Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Randegg (Gemeinde Gottmadingen, Kreis Konstanz)
Texte/Berichte zur jüdischen Geschichte des Ortes

Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Randegg wurden in jüdischen Periodika gefunden. 
Bei Gelegenheit werden weitere Texte eingestellt.  
 Es sind noch nicht alle Texte abgeschrieben - bei Interesse bitte jeweils die Textabbildung anklicken  

       
Übersicht:

Aus der Geschichte des Rabbinates in Randegg
-  Rabbiner Schott nimmt an der Rabbinerversammlung in Braunschweig teil (1844)  
-  Rabbiner Eljakim Picard erfährt viel Anerkennung anlässlich einer Hochzeit in Randegg (1867) 
-  Protest gegen eine geplante Gehaltskürzung für Rabbiner Picard (1890)  
-  70. Geburtstag von Rabbiner Picard (1892) 
-  Auszeichnung von Rabbiner Picard mit dem Zähringer Löwenorden durch den Großherzog (1902)  
Festtag anlässlich der Auszeichnung von Rabbiner Picard mit dem Zähringer Löwenorden (1902)   
Zum Tod von Rabbiner Eljakim Picard (1903)  
25. Todestag von Rabbiner Eljakim Picard (1928) 
Rabbiner Dr. Moses Hoffmann kommt als Rabbiner nach Randegg (1903)  
Rabbiner Dr. Moses Hoffmann wird Landrabbiner in Emden (1912)  
Rabbiner Dr. Jacobowitz wird Rabbiner in Randegg (1913)   
Rabbiner Dr. Jacobowitz verlässt Randegg und wird Rabbiner in Königsberg (Ostpreußen, 1917)  
Rabbiner Donath wechselt nach Lübeck (1924)  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und Kultusbeamten  
-  Ausschreibungen der Stelle des Lehrers / Vorbeters / Schochet 1875/76 / 1904 / 1923 / 1925  
Lehrer Jakob Lewin kommt als Lehrer nach Randegg (1905)  
-  70. Geburtstag des Kultusbeamten Jakob Biedermann (1934)  
Die Hohen Feiertage im Herbst 1934 - die Lehrerstelle konnte wieder besetzt werden (1934)    
-  Lehrer Siegfried Daube übersiedelt nach Palästina - sein Nachfolger wird Lehrer Erich Kahn aus Ihringen (1935)  
Über Lehrer Erich Kahn (1903 - deportiert 1941)  
Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben  
-  Einführung der Religionsweihe (Konfirmation) durch Rabbiner Schott (1841)  
-  Die jüdische Hebamme darf auch in christlichen Familien tätig sein (1841)  
-  Antrag von Rabbiner Schott auf Weglassung des Kol Nidre am Jom Kippur (!) (1845) 
-  Verschiedene Meldungen aus dem Gemeindeleben (1854)  
-  Die jüdischen Einwohner aus Randegg fliegen vor Pogromen in die Schweiz (1848)  
-  Gründung eines Krankenvereins und allgemeine Eindrücke auf dem Gemeindeleben (1860)  
-  Über die in der Gemeinde vorhandenen Stiftungen (1867)  
-  Bericht über weitere Gemeindeverhältnisse in der jüdischen Gemeinde Randegg (1867) 
-  100-Jahr-Feier des Talmud-Tora-Vereins (1891)  
-  Trauergottesdienst für Rabbiner Dr. Hildesheimer (1899)  
-  Öffentliche Chanukkafeier der Gemeinde (1903)  
-  Festessen für kriegsentlassene Soldaten (1919)  
Werbung für Zuzug jüdischer Familien nach Randegg (1933)  
Vortrag über die Arbeit des Oberrates (1935)  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde    
-  Zum Tod des aus Randegg stammenden Rabbiners in Triest Maier Randegger (1853)   
-  Bitte von Frau B. Weil - Schott (Mailand - Florenz), in Randegg beigesetzt zu werden (1870)  
-  Zum Tod von Babette Neumann (1879)  
-  Zum Tod von Abraham Rothschild (1887)  
-  Zum Tod von Moritz Abraham Guggenheim (1894)  
-  Zum Tod von Joseph Bloch (1905)    
-  Gemeindevorsteher Arzt Dr. Moses Rothschild zieht nach Konstanz (1905)  
-  Zum Tod von Schreinermeister Moses Schwab (1908)   
-  Goldene Hochzeit von S. Bloch und Frau (1911)  
Silberne Medaille zur Goldenen Hochzeit des S. Bloch'schen Ehepaares (1911)  
Goldene Hochzeit von Elias Wolf und Frau (1924)   
Zum Tod von Leopold Bloch (1927)   
Zum Tod des Antiquars William Bloch (1928)  
Zum Tod von Salomon Guggenheim (1933)   
Zum Tod von Lina Rothschild (1934)   
Zum Tod des Arztes Dr. Moses Rothschild (Randegg - Konstanz; Beisetzung in Konstanz; 1934)    
Zum Tod von Berthold Rothschild (1935)  
Vorsteher Marko Bloch verlässt mit seiner Familie die Gemeinde (1935)  
Zum Tod von Jacob Picard, Sohn von Rabbiner Picard (1937)  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Einzelpersonen       
-  Werbung für Randegg und den koscheren Gasthof / Hotel "Zur Krone" (1876 / 1890)  
-  Stelle-Gesuch eines Mädchens aus Randegg (1890)  
-  Verkauf einer Bäckerei (1891)   
Anzeige von Bernhard Rothschild (1900)  
Anzeige der Frau von Max Rothschild (1903)    
Hochzeitsanzeige von Siegbert Frohwein und Erna geb. Guggenheim (1931)  
Verlobungsanzeige von Willy Guggenheim und Armand Weill (1934)   
Verlobungsanzeige von Frieda Grossmann und Herbert Weil (1938)  

  
   
   
Aus der Geschichte des Rabbinates in Randegg  
Rabbiner Schott nimmt an der Rabbinerversammlung in Braunschweig teil (1844)  

Randegg AZJ 12081844a.jpg (162116 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. August 1844: "Randegg (Großherzogtum Baden), 22. Juli (1844). Herr Rabbiner Schott von Randegg, der schon so viel Gutes bei uns wirkte und der bekannt ist durch seine tiefe Kenntnis, war bei der Versammlung deutscher Rabbiner in Braunschweig. Aug die Kunde seiner Heimkehr beeiferte sich jedermann in der Israeliten-Gemeinde hier, ihn festlich zu empfangen. Die Herrn Synagogen-Vorsteher, sowie viele Familieväter und sämtliche erwachsene junge Leute männlichen Geschlechts begrüßten ihn zum Empfange in Stockach, wohin er mit dem Eilwagen kam. Seine Ankunft erfreut Alle aufs Innigste; jeder glaubte seinen lang abwesenden Vater zu begrüßen. In Gottmadingen wurde er von Herrn Oberlehrer Moos mit sämtlicher, hiesiger israelitischen Schuljugend ebenso aufs Freudigste und Herzlichste empfangen. Diese Empfangsfeierlichkeit wurden geschlossen durch ein Abendessen in der Krone hier, wobei die größte Herzlichkeit und Verehrung für unseren geistlichen Vorstand sich kund gab. 
Der Herr Rabbiner Schott brachte dabei folgenden Toast aus: 'Nach dem Toaste, welchen soeben unser Herr Vorsteher mir ausgebracht hat, kann ich nicht länger verschweigen, was jetzt mein Herz erfüllt. Nach einer vierwöchentlichen Abwesenheit in Ihre Mitte zurückgekehrt, wäre mir schon das Wiedersehen all der so lange verlassenen teuren Personen ein unbeschreiblich hoher Seelengenuss gewesen; wie viel höher und freudenvoller wurde mir aber derselbe durch die überaus freundlichen Teilnahme und den höchst ehrenvollen Empfang, womit Sie, meine verehrten Freunde! mich heute so liebevoll überrascht haben. Denn in diesem schönen Entgegenkommen darf ja sogar nicht nur die Gesinnung derer, welche hier anwesend sind, sondern auch die unserer ganzen werten Gemeinde ausgedrückt finden, da sich in Ihrer Mitte unser geehrter Herr Vorsteher und noch ein weiteres verehrliches Mitglied des Synagogenrates befinden. Dieses alles, meine teuren Freunde! überzeugt mich aber recht lebhaft, dass ich nicht nur diesen heutigen schönen, mir gewiss ewig unvergesslichen Tag, Ihrer Freundschaft verdanke, sondern auch alle die noch weit höheren und edleren Empfindungen, welche durch    
Randegg AZJ 12081844b.jpg (193543 Byte)den Zweck der von mir soeben zurückgelegten Reise mir zuteil geworden sind. Ich war auf der Rabbinerversammlung in Braunschweig, wo dasjenige, was uns allen das Heiligste ist - die uralte Religion unserer Väter, in mehrfacher Beziehung Gegenstand von Beratungen und Diskussionen war, und mir wurde der alle Opfer einer solchen Reise weit überwiegende Genuss zuteil, inmitten einer auserwählten schar von Amtsbrüder und vor einer intelligenten Zuhörerschaft dasjenige frei auszusprechen, was meinem Herzen Heiligkeit und meiner Seele Begeisterung gibt, dasjenige auszusprechen, was ich für des Menschen Heil und für seines Schöpfers Verehrung als das Richtige anerkannt habe; und der Beifall und die Anerkennung von mancher achtbaren Seite wurde mir deshalb zuteil. Aber, meine Freunde! wer weiß nicht, wie diese Rabbinerversammlung schon von vorneherein mannigfach verdächtigt wurde? wer weiß nicht, dass es daher gewissermaßen gefährlich schien, sich derselben anzuschließen? und hätte ich dieses wagen können, wenn ich nicht in den freundschaftlichen Gesinnungen und in dem unschätzbaren Zutrauen meiner hiesigen verehrten Gemeinde einen festen Stützpunkt erkannt hätte? O gewiss, noch mancher Amtsbruder würde sich gerne zur Rabbinerversammlung begeben haben, aber er fürchtete das Misstrauen und die falsche Beurteilung, denen der strebsame Mensch höchst selten entgeht. Und darum, Heil mir, dass ich mich, verehrte Freunde! Ihres unerschütterlichen Zutrauens schon im Voraus versichert halten konnte; Heil mir aber auch darum, dass ich mir bewusst bin, Ihr Zutrauen auch bei der Rabbinerversammlung nicht getäuscht zu haben; ich habe Fortschritte, die von der Humanität und der Sittlichkeit erheischt werden, im Sinne unserer heiligen Religion gefördert, ich habe aber Eilschritt, die mir nicht heilsam schienen, soviel an mir lag, bekämpft; ich sage endlich: Heil mir! dass Sie, meine Freunde! Ihre Freundschaft und Ihr Zutrauen mir auch heute so stark beweisen, wodurch ich mich ermutigt fühle, dasjenige zu verwirklichen, was ich für ratsam erkannt habe, und in der von mir bisher eingehaltenen Richtung weiter zu schreiten. Und darum lassen Sie uns jetzt den freundschaftlichen Gesinnungen und dem heilsamen Zutrauen, welche uns bisher wechselseitig durchdrungen und vereinigt haben, ein feierlich freudevolles Lebehoch ausbringen; sie mögen fortbestehen ohne Hemmung und Störung, sie mögen fortwirken zu Heil und Segen, sie sollen hoch leben, dreimal hoch!'"  
 
