Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Laupheim (Kreis Biberach)
Texte/Berichte zur jüdischen Geschichte der Stadt 
  
Hier: Berichte über die Rabbiner, Lehrer und weitere Kultusbeamte der Gemeinde sowie das jüdische Schulwesen  

Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Laupheim wurden in jüdischen Periodika gefunden. 
Bei Gelegenheit werden weitere Texte eingestellt.   
      
       
Übersicht:

bulletÜbersicht über die Rabbiner in Laupheim  
  
bulletBerichte über die Rabbiner in Laupheim    
-  Rabbiner Jakob Kaufmann wurde seiner Stelle enthoben - Rabbiner Abraham Wälder ist sein Nachfolger (1852)   
-  Zum Tod von Rabbiner Jakob Kaufmann (1853)  
-  Kritischer Rückblick auf die Entlassung von Rabbiner Jakob Kaufmann durch die Israelitische Oberkirchenbehörde (1869)  
-  A
nzeige von Rabbiner Abraham Wälder (1859)  
-  Zum Tod von Rabbiner Abraham Wälder (1876)      
-  Rabbiner Abraham Wälder hat den größten Teil seiner Bibliothek der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg vermacht (1876)  
-  Über den Stand der Besetzung des Rabbinates (1876)   
-  Das Rabbinat wird mit Rabbiner Dr. Ludwig Kahn aus Baisingen besetzt (1877)   
-  Rabbiner Dr. Ludwig Kahn wird zum Rabbiner in Heilbronn ernannt (1892)   
-  Abschiedsfeier für Rabbiner Dr. Ludwig Kahn (1892)   
-  In Ansbach setzen sich Gemeindeglieder für den Rabbiner Dr. Berthold Einstein als neuen Rabbiner in der Stadt ein (1894)       
-  Rabbiner Dr. Berthold Einstein wechselt nach Landau (1894)  
-  A
uszeichnung für die Frau von Rabbiner Dr. Leopold Treitel (1914)  
-  70. Geburtstag von Rabbiner Dr. Leopold Treitel (1915)     
-  80. Geburtstag von Rabbiner Dr. Leopold Treitel (1924)  
-  70. Geburtstag von Rebecca Treitel, Gattin von Rabbiner Dr. Treitel (1926)  
-  85. Geburtstag von Rabbiner i.R. Dr. Leopold Treitel  
-  Zum Tod von Rabbiner Dr. Leopold Treitel (1931)  
-  Gedenkblätter - Publikation zum Gedenken an Rabbiner Dr. Treitel (1931)  
-  Ein Bild von Rabbiner Dr. Treitel kommt ins Städtische Heimatmuseum (1931)   
-  Zum ersten Jahrzeittag des verstorbenen Rabbiners Dr. Treitel (1932) 
-  Gedächtnisgottesdienst anlässlich des ersten Jahrzeittages für Rabbiner Dr. Treitel (1932)   
    
bulletBerichte über die jüdischen Lehrer und die weiteren Kultusbeamten der Gemeinde sowie das jüdische Schulwesen  
-  Oberlehrer Simon Tannenbaum tritt in den Ruhestand (1862)   
-  Großzügige Bezahlung des jüdischen Hauptlehrers (1865)   
-  Ergänzungswahl des Gemeinderates - ein neues israelitisches Schulhaus soll gebaut werden (1868)    
-  Ausarbeitung eines Normallehrplanes für die württembergischen Volksschulen unter Beteiligung von Oberlehrer Elsässer (1868)  
-  Einweihung des neuen jüdischen Schulhauses - Rückblick auf die Verabschiedung von Lehrer Pressburger und Stellenantritt von Lehrer Henle (1868)  
-  Prüfungskonzert der Musikschüler von Lehrer Moritz Henle (1872) 
-  Ausschreibung der Stelle des Kantors (1874)   
-  Unzufriedenheit mit der Qualität des Schächtens durch Vorsänger Einstein (1875)  
-  Gedächtnisfeier für den verstorbenen Lehrer Simon Tannenbaum (1877)  
-  Ausschreibung der Stelle des Kantors und Schochet (1880)  
-  Ausschreibung der Vorbeterstelle (1883)     
-  Die jüdische Gemeinde hat mit dem russischen Kantor Wiadovski einen orthodoxen Kantor angestellt, was einige Probleme bereitet (1884)  
-  Oberlehrer Alexander Elsässer erhält die goldene Verdienstmedaille (1887)  
-  Ausschreibung der Vorbeterstelle (1888)   
-  Oberlehrer Alexander Elsässer verabschiedet sich von seiner Gemeinde (1887)  
-  Zum Tod des Oberlehrers i.R. Alexander Elsässer (1893 in Crailsheim)    
-  Zum Tod von Lehrer Wolf Stern (1890)   
-  B
erufung von Kantor Emil Dworzan nach Laupheim (1890)   
-  Kompositionen von Kantor Emil Dworzan und Kapellmeister Später werden veröffentlicht (1904)   
-  Zum Tod von Lehrer Max Heymann (1908)   
-  25-jähriges Ortsjubiläum von Kantor Emil Dworzan (1915)     
-  70.Geburtstag von Moritz Henle (in Hamburg, 1920)    
-  Ehrung des Allgemeinen Deutschen Kantoren-Verbandes für Kantor Emil Dworzan - 70. Geburtstag von Mathilde Löwenthal - 70. Geburtstag von Jeanette Rieser (1927)    
-  70. Geburtstag von Oberlehrer a.D. Rosenberger (1931)   
-  Zum Tod von Kantor Emil Dworzan (1931)  
-  Religionsoberlehrer Wilhelm Kahn und seine Frau feiern Silberne Hochzeit (1932)   
-  Hauptlehrer Sally Silbermann wechselt von Crailsheim nach Laupheim - Religionsoberlehrer Wilhelm Kahn wechselt von Laupheim nach Crailsheim (1932)   
-  Einführung des neuen Lehrers der Gemeinde Salli Silbermann (1932)  
-  Referat von Lehrer Salli Silbermann zu einem Elternabend über "Unsere Schule" (1934)  
-  Zum Laubhüttenfest bauen die Schulkinder mit dem Lehrer eine Sukka (1934)  
-  Elternabend der Jüdischen Schule mit Vortrag von Lehrer Silbermann (1935)   
   
bulletSonstiges 
-  Über das Portrait-Medaillon Mendelssohns am jüdischen Schulhaus von dem aus Sontheim stammenden Bildhauer Albert Güldenstein (1886)  

   
   
