Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Konstanz (Kreisstadt)
Texte/Berichte zur jüdischen Geschichte der Stadt (vor 1938)

Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Konstanz wurden in jüdischen Periodika gefunden. 
Bei Gelegenheit werden weitere Texte eingestellt. Neueste Einstellungen am 4.2.2014.  

Übersicht:  

Aus der Geschichte des Rabbinates in Konstanz  
-  Über die Rabbinate in der Bodenseegegend (1897)  
-  Abschied von Bezirksrabbiner Dr. Hermann (Chaim) Chone (1936)    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und weiterer Kultusbeamten 
-  Zum Tod von Lehrer Sigmund Rieser (1879)   
-  Ausschreibung der Lehrerstelle (1879) 
2
5-jähriges Ortsjubiläum von Religionslehrer und Kantor Alexander Geismar (1906)    
-  Zum Tod von Hauptlehrer Siegmund Bloch (1917) 
A
usschreibung der Stelle des Synagogenverwalters, Schochet und Hilfsvorbeters (1924)    
Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben  
-  Erinnerung an mittelalterliche Zeiten (Konzil von Konstanz) (Aus einem Artikel von 1903)  
-  Gründung eines Antisemitenvereins mit Schwierigkeiten (1893)  
-  Allgemeiner Bericht über die Gemeinde (1893)    
-  Der Antisemitismus regt sich auch in Konstanz (1893)   
-  Äußerst kritischer Bericht eines konservativ-orthodoxen Geschäftsreisenden über die liberal geprägte Gemeinde in Konstanz (1899)  
-  Antwort von Rabbiner Dr. Ludwig Hannes auf die Vorwürfe im vorigen Artikel gegen die jüdische Gemeinde (1899)  
R
ussische Juden auf der Durchreise durch Konstanz (1906)     
-  Die Nationalsozialisten gewinnen an Einfluss (1931)  
-  "Ausspracheabend" der jüdischen Jugendgruppe (1933)   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Dr. Guggenheim wurde ausgezeichnet (1901)   
Zum Tod von S. Kocherthaler (1906)     
-  25-jähriges Jubiläum von Bertha Auerbach als Vorsteherin des jüdischen Frauenvereins (1913)  
Z
ur Beisetzung des im Krieg gefallenen Raymond Weill aus Epinal (1914)   
R
echtsanwalt Leopold Jung wird ausgezeichnet (1914)  
-  Josef Weil und Leutnant Siegbert Welbhäuser werden mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet (1916)  
-  Auszeichnungen für Leutnant Herbert Picard und Assistenzarzt Dr. Edwin Picard (1916)   
-  Unteroffizier Alex Biedelsheimer erhält das Eiserne Kreuz II (1916)  
Z
um Tod des Rechtsanwalt Dr. Willy Rothschild (1934)      
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen       
-  Anzeige der Handlung von Gustav Bloch (1867) 
Anzeige des Tuch- und Buckskin-Geschäftes en gros Louis Bloch (1872)       
-  Anzeige des Hotels "Zum Roten Löwen" (1881)   
-  Verkauf des Gasthauses "Zum deutschen Haus" (1891)   
Anzeigen des Hotels "Zähringer Hof" (1893/1899)     
Anzeige der Pension Wolf (1902) 
A
nzeige der Metzgerei S. Levinger (1902)   
A
nzeige der Bäckerei Adler (1903)     
Lehrlingssuche des Manufakturwarengeschäftes J.J. Neuburger (1904) 
Anzeige der Bäckerei Adler (1904)   
Todesanzeige für Hermann Einstein (1928)    
Dokumente zu jüdischen Gewerbebetrieben 
Firmenpostkarte der Firma J. & M. Lion (1899)  
Postkarte an Rechtsanwalt Rothschild (1921)  
Firmen-Umschlag der Firma Jakob Haymann in Konstanz (1938)    
Sonstiges    
Roman zur jüdischen Geschichte in Konstanz (1906)     

    

Nach 1945 
Vortragsabend 1947    

     
     
     
Aus der Geschichte des Rabbinates in Konstanz     
Anmerkung: Die Gemeinde Konstanz war zunächst der Israelitischen Gemeinde Tiengen unterstellt. 1884 wurden Tiengen und Konstanz dem Bezirksrabbinat Gailingen zugeteilt. 1897 bekam die Israelitische Gemeinde in Konstanz ein Ortsrabbinat (Stadtrabbinerstelle). Erster Rabbiner war Dr. Ludwig Hannes (siehe unten Artikel aus dem Gemeindeleben von 1899). Er blieb bis 1907 in Konstanz. Von 1907 bis 1936 war Rabbiner in Konstanz Dr. Hermann (Chaim) Chone. 1925 wurde Konstanz zwar zum Bezirksrabbinat erhoben, dennoch behielten die Gemeinden Randegg und Gailingen den orthodoxen Rabbiner Dr. Mordechai Bohrer als Ortsrabbiner. Zum Konstanzer Bezirk gehörten Wangen, Meersburg, Überlingen, Radolfzell und Singen, wobei nur in Wangen eine - damals klein gewordene - jüdische Gemeinde bestand.         

Über die Rabbinate in der Bodenseegegend (1897) 
 

Konstanz Israelit 08041897.jpg (183525 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. April 1897: "Aus Baden. Es ist eine erfreuliche Wahrnehmung, dass gegenüber dem badischen Mittel- und Unterland, in welchem mehrere Bezirkssynagogen, von denen jede früher einen eigenen Rabbiner hatte, zu einem Rabbinatsbezirke zusammengelegt wurden, in der badischen Bodenseegegend Rabbinatsstellen neu errichtet werden. So hat jetzt die junge israelitische Gemeinde Konstanz mit 545 Mitgliedern, welche seither zum Bezirksrabbinate Gailingen gehörte, eine eigene Stadtrabbinerstelle, verbunden mit einem festen Gehalt von 2.200 Mark und 800 Mark für Erteilung von Religionsunterricht, sowie Kasualien zur Bewerbung ausgeschrieben. Schon vor Jahren hat Konstanz bei der israelitischen Landesbehörde Anstrengung gemacht, den Sitz des Bezirksrabbinats zu erhalten, doch die Bezirksgemeinden entschieden in ihrer Mehrheit für den seitherigen, schon seit Jahrhunderten bestehenden Rabbinatssitz Gailingen, welcher trotz der durch die Freizügigkeit erfolgten Abnahme, immer noch eine ansehnliche Gemeinde von 763 israelitischen Einwohnern bildet, die, wenn auch damals Konstanz gesiegt hätte, dennoch einen eigenen Rabbiner mit beträchtlichen Opfern zu halten gezwungen gewesen wäre. Die aus sechs Gemeinden bestehende Bezirkssynagoge Gailingen hat nunmehr drei Rabbiner, in Gailingen, Konstanz und Randegg. Denn auch die letztere nur aus 241 israelitischen Seelen bestehende Gemeinde hat seit mehr als einem Jahrhundert einen eigenen Ortsrabbiner. Seit Anfang der fünfziger Jahre hat die Gemeinde Randegg außer der Besoldung eines eigenen Rabbiners auch einen größeren Beitrag an die Bezirkssynagoge Gailingen zu entrichten, was für die an Zahl abgenommene Gemeinde ein Opfer ist, doch ist der Besitz eines Rabbiners, wie ihn Randegg in Herrn E. Pickard – sein Licht leuchte – seit 42 Jahren ihr eigen nennt, eines solchen Opfers wert. Einsender dieses war vor mehreren Jahren über Schabbat in dieser Gemeinde und hat angesichts der wahrgenommenen echten, alten hier herrschenden Jüdischkeit den inneren Wunsch gehegt, es möchte doch allenthalben so sein, verbunden mit dem weiteren Wunsche, durch größere Stiftungen solche Rabbinate zu erhalten. W."    

   
Abschied von Bezirksrabbiner Dr. Hermann (Chaim) Chone (1936)
  
Anmerkung: Rabbiner Dr. Chone ist 1946 in Palästina/Erez Israel gestorben. 

Konstanz JuedRundsch 04091936.jpg (38634 Byte)Artikel in der "Jüdischen Rundschau" vom 4. September 1936: "Konstanz. Am 15. August verabschiedete sich Bezirksrabbiner Dr. Hermann Chone, der während 27 Jahren in der Gemeinde tätig war, um nach Palästina zu wandern. Den Dank des Oberrates überbrachte Konferenzrabbiner Dr. Schiff, als Lehrer und Freund sprach Kantor Bravmann und der Vorsteher, Rechtsanwalt Bloch, sagte den Dank der Gemeinde, und gab bekannt, dass 27 Bäume als Abschiedsgeschenk der Gemeinde, der zionistischen Ortsgruppe des Jugendvereins, des Frauenvereins, und des Synagogenchors für Herrn Dr. Chone gestiftet worden seien."    

