Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Großen-Buseck (Gemeinde Buseck, Kreis Gießen)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde    
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einige Presseartikel  
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)       
    
In Großen-Buseck bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/40. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück, als die Ortsherrschaft (Herren von Buseck) mehrere jüdische Familien aufnahmen. Großen-Buseck gehörte damals mit anderen Orten der Umgebung im Busecker Tal auf Grund der hohen Zahl jüdischer Bewohner zu einem auch als "Klein Palästina" bezeichneten Gebiet (1778).
Nach Angaben bei Arnsberg (s. Lit. S. 283) sollen schon um 1400 Juden in Großen-Buseck ansässig gewesen sein.
  

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1828 120 jüdische Einwohner, 1830 102, 1871 83, 1895 74 (4,4 % von insgesamt 1.684 Einwohnern), 1905 66, 1910 49 (2,6 % von 1.843). Die jüdischen Familienvorstände waren Viehhändler, Metzger, Textilhändler. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts eröffneten mehrere von ihnen Geschäfte und Handlungen am Ort (u.a. auch Manufakturwarenhandlungen; am Ort bestand auch eine Mazzenbäckerei, die sich zuletzt im Besitz von Isaak Rosenberg befand). 

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule (Mitte des 19. Jahrhunderts, d.h. mindestens von 1844 bis 1860 eine Israelitische Elementarschule), ein rituelles Bad sowie ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet fungierte (vgl. Ausschreibungen der Stelle unten). Um 1830/40 wird Lehrer Mayer Weil genannt, um 1897 Lehrer A. Eisenheimer (siehe Anzeige unten). Nachdem die Zahl der jüdischen Einwohner zurückging, wurden die Aufgaben (vor allem des Unterrichts) durch auswärtige Lehrer übernommen.   
 
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Sally Jakob. Sein Name steht auf dem Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges im jüdischen Friedhof
 
Um 1924, als noch 48 jüdische Einwohner gezählt wurden (2,4 % von insgesamt 1.993 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Isaak Rosenberg (seit 1919), Bernhard Berlin und Hermann Rothschild. Die schulpflichtigen jüdischen Kinder erhielten ihren Religionsunterricht durch Lehrer Max Goldschmidt aus Nieder-Weisel in der Synagoge am Ort. Auch die Kinder aus umliegenden Orten (u.a. Alten-Buseck) kamen zum Unterricht nach Großen-Buseck. An jüdischen Vereinen bestand vor allem der Wohltätigkeitsverein (1924 unter Leitung von Ferdinand Wallenstein, damals 15 Mitglieder).

1933 lebten noch 34 jüdische Personen in Großen-Buseck (1,6 % von insgesamt 2.117 Einwohnern).
In den folgenden
Jahren sind die meisten der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. 1938 wohnten noch 13 jüdische Personen am Ort. Von den anderen sind drei eines natürlichen Todes gestorben, zwölf waren in die USA emigriert, einer nach den Niederlanden; die übrigen sind innerhalb Deutschlands verzogen. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge durch SA-Leute zerstört. Mehrere jüdische Männer aus Großen-Buseck wurden in das KZ Buchenwald verschleppt, wo einer von ihnen am 4. Dezember 1938 ermordet wurde. 1939 wurden nur noch vier jüdische Einwohner in Großen-Buseck gezählt, darunter Bertha Hahn geb. Berlin, die nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurde sowie die 15jährige Ilse Wallenstein, die nach der Deportation in Sobibor ermordet wurde. 

Von den in Großen-Buseck geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Bernhard Berlin (1871), Berta Bock geb. Wallenstein (1888), Ella Ehrlich geb. Berlin (1891), Johanna Frank geb. Berlin (1889), Bertha Hahn geb. Berlin (1873), Max Jacob (1890), Leopold Katz (1878), Berta Meyer geb. Rosenberg (1879), Samuel Rosenberg (1859), Emmy Rothschild geb. Berlin (1895), Moses Walldorf (1884), Adolf Wallenstein (1890), Alfred Wallenstein (1923), David Wallenstein (1894), David Wallenstein (1899), Emmi Wallenstein geb. Adler (1901), Hermann Wallenstein (1880), Ilse Wallenstein (1927), Klara Wallenstein (1890). 
 
