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in Randegg
Randegg (Gemeinde
Gottmadingen, Kreis Konstanz)
Texte/Berichte zur jüdischen Geschichte des Ortes
Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit
Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Randegg wurden in jüdischen Periodika
gefunden.
Bei Gelegenheit werden weitere Texte eingestellt.
Es sind noch nicht alle Texte abgeschrieben - bei
Interesse bitte jeweils die Textabbildung anklicken
Übersicht:
Aus der Geschichte des
Rabbinates in Randegg
Rabbiner Schott nimmt an der Rabbinerversammlung in Braunschweig
teil (1844)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 12. August 1844: "Randegg (Großherzogtum Baden), 22. Juli
(1844). Herr Rabbiner Schott von Randegg, der schon so viel Gutes bei uns
wirkte und der bekannt ist durch seine tiefe Kenntnis, war bei der
Versammlung deutscher Rabbiner in Braunschweig. Aug die Kunde seiner
Heimkehr beeiferte sich jedermann in der Israeliten-Gemeinde hier, ihn
festlich zu empfangen. Die Herrn Synagogen-Vorsteher, sowie viele
Familieväter und sämtliche erwachsene junge Leute männlichen
Geschlechts begrüßten ihn zum Empfange in Stockach, wohin er mit dem
Eilwagen kam. Seine Ankunft erfreut Alle aufs Innigste; jeder glaubte
seinen lang abwesenden Vater zu begrüßen. In Gottmadingen wurde er von
Herrn Oberlehrer Moos mit sämtlicher, hiesiger israelitischen Schuljugend
ebenso aufs Freudigste und Herzlichste empfangen. Diese
Empfangsfeierlichkeit wurden geschlossen durch ein Abendessen in der Krone
hier, wobei die größte Herzlichkeit und Verehrung für unseren
geistlichen Vorstand sich kund gab.
Der Herr Rabbiner Schott brachte dabei folgenden Toast aus: 'Nach dem
Toaste, welchen soeben unser Herr Vorsteher mir ausgebracht hat, kann ich
nicht länger verschweigen, was jetzt mein Herz erfüllt. Nach einer
vierwöchentlichen Abwesenheit in Ihre Mitte zurückgekehrt, wäre mir
schon das Wiedersehen all der so lange verlassenen teuren Personen ein
unbeschreiblich hoher Seelengenuss gewesen; wie viel höher und
freudenvoller wurde mir aber derselbe durch die überaus freundlichen Teilnahme
und den höchst ehrenvollen Empfang, womit Sie, meine verehrten Freunde!
mich heute so liebevoll überrascht haben. Denn in diesem schönen
Entgegenkommen darf ja sogar nicht nur die Gesinnung derer, welche hier
anwesend sind, sondern auch die unserer ganzen werten Gemeinde
ausgedrückt finden, da sich in Ihrer Mitte unser geehrter Herr Vorsteher
und noch ein weiteres verehrliches Mitglied des Synagogenrates befinden.
Dieses alles, meine teuren Freunde! überzeugt mich aber recht lebhaft,
dass ich nicht nur diesen heutigen schönen, mir gewiss ewig
unvergesslichen Tag, Ihrer Freundschaft verdanke, sondern auch alle die
noch weit höheren und edleren Empfindungen, welche durch |
den
Zweck der von mir soeben zurückgelegten Reise mir zuteil geworden sind.
Ich war auf der Rabbinerversammlung in Braunschweig, wo dasjenige, was uns
allen das Heiligste ist - die uralte Religion unserer Väter, in
mehrfacher Beziehung Gegenstand von Beratungen und Diskussionen war, und
mir wurde der alle Opfer einer solchen Reise weit überwiegende Genuss
zuteil, inmitten einer auserwählten schar von Amtsbrüder und vor einer
intelligenten Zuhörerschaft dasjenige frei auszusprechen, was meinem
Herzen Heiligkeit und meiner Seele Begeisterung gibt, dasjenige
auszusprechen, was ich für des Menschen Heil und für seines Schöpfers
Verehrung als das Richtige anerkannt habe; und der Beifall und die
Anerkennung von mancher achtbaren Seite wurde mir deshalb zuteil. Aber,
meine Freunde! wer weiß nicht, wie diese Rabbinerversammlung schon von
vorneherein mannigfach verdächtigt wurde? wer weiß nicht, dass es daher
gewissermaßen gefährlich schien, sich derselben anzuschließen? und
hätte ich dieses wagen können, wenn ich nicht in den freundschaftlichen
Gesinnungen und in dem unschätzbaren Zutrauen meiner hiesigen verehrten
Gemeinde einen festen Stützpunkt erkannt hätte? O gewiss, noch mancher
Amtsbruder würde sich gerne zur Rabbinerversammlung begeben haben, aber
er fürchtete das Misstrauen und die falsche Beurteilung, denen der
strebsame Mensch höchst selten entgeht. Und darum, Heil mir, dass ich
mich, verehrte Freunde! Ihres unerschütterlichen Zutrauens schon im
Voraus versichert halten konnte; Heil mir aber auch darum, dass ich mir
bewusst bin, Ihr Zutrauen auch bei der Rabbinerversammlung nicht
getäuscht zu haben; ich habe Fortschritte, die von der Humanität und der
Sittlichkeit erheischt werden, im Sinne unserer heiligen Religion
gefördert, ich habe aber Eilschritt, die mir nicht heilsam schienen,
soviel an mir lag, bekämpft; ich sage endlich: Heil mir! dass Sie, meine
Freunde! Ihre Freundschaft und Ihr Zutrauen mir auch heute so stark
beweisen, wodurch ich mich ermutigt fühle, dasjenige zu verwirklichen,
was ich für ratsam erkannt habe, und in der von mir bisher eingehaltenen
Richtung weiter zu schreiten. Und darum lassen Sie uns jetzt den
freundschaftlichen Gesinnungen und dem heilsamen Zutrauen, welche uns
bisher wechselseitig durchdrungen und vereinigt haben, ein feierlich
freudevolles Lebehoch ausbringen; sie mögen fortbestehen ohne Hemmung und
Störung, sie mögen fortwirken zu Heil und Segen, sie sollen hoch leben,
dreimal hoch!'" |
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Abbildung
von Rabbiner Leopold Schott (Quelle: Website
mit der Bildsammlung von Henry Rothschild) mit dem Text: "Die
Lehre der Wahrheit war in seinem Munde. Und Unrecht war nicht gefunden auf
seinen Lippen". |
Rabbiner
Picard erfährt viel Anerkennung anlässlich
einer Hochzeit in Randegg (1867)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
3. April 1867: "Eichstetten (Baden). Wir hatten in hiesiger Gemeinde
jüngst Gelegenheit, einen Mann kennen zu lernen, der in seinem
bescheidenen, stillen, aber desto segensreicheren Wirken dem Lichte der
Öffentlichkeit bisher verborgen geblieben, wenn auch Näherstehende schon
längst in demselben den wahren, ungeheuchelten Charater, den gelehrten
und gewissenhaften Führer und Lehrer seiner Gemeinde verehrten. Es ist
dies der Herr Rabbiner Picard aus Randegg. Derselbe ist vermählt
mit einer Enkelin des auch in weiteren Kreisen bekannt gewesenen, und etwa
vor 24 Jahren verstorbenen Rabbiners Sekel Löw Epstein - er ruhe in
Frieden - von hier, welcher eine Reihe von Jahren hier das Amt eines Gemeindevorstehers
und Gesetzeslehrers (sc. hatte rabbinische Kompetenzen) zu gleicher
Zeit versag, der durch seine Frömmigkeit und Gelehrsamkeit der hiesigen
Gemeinde sowohl, als der ganzen Umgegend zur Zierde gereichte, dessen Name
heute noch nur mit der größten Ehrerbietung und Hochachtung genannt wird
und dessen Tugenden in seinen Söhnen und deren Familien hier, als
unermüdlichen - die Tora stark Machenden - sich forterben.
Zu der nun vor einigen Tagen stattgefundenen Vermählung eines Enkels und
einer Enkelin des genannten Rabbiners Sekel Löw Epstein - er ruhe in
Frieden - war Herr Rabbiner Piccard aus Randegg, der Schwager des
Bräutigams, als Vollzieher der Eheschließung hierher berufen. In
der von ihm an die Brautleute gehaltenen Ansprache legte derselbe Beweise
einer seltenen Gelehrsamkeit in so hohem Grade ab, dass wir nicht umhin
können, ihm in diesem viel gelesenen Blatte unseren Dank auszusprechen.
Herr Rabbiner Piccard sprach in seiner Rede von der Wichtigkeit und
Heiligkeit der jüdischen Ehe, von der Unsitte unserer, auf allen Gebieten
des Fortschrittes und der Humanität sich rühmenden Zeit, bei Schließung
auch des heiligsten Bundes, der Ehe nämlich, immer zuerst das
beiderseitige Vermögen der Brautleute als Zahlen sprechen zu lassen;
ferner von der hohen Stellung des jüdischen Weibes, wie solche in unserer
heiligen Literatur begründet ist - und dies Alles in so erschöpfender
Darstellung, so so meisterhafter Diktion und mit so herrlichem Vortrage
und unter scharfsinnigster Verwendet hierauf bezüglicher Midraschstellen,
dass alle Zuhörer, worunter sich auch viele anderer Konfessionen
befanden, von diesem Vortrage sich befriedigt und erbaut fühlten und
sagen mussten: Das waren echte, jüdische, kernhafte Worte, die von Herzen
kamen und zu Herzen drangen.
