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Friedhöfe in der Region"
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Burgkunstadt (Kreis
Lichtenfels)
Jüdischer Friedhof
Übersicht:
Zur Geschichte des Friedhofes
Der jüdische Friedhof von
Burgkunstadt gehört mit einer Fläche von 144,50 ar und etwa 2.000 Grabsteinen
zu den großen jüdischen Landfriedhöfen in Bayern. Der Friedhof ist um 1620
angelegt und bereits 1679 erweitert worden. Die Betreuung des Friedhofes
unterlag dem direkt benachbarten Rabbinat in Burgkunstadt.
Der Friedhof war gemeinsamer Begräbnisplatz für Juden aus dem gesamten
Obermain-Gebiet, d.h. der jüdischen Gemeinden (beziehungsweise jüdischen
Familien) in den Orten Burgkunstadt,
Maineck, Friesen,
Redwitz, Altenkunstadt,
Kronach,
Rothwind, Fassoldshof,
Ebneth, Oberlangenstadt
(ab 1832), Küps
(ab 1832), Horb
am Main, Hochstadt am Main, Mistelfeld, Seubelsdorf, Kulmbach,
bis 1787 auch der Gemeinde Bayreuth,
bis 1840 der Gemeinde Lichtenfels.
Das Eingangstor ist von einer massiven Steinmauer eingefasst. Links dahinter
befindet sich das Taharahaus und ein Brunnen. Das Taharahaus trägt eine
Inschriftentafel mit einem Segensspruch. Die Grabsteine stehen in drei Feldern.
In nördlichen und nordwestlichen Teil sind die ältesten Grabsteine aus der
Zeit um 1700. Rechts des Eingangs sind die Gräber aus dem 19. Jahrhundert.
Links des Eingangs stehen die jüngeren Steine aus der Zeit nach 1900. Der
Friedhof wurde bis 1942 belegt. Die letzte Beigesetzte war 1942 Jette Lamm. Ihr
Grab liegt neben dem der 1938 verstorbenen Babette Silbermann, doch erhielt
Jette Lamm keinen Grabstein mehr (vgl. Artikel von Christian Porzelt siehe Lit.
unten).
In der
NS-Zeit wurde der Friedhof geschändet.
Am 24. Februar 1973 wurde der Friedhof in furchtbarer Weise geschändet,
als etwa 600 Grabsteine umgeworfen wurden. Als Täter wurden Jugendliche
ausgemacht, die nach einer durchzechten Faschingsnacht sich zu dieser ruchlosen
Schändung hatten hinreißen lassen.
Texte zur Geschichte des Friedhofes
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1. Leopold Godlewsky (ehemaliger
jüdischer Lehrer in Amberg): Der jüdische Friedhof zu Burgkunstadt.
In: "Bayerische Israelitische Gemeindezeitung" vom 15. Dezember 1928.
Anmerkung: Leopold Godlewsky ist am 28. Oktober 1878 in
Hirschaid geboren als Sohn des
Lehrers Moses Godlewsky und seiner Frau Ida geb. Lachmann. Wie er,
wurden auch seine Brüder Elias (siehe oben, geb. 1880) und Meyer (geb.
1867) Lehrer. Leopold war zunächst Lehrer im unterfränkischen
Gerolzhofen, dann von 1908 bis
1938 Lehrer, Kantor und Schächter bei der jüdischen Gemeinde in
Amberg. Er unterrichtete auch die
Kinder in Sulzbach und
Schwandorf sowie in Burglengenfeld
und Nabburg. Leopold Godlewsky beschäftigte sich mit jüdischer
regionaler Kulturgeschichte. Er veröffentlichte Artikel wie über den
unten wiedergegebenen Beitrag zum jüdischen Friedhof von Burgkunstadt
oder über die Juden von Küps, in der
Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung. Leopold Godlewsky wurde 1942
zusammen mit seiner Frau Bella geb. Lang (geb. 2. April 1887 in
Burgkunstadt) und der Tochter Ilse (geb. 29. Juni 1920 in
Amberg) deportiert und an unbekanntem
Ort ermordet.
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"Der jüdische Friedhof zu Burgkunstadt von Leopold Godlewsky (Amberg).
Ein besonders ansprechendes Gebiet bayerischer jüdischer Kulturgeschichte
bilden die alten, jüdischen Begräbnisstätten mit ihren reichen
kunsthistorischen Werten. Sie bieten nicht nur wertvolles, umfassendes
Material für die Geschichte — besonders die Familiengeschichte — der
bayerischen Judenheit, sie weisen auch oft auf eine Glanzzeit jüdischer
Friedhofskunst hin und veranschaulichen ferner in gleichem Maße die
sprechende und reizvolle Symbolik.
Ein solches Wahrzeichen alter jüdischer Kulturgeschichte und Friedhofskunst
ist der idyllisch gelegene Friedhof in dem oberfränkischen Städtchen
Burgkunstadt am Main. Urkunden berichten, dass im Jahre 1620 die
Standesherrn von Redwitz-Rodach den Gemeinden
Küps und Burgkundstadt die
Errichtung von Sammelfriedhöfen gestatteten. Im Jahre 1832 wurde der
Küpser Friedhof geschlossen, da dieser
wegen seiner Lage im Weichbilde des Marktfleckens keine
Ausdehnungsmöglichkeit mehr besaß, die Küpser Gemeinde rapid im Abnehmen
begriffen und das zuständige Rabbinat Rodach
der Auflösung verfallen war. Seitdem diente der Friedhof in Burgkundstadt
als Begräbnisstätte für sämtliche Gemeinden der näheren und weiteren
Umgebung.
