|
Eingangsseite
Aktuelle Informationen
Jahrestagungen von Alemannia Judaica
Die Mitglieder der
Arbeitsgemeinschaft
Jüdische Friedhöfe
(Frühere und bestehende) Synagogen
Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale
in der Region
Bestehende jüdische Gemeinden
in der Region
Jüdische Museen
FORSCHUNGS-
PROJEKTE
Literatur und Presseartikel
Adressliste
Digitale Postkarten
Links
| |
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"
zurück zur Übersicht "Synagogen in Hessen"
Zur Übersicht
"Synagogen im Kreis Waldeck-Frankenberg"
Mengeringhausen
mit Massenhausen (Stadt
Bad Arolsen, Kreis Waldeck-Frankenberg)
und Vasbeck (Gemeinde Diemelsee, Kreis Waldeck-Frankenberg)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Mengeringhausen bestand eine jüdische
Gemeinde bis nach 1933. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts
zurück. Doch lebten vermutlich bereits im 16. Jahrhundert Juden in der
Stadt, da für diese Zeit die Flurbezeichnung "Am (oder beim)
Judenkirchhof" für ein Grundstück in der Nähe des Burgtores überliefert
ist.
Im 18. Jahrhundert wurden Juden seit 1767 in der Stadt aufgenommen.
1760/70 lebte der Schutz- und Handelsjude Abraham Marcus (aus Arolsen)
am Ort. 1769 kam der Schutzjude Esaias Abraham dazu, 1772 Moses Heinemann. An
Stelle des 1799 verstorbenen Joseph Moses Neuburg kam Selig Meyer aus Volkmarsen
nach Mengeringhausen.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1826 19 jüdische Einwohner, 1847 21, in der zweiten Hälfte des 19.
Jahrhunderts vier bis fünf jüdische Familien, 1888 40, 1892 48 jüdische
Einwohner (in zehn Familien), 1898 36 (in acht Haushaltungen, von insgesamt
1.377 Einwohnern), 1899 31 (in sieben Haushaltungen), 1900 21 (1,5 % von insgesamt
1.442 Einwohnern), 1905 33, 1910 24 (1,7 % von 1.400).
Die jüdischen
Familien lebten vom Handel mit Textilien, Düngemitteln, Früchten, Tierfellen
und Kolonialwaren. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eröffneten
mehrere von ihnen Läden und Handlungen am Ort: so hatte Jakob Schwerin ein vor
1900 gegründetes Geschäft mit Futter- und Düngemitteln, Manufakturwaren sowie
Lebensmitteln.
Zur jüdischen Gemeinde in Mengeringhausen gehörten auch die wenigen, zeitweise
in Massenhausen (1885
sechs jüdische Einwohner, 1898 fünf jüdische Einwohner in einem Haushalt; von
insgesamt 441 Einwohnern, ab 1900 liegen keine Zahlen mehr vor) und in
Vasbeck (1885 fünf
jüdischen Einwohner, 2 Familien, 1898/1903 sechs bzw. jüdische Einwohner in
einem Haushalt; von insgesamt 440 Einwohnern).
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule
(Religionsschule, zeitweise in den 1880er/1890er-Jahren
Volksschule/Elementarschule; 1874 fünf schulpflichtige Kinder, 1876/1878 vier Kinder), ein
rituelles Bad und ein Friedhof. Zur
Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein jüdischer Lehrer
am Ort, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. die
Ausschreibungen der Stelle unten). Von vermutlich bereits 1840 (Ausschreibung
unten) bis 1873 wird Lehrer S. Heilbrunn
(Heilbrun) genannt, der sich
Ende der 1840er-Jahre für Reformen im gottesdienstlichen Leben der Gemeinde engagierte (siehe
Bericht unten, weitere Nennungen von Lehrer Heilbrunn in Mengeringhausen u.a. in
AZJ vom 3. März 1856 S. 19, AZJ vom 12. Mai 1856 S. 14, AZJ vom 18. Juni
1867 S. 23, AZJ vom 23. Februar 1869 S. 16, AZJ 14. Juni 1870 S. 18, AZJ 23.
Januar 1872 S. 18). Um 1887/88 wird Lehrer M. Braunsberg in
Mengeringhausen genannt (u.a. "Statist. Jahrbuch" 1887 S. 32, AZJ vom 22.
Dezember 1887 S. 816 Anzeige des Vereins "Achawa"), um 1892/95 Lehrer L.
Strauß (unterrichtete 1892 neben den damals neun Kindern in Mengeringhausen
auch vier Kinder in Bad Arolsen), um 1897
Lehrer D. Baum (1897 neun Kinder in Mengeringhausen, vier in
Arolsen, 1898 vier in M. und elf in A.),
um 1900 Gustav Krohn (unterrichtet 1899 fünf Kinder in M. und vier in A.), um
1905 Lehrer Leopold. Spätestens ab 1912 war der Wohnsitz des Lehrers für
die beiden Gemeinden in Arolsen. Der nach 1912 in Arolsen und Mengeringhausen
tätige Lehrer Leo Stein (siehe auf Seite zu Arolsen) ist im Ersten
Weltkrieg gefallen.
Die Gemeinde gehörte zum Provinzialrabbinat Oberhessen mit Sitz
in Marburg.
Als Gemeindevorsteher werden u.a. genannt: um 1840 M. Emanuel, um 1873 J.
Meyer (Mayer), Louis Emanuel; um 1876 G. Emanuel und J. Meyer; um 1888 G.
Emanuel, J. Schwerin; um 1898 J. Schwerin und Nußbaum.
Die jüdischen Familien waren im Leben der Stadt und im Vereinsleben
weitestgehend integriert. Der bereits genannte Jakob Schwerin (Kriegsteilnehmer
von 1870-1871) war viele Jahre (bis zum seinem Tod 1913) Vorsitzender des
Kreis-Kriegervereins; seine Frau betätigte sich aktiv im Roten Kreuz. Der Sohn
Max Schwerin war einige Jahre Mitglied des Gemeinderates am Ort (gest. 1934).
Beim sogenannten Freischießen, dem größten Heimatfest des Waldecker
Landes, waren die Mitglieder der jüdischen Gemeinde - bereits seit Mitte des
19. Jahrhunderts - stets zahlreich beteiligt.
Um 1924, als zur Gemeinde 17 Personen gehörten (1,2 % von 1.506), waren die
Gemeindevorsteher Hermann Schwerin und Josef Löwenstern. 1932 war
Gemeindevorsteher Max Schwerin. Als Religionslehrer der im Schuljahr 1931/32
vier jüdischen Kinder der Gemeinde kam regelmäßig Lehrer Moritz Goldwein aus
Korbach nach Mengeringhausen.
1933 lebten noch 23 jüdische Personen in Mengeringhausen (in sieben
Familien). In
den folgenden Jahren ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Zwei Familien Schwerin
verzogen 1936 nach Köln; die Familie Katz emigrierte in die
USA. 1938 wurden noch acht jüdische Einwohner gezählt. Das Manufaktur-
und Tabakwarengeschäft von Menko Löwenstern, das seit seinem Tod (vor 1930)
von der Tochter Erna und ihrem Mann Julius Löwengrund (aus Rimbeck bei Warburg)
betrieben wurde, wurde beim Novemberpogrom 1938 durch Nationalsozialisten
überfallen und verwüstet. Das Ehepaar Löwengrund verzog mit dem 14-jährigen
Sohn Heinz Werner nach Mülheim an der Ruhr, von wo sie deportiert
wurden.
