Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 

  
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zurück zur Übersicht "Synagogen in Hessen" 
Zur Übersicht "Synagogen im Lahn-Dill-Kreis"  
    

Niederweidbach mit Roßbach (beide: Gemeinde Bischoffen) 
mit Altenkirchen und Mudersbach (beide Gemeinde Hohenahr) (Lahn-Dill-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht: 

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Mitteilungen zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde   
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletFotos / Darstellungen   
bulletLinks und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)        
    
In Niederweidbach bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. Nach der Darstellung von Rosy Bodenheimer ("Beitrag zur Geschichte der Juden in Oberhessen" in: Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland 1931 S. 257) liegen erste Quellen aus dem Jahr 1770 vor.
 
Bis 1850 gehörten die am Ort lebenden jüdischen Familien zur Gemeinde in Gladenbach, wohin sie auch ihre Beiträge "zur Bestreitung der Bedürfnisse der israelitischen Religionsgemeinden" entrichteten.   
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1830 23 jüdische Einwohner, 35 (6,3 % von insgesamt 553 Einwohnern), 1871 41 (9,3 % von 440), 1885 43 (10,1 % von 426), 1895 36 (4,5 % von 424), 1905 30 (6,9 % von 437). 1838 hatte sich Nathan Stern, der Sohn des Niederweidbacher Juden Moses Katz, mit seiner Familie im benachbarten Roßbach niedergelassen, daher wurden in Roßbach 1846 fünf jüdische Einwohner gezählt. 
Auch die in Hohensolms und Altenkirchen (Hohenahr) lebenden jüdischen Personen gehörten zur Gemeinde Niederweidbach, nachdem sie Mitte des 19. Jahrhundert zunächst noch eine Filialgemeinde zu Aßlar gebildet hatten. 1815 gab es in Altenkirchen 27 jüdische Einwohner, 1834 26, bis in die 1930er-Jahre noch die Familie Heldenmuth (siehe unten). In Hohensolms waren es bis in die 1930er-Jahre noch zwei Familien Löb. Mudersbach wird im "Statistischen Jahrbuch deutscher Juden" von 1905 S. 62) als Filialort zur jüdischen Gemeinde Niederweidbach genannt.
 
Als 1850 eine selbständige Religionsgemeinde Niederweidbach gebildet wurde, waren zur Wahl des ersten Gemeindevorstehers berechtigt: Meier Katz I, Meier Katz II, Feist Katz, Michel Katz I, Michel Katz II, Wolf Katz, Seligmann Simon, Moses Katz, Herz Katz, Elkan Katz, Löb Rosenthal, Liebmann Stern, Wolf Stern, Nathan Stern (Roßbach). Gewählt wurde zum ersten Vorsteher Nathan Stern, die beiden anderen Vorstandsmitglieder waren Herz Katz und Michel Katz.   
  
Die jüdischen Familienvorsteher waren vor allem als Viehhändler tätig; mehrere hatten dazu etwas Landwirtschaft. Die Familien lebten - teils über mehrere Generationen in eigenen Häusern; die Hausnamen waren (in Klammer die zuletzt lebende Familie in den 1920/30er-Jahren): Majersch (Familie Julius Katz), Davids (Familie Sally Simon), Jahnes (Familie Siegmund Simon), Nathes (Familie Julius Simon), Manuels (Familie Sally Stern) und Mannesse (Familie Moritz Stern).       
  
