Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Kueps (Kreis Kronach) 
Jüdischer Friedhof  
  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde                 
   
Siehe Seite zur Synagoge in Küps (interner Link) 
   
   
Zur Geschichte des Friedhofes     
    
 
In Küps bestand vom 16. Jahrhundert an bis etwa 1890 eine jüdische Gemeinde. Seit 1597 war ein jüdischer Friedhof vorhanden. Der älteste bekannte Grabstein datierte von 1611 (für den in diesem Jahr verstorbenen Seligmann, Sohn des Kadisch Simon). Nach 1734 wurde der Friedhof, der ursprünglich etwas mehr als ein achtel Tagwerk umfasste, durch den Ankauf zweier Grundstücke erweitert. Der Friedhof war auf drei Seiten von einer Mauer eingefriedet, nicht aber an der nördlichen Front, die an andere Anwesen grenzte. 1830 plädierte das Landgericht Kronach für die Schließung des Küpser Friedhofes, da er mitten im Ort lag. Die Juden sollten entweder einen neuen Friedhof außerhalb des Ortes anlegen oder ihre Toten in Burgkunstadt beisetzen.  
   
Seit 1835 wurden keine Beisetzungen mehr auf dem Friedhof vorgenommen. Seitdem (beziehungsweise bereits seit Dezember 1831: erste Beisetzung von Jette Lichtenstädter) wurden die Toten der jüdischen Gemeinde in Burgkunstadt beigesetzt. Die letzte Beisetzung auf dem Friedhof in Küps war diejenige des Handelsmannes Hirsch Oppenheimer, der am 19. Februar 1835 noch in Küps bestattet wurde.
 
Auf dem Friedhof befand sich ein Häuschen, das vermutlich ursprünglich ein Tahara-Haus war, verbunden mit der Wohnung des Totengräbers. Es ist wohl identisch mit dem 1721 genannten "Tropfhaus das Judenhaus genannt und an den Judenkirchhof stoßend". Dieses Gebäude war noch 1876 bewohnt, aber baufällig geworden. 1883 wurde es abgebrochen. Seit 1903 gehörte der Friedhof dem Israelitischen Begräbnisverein Burgkunstadt. Bereits 1919 bemühte sich der Markt Küps um einen Erwerb des Griedhofsgeländes, um es als Baugrund zu benutzen.   
   
1939 kam das Gelände des jüdischen Friedhofes mit den damals noch zahlreichen Grabsteinen für 400 Mark in den Besitz der Marktgemeinde. DIe Grabsteine wurden beseitigt. Auf einem Teil des Friedhofes wurden 1944 behelfsmäßige Wohnheime erstellt. Im Zusammenhang mit dem Restitutionsverfahren nach 1945 wurde des Grundstück von der Jüdischen Vermögensverwaltung JRSO an die Gemeinde Küps verkauft. 1966 wurden die barackenartigen Bauten auf dem Friedhof wieder abgebrochen. Heute befindet sich hier ein Kinderspielplatz. Es ist nicht bekannt, wohin die Grabsteine gekommen sind.
   
Auf dem Friedhofsgrundstück befindet sich seit 1990 ein großer Gedenkstein und eine Menora aus Stein. Das Denkmal ist eine Arbeit des Kronacher Bildhauers Heinrich Schreiber. 
    
    
Lage des Friedhofes    
    
Der Friedhof liegt im Ort auf dem Gelände zwischen Kulmbacher Straße - Ringstraße und Judengasse  
   
   
Fotos 
(Historische Aufnahmen von Theodor Harburger Oktober 1928, veröffentlicht in ders.: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern. Hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem und dem Jüdischen Museum Franken - Fürth und Schnaittach. 1998 Bd. 2. S. 371-373; neuere Fotos: Jürgen Hanke, Kronach) 

Historische Fotos von 1928
Kueps Friedhof 102.jpg (109761 Byte) Kueps Friedhof 101.jpg (112539 Byte) Kueps Friedhof 100.jpg (106830 Byte)
Blick über den Friedhof 
(Teilansicht) 
Grabstein mit
 Levitenkanne 
Grabstein für Seligmann, Sohn des
 Märtyrers Simon, beigesetzt am Sonntag,
 8. Tammus (5)371 (= 19. Juni 1611) 
      
           
     
