Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Burgkunstadt (Kreis Lichtenfels)  
Texte zur Geschichte der jüdischen Gemeinde 

Anmerkung: Bei den nachstehenden Texten zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Burgkunstadt handelt es sich um Artikel, die in jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts veröffentlicht wurden. Die vorliegende Zusammenstellung wird bei Gelegenheit durch weitere Artikel ergänzt. Neueste Ergänzung: 25.10.2014
   
   
Übersicht:        

Allgemeine Beiträge aus der Geschichte 
Ausschreitungen im Revolutionsjahr 1848  
Kurze Charakterisierung der Gemeinde 1851 mit Besonderheiten zum christlich-jüdischen Miteinander      
Ritualmordgerücht - Kaufmann Markus klagt gegen Witwe Pütterich / Petrich / Pettrich  (1894 / 1895)     
Feier zum 100. Geburtstag von Samson Raphael Hirsch (1908)     
Erweiterung des Gebietes der Kultusgemeinde (1927)  
Aus der Geschichte des Rabbinates Burgkunstadt     
Aus der Zeit des Rabbiners Leopold Stein (1841)     
Ausschreibung der Rabbinerstelle (1844)     
Ernennung von Rabbiner Traub (1845)  
A
usschreibung der Stelle des Rabbiners (1880)     
Zum Tod des ehemaligen Rabbiners Leopold Stein (1882)  
Zum Tod von Rabbiner Dr. Sigmund Flaschner (1914 in Nürnberg, war von 1880/81 bis 1885 Rabbiner in Burgkunstadt)   
Ausschreibung der Rabbiner-Stelle (1886)  
Distriktsrabbiner Dr. Joseph Cohn wechselt nach Eschwege (1895)  
Wahl des Rabbiners Dr. Ezechiel (Eduard) Goitein (1896)   
Antrittspredigt von Rabbiner Dr. Goitein am 9. Januar 1897  
Gedächtnisfeier zum 100. Geburtstag von Rabbiner Leopold Stein (1910)  
T
od von Distriktsrabbiner Dr. Ezechiel Goitein (1914)   
Abstammung Rabbiner Dr. Goteins 
Auflösung des Rabbinatsbezirkes Burgkunstadt (1936)    
Aus der Geschichte der Lehrer / Vorbeter / Schächter      
Ausschreibung der Vorsängerstelle 1847   
Ausschreibungen der Stelle des Schochets und Gemeinde-/Friedhofdieners 1883 und 1887  
Schochet (Schächter) gesucht (1893)   
Ausschreibung der Stelle des Schochets und Gemeinde-/Friedhofdieners (1901)  
Ernennung des Lehrers Jonas Löbenstern zum Hauptlehrer (1907)  
Auszeichnung des Lehrers Jonas Löbenstern mit dem Luitpoldkreuz (1911)  
Zur Verabschiedung von Lehrer Jonas Löbenstern (1913)  
Zum Tod von Lehrer Jonas Löbenstern (1936 in Würzburg)       
Ausschreibung der Stelle des Vorbeters und Schochets (1920)  
25-jähriges Dienstjubiläum des Lehrers J. Steinbock (1930)      
Aus der Geschichte der Schule     
Das rituelle Bad wird neu eingerichtet (1897)   
Klärung der Finanzierung der Schulumlage zwischen Stadtgemeinde und israelitischer Gemeinde (1909)   
Aus der Geschichte der Vereine / Stiftungen     
Zum 50jährigen Bestehen des Israelitischen Frauenvereines (1905)   
Anzeige der Koppel Henoch'schen Wohltätigkeitsstiftung 1907 (bestand seit 1783)  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde    
Zum Tod der über 100jährigen Fanny Friedmann (1878)   
Zum Tod von Wolf Felheim, langjähriger Gemeindevorsteher (1890)   
Zum Tod von Kaufmann Moritz Oppenheimer, Kassierer und Schriftführer der Freiwilligen Feuerwehr Burgkunstadt, aktiv auch im Turner-Verein (1893)   
Zum Tod von Salomon Rothschild, langjähriger Gemeindevorsteher und Vorstand von Wohltätigkeitsanstalten (1911) und zum Tod von Fanny Bamberger, langjährige Vorsitzende des Frauenvereins (1911)    
Zum Tod von Friederika Löbenstern (1911)  
Zum Tod von Jette Lindner (1920)    
Zum Tod von Sophie Lang, gestorben in Tann (1928)  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Einzelpersonen      
Anzeige der Mazzen- und Makronenbäckerei Joseph Oppenheimer (1895)   
Ritualien / Torarollen zu verkaufen (1895 / 1898 / 1900) 
A
nzeige des Kolonialwarengeschäftes Bernhard Friedmann (1901) 
Lehrlingsgesuch des Baumwollwaren-Engros-Geschäftes J. Rossmann (1905) 
Weitere Dokumente  
Karte von Heinrich Silbermann (Burgkunstadt) nach Nürnberg (ca. 1873/74)  
Brief an A. Pretzfelder in Burgkunstadt aus Reutlingen (April 1875)    
Brief an Joseph Oppenheimer in Burgkunstadt (1875)  
Postkarte der Schuhwaren-Fabrik Joseph Weiermann (1888)  
Briefumschlag von A. Thurnauer sen., Korbwaren-Manufaktur in Burgkunstadt (1897)    
Rechnung - Lieferschein über eine Käsesendung von Louis Friedmann (1904)  
Briefumschlag eines Schreibens von Max Possenheimer (1916)   
Briefumschlag von D. Banemann in Burgkunstadt (1923)  
Sonstiges  
Erinnerungen an die Auswanderungen im 19. Jahrhundert: Grabstein in New York für  Hermann Bamberger (1838-1920, aus Burgkunstadt)     

     
     
Allgemeine Beiträge aus der Geschichte   
Ausschreitungen im Revolutionsjahr 1848                

Burgkunstadt DtrZionswaechter 28031848.jpg (125472 Byte)Artikel in "Der treue Zionswächter" vom 28. März 1848: "Südwestliches Deutschland. Die Zeitungen der jüngsten Tage berichten zahlreiche schreckliche Angriffe gegen die Juden an der württembergischen, badischen und französischen Grenze, von boshaftem Pöbel und plündernden Rotten versucht und ausgeführt, welche Hab' und Gut zertrümmerten und die Eigentümer aus ihren Besitztümern völlig verjagten. Wer erinnert sich nicht bei solche traurigen Szenen an die Beschlüsse der nunmehr aus dem Zeitlichen verschwundenen Rabbiner-Versammlung, welche die herkömmlichen, zur Abwehr ähnlicher Gefahren und Schrecknisse an den allgewaltigen Beschützer Israels gerichteten Gebete, und sogar auf die Fasttage für überflüssig erklärte, weil jene mittelalterlichen Bedrückungen und Grausamkeiten in dem von Bildung strotzenden 19. Jahrhundert nicht mehr vorkämen, ja undenklich wären.*) Sehen nun diese vom Wahne geblendeten Ratsherren, wie wenig sie über die Gegenwart hinaus zu sehen vermögen, und wie sie sonach als Unweise auch unvermögend seien, die Lehren und Anordnungen unserer Weisen irgendwie anzutasten? 
*) Auch in Altenkunstadt und Burgkunstadt in Oberfranken, wo der jetzt zu Frankfurt am Main Neues predigende Stein vor einigen Jahren noch als Rabbiner fungierte, kamen ähnliche Verheerungen und Vertreibungen vor."   

       
Kurze Charakterisierung der Gemeinde 1851 mit Besonderheiten zum christlich-jüdischen Miteinander
 

Burgkunstadt AZJ 10111851.JPG (141505 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. November 1851: Aus einem Reisebericht durch Oberfranken: "…Zu meinem großen Bedauern konnte ich dessen gütiges Anerbieten, mir die Merkwürdigkeiten der Stadt zu zeigen, wegen des Abgangs des Eisenbahnzugs, nicht annehmen, der mich nach der großen Gemeinde Burgkunstadt, in das so genannte Gebirg brachte, wo seit Langem die Ultras der bayerisch-jüdischen Neologie zu Hause sind. In der Tat ist es hier so weit gekommen, dass das bei den am Sabbat stattfindenden Gemeindeversammlungen abgefasst werdende Protokoll von sämtlichen Gemeindegliedern unterzeichnet wird. Juden und Christen leben hier gesellschaftlich auf gleichem Fuße, und in einer geschlossenen Gesellschaft, die ihr eigentümliches Lokal besitzt, sah ich christliche Frauenzimmer mit jüdischen schwesterlich beisammen sitzen; auf kleinen Plätzen eine seltene Erscheinung, weil sich gemeiniglich christliche Frauenzimmer nur vornehm die Nase rümpfend in geselliger Beziehung de jüdischen nähern. Viele Familien nähren sich ausschließlich von ihrem Handwerk und die anderen betreiben durchweg solide Geschäft. Trotz all’ dem gab es im Jahre 1848 hier eine Pöbelmeute gegen jüdische Fenster und Türen, in Folge deren die jüdischen Gemeindeglieder von der Verfolgung eines Anspruchs an gewisse Gemeinderechte abzustehen für nötig erachteten.
Vor Kurzem wurde hier eine zweite israelitische deutsche Schule gegründet, an welcher Herr Rau rüstig und mit pädagogischem Geschick arbeitet. Beide Schulen befinden sich in einem Interimslokal, da die Gemeinde den Neubau eines Schulhauses beabsichtigt. Die Synagoge, innerlich zweckmäßig und ansprechend eingerichtet, ist, weil an einem Arm des Mains gelegen, feucht und finster. Herrn Rabbiner Traub, der seiner Gemeinde nicht reformfreundlich genug ist, konnte ich, weil ihn ein Familienweh heimgesucht hatte, nicht gehörig genießen, und wegen des schlechten Wetters den nicht ferne lebenden Rabbiner Herrn Gutmann in Redwitz, den Herausgeber der Apokryphen, zu meinem Leidwesen nicht besuchen…"

        
Ritualmordgerücht - Kaufmann Markus klagt gegen Witwe Pütterich / Petrich / Pettrich (1894 / 95) 
Anmerkung: der Familienname Pettrich oder Petterich ist in Burgkunstadt verbreitet  