Bei dem darauf folgenden Festmahle erhöhte Herr Rabbiner Piccard die
festliche Stimmung durch eine geistvoll gehaltene Ansprache an die
Tischgenossen mit vielen eingestreuten herrlichen Worten der Tora und
zeigte sich sowohl da, als in den Privatzirkeln, in denen wir später noch
die Ehre hatten, ihn zu sehen und zu sprechen, als der gründlich
gebildete, und doch so bescheidene jüdische Gelehrte mit dem frommen,
milden Sinne, von dem wir sagen können: Heil der Gemeinde, die sich eines
solchen Führers zu erfreuen hat. -
Möge es Herrn Rabbiner Piccard noch viele Jahre gegönnt sein, in seinem
heiligen Berufe zu leben und zu wirken." |
Protest
gegen eine geplante Gehaltskürzung für Rabbiner Picard (1890)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Januar 1890:
"Randegg (Baden), 5. Januar (1890). Einem großen Teile der Leser des
'Israelit' ist es gewiss bekannt, dass seit 33 Jahren Herr Rabbiner Picard
in unserer Gemeinde segensreich wirkt, durch dessen wahre Gottesfurcht die
Gemeinde als eine echtjüdische erhalten blieb. Es ist daher kaum zu
begreifen, dass der löbliche Synagogenrat beschlossen hat, den Gehalt des
Rabbiners per Jahre um Mark 150 zu kürzen. Würde dies aus
Sparsamkeitsrücksichten geschehen, so könnte man noch eher davon reden;
es sind jedoch aber ganz andere Ursache, denn unsere Gemeinde ist Gott sei
Dank recht gut im Stande, für einen Geistlichen einen standesgemäßen
Gehalt zu bezahlen. Es ist dies wahrlich eine betrübende Tatsache;
während alle Angestellten Teuerungszulagen erhalten, werden einem Manne,
welcher so hoch geachtet bei allen Konfessionen dasteht, sowohl durch
seinen frommen Lebenswandel, als auch durch seine hochherzige
Wohltätigkeit, durch Abzüge von seinem bescheidenen Gehalt, derartige
Verdrießlichkeiten bereitet. Es handelt sich bei Veröffentlichung dieses
nicht um die Mark 150, sondern es ist unsere Absicht, die Zustände zu
beleuchten, welche mitunter in einer Gemeinde herrschen; diese
Handlungsweise, welche ganz dem jüdischen Geiste und den jüdischen
Anschauungen widerspricht, wird jedenfalls nur vereinzelt in Gemeinden
vorkommen. Hoffentlich wird sich die größere Anzahl der
Gemeindemitglieder zusammenfinden und vereint kein Mittel unversucht
lassen, um ein solche Vorkommnis abzuwenden und dadurch den Frieden in
unserer bis dahin so einträchtigen Gemeinde zu erhalten. |
70.
Geburtstag von Rabbiner Picard (1892)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8.
Februar 1892: "Randegg (Baden). Ein Markstein in der Geschichte
der hiesigen israelitischen Gemeinde bildete der 70. Geburtstag unseres
allverehrten Herrn Rabbiners E. Ricard - sein Licht leuchte -, der
am Heiligen Schabbat Paraschat Waera (Schabbat mit der Toralesung Waera,
d.i. 2. Mose 6,2 - 9,35, das war Schabbat, 30. Januar 1892) gefeiert
wurde. Die innige Herzlichkeit, die von wärmster Hochachtung getragene
Feststimmung, die Groß und Klein erfüllten, zeugten von der Liebe und
Ehrfurcht der Gemeindeangehörigen ihrem Seelsorger gegenüber und
stempelten diese Feier zu einem wahren Familienfeste. So thront inmitten
seiner Kinder nur der glückliche Vater in herzensfreudiger Innigkeit, in
seliger Zufriedenheit, so jauchzt nur die treue Kinderbrust in heller
Freude und schlägt in Liebe von ganzem Herzen. Noch ist das Wort von der Ehre
der Tora kein leerer Schall in unserer Gemeinde, und Dank dem Bemühen
unseres geehrten Herrn Rabbiners - sein Licht leuchte - pulsiert hier noch
alte, echte, kerngesunde Jüdischkeit, blühen hier noch Tora und Gottesdienst
in frischer Kraft. So hat auch die hiesige Gemeinde ein Anrecht, genannt
zu werden unter den besten, so hat mir ihr vor Allem auch unser geliebter
Herr Rabbiner - sein Licht leuchte -, der, ein Bild einfachster
Bescheidenheit, tiefster Frömmigkeit und Gelehrsamkeit, seit vielen,
vielen Jahren als ein Bollwerk des alten, unvergänglichen Gottesglaubens
unentwegt hier wirkt und pflanzet, ein Anrecht, geehrt und genannt zu
werden bis 100 Jahre.
Über die Feier selbst noch einige Worte. Im engeren Familienkreise wurde
Freitag nacht eine kleine dramatische Szene aufgeführt, die den Jubilar -
sein Licht leuchte - als Meister der Tora, als Vater der Armen und
als Beistand der Kranken feierte. Der Schabbat-Vormittag brachte die
Gratulanten aus der Gemeinde, den Vorsteher an der Spitze des
Synagogenrates, die Schuljugend mit dem Herrn Lehrer, deren Sprecher ein
kostbares Bouquet überreichte und ein Gedicht vortrug. Auch waren |
von
Auswärts und aus Randegg selbst wertvolle Geschenke und Gratulationen
auch von unseren christlichen Mitbürgern in zahlreichster Menge
eingetroffen. Die Hauptfestlichkeit spielte sich Abends im Gasthaus zur
Krone ab bei allgemeiner Beteiligung. Nachdem der Jubilar und seine
Familienangehörigen unter Musikbegleitung von unserm Herrn Vorsteher und
den Herren Synagogenräten in den Festsaal geleitet und dort mit einem
prächtigen Boruch Habo begrüßt worden, überreichte der erstere
unter anerkennenden Worten die Festgabe der Gemeinde, einen prachtvollen,
silbernen Pokal. Ein nicht minder wertvolles Festgeschenk ließ auch der Talmud-Tora-Verein
durch seine beiden Vorstände überreichen. Unter Zugrundlegung des Verses
aus dem Wochenabschnitt 2. Mose 8,19: 'Und ich werde einen Unterschied
machen... schilderte nun unser Herr Lehrer in überzeugender,
farbenreicher Sprache die Tugenden und Erfolge des Jubilars in der
Gemeinde, in der keiner den Schabbat nicht einhalten würde, in der
jeder freudig Tora und Wohltätigkeit übe. Jetzt erhob sich der
Jubilar und in lautloser Andacht lauschten alle, als er begann 'Den
Kelch des Heils erhebe ich...' (Psalm 116,19) und betonte, dass er die
Huldigung annehme als eine Huldigung für die Sache, die er stets
vertreten habe, als eine Verherrlichung der Thauro (=Tora), der er sein
Leben geweiht. Der kurze Raum gestattet uns nicht, auch nur im Auszuge
eine Skizze zu geben von dieser tief empfundenen, begeisternden Rede, die
von Herzen kommend, alle tief ergriff. Die Festlichkeit hatte ihren Glanzpunkt
erreicht und in buntem Wechsel folgten Toast auf Toast, Gesangs- und
humoristische Vorträge.
Bis zum früheren Morgen strahlten die Festleuchter herab auf eine
fröhliche, feiernde Gemeinde, auf glückliche Herzen und treuen
Sinn.
Unserem Jubilar - sein Licht leuchte - rufen wir aber noch zum
Schluss entgegen: Mit Gottes Hilfe bis 120 Jahre." |
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Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 12. Februar 1892: "Herr Rabbiner E. Picard in Randegg
hat am 31. Januar unter allgemeiner Teilnahme seinen 70. Geburtstag
gefeiert." |
Auszeichnung
von Rabbiner Picard mit dem Zähringer Löwenorden durch den Großherzog (1902)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
30. April 1902: "Randegg in Baden, 25. April (1902). Heute
kann ich Ihnen eine frohe Botschaft verkünden, indem Seine Königliche
Hoheit der Großherzog unterem hochverehrten Herrn Rabbiner Picard den
Zähringer Löwenorden erster Klasse verliehen hat. Diese hohe
Auszeichnung erregt überall die lebhafteste Freude und auch gewiss bei
den Lesern Ihrer geschätzten Zeitschrift. Ist doch der Herr Rabbiner sein
Jahren ein treuer Verfechter des orthodoxen Judentums. Die Gemeinde wird
sich nicht nehmen lassen, zu Ehren unseres Seelenhirten eine kleine
Festlichkeit zu veranstalten, um gleichzeitig noch nachträglich den 80.