1961 kehrte ein ehemaliger jüdischer Einwohner wieder zurück (Julius Berlin, geb. 1906), um hier noch einige Jahre ein Manufakturwarengeschäft zu betreiben. 
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Lehrers / Vorbeters / Schochet 1872 /1891 / 1900 / 1902

Gross-Buseck Israelit 21021872.jpg (31447 Byte) Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Februar 1872: "Für die israelitische Gemeinde zu Groß-Buseck wird ein Lehrer, der gleichzeitig die Funktionen eines Vorbeters versehen soll, mit einem annehmbaren Gehalt und freier Wohnung gesucht. Bewerber wollen ihre Offerten an den Vorstand der israelitischen Gemeinde zu Groß-Buseck einsenden."   
 
Grossbuseck Israelit 07081872.jpg (38944 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. August 1872: "Die Vorbeter- und Lehrerstelle bei der israelitischen Gemeinde zu Groß-Buseck, Kreis Gießen, soll anderweit besetzt werden. Mit derselben sind 350 Gulden Fixum, sowie Wohnung mit Garten und anderweitige bedeutende Akzidenzien verbunden. Qualifizierte Bewerber wollen sich bei dem Vorsteher Isaac Rosenberg zu Groß-Buseck melden."  
 
Grossenbuseck Israelit 06081891.jpg (30182 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. August 1891: "Wir suchen per 1. September dieses Jahres einen Religionslehrer und Vorbeter. Fixes Gehalt 480 Mark. Nebenverdienst 100 Mark nebst freier Wohnung und Garten. Bewerber wollen sich wenden an den Vorstand zu Großenbuseck."  
 
Grossenbuseck Israelit 22021900.jpg (70166 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Februar 1900: "Die hiesige Kantor-, und Religionslehrerstelle ist am 1. April zu besetzen. Gehalt mit Filialen und Nebeneinkünften ca. 1.250 Mark nebst freier Wohnung und Garten. Schöne Lage, in 10 Minuten ist Gießen mit der Bahn zu erreichen. Verheirateter Lehrer bevorzugt. Reflektanten werden gebeten, sich an den Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Großenbuseck zu wenden."  
  
Grossenbuseck Israelit 10041902.jpg (56433 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. April 1902: "In der hiesigen Gemeinde ist die Stelle eines Lehrers, Vorbeters und Schächters per 16. Juni zu besetzen. Das feste jährliche Gehalt beträgt 600 Mark, bei freier Wohnung im Gemeindehause. Nebeneinkommen ca. 5-600 Mark. Meldungen nebst Zeugnisabschriften sind einzusenden an den Vorstand: S. Wallenstein. Großen-Buseck bei Gießen."  

  
Neujahrsgruß von Lehrer A. Eisenheimer (1897)  

Grossen-Buseck Israelit 20091897.jpg (22869 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. September 1897: 
"Allen Freunden und Bekannten gute Einschreibung und Besiegelung wünscht herzlichst 
Lehrer A. Eisenheimer, 
Großen-Buseck"
.  

  
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde   
  
Verurteilung des Steinmetzen Arnold aus Beuern wegen Verleumdung des Kaufmannes Berlin in Großenbuseck (1902)        