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Religionsschule), ein rituelles Bad und ein Friedhof. Nach der Gründung der selbständigen Religionsgemeinde war 1851 für kurze Zeit ein Lehrer eingestellt (Hirsch Lion), der auch als Vorbeter tätig war und seinen Lebensunterhalt auch als Viehhändler und Schlachter verdiente, doch kam es nicht zu einer längeren Verpflichtung, zumal die kleine Gemeinde eine ordentliche Lehrerbesoldung nicht aufbringen konnte und es (1853) nur zwei schulpflichtige Kinder in der Gemeinde gab. Auch um 1860 wird ein jüdischer Lehrer am Ort genannt: Lehrer Isaak (erwähnt in einem Bericht über eine Lehrerkonferenz in Gießen 1860). Um 1881 klagt der jüdische Gemeindevorsteher von Nieder-Weidbach Isaak Stern, dass es keinen jüdischen Lehrer am Ort gibt und die 12-jährige Tochter von Isak Katz daher "unserer heiligen Religion ganz fremd" aufwachsen müsse. 1888 erfährt man von dem jüdischen Lehrer Samuel Jakob Wetschryver (Wetschrijver, aus Holland), gegen den sich die antisemitische Stimmung in Kreisen der Ortsbevölkerung richtete (siehe Bericht unten).
  
Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Oberhessen mit Sitz in Marburg.   
 
Von den Gemeindevorstehern wird genannt: um 1881 Isaak Stern, um 1892/1903 David Simon (siehe unten Mitteilung 1938), um 1905 Isaak Stern.   
  
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Siegmund Simon (geb. 21.6.1893 in Niederweidbach, gef. 10.1.1920).   
 
Um 1924, als zur jüdischen Gemeinde noch 28 jüdische Personen in Niederweidbach gehörten (5,8 % von insgesamt 480 Einwohnern; dazu drei Personen in Mudersbach), waren die Gemeindevorsteher Moses Stern, Moses Katz und Moses Simon. 1932 waren die Gemeindevorsteher Julius Simon (1. Vors.), Siegmund Simon (2. Vors.) und Julius Katz (3. Vors.).   
  
1927 gab es die folgenden Gewerbebetriebe im Besitz jüdischer Personen: die Viehhandlungen Julius Katz, Sally Simon, Siegmund Simon Moritz Stern und Sally Stern sowie die Manufakturwarenhandlung von Julius Simon (Hausierhandel mit Textilien). Um 1930 eröffnete die Frau von Moritz Stern ein Geschäft für Porzellan- und Glaswaren.         
  
1933 lebten noch 26 jüdische Personen in Niederweidbach (4,8 % von insgesamt 542 Einwohnern; zur Gemeinde gehörten vier Personen aus Mudersbach [Familie Leopold Rosenthal] und inzwischen auch acht Personen aus Hohensolms). In den folgenden Jahren ist ein Teil von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen (Moritz Stern und seine Frau Juliane geb. Hammerschlag 1935 nach Herborn, Julius Simon und seine Frau Hedwig geb. Isenberg 1936 nach Wetzlar) beziehungsweise ausgewandert (Familie Sally Stern - allerdings erst 1941 - nach Argentinien, JCA-Kolonie Avigdor).  Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge zerstört (s.u.).1939 wurden noch 21 jüdische Personen am Ort gezählt. Ein ruhiges Leben am Ort war nicht mehr möglich, wie die Dokumente vom Januar 1940 zeigen, in denen davon berichtet wird, dass bei Familie Julius Katz mehrfach Fenster und Türen des Hauses eingeschlagen wurden (Dokumente im Digitalen Archiv Marburg). Irene Simon zog im Januar 1941 nach Frankfurt, kehrte jedoch im April wieder nach Niederweidbach zurück. Sally Simon schickte seine Töchter Ilse und Flora zur jüdischen Schule in Frankfurt. Sie kamen im Mai 1942 zurück, da alle jüdischen Schulen zum 30. Juni geschlossen wurden. Im Juni 1942 wurden drei Familien (Julius Katz, Sally Simon, Siegmund Simon) mit insgesamt 14 Personen, davon sechs Kinder, über Frankfurt ins besetzte Polen abtransportiert. Das Ehepaar Julius und Selma Katz wurde am 10. Juni 1942 mit der 19-jährigen Tochter Edith und dem 17-jährigen Sohn Manfred Katz nach dem Vernichtungslager Sobibor bzw. Majdanek in den Tod deportiert. Da die "arbeitsfähigen" Männer gewöhnlich in Lublin aus dem Zug geholt und ins KZ Majdanek verschleppt wurden, ist Julius Katz vermutlich in Majdanek ermordet worden. Manfred Katz ist dort am 3. August 1942 umgekommen. Moses Katz wurde nach Theresienstadt gebracht und von hier aus vier Wochen später (am 29. September 1942) in das Vernichtungslager Treblinka deportiert und ermordet.   
  
