Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Roth (Kreisstadt; früher: Roth bei Nürnberg oder Roth am Sand genannt)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Quellen / Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde    
Schutzbriefe aus dem 16. Jahrhundert 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Kultbeamten     
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen    
Zur Geschichte der Synagoge    
Fotos / Darstellungen 
Links und Literatur    

       

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)     
    
In Roth (bis 1973: Roth bei Nürnberg) bestand eine jüdische Gemeinde bis 1935. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 15./16. Jahrhunderts zurück (Erwähnungen jüdischer Einwohner 1414, um 1542 bis nach 1548, 1591 und 1594), doch lebten vermutlich bereits zuvor (seit dem 14. Jahrhundert?) Juden in der Stadt. 1564 ließ sich der Apotheker Samuel, ein Bruder des Jakob von Roth mit seiner Familie in Georgensgmünd nieder. 

Am Anfang des 17. Jahrhunderts (1610) bestand eine jüdische Gemeinde in Roth, zu der 10 Familien gehörten. In diese Zeit wird die ehemalige "Judengasse" zurückgehen (bereits vor 1933: "Kugelbühlstraße"), die im Bereich einer mittelalterlichen Stadterweiterung liegt. Die Blütezeit der jüdischen Gemeinde war zwischen der Mitte des 18. und der Mitte des 19. Jahrhunderts. 1714 lebten 16 jüdische Familien in der Stadt, bis Ende des 18. Jahrhunderts umfasste die Gemeinde etwa 200 Mitglieder. Seitdem sich Juden wieder in Nürnberg niederlassen konnten (seit den 1850er-Jahren), ging die Zahl der jüdischen Einwohner in Roth schnell zurück. 
 
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1809/10 197 jüdische Einwohner (8,3 % von insgesamt 2.368 Einwohnern), 1837 200 (8,2 % von 2.440), 1867 153 (6,1 % von 2.492), 1871 128 (5,2 % von 2.458), 1880 98 (3,4 % von 2.872), 1890 59 (1,8 % von 3.323), 1900 43 (1,1 % von 4.049), 1910 32 (0,6 % von 5.307). 
   
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.) und ein Gemeindehaus mit der jüdischen Elementar-(Volks-)Schule beziehungsweise Religionsschule (trotz der zurückgehenden Gemeindegliederzahlen gab es noch bis zur 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts die Elementarschule, vgl. unten Ausschreibungstexte der Lehrerstelle 1871 / 1882) sowie ein rituelles Bad. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Ansbach.
   
Um 1924, als noch 19 jüdische Personen zur Gemeinde gehörten (0,38 % von etwa 5.000 Einwohnern, fünf Familien), waren die Vorsteher der Gemeinde Abraham Gutmann und Julius Weinschenk. Religionslehrer und Schochet Sally Cohn aus Thalmässing kam regelmäßig nach Roth, um dort dem noch einziger schulpflichtigen jüdischen Kind den Religionsunterricht zu erteilen, vermutlich gelegentlich auch, um als Schochet tätig zu sein. 1932 wird als 1. Gemeindevorsteher weiterhin Abraham Gutmann genannt, Julius Weinschenk ist als "Schatzmeister" eingetragen. 
          
1933 wurden noch 19 jüdische Einwohner gezählt (0,3 % von insgesamt 5.840). In der Stadt herrschte eine starke antijüdische Atmosphäre. Nach einem im "Stürmer" im September 1935 abgedruckten Aufsatz einer neunjährigen Schülerin der städtischen Volksschule gab es beispielsweise auch Kinder-Posten vor jüdischen Geschäften, die mit dem Ruf "Nichtjuden! Schämt Euch, beim Juden kauft Ihr ein, pfui Teufel!" die Boykottmaßnahmen unterstützten. Bis Ende Dezember 1935 verließen alle jüdischen Einwohner die Stadt, nachdem sie ihre Geschäfte abgewickelt und ihren Besitz zwangsweise verkauft hatten. Nach dem Wegzug der letzten jüdischen Einwohner wurde die Stadt für "judenfrei" erklärt. 

