Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Burgkunstadt (Kreis Lichtenfels) 
Jüdischer Friedhof 
    

Übersicht:  

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
  
siehe Seite zur Synagoge in Burgkunstadt (interner Link)  
   und Seite mit Texten zur Geschichte der jüdischen Gemeinde    
bulletZur Geschichte des Friedhofes    
bulletTexte zur Geschichte des Friedhofes   
1. Leopold Godlewsky: Der jüdische Friedhof zu Burgkunstadt (1928)  
2. Susi Würzburg: Der israelitische Friedhof zu Burgkunstadt (1926)  
bulletLage des Friedhofes       
bulletFotos 
Fotos vom Frühjahr 2007 (Hahn)  
Fotos von Jürgen Hanke  
Text und Fotos zu den aus Kulmbach beigesetzten Personen von Wolfgang Schoberth  
bulletErinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte    
bulletLinks und Literatur   

      

Zur Geschichte des Friedhofes         
    
Der jüdische Friedhof von Burgkunstadt gehört mit einer Fläche von 144,50 ar und etwa 2.000 Grabsteinen zu den großen jüdischen Landfriedhöfen in Bayern. Der Friedhof ist um 1620 angelegt und bereits 1679 erweitert worden. Die Betreuung des Friedhofes unterlag dem direkt benachbarten Rabbinat in Burgkunstadt.
   
Der Friedhof war gemeinsamer Begräbnisplatz für Juden aus dem gesamten Obermain-Gebiet, d.h. der jüdischen Gemeinden (beziehungsweise jüdischen Familien) in den Orten Burgkunstadt, Maineck, Friesen, Redwitz, Altenkunstadt, Kronach, Rothwind, Fassoldshof, Ebneth, Oberlangenstadt (ab 1832), Küps (ab 1832), Horb am Main, Hochstadt am Main, Mistelfeld, Seubelsdorf, Kulmbach, bis 1787 auch der Gemeinde Bayreuth, bis 1840 der Gemeinde Lichtenfels. Das Eingangstor ist von einer massiven Steinmauer eingefasst. Links dahinter befindet sich das Taharahaus und ein Brunnen. Das Taharahaus trägt eine Inschriftentafel mit einem Segensspruch. Die Grabsteine stehen in drei Feldern. In nördlichen und nordwestlichen Teil sind die ältesten Grabsteine aus der Zeit um 1700. Rechts des Eingangs sind die Gräber aus dem 19. Jahrhundert. Links des Eingangs stehen die jüngeren Steine aus der Zeit nach 1900. Der Friedhof wurde bis 1942 belegt. Die letzte Beigesetzte war 1942 Jette Lamm. Ihr Grab liegt neben dem der 1938 verstorbenen Babette Silbermann, doch erhielt Jette Lamm keinen Grabstein mehr (vgl. Artikel von Christian Porzelt siehe Lit. unten).
In der NS-Zeit wurde der Friedhof geschändet. 
  
Am 24. Februar 1973 wurde der Friedhof in furchtbarer Weise geschändet, als etwa 600 Grabsteine umgeworfen wurden. Als Täter wurden Jugendliche ausgemacht, die nach einer durchzechten Faschingsnacht sich zu dieser ruchlosen Schändung hatten hinreißen lassen.    
    
    
Texte zur Geschichte des Friedhofes     

1. Leopold Godlewsky (ehemaliger jüdischer Lehrer in Amberg): Der jüdische Friedhof zu Burgkunstadt. In: "Bayerische Israelitische Gemeindezeitung" vom 15. Dezember 1928. 
Anmerkung: Leopold Godlewsky ist am 28. Oktober 1878 in Hirschaid geboren als Sohn des Lehrers Moses Godlewsky und seiner Frau Ida geb. Lachmann. Wie er, wurden auch seine Brüder Elias (siehe oben, geb. 1880) und Meyer (geb. 1867) Lehrer. Leopold war zunächst Lehrer im unterfränkischen Gerolzhofen, dann von 1908 bis 1938 Lehrer, Kantor und Schächter bei der jüdischen Gemeinde in Amberg. Er unterrichtete auch die Kinder in Sulzbach und Schwandorf sowie in Burglengenfeld und Nabburg. Leopold Godlewsky beschäftigte sich mit jüdischer regionaler Kulturgeschichte. Er veröffentlichte Artikel wie über den unten wiedergegebenen Beitrag zum jüdischen Friedhof von Burgkunstadt oder über die Juden von Küps, in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung. Leopold Godlewsky wurde 1942 zusammen mit seiner Frau Bella geb. Lang (geb. 2. April 1887 in Burgkunstadt) und der Tochter Ilse (geb. 29. Juni 1920 in Amberg) deportiert und an unbekanntem Ort ermordet.
  

