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Jüdische Geschichte/Synagoge in Sulzburg
Sulzburg
(Kreis Breisgau-Hochschwarzwald)
Einzelne Texte/Berichte zur jüdischen Geschichte des Ortes
Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit
Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Sulzburg wurden in jüdischen Periodika
gefunden.
Übersicht
Aus der
Geschichte des Rabbinates
Die
Trauerfeier für Bezirksrabbiner Emanuel Dreyfuß ("Reb Mendel") am 18.
November 1886:
"Sulzburg
(18. November 1886). Dienstag den 16. dieses Monats verschied nach fast
siebenwöchentlichem Krankenlager der auch weit über unser badisches
Vaterland hinaus rühmlichst bekannte Herr Bezirksrabbiner E. Dreyfuß im
82. Lebensjahre. Das heute stattgehabte Leichenbegängnis legte den Beweis
ab in welch hohem Ansehen dieser teure Verblichene stand, sowohl bei den
Israeliten als Nichtisraeliten; und gestaltete sich die Leichenfeier zu
einer wahrhaft imposanten. Von auswärtigen Rabbinen waren erschienen die
Herren Bamberger, Niederhagental, Wormser, Tann,
Mock, Mühlhausen, J.
Cohn, Basel, Dr. Lewin – im
Auftrage des Oberrates – Freiburg,
Dr. Rawitsch, Schmieheim. Außerdem kamen Deputationen von
Karlsruhe, Freiburg, Müllheim, Lörrach, Kirchen, Eichstetten und von
vielen anderen Orten.
Um 1 Uhr Nachmittags wurde die Leiche in die zu diesem Zwecke
feierlichst erleuchtete und dekorierte Synagoge getragen.
Hier sprach zuerst Herr Rabbiner Bamberger in meisterhaft wohldurchdachter
Rede, anknüpfend an den dieswöchentlichen Toraabschnitt Chaje
Sara ('und es war die
Lebenszeit Sara's...' 1. Mose 23,1) wies er nach, dass die Sara die wir hier beklagen und beweinen, die Sara der Tora sei in Bezug auf die großen Eigenschaften und
Leistungen des Verblichenen.
Sodann sprach Herr Rabbiner Wormser aus Tann, Herr Dr. Lewin aus Freiburg
namens des Oberrates der Israeliten und seiner Gemeinde über den großen
Verlust, den nicht nur die Familie, die Rabbinatsangehörigen, sondern
ganz Israel erlitten. Ferner sprach Herr Lehrer Bruchsaler von hier namens
der Lehrer des Bezirkes und der hiesigen Gemeinde.
Nachdem einige Psalmen rezitiert wurden, bewegte sich der Zug zum
Friedhofe, wo die Herren Rabbiner Dr. Rawitsch und Dr. Cohn in beredten
Worten die großen Verdienste des Verblichenen schilderten, die Gemeinde
aufforderten, im Sinne dieses großen Lehrers und Meisters, der 52 Jahre
im hiesigen Bezirke wirkte, nachzuahmen und den ausgestreuten Samen
fortzupflanzen.
Trotzdem der Verblichene sich jeden Hesped
(Gedächtnisrede im Blick auf den Verstorbenen)
verbeten, ließen sich die Herren Rabbiner nicht nehmen,
zur Ehre des Verschiedenen und um der Wahrheit die Ehre zu
geben und, wenn auch nur in bescheidener Weise, die große
Verdienste dieses gerechten Verschiedenen zu schildern. So schloss
diese erhebende Feier; möge baldigst in Erfüllung gehen: Er macht
verschwinden den Tod für immer (Jesaja 25,8)". |
Überlegungen
eines Gemeindegliedes nach dem Tod von Reb Mendel
Artikel
aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Dezember 1886:
"Sulzburg (Baden). Die Trauer in der Gemeinde um den Verlust
unseres verewigten Rabbiners, Rabbi Mendel Dreyfuß – das
Andenken an den Gerechten ist zum Segen – ist um so größer als man
vielfach fürchtet, der Rabbinatssitz werde nicht wieder besetzt, sondern
der Sulzburger Bezirk an das Freiburger Rabbinat angeschlossen werden. Die
allgemeine Stimmung
ist nun entschieden gegen einen solchen Anschluss und mit vollem Recht.
Wir brauchen einen Rabbiner ganz und können uns nicht damit zufrieden
geben, wenn ein Rabbiner, dem schon die Verwaltung eines Bezirks
anvertraut ist, ein- oder zweimal im Jahre zu uns kommt, und kaum dass er
einen Einblick in unser Verhältnis getan, uns wieder verlässt. Wir haben
aber auch einen Rabbiner sehr notwendig. Den verhältnismäßig günstigen
Stand unserer Religiosität verdanken wir nur der Tatkraft unseres
bisherigen Rabbiners und der großen Ehrfurcht, die er Allen einflößte.