Schott Leopold 010.jpg (89001 Byte)Abbildung von Rabbiner Leopold Schott (Quelle: Website mit der Bildsammlung von Henry Rothschild) mit dem Text: "Die Lehre der Wahrheit war in seinem Munde. Und Unrecht war nicht gefunden auf seinen Lippen". 

   
Rabbiner Picard erfährt viel Anerkennung anlässlich einer Hochzeit in Randegg (1867)  

Randegg Israelit 03041867.jpg (229448 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. April 1867: "Eichstetten (Baden). Wir hatten in hiesiger Gemeinde jüngst Gelegenheit, einen Mann kennen zu lernen, der in seinem bescheidenen, stillen, aber desto segensreicheren Wirken dem Lichte der Öffentlichkeit bisher verborgen geblieben, wenn auch Näherstehende schon längst in demselben den wahren, ungeheuchelten Charater, den gelehrten und gewissenhaften Führer und Lehrer seiner Gemeinde verehrten. Es ist dies der Herr Rabbiner Picard aus Randegg. Derselbe ist vermählt mit einer Enkelin des auch in weiteren Kreisen bekannt gewesenen, und etwa vor 24 Jahren verstorbenen Rabbiners Sekel Löw Epstein - er ruhe in Frieden - von hier, welcher eine Reihe von Jahren hier das Amt eines Gemeindevorstehers und Gesetzeslehrers (sc. hatte rabbinische Kompetenzen) zu gleicher Zeit versag, der durch seine Frömmigkeit und Gelehrsamkeit der hiesigen Gemeinde sowohl, als der ganzen Umgegend zur Zierde gereichte, dessen Name heute noch nur mit der größten Ehrerbietung und Hochachtung genannt wird und dessen Tugenden in seinen Söhnen und deren Familien hier, als unermüdlichen - die Tora stark Machenden - sich forterben.  Zu der nun vor einigen Tagen stattgefundenen Vermählung eines Enkels und einer Enkelin des genannten Rabbiners Sekel Löw Epstein - er ruhe in Frieden - war Herr Rabbiner Piccard aus Randegg, der Schwager des Bräutigams, als Vollzieher der Eheschließung hierher berufen. In der von ihm an die Brautleute gehaltenen Ansprache legte derselbe Beweise einer seltenen Gelehrsamkeit in so hohem Grade ab, dass wir nicht umhin können, ihm in diesem viel gelesenen Blatte unseren Dank auszusprechen. Herr Rabbiner Piccard sprach in seiner Rede von der Wichtigkeit und Heiligkeit der jüdischen Ehe, von der Unsitte unserer, auf allen Gebieten des Fortschrittes und der Humanität sich rühmenden Zeit, bei Schließung auch des heiligsten Bundes, der Ehe nämlich, immer zuerst das beiderseitige Vermögen der Brautleute als Zahlen sprechen zu lassen; ferner von der hohen Stellung des jüdischen Weibes, wie solche in unserer heiligen Literatur begründet ist - und dies Alles in so erschöpfender Darstellung, so so meisterhafter Diktion und mit so herrlichem Vortrage und unter scharfsinnigster Verwendet hierauf bezüglicher Midraschstellen, dass alle Zuhörer, worunter sich auch viele anderer Konfessionen befanden, von diesem Vortrage sich befriedigt und erbaut fühlten und sagen mussten: Das waren echte, jüdische, kernhafte Worte, die von Herzen kamen und zu Herzen drangen. 
Bei dem darauf folgenden Festmahle erhöhte Herr Rabbiner Piccard die festliche Stimmung durch eine geistvoll gehaltene Ansprache an die Tischgenossen mit vielen eingestreuten herrlichen Worten der Tora und zeigte sich sowohl da, als in den Privatzirkeln, in denen wir später noch die Ehre hatten, ihn zu sehen und zu sprechen, als der gründlich gebildete, und doch so bescheidene jüdische Gelehrte mit dem frommen, milden Sinne, von dem wir sagen können: Heil der Gemeinde, die sich eines solchen Führers zu erfreuen hat. - 
Möge es Herrn Rabbiner Piccard noch viele Jahre gegönnt sein, in seinem heiligen Berufe zu leben und zu wirken."      

  
Protest gegen eine geplante Gehaltskürzung für Rabbiner Picard (1890)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Januar 1890: "Randegg (Baden), 5. Januar (1890). Einem großen Teile der Leser des 'Israelit' ist es gewiss bekannt, dass seit 33 Jahren Herr Rabbiner Picard in unserer Gemeinde segensreich wirkt, durch dessen wahre Gottesfurcht die Gemeinde als eine echtjüdische erhalten blieb. Es ist daher kaum zu begreifen, dass der löbliche Synagogenrat beschlossen hat, den Gehalt des Rabbiners per Jahre um Mark 150 zu kürzen. Würde dies aus Sparsamkeitsrücksichten geschehen, so könnte man noch eher davon reden; es sind jedoch aber ganz andere Ursache, denn unsere Gemeinde ist Gott sei Dank recht gut im Stande, für einen Geistlichen einen standesgemäßen Gehalt zu bezahlen. Es ist dies wahrlich eine betrübende Tatsache; während alle Angestellten Teuerungszulagen erhalten, werden einem Manne, welcher so hoch geachtet bei allen Konfessionen dasteht, sowohl durch seinen frommen Lebenswandel, als auch durch seine hochherzige Wohltätigkeit, durch Abzüge von seinem bescheidenen Gehalt, derartige Verdrießlichkeiten bereitet. Es handelt sich bei Veröffentlichung dieses nicht um die Mark 150, sondern es ist unsere Absicht, die Zustände zu beleuchten, welche mitunter in einer Gemeinde herrschen; diese Handlungsweise, welche ganz dem jüdischen Geiste und den jüdischen Anschauungen widerspricht, wird jedenfalls nur vereinzelt in Gemeinden vorkommen. Hoffentlich wird sich die größere Anzahl der Gemeindemitglieder zusammenfinden und vereint kein Mittel unversucht lassen, um ein solche Vorkommnis abzuwenden und dadurch den Frieden in unserer bis dahin so einträchtigen Gemeinde zu erhalten.      