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. November 1902: "Gießen, 4. November (1902). Am 31. vorigen Monats fand vor dem großherzoglichen Schöffengericht die Affäre Berlin - Reuther, derentwegen bekanntlich der antisemitische Abgeordnete Köhler - Langsdorf seinerzeit in der zweiten Hessischen Kammer so markerschütternd in die Kriegstrompete stieß, ein für die Antisemiten in mannigfacher Beziehung klägliches Ende. Wie bekannt, wurde der damalige Redakteur der 'Deutschen Volkswacht', Reuther, zu einem Monat Gefängnis verurteilt, weil er dem Kaufmann Berlin in Großenbuseck in einer auch formell gehässigen Notiz, die sich als schnöde Lüge und pure Verleumdung erwies, unterstellt hatte, Berlin habe in seiner Behausung einen Einbruch fingiert, um die Versicherungssumme abzuheben. Die Berufungsinstanz (Strafkammer) hatte das Urteil bestätigt und im Laufe der Verhandlung auch den Einsender der perfiden Notiz herausgefunden, der nunmehr in der Person des 1856 zu Beuern bei Großen-Buseck geborenen Steinmetzen Arnold auf der Anklagebank Platz nimmt. Die Anklage war nämlich wieder eine öffentliche - was ja bekanntlich der Anlass zu der Köhler-Debatte in der Kammer war - und Kaufmann Berlin hatte sich wie in den Vorverhandlungen gegen Reuther, vertreten durch Rechtsanwalt Katz, der öffentlichen Anklage als Nebenkläger angeschlossen. Der Gerichtshof verurteilte Arnold zu 30 Mark Geldstrafe oder 16 Tagen Gefängnis, außerdem in die Kosten des Verfahrens. Als mildernd kam in Betracht, dass der Angeklagte noch keine Vorstrafen erlitten hat. Aus den halb hervorgestoßenen krausen Redwendungen des Angeklagten, aus den Aussagen des Protokollführers Sartorius und zum Teil auch aus denjenigen des Herrn Hirschel war ersichtlich, dass man es hier in der Person des Steinmetzen Arnold mit einem bedauernswerten, wirren und irregeleiteten Mensch zu tun hat, dem gegenüber eher Mitleid als Schadenfreude am Platze ist."           

  
  
  
Zur Geschichte der Synagoge              
    
Zunächst war vermutlich ein Betsaal oder eine ältere Synagoge vorhanden. Sie wird 1739 in der ehemaligen "Judengasse" (im Hof des heutigen Anwesen Kaiserstraße 13) im Zusammenhang mit einer Beschwerde der fürstlichen Superintendenten und des fürstlichen Konsistoriums über Friedrich Ludwig zu Buseck genannt Münch beim Landgrafen Ludwig VIII. von Hessen-Darmstadt erstmals genannt. In der Beschwerde ist die Rede davon, dass von der Ortsherrschaft nicht nur viele jüdische Familien die Erlaubnis zur Ansiedlung bekommen hätten, sondern diese nun eine "weitere Synagoge" in Beuern einrichten dürften. Daraus lässt sich auf das Vorhandensein der Synagoge in Großen-Buseck schließen. Diese erste - damit vor 1739 vorhandene Synagoge - wurde 1751 renoviert. Dafür nam der Vorstand der Judenschaft im Februar 1751 eine Kredit von 115 fl. auf. Der Kredit war erst 80 Jahre später (1830) abgetragen. 
 
In den 1830er-Jahren war der Zustand des Synagogengebäudes immer schlechter geworden. Auch die im selben Gebäude vorhandene Dienstwohnung des jüdischen Lehrers war in baufälligem Zustand. Der Unterricht musste zeitweise in der Familienstube des Lehrers abgehalten werden. 1843 befürchtete man einen Einsturz des Gebäudes. Mayer Weil verzog zeitweise in eine Mietwohnung an der Oberpforte 5.  1844 erwarb die jüdische Gemeinde ein Wohnhaus mit Fachwerk im Obergeschoss und integrierter Scheune aus dem späten 18. Jahrhundert (nach Altaras erst 1837 errichtet), um dieses zu einem jüdischen Gemeindezentrum mit Synagoge und Schule umzubauen. Am 25. März 1846 konnte die Synagoge eingeweiht werden. 
   
Nach Angaben bei Thea Altaras (1988 S. 81) wurde das Synagogengebäude 40 Jahre nach seiner Einweihung (sc. 1886) renoviert. Baron von Rothschild spendete hierzu 50 Gulden unter der Voraussetzung des Verzichts auf eine Orgel. 
   