Das Fehlen des Rabbiners würde sich nur allzu bald fühlbar machen und
was Reb Mendel mit so vieler Mühe erhalten, würde schneller zerstört
sein als man glaubt. Gerade bei uns, wo in den meisten Familien noch die
Frömmigkeit hochgehalten wird, könnte ein frommer und tüchtiger
Rabbiner sehr viel Gutes wirken; durch Belehrung der Erwachsenen, durch Überwachung
der Schulen, in denen ‚unsere Zukunft’ heranwächst, könnte er Vieles
und Treffliches leisten; am meisten würde aber sein Vorbild wirken. Ja,
ich kann es wohl sagen, schon das Bewusstsein, dass ein frommer Rabbiner
unter uns weilt, würde zur Hebung der Religiosität außerordentlich viel
beitragen. Ein zweiter Haupt-Nachteil beim Anschluss der Landgemeinden an
die Israeliten der Stadt besteht darin, dass die letzteren meistes
unfromm, die ersteren meistens noch fromm sind. Und das trifft auch in
diesem Falle zu. Die Freiburger Gemeinde ist streng - unfromm. Eine Orgel
spielt dort am Sabbat und Feiertage: gesinnungstüchtigen,
prinzipientreuen Rabbinern war also die Bewerbung unmöglich gemacht. Nun,
wie es ein altes Sprichwort ist, dass wie die Gemeinde, so der Rabbiner,
so hat auch die Freiburger Gemeinde einen Rabbiner bekommen, der seiner
‚Richtung’ nach vollkommen für sie geeignet ist. Und wir sind
tolerant genug, den Freiburgern ihren Rabbiner zu gönnen; nur eines wünschen
wir, dass er uns nicht aufgedrängt werde. Er passt der ganzen Stellung
nach, die er zu unsern Religionsgesetzen nimmt, durchaus nicht für uns.
Es wäre doch ein zu großer Abstand und ein zu krasser Gegensatz, wenn
wir nach unserem seligen Reb Mendel – das Gedenken an den Gerechten ist
zum Segen – den Freiburger Rabbiner als ‚religiösen Führer’
erhielten, der vielleicht auch uns wie die Freiburger mit seinen letzten
Heldentaten, Abschaffung respektive Kürzung der Gebete an den heiligen
Feiertagen, und dafür Einführung von Paulen am Jom Kippur beglücken würde.
Schreiber dieser Zeilen ist zwar nur ein einfacher Mann, aber als er die
sichtliche Ergriffenheit bei dem Begräbnis unseres verstorbenen Rabbiners
wahrnahm, so konnte er sich des Gedankens nicht entschlagen, wenn diese
Trauer wirklich eine aufrichtige ist, so sollte sie sich darin am ehesten
kundgeben, dass die Gemeinden von Sulzburg, Müllheim, Lörrach, Kirchen
usw. sich zusammentun, auch ein Geldopfer nicht scheuen und mit
Genehmigung des Oberrates, die wir gewiss, wenn wir ernstlich wollen,
erlangen werden, einen eigenen Rabbiner hier oder in Müllheim
anzustellen, einen Rabbiner nach unserem Sinne und einen würdigen
Nachfolger unseres verstorbenen Rabbiners". |
Weiterer
Artikel im Blick auf die Besetzung des Rabbinates in Sulzburg
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Mai 1887: "Sulzburg, im April
(1887). Als vor einiger Zeit die Trauernachricht durch die jüdischen Blätter
ging, dass Reb Mendel, der mehr als ein halbes Jahrhundert in seinen
Bezirksgemeinden mit Hingebung und Tatkraft und mit segensreichem Erfolge
gewirkt und als ein mutiger und unerschrockener Vorkämpfer des wahren
Judentums unermüdlich tätig gewesen, aus diesem Leben abberufen worden
sei, las ich in Ihrem geschätzten Blatte den Aufsatz eines Mitglieds der
Gemeinde Sulzburg, in welchem er in einfachen, aber, wie man viel merkte,
aus dem Herzen kommenden Worten der Hoffnung Ausdruck gab, dass die
allgemein tiefe Trauer um den Verstorbenen, über den man wie über einen
Vater klagte, sich darin zeigen werde, dass man ihm einen seiner würdigen
Nachfolger geben, und dass der Bezirk von Sulzburg-Müllheim sich nicht an
das Freiburger Rabbinat anschließen lassen, sondern einen eigenen
Rabbiner, nach seinem Herzen und nach eigener Wahl berufen werde. Dieser
Bericht interessierte mich seiner Zeit umso mehr als ich die Verhältnisse
des Bezirkes genau kenne und mich naturgemäß über den frischen Hauch
religiösen Lebens, der aus jenem Artikel hervorwehte, freuen musste.
