannt, ob es der Jüdischen Gemeinde zuzumuten sei, als postalische Anschrift ihres Gemeindezentrums "Hindenburgstraße" angeben zu müssen. "Immerhin war Reichspräsident Hindenburg der deutsche Politiker, der den Nationalsozialisten Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt hat", erinnert Neustadt-Ortsvorsteher Gerhard Walter-Bornmann (SPD). Um für die Jüdische Gemeinde (die selbst nie auf eine Umbenennung der Hindenburgstraße gedrängt hatte) eine andere Adresse zu ermöglichen, beschloss der Ortsbeirat Neustadt, die Stadtverwaltung darum zu bitten, eine Umbenennung zu prüfen (die AZ berichtete). Die anschließende Diskussion wurde überaus kontrovers geführt, brachte aber letztlich den Vorschlag, den Platz an der Ecke Josefsstraße/ Hindenburgstraße, auf dem am 9. November erster Spatenstich für die neue Synagoge sein soll, mit einem Namen zu versehen. Ortsvorsteher Walter-Bornmann bat die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Stella Schindler-Siegreich, einen Vorschlag für die Benennung zu machen. Walter-Bornmann: "Mitte Juli teilte Frau Schindler-Siegreich mit, dass der Vorstand der Jüdischen Gemeinde beschlossen habe, dem Ortsbeirat zu empfehlen, der Stadtverwaltung vorzuschlagen, den neuen Platz `Synagogenplatz` zu nennen." 
Am 13. August soll der Ortsbeirat, so hat der Ortsvorsteher Oberbürgermeister Jens Beutel (SPD) vorgeschlagen, über den Tagesordnungspunkt "Zukünftige Adresse der geplanten Synagoge" beraten. Gleich zu Beginn der Sitzung, obwohl in der Einladung erst als Tagesordnungspunkt 5 aufgeführt. Walter-Bornmann: "Ich hoffe und bin guter Dinge, dass diese Frage im großen Einvernehmen beraten und entschieden wird."  
  
August 2008: Start für Synagoge nicht am 9.11.  
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung" (Rhein-Main-Presse) vom 9. August 2008 (Artikel): 
"Start für Synagoge nicht am 9.11.  
mon. Der Grundstein für die neue Mainzer Synagoge wird nun doch nicht am 9. November gelegt. Eine entsprechende AZ-Information bestätigte die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Stella Schindler-Siegreich, am Freitag auf Anfrage. Der symbolische Baubeginn in Anwesenheit von Charlotte Knobloch, Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, und von Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) soll nun am 23. November stattfinden. 
Grund ist die zentrale Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag der Reichspogromnacht am 9. November in Berlin, an der sowohl Knobloch als auch Beck teilnehmen. In der Hindenburgstraße soll ein neues Jüdisches Gemeindezentrum am Standort der früheren Synagoge entstehen, die 1938 niedergebrannt wurde. An diesem Mittwoch wird der Ortsbeirat Neustadt über die Neubenennung des Platzes vor dem Gemeindezentrum beraten. Die Jüdische Gemeinde gab auf Anfrage von Ortsvorsteher Gerhard Walter-Bornmann die Empfehlung ab, das Areal "Synagogenplatz" zu nennen. 
  
Oktober 2008: Bürohaus auf Synagogen-Grundstück wird abgebrochen   
Artikel von Monika Nellessen in der "Allgemeinen Zeitung" (Rhein-Main-Presse) vom 22. Oktober 2008 (Artikel):  
"Abriss auf Synagogen-Grundstück - Bürohaus wird ab heute niedergelegt/ Jüdisches Gemeindezentrum bis 2010  
Heute ist ein wichtiger Tag für den Neubau der Synagoge. In der Hindenburgstraße 44 beginnt der Abriss des früheren Hauptzollamtes. Damit wird der Platz 70 Jahre nach Zerstörung der Synagoge durch die Nazis für das geplante Jüdische Gemeindezentrum frei. 
"Der Wiederaufbau von Mainz ist erst vollendet, wenn es in der Innenstadt wieder eine Synagoge gibt." In diesem Satz fasst Heinz Laubach vom Kuratorium für den Neubau des Jüdischen Gemeindezentrums die Bemühungen der vergangenen Jahre zusammen. Und stolz vermeldet Herbert Heidel, Vorsitzender des Kuratoriums: "Bereits seit Ende September ist die Jüdische Gemeinde wieder im Besitz des Areals in der Hindenburgstraße." Auf AZ-Anfrage stellten Heidel und Laubach mit Kuratoriumsmitglied und Alt-Oberbürgermeister Herman-Hartmut Weyel und Stella Schindler-Siegreich, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, den Planungsstand vor. 
Bis zur Grundsteinlegung am 23. November, an der Charlotte Knobloch, Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, teilnehmen wird, soll das 3800 Quadratmeter große Gelände von den Altbauten befreit sein. Eine Asbestbelastung des bisherigen Bürogebäudes erschwert den Abriss. Weyel ist stolz, trotzdem im Kostenrahmen zu bleiben. Für 2,5 Millionen Euro wurde das Grundstück erworben, eine weitere Million Euro für Baunebenkosten ausgegeben. Insgesamt soll das Jüdische Gemeindezentrum mit einer Gesamtfläche von 2400 Quadratmetern nicht mehr als 10,5 Millionen Euro kosten. Ein ehrgeiziges Unterfangen, waren doch schon vor zehn Jahren Baukosten von 21 Millionen Mark für den preisgekrönten Entwurf des Architekten Manuel Herz veranschlagt. 
Bald nun laufen die Ausschreibungen für Rohbau, Haustechnik und Innenausbau. In der zweiten Januarhälfte soll mit dem Neubau begonnen werden. Die Bauleitung hat die MAG, das Baseler Büro von Manuel Herz wird mit einem Architekten präsent sein. Als Termin für die Einweihung ist Frühjahr 2010 vorgesehen. Je fünf Millionen Euro steuern Stadt und Land bei, nachdem sich der Plan zerschlagen hatte, die Kosten mit dem Bund zu dritteln. Dies lehnte der Bund mit Hinweis auf die Kulturhoheit der Länder ab. 
"Ohne die drei Herren, die mit dem Vorstand der Jüdischen Gemeinde auch die Baukommission bilden, hätten wir all dies nicht geschafft", dankte Schindler-Siegreich Heidel, Laubach und Weyel. Sie erinnerte zugleich daran, dass auch die Jüdische Gemeinde finanzielle Vorleistungen erbracht habe, so habe sie den Entwurf von Manuel Herz für 140000 Euro angekauft. Vor allem aber wird die Gemeinde die Kosten für künstlerische Ausgestaltung und Innenausstattung in Höhe von einer Million Euro übernehmen. Dafür läuft derzeit eine Spendenaktion.  
Schindler-Siegreich betonte, das neue Gemeindezentrum werde nicht nur den rund 1000 Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde offen stehen. So gibt es neben der nach Osten ausgerichteten 335 Quadratmeter großen Synagoge mit ihrem charakteristischen asymmetrischen Lichtturm einen 341 Quadratmeter großen Veranstaltungssaal für Lesungen, Konzerte und Vortragsveranstaltungen. Auch soll ins Gebäude die Jüdische Bücherei mit 5500 Bänden umziehen, die bislang in der Universität untergebracht ist. 
   
November 2008:  Umbenennung der Hindenburgstraße im Bereich der neuen Synagoge  
Artikel von Michael Heinz im Main-Rheiner (Allgemeine Zeitung) vom 22. November 2008: 
Neue Adresse für Synagoge - Kulturausschuss stimmt gegen Umbenennung der Hindenburgstraße 

Bei einer Gegenstimme von Gunther Heinisch (Grüne) hat der Kulturausschuss dafür votiert, von der Umbenennung der Hindenburgstraße (die AZ berichtete) abzusehen. "Hindenburg war ein Totengräber der Weimarer Republik und Wegbereiter Hitlers", kritisierte Heinisch. "Die Vorstellung, dass die neue Synagoge die Adresse `Hindenburgstraße` haben wird, wäre geschmacklos", pflichtete ihm Elisabeth Kilali (SPD) bei. Allerdings hatte das Gremium zuvor einstimmig die Empfehlung ausgesprochen, den Platz vor dem Neubau "Synagogenplatz" zu nennen. Laut Kilali finden sich weitere Persönlichkeiten auf Mainzer Straßenschildern, nach denen man heute keine Straßen mehr benennen würde - "etwa Adam Karrillon". Marianne Kunkel (CDU) findet es "nicht in Ordnung, dass man die alten Zeiten ausgräbt - wir sind gegen die Umbenennung". Ähnlich argumentierte Cornelia Willius-Senzer (FDP). Kulturdezernent Peter Krawietz (CDU) merkte an, es gebe in vielen Städten nach Hindenburg benannte Straßen und Plätze - "Historiker sehen das sehr unterschiedlich". 
  