Adresse/Standort der Synagoge  Am Anger 10      
   
  
Fotos
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum: 27.3.2008)   

Das Gebäude der 
ehemaligen Synagoge 
Grossen Buseck Synagoge 110.jpg (88665 Byte) Grossen Buseck Synagoge 114.jpg (80601 Byte)
     Blick auf das Gebäude  Eingang 
        
    Grossen Buseck Synagoge 112.jpg (121305 Byte) Grossen Buseck Synagoge 113.jpg (82757 Byte)
    Gedenkstein mit Inschrift "In diesem Gebäude befand sich die Synagoge der ehemaligen
 jüdischen Gemeinde Großen-Buseck 1von 1886 bis zu ihrer Zerstörung am 9. November 1938.
 Zum Andenken an die Synagoge und die Opfer der Gewaltherrschaft. 9. November 1983.
 Gemeinde Buseck."

   
   
Erinnerungsarbeit vor Ort    

September 2008: Presseartikel zur jüdischen Geschichte im Busecker Tal   
Artikel von "mb" im "Gießener Anzeiger" vom 6. September 2008 (Artikel):   "Als das Busecker Tal noch "ein klein Palästina" war. 
Zahlreiche Spuren jüdischen Lebens noch heute sichtbar - Jahrhundertelange Siedlungsgeschichte im Spannungsfeld von Toleranz und Unterdrückung  
BUSECK (mb). Vor mehr als 60 Jahren nahm das jüdische Leben in Buseck ein abruptes Ende. Schuld daran war der nationalsozialistische Terror. Zum Teil verließen die Busecker Juden rechtzeitig ihre Heimat, dabei konnten sie oftmals nur das Nötigste mitnehmen. Im Frühjahr 1942 wurden diejenigen, die noch in der Gemeinde lebten, deportiert und zumeist in Vernichtungslagern umgebracht..."  
 
August 2011: Neue Pläne für das Synagogengebäude    
Artikel von "rüg" in der "Gießener Allgemeinen" vom 12. August 2011 (Artikel): 
"Großen-Buseck: Anger 10 als Mehrgenerationenhaus?
Buseck
(rüg). Eine Ortsbesichtígung am Montag vor der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses soll den Busecker Kommunalpolitikern mehr Informationen über die Weiterführung der Einfachen Stadterneuerung in Bezug auf die Gebäude Anger 1 (Thal’sches Rathaus) und Anger 10 (ehemalige Synagoge) bringen..."     
 
November 2011: Gedenken am Jahrestag des Novemberpogroms 1938  
Artikel im "Gießener Anzeiger" vom 11. November 2011: "*400-jährige Tradition vor 73 Jahren vernichtet'. 
Großen-Buseck. Busecker gedenken der Opfer der Reichspogromnacht. 
(tk) Zahlreiche Busecker Bürger kamen auf Einladung der örtlichen Friedensinitiative und des SPD-Ortsbezirks Großen-Buseck am Mittwochabend zur Gedenkfeier anlässlich der Reichspogromnacht am 9. November 1938 zur ehemaligen Synagoge am Anger 10..."  
Link zum Artikel .     
 
November 2012: Gedenken am Jahrestag des Novemberpogroms 1938   
Artikel in der "Gießener Allgemeinen" vom 10. November 2012: "Kreisbürger gedachten der Opfer der 'Reichspogromnacht'.  
Gießen
(az). Vor der ehemaligen Synagoge am Anger 10 in Großen-Buseck trafen sich am Freitag rund 100 Menschen, um den Opfern der Reichspogromnacht 1938 zu gedenken. Weitere Mahnveranstaltungen fanden in Krofdorf-Gleiberg, Laubach und Lich statt. In Lolllar fand, aus aktuellem Anlass, eine 'Lesung gegen das Vergessen' statt..." 
Link zum Artikel, auch eingestellt als pdf-Datei       
 
