Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Trimberg (Gemeinde Elfershausen, Kreis Bad Kissingen)
Zur jüdischen Geschichte des Ortes - Süßkind von Trimberg 
   

Übersicht:   

Zur jüdischen Geschichte Trimbergs - über Süßkind von Trimberg  
Beiträge zu Süßkind von Trimberg in jüdischen Periodika zwischen 1896 und 1936   
Fotos / Darstellungen 
Presseartikel    
Links und Literatur   

      
     
Zur jüdischen Geschichte Trimbergs - über Süßkind von Trimberg    

Suesskind 010.jpg (193684 Byte)Nach den Angaben der bedeutendsten deutschen Liederhandschrift des Hochmittelalters, der Manessischen Liederhandschrift (Codex Manesse) war Trimberg der Geburts- und Heimatort des Minnesängers "Süßkind, dem Juden von Trimberg". Die von ihm überlieferten Gedichte sind in die zweite Hälfte des 13. oder in das frühe 14. Jahrhundert zu datieren. Weitere gesicherte Informationen zum Leben Süßkinds sind nicht bekannt, immer wieder finden wissenschaftliche Diskussionen um diesen "ältesten jüdischen Dichter deutscher Sprache" statt. Ganz unsicher ist, ob Süßkind von Trimberg identisch ist mit einem Juden namens Süßkind der 1218 in Würzburg ein Grundstück in der Nachbarschaft des Dietrichspitals erwarb und einige Jahre als Arzt im Hospital wirkte.  

Auch zur jüdischen Geschichte Trimbergs liegen keine weiteren Informationen vor. So weiß man nicht, ob es im Mittelalter weitere jüdische Einwohner am Ort gab.
    
Die Darstellung Süßkinds in der Manessischen Liederhandschrift (siehe oben) zeigt ihn mit einem charakteristischen Spitzhut, wie er zur Tracht der deutschen Juden seit dem IV. Lateranischen Konzil gehörte. 
   
   
Zu Grundfragen der Diskussion um Süßkind von Trimberg vgl. den Wikipedia-Artikel "Süsskind von Trimberg"  
sowie die dort angegebenen Links und die genannte Literatur.       
  
  
  
Beiträge zu Süßkind von Trimberg in jüdischen Periodika zwischen 1896 und 1937      
   

Hinweis: die Beiträge konnten bislang nur teilweise abgeschrieben werden - zum Lesen bitte die Textabbildungen anklicken    
  

Trimberg IllMh 1865 014.jpg (286967 Byte) Trimberg IllMh 1865 015.jpg (298721 Byte) Trimberg IllMh 1865 016.jpg (310889 Byte) Trimberg IllMh 1865 017.jpg (145514 Byte)
  Beitrag in den "Illustrierten Monatsheften für die gesamten Interessen des Judentums" (Wien Arnold Hilberg Verlag), Jahrgang 1865  S. 14-17.

 
Beitrag über Süßkind von Trimberg von Richard M. Meyer (1896)   

Trimberg AZJ 24071896.jpg (546931 Byte) Trimberg AZJ 24071896a.jpg (553117 Byte) Trimberg AZJ 24071896b.jpg (153257 Byte)
Der obige Beitrag erschien in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. Juli 1896.    

