|
Eingangsseite
Aktuelle Informationen
Jahrestagungen von Alemannia
Judaica
Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft
Jüdische Friedhöfe
(Frühere und
bestehende) Synagogen
Übersicht:
Jüdische Kulturdenkmale in der Region
Bestehende
jüdische Gemeinden in der Region
Jüdische
Museen
FORSCHUNGS-
PROJEKTE
Literatur
und Presseartikel
Adressliste
Digitale
Postkarten
Links
| |
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"
zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Zur Seite über die Israelitische Religionsgemeinschaft in
Württemberg (IRGW)
Heilbronn (Stadtkreis Heilbronn)
Jüdischer Betsaal nach 1945
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
Link: Seite
zur Geschichte der Synagoge(n) vor 1945
Nach 1945 lebten in Heilbronn zunächst nur wenige jüdische
Personen/Familien (in den 1980er-Jahren ca. sechs Familien und einige einzelne
Personen), die zur Israelitischen Religionsgemeinschaft in Württemberg
(Stuttgart) gehörten. Erst seit den 1990er-Jahren hat ihre Zahl stärker
zugenommen. Eine jüdische Gemeinde ist seit 2003/04 wieder im Entstehen, zunächst
als Filialgemeinde der Israelitischen Religionsgemeinschaft
in Württemberg mit Sitz in Stuttgart.
Zur Geschichte des Betsaales
Seit 2002 gibt es monatliche Treffpunkte, zu denen
sich jüdische Einwohner in der Stadt sammeln und sich zu organisieren beginnen.
2004/05 konnte - Zug um Zug - ein neuer Betsaal in einem Gebäude in der "Allee" unweit
des Grundstückes der früheren Synagoge eingerichtet werden. Es handelt sich um
einen Raum innerhalb von multifunktional nutzbaren Räumen. Am 19. Februar
2006 konnte verbunden mit einer festlichen Einweihung eine neue -in Israel
geschriebene - Torarolle in den Betsaal eingebracht werden.
Auf dem Weg zu einer neuen
Gemeinde
(Quelle: Heilbronner Stimme vom 21.10.2003 und
27.12.2003) |
 |
 |
|
Rabbiner Shneur
Trebnik aus Ulm begleitet die entstehende jüdische Gemeinde an den
Festtagen: links zum Laubhüttenfest, rechts beim Entzünden der siebten
Kerze des Chanukkaleuchters auf dem Heilbronner Marktplatz |
Die
feierliche Übergabe und Einbringung einer neuen Torarolle am 19. Februar 2006
Am 19. Februar 2006 fand ab 15 Uhr die
feierliche Übergabe einer Torarolle an die neue jüdische Gemeinde in Heilbronn
statt. Der Festakt war im großen Saal des Universum Arthaus-Kinogebäudes,
Allee 4 (Grundstück der früheren Synagoge). Die Torarolle wurde durch den
Freundeskreis Synagoge Heilbronn e.V. gespendet. Bei der
Veranstaltung sprachen Jürgen Schad (1. Vorsitzender des Freundeskreisvereins),
Bürgermeister der Stadt Heilbronn Harry Mergel, Barbara Traub MA. (Sprecherin
des Vorstands der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg), Rabbiner
Netanel Wurmser (Landesrabbiner von Württemberg) sowie Prälat Paul Dieterich
von der Evangelischen Kirche. Nach dem vom Freundeskreis gemeinsam mit der
Israelitischen Religionsgemeinschaft in Württemberg veranstalteten Festakt
wurde die Torarolle in einer feierliche Prozession zu den neuen Räumen der
jüdischen Gemeinde gebracht. Hier fand die religiöse Einweihung der Torarolle
statt. (Fotos: Hahn)
 |
 |
 |
| Landesrabbiner Wurmser
schmückt die Torarolle |
Die Torarolle unter dem
Baldachin während dem Festakt |
Landesrabbiner Wurmser
während seiner Ansprache |
 |
 |
 |
| Mehrere hundert
Personen nahmen am Festakt im Universum - Arthaus-Kinogebäude teil |
|
 |
 |
 |
| Überreichung
einer Urkunde an Jürgen Schad für den "Freundeskreis Synagoge
Heilbronn e.V." durch Barbara Traub MA. (Vorstandssprecherin der
