Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Sachsenhausen (Stadt Waldeck, Kreis Waldeck-Frankenberg)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Allgemeines 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde           
    
In Sachsenhausen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. Nach 1770 waren drei jüdische Familien am Ort. Präzise Zahlen jüdischer Einwohner liegen zu Sachsenhausen nicht vor. Zwischen 1771 und der NS-Zeit finden sich 24 verschiedene Namen von Familien in der Stadt. Die Familien Bloch, Hirsch, Jacob und Liebmann lebten über mehrere Generationen in Sachsenhausen.    
   
1802 gab es vier jüdische Familien in Sachsenhausen, 1874 waren es 16 jüdische Familien. Die jüdischen Familien lebten vom Handel mit Vieh, Fellen, Getreide, Töpfer- und Bäckereiwaren. Es gab auch mehrere jüdische Handwerker (Metzger, Seiler, Schlachter, Färber, Blechschmied, Kalkbrenner, Schuhmacher). In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden von jüdischen Gewerbetreibenden / Kaufleuten mehrere Handlungen und Läden am Ort eröffnet.    
  
Zur jüdischen Gemeinde gehörten auch die in Waldeck lebenden jüdischen Personen (um 1905: 10 Personen), dazu auch die wenigen in Netze, Nieder-Werbe und Meineringhausen lebenden jüdischen Personen. 
    
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Religionsschule), ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibung der Stelle unten). Unter den Lehrern ist aus den 1830er-Jahren ein Lehrer Hellborn bekannt, der sich wegen seiner vorbildlichen erzieherischen Tätigkeit Verdienste erworben hatte.   
   
Im Ersten Weltkrieg ist aus der Gemeinde gefallen: Julius Weiler (geb. 8.10.1885 in Sachsenhausen, vor 1914 in Korbach wohnhaft, gef. 17.7.1915).  
   
Um 1924 gehörten zur Gemeinde noch 45 Personen (Angabe nach dem Handbuch der jüdischen Gemeindeverwaltung und Wohlfahrtspflege 1924). Im "Führer" von 1932 gibt es keine Angaben zu Sachsenhausen. 
    
Die jüdischen Familien waren im Leben der Stadt weitestgehend integriert. Etliche jüdische Einwohner gehörten den örtlichen Vereinen an. Eine in die USA ausgewanderte Familie stellte im Jahr 1906 der Stadt Sachsenhausen ein Haus als Stiftung zur Verfügung mit dem Zweck, dort eine Kleinkinderschule einzurichten ("Bloch'sche Stiftung"). Die jüdischen Gewerbebetriebe schafften auch für viele nichtjüdische Einwohnern der Stadt Arbeitsplätze. Sehr beliebt war der praktische Arzt Max Liebmann, der bereits 1932 in die USA emigrierte.         
    
In den Jahren nach 1933 - damals gab es noch neun jüdische Familien in Sachsenhausen - ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert (aus Sachsenhausen drei in die USA, fünf nach Argentinien, drei nach Palästina. Beim "reichsweiten Boykott" am 1. April 1933 richteten sich gewaltsame Aktionen u.a. gegen die Gaststätte Loeb in Netze, die von etwa 20 bis 30 Nationalsozialisten gestürmt wurden. Der Wirt und die anwesenden Gäste wurden verprügelt und teilweise schwer verlässt. Die zu Hilfe gerufene Polizei weigerte sich, am Tatort zu erscheinen. Beim Novemberpogrom 1938 wurden jüdische Männer verhaftet, mindestens einer wurde in das KZ Buchenwald verschleppt. Die letzten jüdischen Einwohner wurden aus Sachsenhausen in die Vernichtungslager deportiert. Am Ort überlebte der völlig mittellose und auf die Hilfe und den Schutz von Mitbürgern angewiesene Moritz Mildenberg (gestorben Januar 1945).    
    
Von den in Sachsenhausen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Ilse Bloch (1894), Kurt Bloch (1904), Lina Bloch geb. Kleinstrass (1881), Lina Bloch (1901), Martha (Marta) Bloch (1897), Siegmund Süssel Bloch (1861), Betti Blumenthal (1928), Elfriede Blumenthal (1930), Meta Blumenthal geb. Weiler (1890), Emma Hirsch (), Werner Jacob (1908). 
Anmerkung: die Recherche ist in den angegebenen Listen sehr schwierig, da es noch andere Orte "Sachsenhausen" mit jüdischen Einwohnern gegeben hat und in den Listen nicht ausreichend differenziert wird. 
  