November 2013: Die ehemalige Synagoge soll Gedenkort werden   
Artikel im "Gießener Anzeiger" vom 11. November 2013: "Ehemalige Synagoge soll Gedenkort werden
GROSSEN-BUSECK. Initiative will Gebäude auch wissenschaftlich nutzen
(dis). Erinnerungen und Gedanken zur Zukunft präsentierten Schüler der Integrierten Gesamtschule in Zusammenarbeit mit dem SPD-Ortsverein, der Friedensgruppe und der Arbeitsgruppe 'Anger 10' am Vorabend des 75. Jahrestages der Reichspogromnacht. Rund 80 Personen trafen sich an der ehemaligen Synagoge am Anger 10, die am 9. November 1938 vor der vollständigen Zerstörung bewahrt wurde.
'Volksfeststimmung' solle geherrscht haben, als die Busecker Synagoge verwüstet wurde. 'Möbel wurden zertrümmert und zusammen mit Büchern auf den Anger geschleppt und dort verbrannt', wussten die Schüler zu berichten. Offenen Widerstand habe es nicht gegeben.
An die Verfolgung von der politischen Linken zugeordneten Personen erinnerte SPD-Bürgermeisterkandidat Dirk Haas. Er verlas ohne Anspruch auf Vollständigkeit die Namen derjenigen, die aufgrund ihrer politischen Gesinnung Verhöre, Demütigungen, Hausdurchsuchungen, Misshandlungen, Gefängnisstrafen, KZ-Haft oder Tod erlitten und erinnerte an einige ihrer Geschichten... 
Nach dem Zweiten Weltkrieg habe die ehemalige Synagoge in Buseck vielen Menschen Unterkunft geboten. Heute jedoch sei die Zukunft des Gebäudes ungewiss, berichteten die Schüler. Sie sprachen sich dafür aus, das Gebäude als Ort der Erinnerung zu nutzen. Dort solle geforscht werden können im Sinne von Martin Niemöller, der es wagte, Hitler zu widersprechen und Jahre im Konzentrationslager dafür in Kauf nahm. Mit Plakaten und selbst gebastelten Schildern unterstützten Mitschüler die Erinnerungen und forderten: 'Wir müssen Anger 10 erhalten!'
Derartige Pläne verfolgt auch die Arbeitsgruppe 'Anger 10', die ihre Pläne zur Nutzung des Gebäudes beim Busecker Samstag und Sonntag in der ehemaligen Synagoge vorstellen möchte. Das bis vor kurzem bewohnte, nun aber frei gewordene Gebäude soll nach den Vorstellungen der Arbeitsgruppe vor allem zu wissenschaftlichen Zwecken wie der Forschung zu Bevölkerungsbewegungen von und nach Buseck verwendet werden. Nach Ende der Veranstaltung blieben die Besucher zunächst schweigend stehen, bevor einige auch über aktuelle politische Verhältnisse diskutierten." 
Ehemalige Synagoge soll Gedenkort werden (Gießener Anzeiger, 11.11.2013)   
   
Weiterer Artikel in der "Gießener Allgemeinen" vom 4. Dezember 2013: "Was wird aus der ehemaligen Synagoge in Großen-Buseck?..."  
Link zum Artikel    
Weiterer Artikel in der "Gießener Allgemeinen" von 11. Januar 2014: "Wird ehemalige Synagoge Großen-Buseck Gedenkstätte? ..." 
Link zum Artikel    
 
Februar 2014: In Großen-Buseck, Beuern und Alten-Buseck werden "Stolpersteine" verlegt   
Artikel in der "Gießener Allgemeinen" vom 15. Februar 2014: "Elf Stolpersteine in Buseck wider das Vergessen
Buseck (rüg). Sie waren als Nachbarn geschätzt, in Vereinen aktiv, nahmen am gesellschaftlichen Leben im Busecker Tal teil. Sie wurden von den Nazis diskriminiert, deportiert und ermordet. Seit Freitag erinnern elf Stolpersteine in Großen-Buseck, Beuern und Alten-Buseck an die Schicksale von Menschen jüdischen Glaubens..."  
Link zum Artikel  
Anmerkung: es wurden vier Stolpersteine verlegt in der Kaiserstraße 7 (Familie Wallenstein), vier in Beuern im Bornweg 15/17 (für die Angehörigen von zwei Familien Edelmuth) und drei in Alten-Buseck in der Großen-Busecker-Straße 10 (für die Familie von Mayer Löber).  
 
