Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 

 
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zurück zur Übersicht "Synagogen in Rheinland-Pfalz" 
zur Übersicht "Synagogen im Landkreis Alzey-Worms  
   

Abenheim (Stadt Worms)
Jüdische Geschichte / Synagoge   
  

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Zu einzelnen Personen und Familien aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde      
    
In dem bis 1797 den Herren von Dalberg gehörenden Ort Abenheim bestand eine vor allem im 18. und 19. Jahrhundert relativ große jüdische Gemeinde. 1824 lebten hier 66 und 1830 69 jüdische Personen.

Durch die Mitte des 19. Jahrhunderts einsetzende Auswanderung nach Nordamerika und die Abwanderung in die Städte ging die Zahl der jüdischen Einwohner schnell zurück, sodass bereits um 1880 die in Abenheim lebenden jüdischen Einwohner der Gemeinde in Osthofen zugeteilt wurden. Nachdem sich die Zahl der jüdischen Einwohner in den folgenden Jahren nicht mehr erhöhte (1900 neun jüdische Einwohner), wurde die Gemeinde 1901 offiziell aufgelöst. Dennoch taucht Abenheim auch noch 1924 im "Handbuch der jüdischen Gemeindeverwaltung" als Gemeinde im Rabbinatsbezirk Worms auf mit freilich nur noch sechs Gemeindegliedern und dem Vorsteher J. Scheuer. 
  
An Einrichtungen hatte die Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule sowie ein rituelles Bad. Die jüdische Schule war jeweils im selben Gebäude wie die Synagoge. Mitte des 19. Jahrhunderts werden ein "oberes" und ein "unteres Judenbad" genannt, wobei das "obere Judenbad" an der Ecke Fronstraße/Welschgasse lag. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer angestellt. 1849 wird als solcher Juda Löw Berliner (geb. 1819 in Harburg) genannt, der bis dahin als Vorsänger in Bodenheim tätig war (vgl. auch die Ausschreibung der Stelle von 1864 unten). Nach Auflösung der jüdischen Gemeinde erhielten die noch in Abenheim lebenden jüdischen Kinder Religionsunterricht durch den Religionslehrer aus Osthofen.
  
1939 lebte noch eine jüdische Familie mit drei Personen in Abenheim, die dann nach Mainz verzogen ist. 
   
Von den in Abenheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Jeanette (Johanette) Frank geb. Löb (1858), Therese Levi geb. Scheurer (1853), Leo Metzger (1868), Karoline Pfälzer geb. Metzger (1870). 
      
      
      
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
     
        
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer    
Ausschreibung des Stelle des Lehrers, Vorsängers und Schächters (1864)        

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. Dezember 1864:  "Die Stelle eines Lehrers, Schächters und Vorsängers zu Abenheim, womit bei freier Wohnung ein Einkommen von mindestens 450 fl. verbunden ist, ist erledigt.  
Bewerber um diese Stelle wollen ihre Gesuche unter Anschluss von Zeugnissen über Befähigung etc. bei dem israelitischen Vorstand zu Abenheim einreichen. 
Großherzogliches Kreisamt Worms. Pfannebecker."        

    
    
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Bildung eines Unterrichtsbezirks Osthofen - Rhein-Dürkheim, Herrnsheim, Abenheim und Gundheim (1904)  

Alsheim usw FrfIsrFambl 05021904.jpg (87661 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 5. Februar 1904: "Worms. Das Großherzogliche Ministerium plant die definitive Anstellung israelitischer Religionslehrer, welche ein den Volksschullehrern gleiches Gehalt beziehen und dieselben Rechte genießen sollen, sobald sie wöchentlich 20 Stunden Religionsunterricht erteilen. Die nötigen Mittel sollen von den Gemeinden, die zu dem betreffenden Bezirk gehören, aufgebracht werden. An die Vorstände der israelitischen Gemeinden des Kreises Worms ist bereits der ausgearbeitete Plan gesandt worden. Nach ihm sind die Gemeinden in vier Unterrichtsbezirke eingeteilt und zwar: 1. Alsheim, Gimbsheim, Eich und Hamm; 2. Osthofen, Rhein-Dürkheim, Herrnsheim, Abenheim und Gundheim; 3. Hessloch, Monzernheim, Eppelsheim, Gundersheim und Westhofen; 4. Monsheim, Hohen-Sülzen, Nieder-Flörsheim, Wachenheim, Mölsheim, Pfeddersheim und Pfiffligheim. Die Gemeinden Heppenheim a.d.W. und Offstein sollen der Gemeinde Worms zugeteilt werden. Bis zum 1. Februar müssen die Gemeinden dem Kreisamte Worms Bericht erstattet haben."   

   
   
Zu einzelnen Personen und Familien aus der Gemeinde   
Zur Familie Abenheim  
Der Herkunftsname Abenheim begegnet u.a. bei: 

Josef Abenheim (geb. 1804 in Worms, gest. 1891 in Stuttgart): im 19. Jahrhundert in Stuttgart bekannter Violinist und Dirigent. Erstmals 1825 als Violinist im Stuttgarter Hof-Orchester genannt, seit 1854 erster Musikdirektor, Hofoperndirigent beziehungsweise Königlicher Musikdirektor (Leiter der Hoftheaterkapelle), 1871 pensioniert.  
  