    
70. Geburtstag von Rabbiner Picard (1892)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Februar 1892: "Randegg (Baden). Ein Markstein in der Geschichte der hiesigen israelitischen Gemeinde bildete der 70. Geburtstag unseres allverehrten Herrn Rabbiners E. Ricard - sein Licht leuchte -, der am Heiligen Schabbat Paraschat Waera (Schabbat mit der Toralesung Waera, d.i. 2. Mose 6,2 - 9,35, das war Schabbat, 30. Januar 1892) gefeiert wurde. Die innige Herzlichkeit, die von wärmster Hochachtung getragene Feststimmung, die Groß und Klein erfüllten, zeugten von der Liebe und Ehrfurcht der Gemeindeangehörigen ihrem Seelsorger gegenüber und stempelten diese Feier zu einem wahren Familienfeste. So thront inmitten seiner Kinder nur der glückliche Vater in herzensfreudiger Innigkeit, in seliger Zufriedenheit, so jauchzt nur die treue Kinderbrust in heller Freude und schlägt in Liebe von ganzem Herzen. Noch ist das Wort von der Ehre der Tora kein leerer Schall in unserer Gemeinde, und Dank dem Bemühen unseres geehrten Herrn Rabbiners - sein Licht leuchte - pulsiert hier noch alte, echte, kerngesunde Jüdischkeit, blühen hier noch Tora und Gottesdienst in frischer Kraft. So hat auch die hiesige Gemeinde ein Anrecht, genannt zu werden unter den besten, so hat mir ihr vor Allem auch unser geliebter Herr Rabbiner - sein Licht leuchte -, der, ein Bild einfachster Bescheidenheit, tiefster Frömmigkeit und Gelehrsamkeit, seit vielen, vielen Jahren als ein Bollwerk des alten, unvergänglichen Gottesglaubens unentwegt hier wirkt und pflanzet, ein Anrecht, geehrt und genannt zu werden bis 100 Jahre.    
Über die Feier selbst noch einige Worte. Im engeren Familienkreise wurde Freitag nacht eine kleine dramatische Szene aufgeführt, die den Jubilar - sein Licht leuchte - als Meister der Tora, als Vater der Armen und als Beistand der Kranken feierte. Der Schabbat-Vormittag brachte die Gratulanten aus der Gemeinde, den Vorsteher an der Spitze des Synagogenrates, die Schuljugend mit dem Herrn Lehrer, deren Sprecher ein kostbares Bouquet überreichte und ein Gedicht vortrug. Auch waren 
von Auswärts und aus Randegg selbst wertvolle Geschenke und Gratulationen auch von unseren christlichen Mitbürgern in zahlreichster Menge eingetroffen. Die Hauptfestlichkeit spielte sich Abends im Gasthaus zur Krone ab bei allgemeiner Beteiligung. Nachdem der Jubilar und seine Familienangehörigen unter Musikbegleitung von unserm Herrn Vorsteher und den Herren Synagogenräten in den Festsaal geleitet und dort mit einem prächtigen Boruch Habo begrüßt worden, überreichte der erstere unter anerkennenden Worten die Festgabe der Gemeinde, einen prachtvollen, silbernen Pokal. Ein nicht minder wertvolles Festgeschenk ließ auch der Talmud-Tora-Verein durch seine beiden Vorstände überreichen. Unter Zugrundlegung des Verses aus dem Wochenabschnitt 2. Mose 8,19: 'Und ich werde einen Unterschied machen... schilderte nun unser Herr Lehrer in überzeugender, farbenreicher Sprache die Tugenden und Erfolge des Jubilars in der Gemeinde, in der keiner den Schabbat nicht einhalten würde, in der jeder freudig Tora und Wohltätigkeit übe. Jetzt erhob sich der Jubilar und in lautloser Andacht lauschten alle, als er begann 'Den Kelch des Heils erhebe ich...' (Psalm 116,19) und betonte, dass er die Huldigung annehme als eine Huldigung für die Sache, die er stets vertreten habe, als eine Verherrlichung der Thauro (=Tora), der er sein Leben geweiht. Der kurze Raum gestattet uns nicht, auch nur im Auszuge eine Skizze zu geben von dieser tief empfundenen, begeisternden Rede, die von Herzen kommend, alle tief ergriff. Die Festlichkeit hatte ihren Glanzpunkt erreicht und in buntem Wechsel folgten Toast auf Toast, Gesangs- und humoristische Vorträge.    
Bis zum früheren Morgen strahlten die Festleuchter herab auf eine fröhliche, feiernde Gemeinde, auf glückliche Herzen und treuen Sinn. 
Unserem Jubilar - sein Licht leuchte - rufen wir aber noch zum Schluss entgegen: Mit Gottes Hilfe bis 120 Jahre."  
 
Randegg AZJ 12021892.jpg (23647 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom  12. Februar 1892: "Herr Rabbiner E. Picard in Randegg hat am 31. Januar unter allgemeiner Teilnahme seinen 70. Geburtstag gefeiert."  

   
Auszeichnung von Rabbiner Picard mit dem Zähringer Löwenorden durch den Großherzog (1902)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. April 1902: "Randegg in Baden, 25. April (1902). Heute kann ich Ihnen eine frohe Botschaft verkünden, indem Seine Königliche Hoheit der Großherzog unterem hochverehrten Herrn Rabbiner Picard den Zähringer Löwenorden erster Klasse verliehen hat. Diese hohe Auszeichnung erregt überall die lebhafteste Freude und auch gewiss bei den Lesern Ihrer geschätzten Zeitschrift. Ist doch der Herr Rabbiner sein Jahren ein treuer Verfechter des orthodoxen Judentums. Die Gemeinde wird sich nicht nehmen lassen, zu Ehren unseres Seelenhirten eine kleine Festlichkeit zu veranstalten, um gleichzeitig noch nachträglich den 80. Geburtstag und die 50-jährige Wirksamkeit desselben am hiesigen Platze zu feiern. Möge es dem Jubilar mit Gottes Hilfe vergönnt sein, noch eine Reihe von Jahren diesen Orden in bester Gesundheit zu tragen, sowie seines Amtes walten zu können."      

   
Festtag anlässlich der Auszeichnung von Rabbiner Picard mit dem Zähringer Löwenorden (1902)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Mai 1902: "Randegg in Baden, 4. Mai (1902). Ein Ehrentag im wahren Sinne des Wortes war die von der Gemeinde dem Herrn Rabbiner gegebene Festlichkeit anlässlich seiner Dekorierung. Letzterer wurde nach dem Minchagebet, vom Synagogenrat in corpore abgeholt und zum Festlokal geleitet. Hier mit einem weihevollen Boruch habo empfangen, wurde derselbe vom Vorsteher Herrn Dr. Rothschild begrüßt, dankte derselbe dem Jubilar für die geleisteten Dienste und dass derselbe durch seine im Amte aufgehende Tätigkeit die Gemeinde auf eine so sittlich religiös hohe Stufe brachte.  
Der Herr Rabbiner selbst dankte tief ergriffen für das so liebenswürdige Entgegenkommen, und brachte hierauf einen Toast auf den Großherzog aus für die ihm erwiesene Ehre. 
Als weiterer Redner führte u.a. Herr Max Rothschild aus, dass diese Ordensverleihung auch für uns eine ehrenhafte Anerkennung bedeute, indem diese altehrwürdige Gemeinde sich bemühte, den schon mehr als 150 Jahre bestehenden Rabbinatssitz zu erhalten. 
Diese wichtige Ausführung veranlasst mich, von meiner eigentlichen Berichterstattung abzuschweifen. Wie bekannt, nehmen die Landgemeinden immer mehr ab und auch Randegg teilt dieses Los; wir haben das Recht, einen Ortsrabbiner zu halten, sind aber dem Bezirksrabbinat Gailingen zugeteilt. Tritt für den Fall einer Pensionierung eine Vakanz der Stelle ein, so gestattet der Großherzogliche Oberrat bei einem entsprechenden Gehalt die Wiederbesetzung. Die Gemeinde, bestehend aus ca. 50 Familien und 35 Mitgliedern, ist nicht allein in der Lage, neben den anderen Angestellten noch einen Rabbiner standesgemäß zu besolden. Hier ist der Punkt, worauf ich Männer der strengen Orthodoxie aufmerksam machen möchte. Randegg ist ja in Baden eine der religiösesten Gemeinden, in dieser Beziehung gleichsam eine Enklave im badischen Oberlande; der fromme Sinn hiesiger Männer und Frauen wurde durch Errichtung von Stiftungen für den genannten Zweck betätigt, natürlich lange nicht genügend. Soll dieser mustergültige Zustand, wie die strenge Beobachtung der jüdischen Speisegesetze, Samstags-Heiligung, Toralernen usw. ferner erhalten bleiben, so ist eine geistliche Führung unerlässlich; mögen sich Freunde finden, welche für diese ideale Angelegenheit Interesse bekunden. 
Zu meinem Festbericht zurückkehrend, wurden, wie üblich, abwechselnd Reden und einzelne Vorträge gehalten. Angenehm berührt wurde die Versammlung durch ein Schreiben des Herrn Dr. Ehrmann, Bezirksrabbiner in Baden (sc. Schweiz), worin derselbe um Mitteilung bittet, wann das Fest stattfindet, um demselben beiwohnen zu können. Bestimmt wären noch viele auswärtige Verehrer des Herrn Rabbiners herbeigeeilt, allein eine Verlegung war in diesem Falle verschiedener Rücksichten wegen nicht möglich. Gewiss wird dieses Fest ein Markstein in der Geschichte der Israelitischen Kultusgemeinde Randegg bilden. Möge diese blühen, wachsen und gedeihen!"      

 
Zum Tod von Rabbiner Eljakim Picard (1903) 

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Februar 1903: "Randegg (Baden), 23. Februar (1903). Ein schwerer Verlust hat unsere Gemeinde und mit ihr das gesamte orthodoxe Judentum betroffen, indem unser allverehrter Herr Rabbiner Picard leider heute Nacht gestorben ist. Die Beerdigung findet Mittwoch statt, und werde dann nicht ermangeln, über den Verlauf derselben, als auch über das Leben und Wirken dieses großen Gelehrten einen ausführlichen Bericht zu erstatten."      
 
