Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Geisa (Wartburgkreis, Thüringen)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 
Weitere Dokumente zu jüdischen Gewerbebetrieben      
Zur Geschichte der Synagoge   
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Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde     
    
In Geisa gab es eine jüdische Gemeinde seit dem 18. Jahrhundert. Doch waren bereits im 16. Jahrhundert einzelne Juden in der Stadt anwesend. 1582 beschwerte sich die Bürgerschaft von Fulda, Hammelburg, Geisa und Brückenau beim Fürstabt von Fulda über den "Wucher und andere Untugenden der Juden" und forderten deren Ausweisung. 1671 erfolgte vermutlich die Ausweisung der Juden aus der Stadt. 1681 wurde in Schenklengsfeld Jud Nathan genannt, der früher in Geisa lebte, womit vermutlich einer der vertriebenen Juden gemeint war.
 
Im Laufe des 18. Jahrhunderts zogen wieder jüdische Personen zu. 1786 kam ein jüdischer Lehrer namens Lipman nach Geisa, Hinweis auf eine inzwischen gegründete kleine Gemeinde. Die jüdischen Familien lebten zunächst vom Handel, seit dem 19. Jahrhundert werden neben jüdischen Händlern und Kaufleuten auch Gastwirte, Metzger, Uhrmacher, Mechaniker und Landwirte genannt. Noch 1825 wurden die Juden in der Stadtordnung als "Nichtbürger" bezeichnet; erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren jüdische Einwohner immer mehr "Vollbürger" in der Stadt mit denselben Rechten und Pflichten wie Nichtjuden. Seit 1836 gab es einen jüdischen Arzt (Dr. Hermann Koch aus Stadtlengsfeld, gest. 1870) in der Stadt. 
  
Von einem furchtbaren Großbrand in der Stadt war die jüdische Gemeinde am 23. Juni 1858 betroffen. Die Häuser zahlreicher jüdischer Familien wurden zerstört, gleichfalls die jüdische Schule und die Synagoge (s.u.).   

1861 lebten 180 Juden in der Stadt (etwa 11 % der Gesamteinwohnerschaft). 1879 wurde erstmals ein jüdischer Geschäftsmann in den Stadtrat gewählt. Jüdische Einwohner waren auch in den Vereinen der Stadt aktiv wie dem "Krieger- und Militärverein", dem "Rhönklub-Zweigverein", dem "Sängerbund" oder dem Turnverein. Seit 1877/81 kam es zu ersten antisemitischen Aktionen in der Stadt. Nach 1886 ging die Zahl der jüdischen Einwohner durch Aus- und Abwanderung zurück (1890 157, 1895 131, 1910 93 jüdische Einwohner).  
    
Große Berühmtheit als Rhönkenner und -erforscher erlangte der seit 1882 in Geisa tätige und 1916 verstorbene Lehrer der jüdischen Gemeinde Moritz Goldschmidt (1863-1916).  
   
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde (von 20 jüdischen Kriegsteilnehmern): Gerson Moritz Goldschmidt (geb. 14.5.1894 Langenselbold, gef. 21.12.1914), Paul Goldschmidt (geb. 17.3.1893 Geisa, gef. 30.10.1918), Kuno Lustig (geb. 17.11.1888 Geisa, gef. 21.6.1918) und Louis Lustig (geb. 10.1.1892 Geisa, gef. 21.6.1918). 
  
1919 wurden zwei jüdische Kaufleute - Isaak Freudenthal und Adolf Bettmann - in den Stadtrat gewählt. 
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine israelitische Schule (von 1840 bis 1924 als Elementarschule bzw. von 1875 bis 1924 separate jüdische Klasse in der katholisch-jüdischen Simultanschule; nach 1924 nur noch separater jüdischer Religionsunterricht), ein rituelles Bad und einen Friedhof. Als Lehrer an der Schule war zuletzt Gustav Spier aus Zwesten tätig; doch wurde die jüdische Schule in Geisa 1924 geschlossen (zuletzt im Haus Ecke Brunnengasse/Schulstraße), worauf Spier nach Haigerloch wechselte. 
  