Geburtstag und die 50-jährige Wirksamkeit desselben am hiesigen Platze zu
feiern. Möge es dem Jubilar mit Gottes Hilfe vergönnt sein, noch eine
Reihe von Jahren diesen Orden in bester Gesundheit zu tragen, sowie seines
Amtes walten zu können." |
Festtag
anlässlich der Auszeichnung von Rabbiner Picard mit dem Zähringer Löwenorden
(1902)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
7. Mai 1902: "Randegg in Baden, 4. Mai (1902). Ein Ehrentag im
wahren Sinne des Wortes war die von der Gemeinde dem Herrn Rabbiner
gegebene Festlichkeit anlässlich seiner Dekorierung. Letzterer wurde nach
dem Minchagebet, vom Synagogenrat in corpore abgeholt und zum Festlokal
geleitet. Hier mit einem weihevollen Boruch habo empfangen, wurde
derselbe vom Vorsteher Herrn Dr. Rothschild begrüßt, dankte derselbe dem
Jubilar für die geleisteten Dienste und dass derselbe durch seine im Amte
aufgehende Tätigkeit die Gemeinde auf eine so sittlich religiös hohe
Stufe brachte.
Der Herr Rabbiner selbst dankte tief ergriffen für das so liebenswürdige
Entgegenkommen, und brachte hierauf einen Toast auf den Großherzog aus
für die ihm erwiesene Ehre.
Als weiterer Redner führte u.a. Herr Max Rothschild aus, dass diese
Ordensverleihung auch für uns eine ehrenhafte Anerkennung bedeute, indem
diese altehrwürdige Gemeinde sich bemühte, den schon mehr als 150 Jahre
bestehenden Rabbinatssitz zu erhalten.
Diese wichtige Ausführung veranlasst mich, von meiner eigentlichen
Berichterstattung abzuschweifen. Wie bekannt, nehmen die Landgemeinden
immer mehr ab und auch Randegg teilt dieses Los; wir haben das Recht,
einen Ortsrabbiner zu halten, sind aber dem Bezirksrabbinat Gailingen
zugeteilt. Tritt für den Fall einer Pensionierung eine Vakanz der Stelle
ein, so gestattet der Großherzogliche Oberrat bei einem entsprechenden
Gehalt die Wiederbesetzung. Die Gemeinde, bestehend aus ca. 50 Familien
und 35 Mitgliedern, ist nicht allein in der Lage, neben den anderen Angestellten
noch einen Rabbiner standesgemäß zu besolden. Hier ist der Punkt, worauf
ich Männer der strengen Orthodoxie aufmerksam machen möchte. Randegg ist
ja in Baden eine der religiösesten Gemeinden, in dieser Beziehung
gleichsam eine Enklave im badischen Oberlande; der fromme Sinn hiesiger
Männer und Frauen wurde durch Errichtung von Stiftungen für den
genannten Zweck betätigt, natürlich lange nicht genügend. Soll dieser
mustergültige Zustand, wie die strenge Beobachtung der jüdischen
Speisegesetze, Samstags-Heiligung, Toralernen usw. ferner erhalten
bleiben, so ist eine geistliche Führung unerlässlich; mögen sich
Freunde finden, welche für diese ideale Angelegenheit Interesse
bekunden.
Zu meinem Festbericht zurückkehrend, wurden, wie üblich, abwechselnd
Reden und einzelne Vorträge gehalten. Angenehm berührt wurde die
Versammlung durch ein Schreiben des Herrn Dr. Ehrmann, Bezirksrabbiner in Baden
(sc. Schweiz), worin derselbe um Mitteilung bittet, wann das Fest
stattfindet, um demselben beiwohnen zu können. Bestimmt wären noch viele
auswärtige Verehrer des Herrn Rabbiners herbeigeeilt, allein eine
Verlegung war in diesem Falle verschiedener Rücksichten wegen nicht
möglich. Gewiss wird dieses Fest ein Markstein in der Geschichte der
Israelitischen Kultusgemeinde Randegg bilden. Möge diese blühen, wachsen
und gedeihen!" |
Zum
Tod von Rabbiner Eljakim Picard (1903)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
26. Februar 1903: "Randegg (Baden), 23. Februar (1903). Ein
schwerer Verlust hat unsere Gemeinde und mit ihr das gesamte orthodoxe
Judentum betroffen, indem unser allverehrter Herr Rabbiner Picard
leider heute Nacht gestorben ist. Die Beerdigung findet Mittwoch statt,
und werde dann nicht ermangeln, über den Verlauf derselben, als auch
über das Leben und Wirken dieses großen Gelehrten einen ausführlichen
Bericht zu erstatten." |
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Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
5. März 1903: "Rabbi Eljakim Picard - er ruhe in Frieden.
Randegg (Baden), 26. Februar (1903). Die kurze Mitteilung vom
Hinscheiden des Herrn Rabbiner Picard - seligen Andenkens - hat
gewiss bei allen, die das Glück hatten, den Verstorbenen persönlich zu
kennen, tiefe Trauer und innigste Teilnahme geweckt. Heute sei es mir nun
gestattet, ein Bild des Wirkens und Schaffens des Entschlafenen zu
entwerfen.
Rabbiner Picard seligen Andenkens, im Jahre 1822 hier geboren, erreichte
ein Alter von über 81 Jahren. Von braven, frommen Eltern erzogen - wusste
man ja in der damaligen guten, alten Zeit nichts anderes, als die Kinder
in der heiligen Tora gründlich unterrichten zu lassen - widmete sich der
hoffnungsvolle Jüngling mit vollem Eifer dem Lernen, und bald stand in
ihm der Entschluss fest, einzig dem Studium der Tora zu leben. Zu diesem
Zwecke begab er sich zunächst nach Müllheim,
zu Rabbiner Schlomo Rothschild - seligen Andenkens -, und später
nach Würzburg, wo er zu Füßen des bekannten Rabbiner Jizchak Dow
Halevi Bamberger - seligen Andenkens - saß, von dessen Geist ein
voller Hauch auf ihn überging, und zu dessen Lieblingsschülern er
zählte. Gleichen Schritt mit dem Reichtum seiner jüdischen Kenntnisse,
die mit seltener, inniger Frömmigkeit gepaart waren, hielt das Studium
der profanen Wissenschaften, dem er auf den Universitäten Würzburg und
Heidelberg oblag. Zu Großem und Hohem solchermaßen berufen, war es seine
angeborene Bescheidenheit, die dem Flug seiner Seele die Richtung gab, und
die kindliche Liebe führte ihn in die Heimat zurück, um der teueren
Mutter nahe zu sein. Rabbiner Picard war eben ein Mann, der es
verschmähte, sein Ich in den Vordergrund zu rücken, und Ehrsucht war
seiner Seele fremd. Es war ein herrlicher Tag, als dieser stürmende, für
seine heilige Sache erglühte Jüngling vor seine Gemeinde trat, um das
Flammenwort der Tora ihr zu künden. Was er gelobt in jener Stunde und an
jener Stätte, hielt er getreu in Kampf und Not, tolerant gegen
Andersdenkende, unerschütterlich aber, wo es galt, das Banner des
Glaubens zu entfalten und hochzuhalten inmitten Gefahr und Gärung, wie
sie Dränger und Reformer auf religiösem Gebiete schufen. Zu reichem
Segen sprosste denn auch die Saat auf. Die jüdische Gemeinde Randegg ward
und blieb durch sein Verdienst ein Bollwerk, eine Grundveste alten,
unverfälschten Glaubens inmitten Neuerungssucht und nivellierendem
Zeitgeist, der auch im badischen Oberland sich breit machte.
Und wie er als Jehudi war, war er auch als Mensch, ein Mensch, wie ihn das
tiefe Hinabsteigen in den Schacht des Torastudiums schaffen musste und
reifen ließ. Er gab der jüdischen Gemeinde Wohlfahrtseinrichtungen - er
den Wohltätigkeitsverein und den Brautausstattungsverein - die
allein schon genügen würden, seinen Namen unauslöschlich zu machen, und
die manche bittere Träne der Not und Armut trocknen halfen. Es würde hier
zu weit führen, den selig Entschlafenen in seinem patriotischen Wirken zu
schildern, wie es sein jüdisches Empfinden zeitigte. Diese seine
Gesinnung fand ihre lobende Anerkennung darin, dass unser geliebter
Großherzog, den Verewigten mit einem hohen Orden auszeichnete.
Die allgemeine Hochachtung und Verehrung, deren sich der Dahingeschiedene
im weitesten Kreise erfreute, fand beredten Ausdruck einmal in der bei dem
Leichenbegängnis stattgehabten allgemeinen Beteiligung aller Konfessionen
des hiesigen Ortes, mit dem katholischen Geistlichen und den
Gemeindebehörden an der Spitze, zum zweiten in dem außerordentlichen
Zuzug von Freunden und Leidtragenden aus der engeren Heimat und aus
weiter Ferne; dabei sei besonders erwähnt, dass aus allen Gemeinden der
Bezirkssynagoge und von der Filialgemeinde Villingen, offizielle Vertreter
zahlreich sind eingefunden hatten.
Die Trauerfeier vollzog sich in der Synagoge, an der Stätte, wo der
Verstorbene so gerne und so oft geweilt hatte. Als erster Redner
schilderte Herr Bezirksrabbiner Dr. Spitz in geistreicher, formvollendeter
Rede den großen Verlust, den die Familie, die Gemeinde und das ganze
Judentum erlitten. 'Was hat er gesagt und was soll ich sagen' rief
er schmerzerfüllt aus. Zum Text seiner Ausführungen wählte er die
Worte, die einst ein Klageredner auf Ravina angewendet hatte (hebräisch
und deutsch): 'Ihr Palmen neiget das Haupt über dem Frommen, der einer
Palme gleichet, machen wir in unserer Klage die Nächte gleich den Tagen
um ihn, der die Nächte den Tagen gleich machte in seiner Wirksamkeit'.