Burgkunstadt BayrIsGZ 15121928af.jpg (239938 Byte) "Der jüdische Friedhof zu Burgkunstadt  von Leopold Godlewsky (Amberg).   
Ein besonders ansprechendes Gebiet bayerischer jüdischer Kulturgeschichte bilden die alten, jüdischen Begräbnisstätten mit ihren reichen kunsthistorischen Werten. Sie bieten nicht nur wertvolles, umfassendes Material für die Geschichte — besonders die Familiengeschichte — der bayerischen Judenheit, sie weisen auch oft auf eine Glanzzeit jüdischer Friedhofskunst hin und veranschaulichen ferner in gleichem Maße die sprechende und reizvolle Symbolik.
Ein solches Wahrzeichen alter jüdischer Kulturgeschichte und Friedhofskunst ist der idyllisch gelegene Friedhof in dem oberfränkischen Städtchen Burgkunstadt am Main. Urkunden berichten, dass im Jahre 1620 die Standesherrn von Redwitz-Rodach den Gemeinden Küps und Burgkundstadt die Errichtung von Sammelfriedhöfen gestatteten. Im Jahre 1832 wurde der Küpser Friedhof geschlossen, da dieser wegen seiner Lage im Weichbilde des Marktfleckens keine Ausdehnungsmöglichkeit mehr besaß, die Küpser Gemeinde rapid im Abnehmen begriffen und das zuständige Rabbinat Rodach der Auflösung verfallen war. Seitdem diente der Friedhof in Burgkundstadt als Begräbnisstätte für sämtliche Gemeinden der näheren und weiteren Umgebung.
Von Nordost mit Föhrenwald umsäumt hat man nach den beiden anderen Seiten einen reizenden Überblick über das Maintal zu den Schlössern der toleranten Herren von Redwitz und zu den bewaldeten Höhenausläufern der Fränkischen Schweiz. Einzelne Bäume und Sträucher umschatten die zum Teil tief eingesunkenen, bemoosten Steine, als wollten sie dieselben vor gänzlichen Verfall schützen. Die kleinen Grabmäler, die nicht mehr an Menschenhand erinnern, liegen im Moos, in langhalmigen Gräsern, in Wiesen- und Feldblumen, in der grünen Vegetation eingebettet, wie Gestein, das von Ewigkeit zu ihnen gehört. — (Siehe Abbildung 1.) Gleich den Bäumen waren sie dem Wind, der Luft, den Gesetzen der Natur untertan. Der Mensch errichtete sie, dann überlieh er sie sich selbst. Im Anfänge standen die Denksäulen und Steinbretter senkrecht auf den Platten, dann neigten sie sich, stürzten, brachen in Stücke und verbargen sich in die Erde. Die Blumen sorgten für sich selbst, sie wuchsen, wo es ihnen gefiel. Diese Friedhöfe waren schöner als die jetzigen; sie waren näher dem Tod. Die Auffassung unserer Religion sprach daraus: wo Tote liegen, nicht künstlich die Erinnerung pflegen.
Wie stechen die heutigen Friedhöfe dagegen ab! Es sind gemauerte Städte von kleinen Prunkhäusern, deren jedes den Namen des Besitzers zur Schau trägt, damit man auch im Tode noch zum Ring der besitzenden und geldverdienenden Familien gehört.
Wenden wir uns wieder zu unserem Friedhofe. Wir stehen hier, lassen unseren Blick über diese Stätte des Friedens schweifen und schweigend umfasst uns die Melancholie dieses Waldes der Toten.
In der Mitte des alten Teiles, der viel mehr als tausend alte Grabsteine umfasst, fesselt uns besonders eine Gruppe von Steinen, die in den letzten zwei Jahren mit Hilfe des Landesverbands einer Renovierung unterzogen wurde. (Siehe Abbildung 2.) Was der Beschauer hier an Formenschönheit bewundern kann, lässt sich nicht leicht wiederfinden. An Stilformen finden wir hier die der Barock-, Rokoko- und Biedermeierzeit vorherrschend. Bei diesen Grabmal-.  

Burgkunstadt BayrIsGZ 15121928bf.jpg (334348 Byte)formen fällt zunächst eine wohltuende Einfachheit in der Umrisslinie und die Einheitlichkeit in dem Baustoff auf. Durchwegs ist einheimischer, zuweilen roher, körniger Sandstein verwendet. Schon allein durch diese Materialeinheit ist eine gewisse Ruhe und Bodenständigkeit verbürgt, ganz im Gegensatz zu den vielfarbigen, oft wie Musterausstellungen wirkenden Grabmalen aus unseren Tagen. Der einzelne Grabstein verrät bei aller Einfachheit durch die reinausgeprägten Stilformen eine ungewöhnliche, künstlerische Gestaltungskraft, eine fast unerschöpflich scheinende Phantasie und große handwerkliche Geschicklichkeit.
Hinsichtlich der Größe der Steine fällt besonders auf, dass weitaus die meisten sehr niedrig gehalten sind. Sie gehen in der Höhe meist nicht viel über 80—100 Zentimeter hinaus, die Breite beträgt durchschnittlich 40—50 Zentimeter, die Stärke 8—15 Zentimeter. Schon allein durch diese Abmessungen kommt in diese Grabsteine etwas zierliches und elegantes, ganz im Gegensatz zu vielen unserer heutigen Grabsteine, die durch ihr Volumen mitunter über die künstlerische Unzulänglichkeit des Entwurfes hinwegzutäuschen versuchen. Gerade diese niedrige Form passt besser zum Wesen und zur Aufgabe eines Friedhofes; denn durch große Gebilde wird viel weniger der Gedanke an die Vergänglichkeit dieses Daseins wachgerufen.
Der älteste Stein im ältesten Teile des Friedhofes ist ein Frauengrabmal aus Altenkunstadt und trägt die Jahreszahl 1623. Er ist kaum einen halben Meter hoch mit einem Dreiecksgiebel. Auch andere Steine seines Alters tragen diese Giebel, oder schließen mit dem Rundbogen ab. An den beiden Rändern laufen eingekerbte Linien, welche Säulen andeuten und ihrer Struktur nach der Renaissance angehören, wenn auch in einfacher Form. Überhaupt finden wir in dieser Zeit ganz einfache ärmliche Steine entsprechend der bedrängten Lage, in welcher sich damals unsere Glaubensbrüder befanden.
Gehen wir nun einige Reihen seitlich nordöstlich, so fallen uns drei gleichmäßige, prächtige Grabsteine auf, die der Inschrift nach ohne Zweifel einer Gelehrtenfamilie angehören, Vater, Mutter und Sohn, die zwischen 1730 und 1750 verstorben sind. Das rühende inhaltsreiche Epitaph derselben endigt in seinen Versen auf chet oder alef. Die schönen und kunstvollen Steine sind von gewundenen Säulen umrahmt und besitzen über dem Kapitell doppelt hinauf geschwungene jonische Voluten. Sie verkörpern in der Form den Barockstil. (Siehe Abbildung 3.) In einer anderen Reihe finden wir diesen Kunststil auf ausgeprägter und hoch entwickelter Stufe. Ein Grabstein aus dem Jahre 1737 zeigt kunstvoll gewundene Säulen mit sein ausgearbeiteten Kapitells, worauf doppelte, gewundene Schnecken ruhen, aus welchen lanzettliche Blätter herauswachsen, in der Mitte oben eine große Muschel einschließend (Korinthische Säule.) Ein Stein aus dem Jahre 1726 zeigt diese Ausführung in reicher, verschwenderischer Fülle. Ein fein ziseliertes Pflanzengewinde umrankt das Epitaph und die gewundenen Säulen werden von reichem Blatt- und Doldenwerk eingeschlossen. Über der Schrift prangt die Levitenkanne. Ähnlich diesem zeigt ein anderer Stein in der krönenden Rundung diese Kanne in einem Becken, während der Grabstein eines Talmudgelehrten aus Kronach mit Löwen geschmückt ist, dem Wappen des Stammes Juda.
Der schönste Stein aber — ein Rokokokunstwerk — war mitten entzwei gebrochen und abgebröckelt. Heute steht er wieder erneuert an seinem Platze und wundert sich, dass er nicht etwa ein französisches Prunkschloss ziert. Wenn dieser Stil an sich wohl keine neuen konstruktiven Elemente mitbrachte, sondern nur vorzugsweise Dekoration war und hauptsächlich bei der Gestaltung der Innenräume, auch in äußerlich durchaus klassizistischen Bauten zur Anwendung kam, dieser Stein wirkt als Rahmenwerk selbständig als organisches Ganzes. Eine bestrickend anmutige Ornamentik von quellenden Blütentrauben unterbrochen, oben eine eigentümliche Muschelform haltend, verlässt sie die strenge Stilistik der früheren Bau- und Kunstformen. Dieser Grabstein hatte bei der Renovierung besondere Schwierigkeiten verursacht, da die Schrift durch den Bruch schwer gelitten hatte und deshalb die Arbeit des Bildhauers beständig an Ort und Stelle sorgfältigst überwacht werden musste.
Auf einem anderen Stein dieser Gruppe, welche wohl für die Chewrah-Mitglieder als, Ehrenplätze und als Gedaulim-Ecke reserviert war, erhält auf dem Epitaph dessen Träger den Beinamen 'Kodausch', 'Heiliger', da er von 'fremder' Hand getötet wurde.
So sehen wir ferner auf manchem Stein die bekannten Symbolzeichen für Kohanim, Leviten, Mohalim, Schofarbläser, auch manche 

