Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Sulzburg (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald)
Einzelne Texte/Berichte zur jüdischen Geschichte des Ortes

Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Sulzburg wurden in jüdischen Periodika gefunden.

Übersicht

Aus der Geschichte des Rabbinates
- Die Trauerfeier für Bezirksrabbiner Emanuel Dreyfuß ("Reb Mendel") am 18. November 1886  
- Überlegungen eines Gemeindegliedes nach dem Tod von Reb Mendel  
- Weiterer Artikel im Blick auf die Besetzung des Rabbinates Sulzburg 
- Zum Weggang des Rabbinatskandidaten und Stiftsrabbiners Schlomo Bamberger 1872 
- Zu einzelnen Veröffentlichungen der Sulzburger Rabbiner 
Ausschreibungen der Lehrer-/Vorbeterstellen 1882 und 1927
Stiftungen  
- Eine ganz besondere Stiftung - Brezeln für die Kinder bei Schulprüfungen (1897) 
Beth HaMidrasch - Die Talmud Hochschule ("David Weil'sche Stiftungsschule") in Sulzburg in den 1860er-Jahren
Persönliche Mitteilungen 
- A. H. Dreyfuß - zum dritten Mal in den Gemeinderat gewählt (1872)  
- Tod des Hauptlehrers Josef Bruchsaler (1911) 
- Zum Tod der Frau des Kaufmanns Maier Mayer aus Schopfheim (1913) 
- Zum Tod von Neanette Bloch (1926) 
- Zum Tod von Berthold Dukas (1932)  
Sonstiges 
- Öffentlicher Dank für Spende für die beiden Familien Valfer (1887)

 

Aus der Geschichte des Rabbinates
Die Trauerfeier für Bezirksrabbiner Emanuel Dreyfuß ("Reb Mendel") am 18. November 1886:

Sulzburg Israelit 22111886.jpg (166602 Byte)"Sulzburg (18. November 1886). Dienstag den 16. dieses Monats verschied nach fast siebenwöchentlichem Krankenlager der auch weit über unser badisches Vaterland hinaus rühmlichst bekannte Herr Bezirksrabbiner E. Dreyfuß im 82. Lebensjahre. Das heute stattgehabte Leichenbegängnis legte den Beweis ab in welch hohem Ansehen dieser teure Verblichene stand, sowohl bei den Israeliten als Nichtisraeliten; und gestaltete sich die Leichenfeier zu einer wahrhaft imposanten. Von auswärtigen Rabbinen waren erschienen die Herren Bamberger, Niederhagental, Wormser, Tann,  Mock, Mühlhausen,  J. Cohn, Basel,  Dr. Lewin – im Auftrage des Oberrates – Freiburg,  Dr. Rawitsch, Schmieheim. Außerdem kamen Deputationen von Karlsruhe, Freiburg, Müllheim, Lörrach, Kirchen, Eichstetten und von vielen anderen Orten. 
Um 1 Uhr Nachmittags wurde die Leiche in die zu diesem Zwecke feierlichst erleuchtete und dekorierte Synagoge getragen. 
Hier sprach zuerst Herr Rabbiner Bamberger in meisterhaft wohldurchdachter Rede, anknüpfend an den dieswöchentlichen Toraabschnitt Chaje Sara ('und es war die Lebenszeit Sara's...' 1. Mose 23,1) wies er nach, dass die Sara die wir hier beklagen und beweinen, die Sara der Tora sei in Bezug auf die großen Eigenschaften und Leistungen des Verblichenen. 
Sodann sprach Herr Rabbiner Wormser aus Tann, Herr Dr. Lewin aus Freiburg namens des Oberrates der Israeliten und seiner Gemeinde über den großen Verlust, den nicht nur die Familie, die Rabbinatsangehörigen, sondern ganz Israel erlitten. Ferner sprach Herr Lehrer Bruchsaler von hier namens der Lehrer des Bezirkes und der hiesigen Gemeinde.
Nachdem einige Psalmen rezitiert wurden, bewegte sich der Zug zum Friedhofe, wo die Herren Rabbiner Dr. Rawitsch und Dr. Cohn in beredten Worten die großen Verdienste des Verblichenen schilderten, die Gemeinde aufforderten, im Sinne dieses großen Lehrers und Meisters, der 52 Jahre im hiesigen Bezirke wirkte, nachzuahmen und den ausgestreuten Samen fortzupflanzen.
Trotzdem der Verblichene sich jeden Hesped (Gedächtnisrede im Blick auf den Verstorbenen)  verbeten, ließen sich die Herren Rabbiner nicht nehmen,  zur Ehre des Verschiedenen und um der Wahrheit die Ehre zu geben und, wenn auch nur in bescheidener Weise, die große
Verdienste dieses gerechten Verschiedenen zu schildern. So schloss diese erhebende Feier; möge baldigst in Erfüllung gehen: Er macht verschwinden den Tod für immer (Jesaja 25,8)".

