Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Höringhausen (Stadt Waldeck, Kreis Waldeck-Frankenberg)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht: 

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Allgemeines 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen    
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)       
   
In Höringhausen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. 1704 gab es zwei Wohnhäuser in jüdischen Besitz am Ort. Mitte des 18. Jahrhunderts sind mehrere Familien zugezogen, sodass es 1783 24 jüdische Familien bzw. Haushaltungen am Ort gab.  

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1830 85 jüdische Einwohner, 1856 Höchstzahl von 152 jüdischen Einwohnern in 26 Familien; 1871 110 (14,2 % von insgesamt 772 Einwohnern), 1885 81 (in 18 Familien, 10,7 % von 757), 1895 66 (8,7 % von 752), 1905 59 (7,8 % von 756). Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts lebten die jüdischen Familien durchweg vom Vieh- und Kleinhandel in überwiegend armseligen Verhältnissen. 

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (von 1869 bis ca. 1917 als jüdische Elementarschule, ansonsten Religionsschule), ein rituelles Bad (1870 erneuert durch Marcus Lazarus, siehe Bericht unten; Standort an der Alrafter Straße) sowie einen Friedhof. Die Elementarschule (zunächst eine Privatschule, seit 1886 eine öffentliche israelitische Elementarschule hatte 1871 26 Schüler, 1873 23 Schüler). Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet fungierte (siehe Ausschreibungen der Stelle unten). Folgende Lehrer werden genannt: um 1860 Lehrer Rölf (oder Rülf?, siehe Bericht über eine Lehrerkonferenz in Gießen 1860), Benjamin Jaffa (um 1871/73), Perez Perlstein (um 1885), die Lehrer Stern und Siegfried Oppenheim (aus Nentershausen, Lehrer in Höringhausen 1909-12, danach in Wehrda und Rhina) die zugleich an der allgemeinen Ortsschule unterrichteten). Die Gemeinde gehörte zunächst zum Rabbinat Gießen, seit 1885 zum Provinzialrabbinat Marburg.   
 
Prägende jüdische Persönlichkeit war im Gemeindeleben der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und bis zu seinem Tod 1912 Abraham Bickhardt. Er war 60 Jahre lang Vorsteher der Gemeinde (vgl. Artikel unten zur goldenen Hochzeit von ihm und seiner Frau Esther geb. Lion sowie zu seinem Tod). 
 
Im Krieg 1870/71 nahm Markus Lazarus teil, der später den Kriegerverein in Höringhausen begründete und auch die Vereinsfahne stiftete. Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde zwei Söhne der Familie Adler: Isaak Adler (geb. 4.12.1892 in Höringhausen, vor 1914 in Gemen wohnhaft, gef. 23.2.1918) und Moritz Adler (geb. 13.11.1896 in Höringhausen, gef. 25.9.1916). Ihre Namen stehen auf dem Kriegerdenkmal der Gemeinde (siehe Fotos unten). 
 
Um 1924, als 28 Personen der jüdischen Gemeinde angehörten (3,4 von insgesamt 832 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher M. Löwenstein und B. Katzenstein. 1932 waren die Gemeindevorsteher Hermann Katzenstein (1. Vors.) und Benjamin Katzenstein (2. Vors.) Als Schatzmeister ist Isak Kohlhagen eingetragen. Religionslehrer des im Schuljahr 1931/32 nur noch einen schulpflichtigen Kindes war Lehrer Moritz Goldwein aus Korbach. Zum Zwecke der Armenunterstützung hatte die Gemeinde die M.-Lazarus-Stiftung (Vorsitzender Hermann Katzenstein).  
  
Den jüdischen Familien gehörten mehrere Gewerbebetriebe und Handlungen, u.a. die Blech- und Altwarenhandlung der Familie von Schafti Adler (Berghöfer Straße), die Fell-, Leder- und Schuhhandlung von Hermann Katzenstein (Alrafter Straße; Hermann Katzenstein starb am 12. Februar 1936 und wurde als letzter im jüdischen Friedhof beigesetzt), der Kolonialwarenladen von Benjamin Katzenstein (Berghöfer Straße), das Gasthaus von Karl Kohlhagen, das Tuchwarengeschäft von Isaak Kohlhagen (Hauptstraße), der Tuch- und Handarbeitsladen von Menko Löwenstein, der Spirituosenhandel von Familie Süßel (Alrafter Straße),  

1933 lebten noch 22 jüdische Personen in Höringhausen (in fünf Familien; 2,5 % von insgesamt 893).
In
den folgenden Jahren sind die meisten der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Letzter Gemeindevorsteher war Menko Löwenstein. 1939 wurden noch vier jüdische Einwohner gezählt.    
    