Roth Israelit 09011936.jpg (17533 Byte)Meldung aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Januar 1936: "Nürnberg. Das fränkische Städtchen Roth bei Nürnberg ist seit dem 1. Januar, nach Meldung der 'Fränkischen Tageszeitung', völlig judenfrei."   
 
Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 8. Januar 1936: "Wie die 'Fränkische Tageszeitung' meldet, ist das Städtchen Roth bei Nürnberg seit dem 1. Januar 1936 judenfrei".    

Von den in Roth geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Ludwig Baer (1879), Martha Baer (1907), Gustav Bechhöfer (1868), Selma Michel geb. Blüthe (1873), Dr. Gerson Feinberg (1876), Abraham Gutmann (1857), Elsa Groshut (1892), Nathan Gutmann (1878), Josef Herzog (1869), Ida Hess geb. Niederheimer (1880), Max Kaumheimer (1869), Sophie Rosenbaum geb. Oettinger (1872), Frieda Walther geb. Herzog (1872), Hedwig Wertheimer geb. Gutmann (1893), Berta Wolfrom geb. Gutmann (1887).   
Anmerkung: es gibt in den angegebenen Listen verschiedene Unklarheiten, da es auch im hessischen Roth (Kreis Marburg-Biedenkopf) eine jüdische Gemeinde gab. Die obige Liste ist vermutlich unvollständig.      
  
Nach 1945 kamen vorübergehend einige jüdische Überlebende von Konzentrationslagern in die Stadt. Im Mai 1946 handelte es sich um 16 Personen, die jedoch nach 1948 - vermutlich überwiegend nach Israel - auswanderten.
   
   
   
Quellen / Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
        
Schutzbriefe aus dem 16. Jahrhundert      

Schutzbrief für den Juden Nathan (1542)   
Roth Haenle 01.jpg (36162 Byte)(aus: Haenle s. Lit. S. 223): "Markgraf Georg erstreckt des Natan Juden Freiheit, weitere 10 Jahre in Roth zu wohnen, sichert ihm und den Seinigen freies Geleit, Zoll- und Mautfreiheit zu, darf in allen Städten des Fürstentums auf Pfänder leihen und von einem Gulden wöchentlich 1 Pfennig weiser Müntz nehmen, auch wenn Kinder von ihm sich verheiraten, soll nur eines bei ihm Wohnung nehmen dürfen. Onolzbach (Ansbach), sine dat.  
Nürnb. Gemeinb. 8 fol 303
Anm.:
Der Schutzbrief ist zwar nicht datiert (sine dat.), doch ist im folgenden Schutzbrief davon die Rede, dass Markgraf Georg 1542 dem Juden Natan für 10 Jahre einen Schutzbrief erteilt hat.  
 
Nach dem Tod des Juden Nathan: Schutzbrief für dessen Schwiegersohn Jud Jakob (1548) 
Roth Haenle 02.jpg (73620 Byte)(aus: Haenle s.Lit. S. 228): "1548, 15. Juni. Des Markgrafen Georg Friederichs zu Brandenburg Regenten und Räthe erlauben auf Absterben des Nathan Juden, dem Markgraf Georg im Jahre 1542 10 Jahre zu Roth zu wohnen erlaubt hatte, nunmehr dessen Tochtermann Jacob Juden, jene 10 Jahre zu Roth auszusitzen. Dagegen soll derselbe das baufällige Haus wieder in Stand setzen. Auch geben sie Jacob Juden, seinem Weihe, seinen Kindern und Ehehalten Geleit und Sicherheit und die Erlaubnis, allenthalben im Lande auf ungestohlene und rechtschaffene Pfänder zu leihen und von einem jeden Gulden Hauptsumma wöchentlich einen Häller weißer Münz zu Abzins oder Gesuch zu nehmen; jedoch sollen sie ohne der Amtleute und eines Rats zu Roth Vorwissen über ein viertel Jahr nicht leihen, und daneben auch redliche Kaufhändel treiben, jedoch nur auf Wiederruf.
Geben zu Onoltzbach (Ansbach) am Tag Vitj. 1548.
Nürnb. Gemeinb. 9/21.
   