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. März 1903: "Rabbi Eljakim Picard - er ruhe in Frieden
Randegg
(Baden), 26. Februar (1903). Die kurze Mitteilung vom Hinscheiden des Herrn Rabbiner Picard - seligen Andenkens - hat gewiss bei allen, die das Glück hatten, den Verstorbenen persönlich zu kennen, tiefe Trauer und innigste Teilnahme geweckt. Heute sei es mir nun gestattet, ein Bild des Wirkens und Schaffens des Entschlafenen zu entwerfen.   
Rabbiner Picard seligen Andenkens, im Jahre 1822 hier geboren, erreichte ein Alter von über 81 Jahren. Von braven, frommen Eltern erzogen - wusste man ja in der damaligen guten, alten Zeit nichts anderes, als die Kinder in der heiligen Tora gründlich unterrichten zu lassen - widmete sich der hoffnungsvolle Jüngling mit vollem Eifer dem Lernen, und bald stand in ihm der Entschluss fest, einzig dem Studium der Tora zu leben. Zu diesem Zwecke begab er sich zunächst nach Müllheim, zu Rabbiner Schlomo Rothschild - seligen Andenkens -, und später nach Würzburg, wo er zu Füßen des bekannten Rabbiner Jizchak Dow Halevi Bamberger - seligen Andenkens - saß, von dessen Geist ein voller Hauch auf ihn überging, und zu dessen Lieblingsschülern er zählte. Gleichen Schritt mit dem Reichtum seiner jüdischen Kenntnisse, die mit seltener, inniger Frömmigkeit gepaart waren, hielt das Studium der profanen Wissenschaften, dem er auf den Universitäten Würzburg und Heidelberg oblag. Zu Großem und Hohem solchermaßen berufen, war es seine angeborene Bescheidenheit, die dem Flug seiner Seele die Richtung gab, und die kindliche Liebe führte ihn in die Heimat zurück, um der teueren Mutter nahe zu sein. Rabbiner Picard war eben ein Mann, der es verschmähte, sein Ich in den Vordergrund zu rücken, und Ehrsucht war seiner Seele fremd. Es war ein herrlicher Tag, als dieser stürmende, für seine heilige Sache erglühte Jüngling vor seine Gemeinde trat, um das Flammenwort der Tora ihr zu künden. Was er gelobt in jener Stunde und an jener Stätte, hielt er getreu in Kampf und Not, tolerant gegen Andersdenkende, unerschütterlich aber, wo es galt, das Banner des Glaubens zu entfalten und hochzuhalten inmitten Gefahr und Gärung, wie sie Dränger und Reformer auf religiösem Gebiete schufen. Zu reichem Segen sprosste denn auch die Saat auf. Die jüdische Gemeinde Randegg ward und blieb durch sein Verdienst ein Bollwerk, eine Grundveste alten, unverfälschten Glaubens inmitten Neuerungssucht und nivellierendem Zeitgeist, der auch im badischen Oberland sich breit machte. 
Und wie er als Jehudi war, war er auch als Mensch, ein Mensch, wie ihn das tiefe Hinabsteigen in den Schacht des Torastudiums schaffen musste und reifen ließ. Er gab der jüdischen Gemeinde Wohlfahrtseinrichtungen - er den Wohltätigkeitsverein und den Brautausstattungsverein - die allein schon genügen würden, seinen Namen unauslöschlich zu machen, und die manche bittere Träne der Not und Armut trocknen halfen. Es würde hier zu weit führen, den selig Entschlafenen in seinem patriotischen Wirken zu schildern, wie es sein jüdisches Empfinden zeitigte. Diese seine Gesinnung fand ihre lobende Anerkennung darin, dass unser geliebter Großherzog, den Verewigten mit einem hohen Orden auszeichnete. 
Die allgemeine Hochachtung und Verehrung, deren sich der Dahingeschiedene im weitesten Kreise erfreute, fand beredten Ausdruck einmal in der bei dem Leichenbegängnis stattgehabten allgemeinen Beteiligung aller Konfessionen des hiesigen Ortes, mit dem katholischen Geistlichen und den Gemeindebehörden an der Spitze, zum zweiten in dem außerordentlichen Zuzug von Freunden und Leidtragenden aus der engeren Heimat  und aus weiter Ferne; dabei sei besonders erwähnt, dass aus allen Gemeinden der Bezirkssynagoge und von der Filialgemeinde Villingen, offizielle Vertreter zahlreich sind eingefunden hatten. 
Die Trauerfeier vollzog sich in der Synagoge, an der Stätte, wo der Verstorbene so gerne und so oft geweilt hatte. Als erster Redner schilderte Herr Bezirksrabbiner Dr. Spitz in geistreicher, formvollendeter Rede den großen Verlust, den die Familie, die Gemeinde und das ganze Judentum erlitten. 'Was hat er gesagt und was soll ich sagen' rief er schmerzerfüllt aus. Zum Text seiner Ausführungen wählte er die Worte, die einst ein Klageredner auf Ravina angewendet hatte (hebräisch und deutsch): 'Ihr Palmen neiget das Haupt über dem Frommen, der einer Palme gleichet, machen wir in unserer Klage die Nächte gleich den Tagen um ihn, der die Nächte den Tagen gleich machte in seiner Wirksamkeit'. Nach Schluss teilte derselbe mit, dass er vom Großherzoglichen Badischen Oberrat der Israeliten telegraphisch beauftragt sei, der Familie des Verewigten herzliche Anteilnahme und dem Entschlafenen für seine langjährigen, treuen und ersprießlichen Dienste die Anerkennung auszusprechen. - Als Vorsteher der israelitischen Kultusgemeinde sprach sodann Herr Dr. med. Rothschild den Dank seiner Gemeinde für die fünfzigjährige Tätigkeit in warmen Worten aus. 
Als dritter Redner gab Herr Lehrer Fröhlich in erschöpfender Rede ein herrliches und getreues Lebensbild des Entschlafenen und betont, wie er vornehmes Wesen mit edlem Charakter vereinigt. 
Herr Rabbiner Buttenwieser aus Straßburg knüpfte an die laufende Sidra (= Wochenabschnitt) an:         
(hebräisch und deutsch:) 'sie sollen mir ein Heiligtum bauen, dass ich in ihrer Mitte wohne'( 2. Mose 25,8). Er schilderte unter Zitierung einer Fülle geistreicher Midraschim, wie der Verstorbene selbst ein Heiligtum war, in dem Gottes Nähe weilte. Er ermahnte aufs Nachdrücklichste, wie nunmehr, da dieser Zadik von uns hinweggenommen, jeder Einzelne die fühlbare Lücke durch ein edles, gottesfürchtiges Leben auszufüllen bestrebt sein müsse... 
Es würde zu weit führen, all die erhebenden Worte, die an der Bahre gesprochen wurden, hier wiederzugeben. Unsere Gemeinde hat aber leider immerhin das Bewusststein (hebräisch und deutsch): Gefallen ist unseres Hauptes Krone! Möge doch der Allgütige der schwer geprüften Familie, die erst vor wenigen Monaten durch das Hinscheiden der ausgezeichneten Mutter in schmerzliche Trauer versetzt wurde, Trost und Linderung gewähren. In unserer nunmehr ihres lieben Führers beraubten Gemeinde möge mit Gottes Hilfe sein Geist, seine Liebe zur Tora und Jirah (Gottesfurcht) mächtig fortwirken. Dazu möge das Verdienst des seligen Entschlafenen beitragen. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." 