     
Aus einem Kissinger "Badebrief" von 1900 über die Burg Trimburg und den Minnesänger Süßkind von Trimberg (1900)
      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 31. August 1900: "Von der Reise. III. 
Kissingen, Anfang August (1900). Waren Sie schon in Trimberg? Diese Frage habe ich sehr oft an meine Freunde in Kissingen gerichtet, aber ich muss zu meiner eigenen Schande gestehen, dass selbst solche, die mir kurz vorher über meine Vorträge in unseren Literaturvereinen viel Freundliches gesagt haben, von unserem einzigen jüdischen Minnesänger Süßkind von Trimberg so gut wie gar nichts gewusst haben. O ja, das verehrte Publikum sorgt schon dafür, dass wir nicht hochmütig werden und dass die Bäume unseres sogenannten Ruhmes nicht in den Himmel wachsen! Dass ich selbst es mir natürlich nicht habe entgehen lassen, die Heimat Süßkinds von Trimberg aufzusuchen, über den ich schon so viel gesagt und geschrieben, werden die geneigten Leser, die auch meinen diesmaligen Wanderungen zu folgen die Geduld haben, gewiss als selbstverständlich annehmen. Ich fand auch Begleiter für meine Partie: einen wackeren Berliner Freund, der für alles, was Juden und Judentums angeht, ein warmes Herz hat, und eine liebenswürdige Frankfurter Familie, der man dasselbe nachrühmen kann. An einem der heißesten Sonntage dieses Jahres machten wir den Besuch auf der Trimburg, die man etwa in anderthalb Stunden zu Wagen von Kissingen aus erreicht.   
Der Anblick der Burg ist ein überraschender. Weit hinaus ragt das Gemäuer der prachtvoll erhaltenen Ruine Trimburg über das malerisch zu ihren Füßen gelegene Dorf. Die Burg liegt auf einem Berge, welcher sich frei und steil aus einem anmutigen und fruchtbaren Tale erhebt. Hier hat einst das mächtige Geschlecht der Trimberger gehaust, von dem die Geschichte des Landes viel zu singen und zu sagen weiß. Mit einem kleinen Vorrat von Phantasie kann man sich sogar das Schloss wieder aufbauen, denn der Freihof, die linke Mauer, die Tore des inneren Burghofs, der Gewahrsam und einige Türme und Zugbrücken sind noch recht gut erhalten. Die Burg muss sehr alt sein, dann nach einer Urkunde vom Jahre 1290 war sie schon damals, wie ein Reiseführer sagt, 'ruinös' und wurde von einem reichen Dompropst wieder hergestellt. dasselbe war der Fall nach dem Bauernkrieg, wo Bischof Julius von Würzburg 'das Schloss fast neu gebaut' hat. Später geriet das stolze Schloss wieder in Verfall, und erst in neuerer Zeit hat die Badeverwaltung von Kissingen die Ruine wieder in guten Stand setzen lassen, in der sicheren Voraussetzung,  
dass die Trimburg dann häufig von Kurgästen besucht werden würde. Der Blick von dem sogenannten Fähnleinsturm in die Weite über Städte, Dörfer, Wiesen, Rebgelände und Höhenzüge ist ein wahrhaft überwältigender. Auch kann man, steigt man auf der bequemen Treppe in den Rittersaal wieder hinab (falls nicht zu viel Kissinger Kurgäste da sind!) sich gar wohl in die Zeit versetzen, wo hier eine Schar wackerer Minnesänger zum Turnier vor de stolzen Schlossherrn Konrad I. und seiner edlen Gemahlin erschienen sind.  
Und unter diesen soll nun unser armer Süßkind von Trimberg gewesen sein! Der Gedanke, der an sich schon seltsam genug ist, erscheint einem hier angesichts der mächtigen Burgruine immer seltsamer. Und doch ist es so. Wahrscheinlich hatte er hier und an anderen Ritterhöfen seine Kunst verwertet, dann aber, vielleicht erst im Alter, die Erfahrung gemacht, die bisher keinem seiner Nachfolger erspart geblieben; nur dass er mehr Stolz besaß wie Viele von diesen. Er ließ sich wieder einen langen Bart wachsen, und in dem weiten Mantel und dem trichterförmigen Judenhut zog er von dannen, um denen nicht mehr sein Lied zu singen, 'die seines Sangs nciht wert'. Wollte Gott, dass viele seiner Nachfolger unter unseren Glaubensgenossen den demütigen Stolz dieses einzigen jüdischen Minnesängers besäßen.  