Von Nordost mit Föhrenwald umsäumt hat man nach den beiden anderen Seiten
einen reizenden Überblick über das Maintal zu den Schlössern der toleranten
Herren von Redwitz und zu den bewaldeten Höhenausläufern der Fränkischen
Schweiz. Einzelne Bäume und Sträucher umschatten die zum Teil tief
eingesunkenen, bemoosten Steine, als wollten sie dieselben vor gänzlichen
Verfall schützen. Die kleinen Grabmäler, die nicht mehr an Menschenhand
erinnern, liegen im Moos, in langhalmigen Gräsern, in Wiesen- und
Feldblumen, in der grünen Vegetation eingebettet, wie Gestein, das von
Ewigkeit zu ihnen gehört. — (Siehe Abbildung 1.) Gleich den Bäumen
waren sie dem Wind, der Luft, den Gesetzen der Natur untertan. Der Mensch
errichtete sie, dann überlieh er sie sich selbst. Im Anfänge standen die
Denksäulen und Steinbretter senkrecht auf den Platten, dann neigten sie
sich, stürzten, brachen in Stücke und verbargen sich in die Erde. Die Blumen
sorgten für sich selbst, sie wuchsen, wo es ihnen gefiel. Diese Friedhöfe
waren schöner als die jetzigen; sie waren näher dem Tod. Die Auffassung
unserer Religion sprach daraus: wo Tote liegen, nicht künstlich die
Erinnerung pflegen.
Wie stechen die heutigen Friedhöfe dagegen ab! Es sind gemauerte Städte von
kleinen Prunkhäusern, deren jedes den Namen des Besitzers zur Schau trägt,
damit man auch im Tode noch zum Ring der besitzenden und geldverdienenden
Familien gehört.
Wenden wir uns wieder zu unserem Friedhofe. Wir stehen hier, lassen unseren
Blick über diese Stätte des Friedens schweifen und schweigend umfasst uns
die Melancholie dieses Waldes der Toten.
In der Mitte des alten Teiles, der viel mehr als tausend alte Grabsteine
umfasst, fesselt uns besonders eine Gruppe von Steinen, die in den letzten
zwei Jahren mit Hilfe des Landesverbands einer Renovierung unterzogen wurde.
(Siehe Abbildung 2.) Was der Beschauer hier an Formenschönheit
bewundern kann, lässt sich nicht leicht wiederfinden. An Stilformen finden
wir hier die der Barock-, Rokoko- und Biedermeierzeit vorherrschend. Bei
diesen Grabmal-. |
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formen
fällt zunächst eine wohltuende Einfachheit in der Umrisslinie und die
Einheitlichkeit in dem Baustoff auf. Durchwegs ist einheimischer,
zuweilen roher, körniger Sandstein verwendet. Schon allein durch diese
Materialeinheit ist eine gewisse Ruhe und Bodenständigkeit verbürgt,
ganz im Gegensatz zu den vielfarbigen, oft wie Musterausstellungen
wirkenden Grabmalen aus unseren Tagen. Der einzelne Grabstein verrät bei
aller Einfachheit durch die reinausgeprägten Stilformen eine
ungewöhnliche, künstlerische Gestaltungskraft, eine fast unerschöpflich
scheinende Phantasie und große handwerkliche Geschicklichkeit.
Hinsichtlich der Größe der Steine fällt besonders auf, dass weitaus die
meisten sehr niedrig gehalten sind. Sie gehen in der Höhe meist nicht
viel über 80—100 Zentimeter hinaus, die Breite beträgt durchschnittlich
40—50 Zentimeter, die Stärke 8—15 Zentimeter. Schon allein durch diese
Abmessungen kommt in diese Grabsteine etwas zierliches und elegantes,
ganz im Gegensatz zu vielen unserer heutigen Grabsteine, die durch ihr
Volumen mitunter über die künstlerische Unzulänglichkeit des Entwurfes
hinwegzutäuschen versuchen. Gerade diese niedrige Form passt besser zum
Wesen und zur Aufgabe eines Friedhofes; denn durch große Gebilde wird
viel weniger der Gedanke an die Vergänglichkeit dieses Daseins
wachgerufen.
Der älteste Stein im ältesten Teile des Friedhofes ist ein Frauengrabmal
aus Altenkunstadt und trägt die
Jahreszahl 1623. Er ist kaum einen halben Meter hoch mit einem
Dreiecksgiebel. Auch andere Steine seines Alters tragen diese Giebel,
oder schließen mit dem Rundbogen ab. An den beiden Rändern laufen
eingekerbte Linien, welche Säulen andeuten und ihrer Struktur nach der
Renaissance angehören, wenn auch in einfacher Form. Überhaupt finden wir
in dieser Zeit ganz einfache ärmliche Steine entsprechend der bedrängten
Lage, in welcher sich damals unsere Glaubensbrüder befanden.
Gehen wir nun einige Reihen seitlich nordöstlich, so fallen uns drei
gleichmäßige, prächtige Grabsteine auf, die der Inschrift nach ohne
Zweifel einer Gelehrtenfamilie angehören, Vater, Mutter und Sohn, die
zwischen 1730 und 1750 verstorben sind. Das rühende inhaltsreiche
Epitaph derselben endigt in seinen Versen auf chet oder alef.
