Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Allgemeine Berichte sowie Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben (interner Link)  
Berichte zur orthodoxen "Israelitischen Religionsgesellschaft"  (interner Link)   
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  (interner Link)   
     

Stuttgart (Baden-Württemberg)
Texte/Berichte zur jüdischen Geschichte der Stadt  
  
   Hier: Berichte zu den Rabbinern, Lehrern und Kultusbeamten der Gemeinde 
(Hauptgemeinde -
ohne Rabbiner, Lehrer und Kultusbeamte der Israelitischen Religionsgesellschaft)
sowie Berichte zur jüdischen Schule 
    

Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Stuttgart wurden in jüdischen Periodika gefunden. . 
Bei Gelegenheit werden weitere Texte eingestellt. Neueste Einstellung am 9.2.2014.  
   
Hinweis: ein Teil der Texte dieser Seite konnte noch nicht abgeschrieben, die Artikel können jedoch durch Anklicken der Textabbildungen gelesen werden. 
  
Übersicht über die Rabbiner in Stuttgart: 

Stuttgart Rabbiner Maier Lit 010.jpg (96476 Byte) Stuttgart Rabbiner Maier Lit 011.jpg (146246 Byte) Stuttgart Rabbiner Wassermann 010.jpg (170118 Byte) Stuttgart Rabbiner Wassermann 011.jpg (127650 Byte)
Literatur zur Rabbiner Dr. Joseph von Maier
Siegfried Däschler-Seiler: Auf dem Weg in die bürgerliche
 Gesellschaft. Joseph Maier und die jüdische Volksschule
 im Königreich Württemberg. Stuttgart 1997 
Rabbiner Dr. Moses von Wassermann; rechts sein
 Grabstein im Pragfriedhof Stuttgart - israelitischer Teil;
 Quelle der Abbildungen: Joachim Hahn. Pragfriedhof -
 Israelitischer Teil. Stuttgart 1992.

   
Stadt- und Bezirksrabbiner (ab 1894 ein 1. Stadtrabbiner sowie ein 2. Stadtrabbiner und Bezirksrabbinat)
1832 bis 1873: Rabbiner Dr. Joseph von Maier (geb. 1798 in Laudenbach, gest. 1873 in Stuttgart): lernte an der jüdische Hochschule in Fürth, 1815 bis 1818 Hauslehrer in Küps, danach Aufenthalt in Mainz; 1824 Studium in Heidelberg; nach bestandener Rabbinatsprüfung in Stuttgart 1827 zunächst Hausrabbiner bei Familie Kaulla in Stuttgart und Aufenthalt an anderen Orten; seit 1831 im württembergischen Staatsdienst (theologisches Mitglied bei der israelitischen Oberkirchenbehörde); von 1832 bis 1873 Bezirksrabbiner in Stuttgart.  
1874 bis 1892: Rabbiner Dr. Moses von Wassermann (geb. 1811 in Gunzenhausen, gest. 1892 in Stuttgart): 1835 bis 1873 Rabbiner in Mühringen, 1874 bis 1892 Bezirksrabbiner in Stuttgart und theologisches Mitglied der Oberkirchenbehörde, Kirchenrat. 
1886 / 1894 bis 1919: Rabbiner Dr. David Stössel (geb. 1848 in Lackenbach in Ungarn, gest. 1919 in Stuttgart): zunächst Lehrer und Prediger in Jung-Bunzlau, 1881 Hilfsgeistlicher und Religionslehrer; 1886 bis 1893 Rabbinats-Vikar in Stuttgart; 1894 bis 1919 2. Stadt- und Bezirksrabbiner in Stuttgart, Kirchenrat. 
1894 bis 1922: Rabbiner Dr. Theodor Kroner (geb. 1845 in Dyhernfurth, gest. 1923 in Stuttgart): 1869 bis 1872 Seminardirektor in Münster i.W., 1872 bis 1883 Rabbiner in Stadtlengsfeld; 1883 bis 1885 Rabbiner in Erfurt; 1885 bis 1893 Seminardirektor in Hannover; 1894 bis 1922 1. Stadtrabbiner n Stuttgart und theologisches Mitglied der Oberkirchenbehörde, Oberkirchenrat. 
1920 bis 1922: Rabbiner Dr. Arthur Rosenzweig (geb. 1883 in Teplitz, Böhmen, gest. 1936 in Prag): studierte in Berlin und Heidelberg; 1909 bis 1919 Rabbiner in Aussig, Böhmen, im Ersten Weltkrieg Feldrabbiner; 1920 bis 1922 2. Stadtrabbiner und Bezirksrabbiner in Stuttgart; 1926 bis 1934 Rabbiner in Schneidemühl und Bezirksrabbiner der Grenzmark (Posen-Westpreußen); 1934 Rabbiner der Alt Schul in Prag. 
1922 bis 1936: Rabbiner Dr. Paul Rieger (geb. 1870 in Dresden, gest. 1939 in Stuttgart): 1896 bis 1902 Rabbiner in Potsdam; 1902 bis 1916 Rabbiner in Hamburg; 1916 bis 1922 Rabbiner in Braunschweig; 1922 bis zur Pensionierung 1936 1. Stadtrabbiner und theologisches Mitglied der Oberkirchenbehörde beziehungsweise des Oberrates in Stuttgart. 
1924 bis 1928 Rabbiner Dr. Julius Cohn (geb. 1878 in Graudenz, Westpreußen, gest. 1940 in England): studierte in Berlin und Heidelberg; 1906 bis 1915 Religionslehrer und Hilfsprediger bei der jüdischen Gemeinde Berlin; 1915 bis 1919 Rabbiner in Hoppstädten - Landesrabbiner in Birkenfeld; 1919 Rabbiner und Religionslehrer in Karlsruhe; 1924 bis 1928 2. Stadtrabbiner und Bezirksrabbiner; 1928 bis 1939 Bezirksrabbiner in Ulm.
1929 bis 1939: Rabbiner Dr. Heinemann Auerbach (geb. 1880 in Konin, gest. 1957 in Los Angeles): Studium in Freiburg i.Br. und Breslau; 1908 bis 1911 Religionslehrer in Dresden; 1911 Rabbiner in Elbing, Westpreußen; 1924 bis 1928 Rabbiner in Göttingen; 1929 bis 1939 2. Stadtrabbiner und Bezirksrabbiner in Stuttgart; November 1938 inhaftiert; 1939 in die USA emigriert; 1940 bis 1942 Rabbiner in Saginaw; 1942 bis 1957 Rabbiner der Bnai Brith-Loge in Los Angeles..  
    
Rabbiner der Israelitischen Religionsgesellschaft
Texte auf der Seite zur Israelitischen Religionsgesellschaft.  
-   1922 bis 1925: Rabbiner Dr. Jonas Ansbacher (geb. 1879 in Nürnberg, gest. 1967 in London): studierte in Erlangen, Zürich, Frankfurt und Gießen; zunächst Rabbiner in Labischin, Posen; 1911 Rabbiner der Israelitischen Religionsgesellschaft in Heilbronn, 1922 bis 1925 Rabbiner der Israelitischen Religionsgesellschaft in Stuttgart; 1926 bis 1938 Rabbiner der Altisraelitischen Kultusgemeinde Wiesbaden; November 1938 Internierung im KZ Buchenwald; 1939 nach England emigriert, 1941 bis 1955 Rabbiner in Hampstead, London, danach Ruhestand. 
1925 bis 1939: Rabbiner Dr. Simon Bamberger (geb. 1899 in Schrimm, Posen, gest. 1957 in Bnei Brak, Israel): Studium in Berlin und Würzburg; 1924/25 Lehrer an der Talmud-Tora-Schule in Köln; 1925 Nachfolger Rabbiner der Israelitischen Religionsgesellschaft in Stuttgart; November 1938 Internierung im KZ Dachau; 1939 nach Palästina emigriert; ab 1943 Schulleiter in Bnei Brak und Rabbiner an einer Synagoge ebd.     

  
Übersicht über die Texte:     

Berichte über die Rabbiner der Gemeinde 
-  Rabbiner Dr. Maier nimmt an der Synodal-Versammlung von Rabbinern in Wiesbaden teil (1837)  
-  Rabbiner Dr. Maier wird zum "Kirchenrat" ernannt (1837)  
-  Anmerkungen zu einem Prospekt für das neue Gebetbuch von Rabbiner Dr. Maier (1848)   
-  Anzeige des "Gebetbuches für die öffentliche und häusliche Andacht der Israeliten" von Rabbiner Dr. Maier (1848)  
-  Publikation von Rabbiner Dr. Maier (1853)     
2
5-jähriges Amtsjubiläum von Rabbiner Dr. Maier in Stuttgart (1860)  
E
in Porträt des Kirchenrates Rabbiner Dr. Maier ist erschienen (1860)   
-  Kritisches zur Einführung der Stuttgarter Gottesdienstordnung in den württembergischen Gemeinden (1861)  
Kritisches zum Erscheinen des zweiten Teiles des neuen Stuttgarter Gebetbuches (1862)    
-  Auszeichnung von Rabbiner Dr. Maier mit dem persönlichen Adel (1867)  
Zum Tod von Rabbiner Dr. Joseph von Maier (1873)    
Über eine Predigt von Rabbiner Dr. Wassermann zu Sukkot (1875)  
Rabbiner Dr. Wassermann erhält den persönlichen Adel (1883)  
50-jähriges Amtsjubiläum von Rabbiner Dr. von Wassermann (1884)     
-  Kritischer Nachruf auf Rabbiner Dr. von Wassermann - aus orthodoxer Sicht (1892)   
Zum Tod von Rabbiner Dr. von Wassermann (1892)   
Zum 100. Geburtstag des 1892 verstorbenen Rabbiners Dr. von Wassermann (1911)   
Ausschreibung der beiden Rabbinatsstellen (1893)   
Rabbiner Dr. Theodor Kroner soll Nachfolger von Rabbiner Dr. von Wassermann werden (1893)  
Rabbiner Dr. Theodor Kroner wird theologisches Mitglied der Israelitischen Oberkirchenbehörde ("Kirchenrat") (1894)  
Zum Dienstantritt von Rabbiner Dr. Theodor Kroner (1894)  
R
abbiner Dr. Theodor Kroner referiert in Berlin über "Jud Süß" (1902)  
Z
um Tod von Bezirksrabbiner Dr. David Stössel (1919)   
E
inführung von Rabbiner Prof. Dr. Arthur Rosenzweig (1920)   
Mitgliederversammlung des Vereins württembergischer Rabbiner in Stuttgart (1921)  
Rabbiner Dr. Theodor Kroner wird in den Ruhestand versetzt (1921)   
Ausschreibung der Stelle des I. Stadtrabbiners (1921)  
Rabbiner Dr. Paul Rieger wird zum I. Stadtrabbiner gewählt (1922)   
Zum Tod von Rabbiner Dr. Kroner (1923)    
Zum ersten Todestag von Rabbiner Dr. Paul Rieger (1940)      
Berichte zu den jüdischen Lehrern und weiteren Kultusbeamten    
-  Vorsänger Moritz Eichberg wirbt für seine Schülerpension (1838)   
In Stuttgart gibt es keine israelitische Konfessionsschule (1860)    
Tagung des Israelitischen Lehrervereins in Stuttgart (1873)  
-  Anzeige einer Publikation für israelitische Volksschulen von Lehrer J. Weil (1873)   
-  Anzeige des Israelitischen Knaben-Pensionats von Lehrer Salomon Abraham (1882)  
-  Konferenz der Israelitischen Lehrer Württembergs (1883)  
-  60-jähriges Dienstjubiläum von Kantor Moritz Eichberg und 35-jähriges Ortsjubiläum von Sekretär Hermann Stern (1885) 
A
usschreibung der (2.) Kantorstelle (1885)   
-  Kritik an der langsamen Arbeit des Israelitischen Oberkirchenrates bei der Besetzung der 2. Kantorstelle (1885)  
-  Versammlung der israelitischen Lehrer und Vorsänger Württembergs in Stuttgart (1887)  
-  Versammlung der israelitischen Lehrer und Vorsänger Württembergs in Stuttgart (1888) 
-  25-jähriges Dienstjubiläum von Kantor Emil Gundelfinger (1888) 
25-jähriges Amtsjubiläum von Synagogenverwalter Mannheimer (1889)  
-  Versammlung der israelitischen Lehrer und Vorsänger Württembergs in Stuttgart (1890)  
-  Werbung von Schächter Hirsch Jacob für die Geflügelhandlung von M. Kaufmann (1891)  
-  Plenarversammlung des "Unterstützungsvereins israelitischer Lehrer und Vorsänger Württembergs" (1901)  
-  Die Barmizwa-knaben müssen keinen Zylinderhut mehr tragen - Karl Kahn wird als Kantor verpflichtet (1903)  
-  40-jähriges Dienstjubiläum von Kantor Emil Gundelfinger (1903)  
-  Eine Deputation des israelitischen Lehrervereins wird durch Minister Dr. von Weizsäcker empfangen (1904)  
-  Lehrer und Kantor Emil Gundelfinger tritt in den Ruhestand (1910)  
-  25-jähriges Ortsjubiläum von Oberkantor Jakob Tennenbaum (1911) 
50-jähriges Jubiläum des "Vereins israelitischer Lehrer und Vorsänger in Württemberg" (1913) 
-  Ausschreibung von Stellen an der jüdischen Schule (1934)   
-  Eröffnung der jüdischen Schule zum 1. April 1934 (1934)   
Ausschreibung einer Lehrerstelle für die jüdische Schule (1934)  
Plädoyer für jüdische Schullandheime von Wolf Berlinger (1935)  
Beitrag der Lehrerin an der Jüdischen Schule Alice Oppenheimer "Eine Mutter erzählt ihren Kindern die Bibel" (1936) 
Lehrer Felix David rettet einen Jungen vor dem Ertrinken (1936)  
Ausschreibung einer Lehrerstelle in der jüdischen Schule Stuttgart (1937)    

