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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Rottweil (Kreisstadt)
Betsaal der neuen Israelitischen Kultusgemeinde Rottweil /
Villingen-Schwenningen
Zur Seite über die
Jüdische Gemeinde bis 1938
Übersicht:
Zur Geschichte der neuen jüdische Gemeinde und ihres Betsaales
Im Dezember 2002 konnte in Abstimmung mit
dem Oberrat der Israeliten in Baden eine neue jüdische Gemeinde gegründet
werden (2004: etwa 140 Mitglieder). Die Gemeindeglieder wohnen im Bereich der
Landkreise Rottweil, Tuttlingen und des Schwarzwald-Baar-Kreises.
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Fotos: In den Räumen der Gemeinde bei der Chanukkafeier 2003
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| Vor dem Toraschrein:
Oberbürgermeister Thomas J. Engeser mit Frau |
Rechts: Werner Kessl, Rottweil
(Mitglied bei Alemannia Judaica) |
Kinder vor dem Toraschrein |
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| Chanukkafeier im
Dezember 2003 |
Dazu Artikel aus der Neuen Rottweiler Zeitung 
TANZENDE JUDEN TRAGEN TORAROLLE
DURCH DIE STADT
Einmaliges Schauspiel in
Rottweil
ROTTWEIL, 1. August (mm) – So etwas hat die
alte Stadt vermutlich noch nie gesehen: Nachdem die junge jüdische Gemeinde im
Beisein des Landesrabbiners von Württemberg Netanel Wurmser und seines Vorgängers
Joel Berger, des Oberrats der Israeliten Badens und Abgeordneter aus vielen jüdischen
Gemeinden von Würzburg bis Konstanz sowie zahlreicher anderer Honoratioren –
auch Landrat Dr. Wolf-Rüdiger Michel und Stadtarchivar Dr. Winfried Hecht
nahmen teil - die vom Oberrat der Israeliten in Baden gestiftete Tora-Rolle
geweiht hatte, wurde das kostbare Stück in einer fröhlichen Prozession von der
derzeitigen Synagoge in der Oberen Hauptstraße ins Alte Gymnasium getragen.
Tanzende und singende Männer mit schwarzen Hüten
und wallenden Bärten, die einen Baldachin und darunter die heilige Rolle
trugen, Frauen und Kinder in Festtagsgewändern und dazu strahlender
Sonnenschein. Aus ganz Deutschland, Frankreich, der Schweiz und sogar eigens aus
Israel waren die Festgäste am Sonntag angereist. Erstmals waren auch Vertreter
der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden Rottweils anwesend.
Die Familie des verunglückten Konstanzer Rabbiners Chaim Naftalin war
gekommen: seine Witwe und die beiden Söhne Moishe und Shaul, beide ebenfalls
Rabbiner in Israel. Ihr verstorbener Vater wurde in den vielen Festansprachen
immer wieder als derjenige geehrt, der die Gründung der Kultusgemeinde
Rottweil/Villingen-Schwenningen als seine Aufgabe gesehen hatte. Viktoria Svedchenko, Vorsitzende der jungen
Gemeinde, betonte das bedeutende Ereignis: nun könne man zurecht sagen, dass
die Gemeinde komplett sei. Die wertvolle Rolle, hergestellt unter strengen
rituellen Vorgabe in einer einjährigen Handschreibarbeit, in Straßburg,
uralter Überlieferung folgend, wurde vom Oberrat in Karlsruhe gestiftet, und
zwar zu Ehren des Gründerrabbiners Naphtalin.
Vorsitzender Jakob Goldenberg vom badischen Oberrat leitete dann die
Festveranstaltung im Saal des Alten Gymnasiums, wobei es vielsprachig zuging:
Russisch, Deutsch, Jiddisch und Iwrit: die Umgangsprache des Hebräischen im
heutigen Israel.
Eine
"gute und lebendige Gemeinde" sei in Rottweil entstanden, lobte Jacob
Goldenberg als Vorsitzender des Oberrats der Israeliten Badens. Innerhalb von
nur drei Jahren intensiver Arbeit habe die Israelitische Kultsgemeinde RW/VS
ihre Mitgliederzahl verdreifachen können. Damit ist dritte Judengemeinde
Rottweils jetzt nahezu doppelt so stark wie die 1938 zerschlagene.
Bei dem kleinen "Geburtstagsfest" am 8. Januar in den provisorischen
Gemeinderäumen sagte der Landkreis - durch Bürgermeister Wolfgang Wesner (Deißlingen)
in Vertretung des Landrats - und die Stadt Rottweil - durch Oberbürgermeister
Thomas J. Engeser - der Gemeinde auch weiterhin ihre Unterstützung zu.