Die schönen und kunstvollen Steine sind von gewundenen Säulen umrahmt
und besitzen über dem Kapitell doppelt hinauf geschwungene jonische
Voluten. Sie verkörpern in der Form den Barockstil. (Siehe Abbildung
3.) In einer anderen Reihe finden wir diesen Kunststil auf
ausgeprägter und hoch entwickelter Stufe. Ein Grabstein aus dem Jahre
1737 zeigt kunstvoll gewundene Säulen mit sein ausgearbeiteten
Kapitells, worauf doppelte, gewundene Schnecken ruhen, aus welchen
lanzettliche Blätter herauswachsen, in der Mitte oben eine große Muschel
einschließend (Korinthische Säule.) Ein Stein aus dem Jahre 1726 zeigt
diese Ausführung in reicher, verschwenderischer Fülle. Ein fein
ziseliertes Pflanzengewinde umrankt das Epitaph und die gewundenen
Säulen werden von reichem Blatt- und Doldenwerk eingeschlossen. Über der
Schrift prangt die Levitenkanne. Ähnlich diesem zeigt ein anderer Stein
in der krönenden Rundung diese Kanne in einem Becken, während der
Grabstein eines Talmudgelehrten aus
Kronach mit Löwen geschmückt ist, dem Wappen des Stammes Juda.
Der schönste Stein aber — ein Rokokokunstwerk — war mitten entzwei
gebrochen und abgebröckelt. Heute steht er wieder erneuert an seinem
Platze und wundert sich, dass er nicht etwa ein französisches
Prunkschloss ziert. Wenn dieser Stil an sich wohl keine neuen
konstruktiven Elemente mitbrachte, sondern nur vorzugsweise Dekoration
war und hauptsächlich bei der Gestaltung der Innenräume, auch in
äußerlich durchaus klassizistischen Bauten zur Anwendung kam, dieser
Stein wirkt als Rahmenwerk selbständig als organisches Ganzes. Eine
bestrickend anmutige Ornamentik von quellenden Blütentrauben
unterbrochen, oben eine eigentümliche Muschelform haltend, verlässt sie
die strenge Stilistik der früheren Bau- und Kunstformen. Dieser
Grabstein hatte bei der Renovierung besondere Schwierigkeiten
verursacht, da die Schrift durch den Bruch schwer gelitten hatte und
deshalb die Arbeit des Bildhauers beständig an Ort und Stelle
sorgfältigst überwacht werden musste.
Auf einem anderen Stein dieser Gruppe, welche wohl für die Chewrah-Mitglieder
als, Ehrenplätze und als Gedaulim-Ecke reserviert war, erhält auf dem
Epitaph dessen Träger den Beinamen 'Kodausch', 'Heiliger', da er von
'fremder' Hand getötet wurde.
So sehen wir ferner auf manchem Stein die bekannten Symbolzeichen für
Kohanim, Leviten, Mohalim, Schofarbläser, auch manche |
Familienembleme,
die auf besondere religiöse Funktionen und Familieneigenheiten hinwiesen. —
Im oberen Teile des Friedhofes ist noch eine ganze Anzahl von Grabdenkmälern
zu sehen, die teilweise in der Erde eingebettet ihrem Träger näher gekommen,
noch manche Kunstform, hauptsächlich der Empirezeit, erkennen lassen. Löwen,
krabbenähnliche Köpfe, Blattkränze, erhabene Kanten und so genannte
Eierstäbe zeigen sich dem genauen Beobachter und wären wohl noch wert,
aufgerichtet und restauriert zu werden. Steine, die auf der Vorderseite
liegen, waren geschützt vor Verwitterung und bieten Schrift und Verzierungen
nach gründlicher Reinigung noch unversehrt den Beschauer dar.
So treten wir, von heiligen Schauern ergriffen, den Rückweg an. Wir
durchschreiten den neuen Teil, der das gleiche Bild unserer modernen
Friedhöfe zeigt, und der jedoch unsere wehmütige und doch gehobene Stimmung
nur zur beeinträchtigen geeignet ist. — Noch ein ferner Blick auf die
schlummernden Steine, die seltsame Bilder der mittelalterlichen Kultur und
Verhältnisse unserer Vorfahren uns vor die Seele gezaubert hat, und durch
das schmiedeeiserne hohe Gitter verlassen wir den stillen Ort. — Steine
reden doch ihre besondere Sprache!" |
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2. Susi Würzburg:
Der israelitische Friedhof zu Burgkunstadt. Ein altes
Kulturdokument. In: Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Dezember
1926.
Anmerkung: die Verfasserin des Beitrages war verheiratet mit Jakob
Possenheimer. Dieser ist am 4. September 1887 in Burgkunstadt geboren als
Sohn von Louis Possenheimer (1859-1905) und seiner Frau Pauline geb. Fuchs
(1850-1891). Susi geb. Würzburg ist am 23. Mai 1897 in Hamburg geboren (Quelle).
Die beiden hatten eine am 12. Januar 1923 geborene Tochter Gertrud/Trude
(später verheiratete Postheim) sowie eine am 30. September 1926 geborene
Tochter Lotte. Die Familie wohnte in Hamburg (Heinrich-Barth-Straße 9) und
Schönebeck. Jakob Possenheimer wurde am 19. Juli 1942 in das Ghetto
Theresienstadt deportiert, von hier im Januar 1943 in das Vernichtungslager
Auschwitz, wo er ermordet wurde. Susi (Susette) Possenheimer konnte mit
ihren beiden Tochtern im Oktober 1939 in die USA emigrieren, wo sie 1977
starb. Tochter Trude Postheim (1942 in New York, in "Der Aufbau" vom 5. Juni
1942 S. 24) ist am 5. Januar 2014 in Bronx N.Y./USA verstorben (Todesanzeige
in
https://www.dignitymemorial.com/obituaries/mount-vernon-ny/trude-postheim-5802901)
|
"Der israelitische Friedhof zu Burgkunstadt. Ein altes Kulturdokument.