Nach Schluss teilte derselbe mit, dass er vom Großherzoglichen Badischen
Oberrat der Israeliten telegraphisch beauftragt sei, der Familie des
Verewigten herzliche Anteilnahme und dem Entschlafenen für seine
langjährigen, treuen und ersprießlichen Dienste die Anerkennung
auszusprechen. - Als Vorsteher der israelitischen Kultusgemeinde sprach
sodann Herr Dr. med. Rothschild den Dank seiner Gemeinde für die
fünfzigjährige Tätigkeit in warmen Worten aus.
Als dritter Redner gab Herr Lehrer Fröhlich in erschöpfender Rede ein
herrliches und getreues Lebensbild des Entschlafenen und betont, wie er
vornehmes Wesen mit edlem Charakter vereinigt.
Herr Rabbiner Buttenwieser aus Straßburg knüpfte an die laufende Sidra
(= Wochenabschnitt) an: |
(hebräisch
und deutsch:) 'sie sollen mir ein Heiligtum bauen, dass ich in ihrer
Mitte wohne'( 2. Mose 25,8). Er schilderte unter Zitierung einer
Fülle geistreicher Midraschim, wie der Verstorbene selbst ein Heiligtum
war, in dem Gottes Nähe weilte. Er ermahnte aufs Nachdrücklichste, wie
nunmehr, da dieser Zadik von uns hinweggenommen, jeder Einzelne die
fühlbare Lücke durch ein edles, gottesfürchtiges Leben auszufüllen
bestrebt sein müsse...
Es würde zu weit führen, all die erhebenden Worte, die an der Bahre
gesprochen wurden, hier wiederzugeben. Unsere Gemeinde hat aber leider
immerhin das Bewusststein (hebräisch und deutsch): Gefallen ist
unseres Hauptes Krone! Möge doch der Allgütige der schwer geprüften
Familie, die erst vor wenigen Monaten durch das Hinscheiden der
ausgezeichneten Mutter in schmerzliche Trauer versetzt wurde, Trost und
Linderung gewähren. In unserer nunmehr ihres lieben Führers beraubten
Gemeinde möge mit Gottes Hilfe sein Geist, seine Liebe zur Tora und Jirah
(Gottesfurcht) mächtig fortwirken. Dazu möge das Verdienst des
seligen Entschlafenen beitragen. Seine Seele sei eingebunden in den
Bund des Lebens." |
25.
Todestag von Rabbiner Eljakim Picard (1928)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
16. Februar 1928: "Rabbi Eljakim Picard - das Andenken an
den Gerechten ist zum Segen. Zu seinem 25. Todestag am 26. Schewat (=
17. Februar 1928).
Randegg, ein bescheidenes Dorf im Seekreis des badischen Oberlandes,
gehört seit einem Jahrhundert zu den jüdischen Gemeinden, die trotz
kleiner Seelenzahl das Privilegium eines Rabbinats sich gewahrt haben. Die
Nachwirkungen des unseligen Weltkrieges, vor allem die Schrecken der
Inflation, haben es einstweilen leider unmöglich gemacht, den verwaisten
Rabbinatsstuhl wieder zu besetzen, wenn auch anerkannt werden muss, das
das neu errichtete, mit schönem Erfolg tätige Rabbinat in Gailingen auch
in Randegg jüdisches Leben wieder neu erblühen lässt. Die Saat ist
freilich schon seit langem ausgestreut worden, denn noch heute ist die
Persönlichkeit dessen uns gegenwärtig, der vor 25 Jahren zum Leidwesen
aller, die ihn kannten und schätzten, die Augen geschlossen hat; die
Augen, die so hell, lieb und feurig strahlten, wie das Toralicht seiner
großen Seele. Wer des Segens teilhaftig geworden ist, Unterricht und
Beispiel von Rabbi Eljakim Picard zu genießen, der wird nicht im
Handumdrehen seinen Schabbos preisgeben, er sei draußen in der
verführerischen Großstadt oder im weltentrückten Gehöfte, überall
trägt er das Bild dieses Großen in Israel im Herzen und wie Josef in
Erinnerung an den Vater, wird er im Kampf mit der Sünde den Sieg davon
tragen.
In Randegg selbst, dem still-friedlichen Dorf, erblickte Eljakim
Picard das Licht der Welt. Fromme, gute Eltern erkannten frühzeitig sein
hohes Streben, die reine Liebe zur Tora, und als zarten Knaben schon
finden wir ihn bei einem Manne, der ihm die Augen öffnet für die Größe
der göttlichen Lehre. In Müllheim
(Baden), damals noch eine Stätte eifrigen Torastudiums, erteilt Rabbi
Schelomo Rothschild - das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen -
dem für das Gute empfänglichen Knaben den ersten Talmudunterricht. Wie
ist er beglückt, als ihm die Eltern zum Geburtstagsgruß den More
Nebuchim senden. In einer Randbemerkung des Buches würdigt er rührend
die hohe Gabe der Eltern und erfleht für sie den Segen Gottes, weil sie
dem Drängen seines Herzens, Tora lernen zu dürfen, so lieb und
verständnisvoll entgegengekommen. Der Knabe reift in Müllheim
zum jungen Manne heran. Reifer wird sein Wollen und Streben, höher die
Schwungkraft seiner Seele, und der Entschluss, nach Würzburg zu gehen, um
bei dem Gaon Seligmann Bär Bamberger - das Andenken an den Gerechten
ist zum Segen - seinen Wissensdurst zu stillen, wird zur raschen Tat.
Würzburg, die goldene Mainstadt, sie wird ihm zum Symbol im Leben. Nicht
die herrlichen Rebgelände haben ihm angetan, nicht die grünen Matten und
gesegneten Fluren, die das Silberband des Flusses umsäumen, wiewohl auch
er die Natur, als Zeugnis von Gottes majestätischer Herrlichkeit, liebt.
Es ist das Würzburg wo einst ein Abraham Bing gewirkt, jener Abraham Bing
- das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - , von dem der
nichtjüdische Universitätsprofessor Hoffmann zu Würzburg gesagt hat, so
stelle er sich den Propheten Eliahu vor, das Würzburg lag ihm am Herzen,
wo sein großer Lehrer Rabbiner S. B. Bamberger das Feuer in ihm
entfachte, das ihn auf alle Güter des vergänglichen Lebens wunschlos
verzichten und nur in Thauras Emet (Tora-Wahrheit) seine Befriedigung
finden ließ. Aller Entbehrungen spottend, gehören nun Tag und Nacht dem
Lernen. Mit welchem Erfolg dies geschah, attestiert der Würzburger Raw,
er spricht von ihm als einem Lieblingsschüler... Wie sich das
Verhältnis von Seele zu Seele |
zwischen
Meister und Schüler gestaltet, werden wir bald vernehmen. Längst war
Eljakim Picard mit den Rabbinatsdiplom in die Praxis des realen Lebens
gegangen. In vornehmen Familien Karlsruhes
entfaltete er eine erfolgreiche Tätigkeit als Jugendbildner und es wurden
in Würdigung seines reichen Wissens und Könnens und seiner tiefen, unwandelbaren
Frömmigkeit Bande der Freundschaft geknüpft, die bis ans Lebensende
dauern. Die dankbaren Eltern sagen an der reifen Frucht ihrer
gottesfürchtigen Kinder, wie unschätzbar ein Lehrer ist, der es
versteht, die Kinder mit Liebe zum Judentum zu tränken. Eine eigene
Verehrung bringt Elkakim Picard dem Gaon Rabbi Jakob Ettlinger - das
Gedenken an den Gerechten ist zum Segen - entgegen. Dessen
unsterbliche Werke, die ihren Siegeslauf über die gesamte jüdische
Diaspora angetreten haben, studiert er mit heißer Liebe und es ist wahrscheinlich,
dass er diesem genialen Manne und Führer des Judentums auch persönlich
nähergetreten ist. eine reich gesegnete Wirksamkeit beginnt nun für
unseren Eljakim Picard in der Geburts- und Heimatgemeinde Randegg.
Die Übergroße Bescheidenheit, die mit dem weiteren Vordringen im
Goldschachte der Tora noch wächst, lässt ihn Berufungen in größere
Wirkungskreise ausscchlagen. Es gab aber auch in der kleinen Landgemeinde
nicht wenig Arbeit. Der Vorgänger (sc. Rabbiner Schott) hatte nicht davor
zurückgeschreckt, in die Ruhe des Dorfes polternde Reformideen zu tragen.
Der Götze Fortschritt und Zeit hatte sich in Kampfstellung gesetzt zur
Tora und ihren ewigen Forderungen. Von einer vorschriftsgemäßen
Aufrichtung der drei Weltsäulen: Tora, Awaudoh (Gottesdienst) und Gemilus
Chasodim (Wohltätigkeit) keine Rede. Züchtige Verhüllung des Haares?