Es ist begreiflich, dass das Dorf Trimberg, welches eigentlich nur aus einer einziger großen Gasse besteht, nach der Besichtigung der Ruine unser besonderes Interesse in Anspruch nahm. Mein Reiseführer berichtet darüber: 'Hier wurde der berühmte Minnesänger Süßkind, der Jude von Trimberg, der wohl von 1218 bis 1225 am Hospital zu St. Egid und Dietrich in Würzburg als Arzt tätig war, geboren und wird sein Geburtshaus im Dorfe gezeigt.' Die große Zuversicht, mit der diese Angaben gemacht werden, ist anzuerkennen; aber leider sind sie doch auf Sand gebaut. Aus den wenigen Urkunden, die noch erhalten sind, lässt nicht nichts mit Sicherheit feststellen, als dass Süßkind in Trimberg gelebt hat. Feste Ergebnisse über die Verhältnisse seines Lebens hat bis jetzt niemand zutage gefördert. Nur sein Judentum haben ihm weder die Germanisten noch die Historiker streitig machen können; an Versuchen dazu hat es wahrhaftig nicht gefehlt! Ja, selbst die, welche sein Judentum anerkennen, stellen es in Abrede, dass sich in den wenigen Dichtungen, die uns von ihm erhalten sind, Spuren jüdischen Geistes fänden. Und doch sollte darüber eigentlich nur der urteilen, der selbst, wenn auch nur einen Hauch, von dem Wehen dieses jüdischen Geistes in sich verspüret hat.   
Mit dieser literarhistorischen Vorlesung, die ich meinen Reisegenossen halten musste, gelangten wir an das Haus Nr. 52 zum Schuhmacher Zoll, vor dem schon im Sommer 1893 zwei Touristen, ein hervorragender jüdischer Schriftsteller und ein gelehrter Literaturhistorischer standen, um dort festzustellen, ob noch eine Kunde von dem jüdischen Minnesänger in seiner Heimat fortlebt. Damals war es ihnen schwer etwas zu erfahren; heute zeigt schon jedes Kind im Dorfe auf das Haus. Es ist inzwischen zu Ansehen gelangt; denn es ist ja am Ende die einzige Merkwürdigkeit in dem kleinen Dorfe.   Das Haus hat Richard M. Meyer, der eine von den beiden, seinerzeit in unserem Blatte ausführlich beschrieben (Jahrgang 1896 S. 356). Was der junge Zoll damals nur als schüchterne Vermutung hinstellte, das verkündete er uns jetzt nach sieben Jahren mit der Sicherheit eines alten Schlosskastellans, der den Besuchern an jedem Tag hundert Mal die seiner Obhut unterstellten Merkwürdigkeiten in der alten, wohl einstudierten Litanei vordeklamiert. 'Ja, hier hat der Dichter Süßkind gewohnt, in diesem Hause, in diesem Zimmer, vor vielen hundert Jahren.' So weiß es durch 'Erbsage' usw.  
Die Befürchtung, die die beiden Wanderer damals hegten, ist eingetroffen. Man hat in den armen Schuster hineininterpretiert, was man von ihm hören wollte. Nur eine Variante kann ich als gewissenhafter Literaturhistoriker nicht verschweigen. Während der junge Zoll seinen damaligen Besuchern verkündete: 'Ja, hier hat der Jüd gewohnt', sagte er uns, ohne dass wir bis dahin etwas davon erwähnt hatten: 'Manche haben gesagt, dass er ein Jüd gewesen, es ist aber nicht wahr'. Dieser Schlusssatz weist übrigens mit Sicherheit darauf hin, dass die Strömungen des Tages auch bis nach dem weltfernen Trimberg gedrungen sind.  
Selbstverständlich haben wir dem Manne seinen guten Glauben nicht genommen, aber wenn die 'Erbsage' sich so weiter entwickelt, wird Süßkind von Trimberg am Ende in dem fränkischen Dörfchen noch zu einem katholischen Heiligen gemacht werden. 
Der alte Zoll ist schon tot, und der junge wusste nichts mehr von der Geschichte, der der alte den beiden Besuchern auf ihrer Forschungsfahrt im Sommer 1893 erzählte, dass Süßkind es mit denen auf der Burg oben gehalten habe, dass er ihr 'Schmuser', ihr 'Beiläufer' gewesen sei, dass es ihm im Alter schlecht ergangen, weil seine Kinder von ihm fortgelaufen und er nicht mehr viel gehabt habe. Ob der 'Schmuser' eine literarhistorische Legende und 'schmusen' vielleicht so viel wie erzählen oder plaudern bedeutet, sodass eine Spur immerhin auf den Dichter zurückwiese, weiß ich nicht. Das aber weiß ich, dass der letzte Teil der Tradition buchstäblich auf Wahrheit beruht, denn Süßkind war wirklich ein armer Mann. Er klagt in einem seiner Lieder mit bitterer Satire darüber, dass Hebeauf und Findenichts ihm schweres Leid antäten, dass Herr Roth von Darbian nicht von ihm weiche, und dass Herr Dünnehaben in seinem Hause eine unumschränkte Herrschaft ausübe. Man sieht, auch hierin war Süßkind von Trimberg der Ahne aller jüdischen Dichter, die nach ihm kamen.  G.K."       