Von den in Mengeringhausen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Salomon (Sally)
Blumenthal (1873), Arnold Rolf Elsbacher (1931), Frieda Elsbacher geb. Lebensbaum
(1898), Irmgard Elsbacher (1927), Betty Emanuel (1874), Carl Salomon Emanuel
(1874, "Stolperstein" in Frankfurt, siehe unten), Hilda Hilda Löwenheim geb. Löwenstern (1894), Erna Löwengrund geb. Löwenstern (1893), Julius Löwengrund (1893),
Heinz Werner Löwengrund (1924), Hilde (Hilda) Löwenheim geb. Löwenstern (1894), Else Oppenheim geb.
Löwenstern (1900), Erna Schwerin (1892), Ernestine Schwerin geb. Rapp (1894), Frieda
Schwerin (1890), Hermann Schwerin (1886), Ilse Schwerin (1921), Paul Salomon Schwerin
(1886), Max Stern (1871, "Stolperstein" in Frankfurt, Westendstraße 29).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Allgemeines
Beitrag "Die Juden in Waldeck" (erschien
1929)
Anmerkung: Beitrag zur Geschichte der Juden in Bad
Arolsen, Bad Wildungen, Korbach,
Landau, Mengeringhausen, Rhoden,
Sachsenhausen, Züschen
sowie Eimelrod und Höringhausen.
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und
Waldeck" vom 12. April 1929: "Die Juden in
Waldeck. (Zum Ende des ehemaligen Fürstentums).
Wir entnehmen dem 'Israelitischen Familienblatt' nachstehenden
interessanten Artikel: Am 1. April fand in Arolsen
die feierliche Vereinigung des Freistaates Waldeck mit Preußen statt. Das
kleine Ländchen wird ein Bestandteil der Provinz Hessen-Nassau. Waldeck
zählt unter seinen 58.000 Einwohnern etwa 550 Juden. Aus dem Kreise der
Waldecker Juden der weiteren Welt bekannt geworden ist der Dichter
Heinrich Stieglitz. Seine Werke sind heute vergessen. Seine Frau
Charlotte aber entriss seinen Namen der Vergessenheit. Um ihn der
Schwermut seines Gemüts, das unter seiner dichterischen Schwäche litt,
zu entreißen, und in der Hoffnung, dass ein starker Schmerz heilend und
kräftigend auf sein Gemüt einwirken werde, gab sie sich den Freitod.
Diese Tat, die das damalige 'Junge Deutschland' aufwählte, wurde von
Gutzkow, dem Verfasser des 'Uriel Akosta', behandelt in seinem Roman: 'Walpurg,
die Zweiflerin'.
Die Anzahl der waldeckischen Juden hat sich seit der Freizügigkeit stetig
verringert. Sie wanderten aus, da sie anderwärts bessere
Verdienstmöglichkeiten hatten und nicht so sehr die Zurücksetzung
merkten wie in diesem engen Bezirk, auch durch Bildungsmöglichkeiten
entschädigt wurden. Das religiöse Leben war in Waldeck bis auf einige
Ausnahmen nie sehr rege. In der Hauptstadt Arolsen
konnte es sogar geschehen, dass vor hundert Jahren fast die ganze Gemeinde
dem Taufwasser zum Opfer fiel. Die Nachkommen der damaligen Juden gehören
heute zu den ersten Familien des Landes. Etwas regeres Leben blüht heute
in den beiden Gemeinden Wildungen
und Korbach, wo je ein Lehrer amtiert. Arolsen,
Mengeringhausen, Rhoden und Sachsenhausen
sind kleine Gemeinden, die infolge ihrer geringen Seelenzahl nur mit
großer Mühe sabbatlichen Gottesdienst abhalten können.
Religionsunterricht wird in diesen Gemeinden nicht erteilt; falsche
Sparsamkeit lässt es nicht zu. Dieser Mangel an Verantwortungsgefühl ist
wohl auch die Ursache, dass der Korbacher
Jakob Wittgenstein bei seinem Tode 1890 sein gesamtes Vermögen von
600.000 Mark seiner Vaterstadt vermachte, aber der Synagogengemeinde nur
einige tausend Mark, und ihr nicht einmal den geringsten Einfluss auf die
Verwaltung des errichteten Altersheims gestattete. Auch von dieser Familie
sind einige Glieder in der Welt, wenn auch getauft, zu Ansehen gelangt.
Soll doch der erste Bundespräsident von Österreich, Hainisch, von
dieser Familie abstammen. Ferner ist ein Wittgenstein der Begründer der
österreichischen Erzindustrie. Ein anderer, namens Paul, war, trotzdem er
nur den linken Arm hatte, ein so hervorragender Pianist, dass sogar
Richard Strauß für ihn Partituren schrieb. In Sachsenhausen
hat ein nach Amerika ausgewanderter Jude Bloch ein Schwesternheim
errichtet, aber die jüdische Gemeinde übergangen. Welchen Segen hätten
diese beiden Gemeinden mit diesen Legaten für alle Religionen stiften
können!
Die beiden Gemeinden Eimelrod und Höringhausen,
die zu dem nunmehrigen preußischen Verwaltungsgebiet Waldeck kommen,
gehörten bisher zu Hessen-Nassau. In beiden, besonders in
letzterer, |
herrschte
stets ein reges religiöses Leben. Beide bedürfen dringend der Hilfe,
damit ihre Synagogen nicht ganz zerfallen. Eimelrod
hat deshalb vom Landesverband einen sehr reichen Zuschuss erhalten.
Weshalb Höringhausen nicht
bedacht wurde, fragt sich dort jeder. Vielleicht hat der Landesverband
doch noch ein Einsehen und hilft der Gemeinde.
Über die Geschichte der Juden in Waldeck ist wenig bekannt. Die meisten
Nachrichten schlummern noch zerstreut in den Archiven. In früheren Zeiten
durften nur in den Orten Züschen und Landau
Juden wohnen. Die Hauptstadt besteht erst seit zwei Jahrhunderten. Sie ist
die Geburtsstadt des erwähnten Dichters Stieglitz, sowie der berühmten
Ärzte Marcus und Stieglitz. Auch die Nachkommen des Marcus gehören heute
dem Christentums an. In Korbach muss es
schon früh Juden gegeben haben. Darauf weist der Name eines alten Adelsgeschlechts
namens 'Judenhertzog'. 1480 erklärte das 'Freigericht unter der
Windmühle' zu Korbach einen Juden zu
Frankfurt, den Juden dieser Stadt und der Umgebung in die Acht. Sie
sollten mit ihm 'weder essen noch trinken, weder mit ihm gehen noch
stehen, weder mit ihm sprechen noch singen, nicht mit ihm kaufen noch
verkaufen, wuchern oder suchen, keinerlei Verhandlungen mit ihm haben,
weder heimlich noch offenbar, auch nicht mit ihm in die Schule, in die
Synagoge oder Tempel, überhaupt nicht mit ihm in ein Haus gehen.' Ebenso
tat der Freigraf zu Landau alle Juden zu Gelnhausen
in die Acht, 'nach rechtem altem Herkommen der kaiserlichen freien
heiligen und heimlichen Gerichte', weil sie ungehorsam gewesen
wären.