Text: Werner Kessl, Foto: Monika Marcel |
Die zweite Jüdische Gemeinde Rottweils ging am Ende des für alle deutschen Juden furchtbaren Jahres 1938 zugrunde. Nahezu alle Gemeindemitglieder (96 im Jahre 1933) waren vertrieben, die Synagoge (1938) und der Friedhof (1942) verkauft. Acht Männer und Frauen aus der Gemeinde kamen in deutschen Konzentrationslagen um.
Die 2002 entstehende neue Jüdische Gemeinde, die Israelitische Kultusgemeinde
Rottweil/Villingen-Schwenningen (IKG RW/VS) , hat keine personalen Verbindungen zur jüdischen Geschichte Rottweils. Freilich war der
Kontakt - privat und amtlich- zu den Vertriebenen aufrechterhalten worden: in den USA, in Spanien und in Israel ,brieflich, aber auch durch Besuche in der alten
Heimat. -
Ihre Wurzeln haben die Menschen, die, über 6o Jahre nach der Shoa, neu in Rottweil ein jüdisches Gemeindeleben begonnen haben, im osteuropäischen Raum, sie sind so genannte
"Kontingentflüchtlinge".
Von 1996 an bauen sich Kontakte auf, die zu konkreter Hilfestellung führen: zur Stadtverwaltung, zum Landkreis und zum Arbeitskreis Ehemalige Synagoge Rottweil. Besonders hilfreich war Rabbiner Abi Herz aus Zürich (mit seiner Hilfsaktion YAHADUS) und die Verbindung zur Konstanzer Gemeinde. Deren damaliger Rabbiner Chaim Naftalin sel. A. hat die IKG RW/VS religiös begleitet und am 15.Dezember
2002 den Gründungsakt vollzogen.
Über diese enge Beziehung kam dann auch der Anschluss der neuen Gemeinde an die Israelitische Religionsgemeinschaft Baden –in Karlsruhe- zustande. - Der in Rottweil seit
1850 bestehende Israelitische Friedhof freilich blieb im Besitz der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs in Stuttgart. Amtlich gilt dieser Bestattungsort
als "geschlossen"; die seit 1997 vorgenommenen drei Beerdigungen
– Mitglieder der neuen Gemeinde - erfolgten jeweils mit Sondergenehmigungen der IRG in Stuttgart. So steht also der Gemeinde die Benutzung des Begräbnisplatzes auch weiterhin zur Verfügung.
Die Räume der Gemeinde, vor allem ihr Betsaal, sind im ehemaligen Fernmeldeamt Rottweil in der oberen Hauptstraße
(Nr. 26-28) untergebracht.
Im Augenblick – November 2007 - sind Verhandlungen darüber im Gange, ob die Gemeinde womöglich in der Ehemaligen Synagoge
– Kameralamtsgasse 6 - ihre Heimat finden könnte.
Entscheidend wichtig ist die Tatsache, dass seit Beginn dieselbe Person die Geschäfte geführt und so die Gemeinde vorangebracht hat: Tatjana Malafy
. Dabei ging es ihr nicht nur um die anstehenden Tagesgeschäfte, sondern um den Aufbau eines umfangreichen sozialen Netzwerkes, von der Organisation von Arztterminen bis zur Wohnungssuche. Im fünften Jahr ihres Bestehens zählt die Gemeinde jetzt 2oo Mitglieder.
Viel beachteter Höhepunkt in diesen Jahren war – im August 2003 - die feierliche Einhebung der ersten eigenen
Thorarolle - ein Geschenk des badischen Oberrats. Zahlreiche Gäste, darunter zehn Rabbiner, haben dies Heiligtum durch die Stadt begleitet. Seither kann Kantor Rafael Weisz- Thiede (Kehl) die regelmäßigen Gottesdienste besonders feierlich gestalten.
Text: Werner Kessl für den ARBEITSKREIS EHEMALIGE SYNAGOGE ROTTWEIL |
Jüdische Gemeinde in Rottweil jetzt selbstständig
Ende Dezember 2007 konnte die Israelitische Kultusgemeinde Rottweil
- Villingen-Schwenningen (IKG RW-VS) die ministerielle Beurkundung ihrer Selbstständigkeit als Körperschaft des öffentlichen Rechts entgegen nehmen. Nach fünf Jahren intensiver und erfolgreicher Arbeit im sozialen, kulturellen und religiösen Bereich kann die rund
200 Mitglieder umfassende Gemeinde jetzt selbstständig handeln. –Sie zählt als jüngste zu den jetzt 12 Mitgliedern zwischen Heidelberg und Bodensee, die in der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden zusammen geschlossen sind.