  
25. Todestag von Rabbiner Eljakim Picard (1928) 

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Februar 1928: "Rabbi Eljakim Picard - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen. Zu seinem 25. Todestag am 26. Schewat (= 17. Februar 1928).  
Randegg, ein bescheidenes Dorf im Seekreis des badischen Oberlandes, gehört seit einem Jahrhundert zu den jüdischen Gemeinden, die trotz kleiner Seelenzahl das Privilegium eines Rabbinats sich gewahrt haben. Die Nachwirkungen des unseligen Weltkrieges, vor allem die Schrecken der Inflation, haben es einstweilen leider unmöglich gemacht, den verwaisten Rabbinatsstuhl wieder zu besetzen, wenn auch anerkannt werden muss, das das neu errichtete, mit schönem Erfolg tätige Rabbinat in Gailingen auch in Randegg jüdisches Leben wieder neu erblühen lässt. Die Saat ist freilich schon seit langem ausgestreut worden, denn noch heute ist die Persönlichkeit dessen uns gegenwärtig, der vor 25 Jahren zum Leidwesen aller, die ihn kannten und schätzten, die Augen geschlossen hat; die Augen, die so hell, lieb und feurig strahlten, wie das Toralicht seiner großen Seele. Wer des Segens teilhaftig geworden ist, Unterricht und Beispiel von Rabbi Eljakim Picard zu genießen, der wird nicht im Handumdrehen seinen Schabbos preisgeben, er sei draußen in der verführerischen Großstadt oder im weltentrückten Gehöfte, überall trägt er das Bild dieses Großen in Israel im Herzen und wie Josef in Erinnerung an den Vater, wird er im Kampf mit der Sünde den Sieg davon tragen.   
In Randegg selbst, dem still-friedlichen Dorf, erblickte Eljakim Picard das Licht der Welt. Fromme, gute Eltern erkannten frühzeitig sein hohes Streben, die reine Liebe zur Tora, und als zarten Knaben schon finden wir ihn bei einem Manne, der ihm die Augen öffnet für die Größe der göttlichen Lehre. In Müllheim (Baden), damals noch eine Stätte eifrigen Torastudiums, erteilt Rabbi Schelomo Rothschild - das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen - dem für das Gute empfänglichen Knaben den ersten Talmudunterricht. Wie ist er beglückt, als ihm die Eltern zum Geburtstagsgruß den More Nebuchim senden. In einer Randbemerkung des Buches würdigt er rührend die hohe Gabe der Eltern und erfleht für sie den Segen Gottes, weil sie dem Drängen seines Herzens, Tora lernen zu dürfen, so lieb und verständnisvoll entgegengekommen. Der Knabe reift in Müllheim zum jungen Manne heran. Reifer wird sein Wollen und Streben, höher die Schwungkraft seiner Seele, und der Entschluss, nach Würzburg zu gehen, um bei dem Gaon Seligmann Bär Bamberger - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - seinen Wissensdurst zu stillen, wird zur raschen Tat. Würzburg, die goldene Mainstadt, sie wird ihm zum Symbol im Leben. Nicht die herrlichen Rebgelände haben ihm angetan, nicht die grünen Matten und gesegneten Fluren, die das Silberband des Flusses umsäumen, wiewohl auch er die Natur, als Zeugnis von Gottes majestätischer Herrlichkeit, liebt. Es ist das Würzburg wo einst ein Abraham Bing gewirkt, jener Abraham Bing - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - , von dem der nichtjüdische Universitätsprofessor Hoffmann zu Würzburg gesagt hat, so stelle er sich den Propheten Eliahu vor, das Würzburg lag ihm am Herzen, wo sein großer Lehrer Rabbiner S. B. Bamberger das Feuer in ihm entfachte, das ihn auf alle Güter des vergänglichen Lebens wunschlos verzichten und nur in Thauras Emet (Tora-Wahrheit) seine Befriedigung finden ließ. Aller Entbehrungen spottend, gehören nun Tag und Nacht dem Lernen. Mit welchem Erfolg dies geschah, attestiert der Würzburger Raw, er spricht von ihm als einem Lieblingsschüler...  Wie sich das Verhältnis von Seele zu Seele
Randegg Israelit 16021928a.jpg (310301 Byte)zwischen Meister und Schüler gestaltet, werden wir bald vernehmen. Längst war Eljakim Picard mit den Rabbinatsdiplom in die Praxis des realen Lebens gegangen. In vornehmen Familien Karlsruhes entfaltete er eine erfolgreiche Tätigkeit als Jugendbildner und es wurden in Würdigung seines reichen Wissens und Könnens und seiner tiefen, unwandelbaren Frömmigkeit Bande der Freundschaft geknüpft, die bis ans Lebensende dauern. Die dankbaren Eltern sagen an der reifen Frucht ihrer gottesfürchtigen Kinder, wie unschätzbar ein Lehrer ist, der es versteht, die Kinder mit Liebe zum Judentum zu tränken. Eine eigene Verehrung bringt Elkakim Picard dem Gaon Rabbi Jakob Ettlinger - das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen - entgegen. Dessen unsterbliche Werke, die ihren Siegeslauf über die gesamte jüdische Diaspora angetreten haben, studiert er mit heißer Liebe und es ist wahrscheinlich, dass er diesem genialen Manne und Führer des Judentums auch persönlich nähergetreten ist. eine reich gesegnete Wirksamkeit beginnt nun für unseren Eljakim Picard in der Geburts- und Heimatgemeinde Randegg. Die Übergroße Bescheidenheit, die mit dem weiteren Vordringen im Goldschachte der Tora noch wächst, lässt ihn Berufungen in größere Wirkungskreise ausscchlagen. Es gab aber auch in der kleinen Landgemeinde nicht wenig Arbeit. Der Vorgänger (sc. Rabbiner Schott) hatte nicht davor zurückgeschreckt, in die Ruhe des Dorfes polternde Reformideen zu tragen. Der Götze Fortschritt und Zeit hatte sich in Kampfstellung gesetzt zur Tora und ihren ewigen Forderungen. Von einer vorschriftsgemäßen Aufrichtung der drei Weltsäulen: Tora, Awaudoh (Gottesdienst) und Gemilus Chasodim (Wohltätigkeit) keine Rede. Züchtige Verhüllung des Haares? Die Frauen lachten. Rabbi Eljakim Picard sah unverzüglich zum Rechten, ruhig, aber fest zeigt er seiner Gemeinde den Weg des Heils, die bald merkte, dass ihr ein Führer geworden war, dem sie sich anvertrauen konnte. Als ihr sorgsamer Wächter hält er noch in spätester Nachtstunde eifrige Zwiesprache mit Rambam, Bes Josef und den andern Fürsten des Judentums, oder er betet für einen Mitmenschen, der auf schwerem Schmerzenslager ringt. Wer kann besser beten, inniger bitten vor dem Gnadenthrone Gottes, als Rabbi Eljakim Picard, er, der die Menschen alle, auch die, die ihn verkennen, über alles liebt. 
Mit den Großen der Zeit steht er in freundschaftlichem Verkehr, am lebhaftesten mit seinem geliebten Lehrer zu Würzburg, dessen Worte er in seinen hinterlassenen Schriften heilig hält, wie kostbare Diamanten.  
Es fehlte in der Ära Picard auch an Kämpfen nicht. Bedarf dies besonderer Erwähnung? Wo gäbe es einen Helden, der sich nicht über Hindernisse und Prüfungen hinweg einen Weg bahnen müsste. Erst bei einem Toragelehrten, der auf Schritt und tritt im wogenden Gemeindeleben bei der Durchführung seiner edlen Grundsätze mit Ame-Hoores-Gesinnungen aller Art in Kollision gerät! Eines Tages steht die Moderne auch in der Landgemeinde. Man fühlte das Bedürfnis, den Gottesdienst zu verschönern und gründet einen Chor. Es erwachen neue, ungewohnte Melodien, die dem altgeheiligten Chasonus (gemeint: Melodien im Gottesdienst) Abbruch tun und auf farbigen Effekt eingestellt sind. Unzählige Male wird der heilige Gottesname wiederholt. Da entzündet sich spontan die Flamme der Gottesfurcht im Herzen des Führers der Gemeinde und er gebietet während des Gebetes energisch Einhalt. Keiner wagt es, dem Flammenworte des für Tora und Jiroh (Gottesfurcht) einstehenden Rabbiners zu trotzen. Wir erwähnen gerade dieses Beispiel seiner beruflichen Hingabe, weil es heute durch die Diskussionen über Synagogenchor und Gemeindegesang aktuelles Interesse beanspruchen darf. 
Eljakim Picard konnte aber nicht nur Ernst und Entschiedenheit zeigen, wenn die heilige Sache es erforderte, er verstand auch die Herzen zu gewinnen in Liebe und Güte. Keiner ging unerquickt über die Schwelle seines Hauses, es ging ein eigener Zauber von seiner Person aus, dem sich nicht einer zu entziehen vermöchte. Die Großherzogin von Baden, die in Randegg weilt, hält vor dem Rabbinerhause und es entwickelt sich ein langes, eingehendes Gespräch mit dem greisen Toragelehrten, dessen abgeklärtes Denken tiefen Eindruck auf sie macht. Nach geraumer Zeit noch schickt sie durch einen adeligen Herrn Grüße an den Randegger Rabbiner, sie könne diesen Mann, dessen Gesicht von Weisheit und Güte strahlt, nicht vergessen. Ja, diese Güte, gegen jedermann! Das heilige Pessach-Fest ist gekommen. Zu den Ohren von Eljakim Picard dringt das Gerücht, es befinde sich im Gefängnis zu Radolfzell ein armer jüdischer Wanderer, der die dargereichte Nahrung nicht nehmen will. Es sei heiliges Pessachfest, er müsse Osterbrot (sc. Mazzot) haben. Wie ist unser Eljakim Picard gerührt über diese jüdische Gottestreue! Obwohl schwere gesundheitliche Beschwerden ihn entschuldigt hätten - er hat auch sie sein ganzes Leben hindurch als 'Leiden der Liebe' gewertet - eilt er ohne Besinnen zur höchsten maßgebenden Instanz, er setzt ihr die heilige jüdische Pflicht des Mazzos-Genusses in seiner lieben Art auseinander und sofort wird dem entsprochen. Für das nötige Quantum Mazzos hatte er bereits Sorge getragen.  
Die posthumen Werke von Rabbiner Picard behandeln fast durchweg halachische Gebiete, sie harren leider noch heute der Hand, die sie sichtet und zur Drucklegung vorbereitet. Zwischen hinein in die halachischen Abhandlungen leuchtet, wie ein Aufblitzen nach strenger Denkarbeit, eine homiletische Perle. Eine davon sei wahllos zur Erinnerung an seine heilige Seele hier wiedergegeben.    
Die Schriftverse: 'Nahe ist der Herr allen, die ihn anrufen, die ihn anrufen in Wahrheit. Den Willen derer, die ihn fürchten, erfüllt er und ihr Flehen hört
Randegg Israelit 16021928b.jpg (172082 Byte)er und hilft ihnen', scheinen eine unverständliche Wiederholung zu enthalten. Aber ist das Gotteswort nicht abgewogen und hat nicht jeder Buchstabe seine erhabene Bedeutung?  
Der Allgütige vernimmt jeden Ruf aus gequälter Menschenbrust, er muss nur in Wahrheit ertönen. Felsenfest muss die Überzeugung sein, dass Gott alles vermag, auch in schwerster Situation. Einem solchen Sterblichen gegenüber gilt des Psalmisten Wort: 'Nahe ist dir der Allgütige', weil du mit wahrhaften Empfindungen dich an ihn gewandt hast. Aber es gibt einen Grad von Ehrfurcht und göttlichem Vertrauen, der auch beim Versagen der Wünsche stark und unerschütterlich bleibt. Dies kommt in folgenden Worten des Psalmisten zum Ausdruck: 'Den Willen derer, die stark sind im Vertrauen auf die Gerechtigkeit und Güte der Göttlichen Waltung wird er erfüllen, zu dauerndem Heile.' Was will der wahrhaft Fromme, wenn er betet für materielles Wohlergeben, für sorgenfreie Existenz im Leben? Ihn leitet der Gedanke, dass ihm dadurch ermöglicht werde, dem Weltenschöpfer immer lauterer und reiner zu dienen und seinen heiligen Willen ohne quälende Parnoso-Sorge (= Sorge um den Lebensunterhalt) vollziehen zu können. Ein Blick in Welt und Leben aber bestätigt uns das Wort des weisen Predigers: 'Es gibt einen Reichtum, der dem Besitzer zum Unglück gereicht'. Ist es abzustreiten, dass ein ganzes Heer von solchen, die mit irdischen Glücksgütern gesegnet sind, Gottes Wort und seine heiligen Gebote in der Fülle des Glücks missachten? Darum ruft der heilige Sänger denen, die materiellen Segen in reiner Absicht erflehen, begütigend zu: Den Willen seiner Verehrer betrachtet der Allgütige als vollzogene Tat - er wird es tun (Futur), er schaut in dein reines Herz: Du möchtest, mit irdischem Besitz gesegnet, noch eifriger und feuriger deinem Schöpfer dienen. O, der Allgütige, kennt dein reines Wollen, kennt jede Falte deines Herzens, aber gerade seine Allgüte ist es, die dir zu deinem Heile dasjenige entzieht, was dich abdrängen kann vom Wege des Lebens! Ist es aber ein Flehen (im Sinne von Psalm 72,12), von Not und Elend befreit zu werden, der Allherr wird es vernehmen und dir schnelle Hilfe angedeihen lassen.  
Eljahim Picard gehörte nciht zu denen, die vom Allherrn materielle Reichtümer erflehen. Ihm genügte, die großen Geistesschätze unserer göttlichen Lehre in anstrengendem Fleiße erringen und davon andern mit aufopfernder Hingabe spenden zu können. Wenn diese Zeilen durch die Erinnerung an sein lebendiges Wort und hochragendes Beispiel den Entschluss in uns wecken, gleich ihm unentwegt für die jüdischen Ideale einzutreten, dann wird sein S'chus (Verdienst) ein Segen werden für unsere Lebensbahn.   F."      