Die Frauen lachten. Rabbi Eljakim Picard sah unverzüglich zum Rechten,
ruhig, aber fest zeigt er seiner Gemeinde den Weg des Heils, die bald
merkte, dass ihr ein Führer geworden war, dem sie sich anvertrauen
konnte. Als ihr sorgsamer Wächter hält er noch in spätester Nachtstunde
eifrige Zwiesprache mit Rambam, Bes Josef und den andern Fürsten des
Judentums, oder er betet für einen Mitmenschen, der auf schwerem
Schmerzenslager ringt. Wer kann besser beten, inniger bitten vor dem
Gnadenthrone Gottes, als Rabbi Eljakim Picard, er, der die Menschen alle,
auch die, die ihn verkennen, über alles liebt.
Mit den Großen der Zeit steht er in freundschaftlichem Verkehr, am
lebhaftesten mit seinem geliebten Lehrer zu Würzburg, dessen Worte er in
seinen hinterlassenen Schriften heilig hält, wie kostbare
Diamanten.
Es fehlte in der Ära Picard auch an Kämpfen nicht. Bedarf dies
besonderer Erwähnung? Wo gäbe es einen Helden, der sich nicht über
Hindernisse und Prüfungen hinweg einen Weg bahnen müsste. Erst bei einem
Toragelehrten, der auf Schritt und tritt im wogenden Gemeindeleben bei der
Durchführung seiner edlen Grundsätze mit Ame-Hoores-Gesinnungen aller
Art in Kollision gerät! Eines Tages steht die Moderne auch in der
Landgemeinde. Man fühlte das Bedürfnis, den Gottesdienst zu verschönern
und gründet einen Chor. Es erwachen neue, ungewohnte Melodien, die dem
altgeheiligten Chasonus (gemeint: Melodien im Gottesdienst) Abbruch tun
und auf farbigen Effekt eingestellt sind. Unzählige Male wird der heilige
Gottesname wiederholt. Da entzündet sich spontan die Flamme der
Gottesfurcht im Herzen des Führers der Gemeinde und er gebietet während
des Gebetes energisch Einhalt. Keiner wagt es, dem Flammenworte des für
Tora und Jiroh (Gottesfurcht) einstehenden Rabbiners zu trotzen. Wir
erwähnen gerade dieses Beispiel seiner beruflichen Hingabe, weil es heute
durch die Diskussionen über Synagogenchor und Gemeindegesang aktuelles
Interesse beanspruchen darf.
Eljakim Picard konnte aber nicht nur Ernst und Entschiedenheit zeigen,
wenn die heilige Sache es erforderte, er verstand auch die Herzen zu
gewinnen in Liebe und Güte. Keiner ging unerquickt über die Schwelle
seines Hauses, es ging ein eigener Zauber von seiner Person aus, dem sich
nicht einer zu entziehen vermöchte. Die Großherzogin von Baden, die in
Randegg weilt, hält vor dem Rabbinerhause und es entwickelt sich ein
langes, eingehendes Gespräch mit dem greisen Toragelehrten, dessen
abgeklärtes Denken tiefen Eindruck auf sie macht. Nach geraumer Zeit noch
schickt sie durch einen adeligen Herrn Grüße an den Randegger Rabbiner,
sie könne diesen Mann, dessen Gesicht von Weisheit und Güte strahlt,
nicht vergessen. Ja, diese Güte, gegen jedermann! Das heilige
Pessach-Fest ist gekommen. Zu den Ohren von Eljakim Picard dringt das
Gerücht, es befinde sich im Gefängnis zu Radolfzell ein armer jüdischer
Wanderer, der die dargereichte Nahrung nicht nehmen will. Es sei heiliges
Pessachfest, er müsse Osterbrot (sc. Mazzot) haben. Wie ist unser Eljakim
Picard gerührt über diese jüdische Gottestreue! Obwohl schwere
gesundheitliche Beschwerden ihn entschuldigt hätten - er hat auch sie
sein ganzes Leben hindurch als 'Leiden der Liebe' gewertet - eilt
er ohne Besinnen zur höchsten maßgebenden Instanz, er setzt ihr die
heilige jüdische Pflicht des Mazzos-Genusses in seiner lieben Art
auseinander und sofort wird dem entsprochen. Für das nötige Quantum
Mazzos hatte er bereits Sorge getragen.
Die posthumen Werke von Rabbiner Picard behandeln fast durchweg
halachische Gebiete, sie harren leider noch heute der Hand, die sie
sichtet und zur Drucklegung vorbereitet. Zwischen hinein in die
halachischen Abhandlungen leuchtet, wie ein Aufblitzen nach strenger
Denkarbeit, eine homiletische Perle. Eine davon sei wahllos zur Erinnerung
an seine heilige Seele hier wiedergegeben.
Die Schriftverse: 'Nahe ist der Herr allen, die ihn anrufen, die ihn
anrufen in Wahrheit. Den Willen derer, die ihn fürchten, erfüllt er und
ihr Flehen hört |
er
und hilft ihnen', scheinen eine unverständliche Wiederholung zu
enthalten. Aber ist das Gotteswort nicht abgewogen und hat nicht jeder
Buchstabe seine erhabene Bedeutung?
Der Allgütige vernimmt jeden Ruf aus gequälter Menschenbrust, er muss
nur in Wahrheit ertönen. Felsenfest muss die Überzeugung sein, dass Gott
alles vermag, auch in schwerster Situation. Einem solchen Sterblichen
gegenüber gilt des Psalmisten Wort: 'Nahe ist dir der Allgütige', weil
du mit wahrhaften Empfindungen dich an ihn gewandt hast. Aber es gibt
einen Grad von Ehrfurcht und göttlichem Vertrauen, der auch beim Versagen
der Wünsche stark und unerschütterlich bleibt. Dies kommt in folgenden
Worten des Psalmisten zum Ausdruck: 'Den Willen derer, die stark sind im
Vertrauen auf die Gerechtigkeit und Güte der Göttlichen Waltung wird er
erfüllen, zu dauerndem Heile.' Was will der wahrhaft Fromme, wenn er
betet für materielles Wohlergeben, für sorgenfreie Existenz im Leben?
Ihn leitet der Gedanke, dass ihm dadurch ermöglicht werde, dem
Weltenschöpfer immer lauterer und reiner zu dienen und seinen heiligen
Willen ohne quälende Parnoso-Sorge (= Sorge um den
Lebensunterhalt) vollziehen zu können. Ein Blick in Welt und Leben aber
bestätigt uns das Wort des weisen Predigers: 'Es gibt einen Reichtum, der
dem Besitzer zum Unglück gereicht'. Ist es abzustreiten, dass ein ganzes
Heer von solchen, die mit irdischen Glücksgütern gesegnet sind, Gottes
Wort und seine heiligen Gebote in der Fülle des Glücks missachten? Darum
ruft der heilige Sänger denen, die materiellen Segen in reiner Absicht
erflehen, begütigend zu: Den Willen seiner Verehrer betrachtet der
Allgütige als vollzogene Tat - er wird es tun (Futur), er schaut
in dein reines Herz: Du möchtest, mit irdischem Besitz gesegnet, noch
eifriger und feuriger deinem Schöpfer dienen. O, der Allgütige, kennt
dein reines Wollen, kennt jede Falte deines Herzens, aber gerade seine
Allgüte ist es, die dir zu deinem Heile dasjenige entzieht, was dich
abdrängen kann vom Wege des Lebens! Ist es aber ein Flehen (im Sinne von
Psalm 72,12), von Not und Elend befreit zu werden, der Allherr wird es
vernehmen und dir schnelle Hilfe angedeihen lassen.
Eljahim Picard gehörte nciht zu denen, die vom Allherrn materielle
Reichtümer erflehen. Ihm genügte, die großen Geistesschätze unserer
göttlichen Lehre in anstrengendem Fleiße erringen und davon andern mit
aufopfernder Hingabe spenden zu können. Wenn diese Zeilen durch die
Erinnerung an sein lebendiges Wort und hochragendes Beispiel den
Entschluss in uns wecken, gleich ihm unentwegt für die jüdischen Ideale
einzutreten, dann wird sein S'chus (Verdienst) ein Segen werden
für unsere Lebensbahn.
F." |
Rabbiner
Dr. Moses Hoffmann kommt als Rabbiner nach Randegg
(1903)
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom
28. August 1903: "Randegg (Baden), 17. August (1903). Herr
Moses Hoffmann, Sohn des Herrn Seminar-Direktors Dr. D. Hoffmann in Berlin
ist als Rabbiner an unsere Gemeinde berufen worden. Die Wahl erregt
ungeteilte Befriedigung, und wir schätzen uns glücklich, einer so
bewährten Kraft die religiösen Interessen unterer Gemeinde anvertrauen
zu wissen. Herr Hoffmann hat seine Ausbildung an dem Rabbiner-Seminar zu
Berlin erhalten." |
| |
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. September 1903: "Frankfurt
am Main. Der zum Rabbinat in Randegg gewählte cand. M.
Hoffmann aus Berlin hat während des letzten Jahres als Lehrer an der hiesigen
Religionsschule (unter Leitung des Herrn Rabbiner Dr. Horovitz)
fungiert." |
Rabbiner Dr. Moses Hoffmann wird Landrabbiner in Emden
(1912)
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom
3. Mai 1912: "Emden, 30. April (1912). Rabbiner Dr. Moses Hoffmann -
Randegg, Sohn des Rektors Dr. Hoffmann - Berlin, ist mit 17 gegen 10
Stimmen zum Landrabbiner gewählt worden." |
Rabbiner Dr.