Burgkunstadt BayrIsGZ 15121928cf.jpg (113188 Byte)Familienembleme, die auf besondere religiöse Funktionen und Familieneigenheiten hinwiesen. — Im oberen Teile des Friedhofes ist noch eine ganze Anzahl von Grabdenkmälern zu sehen, die teilweise in der Erde eingebettet ihrem Träger näher gekommen, noch manche Kunstform, hauptsächlich der Empirezeit, erkennen lassen. Löwen, krabbenähnliche Köpfe, Blattkränze, erhabene Kanten und so genannte Eierstäbe zeigen sich dem genauen Beobachter und wären wohl noch wert, aufgerichtet und restauriert zu werden. Steine, die auf der Vorderseite liegen, waren geschützt vor Verwitterung und bieten Schrift und Verzierungen nach gründlicher Reinigung noch unversehrt den Beschauer dar.
So treten wir, von heiligen Schauern ergriffen, den Rückweg an. Wir durchschreiten den neuen Teil, der das gleiche Bild unserer modernen Friedhöfe zeigt, und der jedoch unsere wehmütige und doch gehobene Stimmung nur zur beeinträchtigen geeignet ist. — Noch ein ferner Blick auf die schlummernden Steine, die seltsame Bilder der mittelalterlichen Kultur und Verhältnisse unserer Vorfahren uns vor die Seele gezaubert hat, und durch das schmiedeeiserne hohe Gitter verlassen wir den stillen Ort. — Steine reden doch ihre be­sondere Sprache!"
 
2. Susi Würzburg: Der israelitische Friedhof zu Burgkunstadt. Ein altes Kulturdokument. In: Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Dezember 1926.
 
Anmerkung: die Verfasserin des Beitrages war verheiratet mit Jakob Possenheimer. Dieser ist am 4. September 1887 in Burgkunstadt geboren als Sohn von Louis Possenheimer (1859-1905) und seiner Frau Pauline geb. Fuchs (1850-1891). Susi geb. Würzburg ist am 23. Mai 1897 in Hamburg geboren (Quelle). Die beiden hatten eine am 12. Januar 1923 geborene Tochter Gertrud/Trude (später verheiratete Postheim) sowie eine am 30. September 1926 geborene Tochter Lotte. Die Familie wohnte in Hamburg (Heinrich-Barth-Straße 9) und Schönebeck. Jakob Possenheimer wurde am 19. Juli 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert, von hier im Januar 1943 in das Vernichtungslager Auschwitz, wo er ermordet wurde. Susi (Susette) Possenheimer konnte mit ihren beiden Tochtern im Oktober 1939 in die USA emigrieren, wo sie 1977 starb. Tochter Trude Postheim (1942 in New York, in "Der Aufbau" vom 5. Juni 1942 S. 24) ist am 5. Januar 2014 in Bronx N.Y./USA verstorben (Todesanzeige in  https://www.dignitymemorial.com/obituaries/mount-vernon-ny/trude-postheim-5802901)   
  