Von Susi Würzburg.
Es gibt in deutschen Landen so manchen kleinen Platz mit einer ständig
abnehmenden jüdischen Bevölkerung, von deren einstigem Glanz und Größe nur
noch das Bes Chaim (Haus des Lebens) ein umso deutlicheres Zeugnis ablegt.
Zu diesen kleinen Orten gehört Burgkunstadt im nördlichen Oberfranken, ein
idyllisches Städtchen am Main. Wohl wenige von denen, die die
landschaftlichen Schönheiten der kleinen Industriestadt aufsuchen, werden im
nördlichen Hügelkranze der Stadt eine kleine Abschwenkung zu dem stillen Ort
machen, der schon seit fast 400 Jahren die Toten unserer Glaubensbrüder des
Rabbinatsbezirks birgt, welcher sich früher über das Obermain- und
Rodachgebiet erstreckte.
Schon um das Jahr 1620 berichten Urkunden von der Überlassung des Hutangers
am Ebnether Berg an die jüdische Kultusgemeinde. Es ist also nicht die
herrliche Lage, die Berg- und Waldeinsamkeit allein, die uns hier oben
umfängt, noch die wunderschöne Aussicht nach allen Seiten, die den Blick
erfreut; uns als Juden interessiert besonders das Kapitel jüdische
Kulturgeschichte, das uns hier auf einsamer Höhe manches ersetzen muss, was
mangelhaft geführte oder abhanden gekommene Chroniken vergangener Zeiten uns
zu lehren übrig ließen.
Treten wir also durch das zinnengekrönte, mit schön geschmiedetem
Eisengitter versehene Tor ein in den von grünem Föhrenwald malerisch
umrahmten Ort des Friedens und schreiten auf dem breiten Rasenweg zunächst
an den neuzeitlichen Gräberreihen vorbei auf den älteren Teil des Friedhofs
zu, der den weitaus größeren Teil der Fläche ausmacht (ca. 6 Hektar) und
mehr als 1000 alte Grabsteine beherbergt. Hier bietet sich uns das typische
Bild eines alten Judenfriedhofes. Nichts als altersgraue Steinstümpfe, von
Gras und Moos und Dornen, überwuchert. Viele der Denkmäler sind überhaupt
hinabgesunken in den Grabesschoß zu denen, deren Andenken sie erhalten
sollten, die meisten ragen nur wenig hervor und stehen schief wie bemooste
Häupter. Abgesehen von einigen Stiftungssteinen am äußersten Ende
(Grabsteine, für deren Erhaltung jährlich eine bestimmte Summe von den
Hinterbliebenen gezahlt wird) stehen nur dort in der Mitte zur Linken hie
und da einige Steine aufrecht. Doch auch sie würden das Schicksal der
anderen teilen, wenn nicht ein kunstverständiger, religionsgeschulter
Kenner, Herr Kultusbeamter Steinbock, sie aus ihrem Dornröschenschlaf
geweckt hätte. Unter großen Mühen, erheblichem Zeitaufwand und sehr
schwierigem Enträtseln der unleserlich gewordenen hebräischen Inschriften
gelang es ihm, die ältesten und wertvollsten |
der
Mazewaus (Grabsteine) ausfindig zu machen. Herrn Steinbocks Bericht an den
Landesverbands israelitischer Kultusgemeinden Bayerns hatte den Erfolg, dass
der Verband in anerkennenswerter Weise die Mittel zur Hebung und Renovierung
dieser Grabsteine zur Verfügung stellte. Im Laufe des letzten Jahves hat ein
einheimischer Bildhauer bereits 22 dieser kunst- und kulturgeschichtlichen
bedeutsamen Steinzeugen aufgerichtet und restauriert. Der älteste Stein in
diesem mittleren Teil des Bes Chaim ist ein Frauengrabmal aus dem
benachbarten Altenkunstadt und
stammt aus dem Jahre 1623. Er trägt wie alle auf der Misrachseite hebräische
Inschrift. Auch die anderen Steine seines Alters zeigen oft nur einen
Dreiecksgiebel oder Rundbogen als Abschluss oder sind rechts und links der
Inschrift von eingekerbten senkrechten Linien begrenzt (Andeutung von
Säulen). Immerhin sind dies Zeichen der Renaissanceepoche, wenn auch äußerst
einfache und arme. Dies wird uns begreiflich, wenn wir bedenken, dass jene
Zeitläufte vor 300 Jahren keine rosigen waren: Judenverfolgungen und
Pestilenz, Aufruhr, und Ritterfehden und dann der unselige 30jährige Krieg
wüteten ja damals in der Gegend, und daran hatten auch die Juden in ihrem
Ghetto zu leiden, und sie konnten damals ihren Toten keine teueren Denkmäler
setzen.