Übersicht über die Rabbiner in Laupheim   

bulletca. 1760 bis 1804 Rabbiner Maier Lämmle (Lemle b. Meir, gest. 1804 in Laupheim).   
bullet1804 bis 1824 Rabbiner David Levi (geb. in Schnaittach, gest. 1824 in Laupheim): betrieb zunächst ein Handelsgeschäft in Schnaittach, 1804 Rabbiner in Laupheim.  
bullet1825 bis 1835 Rabbiner Salomon Wassermann (geb. 1780 in Oberdorf, gest. 1859 in Laupheim): lernte zuerst bei Landesrabbiner Ascher Löw in Wallerstein, dann an der Jeschiwa in Fürth, lebte nach seiner Heirat 1804 in Oberdorf, seit 1806 in Ansbach; 1822 bayerische Rabbinerprüfung in Ansbach, 1825 Rabbiner in Laupheim, 1828 Studium an der Universität Tübingen, 1835 Bezirksrabbiner in Mergentheim, 1854 in den Ruhestand.
bullet1835 bis 1852 Rabbiner Jakob Kaufmann (geb. 1783 in Berlichingen, gest. 1853 in Laupheim): Besuch der Jeschiwa in Fürth, danach Privatlehrer in Heidingsfeld  und in Sennfeld, Dajan in Braunsbach, 1807 Vorsänger und Unterrabbiner in Archshofen; 1819 Rabbiner in Buchau; nach bestandener Staatsprüfung 1834 zum 1. Januar 1835 auf das Bezirksrabbinat nach Laupheim versetzt. 
bullet1852 bis 1876 Rabbiner Abraham (später auch Alfred) Wälder (geb. 1809 in Rexingen, gest. 1876 in Laupheim): studierte an den Jeschiwot in Hechingen und Karlsruhe, danach an den Universitäten Tübingen und München; 1836 Rabbinatsverweser in Jebenhausen, 1839 Rabbinatsverweser, 1840 Rabbiner in Berlichingen; seit 1852 Rabbiner in Laupheim.    
bullet1877 bis 1892 Rabbiner Dr. Ludwig Kahn (geb. 1845 in Baisingen, gest. 1914 in Heilbronn): studierte in Breslau; zunächst Rabbinats-Adjunkt in Stuttgart, 1876 Bezirksrabbiner in Laupheim, 1892 bis 1914 Bezirksrabbiner in Heilbronn. 
bullet1892 bis 1894 Rabbiner Dr. Berthold Einstein (geb. 1862 in Ulm, gest. 1935 in Landau): studierte in Berlin und Breslau, 1885 Promotion in Tübingen; 1889 Rabbinatsstellvertretung in Heilbronn, 1891 zweiter Rabbiner ebd., 1892-1894 Rabbiner in Laupheim, 1894 bis Sommer 1934 Rabbiner in Landau.
bullet1895 bis 1922 Rabbiner Dr. Leopold Treitel (geb. 1845 in Breslau, gest. 1931 in Laupheim): studierte in Breslau; 1878 bis 1881 Rabbiner in Koschmin (Koźmin Wielkopolski), Posen, 1881 bis 1884 Rabbiner in Briesen (Wąbrzeźno), Westpreußen, 1884 bis 1894 stellvertretender Stadt- und Konferenz-Rabbiner in Karlsruhe, 1895 letzter Rabbiner in Laupheim, 1922 pensioniert.     

       
       
Berichte über die Rabbiner in Laupheim   
Rabbiner Jakob Kaufmann wurde seiner Stelle enthoben - Rabbiner Abraham Wälder ist sein Nachfolger (1852)
   

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Januar 1852: "Rabbiner Kaufmann in Laupheim ist durch königlichen Ministerialbeschluss seiner Stelle enthoben und eine Sustentation ihm zuerkannt worden. - Auf das Rabbinat Laupheim Rabbiner Wälder aus Berlichingen befördert."          

        
Zum Tod von Rabbiner Jakob Kaufmann (1853)  

Laupheim AZJ 11041853.jpg (23742 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. April 1853: "Der in Ruhe versetzte Rabbine Kaufmann von Laupheim wurde vom Leben in den Tod zur ewigen Ruhe versetzt." 
  
Archshofen AZJ 02051853.jpg (121579 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. Mai 1853: "Laupheim, im März. Nekrolog. Am 27. vorigen Monats verschied dahier der seit 1. Januar vorigen Jahres pensionierte Rabbine Jakob Kaufmann. In Berlichingen anno 1783 geboren, wo er bei dem dortigen Rabbinen Jakob Bär sich auf das Studium der jüdischen Theologie vorbereitete, frequentierte er fünf Jahre lang die damals in hoher Blüte gestandene jüdische Hochschule zu Fürth, an welcher der verstorbene berühmte Rabbine Wolf Hamburger Talmud und Poskim vortrug. Nachdem er einige Jahre als Privatlehrer in Herzfeld und hernach in Sennfeld, ferner in Braunsbach, als Substitut des dortigen Rabbinen, seines nachmaligen Schwagers, sich auch im Praktischen für das Amt mehr qualifiziert hatte, wurde er von der Gemeinde Archshofen als More Zedek und Vorsänger aufgenommen. Hier blieb er zwölf Jahre, bis er 1820 von der Gemeinde Buchau in Oberschwaben als Rabbiner aufgenommen wurde. In den Grundsätzen der früheren strengen jüdischen Asketik auferzogen, und der streng orthodoxen Richtung zugetan, hatte er vielseitige Kämpfe mit den Bestrebungen und der etwas freieren Richtung, die in den diesseitigen Gemeinden auftauchten, zu bestehen. Doch war er tolerant genug, um zu erkennen, dass auch die entgegengesetzte Ansicht das Recht ihrer Existenz habe. In Folge des Gesetzes vom 25. April 1828 musste er sich mit mehreren seiner Kollegen einer Kirchendienst-Prüfung, im Sinn des § 16 der königlichen Ministerialverfügung vom 31. Januar 1834 unterwerfen. In seinem 50sten Lebensjahre, bis wohin er ein Vierteljahrhundert lang gelehrt hatte, fing er wieder an zu lernen. Mit seinem Kollegen, dem christlichen Geistlichen seiner Gemeinde, gut befreundet,  
Archshofen AZJ 02051853a.jpg (122639 Byte)übte er sich in der Rhetorik und verwandten Doktrinen, um den an ihn gestellten Erfordernissen in Zukunft besser entsprechen zu können. Die Deraschot des 'großen Sabbat' und des 'Bußesabbat' metamorphosierte er in logisch geordneten Predigten, womit ein Pastoralkurs Hand in Hand ging. Bei der im Frühling 1834 stattgehabten Prüfung für befähigt erklärt, wurde der Verstorbene von Buchau weg auf das Rabbinat Laupheim versetzt. Im Jahre 1836 wurde er von der königlich württembergischen israelitischen Oberkirchenbehörde zur Beratung des Organisationsentwurfs der Kirchenordnung mit einberufen, dem er nun auch seinerseits zustimmte. Man sieht daraus, dass er nicht abgeneigt war, unserer Zeit diejenigen Konzessionen einzuräumen, die er für zweckmäßig und notwendig hielt, und die nach seiner Ansicht das Gebiet der Orthodoxie nicht überschritten. 
In hiesiger Gemeinde wirkte er 17 Jahre lang, bis zum Jahre 1851, wo er wegen seines Alters in den Ruhestand versetzt wurde. In seiner Quieszenz bezog er aus der königlichen Zentralkirchenkasse einen angemessenen Sustentationsgehalt. 
In den letzten Monaten seines Lebens überfiel ihn eine schmerzhafte Krankheit, die auch seinen Tod herbeiführte. Während seiner Krankheit genoss er allgemeine Teilnahme. Seine Leichenbegleitung war eine sehr zahlreiche, woran auch christliche Honoratioren teilnahmen. So ist er denn zur Ruhe heimgegangen, nachdem er so viele Kämpfe durchgemacht. Er starb im 70. Lebensjahre und hinterließ eine Witwe mit einer schon längst verheirateten Tochter, deren Stützte nunmehr ins Grab gesegnet ward. Jetzt im Tode findet er den Frieden, nach dem er als Priester gestrebt, 'sein Andenken bleibt zum Segen'. 