 
Überlegungen eines Gemeindegliedes nach dem Tod von Reb Mendel

Sulzburg Israelit 09121886.jpg (243412 Byte)Artikel aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Dezember 1886:  "Sulzburg (Baden). Die Trauer in der Gemeinde um den Verlust unseres verewigten Rabbiners, Rabbi Mendel Dreyfuß – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – ist um so größer als man vielfach fürchtet, der Rabbinatssitz werde nicht wieder besetzt, sondern der Sulzburger Bezirk an das Freiburger Rabbinat angeschlossen werden. Die allgemeine Stimmung ist nun entschieden gegen einen solchen Anschluss und mit vollem Recht. Wir brauchen einen Rabbiner ganz und können uns nicht damit zufrieden geben, wenn ein Rabbiner, dem schon die Verwaltung eines Bezirks anvertraut ist, ein- oder zweimal im Jahre zu uns kommt, und kaum dass er einen Einblick in unser Verhältnis getan, uns wieder verlässt. Wir haben aber auch einen Rabbiner sehr notwendig. Den verhältnismäßig günstigen Stand unserer Religiosität verdanken wir nur der Tatkraft unseres bisherigen Rabbiners und der großen Ehrfurcht, die er Allen einflößte. Das Fehlen des Rabbiners würde sich nur allzu bald fühlbar machen und was Reb Mendel mit so vieler Mühe erhalten, würde schneller zerstört sein als man glaubt. Gerade bei uns, wo in den meisten Familien noch die Frömmigkeit hochgehalten wird, könnte ein frommer und tüchtiger Rabbiner sehr viel Gutes wirken; durch Belehrung der Erwachsenen, durch Überwachung der Schulen, in denen ‚unsere Zukunft’ heranwächst, könnte er Vieles und Treffliches leisten; am meisten würde aber sein Vorbild wirken. Ja, ich kann es wohl sagen, schon das Bewusstsein, dass ein frommer Rabbiner unter uns weilt, würde zur Hebung der Religiosität außerordentlich viel beitragen. Ein zweiter Haupt-Nachteil beim Anschluss der Landgemeinden an die Israeliten der Stadt besteht darin, dass die letzteren meistes unfromm, die ersteren meistens noch fromm sind. Und das trifft auch in diesem Falle zu. Die Freiburger Gemeinde ist streng - unfromm. Eine Orgel spielt dort am Sabbat und Feiertage: gesinnungstüchtigen, prinzipientreuen Rabbinern war also die Bewerbung unmöglich gemacht. Nun, wie es ein altes Sprichwort ist, dass wie die Gemeinde, so der Rabbiner, so hat auch die Freiburger Gemeinde einen Rabbiner bekommen, der seiner ‚Richtung’ nach vollkommen für sie geeignet ist. Und wir sind tolerant genug, den Freiburgern ihren Rabbiner zu gönnen; nur eines wünschen wir, dass er uns nicht aufgedrängt werde. Er passt der ganzen Stellung nach, die er zu unsern Religionsgesetzen nimmt, durchaus nicht für uns. Es wäre doch ein zu großer Abstand und ein zu krasser Gegensatz, wenn wir nach unserem seligen Reb Mendel – das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen – den Freiburger Rabbiner als ‚religiösen Führer’ erhielten, der vielleicht auch uns wie die Freiburger mit seinen letzten Heldentaten, Abschaffung respektive Kürzung der Gebete an den heiligen Feiertagen, und dafür Einführung von Paulen am Jom Kippur beglücken würde.
Schreiber dieser Zeilen ist zwar nur ein einfacher Mann, aber als er die sichtliche Ergriffenheit bei dem Begräbnis unseres verstorbenen Rabbiners wahrnahm, so konnte er sich des Gedankens nicht entschlagen, wenn diese Trauer wirklich eine aufrichtige ist, so sollte sie sich darin am ehesten kundgeben, dass die Gemeinden von Sulzburg, Müllheim, Lörrach, Kirchen usw. sich zusammentun, auch ein Geldopfer nicht scheuen und mit Genehmigung des Oberrates, die wir gewiss, wenn wir ernstlich wollen, erlangen werden, einen eigenen Rabbiner hier oder in Müllheim anzustellen, einen Rabbiner nach unserem Sinne und einen würdigen Nachfolger unseres verstorbenen Rabbiners".

