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Eppelsheim (VG
Alzey-Land, Kreis
Alzey-Worms)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Eppelsheim lebten jüdische Personen spätestens seit der ersten
Hälfte des 18. Jahrhunderts: 1722 wird eine Familie am Ort genannt
(Familie von Mendels Witwe). 1743 sind es zwei (Familie des Moses Mendel und
Familie von Callmanns Witwe),
1806 sechs und 1808 sieben jüdische Familien am Ort. Um 1800 dürfte eine Gemeinde gegründet
worden sein. Aus anderen Orten sind in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
noch einzelne jüdische Personen/Familien nach Eppelsheim zugezogen wie Isaak Schloss aus
Ingenheim (1800), Abraham Schafner aus Heßloch
(1812), Jacob Grünebaum aus Reipoltskirchen (1817). Die ältesten in den
Ortsbürgerregistern ab 1823 genannten und in Eppelsheim geborenen Personen
waren: Michael Herz (Handelsmann, geb. 1762), Lazarus Levis (Handelsmann,
geb. 1768, gest. 1844), Emanuel Levis (Handelsmann, geb. 1775), Johannes Hahn
(Makler, geb. 1778, gest. 1843)
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie folgt: 1824 58 jüdische Einwohner, 1828 70 (5 % der Gesamteinwohnerschaft),
1861 55 (5,9 % von insgesamt 932 Einwohnern), 1880 38 (4,4 % von 866), 1900 20
(2,2 % von 909), 1910 22 (2,2 % von 993). Die jüdischen Familiennamen
waren im 19. Jahrhundert: Busch, Grünebaum, Hahn, Herz, Levis, Schaffner,
Schloss, Süs. Mehrere Familien sind - vor allem um 1850 - nach Amerika
ausgewandert, darunter Jacob Grünebaum mit Familie (1852; seine Söhne waren
schon in den Jahren zuvor ausgewandert, s.u. bei Henry und Elias Greenebaum), Isaac Levis (1853), Isaac
Schloss II (1853), Johannes Hahn II (1849), Jacob Hertz (1858), Nathan Schaffner
(1864), Jacob Hahn (1860). Von großer Bedeutung waren mehrere aus Eppelsheim stammende
jüdische Auswanderer für die Entwicklung der jüdischen Gemeinschaft in Chicago.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge
(s.u.), eine jüdische Schule, ein rituelles Bad und einen Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war - zumindest im 19.
Jahrhundert - ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet
tätig war (vgl. die - vermutlich letzte - Ausschreibung der Stelle 1890 unten).
1904 wurde ein gemeinsamer Unterrichtsbezirk der Gemeinden Hessloch,
Monzernheim, Eppelsheim, Gundersheim
und Westhofen mit Sitz in Hessloch
gebildet. Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Worms.
Um 1924, als zur Gemeinde 22 Personen (2,2 % von insgesamt 980
Einwohnern) gehörten, war Gemeindevorsteher Max Levis. Ein eigener Lehrer war
schon längere Zeit nicht mehr in der Gemeinde angestellt. Die vier
schulpflichtigen jüdischen Kinder erhielten ihren Religionsunterricht in Alzey.
1930 gab es noch vier jüdische Familien am Ort. Die jüdischen
Haushaltsvorsteher verdienten den Lebensunterhalt als Händler mit
Futtermitteln, Frucht und Vieh, als Metzer und Lebensmittelkaufmann. Albert
Strass war als Schrotthändler tätig.
1933 wurden 17 jüdische Einwohner gezählt (1,7 % von insgesamt 983
Einwohnern). Diese sind auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Die diskriminierenden
Maßnahmen hatten 1933 damit begonnen, dass bei den Wahlen im November 1933 die
zwölf jüdischen Stimmberechtigten in Eppelsheim von der Wahlliste gestrichen
wurden, sodass sie ihr Wahlrecht nicht ausüben konnten.
1935 wurde die Gemeinde aufgelöst. 1934 bis 1937 konnten fünf jüdische
Personen in die USA emigrieren, drei sind innerhalb von Deutschland verzogen. Aus
der Familie des Schrotthändlers Strass konnte eine Person nach Palästina
emigrieren, zwei nach Argentinien, fünf Personen der Familie wurden später
deportiert, drei sind umgekommen. Die letzten jüdischen Einwohner verließen
bis zum Sommer 1939 auf Grund der Ereignisse beim Novemberpogrom 1938 den
Ort.
Von den in Eppelsheim geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Else Lessler geb. Levis
(1908), Moritz Levis (1888), Wilhelmine Mannheimer geb. Strass (1901), Ernestine
(Ernestina) Meyer geb. Schloss (1890), Anna Strass
(1910), Albert Strass (1911), Anna Süs geb. Strauss (1871).