   
Kritischer Rückblick auf die Entlassung von Rabbiner Jacob Kaufmann durch die israelitische Oberkirchenbehörde (1869)       

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Juni 1869: "Laupheim. (Württemberg). Nach dem 'vorläufigen Entwurf eines Verfassungsstatutes für die israelitische Kirche in Württemberg' bleiben wir fortan mit dem Institut der Oberkirchenbehörde beglückt, und wieder soll in ihre Hände gelegt werden das Ernennungs- und Entlassungsrecht von Rabbinen. Wie aber diese Behörde bei Entlassung von Rabbinen zu Werke geht, erlauben wir uns an einem speziellen Falle anschaulich zu machen.
Es war an einem schönen, kalten Dezembertage des Jahres 1850, da wurde dem hiesigen Rabbiner Jacob Kaufmann nachstehender oberkirchenbehördliche Erlass durch das königliche Oberamt zugestellt:
'Dem Rabbiner Kaufmann ist zu eröffnen, dass die israelitische Oberkirchenbehörde, nachdem sie durch mehrfältige amtliche Erhebungen die Überzeugung erlangt habe, dass er der Synagoge und der Schule nicht mehr so vorzustehen vermöge, wie es zur Erbauung und zur ersprießlichen Leitung seiner Gemeinde und zur religiösen Erziehung der israelitischen Jugend in Laupheim erforderlich wäre, in dem Falle sei, die Erledigung und anderweitige Besetzung des Rabbinats Laupheim in Erwägung nehmen zu müssen. Sie sehe sich dadurch veranlasst, ihn zur Erklärung darüber, was er diesfalls zu erinnern haben möchte und zur Angabe seiner Vermögensverhältnisse aufzufordern.'
Nicht dem gestellten Antrage des Rabbinen, dass ihm die vielfältigen amtlichen Erhebungen zu seiner Rechtfertigung kundgegeben werden wollen; nicht seinen Beteuerungen, dass er sich stark genug fühle, seinem Amte nach wie vor pflichtgetreu vorzustehen und nicht dem Bittgesuche des größten Teiles der hiesigen israelitischen Einwohnerschaft (von etwa 120 Familienvätern über 80), die um Belassung ihres Rabbinen petitionierte, wurde Gehör gegeben. Alles umsonst, Alles vergebens, keine Berücksichtigung. Der Mann, der über 40 Jahre den alten Glauben geehrt und gelehrt und mit ganzem Herzen und ganzer Seele für ihn gekämpft, der war auf einmal nicht mehr fähig, unserer Synagoge und Schule vorzustehen; der musste, ob wohl oder übel, ohne eigentlich recht zu wissen warum, den Schauplatz seiner Tätigkeit verlassen und für seine langjährigen Dienste wurde ihm an seinem Gehalte für die Zukunft 150 fl. gestrichen, während man heutigen Tages einem jungen Provisor, der kaum das Seminar verlassen, für ganz unerhebliche Leistung 150 fl. Zulage dekretiert. Ist das zu rechtfertigen?
Diese Entlassung machte einen schmerzlichen Eindruck auf alle diejenigen, die mit der alten Lehre noch nicht ganz gebrochen, denn man vermochte in ihr eine Demonstration gegen die Orthodoxie deutlich zu erkennen und betrübte den Entlassenen so außerordentlich, dass er die harte Kränkung kaum 1 ½ Jahre überlebte.
So entließ die israelitische Oberkirchenbehörde anno 1850 einen alten, orthodoxen Rabbinen. Darum rufe ich Euch, meine Freunde, heute, wo die israelitischen Verhältnisse eine andere Gestalt annehmen sollen, auf diesem Wege zu (hebräisch und deutsch): עת לעשות לה׳ 'jetzt ist es an der Zeit, etwas für den Ewigen zu tun'.
Wenn Ihr die Oberkirchenbehörde nicht beseitigen könnt, so arbeitet dahin, dass ihr wenigstens die Hände gebunden, die Gewalt, dem orthodoxen Judentum zu schaden, genommen werde.
Dieser Ruf gilt hauptsächlich Euch, Männer des württembergischen Unterlandes, denn das neologe Schwabenland freut sich des neuen Gesetz-Entwurfs, weil es in ihm den Boden erblickt, in dem die Reform sich mit Leichtigkeit zu entwickeln im Stande ist.
Noch wirst du, geehrter Leser, wissen wollen, ob es auf die Entlassung des Rabbinen Kaufmann, der unserer Synagoge und Schule nicht mehr nutzbringend sollte vorstehen gekonnt haben, in unserer Synagoge und Schule wirklich besser geworden sei? — Diese Frage muss ich Dir mit einem kräftigen und feierlichen 'Nein' beantworten, denn 'besser ist’s nimmer; es wird leider immer schlimmer'.
Dass das Verfahren gegen den Rabbinen vielseitig schmerzte, ist Tatsache; aber noch weit größeres Ärgernis veranlasste das Auftreten des hiesigen israelitischen Kirchenvorsteheramtes gegen den Rabbinen nach seiner Entlassung.
Kaufmann hatte das Vorbeten zu versehen; die meisten תפילות an den ימים נוראים trug er vor und wurde gern, selbst von seinen Gegnern, gehört. Nach seiner Entlassung stellte er das Ansuchen, dass er als בעל תפילה an den genannten heiligen Festtagen belassen werde, aber nein! das Vorsteheramt schlug es ihm rundweg ab.
Der Schwiegersohn des Rabbinen — Wolf Stern — richtete am 8. April / 9. Mai 1852 an das Vorsteheramt folgendes Gesuch:
'Verehrlichem Kirchenvorsteheramt ist es wahrscheinlich nicht unbekannt, dass in Gemeinden, wo sich alte Rabbinen befinden, diese an den Sabbaten vor ראש חודש nach dem angestellten Rabbinen aufgerufen werden.
Es ist gewiss nicht unbillig, dass dieser kleine Vorzug meinem Schwiegervater, Eurem ehemaligen Seelsorger, zu Teil werde, und ich glaube deshalb nicht eine Fehlbitte zu tun, wenn ich ein Wohllöbliches         
Laupheim Israelit 02061869b.jpg (277510 Byte)Kirchenvorsteheramt ersuche, in diesem Sinne eine Anordnung treffen zu wollen. Zur Unterstützung dieser Bitte wäre es mir nicht leid, Dutzende von Unterschriften der Gemeindemitglieder zu bekommen, allein mein Inneres sagt mir, dass dieses überflüssig sei, da ich auf bloße Anregung hin dem Billigkeitssinn des israelitischen Kirchenvorsteheramts so viel Zutrauen schenken darf.'
Auf diese gewiss in den Grenzen des Anstands gestellte Bitte erhielt Stern eine Antwort, die näher zu bezeichnen, uns der literarische Anstand verbietet.
Sie folgt hier wörtlich und enthalten wir uns aller Bemerkungen darüber, da sich Jeder selbst den Kommentar dazu machen kann.
Sie lautet:  'Dem Wolf Stern hier wird auf seine Eingabe vom 8. April/9. Mai dieses Jahres, Vorrufen des Rabbiner Kaufmann zur Tora betreffend, Folgendes zu erkennen gegeben.
Dem gestellten Ansuchen weiß man, obgleich dem Vorsteheramt keineswegs unbekannt ist, wie es diesfalls in andern Gemeinden gehalten wird, nicht zu entsprechen. Dabei wird dem Bittsteller noch weiter bemerkt:
1. Über die hier in Anregung gebrachte Frage hat das Vorsteheramt schon längst verhandelt, es sah sich aber nach reiflicher Überlegung aller vorliegenden Verhältnisse*) nicht in der Lage, dem Rabbiner Kaufmann ein solches Vorrecht zukommen zu lassen, zu welchem kleinen Opfer uns auch jetzt weder die Billigkeit, noch der Umstand, daß Kaufmann unser ehemaliger Seelsorger war, bestimmen kann.
2. Was die Drohung mit Unterschriftsammeln betrifft, so fürchten wir diese nicht, so wenig als sie das Vorsteheramt früher in einem andern Falle gefürchtet hat. Wenn Stern auf diesem Wege mit seinem Ansuchen durchdringen zu können glaubt, so ist es ihm unverwehrt, die geeigneten Schritte gegen diese Abweisung des Vorsteheramts zu tun. (Wie gütig!)
3. Was den Ton der Eingabe vom 8. April / 9. Mai dieses Jahres betrifft, so kann es dem Vorsteheramte gleich sein, ob ihm Petent Zutrauen schenkt oder nicht, da es nur seine Pflicht zu erfüllen und sich dann um das Urteil Einzelner nichts zu bekümmern hat.
Unpassend findet man es jedenfalls, daß dem Vorsteheramte gegenüber von 'meinem Schwiegervater, Eurem ehemaligen Seelsorger' die Rede ist, und wird Stern angewiesen, in Zukunft
*) Ganz à la Oberkirchenbehörde! Welche Verhältnisse, ob wahr oder unwahr, wird verschwiegen.
alle Ausdrücke, welche an die einzelnen Mitglieder des Vorsteheramts und nicht an das Collegium, als solches, gerichtet sind, in seinen Eingaben an das Vorsteheramt wegzulassen, widrigenfalls man mit missliebigen Maßregeln gegen ihn verfahren müsste. Laupheim, den 15. Mai 1852.
In legaler Abwesenheit des Rabbiners:
Das Vorsteheramt.  Heinrich Steiner.   S. B. Steiner.   N. Hirschfeld.  Kirschbaum, Lämle.' 
  