Burgkunstadt Israelit 23121926.JPG (170734 Byte) "Der israelitische Friedhof zu Burgkunstadt. Ein altes Kulturdokument.  Von Susi Würzburg.
Es gibt in deutschen Landen so manchen kleinen Platz mit einer ständig abnehmenden jüdischen Bevölkerung, von deren einstigem Glanz und Größe nur noch das Bes Chaim (Haus des Lebens) ein umso deutlicheres Zeugnis ablegt. Zu diesen kleinen Orten gehört Burgkunstadt im nördlichen Oberfranken, ein idyllisches Städtchen am Main. Wohl wenige von denen, die die landschaftlichen Schönheiten der kleinen Industriestadt aufsuchen, werden im nördlichen Hügelkranze der Stadt eine kleine Abschwenkung zu dem stillen Ort machen, der schon seit fast 400 Jahren die Toten unserer Glaubensbrüder des Rabbinatsbezirks birgt, welcher sich früher über das Obermain- und Rodachgebiet erstreckte. 
Schon um das Jahr 1620 berichten Urkunden von der Überlassung des Hutangers am Ebnether Berg an die jüdische Kultusgemeinde. Es ist also nicht die herrliche Lage, die Berg- und Waldeinsamkeit allein, die uns hier oben umfängt, noch die wunderschöne Aussicht nach allen Seiten, die den Blick erfreut; uns als Juden interessiert besonders das Kapitel jüdische Kulturgeschichte, das uns hier auf einsamer Höhe manches ersetzen muss, was mangelhaft geführte oder abhanden gekommene Chroniken vergangener Zeiten uns zu lehren übrig ließen. 
Treten wir also durch das zinnengekrönte, mit schön geschmiedetem Eisengitter versehene Tor ein in den von grünem Föhrenwald malerisch umrahmten Ort des Friedens und schreiten auf dem breiten Rasenweg zunächst an den neuzeitlichen Gräberreihen vorbei auf den älteren Teil des Friedhofs zu, der den weitaus größeren Teil der Fläche ausmacht (ca. 6 Hektar) und mehr als 1000 alte Grabsteine beherbergt. Hier bietet sich uns das typische Bild eines alten Judenfriedhofes. Nichts als altersgraue Steinstümpfe, von Gras und Moos und Dornen, überwuchert. Viele der Denkmäler sind überhaupt hinabgesunken in den Grabesschoß zu denen, deren Andenken sie erhalten sollten, die meisten ragen nur wenig hervor und stehen schief wie bemooste Häupter. Abgesehen von einigen Stiftungssteinen am äußersten Ende (Grabsteine, für deren Erhaltung jährlich eine bestimmte Summe von den Hinterbliebenen gezahlt wird) stehen nur dort in der Mitte zur Linken hie und da einige Steine aufrecht. Doch auch sie würden das Schicksal der anderen teilen, wenn nicht ein kunstverständiger, religionsgeschulter Kenner, Herr Kultusbeamter Steinbock, sie aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt hätte. Unter großen Mühen, erheblichem Zeitaufwand und sehr schwierigem Enträtseln der unleserlich gewordenen hebräischen Inschriften gelang es ihm, die ältesten und wertvollsten    
Burgkunstadt Israelit 23121926a.jpg (267833 Byte)der Mazewaus (Grabsteine) ausfindig zu machen. Herrn Steinbocks Bericht an den Landesverbands israelitischer Kultusgemeinden Bayerns hatte den Erfolg, dass der Verband in anerkennenswerter Weise die Mittel zur Hebung und Renovierung dieser Grabsteine zur Verfügung stellte. Im Laufe des letzten Jahves hat ein einheimischer Bildhauer bereits 22 dieser kunst- und kulturgeschichtlichen bedeutsamen Steinzeugen aufgerichtet und restauriert. Der älteste Stein in diesem mittleren Teil des Bes Chaim ist ein Frauengrabmal aus dem benachbarten Altenkunstadt und stammt aus dem Jahre 1623. Er trägt wie alle auf der Misrachseite hebräische Inschrift. Auch die anderen Steine seines Alters zeigen oft nur einen Dreiecksgiebel oder Rundbogen als Abschluss oder sind rechts und links der Inschrift von eingekerbten senkrechten Linien begrenzt (Andeutung von Säulen). Immerhin sind dies Zeichen der Renaissanceepoche, wenn auch äußerst einfache und arme. Dies wird uns begreiflich, wenn wir bedenken, dass jene Zeitläufte vor 300 Jahren keine rosigen waren: Judenverfolgungen und Pestilenz, Aufruhr, und Ritterfehden und dann der unselige 30jährige Krieg wüteten ja damals in der Gegend, und daran hatten auch die Juden in ihrem Ghetto zu leiden, und sie konnten damals ihren Toten keine teueren Denkmäler setzen.
In einer der nächsten Reihen erregen 3 einander ähnliche, hohe, reich geschmückte Grabsteine unsere Aufmerksamkeit. Es handelt sich vermutlich um die Denkmäler für einen Rabbiner, seine Frau und seinen Sohn, die zwischen 1730 und 1750 - starben. Namentlich der Sinn der Inschrift am Frauengrab ist tiefsinnig, rührend und innig. Viele dieser durchwegs sehr langen Inschriften sind in Versform gehalten; z.B. erkennt man auf dem mittleren Stein unseres Bildes deutlich den Endbuchstaben einer jeden Zeile: CHET, andere wieder enden auf ALEF, wobei zuweilen der letzte Buchstabe jeweils fortgelassen und nur einmal in der Mitte groß ausgeführt ist. Jeder der genannten 3 Steine, die auf dem Bilde vorn sichtbar sind, ist von gewundenen Säulen umrahmt und von hinaufgeschwungenen doppelten Voluten bekrönt: alles Zeichen des Barock. In der nächsten Reihe treffen wir diese Kunstrichtung auf entwickelter Stufe. Ein Grabstein aus dem Jahre 1737 ist ebenfalls von kunstvoll gewundenen Säulen gefasst, welche fein gearbeitete Kapitelle tragen, auf denen wieder doppelte, wulstige Schnecken ruhen, aus welchen lanzettliche Blätter gleich Feuerzungen herauswachsen, in der Mitte oben eine gerippte Muschel einschließend. Der schönste Barockstein, 1726, aber - er schaut auf dem Bilde zwischen den vorderen hindurch - zeigt innerhalb dieser Krönung noch in erhabener Bildhauerarbeit die Kanne, das Zeichen des Stammes Levi. Die Inschrift ist außerdem noch von fein gemeißelten Pflanzengewinden umrahmt. Die gewundenen Säulen sind mit Dolden und Blattwerk reich verziert. Wirklich eine reich entwickelte Barockarbeit. Ein anderer, ähnlich gearbeiteter Grabstein zeigt außerdem in der krönenden Rundung eine Kanne in einem Becken; während das Grabmal eines Privatgelehrten aus Kronach mit Löwen versehen ist, welches redende Wappen bekanntlich dem Stamme Juda eigen ist.
Daneben zieht uns der wertvollste Stein des Friedhofs an  - ein herrliches Werk des Rokokko mit vollendeten Formen. Wie ein prächiger, in Stein ausgeführter Bildrahmen aus einem französischen Prunkschloss mutet uns dieser kostbare Stein an. Feinste abgeschrägte Rahmenornamentik, Voluten und Schnecken, aus denen nette Blütentrauben quellen, schließen sich zu einer gelungenen Komposition zusammen, oben in einer Muschel abschließend. Auch dieses Grabmal war früher zerbrochen, die neuerliche Zusammensetzung ist dem Bildhauer gut gelungen. Welch schwierige Arbeit es sowohl für Herrn Steinbock als auch für seinen technischen Mitarbeiter, den Bildhauer, war, all diese alten Steine zu neuem Leben zu erwecken, ersieht man aus den noch liegenden, verwitterten Steinen, mit denen der Laie, zumal was den fast ganz dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallenen Text betrifft, überhaupt nichts anzufangen verstünde. Die Grabmonumente, die meistens aus einheimischen, zuweilen etwas rohem Sandstein bestehen, zeugen immerhin von ziemlicher Entwicklung kunsthandwerklicher Betätigung der oberfränkischen Bildhauer im 18. Jahrhundert. Manche Grabmäler sind unten noch mit Kanten und Eierstäben geschmückt, an anderen sehen wir die Inschriften von Blattkränzen umwunden, wieder andere Steine haben krabbenähnliche Köpfe, viele fein gearbeitete Löwen, zwei segnende Hände, Beschneidungs-  
Burgkunstadt Israelit 23121926b.jpg (221286 Byte)Messer, Hörner, welche Zeichen uns andeuten, dass die Toten, von denen sie künden, zu Lebzeiten Kultusbetätigungen verrichteten. Diese ganze mittlere Reihe des Bes Kworaus (Friedhof) scheint also ein reservierter Platz, eine sogenannte Gedaulim-Ecke (Ecke für die gadolim = bedeutende Menschen), gewesen zu sein, wie auch aus den Titeln der Bestatteten hervorgeht, von denen einer den Titel Kodausch - Heiliger - (Bezeichnung für einen Märtyrer, der von Nichtjuden getötet wurde) trägt. In anderen Teilen finden wir viele Vertreter handwerklicher und gewerblicher Berufe.
Der nördliche, gegen den Wald sich dehnende Teil wurde wahrscheinlich erst im 18. Jahrhundert hinzugekauft. Unter den vielen Hunderten von eingesunkenen Steinen waren ungefähr noch 70 wohl wert, ausgerichtet und restauriert zu werden. Eine Anzahl hiervon sind für dieses Jahr bereits geplant bzw. in Angriff genommen.
Auch aus der Zeit des Empire finden wir sehr beachtenswerte Denkmalformen. (Säulen, Dreiecksgiebel, Vasen usw.). 
Wie ein Steinwald ziemlich gleichförmiger Art zeigt sich das östliche Viertel der vorderen Hälfte des Friedhofs. Biedermeier in nüchternster Form (1820—1850), neuromanische und neugotische Formen sprechen von der Stilverwirrung, die im 19. Jahrhundert herrscht. Die Westseite der Steine trägt bereits deutsche Inschriften, während die östliche hebräische Texte zeigt. Von einer Periode des Aufschwunges, im Handel, von gleichmäßig zunehmendem Wohlstand und einer Bevölkerungszahl von ca. 400 Israeliten in Burgkunstadt allein usw. könnten diese Steine reden.
Ganz modernen Charakter hat die vordere Abteilung neben dem Eingangsgebäude. Marmormonumente und einfache Grabplatten, liegende Sarkophage usw., von Zypressen beschattet, wechseln in bunter Folge, auch hier vom Gegensatz zwischen arm und reich zeugend. Inschriften und Kunstformen sind durchaus neuzeitlich; viele Steine tragen leider nur noch deutsche Inschriften; religiöse Embleme treten zurück - gemäß dem alles nivellierenden modernen Zeitgeist.
So ist eine Wanderung durch einen jahrhundertealten Gottesacker wie das Blättern in einem Buch der Kultur- und Kunstgeschichte'. Gewiss würde noch in vielen Gemeinden durch ein derart lobenswertes Vorgehen ein ähnlich reicher Born von, Quellen, auch für die Familienforschung, am 'Guten Ort', sich ergeben.
'Saxa loquntur'. Oft wo Menschen schweigen, erzählen die Steine."    