   
   

Stuttgart AZJ 11071837.jpg (108309 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. Juli 1837: "Heidelberg, 14. Juni (1837). Gestern ist der Dr. Maier, Rabbiner zu Stuttgart und geistliches Mitglied der israelitischen Oberkirchenbehörde im Königreiche Württemberg, in Begleitung der Rabbiner Bloch aus Buchau und Dr. Wassermann aus Mühringen, hier durchgereist, um sich nach Wiesbaden zu begeben, wo nächsten Sonntag eine Synodal-Versammlung von Rabbinen aus verschiedenen Teilen Deutschlands ihren Anfang nehmen wird, und zwar auf Einladung des Dr. Geiger, Rabbiners zu Wiesbaden, in der 'Wissenschaftlichen Zeitschrift für jüdische Theologie.' Daselbst ist auch der Zweck dieses geistlichen Frei-Konvents angegeben: Vorbereitendes Besprechen der wichtigsten Kultus- und Reform-Anlegenheiten, um allen gerechten Wünschen entsprechen zu können, wenn die Landesregierungen, aufgefordert von den israelitischen Gemeinden, solche Synoden anordnen werden, um endlich eine Angelegenheit zu schlichten, von welcher man bis jetzt noch hier und da die bürgerliche Gleichstellung der Israeliten abhängig gemacht."       

 
Rabbiner Dr. Maier wird zum "Kirchenrat" ernannt (1837)      

Stuttgart AZJ 01081837.jpg (48622 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. August 1837: "Stuttgart, 11. Juli (1837). Seine Majestät der König haben vermöge höchster Entschließung vom 28. vorigen Monats den bisher provisorisch bei der israelitischen Oberkirchenbehörde angestellten Rabbiner von Stuttgart, Dr. Maier, definitiv zum geistlichen Mitgliede dieser Behörde mit dem Titel eines 'Kirchenrats' und dem Range in der siebenten Stufe der Staatsdiener ernannt."         

 
Anmerkungen zu einem Prospekt für das neue Gebetbuch von Rabbiner Dr. Maier (1848)     
Anmerkung: der angezeigte Prospekt des Gebetbuches dürfte teilweise - zumindest teilweise - dasselbe beinhaltet haben wie die Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" unten.  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit des 19. Jahrhunderts" vom 20. Februar 1848: "Aus Württemberg. Es liegt vor uns ein Prospectus zu einem neuen Gebetbuches für die öffentliche und häusliche Andacht der Israeliten, vom Kirchenrat Maier, Rabbiner, der über das Unternehmen in folgender Weise sich äußert: 'Der Umschwung in der religiösen Denk- und Anschauungsweise, welcher während der letzten Jahrzehnte in der israelitischen Gemeinde stattgefunden, hat längst den Wunsch nach Erbauungsmitteln rege gemacht, welche dem religiösen Bewusstsein der Gegenwart entsprechen. Ist nun auch für die Privatandacht manches geschehen, (?) so harret doch die Synagoge bis jetzt vergeblich einer Gebetordnung, welche ihr die rechte Weihe und würde zu geben im Stande wäre. Ein zeitgemäßer Gottesdienst ist ein so dringendes Bedürfnis der Zeit, dass es vielleicht nciht zu viel behauptet sein dürfte, wenn man sagt, es sei dadurch die Erhaltung der Religion bedingt. Diesem Mangel abzuhelfen ist die Absicht des Buches, das hiermit angekündigt wird, auf dessen Ausarbeitung der Verfasser seit einer Reihe von Jahren die Stunden verwendet, welche ihm seine Berufsgeschäfte übrig gelassen.' 
Von einem Prospectus lässt sich freilich keine größere Bestimmtheit in der Darlegung und Begründung des Bedürfnisses der angekündigten Erscheinung erwarten. Hoffen wir, dass der geachtete Verfasser, dessen Studien dem liturgischen Gebiete mit besonderer Vorliebe sich hinzuneigen scheinen, in der Einleitung über die so allgemein hingestellten Begriffe, wie: 'religiöses Bewusststein der Gegenwart', 'zeitgemäßer Gottesdienst', 'dringendes Bedürfnis der Zeit' etc. klarern Aufschluss geben und , was die Hauptsache ist, diesen Bedürfnissen durch das neue Gebetbuch Befriedigung verschaffen wird."         

  
Anzeige des "Gebetbuches für die öffentliche und häusliche Andacht der Israeliten" von Rabbiner Dr. Maier (1848)      

Stuttgart AZJ 06111848.jpg (141898 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. November 1848: "Soeben ist erschienen und durch alle soliden Buchhandlungen zu beziehen: 
Gebetbuch für die öffentliche und häusliche Andacht der Israeliten 
von Kirchenrat Maier, Rabbiner. 
 
Der Umschwung in der religiösen Denk- und Anschauungsweise, welche während der letzten Jahrzehnte in der israelitischen Gemeinde stattgefunden, hat längst den Wunsch nach Erbauungsmitteln rege gemacht, welche dem religiösen Bewusststein der Gegenwart entsprechen. Ist nun auch für die Privatandacht Manches geschehen, so harret doch die Synagoge bis jetzt vergeblich einer Gebetordnung, welche ihr die rechte Weihe und Würde zu geben im Stande wäre. Ein zeitgemäßer Gottesdienst ist ein so dringendes Bedürfnis der Zeit, dass es vielleicht nicht zu viel behauptet sein dürfte, wenn man sagt, es sei dadurch die Erhaltung der Religion bei dem heranwachsenden Geschlechte bedingt. Diesem Mangel abzuhelfen ist die Absicht des Buches, das hiermit angekündigt wird, auf dessen Ausarbeitung der Verfasser seit einer Reihe von Jahren die besseren Stunden verwendet, welche ihm seine Berufsgeschäfte übrig lassen. Ob es ihm gelungen ist, das Bedürfnis allseitig zu befriedigen, darüber werden kompetente Stimmen entscheiden, wozu aber nach Ansicht des Verfassers nicht sowohl die Kritiker vom Fach als vielmehr die Gemeinden selber gehören. Diesen Gelegenheit zu geben, sich über dieses Buch auszusprechen, ist zunächst der Zweck dieser ersten Ausgabe, die von keinem größeren Umfange sein wird, als gerade zu diesem Zwecke nötig ist. Die Verlagshandlung, welche bei einer Auflage von ganz geringer Anzahl und bei einem so niedern Preise, wie er hier gestellt ist, auf einen gewinn nicht rechnen kann, wünscht wenigstens die Druckkosten gedeckt zu sehen, zu welchem Behufe sie den Weg der Subskription betritt. Sie zweifelt umso weniger an einer hinlänglichen Unterstützung des Unternehmens, als der Name des Verfassers für den Wert des Buches bürgt.  
Subskriptionspreis: auf fein Velinpapier  fl. 1 48 kr.  auf feinst Velinpapier  fl. 2. 24 kr 
bei allen soliden Buchhandlungen. 
Königliche Hofbuchdruckerei Zu Guttenberg in Stuttgart."            

 
Publikation von Rabbiner Dr. Maier (1853)          

Stuttgart AZJ 11041853r.jpg (73341 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. April 1853:  "In literarischer Beziehung ist auf speziell jüdischem Gebiete vom Kirchenrat Dr. Maier die Fortsetzung seiner jüdischen Ehegesetze im Jahrgang 1852 der Sarvey'schen Monatsschrift für Rechtspflege erschienen. Für Württemberg haben diese Blätter legislatorische Autorität, und diese Darstellung des jüdischen Eherechts ist für den Richterstand Württembergs eine sehr beeignete Belehrung. Der gelehrte Herr Verfasser hat natürlich hier mehr als Kompilator unzugängliche Quellen populär gemacht. Die kritische Beurteilung dieser Arbeit bleibt Männern vom Fache überlassen."       

     
25-jähriges Amtsjubiläum von Rabbiner Dr. Maier in Stuttgart (1860)       

Stuttgart AZJ 14021860.jpg (517491 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. Februar 1860:            

   
Ein Porträt des Kirchenrates Rabbiner Dr. Maier ist erschienen (1860)   

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. Juni 1860:            

 
Kritisches zur Einführung der Stuttgarter Gottesdienstordnung in den württembergischen Gemeinden (1861)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. September 1861: "Die Gemeinden Württembergs sind durch die Rabbinate zur Erklärung aufgefordert worden, ob sie die neue Gottesdienstordnung von Stuttgart für ihre Synagogen adoptieren wollen. Allein abgesehen von den Kosten, ist nicht jede Synagoge zur Aufnahme einer Orgel geeignet. Auch ist die Gemeinde durch fragliche Gottesdienstweise nahezu mundtot gemacht, da Rabbiner, Vorsänger und Orgel meistens allein in Aktivität sind, während die Gemeindemitglieder meistens unbeteiligt erscheinen. Die Einteilung des Schmona-Esra-Gebets (18-Bitten-Gebet), aus welchem die mittleren Benediktionen zur stillen Andacht degradiert sind, die dreijährige Zyklus in der Weise, wie er in Stuttgart beliebt wurde, will selbst manchem Cannstatter Badegast nicht recht goutieren (= gefallen), da nach diesem Zyklus jede Perikope in drei Teile geteilt, und in je drei Jahren ein Teil durchgelesen werden soll. Man hat also am Simchas-Thora jeden Jahres nicht einen dritten Teil der Tora, sondern den dritten Teil zu einer Sidra gelesen. W."         
vgl. weitere Berichte auf der Seite zur Synagoge Stuttgart 

  
Kritisches zum Erscheinen des zweiten Teiles des neuen Stuttgarter Gebetbuches (1862)     

Stuttgart Israelit 31121862.jpg (314049 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Dezember 1862: "Der zweite Teil der neuen Stuttgarter Tefilla ist jetzt auch erschienen und wurde an den jüngsten Feiertagen schon benutzt (Anmerkung: Wir hören, dass wieder neue Orgeln in den Synagogen Württembergs erbaut werden; ihre süßen Töne werden die Gewissen in sanften SChlaf lullen und die mahnende Wächterstimme wird verhallen). Der Verfasser gleicht dem Kronos, der seine eigenen Kinder verschlingt. Im Jahre 1837 wurde das Gesangbuch zur öffentlichen und häuslichen Gottesversehrung der Israeliten im Königreich Württemberg herausgegeben; zwei Jahre darauf folge die Gottesdienst-Ordnung für die Synagogen; 1848 erschien: Israelitisches Gebet- und Andachtsbuch zum Gebrauche bei der häuslichen und öffentlichen Gottes-Verehrung. Wir führen eine Stelle aus der Vorrede zu jenem Andachtsbuche wörtlich an: 'Über eine andere Modifikation, das Dogma von der Erlösung betreffend, glaube ich mich besonders aussprechen zu müssen. Bekanntlich herrscht über die Lehre von der endgültigen Erlösung (Geula acharona) unter den Lehrern der Synagoge keine völlige Übereinstimmung, und die Ansichten eines Saadia und Albo unterscheiden sich wesentlich von denen des Maimonides. Die Auffassungsweise des letztern ist indessen orthodoxe Lehre in der Synagoge geworden und auch bis auf die neueste Zeit geblieben. Die wiedererwachte Bibelforschung und noch mehr die glückliche Änderung in der bürgerlichen Stellung der Israeliten haben neuerdings wieder eine Verschiedenheit der Meinungen hinsichtlich dieser Lehre bewirkt, sodass es heutzutage viele fromme und rechtgläubige Israeliten - ?? - gibt, welche die Erlösung nur in einem geistigen Sinne auffassen und darunter den Sieg und die Ausbreitung der wahren Religion (acharona - endgültig) eines Gottesreichs - Malchut Schaddai - und die Herrschaft der Gerechtigkeit und Wahrheit verstehen'.  
Diesem neuen Dogma zu lieb ist die 1848er Tefilla geschrieben. 1861 wurde sie in Zweiter Ausgabe ausgeboten. Doch noch in demselben Jahre erschien die neueste Tefila bei einem neuen Verleger. Fünf Kinder hat Kronos verschlungen; der Stuttgarter Gebets- und Andachtsbuchfabrikant hat erst vier verehrt; doch bei seiner nüchternen Lebensweise und seinem gesunden Appetit kann er den Kronos noch übertreffen. Das Gesangbuch nennt er selbst in der allerneuesten Vorrade einen Missgriff; die Gottesdienst-Ordnung von 1838 ist faktisch aufgebogen; den beiden Gebetbüchern bei Hallberger hat der Verfasser sein neuestes, bei Metzler entgegengestellt. Wo ist hier die Konsequenz? - Ist das Judentum ein Versuchsfeld für reformatorische  
Stuttgart Israelit 31121862b.jpg (87754 Byte)Gelüste, oder gar für schriftstellerische Versuche? - In Württemberg wohnen 10.000 Juden; die Mehrzahl ist mit diesen Versuchen nicht einverstanden, wie kann die Behörde solche billigen, ohne sich zu vergewissern, dass sie im Sinne der Israeliten des Landes handelt? Freilich wird man erwidern, man drängt keiner Gemeinde die neuen Gebetbücher auf. Aber man wirft einen Zwiespalt ins Judentum, man schafft Sekten, die bis jetzt im Judentume nicht bestanden. - Die Reformer mit offenem Visier sind ehrlich, bekennen offen, was sie wollen, sie sind Rationalisten, aber diejenigen, die von der wiedererwachten Bibelforschung reden, von frommen und rechtgläubigen Israeliten, die an keinen Maschiach (Messias) glauben, was lässt sich von ihnen sagen?"   