Auch früher schon waren die Juden mit den Femgerichten in Berührung
gekommen. 1738 durften sie nur in Züschen,
und etwas später auch in Arolsen
wohnen. 1788 war aber der Widerstand gegen die Juden so stark geworden,
dass der Fürst den Landständen versprechen musste, einem Juden nicht
eher einen neuen Schutzbrief zu geben, bis die Judenschaft im Lande bis
auf 20 ausgestorben sei. Auch der Judeneid kommt in dieser Zeit in Waldeck
vor. Trotz aller Beschränkungen haben sich die Juden doch in anderen
Orten Wohnrecht erhalten. An den Freiheitskriegen nahmen sie teil. Nachdem
schon 1804 der Leibzoll aufgehoben war, folgte 1814 das sogenannte
Organisationsedikt. In diesem wurden ihnen alle Rechte der übrigen
Staatsbürger zugebilligt. Als sie aber in Korbach
das Bürgerrecht verlangten, erhob sich seitens der Stadt und der
Bürgerschaft ein heftiger Widerstand. Der Fürst Georg Heinrich, ein
vorurteilsloser, gerecht denkender Herr, setzte aber ihre Aufnahme zu
Bürgern durch. Dieser Fürst gab ihnen auch im Jahre 1834 das
Judengesetz, das den etwas merkwürdig anmutenden Titel führt: 'Gesetz
über die Gemeinheiten der Juden'. Es gilt auch heute noch, denn es war in
Waldeck Regierungsgrundsatz, die Juden unbehelligt zu lassen, wenn auch
sie von der Regierung nichts verlangten. Das Gesetz ist aber von Segen
gewesen. Der Austritt aus der Gemeinde ist nur mit einem gleichzeitigen
Austritt aus der Religion möglich. Sonst muss jeder Waldecker Jude einer
Synagogengemeinde angehören. Ein Versuch der jüdischen Gemeinde Korbach,
der Regierung die Lasten der Lehrerbesoldung aufzubürden, scheiterte, da
die Regierung damals sogar mit militärischer Exekution drohte. Es ist
daher den beiden Gemeinden nicht zu verdenken, wenn sie auf den Anschluss an
Preußen allerlei Hoffnungen setzen und hoffen, dass die Lasten, die sie
bisher allein getragen, etwas erleichtert werden. Mögen sie in ihren
Hoffnungen nicht enttäuscht werden. Max Gottlieb."
|
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1840 / 1873 / 1874 /
1876 / 1877 / 1904 / 1912
Anzeige
in "Allgemeine Zeitung des Judentums" vom 22. Februar 1840: "Die
kleine israelitische Gemeinde zu Mengeringhausen bei Arolsen im
Fürstentum Waldeck sucht einen soliden Mann, der sich mit guten Zeugnissen
legitimieren kann, als Lehrer und Vorsänger. Lusttragende
wollen sich baldigst in portofreien Briefen an den Vorstand der
Gemeinde — M. Emanuel — wenden." |
| |
| Anmerkung: zwischen den
Ausschreibung 1840 und 1873 war der Lehrer S. Heilbrunn in
Mengeringhausen tätig.
|
| |
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. März 1873:
"Die Lehrer und Kantorstelle in hiesiger Gemeinde ist von Ostern
dieses Jahres an zu besetzen. Hierauf Reflektierende wollen sich unter
Beifügung ihrer Zeugnisse baldigst an unterzeichneten Vorstand wenden.
Gehalt bei freier Wohnung und Heizung eventuell bis 300 Thaler.
Mengeringhausen in Waldeck, den 19. Februar 1873. Der Vorstand der
israelitischen Gemeinde Mengeringhausen. J. Meyer. Louis
Emanuel." |
| |
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. Mai 1874:
"In der hiesigen jüdischen Gemeinde ist die Stelle des
Religionslehrers und Vorbeters sofort zu besetzen. Gehalt nebst freier
Wohnung und Heizung bis 250 Thaler jährlich. Bewerbungen um diese
dienstlich sehr bequeme Stelle, da nur fünf schulpflichtige Kinder für
jetzt zu unterrichten sind, nimmt entgegen der Vorstand Louis Emanuel.
J. Mayer.
Mengeringhausen in Waldeck, den 1. Mai 1874". |
| |
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. Februar 1876:
"Pro 1. April dieses Jahres ist die hiesige Lehrer- und
Kantorstelle zu besetzen. Gehalt 750 Mark pro Jahr bei freier Wohnung
mit Heizung nebst Bett und erforderlichen Möbeln. Da nur circa 4
schulpflichtige Kinder sind, der Dienst sehr leicht ist und viele freie
Zeit übrig lässt, so ist ein lohnender Nebenerwerb sicher, wenn der
betreffende Kandidat auch in Französisch, Englisch und Lateinisch
Unterricht erteilen kann. Selbstgeschriebene Meldungen nimmt entgegen der
jüdische Gemeindevorstand G. Emanuel. J. Meyer.
Mengeringhausen (Fürstentum Waldeck), den 9. Januar
1876". |
| |
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Mai 1876:
"Pro 1. Juli dieses Jahres ist die hiesige Lehrer- und
Kantorstelle zu besetzen. Gehalt 750 Mark pro Jahr bei freier Wohnung
mit Heizung nebst Bett und erforderlichen Möbeln. Da nur circa 4
schulpflichtige Kinder sind, der Dienst sehr leicht ist und viele freie
Zeit übrig lässt, so ist ein lohnender Nebenerwerb sicher, wenn der
betreffende Kandidat auch in Französisch, Englisch und Lateinisch
Unterricht erteilen kann. Selbstgeschriebene Meldungen nimmt entgegen der
jüdische Gemeindevorstand G. Emanuel. J. Meyer.
Mengeringhausen (Fürstentum Waldeck), den 7. Mai
1876." |
| |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Oktober 1877:
"Die Stelle als Religionslehrer, Vorbeter und Schochet in unserer
Gemeinde soll mit dem 1. Januar 1878 anderweitig durch einen verheirateten
Mann besetzt werden. Jährliches Gehalt 900 Mark, eventuell bei
gesteigerter Leistungsfähigkeit 1.000 Mark neben freier Wohnung. Der
Nebenverdienst durch die Schechitah wird 150 Mark bringen. Der Dienst ist
sehr leicht, da die Gemeinde klein ist und nur ungefähr 4 schulpflichtige
Kinder da sind. Selbstgeschriebene Meldungen, unter Einreichung betr.
Zeugnisse und kurzer Berichterstattung des Lebenslaufs, nimmt entgegen
der jüdische Gemeindevorstand G. Emanuel. J. Meyer.
Mengeringhausen (Fürstentum Waldeck), den 3. Oktober
1877." |
| |
| Die Ausschreibung im Herbst 1904 erfolgte
nach der Berufung von Lehrer Gustav Kron nach Westhofen (Elsass,
siehe unten) |
Ausschreibung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 9. September 1904:
"Mengeringhausen (Waldeck). Religionslehrer, Vorbeter und Schächter.
Einkommen 1.300 bis 1.400 Mark." |
| |
Anzeige
in "Israelitisches Familienblatt" vom 22. September 1904: "Durch die
Berufung des seitherigen Lehrers an die Schule nach
Westhofen (Elsass) ist die Stelle
eines Kultusbeamten, Religionslehrers, Vorbeters und Schochets
für die Gemeinden Arolsen und
Mengeringhausen, welche 3 1/2 Kilometer von einander entfernt sind,
sofort zu besetzen. Gehalt Pro Jahr 11—1200 Mark u. 150—200 Mark
Nebeneinkommen.