Wir enthalten uns jeder Bemerkung. Heutzutage würden die höchsten Behörden nicht solchen bürokratischen Ton anzuschlagen wagen. — So wurde mit der Orthodoxie in Württemberg von Seiten eines reformsüchtigen Vorsteheramtes umgegangen!
Zum Schlusse noch ein gutes Wort des entlassenen, nunmehr in Gott ruhenden Rabbiners Jacob Kaufmann. Er musste, nachdem ihm der Eingangs erwähnte Erlass im Dezember 1850 zugekommen, bis zum 1. Januar 1852 im Amte bleiben, dann kam an seine Stelle als Rabbiner Herr Abraham Wälder, vordem Rabbiner in Berlichingen, und als Vorsänger wurde für ihn Herr Isak Schmal, Schuhmachermeister dahier, angestellt. Darauf sagte Kaufmann (hebräisch und deutsch): אברהם יגל, יצחק ירנן, יעקב ובניו יטוהו  'Abraham kann sich jetzt freuen, Isak darf nunmehr singen, Jakob und seine Familie sitzen fortan in Ruhe.' בבר בורר מועהר."  
Anmerkungen zu den hebräischen Begriffe im laufenden Text
- עת לעשות לה׳ : Übersetzung: 'Es ist Zeit, für den Ewigen zu handeln' (oder: 'Es ist Zeit, für Gott zu wirken'). Dies ist ein berühmtes Zitat aus Psalm 119,126. Im rabbinischen Sprachgebrauch wird es immer dann verwendet, wenn Gefahr im Verzug ist – wenn man das Gefühl hat, der Glaube oder die Tradition seien bedroht und man müsse jetzt dringend aktiv werden und protestieren. Der Autor ruft damit die orthodoxen Juden Württembergs zum Widerstand gegen die Reformkräfte auf.
- תפילות : Tefillot, 'Gebete'.
- ימים nוראים (im Text steht ימים נוראים): Jamim Noraim – 'Die ehrfurchtgebietenden Tage' (die jüdischen Hohen Feiertage, also das Neujahrsfest Rosch ha-Schana und der Versöhnungstag Jom Kippur)
- בעל תפילה : Ba'al Tefilla – wörtlich 'Herr des Gebets', gemeint ist der Vorbeter bzw. Kantor, der die Gemeinde durch den Gottesdienst führt.
- ראש חודש : Rosch Chodesch – 'Monatsanfang' (der Beginn des neuen jüdischen Monats nach dem Mondkalender). An dem davor liegenden Sabbat war es in vielen traditionellen Gemeinden üblich, dem verdienten alten Rabbiner eine besondere Ehre zu erweisen, indem man ihn als Ersten oder auf einen Ehrenplatz zur Tora-Verlesung aufrief.
- am Schluss des Textes steht das bittersüße Zitat des entlassenen Rabbiners Jacob Kaufmann. Es ist ein hochintelligentes, biblisches Wortspiel, das auf den Vornamen der beteiligten Personen basiert: אברהם יגל, יצחק ירנן, יעקב ובניו יטוהו  Der historische Kontext des Zitats: Nachdem Rabbiner Jacob Kaufmann entlassen wurde, setzte das reformorientierte Vorsteheramt als neuen Rabbiner Herrn Abraham Wälder ein. Zudem wurde als neuer Vorsänger ein Schuhmachermeister namens Isak Schmal engagiert. Die wörtliche Übersetzung des Wortspiels: 'Abraham wird frohlocken, Isak wird singen, [aber] Jakob und seine Söhne werden [im Elend] darniederliegen.' Die tiefere Bedeutung: Kaufmann nutzt hier eine traditionelle liturgische Formulierung, die man eigentlich aus dem Jakobssegen oder jüdischen Gebeten kennt (wo sich Abraham, Isak und Jakob eigentlich gemeinsam über die Erlösung freuen). Kaufmann dreht den Spruch jedoch sarkastisch um: Der neue Rabbiner (Abraham) hat nun Grund zur Freude, der neue Vorsänger (Isak) darf nun in der Synagoge singen – aber er selbst, der alte Rabbiner (Jakob), ist mit seiner Familie ruiniert, seiner Ehre beraubt und aus dem Amt gedrängt worden ('sitzt in Ruhe', was hier eine bittere Ironie für die erzwungene Arbeitslosigkeit und Armut ist).