Zur Familie Mayer aus Abenheim   
Arnsberg S. 192 berichtet über die Mitglieder einer Familie Mayer aus Abenheim, die in die USA ausgewandert sind: "Max L. Mayer, geboren 1817, war der erste Jude, der mit einem Pferde und einem Wägelchen in der Umgebung von Chicago hausierte. Er war Freimaurer und später in Chicago ansässig. Leopold Mayer, geboren 1827, besuchte das Lehrerseminar; er kam im Jahre 1850 nach Chicago, wo er zuerst Privatlehrer für Deutsch und Hebräisch war; ab 1853 war er dann Sprachlehrer am Garden City Institut. L. Mayer war Bahnbrecher des Reformjudentums in Chicago und Illinois überhaupt. Er gründete 1858 den Reformverein, aus dem später die Sinai Congregation entstand (1861). Zuletzt war L. Mayer im Bankgeschäft tätig, assistiert von seinem Sohn Nathan; im Wohltätigkeitswesen von Chicago spielte er eine bedeutende Rolle."

 
Über den aus Abenheim stammenden Leo Metzger (1868-1942)  

Worms Schlossergasse 1922a.jpg (84585 Byte)Foto links: Blick in die Schlossergasse in Worms 1923, links die Metzgerei und Wurstfabrik von Leo Metzger (Foto: Stadtarchiv Worms; in höherer Auflösung in der Website der Stadt Worms). 
Der aus Abenheim stammenden Leo Metzger (geb. 8. April 1868 in Abenheim) hat in Worms eine "Metzgerei und Wurstfabrik" betrieben. Ende September 1942 wurden er und seine Frau Rosa Metzger geb. Neuhof (geb. 9. August 1883 in Friedberg) ab Darmstadt in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo er am 11. Oktober 1942 umgekommen ist (seine Frau am 24. Januar 1943).
 Im April 2011 wurden vor dem Haus in der Schlossergasse 22 "Stolpersteine" für das Ehepaar Metzger verlegt. 
Zur "Stolpersteine"-Verlegung siehe Bericht in der "Wormser Zeitung": Den Namen zurück gegeben (Wormser Zeitung, 29.04.2011)

    
    
    
Zur Geschichte der Synagoge        
    
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wird eine "Judenschule" (= Betstube, Synagoge) genannt (1786). Sie stand auf dem heutigen Grundstück Fronstraße 19. Das Haus wurde 1965 abgebrochen, das Grundstück neu bebaut.  

Eine neue Synagoge wurde spätestens Mitte des 19. Jahrhunderts erstellt (1854 in einer Bürgerliste zusammen mit dem oberen und unteren Judenbad erwähnt). Diese Synagoge stand auf dem heutigen Grundstück Wonnegaustraße 50. Der jüdischen Gemeinde gehörte bereits 1846 dieses Grundstück. Da die Zahl der jüdischen Einwohner zurückgegangen war, konnten wohl bereits um 1880 keine regelmäßigen Gottesdienste mehr in Abendheim abgehalten werden. Bei der Auflösung der jüdischen Gemeinde 1901 wurde das Synagogeninventar verkauft. In einer 1901 in der Zeitschrift "Der Israelit" mehrfach erschienenen Anzeige wurden drei Torarollen, sechs Subsellien (Bankreihen aus dem Betsaal) und andere Einrichtungsgegenstände für andere Gemeinden angeboten: 

Abenheim Israelit 22071901.jpg (45891 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Juli 1901: "Infolge Auflösung 
der Gemeinde Abenheim sind an kleine, wenig bemittelte Gemeinden drei Torarollen, sowie sechs Subsellien und andere Synagogeneinrichtungs-Gegenstände zu vergeben. Reflektanten wollen sich umgehend an den Unterzeichneten wenden. 
David Scheuer,
Abenheim bei Worms."

Wie viele Einrichtungsgegenstände der Synagoge Abenheim tatsächlich verkauft werden konnten, ist nicht bekannt. Möglicherweise kam alles durch Ankauf eines Herrn Guggenheimer in Worms an die jüdische Gemeinde in Fußgönheim, deren Synagoge am 19. August durch Blitzschlag abgebrannt war:    
  
Die Gemeinde in Fußgönheim erhält die Synagogenutensilien der aufgelösten jüdischen Gemeinde Abenheim (1901)
    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. September 1901: "Fußgönheim (Pfalz). Durch gütige Vermittlung des Herrn Rabbiner Dr. Stein in Worms erhielten wir von Herrn Guggenheimer in Worms die von ihm angekauften Synagogenutensilien der aufgelösten israelitischen Gemeinde Abenheim zum Geschenke, wofür wir genannten Herren auch auf diesem Wege herzlichsten Dank aussprechen. Unsere Synagoge ist am 19. August durch Blitzschlag abgebrannt. Der Vorstand: Emanuel Mayer."    

     
Das Synagogengebäude wurde verkauft und umgebaut. Es blieb jedoch erhalten. Von 1945 bis 1995 befand sich in dem nicht mehr als Synagoge erkennbaren Gebäude die Poststelle der Gemeinde. 
   
   
Adressen/Standorte der Synagoge   

alte Synagoge (Betstube) in der Fronstraße 19 (abgebrochen; Grundstück neu bebaut)   
neue Synagoge (bis 1901): Wonnegaustraße 50   

   
   
Fotos     
(Fotos: Michael Ohmsen, Aufnahmen vom Juli 2011; vgl. Website von Michael Ohmsen mit Fotoseiten zu Worms)  

 Grundstück der 
alten Synagoge
 Abenheim Synagoge 150.jpg (76519 Byte)   
  Das heutige Gebäude Fronstraße 19  
     
Gebäude der ehemaligen neuen 
Synagoge (bis 1901, umgebaut)
Abenheim Synagoge 160.jpg (67777 Byte)
  Das Gebäude Wonnegaustraße 50  
     

   
   

Links und Literatur

Links:  

Website der Stadt Worms  

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bd. 2. S. 191-192 (im Artikel zu Osthofen).
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 405 (Artikel von Irene Spille; mit weiteren Literaturangaben).  

            
              

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge  

        

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 22. Dezember 2013