        
Beitrag über Süßkind von Trimberg von Prof. Dr. Rover (Main 1911) 
Der Beitrag gibt einen Einblick in die wissenschaftlichen Diskussionen am Anfang des 20. Jahrhunderts zu Süßkind von Trimberg      

Trimberg Israelit 01111911.jpg (335034 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. November 1911: "Süßkind von Trimberg, ein jüdischer Minnesänger.
 Von Prof. Dr. Rover in Mainz. Es ist gewiss eine eigenartige Erscheinung, dass zu einer Zeit, als man, besonders während der Kreuzzüge, die Juden aus Fanatismus verfolgte und ihnen fast alle Berufszweige außer Handel- und Geldgeschäften verschloss, sich unter die Schar der christlichen Minnesänger des 13. Jahrhunderts auch einer aus jenem verachteten und gehasstem Stamme wagte, - Süßkind von Trimberg, den uns die Manesse'sche Handschrift als Zeitgenossen Walthers von der Vogelweide, abstehend von seinen christlichen Kollegen, als Juden, kenntlich an seiner damals vorgeschriebenen Tracht mit dem dreieckigen gelben Butzhute abbildet. Von einem in Trimberg von der Saale, unweit Würzburg ansässigen Rittergeschlechte nennt das Mittelalter auch einen Dichter Hugo, den berühmten Verfasser eines didaktischen Epos, betitelt der 'Renner'. Nur dürftig und ziemlich unzuverlässig fließen die Quellen über Geburt, Erziehung und Lebensschicksale des jüdischen Minnesängers Süßkind von Trimberg. Ob man aus der Abbildung in der Maness'schen Liederhandschrift, in der er vor einem Stiftsherrn steht, der mit Krummstab und Teful vor ihm auf einem Thronsessel sitzt, auf ein Schutzverhältnis des Minnesängers etwa zu dem Bischof von Fulda schließen kann, bezweifelte Roethe in einem Aufsatz in den 'Allgemeinen Deutschen Biographien', Pfarrer Dr. Krätzinger in Mettenheim denkt ('Deutsche Blätter', 1870) an ein Verhältnis zu einem Stiftsherren des Würzburger Hospitals, in dessen Nähe Süßkind, einer Urkunde aus dem Jahre 1225 zufolge, vielleicht infolge seines ärztlichen Berufs wohnte. Das St. Aegidien-Spital soll mit Bewilligung des Dompropsts Otto ein Grundstück an ihn unter der Bedingung verkauft haben, eine unterirdische Wasserleitung auf seine Kosten einrichten und unterhalten zu lassen. Roethe dagegen in seiner bereits zitierten Biographie scheint die Echtheit dieser von Krätzinger angeführten Würzburger Urkunde zu bezweifeln, da er Süßkinds Auftreten um die Wende des 12. Jahrhunderts annimmt. Auf die Ausübung des ärztlichen Berufs, vielleicht weil ihm der Beruf eines fahrenden Sängers keinen ausreichenden Lebensunterhalt gewährte, glauben manche Ausleger seiner Lieder aus allegorischen Vergleichen und Latwergen schließen zu dürfen, doch waren solche Lieder der jüdischen Lehrweisheit geläufig. Wenig Anhaltspunkte gewähren uns auch des Dichters eigene Lieder. Recht sinnig hat der jüdische Schriftsteller Livius Fürst ('Illustrierte Monatshefte für das gesamte Interesse des Judentums') sie zu einer gereimten Biographie Süßkinds verwoben, aus der wir einige Bruchstücke zitieren wollen. So schildert er des Minnesängers Auftreten bei einem Hochzeitsfeste des Töchterleins des Schlossherrn Heinrich von Trimberg an der Saale. Im Dorfe unten vor einer Herberge hat soeben ein Tross fahrender Sänger gehalten, unter denen wir die bekannten Namen hären, die auch die gastfreie Wartburg des Landgrafen Hermann zu bewirten pflegt.   
     