IRGW) |
Von links stehend: Barbara
Traub, Bürgermeister Harry Merkel, Avital Toren, Jürgen Schad,
Landesrabbiner Netanel Wurmser |
 |
 |
 |
|
Die Torarolle wird aus dem
Saal gebracht |
Vor dem Universum - Arthaus -
Kinogebäude |
 |
 |
 |
| Auf dem Weg zum
Betsaal - die Torarolle in den Armen von Landesrabbiner Wurmser
unter dem Baldachin |
Singen und Tanz mit der
Torarolle |
 |
 |
|
| Frohe Stimmung vor
dem Einbringen der Torarolle in den neuen Betsaal |
|
 |
 |
 |
| Eingang mit Mesusa |
Im neuen Betsaal:
links hinter dem Baldachin der Toraschrein. |
Pressebericht (aus der "Stuttgarter Zeitung" vom
20. Februar 2006):
Die Tora ist jetzt ins Unterland zurückgekehrt
Mit der heiligen Schriftrolle macht die jüdische Gemeinde in
Heilbronn einen neuen Anfang - Religionsunterricht für Erwachsene
Während der vergangenen tausend Jahre sind die Juden in Heilbronn immer
wieder vertrieben oder umgebracht worden. Seit gestern sind sie offiziell wieder
da. Als unbedingt notwendiges Zeichen des Neuanfangs wurde eigens eine
handgeschriebene Tora aus Israel eingeflogen. Von Wieland Schmid
Avital Toren macht keinen Hehl aus ihrem Stolz. Für die 65-jährige Jüdin, die
mit ihrem Mann Mosche seit Jahrzehnten in Heilbronn lebt, war das gestern ein
"sehr aufregender, sehr spannender Tag". Nicht nur, weil der
Landesrabbiner Natanel Wurmser (53) mit zahlreichen Angehörigen der jüdischen
Glaubensgemeinschaften aus Baden und aus Württemberg ins Unterland gekommen
ist. Oder weil Hunderte von Heilbronnern mit Bürgermeistern und führenden
christlichen Seelsorgern ihre Aufwartung im neuen jüdischen Gemeindezentrum
machten.
Das Aufregendste war ein Pergament, auf das die fünf Bücher Moses in Hebräisch
mit einem Federkiel geschrieben worden sind. "Eine solche Tora ist das Höchste
und Wertvollste einer jüdischen Gemeinde", erklärt Avital Toren.
"Damit ist die Heilbronner Gemeinde endlich wieder autark." Auch für
Rabbiner Wurmser war es eine Freude, die wertvolle Schriftrolle unter einem
Baldachin in das neue jüdische Gemeindezentrum an der Allee zu bringen.
"Heilbronn ist eine weltweit berühmte Gemeinde von historischer
Perspektive", rühmt der oberste Glaubenshüter von rund 3000 Juden in Württemberg
die Erneuerung jüdischen Lebens im Unterland. Denn auf dem Globus weit
verbreitete jüdische Familiennamen wie Halpern, Heilpern oder Heilprin sind
nachweislich aus dem Namen der alten Reichsstadt abgeleitet. Obwohl die
deutschen Heilbronner ihre israelitischen Mitbürger über Jahrhunderte hinweg
schlecht behandelt haben.
Schon deren vermutlich erste Synagoge aus der Zeit um 1050 wurde 1298 von einem
Ritter Rindfleisch aus dem Taubertal eingeäschert. Die letzte Synagoge galt nur
62 Jahre lang als eines der schönsten jüdischen Gotteshäuser in ganz
Deutschland, bevor sie im November 1938 von den Nazis bis auf die Grundmauern
zerstört wurde. In den tausend Jahren zuvor haben die Heilbronner die
ungeliebten Mitbürger immer wieder umgebracht und aus der Stadt gejagt, um sie
ein paar Jahre später widerwillig erneut in ihren Mauern aufzunehmen. Erst 1831
erhielt mit dem Tuchmacher Isidor Veit erstmals ein Jude das Heilbronner Bürgerrecht,
1849 schaffte Moritz Kallmann als Vertreter von damals rund tausend Heilbronner
Juden den Sprung in den Stadtrat, obwohl 149 von insgesamt 634 Geschäften jüdische
Besitzer hatten. Nach dem Ende der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft
waren mindestens 235 Heilbronner Juden getötet, die übrigen 500 in alle Welt
verstreut worden.