Deutsche Staatsangehörige wollen ihre schriftlichen Bewerbungen u.
Zeugnisabschriften franko an den Unterzeichneten Vorstand einsenden.
Mengeringhausen, Waldeck, 29. August 1904."
|
| |
Anzeige
in "Israelitisches Familienblatt" vom 18. Juli 1912: "Bei der
Kultusgemeinde Arolsen- Mengeringhausen (Waldeck) ist die Stelle als
Elementarlehrer und Vorbeter
mit dem Wohnsitze in Arolsen zum 1. Oktober dieses Jahres zu
besetzen. Das Gehalt beträgt 1200 Mark Gelegenheit sich zum 2. Examen
vorzubereiten ist geboten. Bewerbungen sind an den Vorstand in
Arolsen zu richten."
|
Erfolgreiche zweite Dienstprüfung von Lehrer Gustav
Crohn (Kron, Krohn) am Lehrerseminar in Kassel (1902, Lehrer in Mengeringhausen
um 1899/1904)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 10. November 1902: "Kassel, 2. November (1902). Am
Donnerstag voriger Woche war am hiesigen israelitischen Lehrerseminar die
zweite Prüfung beendet. Diese hatte in jeder Hinsicht ein gutes Ergebnis,
denn alle sieben Lehrer, die sich prüfen ließen, bestanden. Es waren die
Herren: Abt aus Gesecke in Westfalen, Crohn aus Mengeringhausen in
Waldeck, Heilbronn aus Hora in Westfalen, Levi aus Salzkotten
in Westfalen, Oppenheim aus Wehrda
in Hessen, Pineas aus Frankfurt am Main, Plaut, Lehrer in Rybnik
in Oberschlesien.
Das Königliche Provinzial-Schulkollegium in Kassel gestattet fast ohne
Ausnahme Lehrern anderer Bezirke, hier die Prüfung abzulegen. In der
schriftlichen Prüfung war den neueren Bestimmungen gemäß nur eine
Arbeit zu schreiben. 'Haus und Schule' lautete das Thema. Lehrproben
waren: 1) Belsazar; 2) Frau Hütt; 3) der Stechheber; 4) der Zahlenkreis
über 1000 hinaus; 5) die Schulstäbe; 6) Knabe und Vogel; 7) Gustav Adolf
- ein Lebensbild.
Da sämtliche Lehrproben zur Zufriedenheit ausfielen, erhielt kein
Kandidat eine zweite. Recht eingehend wurde mündlich geprüft, sowohl in Geschichte,
Pädagogik, Psychologie, Didaktik und Methodik der einzelnen Fächer. Zum
ersten Male hatten die jungen Lehrer nachzuweisen, in welchem
Lieblingsfache sie sich fortgebildet und welches wissenschaftliche Werk
sie beim Studium benutzt hatten. Zur Orientierung sei Folgendes erwähnt:
1) Geschichte des 19. Jahrhunderts, 2) Mathematische Geographie, 3) die
zweite Blüteperiode in der deutschen Literatur, 4) die Elektrizität und
so fort. Ein Gegenstand, der schon im Seminar eingehend behandelt wurde,
z.B. 'ein Drama Schillers', wird als wissenschaftliche Fortbildung für
nicht genügend angesehen. Auch diese Prüfung bewies, dass die Ausbildung
jüdischer Lehrer keineswegs eine minderwertige ist und die
Staatsbehörden werden sich wohl bald entschließen müssen, die
jüdischen Seminare den christlichen gleichzustellen, da gleiche
Pflichten, gleiche Rechte erfordern. Die Prüfungskommission bildeten
folgende Herren: Provinzial-Schulrat Otto, Geheimer Regierungs- und Schulrat
Sternkopf, Landrabbiner Dr. Prager, Seminardirektor Dr. Lazarus
und Seminarlehrer Katz." |
| |
| Hinweis: während seines Militärdienstes in
Arolsen war Gustav Kron um 1899/1905 in Mengeringhausen als Lehrer, Kantor und
Schochet tätig (erstmals genannt im Nachtragsband zum "Statistischen
Jahrbuch des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" 1899 S. 49 - Nachtrag zu
S. 123 im Hauptband). |
Über das Schicksal des Lehrers Gustav Kron
und seiner Frau Selma geb. Blumenkrohn
(Fotos und Informationen aus einem Artikel zu Gustav Kron von
Rolf Hocke, Waldkappel, Quelle)
Lehrer
Gustav Kron (links Hochzeitsfoto während der Zeit in
Harmuthsachsen 1921) ist 1878 in
Wolfhagen geboren. Er ließ sich bis
1902 am Lehrerseminar in Kassel zum Lehrer und Kantor ausbilden.
Während seines Militärdienstes in Arolsen war er zeitweise in der
Gemeinde Mengeringhausen tätig, von 1905 bis 1914 war er Lehrer in Westhoffen
im Elsass. 1914 bis 1916 nahm er am Ersten Weltkrieg teil. Auf Grund einer schweren
Erkrankung kam er 1916/17 nach Westhoffen zurück, seit 1917 war er
zusätzlich Vorsänger in Balbronn.
Im Februar 1919 kehrte er nach Hessen zurück. Kurzzeitig war er Lehrer im
Momberg, danach von 1919 bis 1924 in
Harmuthsachsen, seit 1924 Lehrer und Kantor in Fritzlar.
Er war seit Januar 1921 verheiratet mit Selma geb. Blumenkrohn, Sohn des
jüdischen Lehrers und Kantors Viktor Blumenkrohn in Spangenberg. |
Weitere Geschichte: Gustav Kron
und seine Frau Selma geb. Blumenkrohn bemühten sich in der NS-Zeit
vergeblich um eine Auswanderung. Die Familie mit dem 1922 in
Harmuthsachsen geborenen Sohn Walter verzog spätestens im Oktober 1937 nach Hamburg;
dabei war auch die in hohem Alter befindliche Mutter von Gustav Kron
(Wohnung: Eppendorfer Baum 34). Walter Kron konnte noch mit einem
Kindertransport in die USA gelangen. Nach
dem Novemberpogrom 1938 wurde Gustav Kron einige Zeit im KZ Oranienburg
festgehalten. Am 25. Oktober 1941 wurden Gustav und Selma Kron in das
Ghetto Litzmannstadt deportiert; im Mai 1942 in das Vernichtungslager
Kulmhof (Chelmno), wo sie ermordet wurden.
Für Gustav Kron und seine Frau Selma geb. Blumenkrohn wurden in Hamburg,
Eppendorfer Baum 34 "Stolpersteine" verlegt, siehe Seite
in der Website stolpersteine-hamburg.de. Zu Gustav Kron siehe
auch
https://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_Kron und
http://www.judaisme-alsalor.fr/histoire/rabbins/hazanim/kron.htm. |
 |
Links: Gustav Kron
während der Zeit
als Lehrer in Harmuthsachsen |
|
Aus dem
jüdischen Gemeindeleben
Reformen im gottesdienstlichen Leben (1848)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. Januar 1848:
"Aus dem Fürstentum Waldeck, 20. Dezember (1848). Auch in
unserem kleinen Fürstentum beginnt ein regeres Leben die Synagoge zu
ergreifen. Seit zwei Jahren hat die Gemeinde zu Adorf
Chorgesang eingeführt, überhaupt möglichst den Zeitforderungen genügt.