November 2008: Rückblick auf den "langen Weg zur neuen Mainzer Synagoge"   
Artikel von Anton Maria Keim in der "Allgemeinen Zeitung" (Main-Rheiner) vom 22. November 2008 (Artikel):  
"Wer nicht an Wunder glaubt, der ist kein Realist. Der frühere Kulturdezernent Anton Maria Keim ruft den langen Weg zur neuen Mainzer Synagoge in Erinnerung.    
Schon 1962 wurde einmal ein Grundstein für eine neue Mainzer Synagoge gelegt. Daran erinnert der frühere Kulturdezernent Dr. Anton Maria Keim im zweiten, noch unveröffentlichten Teil seiner Erinnerungen über seine "Mainzer Jahre", aus dem dieser Auszug stammt. Der Juni 1962 war der Höhepunkt der Mainzer Zweitausendjahrfeier. Eine "Jüdische Woche", von der Stadt und der kleinen jüdischen Gemeinde vorbereitet, sollte am Anfang stehen. Etwa hundert Einladungsbriefe waren in viele Länder gegangen. Es gab nur wenige Antworten. Ein knappes Dutzend jüdischer Mainzer wollten kommen: aus Israel, Südamerika und den Vereinigten Staaten. Im Spiegelsaal des Kurfürstlichen Schlosses gab Oberbürgermeister Franz Stein einen Empfang. Ich erinnere mich an bewegende Gespräche mit den Gästen, den emigrierten, den durch Glücksfälle geretteten. Das eigentliche Zeichen dieser Woche sollte die Grundsteinlegung für eine neue Synagoge sein. Er wurde am Montag, dem 18. Juni 1962 an der Forsterstraße gelegt. Die Mainzer nahmen regen Anteil. Optimismus beherrschte die kleine jüdische Gemeinde, die im September 1947 in der Feldbergschule eine Synagoge eingeweiht hatte - im Beisein von Oberbürgermeister Dr. Emil Kraus, hohen französischen Offizieren und Vertretern der Kirchen. Als "Bekundung des jüdischen Lebenswillens" beurteilte ein internationaler jüdischer Repräsentant diesen Festakt. Und in großer Aufmachung berichtete der "Neue Mainzer Anzeiger".  Noch waren Terror und Deportation in frischer Erinnerung. Und neben den unter aller Augen durchgeführten drei großen Todeszügen hatten viele Mainzer das Bild vor Augen als am 10. Juli 1945 - gerade löste die französische Militärregierung die amerikanische ab - der Bus meines Ebersheimer Onkels Nikolaus Nauth mit der Aufschrift "Goldenes Mainz", der in Friedenszeiten Wallfahrer nach Marienthal und Walldürn transportierte, 24 überlebende rheinhessische Juden aus Theresienstadt in das zerbombte Mainz zurückbrachte. Er hatte Schreckliches in der Ghettostadt der Nazis gesehen. Nur wenige wollten in der alten "Heimat" bleiben. Auf Antrag des Kulturdezernenten Michael Oppenheim, selbst ein überlebender Jude, hatte der französische Stadtkommandant am 9. November umgehend die Genehmigung zur Gründung einer jüdischen Gemeinde gegeben. Am 17. November 1945 konstituierte sich im Pulverturm, dem damaligen Sitz der Stadtverwaltung, eine jüdische Gemeinde. Die Grundsteinlegung für eine neue Synagoge im Juni des Jubiläumsjahres 1962 sollte, so Landesrabbiner Dr. Roth, "ein neues Fundament für den Geist der Liebe und der Toleranz" bekunden. Ich durfte damals für den Südwestfunk und die heutige Allgemeine Zeitung ausführlich berichten: "Die Urkunde aus Hirschfellpergament, mit Gallapfeltinte in deutsch und hebräisch geschrieben, ist ein Dokument der jüngsten deutschen Geschichte." Aus dem Text der Urkunde: "Nachdem in der Zeit von 1933 bis 1945 sechs Millionen Juden umgebracht worden sind, sind einige wenige krank und gebrochen aus den Konzentrationslagern nach Mainz zurückgekehrt, um sich langsam wieder zu einer Gemeinde zusammenzufinden." Nach vorübergehender Unterkunft in der Turnhalle der Feldbergschule war das Gemeindehaus an der Forsterstraße mit einem Betsaal errichtet worden, das inzwischen jedoch zu klein geworden ist.  Die Grüße des Ministerpräsidenten überbrachte Justizminister Westenberger: Der Grundstein sei ein Samenkorn für einen neuen Baum in der Mainzer Erde. "Möge niemals mehr Hass, Stumpfsinn und Unnatur über uns hereinbrechen," rief Oberbürgermeister Stein unter großem Beifall aus. Am Rande betonten allerdings fast alle Festredner, die Finanzierung der neuen Synagoge sei noch nicht gesichert. Der Optimismus der Grundsteinlegung schwand sehr bald. Die Gemeinde blieb klein, sie hatte nur wenig über hundert Angehörige. Auch Mainzer Juden "saßen auf gepackten Koffern". 
Meine Dissertation von 1953 zur Entwicklung der jüdischen Emanzipationsgeschichte, die Dissertation des Theologen Otto Böcher über den jüdischen Friedhof von Worms und die Chronik der Mainzer Juden von Professor Rapp (1977) blieben Außenseiter. 
Als eine wahre Sensation nahmen sich die unter der Schirmherrschaft des israelischen Botschafters Meroz im Rathaus veranstalteten beiden stadthistorischen Ausstellungen "Juden in Mainz" (1978 und 1979) aus. Sie waren Publikumsmagnete und lösten bis in die Schulen großes Interesse aus. Und es gab wichtige Zeichen der Versöhnung aus dem Rathaus: 1991, 1992, 1993 und 1994 fanden Begegnungswochen mit Mainzer Juden aus vielen Ländern statt. Die vierte Begegnungswoche vom 31.August bis zum 7. September 1994 gab einen wichtigen Impuls für Mainz und seine Juden. Es ist fast vergessen: Am Montag, den 4. September 1995, nach einem festlichen Essen im Hotel Ibis, kam im Gespräch zwischen der bereits designierten Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Esther Epstein, dem Bundestagsabgeordneten Johannes Gerster und mir als Kulturdezernenten die Idee auf, ein Kuratorium für ein neues jüdisches Gemeindezentrum und eine Synagoge ins Leben zu rufen. Ich gestehe: Die Skepsis der jüdischen Seite dämpfte unseren Optimismus. Aber die Zuwanderung der so genannten Kontingentsflüchtlinge aus Russland und die räumlichen Zwänge der schnell wachsenden Gemeinde drängten zu einer solchen Initiative. Das noch in Jahresfrist zustande gekommene Kuratorium wuchs zu einer der prominentesten Bürgerinitiativen. Bischof Lehmann trat spontan bei, ebenso der Chefredakteur der Allgemeinen Zeitung, der Oberbürgermeister sowie SWR-Direktor Rosenbaum. Als Gerster nach Jerusalem wechselte, übernahm Herbert Heidel mit Elan den Vorsitz. 
Dass der "harte Kern" bis zur Grundsteinlegung am 23. November 2008 über mancherlei Irritationen und Enttäuschungen beharrlich blieb, scheint mir wie ein Wunder. Der ehemalige Oberbürgermeister Herman Hartmut Weyel und der Architekt Heinz Laubach waren in diesem Quartett wahre Glücksfälle auf der Suche nach Standort und Finanzierung. Der Schlussstein aller Vordiskussionen war die Entscheidung des von der Stadt ausgelobten Wettbewerbs, an dessen Ende der Entwurf von Manuel Herz stand. Vergessen ist die Standortsuche: eine aufgelassene Kirche der Mainz verlassenden Amerikaner, die Ruine von Sankt Christoph, die Hälfte des Proviantmagazins in der Schillerstraße. Der 1988 zufällig aufgefundene Portikus der 1938 gesprengten Synagoge in der Hindenburgstraße wurde zum "Statthalter" für die neue.  Bei einer Kuratoriumssitzung 1996 meinte Ignatz Bubis, der ehemalige Präsident des Zentralrats der Juden, das könne zehn Jahre dauern... Sonst wäre es ein Wunder. Es sind fast fünfzehn Jahre geworden. Man sollte denken: wer in solchen Dingen nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist. 
 
November 2008: Grundsteinlegung für die neue Synagoge 
Artikel von Werner Wenzel im "Main-Rheiner" (Allgemeine Zeitung) am 24. November 2008
"Jüdisches Leben wird wieder sichtbar" - Grundstein für Mainzer Synagoge gelegt - Gotteshaus und Gemeindezentrum für 400 Menschen. Zur Grundsteinlegung kamen auch Ministerpräsident Kurt Beck und Charlotte Knobloch. dpa
Mainz. 500 Mainzer und viele Gäste aus aller Welt waren gestern in die Hindenburgstraße in die Mainzer Neustadt gekommen, um die Grundsteinlegung der neuen Synagoge mitzuerleben - an der Stelle, wo vor 70 Jahren die Mainzer Hauptsynagoge von den Nazis niedergebrannt wurde. "Wir sollten uns sehr darüber freuen, dass jüdisches Leben wieder sichtbar wird", sagte Charlotte Knobloch, Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, zum Baubeginn des neuen Synagogenzentrums nach dem "mutigen Entwurf" von Manuel Herz. Die Vorsitzende der Mainzer Jüdischen Gemeinde, Stella Schindler-Siegreich, sprach von einem "tief bewegenden Ereignis", einem Augenblick der "durch die Erinnerung an die schmerzliche Vergangenheit, aber auch besonders durch Freude, Dankbarkeit und Hoffnung geprägt" sei. "Der Weg bis zur Grundsteinlegung war ein langer, ein beschwerlicher", sagte sie. Am Standort der ehemaligen Synagoge entstehe ein "Bauwerk der Hoffnung, der Lebendigkeit, der Zukunftsfreude und Kommunikation und zugleich ein Zeichen der Erinnerung, ohne zum Mahnmal zu erstarren", sagte Oberbürgermeister Jens Beutel. Neben dem Gotteshaus entstehen auf dem Grundstück in der Neustadt auch ein Gemeindezentrum für 400 Menschen samt Bibliothek. Die Baukosten von zehn Millionen Euro teilen sich Land und Stadt. 
        
Januar 2009: Neu: Der "Synagogenplatz"   
Artikel von Bernd Funke im "Main-Rheiner" (Allgemeine Zeitung) vom 28. Januar 2009     
Gemeindezentrum hat eine Anschrift -  Am Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz "Synagogenplatz"-Schild enthüllt
MAINZ. Zwei Monate nach der Grundsteinlegung für den Bau der neuen Synagoge auf dem Eckgrundstück Hindenburg-/Josefstraße wurde gestern mit der Enthüllung eines Straßenschilds deren künftige postalische Adresse festgelegt: Synagogenplatz.  
Der Tag der Namensgebung war bewusst gewählt: Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz von Rotarmisten befreit. Auf dieses historische Ereignis nahm Oberbürgermeister Jens Beutel (SPD) Bezug, als er vom kaum vorstellbaren Leid sprach, "das Menschen anderen Menschen zugefügt haben", vom millionenfachen Mord und schrecklicher Vergangenheit. Aber Beutel erklärte auch, dass aus dem Gedenken an diese Vergangenheit "viel Gutes, Bereicherndes, Stärkendes und Unverzichtbares" erwachse. 
Vor zahlreichen Gästen stellte Beutel fest: "Heute setzen wir in Erinnerung an die Vergangenheit namentlich ein Zeichen gegen das Vergessen und für die Lebendigkeit des jüdischen Lebens und der jüdischen Kultur in dieser Stadt." Der "Synagogenplatz" werde, so der Oberbürgermeister, nicht nur Standort für das neue Gebetshaus, das jüdische Gemeindezentrum und Treffpunkt für alle Gläubigen und Gemeindemitglieder, "sondern mit seinen Einrichtungen auch Teil des öffentlichen Lebens unserer Stadt". 
Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Rheinland-Pfalz, Dr. Peter Waldmann, dankte, dass der Jüdischen Gemeinde durch die Benennung des Platzes in "Synagogenplatz" letztlich "die Peinlichkeit erspart" worden sei, die Hindenburgstraße als Anschrift für das Gemeindezentrum führen zu müssen, denn Generalfeldmarschall Hindenburg sei auch Repräsentant der "äußersten Rechten" gewesen. Waldmann: "Durch die heutige Benennung des Platzes sind wir vom Schatten der Vergangenheit befreit." Kulturdezernent Peter Krawietz (CDU) sprach vom "genau richtigen Zeitpunkt" der Benennung, die auf der einen Seite als Zeichen gegen das Vergessen, auf der anderen als Neubeginn für die Jüdische Gemeinde und das jüdische Leben in Mainz zu werten sei. Mit dem architektonisch anspruchsvollen Neubau der Synagoge und des Gemeindezentrums (Baubeginn soll im nächsten Monat sein) werde nicht nur eine Wunde geheilt, sondern auch eine städtebauliche Lücke geschlossen. 
Der Dank des Kulturdezernenten galt auch der Jüdischen Gemeinde. Sie habe dem Ortsbeirat Neustadt die "umsichtige Empfehlung" gegeben, den Namen "Synagogenplatz" zu wählen. Krawietz zitierte den Religionsphilosophen Martin Buber, der gesagt habe: "Alles wirkliche Leben ist Begegnung." Krawietz: "Ich würde mich freuen, wenn der Synagogenplatz eine Stätte der Begegnung wird. Eine Stätte, die die Menschen zusammenführt und zum Dialog einlädt." Bevor das Straßenschild enthüllt wurde, erinnerte Gerhard Walter-Bornmann (SPD), Ortsvorsteher der Neustadt, an den Weg der Namensgebung. Wer sich an die Zerstörung der Synagoge durch die Nationalsozialisten erinnere, die an gleicher Stelle stand, wisse, dass "dieser Ort nicht nur ein Ort der Freude ist". Die eigenwillige Architektur und der "Kern jüdischer Kultur werden hier zu erläutern sein", fügte Walter-Bornmann hinzu.
   