'Die Tür geht auf: Mit edlem Schritt  
Ein Jude auf die Schwelle tritt.  
In seinen schönen, edlen Zügen   
Scheint tiefer Lebensernst zu liegen. 
Schwarz ist sein Haar und schwarz sein Bart.  
Der Blick ist nicht von scheuer Art; 
Die Haltung stolz, die Sprache rein, - 
Fürwahr, das kann kein Jude sein!'   

'Ich bin's! so sagt der bleiche Mann, 
'Was seht ihr mich so fragend an, 
Als ob ich Euch ein Fremdling wär? 
Herr Walther, kennt Ihr mich nicht mehr, 
Den Ihr gelehrt auf machen Reisen  
Des Minnesanges edle Weisen?'    

'Süßkind! Gott grüß Dich!' Walther sprichts, 
und freundlich milden Angesichts  
Springt grüßend er von seinem Roß   
Und winket der Gefährten Troß:   

'He, Wolfram, Bitwolf! heran! 
Seht diesen braven Sänger an; 
Ja, Süßkind ist es, der mir wert  
Vor allen, die ich singen lehrt?  
Er ist ein Jude, - mir ist's gleich; 
Mich soll in meiner Künste Reich  
Kein Glaube scheren und kein Stand. 
Kommt, reichet ihm die Bruderhand.  
Nun Süßkind, folg' und als Genoss, 
Auf zu der Trimberg stolzem Schloß, 
Um dort mit uns in Lied und Tönen, 
Die Hochzeitsfeier zu verschönen.'  
     
'Habt Dank, ihr Herren, doch mein Gesang,  
Hat schlummern müssen jahrelang; 
Wer weiß, ob mir der Kunst Gewalt 
Noch ist geblieben, nun ich alt. 
Ich hab ein Weib und Kinder viel; 
Die Not vertrieb das Saitenspiel, -.
Sei's denn! Ich will's noch einmal wagen  
Und will mit Euch die Laute schlagen, 
Will mit Euch gehen leben, singen -  
Vielleicht schenkt mir mein Gott Gelingen.    

Bald zogen all im Freudenschein  
Des Morgens in die Burg hinein, 
Und in dem kunstgewölbten Saal,  
Erklangen Lieder ohne Zahl. 
Den Bitwolf, den Ofterdingen
Wolfram und Walther hört man singen.
    
Da trat auch aus der Sänger Chor  
Süßkind mit seiner Laute vor, 
Und bei der Saiten Feierklang, 
Erscholl sein edler Festgesang:   

'Gedanke! Frei für Jedermann  
Für jeden Thoren, jeden Weisen! 
Wer Dich versteh'n, Dir folgen kann, 
Der ist an Herz und Sinn ein Mann, 
Den führst Du durch Stein und Eisen; 
Und spottend eines Menschen Hand, 
Trägt ihn der Fittich übers Land.  
  
Gedanke! Schneller als das Licht, 
Gewalt'ger als die Macht, der Sinn! 
Flög ich auf Deinen Schwingen nicht, 
Was wär' mein Sang und mein Gedicht  
Und was der goldne Lohn der Minne? 
O trage mich, des Geistes Bahn  
Hoch über Adlern himmelan!' 
   
Und Beifall hob sich in der Rund  
Und tat sich laut dem Sänger kund   
Der schlug den Blick zur Braut hinan  
Und spielte zarter und begann:    
  

   
'Des Mannes Kron', es ist die reine Frau
Sie nennt er seinen Stolz und seine Ehre. 
Was wär, mit aller Pracht des Hauses Bau  
Wenn drinnen nicht das Weib die Seele wäre? 
An seinen treuen Weibes Seite mag  
Der Mann sein Dasein selig froh verbringen.  
Ihr
Licht erhellt ihm jeden trüben Tag - 
Ich will ihr Lob, solang' ich lebe, singen.'   

Zum Danke neigte sich die Braut, 
Ihn lobten alle Frauen laut, 
Und für die Lieder bot zum Dank  
Der Burgherr ihm den Ehrentrank. 
Doch Süßkinds Blick schweift in die Runde; 
Ein neues Lied entströmt dem Munde:  

'Ich weiß ein Tränklein wunderbar  
Und will's euch künden auf ein Haar, 
Wie man's bereitet, dass es frommt. 
Für jedes Übel, das da kommt. 
Viel Zucht und Treu' muss drinnen sein  
Auch Kraft und Milde tut hinein,  
Und dass es wohl sich mischen kann,  
Tut etwas Mäßigung daran.   