Anmerkung: die Recherche ist in den angegebenen Listen sehr schwierig, da es noch andere Orte "Sachsenhausen" mit jüdischen Einwohnern gegeben hat und in den Listen nicht ausreichend differenziert wird. 
  
Aus Netze sind umgekommen: Georg Loeb (1882) und Gustav Loeb (1882).   
Aus Waldeck sind umgekommen: Erna Lapidas geb. Loewenstein (1884), Salomon Levi (1868).       
       
       
       
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
     
   
Allgemeines     
Beitrag "Die Juden in Waldeck" (erschien 1929) 
Anmerkung: Beitrag zur Geschichte der Juden in Bad Arolsen, Bad Wildungen, Korbach, Landau, Mengeringhausen, Rhoden, Sachsenhausen, Züschen sowie Eimelrod und Höringhausen.     

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 12. April 1929:  "Die Juden in Waldeck. (Zum Ende des ehemaligen Fürstentums). 
Wir entnehmen dem 'Israelitischen Familienblatt' nachstehenden interessanten Artikel: Am 1. April fand in Arolsen die feierliche Vereinigung des Freistaates Waldeck mit Preußen statt. Das kleine Ländchen wird ein Bestandteil der Provinz Hessen-Nassau. Waldeck zählt unter seinen 58.000 Einwohnern etwa 550 Juden. Aus dem Kreise der Waldecker Juden der weiteren Welt bekannt geworden ist der Dichter Heinrich Stieglitz. Seine Werke sind heute vergessen. Seine Frau Charlotte aber entriss seinen Namen der Vergessenheit. Um ihn der Schwermut seines Gemüts, das unter seiner dichterischen Schwäche litt, zu entreißen, und in der Hoffnung, dass ein starker Schmerz heilend und kräftigend auf sein Gemüt einwirken werde, gab sie sich den Freitod. Diese Tat, die das damalige 'Junge Deutschland' aufwählte, wurde von Gutzkow, dem Verfasser des 'Uriel Akosta', behandelt in seinem Roman: 'Walpurg, die Zweiflerin'.   
Die Anzahl der waldeckischen Juden hat sich seit der Freizügigkeit stetig verringert. Sie wanderten aus, da sie anderwärts bessere Verdienstmöglichkeiten hatten und nicht so sehr die Zurücksetzung merkten wie in diesem engen Bezirk, auch durch Bildungsmöglichkeiten entschädigt wurden. Das religiöse Leben war in Waldeck bis auf einige Ausnahmen nie sehr rege. In der Hauptstadt Arolsen konnte es sogar geschehen, dass vor hundert Jahren fast die ganze Gemeinde dem Taufwasser zum Opfer fiel. Die Nachkommen der damaligen Juden gehören heute zu den ersten Familien des Landes. Etwas regeres Leben blüht heute in den beiden Gemeinden Wildungen und Korbach, wo je ein Lehrer amtiert. Arolsen, Mengeringhausen, Rhoden und Sachsenhausen sind kleine Gemeinden, die infolge ihrer geringen Seelenzahl nur mit großer Mühe sabbatlichen Gottesdienst abhalten können. Religionsunterricht wird in diesen Gemeinden nicht erteilt; falsche Sparsamkeit lässt es nicht zu. Dieser Mangel an Verantwortungsgefühl ist wohl auch die Ursache, dass der Korbacher Jakob Wittgenstein bei seinem Tode 1890 sein gesamtes Vermögen von 600.000 Mark seiner Vaterstadt vermachte, aber der Synagogengemeinde nur einige tausend Mark, und ihr nicht einmal den geringsten Einfluss auf die Verwaltung des errichteten Altersheims gestattete. Auch von dieser Familie sind einige Glieder in der Welt, wenn auch getauft, zu Ansehen gelangt. Soll doch der erste Bundespräsident von Österreich, Hainisch, von dieser Familie abstammen. Ferner ist ein Wittgenstein der Begründer der österreichischen Erzindustrie. Ein anderer, namens Paul, war, trotzdem er nur den linken Arm hatte, ein so hervorragender Pianist, dass sogar Richard Strauß für ihn Partituren schrieb. In Sachsenhausen hat ein nach Amerika ausgewanderter Jude Bloch ein Schwesternheim errichtet, aber die jüdische Gemeinde übergangen. Welchen Segen hätten diese beiden Gemeinden mit diesen Legaten für alle Religionen stiften können!  