Anfang März 2009: Architekt Manuel Herz stellt die Pläne für den Synagogenbau vor 
Artikel von Jens Hofmann im "Main-Rheiner" (Allgemeine Zeitung) vom 7. März 2009   
Dreiklang der Religionen wird vollendet - Synagogen-Architekt Manuel Herz stellt seine Ideen vor/Zuhörer von Planung begeistert.  
NEUSTADT. Seine Ideen zum Bau der neuen Synagoge stellte Architekt Manuel Herz bei der katholischen Gemeinde St. Bonifaz auf Einladung der Magenza-Stiftung für Jüdisches Leben und Ortsvorsteher Gerhard Walter-Bornmann (SPD) vor.  Die markante Dachlinie des Gemeindezentrums zeichnet mit das hebräische Wort für "erhöhen" nach. Sein Grundriss folgt der gebogenen Form des Signalhorns "Schofar", das für die Verbindung des Menschlichen mit dem Göttlichen steht. Beides vereint sich zu einer einzigartigen äußeren Form mit verwinkelter Silhouette. Dominierend wirkt die nach jüdischer Bautradition gen Osten ausgerichtete Synagoge. Deren imposanter, 26 Meter hoher Lichteinlass leitet durch seine nach unten zusammenlaufenden Fluchten Sonnenlicht in die Mitte des bis zu 400 Menschen fassenden Synagogenraums. "Das Lichtfenster wird die Synagoge prägen, sich jedoch nicht sofort von jedem Platz direkt erschließen", sagte Herz.
Das Spiel mit Perspektiven und neuen Blickwinkeln ist ideengebend für den gesamten Entwurf des Architekten. Im Innenraum ermöglicht die unruhige Dachlinie lange Blickfluchten. Bei der Außenfassade fiel die Materialwahl auf grün glasierte Keramik mit geriffelter Struktur, die je nach Tageszeit verschiedene Lichtreflexionen und Eindrücke erzeuge, sagte Herz. Städtebaulich hat sich der Architekt an die Umgebung in der Neustadt angepasst, indem er mit dem westlichen Gebäudeflügel an der Gabelsbergerstraße der ortsüblichen Blockrandbebauung folgt. In diesem Gebäudeteil befinden sich auf zwei Etagen Büro-, Seminar- und Konferenzräume sowie ein großer Veranstaltungssaal - ein Bereich, in dem die Jüdische Gemeinde auch zum interreligiösen und interkulturellen Dialog einladen will.
Der Synagogenplatz mit dem Haupteingang verbindet das Gemeindezentrum mit der Öffentlichkeit. Der Vorplatz sei als "öffnende Geste und öffentlicher Raum", der Synagogeninnenhof hingegen als "schützende Geste für die Gemeinde, als introvertierter Raum" zu verstehen, erklärte Herz. "Das Gemeindezentrum repariert den Bereich, der seit der Zerstörung der Hauptsynagoge fragmentiert gewesen ist. Die neue Synagoge steht somit auch für Zerstörung und Hoffnung." Das Jüdische Gemeindezentrum solle "den Dreiklang der Religionen aus Dom, Christuskirche und Synagoge wiederherstellen", sagte Herz.
Aus der 150-köpfigen Zuhörerschaft wurde Herz für den Entwurf beglückwünscht. "Ich wünsche mir sehr, dass die Mainzer den Neubau nicht `die Synagoge´, sondern `unsere Synagoge´ nennen werden", hoffte eine Besucherin auf eine gute Zukunft des neuen Zentrums der Jüdischen Gemeinde in Mainz.  
 
Juni 2009:  Mehr als die Hälfte des Rohbaus der neuen Synagoge steht   
Artikel von Kirsten Strasser im "Main-Rheiner" (Allgemeine Zeitung) vom 18. Juni 2009:  
Dem Himmel entgegen - SYNAGOGENBAU Mehr als Hälfte des Rohbaus steht / Richtfest im September
MAINZ.
Es lässt sich nicht mehr verbergen: Das Gebäude, das gerade in der Neustadt entsteht, ist spektakulär. Der Rohbau der neuen Synagoge ist mehr als zur Hälfte fertiggestellt, wächst mehr und mehr dem Himmel entgegen - wie es der kühne Entwurf des Architekten Manuel Herz vorsieht. Und was bislang zu sehen ist, macht neugierig auf die Fertigstellung. "Es gibt keinen Zweifel, dass dies ein hochinteressantes Bauwerk ist, das weit über die Grenzen der Stadt hinaus eine positive Wirkung für Mainz entfalten wird", sagt Heinz Laubach, Vorsitzender der Baukommission. 
Ortstermin Großbaustelle am "Synagogenplatz" an der Hindenburgstraße: Kräne ragen in die Luft, Betonquader warten darauf, verbaut zu werden, überall auf dem Gelände, das einmal der Innenhof der Synagoge werden wird, liegen Stahlstreben und Bretter. "Für den Laien ein chaotischer, für den Architekten ein schöner Anblick", strahlt Laubach, der selbst zur Zunft gehörte und heute, längst im Ruhestand, die Errichtung der Synagoge als Vorsitzender der Baukommission mit überwacht.
Grundsteinlegung für den großzügigen Gebäudekomplex mit Synagoge und Gemeindezentrum war im November 2008, seitdem ist viel passiert - rund 25 Mann arbeiten derzeit auf der Baustelle und sorgen dafür, dass das Bauwerk wächst. "Wir sind im Zeit- und im Finanzplan", betont Laubach: 10 Millionen Euro, halb und halb von Stadt und Land finanziert, werden hier verbaut. Läuft alles so reibungslos weiter wie bisher, wird Ende September Richtfest gefeiert - "und im nächsten Jahr um diese Zeit, so hoffen wir, kann die jüdische Gemeinde einziehen", erklärt Laubach. Im Herbst spätestens soll das Dach drauf sein - dann können im Winter der Innenausbau und der Einbau der Haustechnik erfolgen, so der Kommissionsvorsitzende.
Bis dahin ist Zeit; noch werden Mauern hochgezogen, Gerüste angebracht. Zwei Stockwerke des Gemeindezentrums - es soll vierstöckig werden - stehen schon, und im Rohbau der Synagoge ist bereits die Frauenempore erkennbar. "Der kniffligste Teil steht uns aber noch bevor", sagt Laubach: Und zwar dann, wenn der riesige turmartige "Trichter" auf die Synagoge gesetzt wird. "Keine leichte Aufgabe für den Statiker und den Prüfingenieur, aber wir haben gute Leute", zollt Heinz Laubach den Experten, die nach Kräften daran arbeiten, den ehrgeizigen Entwurf des Architekten Herz umzusetzen, seinen Respekt.
Die markante Dachlinie des Gemeindezentrums wird das hebräische Wort für "erhöhen" nachzeichnen. Die Synagoge, nach Jerusalem ausgerichtet, wird sich durch den 26 Meter hohen "Trichter" zum Himmel hin öffnen - die neue Synagoge steckt voller Symbolik. "Sie wird jedoch nicht nur ein Baudenkmal sein, sondern soll der jüdischen Gemeinde auch Heimat werden für viele, viele Jahrzehnte", sagt Laubach. 
 
Juli 2009:  Architekt Manuel Herz erläutert sein Konzept 
Artikel im "Main-Rheiner" (Allgemeine Zeitung) vom 28.7.2009:  "Ausdruck des Göttlichen
SYNAGOGEN-NEUBAU Architekt Manuel Herz erläutert auf der Baustelle in der Hindenburgstraße sein Konzept.  
NEUSTADT
(ok). Die Mainzer Synagoge wird ein Blickfang, so viel ist jetzt schon klar. Bei einer von der SPD-Landtagsabgeordneten Ulla Brede-Hoffmann initiierten Veranstaltung zum interkulturellen Austausch sprach Architekt Manuel Herz im Beisein von weiteren SPD-Politikern und MAG-Geschäftsführer Lukas Augustin über den Quell seiner Inspiration und symbolische Bezüge der Synagoge zum Talmud, dem bedeutendsten Schriftwerk des Judentums. Noch erscheint die Außenfassade des Rohbaus mit ihren Fensteröffnungen laut Herz in ihrer Geometrie "wild" und "beliebig". Das werde sich spätestens dann ändern, wenn das Gebäude von einer Keramikfassade mit konzentrisch angeordneten Mustern bedeckt sei, prognostizierte der Architekt. "Die Silhouette des Gebäudes ist aus fünf Buchstaben geformt", sagte Herz. Denn der hebräische Begriff für "Segnen", Kiddusch, werde dem Gebäude im Längsschnitt seine Form geben. Dazu inspiriert sah sich Herz, weil im Judentum "Schrift und Schreiben wie ein Ersatz für Architektur sein können". Denn mit der Diaspora (ab 586 v. Chr.), der Vertreibung des Judentums aus Jerusalem, hätten die Juden seinerzeit ihre Hauptstadt eingebüßt, "auf die sie ihre Religion beziehen konnten", sagte Herz. Der Talmud sei als ein "Ersatz für Heimat" zu betrachten. Im Fokus hatte Herz zudem die Erzeugung einer Dreidimensionalität, dies geschehe dadurch, dass die Fenster "zu Fluchtpunkten eines simulierten perspektivischen Musters" werden. Dreidimensionalität auch im teilbaren Veranstaltungssaal im Gebäudeinnern "durch die allgegenwärtigen Sichtbeziehungen". Symbolhaftigkeit liegt auch dem hornförmigen Dach über dem Synagogenraum zugrunde, von dem Herzer sagt, es sei "ein Horn gen Himmel, gen Osten" (nach Jerusalem) und ein "Ausdruck des Göttlichen". Auch sei dies "kein Raum, den man sofort erfasst". Im Synagogenraum werde es eine "vertikale Bahnengestaltung" voraussichtlich in Rottönen geben, die Schrift aufgreife und "zu einem Ornament verschwimmt". Um die Synagoge herum werde es weder eine Mauer noch einen Zaun geben. "Das Gebäude soll sich nicht abschotten", sagte Herz. Gleichwohl trage aber der Einsatz von Sicherheitsglas dem erhöhten Sicherheitsanspruch an Synagogen Rechnung." 
 
August 2009Synagogenbau: "Langsamer, aber nicht teurer"  
Bericht von Michael Erfurth in der "Allgemeinen Zeitung" vom 31.8.2009: "Langsamer, aber nicht teurer.  
SYNAGOGE Kuratorium versichert: Neubau bleibt im Kostenrahmen von 10 Millionen Euro. 
Mainz. 
Die Arbeiten auf der Baustelle der neuen Synagoge in der Hindenburgstraße haben sich geringfügig verzögert, der Finanzrahmen werde aber eingehalten. Das erklärte Alt-Oberbürgermeister Herman-Hartmut Weyel, der in der Baukommission des Kuratoriums die Finanzierung des Projekts koordiniert. Auch der Vorsitzende des Kuratoriums für ein neues jüdisches Gemeindezentrum und eine Synagoge, der frühere Mainzer Bürgermeister Herbert Heidel, versicherte, dass nach derzeitigem Stand der Finanzrahmen von 10 Millionen Euro nicht überschritten werde.
Beide reagierten damit auf Befürchtungen, die Kosten des Projekts könnten aus dem Ruder laufen. "Da ist nichts dran", sagte Weyel im AZ-Gespräch. Das Grundstück in der Neustadt sei bezahlt. Für das Bauwerk, die Erschließung und die Außenanlagen seien von 24 Gewerken 19 bereits vergeben worden. Da nur noch fünf Gewerke offen stehen, sei es sehr unwahrscheinlich, dass der Kostenrahmen nicht eingehalten werden könne. Außerdem stehe für Unvorhergesehenes noch ein finanzieller Puffer zur Verfügung. Erste Berechnungen seien von Kosten in Höhe von 10,6 Millionen Euro ausgegangen, jetzt komme man mit 10 Millionen Euro, die je zur Hälfte vom Land und von der Stadt getragen werden, aus, so Weyel, der gemeinsam mit Heidel und Architekt Heinz Laubach in der Baukommission aktiv ist, die das Projekt der Jüdischen Gemeinde begleitet.
Im Oktober soll das Richtfest gefeiert werden, es habe eine Verzögerung von drei bis vier Wochen im Bauverlauf gegeben, berichtete Weyel. Im Herbst spätestens soll das Dach fertig sein - dann kann im Winter der Innenausbau und der Einbau der Haustechnik erfolgen. Mit der Fertigstellung des jüdischen Gemeindezentrums, das nach den Plänen des Architekten Manuel Herz errichtet wird, rechnet Weyel im Juni 2010.
  