     
    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und weiterer Kultusbeamten    
Anmerkung: Die jüdische Gemeinde in Konstanz stellte nach ihrer Gründung 1863 als ersten Religionslehrer Max Flehinger an. Nach seinem Tod amtierte von 1866 an Lehrer Sigmund (Salomon) Rieser. Er starb im April 1879. Auf die Ausschreibung der Lehrerstelle (siehe unten) bewarb sich erfolgreich Lehrer Alexander Geismar (geb. in Breisach, zuvor tätig in Bretten). Bis 1923 amtierte Geismar in Konstanz; er starb im Mai 1925. Sein Nachfolger war Jakob Bravmann, der bis Anfang 1938 amtierte. Ihm folgte noch Kantor Arthur Godlewski, der im Oktober 1940 mit dem Rest der Gemeinde nach Gurs deportiert wurde. 
   
Zeitweise hatte die jüdische Gemeinde einen weiteren Lehrer und 2. Vorbeter angestellt. 1917 starb als solcher Hauptlehrer Siegmund Bloch (siehe Bericht unten).         
    
Zum Tod von Lehrer Sigmund Rieser (1879)    

Konstanz Israelit 14051879.JPG (143911 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Mai 1879: "Konstanz. Die hiesige israelitische Gemeinde ist durch das Ableben ihres Lehrers Sigmund Rieser in Trauer versetzt. Denselben befiel am Freitagabend, den 18.  vorigen Monats, als er in der Synagoge das Kiddusch betete, ein starkes Unwohlsein, welches zwei Stunden später mit seinem Dahinscheiden endete. Der Verstorbene wirkte dahier seit 1866 als Religionslehrer, Vorsänger und Schochet, in welch’ sämtlichen Funktionen er sich die ungeteilte Zufriedenheit und Achtung sämtlicher Gemeindemitglieder verdiente. Die Gemeinde ist sich bewusst, an ihm einen echt religiösen, charaktervollen, gewissenhaften Angestellten zu verlieren, so sei zum Beispiel erwähnt, dass die hiesige Religionsschule seit Jahren die beste im Bezirk war. Der Verstorbene hatte auch in deren Wissenschaften umfassende Kenntnisse und war daher zur Erteilung von Privatunterricht allseitig sehr gesucht. Die Gemeindemitglieder veranstalteten sofort eine Kollekte zur Anlegung eines Rieser’schen Kinder-Fonds (der Verstorbene hinterlässt eine Frau und drei unmündige Kinder) und diese Kollekte, welche noch nicht geschlossen, ergibt jetzt schon ca. Mark 3.300. Der Verstorbene hatte bei allen Ständen und Konfessionen ungeteilte Achtung sich erworben; bei seinem Begräbnis beteiligten sich der Stadtrat, die Geistlichkeit, der Schulrat, die Lehrer, verschiedene Vereine und ein großer Teil der Bürgerschaft; die Presse beider Parteien widmete dem Verstorbenen schöne Worte des Nachrufs. Die Gemeinde ist bestrebt, die nun vakante Stelle wieder durch eine ebenso geeignete Persönlichkeit zu besetzen; möge es ihr gelingen!"

 
Ausschreibung der Lehrerstelle (1879)  

Konstanz Israelit 30041879.jpg (94584 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. April 1879: "Vakante Lehrerstelle. Die Religionslehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle in Konstanz am Bodensee, welche durch den Tod des bisherigen Lehrers erledigt ist, soll baldmöglichst wieder besetzt werden. Die fixe Besoldung beträgt zunächst 1.200 Mark, einschließlich der Wohnungsentschädigung und des Gemeindeschreiberdienstes. Der Schächterdienst trägt 500 Mark und das Schulgeld 250 Mark, außer mancherlei Nebeneinkommen. – Junge und nur ganz tüchtige Kandidaten, die sich für die drei genannten Dienste gut qualifizieren, wollen sich baldigst unter Einsendung der Zeugnisse in portofreien Eingaben an uns wenden. 
Gailingen, den 21. April 1879. Die Bezirks-Synagoge. Dr. Löwenstein."   

   
25-jähriges Ortsjubiläum von Religionslehrer und Kantor Alexander Geismar (1906)      

Mitteilung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 20. Juli 1906: "Konstanz. Am 8. dieses Monats beging Herr Religionslehrer und Kantor Geismar sein 25-jähriges Jubiläum als Beamter der hiesigen Synagogen-Gemeinde."       

   
Zum Tod von Hauptlehrer Siegmund Bloch (1917)   

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 23. Februar 1917: "Konstanz. Hauptlehrer Siegmund Bloch ist infolge Lungenentzündung im Alter von 50 Jahren verschieden. Er war auch bei der jüdischen Gemeinde als Lehrer und 2. Vorbeter angestellt. Wegen seines tadellosen Charakters erfreute er sich überall des höchsten Ansehens."      
   
Konstanz AZJ 02031917.jpg (33085 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. März 1917: "Hauptlehrer Siegmund Bloch in Konstanz ist infolge Lungenentzündung im Alter von 50 Jahren verschieden. Er war auch bei der Jüdischen Gemeinde als Lehrer und 2. Vorbeter angestellt. Wegen seines tadellosen Charakters erfreute er sich überall des höchsten Ansehens."    

   
Ausschreibung der Stelle des Synagogenverwalters, Schochet und Hilfsvorbeters (1924)     

Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 1. Mai 1924: 
"In unserer Gemeinde ist die Stelle eines 
Synagogenverwalters und Schochet 
zu besetzen, der vertretungsweise die Dienste eines Hilfsvorbeters zu versehen hat. Unverheiratete werden bevorzugt. - Angebote mit Lebenslauf und Zeugnissen sowie Referenzen an die 
Israelitische Gemeinde Konstanz
zu Händen des Rechtsanwalts Bloch, Konstanz."         

     
     
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben
   
Erinnerung an mittelalterliche Zeiten (Konzil von Konstanz) (Aus einem Artikel von 1903)
 

Konstanz Israelit 10121903.jpg (354273 Byte)Erinnerung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Dezember 1903: Abbildungen mit Untertext: "Feierlicher Zug der jüdischen Gesandtschaft zu Papst Martin V. auf dem Konzil zu Konstanz 1447. Aus einer gleichzeitigen Handschrift von Ulrich von Reichsthal in der Stadtbibliothek zu Basel."  

  
Gründung eines Antisemitenvereins mit Schwierigkeiten (1893) 

Konstanz Israelit 02031893.jpg (33882 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. März 1893: "Konstanz. Hier hat sich ein Antisemitenverein gebildet; um für denselben Propaganda zu machen, hat man eine Anzahl hiesiger hervorragender Personen genannt, welche Mitglieder des Vereins geworden seien. Nunmehr haben diese Persönlichkeiten sich öffentlich dagegen verwahrt und gerichtliche Klage wegen Missbrauchs ihres Namens eingereicht."       

  
Allgemeiner Bericht über die Gemeinde (1893)  

Konstanz AZJ 13101893.jpg (148361 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. Oktober 1893: "Konstanz, 4. Oktober (1893). Die Festtage führten mich in meine herrlich gelegene Vaterstadt und gaben mir zu meiner großen Freude reichliche Gelegenheit, das Blühen der hiesigen jüdischen Gemeinde wahrzunehmen. Im Jahre 1864 gegründet, zählt dieselbe heute über 100 Familien, nachdem sie mit 47 Mitgliedern im Jahre 1883 die in edlem Renaissancestil von hübschen Anlagen umgebene Synagoge erbaut hatte. Der Gottesdienst, dessen Grundlage der sogenannte Mannheimer bildet, war sehr freilich und doch schlicht und gab ein prächtiges Beispiel davon, was verständnisvolle Leitung mit einfachen Mitteln zu bieten vermag. Herr Lehrer Geismar ist ein strebsamer wackerer Prediger. Der gemischte Chor sind tüchtig. Die Ordnung und Ruhe in der Synagoge sind musterhaft. - Für gemeinnützige Zwecke der gut verwalteten Gemeinde wirken der Frauenverein und der Bruderschaftsverein, beides Schöpfungen des unvergesslichen vortrefflichen Lehrers Sigmund Rieser, der leider den Bau des geschmackvollen Gotteshauses, den er aus allen Kräften anstrebte, nicht mehr erleben sollte (im Frühjahr 1881 sank dieser edle Mensch ins frühe Grab, tief betrauert von seiner Gemeinde, um die er sich unvergessliche Verdienste erworben). Der Belehrung und Geselligkeit dient die vor bald 12 Jahren von Herrn Jakob D. Bloch gegründete Gesellschaft 'Erholung' durch gut ausgestattete Bibliothek, Vorträge (vorzugsweise aus dem reichen Gebiete der jüdischen Geschichte und Literatur), Pflege des Gesanges (Männerchor) und durch stets mit Geschick und kunstverständigem Sinn arrangierte Abendunterhaltungen. So waltet in der an der äußersten südlichen Grenze des deutschen Reiches bestehenden jüdischen Gemeinde ein guter Geist, möge derselbe stetsfort segensreich wirken!"   