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 28. September 1894: "Kronach, 24. September (1894). Der 'Fränkische Wald' zeigt wieder einmal deutlich, wie die Märchen von dem Ritualmord entstehen. Er schreibt: 'Welche Wirkung Verleumdung, Dummheit und Aberglaube erzielen können, hat sich in Burgkunstadt gezeigt. Ein siebenjähriger Knabe, Hans Pütterich, kam im vorigen Jahre eines Abends spät nach Hause und brachte zur Entschuldigung vor, der Kaufmann Bernhard Markus in Burgkunstadt habe ihn in seinen Laden gelockt, ihn eingesperrt, und erst der Kommis des Markus habe ihn auf sein Schreien befreit und ihn ausgelassen. Die Erzählung des Knaben ward weiter verbreitet, und in der ganzen Gegend von Burgkunstadt ist weit und breit jetzt das Gerücht, der Jude Markus in Burgkunstadt habe einen Christenknaben umbringen wollen. Erst hieß es nur, Markus habe den Jungen mit dem Messer bedroht, jetzt schon schon erzählt, er habe ihn an der Decke aufgehängt und ihm den Mund zugestopft, der Bader Ritz in Burgkunstadt sei dazu gekommen, habe den Buben schreien hören und ihm geholfen, als Markus demselben schon das Blut unter den Nägeln ausdrücken wollte. Man bezeichnet den Markus als zweiten Schächter zu Burgkunstadt, und ein Reisender fragte jüngst im Bahnhof daselbst: 'Brauchen die Juden keinen Buben zum Schächten?' Die Gendarmerie sah sich in Folge des allgemeinen Geredes veranlasst, Nachforschungen zu pflegen; der Knabe blieb auch zuerst auf seinen Behauptungen stehen; in das Haus des Markus geführt, konnte er aber den Keller oder ein solches Gelass, wo er eingesperrt gewesen sein sollte, nicht zeigen, gestand dann auch zu, dass er diese Geschichte nur erzählt habe, um sein verspätetes Nachhausekommen zu entschuldigen, behauptet aber nun, dass ein Schneider K.... ihm die Ausrede angelernt habe. Auch das hat sich als Lüge herausgestellt. So hat ein lügenhafter Junge so und so viel Leute düpiert. Die Vernünftigen haben freilich an das Märchen nicht geglaubt, aber die Dummen?"    
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. November 1894: "Burgkunstadt, 27. November (1894). Wir haben seinerzeit berichtet, auf welche Weise das Märchen vom Ritualmord entstand; jetzt hat jener Fall seine allerdings merkwürdig gelinde gerichtliche Sühne gefunden. In der letzten Sitzung des Schöffengerichts zu Weismain wurde die Privatklagesache des Kaufmanns Markus von Burgkunstadt gegen die Witwe Petrich wegen verleumderischer Beleidigung verhandelt. Dieselbe hatte mehreren Personen gegenüber behauptet, Markus habe ihren Enkel Hans Petrich eingesperrt, woran sich die mitgeteilten ungeheuerlichen Gerüchte anknüpften. Gendarmerie-Kommandant Fikenschwer bekundete, dass der Knabe Hans Petrich seine Erzählung, er sei von Markus eingesperrt, bedroht und nur vom Kommis auf sein Schreien herausgelassen worden, worauf ihm Markus Kaffee und Brot gegeben, damit er nichts sage, - als unwahr und ihm angelernt widerrufen habe. Der jetzt in Ostpreußen wohnende Kommis des Markus hat brieflich erklärt, dass die ganze Geschichte erloben sei, und nach Aussage anderer Zeugen hat die Witwe Petrich anfänglich über die Erzählung ihres Enkels gelacht und ist erst später an antisemitischer Seite aufgehetzt worden. Der Frau Petrich wurde vom Schöffengericht ein Tag Gefängnis zuerkannt."       
 
Burgkunstadt Israelit 01041895.JPG (167209 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. April 1895: "Bayreuth, 25. Februar (1895). Wie Gerüchte über einen ‚Ritualmord’ entstehen können, davon gab die heutige Landgerichts-Verhandlung ein recht drastisches Beispiel. Ende August vorigen Jahres verbreitete sich in Burgkunstadt und Umgebung das Gerücht, der israelitische Kaufmann Bernhard Markus von Burgkunstadt habe den 11jährigen Knaben Hans Pettrich in seinen Laden gelockt, ihn dann in den Keller mitgenommen, an den Beinen aufgehängt und ihm den Mund verstopft. Als Markus dem Jungen den Hals abschneiden wollte, sei der Knabe wie durch ein Wunder von einem Dritten gerettet worden. Bernhard Markus wurde auf diese Sage hin gemieden, ja sein Geschäft litt ganz bedenklich darunter; es gab sich alle erdenkliche Mühe, den Verbreiter dieses infamen Gerüchtes zu entdecken und bat die Gendarmerie, ihm behilflich zu sein. Diese führte den Hans Pettrich in die Wohnung des Markus, damit er zeige, wo die Tat sich abgespielt habe. Der Knabe konnte dies aber nicht; nun gestand er zu, seiner Großmutter, der Witwe Margarethe Pettrich, das Märchen von seiner Gefangennahme und versuchten Tötung erzählt zu haben, um einen Entschuldigungsgrund für sein langes Umherstreunen zu haben. Trotzdem das ganze Lügengewebe des 11jährigen Knaben aufgedeckt war, glaubten die Leute doch, die Frau Pettrich sei mit 200 Mark und einem Anzug abgefunden worden, gegen Markus keine Anzeige zu erstatten. Frau Pettrich wurde deshalb von verschiedenen Personen interpelliert; sie entgegnete stets, sie habe von Markus nichts erhalten, aber Markus habe ihren Hans doch eingesperrt gehabt. Markus sah sich, im Interesse seines gefährdeten Rufes, veranlasst, gegen Frau Pettrich Klage wegen Beleidigung zu stellen. Das Schöffengericht Weismain erachtete die Beklagte auch der Beleidigung für schuldig und verurteilte sie mit Rücksicht auf die Schwere des Falles und den verursachten Schaden zu einer Freiheitsstrafe von 1 Tag Gefängnis. Die von Pettrich gegen dieses Urteil eingelegte Berufung hatte bezüglich des Schulausspruches keinen Erfolg, dagegen wurde mit Rücksicht auf das straffreie Vorleben der Hochbetagten Frau statt der Freiheitsstrafe eine Geldstrafe von 10 Mark über die verhängt. Nun ist der Tatbestand über das Gerücht von dem ‚Ritualmordversuch’ in Burgkunstadt gerichtlich festgestellt. Und werden hoffentlich sich die Gemüter dort bald beruhigen."   

       
Feier zum 100. Geburtstag von Samson Raphael Hirsch (1908)     

Burgkunstadt Israelit 30071908.jpg (50645 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Juli 1908: "Burgkunstadt, 21. Juli (1908). Auch unsere Gemeinde hatte eine Hirschfeier. An einem der letzten Sabbate nahm Herr Dr. Goitein die Gelegenheit wahr, dass Andenken S. R. Hirschs zu feiern. Er gab uns ein treffliches Bild seines Lebens und Wirkens und zeichnete ihn als einen unermüdlichen Kämpfer der Tora, als einen mit den seltensten und schärfsten Geistesgaben ausgerüsteten Verfechter unseres traditionellen Judentums. Herr Dr. Goitein legte es hauptsächlich der Jugend dringendst ans Herz, sich S. R. Hirsch zum Vorbilde zu nehmen und sich mit dessen Werken recht vertraut zu machen."

  
Erweiterung des Gebietes der Kultusgemeinde (1927)  

Burgkunstadt BayrGZ 09021927.jpg (95911 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 9. Februar 1927: "Bekanntmachung über die Erweiterung des Gebietes der Israelitischen Kultusgemeinden Altenkunstadt, Bayreuth, Burgkunstadt, Hof und Schwabach. 
Die nachstehend aufgeführten Kultusgemeinden haben beschlossen, ihr Gebiet wie folgt auszudehnen:
...
die Israelitische Kultusgemeinde Burgkunstadt auf den nördlich des Mains gelegenen Teil des Finanzamtsbezirks Weismain und die Gemeinden Neuses a.M., Zeitlitz, Hochstadt und Redwitz a.d. Rodach des Finanzamtsbezirks Lichtenfels, 
...
Es ergeht hiermit die Aufforderung an alle Religionsgenossen, die in den von der Ausdehnung betroffenen Gebieten wohnen oder unabhängig vom Wohnsitz steuerpflichtig sind, etwaige Einsprüche gegen die Gebietserweiterung bis spätestens 28. Februar 1927 bei dem Vorstand der betreffenden Kultusgemeinde schriftlich oder mündlich einzulegen. München, 4. Februar 1927. Dr. Neumeyer."

   
   
   

Aus der Geschichte des Rabbinates Burgkunstadt
 

Aus der Zeit des Rabbiners Leopold Stein (1841)
   

Burgkunstadt Israelit19Jh 11011841.jpg (26882 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit des 19. Jahrhunderts" vom 11. Januar 1841. Artikel zu einem der Werke von Rabbiner Leopold Stein, die noch in Burgkunstadt erschienen: "Gebete und Gesänge zum Gebrauche bei der öffentlichen Andacht der Israeliten. Oder: Bausteine zur Auferbauung eines veredelten Synagogengottesdienst. Erste Lieferung: Neujahr und Versöhnungstag. Herausgegeben von Leopold Stein (Rabbiner in Burgkunstadt). Erlangen, bei Ferdinand Enke. 1840".  

  
Ausschreibung der Rabbinerstelle (1844)  

Burgkunstadt AZJ 17061844.jpg (81353 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. Juni 1844: "Erledigte Rabbinatsstelle. Durch die Berufung des Herrn Rabbiner Stein als zweiten Rabbiner nach Frankfurt am Main ist die hiesige Distrikts-Rabbiner-Stelle in Erledigung gekommen.
Der fixe Gehalt beträgt jährlich 400 Gulden nebst den üblichen Akzidenzien.
Bewerber um diese Stelle haben ihre Fähigkeit durch legale Zeugnisse nachzuweisen, und solche binnen sechs Wochen an die unterzeichnete Kultusverwaltung franco einzuschicken, zugleich haben dieselben zu erklären, ob sie bereit sind, eine Probepredigt in deutscher Sprache hier abzuhalten.
Für Reise und andere Kosten wird nichts vergütet, nur derjenige, welcher diese Stelle seinerzeit erhält, hat Anspruch auf eine desfallsige Remuneration.
Die Zeit, wann diese Probepredigt abgelegt werden soll, wird den einzelnen Bewerbern besonders mitgeteilt werden.
Burgkunstadt in Oberfranken den 11. Juni 1844. Die Israelitische Kultus-Verwaltung." 