Die Zahl der jüdischen Einwohner betrug 1912 95, um 1925 90 Personen. Unter den jüdischen Vereinen gab es den Wohltätigkeitsverein Chewra Gemilus Chassodim und einen Frauenverein (um 1925 mit 21 Mitgliedern, Leiterin Frau Gidda Freudenthal). Mitte der 1920 bildeten den Synagogenvorstand Isaak Freudenthal, N. Grünbaum, Louis Moses, E. Brande, E. Heilbronn. 
   
Nach 1933 traf auch die Juden in Geisa die nationalsozialistische Entrechtungs-, Verfolgungs- und Vernichtungspolitik. Bis Anfang 1939 wurden alle noch bestehenden jüdischen Geschäfte "arisiert". In der Pogromnacht im November 1938 wurden unter Führung von SA-Leuten die jüdischen Geschäfte demoliert und die Auslagen geplündert. 1942 bis Januar 1945 wurde etwa 20 jüdische Einwohner deportiert. Sieben von ihnen überlebten und kehrten vorübergehend nach Geisa zurück, wanderten jedoch bis Ende 1948 aus.    
   
Von den in Geisa geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Max Abraham (1902), Aron Adolf Blaut (1865), Bianca Blaut (1892), Jacob Blaut (1866), Moses Blaut (1863), Anna Brock geb. Grünbaum (1889), Israel Jacob Goldberg (1866), Gretchen Goldstein geb. Moses (1897), Abraham Grünbaum (1866), Herbert Grünbaum (1883), Julius Grünbaum (1871), Meier Grünbaum (1861), Babette Heilbrunn geb. Sondheim (1881), Emil Heilbrunn (1881), Fanny Katz geb. Levistein (1865), Berta Kaufmann geb. Stern (1884), Karl Levistein (1882), Siegmund Levistein (1878), Fanny Loebenstein geb. Stern (1865), Bernhard Lustig (1883), Fina Marx geb. Lustig (1892), Karoline Pitersohn geb. Rosenthal (1851), Sophie Plass geb. Goldberg (1869), Berthold Riese (1865), Berta Rosenblatt geb. Löwenstein (1877), Henriette Schrägenheim geb. Goldschmidt (1888), Hilda Schwarz geb. Abraham (1900), Pauline Spangenthal geb. Stern (1875), Adolf Stern (1879), Berta Stern geb. Horn (1866), Johanna Stern geb. Goldschmidt (1879), Mathilde Stern (1876), Rinette Stern (1886), Robert Stern (1883), Sidonie (Sitta) Stern geb. Schwahn (1883), Philippina Strauss (1887), Paula Wild geb. Schiff (1882).       
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Lehrers bzw. anderer Kultbeamten  

Bisher fand sich nur die Ausschreibung der Stelle des Schochet (1901): 
Geisa Israelit 29071901.jpg (47139 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Juli 1901: "Die Stelle eines Schochet in Geisa ist zu besetzen. Einkommen gegen 700 Mark. Gegenleistung Vertretung im Gottesdienst. Gelegenheit zu Nebenverdienst vorhanden. Reichsangehörigen bevorzugt. Anfragen an Lehrer Goldschmidt daselbst." 

   
Suchanzeige des Lehrers H. Blank (1879)  

Geisa Israelit 02011879.jpg (45169 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Januar 1879: "Dienstgesuch. Eine Doppelwaise, die in einer routinierten jüdischen Garküche sich im Kochen ausbildete, wünscht in einer jüdischen Familie zur Besorgung bürgerlicher Küche alsbald einzutreten. Dieselbe sieht mehr auf gute Behandlung als auf großen Lohn. Offerten richte man gefälligst an den Lehrer H. Blank zu Geisa bei Fulda." 

 
Lehrer Moritz Goldschmidt wirbt für sein Knabenpensionat (1890)  

Geisa Israelit 01051890.jpg (27782 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Mai 1890: "Noch einige Knaben finden Pension, Unterricht und gewissenhafte Erziehung bei Lehrer Goldschmidt in Geisa (Großherzogtum Weimar). Lateinschule im Ort. Referenz: Seine Ehrwürden Herr Landrabbiner Dr. Salzer in Stadtlengsfeld."  