 
Weiterer Artikel im Blick auf die Besetzung des Rabbinates in Sulzburg

Sulzburg Israelit 16051887.jpg (88561 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Mai 1887: "Sulzburg, im April (1887). Als vor einiger Zeit die Trauernachricht durch die jüdischen Blätter ging, dass Reb Mendel, der mehr als ein halbes Jahrhundert in seinen Bezirksgemeinden mit Hingebung und Tatkraft und mit segensreichem Erfolge gewirkt und als ein mutiger und unerschrockener Vorkämpfer des wahren Judentums unermüdlich tätig gewesen, aus diesem Leben abberufen worden sei, las ich in Ihrem geschätzten Blatte den Aufsatz eines Mitglieds der Gemeinde Sulzburg, in welchem er in einfachen, aber, wie man viel merkte, aus dem Herzen kommenden Worten der Hoffnung Ausdruck gab, dass die allgemein tiefe Trauer um den Verstorbenen, über den man wie über einen Vater klagte, sich darin zeigen werde, dass man ihm einen seiner würdigen Nachfolger geben, und dass der Bezirk von Sulzburg-Müllheim sich nicht an das Freiburger Rabbinat anschließen lassen, sondern einen eigenen Rabbiner, nach seinem Herzen und nach eigener Wahl berufen werde. Dieser Bericht interessierte mich seiner Zeit umso mehr als ich die Verhältnisse des Bezirkes genau kenne und mich naturgemäß über den frischen Hauch religiösen Lebens, der aus jenem Artikel hervorwehte, freuen musste. Letzthin hatte ich nun Gelegenheit die Zustände in Müllheim-Sulzburg selbst in Augenschein zu nehmen, und so gebe ich mich denn im Interesse des Rechtes und der Wahrheit gern zum Sprachrohr der Gemeinde her, in welcher sich viele gute Gesinnung, aber leider bis vor kurzem nicht genug Initiative und Tatkraft zeigte.
Sulzburg Israelit 16051887a.jpg (182616 Byte)Man kann wohl sagen, dass die Ansichten, welche in jenem ersten Artikel ausgesprochen wurden, nahezu von allen Israeliten des Bezirkes geteilt werden; abgesehen freilich von einem durch seine – Sonderbarkeit längst bekannten Vorstehers eines kleinen Städtchens und dem strebsamen Lehrer desselben, die durch die Ungeschicklichkeit einer Entgegnung ihrer Sache viel mehr geschadet als genützt haben, sodass wir ihnen für ihre Mühe in unserem Interesse aufrichtig dankbar zu sein Grund haben.
Die Frommen in den Gemeinden von Sulzburg, Müllheim und Lörrach – und ihre Anzahl ist nicht gering, wünschen natürlich die Anstellung eines eigenen Rabbiners und zwar eines Mannes, der ein würdiger Nachfolger des Reb Mendel – das Gedenken an den gerechten ist zum Segen – ist, der ganz in seine Fußstapfen tritt und nicht zerstört, was jener mit Mühe erbaut und erhalten, niederreißt, was jener errichtet. Aber selbst die wenigen Frommen sehen mit Schrecken der Zukunft entgegen. Was soll aus unsern Kindern werden, wenn ihnen nicht eine gediegene, von einem gewissenhaften, pflichtgetreuen Rabbiner überwachte und geleitete religiöse Erziehung zuteil wird. Wenn man bedenkt, wie tief die jetzige Generation in religiöser Beziehung von dem religiösen Standpunkt herabgesunken ist, den noch unsere in Gott ruhenden Eltern einnahmen, so muss jeder, der noch ein Herz hat für seine Religion, bei dem Gedanken erschrecken, was soll aus unserem Glauben werden, wenn unsere Kinder, nicht eine fest religiösen Basis gewinnen, die auch durch die Stürme des Lebens nicht erschüttert werden. Kann. Einen Rabbiner, der selbst nicht streng fromm ist, wollen selbst die Unfrommen nicht. ‚Ein unfrommer Rabbiner’, so hörte ich sie sagen, ‚hat gar keine Existenzberechtigung.’ Wenn im kalten Winter Wärme verbreitet werden soll, so kann dies nur durch ein loderndes, starkes Feuer geschehen, nicht durch ein mattes Flämmchen, welches im Windzuge hin- und herflackert. Wir brauchen hier einen Wegweiser, der uns selbst durch seinen Lebenswandel den rechten Weg zeigt, nicht ein Irrlicht, welches hin- und herschwankt, und den Wanderer in den verderblichen Sumpf lockt.
Sulzburg Israelit 16051887b.jpg (303585 Byte)Und herrscht diese Ansicht im Allgemeinen, so ist im ganzen Bezirke die Überzeugung eine einstimmige, dass der Freiburger Rabbiner, der ja zugleich Sulzburg ‚mit verwaltet’, nicht der geeignete Mann für die hiesige Gemeinde sei. Zwar kennen die einfachen Männer des Bezirks die tief greifenden Unterschiede der Parteien nicht, aber instinktmäßig haben sie sofort herausgefühlt, dass der Rabbiner von Freiburg, in Freiburg mit allen dortigen Reformen einverstanden ist, für uns, die wir an einen Mann wie Reb Mendel gewöhnt sind, nicht passt. Gibt es hier auch sehr Viele, die aus dem Tragen am Sabbat sich nichts machen, so hat es doch überall ein unangenehmes Erstaunen hervorgerufen, als der Herr Rabbiner bei seinem hiesigen Aufenthalte sich über den Eruw lustig machte! Wenn das der Hirte tut, so sagt man mit Recht, was muss dann der Herde erlaubt sein! Noch viel mehr böses Blut machte aber und mit Recht die schwankende Behandlung der Schechita-Frage in Sulzburg seitens des Freiburger Rabbiners; wenn irgendwo, so erwartete, in einer außerordentlich wichtigen Sache die Gemeinde von ihrem religiösen Führer Konsequenz und Festigkeit, doch sie sah sich bitter getäuscht; mit seinem schwankenden und zu Unzeit nachgiebigen Haltung in dieser Frage hat sich der Freiburger Rabbiner, selbst für seine bisherigen Freunde unleugbar gezeigt – dass gerade die Eigenschaften, die ihn für Freiburg zu empfehlen seinen, ihn für uns unmöglich machen.