Oktober 2009: Richtfest wird gefeiert    
Artikel im "Wiesbadener Kurier" vom 17. Oktober 2009: 
"Richtfest für Mainzer Synagoge
MAINZ.
(fsw). An der Baustelle der neuen Mainzer Synagoge in der Hindenburgstraße wurde gestern, nur knapp elf Monate nach der Grundsteinlegung, Richtfest gefeiert: Das Gebäude im expressionistischen Still entstand nach Plänen des Architekten Manuel Herz. Laut dem ehemaligen Mainzer Bürgermeister Herbert Heidel, neben Ex-OB Herman-Hartmut Weyel und Architekt Heinz Laubach Mitglied der Baukommission, die das Projekt der Jüdischen Gemeinde begleitet, hinkt der Bau gerade mal 14 Tage im Zeitplan hinterher. Im Juni nächsten Jahres könne er wohl eingeweiht werden, sagte er gestern. Auch das auf zehn Millionen Euro gedeckelte Budget - je zur Hälfte getragen von Stadt und Land - werde eingehalten, versicherte Heidel: Es stünden nur noch vier Ausschreibungen offen, "alles andere ist klar." 
  
Dezember 2009: Die neue Bushaltestelle "Synagogenplatz" wird eingerichtet  
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung" vom 17. Dezember 2009 (Artikel)  
"Mainz - Neustadt. Bereit für den Touristenverkehr. 
SYNAGOGENPLATZ Neue Haltestelle soll das im Bau befindliche Gotteshaus mehr ins Bewusstsein rücken. 

(MH). Seit der Fahrplanumstellung am Sonntag heißt die Haltestelle "Gabelsbergerstraße" nun "Synagogenplatz". Gestern präsentierten Jochen Erlhof, Geschäftsführer der Mainzer Verkehrsgesellschaft (MVG) und Kulturdezernent Peter Krawietz (CDU) die Haltestelle, an der die Linien 62, 63 sowie die Nachtlinie 92 verkehren.  "Ich bin froh, dass sich diese Umbenennung hat umsetzen lassen", sagte Krawietz. "So dringt noch mehr ins Bewusstsein, dass die neue Synagoge an einem historischen Platz entstanden ist." 
Laut Erlhof ist es bei Haltestellen "wichtig, dass sie eine Ortsbezeichnung haben, die den Fahrgästen eine gewisse Orientierung gibt". Stadtbildprägend sei die im Bau befindliche Synagoge jetzt schon. Nach der für den 17. Juni 2010 avisierten Eröffnung werde sie "auch orts- und strukturprägend" sein. Mit 178 abfahrenden Bussen und 1100 ein- und aussteigenden Menschen pro Tag - also 320.000 Fahrgästen pro Jahr - handele es sich um keine ganz unwichtige Haltestelle. So hofft man, dass viele die Synagoge mit dem ÖPNV bewusst ansteuern werden. Ortsvorsteher Nico Klomann (Bündnis 90/Die Grünen) bekräftigte, er erwarte durchaus einen gewissen "touristischen Verkehr". Zumal angedacht sei, auch Veranstaltungen in der Synagoge abzuhalten. Eine gute ÖPNV-Anbindung der Synagoge sei sinnvoll, "denn so richtig viele Parkplätze haben wir hier ja nicht". Stella Schindler-Siegreich, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Mainz, sprach von einem "wunderbaren Schritt auf dem Weg dahin, dass die neue Synagoge wirklich ein Teil der Stadt wird"."   
   
Januar 2010: Verzögerung bei den Bauausführungen durch anhaltendes Frostwetter   
Artikel von Susanne Andriessens in der "Allgemeinen Zeitung" vom 21. Januar 2010 (Artikel): 
"Synagoge in Mainz: Bauarbeiten wegen Frost verzögert - Anwohner verunsichert
MAINZ. Eigentlich sollte die Synagoge am 17. Juni eingeweiht werden. Wegen des anhaltenden Frosts hat sich dieser Termin jetzt verschoben, wie Herbert Heidel, der Vorsitzende des Kuratoriums zur Förderung des jüdischen Gemeindezentrums, im Namen der Baukommission mitteilte. Die wetterbedingte Verzögerung wird nicht zu höheren Baukosten führen, betonte Heidel. 'Wir bleiben voll im Plan.' Wegen des Schneefalls hätten Turm und Dach noch nicht gedeckt werden können. Entsprechend verzögerten sich die Innenarbeiten. Die Eröffnung des jüdischen Gemeindezentrums mit einer Gesamtfläche von 2400 Quadratmetern soll jetzt nach den Sommerferien stattfinden, als 'eine Veranstaltung mit öffentlichem Charakter', wie Stella Siegreich-Schindler, die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, sagt. 
Unklarheiten, Sorgen und Gerüchte. Obgleich noch im Bau, findet die neue Synagoge in der Neustadt schon jetzt weltweit Beachtung. Auch viele Anwohner freuen sich auf das Gebäude. Doch gibt es auch Unklarheiten. Und die sorgen für Gerüchte. Eine drei Meter hohe Mauer als Einfriedung? Vor einem dreiviertel Jahr löste diese Mutmaßung Unruhe unter Anwohnern und unter Eltern der angrenzenden beiden Kindertagesstätten aus. Die Gemüter beruhigten sich erst, als Architekt Manuel Herz in der AZ klarstellte, es werde 'eine ganz normale Einfriedung geben, wie bei jedem anderen Gebäude auch'. Wie diese aussehen wird, ist auch zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar. 'Der Plan für die Außenanlage wird frühestens im Frühjahr stehen', sagt Lukas Augustin, Geschäftsführer der Mainzer Aufbaugesellschaft (MAG). 
Anwohner befürchten Baumfällungen. Er entkräftet eine weitere Vermutung, die laut einem Leserbrief an diese Zeitung für einige Nachbarn des neuen jüdischen Gemeindezentrums Thema ist: 'Nein', sagt Augustin, 'es werden keine Bäume auf dem Gelände der beiden Kindertagesstätten gefällt.' Die Grundstücksfragen seien geklärt, auch an der Aufteilung ändere sich nichts mehr. Auch die Sorge mancher Nachbarn, dass die 27 neuen Stellplätze, die im Bebauungsplan vorgesehen sind, nicht ausreichten, teilt der MAG-Geschäftsführer nicht: 'Wenn Großveranstaltungen im Dom sind, wissen die Leute ja auch, dass sie auf Parkhäuser in der Umgebung oder auf Bus und Bahn ausweichen müssen. Und die Synagoge ist bestens mit dem Bus zu erreichen.' Dem schließt sich die Stadtverwaltung an: 'Es wird keine größere Parkplatznot geben', versichert der städtische Pressesprecher Markus Biagioni. 
Sicherheitsmaßnahmen nach LKA-Vorgaben. Ebenfalls für Spekulation sorgt das Thema Sicherheit. Beton-Absperrungen und Polizeiwagen als Schutz vor Anschlägen? Keinesfalls, sagt René Nauheimer von der Polizei, die für die Umsetzung der Vorgaben des Landeskriminalamtes zuständig ist. Für die Synagoge gälten die gleichen Sicherheitsmaßnahmen wie für die derzeitigen Räumlichkeiten der jüdischen Gemeinde in der Forsterstraße: 'Davon bekommen die Anwohner ja auch kaum etwas mit.' Allenfalls könne es vorkommen, dass ein Teil der Hindenburgstraße an Gedenktagen wie dem 9. November gesperrt werden müsste. 'Das entscheiden wir abhängig von der Anzahl der Besucher und in Abstimmung mit der jüdischen Gemeinde', so der Polizeisprecher. Alle Verantwortlichen betonen, ihnen sei daran gelegen, dass Gerüchte wie diese erst gar nicht aufkommen. 'Mir wäre es lieber, wenn sich die Anwohner mit ihren Anliegen direkt bei mir melden würden ', meint Nico Klomann, Ortsvorsteher der Neustadt. Auch Lukas Augustin weist darauf hin, dass die MAG für Fragen jederzeit bereit stünde. Besonders viel Wert auf den Dialog legt Stella Siegreich-Schindler. Sie könne nicht von negativen Reaktionen berichten, meint die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde. Im Gegenteil: 'Ich bekomme sehr viele E-Mails von Bewohnern der Neustadt, die mir ihre Hilfe und ihr ehrenamtliches Engagement anbieten.' Vom neuen Gebäude sollten alle profitieren: 'Die Synagoge und der Platz davor werden die Lebensqualität in der Neustadt steigern.'"  
  
April 2010: Die Einweihung der neuen Synagoge ist für den 3. September 2010 geplant 
Artikel in der Mainzer "Rhein-Zeitung" vom 27. April 2010 (nur Anfang des Artikel wird zitiert): 
"Im Synagogen-Neubau spiegelt sich die Heilung wider
Mainz.
Exakt 98 Jahre nach der Einweihung der Hauptsynagoge der jüdischen Gemeinde im Jahr 1912 wird am 3. September dieses Jahres der Neubau der Synagoge am selben Standort eingeweiht. Dies war war zwar nicht beabsichtigt, hat Stella Schindler-Siegreich aber zusätzlich gefreut, als sie davon erfuhr.
Denn die Fortführung der großen Tradition jüdischen Lebens in Mainz kommt auch im Synagogenbau zum Ausdruck. Über den Baufortschritt informierte sich jetzt die CDU-Stadtratsfraktion vor Ort.
Am Straßenschild 'Synagogenplatz' nahm Schindler-Siegreich, die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, die Besucher in Empfang. Denn die Adresse hat sich geändert. Aus der Hindenburgstraße 44 wurde der Synagogenplatz...".  
 