    
Anzeige von Rabbiner Wälder (1859)       

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. Mai 1859: "Ein junger, unverheirateter Schächter, der zugleich die Stelle eines Gemeindedieners versehen könnte, sucht sogleich eine Stelle. Auf portofreie Anfragen erteilt nähere Auskunft Herr Rabbiner Wälder in Laupheim."      

   
Zum Tod von Rabbiner Abraham Wälder (1876)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. April 1876: "Laupheim. Am Mittwoch, den 5. April - 11. Nissan ist Herr Rabbiner Abraham Wälder im Alter von 67 Jahren, zu einem besseren Leben entschlafen.
Vor ungefähr einem halben Jahre wurde er von einem gefährlichen Unterleibsleiden befallen, das nach und nach so bösartige Dimensionen annahm, dass es seinen Tod zur Folge hatte. Ungeachtet der schmerzvollen Leidenstage lebte er doch stets — bis fast auf den letzten Tag hin — seinem Berufe und seinen Pflichten. Der Verstorbene war ein echter Mosaide — עניו מאד —, ein wahrer Ahronide — אוהב שלום ורודף שלום und ein geduldiger Hillel, streng befolgend dessen Worte: מה דעלך סני אל תעביד
Die hiesige Rabbinatsstelle bezog er am 1. Januar 1852 und am nächsten Neujahr 1877 hätte er sein hiesiges 25jähriges Dienstjubiläum gefeiert. Doch der Herr sprach 'עד הנה' und so ward nicht ihm, nicht uns das Glück zu Teil jenen Tag als Freudentag zu begehen.
Von Berlichingen aus hierher gekommen, war er streng orthodox. Allein — doch de mortuis nil nisi bene!
Sein Privatleben bewies, dass er nicht aus Hang der Reform huldigte. Er ging tagtäglich ערב ובקר — in die Synagoge; סוכה warf er nicht über Bord wie jener Schulchan-Aruch-Revisions-Antragsteller; מצה auf Pessach bezog er nicht von hier, da die hiesigen nicht ganz rituellmäßig bereitet werden.
Das Leichenbegängnis fand Freitag, den 7. April, Vormittags 11 Uhr, statt und die Beteiligung an demselben war eine außerordentlich zahlreiche, sowohl von hiesigen, wie von Fremden, von Juden, wie von Christen, selbst die Frauen alle ließen sich von der dringenden Pessacharbeit nicht abhalten und schlossen sich dem Zuge an.
Am Grabe sprachen: Herr Lehrer Elsässer als gesetzlicher Rabbinatsstellvertreter; er hob in schönen, schwunghaften Worten die Verdienste und Vorzüge des Dahingeschiedenen hervor, ohne alle und jede Übertreibung, dann Herr Rabbiner Weinmann aus Buchau als Freund und College des Entseelten, er rühmte ihn als eine Sonne des Glaubens — זרח השמש ובא השמש — als einen Mann, der als Vermittler zwischen Neu- und Altgläubige sich stellte — ויעמד בין המתים ובין החיים — er stellte sich zwischen die, die den toten Buchstaben verehren und die, die den lebendigen Glauben üben!!?!! und zuletzt Herr Vorsänger Einstein von Ulm, er dankte dem Verblichenen im Namen seiner Gemeinde, weil er es ist, der Ulm zu solcher Höhe geistiger Blüte gebracht. Als wir die beiden letzten Redner hörten, da dachten wir: עלייה זו ירידה היא.
Auch die beiden hiesigen Lokalblätter — die 'Laupheimer Zeitung' (ein klerikales) und 'Der Verkündiger' (ein liberales Blatt) widmeten dem Verstorbenen ausgezeichnet schöne Nachrufe und wir glauben im Sinne aller Verehrer des Herrn Wälder zu handeln, wenn wir hier den Redaktionen genannter Blätter unsern öffentlichen Dank aussprechen.
Wir können nicht unterlassen, eines Verdienstes zu gedenken, das die Herren Redner unberührt gelassen Zur Hebung und zum Wachstum unserer מתן בסתר — eine Stiftung vieler Gemeindegenossen, aus der am Jahrtage der Stifter ein Jahrzeitlicht beschafft, ein Schiur gelernt und ein Kadisch gesagt wird; aus der je auf פסח und ר״ה schöne Gaben an hiesige Arme verteilt werden und aus der zeitweise dürftige, auch unbemittelte Kranke Unterstützung erhalten — hat der Verstorbene Vieles beigetragen, so dass die Zahl der Stifter jetzt bereits an 250 beträgt und das Stiftungskapital ein sehr namhaftes ist. — Möge er in Frieden ruhen, möge sein Nachfolger nicht zur Klasse der מחבלי כרמים 'Weinbergsverderber' gehören."    
  
Anmerkungen: - עניו מאד: 'Sehr bescheiden / demütig_. Dies ist eine Anspielung auf die biblische Beschreibung von Mose (Numeri 12,3: 'Und der Mann Mose war sehr demütig'.
- אוהב שלום ורודף שלום : 'Der den Frieden liebt und dem Frieden nachjagt'. Ein Zitat aus den Sprüchen der Väter (Pirkej Avot 1,12) über den Charakter des Hohenpriesters Aaron.
- מה דעלך סני אל תעביד: 'Was dir verhasst ist, das tue deinem Nächsten nicht an.' Dies ist die berühmte 'Goldene Regel' in aramäischer Sprache, mit der der antike Weise Hillel die gesamte Tora zusammenfasste (Talmud, Schabbat 31a).
- עד הנה: 'Bis hierher' (Gott setzte seinem Leben ein Ende, bevor er das 25-jährige Jubiläum feiern konnte.
- ערב ובקר : 'Abends und morgens' (er besuchte die Synagoge täglich zu allen Pflichtgebeten).
- סוכה :Sukka (die traditionelle Laubhütte für das herbstliche Sukkot-Fest, die er im Gegensatz zu den Reformern streng vorschriftsmäßig baute.
- מצה / פסח  : Mazza (das ungesäuerte Brot) / Pesach (das Passahfest). Er vertraute den Bäckern in Laupheim nicht und importierte seine Mazzen von außerhalb, weil er die örtliche Zubereitung für nicht streng genug rituell hielt.
- זרח השמש ובא השמש : 'Die Sonne geht auf und die Sonne geht unter.' Ein Zitat aus Kohelet (Prediger) 1,5. Es wird traditionell beim Tod eines Gelehrten genutzt, um auszudrücken, dass mit seinem Heimgang ein großes Licht erloschen ist, aber bereits ein neuer Gelehrter am Horizont aufsteigt.
- ויעמד zwischen הmetim ובין הchaiim (im Text steht: ויעמד בין המתים ובין החיים): 'Und er stellte sich zwischen die Toten und die Lebenden.' Ein dramatisches Bibelzitat aus Numeri 17,13, wo Aaron eine Plage aufhält. Der Redner nutzt es hier als Metapher: Wälder stand vermittelnd zwischen der starren Orthodoxie ('den Toten') und der modernen Reform ('den Lebenden'). Der Autor des Artikels versieht dies bezeichnenderweise mit empörten Ausrufe- und Fragezeichen (!!?!!).
- עלייה זו ירידה היא :  'Dieser Aufstieg ist [in Wahrheit] ein Abstieg.' Ein Stoßseufzer des Autors im Publikum. Er meint damit: Was die Redner am Grab als modernen 'Aufstieg' und Fortschritt der Gemeinde feierten, war in den Augen der Gesetzestreuen ein trauriger moralischer und religiöser Abstieg.
- מתן בסתר : Matan ba-Seter – wörtlich 'Eine Gabe im Verborgenen'. Dies bezeichnet die höchste und edelste Form der jüdischen Wohltätigkeit (Anonyme Armenapotheke/Armenkasse), bei der weder der Geber den Empfänger kennt, noch umgekehrt.
- ר״ה / פסח : R.H. (Abkürzung für Rosch ha-Schana, das Neujahrsfest) / Pesach.
- מחבלי כרמים: 'Weinbergsverderber' (wörtlich: die kleinen Füchse, die die Weinberge verwüsten, aus dem Hohenlied 2,15). Im jüdischen Sprachgebrauch des 19. Jahrhunderts war dies ein extrem scharfes, kampflustiges Schimpfwort der Orthodoxen für radikale Reformrabbiner, die den überlieferten 'Weinberg Israels' (die jüdischen Gesetze) zerstörten. Der Autor schließt mit der eindringlichen Hoffnung, dass Wälders Nachfolger kein solcher Reformer sein möge."     