Deswegen entspann sich allmählich eine immer kräftiger sich entwickelnde Bewegung, auf alle Fälle einen eigenen Rabbiner, aus eigenen Mitteln anzustellen, dessen Händen man ruhig die Verwaltung der religiösen Angelegenheiten anvertrauen könnte. Doch da die Gleichgültigkeit in religiösen Angelegenheiten hier wie fast überall eine ziemlich große ist, so hatte die Agitation zuerst nur geringe Erfolge. Da goss ein Ereignis Öl in das Feuer. Aus Sulzburg stammt ein Rabbiner, der nicht nur in orthodoxen Kreisen, sondern überall hoch geachtet und wegen seiner unbestechlichen Rechtlichkeit und wegen seiner Geradheit überall verehrt wird, Dr. Cahn in Wiesbaden. Die Gemeinde von Sulzburg ist natürlich stolz auf ihn und auch dieses Jahr, als er zum Besuche der Gräber der Seinigen nach Sulzburg kam, wurde er aufgefordert, in der Synagoge zu predigen.
Kurz darauf erhielt der Vorstand vom Oberrat in Karlsruhe amtlich eine Zustellung, in der er aufgefordert wurde, sich zu verantworten, warum er – man höre und staube – warum er einen Unberufenen (!) in der Synagoge habe predigen lassen. Wer hier den Angeber gemacht hat, darüber kann man nur Vermutungen aufstellen, die jedoch wahrscheinlich das Richtige treffen. Die Erregung in der Gemeinde war natürlich eine außerordentlich große. Wer ist berufener, auf dem Platze des Reb Mendel – das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen – zu predigen, ein Mann, der seine Gesetzestreue und Charakterfestigkeit oft genug durch die Tat bewiesen, oder ein Rabbiner, von dessen religiösen Prinzipien man nur weiß, dass sie recht dehnbar und schwankend sind, und den Ansichten wie man sie hier gewohnt ist, entschieden zuwiderlaufen?
Die nächste Folge des Karlsruher Ukases (Erlasses) war daher, dass sich eine feste Vereinigung bildete, welche auf 10 Jahre sich verpflichtete, eine bestimmte Summe jährlich zur Anstellung eines Rabbiners zu zahlen. Die Summe ist zwar nicht zu groß, dürfte aber mit den Zinsen eines vorhandenen Kapitals etc. genügen, die Berufung eines Rabbiners zu ermöglichen. Bereits ist ein außerordentlich tüchtiger, vielseitig gebildeter, als Prediger wie als Lehrer gleich hervorragender junger Rabbiner für die Stelle in Aussicht genommen.
Schreiber dieser Zeilen ist ein Mensch, der den Frieden über alles liebt. Aber hier kann von Nachgiebigkeit nun und nimmer die Rede sein. Es handelt sich um das höchste Gut des menschlichen Lebens, um die Religion. Sie ist gefährdet, wenn nicht an der Spitze der Gemeinde ein gesetzestreuer, prinzipienfester Rabbiner steht. Und einen solchen zu gewinnen, dafür möge der Sulzburger Gemeinde kein Opfer zu groß sein. Das ist eine Saat, die reichlich lohnet.
Sulzburg Israelit 16051887c.jpg (95854 Byte)Im Anschluss an den obigen bericht, teilen wir aus einem, uns aus Mühlheim (in Baden) zugegangenen Privatbrief die folgende Stelle mit:
Müllheim
, 8. Mai (1887). In dem benachbarten Sulzburg regt es sich eifrig, man beabsichtigt dort, einen eigenen Rabbiner anzustellen. Freilich glaube ich, dass, wenn die Gemeinden des Bezirks Sulzburg energisch vorgingen, - wie z.B. erst kürzlich die Gemeinde von Gailingen, welche durch ihre Drohung aus dem israelitischen Verbande auszutreten, den Oberrat gezwungen hat, den Rabbinatssitz, der nach dem durch eine Orgel ausgezeichneten Konstanz verlegt werden sollte, in Gailingen zu belassen – sie auch jetzt den Oberrat veranlassen könnten, ihren gerechten Anforderungen Genüge zu leisten. So aber, ist immerhin der Beschluss der Sulzburger Gemeinde, einen eigenen Rabbiner zu engagieren, ein außerordentlich lobenswerter, und es ist nicht ehrenwert für die bedeutend größere und reichere Gemeinde von Müllheim, dass hier nicht der gleiche Eifer zutage tritt. In beiden Gemeinden herrscht leider in dieser so überaus wichtigen und für die religiöse Zukunft des Bezirks geradezu entscheidenden Frage viel zu viel kleinliche Eifersüchtelei.
Jede der beiden Gemeinden, Sulzburg wie Müllheim, will nämlich den Rabbiner ganz oder doch vorwiegend für sich haben. Nun ist dies Streben ja ein rühmliches Zeugnis für den religiösen Sinn in der Gemeinde und zugleich ein beweis dafür, ein wie dringendes Bedürfnis ein Rabbiner in dieser Gemeinde ist. Es wäre aber noch viel schöner und besser, wenn Müllheim und Sulzburg sich vereinigten, ihre Beträge und besonders die Zinsen aus den beiderseitigen bedeutenden Stiftungsgeldern zusammenlegen würden; dann könnten sie eine tüchtige Kraft für das Rabbinat gewinnen, einen Rabbiner, der abwechselnd in Müllheim und in Sulzburg seinen Sitz haben und in beiden Gemeinden segensreich wirken könnte. Auch die wahrhaft Frommen in Lörrach würden sich gewiss einer solchen Vereinigung anschließen. Wenn nur die religiösen Männer in Müllheim sich jetzt, da Sulzburg mit dem guten Beispiel vorangegangen, sich zusammentun und für die Anstellung eines Rabbiner tätig sein wollten, in der Überzeugung, dass es sich jetzt, um die Zukunft unserer Kinder und um die religiöse Führung unserer Gemeinde handelt!"