Von den in Niederweidbach geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"; hier "Niederweidbach" und "Nieder Weidbach" eingeben; abgeglichen mit der Liste bei Runzheimer s.Lit. I S. 114-116): Johanna Buxbaum geb. Katz (1891), Minna Eckstein geb. Stern (1882), Kathinka (Käthe) Ehrlich geb. Simon (1888), Edith Katz (1922), Julius Katz (1893), Klara Katz geb. Simon (1876), Manfred Katz (1924), Moses Katz (1865), Selma Katz geb. Buxbaum (1887), Meta Salomon geb. Stern (1909; "Stolperstein" in Herborn), Berta Simon geb. Stiebel (1895), Bertha Ilse Simon (1926), Flora Erika Simon (1928), Hedwig Simon geb. Isenberg (1900), Helga Simon (1923), Jettchen Simon geb. Stern (1858), Julius Simon (1887), Julius Simon (1894), Julius Sally Simon (1898), Lene Simon (1921), Samuel Simon (1864), Selma Simon geb. Ehrlich (1899), Siegmund Simon (1890), Ernst Stern (1920), Moritz Stern (1877), Juliane Stern geb. Hammerschlag (1882).  
  
Aus Altenkirchen ist umgekommen: Salomon Heldenmuth (1866).       
Zu Hohensolms siehe dort.

Aus Mudersbach sind umgekommen:  Elli (Illi) Rosenthal geb. Oppenheimer (1904), Kurt Rosenthal (1932), Leopold Rosenthal (1904), Manfred Rosenthal (1935), Regina Rosenthal geb. Meyer (1870). 
  
Hinweis: an Klara Katz geb. Simon (geb. 1876 in Niederweidbach), die in Wieseck verheiratet war (ihr Mann Joseph Katz ist 1935 gestorben), und ihre Tochter Lina (beide nach Deportation umgekommen), erinnern in Wieseck seit Oktober 2009 sog. "Stolpersteine" vor dem Haus Kirchstraße 5 (Pressebericht im "Gießener Anzeiger" vom 21. Oktober 2009, pdf-Datei).      
     
     
     
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde        
  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Der jüdische Lehrer Samuel Jakob Wetschryver (Wetschrijver) in Niederweidbach wird der "Gotteslästerung" angeklagt, aber vom Gericht freigesprochen (1888)    

Anmerkung: der Bericht ist ein Dokument der antisemitischen Stimmung in der Region um Marburg, zu der maßgeblich die Hetze des Antisemiten Otto Böckel (https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Böckel) beigetragen hatte. Diese wurde bei der Reichstagswahl 1887 als erster unabhängiger Antisemit in den Reichstag gewählt (Wiederwahl 1890, 1893 und 1898). Seine Wahlkampffeldzüge waren von einem aggressiven Antisemitismus geprägt. 
Zur holländisch-jüdischen Familie Wetschrijver, der mehrere Lehrer angehörten, liegen zahlreiche Informationen vor: vgl. Suche zu Personen mit dem Namen Samuel Jakob Wetschrijver über
https://www.openarchieven.nl/search.php?useinsearch=1&name=Jacob+Samuel+Wetschrijver&number_show=10&sort=1; Informationen zu genealogischen Zusammenhängen auch über geni.com.    

