Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Zu den Friedhöfen im Regierungsbezirk Schwaben  

Harburg (Landkreis Donau-Ries) 
Jüdischer Friedhof

Listen, erstellt von Rolf Hofmann: 

Jewish Cemetery of Harburg - Gravelist  (pdf)  
Jewish Cemetery of Harburg - unscaled map (pdf)  

 

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde

Siehe bei der Seite zur Synagoge in Harburg
 

Zur Geschichte des jüdischen Friedhofes

Der jüdische Friedhof in Harburg geht auf das 17. Jahrhundert zurück. In seinem Schutzbrief vom 10. März 1671 versprach der Oettingische Landesherr, einen halben Morgen Ackerland "unten am großen Hühnerberg gelegen" als jüdische Begräbnisstätte zu verkaufen. Die jüdischen Familien hatten hierfür 75 Gulden in zwei Raten zu bezahlen. Auf diesem Friedhof wurden in der Folgezeit auch Juden aus Mönchsdeggingen und Ederheim beigesetzt. In der jüdischen Gemeindeordnung von 1672 war geregelt, dass jeder neuaufgenommene Schutzverwandte von seinem Heiratsgut eine auf die Höhe der Mitgift bezogene Gebühr zur Erhaltung der Begräbnisstätte abgeben musste. Für jeden Beigesetzten war zusätzlich eine Gebühr an das Oberamt zu bezahlen. Bereits im 18. Jahrhundert wurde der Friedhof stark beschädigt: 1744 und 1800 verwendeten durchziehende Soldaten die hölzernen Grabdenkmale sowie (1744) den Friedhofszaun zum Feuermachen. 1745 wurde der Friedhof mit einer Mauer umgeben. 1833 wurde der Friedhof erstmals erweitert. Die letzte Beisetzung im Harburger Friedhof war 1938 (Julius Nebel). Bereits im April 1937 wurden auf dem Friedhof 33 Grabsteine umgeworfen und zerschlagen. Bis 1945 kam es zu weiteren Zerstörungen; ein Teil der Grabsteine wurde abgeräumt. Erhalten blieb bis heute ein Tahara-Haus. 

Lage des Friedhofes:
Von der Stadtmitte etwa 2 km westlich oberhalb von Harburg, zuerst Richtung Burg bis zum Ortsende, dann nach Westen auf der Anhöhe, Feldweg nach rechts zum Hühnerberg. 
  

Fotos
Historische Fotos aus den Jahren 1940/45:
 
(Fotos: Ernst Ruff, Harburger Heimatforscher; das mit * bezeichnete Bild von Günther Rüdel ist in den 1950er-Jahren entstanden)

Harburg Friedhof 081.jpg (50678 Byte) Harburg Friedhof 085.jpg (51789 Byte) Harburg Friedhof 080.jpg (57007 Byte)
Teilansicht des Friedhofes* Blick auf den Friedhof mit dem Tahara-Haus Grabstein für den "Kultus-Vorsteher und Gemeindebevollmächtigten" Nathan Hechinger (1816-1835, Enkel des Hoffaktors Jacob Lippmann Hechinger)
     
Harburg Friedhof 083.jpg (61210 Byte) Harburg Friedhof 084.jpg (33578 Byte) Harburg Friedhof 082.jpg (58011 Byte)
Grabsteine für Moritz Nebel (1854-1914) und Sophie Nebel geb. Mendel (1862-1936) Umgeworfene Grabsteine in der NS-Zeit - um 1938.* Oben und unten (von links nach rechts): Grabsteine für Gela Selz (1762-1850), Perl Selz (1802-1850), Joseph Löb Selz (1756-1859)
     
Harburg Friedhof 087.jpg (55336 Byte) Harburg Friedhof 086.jpg (45426 Byte) Harburg Friedhof 195.jpg (90301 Byte)Harburg Friedhof 196.jpg (74219 Byte)Harburg Friedhof 197.jpg (87653 Byte)
Grabsteine für Moses und Alexander Guldmann* Grabstein-Symbolik: aufgeschlagenes Buch und Zedaka-Büchse Dieselben Grabsteine wie oben 1994
     

Die beiden mit *) markierten Fotos sind aus dem Nachlass des Harburger Heimatforschers und Hobbyfotografen Ernst Ruff (1891-1974; Fotos erhalten über Rolf Hofmann, Stuttgart).