    
Der Antisemitismus regt sich auch in Konstanz (1893)  

Konstanz AZJ 15121893.jpg (85281 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. Dezember 1893: "Dass der Antisemitismus hauptsächlich die Frucht der blassen Neider ist, ist eine bekannte Tatsache. In Konstanz, wo er sich nur noch verschämt hin und wieder seit einiger Zeit regt, macht er sich gerade vor der Weihnachtssaison bemerkbar. Waren das letzte Jahr die warnenden Flugzettel, 'nichts bei den Juden zu kaufen', auf einmal unversehens in den Häusern untergebracht, ohne dass man wusste, woher sie kamen, wer die Menschheit retten wollte, so besorgen dieses Jahr diesen edlen Dienst die katholischen 'Konstanzer Nachrichten'. Natürlich verwahrte sich das Blatt für Wahrheit, Freiheit und Recht dagegen auf einen dem gegenüber erhobenen Protest, die Absicht gehabt zu haben, die hiesigen jüdischen Geschäftsleute zu schädigen."       

  
Äußerst kritischer Bericht eines konservativ-orthodoxen Geschäftsreisenden über die liberal geprägte Gemeinde in Konstanz (1899)
  
Anmerkung: Der Bericht zeigt die starken Spannungen auf, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zwischen liberalen und orthodox geprägten jüdischen Gemeindegliedern an den Fragen von Orgel in der Synagoge, gemischten Chor u.a.m. entstanden waren. Die Spannung zwischen den Gruppen führte in vielen Städten zur Bildung eigener orthodoxer jüdischer Gemeinde. Der Beitrag ist mit teilweise bitterer Ironie geschrieben. Er setzt sehr gut Gemeindekenntnisse voraus und könnte von einem orthodox geprägten Konstanzer Gemeindeglied geschrieben sein, das unter den liberalen Zuständen sehr gelitten hat.     

Konstanz Israelit 06031899a.jpg (217031 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. März 1899: "Konstanz. Dieser Tage führte mich mein Weg auf einer Geschäftsreise durch Konstanz und hatte ich bei dieser Gelegenheit die Ehre oder das Vergnügen, zum ersten Male die Wirksamkeit eines Rabbiners von der Berliner 'Hochschule der Wissenschaft des Judentums' mir aus der Nähe ansehen zu könnten. Konstanz ist eine neue Gemeinde im doppelten Sinne des Wortes. Sie existiert noch nicht lange und hat sich aus kleinen Anfängen durch Zuzug zu ihrer jetzigen Mitgliederzahl entwickelt. Diese Art der Entwicklung ist auf ihre religiöse, respektive unreligiöse Richtung nicht ohne Einfluss geblieben. Es sind meistens wohlhabende Leute aus den umliegenden Dörfern und Landstädtchen, welche ihr Wohlstand nach dem aufblühenden Konstanz zieht. Aber auch die wohlhabenden, und selbst die reichen Eingewanderten, können bei allem Wohlstand nicht viel mehr, als sich satt essen und trinken. Ihre materielle Überlegenheit sucht daher nach irgend einem Ventil, durch welches sie hervortreten und sich bemerklich machen kann; dazu ist die jüdische Gemeinde, sind ihre Institutionen und vor allem die Synagoge, der beste Tummelplatz. 
Man darf nicht vergessen, dass Konstanz eine aufstrebende Stadt des Landes ist, dessen jüdische Behörde den Schulchan Aruch verdächtigt und einen Ukas erlassen hat, welcher Mizwas Mila durch Verbot der Mezize verkümmert, welcher das öffentliche Teffilinlegen auf der Reihe untersagt, um alle Extravaganzen seitens der Gemeinde milder zu beurteilen. Dass ein christliches Kircheninstrument und ein gemischter Chor der Synagoge ihren jüdischen Charakter entzogen hat, ist nach alledem nicht auffällig.  
Aber je weniger die Herren in ihrer Totalität einen Anspruch auf Religiosität erheben können, umso angelegentlicher ist es ihnen darum zu tun, dass sie einen frommen Rabbiner bekommen. So ganz extrem orthodox braucht er natürlich nicht zu sein, sondern zahm, lamm- und mittelfromm, sodass er etwas höher steht, als das niedrige Konstanzer Gemeinde-Niveau. Mittelfromm, so heißt, glaube ich, das erlösende Wort!
Hat man schon einmal davon gehört, dass ein Kaufmann einen Kassier sucht, der mittelehrlich ist, d.h. einen solchen, der nicht zu ehrlich ist, und auch nicht zu viel Spitzbube? Ich glaube kaum. Aber im jüdischen Gemeindeleben der Gegenwart soll diese wunderliche Blüte nicht so selten sein. Ein Rabbiner der Breslauer Schule hätte der Konstanzer Gemeinde schon zu viel fromme Allüren unter Umständen verraten können, ein Schüler von Hildesheim war ohnedies ausgeschlossen, weil diese keine Stelle in Gemeinden annehmen, deren Synagoge durch    
Konstanz Israelit 06031899b.jpg (396278 Byte)christliche Kircheninstrumente profaniert ist. Da entschied man sich für einen Zögling der Geiger'schen Hochschule in Berlin und wählte vor einigen Jahren Herrn Dr. Hánnes als Rabbiner, der aber mit Rabbi Meier bal Hannés keinerlei Wahlverwandtschaft hat.     
Wenn der Rabbiner das Gewissen seiner Gemeinde ist, so hat die Konstanzer Gemeinde ein gutes, zahmes Gewissen, das nicht viel schlägt, pocht und lärmt, sondern besteht ist, den Wünschen und Neigungen der Gemeinde, soweit als irgendmöglich und noch ein Stück darüber hinaus, Rechnung zu tragen. Von dieser Fügsamkeit und Schmiegsamkeit geleitet, hat die zarte Dr. Hannes'sche Rücksichtnahme auf die lokalen Eigentümlichkeiten der Konstanzer Gemeinde u.a. folgende Blase getrieben.   
Herr Dr. Hannes hat scharfsinniger Weise herausgefunden, dass seine Herde von ihren Geschäften und ihrem Morgenschlaf mehr angezogen wird, als von der Synagoge. Da sie auch montags und donnerstags morgens den Gottesdienst nicht besuchten, so hat er das Aufrufen zur Tora von diesen Tagen auf zwei andere verlegt, an welchen seine lieben Konstanzer mehr Zeit und Muße für ihre Synagoge haben sollen; ich glaube auf Freitag und Sonntag! Das hat dem kühnen Reformator nun allerdings mehr Spott als Erfolg gebracht, was man sich übrigens ohne besonderen spiritus asper an den fünf Fingern abzählen kann. Die Leute, die sich noch so viel Pietät für die Religion der Väter bewahrt haben, um am Montag und Donnerstag Morgen den Gottesdienst aufzusuchen, die wollen eben an Montag und Donnerstag gehen, und die anderen, die gehen Freitag und Sonntag so wenig, wie sie Montag und Donnerstag gegangen sind! Ein besseres Mittel wäre vielleicht gewesen, jeden Montag und Donnerstag Harmonium oder Orgel spielen zu lassen. Noch besser und erfolgreicher hätte es sich vielleicht gemacht, wenn der Chor für diese Tage in die Synagoge kommandiert worden wäre, wenn auch ohne die Damen; das hätte dann ohne Zweifel ein Minjan mit Pauken und Trompeten ergeben. 
Ob diese originelle Novität des Konstanzer Reformtheaters heute noch zugkräftig ist, oder ob sie als bereits veraltet schon den Weg aller Reformen gegangen ist, weiß ich nicht; das ist auch gleichgültig; Herr Dr. Hannes sucht und findet jeden Tag neue Überraschungen.  
Dieser Tage war ein Leichenbegängnis. Nach der Rückkehr vom Friedhof begab sich der große Teil des Leichenkondukts ins Trauerhaus, damit dort mit Minjan gelernt und Kaddisch gesagt werden könne. Der Herr Rabbiner wurde ersucht, etwas vorzulernen; doch weiterte er sich, weil dies Sache des Chasan (Kantors) sei, der aber verreist war und erst gegen Abend zurückkam. Als man ihn wiederholt ersuchte, doch ausnahmsweise zu lernen, blieb er standhaft bei seiner Weigerung und verließ das Haus. Zufällig war ein Herr aus einer benachbarten Gemeinde da, der sich auf Verlangen bereit erklärte einen Schiur zu lernen. Es scheint aber, als ob einer seiner Getreuen den Herrn Rabbiner auf das Unbegreifliche seiner Handlungsweise aufmerksam gemacht habe. Er kehrte wieder ins Trauerhaus zurück, wo inzwischen der Vortrag begonnen hatte. Der Vortragende ersuchte den zurückkehrenden Rabbiner den Vortrag fortzusetzen, was dieser denn auch nach einiger Weigerung tat!   
Aber das alles sind jedoch untergeordnete Kleinigkeiten gegen folgende Einrichtung, die heute noch in Konstanz in Kraft ist. Zwischen dem Chasan (Kantor) und dem Chor ist in der Synagoge eine elektrische Verbindung hergestellt, mit welcher der Chasan dem Chor ein Signal gibt, sobald er einzugreifen hat. Vielleicht sind auf der Berliner 'Hochschule für die Wissenschaft des Judentums' die rabbinischen Entscheidungen zur Elektrizität nicht gelernt worden. Herr Dr. Hannes weiß vielleicht nicht, dass ein solches Signal unmöglich ist, ohne einen Funken zu erzeugen und ohne somit das biblische Verbot zu übertreten: 'Ihr sollt kein Feuer anzünden, an all eueren Wohnung am Sabbattage!' (2. Mose 35,3). Sobald er es aber jetzt durch diese Zeilen erfährt, wird er gewiss nicht ruhen und nicht rasten, bis diese offizielle Entweihung des Schabbat beim Gottesdienste abgestellt ist.    
Her Dr. Hannes ist zunächst nur auf drei Jahres angestellt, erst wenn er sich während dieser Zeit zur Zufriedenheit der Gemeindepotentaten geführt hat, darf er auf definitive Anstellung rechnen. Ich glaube, dass er sich damit nichts vergibt, wenn er gegen diese unerhörte Blasphemie, einer Entweihung des Sabbats beim Gottesdienste, entschieden Stellung nimmt! Teilt Herr Dr. Hannes diesen Glauben nicht, dann wird's wohl beim Alten bleiben. Es wird kein Oberrat danach krähen, ja es wäre nicht ausgeschlossen, wenn er bei seiner Schulchan Aruch-, Mila- und Tefillin-Razzia noch Zeit und Sinn für Weihe und Entweihung des Schabbat über hat, dass er eine solche Sabbatentweihung ad majorem dei gloriam für eine empfehlenswerte Einrichtung hält.   
Die reiche Konstanzer Gemeinde hat die Stirn gehabt, in dem Vertrag mit ihrem Rabbiner diesem zu verbieten, sich während der drei Jahre des Vertrags zu verheiraten und der Herr Rabbiner hat den erforderlichen Charakter gehabt, eine solche Bedingung einzugehen! Vielleicht macht sie seine definitive Anstellung von einem Keuschheitsgelübde abhängig und verpflichtet ihn zur Eingehung des Zölibates!  
Das sind sehr betrübende Symptome für Zustände und Verhältnisse, die durch und durch faul und unhaltbar sind."       