Juni 2010: Die Mainzer Kirchen stiften den Toraschrein für die neue Synagoge    
Pressemitteilung des Bistums Mainz (Mitteilung; pdf-Datei): 
"EKHN und Bistum Mainz unterstützen Neubau der Mainzer Synagoge, Kirchen übernehmen die Kosten für die Anschaffung des Toraschrankes. 
Mainz.
Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) und das Bistum Mainz unterstützen den Neubau der Mainzer Synagoge. Gemeinsam übernehmen katholische und evangelische Kirche die Kosten für die Anschaffung des Toraschrankes für die Synagoge, die gerade nach den Plänen von Architekt Manuel Herz verwirklicht wird. Im Toraschrank wird die Torarolle in der Synagoge aufbewahrt. Bei einem Treffen vor dem Neubau am Mittwoch, 30. Juni, dankte die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Mainz, Stella Schindler-Siegreich, dem Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, und dem Kirchenpräsidenten der EKHN, Dr. Volker Jung, für ihr Engagement.
Kirche durch untrennbares Band mit dem Judentum verbunden. Kardinal Lehmann erinnerte daran, dass Mainz durch bedeutende Rabbiner zu einem Zentrum der jüdischen Lehre und Schriftauslegung geworden sei und zusammen mit Worms und Speyer zu den so genannten Schum-Städten gezählt wurde, den wichtigsten Städten des abendländischen Judentums. Diese große Kultur sei von den Nationalsozialisten zerstört worden, ganz konkret auch im Brand der Mainzer Synagoge. 'Ich bin deshalb sehr froh, dass mit dem jetzt entstehenden Neubau der Synagoge ein Gotteshaus entsteht, das dieser überregionalen Bedeutung gerecht wird.' Weiter sagte Lehmann: 'Die Kirche ist durch ein untrennbares Band mit dem Judentum verbunden. Die Herkunft Jesu aus dem Judentum bestimmt uns Christen. Deshalb sind wie dankbar, heute der jüdischen Gemeinde in Mainz als unseren älteren Brüdern und Schwestern mit dem Toraschrank ein besonderes Zeichen unserer Verbundenheit übergeben zu können.'
Erkennbarer jüdischer Ort im Stadtbild/Absage an jede Form des Antisemitismus. Kirchenpräsident Jung zeigte sich sehr erfreut darüber, dass die jüdische Gemeinde wieder ein Zentrum für Gottesdienst, Unterricht, Bildung und Gemeindeleben errichtet und betonte dessen Bedeutung für die Stadt: 'Die jüdische Gemeinde Mainz hat mit dieser Synagoge endlich wieder einen deutlich erkennbaren Ort im Stadtbild, der einen beachtlichen Beitrag zum gesamten städtischen Leben leistet. Wir hoffen, dass dieses Gotteshaus, ein Segen für das Gemeindeleben der jüdischen Gemeinde in Mainz wird, so wie die Silhouette der Synagoge den hebräischen Buchstaben des Wortes Keduscha (= Segensspruch) nachempfunden ist. Wir sind dankbar, dass wir zu diesem Neuanfang beitragen können.' Der evangelische Beitrag zum Toraschrank der neuen Synagoge sei 'ein konkretes Beispiel unserer Bemühungen, unser Verhältnis zu den jüdischen Schwestern und Brüdern weiter zu verbessern und zu vertiefen'. Jung wies darauf hin, dass der Toraschrank 'das Zentrum einer jeden Synagoge' sei, da hier 'das Herzstück jüdischen Glaubens, die Tora' aufbewahrt werde. Deshalb hätten die Angriffe der Nationalsozialisten im Dritten Reich insbesondere auf die Toraschrank in den Synagogen gezielt. Das Geschenk eines neuen Toraschrankes dafür sei deshalb auch 'ein bewusstes Zeichen der Absage an jede Form des Antisemitismus'." 
  
Juli 2010: Artikel von Petra Mies in der "Frankfurter Rundschau" vom 17. Juli 2010 (Artikel): 
"Neue Synagoge in Mainz - Gebauter Segen" (eingestellt als pdf-Datei)  
   
August 2010: Bundespräsident Christian Wulff kommt zur Einweihung der Synagoge       
Artikel von Werner Wenzel in der "Allgemeinen Zeitung" vom 16. August 2010 (Artikel): 
"Bundespräsident Wulff zu Gast beim Festakt für Synagogen-Neubau in Mainz. 
MAINZ. Wenn am 3. September die neue Synagoge in der Mainzer Neustadt eröffnet wird, dann soll auch Bundespräsident Christian Wulff erstmals nach Mainz kommen. Dies bestätigte nun ein Sprecher des Bundespräsidialamts auf AZ-Anfrage: 'Der Termin steht.'
Mit einem Festakt soll am 3. September der vom Kölner Architekten Manuel Herz entworfene Neubau eingeweiht werden. Weniger als zwei Jahre hat die Bauzeit dann gedauert, im November 2008 war der Grundstein gelegt worden an der Stelle, wo 70 Jahre zuvor die Hauptsynagoge von den Nazis niedergebrannt worden war. Man solle sich darüber freuen, 'dass jüdisches Leben wieder sichtbar wird', hatte seinerzeit Charlotte Knobloch, Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland gesagt. Sehr gut sichtbar ist denn auch mittlerweile der Neubau mit seiner grünblau changierenden Keramik-Verkleidung und der selbstbewussten Formensprache, die Architekt Herz gewählt hat. 
Baukosten "komplett im Rahmen"
Diese, so Manuel Herz, folgt dem hebräischen Schriftzug des Begriffs Keduschah, der für Erhöhung stehe, für einen Segensspruch. Von einem Widderhorn, einem Schofar, erhält der Turm über der eigentlichen Synagoge seine Gestalt, mit 26 Metern Höhe prägt er den Bau an der Josefsstraße. Mit den Baukosten, so sagt Martin Dörnemann, Geschäftsführer der Mainzer Aufbaugesellschaft (MAG), sei man 'komplett im Rahmen', dabei sei diese 'gebaute Skulptur' eine 'baukonstruktiv sehr anspruchsvolle Arbeit'. Dabei habe man nicht großzügig, sondern 'schon sehr sportlich' kalkuliert. Zehn Millionen Euro Baukosten, die sich Stadt und Land teilen, waren in den Haushalten verankert."   
  
August 2010: Die Synagoge ist kurz vor der Fertigstellung     
Artikel von Werner Wenzel in der "Allgemeinen Zeitung" vom 16. August 2010 (Artikel):  
"Schrift als Form der Architektur - Synagoge in Mainz kurz vor der Fertigstellung
MAINZ. Im Veranstaltungsaal wird dunkles Parkett verlegt, hinterm Gebäude wogt hellgrün junges Gras, während vorne die Hindenburgstraße frisch geteert wird. Und auf dem neuen Synagogenplatz steht Architekt Manuel Herz und erläutert seine gebaute Skulptur, die der jüdischen Gemeinde Mainz schon bald als neue Heimat dienen soll.
Schrift als Form der Architektur. Hier, vor dem Gebäude, ist noch Baustelle. Doch man kann schon erkennen, wie offen der Synagogenplatz mit dem Portikus der früheren Hauptsynagoge sich hier präsentieren wird. Derweil erläutert Herz seine Ideen und die Anforderungen an das Bauwerk. Wie lässt sich ein Raumprogramm, das eher für einen flachen Bau gesprochen hätte, in eine Umgebung städtebaulich einfügen, die von den hohen Wohngebäuden der Mainzer Neustadt und Blockrandbebauung geprägt ist? So kam Herz auf den großen Gestus, mit dem sich der Neubau nun an Hindenburgstraße und Gabelsberger Straße hinzieht, mit einem offenen Platz davor, einer Art Innenhof dahinter. 
Er habe, erläutert Herz, 'ein skulpturales Volumen gestaltet', den hebräischen Schriftzug 'Keduschah' für Erhöhung, Segensspruch, in Architektur umgesetzt, die 'Schrift als Form der Architektur' gewählt. Gleichwohl gehe es ihm dabei 'nicht um reine Symbolik'. Dennoch nehmen die Linien der Wände den Schriftzug auf, dazu kommt der 26 Meter hohe Turm, dessen Gestalt einem Widderhorn, einem Schofar, nachempfunden ist.
Spiel mit dem Licht. Die Außenwände sind komplett mit Keramik verkleidet, blaugrün glasiert, deren Farbenspiel je nach Wetterlage und Entfernung vom Bau hell das Licht widerspiegelt oder von flaschengrün bis fast zu schwarz changiert. Auch deren Struktur, so Herz, habe etwas mit Schrift zu tun, die man einritzt, einschreibt in die glatte Wandflläche. 170.00 Keramiksteine mit einem Keilprofil, jeder einzeln gezeichnet, nummeriert und zugeschnitten, wurden an den Betonwänden angebracht, ihre Anordnung folge 'fast mathematisch' den Baukonturen. Zusammen mit dem Zinkband, das sich über die 30 Dachflächen und an den schmalen Wänden hinunterzieht, ergibt sich ein spannendes Spiel der Perspektiven. Schon die Keramikoberfläche selbst 'spielt sehr gut mit dem Licht', sagt Herz. Verspringende Flächen, abgewinkelte Wandflächen, Spiegeleffekte, Farbverläufe, all das ist zu erkennen. Wenn man hinsieht. 
Durchblicke und Sichtbeziehungen quer durchs Gebäude. Auch drinnen zeigt sich der Bau voller Überraschungen. Eine Treppe zwischen geneigter Wand und der parallel dazu verlaufenden Brüstung, kleine Fenster hoch über dem Parkettboden des Veranstaltungsraumes, wo rund 300 Gäste zu Veranstaltungen Platz finden sollen. Die rund 2.400 Quadratmeter Fläche bieten immer wieder Überraschungen. So gibt es wohl keine zwei Fenster gleichen Zuschnitts, dafür aber Durchblicke und Sichtbeziehungen quer durchs Gebäude. 
Drinnen ist alles weiß. Bis auf den Raum, in dem die jüdische Gemeinde sich künftig am Sabbat treffen wird, wo die Torarollen stehen werden. Herz bittet darum, diesen noch nicht zu fotografieren, er sei eben noch nicht fertiggestellt. Er gewährt aber sehr wohl einen Einblick. 
Golden strahlen die Wände, Stukkateure haben unter dem Schofar-Turm, durch das Licht in den Saal fällt, Zehntausende hebräische Schriftzeichen wie ein Mosaik an die Wände gezaubert, und aus dem Meer der Zeichen bilden sich immer wieder Flächen mit lesbarer Schrift, Texte von Mainzer Rabbinern aus dem 11. Jahrhundert, fast von brechtscher Klarheit und Schönheit, wie Manuel Herz schwärmt. Der eine handele von Liebe zur Tora, ein anderer berichte vom ersten Kreuzzug, und alle belegten, welchen Stellenwert die Mainzer jüdische Gemeinde schon damals im Judentum besaß – gemeinsam mit den beiden anderen sogenannten Schum-Städten Speyer und Worms. 
Herausforderung für alle Beteiligten. Ein wenig spürt man auch beim Architekten, wie besonders der Bau in der Mainzer Neustadt für ihn ist. Fast ein wenig verwundert sagt er, dass man seinen immerhin zehn Jahre alten Entwurf ohne Änderungen nach sieben Jahren Stillstand 'fast eins zu eins realisiert' habe. Nur der Keller sei etwas größer geworden als von ihm vorgesehen.  'Eine Herausforderung für alle Beteiligten', sei die Errichtung von Synagoge und Gemeindezentrum gewesen, sind sich Manuel Herz und Martin Dörnemann, Chef der als Projektsteurer fungierenden Mainzer Aufbaugesellschaft MAG, einig. Aber man habe auch die Erfahrung gemacht, dass sich angesichts solcher Aufgaben alle Beteiligten besonders anstrengten. 'Wenn die Handwerker gefordert sind, dann siegt man auch, dass es ihnen Spaß macht.' Und sie hätten durchweg gute Qualität abgeliefert. Herz ergänzt: 'Die Identifikation geht weiter, auch Betongießer oder Eisenflechter sehen das als etwas Besonderes.' Diese Aufgaben seien ein Ansporn für alle Beteiligten. 
Schulraum, Clubraum, Bibliothek, Veranstaltungssaal, Wohnung, Gemeindebüros, sie alle werden nun bald bezogen. Der ganze Komplex sei ein Unikat, sagt auch Martin Dörnemann, der sich auch über den eingehaltenen Kostenrahmen freut. Und der sei keineswegs hoch angesetzt gewesen, so Herz, 'vor allem wenn man andere Sakral- oder Museumsbauten damit vergleicht'. Für sich genommen sei das Gebäude nichts Besonderes. Das werde es erst durch Nutzung, erst dann erfahre es eine Art Erhöhung. 'Keduschah'."    
  