  
Rabbiner Dr. Moses Hoffmann kommt als Rabbiner nach Randegg (1903)    

Randegg FrfIsrFambl 28081903.jpg (43106 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. August 1903: "Randegg (Baden), 17. August (1903). Herr Moses Hoffmann, Sohn des Herrn Seminar-Direktors Dr. D. Hoffmann in Berlin ist als Rabbiner an unsere Gemeinde berufen worden. Die Wahl erregt ungeteilte Befriedigung, und wir schätzen uns glücklich, einer so bewährten Kraft die religiösen Interessen unterer Gemeinde anvertrauen zu wissen. Herr Hoffmann hat seine Ausbildung an dem Rabbiner-Seminar zu Berlin erhalten."    
 
Randegg Israelit 03091903.jpg (24890 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. September 1903: "Frankfurt am Main. Der zum Rabbinat in Randegg gewählte cand. M. Hoffmann aus Berlin hat während des letzten Jahres als Lehrer an der hiesigen Religionsschule (unter Leitung des Herrn Rabbiner Dr. Horovitz) fungiert."  

 
Rabbiner Dr. Moses Hoffmann wird Landrabbiner in Emden (1912)  

Randegg FrfIsrFambl 03051912.jpg (20347 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 3. Mai 1912: "Emden, 30. April (1912). Rabbiner Dr. Moses Hoffmann - Randegg, Sohn des Rektors Dr. Hoffmann - Berlin, ist mit 17 gegen 10 Stimmen zum Landrabbiner gewählt worden."    

   
Rabbiner Dr. Jacobowitz wird Rabbiner in Randegg (1913)  

Randegg AZJ 07111913.jpg (24817 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. November 1913: "Die Rabbinerstelle in Randegg, die seit der Übersiedlung des Herrn Dr. Hoffmann nach Emden längere Zeit verwaist war, wird nunmehr von Herrn Dr. Jakobowitz vom Berliner Seminar, aus Ungarn gebürtig, wieder besetzt werden."      

  
Rabbiner Dr. Jakobowitz verlässt Randegg und wird Rabbiner in Königsberg (Ostpreußen, 1917)   

Randegg AZJ 26011917.jpg (44555 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. Januar 1917: "Zum Rabbiner der orthodoxen Israelitischen Religionsgesellschaft Adaß Jisroel in Königsberg in Preußen ist Rabbiner Dr. Jakobowitz in Randegg (Baden) gewählt worden. Er hat an die Wahl die Bedingung geknüpft, dass sich die Religionsgesellschaft mit der Synagogengemeinde in allen Verwaltungsangelegenheiten vereine. Dies soll geschehen."     

  
Rabbiner Donath wechselt nach Lübeck (1924)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Mai 1924: "Randegg, 6. Mai (1924). Mit dem heutigen Tage verlässt unser Rabbiner Donath seine hiesige Stelle, um in seinem neuen Wirkungskreis in Lübeck seine Tätigkeit aufzunehmen. Der Abschied von hier bezeugte das segensreiche Wirken des Scheidenden, das ganz im Sinne unterer heiligen Tora aufgebaut war. Ob die Rabbinatsstelle infolge der allgemeinen Verhältnisse wieder besetzt werden kann, ist noch fraglich und es wäre sehr zu bedauern, wenn die alte Stätte, auf der seit Jahren Torawissen gelernt (besser: gelehrt) wurde, verwaist bliebe."     

  
     
     
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und Kultusbeamten   

Ausschreibungen der Stelle des Lehrers / Vorbeters / Schochet 1875/76 / 1904 / 1923 / 1925 

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Dezember 1875: "Die Hauptlehrerstelle 
2. Klasse an der diesseitigen israelitischen Volksschule wird auf den 1. Januar 1876 vakant; es werden hiermit befähigte Lehrkräfte zur Bewerbung aufgefordert mit dem Bemerken, dass zum Schächter- und Kantordienst vereigenschaftete Bewerber bevorzugt werden und dass bei entsprechenden Leistungen die Israeliten Gemeinde außer der schönen und geräumigen Dienstwohnung jetzt schon inklusive Schulgeld einen jährlichen Gehalt von über 1.250 Mark zusichern kann. Überdies stehen durch Privatstunden und durch einstige Übernahme des Schächter- und Kantordienstes weitere Verdiente in Aussicht. Anmeldungen sind sofort zu richten an den Synagogenrat Randegg (Baden).   
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. April 1876: "Hauptlehrerstelle.  
An der israelitischen Volksschule Randegg ist die Hauptlehrerstelle mit dem Einkommen 2. Klasse (jährlich 840 Mark, Schulgeld 180 Mark) zu besetzen. Bewerber, die einen Chor zu letzen im Stande sind, ferner zum Kantor- und Schächterdienste - welch' letztere vorerst in Aussicht stehen seinerzeit das Einkommen angemkessen erhöhen - qualifiziert wind, erhalten auf Übereinkommen eine jährliche Zulage von 400 Mark.   
Im Ganzen also bei geräumiger, schöner Dienstwohnung jetzt schon per Jahr über 1.400 Mark. Überdies zur ist Erteilung von Privatstunden Gelegenheit geboten.   
Meldungen unter Beischluss der betreffenden Zeugnisse sind sofort zu richten an den Synagogenrat Randegg (in Baden)."   
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. September 1904: "Die vakant gewordene Stelle eines 
Religionslehrers, Vorsängers und Schächters 
soll wieder besetzt werden. Fixer Gehalt Mark 700: für Erteilung des Religionsunterrichtes in der Filiale Villingen Mark 200; Nebenverdienste einschließlich Schächtgebühren etwa Mark 450, freie Wohnung und Heizung. Streng religiöser Bewerber muss seminaristisch und musikalisch gebildet sein. Die Besetzung soll am 15. Oktober 1904 erfolgen. 
Randegg (Baden), 7. September. 
Der Synagogenrat: Dr. Rothschild, Vorsteher
."   
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. November 1904: "Die vakant gewordene Stelle eines 
Religionslehrers, Vorsängers und Schächters 
soll wieder besetzt werden. Fixer Gehalt Mark 700: für Erteilung des Religionsunterrichtes in der Filiale Villingen Mark 200; Nebenverdienste einschließlich Schächtgebühren etwa Mark 450, freie Wohnung und Heizung. Streng religiöser Bewerber muss seminaristisch und musikalisch gebildet sein. Die Besetzung soll am 15. Oktober 1904 erfolgen. 
Randegg (Baden), 7. November. 
Der Synagogenrat: Dr. Rothschild, Vorsteher
." 
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Juni 1923: "Randegg bei Konstanz. Die hiesige Kant0or- Religionslehrer- und Schächterstelle ist per 1. September dieses Jahres eventuell schon früher, neu zu besetzen. Einkommen nach dem Besoldungstarif des badischen Oberrats, nebst freier Wohnung (möbliert). Streng religiöse Bewerber, seminaristisch gebildet und musikalisch, wollen sich melden an den Synagogenrat Ranegg.) 
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Juli 1925: "Lehrer-Gesuch. 
Die Gemeinde Randegg (Baden) sucht einen streng religiösen, seminaristisch gebildeten 
Religionslehrer, Vorbeter und Schochet. Das Gehalt regelt sich nach der Besoldungsordnung des Badischen Oberrats VII. Schöne große Dienstwohnung vorhanden. Bewerber wollen ihre Offerte mit Zeugnisabschriften und ausführliche Darstellung des Lebenslaufs richten an Synagogenrat Synagogenrat Randegg. Hermann S. Weil." 

 
Lehrer Jakob Lewin kommt als Lehrer nach Randegg (1905)
  

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 8. Dezember 1905: "Karlsruhe: "Das neueste Verordnungsblatt des Großherzoglichen Oberrates der Israeliten meldet folgende Veränderungen in der Besetzung der Religionsschullehrerstellen: Jakob Lewin seither in Lorsch nach Randegg, Sally Rosenfelder in Eubigheim nach Buchen, Nathan Adler von Külsheim nach Eubigheim, Kantor Simon Metzger von Sulzburg nach Bretten, Samuel Strauß von Berlichingen nach Sulzburg, Jakob Schloß von Talheim nach Malsch bei Ettlingen. Auf Ansuchen wurden von ihren Stellen enthoben: Kantor Weiß in Gailingen und Religionslehrer Jakob Lorch in Untergrombach, letzterer behufs Übernahme der Verwalterstelle der M.A. d. Rothschild'schen Lungenheilstätte in Nordrach."   

    
70. Geburtstag des Kultusbeamten Jakob Biedermann (1934)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. August 1934: "Randegg (Bezirk Konstanz), 30. Juli (1934). Herr Kultusbeamter Jakob Biedermann begeht Schabbat Paraschat Schofetim (Schabbat mit der Toralesung Schofetim, d.i. 5. Mose 16,18 - 21,9, d.h. am Schabbat, 18. August 1934) seinen 70. Geburtstag in voller geistiger und körperlicher Frische. Herr Biedermann wirkt seit 30 Jahren als Kultusbeamter in unserer Mitte und hat sich reiche Sympathien in der ganzen Gemeinde erworben. Möge Herrn Biedermann ein froher, glücklicher Lebensabend beschieden sein. (Alles Gute) bis 100 Jahre."      
Anmerkung: Nach Angaben bei S. Moos Geschicht S. 137 ist Jakob Biedermann am 13. Juni 1937 gestorben. 