  
Lage des Friedhofes  
 
 
Der Friedhof liegt etwa 1 km nördlich der Stadt, links von der Straße nach Ebneth, wo ein Feldweg zu dem am Waldrand gelegenen Friedhof führt. 
  
Link zu den Google-Maps  
 
  
  
 
Fotos 

Historische Fotos - *erstellt am 16. Oktober 1928 von Theodor Harburger (s. Lit.)
bzw. aus der Sammlung von Theodor Harburger   

   
Burgkunstadt Friedhof 284.jpg (70645 Byte) Burgkunstadt Friedhof 285.jpg (77899 Byte) Burgkunstadt Friedhof 283.jpg (79547 Byte)
Die Teilansichten (links Blick auf Eingangsbereich) wurden 1929 von Leopold Godlewsky an Theodor Harburger übersandt  
     
Burgkunstadt Friedhof 286.jpg (62599 Byte) Burgkunstadt Friedhof 288.jpg (95104 Byte) Burgkunstadt Friedhof 287.jpg (63475 Byte)
Die Teilansichten des Friedhofes wurden 1929 von Leopold Godlewsky an Theodor Harburger übersandt  
     
Burgkunstadt Friedhof 290.jpg (132170 Byte) Burgkunstadt Friedhof 291.jpg (146122 Byte) Burgkunstadt Friedhof 292.jpg (135999 Byte)
Teilansicht des 
Friedhofes*
Grabsteine aus den Jahren 
1744, 1783 und 1766*
Grabsteine aus 
dem 18. Jahrhundert*
      