 
Gedenkfeier für den 1916 verstorbenen Rhönfloristen Lehrer Moritz Goldschmidt (1922) 

Geisa Israelit 09021922.jpg (63059 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Februar 1922: "Geisa. Ehrung eines verstorbenen jüdischen Lehrers. In Nr. 9 des Fuldaer Tageblattes vom 12. Januar dieses Jahres findet sich folgende Notiz: 'Dem 1916 gestorbenen, weithin bekannten Rhönkenner und Rhönforscher Lehrer M. Goldschmidt, der dem Rhönklubverein Geisa jahrelang ein zuverlässiger Führer war und die Rhönkunde in Wort und Schrift forderte, der durch seine Düngungsversuche auf der Wasserkuppe und dem Engelsberg bei Tann für die wirtschaftliche Ausnutzung der Rhönwiesen und Hüterei sich große, von der Landwirtschaftskammer Kassel dankbar anerkannte Verdienste erworben hat, soll auf dem Rockenstuhl bei Geisa ein schlichtes Ehrendenkmal errichtet werden.'"  
 
Geisa Israelit 31081922.jpg (89185 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. August 1922: "Geisa, 24. August (1922). In Nr. 195 der 'Allgemeinen Thüringischen Landeszeitung Deutschlands in Weimar' findet sich ein von Herrn Oberlehrer Dr. O. Reuter in Weimar verfasster Bericht über eine am Sonntag, den 16. Juli, stattgefundene Gedenkfeier für den leider so früh verstorbenen Rhönfloristen Moritz Goldschmidt, in dem wir unter anderem folgende ehrende Worte lesen: 'Moritz Goldschmidt war uns allen Lehrer und Freund, ein leuchtendes Vorbild. Von seiner Wissenschaft braucht nicht geredet zu werden, sie ist bekannt; wer einen Hauch von ihr verspüren will, lese seine Abhandlung über die Rhönflora in Schneiders vorbildlichem Rhönführer. Goldschmidt war mehr als ein Wissenschafter: ein Mensch edel, hilfreich und gut, ein Mensch fast ohne Fehl, der bis zu seinem Tode an seiner Vervollkommnung arbeitete, der das ganze Weltall mit Liebe zu durchdringen bemüht war, eine Führernatur im edelsten Sinne, die unserer heutigen hasszerrütteten Zeit in allen Ecken fehlt.'" 

 
Über Lehrer Moritz Goldschmidt (1863-1916)  
(Quelle von Abbildung der Gedenktafel und Text: www.stadt-geisa.org)   

Geisa Goldschmidt 100.jpg (50268 Byte)Ein berühmter Sohn der Stadt Geisa: der Botaniker Moritz Goldschmidt (1863 – 1916) 
Gegenüber vom Geisaer Marktbrunnen am Marktplatz zweigt in westlicher Richtung die Brunnengasse ab. Dort war früher im letzten Haus rechts die Jüdische Schule untergebracht, an welcher u. a. der Botaniker Moritz Goldschmidt Lehrer war. Moritz Goldschmidt wurde am 12. Oktober 1863 in Birkhausen bei Eschwege geboren. Als Lehrerpraktikant kam er 1882 nach Geisa zur jüdischen Schule, an welcher er dann über 30 Jahre Lehrer war. Er pflegte eine enge Freundschaft zu Adalbert Geheeb und wurde ebenfalls zu einem ausgezeichneten Kenner der hiesigen Pflanzenwelt. In verschiedenen deutschen Fachzeitschriften sind Beiträge Goldschmidts über „Die Flora des Rhöngebirges" veröffentlicht worden. Auch setzte er nach dem Tod Geheebs die Tradition der „Botanischen Notizen“ seines väterlichen Freundes fort. Moritz Goldschmidt hat über 20.000 Pflanzen der Rhön gesammelt, bestimmt, beschrieben und gepresst. Das Herbarium umfasst mehr als 300 Mappen, aneinandergereiht ein Regal von 40 Metern Länge. Es befindet sich im Senckenbergmuseum in Frankfurt am Main. Moritz Goldschmidt litt an Diabetes und verstarb bereits am 7. September 1916. Sein Grab finden Sie auf dem am Stadtrand von Geisa befindlichen jüdischen Friedhof. Die Grabsteine dort sind auf Vorder- und Rückseite beschriftet (vorn hebräisch und hinten deutsch). Der Rhönklubzweigverein ernannte Moritz Goldschmidt zu seinem Ehrenmitglied und errichtete in dankbarer Erinnerung 1922 eine Gedenktafel am Rockenstuhl. Diese wurde jedoch in der Zeit der Naziherrschaft zerstört, weil er ein Jude war. Da der Rhönklubzweigverein nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr aktiv werden durfte, haben die Wanderfreunde auf der westlichen Seite unserer geliebten Rhönheimat anlässlich der 95. Hauptversammlung des Rhönklubs in Tann 1971 ein vorzügliches Äquivalent für die Ehrung von Moritz Goldschmidt geschaffen. Es wurde ein Gedenkstein auf dem Küppelchen bei Neuswarts errichtet. 
Im September 1989 konnte endlich auf Initiative der damaligen Kulturbund-Ortsgruppe und im Beisein des aus Tel Aviv angereisten Enkels von Moritz Goldschmidt, Dr. Ernst Schragenheim, am Gebäude der ehemaligen Judenschule eine Gedenktafel aus Holz enthüllt werden. 
Mit der Widergründung des Rhönklubzweigvereins Geisa am 11. März 1990 wurde noch im gleichen Jahr anlässlich des Rockenstuhlfestes und der Einweihung des renovierten Schutzhauses die zerstörte Tafel durch eine neue Platte ersetzt, den beiden Rhönbotanikern Adalbert Geheeb und Moritz Goldschmidt zum Gedenken.  
Geisa Goldschmidt 101.jpg (6271 Byte)Hinweis: An Moritz Goldschmidt und die jüdische Gemeinde der Stadt wird auch im Heimatmuseum Geisa erinnert (Schlossplatz 5): Informationsseite zum Heimatmuseum Geisa     
Artikel bei Wikipedia zu Moritz Goldschmidt 
   
