Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Eimelrod (Gemeinde Willingen (Upland), Kreis Waldeck-Frankenberg)
Jüdische Geschichte / Synagoge 
(erstellt unter Mitarbeit von Alf Seippel, Dortmund)

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
   
In Eimelrod bestand eine kleine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. Die Entstehung der Gemeinde beziehungsweise der Synagoge wird etwa 1780 datiert.     
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1830 34 jüdische Einwohner, 1871 10 (3,3 % von insgesamt 307 Einwohnern), 1895 15 (3,7 % von 401), 1905 15 (3,6 % von 417). 
  
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Religionsschule), ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war vermutlich zu keiner Zeit ein eigener Lehrer in der Gemeinde. Den Religionsunterricht der Kinder wird ein auswärtiger Lehrer mit übernommen haben; die Vorbeterdienste wurden ehrenamtlich durch Gemeindeglieder besorgt. Die Gemeinde gehörte zum Provinzialrabbinat in Marburg.    
   
Um 1924 gehörten zur jüdischen Gemeinde 20 Personen (4,1 % von insgesamt 486 Einwohnern). 1932 war Gemeindevorsteher Julius Schild.   
   
1933 lebten 14 jüdische Personen in Eimelrod (2,9 % von insgesamt 484 Einwohnern). In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Eine der Familien (mit drei Personen) verzog 1935 nach Korbach, eine andere Familie (mit vier Personen) emigrierte 1937 nach Argentinien. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge zerstört (s.u.). 1939 wurden noch zwei jüdische Einwohner gezählt, die 1941 deportiert wurden (über das "Sammellager" in Wrexen).  
    
Von den in Eimelrod geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Lieselotte Cossen (1929), Marianne Anneliese Cossen (1927), Lieselotte Ria Cossen (1929), Max Cossen (1899), Paula Cossen geb. Meijer (Meyer; 1900), Dina Kratzenstein geb. Straus (1867), Julius Schild (1894), Leopold Schild (1864), Max Schild (1891), Rosa Schild geb. Meyer (1891), Siegfried Schild (1890), Johanna Sternfeld geb. Straus (1875), Bernhard Straus (1890), Friedel Straus (1925), Hermann Straus (1890), Hugo Straus (1891), Irmgard Straus (1921), Julius Straus (1881).     
   
  
Hinweis: Alf Seippel (Dortmund) erforscht die Geschichte und die Schicksale der jüdischen Einwohner von Eimelrod. Der derzeitige Stand seiner Forschungen (April 2011) ist einsehbar über eine pdf-Datei. Ergänzende Hinweise bitte direkt Alf Seippel mitteilen: E-Mail ( SFDzV.Seippel[et]t-online.de). 
   
 
     

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 
Anzeige von Johanna Strauss (1912)  
Anmerkung (Angabe von A. Seippel): Vermutlich handelt es sich um Johanna Straus, geb. 17.2.1893 in Eimelrod, verheiratet seit 28.12.1920 in Kamen mit Arthur Reinberg (zwei Söhne). Diese Familie ist nach Chile emigriert und hat dadurch die Zeit der Shoa überlebt.    

Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 11. Oktober 1912:  
"Suche zum baldigen Eintritt Stellung in einem koscheren Haushalt, wo Dienstmädchen vorhanden ist. 
Johanna Straus, Eimelrod, Bezirk Kassel".       

      

       

     
Zur Geschichte der Synagoge      
   
In Eimelrod war eine alte, sehr kleine Synagoge vorhanden. Sie wurde möglicherweise um 1780 erstellt und hatte 24 Plätze für Männer, 16 für Frauen. Bis zuletzt gab es kein elektrisches Licht im Gebäude; die Beleuchtung erfolgte durch Stalllaternen. Auch nachdem die Zahl der jüdischen Einwohner nach 1933 schnell zurückgegangen ist, fanden nach Angaben bei Arnsberg noch bis 1938 gelegentlich Gottesdienste in der Synagoge statt.  
    
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge völlig zerstört. Die Brandruine wurde 1939 abgebrochen.   
  
  
Adresse/Standort der Synagoge    an der Hauptstraße   

Fotos   

Die Synagoge in Eimelrod
(Foto erhalten von Alf Seippel)
Eimelrod Synagoge 120.jpg (143324 Byte)   Eimelrod Synagoge 121.jpg (72315 Byte)
     Die Synagoge steht rechts des 
abgebildeten Hauses
Ausschnittvergrößerung 
des Fotos links
        
Ähnliche Synagoge in Padberg   Padberg Synagoge 120.jpg (99040 Byte)  
    Die Synagoge in Eimelrod sah (nach Angaben von Dr. Alf Seippel) sehr ähnlich aus 
wie die erhaltene (restaurierte) Fachwerksynagoge im etwa 30 km Luftlinie 
entfernten westfälischen Padberg; oben: die Synagoge in Padberg - 
Foto aus dem Wikipedia-Artikel zur Synagoge Padberg  
           
Standort der Synagoge
(Fotos von Alf Seippel)
Eimelrod Friedhof 130.jpg (201795 Byte) Eimelrod Synagoge 125.jpg (193506 Byte)
  Luftaufnahme (1986) von Eimelrod mit
Eintragung des Standortes 
der Synagoge (X)
Synagogenstandort (O), Häuser, die auf 
dem obigen historischen Foto zu sehen 
sind (X) und das Schild'sche Haus (Y) 
     
     

   
    
Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Willingen (Upland)    

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 152.  
Keine Artikel zu Eimelrod in Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 bzw. in dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994 bzw. dies. Neubearbeitung der beiden Bände 2007. 
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 222.   
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 364-365.   
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Eimelrod (now part of Willingen)  Hesse-Nassau. Established in 1780, this small jewish community numbered 34 in 1830 and 20 (4 % of the total) in 1925. The last two Jews were deported in 1942.   
   

  

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 20. April 2012