Von den in Höringhausen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Amalie Adler geb. Hertz (1863), Schafti Adler (1856), Julius Bickhardt (1863), Johanna Cahn geb. Kohlhagen (1877), Pauline Danziger geb. Katzenstein (1880), Johanna Frankenthal geb. Adler (1854), Fanny Katzenstein geb. Bickardt (1868), Siegfried Katzenstein (1886), Henriette Kleeberg geb. Katzenstein (1874), Hedwig Kohlhagen geb. Katzenstein (1901), Siegfried Kratzenstein (1876), Kathinka Lamm (1887), Erna Löwengrund geb. Löwenstern (1893), Sara Löwenstein geb. Bacharach (1863), Paula Mathias geb. Katzenstein (1887), Rosa Neuhof geb. Löwenstern (1891), Alfred Rosengarten (1906).    
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
   
 
Allgemeines     
Beitrag "Die Juden in Waldeck" (erschien 1929) 
Anmerkung: Beitrag zur Geschichte der Juden in Bad Arolsen, Bad Wildungen, Korbach, Landau, Mengeringhausen, Rhoden, Sachsenhausen, Züschen sowie Eimelrod und Höringhausen.     

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 12. April 1929:  "Die Juden in Waldeck. (Zum Ende des ehemaligen Fürstentums). 
Wir entnehmen dem 'Israelitischen Familienblatt' nachstehenden interessanten Artikel: Am 1. April fand in Arolsen die feierliche Vereinigung des Freistaates Waldeck mit Preußen statt. Das kleine Ländchen wird ein Bestandteil der Provinz Hessen-Nassau. Waldeck zählt unter seinen 58.000 Einwohnern etwa 550 Juden. Aus dem Kreise der Waldecker Juden der weiteren Welt bekannt geworden ist der Dichter Heinrich Stieglitz. Seine Werke sind heute vergessen. Seine Frau Charlotte aber entriss seinen Namen der Vergessenheit. Um ihn der Schwermut seines Gemüts, das unter seiner dichterischen Schwäche litt, zu entreißen, und in der Hoffnung, dass ein starker Schmerz heilend und kräftigend auf sein Gemüt einwirken werde, gab sie sich den Freitod. Diese Tat, die das damalige 'Junge Deutschland' aufwählte, wurde von Gutzkow, dem Verfasser des 'Uriel Akosta', behandelt in seinem Roman: 'Walpurg, die Zweiflerin'.   
Die Anzahl der waldeckischen Juden hat sich seit der Freizügigkeit stetig verringert. Sie wanderten aus, da sie anderwärts bessere Verdienstmöglichkeiten hatten und nicht so sehr die Zurücksetzung merkten wie in diesem engen Bezirk, auch durch Bildungsmöglichkeiten entschädigt wurden. Das religiöse Leben war in Waldeck bis auf einige Ausnahmen nie sehr rege. In der Hauptstadt Arolsen konnte es sogar geschehen, dass vor hundert Jahren fast die ganze Gemeinde dem Taufwasser zum Opfer fiel. Die Nachkommen der damaligen Juden gehören heute zu den ersten Familien des Landes. Etwas regeres Leben blüht heute in den beiden Gemeinden Wildungen und Korbach, wo je ein Lehrer amtiert. Arolsen, Mengeringhausen, Rhoden und Sachsenhausen sind kleine Gemeinden, die infolge ihrer geringen Seelenzahl nur mit großer Mühe sabbatlichen Gottesdienst abhalten können. Religionsunterricht wird in diesen Gemeinden nicht erteilt; falsche Sparsamkeit lässt es nicht zu. Dieser Mangel an Verantwortungsgefühl ist wohl auch die Ursache, dass der Korbacher Jakob Wittgenstein bei seinem Tode 1890 sein gesamtes Vermögen von 600.000 Mark seiner Vaterstadt vermachte, aber der Synagogengemeinde nur einige tausend Mark, und ihr nicht einmal den geringsten Einfluss auf die Verwaltung des errichteten Altersheims gestattete. Auch von dieser Familie sind einige Glieder in der Welt, wenn auch getauft, zu Ansehen gelangt. Soll doch der erste Bundespräsident von Österreich, Hainisch, von dieser Familie abstammen. Ferner ist ein Wittgenstein der Begründer der österreichischen Erzindustrie. Ein anderer, namens Paul, war, trotzdem er nur den linken Arm hatte, ein so hervorragender Pianist, dass sogar Richard Strauß für ihn Partituren schrieb. In Sachsenhausen hat ein nach Amerika ausgewanderter Jude Bloch ein Schwesternheim errichtet, aber die jüdische Gemeinde übergangen. Welchen Segen hätten diese beiden Gemeinden mit diesen Legaten für alle Religionen stiften können!  
Die beiden Gemeinden Eimelrod und Höringhausen, die zu dem nunmehrigen preußischen Verwaltungsgebiet Waldeck kommen, gehörten bisher zu Hessen-Nassau. In beiden, besonders in letzterer,       
Arolsen JuedWZKassel 12041929b.jpg (204928 Byte) herrschte stets ein reges religiöses Leben. Beide bedürfen dringend der Hilfe, damit ihre Synagogen nicht ganz zerfallen. Eimelrod hat deshalb vom Landesverband einen sehr reichen Zuschuss erhalten. Weshalb Höringhausen nicht bedacht wurde, fragt sich dort jeder. Vielleicht hat der Landesverband doch noch ein Einsehen und hilft der Gemeinde.    
Über die Geschichte der Juden in Waldeck ist wenig bekannt. Die meisten Nachrichten schlummern noch zerstreut in den Archiven. In früheren Zeiten durften nur in den Orten Züschen und Landau Juden wohnen. Die Hauptstadt besteht erst seit zwei Jahrhunderten. Sie ist die Geburtsstadt des erwähnten Dichters Stieglitz, sowie der berühmten Ärzte Marcus und Stieglitz. Auch die Nachkommen des Marcus gehören heute dem Christentums an. In Korbach muss es schon früh Juden gegeben haben. Darauf weist der Name eines alten Adelsgeschlechts namens 'Judenhertzog'. 1480 erklärte das 'Freigericht unter der Windmühle' zu Korbach einen Juden zu Frankfurt, den Juden dieser Stadt und der Umgebung in die Acht. Sie sollten mit ihm 'weder essen noch trinken, weder mit ihm gehen noch stehen, weder mit ihm sprechen noch singen, nicht mit ihm kaufen noch verkaufen, wuchern oder suchen, keinerlei Verhandlungen mit ihm haben, weder heimlich noch offenbar, auch nicht mit ihm in die Schule, in die Synagoge oder Tempel, überhaupt nicht mit ihm in ein Haus gehen.' Ebenso tat der Freigraf zu Landau alle Juden zu Gelnhausen in die Acht, 'nach rechtem altem Herkommen der kaiserlichen freien heiligen und heimlichen Gerichte', weil sie ungehorsam gewesen wären.  
Auch früher schon waren die Juden mit den Femgerichten in Berührung gekommen. 1738 durften sie nur in Züschen, und etwas später auch in Arolsen wohnen. 1788 war aber der Widerstand gegen die Juden so stark geworden, dass der Fürst den Landständen versprechen musste, einem Juden nicht eher einen neuen Schutzbrief zu geben, bis die Judenschaft im Lande bis auf 20 ausgestorben sei. Auch der Judeneid kommt in dieser Zeit in Waldeck vor. Trotz aller Beschränkungen haben sich die Juden doch in anderen Orten Wohnrecht erhalten. An den Freiheitskriegen nahmen sie teil. Nachdem schon 1804 der Leibzoll aufgehoben war, folgte 1814 das sogenannte Organisationsedikt. In diesem wurden ihnen alle Rechte der übrigen Staatsbürger zugebilligt. Als sie aber in Korbach das Bürgerrecht verlangten, erhob sich seitens der Stadt und der Bürgerschaft ein heftiger Widerstand. Der Fürst Georg Heinrich, ein vorurteilsloser, gerecht denkender Herr, setzte aber ihre Aufnahme zu Bürgern durch. Dieser Fürst gab ihnen auch im Jahre 1834 das Judengesetz, das den etwas merkwürdig anmutenden Titel führt: 'Gesetz über die Gemeinheiten der Juden'. Es gilt auch heute noch, denn es war in Waldeck Regierungsgrundsatz, die Juden unbehelligt zu lassen, wenn auch sie von der Regierung nichts verlangten. Das Gesetz ist aber von Segen gewesen. Der Austritt aus der Gemeinde ist nur mit einem gleichzeitigen Austritt aus der Religion möglich. Sonst muss jeder Waldecker Jude einer Synagogengemeinde angehören. Ein Versuch der jüdischen Gemeinde Korbach, der Regierung die Lasten der Lehrerbesoldung aufzubürden, scheiterte, da die Regierung damals sogar mit militärischer Exekution drohte.  
Es ist daher den beiden Gemeinden nicht zu verdenken, wenn sie auf den Anschluss an Preußen allerlei Hoffnungen setzen und hoffen, dass die Lasten, die sie bisher allein getragen, etwas erleichtert werden. Mögen sie in ihren Hoffnungen nicht enttäuscht werden.  Max Gottlieb."      