Juni/Juli 2014: Weitere Diskussion um die Zukunft der ehemaligen Synagoge   
Artikel in der "Gießener Allgemeinen" vom 21. Juni 2014: "Wohnhaus und Synagoge: Was folgt am Anger 10 in Buseck
Buseck
(siw). 'Wohnhaus – Synagoge – ?' Insbesondere das Fragezeichen ist es, dass das Haus am Anger 10 in Großen-Buseck derzeit immer stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung rückt. Die Arbeitsgruppe 'Anger 10' hatte für vergangenen Sonntag dazu eingeladen, das Denkmal der Geschichte im Busecker Tal zu besuchen. Die Kunst- und Bauhistorikerin Susanne Gerschlauer konnte bei mehreren Führungen durch die ehemalige Synagoge viel Wissenswertes vermitteln und Fragen beantworten. Jedoch die Frage nach dem Fortbestand und der künftigen Nutzung des geschichtsträchtigen Hauses musste auch sie unbeantwortet lassen..." 
Link zum Artikel       
Artikel in der "Gießener Allgemeinen" vom 25. Juli 2014: "Busecker Synagoge: Denkmal und Begegnungsstätte
Buseck (rüg). Das Haus Anger 10 in Großen-Buseck hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich, die vor allem mit seiner Funktion als früherer jüdischer Synagoge in Verbindung steht. Die Arbeitsgruppe Anger 10 möchte das Gebäude als Gedenk- und Begegnungsstätte erhalten und ausbauen.
Bei einem Ortstermin im Rahmen der Sozialausschusssitzung am Montag unterstrichen die Vertreter der Initiative: Das Haus sollte von der Gemeinde nicht verkauft werden. Ilse Reinholz-Hein erinnerte an die historischen Entwicklungen, die mit dem Anger 10 zusammenhängen (die Gießener Allgemeine Zeitung berichtete darüber ausführlich in ihrer Ausgabe vom 11. Januar 2014). Die erste nachweisbare Großen-Busecker Synagoge stand im Hof des Anwesens Kaiserstraße 13, der sogenannten Judengasse. Das Gebäude war 1988 für den Bau der jetzigen Volksbank abgerissen worden..."  
Link zum Artikel    
 
November 2014: Gedenkveranstaltung zum Novemberpogrom 1938 
Artikel in der "Gießener Allgemeinen" vom 10. November 2014: "Gedenken in Buseck: 'Man muss hellhörig bleiben'..."  
Link zum Artikel   
Artikel im "Gießener Anzeiger" vom 11. November 2014: "Mit erhöhter Wachsamkeit begegnen. 
Pogrom. Gedenken an 9. November 1938 vor ehemaliger Synagoge in Großen-Buseck / Was passiert mit Gebäude?..."  
Link zum Artikel: Mit erhöhter Wachsamkeit begegnen (Gießener Anzeiger, 11.11.2014)  
 
Februar 2015: Freunde für ehemalige Busecker Synagoge gesucht    
Artikel in der "Gießener Allgemeinen" vom 17. Februar 2015: "Freunde für ehemalige Busecker Synagoge gesucht..." 
Link zum Artikel    
 
Februar 2015: Ehemalige Synagoge soll Erinnerungs- und Lernort werden   
Artikel in der "Gießener Allgemeinen" vom 26. Februar 2015: "Ehemalige Synagoge soll Erinnerungs- und Lernort werden
Buseck
(vh). Die Vision ist schon da: Im Jahr 2021 soll die ehemalige Synagoge »Anger 10« in Großen-Buseck eine Erinnerungsstätte mit einem Lern- und Begegnungsort sein. So formulierte es Martha Kuhl-Greif, Sprecherin der Arbeitsgruppe, die sich für den Erhalt des Gebäudes einsetzt..."   
Link zum Artikel    
 