Artikel im "Rhönlexikon" zu Moritz Goldschmidt   
Artikel des Senckenbergschen Forschungsinstitutes und Naturmuseums über Moritz Goldschmidt (von hier auch das Foto links) 
Weitere Seite des Senchenbergschen Forschungsinstitutes zu Goldschmidt mit weiteren Fotos/Abbildungen   

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
25jähriges Dienstjubiläum von Kultusvorstand M. H. Bettmann im Januar 1904  

Geisa FrfIsrFambl 08011904.jpg (35532 Byte) Bericht im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 8. Januar 1904: "Geisa (Großherzogtum Weimar). Jubiläum. Am Samstag, den 2. Januar, beging die hiesige israelitische Gemeinde das 25jährige Jubiläum ihres Kultusvorstandes Herrn M. H. Bettmann durch einen in den Frühgottesdienst eingeschobenen weihevollen Festakt und einen harmonisch gestalteten abendlichen Festkommers."  

   
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 
Lehrlingsgesuche des Manufaktur-, Weißwaren- und Wäschegeschäftes Louis Moses (1896 / 1901)  

Geisa Israelit 16111896.jpg (43096 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. November 1896
"Lehrlings-Gesuch. 
Für mein Manufaktur-, Weißwaren- und Wäschegeschäft suche per sofort oder später einen Lehrling mit guter Schulbildung. Kost und Logis im Hause. 
Louis Moses
, Geisa (Sachsen-Weimar)." 
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. November 1901
"Für mein Manufakturwaren-Geschäft suche per Ostern 1902 einen 
Lehrling
 
mit guter Schulbildung, unter günstigen Bedingungen. 
Louis Moses
, Geisa, Sachsen-Weimar."  

  
Reisender wird für das chemische Produkte-, Säcke- und Deckengeschäft von M.M. Grünbaum gesucht (1897)

Geisa Israelit 30121897.jpg (37921 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Dezember 1897: "Gesucht. Tüchtiger Reisender für mein chemische Produkte-, Säcke- und Deckengeschäft. Offerten mit Zeugnissen und Gehalts-Anspruch erbeten. M. M. Grünbaum, Geisa, Thüringen."  

  
Anzeige des Manufakturwarengeschäfte J. Horn, Inh. H. Freudenthal (1901)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. März 1901: "Lehrling
Für mein Schabbat und Feiertag geschlossenes Manufakturwaren-Geschäft suche ich zum baldigen Eintritt einen Lehrling. Kost und Logis im Hause. 
J. Horn,
 
Inh.: J. Freudenthal, Geisa, Sachsen-Weimar."  

  
   
Weitere Dokumente zu jüdischen Gewerbebetrieben  
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)   

Karte der Witwe des M.M. Grünbaum
(1889) 
Geisa Dok 180.jpg (81022 Byte) Geisa Dok 181.jpg (55661 Byte)
  Die Karte der Witwe von M.M. Grünbaum wurde am 10. Januar 1889 an die 
Eisenhandlung Eisenheimer in Schweinfurt geschickt.
     
