Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Zu den Friedhöfen im Regierungsbezirk Schwaben  
    

Ichenhausen (Kreis Günzburg) 
Jüdischer Friedhof  
  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde           
    
Siehe Seite zur Synagoge in Ichenhausen (interner Link)    
   
   
Zur Geschichte des Friedhofes              
    
In den Jahren nach der ersten Aufnahme von Juden in Ichenhausen nach 1536 wurden die Toten der entstehenden jüdischen Gemeinde in dem bis zum 17. Jahrhundert zentralen jüdischen Friedhof in Burgau (Schwaben) beigesetzt (von diesem Friedhof ist nur noch die Lage bekannt: Flur "Judenbegräbnis" unmittelbar nördlich der heutigen Walter-Ludwig-Straße). Alsbald bemühten sich die Juden in Ichenhausen bei der Grundherrschaft um Anlage eines eigenen Begräbnisplatzes. 1567 wurde ihnen ein solcher von der Habsburgischen Herrschaft genehmigt, allerdings gegen den Willen des Burgauischen Landamtmannes, dem nun die Begräbnisgebühren für die Ichenhäuser Juden entgingen.

Der seit seiner Anlage mehrfach erweiterte jüdische Friedhof besteht aus vier Teilen:

Links des Haupteinganges liegt die erst 1934 (!) vom "Jüdischen Jugendverein Ichenhausen" erbaute Friedhofshalle ("Predigerhalle") mit dem westlichen Anbau des Taharahauses.
Östlich davon schließt sich der neue Friedhofsteil an, auf dem Beisetzungen vom Ende des 19. Jahrhunderts bis nach 1945 vorgenommen wurden. Die letzte Beerdigung eines Juden aus Ichenhausen fand 1942 statt. Im März 1945 wurden 18 ungarische Juden des Zwangsarbeitslagers Burgau und 1946 drei jüdische Verstorbene eines nahe gelegenen Lagers für "Displaced Persons" im Friedhof beigesetzt.
Daran schließt sich der älteste Friedhofsteil an, auf dem die meisten Grabsteine nicht mehr erhalten sind. Die noch lesbaren Steine tragen Daten aus dem 18. Jahrhundert. Auf diesem Teil wachsen mehrere jahrhundertealten Eichen. Auch ist eine "Gruppe" von Rabbinergräbern vorhanden.
Östlich des ältesten Teil liegt der alte Teil, auf dem Beisetzungen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts vorgenommen wurden.

Ein Teil des Friedhofes ist von einer Mauer umgeben (20 bis 25 m lang), um den größeren Teil verläuft ein Drahtzaun. Insgesamt sind etwa 1.000 Grabsteine erhalten, wobei die Gesamtzahl der hier beigesetzten Personen auf 7.000 bis 8.000 geschätzt wurde. Insgesamt beträgt die Fläche 102,59 a bei einer Länge des Friedhofareals von ca. 235 m und einer Breite von ca. 45 m.   
   
In der NS-Zeit wurde der Friedhof vor allem im Zusammenhang mit dem Novemberpogrom 1938 teilweise zerstört. Dabei wurden hunderte von Grabsteinen umgeworfen. Viele sind bei den Zerstörungsaktionen zerbrochen.   
        
        
Aus der Geschichte des Friedhofes 
Schändung des Friedhofes im Mai 1929

Ichenhausen BayrGZ 01061929.jpg (71517 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 1. Juni 1929: "Ichenhausen. Anfang Mai wurde der hiesige israelitische Friedhof von Bubenhand geschändet. Die Bretterwand, die den Friedhof in seiner ungeheuren Ausdehnung umgibt und die erst im vorigen Jahre zum großen Teil renoviert worden war, wurde an einer mit alten Brettern versehenen Stelle an der Nordostecke in einer Ausdehnung von etwa vier Metern eingerissen. Diese diese Lücke drangen die Schädlinge in den mittelalterlichen Teil des Friedhofes ein und stürzten dort eine Anzahl von ungefähr zehn zum Teil großen, zum Teil kleinen Grabdenkmälern um, sodass dieselben teilweise zerbrachen, teilweise mit geringerem Schaden davon kamen. 
Die Inschriften dieser Grabsteine sind nach oben gerichtet und klagen zum Himmel über die Rohheit derer, die sich Angehörige eines Kulturstaates nennen, aber in ihrem verblendeten Hass noch nicht einmal Halt machen vor den geheiligten Stätten der Toten."