Die beiden Gemeinden Eimelrod und Höringhausen, die zu dem nunmehrigen preußischen Verwaltungsgebiet Waldeck kommen, gehörten bisher zu Hessen-Nassau. In beiden, besonders in letzterer,       
Arolsen JuedWZKassel 12041929b.jpg (204928 Byte) herrschte stets ein reges religiöses Leben. Beide bedürfen dringend der Hilfe, damit ihre Synagogen nicht ganz zerfallen. Eimelrod hat deshalb vom Landesverband einen sehr reichen Zuschuss erhalten. Weshalb Höringhausen nicht bedacht wurde, fragt sich dort jeder. Vielleicht hat der Landesverband doch noch ein Einsehen und hilft der Gemeinde.    
Über die Geschichte der Juden in Waldeck ist wenig bekannt. Die meisten Nachrichten schlummern noch zerstreut in den Archiven. In früheren Zeiten durften nur in den Orten Züschen und Landau Juden wohnen. Die Hauptstadt besteht erst seit zwei Jahrhunderten. Sie ist die Geburtsstadt des erwähnten Dichters Stieglitz, sowie der berühmten Ärzte Marcus und Stieglitz. Auch die Nachkommen des Marcus gehören heute dem Christentums an. In Korbach muss es schon früh Juden gegeben haben. Darauf weist der Name eines alten Adelsgeschlechts namens 'Judenhertzog'. 1480 erklärte das 'Freigericht unter der Windmühle' zu Korbach einen Juden zu Frankfurt, den Juden dieser Stadt und der Umgebung in die Acht. Sie sollten mit ihm 'weder essen noch trinken, weder mit ihm gehen noch stehen, weder mit ihm sprechen noch singen, nicht mit ihm kaufen noch verkaufen, wuchern oder suchen, keinerlei Verhandlungen mit ihm haben, weder heimlich noch offenbar, auch nicht mit ihm in die Schule, in die Synagoge oder Tempel, überhaupt nicht mit ihm in ein Haus gehen.' Ebenso tat der Freigraf zu Landau alle Juden zu Gelnhausen in die Acht, 'nach rechtem altem Herkommen der kaiserlichen freien heiligen und heimlichen Gerichte', weil sie ungehorsam gewesen wären.  
Auch früher schon waren die Juden mit den Femgerichten in Berührung gekommen. 1738 durften sie nur in Züschen, und etwas später auch in Arolsen wohnen. 1788 war aber der Widerstand gegen die Juden so stark geworden, dass der Fürst den Landständen versprechen musste, einem Juden nicht eher einen neuen Schutzbrief zu geben, bis die Judenschaft im Lande bis auf 20 ausgestorben sei. Auch der Judeneid kommt in dieser Zeit in Waldeck vor. Trotz aller Beschränkungen haben sich die Juden doch in anderen Orten Wohnrecht erhalten. An den Freiheitskriegen nahmen sie teil. Nachdem schon 1804 der Leibzoll aufgehoben war, folgte 1814 das sogenannte Organisationsedikt. In diesem wurden ihnen alle Rechte der übrigen Staatsbürger zugebilligt. Als sie aber in Korbach das Bürgerrecht verlangten, erhob sich seitens der Stadt und der Bürgerschaft ein heftiger Widerstand. Der Fürst Georg Heinrich, ein vorurteilsloser, gerecht denkender Herr, setzte aber ihre Aufnahme zu Bürgern durch. Dieser Fürst gab ihnen auch im Jahre 1834 das Judengesetz, das den etwas merkwürdig anmutenden Titel führt: 'Gesetz über die Gemeinheiten der Juden'. Es gilt auch heute noch, denn es war in Waldeck Regierungsgrundsatz, die Juden unbehelligt zu lassen, wenn auch sie von der Regierung nichts verlangten. Das Gesetz ist aber von Segen gewesen. Der Austritt aus der Gemeinde ist nur mit einem gleichzeitigen Austritt aus der Religion möglich. Sonst muss jeder Waldecker Jude einer Synagogengemeinde angehören. Ein Versuch der jüdischen Gemeinde Korbach, der Regierung die Lasten der Lehrerbesoldung aufzubürden, scheiterte, da die Regierung damals sogar mit militärischer Exekution drohte.  
Es ist daher den beiden Gemeinden nicht zu verdenken, wenn sie auf den Anschluss an Preußen allerlei Hoffnungen setzen und hoffen, dass die Lasten, die sie bisher allein getragen, etwas erleichtert werden. Mögen sie in ihren Hoffnungen nicht enttäuscht werden.  Max Gottlieb."      