Karte von Nathan Blaut
(1883) 
Geisa Dok 182.jpg (82461 Byte) Geisa Dok 183.jpg (91605 Byte)
  Die Karte von von Nathan Blaut aus Geisa am 19. November 1883 an die 
Eisenhandlung Eisenheimer in Schweinfurt geschickt.
     
Karte von A. Rosenthal
(1883)  
Geisa Dok 184.jpg (78122 Byte) Geisa Dok 185.jpg (124589 Byte)
   Die Karte wurde von A. Rosenthal aus Geisa an die Eisenhandlung Eisenheimer in 
Schweinfurt mit Poststempel vom 17. Juni 1883 geschickt. 
      
Karte der Witwe Meier-Bettmann 
(1884)
Geisa Dok 287.jpg (71258 Byte) Geisa Dok 287a.jpg (110009 Byte)
  Die Karte wurde von der Witwe Meier-Bettmann aus Geisa an die Eisenhandlung 
Eisenheimer in Schweinfurt am 5. August 1884 geschickt 
     

    
    
    
Geschichte der Synagoge           
   
Eine Synagoge ist in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nachweisbar, doch dürfte es bereits im 18. Jahrhundert einen Betsaal gegeben haben. Die Synagoge lag am "Judenhaugk" (heute am Schlossberg südwestlich von dem Rundbogentor, das zum Schlossplatz führt) und wurde durch einen Großbrand am 23. Juni 1858 zerstört. Damals brannten alle Häuser rund um den Marktplatz und in den angrenzenden Straßen nieder. Doch gab es in dieser schweren Situation der Gemeinde auch Positives zu berichten:    

Geisa AZJ 25101858.jpg (64506 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. Oktober 1858: "Worms, im September (1858). Aus der von einem Brande so hart betroffenen Stadt Geisa im Eisenacher Oberlande teilt man einen schönen Zug eines dortigen katholischen Einwohners mit. Derselbe räumt nämlich den dortigen Juden, deren Gotteshaus ganz abgebrannt ist, und die für die letzten Festtage ihren Gottesdienst in einem großen Lokale zu halten wünschten, nicht nur hierzu die obere Etage seines Wohnhauses ein, sondern lehnte auch jede ihm angebotene Bezahlung ab."  

 
Spendenaufruf zur Unterstützung der Gemeinde nach dem Großbrand (1859)     