    
    
Lage des Friedhofes 
    
Der Friedhof liegt etwas südlich von Ichenhausen. Aus dem Ort kommend, nach dem Ortsende, kurz vor dem Bahnübergang, biegt man von der Straße links in einen Feldweg ein und folgt diesem bis zum Friedhof.    
    
    
    

Fotos 

Fotos vom Sommer 2004 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 23.7.2004)  
 
Ichenhausen Friedhof 106.jpg (83497 Byte) Ichenhausen Friedhof 110.jpg (83129 Byte) Ichenhausen Friedhof 100.jpg (85284 Byte)
Eingangstor  Die 1934 erbaute "Predigerhalle", ein Rundbau mit einem hölzernen Vordach; 
die Taharahalle ist westlich angebaut. 
  
   
Ichenhausen Friedhof 109.jpg (80765 Byte) Ichenhausen Friedhof 102.jpg (79846 Byte) Ichenhausen Friedhof 105.jpg (72839 Byte)
Hinweistafel   Teilansichten des Friedhofes 
   
Ichenhausen Friedhof 111.jpg (75933 Byte) Ichenhausen Friedhof 104.jpg (77024 Byte) Ichenhausen Friedhof 103.jpg (79114 Byte)
Grabstein für Aron S.G. Heller Kultusvorstand
 und Stadtrat (1852-1931)
     
     
Ichenhausen Friedhof 108.jpg (89738 Byte) Ichenhausen Friedhof 107.jpg (84719 Byte) Ichenhausen Friedhof 101.jpg (88912 Byte)
Gräber der in einem Displaced-Persons-Lager
 1946 verstorbenen Juden
"Und vergiss nicht, was Dir Amalek angetan hat!"*
Zwei der Grabsteine von ungarisch-jüdischen Zwangsarbeitern aus dem Lager Burgau  
    * Das Zitat aus 5. Mose 25,17, mit dem beide Inschriften beginnen, wurde im Judentum in der 
Zeit nach nach 1945 zur Aufforderung, die schrecklichen Ereignisse während der Shoa (Holocaust)
 niemals zu vergessen. 
        
Fotos vom Spätherbst 2007 
(Fotos von Hubert Joachim, Mitarbeiter von www.weltkriegsopfer.de
Aufnahmedatum: 23.11.2007) 
 
Ichenhausen Friedhof 170.jpg (102290 Byte) Ichenhausen Friedhof 177.jpg (116409 Byte) Ichenhausen Friedhof 171.jpg (88862 Byte)
 Hinweistafel am Eingang  Die "Predigerhalle" von 1934 
   
Ichenhausen Friedhof 172.jpg (106690 Byte) Ichenhausen Friedhof 173.jpg (117462 Byte) Ichenhausen Friedhof 176.jpg (119109 Byte)
 Teilansichten des Friedhofes
 
Ichenhausen Friedhof 174.jpg (110067 Byte) Ichenhausen Friedhof 175.jpg (109629 Byte)   
      

   
   

Links und Literatur  

Links:  

Website der Stadt Ichenhausen    
Zur Seite über die Synagoge in Ichenhausen  (interner Link) 
Website "Jewish Genealogy in Bavarian Swabia" 
Seite des "Jüdisch-Historischen Vereins Augsburg" zum jüdischen Friedhof in Ichenhausen   
Weitere Seite dieses Vereines zu den "Sammelgräbern im jüdischen Friedhof Ichenhausen"   

Literatur:  

Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit A 85. 1988. S. 243-250.  
Michael Trüger: Der jüdische Friedhof in Ichenhausen / Schwaben. In: Der Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern. 13. Jahrgang Nr. 76 vom April 1998 S. 13.  
Michael Schneeberger: Die Juden in Ichenhausen (Reihe: Jüdische Landgemeinden in Bayern Teil 4). In: Jüdisches Leben in Bayern. Mitteilungsblatt des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern. 18. Jahrgang Nr. 91 vom April 2003 S. 24-29. 

Weitere Literatur zur Geschichte der Juden in Ichenhausen siehe bei der Seite zur Synagoge.  
   
    

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 16. Oktober 2013