  
Zum Weggang des Rabbinatskandidaten und Stiftsrabbiners Salomo (Schlomo) Bamberger 1872 

Sulzburg Bamberger 01.jpg (40521 Byte)Links: Salomo Bamberger, geb. 1835 in Wiesenbronn, Rabbinatskandidat in Sulzburg 1862-1872 und Stuftsrabbiner, d.h. Rabbiner am Beth HaMidrasch (David Weil'sche Stiftungsschule), später Rabbiner in Endingen, 1882 Niederhagental, 1886 Sennheim / Cernay.

Biographie Bambergers auf (französischer) Seite: http://judaisme.sdv.fr/histoire/rabbins/bamberg/bamberg.htm 
Sulzburg Israelit 16101872.jpg (75831 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Oktober 1872:  "Sulzburg, 7. Oktober (1872). Nach beinahe 10jähriger ersprießlicher Dienstführung, ist der hiesige Stiftsrabbiner, Herr Rabbinatskandidat S. Bamberger, heute von hier abgereist, um einem anderweitigen, ehrenhaften Rufe, nach Lengnau, in der Schweiz, zu folgen. Seine Anspruchslosigkeit und Verträglichkeit, seine echte, strenge Frömmigkeit, seine gründlichen und umfassenden rabbinischen Kenntnisse, und seine Pünktlichkeit und Treue in Erfüllung seiner Berufspflichten, haben ihm hier und in der Umgegend Vertrauen und Hochachtung erworben, und die besten Wünsche begleiten ihn in seinen jetzigen Bestimmungsort. Diese Gefühle der Ehrerbietung und der Liebe, haben auch in den Ehrengeschenken, welche ihm, vor seinem Wegzuge überreicht wurden, ihren Ausdruck gefunden.
Möge Herr Bamberger in seinem jetzigen neuen Wirkungskreise gleiche Anerkennung und Wertschützung finden, wie solche ihm dahier verdientermaßen allgemein und in hohem Grade geworden sind.

  

Zu einzelnen Veröffentlichungen der Sulzburger Rabbiner 

Sulzburg Israelit 07111860.jpg (144538 Byte)

Links: Vorstellung der "Sammlung religiöser Vorschriften aus schriftlicher und mündlicher Lehre", gesammelt von Rabbiner Emanuel Dreifuß zu Sulzburg in Baden. Mühlhausen 5618 (1860).

Sulzburg Israelit 30101872.jpg (287455 Byte) Sulzburg Israelit 30101872a.jpg (248560 Byte)

Sulzburg Israelit 05121866.jpg (120956 Byte)

 

Ausschreibungen der Lehrer-/Vorbeterstellen 1882 und 1927

Sulzburg Israelit 15111882.jpg (44690 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. November 1882: "Vakanz. In der hiesigen israelitischen Gemeinde ist die Stelle eines Vorsängers und Schächters zu besetzen. Der fixe Gehalt ohne Nebeneinkommen und Schächtergebühren ist auf Mark 1.200 festgesetzt. Bei Bewerbungen sind Zeugnisse über seitherige Tätigkeit und den sittlich-religiösen Lebenswandel einzureichen. Reisespesen werden nach Abschluss des Vertrags vergütet. 
Sulzburg in Baden, 5. November 1882. Der Synagogenrat. A.H. Dreyfuß".
  