Freilich erhob sich damals auch in Adorf der Ruf des Unwillens über den
Chorgesang; aber wie schnell er sich eingewöhnt, ersieht man daraus, dass
an den vergangenen hohen Festen sogar deutsche Choralgesänge, z.B. am
Versöhnungsfeste das Lied von Stein 'o Tag des Herrn' mit
Violinbegleitung vorgetragen wurden. So hat auch die Gemeinde zu Mengeringhausen
auf Veranlassen ihres Lehrers Herrn Heilbrun den 3-jährigen Zyklus der
Tora eingeführt, und bemüht sich derselbe durch allsabbatliche gottesdienstliche
Vorträge das religiöse Bewusstsein umzugestalten und auf die Höhe der
Gegenwart zu erheben. Mögen diesem Beispiele der beiden genannten
Gemeinden die anderen bald nachfolgen, die Piutum durch die Predigt
ersetzen, und hierzu geeignete Lehrer erwerben. Da diese im hiesigen Lande
wenig Kinder zu unterrichten haben, so können sie ihre Muße am Besten
hierauf verwenden, umso mehr, da für die Landleute nicht sowohl
glänzende Reden, als einfache, schmucklose Sprache angemessen
ist.
Was die bürgerlichen Verhältnisse der Juden hier im Waldeck'schen
betrifft, davon kann ich Ihnen noch nichts erhebliches mitteilen. Es
genießt der jüdische Handwerker und Ökonom fast dieselben Reste wie
sein christlicher Mitbruder; übrigens vermutet man jetzt allgemein, da
vor Kurzem ein Seelenregister über die Juden im ganzen Lande aufgenommen
worden ist, dass nunmehr die bürgerlichen Verhältnisse derselben bald
verbessert werden sollen." |
Kleine Mitteilungen aus dem
Gemeindeleben
| - 1927: Gemeindevortrag in
Mengeringhausen von Dr. Marx aus Frankfurt am Main am 8. Februar 1927 über
"Die Sorgen des deutschen Judentums". In: "Central-Vereins-Dienst" vom 30.
Mai 1927 S. 52 Link
|
Zu einzelnen
Personen aus der jüdischen Gemeinde
Zur Lebensgeschichte von Carl
Salomon Emanuel (geb. 1874 in Mengeringhausen, ermordet 1943)
Carl Salomon Emanuel ist am 21.
September 1874 in Mengeringhausen geboren als Sohn von Louis Emanuel,
Kaufmann in Mengeringhausen und seiner Frau Scheba genannt Lisette geb. Levi
(Geburtsregister Mengeringhausen HHStAW 365,16 S. 141). Sein Vater war
damals in den 1870er-Jahren Vorsteher der jüdischen Gemeinde. Carl Salomon
Emanuel studierte Medizin in Heidelberg wurde zum Facharzt für
Augenheilkunde approbiert. 1903 kam er nach Frankfurt. Er konvertierte zur
evangelisch-lutherischen Konfession. Er wohnte in der Goethestraße in
Frankfurt und arbeitete als Belegarzt am Bethanienkrankenhaus. 1908
heiratete er die 1883 geborene Bertha geb. Bücking und zog in die
Hochstraße. Am 21. Oktober 1911 wurde der gemeinsame Sohn Rainer
geboren, der später selbst Medizin studierte und Facharzt für
Allgemeinmedizin wurde. 1921 starb Bertha Emanuel. 1930 zog der Witwer mit
seinem Sohn in den Gärtnerweg 12.
Carl Salomon Emanuel war inzwischen Chefarzt der ambulanten Augenstation des
Bethanienkrankenhauses. 1933 durfte er wegen seiner jüdischen Herkunft im
Krankenhaus keine Sprechstunden mehr abhalten und keine Operationen mehr
vornehmen. 1938 wurde er gezwungen, seine Privatpraxis aufzugeben, in der er
zuletzt nur noch jüdische Patienten behandeln durfte. Ab 1939 musste er
zusätzlich den Vornamen 'Israel' führen. Am 6. Juni 1940 erkannte ihm die
medizinische Fakultät der Universität Heidelberg den Doktortitel ab, mit der
Begründung 'Dr. Emanuel ist unwürdig einen deutschen Doktortitel zu tragen'.
Emanuel wurde mehrfach inhaftiert und im Juni 1943 gezwungen, in das
Jüdische Altersheim im Hermesweg 7 überzusiedeln, eine sogenannte
'Gemeinschaftsunterkunft für Juden'. Emanuel wurde nicht deportiert. Er
wurde am 19. August 1943 verhaftet und in das Untersuchungsgefängnis
Hammelsgasse verschleppt. Im Gewahrsam der Gestapo kam er am 14. Oktober
1943 zu Tode. Laut Sterbeurkunde starb er einen plötzlichen Herztod' infolge
einer 'Herzmuskelentartung'.
In Frankfurt wurde im Gärtnerweg 12 für ihn ein "Stolperstein" verlegt.
Sein Sohn Dr. Rainer Emanuel, nach nationalsozialistischer Diktion
ein 'Mischling 1. Grades', durfte den erlernten Beruf als Arzt nicht
ausüben. Von März 1945 bis zur Befreiung musste er in Blankenburg
Zwangsarbeit bei der Organisation Todt leisten. Nach dem Krieg praktizierte
er einige Zeit in Frankfurt, wanderte aber schließlich nach Äthiopien aus
und arbeitete an einem Hospital in Dessie.
Quelle:
https://frankfurt.de/frankfurt-entdecken-und-erleben/stadtportrait/stadtgeschichte/stolpersteine/stolpersteine-im-westend/familien/emanuel-carl |
Kleine Berichte/Mitteilungen zu
einzelnen Personen aus der Gemeinde
- 1884: Max Emanuel (geb.
18. April 1870 in Mengeringhausen als Mendel Max, Sohn von Louis
Emanuel und seiner Frau Scheba geb. Levi, Bruder zu Carl Salomon Emanuel s.o.;
Geburtsregister Mengeringhausen HHStAW 365,16 S. 136) besuchte die
Jacobson-Schule in Seesen am Herz von 1. April 1883 bis 29. Dezember 1884
(in "Bericht über die Jacobson-Schule zu Seesen am Harz" - Jahresbericht 1884/85
S. 27).
Zu der bis heute bestehenden Schule:
https://de.wikipedia.org/wiki/Jacobson-Gymnasium und
https://www.jacobson-gymnasium.de/unsere-schulgeschichte.html
|
| - 1913: Todesanzeige für Jakob
Schwerin, gest. im Alter von 67 Jahren in Mengeringhausen (in: "Neue
jüdische Presse - Frankfurter Israelitisches Familienblatt" vom 1. August
1913 S. 5). Weitere Informationen siehe unten. Jacob Schwerin ist am
29. Juli 1913 in Mengeringhausen gestorben. |
| - 1938: Mitteilung in "Israelitisches
Familienblatt" vom 14. Juli 1938: "Mengeringhausen (Waldeck).