Letzthin hatte ich nun Gelegenheit die Zustände in Müllheim-Sulzburg
selbst in Augenschein zu nehmen, und so gebe ich mich denn im Interesse
des Rechtes und der Wahrheit gern zum Sprachrohr der Gemeinde her, in
welcher sich viele gute Gesinnung, aber leider bis vor kurzem nicht genug
Initiative und Tatkraft zeigte. |
Man kann
wohl sagen, dass die Ansichten, welche in jenem ersten Artikel
ausgesprochen wurden, nahezu von allen Israeliten des Bezirkes geteilt
werden; abgesehen freilich von einem durch seine – Sonderbarkeit längst
bekannten Vorstehers eines kleinen Städtchens und dem strebsamen Lehrer
desselben, die durch die Ungeschicklichkeit einer Entgegnung ihrer Sache
viel mehr geschadet als genützt haben, sodass wir ihnen für ihre Mühe
in unserem Interesse aufrichtig dankbar zu sein Grund haben.
Die Frommen in den Gemeinden von Sulzburg, Müllheim und Lörrach – und
ihre Anzahl ist nicht gering, wünschen natürlich die Anstellung eines
eigenen Rabbiners und zwar eines Mannes, der ein würdiger Nachfolger des
Reb Mendel – das Gedenken an den gerechten ist zum Segen – ist, der
ganz in seine Fußstapfen tritt und nicht zerstört, was jener mit Mühe
erbaut und erhalten, niederreißt, was jener errichtet. Aber selbst die
wenigen Frommen sehen mit Schrecken der Zukunft entgegen. Was soll aus
unsern Kindern werden, wenn ihnen nicht eine gediegene, von einem
gewissenhaften, pflichtgetreuen Rabbiner überwachte und geleitete religiöse
Erziehung zuteil wird. Wenn man bedenkt, wie tief die jetzige Generation
in religiöser Beziehung von dem religiösen Standpunkt herabgesunken ist,
den noch unsere in Gott ruhenden Eltern einnahmen, so muss jeder, der noch
ein Herz hat für seine Religion, bei dem Gedanken erschrecken, was soll
aus unserem Glauben werden, wenn unsere Kinder, nicht eine fest religiösen
Basis gewinnen, die auch durch die Stürme des Lebens nicht erschüttert
werden. Kann. Einen Rabbiner, der selbst nicht streng fromm ist, wollen
selbst die Unfrommen nicht. ‚Ein unfrommer Rabbiner’, so hörte ich
sie sagen, ‚hat gar keine Existenzberechtigung.’ Wenn im kalten Winter
Wärme verbreitet werden soll, so kann dies nur durch ein loderndes,
starkes Feuer geschehen, nicht durch ein mattes Flämmchen, welches im
Windzuge hin- und herflackert. Wir brauchen hier einen Wegweiser, der uns
selbst durch seinen Lebenswandel den rechten Weg zeigt, nicht ein
Irrlicht, welches hin- und herschwankt, und den Wanderer in den
verderblichen Sumpf lockt. |
Und
herrscht diese Ansicht im Allgemeinen, so ist im ganzen Bezirke die Überzeugung
eine einstimmige, dass der Freiburger Rabbiner, der ja zugleich Sulzburg
‚mit verwaltet’, nicht der geeignete Mann für die hiesige Gemeinde
sei. Zwar kennen die einfachen Männer des Bezirks die tief greifenden
Unterschiede der Parteien nicht, aber instinktmäßig haben sie sofort
herausgefühlt, dass der Rabbiner von Freiburg, in Freiburg mit allen
dortigen Reformen einverstanden ist, für uns, die wir an einen Mann wie
Reb Mendel gewöhnt sind, nicht passt. Gibt es hier auch sehr Viele, die
aus dem Tragen am Sabbat sich nichts machen, so hat es doch überall ein
unangenehmes Erstaunen hervorgerufen, als der Herr Rabbiner bei seinem
hiesigen Aufenthalte sich über den Eruw lustig machte! Wenn das der Hirte tut, so sagt man mit Recht,
was muss dann der Herde erlaubt sein! Noch viel mehr böses Blut machte
aber und mit Recht die schwankende Behandlung der Schechita-Frage
in Sulzburg seitens des Freiburger Rabbiners; wenn irgendwo, so erwartete,
in einer außerordentlich wichtigen Sache die Gemeinde von ihrem religiösen
Führer Konsequenz und Festigkeit, doch sie sah sich bitter getäuscht;
mit seinem schwankenden und zu Unzeit nachgiebigen Haltung in dieser Frage
hat sich der Freiburger Rabbiner, selbst für seine bisherigen Freunde
unleugbar gezeigt – dass gerade die Eigenschaften, die ihn für Freiburg
zu empfehlen seinen, ihn für uns unmöglich machen.