Geleitbriefe für Löw und Samuel Jud zu Roth sowie Mann Jud zu Roth 1595  
Roth Haenle 03.jpg (39958 Byte)(aus Haenle s.Lit. S. 232): "Georg Friederich, Markgraf zu Brandenburg, gibt Lipmann Juden zu Mainstockheim seine Sicherheit und sein Geleite. Geben zu Onolzbach den 12. Juni 1594. In gleicher Weise erhalten des fürstliche Geleite Hirsch Jud zu Equarhofen am 30. Juli 1594, Samuel Jud zu Gnodstadt am 30. Juli 1594, Mann Jud zu Roth am 22. August 1594, Löw und sein stummer Bruder Samuel Jud zu Roth am 8. April 1595 und Mann Jud zu Roth am 8. April 1595." 
Nürnb. Gemeinb. 12/68.

    
    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Kultbeamten   
Ausschreibungen der Schächter-/Gemeindedienerstelle und der Lehrer-/Vorbeterstellen in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts

Roth AZJ 01011861.jpg (45285 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Januar 1861: "Bei der unterfertigten Gemeinde ist bis zum 1. März 1861 die Stelle eines Schächters, verbunden mit einem jährlichen Verdienste von 250 Gulden erledigt. Subjekte, die in höheren religiösen Wissenschaften Kenntnisse besitzen, können sich bedeutende Nebenverdienste verschaffen. 
Bewerber dieser Stelle wollen sich binnen 4 Wochen a dato portofrei an den Unterzeichneten wenden. 
Roth, den 14. Dezember 1860.  Fränkel, Vorstand."
 
Nach der Pensionierung des Lehrers Bergmann 1871 wurde die Lehrer- und Vorbeterstelle neu ausgeschrieben: 
Roth Israelit 15111871.jpg (72507 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. November 1871: "Wegen Pensionierung des bisherigen Lehrers Bergmann ist die dadurch in Erledigung gekommene Elementar-Religionslehrer- und Vorsängerstelle in Bälde wieder zu besetzen. 
Dieselbe gewährt: 450 Gulden Fixum mit freier Wohnung nebst 3 Klafter Holz zur Beheizung des Schulzimmers. Außerdem ist durch verschiedene Kasualien, sowie auch durch Erteilung von Privatunterricht Gelegenheit zu namhaftem Nebenverdienst gegeben. 
Hierauf Reflektierende, welche die Anstellungs-Prüfung mit Erfolg bestanden, wollen ihre Zeugnisse über Befähigung und bisherige Leistungen binnen 4 Wochen hierher gelangen lassen. Roth in Bayern, den 22. Oktober 1871. 
Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde. Kaumheimer."
 
1875 war auch die Stelle des Schächters und Gemeindedieners neu zu besetzen: 
Roth Israelit 03031875.jpg (66844 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. März 1875: "Vakante Stelle. In hiesiger Kultusgemeinde ist die Stelle eines Schächters und Gemeindedieners in Erledigung gekommen. Die Erträgnisse beider Dienste bestehen in einem Aversum von Gulden 400 pro Jahr und ist außerdem durch Ausfüllung der freien Zeit zu anderweitigen Verdiensten Gelegenheit geboten. Bewerber um diese Stelle wollen ihre legalen Zeugnisse über Leumund, Befähigung und bisherige Berufstätigkeit portofrei dem Unterfertigen einsenden. 
Meldungstermin vier Wochen à dato Roth bei Nürnberg, den 1. März 1875. 
Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde. M. Niederheimer." (= Moritz Niederheimer)  
 