Gemeindeältester Hermann Schwerin verlässt demnächst seine Gemeinde,
die nunmehr nur noch aus einer Familie besteht. Die Synagoge ist bereits
verkauft." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige von H. Schwerin (1902)
Anmerkung: es handelt sich sicher um Heinemann Schwerin (geb. 22. Juli
1843 in Mengeringhausen als Sohn von Michael (Heinemann) Schwerin und Johanna
geb. Levy aus Rhoden; gest. 27. Juni 1906 in
Mengeringhausen). Heinemann Schwerin war verheiratet mit Jettchen geb.?
(1845-1904); die beiden hatten zwei Kinder: Paul (geb. 1886) und
Moritz (geb. 1889, gest. 1929). Heinemann war Kaufmann für Getreide- und
Futtermuttel. Er war um 1900 Mitglied des Gemeinderates von Mengeringhausen.
Anzeige
im "Frankfurter Israelitisches Familienblatt" vom 30. Oktober 1902: "Für
Februar 1903 suche tüchtiges israelitisches
Fräulein
für meinen rituellen Haushalt, auch für Sonn- u. Feiertage geschlossenes
Geschäft. Familienanschluss zugesichert. Offerten mit Gehalt und Zeugnissen
erbeten.
H. Schwerin, Mengeringhausen." |
Anzeige der Gebr. Burg (1904)
Anzeige
in "Israelitisches Familienblatt" vom 14. Juli 1904: "Wir suchen per sofort
ein
erfahrenes Fräulein
zur selbständigen Leitung eines Haushaltes, welches gleichzeitig auch etwas
im Geschäft mit tätig sein kann. Offerten nebst Bild und Gehaltsansprüchen
erbeten.
Gebr. Burg, Mengeringhausen, Waldeck." |
Anzeige von Jacob Schwerin,
Manufaktur- und Produktengeschäft (1909) und seinen Söhnen (1913 bis 1928)
Anmerkung: Jacob Schwerin (geb. 26. Januar 1847 in Mengeringhausen als
Sohn von Michael (Heinemann) Schwerin und Johanna geb. Levy aus
Rhoden; Bruder zu Heinemann Schwerin s.o.;
gest. 29. Juli 1913 in Mengeringhausen). Jacob Schwerin war Kaufmann und
gründete 1881 ein Geschäft für Futter- und Düngemittel, Manufakturwaren und
Lebensmittel. Er war verheiratet in 1. Ehe seit 1881 mit Sara geb. Sternberg aus
Horn in Westfalen, die jedoch bereits bei der Geburt ihrer Tochter Clara 1882
gestorben ist. In 2. Ehe war Jacob verheiratet mit Sophie geb. Sternberg
(1863-1927), mit der er vier Kinder hatte: Max (gest. 1934), Hermann (), Otto
(geb./gest. 1890), Johanna (). Jacob war in Mengeringhausen hoch angesehen, 1897
bis 1913 war er (als Kriegsteilnehmer 1870/71) Vorsteher des Kriegervereines des
Kreises der Twiste.
Anzeige
in "Israelitisches Familienblatt" vom 25. November 1909: "Für mein
Manufaktur- und Produktengeschäft suche per Anfang Januar einen
tüchtigen
jungen Mann
(Israelit), welcher kleine Landtouren zu machen hat. Junge Leute im
Alter von 22 bis 25 Jahren, welche ähnliche Stellungen innegehabt haben,
wollen gefällige Offerten mit Bild u. Gehaltsansprüchen bei freier Station
im Hause einreichen.
Jacob Schwerin, Mengeringhausen (Waldeck)." |
| |
Anmerkung: Jacob Schwerin hat sein
Geschäft spätestens 1912 an seine Söhne weitergegeben. Er selbst starb 1913
(siehe oben).
Im "Israelitischen Familienblatt" vom 20. Februar 1913 S. 17 erschien
eine Anzeige / Lehrlingssuche der Söhne mit folgendem Text:
"Lehrling mit guter Schulbildung für unser Manufaktur- und
Getreide-Geschäft per 1. Mai dieses Jahres gesucht. Freie Station im
Hause.
J. Schwerin Söhne, Mengeringhausen (Waldeck)."
Link
Eine weitere Anzeige / Lehrlingssuche steht in "Israelitisches
Familienblatt" vom 11. Februar 1915 S. 7. Link.
Eine Anzeige / Suche nach einer tüchtigen Buchhalterin in "Israelitisches
Familienblatt" vom 21. Oktober 1915 S. 7.
Link |
| |
Anzeige
in "Israelitisches Familienblatt" vom 21. Juli 1921: "Wir suchen für
sofort oder später einen tüchtigen
Verkäufer und Reisenden
zum Besuch unserer Landkundschaft. für eingeführte Touren.
J. Schwerin Söhne Mengeringhausen (Waldeck)."
|
| In "Israelitisches Familienblatt" vom 19.
Juni 1924 S. 6 erschien eine Anzeige von "J. Schwerin Söhne" - Suche
nach einem "tüchtigen Herrn, der auch Landkundschaft zu besuchen hat..."
Link; ähnliche Anzeige - Suche nach einem "tüchtigen Mann für unser
Gemischtwaren-Geschäft" J. Schwerin Söhne... in "Israelitisches
Familienblatt" vom 19. April 1928 S. 7
Link. |
Anzeige / Lehrlingssuche von J.
Löwengrund, Herren- und Damen-Modewarengeschäft (1929)
Anmerkung: Julius Löwengrund ist am 19. Juli 1893 in Rimbeck bei Warburg
in Westfalen geboren. Er war seit 1920 verheiratet mit Erna geb. Löwenstern
(Schwester von Edith Löwenstern, die mit Julius' Bruder Hermann Löwengrund
verheiratet war). Julius und Erna waren Mitbesitzer des Geschäftes von Ernas
Eltern. Es firmierte zunächst unter "Menko Löwenstern Witwe und Julius
Löwengrund, zunächst ein Textilgeschäft, dann eine gutgehende
Manufakturwarenhandlung. 1924 wurde Julius Löwengrund Alleininhaber. In diesem
Jahr 1924 ist der Sohn Heinz Werner geboren. 1938 mussten das Geschäft
zwangsweise verkauft werden. Beim Novemberpogrom 1938 wurden die Schaufenster
eingeschlagen, die Auslagen geraubt. Ehepaar Löwengrund verzog mit dem Sohn
Heinz Werner nach Mühlheim an der Ruhr. 1942 wurden alle drei nach Izbica
deportiert und ermordet (für tot erklärt).
Anzeige
in der "CV-Zeitung" (Zeitung des "Central-Vereins") vom 25. Januar 1929: "Lehrling
gesucht.
Kost und Logis im Hause
J. Löwengrund,
Mengeringhausen (Waldeck)
Herren- und Damen- Modewaren." |
Zur Geschichte der Synagoge
Ein Betraum war seit Ende des 18. Jahrhunderts in einer
gemieteten Stube auf der Burg vorhanden.
In den 1840er-Jahren konnte die jüdische Gemeinde einen Betraum in einem
angemieteten Haus (des Philipp Emde) in der Hinteren Straße 5 einrichten. In
dem Haus befand sich der Betraum, die Lehrerwohnung und vermutlich auch ein
Schulraum. In dieser Zeit war der Minjan (10 zum Gottesdienst notwendige jüdische
Männer) vor allem durch die Teilnahme von Gottesdienstbesuchern aus Arolsen
gesichert, da damals in Arolsen kein Betraum in Benutzung war.