 
Ernennung von Rabbiner Traub (1845)  

Burgkunstadt AZJ 17021845.jpg (47891 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. Februar 1845: "Als Steins Nachfolger zu Burgkunstadt ist endlich, nach vielen Gastpredigten eingeladener Kandidaten, und nachdem die treffende Regierung diesem Unwesen durch Anberaumung eines kurzen Termins zur Wahl, ein Ende gemacht hatte, ein Herr Traub gewählt worden, der dem Vernehmen nach mit irdischen und geistigen Gütern begabt sein soll. Der Mann hat jedenfalls Glück in einer Gemeinde angestellt zu werden, in der man von den gewöhnlichen Plackereien des Rabbiners nichts weiß, und nicht in die Mitte zweier, schwer zu befriedigender Parteien gestellt ist!"  

 
Ausschreibung der Stelle des Rabbiners (1880)   

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 27. Januar 1880: "Erledigte Rabbiner-Stelle
Die Rabbinerstelle des Rabbinatsbezirks Burgkunstadt, umfassend die israelitischen Kultusgemeinden der Bezirksämter Lichtenfels und Kronach, mit dem Wohnsitze in Burgkunstadt, wird andurch zur Wiederbesetzung ausgeschrieben.  
Qualifizierte Bewerber um dieselbe wollen ihre Gesuche unter Anlage der erforderlichen Zeugnisse bis längstens 15. März dieses Jahres bei unterfertigter Verwaltung einreichen.  
Der vom Distrikte fixierte Jahresgehalt beträgt Mark 1.000, wozu von Staatswegen ein Teuerungszuschuss von Mark 540 kommt, wie solcher dem seitherigen Rabbiner geleistet wurde.  
Außerdem bezieht der aufzustellende Kandidat die nicht unerheblichen Akzidenzien und steht für denselben von Seite der Gemeinde Burgkunstadt ein Wohnungszuschuss in provisorischer Weise und die Möglichkeit größeren Verdienstes durch Privatunterricht in Aussicht. 
Burgkunstadt
, 18. Januar 1880. Die israelitische Kultusverwaltung. Pankratz Lang".    

  
Zum Tod des ehemaligen Rabbiners Leopold Stein (1882)   

Burgkunstadt Israelit 13121882.jpg (73009 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Dezember 1882: "Frankfurt am Main, 5. Dezember. Vorigen Samstag verstarb hier der bekannte Reform-Rabbiner, Herr Dr. Leopold Stein, im Alter von 72 Jahren. Derselbe, früher Rabbiner in Burgkunstadt in Bayern, wurde 1844 nach Frankfurt berufen, wo er allerlei radikale Reformen einführte, die im Jahre 1855 zur Trennung innerhalb der Gemeinde und zur Gründung der orthodoxen israelitischen Religionsgesellschaft Anlass haben. Zerwürfnisse mit seinem Vorstande ließen Herr Dr. Stein im Jahre 1862 von seinem Amte zurücktreten. Er gründete dann eine Pensionsanstalt für Mädchen, doch auch diese hatte keinen langen Bestand. – Stein war nicht ohne dichterische Begabung; seine Gedichtsammlung 'Stufengesänge' erfreute sich großer Beliebtheit."   

    
Zum Tod von Rabbiner Dr. Sigmund Flaschner (1914 in Nürnberg, war 1880/81 bis 1885 Rabbiner in Burgkunstadt)     
Anmerkung: Rabbiner Dr. Sigmund (Siegmund) Flaschner (geb. 1844 in Böhmisch-Leipa, heute Česká Lípa, gest. 1914 in Nürnberg): studierte am Rabbinerseminar und der Universität Breslau, Promotion in Halle; 1872/73-1881 Rabbiner und Religionslehrer am Gymnasium in Böhmisch-Leipa, heute Česká Lípa; 1880/81 bis 1885 Rabbiner in Burgkunstadt; 1885 bis 1911/12 Rabbiner in Bernburg an der Saale.       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. Oktober 1914: "Nürnberg, 16. Oktober (1914). ... - Am 2. dieses Monats wurde der frühere Rabbiner Dr. Sigmund Flaschner dahier zur letzten Ruhe bestattet. Der Dahingeschiedene war Rabbiner zuerst in seiner Heimat in Leipa in Böhmen, dann in Burgkunstadt und zuletzt lange Jahre in Bernburg. Seit drei Jahren zog er sich vom Amte zurück und lebte in Nürnberg bei seinem Sohne, der hier Rechtsanwalt ist. Rabbiner Dr. Flaschner war in allen Gemeinden, in denen er tätig war, außerordentlich beliebt und verehrt wegen seiner vortrefflichen Eigenschaften. Sein ganzes Leben war eine Kette der selbstlosesten Hingabe an Amt und Pflicht. In trefflichen Worten gedachte Herr Rabbiner Dr. Freudenthal des Heimgegangenen, während Herr Rabbiner Dr. Heilbronn demselben im Namen des Deutschen Rabbinerverbandes einen warm empfundenen Nachruf widmete."            


Ausschreibung des Rabbiner-Stelle (1886)   

Burgkunstadt AZJ 07091886.jpg (76971 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. September 1886: "Erledigte Rabbiner-Stelle. Die Rabbiner-Stelle des Rabbinats-Bezirks Burgkunstadt, welcher die israelitischen Kultusgemeinden der Bezirksämter Lichtenfels und Kronach umfasst mit dem Wohnsitze in Burgkunstadt wird andurch Wiederbesetzung ausgeschrieben. Qualifizierte Bewerber um dieselbe wollen ihre Gesuche unter Anlage der erforderlichen Zeugnisse bis längstens 15. Oktober diesen Jahres bei unterfertigter Verwaltung einreichen. Der vom Distrikte fixierte Jahresgehalt beträgt 1.000 Mark, ferner 300 Mark Teuerungszulage, 540 Mark Staatszuschuss, wie solcher dem seitherigen Rabbiner geleistet wurde. Außerdem bezieht der aufzustellende Kandidat die nicht unerheblichen Akzidenzien, von der Gemeinde Burgkunstadt einen Wohnungs-Zuschuss von 100 Mark in provisorischer Weise und steht ihm die Möglichkeit größeren Verdienstes durch Privat-Unterricht in Aussicht.
Burgkunstadt in Bayern, 20. August 1886.
Israelitische Kultus-Verwaltung. Salomon Rothschild."

  
Distriktsrabbiner Dr. Joseph Cohn wechselt nach Eschwege (1895)  

Burgkunstadt AZJ 13121895.jpg (21947 Byte) Meldung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. Dezember 1895: "Distriktsrabbiner Dr. Cohn in Burgkunstadt wurde neulich zum Rabbiner des Kreises und der Stadt Eschwege ernannt."

   
Wahl des Rabbiners Dr. Goitein (1896)  

Burgkunstadt Israelit 26101896.jpg (14241 Byte)Meldung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Oktober 1896: "Burgkunstadt, 22. Oktober (1896). Bei der heute stattgefundenen Wahl wurde Herr Dr. Goitein, seither in Marienbad, als Distrikts-Rabbiner gewählt." 
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. Oktober 1896: "Die erledigte Stelle eines Distrikts-Rabbiners in Burgkunstadt wurde Herrn Dr. Goitein, seither in Marienbad, übertragen." 

  
Antrittspredigt von Rabbiner Dr. Goitein am 9. Januar 1897  

Burgkunstadt Israelit 18011897.jpg (64958 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Januar 1897: "Burgkunstadt. Vergangenen Samstag, den 9. Januar (Schabbat mit dem Toraabschnitt Bo) hielt der neu gewählte Distrikts-Rabbiner Herr Dr. E. Goitein, bisher Rabbiner in Marienbad, seine Antrittspredigt. Durch den I. Vorstand der Gemeinde Herrn Siegmund Kupfer und von einer Schülerin herzlichst begrüßt, bestieg Herr Dr. Goitein die Kanzel, dankte gerührt für die freundlichen Begrüßungsworte und erörterte sodann die Aufgabe des Seelsorgers in Israel, in einer äußerst geistreichen, selbständigen Rede, welche auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck machte. Die Gemeinde hat alle Ursache, sich über die gemachte Akquisition zu freuen, denn Herr Dr. Goitein hat sich wiederholt als gewandter und tüchtiger Kanzelredner gezeigt, der es besonders versteht, seine Zuhörer zu ergreifen und für die erhabenen Ideen des Judentums zu erwärmen und zu begeistern. Den Distriktsgemeinden gratulieren wir zu der getroffenen Wahl."  
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. Januar 1897:  
Ein fast identischer Bericht wie im "Israelit" erschien in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"        

   
Gedächtnisfeier zum 100. Geburtstag von Rabbiner Leopold Stein (1910)  

Burgkunstadt AZJ 18111910.jpg (50955 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. November 1910: "Burgkunstadt, 11. November (1910). Anlässlich der 100jährigen Geburtstagsfeier des am 2. Dezember 1882 in Frankfurt am Main verstorbenen Rabbiners Dr. Leopold Stein wurde vergangenen Samstag, den 5. dieses Monats eine Gedächtnisfeier in der hierzu festlich geschmückten Synagoge abgehalten. Herr Distriktsrabbiner Dr. E. Gierstein (falsch für: Goitein) schilderte in erhebender und zu Herzen dringender Weise das Wirken und Walter des Gefeierten während seiner Amtstätigkeit von 1835 bis 1844 in hiesiger Gemeinde. Die zahlreichen Teilnehmer waren von diesem Vortrage sichtlich gerührt, und wird unsere Gemeinde nach wie vor ihrem ehemaligen geistlichen Führer ein ehrendes Andenken bewahren."  

  
Tod von Distriktsrabbiner Dr. Ezechiel Goitein (1914)    

Mitteilung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. März 1914: "In Burgkunstadt verstarb plötzlich Herr Distriktsrabbiner Ezechiel Goitein."       

 
Abstammung Rabbiner Dr. Goteins (Artikel von 1914)  

Burgkunstadt Frf IsrFambl 27031914.jpg (27442 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 27. März 1914: "Burgkunstadt. Unser jüngst verstorbener Rabbiner Dr. Goitein war ein Enkel des berühmten Rabbi Jecheskel Banetz. Er amtierte erst fünf Jahre in Marienbad; als aber dort in der Synagoge Reformen eingeführt werden sollten, nahm er kurz entschlossen, die hiesige, materiell bedeutend ungünstigere Stelle an." 