 Neuere Fotos Kueps Friedhof 140.jpg (51940 Byte) Kueps Friedhof 144.jpg (68924 Byte)
   Blick über das in der NS-Zeit 
abgeräumte Friedhofsgrundstück 
Inschriftenfragment 
  
     
Kueps Friedhof 143.jpg (75850 Byte) Kueps Friedhof 141.jpg (76122 Byte) Kueps Friedhof 142.jpg (55286 Byte)
Gedenkstein und Menora  Gedenkstein mit Inschrift  Menora 
      
Fotos 2007
 (Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 12.4.2007)
Kueps Friedhof 500.jpg (83932 Byte) Kueps Friedhof 501.jpg (108477 Byte)
      
     
Kueps Friedhof 506.jpg (97649 Byte) Kueps Friedhof 502.jpg (124003 Byte) Kueps Friedhof 503.jpg (116675 Byte)
Blick auf den 
Friedhof 
Blick über den 
Friedhof 
Friedhof der Juden von Küps und Umgebung. 
An diesem Guten Ort ruhen unsere ehemaligen
 jüdischen Mitbürger. Achtet auf ihre Ruhe und
 Ihr Andenken. Sie mögen eingebunden sein 
in das ewige Leben." 
     

  
  
Zur Geschichte des jüdischen Friedhofes - zwei Urkunden   
(zitiert aus A. Eckstein: Geschichte der Juden im ehemaligen Fürstbistum Bamberg. Bamberg 1898 S. 131-133 ) 
   
Urkunde um 1700 zur Erneuerung der Rechte der Küpser Judenschaft an ihrem Friedhof und neuer Festlegung der Gebühren: 
  
"Wir Georg Christoph, Sylvester Johann Gotfrid, Alexander Heinrich, Johann Adam, Franz Karl und Sigmund Phylip, allerseits Vettern und Gebrüder von und zu Redwitz, Herrn auf Schmölz, Teisenroth, Küps und Wildenroth etc.  uhrkunten und bekennen vermög dieses offenen Brifs, demnach uns die gesambte Judenschaft in Gebirg untertenig und demütig zu vernemen gegeben, was gestalten von unsers Geschlecht sel. Vorfarn die sembtlich Judenschaft von mehr als hundert Jahr die Gnade gehabt, in unserm Dorf Küps auf unserm freien eigentümblichen Boden mit einer Begrebnus also und dergestalten belihen zu sein, dass sie ihre Tote dahin gegen Erlegung eines gewissen Preises zu Erden bestetigen derfen, gleich sie die ganze zeit hero damit kontinuirt, ferners untertenig biten, dero selben erlangtes Privilegium widerum aus Gnaden zu verneuern. Wan wir dan dero untertenige in Gnaden angesehen und denen selben ihr alt Possess ferner zu gönnen nicht abschlagen wollen, gleichwol das zu entrichten gewesene Quantum vor eine Leiche uns gar zu wenig gewesen, dahero wir sembtliche Judenschaft ihr altes Privilegium und Freiheit der gehabten Begrebnus auf ihre angelangte untertenig demütige Bitte widerumb von neuem wohlbedächtig koncediren, erlauben und zulassen, dahin dergestalt und also das fürohin und zu ewigen Zeiten uns und unsern Nachkommen, ohne den jehrlichen konufen von Begrebtnus und den Heusslein (sc. Leichenhäuschen) nebst dero Besteuerung davon, welches ganz appartes weren, von ein jeder Leiche so über achtzehen Jahr, oder sunst im ehestand gewesen, uns ein Gulden sechsunddreissig Kreuzer, und von einen Kind, es sei tot oder lebendig geboren, wan es nur in unsern Boden gelegt wird, bis auf 18 Jahr, ein Gulden, alles schwer Gelt, wie es in den Stift Bamberg jetzo gemeinläufig entrichtet wird, vergünstigen also und leihen auf gesetzter Judenschaft hirauf nach obgreschribener Art die Freiheit, ihre Toten in unserm eigentümblichen Boden zu beerdigen, jedoch mit dieser Restruktion, dass sie mit unse als Christenfeiertag auf möglichste mit Arbeit verschonen, vornehmblich aber unsere hohe Fest nicht damit betreten, uns so ja ein Casus sich zutrüge, da sie ihres Gesetzes halber an unsern Feiertagen die Beerdigung thun müssten, sollen sie solche also anzustellen unumbgänglich gehalten sein, dass entweder in aller Früh vor unsern Gottesdienst oder nach völliger Endigung dessen Nachmittag sie die Beerdigung vornemen, wie dan wir anderst nicht dan auf solcher Massen und aus lauter Genade, da wir uns ferne Verordnung weiter vorbehalten, ihnen diese Freiheit concediren mit den accordirten Preis vollständig richtig sein. Urkundiglich haben wir uns sembtlich eigenhändig unterschriben und unser adlich angeborene Petschaften an die angehengten Kapsel gedruckt. Geben in unsern frei eigentümblichen Schlos Küps den.... (Folgen die Unterschriften).
     