August 2010: Plakataktion "Mainz freut sich über die neue Synagoge"    
Artikel von Bernd Funkte in der "Allgemeinen Zeitung" vom 25. August 2010 (Artikel): "'Willkommen mitten unter uns'
MAINZ. SYNAGOGE Plakate sollen Freude über Neubau sichtbar zum Ausdruck bringen. 
'Willkommen mitten unser uns! Mainz freut sich über die neue Synagoge' - die Plakate mit einem Ausschnitt der blau-grünlich im Sonnenlicht schimmernden Synagoge, die in der kommenden Woche eingeweiht wird, sind ein deutliches Signal. Einer Initiative Mainzer Bürgerinnen und Bürgern ist es zu verdanken. Oberbürgermeister Jens Beutel (SPD) wertet es '77 Jahre nach Ausstoßung der deutschen Juden aus Deutschland' als Signal, wie es positiver kaum sein könnte. 'Damals wurde an die Schaufenster geschmiert, ‚Kauft nicht bei Juden‘, und dem Niederbrennen der Synagoge folgten die Tilgung ihres kulturellen Beitrags aus unserem Land und letztlich die Vernichtung unserer jüdischen Mitbürger selbst - heute freuen wir uns von Herzen auf die Einweihung der weithin sichtbaren Synagoge. Das ist ein Zeichen für die Zukunft.'
Ein solches Zeichen wird auch sein, dass das 'Goldene Buch' der Stadt zur Synagogen-Eröffnung in die Synagoge getragen wird. Dorthin, wohin Mainzer Mitbürger in der Pogromnacht Brandfackeln warfen. Und ein Zeichen wird auch sein, dass Anlieger der Synagoge die traditionellen Begrüßungsgaben Brot und Salz überbringen werden.
Das gestern offiziell vorgestellte, aber in der Neustadt bereits vielfach aushängende Plakat gebe nunmehr die Möglichkeit zu einem öffentlichen Bekenntnis für die neue Mainzer Synagoge. Beutel: 'Hängen Sie es ins Fenster, in die Läden, Klassenzimmer und Büros, in Praxen, Firmen und Pfarrgemeinden. Freuen Sie sich auf diese Weise über die neue Mainzer Synagoge und das von ihr ausgehende neue jüdische Leben in unserer Stadt.'
Wie ungemein positiv auch die Neustadt auf das Plakat reagiert, weiß Ortsvorsteher Nico Klomann (Grüne): 'Wir teilen es seit einer Woche aus und müssen jetzt nachbestellen.' Klomann wertet das Willkommen-Plakat als 'positiven Ausdruck froher Erwartung'.
Auch Stella Schindler-Siegreich, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Mainz, hat nur Lob für die Plakataktion: 'Das ist eine wunderschöne Ouvertüre zur Einweihung der Synagoge.' Die Aktion unterstreiche, 'dass die Mainzer die Synagoge mit Interesse und Neugier aufnehmen.' Und sie berichtet von Begegnungen mit Passanten, die vor dem seiner Vollendung entgegen gehenden Bau stehen blieben 'und die ungewöhnliche Fassade streicheln'. Und dann sagt sie einen Satz, der an die Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 gemahnt, die auch die damalige Hauptsynagoge traf: 'Ich hoffe, dass es beim Streicheln bleibt...'"    
   
Zusätzlich eingestellt: Bernd Buchner: Ein neues Haus für das alte "Magenza". In: Evangelisch.de vom 25.8.2010 (pdf-Datei)      
   
30. August 2010: Wenige Tage bis zur Einweihung der neuen Synagoge 
Artikel aus "Echo-Online.de" vom 30. August 2010 (Artikel, dpa-Pressemitteilung): 
"Mehr Dreiecke als Quadrate - Eröffnung der Mainzer Synagoge
MAINZ
. Die Außenwände der neuen Mainzer Synagoge ragen in alle Himmelsrichtungen. Der moderne Bau besteht mehr aus Dreiecken als aus Quadraten - eine Form, die den Betrachter stutzen lässt. Fünf hebräische Buchstaben haben der neuen Synagoge ihre Silhouette verliehen. Sie bezeichnen das Wort 'Kedushah', das auf Deutsch segnen, heilig oder erhöhen bedeutet. 
Vor zwei Jahren, im November 2008, wurde der Grundstein für das neue Gotteshaus des Kölner Architekten Manuel Herz gelegt. Nun ist es soweit: Am kommenden Freitag (3. September) will die jüdische Gemeinde in Mainz die Synagoge eröffnen - im Beisein von Bundespräsident Christian Wulff, dem israelischen Botschafter Yoram Ben Zeev und der Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland (ZdJ), Charlotte Knobloch. Auch der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) hat sich angesagt.
Laut dem ZdJ ist die neue Mainzer Synagoge einer von rund 100 Synagogen-Neubauten in Deutschland nach 1945. 72 Jahre lang haben die Mainzer Juden hierauf gewartet. Die alte Hauptsynagoge hatten die Nationalsozialisten in der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 zerstört. 'Seitdem haben wir unseren Gottesdienst in einer Stube abgehalten, die von der Straße aus unsichtbar ist', sagt die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Mainz, Stella Schindler- Siegreich. Jetzt sei ein großer Tag für die rund 1000 Juden in Mainz und Umgebung gekommen. 'Denn mit dem Umzug werden wir für alle sichtbar sein', ergänzt Schindler-Siegreich.
Der Festakt zur Eröffnung beginnt mit einem Gottesdienst in der alten Synagoge. 'Dann bringen wir in einer öffentlichen Prozession die Thorarollen unter einem Baldachin feierlich zur neuen Synagoge', erklärt Schindler-Siegreich. Zahlreiche prominente Gäste werden erwartet. 'Wir rechnen damit, dass jeder der 450 Sitzplätze in der neuen Synagoge besetzt ist', sagt die Vorsitzende. Begleitet von synagogalen Gesängen und Gebeten würden während der Zeremonie dann das ewige Licht angezündet, der Schlüssel übergeben und die Thorarollen in den Thoraschrank gelegt.
Nach dem Brandanschlag auf die Synagoge in Worms im Mai vertraut Schindler-Siegreich auf die Polizei. Sie habe sich mit dem Landeskriminalamt (LKA) zusammengesetzt und ein neues Sicherheitskonzept erarbeitet. 'Ich hoffe sehr, dass es bei diesem einmaligen Fall in Rheinland-Pfalz bleibt.'
Die Entscheidung für einen Neubau in Mainz fiel 1999: Im Stadtviertel Neustadt sollte eine neue Synagoge an derselben Stelle entstehen, an der sich einst die frühere Hauptsynagoge befand: an der Ecke Hindenburgstraße/Josefsstraße. Dort erinnern heute vier Säulen an das alte Gotteshaus. Sie wurden bei Erdarbeiten entdeckt und zum 50. Jahrestag der Reichspogromnacht als Mahnung aufgestellt. Auf ihnen liegen Blumen und Steine.
Den ausgeschriebenen Architekturwettbewerb der Stadt gewann der Kölner Architekt Manuel Herz mit seinem Entwurf 'Licht der Diaspora'. 'Bahnbrechend" nannte die Stadt ihn. Für den damals 29 Jahre jungen Architekten war es der erste große Auftrag. Er ist selbst Jude. Er war ein Schüler von Daniel Libeskind, dem Architekten des Jüdischen Museums in Berlin.
'Das jüdische Volk hat sich mit Hilfe von Büchern eine Heimat geschrieben. Die Schrift war also immer der Ersatz für die Heimat', sagt Herz. 'Das war der Leitgedanke für meinen Entwurf der Synagoge.' Aus diesem Grund entschied sich Herz für eine Synagoge in der Form der fünf Buchstaben des hebräischen Wortes 'Kedushah'.
Ein zweites Symbol beherbergt der Ostteil der Synagoge: ein 27 Meter hohes Dach in Form eines Widderhornes. 'Das Schofar ist eines der ältesten jüdischen Symbole', erläutert Herz. Es stehe für das gegenseitige göttliche und menschliche Vertrauen. Denn Gott habe auf die Opferung Isaacs durch Abraham verzichtet und stattdessen einen Widder als Opfer angenommen. Heute ruft das Schofar die Gemeinde an wichtigen Feiertagen zusammen. Symbolisch ruft das Schofar also am kommenden Freitag die jüdische Gemeinde zum ersten Mal in ihre neue Synagoge. 'Sie soll ein Ort der Begegnung und Kommunikation werden', sagt Schindler-Siegreich. Hier sollen auch Konzerte und Lesungen stattfinden."  
 
 
3. September 2010: Die Einweihung der Synagoge   
Pressemitteilung des SWR vom 25. August 2010:  "Eine neue Synagoge für Mainz
Live-Übertragung vom Festakt zur Einweihung am 3.9. / Dokumentationen und Interviews in den SWR-Radio- und Fernsehprogrammen. 

Die neue Synagoge in Mainz setzt Zeichen - weit über Rheinland-Pfalz hinaus. Für die jüdische Gemeinde geht ein großer Wunsch in Erfüllung, für die Landeshauptstadt ist eine neue Attraktion und Sehenswürdigkeit entstanden. Architekt Manuel Herz hat ein einzigartiges Gebäude entworfen, das immer wieder neue Blickwinkel eröffnet. Am 3. September wird die neue Synagoge eingeweiht. In dem 'Südwest extra: Die neue Synagoge in Mainz – Festakt zur Einweihung' berichtet das SWR Fernsehen von 9.45-12.00 Uhr live von den Feierlichkeiten. Zu dem Festakt werden Bundespräsident Wulff und der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Beck als Gäste erwartet, die Sendung moderiert Birgitta Weber.
Der Film 'Hebräische Buchstaben als Architektur – Die neue Synagoge in Mainz', den das SWR Fernsehen am 4. September 2010, 19.15-19.45, Uhr ausstrahlt, schildert die Entstehungsgeschichte des ungewöhnlichen Gebäudes. Er stellt die am Bauprojekt beteiligten Menschen und die Gemeinde am Rhein vor, deren Tradition als jüdisches Gelehrtenzentrum bis ins Mittelalter zurückreicht.
SWR2 begleitet die Einweihung der Synagoge im 'Journal am Mittag' am 2.9., ab 12.30 Uhr mit dem Beitrag 'Der lange Weg zur neuen Mainzer Synagoge'. Am 3.9., dem Tag der Einweihung, findet ab ca. 7.45 Uhr ein Interview mit Charlotte Knobloch statt. Im SWR2 'Journal am Morgen' geht es ab 8.10 Uhr um die Architektur des Gebäudes, im 'Journal am Mittag' ab 12.30 Uhr wird vom Festakt berichtet und im 'Journal am Abend' wird ab 18.40 Uhr die Bedeutung der neuen Synagoge erörtert. 
 