     
Auflösung des Rabbinatsbezirkes Burgkunstadt (1936)    

Burgkunstadt BayrIsrGZ 15091936.jpg (170024 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. September 1936: "Aus der Gemeinde Bamberg. Sonntag, 23. August 1936 war ein bedeutungsvoller Tag für den Rabbinatsbezirk Bamberg. An diesem Tage vollzogen die noch übrigen Gemeinden des ehemaligen Rabbinatsbezirkes Burgkunstadt, nämlich Altenkunstadt, Burgkunstadt, Kronach, und Lichtenfels ihren Anschluss an das Rabbinat Bamberg. Dieses Rabbinat Burgkunstadt war seit 1915 durch den Rabbiner von Bayreuth verwest worden. Infolge der nunmehrigen Vereinigung der Rabbinatsbezirke Bayreuth und Regensburg und der Sitzverlegung des Rabbinats Bayreuth nach Regensburg hat es der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden für notwendig erachtet, dass dieselben sich einem näher gelegenen Rabbinate, nämlich dem Rabbinat Bamberg anschließen. Mit der Führung der erforderlichen Verhandlungen war die Israelitische Kultusgemeinde Bamberg betraut worden.
Am 23. August 1936 nun konnte der Vorsitzende der Gemeinde Bamberg, Rechtsanwalt Dr. Morgenroth, im Sitzungszimmer der Bamberger Synagoge die Vertreter der sämtlichen obengenannten Gemeinden, vor allem aber auch den Vertreter des Verbandes, Herrn Justizrat Dr. Oestreich, begrüßen. In über zweistündiger Verhandlung wurden die erforderlichen Beschlüsse gefasst, die mit Herrn Rabbiner Dr. Katten, der die neuen Gemeinden herzlich willkommen hieß, zu schließenden Verträge beraten, und eine Reihe gerade diese Gemeinden bewegender Fragen, wie Erteilung des Religionsunterrichtes in Kronach (1 Kind), Durchführung des Gottesdienstes an den Hohen Herbstfeiertagen, Förderung des Begräbnisvereins des Friedhofes Burgkunstadt usw. besprochen. In den Ausschuss des Rabbinatsbezirkes Bamberg wurde seitens der neu angeschlossenen Gemeinden Kaufmann Carl Kraus, Lichtenfels, entsandt. Am Nachmittag fand dann unter Vorsitz des Herrn Bezirksrabbiners Dr. Katten eine Versammlung der Vertreter sämtlicher Gemeinden des nunmehr vergrößerten Bezirkes statt. Herr Justizrat Dr. Oestreich erstattete ein Referat, in welcher er alle aktuellen Gemeindesorgen auf gottesdienstlichem, schulischem, steuerlichem, finanziellem Gebiete unter dem Gesichtspunkt der Konzentrationspolitik in äußerst wirkungsvoller, Dank und Beifall der Versammlung erntender Weise behandelte. In organisatorischer Hinsicht ergab die Beratung die Gründung einer Bezirkskasse, in welche die dem Rabbinat angeschlossenen Gemeinden des Bezirkes ihren Anteil am Rabbinergehalt einzahlen."    

   
   
   
Aus der Geschichte der Lehrer / Vorbeter / Schächter    

Ausschreibung der Vorsängerstelle (1847)
  

Burgkunstadt AZJ 12071847.jpg (58437 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. Juli 1847: "Bekanntmachung. Die hierorts in Erledigung gekommene Vorsängerstelle, mit welcher ein fixer Gehalt von 175 Gulden und außer freier Wohnung noch mehrere Akzidenzien verbunden sind, soll sofort durch einen musikalisch gebildeten, unverheirateten Schuldienstkandidaten, der durch vielfache Gelegenheit zum Privatunterrichte eine sehr gute und freundliche Existenz sich verschaffen, und dem eventuell seinerzeit eine Lehrerstelle übertragen werden kann, provisorisch wieder besetzt werden. Bewerber um die Stelle haben ihre Gesuche mit beigefügten Befähigungs- und Leumundszeugnissen binnen vier Wochen dato frankiert einzusenden.
Burgkunstadt in Oberfranken, am 27. Juni 1847.
Die israelitische Kultusgemeinde."

    
Ausschreibungen der Stelle des Schochets und Gemeinde-/Friedhofdieners 1883 und 1887  

Burgkunstadt AZJ 22101883.jpg (60025 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. Oktober 1883: "Vakanz. In hiesiger Gemeinde ist die Stelle eines Schochets, Gemeinde- und Begräbnisvereinsdieners per 1. Januar 1884 zu besetzen, die einem tätigen Manne ein lohnendes Einkommen sichert.
Es werden jedoch nur solche Bewerber berücksichtigt, die die Befähigung haben, aushilfsweise den Vorsängerdienst mit versehen zu können.
Hierauf Reflektierende wollen sich gefälligst unter Vorlage der Zeugnisse binnen längstens vier Wochen mit unterfertigter Kultus-Verwaltung ins Benehmen setzen. 
Burgkunstadt (Bayern), 14. Oktober 1883. Israelitische Kultus-Verwaltung. Salomon Rothschild".
   
Burgkunstadt Israelit 23061887.jpg (75061 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Juni 1887: "Vakanz. In hiesiger Gemeinde ist die Stelle eines Schochet, Gemeinde- und Begräbnis-Vereins-Dieners mit einem Gehalt von Mark 800 zu besetzen, die aber noch sehr viele Nebenverdienste abwirft und einem tätigen Manne ein lohnendes Einkommen sichert. Es werden jedoch nur solche Bewerber berücksichtigt, die den Vorsängerdienst aushilfsweise mit versehen können. Der Eintritt kann sofort erfolgen. Spesen werden nur dem vergütet, auf den die Wahl fällt. Reflektierende wollen sich unter Vorlage der Zeugnisse an die unterfertigte Kultus-Verwaltung wenden. Burgkunstadt, am 10. Juni 1887. Israelitische Kultus-Verwaltung. Felheim."  

    
Schochet (Schächter) gesucht (1893)  

Burgkunstadt Israelit 23091897.jpg (27132 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. September 1897: "Schochet auf einige Monate vom 20. Oktober ab zur Aushilfe gesucht. Offerten an H. Herrmann, Burgkunstadt."

    
Ausschreibung der Stelle des Schochets und Gemeinde-/Friedhofdieners (1901)  
Anmerkung: Die Stelle wurde sowohl in der konservativ-orthodoxen Zeitschrift "Der Israelit" als auch in der liberalen "Allgemeinen Zeitung des Judentums" ausgeschrieben.    

Burgkunstadt Israelit 17011901.jpg (109267 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Januar 1901: "Vakanz. In hiesiger Gemeinde ist die Schochet-Stelle, mit welcher der Gemeinde-Distrikt- und Friedhofdiener-Dienst verbunden ist, per 1. April diesen Jahres wieder zu besetzen. Es werden jedoch nur solche Bewerber berücksichtigt, die die Befähigung haben, als Aushilfs-Vorbeter zu fingieren, und sich einem Probe-Vortrag unterziehen. 
Dem Gewählten, dem nur die Reisespesen vergütet werden, garantiert die unterfertigte Kultus-Verwaltung einen fixierten Gehalt von 900 Mark, der durch ein ungarantiertes Nebeneinkommen, besonders durch Beschaffung der Leichensteine sich bedeutend erhöht und einem tätigen Mann ein lohnendes Einkommen sichert.
Geeignete Bewerber wollen ihre mit beglaubigten Zeugnisabschriften versehenen Gesuche, nebst Angabe ihrer Personalverhältnisse bis 15. Februar diesen Jahres an unterfertigte Kultusverwaltung einsehen.
Burgkunstadt in Bayern, 12. Januar. Israelitische Kultus-Verwaltung: Salomon Rothschild". 
 
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Oktober 1901: "Vakanz
In hiesiger Gemeinde ist die Schochet-Stelle
mit welcher der Gemeinde-Distrikt und Friedhofdiener-Dienst verbunden ist, per 1. April dieses Jahres wieder zu besetzen. Es werden jedoch nur solche Bewerber berücksichtigt, die die Befähigung haben, als Aushilfs-Vorbeter zu fungieren und sich einem Probe-Vortrag unterziehen. 
Dem Gewählten, dem nur die Reisespesen vergütet werden, garantiert die unterfertigte Kultus-Verwaltung einen fixierten Gehalt von 900 Mark, der durch 3ein ungarantiertes Nebeneinkommen, besonders durch Beschaffung der Leichensteine, sich bedeutend erhöht und einem tätigen Manne ein lohnendes Einkommen sichert. 
Geeignete Bewerber, wollen ihre mit beglaubigten Zeugnisabschriften versehenen Gesuche, nebst Angabe ihrer Personal-Verhältnisse bis 15. Februar dieses Jahres an unterfertigte Kultus-Verwaltung einsehen.  
Burgkunstadt in Bayern, 12. Januar 1901. Israelitische Kultus-Verwaltung. Sal. Rothschild."    

 
Ernennung des Lehrers Jonas Löbenstern zum Hauptlehrer (1907, Lehrer in Burgkunstadt von 1864 bis 1913)  

Burgkunstadt Israelit 03011907.jpg (34431 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Januar 1907: "Burgkunstadt, 1. Januar (1907). Unserem langjährigen Lehrer und Kantor, Herrn J. Löbenstern, wurde anlässlich der Neujahresauszeichnungen von Seiner königlichen Hoheit dem Prinzregenten Luitpold der Ehrentitel ‚Hauptlehrer’ verliehen und ist diese Auszeichnung auch für die israelitische Gemeinde umso erfreulicher, als er bei seinem 25jährigen Dienstjubiläum schon von dem hiesigen Stadtmagistrate zum Ehrenbürger der Stadt ernannt worden ist."


Auszeichnung des Lehrers Jonas Löbenstern mit dem Luitpoldkreuz (1911)  

Burgkunstadt Israelit 05101911.jpg (24801 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Oktober 1911: "Burgkunstadt, 10. September (1911). In feierlicher Weise fand heute die Übergabe des Luitpoldkreuzes an den Hauptlehrer Herrn Jonas Löbenstern durch den Königlichen Bezirksamtmann Herrn Dr. Roth von Lichtenfels in der Rathauskanzlei dahier statt."
  
Burgkunstadt FrfIsrFambl 29091911.jpg (26277 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 29. September 1911: "Burgkunstadt. Hauptlehrer Jonas Löbenstern, der seit 47 Jahren die hiesige siebenklassige jüdische Elementarschule in mustergültiger Weise als einziger Lehrer leitet, erhielt das Luitpoldkreuz."
 