In einer der nächsten Reihen erregen 3 einander ähnliche, hohe, reich
geschmückte Grabsteine unsere Aufmerksamkeit. Es handelt sich vermutlich um
die Denkmäler für einen Rabbiner, seine Frau und seinen Sohn, die zwischen
1730 und 1750 - starben. Namentlich der Sinn der Inschrift am Frauengrab ist
tiefsinnig, rührend und innig. Viele dieser durchwegs sehr langen
Inschriften sind in Versform gehalten; z.B. erkennt man auf dem mittleren
Stein unseres Bildes deutlich den Endbuchstaben einer jeden Zeile: CHET,
andere wieder enden auf ALEF, wobei zuweilen der letzte Buchstabe
jeweils fortgelassen und nur einmal in der Mitte groß ausgeführt ist. Jeder
der genannten 3 Steine, die auf dem Bilde vorn sichtbar sind, ist von
gewundenen Säulen umrahmt und von hinaufgeschwungenen doppelten Voluten
bekrönt: alles Zeichen des Barock. In der nächsten Reihe treffen wir diese
Kunstrichtung auf entwickelter Stufe. Ein Grabstein aus dem Jahre 1737 ist
ebenfalls von kunstvoll gewundenen Säulen gefasst, welche fein gearbeitete
Kapitelle tragen, auf denen wieder doppelte, wulstige Schnecken ruhen, aus
welchen lanzettliche Blätter gleich Feuerzungen herauswachsen, in der Mitte
oben eine gerippte Muschel einschließend. Der schönste Barockstein, 1726,
aber - er schaut auf dem Bilde zwischen den vorderen hindurch - zeigt
innerhalb dieser Krönung noch in erhabener Bildhauerarbeit die Kanne, das
Zeichen des Stammes Levi. Die Inschrift ist außerdem noch von fein
gemeißelten Pflanzengewinden umrahmt. Die gewundenen Säulen sind mit Dolden
und Blattwerk reich verziert. Wirklich eine reich entwickelte Barockarbeit.
Ein anderer, ähnlich gearbeiteter Grabstein zeigt außerdem in der krönenden
Rundung eine Kanne in einem Becken; während das Grabmal eines
Privatgelehrten aus Kronach mit Löwen
versehen ist, welches redende Wappen bekanntlich dem Stamme Juda eigen ist.
Daneben zieht uns der wertvollste Stein des Friedhofs an - ein
herrliches Werk des Rokokko mit vollendeten Formen. Wie ein prächiger, in
Stein ausgeführter Bildrahmen aus einem französischen Prunkschloss mutet uns
dieser kostbare Stein an. Feinste abgeschrägte Rahmenornamentik, Voluten und
Schnecken, aus denen nette Blütentrauben quellen, schließen sich zu einer
gelungenen Komposition zusammen, oben in einer Muschel abschließend. Auch
dieses Grabmal war früher zerbrochen, die neuerliche Zusammensetzung ist dem
Bildhauer gut gelungen. Welch schwierige Arbeit es sowohl für Herrn
Steinbock als auch für seinen technischen Mitarbeiter, den Bildhauer,
war, all diese alten Steine zu neuem Leben zu erwecken, ersieht man aus den
noch liegenden, verwitterten Steinen, mit denen der Laie, zumal was den fast
ganz dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallenen Text betrifft, überhaupt nichts
anzufangen verstünde. Die Grabmonumente, die meistens aus einheimischen,
zuweilen etwas rohem Sandstein bestehen, zeugen immerhin von ziemlicher
Entwicklung kunsthandwerklicher Betätigung der oberfränkischen Bildhauer im
18. Jahrhundert. Manche Grabmäler sind unten noch mit Kanten und Eierstäben
geschmückt, an anderen sehen wir die Inschriften von Blattkränzen umwunden,
wieder andere Steine haben krabbenähnliche Köpfe, viele fein gearbeitete
Löwen, zwei segnende Hände, Beschneidungs- |
Messer,
Hörner, welche Zeichen uns andeuten, dass die Toten, von denen sie künden,
zu Lebzeiten Kultusbetätigungen verrichteten. Diese ganze mittlere Reihe des
Bes Kworaus (Friedhof) scheint also ein reservierter Platz,
eine sogenannte Gedaulim-Ecke (Ecke für die gadolim = bedeutende
Menschen), gewesen zu sein, wie auch aus den Titeln der Bestatteten
hervorgeht, von denen einer den Titel Kodausch - Heiliger -
(Bezeichnung für einen Märtyrer, der von Nichtjuden getötet wurde) trägt. In
anderen Teilen finden wir viele Vertreter handwerklicher und gewerblicher
Berufe.
Der nördliche, gegen den Wald sich dehnende Teil wurde wahrscheinlich erst
im 18. Jahrhundert hinzugekauft. Unter den vielen Hunderten von
eingesunkenen Steinen waren ungefähr noch 70 wohl wert, ausgerichtet und
restauriert zu werden. Eine Anzahl hiervon sind für dieses Jahr bereits
geplant bzw. in Angriff genommen.
Auch aus der Zeit des Empire finden wir sehr beachtenswerte Denkmalformen.
(Säulen, Dreiecksgiebel, Vasen usw.).
Wie ein Steinwald ziemlich gleichförmiger Art zeigt sich das östliche
Viertel der vorderen Hälfte des Friedhofs. Biedermeier in nüchternster Form
(1820—1850), neuromanische und neugotische Formen sprechen von der
Stilverwirrung, die im 19. Jahrhundert herrscht. Die Westseite der Steine
trägt bereits deutsche Inschriften, während die östliche hebräische Texte
zeigt. Von einer Periode des Aufschwunges, im Handel, von gleichmäßig
zunehmendem Wohlstand und einer Bevölkerungszahl von ca. 400 Israeliten in
Burgkunstadt allein usw. könnten diese Steine reden.
Ganz modernen Charakter hat die vordere Abteilung neben dem Eingangsgebäude.
Marmormonumente und einfache Grabplatten, liegende Sarkophage usw., von
Zypressen beschattet, wechseln in bunter Folge, auch hier vom Gegensatz
zwischen arm und reich zeugend. Inschriften und Kunstformen sind durchaus
neuzeitlich; viele Steine tragen leider nur noch deutsche Inschriften;
religiöse Embleme treten zurück - gemäß dem alles nivellierenden modernen
Zeitgeist.