April 2015: Ist vorerst nur ein Substanzerhalt des Gebäudes möglich?    
Artikel in der Gießener Allgemeinen" vom 14. April 2015: "Großen-Busecker Synagoge: Nur Substanzerhalt möglich?
Buseck (rüg). Finanzielle Hoffnungen konnte Barbara Steuernagel (Untere Denkmalbehörde) nicht machen. Doch zumindest hatte sie zusammen mit ihrer Kollegin Dr. Katharina Benak (Landesamt für Denkmalpflege) einige Ratschläge parat, was in Bezug auf die ehemalige Synagoge in Großen-Buseck vordringlich zu tun ist..."
Link zum Artikel      
 
November 2016: Gedenkveranstaltung zum 9. November vor der ehemaligen Synagoge   
Artikel im "Gießener Anzeiger" vom 10. November 2016: "Gedenkveranstaltung zum 9. November vor ehemaliger Synagoge in Großen-Buseck
GROSSEN-BUSECK -
(lsm). "Als der Mensch unter den Trümmern seines bombardierten Hauses hervorgezogen wurde, schüttelte er sich und sagte: Nie wieder. Jedenfalls nicht gleich." Mit diesem Gedicht von Günter Kunert beendeten die Schüler der Klasse 10b der Gesamtschule Busecker Tal am Mittwochabend ihren Beitrag anlässlich der Gedenkveranstaltung zum Tag der Reichspogromnacht vor der ehemaligen Synagoge am Anger 10.
Dort wurde wieder der Opfer dieser Nacht und der gesamten nationalsozialistischen Herrschaft gedacht. Die Schüler zeigten eindrucksvoll, wieviel Hass, Ausgrenzung und Intoleranz auch heute noch in unserer Gesellschaft vorhanden sind. In aufrüttelnden Dialogen führten sie anschaulich vor, wo und in welcher vielschichtigen Art und Weise vor unserer aller Augen tagtäglich gesellschaftliche Gruppen diskriminiert werden. Hierbei fielen unter anderem Sätze wie "Menschen, die einer anderen Religion angehören, sollten diese nicht ausüben können".
Auch die Benachteiligung von Zuwanderern, Frauen, Homosexuellen, Obdachlosen und Menschen mit Behinderung wurde thematisiert und den eigentlich vorhandenen ethischen und rechtlichen Normen und Gesetzen unserer Gesellschaft gegenübergestellt. Hierbei kamen die Schüler zu dem Schluss, dass sie zwar nicht für die Vergangenheit, aber sehr wohl für die Gegenwart und die Zukunft verantwortlich sind.
Von Freundeskreis initiiert. Angeleitet wurden sie von Klassenlehrerin Ella Pitkowski und Lutz Krauß, der das Projekt im Auftrag des Freundeskreises Anger 10 initiierte und leitete. Bürgermeister Dirk Haas, der sich zunächst besorgt über aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen geäußert hatte, kam nach der Präsentation zu dem Schluss, dass er stolz sei, so einen Nachwuchs in der Gemeinde zu haben. Hierbei betonte er auch, dass der größte Feind des Populismus die Bildung sei. Auf dem Weg zum mündigen Bürger dürfe man deswegen kein Kind verlieren oder aufgeben. Schließlich stehe der erste Artikel des Grundgesetzes "Die Würde des Menschen ist unantastbar" mit gutem Grund ganz zu Beginn der Verfassung.
Auch Ortsvorsteher Erich Hof erinnerte an die Geschehnisse vor 78 Jahren, als das Gebäude am Anger 10 zwar nicht in Brand gesetzt, dessen Bewohner aber zusammengetrieben und das Inventar verbrannt wurde. Heute erkenne er erschreckende Parallelen, da die Zahl der rechten Gewaltverbrechen gegen Flüchtlinge sprunghaft angestiegen sei. Aus diesem Grund sei es nach wie vor wichtig, Jahr für Jahr wieder an die Verbrechen des 9. Novembers 1938 zu erinnern."   
Link zum Artikel    
  