Auch die beiden Radiowellen SWR1 und SWR4 berichten aktuell am 3. September 2010 über die Einweihung der neuen Synagoge. 
 
Die Sendungen auf einen Blick:
2.9.2010:
12.30 Uhr: 'Der lange Weg zur neuen Mainzer Synagoge' in SWR2 Journal am Mittag
3.9.2010: 7.45 Uhr: Interview mit Charlotte Knobloch in SWR2 am Morgen
      8.10 Uhr: Die Architektur der neuen Synagoge in SWR2 Journal am Morgen
      9.45 Uhr: 'Südwest extra: Die neue Synagoge in Mainz – Festakt zur Einweihung' im SWR Fernsehen
      12.30 Uhr: Berichterstattung vom Festakt in SWR2 Journal am Mittag
      18.40 Uhr: Über die Bedeutung der neuen Synagoge in SWR2 Journal am Abend
4.9.2010: 19.15 Uhr: 'Hebräische Buchstaben als Architektur – Die neue Synagoge in Mainz' im SWR Fernsehen
  
3. September 2010: Die Einweihung der Synagoge 
Weiterer Artikel in der "Allgemeinen Zeitung" vom 4. September 2010 (Artikel):  
"Bundespräsident: "Mainzer Synagoge ist ein Symbol des Vertrauens in unser Land"
Mainz.
65 Jahre nach Kriegsende ist in Mainz am Freitag die neue Synagoge eingeweiht worden. Sie steht exakt am Standort des 1938 von den Nazis zerstörten alten Gotteshauses. Der "kühne Bau" sei ein weiteres selbstbewusstes Signal für die Heimkehr des deutschen Judentums, sagte die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch. Sie erinnerte zugleich daran, dass Mainz einst eine der Geburtsstätten des europäischen Judentums gewesen sei - jedoch wohl nie wieder ihre einstige Blüte erlangen werde. Die neue Synagoge für die rund 1000 Mitglieder kostete rund zehn Millionen Euro.
Unter den rund 500 Gästen des Festaktes war auch Bundespräsident Christian Wulff, der israelische Botschafter Yoram Ben Ze'ev und der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD). Der Festakt begann mit einem Gottesdienst in der alten Synagoge. In einer öffentlichen Prozession wurden die Torarollen feierlich zur neuen Synagoge getragen. Begleitet von synagogalen Gesängen und Gebeten wurden während der Zeremonie die Torarollen in den Toraschrank gelegt, das ewige Licht angezündet und der Schlüssel übergeben. Die Einweihung erfolgte auf den Tag genau 98 Jahre nach der Einweihung der alten Hauptsynagoge, die die Nazis dann zerstörten. 
Wulff erinnert an die Grauen des Nationalsozialismus. Bundespräsident Wulff nannte das Gotteshaus "ein Symbol des Vertrauens in unser Land". Er erinnerte zur Eröffnung der Synagoge an die Grauen des Nationalsozialismus, als Millionen von Frauen, Männern und Kindern jüdischer Herkunft ermordet wurden. "Die Freude, die wir an Tagen wie dem heutigen empfinden, ist deshalb untrennbar verbunden mit dem Gedenken an Millionen Menschen, die der Schoah zum Opfer fielen", sagte Wulff. "Das Wiederaufblühen jüdischen Lebens in Deutschland setzt sich fort und seine Wurzeln werden wieder stärker." Knobloch bezeichnete es als Wunder, dass heute in Deutschland wieder weit über 100.000 Juden leben, 1950 seien es gerade noch 15.000 gewesen. "Tage wie diese zeigen mir, es war richtig zu bleiben", sagte sie. 
Das neue Gotteshaus, entworfen vom Kölner Manuel Herz, besticht durch seine besondere skulpturale Architektur. Die Außenwände ragen in alle Himmelsrichtungen, fünf hebräische Buchstaben bilden die Silhouette. Sie bezeichnen das Wort "Kedushah", das auf Deutsch segnen, heilig oder erhöhen bedeutet. Die Außenwand ist komplett mit blau-grün glasierter Keramik verkleidet. Auch im Innenraum spielt der Libeskind-Schüler Herz mit hebräischen Buchstaben. Aus dem Gewirr zehntausender Lettern formen sich an manchen Stellen Gebete oder auch Klagelieder, wie es die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Mainz, Stella Schindler-Siegreich, formuliert. 
Beck: "Eröffnung ist ein besonderer Tag. Ministerpräsident Beck bezeichnete die Eröffnung als besonderen Tag, an dem allen Menschen, vor allem der jüdischen Gemeinde, "ein so wunderbares Gotteshaus geschenkt" worden sei. Das Gebäude sei zugleich ein Zeichen der Erinnerung und der Hoffnung. "Wir wollen im Herzen und im Verstand dieses neue Zeichen bewahren", sagte Beck und appellierte daran, stärker gegen Hass und Intoleranz zu kämpfen. 
"Bislang waren wir unsichtbar, jetzt werden wir sichtbar", sagte Schindler-Siegreich. Seit Kriegsende halten die Mainzer Juden ihre Gottesdienste in Beträumen ab, zuletzt in einem Raum, der von der Straße nicht einzusehen war. In Rheinland-Pfalz gibt es fünf jüdische Gemeinden mit nach ihren Angaben zusammen rund 3000 Mitgliedern."
Artikel von Reinhard Breidenbach in der "Allgemeinen Zeitung" vom 4. September 2010 (Artikel): 
"Bewegende Momente bei der Synagogen-Eröffnung in der Mainzer Neustadt
Herzliches Lachen durchströmt die Synagoge. Es passt gut zu diesem freundlichen, hellen Raum, für dessen Erschaffung der Architekt Manuel Herz zu Recht viel Lob bekommt an diesem Tag. Fast ganz am Ende der illustren Rednerschar spricht Fritz Weinschenk sein Grußwort. Es ist nichts weniger als brillant. Geprägt von heiterer Gelassenheit, den Ernst der Geschichte dennoch gebührend unterstreichend, die Freude des Tages und die Hoffnung auf die Zukunft in kurzen trefflichen Worten charakterisierend. "Ich kam 1920 in Mainz-Gonsenheim, also in Gunsenum zur Welt, und meine Volksschullehrerin sagte, der Fritz ist zu zappelig und im Kopfrechnen schwach. Das habe sich bis heute nicht geändert: Ich muss jetzt so ungefähr 90 Jahre alt sein."
Zeichen der Hoffnung. Das Auditorium ist amüsiert. Und wird unmittelbar darauf von Weinschenks Worten gefesselt. Die Familie floh vor den Nazis in die USA. Er stehe nun in der Mainzer Synagoge auch im Gedenken an seine Freunde, die den Holocaust nicht überlebten. Ich spreche aber zugleich für meine christlichen Mainzer Jugendfreunde, die nicht mehr aus dem Krieg nach Hause kamen. Die neue Synagoge sei ein Zeichen der Hoffnung, aber auch ein Mahnmal dafür, dass sich ein Geist wie in der Nazizeit niemals wieder breitmachen darf. 
Ein Tag der Freude, der Hoffnung, aber auch der Mahnung Leitgedanken aller Redner an diesem Tag. Bundespräsident Christian Wulff setzt den Maßstab, prägt den Ton, sagt: Unsere Freude ist untrennbar verknüpft mit dem Gedenken an den Holocaust. Wir dürfen die Erfahrungen aus der Geschichte nie vergessen. Dass jüdisches Leben wieder aufblühe, das ist ein Glück für unser Land. Antisemitismus, Rassismus und Fremdenhass gehörten zu den großen Übeln unserer Zeit. Wir müssen uns füreinander interessieren, voneinander lernen, fordert der Bundespräsident. Hass-Signale, wie im Mai der Brandanschlag auf die Wormser Synagoge, seien unerträglich, betont Wulff.
Bewegende Worte von Knobloch. Charlotte Knobloch, die Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, wendet sich, ehe sie spricht, den Plätzen unmittelbar neben dem Rednerpult zu, begrüßt Kardinal Karl Lehmann und den Präsidenten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung. Nur auf den ersten Blick provoziert es, wenn Knobloch eindringlich fragt: Müssen wir Juden uns 65 Jahre nach dem Holocaust noch verstecken? Nur in wenigen Städten seien Synagogen optisch so herausragend wie in Mainz. Nein, wird ihre Antwort letztlich lauten. Nach dem Krieg seien Juden von jüdischen Organisationen gedrängt worden, Deutschland zu verlassen. Ich bin eine Überlebende des Holocaust, formuliert Knobloch in bewegenden Worten, meine Hoffnung war und ist unerschütterlich, und Tage wie heute zeigen: Es war richtig, zu bleiben. Deutschland sei für uns Juden Heimat.
Doch auch Knobloch mahnt Wachsamkeit an: Wir alle müssen jenen entgegentreten, die diese Erfolge gefährden. Stella Schindler-Siegreich, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Mainz, spricht gewiss vielen aus der Seele an diesem Tag, als sie sagt: Es ist ein sehr bewegender Augenblick, die neue Synagoge erleben zu dürfen. Sie dankt für die mannigfache Unterstützung und das große bürgerschaftliche Engagement. Ein besonderer Tag, wir sind dankbar, sagt auch Ministerpräsident Kurt Beck, und es klingt tatsächlich so, als falle ihm ein Stein vom Herzen. Er umreißt die Gefühle-Skala: Hoffnung und Freude an der Gemeinsamkeit, aber auch Scham angesichts der Vergangenheit, des Holocaust. Dem Fremdenhass und der Intoleranz noch stärker entgegentreten, fordert Beck. 
Oberbürgermeister Beutel stolz. Jens Beutel, Mainzer Oberbürgermeister, lässt spüren, dass die Stadt und ihre Bürger stolz sind auf die neue Synagoge und damit auf das Miteinander der Religionen und Kulturen. Ein Jahrhundert-Vorhaben, resümiert Beutel, ein Traum geht in Erfüllung. Doch in die Freude mische sich Scham, Schmerz und Trauer, der Holocaust bleibe ein Trauma. Auch Beutel erinnert an den Brandanschlag auf die Synagoge in Worms. Doch was letztlich überwiegt an diesem Tag, in den Worten und in den Gedanken, ist das, was Christian Wulff so umschreibt: "Was hier entstand, grenzt an ein kleines Wunder. Der jüdische Glaube kann dazu beitragen, Menschen von Ängsten zu befreien.'"  
 