Burgkunstadt Friedhof 282.jpg (85197 Byte) Burgkunstadt Friedhof 516.jpg (112267 Byte) Burgkunstadt Friedhof 280.jpg (77285 Byte) Burgkunstadt Friedhof 281.jpg (99960 Byte)
Grabstein des Isaak, Sohn des Samuel
 ha-Levi
aus Kronach, gest. 16. August 1728
 (11. Elul 5488) mit Levitenkanne*, rechts
 derselbe Stein im April 2007 
Grabstein der Frau Ela, 
gest. 5. November 1766 
(3. Kislew 5527)* 
Grabstein des Menachem, Sohn des
 R. Mordechai s.A.
, gest. 17. Mai 1710 
(17. Ijar 5470) mit "segnenden Händen" 
der Kohanim* 
   
       
Burgkunstadt Friedhof 289.jpg (86022 Byte)   
 Grabstein des Baruch, Sohn des R. Jechiel, gest. am Freitag 13. Elul 5386 (4. September 1626) (Aufnahme des ehemaligen jüdischen Lehrers Ignaz Steinbock, Burgkunstadt, geb. 1886, umgekommen nach Deportation)   
      

Fotos Frühjahr 2007 (Hahn, Aufnahmedatum 11.4.2007) 

 
Burgkunstadt Friedhof 534.jpg (111457 Byte) Burgkunstadt Friedhof 535.jpg (107458 Byte) Burgkunstadt Friedhof 536.jpg (98455 Byte)
Eingangsportal  Eingangstor  Altes Türschloss 
     
Burgkunstadt Friedhof 531.jpg (91467 Byte) Burgkunstadt Friedhof 532.jpg (95884 Byte) Burgkunstadt Friedhof 528.jpg (127843 Byte)
Hinweise zur Geschichte  Gebet beim Eintritt in den Friedhof  Taharahaus 
     
Burgkunstadt Friedhof 530.jpg (116955 Byte) Burgkunstadt Friedhof 533.jpg (123713 Byte) Burgkunstadt Friedhof 529.jpg (130546 Byte)
Brunnen  Neuere Gräber im Eingangsbereich 
   
Burgkunstadt Friedhof 500.jpg (125770 Byte) Burgkunstadt Friedhof 501.jpg (110738 Byte) Burgkunstadt Friedhof 502.jpg (93444 Byte)
  Grabstein für Tuchmacher Selig Lang
 (gest. 1857) 
Grabstein für Joseph Kraus aus
 Altenkunstadt (gest. 1857) 
     
Burgkunstadt Friedhof 503.jpg (128366 Byte) Burgkunstadt Friedhof 504.jpg (126998 Byte) Burgkunstadt Friedhof 505.jpg (112531 Byte)
     
     
Burgkunstadt Friedhof 506.jpg (120102 Byte) Burgkunstadt Friedhof 507.jpg (128077 Byte) Burgkunstadt Friedhof 508.jpg (135631 Byte)
Im alten Friedhofsteil
    
Burgkunstadt Friedhof 509.jpg (129654 Byte) Burgkunstadt Friedhof 510.jpg (132818 Byte) Burgkunstadt Friedhof 511.jpg (136395 Byte)
Im alten Friedhofsteil
   
Burgkunstadt Friedhof 512.jpg (121960 Byte) Burgkunstadt Friedhof 513.jpg (129161 Byte) Burgkunstadt Friedhof 514.jpg (135313 Byte)
          
     
Burgkunstadt Friedhof 515.jpg (108292 Byte) Burgkunstadt Friedhof 516.jpg (112267 Byte) Burgkunstadt Friedhof 517.jpg (114561 Byte)
Zwei Grabsteine mit Levitenkannen   
   
Burgkunstadt Friedhof 518.jpg (125534 Byte) Burgkunstadt Friedhof 519.jpg (128055 Byte) Burgkunstadt Friedhof 521.jpg (142073 Byte)
         
     
Burgkunstadt Friedhof 522.jpg (118537 Byte) Burgkunstadt Friedhof 523.jpg (120588 Byte) Burgkunstadt Friedhof 525.jpg (123413 Byte)
        
     
Burgkunstadt Friedhof 524.jpg (124842 Byte) Burgkunstadt Friedhof 527.jpg (72900 Byte) Burgkunstadt Friedhof 526.jpg (120337 Byte)
   Grabinschrift für Amalie Pretzfelder 
geb. Reckendorfer
von Burgkunstadt
 (gest. 1907) 
Grabsteine für Zacharias Mosbacher 
(gest. 1913) und Heinrich Pretzfelder 
(gest. 1914) 
      
  Burgkunstadt Friedhof 520.jpg (142773 Byte)   
  Frühlingsblumen zwischen Grabsteinen   
     

Nachfolgende Fotos: Jürgen Hanke, Kronach; untere Zeile: Stadt Burgkunstadt

 
Burgkunstadt Friedhof 144.jpg (79912 Byte) Burgkunstadt Friedhof 140.jpg (82608 Byte) Burgkunstadt Friedhof 142.jpg (103407 Byte)
Blick auf den Eingang  Eingangstor  Brunnen 
     
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Blick vom Friedhof auf den Eingangsbereich  Teilansichten des Friedhofes  
   
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Inschriftentafel am Taharahaus 
mit Segensspruch
Teilansichten des Friedhofes  
  
   
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Taharastein  Der "erste Stein des Friedhofes" von 1626: Grabstein für Baruch, Sohn des R. Jechiel, 
gest. am Freitag, 13. Elul 5386 (4. September 1626) 
    
   
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"Segnende Hände" 
der Kohanim 
Grabstein mit Löwen und
 Beschneidungsmesser (Grab eines Mohel) 
Prächtiger Grabstein 
mit Levitenkanne 
     
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Grabstein für Carl Iglauer 
(1855-1935) 
Grabstein für Ella Steinbock geb. Bauer
(gest. 1923) 
Grabstein für Hannchen Lump 
(1843-1915) 
     
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Teilansichten des Friedhofes (Quelle: Stadt Burgkunstadt
   
   

Nachstehender Text und Fotos im Blick auf die aus Kulmbach beigesetzten jüdischen Personen von Wolfgang Schoberth:
   
"Von Anfang müssen auch Glaubensangehörige aus Kulmbach hier bestattet worden sein. 
Gut lesbar sind einige Namen von Gründungsmitgliedern der neuzeitlichen Gemeinde Kulmbach (Adler, Fleischmann, Flörsheim, Wortsmann, Zeidler. Zwei Beispiele: Die kunstvolle Steinskulptur auf dem Grab von Heinrich Fleischmann (geb. 1. April 1869 in Oberlangenstadt, gest. 11. November 1903 in Kulmbach); die bemerkenswerte Inschrift auf dem schwarzen Marmorstein von Fanny Flörsheim (geb. Strauss, 18. Dezember 1855): mit ihrem Sterbetag am 27. März 1931 ist sie die letzte Kulmbacherin, die auf dem "Guten Ort" bei Ebneth bestattet worden ist. Nach ortsüblichem Zeremoniell wurde sie auf einen gemeindeeigenen Leichenwagen gebahrt und von ihren Glaubensgenossen zu der 20 Kilometer entfernten Begräbnisstätte geleitet."  