   
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1863 / 1864 / 1868 / 1878  

Hoeringhausen Israelit 01041863.jpg (62215 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. April 1863: "Die israelitische Gemeinde dahier sucht einen Religionslehrer, der Gehalt beträgt 250 Gulden fix, freie Wohnung mit einem Garten von 500 Quadratklafter, im Fall der Bewerbende Schochet ist, die Gefälle der Schechita und andere Nebeneinkünfte. Nur nachweislich streng religiöse Bewerber finden Berücksichtigung; nach Befinden später Gehaltserhöhung. Bewerber wollen sich in Franko-Offerten mit Anfügung entsprechender Zeugnisse an uns wenden. 
Höringhausen bei Vöhl, Großherzogtum Hessen. Der israelitische Vorstand: Abraham Bickhardt."
 
  
Hoeringhausen Israelit 13041864.jpg (51180 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. April 1864: "Konkurs. Die Lehrer- und Vorbeterstelle in hiesiger Gemeinde ist noch unbesetzt. Qualifizierte Bewerbe wollen sich unter portofreien Briefen oder persönlich bei dem Unterzeichneten melden. – Der Gehalt ist bis zu 300 Gulden Fixum neben freier Wohnung und Garten erhöht worden. Ist der Lehrer Schochet, so wird ihm ein Nebeneinkommen von ca. 70 Gulden gesichert. 
Höringhausen (bei Vöhl), den 1. April 1864. Der israelitische Vorstand. Abraham Bickhardt."
 