1882 wurde die Elementar- und Religionslehrerstelle wiederum ausgeschrieben. 
Roth Israelit 16081882.jpg (97317 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. August 1882: "Offene Lehrerstelle. Die Stelle eines Elementar- und Religionslehrers an der Schule der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde ist erledigt. Befähigte Bewerber wollen sich unter Vorlage der Prüfungszeugnisse und sonstigen nachweisen an de Unterfertigten bis spätestens in 14 Tagen wenden. 
Das jährliche Einkommen dieser Stelle beträgt: 685 Mark 71 Pfg. aus Mitteln der Israelitischen Kultusgemeinde, in welche Summe jedoch die Wohnung mit dem Anschlage von 42 Mark 90 Pfg. eingerechnet ist. 
Der aus Kreismitteln bewilligte Zuschuss von 85 Mark 79 Pfg. zur Aufbesserung des Gehalts auf 771 Mark 5ß0 Pfr. wird dem Lehrer direkt aus der Staatskasse geleistet. 
Weiter hat der Lehrer den Bezug der budgetmäßigen Aufbesserung zu gegenwärtig 85 Mark 70 Pfg. und die widerrufliche Kreisfondsaufbesserung zu gegenwärtig 142 Mark 80 Pfg. jährlich. 
Zur Beheizung des Schullokals werden dem Lehrer jährlich 3 Klafter Scheitholz verabreicht. 
Außerdem erhält der angestellt Lehrer für Versehung der Funktion eines Vorbeters als persönliche Zulage aus Kultusmitteln jährlich 250 Mark und hat gegründete Aussicht auf nicht unbedeutenden Kasualien.
Roth bei Nürnberg, den 6. August 1882. Der Vertreter der israelitischen Kultusgemeinde. M. Niederheimer." (= Moritz Niederheimer) 

       
Über Lehrer Moses Marx (1883)   
(Scan erhalten von Ekkehard Hübschmann) 
Anmerkung: Lehrer Moses Marx ist am 3. November 1859 in Maßbach geboren, Er war später verheiratet mit der am 3. Mai 1862 in Oberstreu geborenen Emilie (Esther) geb. Klein. Die beiden hatten drei in Roth geborene Töchter: Bella (1886), Frieda (1888) und Irma (1889) sowie den in Gunzenhausen geborenen Sohn Ludwig (1898). Lehrer Moses Marx war seit mindestens 1883 und bis Anfang der 1890er-Jahre Lehrer in Roth, danach in Gunzenhausen. Er starb am 14. Juni 1930 in Nürnberg (beigesetzt in Gunzenhausen). Seine Frau Emilie war schon am 17. November 1919 in Erlangen verstorben (auch in Gunzenhausen beigesetzt). Weitere Informationen siehe http://jl-gunzenhausen.de/de/marx-moses.html      

Mellrichstadt Dok 23071883.jpg (60721 Byte)Anzeige im "Königlich Bayerischen Kreis-Amtsblatt von Unterfranken und Aschaffenburg" - Beilage Br. 65 1883 Sp. 383-384: "(Mellrichstadt) Bekanntmachung. 
Herr Moses Marx, Lehrer von Roth am Sand, und dessen mit ihm durch Kinder nicht vererbte Gemahlin Esther, geborne Klein von Oberstreu, haben in meiner Urkunde vom Heutigen, Geschäftsregisternummer 701, auf die Dauer ihrer Ehe unter sich sowohl die allgemeine Gütergemeinschaft als auch die Errungenschaftsgemeinschaft ausgeschlossen, was ich hiemit öffentlich bekannt gebe. 
Mellrichstadt, den 23. Juli 1883. Winzheimer, k. Notar." 

     
     
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde     
Zum Tod von Luise Niederheimer, Frau des langjährigen Gemeindevorsteher Moritz Niederheimer (1911)    

Straubing Israelit 29061911.jpg (63366 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Juni 1911: "Straubing, 12. Juni (1911). Am Erew Schawuoth (Vortag vor dem Wochenfest, d.i. 1. Juni 1911) verschied hier, wo sie die letzten Jahre bei ihrer Tochter verbrachte, Frau Luise Niederheimer, Gattin des vor einigen Jahren verstorbenen Moritz Niederheimer, der über 30 Jahre Vorstand der jüdischen Kultusgemeinde in Roth am Sand war. Um der teuren Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen, waren viele Freunde und Bekannte aus nah und fern erschienen, und kein Auge blieb trocken, als Herr Rabbiner Kohn aus Ansbach und Herr Lehrer Adler aus Roth am Sand in ergreifenden Worten die herrlichen Tugenden dieser frommen Frau schilderten. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