Heute ist Avital Toren schon glücklich, dass ihre inzwischen auf mehr als
hundert Köpfe angewachsene Glaubensgemeinschaft seit kurzem wieder über ein
eigenes Gemeindezentrum in einem Bürogebäude genau gegenüber dem Standort der
ehemaligen Synagoge verfügt. "Es tut gut, dass in Heilbronn nach über
sechzig Jahren wieder jüdisches Leben stattfinden kann", sagt die Toren,
die sich selbst als "Mädchen für alles" innerhalb der Unterländer
Gemeinde betrachtet. Jetzt müssen sie und die anderen nicht mehr ständig in
die Stuttgarter Synagoge fahren oder bei befreundeten Protestanten und den
Heilbronner Freimaurern gelegentlich um einen Saal für jüdische Feste bitten.
Das neu gemietete Gemeindezentrum hat zwar nur drei Räume mit zusammen 200
Quadratmetern. "Aber es reicht, obwohl es eng ist, wenn alle kommen",
sagt Avital Toren.
Mit der gestern feierlich eingeweihten neuen Tora kann die Gemeinschaft nach
eigener Anschauung ihre religiöse und weltliche Kraft erst richtig entfalten.
Rund 20 000 Euro hat allein die Anfertigung der Schriftrolle durch einen
speziell dafür ausgebildeten Schreiber gekostet, der in Israel ein Jahr lang
daran gearbeitet hat. Auch die christlichen Pfarrer im Unterland haben dafür
bei ihren Schäfchen kräftig gesammelt. Es ist sogar so viel Geld übrig
geblieben, dass der Toraschreiber nach Deutschland fliegen konnte und gestern
gemäß der Tradition das Einfügen der letzten Buchstaben durch
Gemeindemitglieder überwachen konnte.
Jetzt blicken die Heilbronner Juden wieder einigermaßen optimistisch in die
Zukunft. Von denen, die sich einst nach dem Zweiten Weltkrieg wieder im
Unterland angesiedelt haben, sind inzwischen nur noch sechs übrig. Die anderen
Mitglieder jüdischen Gemeinde sind alle in jüngster Vergangenheit aus der
ehemaligen Sowjetunion eingewandert. "Viele von denen haben keine Ahnung
von jüdischer Religion", sagt Avital Toren. "Deshalb müssen sie
angelernt werden." Vom Bau einer neuen Synagoge kann nach ihrer Ansicht
vorerst keine Rede sein: "Unser nächster Schritt ist erst mal der
Religionsunterricht für Erwachsene."
Informationen zum Freundeskreis Synagoge Heilbronn e.V.: Der
Freundeskreis ist ein eingetragener Verein und möchte die jüdische
Gemeinschaft in heilbronn bei der Wiedereinrichtung und Unterhaltung eines
Gemeindezentrums bzw. einer Synagoge unterstützen. Damit soll jüdische
Lebensweise in ihrer religiös-kulturellen Vielfalt auch in Heilbronn möglich
werden. Dem Verein liegt an der Pflege der Beziehungen zwischen jüdischen und
nichtjüdischen Bürgern und will zum Gelingen des
interreligiösen und interkulturellen Dialog im Sinne der Völkerverständigung
beitragen. Der Verein wurde am 16. Juni 2004 gegründet. Spenden an den Verein
sind steuerabzugsfähig.
Anschrift: Freundeskreis Synagoge Heilbronn e.V.
c/o 1. Vorsitzender: Jürgen Schad Max Planck-Str.
12/0 74081 Heilbronn
Bankverbindung des Freundeskreises: Konto Nr. 1230031855 bei der Kreissparkasse
Heilbronn BLZ 620 500 00
Für Interessenten an einer Mitgliedschaft: der jährliche
Mitgliedsbeitrag beträgt mind. € 12.-
Links und Literatur
Links:

vorherige Synagoge zur ersten Synagoge nächste Synagoge
|