    
Auszeichnung von Rabbiner Dr. Maier mit dem persönlichen Adel (1867)           

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Juli 1867: "Stuttgart. Vermöge höchster Entschließung vom 25. Juni dieses Jahres haben Seine Königliche Majestät dem Kirchenrat Dr. Maier bei der israelitischen Oberkirchenbehörde (bekanntlich zugleich Bezirksrabbiner hier) das Ritterkreuz Höchst Ihres Kronordens gnädigst verliehen, womit der persönliche Adel verbunden ist. Das Ritterkreuz des Friedrichsordens trägt er schon seit längerer Zeit. So hat es denn der noch rüstige 72-jährige Greis im Dienste seiner Kirche bis zum Doppelkreuz gebracht - ein seltener Schmuck eines Rabbiners!"     

   
Zum Tod von Rabbiner Dr. Joseph von Maier (1873)            

Stuttgart AZJ 02091873r.jpg (88137 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. September 1873: "Ich habe Ihnen die Trauerkunde mitzuteilen, dass gestern Abend Herr Rabbiner und Kirchenrat Dr. Joseph von Maier nach zurückgelegtem 76. Lebensjahre nach nur eintägiger Krankheit sanft verschieden ist. Wer die edle Persönlichkeit dieses wissensreichen und begabten Mannes kannte, und seine große Wirksamkeit, namentlich als geistliches Mitglied des württembergischen israelitischen Oberkirchenrates erwägt, wird den großen Verlust ermessen, den wir durch das Hinscheiden Maier's erleiden. Die hohe Achtung, die er genoss, und zwar in allen Kreisen, und welche sein König durch die Verleihung des Ordens, der zugleich in den persönlichen Adelsstand erhebt, bezeugte, sowie, dass seine Kollegen ihn im Jahre 1841 zum Präsidenten der ersten Rabbinerversammlung zu Braunschweig erwählten, wird dieser Kunde eine allgemeine Teilnahme erwirken. Weitere biographische Mitteilung behalten wir uns vor."       

  
Über eine Predigt von Rabbiner Dr. Wassermann zu Sukkot (1875)     
Anmerkung: der Artikel ist von einem konservativ-orthodox geprägten Gemeindeglied verfasst und in der konservativ-orthodoxen Zeitschrift "Der Israelit" erschienen.  

Stuttgart Israelit 27101875.jpg (191250 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Oktober 1875: "Stuttgart. Es dürfte Sie, sowie die Leser ihres geschätzten Blattes interessieren, einiges über eine Predigt zu erfahren, die Herr Kirchenrat Dr. Wassermann am ersten Tage von Sukkot (Laubhüttenfest) gehalten, und die bei Allen, die ich darüber gehört. peinliches Aufsehen und Entrüstung hervorgerufen. Nach einer geeigneten geistreichen Einleitung fährt der geehrte Rabbiner fort: 
'Von Allen, die hier versammelt sind, hat wohl nicht Einer eine Sukka (Laubhütte) (Anmerkung: diese Behauptung ist nicht einmal richtig).'    
Um jedoch die etwaigen Gewissensbisse seiner Zuhörer über diese totale Sukkohlosigkeit zu beschwichtigen, führt der hochwürdige Herr mit großer Gelehrsamkeit aus, dass in unserer Zeit das Daran-Denken an den Grund, Zweck und Bedeutung der Sukka und des Sukkot-Festes vollkommen genüge, und bringt noch ferner als unumstößlichen Beweis der Entbehrlichkeit einer Sukka den frommen König David, der seine herrlichen Psalmen in seinem Palaste gesungen; auch zur Zeit des babylonischen Exils sei die ganze Sukkot-Feier Jahrhunderte lang in Vergessenheit geraten und erst von Esra wieder eingeführt worden.   
Noch schlimmer als die 'denkbare' Sukka ist der arme Feststrauß (vier Arten) weggekommen; hierüber lässt sich der Herr Rabbiner etwa folgendermaßen aus: 
'Es gibt noch manche, die sich mit großen Kosten einen solchen Feststrauß verschaffen, in der Meinung, hierdurch ein löbliches Werk zu vollbringen', a
ber diese Verblendeten wissen nicht, haben vielleicht keine Ahnung davon, dass sie nach der Behauptung des Herrn Dr. Wassermann, Rabbiner und Oberkirchenrat zu Stuttgart, durch solches Gebaren, d.h. durch das Nehmen und Tragen eines solchen Feststraußes, eher dazu beitragen, das Judentum und die jüdische Religion zur Karikatur herabzuwürdigen, ja in den Kot zu ziehen, lächerlich und gemein zu machen!  
Wie dieser würdige Vorkämpfer der jüdischen Religion es mit seinen ausgesprochenen Ansichten vereinbart, selbst mit einem solchen Feststrauß in den Händen in der Synagoge zu erscheinen, darüber ist uns der hochwürdige Herr die Erklärung schuldig geblieben; aber es beweist dies jedenfalls, dass das logische Verfahren des Herrn Dr. Wassermann nicht hinter seiner klassischen Predigt zurücksteht.  
(Und noch immer keine Trennung in Württemberg? Noch immer eine Gesetzgebung, die das ganze Württembergische Judentum einem solchen - Kirchenrat unterstellt? Ihr Schläfer, wann, wann werdet Ihr erwachen? Was ist gegen diese Wasser-(Mann-)Predigt des verstorbenen Maier Stuttgart-Jerusalem? - Red.)."        

  
Rabbiner Dr. Wassermann erhält den persönlichen Adel (1883)        

Stuttgart AZJ 20031883.jpg (32881 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. März 1883: "Aus Württemberg, 6. März (1883). Am heutigen Geburtsfeste unseres geliebten Landesvaters erhielt Kirchenrat Dr. Wassermann das Ritterkreuz 2. Klasse der Württembergischen Krone, womit der persönliche Adel verbunden ist. Das heutige Landesfest wurde in sämtlichen Synagogen durch Gottesdienst und Predigt über Psalm 31,17 gefeiert."     

  
50-jähriges Amtsjubiläum von Rabbiner Dr. von Wassermann (1884)  
Anmerkung: der Bericht ist aus orthodox-konservativer Sicht sehr kritisch geschrieben.   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. November 1884: "Stuttgart, 4. November (1884). Vor Kurzem wurde das 50-jährige Amtsjubiläum des Herrn Kirchenrats Dr. Wassermann dahier in hochfestlicher Weise begangen. Die Teilnahme des Kultministers Dr. von Geßler und anderer hervorragender Christen am Gottesdienste legte einen schönen Beweis davon ab, dass Württemberg sich des konfessionellen Friedens in hohem Maße erfreut. Dem Gottesdienste wohnten aber auch Israeliten an, die man sonst in demselben kaum an den höchsten Festtagen erblickt - die Mitglieder der sattsam bekannten israelitischen Oberkirchenbehörde, Rechtsanwalt Dr. Schmal, die Bankiers von Pflaum und Benzinger, letzterer vielleicht aus Dankbarkeit gegen den Herrn Jubilar, auf dessen Vorschlag Herr Benzinger, so indifferent er auch dem Judentum gegenüber stand, ins ehrwürdige Kollegium berufen wurde.   
Herrn Dr. Wassermann wurde seitens Seiner Majestät des Königs der Kronenorden verliehen, mit dem der persönliche Adel verbunden ist. Dem Herrn Jubilar wurden an diesem Tage Verdienste nachgerühmt, welche er in seiner hervorragenden Stellung, die er im württembergischen Judentum einnimmt, sich erworben haben könnte, aber sich nicht erworben hat. Alle Weilt weiß, dass sich das württembergische Judentum, welches unter Dr. Maier sehr zurückgegangen, unter Wassermanns Oberleitung in keiner Weise gehoben hat. Insolange das veraltete Institut der Oberkirchenbehörde besteht, ist von einem Aufschwung des württembergischen Judentums keine Rede.  
Dem Jubiläum Wassermanns folgen demnächst die Jubiläen der Herrn Kantor Eichberg und Kirchenpfleger Stern, ebenfalls zwei württembergische Kirchenlichter im Wassermannschen Sinne. Was Wunder, wenn des großen Philanthropen Montefiore 100. Geburtstag in der Hauptsynagoge dahier so gut wie ohne Feier blieb. Neben den Großgeistern Wassermann, Eichberg, Stern kann Montefiore nicht bestehen. Im orthodoxen Betsaale dagegen fand ein feierliche Gottesdienst statt; auch erhielt Montefiore von einer Anzahl hiesiger Gemeindegenossen auf Veranlassung des Herrn S. D. Nördlinger hier ein Glückwunschtelegramm".        

   
Kritischer Nachruf auf Rabbiner Dr. von Wassermann - aus orthodoxer Sicht (1892)    
Anmerkung: Dieser Nachruf erschien in der orthodox-konservativen Zeitschrift "Der Israelit". Eine sehr gute Beurteilung der Rolle Wassermanns in dem Prozess gegen Professor Dr. Rohling findet sich in dem Artikel unten von 1911.         