Sulzburg Israelit 19051927.jpg (47917 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Mai 1927: "In der Gemeinde Sulzburg (Baden) ist die Stelle des Kantors, Schochets und Religionslehrers zum 1. Juli 1927 neu zu besetzen. Gehalt nach der Besoldungsordnung des Oberrats der Israeliten Badens. Außerdem schöne freie Dienstwohnung. Bewerbungen mit Lebenslauf und Zeugnisabschriften sind zu richten an die Bezirkssynagoge Freiburg i.Br.".

    

Stiftungen 

Eine ganz besondere Stiftung - Brezeln für die Kinder bei Schulprüfungen (1897)

Sulzburg AZJ 28051897.jpg (54605 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 28. Mai 1897: "Vom badischen Oberlande, 16. Mai (1897). Von einem Herrn Jakob Kahn aus Sulzburg wurde dieses Frühjahr eine kleine Stiftung errichtet, die es verdient, in weiten Kreisen bekannt zu werden. Aus den Zinsen genannter Stiftung werden jedes Jahr anlässlich der Religionsschulprüfung an alle israelitischen Kinder, ob schulpflichtig oder nicht, Brezeln ausgeteilt. Infolgedessen gestaltet sich die Schulprüfung zu einem Feste für die Jugend. In Ansehung dessen, dass zu einer solchen Stiftung schon ein bescheidenes Kapital hinreicht und alljährlich so manches Kinderherz glücklich gemacht werden kann, wäre zu wünschen, dass diese Einrichtung auch anderwärts recht baldige und vielfache Nachahmung finden möge."

 

Beth HaMidrasch - "David Weil'sche Stiftungsschule" - die Talmud Hochschule in Sulzburg in den 1860er-Jahren

Sulzburg Israelit 17041867.jpg (169138 Byte)Bericht in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. April 1867 über die Prüfungen am Beth HaMidrasch.
"Sulzburg (Baden), 8. April. Unserem hiesigen Bethhamidrasch taten Sie, Hochgeehrter Herr Redakteur! Schon mehrmals rühmlichst Erwähnung, weshalb ich mir erlaube, Ihnen über die gestern darin stattgehabte Prüfung Bericht zu erstatten. Die Prüfung – geleitet von unserem allverehrten Herrn Bezirksrabbiner und Schulvorstand Dreyfuß  fand unter reger Teilnahme seitens des löblichen Synagogen- und Schulrates statt. Und lieferte ein sehr befriedigendes Resultat. Bei der unteren (ersten) Klasse erstrechte sich die Prüfung hauptsächlich auf einige Sderot (Ordnungen) im ersten Buch Moses mit dem Kommentar von Raschi, sowie auf die Einübung sämtlicher Benediktionen; bei der höheren (zweiten) Klasse hingegen auf den größten Teil des zweiten Buch Moses mit dem Kommentar Raschis und auf die Kenntnis des Ritualgesetzes und wurde diesmal … geprüft nach dem höchst praktischen Büchlein ‚Gedenket an die Tora Moses’. Alle Anwesenden waren von Freude erfüllt, eine so gründliche Kenntnis der Heiligen Schrift bei den Kindern wahrzunehmen, sowie ferner zu sehen, wie herrlich die zarte Jugend sich auf die Erfüllung der heiligen Vorschriften versteht: und wurde dieser Freude der schönste Ausdruck verliehen, durch die Anerkennung seitens des ehrwürdigen Schulvorstandes am Schlusse der Prüfung. Volle Anerkennung gebührt aber auch der hiesigen Gemeinde und deren würdigen Vertreter, die es nicht an pekuniären Opfern fehlen lassen, um diese Pflanzstätte für wahre Religiosität und Religionskenntnis immer mehr und mehr ihrer Entfaltung entgegenzuführen. Der Segen des himmlischen Vaters wird sicher nicht ausbleiben. Möge denn die hiesige Gemeinde ein Muster vieler anderen badischen Gemeinden werden, in denen leider der Bibelunterricht noch sehr im Argen liegt, indem ihm nur kärglich Zeit und Muße zugewandt wird. Dass auf diese Weise unserer hochheiligen Pflicht - deinen Kindern schärfe sie – die heilige Tora – deinen Kindern ein: nicht entsprochen wird, wer wollte das bezweifeln?! Mögen doch unsere ehrwürdigen Herren Rabbinen diese hochheilige Sache in die Hand nehmen, mögen sie mit allen Kräften dahin wirken, dass dieser wichtigste Unterrichtsgegenstand fortan keine Verkümmerung mehr erleide: das wäre ein Wirken für die Ewigkeit, dessen Folgen unberechenbar sind.
(Bemerkung der Redaktion: Der Vorsteher und Hauptlehrer der in Rede stehenden Schule ist der gelehrte Herr Salomon Bamberger, von dessen Bearbeitung des Aruch in diesen Blättern bereits mehrfach die Rede gewesen.).
Sulzburg Israelit 14061865.jpg (103379 Byte) Sulzburg Israelit 14061865a.jpg (179203 Byte) Sulzburg Israelit 14061865b.jpg (211447 Byte)
Oben Bericht aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Juni 1865 - noch nicht abgeschrieben, aber einsehbar...