Jacobowitz wird Rabbiner in Randegg
(1913)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 7. November 1913: "Die Rabbinerstelle in Randegg, die seit
der Übersiedlung des Herrn Dr. Hoffmann nach Emden längere Zeit verwaist
war, wird nunmehr von Herrn Dr. Jakobowitz vom Berliner Seminar, aus
Ungarn gebürtig, wieder besetzt werden." |
Rabbiner Dr. Jakobowitz verlässt Randegg und wird
Rabbiner in Königsberg (Ostpreußen, 1917)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 26. Januar 1917: "Zum Rabbiner der orthodoxen Israelitischen
Religionsgesellschaft Adaß Jisroel in Königsberg in Preußen ist
Rabbiner Dr. Jakobowitz in Randegg (Baden) gewählt worden. Er hat
an die Wahl die Bedingung geknüpft, dass sich die Religionsgesellschaft
mit der Synagogengemeinde in allen Verwaltungsangelegenheiten vereine.
Dies soll geschehen." |
Rabbiner
Donath wechselt nach Lübeck (1924)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
22. Mai 1924: "Randegg, 6. Mai (1924). Mit dem heutigen Tage
verlässt unser Rabbiner Donath seine hiesige Stelle, um in seinem neuen
Wirkungskreis in Lübeck seine Tätigkeit aufzunehmen. Der Abschied von
hier bezeugte das segensreiche Wirken des Scheidenden, das ganz im Sinne
unterer heiligen Tora aufgebaut war. Ob die Rabbinatsstelle infolge der
allgemeinen Verhältnisse wieder besetzt werden kann, ist noch fraglich
und es wäre sehr zu bedauern, wenn die alte Stätte, auf der seit Jahren
Torawissen gelernt (besser: gelehrt) wurde, verwaist
bliebe." |
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer und Kultusbeamten
Ausschreibungen der Stelle des
Lehrers / Vorbeters / Schochet 1875/76 / 1904 / 1923 / 1925
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
22. Dezember 1875: "Die Hauptlehrerstelle
2. Klasse an der diesseitigen israelitischen Volksschule wird auf den 1.
Januar 1876 vakant; es werden hiermit befähigte Lehrkräfte zur Bewerbung
aufgefordert mit dem Bemerken, dass zum Schächter- und Kantordienst
vereigenschaftete Bewerber bevorzugt werden und dass bei entsprechenden
Leistungen die Israeliten Gemeinde außer der schönen und geräumigen
Dienstwohnung jetzt schon inklusive Schulgeld einen jährlichen Gehalt von
über 1.250 Mark zusichern kann. Überdies stehen durch Privatstunden und
durch einstige Übernahme des Schächter- und Kantordienstes weitere
Verdiente in Aussicht. Anmeldungen sind sofort zu richten an den
Synagogenrat Randegg (Baden). |
| |
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
26. April 1876: "Hauptlehrerstelle.
An der israelitischen Volksschule Randegg ist die Hauptlehrerstelle mit
dem Einkommen 2. Klasse (jährlich 840 Mark, Schulgeld 180 Mark) zu
besetzen. Bewerber, die einen Chor zu letzen im Stande sind, ferner zum
Kantor- und Schächterdienste - welch' letztere vorerst in Aussicht stehen
seinerzeit das Einkommen angemkessen erhöhen - qualifiziert wind,
erhalten auf Übereinkommen eine jährliche Zulage von 400
Mark.
Im Ganzen also bei geräumiger, schöner Dienstwohnung jetzt
schon per Jahr über 1.400 Mark. Überdies zur ist Erteilung von
Privatstunden Gelegenheit geboten.
Meldungen unter Beischluss der betreffenden Zeugnisse sind sofort zu
richten an den Synagogenrat Randegg (in Baden)." |
| |
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
14. September 1904: "Die vakant gewordene Stelle eines
Religionslehrers, Vorsängers und Schächters
soll wieder besetzt werden. Fixer Gehalt Mark 700: für Erteilung des
Religionsunterrichtes in der Filiale Villingen
Mark 200; Nebenverdienste einschließlich Schächtgebühren etwa Mark 450,
freie Wohnung und Heizung. Streng religiöser Bewerber muss seminaristisch
und musikalisch gebildet sein. Die Besetzung soll am 15. Oktober 1904
erfolgen.
Randegg (Baden), 7. September.
Der Synagogenrat: Dr. Rothschild, Vorsteher." |
| |
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
14. November 1904: "Die vakant gewordene Stelle eines
Religionslehrers, Vorsängers und Schächters
soll wieder besetzt werden. Fixer Gehalt Mark 700: für Erteilung des
Religionsunterrichtes in der Filiale Villingen
Mark 200; Nebenverdienste einschließlich Schächtgebühren etwa Mark 450,
freie Wohnung und Heizung. Streng religiöser Bewerber muss seminaristisch
und musikalisch gebildet sein. Die Besetzung soll am 15. Oktober 1904
erfolgen.
Randegg (Baden), 7. November.
Der Synagogenrat: Dr. Rothschild, Vorsteher." |
| |
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
28. Juni 1923: "Randegg bei Konstanz. Die hiesige
Kant0or- Religionslehrer- und Schächterstelle ist per 1. September dieses
Jahres eventuell schon früher, neu zu besetzen. Einkommen nach dem Besoldungstarif
des badischen Oberrats, nebst freier Wohnung (möbliert). Streng
religiöse Bewerber, seminaristisch gebildet und musikalisch, wollen sich
melden an den Synagogenrat Ranegg.) |
| |
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom |
| |
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
9. Juli 1925: "Lehrer-Gesuch.
Die Gemeinde Randegg (Baden) sucht einen streng religiösen,
seminaristisch gebildeten
Religionslehrer, Vorbeter und Schochet. Das Gehalt regelt sich nach
der Besoldungsordnung des Badischen Oberrats VII. Schöne große Dienstwohnung
vorhanden. Bewerber wollen ihre Offerte mit Zeugnisabschriften und
ausführliche Darstellung des Lebenslaufs richten an Synagogenrat Synagogenrat
Randegg. Hermann S. Weil." |
Lehrer Jakob
Lewin kommt als Lehrer nach Randegg (1905)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 8. Dezember
1905: "Karlsruhe: "Das neueste Verordnungsblatt des
Großherzoglichen Oberrates der Israeliten meldet folgende Veränderungen
in der Besetzung der Religionsschullehrerstellen: Jakob Lewin
seither in Lorsch nach Randegg,
Sally Rosenfelder in Eubigheim nach Buchen,
Nathan Adler von Külsheim nach Eubigheim,
Kantor Simon Metzger von Sulzburg nach
Bretten, Samuel Strauß von Berlichingen
nach Sulzburg, Jakob Schloß von Talheim
nach Malsch bei Ettlingen. Auf
Ansuchen wurden von ihren Stellen enthoben: Kantor Weiß in Gailingen
und Religionslehrer Jakob Lorch in Untergrombach,
letzterer behufs Übernahme der Verwalterstelle der M.A. d.
Rothschild'schen Lungenheilstätte in Nordrach." |
70.
Geburtstag des Kultusbeamten Jakob Biedermann (1934)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
9. August 1934: "Randegg (Bezirk Konstanz), 30. Juli (1934).
Herr Kultusbeamter Jakob Biedermann begeht Schabbat Paraschat Schofetim
(Schabbat mit der Toralesung Schofetim, d.i. 5. Mose 16,18 - 21,9,
d.h. am Schabbat, 18. August 1934) seinen 70. Geburtstag in voller
geistiger und körperlicher Frische. Herr Biedermann wirkt seit 30 Jahren
als Kultusbeamter in unserer Mitte und hat sich reiche Sympathien in der
ganzen Gemeinde erworben. Möge Herrn Biedermann ein froher, glücklicher
Lebensabend beschieden sein. (Alles Gute) bis 100 Jahre."
|
| Anmerkung: Nach Angaben bei S. Moos
Geschicht S. 137 ist Jakob Biedermann am 13. Juni 1937 gestorben. |
Die
Hohen Feiertage im Herbst 1934 - die Lehrerstelle konnte wieder besetzt werden
(1934)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. September 1934: "Randegg,
10. September (1934). In althergebrachter Weise gingen die hohen Tage bei
uns vorüber, am zweiten Tag Roschhaschonoh wurde der Gottesdienst durch
Rabbiner Dr. Bohrer verschönt, der uns eine meisterliche Predigt über
unser Verhältnis zu Gott und die Bedeutung des Schofar hielt.
Mit dem Wegzug des Herrn Lehrer Weil nach London, sollte die
hiesige Lehrerstelle aufgehoben werden und nur durch die Anstrengungen des
Synagogenrats, die Opfer der Gemeindemitglieder, aber auch das
großzügige Entgegenkommen des Badischen Oberrats, konnte verhütet
werden, dass eine alte, streng orthodoxe Gemeinde nicht mehr bestehen
sollte. Die Opfer sind nicht umsonst gebracht worden, neues Leben pulsiert
in der alten Gemeinde. Herr Lehrer Daube, am
Lehrerseminar zu Würzburg ausgebildet, versteht es, die Jugend an
sich zu ziehen, mit den älteren Gemeindemitgliedern einen guten Kontakt
zu unterhalten und strenge Gottesfurcht mit weltlichen Lebensgewohnheiten
zu vereinen. Auch sonst zeigt sich in der Gemeinde noch jüdisches Leben
nach alter überlieferter Art. Alle Haushaltungen werden koscher geführt.