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29. September 1911: "Burgkunstadt, 22. September (1911). In feierlicher Weise erfolgte am vorletzten Sonntag die Übergabe des Luitpoldordens an den Hauptlehrer Herrn Jonas Löbenstern durch den königlichen Bezirksamtmann Herrn Dr. Roth in der Magistratskanzlei dahier. Herr Bezirksamtmann Dr. Roth feierte in kernigen Worten den Jubilar als vorzüglichen Schulmann, der es verstanden hat, sowohl mit der Kultus- als auch mit der Stadtgemeinde im besten Einvernehmen zu leben, der nahezu 47 Jahre an einer und derselben Schule seine Tätigkeit entfaltete, dessen aus sieben Klassen bestehende Schule, deren Unterricht diesem Lehrer allein obliegt, bei der Königlichen Regierung als eine der besten bekannt ist. - Herr Hauptlehrer Löbenstern dankte sichtlich gerührt für diese hohe Ehrung, verband damit den Wunsch, seinen Dank auch an die höchste Stelle gelangen zu lassen und erflehte zum Schlusse Gottes Segen auf den allgeliebten Prinzregenten und das Königliche Haus. - Der Vertreter der königlichen Lokalschulinspektion, Herr Stadtkaplan Männlein, feierte Herrn Hauptlehrer Löbenstern als hervorragenden Jugendbildner, der es verstand, sich die Liebe und Achtung aller seiner Mitbürger ohne Unterschied zu erwerben. - Herr Distriktsrabbiner Dr. E. Gotein schilderte den Geehrten als Lehrer und Kantor, der seine Pflichten nach beiden Richtungen stets auf das gewissenhafteste erfüllte. - Herr Kultusvorstand Moritz Lonnerstädter stattete im Namen der Kultusgemeinde dem Dekorierten die innigsten Glückwünsche ab, schilderte das gute Einvernehmen zwischen Lehrer und Gemeinde, sowie die allseitige Achtung Löbensterns seitens seiner Mitbürger, betonend, dass mit dessen Ehrung nicht nur dieser, sondern auch die Kultusgemeinde sich geehrt fühle und stolz darauf sei, einen so würdigen und verdienten Beamten so viele Jahre in ihrer Mitte wirken zu sehen. Der Redner schloss mit einem dreifachen Hochruf auf Seine Königliche Hoheit den Prinzregenten Luitpold und das Königliche Haus, in den die Festteilnehmer begeistert einstimmten. Zum Schlusse gratulierte Herr Bürgermeister Kerling in kurzen und herzlichen Worten namens der Stadtgemeinde".    

  
Zur Verabschiedung von Lehrer Jonas Löbenstern (1913)  

Burgkunstadt AZJ 14111913.jpg (206130 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. November 1913: "Burgkunstadt, 7. November (1913). Das war eine herzliche Abschiedsfeier, welche die hiesige israelitische Kultusgemeinde zu Ehren ihres in den wohl verdienten Ruhestand getretenen Hauptlehrers Herrn J. Löbenstern am verflossenen Samstag im Saale des Hotels Stern veranstaltete. Die Räume konnten die so zahlreich erschienenen Festgäste kaum fassen. Nachdem die wichtigen Akkorde der 'Opernphantasie' über den 'Freischütz' verklungen waren, ergriff der Kultusvorstand, Herr M. Lonnerstädter, das Wort, um die Festgäste aufs herzlichste zu begrüßen und die Verdienste zu feiern, die sich Herr Hauptlehrer Löbenstern während seiner 49jährigen Dienstzeit in Schule und Gemeinde erworben hat. Er betonte, dass Herr Löbenstern seine gesamte Dienstzeit in Burgkunstadt verbrachte; eine Tatsache, die für sich selbst spricht und dem Lehrer sowohl als auch der Gemeinde das schönste Zeugnis ausstellt. Eine von der Kultusgemeinde gestiftete Ehrengabe in Form eines kostbaren Klubsessels wurde dem Gefeierten am vorhergehenden Tage bereits überbracht. Erhebend und ergreifend waren die schlichten Worte des Prologs, gesprochen von der Schuljugend, die ihrem treuen Lehrer auch für die Zukunft den Segen Gottes wünscht und als äußeres Zeichen ihres Dankes einen prächtigen Blumenstrauß überreichte. Herr Stadtpfarrer und Königlicher Distriktsschulinspektor Frohnhöfer rühmte den Mustererzieher und den vorzüglichen Stand der israelitischen Schule, die unter Herr Löbensterns Leitung stets zu den besten des Bezirks gehörte, insbesondere das gute Einvernehmen unter den verschiedenen Konfessionen der hiesigen Stadt hervorhebend, wozu in erster Linie auch der Gefeierte beigetragen hat. Herr Bürgermeister Agath schilderte in kernigen Worten die liebenswürdige Art und den versöhnlichen, friedfertigen Sinn des ergrauten Schulmannes, der sich solch großer Beliebtheit erfreut und dem mit vollem Recht vor nahezu 25 Jahren die höchste Würde, die die Bürgerschaft zu vergeben hat - das Ehrenbürgerreicht - verliehen wurde. Herr Distriktsrabbiner Dr. Goitein sprach von dem - nach talmudischer Auffassung - kostbarsten Kleinode, auf dessen Besitz sein 'Freund Löbenstern' stolz sein kann: 'Er hat sich einen guten Namen erworben!' Im Auftrage der früheren Schüler des Gefeierten widmete Herr M. Krauß dem treuen und hoch geschätzten Jugendbildner warme Worte des Dankes und der Anerkennung. Herr Kultusvorstand Lonnerstädter überreichte nun unter einer kurzen Ansprache die kostbare, künstlerisch ausgeführte Urkunde über die vor kurzem erfolgte Ernennung zum Ehrenmitglied der israelitischen Gemeinde und brachte ein Hoch auf den Landesfürsten aus, in das alle Festteilnehmer einstimmten und die Nationalhymne stehend absangen. Bewegt dankte Herr Hauptlehrer Löbenstern für die ihm in so reichem Maße erwiesenen Ehrungen und gab die Versicherung, dass er auch künftig seinem einstigen Wirkungskreise treu bleiben werde."

  
Zum Tod von Lehrer Jonas Löbenstern (1936 in Würzburg)  

Wuestensachsen BayrIsrGZ 15091936.jpg (111381 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. September 1936: "Jonas Löbenstern seligen Andenkens. In der vorletzten Juliwoche, gerade in den neun Trauertagen, wurden uns drei liebe und geschätzte Kollegen durch den Tod entrissen. Am 19. Juli, am Tage unserer diesjährigen Mitgliederversammlung, verschied in Würzburg im 93. Lebensjahre der Senior unseres Vereins, Hauptlehrer a.D. Jonas Löbenstern. Der Heimgegangene war am 23. Januar 1844 in dem ehemals bayerischen Rhöndorfe Wüstensachsen geboren. Nachdem er die erste Vorbereitung für seinen künftigen Beruf bei sogenannten Vorbereitungslehrern in Hersfeld und Unsleben erhalten hatte, besuchte er das Königliche Schullehrerseminar in Bamberg, das er als Zwanzigjähriger im Juli 1864 absolvierte. Schon wenige Monate hernach erhielt er seine erste Anstellung als Lehrer der jüdischen Volksschule in Burgkunstadt, zunächst als Verweser, dann nach sechsjähriger Dienstzeit als definitiver Lehrer. Er wirkte in dieser einst sehr stattlichen Gemeinde über 48 Jahre als Erzieher und Lehrer, wie als Berater und Betreuer seiner Gemeindeglieder, wie über diesen Kreis hinaus als Freund und Helfer aller. Die hohe Anerkennung, die ihm in der Gesamtbürgerschaft der Stadt gezollt ward, fand ihren sichtbaren Ausdruck, als er anlässlich seines 25-jährigen Dienstjubiläums zum Ehrenbürger der Stadt ernannt wurde. Bei der Beerdigung, die unter überaus zahlreicher Beteiligung stattfand, schilderte Bezirksrabbiner Dr. Hanover in beredten Worten das eine ganze historische Entwicklung umspannende Leben des Dahingeschiedenen, sein reiches Wirken wie seine kraftvolle und zugleich von hoher Liebenswürdigkeit getragene Persönlichkeit. Namens des Vereins sprach der aus Anlass unseres Fortbildungskurses in Würzburg weilende 1. Vorsitzende Worte des Dankes und herzliches Verbundenheit."    

   
Ausschreibung der Stelle des Vorbeters und Schochets (1920)  

Burgkunstadt Israelit 25031920.jpg (71117 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. März 1920: "Die Stelle eines Vorbeters, Bal Tokia (Vorbeters) und Schochets ist in hiesiger Gemeinde sofort zu besetzen. Mit diesem Amt ist noch der Posten eines Friedhofaufsehers verbunden. Es wird ein Fixum von 5.000 Mark und freie Wohnung gewährt. Aufnahme in den bayrischen Versorgungsverband wird in Aussicht gestellt Nebeneinnahmen sind vorhanden. Stimmbegabte, streng religiöse Reichsangehörige und Kaboloh von orthodoxen Rabbinern, und nur solche, die eigenen Haushalt führen, belieben Bewerbungen einzusenden an die Israelitische Kultusverwaltung Burgkunstadt (Oberfranken)."

  
25-jähriges Dienstjubiläum des Lehrers J. Steinbock (1930)  

Burgkunstadt Israelit 19091930.jpg (20638 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. September 1930: "Am 1. November (1930) begeht Kollege J. Steinbock in Burgkunstadt (Oberfranken) das 25-jährige Ortsdienstjubiläum. Wir wünschen dem Kollegen, der sich großer Beliebtheit erfreut und sich in bester Gesundheit befindet, auch ferner alles Gute."  

   
   
   
Aus der Geschichte des rituellen Bades und der Schule  
Das rituelle Bad wird neu eingerichtet (1897)  

Burgkunstadt Israelit 27121897.jpg (41437 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Dezember 1897: "Burgkunstadt, im Dezember (1897). Dank der vielen persönlichen und materiellen Opfer ist es unserm verehrten Herrn Rabbiner Dr. Goitein gelungen, ein rituelles Frauenbad wieder ins Leben zu rufen, Wer da weiß, wie viele Hindernisse und Schwierigkeiten hierbei zu bekämpfen, welche Vorurteile aus dem Wege zu räumen waren, der wird Herrn Dr. Goitein die Anerkennung für Erreichung des vorgestreckten Zieles nicht versagen."