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Eingangsbereich des Friedhofs 
mit dem Tahara-Häuschen rechts 
Reihe mit Kindergräbern, hier das
 Kulmbacher Mädchen Klara Flörsheim
 (1903 gestorben) 
Verwittertes Grab von Moses Flörsheim
 (1.6.1856 - 3.6.1935), Gründungsmitglied
 und Vorbeter der jüdischen Gemeinde 
   
     
 Kulmbach Abb 169.jpg (119979 Byte)  Kulmbach Abb 172.jpg (94767 Byte)  
Grab von Fanny Flörsheim, der Ehefrau 
von Moses Flörsheim, mit dem Sterbedatum vom 
27. März 1931 
Grab von Heinrich Fleischmann 
(1.4.1869 - 11.11.1903), ebenfalls
 Gründungsmitglied 
  
     

   
   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte          

Oktober 2011: Gedenken auf dem jüdischen Friedhof zu Rosch Haschana  
Artikel von Gerda Völk in der "Neuen Presse Coburg" vom 12. Oktober 2010: "Gegen das Vergessen. Seit etwa 20 Jahren treffen sich die Mitglieder der Interessengemeinschaft Synagoge und engagierte Bürger am jüdischen Friedhof in Burgkunstadt. Gemeinsam feiern sie Rosch Haschana..." 
Link zum Artikel - auch eingestellt als pdf-Datei    
 
Oktober 2015: Gedenkfeier und Friedhofsbegehung    
Artikel im "Fränkischen Tag" vom 5. Oktober 2015: "Ältester Grabstein steht seit 1623.  Ein Rundgang mit Gedenkfeier auf dem jüdischen Friedhof in Burgkunstadt machte mit der israelitischen Bestattungskultur bekannt. Sie ist geprägt von Schlichtheit und betont die Gleichheit der Menschen im Tod.
Sehr beeindruckend war die Gedenkfeier und Friedhofsbegehung, welche die 'Interessengemeinschaft Synagoge Altenkunstadt' im jüdischen Friedhof in Burgkunstadt abgehalten hat. Vorsitzender Josef Motschmann erklärte, dass es 700 Jahre lang schon Judentum in Franken gegeben hat und es im Judentum Tradition sei, in der Zeit hoher Feiertage die Gräber der Verstorbenen zu besuchen. Auszüge aus dem Psalm 130 verlasen Erna Grampp und Elke Jahn. Die Theologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fakultät Evangelische Theologie der Universität Erlangen-Nürnberg, Franziska Grießer-Birnmeyer, berichtete über Zeichen jüdischer Kultur, die sie schon als Kind beim Besuch jüdischer Friedhöfe fasziniiert hatten. Sie fand Davidsstern, geknickte Rose oder Rosenblüten und machte sich daran, sich mit der Geschichte der Juden in Deutschland zu beschäftigen. Die 2. Bürgermeisterin der Stadt Lichtenfels, Sabine Rießner, erklärte, dass es unsere Pflicht sei, auf dem größten jüdischen Friedhof in Oberfranken an die jüdischen Mitbürger, die hier einmal gelebt haben, zu erinnern. Am Beispiel der Stadt Lichtenfels machte sie deutlich, dass geschäftliche und freundschaftliche Beziehungen zu jüdischen Mitbürger einst gut und selbstverständlich gewesen seien. Leider sei es vielen Menschen heute nicht mehr bewusst, dass Anfang des 20. Jahrhunderts die Juden ein ganz selbstverständlicher Teil der bayerischen Gesellschaft waren. Sie führten besonders in Oberfranken ein blühendes Leben. Die Stadt Lichtenfels habe für die aus Lichtenfels stammenden Opfer der Nazidiktatur auf dem dortigen, 1840 errichteten jüdischen Friedhof ein Denkmal errichten lassen. Ob allerdings die Liste der aufgeführten Opfer vollständig ist, dürfe bezweifelt werden. 1918 und 1930 wurde der jüdische Friedhof in Lichtenfels geschändet und 1941 dem Erdboden gleich gemacht. Außenmauer und Grabsteine wurden für den Straßenbau verwendet. Nach einem abschließenden Gebet und Bitte um Frieden für die Menschen in Israel und Palästina wurde eine Besichtigung des Friedhofs durchgeführt mit erstaunlichen Erkenntnissen.
Der jüdische Friedhof in Burgkunstadt wird in drei Epochen unterteilt. Der rechte Teil am Eingang wird den Jahren 1830 bis 1870 zugeordnet. Der linke untere Teil der Zeit 1870 bis 1940. Der obere Teil wurde im Jahre 1620 angelegt. Der älteste Grabstein stammt aus dem Jahr 1623.
Pflege durch Regens-Wagner. Dass jüdische Friedhöfe nicht so gepflegt werden wie christliche hat folgenden Grund: Der jüdische Friedhof ist ein Zeichen des vergänglichen Lebens, was durch Schlichtheit ausgedrückt werden soll. Es soll aber auch kein Verfall stattfinden. Die Pflege in Burgkunstadt hat die Gartengruppe von Regens-Wagner inne. Michael Hofmann von der Gruppe erklärte den Pflegeaufwand.
Nach Jerusalem ausgerichtet. Die Ausrichtung der Gräber ist so, dass das Haupt der Verstorbenen nach Jerusalem zeigt. Nach jüdischer Lehre kann der Verstorbene am Tage des Jüngsten Gerichts aufstehen und ohne sich umzudrehen gen Jerusalem wandeln. Im Tod sind alle gleich, dies wird auch bei jüdischen Bestattungen deutlich. So werden die Verstorbenen in einen Sarg gelegt, der nach christlichen Vorstellungen eher einer Kiste gleicht. Wichtig ist die Sauberkeit. So gibt es in Burgkunstadt ein 'Taharahaus', in welchem die Verstorbenen vor der Beerdigung gewaschen und mit weißem Totengewand angezogen wurden. Die Schlichtheit eines jüdischen Friedhofes drückt sich auch dadurch aus, dass keine Blumen zu sehen sind. So wird bei einem Besuch des Grabes ein Stein auf das Grab gelegt. Dies bedeutet: 'Ich gönne dir die Totenruhe und denke an dich'. Eine Besonderheit ist auch das Verlassen eines jüdischen Friedhofes. Dabei soll ein kleiner Büschel Gras über die Schultergeworfen werden. Dies soll auf die Vergänglichkeit erinnern: 'Der Mensch welkt wie Gras'. Im jüdische Friedhof in Burgkunstadt finden keine Beisetzungen mehr statt, da es sich um einen historischen Friedhof handelt."
Link zum Artikel   
 