 

  
Fotos um 1970:
(Fotos: R. Klotz)

Harburg Friedhof 210.jpg (83442 Byte) Harburg Friedhof 211.jpg (94245 Byte) Harburg Friedhof 212.jpg (80919 Byte) Harburg Friedhof 213.jpg (84383 Byte)
Teilansichten/einzelne Grabsteine des Friedhofes

Neue Fotos, teilweise im Vergleich 1994 und 2004:
1. Farbfotos von 2004 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 12.3.2004) 
2. Sw-Fotos von 1994, entstanden für die  Dokumentation von harburgproject "Jüdischer Friedhof Harburg - Schwaben" (siehe Lit.)
(Fotos: Mario (Meir) Jacoby (Kfar Haroeh, Israel)
Der Vergleich zeigt mehrfach den rapiden Verfall der Grabsteine innerhalb von 10 Jahren.

Harburg Friedhof 114.jpg (66470 Byte) Harburg Friedhof 113.jpg (76527 Byte) Harburg Friedhof 115.jpg (76401 Byte)
Taharahaus Eingangstor Blick zum Friedhof zum Schloss Harburg
     
Harburg Friedhof 101.jpg (78650 Byte) Harburg Friedhof 110.jpg (80018 Byte) Harburg Friedhof 111.jpg (79876 Byte)
Blicke über den Friedhof Teilansicht
   
Harburg Friedhof 103.jpg (80194 Byte) Harburg Friedhof 112.jpg (89459 Byte) Harburg Friedhof 109.jpg (84590 Byte)
Grabstein für Gabriel Guggenheimer aus Harburg Grabsteine der Familie Nebel: die hohen für Moritz Nebel (1854-1914) und Sophie Nebel geb. Mendel (1862-1936), der Sockel für Abraham Nebel (1861-1918)
   
Harburg Friedhof 145.jpg (69439 Byte)Harburg Friedhof 102.jpg (80511 Byte) Harburg Friedhof 100.jpg (73352 Byte)
Grabstein für Urias Löb Guldmann aus Harburg (1783-1848; = Arie Löb) mit Symbolen: Beschneidungsmesser (des Mohel) und Buch für einen Schriftkundigen. Links 1994, rechts in deutlich schlechterem Zustand 2004 Grabstein für Salomo Oettinger mit Schofar (Widderhorn)
   
Harburg Friedhof 225.jpg (80070 Byte)Harburg Friedhof 104.jpg (76214 Byte) Harburg Friedhof 105.jpg (85447 Byte) Harburg Friedhof 106.jpg (85739 Byte)
Grabstein für Schuhmacher Isak Löb Hausmann (1810-1874); Links 1994, rechts in deutlich schlechterem Zustand 2004 Grabstein für Isaak Blumgart (1787-1873) mit Beschneidungsmesser, segnenden Händen der Kohanim und Schofar Grabstein für Lemmle Waldmann (1784-1829), Landkrämer aus Harburg
     
Harburg Friedhof 108.jpg (90198 Byte) Harburg Friedhof 107.jpg (81801 Byte)
Grabsteingruppe (von links nach rechts): Grabstein für Daniel Hechinger (1795-1821, Sohn des Hoffaktors Jakob Lippmann Hechinger), Grabstein für Simon Hausmann (1758-1824, Gatte von Liebel Hausmann), Grabstein für Liebel Hausmann (1758-1834, Gattin von Simon Hausmann). Unten dieselben Steine 1994. Grabsteingruppe (von links nach rechts): Grabstein für Samuel Braunschweig (1760-1833), Grabstein für Abraham Moses (Levi) Oettinger (1764-1834, vgl. unten), und dessen Frau Madele Oettinger (1765-1855) 
   
Harburg Friedhof 054.jpg (84890 Byte)Harburg Friedhof 055.jpg (78958 Byte)Harburg Friedhof 056.jpg (82743 Byte) Harburg Friedhof 144.jpg (108542 Byte)
    Der Grabstein für Abraham Moses (Levi) Oettinger (vgl. oben) im Zustand von 1994
      
