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Eimelrod (Gemeinde
Willingen (Upland), Kreis Waldeck-Frankenberg)
Jüdische Geschichte / Synagoge
(erstellt unter Mitarbeit von Alf Seippel, Dortmund)
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Eimelrod bestand eine kleine jüdische Gemeinde bis 1938.
Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. Die
Entstehung der Gemeinde beziehungsweise der Synagoge wird etwa 1780
datiert.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1830 34 jüdische Einwohner, 1871 10 (3,3 % von insgesamt 307
Einwohnern), 1895 15 (3,7 % von 401), 1905 15 (3,6 % von 417).
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule
(Religionsschule),
ein rituelles Bad und ein Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war vermutlich zu keiner Zeit
ein eigener Lehrer in der Gemeinde. Den Religionsunterricht der Kinder wird ein
auswärtiger Lehrer mit übernommen haben; die Vorbeterdienste wurden
ehrenamtlich durch Gemeindeglieder besorgt. Die Gemeinde gehörte zum
Provinzialrabbinat in Marburg.
Um 1924 gehörten zur jüdischen Gemeinde 20 Personen (4,1 % von insgesamt
486 Einwohnern). 1932 war Gemeindevorsteher Julius Schild.
1933 lebten 14 jüdische Personen in Eimelrod (2,9 % von insgesamt 484
Einwohnern). In
den folgenden Jahren ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Eine der Familien (mit
drei Personen) verzog 1935 nach Korbach, eine andere Familie (mit vier Personen)
emigrierte 1937 nach Argentinien. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die
Synagoge zerstört (s.u.). 1939 wurden noch zwei
jüdische Einwohner gezählt, die 1941 deportiert wurden (über das
"Sammellager" in Wrexen).
Von den in Eimelrod geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Lieselotte Cossen (1929),
Marianne Anneliese Cossen (1927), Lieselotte Ria Cossen (1929), Max Cossen
(1899), Paula Cossen geb. Meijer (Meyer; 1900), Dina Kratzenstein geb.
Straus (1867), Julius Schild (1894), Leopold Schild (1864), Max Schild (1891),
Rosa Schild geb. Meyer (1891), Siegfried Schild (1890), Johanna Sternfeld geb.
Straus (1875), Bernhard Straus (1890), Friedel Straus (1925), Hermann Straus
(1890), Hugo Straus (1891), Irmgard Straus (1921), Julius Straus (1881).
Hinweis: Alf Seippel (Dortmund)
erforscht die Geschichte und die Schicksale der jüdischen Einwohner von
Eimelrod. Der derzeitige Stand seiner Forschungen (April 2011) ist einsehbar
über eine pdf-Datei. Ergänzende Hinweise bitte direkt Alf
Seippel mitteilen: E-Mail (
SFDzV.Seippel[et]t-online.de).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige von Johanna Strauss (1912)
Anmerkung (Angabe von A. Seippel): Vermutlich handelt es sich um Johanna
Straus, geb. 17.2.1893 in Eimelrod, verheiratet seit 28.12.1920 in Kamen mit
Arthur Reinberg (zwei Söhne). Diese Familie ist nach Chile emigriert und hat
dadurch die Zeit der Shoa überlebt.
Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt"
vom 11. Oktober 1912:
"Suche zum baldigen Eintritt Stellung in einem koscheren Haushalt, wo
Dienstmädchen vorhanden ist.
Johanna Straus, Eimelrod, Bezirk Kassel". |
Zur Geschichte der Synagoge
In Eimelrod war eine alte, sehr kleine Synagoge vorhanden. Sie
wurde möglicherweise um 1780 erstellt und hatte 24 Plätze für Männer, 16
für Frauen. Bis zuletzt gab es kein elektrisches Licht im Gebäude; die
Beleuchtung erfolgte durch Stalllaternen. Auch nachdem die Zahl der jüdischen
Einwohner nach 1933 schnell zurückgegangen ist, fanden nach Angaben bei
Arnsberg noch bis 1938 gelegentlich Gottesdienste in der Synagoge statt.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge völlig zerstört. Die
Brandruine wurde 1939 abgebrochen.
Adresse/Standort der Synagoge: an
der Hauptstraße
Fotos
Die Synagoge in Eimelrod
(Foto erhalten von Alf Seippel) |
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Die Synagoge steht rechts
des
abgebildeten Hauses |
Ausschnittvergrößerung
des Fotos links |
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| Ähnliche Synagoge in
Padberg |
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Die Synagoge in Eimelrod
sah (nach Angaben von Dr. Alf Seippel) sehr ähnlich aus
wie die
erhaltene (restaurierte) Fachwerksynagoge im etwa 30 km Luftlinie
entfernten westfälischen Padberg; oben: die Synagoge in Padberg -
Foto
aus dem Wikipedia-Artikel
zur Synagoge Padberg |
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Standort der Synagoge
(Fotos von Alf Seippel) |
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Luftaufnahme (1986) von Eimelrod mit
Eintragung des Standortes
der Synagoge (X) |
Synagogenstandort (O),
Häuser, die auf
dem obigen historischen Foto zu sehen
sind (X) und das Schild'sche Haus (Y) |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 152. |
 | Keine Artikel zu Eimelrod in Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit
1945? 1988 bzw. in dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in
Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994 bzw. dies. Neubearbeitung der
beiden Bände 2007. |
 | Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S.
222. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 364-365.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Eimelrod (now
part of Willingen) Hesse-Nassau. Established in 1780, this small jewish
community numbered 34 in 1830 and 20 (4 % of the total) in 1925. The last two
Jews were deported in 1942.

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