  
Hoeringhausen Israelit 04111868.jpg (55447 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. November 1868: "Die israelitische Gemeinde zu Höringhausen sucht einen Religionslehrer und Vorsänger, welcher nicht allein im hebräischen, sondern auch im Deutschen gründlichen Unterricht erteilen kann. Der fixe Gehalt beträgt 200 Taler Pr. Crt., freie Wohnung mit 500 Quadratklafter Garten; ist derselbe Schochet, so hat er auch hierdurch ein nicht unbedeutendes Einkommen. Bewerber wollen innerhalb 14 Tage a dato ihre Zeugnisse über Befähigung und streng religiösen Lebenswandel einschicken." 
  
Hoeringhausen Israelit 27111878.jpg (78452 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. November 1878: "Die hiesige israelitische Gemeinde sucht einen Religionslehrer und Chasan (= Vorbeter), der zugleich auch den Elementar-Unterricht zu erteilen hat. Der fixe Gehalt beträgt nebst freier Wohnung mit einem Garten versehen von 500 Quadrat-Klafter Größe, vorerst 750-800 Mark; ist derselbe Schochet, bringt auch diese Stelle ziemlich ein. Der Antritt kann bis zum 1. April 1879 geschehen. Bewerber wollen sich mit ihren Zeugnissen an den unterzeichneten Vorstand wenden. – Polen und Russen bleiben unberücksichtigt. 
Höringshausen
(Hessen-Darmstadt), am 24. November 1878. 
Der israelitische Vorstand: Schulhof. Kratzenstein. Katzenstein."
 

   
 Hinweis auf den Lehrer Simon Adler (geb. 1860 in Höringhausen, um 1895 wieder in Höringhausen, doch unklar, ob als Lehrer, gest. 1910)  

Simon Adler war Lehrer und Kantor. Als solcher um 1890 in Antwerpen tätig, danach vorübergehend nach Amerika ausgewandert, doch nach wenigen Jahren mit Frau Emma geb. Dahl und den Kindern, darunter der 1890 geborene Eugène Adler, wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Um 1895 hielt sich Simon Adler in Höringhausen auf, später in Harburg beziehungsweise Hamburg. Seine Frau Emma geb. Dahl starb 1936 in Madrid. 
Quelle: Website des Musikwissenschaftlichen Institutes der Universität Hamburg mit einer Seite zu Eugène Adler     

    
    
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben 
  
Marcus Lazarus finanziert den Bau einer neuen Mikwe (1870)  

Hoeringhausen Israelit 30111870.jpg (29182 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. November 1870: "Höringhausen, 6. November 1870. Herr Marcus Lazarus von hier hat auf eigene Kosten ein neues Mikwa (rituelles Bad) erbauten lassen und solches gestern (am Schabbat) Paraschat Lech Lecha (Schabbat mit der Toralesung Lech Lecha = 1. Mose 12,1 - 17,27, das war Schabbat, 5. November 1870) der hiesigen Gemeinde zum Geschenk überwiesen. Er hat sich durch diese Schenkung den Dank der ganzen Gemeinde erworben."

  
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
             
Suche nach Lehrer Kolhagen aus Höringhausen, früher Lehrer in Rhoden (1864)      

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. November 1864: "Der Lehrer Kolhagen aus Höringhausen im Darmstädtischen, dermalen Lehrer in Rhoden im Fürstentum Waldeck, dessen jetziger Aufenthaltsort mir unbekannt ist, wird hiermit auf diesem Wege aufgefordert, seinen Verpflichtungen gegen mich nachzukommen. Sollte derselbe dieser Aufforderung keine Folge leisten, dann werde ich seine Briefe veröffentlichen. 
Brilon in Westfalen. A. Friedländer."          

 
Goldene Hochzeit von Jacob und Sara Löwenstein (1896)  

Hoeringhausen Israelit 16111896.jpg (62835 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. November 1896: "Höringhausen, 15. November (1896). Am neunten dieses Monats feierten das Ehepaar Jacob und Sara Löwenstern, im Alter von 77 beziehungsweise 67 Jahren, ihre 'Goldene Hochzeit' in vollständiger Körper- und Geistesfrische. Die Feier, welche im engsten Familienkreise vor sich ging, gestaltete sich zu einer sehr schönen. Herr Lehrer Probe hielt eine ergreifende Rede, welche sowohl von dem Jubelpaare, als auch von den anwesenden Gästen sich des größten Beifalls zu erfreuen hatte. Außerdem haben Seine Majestät Kaiser Wilhelm geruht, dem Jubelpaare eine Ehejubiläums-Medaille zu verleihen, welche von Seiten des Herrn Pfarrers und des Herrn Bürgermeisters übermittelt wurde."  

   
Goldene Hochzeit von Abraham Bickhardt und Esther geb. Lion (1903)  

Hoeringhausen FrfIsrFambl 18121903.jpg (81806 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 18. Dezember 1903: "Höringhausen. Am 28. Dezember werden mit Gottes Hilfe, Herr Abraham Bickhardt und Frau Esther geb. Lion das Fest ihrer goldenen Hochzeit feiern. Der Jubiläumsbräutigam ist 78 und die Jubelbraut 74 Jahre, und erfreuen sich beide noch einer vollen Rüstigkeit. Die gesamte Gemeinde nimmt regen Anteil an der Feier, denn Herr Bickhardt hat sich durch seine aufrichtige Religiosität und seine unermüdliche Schaffensfreude, die Achtung und die Liebe seiner Mitbürger erworben. Gott hat dieses echt jüdische Ehepaar mit Kindern gesegnet, die treu in seinen Bahnen wandeln und im leben eine angesehene, geachtete Stellung einnehmen; mögen Herr und Frau Bickhardt noch weiter den S’chus (Verdienst) ihres Tun genießen und in Gesundheit die diamantene Hochzeit erleben!"
  