  
Antwort von Rabbiner Dr. Ludwig Hannes auf die Vorwürfe im vorigen Artikel gegen die jüdische Gemeinde (1899) 

Konstanz Israelit 16031899a.jpg (57803 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. März 1899: "Konstanz, 10. März (1899). Von Herrn Dr. L. Hannes, Stadtrabbiner in Konstanz, erhalten wir eine längere Zuschrift, aus der wir folgendes entnehmen: In einem drei Spalten umfassenden Artikel haben Sie in Nr. 19 des ‚Israelit’ Jemanden zu Worte kommen lassen, der sich berufen fühlte, über unsere Gemeinde, über meine Amtswirksamkeit sowie über die Anstalt, aus der ich hervorgegangen bin, ein öffentliches Urteil abzugeben. ‚Durch und durch faul und unhaltbar’, mit diesen Worten bezeichnet der Verfasser am Schlusse seiner Auseinandersetzungen die in unserer Gemeinde herrschenden Zustände. Wir wären versucht, auf das ‚Geistesprodukt’ des Herrn
Konstanz Israelit 16031899b.jpg (405012 Byte)Einsenders dieselben Worte anzuwenden, wenn wir es nicht verschmähen wurden, mit gleicher Münze zu zahlen. Die beste Antwort gegenüber solchen Anfeindungen und Entstellungen wäre wohl ein vornehmes Ignorieren; allein wir haben zu viel Achtung vor der öffentlichen Meinung, vor welcher der Herr Einsender seine Meinung ausgesprochen hat, als dass wir ruhig mit ansehen könnten, wie durch entstellte, zum Teil unwahre Behauptungen unsere Berufsehre und das Ansehen der hiesigen achtbaren Gemeinde verdächtigt wird. Darum bitte ich Sie, mir zur Entgegnung nach dem Grundsatze: audiatur et altera pars, denselben Raum in Ihrem geschätzten Blatte zu überlassen und vorliegendes Schreiben ungekürzt zu veröffentlichen.    Der Herr Einsender beregten Artikels kritisiert den Umstand, dass der Wochentagsgottesdienst anstatt montags und donnerstags, am Sonntag und Freitag hierorts stattfinde. Wer die hiesigen Verhältnisse genau kennt und sie nicht nur von einer ‚Geschäftsreise’ aus beurteilt, wird die Berechtigung dieser ‚Reform’, wie der Herr Einsender sich auszudrücken beliebt, uneingeschränkt zugeben. Die Einrichtung hat mir übrigens keineswegs ‚Spott’ gebracht, wie der Herr Verfasser behauptet, sondern ‚Erfolg’, indem während des ganzen Sommers dieser Sonntags- und Freitags-Gottesdienst sich eines regen Besuches der Gemeinde erfreute, was am Montag und Donnerstag infolge der hier herrschenden geschäftlichen Verhältnisse unmöglich ist. Im Winter kann leider ein regelmäßiger Wochentagsgottesdienst vor der Erstellung der bereits beschlossenen Synagogenheizung vorläufig nicht stattfinden. Nach Fertigstellung der Heizungsanlagen wird sich der Sonntags- und Freitags-Gottesdienst sicherlich auch im Winter derselben Frequenz zu erfreuen haben, wie im Sommer (Anmerkung der Redaktion: Empfindsame Naturen! Unsere Alten haben von Heizvorrichtungen in der Synagoge nichts gewusst und sind doch öfter wie zwei Mal wöchentlich ‚schulen’ gegangen). Der Herr Verfasser behauptet, es sei die Toravorlesung auf Sonntag und Freitag hierorts verlegt worden. In diesem Umfange ist die Behauptung unrichtig, die Absicht hierzu hat allerdings bestanden und ein- oder zweimal wurde auch wirklich aus der Tora vorgelesen, was übrigens durchaus nicht gegen religionsgesetzliche Bestimmungen verstößt, da bekanntlich, wie der Herr Einsender nicht zu wissen scheint, die Tora-Vorlesung an Wochentagen nur deswegen auf Montag und Donnerstag verlegt wurde, weil an diesen Tagen Markt und Gericht abgehalten wurde (Anmerkung der Redaktion: Das ist unrichtig. Die Vorlesung aus der Tora am zweiten und fünften Tag der Woche wird im Talmud als eine von unserem Lehrer Moses getroffene und von Esra später noch modifizierte Einrichtung bezeichnet. Sie wurde getroffen, damit nicht drei Tage der Woche dahingehen, ohne dass die Gemeinde die Worte der Tora hört. Dass später an diesen Tagen auch die Markt- und Gerichtsage waren, hat mit der ursprünglichen Begründung dieser Anordnung nichts zu tun. Abgesehen von dem Unrecht und der Pietätlosigkeit, an einer solchen alten Einrichtung zu rütteln, hätte man gar keine ungeeigneteren Tage wählen können, als Freitag und Sonntag, wenn ihr ganzer Zweck ist, keine drei Tage der Woche ohne Toravorlesung hingehen zu lassen! Nach dieser Reform wird die Tora drei Tage hintereinander vorgelesen, dagegen fällt die Vorlesung der Tora vom ersten bis zum sechsten Tage der Woche aus!’) . Die Verlegung der Toravorlesung auf Montag und Donnerstag geschah also in Rücksicht auf praktische Verhältnisse; und hierdurch rechtfertigt sich auch mein Vorgehen, welches ebenfalls einem unabweisbaren Bedürfnisse entgegenkommen musste und welches ohne eine direkte religionsgesetzliche Bestimmung zu verletzen, dem religiösen Sinn, der in unserer Gemeinde Gott sei Dank unleugbar vorhanden ist und lebendig sich regt, durch möglichste Beseitigung von äußeren, seiner Entfaltung entgegenstehenden Hindernissen Rechnung tragen wollte. Zur Beruhigung will ich dem Herrn Verfasser übrigens mitteilen, dass ich aus eigener Initiative von der Beibehaltung der Toravorlesung am Sonntag und Freitag wieder Abstand genommen habe. Der Herr Einsender behauptet, ich hätte mich geweigert, nach einer Leichenfeier im Trauerhause einen Lehrvortrag zu halten, und gibt hierüber gleichfalls einen völlig entstellten Bericht. Es ist in unserer Gemeinde allerdings üblich, im Trauerhause während der ersten Trauerwoche, früh nach dem Morgen- und nachmittags vor dem Mincha-Gebet, einen Lehrvortrag zu halten. Diese Funktion ist aber nach einem mit dem Herrn Kantor von vornherein getroffenen Abkommen ausschließlich diesem übertragen, und mein anfängliches Bedenken, im besagten Falle den Vortrag zu halten, erklärt sich aus dem Bestreben, in keiner Weise in die Funktionen des Kollegen einzugreifen, wenn nicht außergewöhnliche Umstände obwalten. Die Versammlung hatte sich nun im Trauerhause eigentlich nicht zur Abhaltung des Lehrvortrags eingefunden, sondern zur Verrichtung des Morgengebets. Zufällig erschien auch ich unmittelbar nach der Beendigung daselbst und machte die Herren darauf aufmerksam, dass die Zeit zum Morgengebet längst abgelaufen sei und man vor Minchah keinen Gottesdienst mit Lehrvortrag mehr halten könne. Man wollte nun von mir wenigstens einen Lehrvortrag hören, um daraufhin Kaddisch sagen zu können; ich wies darauf hin, dass dies der Herr Kantor tun müsse und auch tun werde, sobald er aus dem Religionsunterricht, den er gerade erteilte und der bald geschlossen werden müsste, zurückkäme. (Der Herr Kantor war also nicht verreist, wie der Herr 