Artikel von Bernd Funke in der "Allgemeinen" vom 4. September 2010 (Artikel): 
"Synagoge ist 'der Leuchte des Exils' gewidmet
MAINZ. EINWEIHUNG Begeisterung über Neubau / 'Jahrhundertprojekt' in der Mainzer Neustadt / Jüdische Gemeinde feiert ihr Beth Knesset Magenza. 
'Toll, einfach fantastisch' fühle er sich, strahlt Manuel Herz. Der Architekt, der vor elf Jahren Wettbewerbssieger war, ist die Unruhe in Person. Nur noch etwas mehr als eine Stunde trennt ihn von der Erfüllung seines Traums, der Einweihung 'seiner' Synagoge, die später als Jahrhundertprojekt gelobt werden soll. 'Kedusha' hat Herz in den Himmel der Mainzer Neustadt geschrieben. Eindrucksvoll hüllt grün-blaue Keramik das sprechende Bauwerk ein, das der traditionsreichen Jüdischen Gemeinde Mainz neue Heimat werden soll.
Monsignore Klaus Mayer, 'Vater' der Chagall-Fenster in der alten Reichskirche St. Stephan und engagierter Vermittler zwischen Christen und Juden, findet verbindende Worte: 'Ein großer Tag für Mainz und für die Jüdische Gemeinde.' Genau 98 Jahre zuvor hat der jüdische Großvater des katholischen Geistlichen, Bernhard Meier, als Vorsitzender der damaligen Jüdischen Gemeinde Mainz die 1938 von den Nazis in Brand gesteckte Synagoge mit eingeweiht. Nun steht der Enkel vor der Eingangstür, die in hebräischen Buchstaben den Namen der Synagoge trägt: 'Meor Hagola - Beth Knesset Magenza'. Erinnerung an den großen Mainzer Gelehrten Gerschom ben Jehuda (960 bis 1028), der den Beinamen 'Meor Hagola', Leuchte des Exils trug. Manuel Herz zeigt dem aus Düsseldorf angereisten Rabbiner Julian-Chaim Soussan, wie der später die Mesusa am rechten Türpfosten anzubringen hat.
In der Synagoge ist die Nervösität nachgerade greifbar. Herren, die ohne Kopfbedeckung erscheinen, werden mit einem speziell für diesen Anlass angefertigten Kippa, der kleinen kreisförmigen Kopfbedeckung, versorgt. 'Magenza' (so der jüdische Name des mittelalterlichen Mainz) steht darauf und das Datum: 3. September 2010, was nach jüdischem Kalender der 24. Elul des Jahres 5770 ist. Unter den Besuchern fällt eine Dame besonders auf: Vidosava Kozak von der Jüdischen Gemeinde Wiesbaden hat sich in die Flagge Israels gehüllt und schwenkt zudem ein Fähnchen mit dem blauen Magen David, dem Davidsstern: 'Ich strahle nur, mein Herz ist überglücklich.'
Es ist 9.50 Uhr, als Manuel Herz eine brennende Kerze gleich neben dem noch leeren Thoraschrein abstellt. Von diesem Feuer wird Stella Schindler-Siegreich, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Mainz, mit verhülltem Haupt später das Ner Tamid, das Ewige Licht, entzünden, das an die Feuersäule erinnern soll, der die Israeliten bei ihrer Wanderung durch die Wüste Siani folgten.
'Gib uns Frieden, Allmächtiger', intoniert der Chor 'Chorale Juive de France' mit seinem stimmgewaltigen Kantor Raphael Cohen - und die Gäste der Einweihungsfeier erheben sich von ihren Plätzen. Verdiente Gemeindemitglieder tragen drei mit Rimonim, an Granatäpfel erinnernde silberne Aufsätze, geschmückte und eine bekronte Thorarolle in den Gebetsraum. Das Licht im 26 Meter hohen Turm bricht sich in den unzähligen hebräischen Buchstaben an den golden scheinenden Wänden, die an manchen Stellen Gebetstexte freigeben. Die Träger umrunden die Bima, das Vorlesepult, bevor Rabbiner Soussan die Thora, Grundlage des jüdischen Glaubens, in den Thoraschrein, den Aaron ha Kodesch, stellt. Und dann ertönt das Widderhorn, das Schofar. Und sein Klang erfüllt den Raum, den Herz in der Form jenes biblischen Signalhorns gebaut hat. 
Schließlich der Schlüssel, den Architekt Herz der Vorsitzenden der Gemeinde übergibt: 'Ich hoffe, er öffnet uns allen den Weg in eine glückliche Zukunft', wünscht Stelle Schindler-Siegreich. In die entlässt Rabbiner Soussan Gemeinde und Gäste mit dem Birkat Kohanim, dem Priestersegen. 'Es segne dich der Ewige und behüte dich....Der Ewige wende sein Antlitz dir zu und gebe dir Frieden.' Und als habe der Chor nur auf dieses Stichwort gewartet, setzt er (völlig ungeplant) ein in ein fröhliches 'Schalom alejchem', 'Friede sei mit euch'. Nicht wenige klatschen und singen mit. Es geht auf Schabbat zu. 'Masel Tov' hört Stella Schindler-Siegreich wohl dutzende Mal. Und viele wünschen ihr und der Gemeinde schon 'Gut Schabbes' und 'Schabat Schalom' für den ersten Schabbat im neuen Zuhause."
 
  

      

30./31. Oktober 2010: Versuchter Anschlag auf die Synagoge in der Nacht vom 30. auf den 31. Oktober 2010 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung" vom 1. November 2010 (Artikel): "Unbekannte werfen Molotowcocktail auf Synagoge in Mainz
MAINZ. Unbekannte Täter haben in der Nacht von Samstag auf Sonntag im Bereich der jüdischen Synagoge in Mainz einen Brandsatz gezündet. Wie die Polizei berichtet, bemerkten Zeugen gegen 21.45 Uhr eine kurz aufleuchtende Stichflamme in unmittelbarer Nähe der Synagoge. Anschließend sei es sofort wieder dunkel geworden. Nach ersten, sofort eingeleiteten Ermittlungen der Polizei, wurde eine Art Molotowcocktail von der Straße an einen außerhalb des Synagogengeländes stehenden Baum geworfen. Ein messbarer Schaden - insbesondere an der Synagoge selbst - entstand nicht. Nach der vorliegenden Spurenlage prallte der Brandsatz von dem Baum ab, fiel auf den Boden und verpuffte. Die alarmierte Feuerwehr musste nicht mehr eingreifen. Staatsanwaltschaft Mainz und Polizei haben die Ermittlungen aufgenommen. 
Westerwelle: "Verabscheuungswürdigen Tat". Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sprach von einer "verabscheuungswürdigen Tat" und erklärte: "Ich setze darauf, dass sie schnell aufgeklärt wird. Antisemitismus darf keinen Platz in unserer Gesellschaft haben." 
Der rheinland-pfälzische Innenminister, Karl Peter Bruch (SPD), verurteilte die Tat in einer Mitteilung des Ministeriums. "Das ist ein Angriff auf unsere Demokratie, auf unsere grundlegenden Werte der Toleranz und des friedlichen Miteinanders", sagte er. Die Synagoge war erst Anfang September feierlich eingeweiht worden. 
Polizei bittet um Hinweise. Die Kriminalpolizei bittet um Zeugenhinweise! Haben eventuelle Zeugen vor der Tat im Bereich der Synagoge verdächtige Personen wahrgenommen? Sind die Täter auf der Flucht beobachtet worden?
Hinweise an die Kriminalpolizei Mainz, Telefon 06131/653633."
 
Pressemitteilung vom 9. November 2010 (Quelle): "Anonymes Schreiben zu Synagogen-Anschlag eingegangen
Mainz (dapd-rps). Im Zusammenhang mit dem Brandanschlag auf die Mainzer Synagoge untersucht die Polizei nun ein anonymes Bekennerschreiben. Darin werde der Anschlag als "Halloween-Scherz" und "Irrtum" bezeichnet, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur dapd. Weiter schreiben die Urheber, der Brandsatz sei gezielt gegen den Baum geworfen worden, in dem er sich verfangen hatte. Man habe nicht gewusst, dass dort eine Synagoge steht. Der am Montag in Mannheim abgeschickte und an eine Lokalzeitung adressierte Brief endet laut Polizei mit den Worten: "Tut uns leid. Liebe Grüße aus Malu" (Malu steht für Mannheim-Ludwigshafen).
Die Polizei kann laut Sprecher noch nichts zur Authentizität des Schreibens sagen. Es werde nun kriminaltechnisch untersucht. Ein Ergebnis werde frühestens am Mittwoch erwartet.
Die Polizei hatten noch am Dienstagmorgen auf Anfrage gesagt, dass die Ermittlungen weiterhin nicht vorankämen. Die Hinweise aus der Bevölkerung seien nur "spärlich und nicht gehaltvoll", sagte ein Sprecher. Es sei nach wie vor nicht klar, woher die Rotweinflasche, mit welcher der Brandsatz gebaut worden war, stamme. Das Etikett der Flasche war vergangene Woche in Zeitungen veröffentlicht worden. Dabei handelte es sich um die Marke "Valdelana" aus der Anbauregion Rioja, Jahrgang 2005. Auch die Suche nach dem unbekannten männlichen Täter, der den Molotowcocktail warf, habe bislang keine Ergebnisse gebracht.
Unbekannte hatten vor anderthalb Wochen einen Molotowcocktail auf das Synagogengelände geschleudert. Der Brandsatz wurde vermutlich von der Straße aus geworfen, prallte an einem Baum ab und verpuffte auf dem Boden. Schaden entstand nicht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in alle Richtungen und schließt dabei nach eigenen Angaben auch bloßen Vandalismus nicht. Es wurde eine Belohnung von 10.000 Euro für Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung der Täter führen." 
    
Juni 2011: Die Ermittlungen nach dem versuchten Anschlag auf die Synagoge werden eingestellt  
Pressemitteilung vom 16. Juni 2011: "Mainz/Worms. Ermittlungen nach Synagogen-Anschlägen eingestellt
Die Brandanschläge auf die Synagogen in Mainz und Worms bleiben wohl ungeklärt. Die Staatsanwaltschaft Mainz hat die Ermittlungen in beiden Fällen eingestellt. Man habe keinen Täter ermitteln können, teilte die Behörde am Donnerstag mit. 

Im Hintergrund die von dem Brandanschlag in Mitleidenschaft gezogene Wormser SynagogeIn Worms war im Mai 2010 mit einem Brandbeschleuniger an mehreren Stellen des jüdischen Gotteshauses Feuer gelegt worden. Der Brand konnte schnell gelöscht werden, der Schaden hielt sich in Grenzen.
Trotz einer stattlichen Belohnung von 10.000 Euro habe man praktisch keine Hinweise bekommen, so die Behörde.So ergab etwa die Befragung der Anwohner keine heiße Spur. Auch ein vor der Synagoge gefundenes Feuerzeug brachte die Ermittler nicht weiter. Die Vorgehensweise bei der Brandstiftung hatte ebenfalls Rätsel aufgegeben. Beispielweise sei an Stellen Feuer gelegt worden, wo gar nichts brennen konnte, etwa an einer Steinmauer. Das Motiv für die Taten bleibt für die Ermittler im Dunkeln. "Das wäre Kaffeesatzleserei", sagte der Leiter der Staatsanwaltschaft, Klaus-Peter Mieth.
Videoaufzeichnung zeigt Unbekannten bei der TatIn Mainz war die neue Synagoge im Oktober 2010 mutmaßlich Ziel eines Anschlags. Ein unbekannter Täter hatte einen Molotowcocktail in Richtung der Gebäudes geworfen. Der Brandsatz blieb allerdings in einem Baum hängen und richtete keinen Schaden an. Von der Tat in der Nacht zum 31. Oktober gibt es eine Videoaufzeichnung: Zu sehen ist, wie ein Unbekannter mit heller Kapuzenjacke und Rucksack einen Molotowcocktail gegen einen Baumstamm in unmittelbarer Nähe des Gotteshauses wirft. Die Ermittler hatten damals aber Vandalismus auch nicht ganz ausgeschlossen. Außerdem tauchte ein anonymes Schreiben auf, in dem von einem Halloween-Scherz die Rede war." 
   

 

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Mainz      
Website der Jüdischen Gemeinde in Mainz          
Zur Seite über die jüdischen Friedhöfe in Mainz (interner Link)  
Wikipedia-Artikel zur neuen Synagoge in Mainz   
    
      

       

 

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Stand: 27. Dezember 2013