Stuttgart Israelit 20101892a.jpg (394944 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Oktober 1892: "Die letzte 'Tat' des verstorbenen Kirchenrat Dr. von Wassermann, Rabbiner von Stuttgart.  
Mainz,
19. Oktober (1892). De mortuis nil nisi bene, besagt ein altes lateinisches Sprichwort, d.h. auf deutsch ungefähr, dass sobald jemand einmal tot ist, man über seine schlimmen Taten den Mantel der Liebe decken und nur noch seiner Verdienste Erwähnung tun soll. Aber wie keine Regel ohne Ausnahme und wie ein Sprichwort nicht für alle Fälle Gültigkeit haben kann, so ist es auch in dem vorliegenden Falle leider nicht möglich, bei dem gestern Abend aus dem Leben Geschiedenen die Nachsicht walten zu lassen, die man sonst an frischen Grabeshügeln zu üben pflegt. Die Pflicht der Selbsterhaltung, die Pflicht, die wir der Würde und dem Ansehen des Judentums schulden, gestattet uns nicht zu schweigen. Wir müssen vielmehr gegen eine Tat, die Herr Wassermann sieben Tage vor seinem Tode vor dem Schwurgerichte in Ulm begangen, auf das Lebhafteste protestieren.   
Das Schwurgerichte zu Ulm verhandelte am 11. dieses Monats die Anklage gegen die Ulmer Schnellpost beziehungsweise deren Redakteur Hans Kleemann wegen Beschimpfung der israelitischen Religionsgemeinschaft, verübt durch die Aufnahme einer Reihe von Artikeln über jüdische Sittenlehre auf Grund des Talmud. Die der Anklage zugrunde liegenden Sätze in der Schnellpost lauten: 'So gemein, so gefährlich hatte man sich die Religions- und Sittenlehre der neu gewonnenen Mitbürger doch nicht gedacht.' - 'Wenn es schon eine sittliche sehr tiefstehende Menschenrasse sein muss, bei welcher ein 'Talmud' das 'Heilige Buch' für die obersten Grund- und Glaubenssätze in Religion und Moral werden konnte...' - wodurch es nach der Anklage seine Verachtung gegen die israelitische Religionsgesellschaft in der Form einer groben, das religiöse Gefühl der Angehörigen dieser Gesellschaft verletzenden Schmähung kund gab. Als Sachverständige waren beigezogen Pfarrer Bressel aus Cannstatt, Kirchenrat Dr. Wassermann aus Stuttgart und Dr. Ecker aus Trier. Letzterer hat es jedoch abgelehnt, ein Gutachten abzugeben.
Über seine persönlichen Verhältnisse gefragt, gibt der Angeklagte an, er sei wegen Beleidigung durch die Presse zweimal vorbestraft, sei evangelischer Theologe und habe im Jahre 1887 das erste Dienstexamen gemacht; hierauf sei er nach Spanien, wo er als Vikar Dienste geleistet habe, und seit 3 Jahren sei er Redakteur der Ulmer Schnellpost. Über die Anklage gehört, gibt der Angeklagte an: er habe die Artikel, die ihn auf die Anklagebank führten, verfasst. Im Verlauf des Kampfes, der sich zwischen der Schnellpost und dem Judentum entsponnen, sei es ihm angezeigt erschienen, über den Talmud zu schreiben, über den schon vieles geschrieben worden sei; der Talmud sei ein Buch, das nach seiner Meinung zu verachten sei. Er habe sich bei Verfassung der Artikel an ein Werk des Professors Dr. Rohling gehalten, welcher den Talmud übersetzt habe, und wenn das wahr sei, was in dem Talmud stehe, habe er sich für berechtigt gehalten, zu sagen 'so gemein und so gefährlich'.   
Der Angeklagte wurde durch die Geschworenen freigesprochen.   
Die uns vorliegende Jagst-Zeitung vom 14. Oktober teilt nach den Ul.B. die Aussagen des Kirchenrats Dr. Wassermann im Auszuge mit. Wenn dieselben richtig wiedergegeben sind, so wird man das freisprechende Urteil der Geschworenen begreiflich finden.  
Der Himmel mag dem soeben entschlafenen Dr. Wassermann verzeihen, aber auch den Talmud vor Freunden und Verteidigern von dem Schlage des Kirchenrats schützen; mit seinen Feinden wird der Talmud schon fertig werden.  
Nach dem uns vorliegenden Zeitungsbericht hat Herr Dr. Wassermann vor Gericht unter anderem deponiert: 'Die Logik des Talmud sei nicht so fest, wie seine Moral, er enthalte viele abergläubische Sachen, Vorschriften für Arzneien, über Zauberei usw.'  Wenn Vorschriften für Arzneien unter die abergläubischen Sachen zählen, dann befindet sich der Talmud mit unseren Ärzten und Pharmazeuten in guter Gesellschaft. Dass es eine Zauberei seit undenklichen Zeiten gegeben hat, wird kein geschichtskundiger Mensch in Abrede stellen. Wäre dies nicht der Fall, so würde die Bibel nicht an verschiedenen Stellen dagegen eifern. Da die Bibel die Beschäftigung von Tauberei mit Todesstrafe belegt, der Talmud aber die Auslegung des biblischen Gesetzes nach Herrn Dr. Wassermanns eigener Angabe ist, so kann der Talmud schlechterdings das nicht lehren und gar empfehlen, ohne sich mit sich selbst in Widerspruch zu setzen. Da aber die Bestrafung von Zauberei einen Teil der jüdischen Gerichtsbarkeit bildet, so mussten die jüdischen gesetzeskundigen auch mit dieser Afterwissenschaft vertaut sein. Damit erklärt sich die Rücksichtnahme auf Zauberei und Zauberer im Talmud. Es gilt somit der Bekämpfung des Aberglaubens, nicht seiner Kultivierung. 
Ferner sagte Herr Wassermann: 'Sobald die Juden in das Kulturleben anderer Nationen eingetreten seien, sei der frühere Einfluss des Talmud verloren gegangen; der Schulchan Aruch besitze keine Autorität.'   
Der Schulchan Aruch muss seine Autorität bei Herrn Kirchenrat Dr. Wassermann erst in den jüngsten Dezennien verloren haben. Im Jahre 1870 stellte er bei der Augsburger Synode noch den Antrag, den Schulchan Aruch abzuschaffen. (Verhandlungen der zweiten Israelitischen Synode zu Augsburg. Berlin. Gerschel 1873. Seite 159). Ein Buch, das keine Autorität besitz, verlohnt doch die Mühe des Abschaffens nicht. Die Herren Synodalen haben damals Herrn Dr. Wassermann so einhellig heimgeleuchtet, dass er es vorzog, seinen Antrag wieder zurückzunehmen. (ibid. Seite 169). Wenn Herr Dr. Wassermann die damaligen         
Stuttgart Israelit 20101892b.jpg (290974 Byte)Reden seiner Gegner durchgelesen hätte, so würde er gefunden haben, dass sie auch über den Einfluss des Talmud anders dachten, als er hier zu Protokoll gab. - Ein Rabbiner Wassermann, der mit solcher Unverfrorenheit noch kurz vor seinem Tode an dem Ast sägte, der ihn trug, hat sich selber gerichtet. Er erinnert an das Wort von Zunz, das sich in seinem Briefwechsel mit Geiger findet: 'Das Schimpfen auf den Talmud, ist der erste Schritt zur Apostasie.'  
'Es gebe wohl Geheimbücher, aber Zeuge kennt sie nicht; es werden darin Götzendienste und Zauberei gelehrt.'  
Wie kann man in solcher Weise über Bücher sprechen, die man zugestandenermaßen nicht kennt? Die Titel dieser Bücher hätte Herr Kirchenrat Dr. Wassermann doch wenigstens nennen müssen, damit diese neue Entdeckung nicht Gefahr läuft, als eine Verlästerung des Judentums öffentlich gebrandmarkt zu werden, die einem Rohling alle Ehre machen würde!  
Man sieht, wohin der fanatische Hass gegen das überlieferte Judentum nicht nur bei den Antisemiten, sondern noch mehr bei Leuten vom Schlage solcher Verteidiger führt. Auch dem  Blindesten muss die Wahrheit endlich einleuchten:  
Man kann nicht in Synoden und Rabbinerversammlungen, auf der Kanzel und im täglichen Leben unsere heiligen Urkunden mit Hohn und Verachtung überschütten, und sie dann vor dem Forum eines nichtjüdischen Gerichtes verteidigen. Wenn es einen Milderungsgrund für die Beurteilung unserer Antisemiten gibt, so ist es das Leben und Treiben von Verteidigern des Talmud von dem Kaliber des Kirchenrats Dr. Wassermann in Stuttgart.   
Welchen Sturm der Entrüstung die Aussage des Herrn Wassermann in ganz Württemberg hervorgerufen, dafür bürgt noch folgende uns aus Stuttgart zugegangene Notiz: 
Die antisemitische 'Ulmer Schnellpost', angeklagt wegen ihres Artikels 'der Talmud', einem aus Rohlings 'Der Talmudjude' entnommenen Abklatsch, hat einen merkwürdigen Verteidiger gefunden. Denn anders kann man wohl die Aussage des israelitischen Kirchenrates Dr. von Wassermann, ersten Rabbiners des Landes, nicht bezeichnen, als eine Rechtfertigung des Angeklagten. 
Herr Dr. von Wassermann gab nämlich folgendes Urteil über den Talmud ab: In demselben sei von allem Möglichen die Rede; das Buch sei eigenartig, aber ganz und gar nicht bösartig; seine Logik sei sehr anfechtbar, die Tendenz nicht. Der Talmud habe seine Bedeutung zu 3/4 verloren. Die Israeliten haben, als sie in die gleichen Rechte wie die anderen Staatsbürger eingewiesen worden seien, eingesehen, dass sie mit dem Talmud brechen müssen.  
Natürlich wurde der Angeklagte hierauf freigesprochen.  
Der Verteidiger des Angeklagten stellte vor der Verhandlung den Antrag, den Kirchenrat Dr. von Wassermann als Sachverständigen nicht zu vernehmen, da derselbe in dieser Sache befangen sei.  
Eine solche Unbefangenheit des ersten Rabbinen des Landes, welcher die bestehende israelitische Religionsgesellschaft in Württemberg vor Beschimpfung und Verachtung, die in dem Artikel der 'Ulmer Schnellpost' nach der Anklage enthalten waren, rechtfertigen sollte; eine solche Unbefangenheit hatte weder der Gerichtshof, noch weniger aber der Verteidiger des Angeklagten erwartet und erhofft.   
Der Herr Dr. von Wassermann bekannte zwar offenherzig: 'Der Talmud sei nicht bösartig; seine Logik aber sei sehr anfechtbar.' Die Logik des Herrn Sachverständigen scheint aber auch nicht so ganz taktfest gewesen zu sein. Wenn wenn sich die bürgerliche Gleichstellung der Juden nicht mit dem Talmud vereinbaren lässt, und die Israeliten (Württembergs?) eingesehen haben, sie müssten mit dem Talmud deshalb brechen, so muss der Talmud doch bösartiger Natur sein.   
Wie werden die Antisemiten jubeln über dieses sonderbare, wohl einzig dastehende Gutachten eines Rabbiners. Aber vielleicht hat auch dieses sein Gutes gehabt! Vielleicht entschließt sich die israelitische Kultusbehörde Württembergs in Folge der Erfahrungen der jüngsten Zeit an Stelle des verstorbenen Herrn Wassermann ein Mitglied zu optieren, das etwas besser über die Werke unserer Weisen - seligen Andenkens - denkt."  

 
Zum Tod von Rabbiner Dr. von Wassermann (1892)        
Anmerkung: Dieser Nachruf erschien in der liberalen "Allgemeinen Zeitung des Judentums".       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 28. Oktober 1892: "Stuttgart, 23. Oktober (1892). Ganz unerwartet ist am 18. dieses Monats, abends um 10 1/2 Uhr, Kirchenrat Dr. von Wassermann an einer Herzlähmung gestorben, nachdem er noch im Laufe des Tages seine gewohnten Berufsgeschäfte erledigt hatte. Der Verstorbene war eine jener Naturen, die durch ihr mildes, versöhnliches Wesen und durch ihr reiches, gründliches Wissen Jedermann Achtung abnötigten und bei Angehörigen aller religiösen Anschauungen Anerkennung und Verehrung fanden. Moses Wassermann wurde am 15. Juli 1811 in Ansbach geboren, wo sein Vater Privatlehrer war; in seiner Jugend erhielt er den ersten Unterricht durch Professor Dr. Ludwig Feuerbach, dessen Lieblingsschüler er war. Infolge der Berufung des Vaters als Rabbiner nach Laupheim kam der Knabe auf das Ulmer Gymnasium, nach dessen Absolvierung er die Universität Würzburg und später die von Tübingen besuchte. 1832 promovierte er an der letzteren als Dr. phil. mit einer Dissertation 'Über die Kategorien'. 1882 wurde das Diplom honoris causa erneuert. Nachdem Wassermann 1834 das erste Staatsexamen mit Auszeichnung bestanden hatte, wurde ihm die Verwesung des Rabbinats Mergentheim übertragen: von da kam er als Rabbiner nach Mühringen, Oberamt Horb, wo er 36 Jahre lang segensreich seines Amtes waltete. Seit 1873 ist der nunmehr Entschlafene in Stuttgart mit unermüdlichem Eifer tätig gewesen: er wurde damals der Nachfolger des Kirchenrats Dr. Maier und hat sich in dieser Zeit große Sympathien hier erworben: seine literarische Tätigkeit verschaffte ihm einen angesehenen Namen in der Gelehrtenwelt. Als eine eigentümliche Fügung muss es bezeichnet werden, dass er gerade an dem Tage starb, an welchem er vor acht Jahren sein 50-jähriges Dienstjubiläum feierte. Der Jubilar wurde damals durch eine Ordensverleihung seitens des Königs Karl ausgezeichnet. Eine neue Ordensauszeichnung, das Ehrenritterkreuz des Ordens der Württembergischen Krone, wurde dem Verstorbenen im Jahre 1889 verliehen. Auch der 80. Geburtstag im Juli des vorigen Jahres bot Veranlassung, den bei allen Konfessionen hoch geachteten Mann in sinnigster Weise zu ehren. - Das feierliche Leichenbegängnis fand am 21. dieses Monats statt. Zöglinge des Waisenhauses 'Wilhelmspflege' in Esslingen eröffneten den Zug; eine zahllose Wagenreihe beschloss denselben. Das Grab umstanden der Staatsminister des Kirchen- und Schulwesens Dr. von Sarwey, der Kultusministerialdirektor und Vorstand der israelitischen Oberkirchenbehörde von Finckh, Stadtdirektor Regierungsrat Klaiber, der Amtsverweser des Stadtvorstands Dr. Schall mit zahlreichen Mitgliedern der bürgerlichen Kollegien, die Armendeputation des Gemeinderats, der der Verstorbene als fleißiges Mitglied angehört hatte, Vertreter der Geistlichkeit der evangelischen und katholischen Konfession, die Vorstände mehrerer höherer Lehranstalten und hiesiger Vereine, zahlreiche Rabbiner des Landes und Mitglieder des israelitischen Lehrervereins usw. Nachdem der Synagogen-Männerchor die Grabesfeier mit einem hebräischen Grabgesang eröffnet hatte, hielt Rabbiner Stössel (nicht: Stötzel) von hier die Gedächtnisrede. Nach dem Geistlichen legte Kultusministerialdirektor von Finckh namens der israelitischen Oberkirchenbehörde einen Lorbeerkranz auf das frische Grab und rief dem verewigten Kollegen Worte des Abschieds nach. Noch sprachen und legten Kränze nieder Rabbiner Herz von Göppingen namens der Rabbiner des Landes, Privatier Goldschmidt, Vorstand der Wilhelmspflege Esslingen, namens dieser, Fabrikant Esslinger hier namens der hiesigen israelitischen Wohltätigkeitsvereine, Lehrer Stern namens der israelitischen Lehrer des Landes. Die sehr umfangreiche Feier schloss mit dem von Chor gesungenen und einem Posaunendoppelquartett der Prem'schen Kapelle begleiteten Chorale 'Seele, was betrübst du dich!'".  