Dezember 2016: Im Haushaltsplan der Gemeinde Buseck ist Geld für Sanierungsmaßnahmen an der ehemaligen Synagoge eingestellt   
Artikel im "Gießener Anzeiger" vom 15. Dezember 2016: "Buseck. Geld für Sanierung der Synagoge
BUSECK - (lsm). Mehrere hundert Seiten stark ist er, der Haushaltsplan für 2017, der dem Busecker Haupt- und Finanzausschuss am Dienstagabend zur Beratung vorlag. Anders als früher gab es keine hitzigen Diskussionen. Der Etat wurde einstimmig beschlossen. Änderungsanträge der SPD/CDU-Koalition wurden einhellig gebilligt. So sollen 10 000 Euro für Sanierungsarbeiten an der ehemaligen Synagoge am Anger 10 eingeplant werden..."  
Link zum Artikel      

   
  
 

Links und Literatur

Links:  

Website der Gemeinde Buseck 

Quellen:  

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Großen-Buseck 
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Großen-Buseck ist nur vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,371  Geburts-, Trau- und Sterberegister der Juden von Großen-Buseck  1801 - 1807  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1462958     

 Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 282-284.  
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 81.
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 69. 
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 29-30.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 139-140. 
Busecker Tal Lit 021.jpg (102883 Byte) Busecker Tal Lit 020.jpg (143401 Byte) Hanno Müller, Friedrich Damrath, Andreas Schmidt:  
Juden im Busecker Tal. 
Alten-Buseck, Beuern, Großen-Buseck, Burkhardsfelden, Reiskirchen und Rödgen. 
Teil I: Hanno Müller:  Familien  
Teil II: Friedrich Damrath, Andreas Schmidt: Grabsteine und ihre Inschriften.

Insgesamt 525 S., 557 Abbildungen. Beide Bände zusammen € 15,00. 
Erhältlich: Kauflädchen, Kaiserstraße 14 in Großen-Buseck und in der Gemeindeverwaltung der Gemeinde Buseck im Schloss, beim Heimatkundlichen Arbeitskreis Buseck e.V. und bei Hanno Müller (Tel. 06404/5768; E-Mail: hanno.mueller[et]fambu-oberhessen.de). 
Zur Buchvorstellung siehe Pressebericht: 
Artikel in der "Gießener Allgemeinen" vom 26. September 2013: "250 Jahre jüdisches Leben im Busecker Tal dokumentiert..." 
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Hessdoerffer Heinz Lit 1998.jpg (24837 Byte)Hinweis auf das Buch von Heinz Hesdörffer: Bekannte traf man viele. Aufzeichnungen eines deutschen Juden aus dem Winter 1945/46. Chronos Verlag Zürich 1998. ISBN 978-3-905312-57-7. 19,50 €.
In diesem Buch werden S. 42-43 die Geschwister Wallenstein aus Großen-Buseck genannt, die Heinz Hesdörffer gut kennte. Heinz Hesdörffer wohnte 1942 mit Alfred Wallenstein im Amsterdamsche Weg 1-3 in Arnhem. Hesdörffer lebt heute (2017) im Altenheim der Budge-Stiftung in Frankfurt-Seckbach.  

Vgl. Buchbesprechung http://www.tag-des-herrn.de/content/heinz-hesdoerffer-hat-das-konzentrationslager-auschwitz-ueberlebt      

        
          


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Grossen-Buseck  Hesse. Established before 1739, the community numbered 120 in 1828, but had already declined to 74 (4 % on the total) in 1895. Religious facilities were shared with the Jews of Alten-Buseck, Beuern and Reiskirchen. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was vandalized and anti-Jewish violence occured. Of the 34 Jews still living there in 1933, 13 emigrated and by November 1939 none remained.   
   
   

     

                   
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Stand: 12. September 2017