    
Rabbiner Abraham Wälder hat den größten Teil seiner Bibliothek der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg vermacht (1876)       

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Dezember 1876: "Mainz, 7. Dez. Soeben geht uns zu der 'Rechenschaftsbericht über die israelitische Lehrerbildungs-Anstalt in Würzburg für das zwölfte Jahr ihres Bestehens', vom Leiter und Vorsteher derselben, Herrn Distrikts-Rabbiner Bamberger - sein Licht leuchte. — In Bezug auf die der Anstalt zugewendeten Unterstützungen erfahren wir zu unserer Freude, dass dieselben die vermehrten Ausgaben nicht allein deckten, sondern dass sich noch ein nicht unbedeutender Überschuss ergab.
Es wäre nur zu wünschen, dass die Anstalt baldigst so gestellt würde, dass sie aus eigenen Fonds existieren könnte, damit der verehrte Leiter derselben des so unangenehmen und seine kostbare Zeit in Anspruch nehmenden Sammelns überhoben würde. Jedoch לפום צערא אגרא, um so mehr sind die hohen Verdienste des edlen Leiters der Anstalt anzuerkennen! — Die in diesem Jahre entlassenen Zöglinge, die am königlichen Schullehrer-Seminar die Austrittsprüfung bestanden, haben zur Hälfte die erste, zur Hälfte die zweite Note erhalten — gewiss ein sehr günstiges Resultat.
Bis jetzt wurden 67 Lehrer ausgebildet.
Die Anstalt hat also Sorge getragen, 67 Synagogen mit entsprechenden Vorbetern versehen zu können, mit Männern von echt religiösem Sinn und Wandel und sittenreinem Charakter, und somit sind ebensoviel Gemeinden in die beseligende Lage versetzt, die religionsgesetzlich gebotene alltäglich gemeinsame Andacht an geheiligter Stätte mit Innigkeit und Würde verrichten zu können.
Die Anstalt hat hiermit gleichzeitig Sorge getragen, 67 Schulen mit entsprechenden Lehrern versehen zu können, mit Männern der eben bezeichneten Beschaffenheit, erleuchtet in der Religionswissenschaft, ausgebildet in den Profanwissenschaften, und somit sind eben so viel Schulverbände gegründet, in deren Unterrichtslokalen einer vielzähligen Schuljugend die beseeligenden Worte der Religions- und Sittenlehre vorgetragen, erläutert, Herz und Geist zugeführt und zu eigen gemacht werden. Dabei ist gleichzeitig Gelegenheit zur weltlich-wissenschaftlichen Ausbildung und Berufstätigkeit geboten.
Die Anstalt zählte im verflossenen Jahre 19 Zöglinge.
Die Zöglinge, die in dem eben abgelaufenen Schuljahre sich in der Anstalt befanden, erhielten Unterricht, Beköstigung, Wohnung, Beheizung, Beleuchtung, ärztliche Behandlung in der Anstalt unentgeltlich.
Für das laufende Jahr werden 22 Zöglinge die Anstalt besuchen.
Aus den Spendenverzeichnissen heben wir noch hervor, dass der selige Herr Rabbiner Wälder ע״ה zu Laupheim den größten Teil seiner hebräischen Bibliothek der Anstalt vermacht hat.

Möge des Allgütigen Gnade diese segensreich wirkende Anstalt sich immer gedeihlicher entwickeln lassen; möge namentlich der verehrte Leiter und Vorsteher derselben in ungeschwächter Kraft stets größere und herrlichere Resultate erzielen.   להרים קרנה של תורה ולהאדירה!""        

    
Über den Stand der Besetzung des Rabbinates (1876)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. September 1876: "Württemberg. Über die fünfmonatliche Vakatur des Rabbinats Laupheim beschwert sich, wahrscheinlich einer der 12 Landesrabbinen, der der Nachfolger Wälder's seligen Andenkens werden will, im 'Stuttgarter Beobachter' vom 3. d. M., indem er nach dem Grunde frägt, aus welchem die Königlich Israelitische Oberkirchenbehörde dieses gute Rabbinat so lange nicht zur definitiven Besetzung ausschreibt, sondern durch einen Amtsverweser versehen lässt. Da die 2 Gemeinden, welche den Bezirk bilden, Laupheim und Ulm, mit dem Amtsverweser Herrn Rabbiner Kahn sehr zufrieden sind und sein können, so wird der Dränger wohl der Bewerber in spe sein, 'der seit Monaten auf ein Ausschreiben dieses besten Rabbinats im Staatsanzeiger wartet', während der Bezirk sehnlich wünscht, dass ihm das Wahl- oder mindestens das Vorschlagsrecht bei der Besetzung eingeräumt werde, wie es allwärts außerhalb Württembergs in Israel (= im Judentum) von jeher üblich war. Ganz Württemberg aber wünscht noch weiter, dass die Vakatur zwar 'nicht aus Sparsamkeit' verlängert, sondern benützt werde, irgend ein anderes Rabbinat eingehen zu lassen, wenn man diesen Sprengel besetzt, da bei den jetzigen Verkehrs- und Bevölkerungsverhältnissen sechs Rabbinen genügen würden, um alles gut besorgen zu können, was jetzt 12 tun. Auch bei Besetzung des Rabbinats Mühringen hätte dieser Reduktionsgrundsatz angewendet werden sollen, statt es ein ganzes Jahr vakant zu lassen"       

