Zur Geschichte
der Beträume und der Synagoge in Stuttgart nach 1945
Bei Kriegsende lebten in Stuttgart gerade 24 jüdische
Personen, die nicht deportiert worden waren beziehungsweise versteckt überlegt
hatten. Nur wenige frühere Stuttgarter und Württemberger Juden kamen 1945 aus
den Konzentrationslagern in die Stadt zurück. Bis Ende 1945 waren es insgesamt
keine 200 Personen, die vor allem aus Theresienstadt, Buchenwald oder anderen
Lagern zurückgekommen waren. Und doch wurde von diesen - unter tatkräftiger
Hilfe eines amerikanischen Militärrabbiners Herbert S. Eskin - für neues
jüdisches Gemeindeleben in Stuttgart - wenn auch zunächst in bescheidenem
Rahmen - gesorgt. Ein Betraum konnte in der Reinsburgstrasse
26 eingerichtet werden. Da das frühere israelitische Gemeindehaus in der Hospitalstrasse 1944
zerstört worden war, wurde von den Behörden dieses Haus beschlagnahmt. Es war
das ehemaliges Haus der
jüdischen Familie Marx. In zwei großen Räume im ersten Stock wurde der Betsaal
eingerichtet. Am 2. Juni 1945 fand unter Leitung des amerikanischen
Militärrabbiners Herbert S. Eskin der erste öffentliche jüdische Gottesdienst
in Stuttgart nach Kriegsende statt.
In den folgenden Monaten, bis zum Sommer 1946 kam es zu einem unerwarteten
Zuwachs jüdischer Personen im Bereich der damaligen amerikanischen Besatzungszone mit der Hauptstadt Stuttgart.
Die amerikanische Besatzungszone in Deutschland wurde zur zentralen Aufnahmeregion für jüdische Flüchtlinge aus osteuropäischen Ländern, vor allem aus Polen. Sie galten als sogenannte
"Displaced Persons". Zu dieser Gruppe der Displaced Persons gehörten auch die Überlebenden verschiedener Außenkommandos von Konzentrationslagers in
Südwestdeutschland (u.a. Vaihingen/Enz). Insgesamt gab es bis Oktober 1946 zusammen 70.000 jüdische Personen, die in der amerikanischen Zone Deutschlands untergebracht wurden. Für sie wurden jüdische Flüchtlingslager eingerichtet,
darunter das DP-Lager im Stuttgarter Westen. In den Lagern wurden auch
Beträume beziehungsweise Synagogen eingerichtet, im Stuttgarter DP-Lager im Gebäude
Reinsburgstraße 199. So hatte Stuttgart 1946 bis 1948 zwei religiöse jüdische Zentren, beide in der Reinsburgstraße. Bis Ende 1950 verließen allerdings alle, vor allem nach Gründung des Staates Israel der größte Teil der Displaced Persons Deutschland. Mit dem Wegzug der Displaced Persons wurden auch ihre Baracken-Synagogen und Beträume geschlossen.
Der ehemalige Synagogenplatz in der Hospitalstrasse 36 war 1945/46
zur Beseitigung der Trümmer der zerstörten Innenstadt herangezogen worden.
Hier war für die sogenannten "Trümmerbahn" ein "Güterbahnhof
mit der Steinquetschfabrik" eingerichtet worden. Auf dem Grundstück häuften
sich die Trümmer und der Schutt der Stadt. 1946 wurde über eine würdigere
Gestaltung des Platzes nachgedacht. An eine Neubebauung mit einer Synagoge
dachte zunächst noch niemand. Im August 1947 begannen Vorarbeiten zur Gestaltung
einer Gartenanlage mit einer Gedenkstätte, die wenig später realisiert wurde.
auf dem Grundstück waren in den folgenden Jahren einige Reste der Außenmauern
der alten Synagoge zu sehen. Im Zentrum der Rasenfläche wurde eine Trauerweide
gepflanzt.
1948/49 gab es in der IKWV (der neu begründeten "Israelitische Kultusvereinigung
Württemberg") erste Überlegungen zum Bau einer neuen Synagoge in
Stuttgart. Der Betsaal in der Reinsburgstrasse reichte für die Gottesdienste
vor allem an Feiertagen der Gemeinde nicht mehr aus. Nachdem das Gebäude der jüdischen
Schule auf dem Grundstück Hospitalstrasse 36a im Krieg nur ausgebrannt war und
renoviert werden konnte, ist dieses zunächst für die Einrichtung von Räumen für
die Verwaltung und eines Betsaales in der früheren Turnhalle der jüdischen
Schule hergerichtet worden. Dieser provisorische Betsaal konnte am 8.
Juli 1950 eingeweiht werden. Für eine neue Synagoge konnte 1950 die
Finanzierung auf Grund von Zusagen des Landes eine Regelung gefunden werden.
Regierungsbaumeister Ernst Guggenheimer plante den Neubau, der 1951/52 erstellt
werden konnte. Bereits die Gottesdienste an den Hohen Feiertagen 1951 wurden in
der noch unvollendeten Synagoge gefeiert. Die feierliche Einweihung der Synagoge
war am 13. Mai 1952 unter Anwesenheit zahlreicher Vertreter der Behörden der
Stadt, des Landes, der jüdischen Gemeinden und weiteren Persönlichkeiten aus
dem In- und Ausland- Der Landesrabbiner von Luxembourg Dr. Chaim Lehrmann entzündete
das Ewige Licht. Die Weiherede hielt Landesrabbiner Dr. Siegbert Izchak Neufeld.
Neben der Synagoge wurde ein Gemeindehaus erstellt mit Räumen für die
Verwaltung, ein rituelles Bad, Gemeindesaal und Kindergarten. Dieses
Gemeindehaus ist in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach erweitert und umgebaut
worden.
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