Hoeringhausen Israelit 14011904.JPG (162876 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Januar 1904: "Höringhausen (Bezirk Kassel), 3. Januar (verspätet). Am 28. Dezember fand hier die goldene Hochzeit des weithin bekannten Abraham Bickhardt’schen Ehepaares unter großen Festlichkeiten statt. Um 10 Uhr überreichte der Ortsvorstand im Namen Seiner Majestät die Ehejubiläumsmedaille, worauf Herr Abraham Bickhardt eine Summe Geldes den Ortsarmen spendete. Nachdem nun die Gemeindemitglieder ihre Glückwünsche dargebracht hatten, las der jüngste Sohn des verehrten Jubelpaares, der in Gemeinschaft mit einem älteren Bruder ein Engrosgeschäft in Frankfurt am Main besitzt, eine Unmenge Depeschen vor. Bei Beginn des nun folgenden Essens hielt Herr Abraham Bickhardt eine kurze Ansprache, in welcher er anknüpfend an die von Seiner Majestät verliehene Medaille über die Münze Abraham’s sprach. Nun erhob sich Herr Dr. Munk und feierte in glänzender Weise das Jubelpaar. Redner bemerkte, dass die Worte des Jubilars (hebräisch und deutsch:) ‚Worte sind, die wirklich aus dem innersten Herzen kamen und ihre Wirkung auf die Herzen der Zuhörer nicht verfehlt hätten’. Dann führte Herr Dr. Munk aus, dass der Jubilar bekannt sei als ‚Feststehender in der Tora und in der (Gottes)furcht’ und seine Kinder in diesem Sinne auch erzogen habe, dass diese alle ohne Ausnahme echte Kinder Abrahams sind. Am Schlusse seiner Rede erteilte Herr Dr. Munk dem Jubilar A. Bickhardt die Chower, eine Auszeichnung, die Herr Dr. Munk während 27 Jahren nur zweimal verliehen hat. Gerührt von dieser Auszeichnung dankte Herr Emil Bickhardt aus Straßburg im Namen des Vaters. Hierauf feierte der Lehrer des hiesigen Ortes Herrn A. Bickhardt als Gemeindemitglied, als Freund des Friedens, der Armen, der bereit sei, nicht nur die Armen des engeren Heimatlandes mit seinen Mitteln zu unterstützen, sondern sich an jeder Sammlung der Glaubensgenossen im Osten beteilige. Wir schließen unseren Bericht, indem wir dem verehrten Paare auch weiterhin einen vergnügten Lebensabend wünschen. M.K."

  
Herr Lazarus spendet für das Waisenhaus Eschwege (1907)  

Hoeringhausen Israelit 29081907.jpg (18715 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. August 1907: "Eschwege, 23. August (1907). Der am vorigen Monat in Höringhausen zu Grabe getragene Herr Lazarus hat dem hiesigen israelitischen Waisenhaus 20.000 Mark letztwillig vermacht."

    
Goldene Hochzeit von Elias Bickhardt und seiner Frau (1909)  

Hoeringhausen Israelit 25111909.jpg (24717 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. November 1909: "Höringhausen (Kreis Frankenau), 15. November. Die Eheleute Elias Bickhardt dahier feiern am 23. dieses Monats das Fest ihrer goldenen Hochzeit. Es ist dies in dieser kleinen Gemeinde das 6. derartige seltene Familienfest in einem Zeitraum von 10 Jahren."

   
Zum Tod von Abraham Bickhardt, 60 Jahre Vorsteher der jüdischen Gemeinde (1912)  