  
Zum 100. Geburtstag des 1892 verstorbenen Rabbiners Dr. von Wassermann (1911)
     

Stuttgart AZJ 14071911.jpg (432797 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. Juli 1911:  "Zum Andenken an den Kirchenrat Dr. Moses von Wassermann. Von Dr. Adolph Kohut.  Ein geadelter jüdischer Kirchenrat! ... Das klingt wie ein Märchen aus alten Zeiten. wir haben geadelte und baronisierte jüdische Bankiers, Großgrund- und Rittergutsbesitzer, wir haben Rabbiner mit dem Professorentitel, aber die Erhebung eines Rabbiners in den Adelsstand grenzt an ein Wunder und doch gab es in der guten alten Zeit derartige anachronistische Ereignisse! Freilich nicht in Preußen, wohl aber in Württemberg. In jenem Staate, der einst als der Hort des Antisemitismus galt, ist schon längst die Scharte der Vergangenheit ausgewetzt worden. Dieser von dem König Carl von Württemberg in den Adelsstand erhobene Ober-Rabbiner hieß Moses Wassermann, geboren vor einem Jahrhundert, den 14. Juli 1811 und gestorben den 18. Oktober 1892. Jahrzehnte hindurch hat dieser sowohl als Kanzelredner wie als Dichter und Schriftsteller gleich hervorragende Mann das Rabbinat in verschiedenen Städten seines württembergischen Vaterlandes verwaltet. Seine seelsorgerische wie literarische Tätigkeit blieb auch von Allerhöchster Seite nicht unbeachtet und man betrachtete es im Schwabenland gleichsam als eine selbstverständliche Sache, dass auch der König die Verdienste des Stuttgarter jüdischen Kirchenrats durch die Verleihung des Adels anerkannte. 
In der Tat zählte Kirchenrat Dr. Moses von Wassermann zu jenen idealen Rabbinern, die in Wort und Schrift, durch ihre Lehren und Taten und ihre ganze Lebensführung die allgemeine Verehrung und Liebe nicht allein ihrer eigenen Glaubensgenossen, sondern auch der Anhänger anderer Konfessionen, kurz aller derjenigen sich erwarben, die je mit ihnen in Berührung traten. Daher konnte mit Fug und Recht am 23. Oktober 1892 anlässlich des Trauergottesdienstes in der Synagoge der Rabbiner Dr. Stössel in Stuttgart am Grabe des Verblichenen von ihm sagen: 'Von Liebe zu seiner Gemeinde war er erfüllt. Ihr Wachstum machte ihm Herzensfreude, auch wenn die Last der Arbeit dadurch größer wurde. Wenn er die Wahrnehmung machte, dass sie religiös erstarke, fühlte er sich glücklich, wie ihn der religiöse Verfall, wo immer er ihn bemerkte, tief betrübte. Er war bereit, den Samen der Tugend und Gottesfurcht in die Herzen unserer Jugend zu pflanzen, damit er daselbst hundertfältige Frucht trage, da wo es galt, den Frieden der Gemeinde zu wahren und zu erhalten, unsere Wohltätigkeitsanstalten zu fördern und Ratschläge zu erteilen. Immer und überall konnte man auf seinen Beistand rechnen. Wo ein menschenfreundliches Werk unternommen wurde, wo es sich darum handelte, das Ansehen unserer Gemeinde und Glaubensgemeinschaft nach außen zu heben, dem Namen Israels Glanz zu verschaffen und ihn vor Schmähung und Verkleinerung zu wahren, da setzte er die ganze Kraft seiner Persönlichkeit und seines Einflusses ein. Kein Weg war ihm da zu mühsam und zu beschwerlich. Die Heiligung des göttlichen Namens war ihm das wichtigste Gebot der Israeliten, wie die Entweihung des göttlichen Namens in seinen Augen als die größte Versündigung eines Israeliten galt. Immer war er auf seinem Posten mit seinem ganzen Können und mit seinem kräftigen Wollen. Tatkräftig und energisch wie er war, ließ er den Mut nicht sinken und ließ sich die Berufsfreudigkeit nicht rauben auch da, wo Widerwärtigkeit ihm die Freude am Beruf hätte nehmen können... Seine religiöse Überzeugung ruhte auf dem festen Grund des reinen geläuterten Gottesglaubens, den er sich gesichert hatte durch fleißiges Forschen in der heiligen Schrift, durch aufmerksame Beobachtung des göttlichen Ganges im Leben der Völker, wie im Leben der einzelnen und endlich durch fleißiges und ernstes Nachdenken über die Wege der Vorsehung. Diese Stärke des Glaubens hatte ihm auch Lebensfreudigkeit und eine Heiterkeit der Lebensanschauung verschafft, um die ihn gar viele beneiden durften. Wenn die Stürme des Lebens über sein Haupt dahin brausten, wenn Leid und Ungemacht seine Seele umdüsterte, da blieb er kräftig und stark, ungebeugt und aufrecht stehen und ließ den Mut nicht sinken.'     
Moses Wassermann war ein Meister des Wortes, ein Kanzelredner allerersten Ranges. Jede Salbaderei, jede salbungsvolle und weitschweifende Predigt und jede Phrasendrescherei war ihm in tiefster Seele zuwider. Der begabte Dichter, phantasievolle Erzähler und Virtuose der Form war auch auf der Kanzel ein Poet durch und durch. Seine Worte waren durchströmt von einem reinen, lauteren Glauben, der auf dem Grunde fester Überzeugung ruhte. Dabei bediente er sich, wie der schon genannte Rabbiner Dr. Stössel in seiner Rede am Grabe des Dahingeschiedenen ausführte, einer kernigen, frischen ungekünstelten und oft schmucklosen Sprache, da er in seiner kräftigen Natur jeder Künstelei und Verschwommenheit, jeder Geziertheit und Unnatur abgeneigt war. Seine Ermahnungen drangen oft in ihrer Schärfe und Wahrhaftigkeit in die Herzen der Zuhörer und seine Tröstungen richteten die gebeugten Gemüter auf.   
Ein geistlicher und geistiger Führer in des Wortes edelster Bedeutung war Wassermann. Daher erfreute er sich auch als Mensch der allgemeinsten Hochachtung. Einem anziehenden Charakterbilde des Verewigten, entworfen unmittelbar nach dessen Tod, entnehmen wir nachstehende Sätze: 'Von heiterer Gemütsart und gesunder Lebensanschauung, unerschöpflich in geistvollen und sinnigen Worten, vermochte er es in früher Jugend schon einen Kreis von Freunden sich zu verschaffen, die ihm Treue bewahrten bis an das Grab und wohl über dieses hinaus. Der persönliche Verkehr mit ihm war anregend, belebend, und wie ein Weiser der Vorzeit wusste er eine Fülle von Tatsachen herbeizuholen, und für jedes Ereignis hatte er ein ähnliches aus alter Zeit in Bereitschaft. Von rührender Bedürfnislosigkeit, mit wenigem genügsam, Feind eines jeden überflüssigen Aufwandes, fühlte er sich am wohlsten in einem mit Haurat aus alter Zeit versehenen Zimmer. Mit seinem ganzen Sinn wurzelte er in der Vergangenheit, und in der Auffrischung der Geschehnisse aus alter Zeit verjüngte er sich selbst. Von besonders wohltuender Gemütsinnigkeit war sein Familienleben.    
Stuttgart AZJ 14071911a.jpg (475266 Byte)Hier entfaltete sich die ganze Kraft seines Glaubens. Man musste ihn in seinem Hauswesen beobachten, um das fast patriarchalische Verhältnis zwischen ihm und seinen Kindern und Enkeln wahrzunehmen. In seinem Hause gab es einen rühmlichen Wettkampf in gegenseitiger Erfreuung und in Erweisung von Liebesdiensten.' 
War es daher nicht ganz natürlich, dass der hochbegabte Dichter, der ausgezeichnete Kanzelredner und der edle, charaktervolle Mann von aller Welt hochgeschätzt wurde und dass sein vorbildliches Wirken zur Ehre und zum Segen auch der Juden Württembergs gereichte? Einer gemäßigten Reform im Judentum huldigend, hatte er alle Zeit den Mut der Überzeugung, die es ihm zur Pflicht machte, nach links und nach rechts seine Meinung offen und freimütig zu bekennen, die ihn aber auch nicht abhielt, die gewissenhafte Überzeugung Andersdenkender zu achten und ihre Empfindungen zu schonen. Keinen Fanatismus kennend und jedem zelotischen Eifern und jeder Verketzerungswut in der tiefsten Seele abhold, predigt er fortwährend Frieden, Duldung und Menschlichkeit. Ein leuchtendes Muster strengster Pflichterfüllung, die ihm sein ganzes Leben hindurch eigen war, kannte er keine Selbstsucht und keine eigenen selbstischen Interessen, sondern war stets darauf bedacht, das Wohl seiner Gemeinde und die Ehre Israel zu fördern und seinem König und seinem Vaterlande ein getreuer Diener zu sein. Bezeichnend für ihn und sein wohltätiges Wirken war ein Ausspruch in der Rede des Rabbiners Herz in Göppingen, worin im Namen der Rabbiner Württembergs bekundet wurde, dass auch sämtliche israelitischen Gemeinden des Schwabenlandes den allezeit wahren Hüter, Wächter und Pfleger der heiligen Interessen des israelitischen Gemeinwesens aufs tiefste betrauern, habe er doch allen Rabbinern sowie Gemeinden des Landes stets Liebe, Wohlwollen und Freundlichkeit in vollem Maße entgegengebracht. Die Lehre der Wahrheit sei in seinem Munde gewesen und Trug sei nicht gefunden auf seinen Lippen. In Friede und Geradheit habe er gewandelt und viele von der Sünde zurückgebracht. Besonders leuchtend sei seine liebevolle Duldung gegen Andersdenkende gewesen, die in echter aronidischer Friedensliebe immer ausgleichend und versöhnend auf die Gegensätze und auseinandergehende Richtungen einzuwirken gesucht habe. 
M. Wassermann war als Sohn des Rabbiners Salomon Wassermann in Ansbach (nicht: Laupheim)  geboren und von seinem Vater zum Studium der mosaischen Theologie [...falsche Angabe] bestimmt. Wassermann senior stand mit Ludwig Feuerbach in freundschaftlicher Beziehung. Ich habe in meinem Werke über den berühmten Philosophen (Anmerkung: Ludwig Feuerbach, sein Leben und Werke nach den besten, zuverlässigsten und zum Teil neuen Quellen geschildert von Dr. Adolph Kohut. [Leipzig Fritz Eckardt Verlag 1909, Seite 30ff]) über diese Berührungen zwischen dem jugendlichen Denker und Rabbiner Wassermann näheres mitgeteilt. Dieser alte Salomon Wassermann, der Vater des späteren Kirchenrats Dr. von Wassermann, unterrichtete Ludwig Feuerbach im Hebräischen. Interessantes erfahren wir über Rabbi Salomon Wassermann aus einem Brief des hervorragenden Juristen Anselm Ritter von Feuerbach an seine Freundin Elisa von der Recke vom 29. März 1823. Dort heißt es unter anderem:  
'Für das Geschenk mit des edlen Friedländers (Anmerkung: es ist David Friedländer, der Aufklärungsschriftsteller, hier gemeint) neuestem Werkchen, das ich demnächst in meinem Nutzen verwenden werde, danke ich herzlichst. Seltsam, dasselbe war kaum angekommen, als ein Kandidat des hiesigen Rabbineramts, ein im Geiste Friedländers gebildeter Jude, hoher Verehrer Ihres Freundes, meine Protektion gegen die Kabalen eines talmudischgläubigen Schullehrers bei hiesiger Judengemeinde anrief. Ich machte ihn sogleich mit Friedländers neuester Schrift bekannt, auf welche er sehr begierig war. Wir haben hier mehrere Juden dieser Art, denen ich mehrmals schon äußerte: 'Ihr Glaube sei echteres Christentum als dasjenige, welches Katholiken und Lutheraner bekennen'.   
Durch diesen Unterricht bei dem Genannten wurde der junge Gymnasiast Moses Wassermann auch mit Ludwig Feuerbach bekannt, und aus dieser Bekanntschaft entwickelte sich allmählich eine innige Freundschaft, die bis zum Ableben des großen Denkers währte und sich bei vielen Anlässen betätigt. Kirchenrat Wassermann, auch als Causeur (Unterhalter) eines glänzenden Rufes sich erfreuend, erzählte mir einst einen äußerst liebenswürdigen Zug aus dem Leben seines Freundes Ludwig Feuerbach. Als dieser eines Tages mit einer hebräischen Aufgabe nicht zurecht kommen konnte, habe er, Moses Wassermann, die Schwierigkeiten zu bewältigen geholfen. Zum Dank dafür erbot sich Ludwig Feuerbach, seinem israelitischen Freund lateinischen Unterricht zu erteilen. Der Vorschlag wurde angenommen und erregte in Ansbach ein gewisses Aufsehen, da der junge Rabbinersohn der erste Jude war, der dort das Lateinische erlernte. Wenn er zu seinem Freunde ging, wurde er zuweilen von Gassenbuben angefallen und geprügelt. Eines Tages erkrankte der so misshandelte jüdische Jüngling an den Folgen der auf diese Weise erhaltenen Schläge und bekam das Nervenfieber, das damals noch als ansteckend galt. Keiner von den Schul- und Glaubensgenossen des Rabbinersohns wagte den Kranken zu besuchen. Nur Ludwig Feuerbach, obwohl von Ansteckungsfurcht nicht frei, fand sich beim ihm ein, weil er, wie er ausdrücklich sagte, es für seine Pflicht hielt, zu kommen. Dieser Unterricht im Lateinischen seitens Ludwig Feuerbachs hat mehrere Jahre gedauert und soll hierüber ein dem Schüler ausgestelltes Zeugnis noch vorhanden sein.  
Von Ansbach trat Wassermann in das Gymnasium von Ulm über. Dann bezog er die Universität zu Würzburg, wo    
Stuttgart AZJ 14071911b.jpg (37565 Byte) er ein Lieblingsschüler des gelehrten Rabbi Bing war. Von Würzburg ging er nach Tübingen. Wie ich schon früher in dieser Zeitung mitteilte, zählte er zu den Lieblingsschülern Ludwig Uhlands in Tübingen. Aus den von mir seinerzeit veröffentlichten Briefen Ludwig Uhlands an den jungen Kandidaten der Philosophie und Theologie sieht man, dass der gefeierte Poet mit lebhaftem Interesse die literarischen Leistungen des jungen Studenten verfolgte.   
  