  
  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1858 / 1872    

Sachsenhausen Jeschurun Maerz1858.jpg (54401 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Jeschurun" vom März 1858: "Die Gemeinde Sachsenhausen, im Fürstentum Waldeck bei Arolsen, sucht zum 1. Mai dieses Jahres einen tüchtigen Lehrer, Vorsänger und Schächter gegen einen fixen Gehalt von 130 bis 149 Thaler und übliche Nebenakzidenzien. Reflektierende, die sich über ihre Fähigkeiten und insbesondere über ihren echt-religiösen Charakter ausweisen können, wollen sich baldigst in frankierten Briefen wenden an Levi Bloch, Vorsteher I."    
 
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. Januar 1872: "Die Gemeinde Sachsenhausen im Fürstentum Waldeck sucht auf den 8. Mai dieses Jahres einen israelitischen Lehrer. Er muss die Qualifikation eines Religions-Lehrers, Vorbeters und Schächters haben. Gehalt 150 Thaler, zahlbar in vierteljährlichen Raten, nebst Neben-Akzidenzien von nicht unerheblichem Betrage. Reflektanten haben sich mit ihren Zeugnissen an den Unterzeichneten zu wenden. 
Der Vorsteher: Levi Bloch."       

  
  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Bernhard Löwenstern (Bericher Mühle) sucht einen Elementarlehrer für seine Kinder (1870)
  
Anmerkung: Es handelt sich um den Handelsmann Bernhard Löwenstern I (geb. 13. März 1827 in Meineringhausen, gest. 15. Mai 1910 in Korbach) aus Korbach. Er war in den 1870er-Jahren Betreiber der Bericher Mühle. Bei den Kindern (insgesamt hatten Bernhard Löwenstern und seine Frau Johanna geb. Löwenstern 13 Kinder) wird es sich um die Söhne Hermann und Louis Löwenstern gehandelt haben (Quelle: Gedenkportal Korbach, http://www.gedenkportal-korbach.de/71-80.html#nr71 sowie Hinweis von einem Ururenkel von Bernhard Löwenstern - Stefan Kaltenbach - vom 12.6.2013). Die Bericher Mühle besteht heute nicht mehr; sie ist seit 1914 im Edersee (Edertalsperre) im Bereich des jetzigen Mündungsbereiches der Werbe versunken.        

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. Oktober 1870: "Ich suche zum baldigen Eintritt, für den Elementarunterricht meiner Kinder, namentlich für 2 Knaben von 10-12 Jahren, einen Hauslehrer, jüdischer Konfession, der womöglich auch Sprach- und Musikunterricht erteilt. Salair bei freier Station bis zu 150 Thalern. Offerten nebst Zeugnisse bitte mir baldigst einzusenden. 
Bericher Mühle bei Bad Wildungen, im September 1870. B. Löwenstern." 

     
     
   
  
Zur Geschichte der Synagoge                   
   
Zunächst waren Beträume in jüdischen Privathäusern vorhanden (erwähnt in den Jahren 1781, 1786, 1796, 1801, 1812 und 1831).   
  
Um 1860
bestand der Wunsch zum Bau einer neuen Synagoge. Ein geeignetes Grundstück konnte gefunden werden. Für den Bau zeichnete Kreisbaumeister Brumhard aus Bad Wildungen die Pläne. Die Finanzierung wurde mit Hilfe von Spenden aus der Gemeinde, über Kollekten in anderen Gemeinden sowie über die Aufnahme von Krediten geregelt werden. Als Baumaterial der im Jahr 1863 erstellten Synagoge wurde u.a. Abbruchmaterial der Stadtmauer verwendet. Die Fertigstellung der Synagoge wurde mit einem dreitägigen Fest gefeiert, darunter auch Musik und Tanz auf Schaumburgs Saal. Als Einweihungsdatum gilt der 1. November 1863 (vgl. Hinweis in den Quellen unten).     
   