Hoeringhausen FrfIsrFambl 02021912.jpg (179902 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 2. Februar 1912: "Frankenau. Abermals ist ein Mann dahingegangen, den man seinem hohen inneren Werte nach zu den Gedaulei Jisroel (den Großen Israels) rechnen durfte; einer der immer seltener werdenden Menschen, die Jehudim nicht allein dem Worte, sondern ihrem Tun nach sind. Abraham Bickhardt aus Höringhausen ist im 87. Jahre verschieden; nach ganz kurzen Leiden hatte er die Sechio, am Eingang des heiligen Schabbes schmerzlos hinüberzuschlummern. 
Wer den Verstorbenen gekannt hatte, konnte sich wohl schwerlich dem Zauber dieser fesselnden, nur selbstlose Güte ausstrahlenden Persönlichkeit entziehen. Imponierend in seinem Äußeren wie in seinen geistigen und moralischen Eigenschaften, zwang  er Juden wie Nichtjuden durch seine unbestechliche Ehrlichkeit und tadellose Lebensführung rückhaltslose Bewunderung ab. Und welch’ ein Helfer, ja oft welch’ ein Retter in der Not war er seinen Glaubensbrüdern; wie schwand bei ihm jedes kleinliche Bedenken, wenn es galt, einem Mitbruder Gutes zu erweisen! Wie manchem hat er in der Stille geholfen, ohne dass jemals ein Mitglied seiner eigenen Familie durch ihn etwas davon erfuhr! 
Über 60 Jahre stand er an der Spitze der jüdischen Gemeinde. Auch in der politischen Gemeinde hatte er viele Jahre Ehrenämter inne, und seinem Wirken ist es wohl am meisten zu verdanken, dass der jüdischen Gemeinde Höringhausen der Stempel wahrer Orthodoxie aufgedrückt ist. Täglich hatte er, auch als er noch mitten im Berufe stand, einige Stunden Zeit zum Lernen gefunden, später, als er privatisierte, gab er sich fast vollständig dem Torastudium hin. Er hat es als schönste Lebensaufgabe betrachtet, seine Kinder, of mit Aufbietung großer pekuniärer Opfer, als streng fromme Juden zu erziehen und hat mit dem Bewusststein, dieses Ziel erreicht zu haben, ruhigen und reinen Gemütes seinem Ende entgegengesehen. Als er vor über 8 Jahren mit seiner treuen Lebensgefährtin das Fest der goldenen Hochzeit beging, wurde ihm von seiner Ehrwürden Rabbiner Dr. Munk – Marburg die Chower verliehen, und wahrlich, keiner hat diese Auszeichnung mehr verdient als er. 
Herr Dr. Munk schilderte auch als Freund im Trauerhause in beredten Worten die vielen Vorzüge des Verblichenen; er verglich ihn mit unserem Stammvater Abraham, indem er, wie dieser die Gastfreundschaft, besonders die gegen Arme, als edelste Pflicht erfasst hatte und glücklich war, Hungrige an seinem Tische speisen zu können. Wie am Halse unseres Stammvaters Abraham ein Edelstein leuchtete, so führte der Redner in bewegten Worten aus, hätte auch am Halse des Verstorbenen
ein Edelstein geglänzt, denn jeder, der ihm nur einmal in das freundliche Auge geblickt hatte, glaubte, die Schechinoh darin widergespiegelt zu sehen. 
Der Lehrer der jüdischen Gemeinde Frauenau, wohin er erst infolge eines Leidens vor einigen Wochen zu einer seiner Töchter verzogen war, schilderte ebenfalls in warmen Worten die trefflichen Eigenschaften des Dahingegangenen, nicht minder tat dies der Lehrer aus Höringhausen, der mit seiner Gemeinde vollzählig an der Bahre erschienen war. Er gedachte schmerzlich der Lücke, die dieser Tod gerissen und sprach im Namen der Gemeinde den Dank aus für alle Gute, was Abraham Bickhardt ihr erwiesen."

   
Zum Tod von Esther Bíckhardt geb. Lion (1921)  

Frankenau FrfIsrFambl 15091921.jpg (91909 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 15. September 1921: "Frankenau (Hessen). Eine Frau ist dahingegangen, deren Wirken hienieden weit über den Rahmen des Alltäglichen ragte: Esther Bickhardt geb. Lion segnete im 93. Lebensjahre das Zeitliche. Über 58 Jahre verband sie eine harmonische Ehe mit dem vor 9 Jahren heimgegangenen Gatten, dem in allen Kreisen hochgeachteten Abraham Bickhardt seligen Andenkens aus Höringhausen.  
Durch den Tod dieser Frau hat nicht nur die Familie, sondern auch die Gemeinden Höringhausen und Frankenau ein schwerer Schlag getroffen. Aus einem frommen Hause stammend, als Tochter einer weit und breit ob ihrer Frömmigkeit und edlen jüdischen Tugenden verehrten Mutter, wandelte sie in gleichen Bahnen.   
Ihr Sinnen und Trachten ging dahin, ihrem Garten eine Esches kenegdau (sc. verschrieben für Eser kenegdau wie im nachfolgenden Abschnitt) und ihren Kindern ein Vorbild jüdischer Lebensart zu sein. In ihrem Hause waltete und lebte jüdischer Geist, und in diesem Sinne suchte sie ihre große Kinderschar, von der noch 8 ihren Verlust aufs tiefste bedauern, zu erziehen. Wohltätigkeit zu üben und verschämten Armen in diskreter Weise beizustehen, betrachtete sie neben der Ausübung von Gastfreundschaft als ihre heiligste Aufgabe."        
  
