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Nieder-Flörsheim (Gemeinde
Flörsheim-Dalsheim, Kreis Alzey-Worms)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Nieder-Flörsheim (als Ort urkundlich bereits 768
erwähnt) bestand eine jüdische Gemeinde bis
um 1920. Ihre Entstehung geht in die Zeit Anfang des 19. Jahrhunderts
zurück. Seit den 1790er-Jahren lassen sich jüdische Einwohner am Ort
nachweisen.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie folgt: 1808 sieben Familien mit 31 Personen, 1816 37 jüdische Einwohner,
1828 46, 1861 56, 1867 51. Der Anteil an der Gesamteinwohnerschaft betrug
zwischen 6 und 8 %. Seit den 1860er-Jahren ging die Zahl der jüdischen
Einwohner stark zurück, sodass 1900 nur noch 22, 1905 20 jüdische Einwohner
gezählt wurden.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
Religionsschule und ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden auf dem
jüdischen Friedhof in Dalsheim beigesetzt. Zur
Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war im 19. Jahrhundert zeitweise ein Religionslehrer
angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schächter tätig war. In den 1860er-Jahren
hatte Nieder-Flörsheim noch einen eigenen Religionslehrer, spätestens 1893
teilte man sich den Religionslehrer gemeinsam mit der Nachbargemeinde Monsheim
(vgl. Ausschreibungstexte der Stellen unten). Seitdem (belegt durch die Anzeigen
unten von 1898 / 1903) hat man offenbar nur noch zu
den hohen Feiertagen im Herbst einen Vorbeter angestellt.
1924 gehörten die noch 6 jüdischen Einwohner in
Niederflörsheim gemeinsam mit den in Hohensülzen lebenden
fünf jüdischen
Personen zur Gemeinde in Monsheim. Diese Orte waren dem Rabbinatsbezirk Worms
zugeteilt.
1933 wurden noch vier jüdische Einwohner gezählt (David Mayer mit Frau
Jenny Mayer geb. Krämer und Sohn Lothar Mayer sowie der 1941 gestorbenen Sara
Krämer.
Von den in
Nieder-Flörsheim geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):
David Mayer (1896), Jeanette (Jenny) Mayer geb. Krämer (1895), Kornelia Mayer
(1879, wohnhaft Stuttgart), Lothar Mayer (1926), Siegfried Mayer (1881, wohnhaft
Hamburg).
Foto: Grabstein für Saara Krämer geb. Mayer im jüdischen Friedhof
in Dalsheim mit Gedenkinschriften für die nach der Deportation ermordete
Familie Mayer.
Berichte aus
der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der
Geschichte der jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1861 /
1893
beziehungsweise eine Vorbeters für die hohen Feiertage (1898 / 1903)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Februar 1861:
"Anzeige. Die Stelle eines israelitischen Religionslehrers in der
Gemeinde Niederflörsheim, Kreises Worms, ist vakant. Mit dieser Stelle
ist ein jährlicher Gehalt von 200 Gulden nebst freier Wohnungen
verbunden; auch wäre es von Vorteil für den Lehrer, wenn er den
Schächterdienst hierorts versehen könnte. - Allenfallsige Bewerber
wollen sich alsbald in portofreier Eingabe an den Unterzeichneten wenden.
Niederflörsheim, am 28. Januar 1861. Der Vorstand: Ludwig Mayer II." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Juni 1893: "Die
israelitischen Religions-Gemeinden Monsheim und Nieder-Flörsheim
in Rheinhessen suchen per sofort einen Religionslehrer, der zugleich
Vorbeter und Schochet sein muss. Fixes Gehalt Mark 500, Nebenverdienste
ungefähr Mark 300 per Jahr. Bewerber wollen sich an den Unterzeichneten
wenden. Monsheim, den 1. Juni 1893. M. Goldschmitt." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. September 1898:
"Wir suchen auf Neujahr und Versöhnungstag einen Vorbeter.
Derselbe muss auch Baal Tokea sein.
Offerten mit Gehaltsansprüchen sind zu richten an den Vorstand
Joseph Mayer,
Nieder-Flörsheim." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. September 1903:
"Vorbeter für die hohen Feiertage gesucht. 60 Mark Vergütung nebst
freier Kost und Logis. Der Vorstand: M. Leopold,
Niederflörsheim." |
Zur Geschichte der Synagoge
Eine Synagoge wird 1851 genannt. Sie dürfte auf Grund
des Baustiles bereits Ende des 18. Jahrhunderts erstellt worden sein. Es
handelt sich um einen schlicht verputzten Saalbau mit hohen
Rundbogenfenstern.
Bereits um 1900 war es auf Grund der zurückgegangenen Zahl der jüdischen
Einwohner schwierig, regelmäßig die nötige Zehnzahl jüdischer Männer (Minjan)
zum Gottesdienst zu bekommen. Zumindest an den Feiertagen wurden noch
Gottesdienst abgehalten (s.o. Anzeige 1903).
1920 wurde die Synagoge jedoch endgültig geschlossen, das Gebäude
verkauft. Es ist als Scheune erhalten und steht seit 1982 unter
Denkmalschutz.
Adresse/Standort der Synagoge: Untergasse 8 (neben
dem evangelischen Gemeindehaus)
Fotos
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Fotos sind noch
keine vorhanden, weder historische noch aktuelle; über Zusendungen und
Hinweise freut sich der Webmaster der "Alemannia Judaica";
Adresse siehe Eingangsseite. |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 150 (mit weiteren Literaturangaben).
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n.e.

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