Stuttgart AZJ 21071911.jpg (84127 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. Juli 1911:  "Zum Andenken an den Kirchenrat Dr. M. von Wassermann. Von Dr. Adolph Kohut. II. 
Wassermann nahm während seiner Studienzeit an der Tübinger Universität bei Uhland ein Privatissimum im Verein mit einigen anderen von dem Dichter besonders ausgezeichneten Studierenden. In jene Zeit fällt eine hübsche Anekdote, die ich der Tochter Wassermanns, Frau Amalie Kaufmann in Stuttgart, verdanke und die der alte Herr mit großer Vorliebe zu erzählten pflegte.  Ludwig Uhland fragte eines Tages den jungen Studenten 'Wassermann, machen Sie auch Gedichte?' 'Gewiss, Herr Professor', war die prompte Antwort. 'Bringen Sie sie mir doch einmal mit.'  Nachdem der Aufforderung Folge geleistet worden und Uhland die Gedichte durchgelesen hatte, sagte er in seiner        
Stuttgart AZJ 21071911a.jpg (600879 Byte)trockenen Weise: 'Lieber Wassermann, nehmen Sie Ihre Gedichte, packen Sie sie alle gut zusammen und legen Sie sie in den hintersten Winkel Ihrer Tischlade (Schreibtische gab es damals bei den Tübinger Studenten noch nicht). Wenn dann viele Jahre herum sind, nehmen Sie ihre Poesie wieder hervor und lesen sie durch.'   
Das genügte - denn niemand hat jene Gedichte je zu Gesicht bekommen. Im übrigen dauerten die Beziehungen des Schülers zu seinem Lehrer fort. Ersterer besuchte ihn häufig, wenn ihn Amtsgeschäfte nach Tübingen, welche STadt zu seinem Rabbinat (sc. von Mühringen aus) gehörte, führten. 
Überdies verband Wassermann eine herzliche Freundschaft mit der damals gefeierten schwäbischen Schriftstellerin Ottilie Wildermuth, die gleichfalls in der wunderbar gelegenen Musenstadt am Neckar oder besser gesagt am Nesenbach wohnte.   
Trotzdem oder vielmehr weil die Eltern Wassermanns in einem kleinen unscheinbaren Schwarzwalddorf die schönsten und glücklichsten Jahre ihres Lebens verbrachten - Mühringen liegt eine Stunde von Nordstetten, dem Geburtsorte Berthold Auerbachs - gab er sich alle Mühe, seine Beziehungen zu ehemaligen namhaften Studiengenossen oder bekannten schwäbischen Geistern aufrecht zu erhalten. So verkehrte er viel mit Hermann Kurz, war bekannt mit Eduard Mörike, Gustav Schwab, J. G. Fischer, Friedrich Theodor Vischer (Schartenmaier), Fr. Notter und wie alle die übrigen hervorragenden Zeitgenossen heißen. Eine innige Freundschaft verband ihn auch mit dem Pfarrer Wilhelm Pressel. Seiten wird man noch eine solche aufrichtige, treue Zuneigung treffen, wie derjenige war, die die Geistlichen zweier Konfessionen füreinander empfanden.  
Moses Wassermann erwarb sich in Tübingen den Doktortitel. 1834 erhielt er seine erste Anstellung als Rabbiner in Mergentheim, kam aber schon nach kurzer Zeit in gleicher Eigenschaft nach Mühringen, von wo er nach dem Ableben des Kircherats von Maier in Stuttgart im Herbst 1873 als dessen Nachfolger nach der Hauptstadt Württembergs berufen wurde. Im ganzen Schwarzwaldkreis war Dr. Wassermann eine bekannte, allgemein geachtete und beliebte Persönlichkeit, von allen Konfessionen hochgeschätzt. Die Sympathie und Verehrung für ihn bekundeten sich auch anlässlich seines 25-jährigen Dienstjubiläums in Mühringen. Aus der Umgebung waren die Bezirksbeamten, Rittergutsbesitzer und Freunde jedes Glaubens herbeigeeilt und hatten in zahlreichen Reden und Trinksprüchen des schönen Zusammenlebens in Frieden und Eintracht gedacht. Insbesondere wurde von dem evangelischen Pfarrer Dr. Menz aus Bierlingen die universelle Begabung, die wissenschaftliche Bildung, die Rednergabe, die schriftstellerische Tätigkeit und die wohlwollende Humanität des geistreichen Gesellschafters mit warmen Worten geschildert und dem Schmerz über das Scheiden des beliebten Seelsorgers nach 39-jähriger segensreicher Wirksamkeit beredt Ausdruck gegeben. Der Gefeierte dankte in bewegten Worten, auf den allgemeinen Fortschritt hinweisend, der es ermöglicht habe, dass sich zum Abschied eines Rabbiners außer verschiedenen Geistlichen anderer Konfession auch noch mehrere Vertreter des Adels eingefunden hätten. Stets war das Verhältnis Wassermanns zu seinen Gemeinden und speziell zu seinen Pfarrkindern in seinem früheren Bezirk im Schwarzwald ein überaus inniges und herzliches. Das musste man eigentlich miterlebt haben, um die richtige Beurteilung und Würdigung dafür zu finden. Diese Anhänglichkeit, Zuneigung und Ehrfurcht und dieses felsenfeste Vertrauen, verbunden mit der aufrichtigsten, hingebendsten Verehrung einerseits und dagegen diese warme Empfindung, Teilnahme am Geschick jedes einzelnen, die Opferwilligkeit, selbst mit Hinansetzung der eigenen Person und deren Interessen, ein solches Verhältnis wird niemals wiederkommen. Wie schon hervorgehoben, genoss er nicht allein bei den Israeliten eine außerordentliche Verehrung, und war er nicht nur ein Freund, Berater und Helfer in allen möglichen und unmöglichen Nöten, sondern auch bei den Christen des ganzen Oberamts Horb, dessen 'Inventarstück' er sich mit stolzer Freude gern nannte, stand er in hohem Ansehen. Wir wollen bei diesem Anlass noch hinzufügen, dass es hauptsächlich seinem tatkräftigen, energischen, eigentlich bei einem Rabbiner bisher noch nie dagewesenen Eingreifen zuzuschreiben ist, dass im Jahre 1848 die im Schwarzwald herrschenden Tumulte, namentlich auch die Exzesse, gegen die Juden, auf ihren Herd (den Ort Baisingen) sich beschränkten und dadurch unsagbares Unheil verhütet wurde.   
In hohem Grade zeigte sich diese allgemeine Liebe, deren der einfache und schlichte Geistliche sich zu erfreuen hatte, anlässlich seines 80. Geburtstages und 50-jährigen Amtsjubiläums, das in nah und fern mit einer seltenen Herzlichkeit gefeiert wurde. An der Spitze der Beglückwünschungen stand König Karl von Württemberg, der in einem Kabinettschreiben in huldvollsten Ausdrücken gratulierte. Auch seitens der Staats- und städtischen Behörden wurden ihm die glänzendsten Auszeichnungen zuteil.  
Noch kurz vor seinem Tode trat Kirchenrat Dr. von Wassermann in dem Antisemitenprozess contra Professor Dr. Rohling zu Ulm, wo er als Sachverständiger und Zeuge vernommen wurde, hervor. Diese interessanten Darlegungen vor Gericht über den Talmud wurden viel vermerkt, und sie verdienen gerade jetzt einem weiten Leserkreise bekannt zu werden. Er führte unter anderem aus, er seit 82 Jahre alt, 70 Jahre seines Lebens habe er sich mit dem Talmud beschäftigt, der seine Domäne sei. Er halte sich also für einen befähigten Beurteiler. Sein hohes Alter, das ihn bald vor eine höhere Richterstelle rufen werde, werde ihn wohl vor jeder Anfechtung seines Bestrebens, die Wahrheit zu sagen, bewahren. Der Talmud, ein Werk von zwölf starken Folianten, dessen Kenntnisse sich anzueignen ein Menschenleben im entferntesten nicht ausreiche, sei nicht ein eigentliche Gesetzbuch, sondern mehr ein Sprechsaal, in welchem über alle mögliche und nur nur über Glaubenssachen Ansichten ausgetauscht, Fragen aufgeworfen und beantwortet werden. Dies Werk habe zu seiner Abfassung über 100 Jahre gebracht und sei in stetem Fluss geblieben. Die Verfasser seien zu einem großen Teil nicht Schriftgelehrte, sondern vielfach auch Handwerker und Leute aus dem Volke gewesen. Anfechtbar am Talmud sei höchstens die Logik, seine Moral sei eine schwärmerische, eigenartige, aber durchweg gutartige. Wie schon die Personen der Verfasser ergeben, sei nicht alles darin Erhaltene als einen wirklichen inneren Wert darstellend zu bezeichnen. Neben vielem Sinn sei auch mancher Unsinn darin, aber die Moral sei eine durchaus unanfechtbare, sie enthalte nichts sittlich Verwerfliches. Als die Israeliten andere Recht bekamen, ließen sie die talmudische Richtung auch formell hinter sich. Der Talmud habe seit 100 Jahren seine Geltung zu Dreiviertel vollständig verloren. Der 'Schulchan Aruch' habe nie Gesetzeskraft gehabt, sein, Wassermanns, Antrag bei der Augsburger Synode im Jahre 1869, den 'Schulchan Aruch' zu erweitern, sei einstimmig abgelehnt worden, weil dieser keine Autorität besitze, also auch nicht zu revidieren sei. Es gäbe ganze israelitische Gemeinden, in denen auch nicht ein Angehöriger je einmal einen Talmud auch nur zu Gesicht bekommen habe. Zu einzelnen der von Rohling ausgehobenen Stellen übergehend, wies er nach, dass es sich um absichtliche  
Stuttgart AZJ 21071911b.jpg (473605 Byte)oder unabsichtliche Textauslassungen, falsche Übersetzungen usw. handle, da die Stellen richtig übersetzt meist entgegengesetzten Sinn gaben und törichterweise aus dem Zusammenhang gerissen seien. Ebenso könnte man Friedrich Schiller als Verteidiger des Diebstahls ausgeben, weil die Worte 'Und wer's nie getan, der stehle' bei ihm vorkommen, wenn man sie aus dem Zusammenhang herausreiße.  
Wassermann führte in seinem Gutachten noch aus, dass er die in den letzten 100 Jahren gedruckten israelitischen Religionsbücher zur Gerichtsstelle mitgebracht habe. Aus denselben gehe deutlich hervor, dass die bezüglich der Nächstenliebe die gleichen Grundsätze wie die christlichen Religionsbücher enthalten.   
Der Vorsitzende des Gerichtshofes nahm Veranlassung, mehrere Stellen verlesen zu lassen, und die Richter konnten sich überzeugen, dass die israelitischen Religionsbücher jeden Nebenmenschen ohne Unterschied des Glaubens und der Stellung als den Nächsten zu betrachten und zu lieben befehlen, und dass es eine Erfindung sei, dass nach der jüdischen Religion Andersgläubige anders behandelt werden müssten und dürften als die Angehörigen der eigenen Konfession. Speziell in Württemberg seien die israelitischen Schulen und die in ihnen gebrauchten Religions-, Sprach- und Lesebücher der Schulaufsicht des Staates und der christlichen Ortsgeistlichen unterstellt. Der Eid sei für jeden Juden streng bindend. Solange noch die geistliche Belehrung über den Eid stattgefunden habe, sei dies ausdrücklich jedem Schwörenden vorgehalten und die Ungültigkeit der Mentalreservation eingeschärft worden. Eine Religionsvorschrift, die den falschen Eid Andersgläubigen gegenüber zuließe, gebe es im Judentum nicht. Alle derartigen Behauptungen gehörten in das Reich des Märchens. Es braucht wohl nicht erst ausdrücklich hervorgehoben zu werden, welch tiefen Eindruck nicht nur auf das Richterkollegium, sondern in ganz Württemberg und weit über die Grenzen dieses Landes hinaus auf jedermann das mit ruhiger und vornehmer Würde abgegebene Gutachten des Kirchenrats den verleumderischen Behauptungen des Professors Dr. Rohling gegenüber hervorrief.  
Wie die Kanzelreden Wassermanns, so zeichneten sich auch seine belletristischen Schriften bzw. Romane und Novellen durch edle Diktion, philosophischen Gedankengang und außerordentliche Gestaltungskraft aus. Er war Mitarbeiter an zahlreichen Zeitschriften, Jahrbücher und Almanachen. So schrieb er zum Beispiel für das Jahrbuch Achawa (Leipzig, C. L. Fritsche, Jahrgang 1865) eine höchst fesselnde und entzückende Skizze, betitelt 'Achtet die Kinder der Armen' (Seite 339ff). Man kann ihn unseren besten Ghettodichtern und Familienschriftstellern des deutschen Judentums in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts beizählen. Was ihn besonders auszeichnet, ist seine treue Charakterzeichnung, sein feiner psychologischer Sinn, sein graziöser Humor und die Wahrhaftigkeit, die jede Zeile von ihm atmet. Er karikiert nie, malt nicht grau in grau und vermeidet jede Sensation. Schicht, einfach und ungekünstelt gibt sich der Dichter, und der Leser fühlt sich ungemein behaglich bei der Lektüre der aus dem Volks- und bürgerlichen leben entnommenen Stoffe. Die Figuren, die er uns vorführt, sind nicht Schemen und Schatten, sondern Fleisch von unserem Fleisch. Ein realistischer Schilderer ersten Ranges, versteht er es, über alles einen poetischen Schimmer auszubreiten.   
In all seinen Erzählungen und Novellen wählte er eine moralische Tendenz; es waltet ein ästhetischer Gedanke vor, ohne dass jedoch diese lehrreichen Momente gar zu sehr in den Vordergrund treten.   
Die hervorragendsten und bedeutsamsten belletristischen Schöpfungen des Verfassers, die samt und sonders jüdische Themata behandeln, sind die beiden Romane 'Die Mädchen von Chaibar' (Stuttgart, J.B. Metzlersche Buchhandung 1859), die der Verfasser unter dem Pseudonym Orientalis herausgegeben und 'Judah Touro', ein Gentleman semitischer Abstammung' (2 Bände, Stuttgart und Leipzig, Eduard Hallberger 1877).
 In dem ersteren Roman spielt das arabische Judentum zu Muhammeds Zeiten die Hauptrolle. Man merkt es der phantasie- und geistvollen Handlung nicht an, dass der Verfasser gewissenhafte geschichtliche und kulturgeschichtliche Studien gemacht und aus arabischen, hebräischen und sonstigen Geschichtsquellen geschöpft hat. Eine besondere Sorgfalt hat er dem Stifter des Islam, seinen Lehren, namentlich aber seinem Charakter und Wesen gewidmet.  Auch die Schilderung der weiblichen Gestalten, der lieblichen, hochherzigen sowie der leidenschaftlichen und dämonischen, gelingt dem Dichter ganz außerordentlich. Augenscheinlich hat er tiefe Blicke in das Herz des Weibes getan. Sehr plastisch tritt aber in erster Linie die Erscheinung Mohammeds hervor.  
Neben diesen größeren Romanen schuf Wassermann auch Novellen interessanten allgemeinen Inhalts aus dem gesellschaftlichen Leben, die von hohem Reiz sind und von der außerordentlichen Fabulierungskunst des Verfassers Zeugnis ablegen. Nur selten unterbricht er den Fluss der Handlung durch Reflexionen. Geschieht dies jedoch, so ist alles, was er sagt, von tiefer Bedeutung. So lesen wir zum Beispiel in einem Novellenbuch, betitelt 'Wahre Liebe' (Stuttgart, Verlag von W. Kitzinger, 1864) in Bezug auf Heinrich Heine: 'Ich weiß nicht ob Sie Heines Schriften näher kennen. Den Klerikern der neueren Zeit werden sie als eine Art 'Gottseibeiuns' geschildert und aufs höchste verpönt, wir Geistlichen der älteren Schule sind gefeit gegen den bösen Zauber solcher infernalischen Lektüre.'  
Es wäre sehr zu wünschen, wenn anlässlich des Säkulartages Wassermanns eine Gesamtausgabe seiner ebenso gediegenen wie interessanten Schriften erscheinen würde. Die schöngeistige Literatur im allgemeinen und die Volks- und Jugendliteratur im besonderen würde dadurch in sehr dankenswerter Weise bereichert werden."         