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet
1890
sowie Ausschreibungen der Vorbeterstellen für die hohen Feiertage 1903 / 1907 /
1908 / 1909 / 1911
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Januar 1890: Die
hiesige Kantor-, Schächter- und Lehrerstelle soll sofort besetzt werden.
Gehalt 400 Mark nebst freier Wohnung und Heizung und bedeutendem
Nebenverdienst.
Offerten mit Zeugnisabschriften wolle man senden an
Leopold Schloss, Vorstand, Eppelsheim
(Rheinhessen)." |
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Ausschreibung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 24. Juli 1903:
"Eppelsheim (Hessen). Vorbeter für die hohen Feiertage. Mark 50 bis
Mark 60 und freie Station." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. August 1907:
"Die Gemeinde Eppelsheim, Rheinhessen, sucht einen Vorbeter
für Roschhaschono und Jomkippur für den Gehalt von Mark 60.
Reisespesen werden nicht bezahlt. Derselbe muss eine gute Stimme haben und
gut zum verstehen sein. Ein jüngerer Mann wird
bevorzugt." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. August 1908:
"Die Israelitische Gemeinde sucht einen jüngeren Mann mit guter
Stimme als Vorbeter nach Eppelsheim Rheinhessen für Roschhaschone
und Jomkippur für 60 Mark. Reisespesen werden nicht
vergütet. Offerten an
Leopold Heymann, Eppelsheim (Rheinhessen)." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. August 1909:
"Wir suchen für die hohen Feiertage einen Vorbeter mit guter
Stimme, nicht unter 30 Jahre alt. Vergütung inklusive Spesen Mark
60.-
Synagogen-Gemeinde in Eppelsheim (Rheinhessen). |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. August 1911:
"Wir suchen für die hohen Feiertage einen Vorbeter, ein
Deutscher, bis zu 30 Jahren, mit guter Stimme. Wir zahlen 65 Mark mit
Spesen. Derselbe soll auch Schofar blasen. Israelitische Gemeinde
Eppelsheim (Rheinhessen)". |
Zu einzelnen
Personen aus der jüdischen Gemeinde
(Grundlage der Informationen bereits bei Arnsberg s.Lit. Bd. I S. 163)
Henry Greenebaum (Grünebaum) ist am 18. Juni 1833 in Eppelsheim
als Sohn von Jacob Elias Grünebaum (geb. 1797 in Reipoltskirchen,
gest. 1870 in Chicago) und der Sara Esther geb. Herz (geb. 25. Juli 1796 in Eppelsheim,
gest. 18. September 1894 in Chicago) geboren.
Er wanderte 1848 nach Chicago aus, wo bereits seine Brüder Michael und Elias
waren. Zunächst war er als Verkäufer und vier Jahre in einer Bank tätig.
Danach gründete er mit seinem Bruder Elias (siehe unten) die German National
Bank, dann auch die German Savings Bank. 1877 geriet die Bank allerdings in
Schwierigkeiten, worauf er sich ins Versicherungsgeschäft verlegte. Er starb im
Alter von 80 Jahren im Februar 1914. Zeitlebens hat er sich für die Interessen
der jüdischen Gemeinschaft in Chicago eingesetzt. Er war mit Abraham Lincoln
befreundet und unterstützte General Grant im Jahre 1868. U.a. war er Gründer
der City Library of Chicago, der United Hebrew Charities und von Bnai Berth in
Chicago. Er war lebenslängliches Mitglied der Chicago Historical Society und
gehörte vielen weiteren Institutionen und Organisationen an.
Elias Greenebaum (Grünebaum) ist 1822 in Eppelsheim
geboren (älterer Bruder von Henry). Er
wanderte 1847
nach Chicago aus. Nachdem die mit seinem Bruder Henry gegründete Bank 1877 in
Schwierigkeit geraten war, gründete er 1878 mit seinen beiden Söhnen das
Bankhaus Greenebaum Sons, das noch bis mindestens 1914 bestand. Elias
Greenebaum starb im hohen Alter von 96 Jahren 1919 in Chicago.
Michael Greenebaum (Grünebaum) ist 1824 in
Eppelsheim geboren. Er wanderte 1846 nach Chicago aus. 1851 gründete er die
"Hebrew Benevolent Society" und wurde ihr erster Präsident. Er hat
mehrere andere für die jüdische Gemeinschaft wichtige Organisationen
gegründet oder mitbegründet (u.a. die Zion Literary Society). Er starb
1894 in Chicago.