Frankenau Israelit 15091921.jpg (118461 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. September 1921: "Frankenau (Hessen), 7. September (1921). Frau Esther Bickhardt geb. Lion segnete im 93. Lebensjahre das Zeitliche. Über 58 Jahre verband sie eine harmonische Ehe mit dem vor 9 1/2 Jahren heimgegangenen Gatten, dem in allen Kreisen hochgeachteten Abraham Bickhardt seligen Andenkens aus Höringhausen. Durch den Tod dieser echtjüdischen Frau hat nicht nur ihre Familie, sondern auch die Gemeinden Höringhausen und Frankenau ein schwerer Schlag getroffen. Aus einem frommen Hause stammend, als Tochter einer weit und breit ob ihrer Frömmigkeit und edlen jüdischen Tugenden verehrten Mutter, wandelte sie in gleichen Bahnen. Ihr Sinnen und Trachten ging dahin, ihrem Gatten eine Eser kenegdau (1. Mose 2,18: 'Hilfe, wie sie ihm zustehtHilfe, wie sie ihm zusteht') und ihren Kindern ein Vorbild jüdischer Lebensart zu sein. In ihrem Hause waltete und lebte jüdischer Geist und in diesem Sinne suchte sie ihre große Kinderschar, von der noch acht ihren Verlust aufs Tiefste betrauern, zu erziehen. Wohltätigkeit zu üben und verschämten Armen in diskreter Weise beizustehen, betrachtete die Heimgegangene neben der Ausübung von Gastfreundschaft, als ihre heiligste Aufgabe. Trotzdem die Lewajoh (Beerdigung) Freitag Nachmittag stattfand, ließ es sich eine stattliche Zahl von Verwandten und Freunden nicht nehmen, dieser herrlichen Frau das letzte Geleit zu geben. Möge ihr Sechus (Verdienst) den Kindern, Enkeln und Urenkeln beistehen. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."           
 
Frankenau Israelit 06101921.jpg (21726 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Oktober 1921: "Kassel, 19. September (1921). In Frankenau starb in hohem Alter von 83 Jahren, Frau Esther Bickhardt geb. Lion, die zeitlebens sich durch ihren Wohltätigkeitssinn ausgezeichnet hatte. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."        

   
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Verlobungsanzeige von Recha Adler und Bernhard Kugelmann (1922)  

Hoeringhausen Israelit 02031922.jpg (32126 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. März 1922: "Recha Adler - Bernhard Kugelmann. Verlobte. Höringhausen Kreis Frankenberg - Berlin Wilmersdorf - Badenschestraße 17. Rosch Chodesch Adar - 1. März 1922."   

    
Verlobungsanzeige von Lucie Adler und Abram Manuskowski (1928)

Hoeringhausen Israelit 04041928.jpg (26361 Byte)Anzeige in der Zeitung "Der Israelit" vom 4. April 1928: "Lucie Adler – Abram Manuskowski – Verlobte. 
Höringhausen
(Bezirk Kassel) – Den Haag (Holland). 
Den Haag – Wagenstraat 92 – 
7. April 1928 / 17. Nissan 5688."
 

    
    
    
Zur Geschichte der Synagoge            
    
Zunächst war vermutlich ein Betraum in einem der jüdischen Häuser vorhanden. Eine erste Synagoge wurde 1792 erbaut. Sie stand an der Ecke Hauptstraße 23/ Alrafter Straße Straße. Synagogenordnungen wurden 1828 und 1843 erlassen. 1841 wurde durch den Großherzoglichen Kreisrat festgestellt, dass das Gebäude baufällig und nicht mehr zu reparieren war. Seit 1847 sammelten die jüdischen Familien Geld für den Neubau einer Synagoge und nahmen Kollekten in den Provinzen Oberhessen und Starkenburg vor. 1851 musste die Synagoge auf Anweisung der Behörden geschlossen werden. Eine Interimslösung wurde im Wohnhaus des Simon Freudenstein eingerichtet. 1852 wurde dieses Wohnhaus abgebrochen und auf dem Grundstück dieses Hauses 1854 eine neue Synagoge erbaut. Es handelte sich um ein jüdisches Gemeindezentrum mit Synagoge, Schule und Lehrerwohnung. 
 
Bei der Synagoge handelte es sich um einen aus rotem, behauenem Sandstein erstellten Massivbau mit einem Satteldach entlang des Straßenzuges. Fenster und Türen hatten charakteristische Rundbögen. Am Ostgiebel zeigte ein kleiner vorgebauter Erker von außen den Standort des Toraschreines. Zur Straße hin gab es eine Einfriedung durch einen Staketenzaun. Die Einweihung der Synagoge wurde durch den Großherzoglichen Rabbiner Dr. Benedict Samuel Levi aus Gießen vorgenommen. 
  
In den 1920er-Jahren befand sich die Synagoge in einem baulich schlechten Zustand (siehe Bericht oben unter "Allgemeines"). Ob sie noch einmal renoviert werden konnte, ist nicht bekannt.   
  
Auf Grund der nach 1933 stark zurückgegangenen Zahl der Gemeindeglieder konnten keine regelmäßigen Gottesdienste mehr abgehalten werden. Das Synagogengebäude wurde 1937 an die Raiffeisenbank verkauft. Dadurch entging es der Zerstörung beim Novemberpogrom 1938. Die rituellen Gegenstände wurden nach Kassel verbracht. Sie wurden beim Novemberpogrom 1938 zerstört. 
 
Nach 1945 wurde das Gebäude für die Unterbringung von Flüchtlingsfamilien verwendet. Danach war das Gebäude ein Lager der Raiffeisenbank. Bis Ende des 1950er-Jahre blieb es im Wesentlichen baulich unverändert. Erst dann wurde die ehemalige Synagoge durch die Raiffeisenbank baulich stark verändert und äußerlich als ehemaliges Gotteshaus unkenntlich gemacht (Veränderung der Fenster und Türöffnungen, Verkürzung des Gebäudes um ein Drittel, um eine freie Hofeinfahrt zu bekommen). Derzeit (2008) ist im Gebäude eine Zweigstelle der Waldecker Bank, Korbach.   
 