Frau Guggenheim hat zum Andenken an ihren allzu früh verstorbenen
Mann, Sal. Guggenheim, einen Ofen für die Synagoge gespendet. Eine
Koscherpension wurde auf allgemeines Verlangen von Frl. Thekla
Rothschild unter Aufsicht unseres Rabbiners Dr. Bohrer eröffnet. Es
ist die einzige unter Aufsicht stehende Pension in der ganzen
Bodenseegegend. So ist das so schön gelegene Randegg, rings umgeben von
den Schweizer Alpen, wo noch volle Harmonie unter der Bevölkerung
herrscht, eine der wenigen Gemeinden, in welcher die heilige
Überlieferung streng gehalten wird." |
Lehrer
Siegfried Daube übersiedelt nach Palästina - sein Nachfolger wird Lehrer Erich Kahn aus
Ihringen (1935)
Anmerkung: es handelt sich um den Religionslehrer Siegfried Daube (geb. 1914 in
Königsbach, 1935 nach Erze Jsrael emigriert): war von 1934 bis 1935 Lehrer in
Randegg.
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11.
Juli 1935: "Randegg, 4. Juli 1935. Herr Lehrer Daube, welcher
seit einem Jahre die hiesige Chasanstelle (Vorbeterstelle) vertritt, hat
sich am letzten Sabbat von seiner Gemeinde verabschiedet. Herr Rabbiner
Dr. Bohrer sprach dem verdienten Lehrer den Dank der Gemeinde aus. Herr
Lehrer Daube übersiedelt, seinem Herzenswunsche folgend, nach Palästina.
Durch das Entgegenkommen des Oberrates wird Herr Lehrer Kahn (statt: Cahn)
in Ihringen als Nachfolger des Herrn
Daube berufen." |
Über Lehrer Erich
Kahn (1903 - deportiert 1941)
| Erich Kahn ist am 12. Juli 1903 in Esslingen
geboren als Sohn des damaligen Seminarlehrers Dr. Moses Kahn (von
1910 bis 1939 Rabbiner in Bad
Mergentheim) und der Klara geb. Marx. Erich Kahn hat sich in Frankfurt
am Main zum Lehrer ausbilden lassen. Er heiratete am 31. August 1930 Else
geb. Jeselsohn aus Neckarbischofsheim.
1932 (oder bereits kurz davor) bis 1935 war Erich Kahn Lehrer in Ihringen,
danach von August 1935 an in Randegg. Von Randegg aus zog
das Ehepaar im September 1939 nach Stuttgart.
Die am 3. Mai 1933 konnte im März 1939 nach Palästina verbracht werden.
Erich Kahn und seine Frau Else geb. Jeselsohn wurden am 1. Dezember 1941
nach Riga deportiert. Beide sind wie die meisten der mit diesem
Deportationszug Verschleppten bald nach der Ankunft in Riga umgekommen
beziehungsweise wurden ermordet. |
| Quelle: Joachim Hahn: Jüdisches
Leben in Esslingen. 1994 S. 278. |
Berichte
aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben
Einführung
der Religionsweihe (Konfirmation) durch Rabbiner Schott (1841)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom |
Die
jüdische Hebamme darf auch in christlichen Familien tätig sein (1841)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom |
Antrag von Rabbiner Schott auf
Weglassung des Kol Nidre am Jom Kippur (!) (1845)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom |
Verschiedene Meldungen aus dem Gemeindeleben
(1854)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom |
Die jüdischen Einwohner aus Randegg fliehen vor
Pogromen in die Schweiz (1848)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom |
Gründung
eines Krankenvereins und allgemeine Eindrücke aus dem Gemeindeleben (1860)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
24. Oktober 1860: "Randegg,
im badischen Seekreise. Die hiesige israelitische Gemeinde bietet in
religiöser Beziehung ein höchst erfreuliches Bild: die verschiedenen
wohltätigen Vereine wetteifern, unsere Synagoge zu schmücken und zu den seit
längerer Zeit bestehenden gesellen sich stets neue. So wurde am verflossenen
Beschlussfeste in Folge einer ergreifenden Predigt unseres hochverehrten Herrn
Rabbiners, E. Picard, ein Krankenverein für verschämte Arme gegründet, zu
dem gleich nach dem Feste 700 Fr. zusammengeschossen wurden. In der Synagoge
herrscht wahrhafte Andacht, gepaart mit Anstand und Ordnung; die Jugend wird im
Geist der Gotteslehre erzogen und viele brave Jünglinge befleißigen sich des Talmudstudiums.
"Der Israelit" (sc. die orthodoxe jüdische Zeitung) hat die
"Allgemeine Zeitung des Judentums" (sc. die liberale Zeitung)
vollständig verdrängt, und auch die orthodoxe Bibelanstalt findet den
lebhaftesten Anklang. Gebe Gott, dass ich Ihnen stets Berichte erfreulichen
Inhalts mitzuteilen im Stande sein werde". |
Über
die in der Gemeinde vorhandenen Stiftungen (1867)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom |
Bericht über
weitere Gemeindeverhältnisse in der jüdischen Gemeinde Randegg
(1867)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom |
 |
100-Jahr-Feier
des Talmud-Tora-Vereins (1891)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom |
Trauergottesdienst
für Rabbiner Dr. Hildesheimer (1899)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom |
Öffentliche Chanukkafeier der Gemeinde (1903)
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom |
Festessen für kriegsentlassene Soldaten (1919)
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom |
Werbung für Zuzug jüdischer Familien nach Randegg
(1933)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom |
Vortrag
über die Arbeit des Oberrates (1935)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom |
Berichte zu
einzelnen Personen aus der Gemeinde
Zum Tod des aus Randegg stammenden Rabbiners in Triest
Maier Randegger (1853)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom |
 |
 |
Bitte
von Frau B. Weil-Schott (Mailand - Florenz), in Randegg beigesetzt zu werden
(1870)
Anmerkung: nach S. Moos Geschichte S. 47 (Informationen von Julie Weil -
Zürich) hatte Rabbiner Leopold Schott eine Tochter namens Babette / Bule, die
sich mit Moses Weil verheiratet hat. Danach nannte sich das Ehepaar mit
Familiennamen Weil-Schott. Das Ehepaar hatte drei Söhne, die den Namen
Weil-Schott weiterführten: Philipp, Simon und Albert. Bei dem im Abschnitt
genannten Bankhaus handelt es sich nach den von Julie Weil gegebenen
Informationen vermutlich um die vom Sohn Simon gegründete Banca d'Italia in
Mailand.
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
9. November 1870: "Randegg. Frau B. Weil-Schott, Mutter des
Chefs des bekannten Bankhauses dieses Namens zu Mailand und Florenz, zu
Randegg in Baden bürgerlich, woselbst ihre Vorfahren gewohnt, hatte vor
ihrem Tode ihrem Sohne, bei dem sie gewohnt, die Bitte hinterlassen, sie
in Randegg bei ihren Vätern begraben zu lassen. Die Bitte wurde von deren
Sohn erfüllt, trotzdem die Überbringung der Leiche aus Italien nach
Deutschland durch den Krieg mit großen Schwierigkeiten verbunden
war.
Dieser Tage kam Herr Weil-Schott aus Florenz zum Besuche dahier an und
übergab bei dieser Gelegenheit dem Gemeinderate eine Summe von 4.000
Gulden zu einer 'Weil-Schott's-Eltern-Stiftung', zu dem Zwecke, aus den
Zinsen einen Arzt mit dem Wohnsitze in Randegg zu
erwerben." |
Zum Tod
von Babette Neumann (1879)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom |
Zum Tod von Abraham Rothschild (1887)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom |
Zum
Tod von Moritz Abraham Guggenheim (1894)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom |
Zum Tod von Joseph Bloch (1905)
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt"
vom |
Gemeindevorsteher Arzt Dr. Moses Rothschild zieht nach
Konstanz (1905)
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom |
Zum
Tod von Schreinermeister Moses Schwab (1908)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom |
Goldene
Hochzeit von S. Bloch und Frau (1911)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom |
Silberne Medaille zur Goldenen Hochzeit des S.