Bei der Synagoge handelte es sich um ein für den Ort ausgesprochen repräsentatives Gebäude, ein stattlicher, zweigeschossiger Massivbau in Bruchsteinmauerwerk mit vorwiegend romanischen Stilelementen. Die verwendeten Stilelemente fasst Thea Altaras nach dem vorhandenen Foto (s.u.) wie folgt zusammen: "Traufseitig im Erdgeschoss große, breite Rundbogenfenster der Synagoge, schmale, kleine Rundbogenfenster der Empore im Obergeschoss, die in einem rhythmischen Fries aus Rundbögen und Halbsäulen, einer Blendgalerie, angeordnet sind. Eine rhythmische Fenster-Säulenreihe zwischen dem Dachgesims und dem umlaufenden, hochliegenden Gurtgesims, Ecklisenen aus Quadern, mit kleinen Türmchen als Abschluss. In Mittelachse des Schaugiebels großes Portal mit dreifacher Gewändeprofilierung aus Dreiviertelstäben, dessen Bogenfläche über dem Gurtgesims verglast ist und von einer Blendarkade umgeben, gleich einer großen Halbrosette der Mittelpunkt des Giebels wird. Die hochrechteckige Sprossenteilung der Glasfläche hat ihre Fortsetzung im breiten Rundbogenfries über der trapezbogigen, zweiflügeligen Eingangstüre". 
      
1938 wurde die Synagoge - noch vor dem Novemberpogrom - von der jüdischen Gemeinde aufgegeben und verkauft. Der neue Besitzer verwendete sie als Baustofflager. Er bekam die Auflage, das Gebäude so umzubauen, dass es nicht mehr als Synagoge erkennbar war. Später bekam er die Auflage, das Gebäude abzureißen. Doch wurden beide Pläne nicht ausgeführt. 1944 wurde das Gebäude als Vorratslager für die Lebensmittelversorgung des Militärs verwendet. 
   
Nach 1945 mussten Sachsenhäuser Bürger die eingeworfenen Fensterscheiben reparieren. 1949 kaufte die neue katholische Gemeinde am Ort das bereits seit 1947 von ihr genutzte Gebäude und verwendete es bis 1960 als Kirche. Als die neue katholische Kirche 1959/60 erbaut und eingeweiht wurde, stand die ehemalige Synagoge zunächst leer. Was die Nationalsozialisten in der Kriegszeit nicht erreichten, schaffte die Straßenbauverwaltung 1962: das Gebäude wurde abgerissen, um an seiner Stelle eine Straßenkreuzung anzulegen. 
  
1991 wurde an einer Bruchsteinmauer am Synagogengrundstück eine Gedenktafel angebracht. 
    
    
Adresse/Standort der Synagoge:     Korbacher Straße   
    
    
Fotos
(Quelle für Plan und Foto der Kirche: Günter Lorenz, Twistetal Ober-Waroldern, Webmaster von www.ober-waroldern.de); historische Fotos auf der Website von www.synagoge-voehl.de, dort Beitrag aus der Festschrift von 1995 unten; historisches Foto links auch bei Altaras s.Lit. 1988 und 2007; neuere Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 8.4.2010)   

Das Synagogengebäude - als Kirche 
genutzt (Kreuz statt Gebotstafeln 
auf dem Giebel)
in den 1950er-Jahren
Sachsenhausen Synagoge 170.jpg (51389 Byte) Sachsenhausen Synagoge 171.jpg (16695 Byte)
     Die ehemalige Synagoge wurde noch in den 1950er-Jahren zur Anlage 
einer Straßenkreuzung abgebrochen
              
Katholische Kirche St. Bonifatius Sachsenhausen Kirche 161.jpg (109594 Byte) Sachsenhausen Kirche 470.jpg (52746 Byte)
  Durch den Bau der neuen katholischen Kirche wurde das Synagogengebäude nicht mehr gebraucht; 
es wurde zur Anlage der Straßenkreuzung abgebrochen
            
Sachsenhausen Kirche 471.jpg (63416 Byte) Sachsenhausen Kirche 472.jpg (57310 Byte) Sachsenhausen Kirche 473.jpg (52333 Byte)
In der Kirche befindet sich der Türsturz aus der ehemaligen Synagoge mit Inschrift: "Haus Jakob, lasst uns wandeln im Lichte von ihm" (Jesaja 2,5)
        
     Sachsenhausen Kirche 474.jpg (95790 Byte)     
    Tafel mit Erläuterungen in der Kirche    
                
 Synagogenstandort mit Denkmal        
Sachsenhausen Synagoge 476.jpg (111573 Byte) Sachsenhausen Synagoge 470.jpg (115477 Byte) Sachsenhausen Synagoge 471.jpg (115211 Byte)
Blick auf das Synagogengrundstück  Bruchsteinmauer mit Gedenktafel  Die Gedenktafel (Inschrift s.u.) 
        