   
Das Rabbinat wird mit Rabbiner Dr. Ludwig Kahn aus Baisingen besetzt (1877)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Februar 1877: "Laupheim. Der hiesige Rabbinatsstuhl, welcher schon 3/4 Jahre lang, seit dem Tode unseres seligen Rabbinen A. Wälder, verwaist steht, ist nunmehr definitiv durch Herrn L. Kahn von Baisingen, bisherigen Rabbinatsverweser, besetzt. Zwei Monate sind's ungefähr, dass die israelitische Oberkirchenbehörde das hiesige Rabbinat zur Bewerbung ausgeschrieben, doch außer Herrn Kahn, der sich in der kurzen Zeit seines Hierseins die Achtung und Liebe aller Gemeindegenossen erworben, hatte sich bloß der sattsam bekannte Rabbiner Stern von Buttenhausen gemeldet.
Auf dieses hin wurde ein Bittgesuch, unterzeichnet von allen Mitgliedern der Gemeinde, an das israelitische Kirchenvorsteheramt eingereicht, dass es bei der höchsten Behörde die geeigneten Schritte tun möge, damit Herr Kahn uns belassen bleibe. Unser Wunsch fand nach allen Seiten hin Berücksichtigung und vor 14 Tagen brachte der Staatsanzeiger und vorher schon der Telegraph die Kunde von der Ernennung des Herrn Kahn.
Dass die Freude diesfalls eine große und allgemeine war, beweist der Umstand, dass die israelitische Jugend dem Gewählten einen Fackelzug und der christliche Gesangverein 'Concordia' eine Serenade brachte. Samstag פ' משפטים (mit dem Wochenabschnitt Mischpatim) wurde der neue Rabbiner bei feierlichem Gottesdienste in sein Amt eingesetzt und am darauffolgenden Sonntag, den 11. Februar, fand ihm zu Ehren im Gasthofe zum Kronprinzen ein splendides Festmahl statt, woran sich fast ganz  (die ganze Gemeinde) קהל, die Bezirks- und Lokalbehörden, auch eine Deputation des Kirchenvorsteheramts Ulm — an 120 Personen — beteiligten.
Toaste wurden in Hülle und Fülle, nach nah und fern, ausgebracht.
Einem schönen Gedichte, verfasst und vorgetragen von Herrn Viktor Steiner, Kaufmann hier, wurde vom Toastengerichte der 1. Preis zuerkannt.
'..וגם חרבונה זכור לטוב' (und auch Charvona sei zum Guten erwähnt, nach Ester 7,9:) Auch unseres Gesangvereins 'Frohsinn', haben wir diesmal rühmend zu gedenken, denn derselbe hat durch herrliche Produktionen wesentlich zur Verschönerung des Festes beigetragen.
Dieser Festtag wird Laupheim und seinem neuen Rabbinen stets in freudiger Erinnerung bleiben, er wird es um so eher bleiben, wenn Herr Kahn in bisheriger Weise seinen schönen Namen (יהודה) (Jehuda) Rechnung tragend fort und fort lehrt und lebt, so dass es von ihm heißt: כשמו כן הוא (wie sein Name, so ist er auch) und wir ihm allzeit das löbliche Zeugnis ausstellen können, das wir ihm heute schuldigst ertheilen, lautend: יהודה אתה יודוך אחיך    'Jehuda heißt, bist und als solcher wirkst Du, daher würdig des Lobes Deiner Brüder.'"      

   
Rabbiner Dr. Ludwig Kahn wird zum Rabbiner in Heilbronn ernannt (1892)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Mai 1892: "Laupheim. Die schon vor einigen Wochen — allerdings etwas verfrüht — von Ihnen gemeldete Ernennung des Herrn Rabbiner Kahn von hier als Bezirksrabbiner nach Heilbronn ist am 2. Tag Peßach eingetroffen und hat in der hiesigen Gemeinde, welcher derselbe nun schon über 16 Jahre vorsteht, insofern das größte Bedauern hervorgerufen, als sie in Herrn Kahn nicht nur den Mann der trefflichsten Worte, sondern auch der besten Taten verliert."      

   
Abschiedsfeier für Rabbiner Dr. Ludwig Kahn (1892)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Juni 1892: "Laupheim. Dem nach Heilbronn beförderten Rabbiner Kahn, wurde gestern seitens der israelitischen Gemeinde eine ehrenvolle Abschiedsfeier bereitet, an dem auch die königlichen Beamten, der Stadtvorstand, sowie der katholische Stadtpfarrer teilnahmen. Rechtsanwalt Heumann, als Vertreter des israelitischen Kirchenvorsteheramts, hob in längerer Rede die Verdienste des Scheidenden hervor. Zum Zeichen der Verehrung überreichte er namens der israelitischen Gemeinde einen prachtvollen, silbernen Pokal. Gerührt antwortete der Gefeierte. Ein von V. Steiner verfasstes, tief empfundenes Gedicht, fand großen Beifall. Besondere Erwähnung verdient noch aus der Reihe der Reden die Ansprache des kath. Stadtpfarrers Dr. Sautter, welcher die Verdienste des Rabbiners um die Erhaltung des konfessionellen Friedens hervorhob und hinzufügte, dass auch seinerseits sein Bestreben wie bisher dahingehen werde, dass derselbe durch Niemand und in keiner Weise gestört werde."    
  
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. Juni 1892: "Laupheim, 12. Juni. Dem als Bezirksrabbiner nach Heilbronn beförderten Rabbiner Kahn wurde am 5. d. M. seitens der israelitischen Gemeinde hier eine ehrenvolle Abschiedsfeier veranstaltet, an der außer sämtlichen Gemeindemitgliedern auch die königlichen Bezirksbeamten, die städtischen Behörden, sowie der katholische Stadtpfarrer teilnahmen. Rechtsanwalt Dr. Heumann würdigte die Verdienste des Scheidenden, der sich durch sein Wissen wie durch seine Wohltätigkeit, Bescheidenheit, Berufstreue und Friedensliebe die Hochachtung Aller in seltenem Maße erworben hat. Als Zeichen der Anerkennung seiner Verdienste wurde ihm ein wertvoller silberner Pokal überreicht. Unter den verschiedenen Reden verdient die Ansprache des katholischen Stadtpfarrers Dr. Sautter besondere Erwähnung, welcher die Verdienste des Rabbiners und die Erhaltung des konfessionellen Friedens hervorhob und hinzufügte, dass auch seinerseits sein Bestreben wie bisher dahingehen werde, dass derselbe durch Niemand und in keiner Weise gestört werde. Die besten Wünsche begleiten den Scheidenden auf seinen neuen Wirkungskreis."      