     
Ausschreibung der beiden Rabbinatstellen (1893)        

Stuttgart Israelit 27031893.jpg (250453 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. März 1893:    
 
Stuttgart AZJ 07041893.jpg (286191 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. April 1893:      

   
Rabbiner Dr. Theodor Kroner soll Nachfolger von Rabbiner Dr. von Wassermann werden (1893)          

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Dezember 1893: "Stuttgart. Wie ich von gut unterrichteter Seite höre, ist die Wahl des Herrn Seminardirektors Dr. Kroner in Hannover zum Nachfolger des im vorigen Jahre verstorbenen Kirchenrats und Rabbiners Dr. von Wassermann so gut wie gesichert. Herr Dr. Kroner hat auf Wunsch und Einladung der Israelitischen Oberkirchenbehörde und des Israelitischen Kirchenvorsteheramtes am 4. dieses Monats vor denselben einen Probevortrag gehalten, und durch diesen sowohl, als auch durch seine Persönlichkeit ganz außerordentlich befriedigt. Der gute Ruf, der Herrn Dr. Kroner vorausgeht, lassen hoffen, dass durch dessen Anstellung der religiöse Sinn in Stuttgart und in ganz Württemberg wieder mehr geweckt und gehoben werde."          

  
Rabbiner Dr. Theodor Kroner wird theologisches Mitglied der Israelitischen Oberkirchenbehörde ("Kirchenrat") (1894)          

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Januar 1894: "Stuttgart. Der 'Staatsanzeiger für Württemberg' meldet heute unter den amtlichen Dienstnachrichten: 'Seine Majestät der König haben am 2. Januar dieses Jahres allergnädigst geruht, die erledigte Stelle des theologischen Mitgliedes der Israelitischen Oberkirchenbehörde in Stuttgart dem Seminardirektor Rabbiner Dr. Kroner in Hannover unter Verleihung des Titels eines Kirchenrats mit dem Rang auf der VII. Stufe der Rangordnung zu übertragen.' Ferner: 'Durch Verfügung des königlichen Ministeriums des Kirchen- und Schulwesens vom 2. dieses Monats ist auf die Stelle des ersten Rabbiners an der israelitischen Kirchengemeinde Stuttgart der Seminardirektor Dr. Kroner in Hannover ernannt worden.'    
Die Richtigkeit unseres neulichen Berichtes hat sich sonach bestätigt; wir gratulieren Herrn Dr. Kroner hiermit und wünschen, dass die Hoffnungen, welche die württembergische Judenheit an seine Berufung auf die obigen verantwortungsvollen Ämter knüpft, sich nach jeder Richtung hin ganz und voll erfüllen mögen. -  
Dem Titel 'Kirchenrat' gegenüber begegnet man außerhalb Württembergs sehr oft einer irrigen Auffassung und zwar glaubt man, die Stuttgarter Gemeinde lege ihrem Rabbiner den Titel Kirchenrat bei, um damit das Jüdische, das im Titel 'Rabbiner' liegt, zu erwischen und sich den christlichen Gebräuchen anzuschmiegen. Dem ist aber nicht so und wir haben darum, um dies aufzuklären, den obigen königlichen Erlass wörtlich wiedergegeben. In Württemberg ist nämlich das Judentum den anderen Konfessionen gesetzlich gleichgestellt. Wie es nun eine evangelisch und katholische Oberkirchenbehörde gibt, so gibt es auch eine israelitische. In diese Oberbehörde, welcher die religiösen Obliegenheiten sämtlicher Gemeinden des Landes anvertraut sind und welche von einem höheren Beamten präsidiert wird, werden die Mitglieder derselben vom Könige auf Lebenszeit berufen und das theologische Mitglied führt den Titel Kirchenrat. - Hieraus mögen die Leser des 'Israelit' erkennen, welche Verantwortung das Amt eines Kirchenrates in sich birgt und wie das Wohl der jüdischen Interessen dieses Landes in seine Hand gegen ist. Möge der neue 'Kirchenrat' die heiligen Pflichten seines Berufes ganz erfüllen."        

  
Zum Dienstantritt von Rabbiner Dr. Theodor Kroner (1894)         

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. April 1894: "Aus Württemberg, 1. April (1894). Heute tritt Dr. Kroner, bisher Direktor des israelitischen Lehrerseminars in Hannover, sein Amt als israelitischer Oberkirchenrat und Rabbiner in Stuttgart an. Seine Ernennung zum Oberkirchenrat ist von den württembergischen Israeliten mit ungeteilter Freude begrüßt worden; der Oberkirchenbehörde, welche diese Wahl vorgeschlagen und dem Ministerium, das sie bestätigt hat, wird von den Israeliten Württembergs darum der wärmste Dank entgegengebracht. Rabbiner Dr. Kroner ist in allen Kreisen der deutschen Israeliten wohl bekannt und wegen seines festen und zielbewussten Charakters allseitig hoch geschätzt und geachtet. Man hofft von ihm, dass er viele Zweige der seiner Oberleitung unterstellten Verwaltung mit neuem kräftigen Leben erfüllen wird. Möge ihm und dem Lande sein Eintritt in den württembergischen Staatsdienst zum Glücke gereichen und möge er allezeit eine reiche und gesegnete Wirksamkeit entfalten."        

      
Rabbiner Dr. Theodor Kroner referiert in Berlin über "Jud Süß" (1902)           

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom  7. November 1902:         

 
Zum Tod von Bezirksrabbiner Dr. David Stössel (1919)    

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 21. März 1919: "Stuttgart. Bezirksrabbiner Dr. Stössel ist nach fast 40-jähriger Tätigkeit in hiesiger Gemeinde - 70 Jahre alt - verschieden."           

   
Einführung von Rabbiner Prof. Dr. Arthur Rosenzweig (1920)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. Februar 1920:        

 
Mitgliederversammlung des Vereins württembergischer Rabbiner in Stuttgart (1921)        

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. Juni 1921: "Stuttgart, im Juni (1921). Am 30. und 31. Mai tagte hier die ordentliche Mitgliederversammlung des Vereins württembergischer Rabbiner, die ganz im Zeichen der neuzuregelnden israelitischen Kirchenverfassung in Württemberg stand. Die israelitische Landeskirchenversammlung, die am 23. Mai von dem Kultusministerialpräsidenten Dr. von Bälz eröffnet worden war, hatte die Aufgabe, der israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs eine neue Kirchenverfassung zu geben. Der Rabbinerverein, der durch seinen Abgeordneten Dr. Berlinger (Hall) in dieser Landesversammlung vrrtreten war, bedauerte die Änderung der ganzen Stellung des württembergischen Rabbiners. Bisher von der Staatsregierung angestellt und besoldet, kraft seiner Stellung zum Vorsitzenden des Gemeindevorstandes berufen, rückt der Rabbiner in die Stellung eines Gemeindebeamten herab, besoldet aus den Mitteln der Gemeinde und der Zentralkirchenkasse, und kann nur durch Wahl zum Gemeindevorsitzenden berufen werden. Es wurde angeregt, die Wünsche und Forderungen der Rabbiner in einer Denkschrift niederzulegen und der Landeskirchenversammlung zu übergeben. Bei der Besprechung des Religionsunterrichtes an der Grundschule und Volksschule, über welche Fragen Rabbiner Dr. Beermann (Heilbronn) ein vorzügliches Referat ausgearbeitet hatte, entwickelte sich eine eingehende Debatte, die von der Wichtigkeit des dem Rabbiner besonders am Herzen liegenden Themas beredtes Zeugnis ablegte. Auch die von Rabbiner Dr. Schlesinger (Buchau) besprochene Frage der Aufsicht des Religionsunterrichts war von allgemeinem Interesse. Ein von Rabbiner Dr. Schweizer (Horb) gehaltener halachischer Vortrag über die Qualität der Zeugen bei Trauungen, Ehescheidungen und Chalizoh und das Recht des Mesadder Kiduschin, die Zeugen zu bestimmen, beschloss in würdiger Weise die diesjährige Tagung des württembergischen Rabbinervereins."    