So ist eine Wanderung durch einen jahrhundertealten Gottesacker wie das
Blättern in einem Buch der Kultur- und Kunstgeschichte'. Gewiss würde noch
in vielen Gemeinden durch ein derart lobenswertes Vorgehen ein ähnlich
reicher Born von, Quellen, auch für die Familienforschung, am 'Guten Ort',
sich ergeben.
'Saxa loquntur'. Oft wo Menschen schweigen, erzählen die Steine." |
Lage des Friedhofes
Der Friedhof liegt etwa 1 km nördlich der Stadt, links
von der Straße nach Ebneth, wo ein Feldweg zu dem am Waldrand gelegenen
Friedhof führt.
Link
zu den Google-Maps
Fotos
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Historische
Fotos - *erstellt am 16. Oktober 1928 von Theodor Harburger (s. Lit.)
bzw. aus der Sammlung von Theodor Harburger |
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| Die
Teilansichten (links Blick auf Eingangsbereich) wurden 1929 von Leopold
Godlewsky an Theodor Harburger übersandt |
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| Die
Teilansichten des Friedhofes wurden 1929 von Leopold Godlewsky an Theodor
Harburger übersandt |
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Teilansicht
des
Friedhofes* |
Grabsteine aus den
Jahren
1744, 1783 und 1766* |
Grabsteine
aus
dem 18. Jahrhundert* |
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Grabstein
des Isaak, Sohn des Samuel
ha-Levi aus Kronach, gest. 16. August 1728
(11.
Elul 5488) mit Levitenkanne*, rechts
derselbe Stein im April 2007 |
Grabstein der Frau
Ela,
gest. 5. November 1766
(3. Kislew 5527)* |
Grabstein des
Menachem, Sohn des
R. Mordechai s.A., gest. 17. Mai 1710
(17. Ijar 5470)
mit "segnenden Händen"
der Kohanim* |
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| Grabstein
des Baruch, Sohn des R. Jechiel, gest. am Freitag 13. Elul 5386 (4.
September 1626) (Aufnahme des ehemaligen jüdischen Lehrers Ignaz
Steinbock, Burgkunstadt, geb. 1886, umgekommen nach Deportation) |
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Fotos Frühjahr
2007 (Hahn, Aufnahmedatum 11.4.2007) |
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| Eingangsportal |
Eingangstor |
Altes Türschloss |
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| Hinweise zur Geschichte |
Gebet beim Eintritt in den
Friedhof |
Taharahaus |
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| Brunnen |
Neuere Gräber im
Eingangsbereich |
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Grabstein für Tuchmacher
Selig Lang
(gest. 1857) |
Grabstein für Joseph Kraus
aus
Altenkunstadt (gest. 1857) |
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| Im alten
Friedhofsteil |
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| Im alten
Friedhofsteil |
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| Zwei Grabsteine
mit Levitenkannen |
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Grabinschrift für
Amalie Pretzfelder
geb. Reckendorfer von Burgkunstadt
(gest. 1907) |
Grabsteine für Zacharias
Mosbacher
(gest. 1913) und Heinrich Pretzfelder
(gest. 1914) |
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Frühlingsblumen zwischen
Grabsteinen |
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Nachfolgende
Fotos: Jürgen Hanke, Kronach; untere Zeile: Stadt
Burgkunstadt) |
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| Blick auf den Eingang |
Eingangstor |
Brunnen |
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| Blick vom Friedhof auf den
Eingangsbereich |
Teilansichten des
Friedhofes |
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Inschriftentafel am Taharahaus
mit Segensspruch |
Teilansichten des
Friedhofes |
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| Taharastein |
Der "erste
Stein des Friedhofes" von 1626: Grabstein für Baruch, Sohn des R. Jechiel,
gest. am Freitag, 13. Elul 5386 (4. September 1626) |
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"Segnende Hände"
der Kohanim |
Grabstein mit Löwen und
Beschneidungsmesser (Grab eines Mohel) |
Prächtiger Grabstein
mit
Levitenkanne |
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Grabstein für
Carl Iglauer
(1855-1935) |
Grabstein für Ella Steinbock
geb. Bauer
(gest. 1923) |
Grabstein für Hannchen Lump
(1843-1915) |
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| Teilansichten des
Friedhofes (Quelle: Stadt
Burgkunstadt) |
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Nachstehender Text und Fotos im Blick
auf die aus Kulmbach beigesetzten jüdischen
Personen von Wolfgang Schoberth:
"Von Anfang müssen auch Glaubensangehörige aus Kulmbach hier bestattet worden sein.