  
Klärung der Finanzierung der Schulumlage zwischen Stadtgemeinde und israelitischer Gemeinde 1909  

Burgkunstadt Israelit 21101909.JPG (155445 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" von 21. Oktober 1909: "Burgkunstadt, 15. Oktober (1909). Der zwischen der hiesigen Stadtgemeinde und den Mitgliedern der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde seit langem bestehende Streit, ob letztere verpflichtet sei, an den Schulumlagen für die dortigen öffentlichen Volksschulen teilzunehmen, ist nun zu Gunsten der letzteren entschieden worden. Die städtischen Kollegien hatten, wie schon früher des Öfteren, auch in den Jahren 1903 und 1904 wieder beschlossen, zur Deckung der Bedürfnisse der Volksschulen Schulumlagen mit 90 und 60 Prozent zu erheben, die Aufsichtsbehörde genehmigte auch die Voranschläge für 1903 und 1904 und eine Ausscheidung der Umlagen für die christlichen und für die israelitische Schule wurde von keiner Seite beantragt, obgleich in Burgkunstadt eine israelitische Schule besteht, die aus den eigenen Mitteln der dortigen israelitischen Kultusgemeinden unterhalten wird. Nachtäglich verlangten nun diese von der Stadt die Rückerstattung der von ihnen in den Jahren 1903 und 1904 erhobenen Schulumlagen, indem sie sich auf Art. 3 Abs. 2 des Schulbedarfsgesetzes von 1902 stützten. Dieser Artikel bestimmt, dass Angehörige eines Bekenntnisses, die aus eigenen Mitteln eine Schule ihrer Religion oder Konfession unterhalten, zu den im Sprengel dieser Schule angelegten Steuer-Umlagen für Zwecke öffentlicher Volksschulen nichts zu entrichten haben. Der Stadtmagistrat Burgkunstadt verweigerte die Rückzahlung dieser Umlagen, das Bezirksamt Lichtenfels erklärte aber mit Beschluss vom 29. Februar 1908 die Stadtgemeinde Burgkunstadts zur Rückerstattung für verpflichtet, die oberfränkische Regierung verwarf die hiergegen vom Stadtmagistrat Burgkunstadt erhobene Beschwerde, und auch die letztinstanzliche Beschwerde wurde vom Verwaltungsgerichtshof verworfen. Derselbe erachtete die Voraussetzungen des Art. 3 Abs. 2 im vorliegenden Fall für gegeben."
   
Burgkunstadt FrfIsrFambl 27081909.jpg (91197 Byte)Artikel im Frankfurter Israelitischen Familienblatt vom 27. August 1909: "Burgkunstadt. Rückzahlung von Schulunterhaltungskosten. Trotzdem die hiesige Kultusgemeinde seit 1852 eine Elementarschule aus eigenen Mitteln unterhält, wurden die Israeliten auch zur Unterhaltung der christlichen Volksschulen mitherangezogen. 
Auf Grund Art 3 Abs. 2 des Schulbedarfsgesetzes vom 28. Juli 1902 erhob der Kultusvorstand, Moritz Lonnerstädter, gegen diese unbillige, unberechtigte und ungesetzliche Besteuerung Beschwerde und verlangte vom Stadtmagistrate, den Bedarf für die christlichen Schulen durch Sonderumlagen unter Ausschluss der Israeliten zu erheben, was jedoch abgelehnt wurde.
Infolgedessen wurde das verwaltungsrechtliche Verfahren eingeleitet. Das Königliche Bezirksamt in Lichtenfels und infolge eingelegter Berufung die Königliche Regierung von Oberfranken in Bayreuth und auch der Königliche Verwaltungsgerichtshof in München, als höchste Instanz, entschieden zu Gunsten der hiesigen Israeliten und die Stadtgemeinde wurde zur Rückzahlung der für Schulzwecke seit 1903 zuviel erhobenen Gemeindeumlagen verurteilt."
 

     
     
     
Aus der Geschichte der Vereine / Stiftungen
  

Zum 50jährigen Bestehen des Israelitischen Frauenvereines (1905)
  

Burgkunstadt AZJ 22121905.jpg (145887 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. Dezember 1905: "Burgkunstadt, 24 November (1905). Am 20. dieses Monats fand die Feier des 50jährigen Bestehens des Israelitischen Frauenvereins in den Räumen des Hotel Stern statt. Nach Vortrag eines Jubiläumsmarsches betrat der Gatte der Vorsteherin Frau Ida Rothschild das Podium zu einer Begrüßungsansprache, die wir leider wegen großen Raummangels nicht bringen können, von der wir aber sagen dürfen, dass sie in Inhalt und Form gleich vortrefflich war. Nach dieser Ansprache folgte eine Musikpiece, dann trug Alice Thurnauer schön und wirkungsvoll einen poetischen Prolog vor. Sodann hielt Rabbiner Dr. Goitein die Festrede, worin er, an die Samstag-Sidra anschließend, ausführte, dass schon immer im Judentum die Gastfreundschaft und Wohltätigkeit gepflegt und dass auch hier die bereits durch den Vorredner dargelegten Ziele ihre Förderung fänden. Nachdem er noch einen Rückblick auf die Geschichte des Vereins geworfen, führte er den Vorstandsbeschluss aus, die noch lebenden drei Gründungsmitglieder Klara Thurnauer, Nürnberg, Sarah Pretzfelder, Nürnberg, Amalie Pretzfelder, hier durch Überreichung von Diplomen als Ehrenmitglieder auszuzeichnen. Durch eine Deputation wurde das Diplom an Frau Amalie Pretzfelder überreicht, während die beiden anderen Diplome den Betreffenden zugesandt wurden. In Würdigung der Verdienste, die sich Frau Ida Rothschild als erste Vorsteherin und Frau Lina Thurnauer als Kassiererin für ihre 28jährige Dienstleistungen erworben, überreichte Rabbiner Dr. Goitein, deren eifriges Walten besonders hervorhebend, jeder der beiden Damen das Diplom als Ehrenmitglied, worauf Frau Rothschild für die Ehrung dankend erwiderte. Hierauf wurde von Schulkindern ein kleiner Schwank ‚Riekchen Blaustrumpf’ meisterhaft aufgeführt. Ebenso fand das von Herrn Silbermann vorgetragene Kuplet Anklang, dem sich ein Singspiel, ‚Die musikalische Kochschule’, anschloss, das ebenfalls allseitigen Beifall fand. Lehrer Löbenstern unterzog sich der Aufgabe, dem Protektor alles Edlen und Guten, unserem Prinzregenten, ein Hoch auszubringen, dem die Prinzregenten-Hymne folgte. In heiterer Geselligkeit, mit Aufführungen und Tanz, schloss das schöne Fest, dessen würdiger Verlauf allen zur Ehre gereicht, die sich darum bemüht haben."

 
Anzeige der Koppel Henoch'schen Wohltätigkeitsstiftung 1907 (bestand seit 1783)  

Burgkunstadt Israelit 18071907.jpg (38247 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Juli 1907: 
"Koppel Henoch’sche Wohltätigkeitsstiftung Burgkunstadt. 
Aus genannter Stiftung, seit 1783 bestehend, werden Präbenden an bedürftige Arme, Bräute und Studierende, welche mit dem Erblasser verwandt, gewährt. Gesuche sind mit den amtlichen nachweisen versehen, anher zu richten.
Burgkunstadt, 23. Juni 1907. 
Israelitische Kultus-Verwaltung. Moritz Lonnerstädter, Kultusvorstand."

  
  
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  
Zum Tod der über 100jährigen Fanny Friedmann (1878)      

Burgkunstadt Israelit 05061878.JPG (84598 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Juni 1878: "Burgkunstadt, 19. Mai (1878). Das ‚Lichtenfelser Tagblatt’ berichtet: In vergangener Nacht verschied dahier die israelitische Witwe Fanny Friedmann in einem so hohen Alter, dass dasselbe nicht mit Bestimmtheit angegeben werden kann. Die maßgebenden Ansichten darüber schwanken zwischen 106 und 110 Jahren; jedenfalls ist die letztere Zahl die wahrscheinlichere und dürfte vielleicht noch höher anzugeben sein: Demnach war die Frau früher geboren als Napoleon I., der doch schon 57 Jahre tot ist. Als derselbe Kaiser von Frankreich wurde, war sie schon 36 Jahre, und als dieser durch unsere Gegend zur Schlacht von Jena zog, war sie schon 38 Jahre alt und Mutter erwachsener Kinder. Arm wurde sie geboren und arm ist sie durch ihr ganzes langes Leben geblieben. Seit vielen Jahren total erblindet, kauerte sie verdorrt und zusammengehutzelt im Bette und quälte sich mit dem Gedanken, dass unser Herrgott sie vergessen habe. Doch erfreute sie sich bis an ihr Ende eines vorzüglichen Gedächtnisses und eines ziemlich guten Appetits, der ihr auch durch die Wohltätigkeit ihrer Glaubensgenossen und besonders ihres Hausherrn reichlich gestillt wurde."

 
Zum Tod von Wolf Felheim, langjähriger Gemeindevorsteher (1890)   

Burgkunstadt Israelit 13011890.jpg (190384 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Januar 1890: "Burgkunstadt, 8. Januar (1890). Ein schwerer Gang war es, den wir soeben zurückgelegt. Noch tief erschüttert von den Gefühlen des Schmerzes und der Trauer, gehe ich daran, Ihnen Kinde von dem Heimgange eines braven Jehudi zu eben. Herr Wolf Felheim, erster Vorstand und eine Zierde unserer Gemeinde, ist nicht mehr. Um ihn trauert nicht nur seine Familie, seine Verwandten und Freunde, sondern die Trauer ist eine so allgemeine, dass die ganze Gemeinde und über diese hinaus davon ergriffen wird. Denn der Heimgegangene zeichnete sich durch wahre Religiosität, durch eine unermüdliche Arbeitskraft und durch seltene Lauterkeit des Charakters aus. Überall und zu jeder Zeit war er bereit, Werke der Wohltätigkeit zu üben und den Frieden in der Gemeinde zu erhalten. Die Gemeinde verliert einen musterhaften Führer, einen treuen Berater, die Armen ohne Unterschied des Glaubens einen Wohltäter in des Wortes weitgehendster Bedeutung. Welch’ großer Liebe, Achtung und Hochschätzung sich der Verstorbene erfreute, das zeigte auch die überaus zahlreiche Beteiligung beim Leichenbegängnisse. Von nah und fern waren Freunde und Bekannte und von ihm im Leben Erfreut herbeigeeilt, um dem edlen Menschenfreunde noch die letzte Ehre zu erweisen, ihm den letzten Tribut der Dankbarkeit zu zollen. Herr Distriktsrabbiner Dr. Cohn hier hielt die Trauerrede. Anknüpfend an die am letzten Wochenabschnitt geschilderte imposante Trauerkundgebung zu Ehren unseres Stammvaters Jakob, gab der Redner in warmquellenden, herzergreifenden Worten trefflichen Ausdruck dem allgemeinen Schmerze über das allzu früh erfolgte Hinscheiden des edlen Mannes, der gleich dem Patriarchen die Liebe, Hochachtung und Verehrung durch sein frommes Leben und Wirken, durch seine Herzensgüte und Menschenfreundlichkeit, durch seine strenge Rechtlichkeit und Charakterreinheit erworben hatte. Die nach Form und Inhalt ausgezeichnete Rede machte auf die zahlreiche Trauerversammlung einen gewaltigen Eindruck, kein Auge blieb tränenleer.
Möge Gott den trauernden Hinterbliebenen Trost und Kraft verleihen, den schweren Verlust zu ertragen! ‚Der Gerechte bleibt zum ewigen Andenken’ (dass. hebräisch). L."