Deswegen entspann sich allmählich eine immer kräftiger sich entwickelnde
Bewegung, auf alle Fälle einen eigenen Rabbiner, aus eigenen Mitteln
anzustellen, dessen Händen man ruhig die Verwaltung der religiösen
Angelegenheiten anvertrauen könnte. Doch da die Gleichgültigkeit in
religiösen Angelegenheiten hier wie fast überall eine ziemlich große
ist, so hatte die Agitation zuerst nur geringe Erfolge. Da goss ein
Ereignis Öl in das Feuer. Aus Sulzburg stammt ein Rabbiner, der nicht nur
in orthodoxen Kreisen, sondern überall hoch geachtet und wegen seiner
unbestechlichen Rechtlichkeit und wegen seiner Geradheit überall verehrt
wird, Dr. Cahn in Wiesbaden. Die Gemeinde von Sulzburg ist natürlich
stolz auf ihn und auch dieses Jahr, als er zum Besuche der Gräber der
Seinigen nach Sulzburg kam, wurde er aufgefordert, in der Synagoge zu
predigen.
Kurz darauf erhielt der Vorstand vom Oberrat in Karlsruhe amtlich eine
Zustellung, in der er aufgefordert wurde, sich zu verantworten, warum er
– man höre und staube – warum er einen Unberufenen (!) in der
Synagoge habe predigen lassen. Wer hier den Angeber gemacht hat, darüber
kann man nur Vermutungen aufstellen, die jedoch wahrscheinlich das
Richtige treffen. Die Erregung in der Gemeinde war natürlich eine außerordentlich
große. Wer ist berufener, auf dem Platze des Reb Mendel – das
Gedenken an den Gerechten ist zum Segen – zu predigen, ein Mann, der
seine Gesetzestreue und Charakterfestigkeit oft genug durch die Tat
bewiesen, oder ein Rabbiner, von dessen religiösen Prinzipien man nur weiß,
dass sie recht dehnbar und schwankend sind, und den Ansichten wie man sie
hier gewohnt ist, entschieden zuwiderlaufen?
Die nächste Folge des Karlsruher Ukases (Erlasses) war daher, dass sich
eine feste Vereinigung bildete, welche auf 10 Jahre sich verpflichtete,
eine bestimmte Summe jährlich zur Anstellung eines Rabbiners zu zahlen.
Die Summe ist zwar nicht zu groß, dürfte aber mit den Zinsen eines
vorhandenen Kapitals etc. genügen, die Berufung eines Rabbiners zu ermöglichen.
Bereits ist ein außerordentlich tüchtiger, vielseitig gebildeter, als
Prediger wie als Lehrer gleich hervorragender junger Rabbiner für die
Stelle in Aussicht genommen.
Schreiber dieser Zeilen ist ein Mensch, der den Frieden über alles liebt.
Aber hier kann von Nachgiebigkeit nun und nimmer die Rede sein. Es handelt
sich um das höchste Gut des menschlichen Lebens, um die Religion. Sie ist
gefährdet, wenn nicht an der Spitze der Gemeinde ein gesetzestreuer,
prinzipienfester Rabbiner steht. Und einen solchen zu gewinnen, dafür möge
der Sulzburger Gemeinde kein Opfer zu groß sein. Das ist eine Saat, die
reichlich lohnet. |
Im
Anschluss an den obigen bericht, teilen wir aus einem, uns aus Mühlheim
(in Baden) zugegangenen Privatbrief die folgende Stelle mit:
Müllheim, 8. Mai (1887). In dem benachbarten Sulzburg regt es sich
eifrig, man beabsichtigt dort, einen eigenen Rabbiner anzustellen.