   
Über den aus Roth stammenden Rabbiner Dr. Gerson Feinberg (1876-1942)   

Rabbiner Dr. Gerson Feinberg (geb. 1876 in Roth am Sand, ermordet 1942 in Riga): aufgewachsen in Regensburg; Studium an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt (ILBA) in Würzburg; bis 1900 Lehrer und Kultusbeamter in Kitzingen; ab 1900 Studium in Zürich und Berlin; 1910 bis 1923 Seminarrabbiner an der ILBA in Würzburg; wurde im Dezember 1920 zum Rabbiner der Adass Jeschurun in Heilbronn gewählt; Amtsantritt 1923; 1930 Bezirksrabbiner in Groß-Strehlitz (Oberschlesien; heute Strzelce, Opolskie); nach der Pensionierung 1936 noch Rabbinatsverwalter in Schönlanke, um 1938 in Kreuzburg (Oberschlesien, Kluczbork); war verheiratet mit Sarah geb. Pollak. Am 15. August 1942 zusammen mit seiner Frau von Berlin aus nach Riga deportiert. 

   
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Anzeige des Tuch- Manufakturwaren- und Versandgeschäftes Edmund Baer (1902)    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Oktober 1902: 
"Für mein Tuch-, Manufakturwaren- und Versandgeschäft, d. Samstag geschlossen, suche einen 
Lehrling
 
aus achtbarer Familie, Kost und Logis im Hause. 
Edmund Baer
, Roth am Sand bei Nürnberg."       

  
   
Sonstiges        
Erinnerungen an die Auswanderungen im 19. Jahrhundert: 
Grabstein in New York für Max Herzog aus Roth (1816-1886) und Nina Herzog aus München (1832-1892)    
   
Anmerkung: das Grab befindet sich in einem jüdischen Friedhof in NY-Brooklyn; bei Nina Herzog wird kein Geburtsname mitgeteilt. .      

Roth New York Salem 1836.jpg (131109 Byte)   Roth New York Salem 1836a.jpg (162396 Byte) Grabstein für 
"Nina Herzog  Born in Munich Bavaria Dec. 3, 1832. 
Died in New York  June 9, 1892" und 
"Max Herzog 
Born in Roth near Nuremberg  March 10 1816 (?) 
Died in New York August 17, 1886"  

 
 
 
Zur Geschichte der Synagoge          
   
Bereits im 17. Jahrhundert war auf Grund der Größe der Gemeinde (1610 10 Familien) zumindest ein Betsaal vorhanden. 

1737 wurde eine Synagoge erbaut, die fast 200 Jahre Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens in Roth war. Wie lange in den 1920er-/1930er-Jahren noch Gottesdienste abgehalten werden konnten, ist nicht bekannt. Die Zahl der jüdischen Männer in der Stadt erreichte inzwischen kaum mehr die geforderte Zehnzahl.  

Nach dem Wegzug der letzten jüdischen Einwohner in der NS-Zeit (Ende 1935) wurde der Innenraum der Synagoge demoliert. Fotografien des verwüsteten Gebäudes wurden zu antijüdischer Zeitungspropaganda benutzt.
   
Das Synagogengebäude blieb erhalten. 
  
Nach 1945
wurde es zu einem Amts- und Wohnhaus umgebaut (zeitweise Räume der Stadtjugendpflege und des Stadtjugendrings; derzeit gewerbliche Nutzung und für Wohnräume).  
   