 

Persönliche Mitteilungen

A. H. Dreyfuß - zum dritten Mal in den Gemeinderat gewählt (1882)

Sulzburg Israelit 26071882.jpg (41104 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Juli 1882: "Sulzburg, 17. Juli (1882). Bei der heutigen Gemeinderatswahl wurde Herr A. H. Dreyfuß, Sohn des hiesigen Herrn Bezirksrabbiners, zum dritten Male wieder als Gemeinderat gewählt. In der gegenwärtigen Zeit, die sich keineswegs durch religiöse Duldsamkeit auszeichnet, ist das Ergebnis der Wahl für die Wähler und den Gewählten um so ehrenvoller, da 2/3 der auf diesen abgegebenen Stimmzettel von christlichen Mitbürgern unseres Städtchens herrühren."

 
Zum Tod von Seligmann Bloch (1876)

Sulzburg Israelit 01031876.JPG (191240 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. März 1876 - noch nicht abgeschrieben.



Zum Tod von Beile Kahn, der Mutter die Rabbiner Dr. Kahn in Wiesbaden (1886)

Sulzburg Israelit 12041886.jpg (104127 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. April 1886: "Sulzburg in Baden, 9. April (1886). Erew Schabbat HaKodesch Tazria (am Freitag vor dem Schabbat mit der Toralesung Tazria = 3. Mose 12,1 - 13,59; d.i. Freitag, 3. April 1886) fand dahier unter großer Beteiligung das Leichenbegängnis der im 75. Lebensjahre verstorbenen Frau Beile Kahn - ihre Ruhe sei Wonne - statt. Galt doch diese letzte Ehre einem echt jüdischen Weibe, das mit Israels schönsten Tugenden geschmückt war. Während einer 51jährigen, musterhaften Ehe durch seltene Frömmigkeit und Wohltätigkeit sich auszeichnend, war es insbesondere ihre beispiellose Selbstlosigkeit und Bescheidenheit, durch welche sie in unserer Zeit des Egoismus und der Überschätzung des eigenen Ichs in ungewöhnlichem Maße hervorragte. Ihr ganzes Leben war der Familie und den Not leidenden und bekümmerten Mitmenschen gewidmet. Ihre Freude suchte sie nicht in weltlichen Vergnügungen, sondern in der Ausübung von Geboten und in ihrem für alles Gute erglühenden Herzen bewahrte sie einen Edelmut, der das widerfahrene Böse stets mit Gutem zu vergelten suchte. Inmitten des Pessacharbeit, die sie trotz der Gebrechen des Alters keinem Anderen überlassen möchte, wurde sie in ein besseres Jenseits abberufen, mit der seltenen Genugtuung, nur Freunde auf Erden zurückgelassen zu haben. Den Gefühlen berechtigter Trauer gaben der hiesige Herr Rabbiner Dreyfuß, sowie ihr aus Wiesbaden herbeigeeilter Sohn, Herr Rabbiner Dr. Kahn, in ergreifenden Worten beredten Ausdruck. Das Andenken der teuren Verschiedenen wird in unserer Gemeinde stets unvergesslich bleiben."

  
Kantor Simon Metzger wechselt von Sulzburg nach Bretten - Samuel Strauß von Berlichingen kommt nach Sulzburg (1905)
  

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 8. Dezember 1905: "Karlsruhe: "Das neueste Verordnungsblatt des Großherzoglichen Oberrates der Israeliten meldet folgende Veränderungen in der Besetzung der Religionsschullehrerstellen: Jakob Lewin seither in Lorsch nach Randegg, Sally Rosenfelder in Eubigheim nach Buchen, Nathan Adler von Külsheim nach Eubigheim, Kantor Simon Metzger von Sulzburg nach Bretten, Samuel Strauß von Berlichingen nach Sulzburg, Jakob Schloß von Talheim nach Malsch bei Ettlingen. Auf Ansuchen wurden von ihren Stellen enthoben: Kantor Weiß in Gailingen und Religionslehrer Jakob Lorch in Untergrombach, letzterer behufs Übernahme der Verwalterstelle der M.A. d. Rothschild'schen Lungenheilstätte in Nordrach."   

     
Tod des Hauptlehrers Josef Bruchsaler (1911)

Sulzburg FrfIsrFambl 07071911.jpg (8808 Byte)Mitteilung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 7. Juli 1911: "Sulzburg. Hauptlehrer Josef Bruchsaler ist verschieden."