 
Zum Tod von Kaufmann Moritz Oppenheimer, Kassierer und Schriftführer der Freiwilligen Feuerwehr Burgkunstadt, aktiv auch im Turner-Verein (1893)  

Burgkunstadt AZJ 10021893.jpg (110396 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. Februar 1893: "Burgkunstadt, 31. Januar (1893). Ein imposanter Trauerzug war es, der sich am 23. vorigen Monats nach dem israelitischen Friedhof begab, um dem im 47. Lebensjahre verstorbenen Kaufmann Moritz Oppenheimer das letzte Geleit zu geben. Den Trauerzug eröffnete ein Teil der hiesigen freiwilligen Feuerwehr, deren Kassierer und Schriftführer der allzu früh Dahingeschiedene seit der Gründung gewesen. Daran schloss sich eine Deputation des Turner-Vereins mit umflorter Fahne, welchem Vereine er in früheren Jahren als Vorstand angehörte. Die Zipfel des Bahrtuches trugen die Mitglieder der israelitischen Kultusverwaltung, der er seit einer Reihe von Jahren durch Rat und Tat seine Dienste weihte. Den Leidtragenden folgte eine unabsehbare Schar von Freunden und Bekannten aus Nah und Fern, die Zeugnis ablegten von der allgemeinen Beliebtheit des Verstorbenen, deren auch unser verehrter Rabbiner Herr Dr. Cohn in dem vor dem Trauerhause gesprochenen Gebete erwähnte. Im Sinne des Heimgegangenen, dessen Bescheidenheit es nicht zuließ, wurde von Leichenreden Abstand genommen, doch Jeder, der ihn gekannt, war ohnehin des Lobes voll ob seines unermüdlichen, nur dem Wohle der Seinen und dem Dienste der Menschlichkeit gewidmeten Strebens, gepaart mit strengem Rechtlichkeitssinn. Wir werden Alle dem allzu bald Verblichenen ein ehrendes Gedenken weihen. Der Dank für seine Mühewaltung in der Gemeinde folgt ihm übers Grab nach. Möge ihm die Erde leicht sein!"

  
Zum Tod von Salomon Rothschild, langjähriger Gemeindevorsteher und Vorstand von Wohltätigkeitsanstalten (1911)
und zum Tod von Fanny Bamberger, langjährige Vorsitzende des Frauenvereins (1911) 
   

Burgkunstadt Israelit 10081911.jpg (144294 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. August 1911: "Burgkunstadt, 7. August (1911). In tiefe Trauer wurde unsere Kultusgemeinde durch zwei schwere Verluste versetzt. Am 23. Juli verschied nach längerem mit größter Geduld ertragenen leiden im 65. Lebensjahre Herr Salomon Rothschild, langjähriger Vorstand der Gemeinde und vieler Wohltätigkeitsanstalten, der wegen Krankheit vor einigen Jahren von seinen Ämtern zurücktreten musste. Der Verblichene hat allezeit mit treuester Hingebung die Interessen des gesetzestreuen Judentums zu fördern gesucht. Die außerordentliche Gewissenhaftigkeit, die musterartige Pflichttreue und Arbeitsfreudigkeit, sowie die umfassende Sachkenntnis, die ihn auszeichneten, befähigten ihn in hervorragendem Maße zu seinen Ehrenämtern. Sein edles Wirken wurde auch von der Gemeinde und deren Verwaltung dadurch anerkannt, dass ihm vor einigen Jahren die Ehrenmitgliedschaft verliehen wurde. Am Grabe schilderte in formvollendeter Rede Herr Distriktsrabbiner Dr. E. Goitein den Lebensgang und die hervorragenden Charaktereigenschaften des Verblichenen. Der Kultusvorstand, Herr Moritz Lonnerstädter, nahm Veranlassung, in kernigen Worten das segensreiche Wirken des Dahingeschiedenen innerhalb und außerhalb der Gemeinde hervorzuheben und brachte in deren Namen die herzlichsten Dankesgefühle zum Ausdruck. Die zahlreiche Beteiligung an der Beerdigung gab Zeugnis von der allgemeinen Achtung und Beliebtheit, die sich der Verlebte bei allen Konfessionen zu erfreuen hatte.
Am 27. Juli starb im 61. Lebensjahre Frau Fanny Bamberger. Dieselbe hat sich als Vorsteherin des Israelitischen Frauenvereins große Verdienste erworben und sich besonders durch ihre werktätige Menschenliebe den Kranken und Verstorbenen gegenüber ausgezeichnet."
  
Burgkunstadt FrfIsrFambl 11081911.jpg (54721 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 11. August 1911: "Burgkunstadt (Bayern). Im 65. Lebensjahre verschied dahier Salomon Rothschild, bis vor wenigen Jahren langjähriger Vorsteher der Gemeinde und deren Wohltätigkeitsanstalten und seitdem ihr Ehrenmitglied. Am Grabe sprachen Rabbiner Dr. E. Goitein und Vorsteher Mor. Lonnerstädter. -   
Noch einen zweiten schweren Verlust hat unsere Gemeinde zu beklagen. Frau Fanni Bamberger, Vorsteherin des Israelitischen Frauenvereins, verschied plötzlich im 61. Lebensjahre."

 
Zum Tod von Friederika Löbenstern (1911)  

Burgkunstadt Israelit 24081911.jpg (51396 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. August 1911: "Burgkunstadt, 17. August (1911). Nach vieljährigen mit größter Geduld ertragenen Leiden verschied heute im Alter von 71 Jahren Frau Friederike Löbenstern. Die Verstorbene war eine Eschet Chajal (tüchtige Frau) im wahrsten Sinne des Wortes. Eine einfache, bescheidene, ehrenhafte, streng religiöse Frau, die nur für ihre Familie wirkte und sich besonders der Armen und Bedrängten warm annahm.
Herr Distriktsrabbiner Dr. E. Goitein schilderte an deren Bahre den schweren Verlust, den mit ihrem Tode ihre Familie und die Armen erlitten haben. Die große Beteiligung an der Beerdigung gab Zeugnis von ihrer Beliebtheit. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens".

      
 Zum Tod von Jette Lindner (1920)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. August 1920: "In Burgkunstadt (Bayern) starb am 4. Juli dieses Jahres die Älteste der Gemeinde, Frau Jette Lindner, im Alter von 86 Jahren."         

   
Zum Tod von Sophie Lang aus Burgkunstadt, gestorben in Tann (1928)   

Burgkunstadt Israelit 28061928.jpg (137612 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Juni 1928: "Burgkunstadt (Oberfranken), 15. Juni (1928). Vor kurzem starb in Amberg (Oberpfalz) im Hause ihrer Tochter, wo sie Heilung von einem schweren Leiden suchte, im Alter von 73 Jahren, Frau Sophie Lang aus Burgkunstadt. Von frommen Eltern aus der Familie Freudenthal aus Tann v.d. Rhön abstammend, verpflanzte sie diese Tradition in ihre neue Heimat, wo sie an der Seite des ihr in die Ewigkeit vorausgegangenen gleichgesinnten Mannes ein echt jüdisches Haus gründete und durch alle Tugenden einer wackeren Frau dieses zu hoher Blüte brachte. Ihr gastliches Haus war nicht nur weit geöffnet, war nicht nur offen für die Bedürftigen, es stand nicht nur den Armen offen, es war auch ein Haus für die Weisen, denn Rabbiner und Lehrer waren ihre Verehrer und ein ideales Verhältnis verband sie mit ihnen . Sie war nicht nur lange Jahre Vorstandsmitglied der Frauenchewrah (Frauenverein), noch bis in ihre letzten Monate beteiligte sie sich aktiv an der gebotenen Sorge um die Toten. Vier Kinder fand sie bei ihrer Ehe vor und vier Kinder konnte sie noch ihre eigenen nennen. Doch mit Liebe umhegte sie sie allesamt und mit Selbstverleugnung löste sie ihre schwere Aufgabe. Ein halbes Jahr vor ihrem Tode sah sie zu ihrem Leidwesen ihren ältesten Sohn, den bewährten und frommen Kultusvorstand, Karl Lang - seligen Andenkens - einen Chawer in die Gruft sinken. Dieser Schicksalsschlag zehrte an ihrem Lebensmarke. Vor ihrer Überführung nach Nürnberg nahm ihr Schwiegersohn, Herr Lehrer Godlewsky in Amberg, in bewegten Worten Abschied von der teuren Verblichenen, und am Grabe in Nürnberg entwarf Herr Rabbiner Dr. Heilbronn - ein Freund ihres Vaterhauses - ein rührendes Bild von den Tugenden der Entschlafenen, worauf nochmals ihr Schwiegersohn ihr Vorzüge treffend hervorhob. Eine seltene Frau aus der Vergangenheit ist mit ihr dahingegangen. Das Andenken an die Fromme ist zum Segen."    

     
     
     
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Einzelpersonen  
Anzeige der Mazzen- und Makronenbäckerei Joseph Oppenheimer (1895)  

Burgkunstadt Israelit 17011895.jpg (43226 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Januar 1895: "Joseph Oppenheimer, Burgkunstadt in Bayern, Matzen- und Makronenbäckerei (gegründet 1830), offeriert zu Pessach feinste Makronen, Mark 1.50 per Pfund ab hier gegen Nachnahme. Aufträge auf feinste, dünne Maschinen-Matzen werden ebenfalls noch angenommen."
vgl. zu Joseph Oppenheimer auch das Briefdokument unten.  

  
Ritualien / Torarollen zu verkaufen (1890 / 1898 / 1900)   

Burgkunstadt Israelit 17111890.jpg (32835 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. November 1890: "Eine sehr schöne 
Sefer Tora
(Torarolle), 
fast noch neu, ist von einer aufgelösten Gemeinde unter Garantie billigst zu verkaufen durch H. 
Herrmann, Burgkundstadt (Bayern)." 
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. August 1898
"Zwei gebrauchte, aber sehr gut erhaltene 
Torarolle(n)
 
(mit oder ohne Silberzeug) sind unter Garantie durch den Unterzeichneten für eine aufgelöste Gemeinde billigst abzugeben (kleine Gemeinde wird besonders berücksichtigt. 
H. Herrmann, Burgkunstadt (Bayern).  
 