Sachsenhausen Synagoge 473.jpg (111702 Byte) Sachsenhausen Synagoge 474.jpg (102515 Byte) Sachsenhausen Synagoge 475.jpg (63676 Byte)
Ansicht von der 
Wildunger Straße
Ansicht 
Freienhagener Straße
Plan der jetzigen Straßenführung mit 
Eintragung des Synagogengebäudes 
        
Inschrift: "Den jüdischen Opfern der faschistischen Gewaltherrschaft zum Gedenken, die ihre Synagoge aufgeben mussten, aus ihrer Heimat vertrieben, verschleppt und ermordet wurden.  An dieser Stelle befand sich die im Jahre 1863 von Kreisbaumeister Brumhard erbaute Synagoge der jüdischen Gemeinde. In Sachsenhausen gab es von 1771 bis 1945 jüdische Einwohner. Bis zu 13 Familien wohnten ständig am Ort. Seit 1870 wanderten viele nach Amerika aus. 1938 wurde die Synagoge verkauft. Von 1947 bis 1960 diente das Gebäude der hiesigen sich in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg hier neu gründenden katholischen Gemeinde als Gotteshaus, wurde 1960 von der Straßenbauverwaltung gekauft und später im Zuge der Straßenerweiterung abgerissen. Über der Tür zu Sakristei der neuen katholischen Kirche ist der Türsturz der ehemaligen Synagoge eingesetzt. Er trägt die hebräische Inschrift: 'Haus Jakob, kommt, lasst uns wandeln im Lichte von Ihm' (Jes. 2,5).

      
     
Links und Literatur

Links:  

Website der Stadt Waldeck  
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Sachsenhausen (interner Link)   
Wikipedia-Artikel "Jüdische Gemeinde Sachsenhausen"     
Website des Förderkreises "Synagoge Vöhl" e.V. mit Seite zu Presse-Artikeln und Veröffentlichungen zur jüdischen Geschichte in Sachsenhausen  

Quellen:  

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Sachsenhausen 
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Sachsenhausen sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,758   Geburts-, Trau- und Sterberegister der Juden von Sachsenhausen  1787 - 1858:  enthält jüdisches Geburtsregister  1787 - 1858, jüdisches Trauregister  1841 - 1858, jüdisches Sterberegister  1838 - 1856; enthält auch Angaben zu Personen aus Meineringhausen, Netze, Nieder-Werbe, Nieder-Wildungen und Waldeck; enthält auch einen Hinweis auf den Bau einer massiven Synagoge vor dem unteren Tor an der Chaussee in Sachsenhausen durch die jüdische Gemeinde und die Einweihung derselben am 1. November 1863      https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2379138     
HHStAW 365,759   Geburtsregister der Juden von Sachsenhausen   1859 - 1875     https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v5319778    
HHStAW 365,761   Sterberegister der Juden von Sachsenhausen  1859 - 1875, 1891; enthält auch Angaben zu Personen aus Nieder-Werbe     https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v3732269                 
HHStAW 365,760   Trauregister der Juden von Sachsenhausen   1863 - 1875   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v3031404     

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 242-243.    
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 69.   
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 66-68. 
dies.: Neubearbeitung der beiden Bände. 2007 S. 100.185-186.  
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirk Gießen und Kassel. 1995 S. 222.   
175 Jahre jüdische Mitbürger. In: Sachsenhausen - 750 Jahre Stadtrechte. Beiträge zu Geschichte und Gegenwart. Hrsg. vom Magistrat der Stadt Waldeck - Festausschuss 750 Jahre Sachsenhausen. Korbach 1995. S. 91-97. Online einsehbar in der Website des Förderkreises "Synagoge Voehl" e.V. 
    

(Hinweis: durch Verwechslung im Pinkas Hakehillot und in der Encyclopedia of Jewish Life mit dem niedersächsischen Sachsenhagen gibt es dort keine Beiträge zu Sachsenhausen)  
    
     

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 18. Mai 2016