Freilich glaube ich, dass, wenn die Gemeinden des Bezirks Sulzburg
energisch vorgingen, - wie z.B. erst kürzlich die Gemeinde von Gailingen,
welche durch ihre Drohung aus dem israelitischen Verbande auszutreten, den
Oberrat gezwungen hat, den Rabbinatssitz, der nach dem durch eine Orgel
ausgezeichneten Konstanz verlegt werden sollte, in Gailingen zu belassen
– sie auch jetzt den Oberrat veranlassen könnten, ihren gerechten
Anforderungen Genüge zu leisten. So aber, ist immerhin der Beschluss der
Sulzburger Gemeinde, einen eigenen Rabbiner zu engagieren, ein außerordentlich
lobenswerter, und es ist nicht ehrenwert für die bedeutend größere und
reichere Gemeinde von Müllheim, dass hier nicht der gleiche Eifer zutage
tritt. In beiden Gemeinden herrscht leider in dieser so überaus wichtigen
und für die religiöse Zukunft des Bezirks geradezu entscheidenden Frage
viel zu viel kleinliche Eifersüchtelei.
Jede der beiden Gemeinden, Sulzburg wie Müllheim, will nämlich den
Rabbiner ganz oder doch vorwiegend für sich haben. Nun ist dies Streben
ja ein rühmliches Zeugnis für den religiösen Sinn in der Gemeinde und
zugleich ein beweis dafür, ein wie dringendes Bedürfnis ein Rabbiner in
dieser Gemeinde ist. Es wäre aber noch viel schöner und besser, wenn Müllheim
und Sulzburg sich vereinigten, ihre Beträge und besonders die Zinsen aus
den beiderseitigen bedeutenden Stiftungsgeldern zusammenlegen würden;
dann könnten sie eine tüchtige Kraft für das Rabbinat gewinnen, einen
Rabbiner, der abwechselnd in Müllheim und in Sulzburg seinen Sitz haben
und in beiden Gemeinden segensreich wirken könnte. Auch die wahrhaft
Frommen in Lörrach würden sich gewiss einer solchen Vereinigung anschließen.
Wenn nur die religiösen Männer in Müllheim sich jetzt, da Sulzburg mit
dem guten Beispiel vorangegangen, sich zusammentun und für die Anstellung
eines Rabbiner tätig sein wollten, in der Überzeugung, dass es sich
jetzt, um die Zukunft unserer Kinder und um die religiöse Führung
unserer Gemeinde handelt!" |
Zum
Weggang des Rabbinatskandidaten und Stiftsrabbiners Salomo (Schlomo) Bamberger
1872
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Oktober 1872:
"Sulzburg,
7. Oktober (1872). Nach beinahe 10jähriger ersprießlicher Dienstführung,
ist der hiesige Stiftsrabbiner, Herr Rabbinatskandidat S. Bamberger, heute
von hier abgereist, um einem anderweitigen, ehrenhaften Rufe, nach
Lengnau, in der Schweiz, zu folgen. Seine Anspruchslosigkeit und Verträglichkeit,
seine echte, strenge Frömmigkeit, seine gründlichen und umfassenden
rabbinischen Kenntnisse, und seine Pünktlichkeit und Treue in Erfüllung
seiner Berufspflichten, haben ihm hier und in der Umgegend Vertrauen und
Hochachtung erworben, und die besten Wünsche begleiten ihn in seinen
jetzigen Bestimmungsort. Diese Gefühle der Ehrerbietung und der Liebe,
haben auch in den Ehrengeschenken, welche ihm, vor seinem Wegzuge überreicht
wurden, ihren Ausdruck gefunden.
Möge Herr Bamberger in seinem jetzigen neuen Wirkungskreise gleiche
Anerkennung und Wertschützung finden, wie solche ihm dahier verdientermaßen
allgemein und in hohem Grade geworden sind. |
Zu
einzelnen Veröffentlichungen der Sulzburger Rabbiner
Ausschreibungen
der Lehrer-/Vorbeterstellen 1882 und 1927
Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. November 1882: "Vakanz. In der
hiesigen israelitischen Gemeinde ist die Stelle
eines Vorsängers und Schächters zu besetzen. Der fixe Gehalt ohne
Nebeneinkommen und Schächtergebühren ist auf Mark 1.200 festgesetzt. Bei
Bewerbungen sind Zeugnisse über seitherige Tätigkeit und den
sittlich-religiösen Lebenswandel einzureichen. Reisespesen werden nach
Abschluss des Vertrags vergütet.
Sulzburg in Baden, 5. November 1882. Der Synagogenrat. A.H. Dreyfuß". |
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Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Mai 1927: "In der Gemeinde Sulzburg
(Baden) ist die Stelle des Kantors,
Schochets und Religionslehrers zum 1. Juli 1927 neu zu besetzen.