Anfang August 1989 kam mit dem Abbruch des bis dahin noch erhaltenen Gebäudeteiles das Ende der ehemaligen Synagoge. Die Raiffeisenbank Freienhagen-Höringhausen ließ auf dem Grundstück einen Neubau erstellen. Eine Gedenktafel mit dem folgenden Text wurde angebracht: "Gedenktafel der 'Synagoge' Höringhausen. Bis zu seiner Veräußerung an die Raiffeisenkasse Höringhausen im Jahre 1937 diente das im Jahre 1854 erbaute Gebäude der jüdischen Gemeinde als Synagoge und Schule"
.   
   
   
Adresse/Standort der Synagoge  neue Synagoge von 1854: Hauptstraße 15; die alte Synagoge befand sich an der Ecke Hauptstraße 23 / Ecke Alrafter Straße. 
   
   
Fotos
(Quelle: Altaras s.Lit. 1988 S. 67; neuere Fotos und Plan von Günter Lorenz, Twistetal Ober-Waroldern, Webmaster von www.ober-waroldern.de, Aufnahmen vom Herbst 2008)   

Plan von Höringhausen mit 
Eintragung der alten und neuen Synagoge
Hoeringhausen Plan 01.jpg (195031 Byte)  
     
     
Rekonstruktion (neue Synagoge) 
und Situation 1985  
Hoeringhausen Synagoge 151.jpg (59072 Byte) Hoeringhausen Synagoge 150.jpg (61592 Byte)
  Rekonstruktion der Synagoge (mit dickem
 Strich eingetragen: die Situation bis 1988) 
 
          
Neubebauung des Synagogengrundstückes seit 1989      
Hoeringhausen Synagoge 170.jpg (56918 Byte) Hoeringhausen Synagoge 171.jpg (66102 Byte) Hoeringhausen Synagoge 173.jpg (95417 Byte)
Das 1989 erstellte Gebäude nach Abbruch der ehemaligen Synagoge  
     
  Hoeringhausen Synagoge 172.jpg (91822 Byte)  
  Gedenktafel   
     
Das Denkmal für die 
Gefallenen des Ersten Weltkrieges 
(Fotos: Hahn, Aufnahmen vom 31.3.2016)  
Hoeringhausen Denkmal IMG_8402.jpg (172697 Byte) Hoeringhausen Denkmal IMG_8401.jpg (120592 Byte)
  Das Gefallenendenkmal (Vorderseite)   Rückseite 
     
Hoeringhausen Denkmal IMG_8404.jpg (234597 Byte) Hoeringhausen Denkmal IMG_8400.jpg (224320 Byte) Hoeringhausen Denkmal IMG_8405.jpg (212907 Byte)
Name von Moritz Adler (gef. 25.9.1916)    Name von Isaak Adler (gefallen 23.2.1918)   

     
      

Links und Literatur

Links:  

Website der Stadt Waldeck  
Wikipedia-Artikel "Jüdische Gemeinde Höringhausen"    
Internetpräsens von Höringhausen   
Seiten des Förderkreises "Synagoge in Voehl", insbesondere:  
"Juden in Höringhausen" - Vortrag von Anneliese Laartz   
"Verzeichnis der Höringhäuser Juden" von Karl-Heinz Stadtler (insgesamt fast 700 Namen!)  
Seite zum jüdischen Friedhof in Höringhausen (interner Link)   
Website http://www.juden-in-nordhessen.co.de: unter " Genealogien jüdischer Familien in Nordhessen" finden sich hier Stammbäume der Familien Idler und Löwenstern in Höringhausen       
Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Höringhausen   

Quellen:   

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Höringhausen 
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Höringhausen sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,460  Geburts- Trau- und Sterberegister der Juden von Höringhausen  1822 - 1837: enthält Geburtsregister  1823 - 1837, Trauregister 1823 - 1835, Sterberegister 1822 - 1837  
 https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v289942       
HHStAW 365,461  Geburtsregister der Juden von Höringhausen  1838 - 1861   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v3553161       
HHStAW 365,463  Trauregister der Juden von Höringhausen  1838 - 1872     https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1245109            
HHStAW 365,464  Sterberegister der Juden von Höringhausen  1838 - 1874  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2573925      
HHStAW 365,462  Geburtsregister der Juden von Höringhausen  1859 - 1874   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2573925        

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 378-379. 
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 67-68. 
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 66. 
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 222.  
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 454.  
Anneliese Laartz: Juden in Höringhausen. Vortragsmanuskript. Online zugänglich.  

   
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Hoeringhausen (now part of Waldeck) Hesse-Nassau.  Numbering 17 families in 1779, the community rebuilt its synagogue in 1854 and grew to 110 (14 % of the total in 1871). Affiliated with the rabbinate of Marburg, it dwindled to 22 in 1933. Most Jews had left by 1939; the four who remained were sent to death camps in 1942. 
    
     

                   
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Stand: 11. Mai 2016