Gut lesbar sind einige Namen von Gründungsmitgliedern der neuzeitlichen Gemeinde
Kulmbach (Adler, Fleischmann, Flörsheim, Wortsmann, Zeidler. Zwei Beispiele: Die kunstvolle Steinskulptur auf dem Grab von Heinrich Fleischmann (geb. 1. April 1869 in
Oberlangenstadt, gest. 11. November 1903 in Kulmbach); die bemerkenswerte Inschrift auf dem schwarzen Marmorstein von Fanny Flörsheim (geb. Strauss, 18. Dezember 1855):
mit ihrem Sterbetag am 27. März 1931 ist sie die letzte Kulmbacherin, die auf dem "Guten Ort" bei Ebneth bestattet worden ist. Nach ortsüblichem Zeremoniell wurde sie auf einen gemeindeeigenen Leichenwagen gebahrt und von ihren Glaubensgenossen zu der 20 Kilometer entfernten Begräbnisstätte geleitet." |
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Eingangsbereich des Friedhofs
mit dem Tahara-Häuschen rechts |
Reihe mit Kindergräbern, hier das
Kulmbacher Mädchen Klara Flörsheim
(1903 gestorben) |
Verwittertes Grab von
Moses Flörsheim
(1.6.1856 - 3.6.1935), Gründungsmitglied
und Vorbeter der jüdischen Gemeinde |
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Grab von
Fanny Flörsheim, der Ehefrau
von Moses Flörsheim, mit dem Sterbedatum vom
27. März
1931 |
Grab von Heinrich Fleischmann
(1.4.1869 - 11.11.1903), ebenfalls
Gründungsmitglied |
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Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| Oktober
2011: Gedenken auf dem jüdischen
Friedhof zu Rosch Haschana |
Artikel von Gerda Völk in der
"Neuen Presse Coburg" vom 12. Oktober 2010: "Gegen das
Vergessen. Seit etwa 20 Jahren treffen sich die Mitglieder der
Interessengemeinschaft Synagoge und engagierte Bürger am jüdischen
Friedhof in Burgkunstadt. Gemeinsam feiern sie Rosch Haschana..."
Link
zum Artikel - auch eingestellt
als pdf-Datei |
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Oktober 2015:
Gedenkfeier und
Friedhofsbegehung |
Artikel im "Fränkischen Tag" vom
5. Oktober 2015: "Ältester Grabstein steht seit 1623. Ein Rundgang
mit Gedenkfeier auf dem jüdischen Friedhof in Burgkunstadt machte mit der
israelitischen Bestattungskultur bekannt. Sie ist geprägt von Schlichtheit
und betont die Gleichheit der Menschen im Tod.
Sehr beeindruckend war die Gedenkfeier und Friedhofsbegehung, welche die
'Interessengemeinschaft Synagoge Altenkunstadt' im jüdischen Friedhof in
Burgkunstadt abgehalten hat. Vorsitzender Josef Motschmann erklärte, dass es
700 Jahre lang schon Judentum in Franken gegeben hat und es im Judentum
Tradition sei, in der Zeit hoher Feiertage die Gräber der Verstorbenen zu
besuchen. Auszüge aus dem Psalm 130 verlasen Erna Grampp und Elke Jahn. Die
Theologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fakultät Evangelische
Theologie der Universität Erlangen-Nürnberg, Franziska Grießer-Birnmeyer,
berichtete über Zeichen jüdischer Kultur, die sie schon als Kind beim Besuch
jüdischer Friedhöfe fasziniiert hatten. Sie fand Davidsstern, geknickte Rose
oder Rosenblüten und machte sich daran, sich mit der Geschichte der Juden in
Deutschland zu beschäftigen. Die 2. Bürgermeisterin der Stadt Lichtenfels,
Sabine Rießner, erklärte, dass es unsere Pflicht sei, auf dem größten
jüdischen Friedhof in Oberfranken an die jüdischen Mitbürger, die hier
einmal gelebt haben, zu erinnern. Am Beispiel der Stadt Lichtenfels
machte sie deutlich, dass geschäftliche und freundschaftliche Beziehungen zu
jüdischen Mitbürger einst gut und selbstverständlich gewesen seien. Leider
sei es vielen Menschen heute nicht mehr bewusst, dass Anfang des 20.
Jahrhunderts die Juden ein ganz selbstverständlicher Teil der bayerischen
Gesellschaft waren. Sie führten besonders in Oberfranken ein blühendes
Leben. Die Stadt Lichtenfels habe für die aus Lichtenfels stammenden Opfer
der Nazidiktatur auf dem dortigen, 1840 errichteten jüdischen Friedhof ein
Denkmal errichten lassen. Ob allerdings die Liste der aufgeführten Opfer
vollständig ist, dürfe bezweifelt werden. 1918 und 1930 wurde der
jüdische Friedhof in Lichtenfels
geschändet und 1941 dem Erdboden gleich gemacht. Außenmauer und Grabsteine
wurden für den Straßenbau verwendet. Nach einem abschließenden Gebet und
Bitte um Frieden für die Menschen in Israel und Palästina wurde eine
Besichtigung des Friedhofs durchgeführt mit erstaunlichen Erkenntnissen.
Der jüdische Friedhof in Burgkunstadt wird in drei Epochen
unterteilt. Der rechte Teil am Eingang wird den Jahren 1830 bis 1870
zugeordnet. Der linke untere Teil der Zeit 1870 bis 1940. Der obere Teil
wurde im Jahre 1620 angelegt. Der älteste Grabstein stammt aus dem Jahr
1623.
Pflege durch Regens-Wagner. Dass jüdische Friedhöfe nicht so gepflegt
werden wie christliche hat folgenden Grund: Der jüdische Friedhof ist ein
Zeichen des vergänglichen Lebens, was durch Schlichtheit ausgedrückt werden
soll. Es soll aber auch kein Verfall stattfinden. Die Pflege in Burgkunstadt
hat die Gartengruppe von Regens-Wagner inne. Michael Hofmann von der Gruppe
erklärte den Pflegeaufwand.
Nach Jerusalem ausgerichtet. Die Ausrichtung der Gräber ist so, dass
das Haupt der Verstorbenen nach Jerusalem zeigt. Nach jüdischer Lehre kann
der Verstorbene am Tage des Jüngsten Gerichts aufstehen und ohne sich
umzudrehen gen Jerusalem wandeln. Im Tod sind alle gleich, dies wird auch
bei jüdischen Bestattungen deutlich. So werden die Verstorbenen in einen
Sarg gelegt, der nach christlichen Vorstellungen eher einer Kiste gleicht.