Gehalt nach der Besoldungsordnung des Oberrats der Israeliten Badens. Außerdem
schöne freie Dienstwohnung. Bewerbungen mit Lebenslauf und
Zeugnisabschriften sind zu richten an die Bezirkssynagoge Freiburg i.Br.". |
Stiftungen
Eine
ganz besondere Stiftung - Brezeln für die Kinder bei Schulprüfungen (1897)
Artikel in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 28. Mai 1897: "Vom badischen
Oberlande, 16. Mai (1897). Von einem Herrn Jakob Kahn aus Sulzburg wurde
dieses Frühjahr eine kleine Stiftung errichtet, die es verdient, in
weiten Kreisen bekannt zu werden. Aus den Zinsen genannter Stiftung werden
jedes Jahr anlässlich der Religionsschulprüfung an alle israelitischen
Kinder, ob schulpflichtig oder nicht, Brezeln ausgeteilt. Infolgedessen
gestaltet sich die Schulprüfung zu einem Feste für die Jugend. In
Ansehung dessen, dass zu einer solchen Stiftung schon ein bescheidenes
Kapital hinreicht und alljährlich so manches Kinderherz glücklich
gemacht werden kann, wäre zu wünschen, dass diese Einrichtung auch
anderwärts recht baldige und vielfache Nachahmung finden möge." |
Beth
HaMidrasch - "David Weil'sche Stiftungsschule" - die Talmud Hochschule
in Sulzburg in den 1860er-Jahren
Bericht
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. April 1867 über die Prüfungen
am Beth HaMidrasch.
"Sulzburg
(Baden), 8. April. Unserem hiesigen Bethhamidrasch taten Sie, Hochgeehrter
Herr Redakteur! Schon mehrmals rühmlichst Erwähnung, weshalb ich mir
erlaube, Ihnen über die gestern darin stattgehabte Prüfung Bericht zu
erstatten. Die Prüfung – geleitet von unserem allverehrten Herrn
Bezirksrabbiner und Schulvorstand Dreyfuß
fand unter reger Teilnahme seitens des löblichen Synagogen- und
Schulrates statt. Und lieferte ein sehr befriedigendes Resultat. Bei der
unteren (ersten) Klasse erstrechte sich die Prüfung hauptsächlich auf
einige Sderot (Ordnungen) im ersten Buch Moses mit dem Kommentar von
Raschi, sowie auf die Einübung sämtlicher Benediktionen; bei der höheren
(zweiten) Klasse hingegen auf den größten Teil des zweiten Buch Moses
mit dem Kommentar Raschis und auf die Kenntnis des Ritualgesetzes und
wurde diesmal … geprüft nach dem höchst praktischen Büchlein
‚Gedenket an die Tora Moses’. Alle Anwesenden waren von Freude erfüllt,
eine so gründliche Kenntnis der Heiligen Schrift bei den Kindern
wahrzunehmen, sowie ferner zu sehen, wie herrlich die zarte Jugend sich
auf die Erfüllung der heiligen Vorschriften versteht: und wurde dieser
Freude der schönste Ausdruck verliehen, durch die Anerkennung seitens des
ehrwürdigen Schulvorstandes am Schlusse der Prüfung. Volle Anerkennung
gebührt aber auch der hiesigen Gemeinde und deren würdigen Vertreter,
die es nicht an pekuniären Opfern fehlen lassen, um diese Pflanzstätte für
wahre Religiosität und Religionskenntnis immer mehr und mehr ihrer
Entfaltung entgegenzuführen. Der Segen des himmlischen Vaters wird sicher
nicht ausbleiben. Möge denn die hiesige Gemeinde ein Muster vieler
anderen badischen Gemeinden werden, in denen leider der Bibelunterricht
noch sehr im Argen liegt, indem ihm nur kärglich Zeit und Muße zugewandt
wird. Dass auf diese Weise unserer hochheiligen Pflicht - deinen
Kindern schärfe sie – die heilige Tora – deinen Kindern ein:
nicht entsprochen wird, wer wollte das bezweifeln?! Mögen doch unsere
ehrwürdigen Herren Rabbinen diese hochheilige Sache in die Hand nehmen, mögen
sie mit allen Kräften dahin wirken, dass dieser wichtigste
Unterrichtsgegenstand fortan keine Verkümmerung mehr erleide: das wäre
ein Wirken für die Ewigkeit, dessen Folgen unberechenbar sind.
(Bemerkung der Redaktion: Der Vorsteher und Hauptlehrer der in Rede
stehenden Schule ist der gelehrte Herr Salomon Bamberger, von dessen
Bearbeitung des Aruch in diesen
Blättern bereits mehrfach die Rede gewesen.). |
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| Oben Bericht aus
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Juni 1865 - noch
nicht abgeschrieben, aber einsehbar... |
Persönliche
Mitteilungen
A.