Artikel in "Jüdisches Familienblatt" 1888 S. 195-196: "Marburg. Eine Anklage wegen Gotteslästerung, begangen von einem israelitischen Lehrer, wurde jüngst hier vor der Strafkammer verhandelt. Auf der Anklagebank erschien, so berichtet die 'Oberhessische Zeitung', der seit einigen Monaten als israelitischer Lehrer in Niederweidbach (Kreis Biedenkopf) ansässige Samuel Jakob Wetschryver: ein alter greiser Mann, welcher seither als Lehrer im Königreich Holland lebte. Demselben wurde zur Last gelegt, dass er zu vier verschiedenen Malen, Ende September und Anfang Oktober, in beschimpfenden Äußerungen 'Gott' gelästert habe. Der Angeklagte, welcher sich seit jener Zeit in Untersuchungshaft befindet, bestritt bei seiner Vernehmung, die ihm von der Anklage in den Mund gelegten Worte getan zu haben und gibt ferner an, dass er seit seiner Ankunft in Niederweidbach unausgesetzt der Gegenstand der Verfolgung für die Schuljugend des Ortes gewesen sei; man habe hinter ihm her mit Steinen geworfen und 'Böckel! — Böckel! gerufen. Aufgeregt durch diese Behandlung habe er hin und wieder seinem Ärger gegenüber den Knaben, welche nach seiner Meinung durch den christlichen Lehrer des Ortes zu einem derartigen Vorgehen angehalten worden seien, auch in erregten Worten Ausdruck gegeben. Als Belastungszeugen wurden vier Schulknaben und zwei 17jährige Burschen aus genanntem Dorfe vernommen. Erstere gaben zu, dass das Erscheinen des Angeklagten den Schulknaben zu dem Rufe 'Böckel' Veranlassung gegeben habe, verneinten jedoch die Frage des Präsidenten, ob sie der Lehrer hierzu angehalten. Bezüglich der inkriminierten Äußerungen gingen deren Angaben jedoch soweit auseinander, dass sich die Staatsanwaltschaft veranlasst sah, drei der Anklagepunkte ganz fallen zu lassen, und nur bezüglich eines Falles, in welchem Wetschryver den ihn verfolgenden Knaben zugerufen haben soll: 'Was heißt Böckel — Jesus ist ein (oder euer) Böckel!' die Bestrafung zu beantragen. Das Gericht lehnte jedoch auch dieses ab und sprach den Angeschuldigten kostenlos frei. W. wurde darauf sofort aus der Haft entlassen. (Das sind Böckels Erziehungsresultate!)."
Anmerkung: der obige Artikel findet sich auch in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. Dezember 1888 S. 793.   

  
  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Aufruf zur Unterstützung der Familie der Witwe von Löb Katz (1881)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Oktober 1881: "Dringende Bitte!
In hiesiger israelitischer Gemeinde, aus 8 Familien bestehend, befindet sich eine arme Witwe nebst minderjähriger Tochter; die Witwe Löb Katz und Tochter, letztere ca. 12 Jahre alt, in sehr dürftigen Umständen, in einer Lage, die es erfordert, fremde Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die Witwe, zwar noch nicht alt, aber meistenteils mit einem siechen Körper behaftet, ist ganz außer Stande, sich auch nur im Kleinsten zu ernähren, da sie die meiste Zeit bettlägerig ist. Seit ihres Mannes Tod hat sie von Gnadenmitteln ihrer Glaubensgenossen gelebt. Die kleine Gemeinde tut ihr Bestes an ihr, doch auch die Länge der Zeit erschöpft die Opferbereitwilligkeit der einzelnen Glieder. Zudem sind auch in hiesiger Gemeinde noch einige Familien, die selbst nichts übrig haben. Es bleibt nichts anderes übrig, als auch die entfernten Glaubensgenossen anzusprechen, die mitleidigen Herzen zu öffnen.
Da die Tochter nun unsrer heiligen Religion ganz fremd lebte, indem sie bisher darin noch nicht unterrichtet werden konnte, weil kein israelitischer Lehrer am Platze ist, so wäre es sehr angenehm, wenn ein Erzieher dieser Verlassenen sich annehmen würde.
Da rasche Hilfe sehr nötig, so bitten wir um recht baldige Zusendung von Gaben.
Nieder-Weidbach bei Gladenbach, Kr. Biedenkopf, Oktober 1881.
Der Vorstand der israelitischen Gemeinde. Isaak Stern.
N. B. Von der Ortsbehörde ist dieses Gesuch unterstützt.
Wir sind gern bereit, milde Gaben in Empfang zu nehmen und weiterzubefördern, Die Expedition des 'Israelit'."      
 