Wichtig ist die Sauberkeit. So gibt es in Burgkunstadt ein 'Taharahaus', in
welchem die Verstorbenen vor der Beerdigung gewaschen und mit weißem
Totengewand angezogen wurden. Die Schlichtheit eines jüdischen Friedhofes
drückt sich auch dadurch aus, dass keine Blumen zu sehen sind. So wird bei
einem Besuch des Grabes ein Stein auf das Grab gelegt. Dies bedeutet: 'Ich
gönne dir die Totenruhe und denke an dich'. Eine Besonderheit ist auch das
Verlassen eines jüdischen Friedhofes. Dabei soll ein kleiner Büschel Gras
über die Schultergeworfen werden. Dies soll auf die Vergänglichkeit
erinnern: 'Der Mensch welkt wie Gras'. Im jüdische Friedhof in Burgkunstadt
finden keine Beisetzungen mehr statt, da es sich um einen historischen
Friedhof handelt."
Link zum Artikel |
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Oktober 2019:
Führung über den jüdischen
Friedhof |
Artikel in "InFranken.de" vom 9.
Oktober 2019: "Exkursion. Jüdischer Friedhof am Ebnether Berg hatte einen
großen Einzugsbereich
Das erste Ziel einer geführten Wanderung von Wanderführer Dieter Schmiedel
war der im Jahr 1620 angelegte jüdische Friedhof nördlich der Stadt am
Ebnether Berg. Dieser zählt mit seinen knapp 2000 Grabsteinen zu den größten
jüdischen Landfriedhöfen Bayerns, berichtete Udo Bornschlegel-Diroll. Von
1626 bis etwa 1942 diente er den jüdischen Bürgern im Obermaingebiet als
letzte Ruhestätte. Heute erinnert er an eine ehemals blühende Kultur am
Obermain, die in der Zeit von 1933 bis 1945 ein jähes Ende fand.
Im Jahr 1910 befanden sich unter den 1839 Einwohnern Burgkunstadts 103
Juden. Zwischen 1935 und 1939 wanderten 40 Juden aus oder zogen weg, es
blieben noch zwölf jüdische Mitbürger hier. Bis auf einen, der noch im
November 1942 in Burgkunstadt wohnte und dessen Schicksal ungeklärt blieb,
wurden diese 1942 nach Theresienstadt deportiert. Die viereckige Anlage am
Ebnether Berg ist von einer Sandsteinmauer umgrenzt. Der Einzugsbereich des
jüdischen Friedhofs von Burgkunstadt war ziemlich groß, wie sich auch an den
Ortsangaben auf den Grabsteinen ablesen lässt. Man kann drei Belegungsphasen
unterscheiden, erläuterte der Führer. Bei der ältesten Belegungsphase im 17.
und 18. Jahrhundert sind die Grabsteine schon weitgehend umgekippt, Gras
wuchert zwischen ihnen. Jüdische Friedhöfe werden im Gegensatz zu
christlichen Friedhöfen bewusst nicht gepflegt, weil hier eine andere
Auffassung zugrunde liegt: Die Ruhe der Toten soll nicht durch ständige
Pflege gestört werden...."
Link zum Artikel |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Theodor Harburger: Die Inventarisierung jüdischer
Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern. Hrsg. von den Central Archives for
the History of the Jewish People, Jerusalem und dem Jüdischen Museum
Franken - Fürth & Schnaittach. Fürth 1998. Zu Burgkunstadt Bd. 2 S.
117-130. |
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens
in Bayern. 1988 S. 199-200. |
 | Michael Trüger: Der jüdische Friedhof in
Burgkunstadt In: Der Landesverband der Israelit. Kultusgemeinden in Bayern. 11.
Jahrgang Nr. 69 vom April 1996 S. 19- |
 | Josef Motschmann/Siegfried Rudolph:
"Guter Ort" über dem Maintal - Der jüdische Friedhof bei
Burgkunstadt. Lichtenfels 1999 (Reihe: Colloquium Historicum Wirsbergense). |
 | Klaus Guth (Hg.): Jüdische Landgemeinden in
Oberfranken 1800-1942. Ein historisch-topographisches Handbuch. Reihe:
Landjudentum in Oberfranken - Geschichte und Volkskultur. Bamberg 1988. Zu,
Friedhof Burgkunstadt S. 76-77. |
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Michael Schneeberger: Die Juden von Kunstadt. In: Jüdisches Leben in
Bayern 18. Jahrgang Nr. 92 vom September 2003 S. 24-29. |
 | Günter Dippold: Die jüdischen Friedhöfe in der
Umgebung von Burgkunstadt. 1999.
http://www.bezirk-oberfranken.de/fileadmin/6_Kultur/publikationen/mitarbeiter/datei/1999Friedhoefe.pdf
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 | Christian Porzelt: Eine Lücke, die schmerzt.
Artikel in "Neue Presse" vom 9. April 2021 (Lokalteil Kronach) S. 13.
Eingestellt als pdf-Datei.
Vor 79 Jahren fand auf dem jüdischen Friedhof von Burgkunstadt die letzte
Beerdigung statt. Jette Lamm aus Kronach wurde dort nur wenige Tage vor der Deportation
der verbliebenen Juden in der Region beigesetzt. Einen Grabstein erhielt die
Kronacherin nicht mehr. |

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