       
Urkunde von 1721 zu dem "Tropfhaus" am jüdischen Friedhof (Leichenhaus?), das die Herren von Redwitz als erbliches Zinslehen dem Küpser Juden Leb Samuel überließen:

"Ich Karl Sigmund Philipp von Rewitz Herr auf Küps, Rheisenroth, Redwitz, Schmelz und Wilderroth, vor mich meine Erben und Nachkommen, urkunde und bekene hirmit, dass ich Leb Samuel Juden in Küps als Lehnträger, ein Tropfhaus das Judenhaus genannt und an Judenkirchhof stossend, nebst seinen Erben zu rechten Zinslehn verehrt und verlihen habe, jedoch also und dergestalt dass er Leb und seine Erben mir und meinen Nachkommen aljehrlich und jedes Jahr besonders zu bestendiger Erbzins reichen und geben solen ein Gulden und neun Kreuzer Michaeli, dann versteuert er solches Tropfhäuslein in Ordinarus und extra Ordinarus um füfzig Gulden, mir und meinen Nachkomen solle er Leb und dessen Erben auch jeder Zeit treu gehorsamb und zu unsern Geboten gewertig sein, das Lehn selbst in guten baulichen Wirden und Wesen erhalten, ohne meinen und nach mir meine Erbn und Nachkommen Vorwissen und Bewilligung nichts dervon verpfenden, verkaufen, oder in ander Wege veräußern, dariber kein andern Lehnherrn suchen und gewinnen, auch solches vor niemand anders als vor mir und meiner Gerechtbarkeit zu verrechten und zu recht vertreten, er werde denn von mir oder meinen Nachkommen an andere verwisen und zuvor seiner Pflicht endlassen; und da merbenahmbter Leb und dessen Erben auf vorhergehende lehnsherrschaftliche Bewiligung solches Tropfhäuslein anderweit veräußern wollte, so sole mir und meinen Nachkommen bei allen Kauf, Tausch, Erb, Donations oder andere Verendrungsfälen, jedes Mal der zehnde Pfenig oder Gulden zu Handlohn gereicht und übrige gewehnliche Lehnjura abgestattet werden, übrigens aber er Leb durchgehens also verhalten, wie einen getreuen Untertan eignet und gebühret, auch er dermahlen mit Hand gelobenter Treue gelobet und zu Got geschworen. Verleihe hierauf auch vilermeltem Leb Samuel judn was ich ihm von rechts und bilichkeit wegen, auch des Lehns und dis Orts hergebrachter Gewohnheit nach an mehr benambten Tropfhäuslein zu verleihen schuldig, jedoch mir und meinen Nachkomen an unsern Herrlichkeiten, Rechten und Gerechtigkeiten in aller Wegen unschedlich. 
Uhrkundlich ich diesen Lehnbrief eigenhendig unterschrieben und mit meinem adlichen angebohrenen Insigl bedruckt. So geben und geschehn Küps den 21. Jan. 1721." 

   
    

Links und Literatur   

Links:   

Website des Marktes Küps   
Zur Seite über die Synagoge in Küps 

Literatur:     

Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. 1988 S. 213.  
Burgkunstadt Lit 180.jpg (85012 Byte)Josef Motschmann/Siegfried Rudolph: "Guter Ort" über dem Maintal - Der jüdische Friedhof bei Burgkunstadt. Lichtenfels 1999 (Reihe: Colloquium Historicum Wirsbergense).
Innerhalb des Abschnittes von Günter Dippold: Die jüdischen Friedhöfe in der Umgebung von Burgkunstadt. Zum jüdischen Friedhof in Küps S. 129-134.  

   
    

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 27. September 2013