In der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. November 1881 wird der Eingang von Spenden quittiert von "E.-N. H.K. 2 Mark sowie aus Rappenau von F. Würzburger 0.50 Mark". 

  
  
Mitteilungen zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde (1932)   
Anzeigen der Verlobung / Trauung von Meta Stern aus Niederweidbach mit Julius Salomon aus Werdorf (1932)        

Mitteilung in "Israelitisches Familienblatt" vom 12. Mai 1932 unter Verlobungen: "Niederweidbach Kr. Biedenkopf: Meta Stern mit Julius Salomon, Werdorf, Kreis Wetzlar."      
 
Mitteilung in "Israelitisches Familienblatt" vom 8. September 1932 unter Trauungen: "Niederweidbach, Kr. Biedenkopf, 11. September 1932: Julius Salomon, Werdorf. Krs. Wetzlar und Frau Meta geb. Stern. Trauung: 12.15 Uhr, Pension Grünewald, Gießen."   

   
1922: Anzeige der Verlobung von Frieda Klipstein aus Alten-Buseck mit Julius Simon aus Nieder-Weidbach
(in: "Israelitisches Familienblatt" vom 2. November 1922 S. 5). 
  
1932: Anzeige der Geburt eines Sohnes von Leopold Rosenthal und Illi geb. Oppenheimer in Mudersbach
(in: "Israelitisches Familienblatt" vom 4. Mai 1932 S. 5, Link).  
Anmerkung: Leopold Rosenthal (geb. 5. Mai 1904 in Mudersbach), seine Frau Elli (Ellie, Illi) geb. Oppenheimer (geb. 19. März 1904) sowie die Söhne Kurt Rosenthal (geb. 15. April 1932 in Mudersbach) und Manfred Rosenthal (geb. 13. Februar 1935 in Mudersbach) wurden ab Frankfurt am Main am 22. November 1941 nach Kowno (Kauen), Fort IX deportiert und dort wenige Tage später ermordet.
 
1937: Anzeige der Barmizwah-Feier von Manfred Katz,
Sohn von Julius Katz und Selma geb. Buchsbaum, am 31. Juli 1937 in Niederweidbach (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 22. Juli 1937 S. 16, Link).
Anmerkung (vgl. oben): Das Ehepaar Julius und Selma Katz wurde am 10. Juni 1942 mit der 19-jährigen Tochter Edith und dem 17-jährigen Sohn Manfred Katz nach dem Vernichtungslager Sobibor bzw. Majdanek in den Tod deportiert. Da die "arbeitsfähigen" Männer gewöhnlich in Lublin aus dem Zug geholt und ins KZ Majdanek verschleppt wurden, ist Julius Katz vermutlich in Majdanek ermordet worden. Manfred Katz ist dort am 3. August 1942 umgekommen.

   
85. Geburtstag von David Simon, langjähriger Gemeindevorsteher, und 80. Geburtstag seiner Frau Jettchen geb. Stern (1938)    

Mitteilung in "Israelitisches Familienblatt" vom 25. August 1938: "Niederweidbach (Wetzlar). Der ehemalige Vorsteher der Gemeinde, David Simon, feierte dieser Tage seinen 85. Geburtstag. Die Gattin des Jubilars, Frau Jettchen geb. Stern, wird am 30. dieses Monats 80 Jahre alt."   

    
   
   
Zur Geschichte der Synagoge                    
    
1842 war eine Synagoge mit 29 Plätzen für Männer und 14 für Frauen vorhanden. Zum Gottesdienst kamen auch die Juden aus Mudersbach und zeitweilig auch die aus Altenkirchen. Lange Jahre war Salomon Heldenmuth aus Altenkirchen ehrenamtlicher Vorbeter in Niederweidbach. Er verzog 1938 nach Frankfurt.  
  