Mitteilung erhalten von Werner Kessl vom ARBEITSKREIS EHEMALIGE SYNAGOGE ROTTWEIL |
Zum
Foto (von Michael J. H. Zimmermann): Shana Tova! Alle guten Wünsche vereint diese Bildkachel im Rottweiler Betsaal der Israelitischen Kultusgemeinde.
Guten Rutsch ins Jahr 5769 - mit der neuen Zeitung "Shalom" -
Israelitische Kultusgemeinde feiert Neujahr
ROTTWEIL, 2. Oktober - "Shana Tova!" Mit besten Neujahrswünschen empfangen sich und ihre Gäste am Montag die Juden der Region Rottweil/Villingen-Schwenningen: "Shana Tova Umetukah!" Ein gutes, süßes soll das neue Jahr werden.
Zu klein ist der Betsaal für die rasch wachsende Israelitische Kultusgemeinde Rottweil / Villingen-Schwenningen, in dem sich die Gläubigen drängen: über 40 Männer und noch mehr Frauen. Da wird der Wunsch nach einer neuen Synagoge genährt - nicht nur bei der rührigen Geschäftsführerin Tatjana Malafy. Ob die Alte Synagoge in der Kameralamtsgasse infrage kommt?
Werner Kessl und seine Mitstreiter setzen sich dafür ein. Vorsteher Anatoliy Raykhelhauz aber kann die neue Gemeindewochenzeitung
"Shalom" vorstellen, die (noch) auf Russisch erscheint: Den zur Lesung bestimmten Abschnitt der Tora enthält sie, Gemeindenachrichten, Berichte über das Leben in der neuen Heimat, die hoffentlich eine solche ist, Kulturnachrichten – und jüdische Witze. Da ruft Rabbiner Jehuda Vendrov aus Straßburg zum Gottesdienst.
Aus dem Machsor wird gebetet; Psalm 24 auch; die heiligen Gesänge erklingen vor der Tora: "Sh'ma Israel, adonai eloheinu, ..." Höre, Israel, auf den Gott, der der einzige ist! Am Beginn (Kopf) des Jahres, an Rosch ha Shana, da die zehn ehrfurchtsvollen Tage beginnen, die Jamim Noraim, die mit dem Versöhnungsfest Jom Kippur enden.
Die rabbinische Literatur beschreibt diesen Tag als einen des Gerichts: So sieht der Rabbiner drei Bücher, die geöffnet liegen vor Gott, darin die Taten verzeichnet sind der Zadikim, der Gerechten; die der Mittelprächtigen, die der Bösen. Und er weist darauf hin, daß ein jüdisches Gebet das Gericht über sich selbst sei, was G'tt wohlgefällig sei. Es bleibt der Ruf zu solcher Jüdischkeit – auf dass der Gericht Haltende die Anwesenden in das erste einbinden möge Dann lädt er zum Mahl; er spricht den Kiddusch über einen Becher Wein, um die Heiligkeit des Tages hervorzuheben.
Es beginnt mit symbolischen Speisen: 162 Tage nach dem Beginn des Pessachfestes werden Apfelstückchen in Honig getaucht, dass es ein süßes werde; Gelbe Rüben werden gereicht, "Mehren", auf dass das jüdische Volk sich vermehre - erst nach der Vermählung bei anderem Festmahl, versteht sich; Frucht soll es tragen so viel wie der Granatapfel Kerne; wie die Fisch', die verspeist werden, sollen die Jidden sich tummeln ...
"Guten Rutsch!" wünschen sich zu Neujahr deutsche Christen, auch hier in der Wegspur ihrer älteren Brüder, die auf jiddisch sich zuriefen und wieder rufen: "Gut Rosch!" Fröhlich wird die Feier - und im kommenden Morgengottesdienst Shofar geblasen, den Anfang der Schöpfung zu preisen. Des Widderhorns Klang verkündet Gott als den König des Universums. Er ruft auf, zu erwachen, zu bereuen, zu Gott zurückzufinden: Er erinnert an das Blasen des Shofar am Berg Sinai, als das erwählte Volk Gottes Gebote annahm. Für immer. Shana
Tova." |
Links und Literatur

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