Konstanz Israelit 16031899c.jpg (377131 Byte)Einsender angibt (Anmerkung der Redaktion: nebensächlich). Erst, als man mir sagte, dass einige auswärtige Verwandten, die mit dem nächsten Zuge abreisen wollten, doch noch gern einen Lehrvortrag hören würden, sah ich ein, dass in diesem Fall wohl außergewöhnliche Umstände obwalteten und die Abhaltung eines Lehrvortrages durch mich kein Übergriff sei. Ich habe dann auch den Vortrag gehalten, ohne dass, wie der Herr ‚Kritiker’ behauptet, ‚ein Herr aus einer benachbarten Gemeinde’ Veranlassung gehabt hätte, mit dem Vortrage auch nur zu beginnen. Auf die Angriffe des Verfassers gegen unseren synagogalen Gottesdienst, gegen die Orgel, gemischten Chor, elektrische Signaleinrichtung, vermeide ich hier einzugehen, weil ich, ohne die ‚Ehre oder das Vergnügen’ zu haben, den Herrn zu kennen, ihn doch nicht für die geeignete Persönlichkeit halte, um mit ihm über derartige, das gesamte moderne Judentum bewegende Fragen zu rechten. Ich will ihm daher nur das eine bemerken, dass nach unserer Überzeugung für das Urteil über die Religiosität eines Juden nun einmal nicht der Umstand in Betracht kommt, ob man auf einen elektrischen Knopf drückt oder nicht. Der Herr Verfasser hat sich nicht entblödet, in seinem Artikel auch unsere Lehranstalt, der ich meine Ausbildung verdanke, und aus der hervorgegangen zu sein, mir zum Stolze gereicht, gelegentlich wieder einmal anzugreifen. Der betreffende Herr ist völlig im Unklaren über die Art und den Geist, der in der ‚Hochschule für die Wissenschaft des Judentums’ herrscht. Dieselbe ist gewiss keine Anstalt für reformatorisch gesinnte Rabbiner, sondern vermittelt ihren Schülern lediglich die Wissenschaft des Judentums, um jeden einzelnen dann auf Grund seiner Studien seinen eigenen Standpunkt sich bilden zu lassen. An der Anstalt wirken neben freieren Lehrern auch hoch konservative Dozenten, wie aus ihr auch Rabbiner aller Richtungen hervorgegangen sind. Lehrer und Hörer an ihr aber sind von inniger Liebe und Hingebung zum Judentum getragen und stehen einer anderen Anstalt weder in dieser noch in irgendeiner anderen Beziehung nach.    
Der Verfasser hat am Schlusse des Artikels nun noch ‚die Stirn gehabt’, zu behaupten: ‚die reiche Konstanzer Gemeinde hat die Stirn gehabt, in dem Vertrag mit ihrem Rabbiner, diesem zu verbieten, sich während der drei Jahre des Vertrages zu verheiraten, und der Herr Rabbiner hat den erforderlichen Charakter gehabt, eine solche Bedingung einzugehen!’  Diese Behauptung, die das Ehrgefühl unserer Gemeinde, wie das meinige, in empfindlichster Weise verletzt, entspricht durchaus nicht der Wahrheit; derartige Unterstellungen weisen wir mit Entrüstung zurück. Nie und nimmer ist eine solche Bestimmung auch nur besprochen, geschweige in dem Vertrag aufgenommen worden. Den Herrn Einsender über die tatsächliche Form der hier übrigens staatlich von Seiten des Oberrats geregelten Vertragsverhältnisse aufzuklären, sowie meine wirklichen Anstellungsbedingungen mitzuteilen, dazu habe ich begreiflicherweise keinerlei Veranlassung, wie sehr er sich unberufener Weise auch dafür interessieren mag. Auf jede etwaige weitere Auseinandersetzung mit dem Herrn Einsender an dieser Stelle kann ich mich natürlich nicht einlassen, ich lehne daher jede weitere öffentliche Debatte von vornherein ab.      
Der Einsender der Korrespondenz aus Konstanz, bemerkt zu obiger Entgegnung folgendes:   Ich habe über die Persönlichkeit und Wirksamkeit des Stadtrabbiners von Konstanz, in Nummer 19 des Israelit, folgendes Tatsächliche zur Sprache gebracht:  1. Der Rabbiner habe den Toravorlese-Gottesdienst am Montag und Donnerstag, auf Freitag und Sonntag verlegt.  2. Er habe sich geweigert, in einem Trauerhaus einen Lehrvortrag zu lernen und habe erst später diese Weigerung aufgegeben.  3. In der Konstanzer Synagoge wird beim Gottesdienst der Sabbat durch Erzeugung elektrischen Lichtes entweiht.  4. Der Vertrag des Herrn Rabbiners mit der Gemeinde enthalte eine für beide Kontrahenten nicht gehörige Bestimmung.  In seiner Entgegnung räumt der Herr Rabbiner die drei ersten Punkte als den Tatsachen entsprechend ein, und bezeichnet lediglich den vierten Punkt als nicht der Wahrheit gemäß. Ich bin somit hinsichtlich des vierten Punktes unrecht berichtet worden, und bedauere, diese Mitteilung in gutem Glauben hingenommen und verbreitet zu haben.  Ich wäre unglücklich, wenn auch die anderen Punkte sich als irrige Beschuldigungen erwiesen hätten. Aber nachdem sie Herr Dr. Hannes nicht zur zugesteht, sondern sie sogar in seiner Weise zu rechtfertigen sucht, so hat er damit über sich und sein Wirken viel entschiedener den Stab gebrochen, als ich dies je getan habe. Über einen Rabbiner, der selbst einräumt, die Entweihung des Sabbat durch Lichterzeugung entscheide nicht über die Religiosität eines Juden, brauche ich kein Wort zu verlieren. Es scheint in der Tat, dass Herr Dr. Hannes sehr gut zur Konstanzer Gemeinde und diese zu ihrem Rabbiner passt. Diese meine in Nummer 19 ausgesprochene Behauptung, wird durch die Bemerkungen des Herrn Dr. Hannes so vollständig bestätigt, dass ich dem nichts hinzuzufügen habe."    