Hinweis auf den ehrenamtlichen Vorbeter in Niederweidbach: Salomon Heldenmuth aus Altenkirchen (1938)   
Anmerkung: Salomon Heldenmuth ist am  16. Mai 1866 in Altenkirchen geboren. Er lebte bis 1938 in Altenkirchen, danach in Frankfurt, von wo aus er am 18. August 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert wurde, von hier aus in das Vernichtungslager Treblinka

Mitteilung im "Israelitischen Familienblatt" vom 12. Mai 1938: "Altenkirchen (Wetzlar). Salomon Heldenmuth hat seinen Wohnsitz nach Frankfurt verlegt. Er war lange Jahre ehrenamtlicher Vorbeter der Gemeinde Niederweidbach."    

       
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge völlig zerstört; Einrichtungsgegenstände und Schriften wurden auf die Straße geworfen. Zunächst war beabsichtigt, die Synagoge niederzubrennen - Strohballen und ein Kanister mit Benzin waren herbeigeschafft worden. Der Einspruch der Nachbarn, deren beiden Scheunen neben der Synagoge standen, verhinderte die Inbrandsetzung.
     
1949 wurde das Gebäude abgebrochen, da es baufällig gewesen sein soll.  
    
Adresse/Standort der Synagoge   auf dem heutigen Grundstück Hauptstraße 23, ein Teil auch auf Grundstück Hauptstraße 25   
  
   
   
Fotos  
(Fotos: Frank Rudolph, Niederweidbach, www.f-rudolph.info; Aufnahmen: 1. Februar 2010)  

 Der Synagogenstandort  

 
Niederweidbach Synagoge 120.jpg (77258 Byte) Niederweidbach Synagoge 121.jpg (77789 Byte) Niederweidbach Synagoge 122.jpg (61466 Byte)
Blick entlang der Hauptstraße; die Synagoge
 stand im Bereich der Häuser links der
 Bildmitte, ungefähr an der Stelle des
 jetzigen braunen Garagentores sowie 
links davon an Stelle des weißen 
fensterlosen Gebäudes 
Blick entlang der von der Hauptstraße
 abzweigenden Hofeinfahrt; die Synagoge
 stand rechts der Bildmitte im Bereich des
 hereinragenden fensterlosen Hauses 
und der Garage mit dem 
braunen Tor 
Direkter Blick auf den Standort 
der ehemaligen Synagoge; 
es gab einen Eingang von unten, 
dazu außen eine Treppe, die 
zur Frauenempore führte
  
      

     
    
Links und Literatur   

Links:  

bulletWebsite der Gemeinde Bischoffen  

Quellen:  

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Niederweidbach 
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Niederweidbach sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,920  Trauregister der Juden von Niederweidbach  1842 - 1873   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2145982      

Literatur:  

bulletPaul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd.  II S. 143.  
bulletThea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 91.   
bulletdies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 82.    
bulletdies.: Neubearbeitung der beiden Bücher. 2007² S. 222.   
bulletStudienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 110.  
bulletPinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 522. 
bulletGladenbach Lit 02.jpg (38110 Byte)Jürgen Runzheimer: Abgemeldet zur Auswanderung. Die Geschichte der Juden im ehemaligen Landkreis Biedenkopf. Bd. 1 Biedenkopf 1992. Bd. II 1999 (Beiträge zur Geschichte des Hinterlandes Bd. III und Bd. VII. Hinterländer Geschichtsverein e.V.). 

     
       


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Niederweidbach  Hesse-Nassau. Numbering 43 (10 % of the total) in 1885, the community hat a synagogue and members in nearby Hohensolms and Mudersbach. Of the 26 Jews registered there in 1933, 16 were deported in 1942.  
   
     

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge   

               

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 31. Januar 2026