   
Adresse/Standort der Synagoge:   Kugelbühlstraße 44      
   

   
Fotos
(Quelle: die historische Innenaufnahme wurde von Theodor Harburger am 6. August 1929 erstellt, veröffentlicht in: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler Bd. 3 S. 674; neuere Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 4.12.2009) 

In der Synagoge 
in Roth 1928 
Roth Synagoge 100.jpg (87804 Byte)  
  Blick über den Almemor  
     
Nach der Verwüstung der 
Synagoge 1935
Roth Synagoge 151.jpg (124726 Byte) Roth Synagoge 150.jpg (141971 Byte)
  Blick zum Bereich des zerstörten
 Toraschreines, links der Almemor 
Blick in den Betsaal 
   
        
      
Das Gebäude der ehemaligen Synagoge Ende 2009  
Roth N Synagoge 193.jpg (69817 Byte) Roth N Synagoge 192.jpg (63235 Byte) Roth N Synagoge 191.jpg (76982 Byte)
Blick auf das giebelständig an der Kugelbühlstraße stehende ehemalige Synagogengebäude; eine Hinweistafel ist nicht angebracht. 
     
     
Das Modell der Synagoge, 2005 im 
Maßstab 1:25 im Therapiezentrum &
 Museum Schloss Cronheim erstellt 
Roth Synagoge 140.jpg (16206 Byte)
   Für das Stadtmuseum Roth (Schloss Ratibor, Hauptstraße 1, Roth) wurde im Therapiezentrum
 Schloss Cronheim ein Modell der ehemaligen Synagoge in Roth erstellte. Informationen 
von einer Seite des Therapiezentrums Schloss Cronheim
     
CH Roth Synagoge 295.jpg (60732 Byte) CH Roth Synagoge 285.jpg (63754 Byte) CH Roth Synagoge 283.jpg (67942 Byte)
Hinweistafel 
am Modell 
Ansicht zur 
Kugelbühlstraße 
Rückwärtiger Teil an der Stadtmauer 
mit Erker des Toraschreines 
        
   CH Roth Synagoge 290.jpg (81085 Byte) CH Roth Synagoge 287.jpg (74210 Byte)
   Seitenansicht mit dem zur Stadtmauer gelegenen Betsaal der Gemeinde 

     
     

Links und Literatur  

Links:  

Website der Stadt Roth bei Nürnberg  
Informationen über eine Gedenkveranstaltung an die jüdische Gemeinde Roth und Vorstellung eines maßstabsgetreuen Modells der Rother Synagoge (auf der Website des Museums Schloss Cronheim)

Literatur:  

S. (Sigfried) Haenle: Geschichte der Juden im ehemaligen Fürstentum Ansbach. 1867 (Nachdruck 1990 in der Reihe: Bayerische jüdische Schriften. Hg. von Karl W. Schubsky und Hermann Süß Bd. 1). 
Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 219-220.
Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 175.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 357-359.
Bayern SynGedenkband II.jpg (63426 Byte)"Mehr als Steine...." Synagogen-Gedenkband Bayern. Band II: Mittelfranken. Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Angela Hager, unter Mitarbeit von Frank Purrmann und Axel Töllner. Hg. von Wolfgang Kraus, Berndt Hamm und Meier Schwarz. Reihe: Gedenkbuch der Synagogen in Deutschen. Begründet und herausgegeben von Meier Schwarz. Synagogue Memorial Jerusalem. Bd. 3: Bayern, Teilband 2: Mittelfranken. Lindenberg im Allgäu 2010. 
Kunstverlag Josef Fink Lindenberg im Allgäu

ISBN 978-3-89870-448-9.   Abschnitt zu Roth S. 535-541.
Franken Obpf Lit 010.jpg (75915 Byte)Hans-Peter Süss: Jüdische Archäologie im nördlichen Bayern. Franken und Oberfranken. Verlag Dr. Faustus Büchenbach 2010 (Reihe: Arbeiten zur Archäologie Süddeutschlands Band 25). Zu Roth S. 121-123.    

         
          


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Roth bei Nuernberg  Middle Franconia. Jews are mentioned in 1414 and lived under various letters of protection. A synagogue was built in 1727, In 1837 the Jewish population reached 200 (total 2.440) with a considerable number of artisans among them, but declined thereafter as many departed fo nearby Nuremberg and Fuerth. In 1933, 19 Jews remained. All left by December 1935 and the Germans wrecked the interior of the abandoned synagogue.    
        
         

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 26. Dezember 2015