    
Russische Juden auf der Durchreise durch Konstanz (1906)    

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 11. Mai 1906: "Konstanz, 7. Mai (1906). Russische Juden auf dem Bahnhofe. Auf dem hiesigen Bahnhofsplatz lagerte gestern Nachmittag ein Trupp nach Amerika (offenbar über Genua) durchreisender russischer Juden, mit Frauen und Kindern etwa 80 an der Zahl. Sie wurden während ihres kurzen Aufenthaltes von Menschenfreunden gastlich bewirtet und beschenkt. Die Szene bot einen ergreifenden Anblick russischen Elends. 'Frankfurter Zeitung'."        

   
Die Nationalsozialisten gewinnen an Einfluss (1931)
 

Konstanz Israelit 15011931.jpg (53429 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Januar 1931: "Konstanz.  Infolge eines Gastspieles der ‚Habima’ am hiesigen Stadttheater wurden von Deutschnationalen und Deutschvölkischen in Presse und Versammlung scharfe  Proteste gegen die ‚Einfuhr rassenfremde Kunst und Kultur’ erhoben. Der Direktor des Stadttheaters setzte sich kräftig zur Wehr und ist entschlossen, das Gastspiel unter allen Umständen durchzuführen."

      
"Ausspracheabend" der jüdischen Jugendgruppe (1933) 
  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. März 1933: "Konstanz, 16. Februar (1933). Am vergangenen Mittwoch veranstaltete die hiesige Jugendgruppe einen recht anregenden Ausspracheabend, zu dem sie Herrn Rabbiner Mayer von der 'Freien Vereinigung' in Frankfurt geladen hatte. Mit großer Erwartung sah man dem Besuch des Gastredners entgegen, denn in unserem Jugendverein interessiert man sich außerordentlich für alle religiösen Fragen und ist für jede Anregung dankbar. Diese Anregung ließ auch nicht lange auf sich warten: Herr Rabbiner Mayer, den freundschaftliche Beziehungen mit unserer Bodenseestadt verbinden, führte den Mitgliedern des Jugendvereins die Entwicklung der jüdischen Gemeinschaftsform von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart vor. Er suchte in klarer und prägnanter Weise zu zeigen, wie durch Missverständnisse und fälschliche Adaption eine 'Verwässerung der jüdischen Religion' eingetreten sei, durch die das ganze Gebäude der Tradition bedroht wurde. Verschiedene Umstände haben in den letzten Jahren in der jüdischen Jugend aller Richtungen ein religiöses Sehnen erwachen lassen, das die gesetzestreue Richtung des Judentums pflegen und der Lehre wieder zurückführen muss.   
Die Souveränität der Tauroh (Tora) im privaten und öffentlichen leben ist der Ausgangspunkt jeglicher religiös jüdischen Einstellung. das von Rabbiner Hirsch verkündigte Ideal der Tauroh im derech erez könnte auch gerade heute der modernen jüdischen Jugend die höchste Verwirklichung des Menschlichen bieten. Es ist falsch, wenn man glaubt, dass ein gesetzestreuer Mensch kein moderner Mensch sein könnte.   
Der Vortrag wollte nicht überreden. Dafür überzeugte er die jungen Anwesenden von der historischen Gesetzmäßigkeit der Orthodoxie. Die lange Aussprache, die dann sogar nach Schluss des offiziellen Teils noch privatim fortgesetzt werden musste, bewies, dass der Redner wirklich wie selten ein anderer den richtigen Ton getroffen hatte. Herr Lehrer Bravmann, der mit gewohntem Geschick den Abend leitete, konnte am Schlusse Herrn Rabbiner Mayer für die vielfältigen Anregungen herzlich danken. Wir können kaum besser ausdrücken, wie sehr wir uns mit dem Vortrag gefreut haben, als wenn wir dem verehrten jungen Redner en baldiges Wiedersehen in unserem Kreise wünschen.
An die anderen Jugendbünde ergeht die Bitte, sich mit Herrn Rabbiner Mayer (Frankfurt am Main, Hanauer Landstraße 15) wegen einer Veranstaltung in Verbindung zu setzen."      

     
     
     
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
     
Dr. Guggenheim wurde ausgezeichnet (1901)        

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. Januar 1901: "Dem leitenden Arzt der Sanitätskolonne in Konstanz, Dr. Guggenheim, ist das Ritterkreuz II. Klasse des Zähringer Löwenordens verliehen worden."         

 
Zum Tod von S. Kocherthaler (1906)
     
Anmerkung: es ist unklar, wieso der Artikel unter "Konstanz" erscheint. 

Artikel im "Frankfurter Israeltischen Familienblatt" vom 20. Juli 1906: "Konstanz. Sterbefall. Am 12. dieses Monats verschied im Alter von 47 Jahren der Direktor der Gesellschaft für elektrische Unternehmungen in Berlin, Herr S. Kocherthaler. Der Verstorbene war früher zehn Jahre Mitglied der Großfirma Levi und Kocherthaler in Madrid und seit neun Jahren in Berlin in der elektrischen Großindustrie erfolgreich tätig. Außer bei der vorgenannten Gesellschaft war er auch Direktor der Elektrizitätswerke Südwest, Aktiengesellschaft in Schöneberg, und Mitglied des Aufsichtsrats einer Reihe weiterer Gesellschaften".   

   
25-jähriges Jubiläum von Bertha Auerbach als Vorsteherin des jüdischen Frauenvereins (1913)   

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. Oktober 1913: "Frau Bertha Auerbach in Konstanz feierte ihr 25-jähriges Jubiläum als Vorsteherin des jüdischen Frauenvereins und wurde aus diesem Anlass von der Großherzogin Luise von Baden mit der Friedrich-Luisen-Medaille ausgezeichnet."    

       
Zur Beisetzung des im Krieg gefallenen Raymond Weill aus Epinal (1914)       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. Oktober 1914: "Konstanz, 23. September (1014). Die Schwere des Krieges lernen wir allwöchentlich mehr kennen. Mehr als 1000, schwer, meistens aber leicht Verwundete erfreuen sich hier der ihnen von allen Seiten entgegengebrachten Liebe und Wohltätigkeit. Leider mussten schon einige von ihnen dem Tode den Tribut zollen, darunter zwei französische schwer Verwundete. Der eine, Raymond Weill aus Épinal, wurde im Alter von 30 Jahren kurz vor Beginn der Sabbats unter militärischen Ehren auf dem 'Krieger-Friedhof' bestattet. Der Stadtrat ha denselben für diejenigen, welche auf dem Felde der Ehre starben und hier beerdigt werden oder den Folgen ihrer Verletzungen erliegen, als Ehrenplatz des städtischen Friedhofes geschaffen. Hier ruhen sie, die sich vielleicht vorher gegenüberstanden, in selber Erde für ewige Zeiten in Frieden miteinander. Ein allgemeines, von Künstlerhand verfertigtes Denkmal soll für alle Zeiten als Palme des Sieges der Toleranz diesen Ehrenplatz schmücken."              

     
Rechtsanwalt Leopold Jung wird ausgezeichnet (1914)     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. Oktober 1914: "Mit dem Ritterkreuz erster Klasse vom Zähringer Löwen wurde der langjährige Vorsitzende der Konstanzer Gemeindevertretung (Repräsentanten), Herr Rechtsanwalt Leopold Jung, ausgezeichnet."             

  
Josef Weil und Leutnant Siegbert Welbhäuser werden mit dem Eiserne Kreuz ausgezeichnet (1916)
  

Mitteilung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 7. Juli 1916: "Konstanz. Josef Weil und Leutnant Dipl.-Ing. Siegbert Welbhäuser erhielten das Eiserne Kreuz." 

         
Auszeichnungen für Leutnant Herbert Picard und Assistenzarzt Dr. Edwin Picard (1916)  

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 15. September 1916: "Konstanz. Leutnant Herbert Picard, Sohn von Samuel Picard, wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Assistenzarzt Dr. Edwin Picard, Sohn der Frau Regina Picard, bereits Inhaber des Eisernen Kreuzes, wurde der bayerische Militärverdienstorden 4. Kl. mit Schwertern verliehen."     

    
Unteroffizier Alex Biedelsheimer erhält das Eiserne Kreuz II (1916)
  

Mitteilung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 8. Dezember 1916: "Konstanz. Unteroffizier Alex Biedelsheimer erhielt das Eiserne Kreuz 2. Kl."    