Harburg Friedhof 142.jpg (68690 Byte) Harburg Friedhof 140.jpg (102561 Byte) Harburg Friedhof 147.jpg (76656 Byte)
Grabstein für Jette Guggenheimer (1773-1843) in Harburg, Urgroßmutter von Prof. Ernst Guggenheimer (Architekt der 1952 erbauten Stuttgarter Synagoge) Grabstein für Jakob Hirsch Weiler (1775-1843), Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Ederheim Grabstein für Emanuel Berolzheimer aus Harburg (1810-1858), früh verstorbener Lehrer der jüdischen Elementarschule in Harburg
     
Harburg Friedhof 149.jpg (83606 Byte) Harburg Friedhof 146.jpg (103103 Byte) Harburg Friedhof 150.jpg (67533 Byte)
Grabstein für Samson Stern aus Harburg (1766-1848) mit Symbol der segnenden Hände des Cohen Grabstein für Abraham Mai aus Harburg (1774-1850), Vater von Dr. med. Raphael Mai (der Harburger Arzt im 19. Jahrhundert, geachtet und verehrt bei Juden und Christen) Grabstein für Meyer Hirsch Goldschmidt aus Harburg (1774-1851)
 
     
Harburg Friedhof 148.jpg (70536 Byte) Harburg Friedhof 141.jpg (94531 Byte) Harburg Friedhof 143.jpg (57522 Byte)
Grabstein für Rösle Einstein aus Ederheim (1812-1870) Grabstein für Regina Wassermann (gleichfalls gest. 1799), Tochter von Israel Elkan Wassermann in Harburg, Enkelin des Salzfaktors Elkan Wassermann Grabstein für Regina Wassermann (gest. 8.11.1799), Gattin des Salzfaktors Elkan Wassermann in Harburg

   
   

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Harburg: hier anklicken  
Informationsseite zum jüdischen Friedhof Harburg (beim Geschichtsindex dieser Seite der Stadt Harburg weiter zum "jüdischen Friedhof"): hier anklicken  
Informationsseite mit Fotos zum jüdischen Friedhof in Harburg (Universität Ulm, Zentrum für allgemeine wissenschaftliche Weiterbildung. Arbeitskreis Nördlinger Ries): hier anklicken  
Zur Seite über die Synagoge Harburg (interner Link) 
Website "Jewish Genealogy in Bavarian Swabia" 

Literatur:  

Germania Judaica II,1 S. 340f; III,1 S. 518.
Michael Trüger: Der jüdische Friedhof in Harburg. In: Der Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern. 10. Jg. Nr. 68 vom Dezember 1995 S. 16.
Baruch Z. Ophir und Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. München und Wien 1979. S. 469f.
Reinhart Jakob: Die jüdische Gemeinde von Harburg (1671-1871). Nördlingen 1988.
Rolf Hofmann: Aus der Geschichte der Harburger Juden. 12 Artikel in der "Donauwörther Zeitung" 1994/95.
Harburg Friedhof 088.jpg (62624 Byte)Meir Jacoby, Ruth Jacoby, Rolf Hofmann: Jüdischer Friedhof von Harburg (Schwaben) 
Diese Kurzdokumentation des Harburger Judenfriedhofes enthält eine Auswahl von etwa 50 besonders schönen und gut erhaltenen Grabsteinen. Die sorgfältig ausgearbeitete Dokumentation mit hebräischer Transkription der Inschriften, deutscher Übersetzung und familiengeschichtlichen Erläuterungen unterstreicht die historische Bedeutung des Harburger Judenfriedhofs, der nach dem Friedhof in Wallerstein der älteste und wohl auch schönste im Landkreis Donau-Ries ist. Die auch auf den Fotos noch klar und deutlich lesbaren Inschriften dürften eine große Hilfe bei der Erarbeitung familiengeschichtlicher Details sein. Die Dokumentation ist erhältlich bei der Stadt Harburg.

    

                   
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Stand: 02. April 2009