Um 1854 wurde die Synagoge in dem 1842 erbauten Haus Hintere Straße 20
eingerichtet. Das Gebäude war von vier Gemeindemitgliedern gekauft und an die
israelitische Gemeinde zu gottesdienstlichen Zwecken verpachtet worden. Es
handelt sich um ein zweigeschossiges Fachwerkhaus in der Ortsmitte unterhalb der
Dorfkirche. Der Betsaal lag im Erdgeschoss mit Eingang am süd-östlichen
Giebel; die Frauenempore im Obergeschoss war durch den Treppenaufgang in der
Mittelzone zu erreichen.
Wie lange nach 1933 noch Gottesdienste in dem Gebäude abgehalten wurden,
ist nicht bekannt. Im November 1937 kam das Gebäude durch Verkauf des
letzten lebenden der drei Eigentümer - Hermann Schwerin - in den Besitz einer
nichtjüdischen Familie, die es zur Wohnung und Schusterwerkstatt umbauen
ließ.
Im "Israelitischen Familienblatt" vom 14. Juli 1938 war als letzte
Pressemitteilung in einer jüdischen Zeitschrift vor dem Novemberpogrom 1938 aus
Mengeringhausen zu lesen: "Mengeringhausen (Waldeck). Gemeindeältester
Hermann Schwerin verlässt demnächst seine Gemeinde, die nunmehr nur noch aus
einer Familie besteht. Die Synagoge ist bereits verkauft."
1985 wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Es wird bis zur
Gegenwart als Wohnhaus verwendet.
Adresse/Standort der Beträume/Synagogen: Betstube
um 1800 in der Burg in der Mengeringhäuser Landstraße; danach Synagoge in der
Hinteren Straße 5; von 1854 bis nach 1933 in der Hinteren Straße 20.
Fotos:
(Quelle: Altaras s.Lit. S. 1988 S. 68)
Das Gebäude der
ehemaligen
Synagoge |
 |
|
| |
Das Gebäude steht seit
1985 unter Denkmalschutz |
|
| |
|
|
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte
| 1980er-Jahre:
Erinnerungsarbeit durch Schüler*innen der
Christian-Rauch-Schule in Bad Arolsen |
| Artikel im "Mitteilungsblatt der Alija
Chadascha" des Irgûn ʿÔlê Merkaz Êrôpā vom November 1986 S. 7: "An der
Christian-Rauch-Schule in Arolsen (Hessen-Waldeck) beschäftigt sich seit
Frühjahr 1986 eine Arbeitsgruppe (bestehend aus 13 Schülerinnen und Schülern
der Jahrgangsstufe 12 und einem Religionslehrer) damit, die Geschichte der
Juden aus Arolsen, Mengeringhausen und Rhoden aufzuschreiben. Die Suche nach
ehemaligen Mitbürgern gestaltet sich sehr schwierig, da offizielle
Unterlagen nur wenig aufschlussreich sind. Die Arbeitsgruppe sucht daher den
Kontakt zu jüdischen Familien, die Auskunft geben können über das Schicksal
ehemaliger Mitbürger. Neben der Geschichte einzelner Familien interessieren
besonders Dokumente (Fotos, Briefwechsel etc.), die die Verfolgung zur Zeit
des Nazifaschismus in den genannten Orten deutlich macht. Wer über jüdisches
Leben in Arolsen, Mengeringhausen und Rhoden Auskunft geben kann, wird
gebeten, die Arbeit der jungen Historiker zu unterstützen. Bitte wenden Sie
sich an Arbeitsgruppe 'Juden in Arolsen', Christian-Rauch-Schule, Grosse
Allee 73, 3548 Arolsen, oder Studienrat Michael Winkelmann, an der Mauer 33,
3530 Warburg, West-Germany." |
| |
| Ab Ende 2026:
Verlegung von Stolpersteinen in Arolsen, Helsen und
Mengeringhausen |
Artikel von Elmar Schulten in der "Waldeckischen
Landeszeitung" vom 24. Januar 2026: "50 Stolpersteine zur Erinnerung in
Arolsen, Helsen und Mengeringhausen
Stolpersteine sollen demnächst auch in Arolsen an die ehemaligen jüdischen
Mitbürger erinnern, die von den Nationalsozialisten vertreiben und ermordet
wurden. Dafür setzen sich diese Schüler um Geschichtslehrerein Tina Römer
ein. Die ersten drei von insgesamt 50 Stolpersteinen zum Gedenken an
verfolgte und ermordete Juden werden in Bad Arolsen, Helsen und
Mengeringhausen voraussichtlich im Dezember 2026 durch den Künstler Gunter
Demnig verlegt werden.
Bad Arolsen – Das wurde bei einer Veranstaltung der
Geschichtswerkstatt der Christian-Rauch-Schule in Zusammenarbeit mit der
örtlichen Bezirksgruppe des Waldeckischen Geschichtsvereins erklärt. Es
solle eine 'Gemeinschaftssache' werden, so Geschichtslehrerin und
Vorstandsmitglied Tina Römer bei einer Präsentation zu dem
Stolpersteine-Projekt in der 'Luisenmühle' Mengeringhausen. Es gehe nicht
nur um die Vergangenheit , sondern um die Gegenwart, sagte Römer. Geplant
seien 'Mahnmale in unserem Boden' , die zeigen sollen, dass die Bürger sich
gegen Ausgrenzung und Verfolgung einsetzten.
Geeignete Stellen ausgesucht. Auf ihre Präsentation bei der
Magistratskommission für eine Sichtbarmachung der NS-Geschichte in Bad
Arolsen hat die Geschichtswerkstatt aus diesem Gremium ein positives Echo
erfahren. Zuvor wurde das Thema kontrovers erörtert und eher ablehnend
behandelt. Es brauche eine breite Zustimmung, ohne die Stadt und die
Anlieger gehe es nicht, betonte Römer. Doch nach der Vorstellung der Pläne
der Geschichtswerkstatt steht nun ein grober Zeitplan. Die Verwirklichung
ist nach längerer Diskussion schon in greifbarer Nähe. Bis April soll ein
formeller Antrag an die Stadt gestellt werden und die neu gewählte
Stadtverordnetenversammlung ein Votum abgeben. Laut Bürgermeister Marko
Lambion seien schon die vorgesehenen Stellen in der Kernstadt Bad Arolsen
(17 Stolpersteine), Mengeringhausen (24) und in Helsen
(neun) geprüft worden.
An das Unrecht erinnern. Die Stolpersteine und die Verlegung sollen
durch Spenden finanziert werden, der Geschichtsverein würde dies
koordinieren. Hier können sich einzelne Personen, Vereine oder
Kirchengemeinden engagieren. Dabei geht es primär um 6000 Euro für die 50
Stolpersteine, die aus einem Betonkern und einer Messingplatte bestehen. Der
Künstler und Ideengeber für Stolpersteine Gunter Demnig hat bereits einen
Termin für die ersten drei Stolpersteine für Dezember angeboten. Die übrigen
Exemplare würden von seinem Team in öffentlichen Veranstaltungen verlegt.
Demnig möchte mit den Stolpersteinen der nationalsozialistischen
Massenvernichtung etwas entgegensetzen. Daher sollen die Steine einzeln und
nicht in Masse eingesetzt zu werden, um der Person dahinter gerecht zu
werden, wie Demnig auf seiner Webseite betont.