Burgkunstadt Israelit 16081900.jpg (43404 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. August 1900: "Bekanntmachung
Eine aufgelöste Gemeinde lässt durch den Unterzeichneten drei sehr schöne tadellose Sifrei Tora (Torarollen), Proches (Toraschrein-Vorhänge) und Mäntelchen (für Torarollen), 2 Schofar, mehrere ... im Ganzen oder geteilt verkaufen. (Kleine Gemeinden sollen besonders berücksichtigt werden.). 
Burgkunstadt, Bayern, August, 1900. H. Herrmann."    

       
Anzeige des Kolonialwarengeschäftes Bernhard Friedmann (1901)  

Burgkunstadt Israelit 17061901.jpg (39323 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Juni 1901: 
"Für mein Kolonialwarengeschäft, Engros und Detail suche per 1. August, eventuell früher, einen 
Lehrling
  
aus achtbarer Familie. Bedingungen günstig. 
Bernhard Friedmann
, Burgkunstadt in Bayern."     

 
Lehrlingsgesuch des Baumwollwaren-Engros-Geschäftes J. Rossmann (1905)

Burgkunstadt FrfIsrFambl 27101905.jpg (37147 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 27. Oktober 1905: ""Suche für mein am Samstag und Feiertagen geschlossenes Baumwollwaren-Engros-Geschäft per sofort einen Lehrling mit guter Schulbildung. Selbstgeschriebene Offerten an J. Rossmann, Burgkunstadt."   

     
     
     
Weitere Dokumente   
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries; ergänzende Informationen gleichfalls von Peter Karl Müller)   

Karte von Heinrich Silbermann
 (Burgkunstadt) nach Nürnberg
 (ca. 1873/74)
Burgkunstadt Dok 130.jpg (147120 Byte) Burgkunstadt Dok 130a.jpg (137364 Byte)
    Die Karte wurde am 1. Oktober .. in Burgkunstadt abgestempelt und ist am 2. Oktober .. in Nürnberg angekommen. Diese Karte war postalisch in den Jahren 1873-74 im Verkehr. Es geht in dem Text um die Lieferung von Hopfen-Anlagen und der Bitte: "Die Hopfen wollen Sie sogleich wegen des Warmwerdens nachsehen. Mit Achtung. Hch. Silbermann".
      
Brief an A. Pretzfelder in Burgkunstadt 
aus Reutlingen (April 1875) 
Burgkunstadt Dok 260.jpg (197437 Byte)

Über den Empfänger A. Pretzfelder liegen noch keine weiteren Informationen vor; der jüdische Familienname Pretzfelder in Burgkunstadt ist allerdings gut bekannt: u.a. gründete Max Pretzfelder zusammen zusammen mit Hans Püls eine Schuhfabrik 1903; 1911 trennen sich die beiden wieder; 1912 Gründung der Schuhfabrik " Pretzfelder & Riexinger " in Altenkunstadt, später umbenannt in " Gotthard-Schuhfabrik"; in der NS-Zeit wurde der jüdische Besitzer enteignet und die Schuhfabrik zwangsverkauft (Quelle: Wikipedia-Artikel " Geschichte der Stadt Burgkunstadt"). Max Pretzfelder war 1916 nach Bamberg gezogen; er und seine Frau wurden am 27. Nov. 1941 von Bamberg nach Riga deportiert ( Gedenkbuch der jüdischen Bürger Bambergs). Auch weitere Angehörige der Familie(n) Pretzfelder aus Burgkunstadt wurden ermordet. 

     
Brief an Joseph Oppenheimer 
in Burgkunstadt (1875) 
Burgkunstadt Dok 341.jpg (87713 Byte) Burgkunstadt Dok 341a.jpg (145715 Byte)
  Der Brief an Joseph Oppenheimer (Inhalt: eine Rechnung über eine Lieferung Heringe) wurde am 28. August 1875 von Plauen nach Burgkunstadt versandt.
     
Postkarte der Schuhwaren-Fabrik 
Joseph Weiermann (1888)
  
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Die Postkarte der Schuhwaren-Fabrik Joseph Weiermann wurde nach Schweinfurt am 18. Dezember 1888 versandt. Der Inhalt ist geschäftlich und beinhaltet eine Bestellung von Nägeln und Stiften mit gewünschtem Liefertermin.
Zur Firmengeschichte - Mit dem 1. Januar 1888 hielt die industrielle Schuhfertigung Einzug in Burgkunstadt. Der damals 25 jährige Joseph Weiermann begann im Nebenzimmer der "Zapf´schen Gastwirtschaft" und im Nachbarhaus mit der maschinellen Herstellung von Schuhen. Bereits 10 Jahre später machten die steigende Nachfrage den Bau einer neuen Fabrik in der Nähe des Bahnhofs notwendig. Nach der Umwandlung der Firma Joseph Weiermann 1906 in eine GmbH erfolgt 1911 die Joseph Weiermann Schuhfabrik Aktiengesellschaft. Zu diesem Zeitpunkt verabschiedete sich Joseph Weiermann in den Ruhestand und verzog nach Bamberg - München. Im Zuge der "Arisierung" der jüdischen Geschäfte, Betriebe und Unternehmen wurden die jüdischen Aktionäre der Joseph Weiermann Schuhfabrik A.G. zum Verkauf ihrer Anteile an deutsche Unternehmen gezwungen und die Firma in "Obermain - Schuhfabrik" umbenannt.
Zur Geschichte einzelner Familienmitglieder: Maria Weiermann geb. Steinhäuser, die Frau von Joseph Weiermann (geb.20. Oktober 1868 in Burgkunstadt) wurde von München am 22. Juli 1942 deportiert und ist im Ghetto Theresienstadt am 16. Oktober 1942 umgekommen. .
Julius Weiermann (geb. am 28. November 1892 in Burgkunstadt, Sohn von Joseph und Maria Weiermann) wurde von München am 20. November 1941 deportiert und ist am 25. November 1941 in Kaunus umgekommen. 
Selma Kupfer geb. Weiermann (geb. am 3. Juni 1890 in Burgkunstadt, Tochter von Joseph und Weiermann) wurde nach Auschwitz deportiert und wurde vermutlich ermordet (für tot erklärt). Ihr Mann Karl Kupfer (geb. am 13. Juni 1878 in Frankenreuth) teilte das Schicksal seiner Frau. Dem Sohn Erich Kupfer (geb. 1919 in München, Sohn von Karl und Selma Kupfer) gelang es noch, 1938 über Amsterdam nach New York auszuwandern.
Quellen: http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Stadt_Burgkunstadt    http://de.academic.ru/dic.nsf/dewiki/2378919 
http://www.wienerlibrary.co.uk/Search-document-collection?item=2713   http://www.rijo.homepage.t-online.de/pdf/de_mu_ju_muelist4.pdf  

     
Briefumschlag von A. Thurnauer sen.,
 Korbwaren-Manufaktur in 
Burgkunstadt (1897)
 
Burgkunstadt Dok 13020.jpg (232078 Byte)
  Der Brief von A. Thurnauer sen., Inhaber einer Korbwaren-Manufaktur in Burgkunstadt, wurde am 1. Dezember 1897 nach Urach (Württemberg) verschickt. Aus der Familie Thurnauer war Max Thurnauer um 1924 Mitglied des Gemeindevorstandes; Albert Thurnauer ist nach der Deportation in der NS-Zeit ermordet worden. In welchem Verwandtschaftsverhältnis diese Personen zueinander standen, konnte noch nicht geklärt werden (Informationen bitte an den Webmaster der "Alemannia Judaica", Adresse siehe Eingangsseite).  
     
Rechnung / Lieferschein über eine Käsesendung von Louis Friedmann (1904)  Burgkunstadt Dok 185.jpg (179956 Byte) Burgkunstadt Dok 186.jpg (104510 Byte)
  Die Rechnung und der Lieferschein über die Käsesendung datieren auf Dezember 1904 
     
Briefumschlag eines Schreibens
von Max Possenheimer (1916)

Burgkunstadt Dok 340.jpg (85665 Byte) Burgkunstadt Dok 340a.jpg (44783 Byte)
  Max Possenheimer war Inhaber eines Kurzwaren-en-gros-Geschäftes in Burgkunstadt. 
Das Schreiben wurde am 8. Mai 1916 an Herrn F. J. Stamm, Kaufmann in Michelau in Oberfranken verschickt.  
     
Briefumschlag von D. Banemann 
in Burgkunstadt (1923) 
Burgkunstadt Dok 261.jpg (213762 Byte)
Der Briefumschlag von D. Banemann wurde am 30. Sept. 1923 nach Berlin versandt, Porto in der Inflationszeit 250 Tausend Mark. Im Wikipedia-Link zur Geschichte der Stadt Burgkunstadt findet sich im Abschnitt "1933-1945..." ein Hinweis auf die "Arisierung" der Darmgroßhandlung Banemann sowie im Anschluss an den Abschnitt zur "Reichskristallnacht" auch die Nennung von Leo Banemann, der Anfang 1935 das Frontkämpfer-Ehrenabzeichen erhalten hat und der dafür zwei Wochen früher aus der im Anschluss an die "Reichskristallnacht" folgenden "Schutzhaft" wieder nach Hause durfte. Die anderen jüdischen Männer wurden noch zwei Wochen länger festgehalten.
Mehrere Angehörige der Familie Banemann wurden nach den Deportationen der NS-Zeit ermordet. 
Vgl. auch die aus Burgkunstadt stammende Familie Banemann in Göppingen, an die in dieser Stadt vier "Stolpersteine" erinnern. Quelle: Stolperstein-Initiative Göppingen.  
     

      
      
Sonstiges        
Erinnerungen an die Auswanderungen im 19. Jahrhundert: 
Grabstein in New York für Mary Bamberger (1846-1885) und Hermann Bamberger (1838-1920, aus Burgkunstadt)  
   
Anmerkung: das Grab befindet sich in einem jüdischen Friedhof in NY-Brooklyn; der Geburtsname von Mary wird nicht mitgeteilt.   .      

Burgkunstadt New York Salem 1799.jpg (90541 Byte)   Burgkunstadt New York Salem 1799a.jpg (49515 Byte)   Grabstein für "Mary Bamberger 
beloved wife of Hermann Bamberger 
born March 18, 1846  died December 24, 1885" sowie für 
"Herman Bamberger  
born in Burgkunstadt - Bavaria  July 8, 1838, 
died June 1, 1920".   

      
      
       

       

       

 

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Stand: 13. Dezember 2014