Bloch'schen Ehepaares (1911)
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom |
Goldene Hochzeit von Elias Wolf und Frau (1924)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom |
Zum Tod von Leopold Bloch (1927)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom |
Zum Tod des Antiquars William Bloch (1928)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom |
Zum Tod von Salomon Guggenheim (1933)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom |
| |
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom |
| |
 |
Zum Tod von Lina Rothschild
(1934)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. November 1934: "Randegg,
24. Oktober (1934). Am 14. Marcheschwan (= 23. Oktober) wurde hier Frau
Lina Rothschild - seligen Andenkens - unter großer Beteiligung
der Bevölkerung zu Grabe getragen. Eine große Lücke wurde in unsere
Gemeinde gerissen, denn durch ihre große Menschenliebe genoss die
Verstorbene bei all ihren Mitmenschen eine tiefe Verehrung. Von überall
her eilten ihre Bekannten herbei, um ihr die letzte Ehre zu erweisen. Denn
die vorwurfslose Ergebung in ihr Geschick und die fast übermenschliche
Geduld, mit der sie jahrelang ein schweres Leiden ertrug, flößte jedem
eine große Achtung ein. Dies fand auch Ausdruck in den Worten des Herrn Rabbiner
Dr. Bohrer, der, tief ergriffen, sie als eine echte jüdische Frau
schilderte, die in ihre Kinder die gleiche Frömmigkeit pflanzte. Darauf
würdige Herr Lehrer Daube die Verschiedene als die jüdische
Mutter, die eigenes unerschütterliches Gottvertrauen ihrer ganzen
Umgebung aufprägte und jeden mit ihrem stillen Glanz erfüllte. Ihre
Seele sei eingebunden in den Bund des
Lebens." |
Zum
Tod des Arztes Dr. Moses Rothschild (Randegg - Konstanz, Beisetzung in Konstanz;
1934)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. November 1934: "Dr.
Moses Rothschild - seligen Andenkens - Randegg - Konstanz - Gailingen,
30. Oktober (1934).
Man schreibt uns:
Noch sehen wir ihn vor uns, wie er, die weiße Schirmmütze auf dem Kopfe,
den silberbeschlagenen Spazierstock in der Hand, in seiner
charakteristischen Haltung auf Deck der 'Carnaro' seinen morgendlichen
Rundgang machte. Überall von freudigen Zurufen empfangen, nach allen
Seiten freundliche Worte austauschend, stets gut gelaunt, immer zu
Scherzen aufgelegt, geliebt und verehrt von der ganzen Schiffsbesatzung,
vom Kapitän abwärts bis zum vorwitzigen Chaluz. Der kleine Doktor wurde
er allgemein genannt und es lag viel Zärtlichkeit in dieser Bezeichnung.
Schachnowitz hat ihm übrigens in seinem immer lesenwerten Büchlein
'Zwischen Ruinen und Aufbau' ein kleines Denkmal gesetzt. Die äußeren
Daten dieses reicherfüllten Lebens, der Ablauf sind ein getreues
Spiegelbild, das Leben eines deutschen Juden, einer nun hinter uns
liegenden Epoche, die wohl für lange ihren Abschluss gefunden.
Geboren in der altehrwürdigen Gemeinde Randegg, in der schon einer
seiner Vorfahren Mitte des 18. Jahrhunderts zu hohen weltlichen Ehren
gekommen, studierte er in Würzburg Medizin und ward dort ein sorgloser
Student einer paritätischen Verbindung. War jahrelang allbeliebter
Landarzt in Randegg, der mit seinem kleinen Einspänner die
Umgebung kilometerweise betreute. Als sein einziger Sohn aufs Gymnasium
kommen sollte, ließ er sich als Arzt in Konstanz nieder, um sich der
höheren Schule wegen nicht von seinem Kinde trennen zu müssen. Hatte
bald auch dort eine große, alle Schichten und alle Konfessionen
umfassende Praxis. Es kam der große Krieg. Sein Sohn, inzwischen junger
Student geworden, gleichfalls Verbindungsstudent, meldete sich gleich zu
Beginn als Freiwilliger und fiel in den berühmt gewordenen Kämpfen in Flandern.
Diesem heißgeliebten Sohne siechte die Mutter nach und nun war es sein
tiefes religiöses Empfinden und das Ausgefülltsein mit seinem zur
Priesterschaft entwickelten Arzttum, das den Einsamgewordenen aufrecht
erhielt. Sein 70. Geburtstag brachte ihm Ehrungen von allen Seiten, der
badische Oberrat verlieh dem verdienten Bezirksältesten die Plakette, der
Ärzteverein ernannte ihn zum Ehrenmitglied. Zwei Jahre später aber kam
das ganz große Ereignis in seinem Leben. Er, der mit allen Fasern seines
Herzens an seinem deutschen Vaterlande hing, er trug doch immer eine
zehrende, brennende Sehnsucht in sich nach Zion, nach Jeruscholajim. Und
er wagte die große Reise über die Meere hinweg und kam zurück,
ergriffen von den heiligen Stätten, ergriffen aber auch vom Werke des
Aufbaues.
Was dann kam, wir haben es ja alle erlebt. Ihn traf es besonders schwer.
Kaum, dass er es überwinden konnte. Ungewöhnlich groß war
die Beteiligung, da er auf dem Friedhof seiner Wahlheimat beigesetzt
wurde. Schluchzende Patienten, Schwestern, Kollegen, die große Zahl
seiner Verwandten und Freunde, eine Abordnung aus seiner Gemeinde Randegg
mit dem Bürgermeister an der Spitze, die ihren alten Landdoktor nicht
vergessen konnten. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens.
S.H." |
Zum Tod von Berthold Rothschild (1935)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom |
Vorsteher Marko Bloch verlässt mit seiner Familie die
Gemeinde (1935)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom |
Zum Tod von Jacob Picard, Sohn von Rabbiner Picard
(1937)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 27. April 1937: "Freiburg (Breisgau), 23. August (1937).
Ein imposanter Trauerzug geleitete Jacob Picard zur letzten Ruhestätte.
Als Sohn des unvergesslichen Rabbiners Picard und seiner edlen Gattin in
Randegg (Baden) hat er alle großen Errungenschaften des Lebens als
köstlichstes Erbgut erworben: Wahre Frömmigkeit, die auch Leiden tapfer
und klaglos erträgt und in der Ausübung der erhabenen Mizwaus jene
Freude bekundet, die Spiegel und Abglanz einer lauteren Seele ist. Jede
freie Stunde gehörte der Tora und dem Streben, sie in die Herzen junger
Menschen zu verpflanzen. So ist er im Zelte der Tora hinübergeschlummert
in die Sphären, wo ihre Geheimnisse den Lieblingen enthüllt werden.
Überflüssig zu sagen, dass Jacob Picard ein Menschenfreund war, dem aus
den Tiefen des Gemüts das Bedürfnis entquoll, überall zu helfen und zu
erfreuen und betrübte Herzen durch einen sieghaften Humor zu erquicken.
Dem Altersheim in Gailingen hat er in jahrelanger Tätigkeit Kraft und
Zeit gewidmet, sein Fleiß und seine Liebe galten dieser schönen,
segensreich wirkenden Anstalt. Wenn er an den Jomim Nauroim mit
seiner lieben Stimme die Beter zu weihevoller Andacht emportrug, dann
merkte man, dass er neben Thora und Gemilus Chesed (Wohltätigkeit) auch
das Wesen der Awoda (Gottesdienst) in seiner tiefen Bedeutung erfasste.
Aus einem harmonischen Familienleben heraus, wo Gattin und Kinder ihn mit
einer beispiellosen Hingebung betreuten, ist Jacob Picard in der
Gnadenzeit des Elul von uns gegangen, möge er ihnen und uns Fürsprecher
sein." |
Hinweise auf weitere jüdische Persönlichkeiten aus Randegg:
 | Salomon Moos (1831 Randegg - 1895): Prof. der Medizin in Heidelberg, erster Direktor der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten.
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 | Elias Elkan Ries (1862 Randegg – 1928), Erfinder.
Wanderte mit seinen Eltern bereits 1865 nach Amerika aus, wo er in Baltimore
und New ausgewachsen ist. Studierte Physik in New York, das zu seiner Heimat
wurde. Ries war einer der bedeutendsten Erfinder auf dem Gebiet der Elektrotechnik,
insbesondere des elektrischen Signal- und Beleuchtungswesens, hatte über 200 Patente inne.
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 | Stella Rothschild geb. Schott (1840 Randegg - 1936 Frankfurt), Publizistin,
Schriftstellerin: "Gedichte und Gedanken" erschienen 1920 in Frankfurt in zwei Bänden.
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Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Werbung für Randegg und den koscheren Gasthof
/ Hotel "Zur Krone" (1876 / 1890)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Mai 1876:
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Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Mai
1890:
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Dezember 1890: "Gesucht
zum sofortigen Eintritt in ein gangbares, jüdisches Hotel ein
junges israelitisches Mädchen aus achtbarer, guter Familie als
Mithilfe. Demselben wäre Gelegenheit zum Erlernen perfekten Kochens und
Vervollkommnung in allen anderen häuslichen Arbeiten geboten. Freundliche
und familiäre Behandlung wird zugesichert. Offerten mit Photographie und
Angabe der Anspruche an Frau Wolf, 'zur Krone' in Randegg (Baden),
erbeten." |
Stelle-Gesuch eines Mädchens aus Randegg
(1890)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom |
Verkauf einer Bäckerei (1891)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom |
Anzeige von Bernhard Rothschild (1900)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom |
Anzeige der Frau von Max Rothschild (1903)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom |
Hochzeitsanzeige von Siegbert Frohwein und Erna geb.
Guggenheim (1931)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom |
Verlobungsanzeige
von Willy Guggenheim und Armand Weill (1934)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. November
1934:
"Willy Guggenheim - Armand Weill. Verlobte.
Randegg (Baden) - Baden-Zürich. Oktober
1934". |
Verlobungsanzeige von Frieda Grossmann und Herbert Weil
(1938)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom |
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