CRS-Schüler sehr engagiert. Die Stadt würde die Mahnmale in den
Bürgersteigen übernehmen, so Stadtrat Dietmar Danapel. Verschiedene Gruppen,
Parteien, Bürger und Vereine können sich um den Erhalt und die Pflege der
goldglänzenden Steine kümmern. Durch solche Patenschaften sollen die
Erinnerung und der mahnende Charakter der Steine lebendig erhalten werden.
Bad Arolsen würde nach Bad Wildungen,
Frankenberg und
Battenberg die vierte Kommune in
Waldeck-Frankenberg werden, in der Stolpersteine verlegt werden. Dass sie
nun auch in Bad Arolsen platziert werden können, ist nicht zuletzt
der Arbeit der CRS-Geschichtswerkstatt um Tina Römer, einem umfangreichen
Werk des Geschichtsvereinsvorsitzenden Erhard Kraft über die Helser Juden
und dessen Engagement auf dem Gebiet zu verdanken.
Ein bisschen spät dran. Die CRS-Arbeitsgemeinschaft hat intensive
Recherchen angestellt und im Rahmen der beabsichtigten Sichtbarmachung der
NS-Geschichte bereits Rundgänge durch Mengeringhausen und Bad
Arolsen/Helsen organisiert sowie virtuelle Rundgänge für eine eigene
Webseite gestaltet. Zudem wurde der jüdische Friedhof erkundet und die
verfügbaren Daten im Internet bereitgestellt. Nun also sollen Stolpersteine
in Gehwegen der alten Ortskerne das Gedenken anschaulich ergänzen. 'Das
Thema liegt uns sehr am Herzen', betonten Sprecher der Geschichtswerkstatt.
'Es ist in der Kommission positiv aufgefasst worden', freuten sie sich.
'Lass’ es uns mal anfangen!', brachte es Kraft auf den Punkt. 'Wir sind ein
bisschen spät dran', erklärte der Heimatforscher Prof. Martin Kipp. 'Im
Waldecker Land und speziell in Arolsen gehen die Uhren anders', ergänzte er.
Wiederholung verhindern. Unterstützung äußerte auch die Vorsitzende der
Initiative Pro Bad Arolsen, Angela Dingel-Padberg. Das international
bekannte Format des Gedenkens sei überzeugend und ergänze die Tafeln an
historischen Gebäuden, die die Initiative bereits habe anbringen lassen. Sie
räumte ein, dass das Thema auch auf Ablehnung in der Initiative gestoßen
sei. Es gebe noch kein Denkmal in Bad Arolsen zur Erinnerung an die
Verfolgung der Juden, betonte Tina Römer. Als erschreckend werde auch
kommentiert, dass es noch nicht einmal ein Gedenken am ehemaligen
KZ-Außenlager gebe. Sie verwies damit auf Erklärungen der früheren
Direktorin der Arolsen Archives, Floriane Azoulay, die ein solches Denkmal
und Stolpersteine in Arolsen vermisste. 'Wir sehen doch, was draußen
passiert. Wir laufen Gefahr, dass so etwas wieder passiert', sagte der
Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Bad Arolsen und Helsen, Timothée Liebig.
Forschungsgebiet Landau. 'Es ist
höchste Zeit', sagte Kommissionsmitglied Ulrich von Nathusius. In dem
Gremium habe es entschiedene Gegner gegeben. Juden könnten es als ungehörig
empfinden, dass 'man auf Juden herumtrete' - so ein Argument von zwei
inzwischen verstorbenen Mitgliedern. Von Nathusius räumte ein, dass auch
Juden dies nicht gut fänden. Heimatforscher Christian Meuser wandte ein,
dass auch Grabplatten in Kirchen problemlos betreten werden könnten.
Schließlich informierte Stadtrat Dietmar Danapel über die in der Kommission
erörterte Idee , den Kirchplatz in Arolsen als zentralen Ort für ein Denkmal
auszuwählen und per QR-Code Informationen abrufbar zu machen. Der Stadtteil
Landau biete sich als ehemaliger Standort jüdischen Lebens noch als
Forschungsgebiet an', sagte Römer auf die Frage, warum dort keine
Stolpersteine vorgesehen seien."
Link zum Artikel |
Links und Literatur
Links:
Quellen:
| Hinweis
auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Bad Arolsen
mit umliegenden Orten: Helsen, Külte, Landau, Massenhausen, Mengeringhausen,
Nieder-Waroldern, Rhoden, Vasbeck, Wrexen |
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs
(innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus
hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar:
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41
Zu Bad Arolsen sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur
Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):
HHStAW 365,1 Gräberverzeichnis des
jüdischen Friedhofs Arolsen (Helsen), aufgenommen von dem Lehrer Moritz
Goldwein aus Korbach im Sommer 1938 https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v5319758
enthält 108 hebräische und deutsche Grabinschriften sowie eine Skizze
zur Lage des jüdischen Friedhofes. Darin auch eine hebräische Inschrift
auf einem Toramäntelchen in Mengeringhausen.
HHStAW 365,2 Personenstandsregister der Juden von
Arolsen 1834 - 1842 (1857-1858) Trauregister 1834 -
1840 Sterberegister 1834 - 1842 - enthält auch Helsen - sowie
Geburtsverzeichnis der Kinder von den Eheleuten Carl Alsberg und Johanna
geb. Baruch aus Arolsen 1857 - 1858 https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1030569
HHStAW 365,435 Personenstandsregister der Juden von
Arolsen 1859 - 1866: enthält Geburts- und Sterberegister der Juden
von Helsen, 1859 - 1866, Geburts-, Trau- und Sterberegister der Juden von Mengeringhausen,
1861 - 1866, Geburts-, Trau- und Sterberegister der Juden von Rhoden, 1859
- 1866, Geburts-, Trau- und Sterberegister der Juden von Landau, 1859 -
1866, Geburts-, Trau- und Sterberegister der Juden von Arolsen, 1859
- 1866; Geburtsregister der Juden von Vasbeck, 1861, Geburtsregister der
Juden von Helmighausen https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4250801
HHStAW 365,15 Personenstandsregister der Juden von
Arolsen 1859 - 1875: enthält Geburtsregister 1859 - 1875,
Trauregister 1859 - 1875, Sterberegister 1859 - 1875 https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v289737
HHStAW 365, 16 Personenstandsregister der Juden von
Arolsen 1867 - 1875: enthält Geburts-, Trau- und Sterberegister,
darin auch Helsen, Külte, Landau, Massenhausen, Mengeringhausen,
Nieder-Waroldern, Rhoden, Wrexen
https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2126643
|
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd.II S. 69-70. |
 | Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit
1945? 1988 S. 68. |
 | dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in
Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 66. |
 | dies.: Neubearbeitung der beiden Bände. 2007 S.
184. |
 | Studienkreis Deutscher Widerstand
(Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S.
208-210. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 510. |
 | Michael Winkelmann: "Auf einmal sind sie
weggemacht". Lebensbilder Arolser Juden in 20. Jahrhundert. Hrsg.
Gesamthochschule Kassel 1992. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Mengeringhausen
(now part of Arolsen) Hesse. Established around 1800, this small
Jewish community numbered 21 in 1847 and 1925. Most of the Jews left (some
emigrating) before 1938.

vorherige Synagoge zur ersten Synagoge nächste Synagoge
|