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29. August 1859: "Aufruf
Unser entsetzliches Brandunglück, durch welches die meisten unterer Gemeindeglieder um ihre Habe gekommen sind, und Synagoge und Schule zu Schutt und Asche wurden, hat uns veranlasst, in Zuschriften an mehrere uns bekannte Gemeinden diese um ihre Hilfe anzurufen. Da wir nun aber annehmen dürfen, dass auch die uns nicht bekannten Gemeinden und Glaubensgenossen gern bereit sein werden, uns in unserer Seelennot, welcher durch die eingegangenen Unterstützungen noch lange nicht abgeholfen, beizustehen, so veröffentlichen wir hierunter unseren Aufruf auch durch dieses weithin verbreitete Organ des Judentums, zu Gott flehend, dass er die Herzen unserer Brüder erwärmen möge, unser heißes Verlangen nach dem Wiederaufbau unseres Gotteshauses durch ihre Unterstützung zu fördern.  
Geisa, im Großherzogtum Weimar, im August 1859. 
Der israelitische Gemeinde-Vorsteher dasselbe H. Bettmann. 
Die Beauftragten zum Synagogenbau dasselbst Lehmann Blaut. Simon Grünbaum.    
Geliebte Brüder in Israel! 
Durch die öffentlichen Blatter ist bereits vor einigen Monaten die Trauerkunde zu Euch gedrungen, dass der größte Teil der Stadt Geisa (im Großherzogtum Sachsen-Weimar) durch eine Feuersbrunst in einen Schutthaufen verwandelt worden ist. Sehr sehr nun auch die Mitglieder der dasigen israelitischen Gemeinde von diesem Unglück     
betroffen wurden, so unterließen wir es doch bisher, die Mildtätigkeit unserer Glaubensgenossen anzurufen, um nicht in dem Gang der allgemeinen Unterstützung schwächend einzugreifen. Aber nun, nachdem diese als beendet zu betrachten, dürfen wir nicht zögern, Euch, Genossen derselben heiligen Religion! schmerzerfüllt zuzurufen, dass unser schönster und heiligster Besitz, dass Synagoge und Schule ein Raub der Flammen geworden Aus der Höhe sandte er Feuer in meine Gebeine, gefallen ist die Krone von unserem Haupt (Klagelieder 1,13 und 5,16) und dass wir bei der Schwäche unserer eigenen Mittel, da von 39 Familien nur 7 verschont geblieben, nicht vermögen, Gotteshaus und Schule wieder aufzurichten.   An Euch, hochwürdige Rabbinen und geehrte Gemeindevorstände in Israel! ergeht daher die flehentliche Bitte: Helft, helfet uns, in unserer Seelen Not! Rufet die Mildtätigkeit Eurer Gemeinden an, dass sie uns in den Stand setzen, ein Haus zu bauen in seinem Namen dem einen und heiligen Gott Israels wieder ein Heiligtum in unserer Mitte zu errichten, die Hände in gemeinsamer Andacht zu ihm emporzurichten, und sein heiliges und beseligendes Wort zu vernehmen (hebräisch und deutsch:) Gesegnet seid Ihr dafür von Dem, der Himmel und Erde schuf, und der Israel verheißen, es an geheiligter Stätte zu heiligen und zu segnen. 
Eisenach, im Dezember 1858. Der Großherzogliche Sächsische Landrabbiner daselbst Dr. M. Heß
Geisa, im Großherzogtum Weimar, im Dezember 1858. Der israelitische Gemeinde-Vorsteher daselbst. H. Bettmann. Die Beauftragten zum Synagogenbau daselbst S. Grünbaum. L. Blaut.  
Nachträglich bitten wir, die gütigen Unterstützungen an die mitunterzeichneten Beauftragten zum Synagogenbau zu senden, welche seinerzeit den Empfang in der 'Allgemeinen Zeitung der Judentums' bescheinigen werden. Indem der Unterzeichnete die Wahrheit des Vorstehenden bestätigt, mag er auch seinerseits nicht unterlassen, die Wohltätigkeit und den kirchlichen Sinn der israelitischen Glaubensgenossen für obengedachten frommen Zweck in Anspruch zu nehmen.
Dermbach, im Dezember 1858. Der Großherzogliche Sächsische Direktor des IV. Verwaltungsbezirks der Großherzogtums Weimar. Lairitz."    

An Stelle der alten Synagoge wurde 1861/62 eine neue erbaut. Der Bau war möglich auf Grund kräftiger Mithilfe zahlreicher auswärtiger Glaubensgenossen, die nach Geisa Spenden überwiesen. Mehrmals erschienen Danksagungen und Spendenübersichten in der "Allgemeinen jüdischen Zeitung":    

Anzeige in der "Allgemeinen Jüdischen Zeitung" vom 11. April 1859: 
Zum Lesen bitte Textabbildung anklicken
.      
Anzeige in der "Allgemeinen Jüdischen Zeitung" vom 1. Mai 1860.  
Zum Lesen bitte Textabbildung anklicken
    
 
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. Mai 1859: 
Zum Lesen bitte Textabbildung anklicken.
      
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. September 1859:  
 
Geisa AZJ 17101859.jpg (45903 Byte)Anzeige der Redaktion in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. Oktober 1859: "Bemerkungen. ... Wir bemerken hierbei, dass alle bei uns asservierten Wohltätigkeitsspenden von uns an die Bestimmungsorte gesendet worden, so auch 2 Thaler von Herrn Witzenhausen in Magdeburg zum Synagogenbau in Geysa. - Die Redaktion".   
   
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. Oktober 1859:  
Zum Lesen bitte Textabbildung anklicken   
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. August 1860  
Zum Lesen bitte Textabbildung anklicken     

Bei der feierlichen Einweihung der neuen Synagoge am 5. September 1862 nahmen auch die Geistlichen der andren Konfessionen und den Behörden und Vorsängen der Stadt, der Landesrabbiner, der Baumeister und Vertreter der Bauaufsicht teil. Das Gotteshaus war Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens bis 1938. 
   