     
Zum Tod des Rechtsanwalt Dr. Willy Rothschild (1934)   
Anmerkungen: 1. vgl. unten Karte an "Rechtsanwalt Rothschild" von 1921
2. Hinweis zu der im Nachruf vorkommenden Abkürzung, dass er ein begeisterter "K.C.- er" war (von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries vom 15.9.2013): gemeint ist seine Mitgliedschaft im "Kartell-Convent der Verbindungen deutscher Studenten jüdischen Glaubens", siehe Wikipedia-Artikel:   http://de.wikipedia.org/wiki/Kartell-Convent_der_Verbindungen_deutscher_Studenten_jüdischen_Glaubens
3. Die Reise nach Palästina stand unter der Führung der "Aguda", vgl. Wikipedia-Artikel zur Agudath Israel Weltorganisation.  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. November 1934: "Konstanz-Gailingen, 12. November (1934). Man schreibt uns: Noch zittert der Schmerz über den Verlust des Dr. Moses Rothschild (vgl. zu ihm Artikel auf der Seite zu Randegg) in uns nach, da kommt eine neue Schreckensbotschaft. Wieder hat der unerbittliche Tod einen aus der jüdischen Gemeinschaft des badischen Seekreises hinweggerafft und wieder ist es zugleich ein Gefährte jener denkwürdigen unter der Führung der Aguda stattgefundenen Pilgerfahrt ins heilige Land. Dr. Willy Rothschild, der 'Rothschild erster Klasse', wie er damals zum Unterschied der vielen Gleichnamigen, halb scherzend, halb staunend genannt wurde. Halb staunend, denn es kommt auf den üblichen Schiffen, die nach Erez Jsrael verkehren, nicht alle Tage vor, dass ein Passagier, wenn er nicht gerade ein hoher Regierungsbeamter ist, für sich eine Kabine erster Klasse in Beschlag nimmt. Geboren in Gailingen, Student auf Deutschlands Hochschulen, Rechtsanwalt in Konstanz, gestorben fern der Heimat in Mailand in seinem 54. Lebensjahr. Drei Ortsnamen, zugleich drei Pole, in denen dieses Leben eingespannt war. Darüber hinaus typische Meilensteine, die irgendwie symbolisch den Weg absteckten, den der deutsche Jude von gestern mit scheinbar innerer Notwendigkeit gehen zu müssen glaubte. Geboren in einer Landgemeinde, die stark in der Vergangenheit wurzelnd, voll traditionsgebundener Kraft ihren Söhnen weniger einen großen Fundus jüdischen Wissens, als jüdischen Stolz und Selbstbewusstsein mitgegeben. Dann Berührung mit der Welt, begeisterter K.C.-er, den er Zeit seines Lebens nicht verleugnen konnte. Weltmännischer Anwalt in Konstanz, dabei immer voll rührender Anhänglichkeit ans heimatliche Dorf, der sich immer wieder zeigte. Auch hier glühte, wenn auch scheinbar unter viel Weltlichem verschüttet, das ewige jüdische Feuer. Es bedurfte nur eines kleinen äußeren Anstoßes, dass auch er jener Fahrt sich anschloss. Ging hinüber, sicher mit viel Skepsis, eher geneigt alles kritisch zu betachten und sich nicht von Gefühlen überrumpeln zu lassen. Und siehe, auch an ihm vollzog sich das Wunder der Kedduschah, die von jenem Boden ausströmt. Er, dessen äußerer Ausgleich so weit gediehen war, dass ihn drüben die Araber nie als Jehudi, immer aber als 'Germani' taxierten, auch er kam als ein Verwandelter zurück. Und diese Verwandlung mag zuletzt sich für ihn als eine große Gnade erwiesen haben: dass er, als seine Welt über ihm zusammenbrach, Haltung und innere Würde zu bewahren wusste. Dr. S. H."     

      
       
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Anzeige der Handlung von Gustav Bloch (1867)
  

Konstanz Israelit 29051867.jpg (42584 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29. Mai 1867: "Etrogim und Lulawim. 
Lieferung übernehme ich auch dieses Jahr und werde mir alle Mühe geben, das Schönste und Billigste zu liefern. Aufträge über 200 Thaler liefere ab Triest, jedoch wollen sämtliche verehrlichen Besteller ihre Kommission bis Ende Juli hierher einsenden. Gustav Bloch, Konstanz."

     
Anzeige des Tuch- und Buckskin-Geschäftes en gros Louis Bloch (1872)       

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. April 1872: "Lehrlings-Gesuch. 
Für mein Tuch- und Buckskin-Geschäft en gros suche ich unter annehmbaren Bedingungen ein mit den nötigen Vorkenntnissen versehenen jungen Mann aus guter Familie. Louis Bloch in Konstanz."    

  
Anzeige des Hotels "Zum Roten Löwen" (1881)  

Konstanz Israelit 25051881.jpg (53020 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Mai 1881: "Geschäftsempfehlung!  Koscher Hotel zum ‚roten Löwen’ Koscher – in Konstanz am Bodensee. Dem verehrten reisenden Publikum empfehle ich mein von mir aufs Beste eingerichtete Hotel angelegentlichst mit Zusicherung prompter und billiger Bedienung. Achtungsvoll  Jacob Levi, ‚zum roten Löwen’ in Konstanz."


Verkauf des Gasthauses "Zum deutschen Haus" (1891)   

Konstanz Israelit 01041891.jpg (102488 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. April 1891:  "Gasthaus-Verkauf.  
In guter Lage der Stadt Konstanz - in der Nähe von Bahnhof und Hafen - hat unterzeichnete Liegenschafts-Agentur im Auftrage des Eigentümers das mit Realrecht versehene Gasthaus zum deutschen Haus
vor drei Jahren neu hergerichtet und an zwei Straßen gelegen, in welchem seit Jahren mit bestem Erfolg Israelitische Wirtschaft betrieben wird, enthaltend: große Wirtschafts-Lokalitäten, Tanzsaal, Wohn-, Gast- und Fremdenzimmer nebst Hofraite, Hinterhaus, Ökonomiegebäude mit großen Stallungen, Remise, Futterböden etc. unter sehr günstigen Zahlungs-Bedingungen billig zu verkaufen und wäre einem routinierten Manne Gelegenheit geboten, ein schönes Geschäft mit guter Rentabilität zu erwerben. Nähere Auskunft erteilt die mit dem Verakufe beauftragte Liegenschafts-Agentur von B. Bloch, Konstanz."    

  
Anzeigen des Hotels "Zähringer Hof" (1893/1899) 

Konstanz Israelit 27071893.jpg (49830 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Juli 1893: "Hotel Konstanz Zähringer Hof Konstanz nächst dem Bahnhof und Hafen. Dem reisenden Publikum, insbesondere den Herren Geschäftsreisenden, empfehle mein neu erbautes, auf das Komfortabelste eingerichtete Hotel mit 20 eleganten Fremdenzimmern, große Säle, reelle Weine, bekannt gute Koschere Küche, billige Preise und aufmerksame Bedienung. Portier an allen Zügen und Schiffen. Achtungsvollst der Besitzer J. Levi, vormals Inhaber vom ‚Deutschen Haus’."
  
Konstanz Israelit 18091899.jpg (56937 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. September 1899: "Koscher – Neu eröffnet – Koscher. Hotel Zähringer Hof, Konstanz. Besitzer: Gustav Hammel. Äußerst günstige Lage in unmittelbarer Nähe des Bahnhofes, große, freundlich und neu eingerichtete Zimmer, beste Küche, reine Weine."     

          
Anzeige der Pension Wolf (1902)   

Konstanz Israelit 13011902.jpg (42484 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Januar 1902: "Streng koscher Pension Wolf, Konstanz
befindet sich jetzt Sigismundgasse 21, neben der Synagoge. Streng Koscher."

     
Anzeige der Metzgerei S. Levinger (1902)     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. November 1902: "Tüchtiger Metzgerbursch
welcher hauptsächlich die Wurstlerei gründlich versteht per sofort gesucht, gegen guten Lohn. 
S. Levinger
, Metzgerei und Wurstlerei, Konstanz (Baden)."              

    
Anzeige der Bäckerei Adler (1903)     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Juli 1903: "Ein junger Bäckergehilfe 
und ein Lehrling gegen sofortige Vergütung gesucht. 
Bäckerei Adler
, Konstanz."              

  
Lehrlingssuche des Manufakturwarengeschäftes J.J. Neuburger (1904)
    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Februar 1904: "Lehrling
Für mein Manufakturwaren-Geschäft engros und Detail suche per Ostern unter günstigen Bedingungen einen Lehrling aus achtbarer Familie. 
J.J. Neuburger, Konstanz."   

    
Anzeige der Bäckerei Adler (1904)  
Um 1900 bestand die Bäckerei von Jonas Adler in der Neugasse 30.  