Oktober 2019: Führung über den jüdischen Friedhof  
Artikel in "InFranken.de" vom 9. Oktober 2019: "Exkursion. Jüdischer Friedhof am Ebnether Berg hatte einen großen Einzugsbereich
Das erste Ziel einer geführten Wanderung von Wanderführer Dieter Schmiedel war der im Jahr 1620 angelegte jüdische Friedhof nördlich der Stadt am Ebnether Berg. Dieser zählt mit seinen knapp 2000 Grabsteinen zu den größten jüdischen Landfriedhöfen Bayerns, berichtete Udo Bornschlegel-Diroll. Von 1626 bis etwa 1942 diente er den jüdischen Bürgern im Obermaingebiet als letzte Ruhestätte. Heute erinnert er an eine ehemals blühende Kultur am Obermain, die in der Zeit von 1933 bis 1945 ein jähes Ende fand.
Im Jahr 1910 befanden sich unter den 1839 Einwohnern Burgkunstadts 103 Juden. Zwischen 1935 und 1939 wanderten 40 Juden aus oder zogen weg, es blieben noch zwölf jüdische Mitbürger hier. Bis auf einen, der noch im November 1942 in Burgkunstadt wohnte und dessen Schicksal ungeklärt blieb, wurden diese 1942 nach Theresienstadt deportiert. Die viereckige Anlage am Ebnether Berg ist von einer Sandsteinmauer umgrenzt. Der Einzugsbereich des jüdischen Friedhofs von Burgkunstadt war ziemlich groß, wie sich auch an den Ortsangaben auf den Grabsteinen ablesen lässt. Man kann drei Belegungsphasen unterscheiden, erläuterte der Führer. Bei der ältesten Belegungsphase im 17. und 18. Jahrhundert sind die Grabsteine schon weitgehend umgekippt, Gras wuchert zwischen ihnen. Jüdische Friedhöfe werden im Gegensatz zu christlichen Friedhöfen bewusst nicht gepflegt, weil hier eine andere Auffassung zugrunde liegt: Die Ruhe der Toten soll nicht durch ständige Pflege gestört werden...."  
Link zum Artikel       

   
    

Links und Literatur  

Links:

bulletWebsite der Stadt Burgkunstadt mit Informationsseiten zu "Spuren jüdischer Kultur - der Judenfriedhof"   
bullet Informationsseiten von www.juden-in-bamberg.de zu "Burgkunstadt" (bei Suchfunktion eingeben)   
bulletZur Seite über die Synagoge in Burgkunstadt (interner Link)  

Literatur:  

bulletTheodor Harburger: Die Inventarisierung jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern. Hrsg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem und dem Jüdischen Museum Franken - Fürth & Schnaittach. Fürth 1998. Zu Burgkunstadt Bd. 2 S. 117-130.   
bulletIsrael Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. 1988 S. 199-200. 
bullet Michael Trüger: Der jüdische Friedhof in Burgkunstadt In: Der Landesverband der Israelit. Kultusgemeinden in Bayern. 11. Jahrgang Nr. 69 vom April 1996 S. 19-
bulletBurgkunstadt Lit 180.jpg (85012 Byte)Josef Motschmann/Siegfried Rudolph: "Guter Ort" über dem Maintal - Der jüdische Friedhof bei Burgkunstadt. Lichtenfels 1999 (Reihe: Colloquium Historicum Wirsbergense). 
bulletKlaus Guth (Hg.): Jüdische Landgemeinden in Oberfranken 1800-1942. Ein historisch-topographisches Handbuch. Reihe: Landjudentum in Oberfranken - Geschichte und Volkskultur. Bamberg 1988. Zu, Friedhof Burgkunstadt S. 76-77.  
bullet Michael Schneeberger: Die Juden von Kunstadt. In: Jüdisches Leben in Bayern 18. Jahrgang Nr. 92 vom September 2003 S. 24-29. 
bulletGünter Dippold: Die jüdischen Friedhöfe in der Umgebung von Burgkunstadt. 1999. 
http://www.bezirk-oberfranken.de/fileadmin/6_Kultur/publikationen/mitarbeiter/datei/1999Friedhoefe.pdf   
bulletChristian Porzelt: Eine Lücke, die schmerzt. Artikel in "Neue Presse"  vom 9. April 2021 (Lokalteil Kronach) S. 13. Eingestellt als pdf-Datei.
Vor 79 Jahren fand auf dem jüdischen Friedhof von Burgkunstadt die letzte Beerdigung statt. Jette Lamm aus Kronach wurde dort nur wenige Tage vor der Deportation der verbliebenen Juden in der Region beigesetzt. Einen Grabstein erhielt die Kronacherin nicht mehr.

  
    

                   
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Stand: 31. Januar 2026