  
Rabbiner Dr. Kroner wird in den Ruhestand versetzt (1921)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juli 1921:       

  
Ausschreibung der Stelle des I. Stadtrabbiners (1921)        

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juli 1921:        


Rabbiner Dr. Rieger wird zum I. Stadtrabbiner gewählt (1922)         

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 23. Februar 1922:       

 
Zum Tod von Rabbiner Dr. Kroner (1923)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Oktober 1923: "Rabbiner Dr. Kroner - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen. Stuttgart, 21. Oktober (1923). Dieser Tage starb hier Oberkirchenrat Dr. Kroner, langjähriger Rabbiner von Stuttgart und Landrabbiner von Württemberg. Kroner war ein guter Kenner des jüdischen Schrifttums und von Gesinnung konservativ. Seine Wirksamkeit n der neologen Stuttgart Gemeinde dürfte ihm manchen Seelenkonflikt eingebracht haben; er war stolz darauf, manches ins einer Gemeinde in jüdischer Beziehung erreicht, vieles verhindert zu haben. Doch konnte die dabei an den Tag gelegte Genügsamkeit keinen befriedigen. Persönlich ein Mann von lauterem Charakter und großem Wohltätigkeitssinne, genoss er großen Wert darauf, mit der von seiner Gemeinde losgelösten Religionsgesellschaft freundschaftliche Beziehungen zu pflegen."         

  
Zum ersten Todestag von Rabbiner Dr. Paul Rieger (1940)    

Artikel im "Jüdischen Nachrichtenblatt Berlin" vom 12. Juli 1940: "Rabbiner Dr. Paul Rieger seligen Andenkens (das 'Israel' auf Grund der nationalsozialistischen Gesetzgebung). Zur ersten Wiederkehr seines Todestages am 10.Juli 1940. Am 4. Juli hätte er sein 70. Lebensjahr vollendet, und sicherlich hätte ihm, wenn er diesen Tag erlebt hätte, nicht nur die jüdische Gemeinde in Stuttgart gehuldigt, in der er zuletzt amtierte, sondern auch aus den jüdischen Gemeinden in Potsdam, Hamburg und Braunschweig wären ihm Glückwünsche zugegangen – denn sein Wirken ist auch in diesen Gemeinden unvergessen. Und zu diesen Glückwünschen hätten sich Grüße und Beweise der Liebe, der Verehrung und Dankbarkeit aus allen Erdteilen gesellt, denn wer Riegers Schüler gewesen ist, wer je zu seinen Füßen gewesen ist, wer einmal zu diesem wissenden Manne in engere Beziehung getreten ist, wird die Eindrücke, die er von ihm empfing, niemals vergessen. Nun deckt ihn ein Jahr bereits die Erde. Aber nachdem es ihm nicht gegeben war, das 70. Lebensjahr zu vollenden, ist es umso mehr die Pflicht der jüdischen Gesamtheit, eben in diesen Tagen noch einmal seiner in Dankbarkeit zu gedenken, des Rabbiners, der seinen Gemeinden ein wahrer Leiter war, des Lehrers, an dessen Lippen seine Schüler hingen, der für das stritt, was er für wahr und recht erkannte, und der, wie auch seine jüdischen Gegner anerkannten, für das von ihm als wahr und recht Erkannte auch einzustehen bereits war, des Mannes, der mit beredtem Wort und in formvollendeter Darstellung für das Recht eintrat und das Unrecht im jüdischen Bezirk bekämpfte – und nicht zuletzt des jüdischen Wissenschaftlers, der, noch ein Jüngling fast, ein Werk von solcher Reihe schuf, dass sein Name in der jüdisch-wissenschaftlichen Welt fortleben wird. Wir gedenken seiner in Ehrerbietung und Dankbarkeit und wir segnen sein Andenken, das erst mit unserm Leben erlöschen wird. Dr. Nathan (Israel) Nathan." 

  
   
   
Berichte zu den Lehrern und weiteren Kultusbeamten der jüdischen Gemeinde     
Vorsänger Moritz Eichberg wirbt für seine Schülerpension (1838)      
Anmerkung: Über den 1807 in Bad Mergentheim geborenen und jahrzehntelang in Stuttgart tätigen Lehrer und Kantor Moritz Eichberg hat Rolf Hofmann ein Familienblatt erstellt: "Family Sheet Moritz Eichberg of Bad Mergentheim + Stuttgart" (eingestellt als pdf-Datei)        

Stuttgart AZJ 01091838.jpg (88008 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. September 1838:       

  
In Stuttgart gibt es keine israelitische Konfessionsschule (1860)    
Anmerkung: in Stuttgart gab es nicht - wie in fast allen größeren jüdischen Landgemeinden - eine öffentliche jüdische Konfessionsschule. Auffassung in der Stuttgarter Gemeinde war wohl, wie berichtet wird, dass "die Amalgamation der israelitischen Schüler mit den christlichen" sich "auf das soziale Leben wohltätig" auswirken würde. 

Stuttgart AZJ 18121860.jpg (262866 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Dezember 1860): "Mit der Eröffnung der Stuttgarter neuen Synagoge werden wir auch einen neuen Stuttgarter Minhag (hier: Liturgie) erhalten. Das neue von Herrn Kirchenrat Maier verfasste und zusammengetragene Gebetbuch ist schon im Drucke fertig. Bei Gelegenheit der Einweihung der Stuttgarter Synagoge werden wir, so Gott will, darauf zu sprechen kommen. Eines aber können wir jetzt schon nicht verschweigen und zwar, dass die Stuttgarter israelitische Gemeinde nicht in dem Maße für den Jugendunterricht in den jüdischen Religionsschriften sorgt, wie es bei so großen Opfern für den Synagogenbau zu erwarten wäre. Zwar besteht eine Religionsschule, aber dieselbe kann ihre Aufgabe unter den gegebenen Umständen unmöglich bewältigen. Nach dem Gesetze müsste die politische Stadtgemeinde den Israeliten Stuttgarts eine Volksschule errichten und die Lehrer bezahlen. Nun besuchen allerdings die israelitischen Kinder meistens höhere Bildungsanstalten; wenn aber eine Volksschule errichtet würde, könnte ein tüchtiger Lehrer die israelitischen Kinder in den Elementarfächern bis zum 10ten Jahre unterrichten und dabei im Hebräischen einen tüchtigen Grund legen; und auch für die ältern Schüler könnte der Unterricht nutzbarer werden. Herr Kirchenrat Maier wird es als Prüfungskommissär der israelitischen Schulen erfahren haben, dass, was den Unterricht im Hebräischen betrifft, auf dem Lande mehr als in der Residenz geleistet wird. Zwar wird entgegengehalten, eine Konfessionsschule nähre den Sondergeist und die Amalgamation der israelitischen Schüler mit den christlichen wirke auf das soziale Leben wohltätig. Das ist aber unrichtig, denn es gibt einen Sondergeist, der gehegt werden muss, und der ist das spezifische religiöse Bewusstsein, und wird dieses nicht gepflegt, so entsteht der laxe Indifferentismus, an dem unser Zeitalter im Allgemeinen krankt. Will man den Mut der religiösen Überzeugung dem Kinde anerziehen, so muss man auch das konfessionelle Element pflegen. Mit den Konzessionen an das soziale Leben hat das Judentum schon manches Edlere seiner besseren Individualität verloren. Das Judentum kann nur durch seine Schulen erhalten werden, die prachtvollen Tempel allein, Predigt, Orgel und Chorgesang werden es nicht gegen die Verflachung seiner religiösen Idee schützen".       


Tagung des Israelitischen Lehrervereines in Stuttgart (1873)
        

Stuttgart AZJ 02091873.jpg (86570 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. September 1873:      

  
Anzeige einer Publikation für israelitische Volksschulen von Lehrer J. Weil (1873)           

Stuttgart AZJ 23121873.jpg (485278 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. Dezember 1873:      

  
Anzeige des Israelitischen Knaben-Pensionats von Lehrer Salomon Abraham (1882)         

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. März 1882:            

 
Konferenz der Israelitischen Lehrer Württembergs (1883)         

Stuttgart AZJ 09101883e.jpg (55495 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. Oktober 1883:       

  
60-jähriges Dienstjubiläum von Kantor Moritz Eichberg und 35-jähriges Ortsjubiläum von Sekretär Stern (1885)    
Anmerkung: Über den 1807 in Bad Mergentheim geborenen und jahrzehntelang in Stuttgart tätigen Lehrer und Kantor Moritz Eichberg hat Rolf Hofmann ein Familienblatt erstellt: "Family Sheet Moritz Eichberg of Bad Mergentheim + Stuttgart" (eingestellt als pdf-Datei)      

Stuttgart AZJ 01011885.jpg (117610 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Januar 1885:           

   
Ausschreibung der (2.) Kantorstelle (1885)      

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. Juni 1885:        

 
Kritik an der langsamen Arbeit der Israelitischen Oberkirchenrates bei der Besetzung der 2. Kantorstelle (1885)        

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Oktober 1885:       

  
Versammlung der israelitischen Lehrer und Vorsänger Württembergs in Stuttgart (1887)        

Stuttgart AZJ 18081887.jpg (249546 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. August 1887:     
Stuttgart AZJ 18081887a.jpg (126932 Byte)   

  
Versammlung der israelitischen Lehrer und Vorsänger Württembergs in Stuttgart (1888)     

Stuttgart AZJ 23081888.jpg (323868 Byte) Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. August 1888:        


25-jähriges Dienstjubiläum von Kantor Emil Gundelfinger (1888)         

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. Dezember 1888:      

    
25-jähriges Amtsjubiläum von Synagogenverwalter Mannheimer (1889)       

Stuttgart AZJ 04041889.jpg (44898 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. April 1889:         

      
Versammlung der israelitischen Lehrer und Vorsänger Württembergs in Stuttgart (1890)       

Stuttgart AZJ 08081890.jpg (31323 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. August 1890:   

 
Werbung von Schächter Hirsch Jakob für die Geflügelhandlung von M. Kaufmann (1891)          

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Juni 1891:      

         
Plenarversammlung des "Unterstützungsvereins israelitischer Lehrer und Vorsänger Württembergs" (1901)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Juni 1901:     
Stuttgart Israelit 03061901a.jpg (144413 Byte)    

   
Die Barmizwahknaben müssen keinen Zylinderhut mehr tragen - Karl Kahn wird als Kantor verpflichtet (1903)   

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30.Januar 1914:     

    
40-jähriges Dienstjubiläum von Kantor Emil Gundelfinger (1903)       

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 4. Dezember 1903:      
 
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Dezember 1903: 

 
Eine Deputation des israelitischen Lehrervereins wird durch Minister Dr. von Weizsäcker empfangen (1904)          

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Februar 1904:       

 
Lehrer und Kantor Emil Gundelfinger tritt in der Ruhestand (1910)        

Stuttgart AZJ 04031910.jpg (159646 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. März 1910:     

  
25-jähriges Ortsjubiläum von Oberkantor Jakob Tennenbaum (1911)    
Anmerkung: Jakob Tennenbaum (geb. 1854, gest. 1921): kam 1886 nach Stuttgart; trat durch eigene Kompositionen hervor, leitete den Synagogechor; unter ihm erlebte die Stuttgarter Synagogenmusik eine Blutezeit.   

Stuttgart AZJ 05051911.jpg (17648 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. Mai 1911:        

  
50-jähriges Jubiläum des "Vereins israelitischer Lehrer und Vorsänger in Württemberg" (1913)    

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom  10. Januar 1913:       

 
Ausschreibung von Stellen an der jüdischen Schule (1934)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Januar 1934:     

  
Eröffnung der jüdischen Schule zum 1. April 1934 (1934)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Februar 1934:       

  
Ausschreibung einer Lehrerstelle für die jüdische Schule (1934)         

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. November 1934:   

  
Plädoyer für jüdische Schullandheime von Wolf Berlinger (1935)        

Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. September 1935:      
   

  
Beitrag der Lehrerin an der Jüdischen Schule Alice Oppenheimer "Eine Mutter erzählt ihren Kindern die Bibel" (1936)       

Stuttgart Israelit 13021936.jpg (605128 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Februar 1936:       

  
Lehrer Felix David rettet einen Jungen vor dem Ertrinken (1936)       

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Juli 1936:        

  
Ausschreibung einer Lehrerstelle in der Jüdischen Schule Stuttgart (1937)         

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Juni 1937:       

      

  
    

 

 

 

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Stand: 10. Februar 2014