In der Pogromnacht am 9./10. November 1938 wurde die Synagoge von örtlicher SA in Brand gesteckt und weitgehend zerstört. 1940 wurde die Ruine abgebrochen. 1951 kam das Synagogengrundstück in den Besitz des Landesverbandes Thüringen der jüdischen Gemeinden. Dieser verkaufte es an die Stadt. Zum 50. Jahrestag der Pogromnacht wurde am 9. November 1988 eine Gedenktafel an Stelle der Synagoge angebracht. 
    
    
 
Adresse/Standort der SynagogeAm Schlossberg  
    

    
Fotos   

Die Synagoge in Geisa     
Geisa Synagoge 100.jpg (41160 Byte) Geisa Synagoge 103.jpg (62954 Byte) Geisa Synagoge 104.jpg (15338 Byte)
Die Synagoge in Geisa mit ihrem charakteristischen oktogonalen Aufbau.
 
Historische Ansichtskarte von Geisa mit der Synagoge (1928)   
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries)  
 
Geisa PK 120.jpg (270191 Byte) Geisa PK 121.jpg (118993 Byte) Geisa PK 122.jpg (157443 Byte)

Die Karte mit mit dem Titel "Geisa - Panorama mit Schleidsberg" wurde am 12. Oktober 1928 nach Kaltenwestheim verschickt. Der Inhalt ist persönlicher Natur - Absender und Adressantin sind nicht jüdisch. Auf der Karte ist (siehe Ausschnitt in der Mitte) die Synagoge genau in der Mitte der Karte zu sehen."   

     
Geisa Synagoge 102.jpg (76623 Byte) Geisa Synagoge 101.jpg (62620 Byte) Geisa Synagoge 105.jpg (17678 Byte)
Programm zur Einweihung der Synagoge 
in Geisa (5. September 1862)  
Der 1988 aufgestellte Gedenkstein am Platz der ehemaligen Synagoge 
 
     
     
Synagogengrundstück und Gedenkstein
 im Frühjahr 2009 
(Fotos: Hahn: Aufnahmedatum 7.4.2009) 
Geisa Synagoge 173.jpg (102406 Byte) Geisa Synagoge 172.jpg (107247 Byte)
  Blick zum Schloss; die Synagoge befand sich
 rechts des Weges "Am Schlossberg" 
Blick auf das frühere 
Synagogengrundstück 
     
Geisa Stadt 183.jpg (116622 Byte) Geisa Synagoge 170.jpg (121996 Byte) Geisa Synagoge 171.jpg (104700 Byte)
Blick auf die 
Gedenkstätte  
Gedenkstätte mit Inschrift: "Zum Gedenken der jüdischen Gemeinde und 
ihrer im November 1938 zerstörten Synagoge"  
     

     
      

Links und Literatur   

Links:

Website der Stadt Geisa  mit Seite zur Synagoge  
Website "Jüdisches Leben Geisa" (Website von Heinz Kleber)    
Seite zur jüdischen Geschichte der Stadt Geisa  
Heimatmuseum Geisa mit Erinnerungen an Moritz Goldschmidt, Botaniker der Röhn.  
Website http://www.juden-in-nordhessen.co.de: unter "Genealogien jüdischer Familien in Nordhessen" findet sich ein Stammbaum der Familie Plaut / Blaut in Geisa (unter Forschungen Christoph Kuehn)   

Literatur:  

Heinz Kleber: Zur Geschichte der ehemaligen jüdischen Gemeinde in Geisa. In: Festschrift "1175 Jahre Geisa". Hg. Stadtverwaltung Geisa. Fulda 1992. S. 82-95.  
Hans Nothnagel (Hg.): Juden in Südthüringen - geschützt und gejagt. Bd. 5: Jüdische Gemeinden in der Vorderrhön. Der Beitrag zu Geisa wurde von Heinz Kleber erstellt. Suhl 1999 S. 206-242. 
Michael Brocke/Eckehart Ruthenberg/Kai Uwe Schulenburg: Stein und Name. Die jüdischen Friedhöfe in Ostdeutschland. Reihe: Veröffentlichungen aus dem Institut Kirche und Judentum Bd. 22 Berlin 1994 S. 359.  
Zeugnisse jüdischer Kultur. Erinnerungsstätten in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Projektleitung: Kathrin Wolff. Gesamtredaktion: Cordula Führer. Berlin 1992. S. 289-290.   

    

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 08. Januar 2014