 
Zum Tod der Frau des Kaufmanns Maier Mayer aus Schopfheim (1913)

Sulzburg FrfIsrFambl 07021913.jpg (60504 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 7. Februar 1913: "Sulzburg (Baden). Ein ansehnlicher Leichenzug bewegte sich am letzten Sonntag durch unser Städtchen. Es galt die sterbliche Hülle der Gattin des von hier stammenden Kaufmanns Maier Mayer aus Schopfheim zur Erde zu bestatten. Im blühenden Alter von 35 Jahren nach 12jähriger Ehe, musste sie ihre schöne Heimat, ihren lieben Gatten, ihr hoffnungsvolles Söhnchen verlassen, um auf Gottes Ratschluss in eine bessere Welt einzugehen. In gut gewählten Worten schilderte auf dem Friedhofe Bezirksrabbiner Dr. Eschelbacher-Freiburg die Vorzüge der Verblichenen, welche Lücke die Entschlafene hinterlassen hat. Sie war im wahren Sinne des Wortes eine Eisches Chajil (tüchtige Frau)". 

    
Zum Tod von Neanette Bloch (1926)

Sulzburg Israelit 29011926.jpg (95182 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Januar 1926: "Sulzburg (Baden), 12. Januar (1926). Am Erew Schabbat (Freitagabend, gemeint 8. Januar 1926) verschied im hohen Alter von 90 Jahren die älteste Einwohnerin unserer Stadt, die seit acht Jahren verwitwete Frau Neanette Bloch. Bewundernswerte geistige und körperliche Frische ermöglichten es ihr, bis zum letzten Augenblick in ihrem echt jüdischen, mustergültigen Haushalte als eine wahre ‚tüchtige Frau’ zu wirken. Nur derjenige kann das ermessen, was sie ihrer Familie, ihrem mit allen Fasern des Herzens geliebten Judentums und nicht zuletzt unserer Kehillah (Gemeinde) war, der das Glück hatte, in der Nähe dieser edlen Zenuah weilen zu dürfen. – Die Kewuroh (Beerdigung) fand am Sonntag, den 10. Januar, unter außerordentlich großer Anteilnahme von nah und fern statt. Herr Lehrer Baracker klagte bewegten Herzens an der Bahre um den großen Verlust, den die altehrwürdige Gemeinde und insbesondere das gesetzestreue Judentum erleiden. Derselbe zeichnete unter Zugrundlegung des 31. Psalms: ‚In Deine Hand befehle ich meinen Geist, Du erlösest mich, o Ewiger, Gott der Wahrheit’ ein lebensgetreues Bild der Entschlafenen. Herr Lehrer Simon, Lörrach, dankte am Grabe der edlen Verblichenen für die ihm während des Krieges in so hohem Maße erwiesene Gastfreundschaft. Nun ruht die verklärte Patriarchin an der Seite ihres ihr vor 8 Jahren in den Tod vorangegangenen Gatten. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

 

Zum Tod von Berthold Dukas (1932)

Sulzburg Israelit 08121932.jpg (94360 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Dezember 1932: "Sulzburg, 5. Dezember (1932). Im Alter von nur 52 Jahren ist Berthold Dukas, einer der Würdigsten unserer Gemeinde, verschieden. Eine tückische Krankheit hat ihn, den immer Arbeitsfrohen, trotz aufopferndster Pflege der Gattin, jäh dahingerafft und eine unersetzliche Lücke geschaffen. Sein wunderbares Familienleben war durchtränkt von tiefer und echter Frömmigkeit und sein jüdisches Heim war jedem Armen weit geöffnet. Das Wohl der Gemeinde war ihm heilig. Seine orthodoxe Einstellung (er war ein glühender und treuer Verehrer von S. R. Hirsch – das Gedenken sei zum Segen – und dessen Schriften), die er mit einer Entschiedenheit vertrat, ging Hand in Hand mit aller gewinnenden Versöhnlichkeit und Menschenliebe. Musikalisch und stimmbegabt, war er ein begeisterter Freund des Vorbetens und beherrschte zahlreiche liturgische Melodien. Ergreifend war es, wie er an den Ehrfurchtgebietenden Tagen vorbetete. In der Chewra Kadischa (Heilige Bruderschaft) betätigte er sich an erster Stelle. Zu seiner Beisetzung fanden sich zahlreiche Freunde von Nah und Fern ein, auch die gesamte nichtjüdische Einwohnerschaft erwies dem beliebten Manne die letzte Ehre. An der Bahre schilderten Kantor Strauß, Freiburg, der Schwager des Verstorbenen, sowie Kantor Alperowitz, Sulzburg, das segensreiche Leben des Verewigten und den schweren Verlust, den seine Familie und Gemeinde erlitten. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

 

Sonstiges

Öffentlicher Dank für Spenden für die beiden Familien Valfer

Sulzburg Israelit 18081887.jpg (76388 Byte)Artikel in der Zeitschrift  "Der Israelit" vom 18.8.1887: noch nicht abgeschrieben 

 

 

 

 

 

 

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Stand: 28. Januar 2010