H. Dreyfuß - zum dritten Mal in den Gemeinderat gewählt (1882)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Juli 1882: "Sulzburg, 17. Juli
(1882). Bei der heutigen Gemeinderatswahl wurde Herr A. H. Dreyfuß, Sohn
des hiesigen Herrn Bezirksrabbiners, zum dritten Male wieder als
Gemeinderat gewählt. In der gegenwärtigen Zeit, die sich keineswegs
durch religiöse Duldsamkeit auszeichnet, ist das Ergebnis der Wahl für
die Wähler und den Gewählten um so ehrenvoller, da 2/3 der auf diesen
abgegebenen Stimmzettel von christlichen Mitbürgern unseres Städtchens
herrühren." |
Zum Tod von Seligmann Bloch (1876)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. März 1876 - noch
nicht abgeschrieben. |
Zum Tod von Beile Kahn, der Mutter die Rabbiner Dr. Kahn in Wiesbaden (1886)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. April 1886: "Sulzburg in Baden, 9.
April (1886). Erew Schabbat
HaKodesch
Tazria (am Freitag vor dem Schabbat mit der Toralesung Tazria = 3.
Mose 12,1 - 13,59; d.i. Freitag, 3. April 1886) fand dahier unter großer
Beteiligung das Leichenbegängnis der im 75. Lebensjahre verstorbenen Frau
Beile Kahn - ihre Ruhe sei Wonne - statt. Galt doch diese letzte
Ehre einem echt jüdischen Weibe, das mit Israels schönsten Tugenden
geschmückt war. Während einer 51jährigen, musterhaften Ehe durch
seltene Frömmigkeit und Wohltätigkeit sich auszeichnend, war es
insbesondere ihre beispiellose Selbstlosigkeit und Bescheidenheit, durch
welche sie in unserer Zeit des Egoismus und der Überschätzung des
eigenen Ichs in ungewöhnlichem Maße hervorragte. Ihr ganzes Leben war
der Familie und den Not leidenden und bekümmerten Mitmenschen gewidmet.
Ihre Freude suchte sie nicht in weltlichen Vergnügungen, sondern in der
Ausübung von Geboten und in ihrem für alles Gute erglühenden Herzen
bewahrte sie einen Edelmut, der das widerfahrene Böse stets mit Gutem zu
vergelten suchte. Inmitten des Pessacharbeit, die sie trotz der Gebrechen
des Alters keinem Anderen überlassen möchte, wurde sie in ein besseres
Jenseits abberufen, mit der seltenen Genugtuung, nur Freunde auf Erden zurückgelassen
zu haben. Den Gefühlen berechtigter Trauer gaben der hiesige Herr
Rabbiner Dreyfuß, sowie ihr aus Wiesbaden herbeigeeilter Sohn, Herr
Rabbiner Dr. Kahn, in ergreifenden Worten beredten Ausdruck. Das Andenken
der teuren Verschiedenen wird in unserer Gemeinde stets unvergesslich
bleiben." |
Kantor Simon Metzger wechselt von Sulzburg nach Bretten - Samuel Strauß von
Berlichingen kommt nach Sulzburg (1905)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 8. Dezember
1905: "Karlsruhe: "Das neueste Verordnungsblatt des
Großherzoglichen Oberrates der Israeliten meldet folgende Veränderungen
in der Besetzung der Religionsschullehrerstellen: Jakob Lewin seither in Lorsch
nach Randegg, Sally Rosenfelder in Eubigheim
nach Buchen, Nathan Adler von Külsheim
nach Eubigheim, Kantor Simon
Metzger von Sulzburg nach Bretten,
Samuel Strauß von Berlichingen
nach Sulzburg, Jakob Schloß von Talheim
nach Malsch bei Ettlingen. Auf
Ansuchen wurden von ihren Stellen enthoben: Kantor Weiß in Gailingen
und Religionslehrer Jakob Lorch in Untergrombach,
letzterer behufs Übernahme der Verwalterstelle der M.A. d.
Rothschild'schen Lungenheilstätte in Nordrach." |
Tod des Hauptlehrers Josef
Bruchsaler (1911)
Mitteilung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 7. Juli 1911: "Sulzburg.