Abraham Hart (Herz) ist 1831 in Eppelsheim geboren. Er wanderte 1854
nach Chicago aus und gründete mit seinem jüngeren Bruder Henry
N. Hart das Möbel-Engros-Geschäft Hart Brothers. Abe Hart (wie er
genannt wurde) war von Bedeutung für die jüdische Gemeinschaft Chicagos. Er
gründete das jüdische Waisenhaus in Cleveland und unternahm viel für Waisen
und Wohltätigkeit, sodass er auch als "Montefiore of Chicago"
bezeichnet wurde. Lange Jahre war er Direktor der Sinai Congregation in Chicago.
Zur Geschichte der Synagoge
Zunächst war vermutlich ein Betraum in einem der
jüdischen Häuser vorhanden. 1841/42 wurde der Bau einer Synagoge
geplant. Alternativ wurden der Kauf eines Wohnhauses zum Umbau in eine Synagoge
oder der Kauf eines Grundstückes zum Neubau erwogen. Behördlicherseits wurde
die Durchführung einer Kollekte in Worms sowie die Sammlung bei reicheren
jüdischen Familien in Frankfurt genehmigt. Doch führten diese Bemühungen
zunächst nicht zu einem Erfolg. Bis 1848 wurden die Baupläne zurückgestellt.
Erst 1849 wurde mit dem Bau begonnen, 1850 wurde die Synagoge eingeweiht.
Über 80 Jahre war die Synagoge Zentrum des jüdischen Gemeindelebens am Ort.
Auf Grund der seit Ende des 19. Jahrhunderts zurückgegangenen Zahl der
Gemeindeglieder wurde das Abhalten von Gottesdiensten jedoch wegen der dazu
nötigen Zahl von zehn jüdischen Männern (Minjan) vermutlich immer
schwieriger.
Spätestens seit der Auflösung der Gemeinde 1935 wird die Synagoge nicht
mehr zu Gottesdiensten verwendet worden sein. Dennoch ist das Gebäude beim Novemberpogrom
1938 verwüstet worden. Danach wurde es 1939 gekauft, vom neuen Eigentümer als Geräteschuppen
verwendet und 1973 abgebrochen. Der Eigentümer hatte sich 1972 an
die staatliche Denkmalpflege gewandt, da er das Grundstück besser nutzen
wollte. Zunächst wurde erwogen, nur noch das Erdgeschoss zum Unterstellen von
Geräten zu verwenden und in das Obergeschoss eine Wohnung einzubauen. Auch ein
Anbau wurde genehmigt. Die Pläne konnten nicht realisiert
werden. 1974 wurde an Stelle der ehemaligen Synagoge eine Gerätehalle
errichtet (Auskünfte Bürgermeisteramt Eppelsheim vom 14. und 15.9.2010).
Adresse/Standort der Synagoge:
Grundstück Blaugasse 21
(Hinweis: die Synagoge stand nicht, wie in
manchen Publikationen genannt, in der Blaugasse 7; das hier stehende Haus hat nichts mit der ehemaligen Synagoge zu tun).
Fotos
Gedenktafel
(Foto von Michael Ohmsen,
Sommer 2010) |
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Inschrift
der Tafel: "Zur Erinnerung an alle Opfer nationalsozialistischer
Gewaltherrschaft aus unserer Gemeinde. Stellvertretend für viele nennen
wir die Namen ehemaliger jüdischer Mitbürger: Anna Strass * 4.6.10, in
Auschwitz verschollen - Else Lessler geb. Levis * 26.1.08, in Auschwitz
schollen - Moritz Levis ' 5.2.1888, in Eppelsheim für tot erklärt -
Wilhelmine Mannheimer geb. Strass * 717.8.01, in Polen verschollen -
Ernestine Mayer geb. Schloß * 3.2.1890, in Auschwitz für tot erklärt,
Albert Strass * 26.11.11, in Polen verschollen." |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 162-163. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 78. |
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 146 (mit weiteren Literaturangaben).
|
 | Die Juden im Ortsbürgerregister von Eppelsheim Liste
1823-1836 und Liste
1837-1881 (Online einsehbar). |
 | Monika Richarz / Reinhard Rürup: Jüdisches
Leben auf dem Lande. 1997. S. 378 (zu Eppelsheim 1933). |
 | Tobias Brinkmann: Von der Gemeinde zur 'Community'.
Jüdische Einwanderer in Chicago 1840-1900. Universitätsverlag Rasch
Osnabrück 2002.
Darin ein Abschnitt 2.5: "Von Eppelsheim nach Chicago: Kettenwanderung
nach Chicago" S. 65-71.
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Eppelsheim, Hesse. The community,
numbering 70 (5 % of the total) in 1828, disbanded in 1935 and by August 1939 no
Jews remained.

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