   
Die Hohen Feiertage im Herbst 1934 - die Lehrerstelle konnte wieder besetzt werden (1934)  

Randegg Israelit 21091934.jpg (119515 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. September 1934: "Randegg, 10. September (1934). In althergebrachter Weise gingen die hohen Tage bei uns vorüber, am zweiten Tag Roschhaschonoh wurde der Gottesdienst durch Rabbiner Dr. Bohrer verschönt, der uns eine meisterliche Predigt über unser Verhältnis zu Gott und die Bedeutung des Schofar hielt.  
Mit dem Wegzug des Herrn Lehrer Weil nach London, sollte die hiesige Lehrerstelle aufgehoben werden und nur durch die Anstrengungen des Synagogenrats, die Opfer der Gemeindemitglieder, aber auch das großzügige Entgegenkommen des Badischen Oberrats, konnte verhütet werden, dass eine alte, streng orthodoxe Gemeinde nicht mehr bestehen sollte. Die Opfer sind nicht umsonst gebracht worden, neues Leben pulsiert in der alten Gemeinde. Herr Lehrer Daube, am Lehrerseminar zu Würzburg ausgebildet, versteht es, die Jugend an sich zu ziehen, mit den älteren Gemeindemitgliedern einen guten Kontakt zu unterhalten und strenge Gottesfurcht mit weltlichen Lebensgewohnheiten zu vereinen. Auch sonst zeigt sich in der Gemeinde noch jüdisches Leben nach alter überlieferter Art. Alle Haushaltungen werden koscher geführt. Frau Guggenheim hat zum Andenken an ihren allzu früh verstorbenen Mann, Sal. Guggenheim, einen Ofen für die Synagoge gespendet. Eine Koscherpension wurde auf allgemeines Verlangen von Frl. Thekla Rothschild unter Aufsicht unseres Rabbiners Dr. Bohrer eröffnet. Es ist die einzige unter Aufsicht stehende Pension in der ganzen Bodenseegegend. So ist das so schön gelegene Randegg, rings umgeben von den Schweizer Alpen, wo noch volle Harmonie unter der Bevölkerung herrscht, eine der wenigen Gemeinden, in welcher die heilige Überlieferung streng gehalten wird."    

   
Lehrer Siegfried Daube übersiedelt nach Palästina - sein Nachfolger wird Lehrer Erich Kahn aus Ihringen (1935)  
Anmerkung: es handelt sich um den Religionslehrer Siegfried Daube (geb. 1914 in Königsbach, 1935 nach Erze Jsrael emigriert): war von 1934 bis 1935 Lehrer in Randegg. 

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Juli 1935: "Randegg, 4. Juli 1935. Herr Lehrer Daube, welcher seit einem Jahre die hiesige Chasanstelle (Vorbeterstelle) vertritt, hat sich am letzten Sabbat von seiner Gemeinde verabschiedet. Herr Rabbiner Dr. Bohrer sprach dem verdienten Lehrer den Dank der Gemeinde aus. Herr Lehrer Daube übersiedelt, seinem Herzenswunsche folgend, nach Palästina. Durch das Entgegenkommen des Oberrates wird Herr Lehrer Kahn (statt: Cahn) in Ihringen als Nachfolger des Herrn Daube berufen."   

    
Über Lehrer Erich Kahn (1903 - deportiert 1941)

Erich Kahn ist am 12. Juli 1903 in Esslingen geboren als Sohn des damaligen Seminarlehrers Dr. Moses Kahn (von  1910 bis 1939 Rabbiner in Bad Mergentheim) und der Klara geb. Marx. Erich Kahn hat sich in Frankfurt am Main zum Lehrer ausbilden lassen. Er heiratete am 31. August 1930 Else geb. Jeselsohn aus Neckarbischofsheim. 1932 (oder bereits kurz davor) bis 1935 war Erich Kahn Lehrer in Ihringen, danach von August 1935 an in Randegg. Von Randegg aus zog das Ehepaar im September 1939 nach Stuttgart. Die am 3. Mai 1933 konnte im März 1939 nach Palästina verbracht werden. Erich Kahn und seine Frau Else geb. Jeselsohn wurden am 1. Dezember 1941 nach Riga deportiert. Beide sind wie die meisten der mit diesem Deportationszug Verschleppten bald nach der Ankunft in Riga umgekommen beziehungsweise wurden ermordet.   
Quelle: Joachim Hahn: Jüdisches Leben in Esslingen. 1994 S. 278. 

    
       

Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben  
Einführung der Religionsweihe (Konfirmation) durch Rabbiner Schott (1841)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom   

  
Die jüdische Hebamme darf auch in christlichen Familien tätig sein (1841)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom   

   
Antrag von Rabbiner Schott auf Weglassung des Kol Nidre am Jom Kippur (!) (1845) 

Randegg AZJ 21041845.jpg (116068 Byte) Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom  

  
Verschiedene Meldungen aus dem Gemeindeleben (1854)  

Randegg AZJ 21081854.jpg (160714 Byte) Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom  

  
Die jüdischen Einwohner aus Randegg fliehen vor Pogromen in die Schweiz (1848)  

Randegg AZJ 03041848.jpg (19291 Byte) Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom     

   
Gründung eines Krankenvereins und allgemeine Eindrücke aus dem Gemeindeleben (1860)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Oktober 1860: "Randegg, im badischen Seekreise. Die hiesige israelitische Gemeinde bietet in religiöser Beziehung ein höchst erfreuliches Bild: die verschiedenen wohltätigen Vereine wetteifern, unsere Synagoge zu schmücken und zu den seit längerer Zeit bestehenden gesellen sich stets neue. So wurde am verflossenen Beschlussfeste in Folge einer ergreifenden Predigt unseres hochverehrten Herrn Rabbiners, E. Picard, ein Krankenverein für verschämte Arme gegründet, zu dem gleich nach dem Feste 700 Fr. zusammengeschossen wurden. In der Synagoge herrscht wahrhafte Andacht, gepaart mit Anstand und Ordnung; die Jugend wird im Geist der Gotteslehre erzogen und viele brave Jünglinge befleißigen sich des Talmudstudiums. "Der Israelit" (sc. die orthodoxe jüdische Zeitung) hat die "Allgemeine Zeitung des Judentums" (sc. die liberale Zeitung)  vollständig verdrängt, und auch die orthodoxe Bibelanstalt findet den lebhaftesten Anklang. Gebe Gott, dass ich Ihnen stets Berichte erfreulichen Inhalts mitzuteilen im Stande sein werde".   

  
Über die in der Gemeinde vorhandenen Stiftungen (1867)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom   

  
Bericht über weitere Gemeindeverhältnisse in der jüdischen Gemeinde Randegg (1867)    

Randegg Israelit 04121867.jpg (84994 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom   
Randegg Israelit 04121867a.jpg (48542 Byte)

  
100-Jahr-Feier des Talmud-Tora-Vereins (1891)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom   

  
Trauergottesdienst für Rabbiner Dr. Hildesheimer (1899)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom   

  
Öffentliche Chanukkafeier der Gemeinde (1903)  

Randegg FrfIsrFambl 31121903.jpg (171171 Byte) Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 

  
Festessen für kriegsentlassene Soldaten (1919)  

Randegg FrfIsrFambl 24011919.jpg (73886 Byte) Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 

 
Werbung für Zuzug jüdischer Familien nach Randegg (1933)  

Randegg Israelit 03081933.jpg (136757 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom   

  
Vortrag über die Arbeit des Oberrates (1935)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom   

  
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Zum Tod des aus Randegg stammenden Rabbiners in Triest Maier Randegger (1853)  

Randegg AZJ 27061853.jpg (255418 Byte) Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom  
Randegg AZJ 27061853b.jpg (314137 Byte)
Randegg AZJ 27061853c.jpg (146855 Byte)

  
Bitte von Frau B. Weil-Schott (Mailand - Florenz), in Randegg beigesetzt zu werden (1870)  
Anmerkung: nach S. Moos Geschichte S. 47 (Informationen von Julie Weil - Zürich) hatte Rabbiner Leopold Schott eine Tochter namens Babette / Bule, die sich mit Moses Weil verheiratet hat. Danach nannte sich das Ehepaar mit Familiennamen Weil-Schott. Das Ehepaar hatte drei Söhne, die den Namen Weil-Schott weiterführten: Philipp, Simon und Albert. Bei dem im Abschnitt genannten Bankhaus handelt es sich nach den von Julie Weil gegebenen Informationen vermutlich um die vom Sohn Simon gegründete Banca d'Italia in Mailand. 

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. November 1870: "Randegg. Frau B. Weil-Schott, Mutter des Chefs des bekannten Bankhauses dieses Namens zu Mailand und Florenz, zu Randegg in Baden bürgerlich, woselbst ihre Vorfahren gewohnt, hatte vor ihrem Tode ihrem Sohne, bei dem sie gewohnt, die Bitte hinterlassen, sie in Randegg bei ihren Vätern begraben zu lassen. Die Bitte wurde von deren Sohn erfüllt, trotzdem die Überbringung der Leiche aus Italien nach Deutschland durch den Krieg mit großen Schwierigkeiten verbunden war.  
Dieser Tage kam Herr Weil-Schott aus Florenz zum Besuche dahier an und übergab bei dieser Gelegenheit dem Gemeinderate eine Summe von 4.000 Gulden zu einer 'Weil-Schott's-Eltern-Stiftung', zu dem Zwecke, aus den Zinsen einen Arzt mit dem Wohnsitze in Randegg zu erwerben."      