Hauptlehrer Josef Bruchsaler ist verschieden." |
Zum
Tod der Frau des Kaufmanns Maier Mayer aus Schopfheim (1913)
Artikel im
"Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 7. Februar 1913: "Sulzburg
(Baden). Ein ansehnlicher Leichenzug bewegte sich am letzten Sonntag durch
unser Städtchen. Es galt die sterbliche Hülle der Gattin des von hier
stammenden Kaufmanns Maier Mayer aus Schopfheim zur Erde zu bestatten. Im
blühenden Alter von 35 Jahren nach 12jähriger Ehe, musste sie ihre schöne
Heimat, ihren lieben Gatten, ihr hoffnungsvolles Söhnchen verlassen, um
auf Gottes Ratschluss in eine bessere Welt einzugehen. In gut gewählten
Worten schilderte auf dem Friedhofe Bezirksrabbiner Dr.
Eschelbacher-Freiburg die Vorzüge der Verblichenen, welche Lücke die
Entschlafene hinterlassen hat. Sie war im wahren Sinne des Wortes eine Eisches
Chajil (tüchtige Frau)". |
Zum Tod von
Neanette Bloch (1926)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Januar 1926: "Sulzburg (Baden), 12.
Januar (1926). Am Erew Schabbat
(Freitagabend, gemeint 8. Januar 1926) verschied im hohen Alter von 90
Jahren die älteste Einwohnerin unserer Stadt, die seit acht Jahren
verwitwete Frau Neanette Bloch. Bewundernswerte geistige und körperliche
Frische ermöglichten es ihr, bis zum letzten Augenblick in ihrem echt jüdischen,
mustergültigen Haushalte als eine wahre ‚tüchtige Frau’ zu wirken.
Nur derjenige kann das ermessen, was sie ihrer Familie, ihrem mit allen
Fasern des Herzens geliebten Judentums und nicht zuletzt unserer Kehillah
(Gemeinde) war, der das Glück hatte, in der Nähe dieser edlen Zenuah
weilen zu dürfen. – Die Kewuroh
(Beerdigung) fand am Sonntag, den 10. Januar, unter außerordentlich großer
Anteilnahme von nah und fern statt. Herr Lehrer Baracker klagte bewegten
Herzens an der Bahre um den großen Verlust, den die altehrwürdige
Gemeinde und insbesondere das gesetzestreue Judentum erleiden. Derselbe
zeichnete unter Zugrundlegung des 31. Psalms: ‚In Deine Hand befehle ich
meinen Geist, Du erlösest mich, o Ewiger, Gott der Wahrheit’ ein
lebensgetreues Bild der Entschlafenen. Herr Lehrer Simon, Lörrach, dankte
am Grabe
der edlen Verblichenen für die ihm während des Krieges in so hohem Maße
erwiesene Gastfreundschaft. Nun ruht die verklärte Patriarchin an der
Seite ihres ihr vor 8 Jahren in den Tod vorangegangenen Gatten. Ihre Seele
sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
Zum
Tod von Berthold Dukas (1932)
Artikel
in der
Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Dezember 1932: "Sulzburg, 5. Dezember
(1932). Im Alter von nur 52 Jahren ist Berthold Dukas, einer der Würdigsten
unserer Gemeinde, verschieden. Eine tückische Krankheit hat ihn, den
immer Arbeitsfrohen, trotz aufopferndster Pflege der Gattin, jäh
dahingerafft und eine unersetzliche Lücke geschaffen. Sein wunderbares
Familienleben war durchtränkt von tiefer und echter Frömmigkeit und sein
jüdisches Heim war jedem Armen weit geöffnet. Das Wohl der Gemeinde war
ihm heilig. Seine orthodoxe Einstellung (er war ein glühender und treuer
Verehrer von S. R. Hirsch – das
Gedenken sei zum Segen – und dessen Schriften), die er mit einer
Entschiedenheit vertrat, ging Hand in Hand mit aller gewinnenden Versöhnlichkeit
und Menschenliebe. Musikalisch und stimmbegabt, war er ein begeisterter
Freund des Vorbetens und beherrschte zahlreiche liturgische Melodien. Ergreifend war es, wie er an den Ehrfurchtgebietenden
Tagen vorbetete. In der Chewra
Kadischa (Heilige Bruderschaft) betätigte er sich an erster Stelle.
Zu seiner Beisetzung fanden sich zahlreiche Freunde von Nah und Fern ein,
auch die gesamte nichtjüdische Einwohnerschaft erwies dem beliebten Manne
die letzte Ehre. An der Bahre schilderten Kantor Strauß, Freiburg, der
Schwager des Verstorbenen, sowie Kantor Alperowitz, Sulzburg, das
segensreiche Leben des Verewigten und den schweren Verlust, den seine
Familie und Gemeinde erlitten. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des
Lebens." |
Sonstiges
Öffentlicher
Dank für Spenden für die beiden Familien Valfer
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18.8.1887: noch
nicht abgeschrieben |
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