Und habt den Trank ihr recht vollbracht, 
Dann gebet auf das Glas wohl acht, 
Denn nur, wenn dieses klar und rein, 
Kann, was darinnen heilgsam sein.  

Dass ihr des Tränkleins Namen weißt. 
Vernehmt, dass es die Ehre ist. 
Heil Jedem, der nach Weiser Art  
Im reinen Herzen sie bewahrt!'  
  

  
  
   
  
 
Trimberg Israelit 23111911.jpg (380045 Byte)Fortsetzung des obigen Beitrages in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. November 1911:   
Trimberg Israelit 23111911a.jpg (433935 Byte)    

      
Beitrag über Süßkind von Trimberg von Joseph Kauffmann (1929)         

Artikel in der
  "Jüdisch-liberalen Zeitung" 
vom 8. März 1929       
Trimberg Juedlib Ztg 08031929a.jpg (472336 Byte) Trimberg Juedlib Ztg 15031929.jpg (55974 Byte)  

     
Über "Suezkint von Trimberg" (Beitrag von Max Serog, erschienen 1936)      

Trimberg CV 12031936.jpg (331807 Byte)Artikel in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins" vom 12. März 1936:   

  
Meier Spanier: Süßkind von Trimberg. In: Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland. Jahrgang 1937 S. 138-155  
Beitrag eingestellt als pdf-Datei      
  
  
  
Fotos  

Historische Ansichtkarte von Bad Kissingen 
mit der Ruine Trimburg 
(aus der Sammlung von 
Peter Karl Müller, Kirchheim /Ries) 
Bad Kissingen 2014196.jpg (147874 Byte) Bad Kissingen 2014196c.jpg (170554 Byte)
   Ansichtskarte mit Baed Kissingen mit dem 
(jüdischen) Hotel Herzfeld  
Ausschnittvergrößerung: 
die Ruine Trimburg über Trimberg 
     
 Die Trimburg über Trimberg
(Fotos: Hahn, 
Aufnahmedatum 30.4.2011)
  Trimburg 040.jpg (93318 Byte)  Trimburg 041.jpg (90574 Byte)
     
     

   
   
Ergänzender Hinweis:     

"Süßkind von Trimberg - Der Minnesänger mit dem Judenhut" - Eine Gruppe von Spielleuten mit mittelalterlichem Instrumentarium begleiten die von dem Berliner Sänger Hans Hegner dargebotenen 12 Lieder Süßkind von Trimbergs. Dazu werden von Frank Limbach aus Göttingen Texte aus Friedrich Torbergs Roman "Süßkind von Trimberg" gelesen. Erläuterungen durch den Minnesang-Spezialisten Dr. Lothar Jahn aus Hofgeismar. Informationen auf der Website www.minnesang.com/suesskind-von-trimberg.html             
Termine waren u.a.:  Synagoge Vöhl am 1. Oktober 2011 ab 20 Uhr.     Lindenmühle Burguffeln am 2. Oktober 2011 ab 20 Uhr     
    
Videos der Aufführung in der Synagoge Vöhl sind eingestellt auf Youtube:    
www.youtube.com/watch?v=mocdHtCO-hM  und www.youtube.com/watch?v=DTI51O-JoS0   

    
    
Presseartikel  

August 2011: Deutsch-Israelisches Jugendtreffen auf der Trimburg    
Artikel von Winfried Ehling vom 5. August 2011 in der "Main-Post": "Urlaub mit Freunden aus Israel"  
Link zum Artikel
;   eingestellt auch als pdf-Datei     
 
 

 
   

Links und Literatur

Links:   

Website der Gemeinde Elfershausen    

Literatur:  

Friedrich Torberg: Süßkind von Trimberg. Frankfurt 1972.  Roman.   
Roland Flade: Die Würzburger Juden. Ihre Geschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Würzburg 1987 S. 11-14.
siehe die im Wikipedia-Artikel zu Süßkind von Trimberg angegebene Literatur  

         
           

                   
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Stand: 27. Dezember 2014