  
Zum Tod von Babette Neumann (1879)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom   

  
Zum Tod von Abraham Rothschild (1887)   

Randegg Israelit 02061887.jpg (177179 Byte) Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 

   
Zum Tod von Moritz Abraham Guggenheim (1894)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom   

  
Zum Tod von Joseph Bloch (1905)  

Randegg FrfIsrFambl 03031905.jpg (83072 Byte) Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom   

  
Gemeindevorsteher Arzt Dr. Moses Rothschild zieht nach Konstanz (1905) 

Randegg FrfIsrFambl 14041905.jpg (180881 Byte) Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 

  
Zum Tod von Schreinermeister Moses Schwab (1908)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom   

  
Goldene Hochzeit von S. Bloch und Frau (1911) 

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom   

  
Silberne Medaille zur Goldenen Hochzeit des S. Bloch'schen Ehepaares (1911)  

Randegg FrfIsrFambl 03111911.jpg (17120 Byte) Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 

 
Goldene Hochzeit von Elias Wolf und Frau (1924)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom   

   
Zum Tod von Leopold Bloch (1927)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom   

  
Zum Tod des Antiquars William Bloch (1928) 

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom   

 
Zum Tod von Salomon Guggenheim (1933)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom   
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 
 


Zum Tod von Lina Rothschild (1934) 
  

Randegg Israelit 01111934.jpg (69808 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. November 1934: "Randegg, 24. Oktober (1934). Am 14. Marcheschwan (= 23. Oktober) wurde hier Frau Lina Rothschild - seligen Andenkens - unter großer Beteiligung der Bevölkerung zu Grabe getragen. Eine große Lücke wurde in unsere Gemeinde gerissen, denn durch ihre große Menschenliebe genoss die Verstorbene bei all ihren Mitmenschen eine tiefe Verehrung. Von überall her eilten ihre Bekannten herbei, um ihr die letzte Ehre zu erweisen. Denn die vorwurfslose Ergebung in ihr Geschick und die fast übermenschliche Geduld, mit der sie jahrelang ein schweres Leiden ertrug, flößte jedem eine große Achtung ein. Dies fand auch Ausdruck in den Worten des Herrn Rabbiner Dr. Bohrer, der, tief ergriffen, sie als eine echte jüdische Frau schilderte, die in ihre Kinder die gleiche Frömmigkeit pflanzte. Darauf würdige Herr Lehrer Daube die Verschiedene als die jüdische Mutter, die eigenes unerschütterliches Gottvertrauen ihrer ganzen Umgebung aufprägte und jeden mit ihrem stillen Glanz erfüllte. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."    

  
Zum Tod des Arztes Dr. Moses Rothschild (Randegg - Konstanz, Beisetzung in Konstanz; 1934)
   

Randegg Israelit 01111934b.jpg (222464 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. November 1934: "Dr. Moses Rothschild - seligen Andenkens - Randegg - Konstanz - Gailingen, 30. Oktober (1934).    
Man schreibt uns: 
Noch sehen wir ihn vor uns, wie er, die weiße Schirmmütze auf dem Kopfe, den silberbeschlagenen Spazierstock in der Hand, in seiner charakteristischen Haltung auf Deck der 'Carnaro' seinen morgendlichen Rundgang machte. Überall von freudigen Zurufen empfangen, nach allen Seiten freundliche Worte austauschend, stets gut gelaunt, immer zu Scherzen aufgelegt, geliebt und verehrt von der ganzen Schiffsbesatzung, vom Kapitän abwärts bis zum vorwitzigen Chaluz. Der kleine Doktor wurde er allgemein genannt und es lag viel Zärtlichkeit in dieser Bezeichnung. Schachnowitz hat ihm übrigens in seinem immer lesenwerten Büchlein 'Zwischen Ruinen und Aufbau' ein kleines Denkmal gesetzt. Die äußeren Daten dieses reicherfüllten Lebens, der Ablauf sind ein getreues Spiegelbild, das Leben eines deutschen Juden, einer nun hinter uns liegenden Epoche, die wohl für lange ihren Abschluss gefunden. 
Geboren in der altehrwürdigen Gemeinde Randegg, in der schon einer seiner Vorfahren Mitte des 18. Jahrhunderts zu hohen weltlichen Ehren gekommen, studierte er in Würzburg Medizin und ward dort ein sorgloser Student einer paritätischen Verbindung. War jahrelang allbeliebter Landarzt in Randegg, der mit seinem kleinen Einspänner die Umgebung kilometerweise betreute. Als sein einziger Sohn aufs Gymnasium kommen sollte, ließ er sich als Arzt in Konstanz nieder, um sich der höheren Schule wegen nicht von seinem Kinde trennen zu müssen. Hatte bald auch dort eine große, alle Schichten und alle Konfessionen umfassende Praxis. Es kam der große Krieg. Sein Sohn, inzwischen junger Student geworden, gleichfalls Verbindungsstudent, meldete sich gleich zu Beginn als Freiwilliger und fiel in den berühmt gewordenen Kämpfen in Flandern. Diesem heißgeliebten Sohne siechte die Mutter nach und nun war es sein tiefes religiöses Empfinden und das Ausgefülltsein mit seinem zur Priesterschaft entwickelten Arzttum, das den Einsamgewordenen aufrecht erhielt. Sein 70. Geburtstag brachte ihm Ehrungen von allen Seiten, der badische Oberrat verlieh dem verdienten Bezirksältesten die Plakette, der Ärzteverein ernannte ihn zum Ehrenmitglied. Zwei Jahre später aber kam das ganz große Ereignis in seinem Leben. Er, der mit allen Fasern seines Herzens an seinem deutschen Vaterlande hing, er trug doch immer eine zehrende, brennende Sehnsucht in sich nach Zion, nach Jeruscholajim. Und er wagte die große Reise über die Meere hinweg und kam zurück, ergriffen von den heiligen Stätten, ergriffen aber auch vom Werke des Aufbaues.   
Was dann kam, wir haben es ja alle erlebt. Ihn traf es besonders schwer. Kaum, dass er es überwinden konnte.   Ungewöhnlich groß war die Beteiligung, da er auf dem Friedhof seiner Wahlheimat beigesetzt wurde. Schluchzende Patienten, Schwestern, Kollegen, die große Zahl seiner Verwandten und Freunde, eine Abordnung aus seiner Gemeinde Randegg mit dem Bürgermeister an der Spitze, die ihren alten Landdoktor nicht vergessen konnten. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens. S.H."  

    
Zum Tod von Berthold Rothschild (1935)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom   

 
Vorsteher Marko Bloch verlässt mit seiner Familie die Gemeinde (1935)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom   

 
Zum Tod von Jacob Picard, Sohn von Rabbiner Picard (1937)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. April 1937: "Freiburg (Breisgau), 23. August (1937). Ein imposanter Trauerzug geleitete Jacob Picard zur letzten Ruhestätte. Als Sohn des unvergesslichen Rabbiners Picard und seiner edlen Gattin in Randegg (Baden) hat er alle großen Errungenschaften des Lebens als köstlichstes Erbgut erworben: Wahre Frömmigkeit, die auch Leiden tapfer und klaglos erträgt und in der Ausübung der erhabenen Mizwaus jene Freude bekundet, die Spiegel und Abglanz einer lauteren Seele ist. Jede freie Stunde gehörte der Tora und dem Streben, sie in die Herzen junger Menschen zu verpflanzen. So ist er im Zelte der Tora hinübergeschlummert in die Sphären, wo ihre Geheimnisse den Lieblingen enthüllt werden. Überflüssig zu sagen, dass Jacob Picard ein Menschenfreund war, dem aus den Tiefen des Gemüts das Bedürfnis entquoll, überall zu helfen und zu erfreuen und betrübte Herzen durch einen sieghaften Humor zu erquicken. Dem Altersheim in Gailingen hat er in jahrelanger Tätigkeit Kraft und Zeit gewidmet, sein Fleiß und seine Liebe galten dieser schönen, segensreich wirkenden Anstalt. Wenn er an den Jomim Nauroim mit seiner lieben Stimme die Beter zu weihevoller Andacht emportrug, dann merkte man, dass er neben Thora und Gemilus Chesed (Wohltätigkeit) auch das Wesen der Awoda (Gottesdienst) in seiner tiefen Bedeutung erfasste. Aus einem harmonischen Familienleben heraus, wo Gattin und Kinder ihn mit einer beispiellosen Hingebung betreuten, ist Jacob Picard in der Gnadenzeit des Elul von uns gegangen, möge er ihnen und uns Fürsprecher sein."       

  

Hinweise auf weitere jüdische Persönlichkeiten aus Randegg:  

Salomon Moos (1831 Randegg -  1895): Prof. der Medizin in Heidelberg, erster Direktor der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten.  
Elias Elkan Ries (1862 Randegg – 1928), Erfinder. Wanderte mit seinen Eltern bereits 1865 nach Amerika aus, wo er in Baltimore und New ausgewachsen ist. Studierte Physik in New York, das zu seiner Heimat wurde. Ries war einer der bedeutendsten Erfinder auf dem Gebiet der Elektrotechnik, insbesondere des elektrischen Signal- und Beleuchtungswesens, hatte über 200 Patente inne.   
Stella Rothschild geb. Schott (1840 Randegg - 1936 Frankfurt), Publizistin, Schriftstellerin: "Gedichte und Gedanken" erschienen 1920 in Frankfurt in zwei Bänden.

   

 
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Werbung für Randegg und den koscheren Gasthof / Hotel "Zur Krone" (1876 / 1890)  

Randegg Israelit 03051876.jpg (50905 Byte) Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Mai 1876:   
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Mai 1890: 
  
Randegg Israelit 18121890.jpg (56136 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Dezember 1890: "Gesucht 
zum sofortigen Eintritt in ein gangbares, jüdisches Hotel ein junges israelitisches Mädchen aus achtbarer, guter Familie als Mithilfe. Demselben wäre Gelegenheit zum Erlernen perfekten Kochens und Vervollkommnung in allen anderen häuslichen Arbeiten geboten. Freundliche und familiäre Behandlung wird zugesichert. Offerten mit Photographie und Angabe der Anspruche an Frau Wolf, 'zur Krone' in Randegg (Baden), erbeten."    

  
Stelle-Gesuch eines Mädchens aus Randegg (1890)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 

 
Verkauf einer Bäckerei (1891)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 

 
Anzeige von Bernhard Rothschild (1900)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 

 
Anzeige der Frau von Max Rothschild (1903)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 

  
Hochzeitsanzeige von Siegbert Frohwein und Erna geb. Guggenheim (1931)

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 

  
Verlobungsanzeige von Willy Guggenheim und Armand Weill (1934)
   

Randegg Israelit 01111934c.jpg (21533 Byte) Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. November 1934: 
"Willy Guggenheim - Armand Weill. Verlobte.   
Randegg (Baden) - Baden-Zürich.  Oktober 1934".    

    
Verlobungsanzeige von Frieda Grossmann und Herbert Weil (1938)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom   

 


       
    
  

 

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Stand: 02. Januar 2010