Konstanz Israelit 24031904.jpg (20447 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. März 1904: 
"Junger Bäckergehilfe gesucht. 
Bäckerei Adler, Konstanz (Baden)."

    
Todesanzeige für Hermann Einstein (1928)      

Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 19. Oktober 1928: 
"Am 10. Oktober entschlief nach langem, schwerem Leiden infolge Schlaganfalls mein treubesorgter Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager 
Herr Hermann Einstein Konstanz.
 
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: 
Frau Klara Einstein geb. Frank   
Dr. Norbert Einstein   
Rudolf Meyer und Frau Trude geb. Einstein."       

   
   
Dokumente zu jüdischen Gewerbebetrieben  
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries; die Informationen gleichfalls auf Grund der Recherchen von P. K. Müller)    

Firmenpostkarte der 
Firma J. & M. Lion (1899)
   
Konstanz Dok 0908.jpg (87654 Byte) Konstanz Dok 0909.jpg (106237 Byte)
  Die Firmenpostkarte der Firma J. & M. Lion (sc. Kurzwarenhandlung Jonas und Michael Lion)
 wurde am 29. Juli 1899 von Konstanz nach Heilbronn verschickt. 
      
Postkarte an 
Rechtsanwalt Rothschild (1921) 
 Konstanz Dok 13001.jpg (261343 Byte)

Postkarte aus der Schweiz, verschickt von Zürich-Neumünster nach Konstanz am 15. September 1921 an den "Rechtsanwalt Rothschild - Konstanz". Da es in Konstanz zu dieser Zeit zwei Rechtsanwälte mit Nachnamen Rothschild gab und eine genauere Zuordnung Mangels fehlendem Vornamen und genauerer Anschrift nicht möglich ist, folgen kurze biografische Hinweis zu beiden Rechtsanwälten:
- Dr. Willy Rothschild (geb. in Gailingen, gest. am 12. November 1934 im Alter von 54 Jahren in Mailand; vgl. oben Nachruf zum Tod des Rechtsanwalts Dr. Willy Rothschild
- Rechtsanwalt Leo Rothschild war der Sohn von Emanuel Rothschild, einem überaus angesehenen Bürger der Gemeinde Konstanz, der sich nicht nur in der jüdischen Gemeinde engagierte, sondern auch im kommunalen Bereich, unter anderem als Stadtrat und großer Förderer der heimischen Vereine und des Militär - und Kriegervereins. Leo Rothschild meldete sich 1914 als Kriegsfreiwilliger und geriet 1916 in Kriegsgefangenschaft. 1924 war die Konstanzer Ortsgruppe des Reichsbundes Jüdischer Frontsoldaten mit 54 Mitgliedern unter seiner Leitung. Er war verheiratet mit Sali Amalie Moos und lebte in der Gottlieberstraße in Konstanz. 1938 emigrierte er in die USA. 
Nachbemerkung: da bei "Rechtsanwalt Rothschild" kein "Dr." genannt ist, wurde die Karte eher an Rechtsanwalt Leo Rothschild geschickt.   

     
 Firmen-Umschlag der Firma Jakob Haymann 
in Konstanz (1938)
  
Konstanz Dok 1205.jpg (235805 Byte) Konstanz Dok 1205a.jpg (137319 Byte)

Der Einschreiben-Brief - Firmen-Briefumschlag von J. Haymann aus Konstanz wurde am 14. Dezember 1938 nach Karlsruhe an das Badische Finanz- & Wirtschaftsministerium verschickt.
Jacob Haymann (geb. 17. November 1868) war verheiratet mit Ida geb. Gollowitsch aus Bad Buchau (geb. 14. Dezember 1875 in Bad Buchau). Das Ehepaar hatte drei Kinder: Heinrich (geb. 23. Juli 1897), Else (geb. 5. Februar 1900) und Margarete (geb. 13. November 1905.
Jacob Haymann übernahm zusammen mit seinem Bruder Max die von seinem Vater Heinrich Haymann gegründete Rohproduktenhandlung. 1891 gründet er die Firma Jacob Haymann - Altmetall, Schrott - und Rohmaterialienhandlung. In Kreuzlingen in der Schweiz richtete er eine Zweigstelle der Firma ein. Beide Kinder arbeiten ab den 30er Jahren in der Kreuzlinger Filiale. Unter der Naziherrschaft beginnen die Repressalien gegen die Firma und Jacob Haymann und seine Familie, die letztendlich ihren Höhepunkt erreichen im Zwangsverkauf der Firma in Konstanz, der Liquidation der Schweizer Filiale und dem Zwangsverkauf des Wohnhauses der Familie in der Schottenstrasse.
Jacob Haymann starb an den Folgen dieser Demütigungen am 20. Februar 1940. Seine Frau Ida wurde im Oktober 1940 nach Gurs deportiert. 1943 folgen Verlegungen in zwei andere französische Lager. Sie überlebte und reiste 1947 nach Montevideo in Uruguay zu ihren Kindern.
Detailliertere Informationen finden sich auf den Internetseiten zu den Konstanzer Stolpersteinen.
http://www.stolpersteine-konstanz.de/index.html?haymann_jacob.htm

     

    
   
Sonstiges  
Roman zur jüdischen Geschichte in Konstanz (1906)     
Anmerkung: zum Autor des Romanes siehe den Wikipedia-Artikel "Wilhelm von Scholz"; das Werk wird bis zur Gegenwart aufgelegt.      

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 11. Mai 1906: "Wilhelm von Scholz: Der Jude von Konstanz. Tragödie. München und Leipzig. Georg Müller. 
Der Arzt Nasson, ein Proselyt, erntet für seine Fahnenflucht bei Juden und Christen wenig Dank. Die Juden verachten ihn, die Christen misstrauen ihm. Und das mit Recht, denn er kann das Blut, das in seinen Adern rinnt, nicht verleugnen. Er fühlt sich unwillkürlich zu seinen Stammesgenossen doch noch hingezogen, fördert und schützt sie, wo er nur kann. Was ihn dennoch zum Übertritt bewogen? Heimatbedürfnis und Sesshaftigkeitsbedürfnis, im Grunde also selbstsüchtige Motive trotz Verbrämung und Beschönigung. Diese Vorliebe für sein Volk bringt ihn zu Fall. Er warnt sie in Vermummung vor einem geplanten Pogrom, wird dessen bezichtigt und ist Manns genug, das nicht in Abrede zu stellen. Sein Dank: der Scheiterhaufen. Vor dem Tod rettet er noch durch einen klugen Appell an die Habgier eines hochverehrlichen Rates und einer noch höherverehrlichen Bürgerschaft der Stadt Konstanz die Juden derselben vor dem gleichen Schicksal und philosophiert dann des Längeren und Breiteren über Weltverachtung, Weltüberwindung, Weltverneinung. Hier ist eine kranke Stelle im Organismus des Dramas. Was bei einem Ibsenschen Brand notwendige Konsequenz eines ehernen Charakters wäre, wird bei diesem willensschwachen, von des Gedankens Blässe angekränkelten Menschen Anmaßung und Großspurigkeit, die ihm weder ansteht noch zukommt. - Von den übrigen Gestalten ist nur Samlai, der Mann der jüdischen Selbstwehr, eigenen Blutes voll. Manche Szene ist wirkungsvoll abgestuft, manches geistreiche Wort verrät tiefere Erkenntnis der Zeitströmungen, auch ist das Bestreben unverkennbar, objektiv Gerechtigkeit walten zu lassen."         

 
 
Nach 1945  
   
Vortragsabend 1947    

Konstanz 1947.jpg (88637 Byte)Aus einer jüdischen Zeitung von 1947: "Konstanz. Am 16. Juli sprach im Jüdischen Gemeindehaus in Konstanz Flüchtlingsrabbiner Schachnowitz zum Trauertag von Dr. Theodor Herzl und Chaim Nachmann-Bialik. In seinem Referat brachte er das Lebensbild Herzls und Bialiks in einer wunderbaren Lebendigkeit zum Ausdruck. Das sehr interessante Referat über das Leben und Wirken Bialiks und Herzls für das jüdische Volk hinterließ bei unseren Menschen einen sehr tiefen Eindruck. Das volle Haus der Teilnehmer dankte Rabbiner Schachnowitz mit starkem Beifall. Am gleichen Tage sprach auch Rabbiner Schachnowitz im Friedrichsheim in Gailingen. Auch hier hörten die Zuhörer gespannt den sehr interessanten Ausführungen über die Entwicklung Erze Israels zu. Wiederum wurde seine sehr interessante Rede mit viel Applaus quittiert."  

       

       

        

       

       

 

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Stand: 04. Februar 2014