       
In Ansbach setzen sich Gemeindeglieder für den Rabbiner Dr. Berthold Einstein als neuen Rabbiner in der Stadt ein (1894)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Februar 1894: "Aus dem Ansbacher Rabbinatsdistrikte, 30. Jan. Die 'gemäßigt neologen Männer' der Kreishauptstadt setzen alle Hebel in Bewegung, um der Kandidatur des Dr. Einstein, eines Württembergers, Schüler des Breslauer Seminars, z. Z. in Laupheim, zum Siege für das hiesige Rabbinat zu verhelfen. Darum Ihr wirklich Gesetzestreuen des Distrikts seid auf der Wache, lasset Euch durch hohle, leere Phrasen nicht bethören! ואתה תחזה יראי אלקים."     

    
Rabbiner Dr. Berthold Einstein wechselt nach Landau (1894)        

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. April 1894: "Laupheim. Unsere Rabbinerstelle wird demnächst vakant, da Herr Dr. Einstein das Rabbinat in Landau übernimmt. Wir hegen die Hoffnung, dass jetzt, da die Kirchenratsstelle von Herrn Dr. Kroner bekleidet wird, konservative Kandidaten eher Berücksichtigung finden werden."       
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. April 1894: "Rabbinatsverweser Dr. B. Einstein in Laupheim wurde zum Rabbiner in Landau gewählt."       

    
Auszeichnung für die Frau von Rabbiner Dr. Leopold Treitel (1914)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. Februar 1914: "Frau Rabbiner Dr. Treitel in Laupheim wurde von Seiner Majestät dem Kaiser durch Verleihung der Roten-Kreuz-Medaille 3. Klasse ausgezeichnet. Frau Dr. Treitel ist eine Schwester des Dozenten am Breslauer Rabbinerseminar Dr. M. Braun."       

   
70. Geburtstag von Rabbiner Dr. Leopold Treitel (1915)        

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. Januar 1915: "Laupheim, 8. Januar. Am 3. dieses Monats feierte unser Rabbiner Herr Dr. Treitel seinen siebzigsten Geburtstag. Anlässlich dieses Festes wurde der Jubilar von seiner Gemeinde auf alle nur mögliche Weise geehrt. Vormittags statteten das Vorsteheramt und sämtliche Vereinsausschüsse ihre Gratulationsbesuche ab, die Gemeinde widmete ihrem Seelsorger einen schönen Pokal, die Vereine und Gemeindegenossen wetteiferten mit allen nur möglichen Ehrengaben, so dass sich dieser Tag zu einem schönen Familienfeste für unsere ganze Gemeinde gestaltete und allen in schöner Erinnerung bleiben wird. Vergangenen Sonnabend dankte Herr Dr. Treitel auch von der Kanzel aus, indem er in rührenden Worten seinen Gefühlen Ausdruck gab, wovon auch die Gemeinde sichtlich bewegt war. Möge es unserem Rabbiner gegönnt sein, noch lange in seiner Gemeinde wirken zu können!"      

     
80. Geburtstag von Rabbiner Dr. Leopold Treitel (1924)        

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 15. Dezember 1924: "Rabbiner Dr. Treitel zum 80. Geburtstage.
Am 3. Januar vollendet Dr. Leopold Treitel, der ehrwürdige emeritierte Rabbiner der Laupheimer Gemeinde sein achtzigstes Lebensjahr. Der geistvolle tiefgelehrte Jubilar, eine Zierde seines Standes, ist ein Kind der Breslauer Gemeinde. Nachdem er in den Jahren 1866 bis 1876 dem Breslauer Rabbinerseminar angehört, wurde er 1878 zum Rabbiner der Gemeinde Koschmin, 1881 nach Briesen und 1884 nach Karlsruhe berufen. Seit 1895 ist er Rabbiner in Laupheim. Treitel hat sich als Philoforscher einen bleibenden Ehrennamen erworben. Bereits seine Doktorarbeit war dem großen Alexandriner gewidmet. Treitel ist der Liebe seiner Jugend treu geblieben. Anlässlich seines 70. Geburtstages gab sein Schwager Professor Markus Brann Treitels Veröffentlichungen über Philo seit 1872 unter dem Namen Philonische Studien (Breslau 1915) heraus, und im vorigen Jahre vollendete der unermüdliche Verfasser sein abschließendes Werk 'Die gesamte Theologie und Philosophie Philos v. Alexandria' (Berlin 1923). Treitel feiert seinen Ehrentag an der Seite der ihm gleichstrebenden Gattin, die als Verfasserin feinsinniger Erzählungen für die jüdische Jugend weit bekannt ist, geliebt von tüchtigen Kindern, verehrt von seiner Gemeinde in voller leiblicher und geistiger Rüstigkeit. Möge ein gütiges Geschick dem greisen Gelehrten einen sonnigen Lebensabend schenken!"          

   
70. Geburtstag von Rebecca Treitel, Gattin von Rabbiner Dr. Leopold Treitel (1926)       

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. November 1926:          

    
85. Geburtstag von Bezirksrabbiner i.R. Dr. Leopold Treitel (1930)        

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Januar 1930:         

     
Zum Tod von Rabbiner Dr. Leopold Treitel (1931)      

Artikel in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 20. März 1931:     
 
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. April 1931:  

      

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. März 1931: "Zum Tode von Bezirks-Rabbiner Dr. Treitel, Laupheim.
Zum Schriftwort dieser Woche weiß der Talmud zu erzählen, dass Israel auch die Bruchstücke der zerbrochenen Bundestafeln in der heiligen Lade geborgen hat. Sie waren aus Gottes Hand hervorgegangen; die Feuer des Sinai hatten sie umflammt; noch als Trümmer bargen sie hochheilige Wahrheit.
Als Dr. Leopold Treitel als ein Neunundsiebzigjähriger nach schweren inneren Kämpfen sein Amt niederlegte, war er schon ein leidender Mann. Aber noch flammte in seiner Seele das alte Gottesfeuer, noch war in ihm das jugendliche Temperament des Gottesstreiters rege, noch glaubte er, Herr über die Schwäche zu werden, die ihn gemahnte, sich die verdiente Ruhe zu gönnen. Es war ein Erweis seines lebendigen Idealismus, dass er damals der Oberkirchenbehörde in allem Ernste den Vorschlag unterbreitete, ihm, da er nicht mehr volle Arbeit leisten könne, nur die halben Bezüge zu gewähren, ihn aber im geliebten Amte zu belassen. Sein Anerbieten konnte natürlich nicht angenommen werden, aber er setzte es doch durch, dass er noch im Ruhestande auf Wunsch seiner Gemeindegenossen rabbinische Funktionen ausüben durfte. Nun ist der Unermüdliche, der Greis mit dem Kinderherzen und dem nie erlöschenden Jugendfeuer nach kurzem Krankenlager im gesegneten Alter von 86 Jahren und zwei Monaten aus dem Leben gegangen, und am Sonntag, den 8. März, trug man seine sterblichen Reste von der heiligen Stätte seiner Wirksamkeit zur letzten Ruhe.
Noch einmal, zum letzten Male, stand die rührend schlichte Patriarchengestalt des ehrwürdigen Mannes vor seiner Gemeinde, und öffnete nach dem alten Glauben seine Lippen, um zu ihr zu sprechen. Noch einmal scharten sie sich um ihn, denen er so oft im Leben im Namen der Religion heilige Mahnung, segnende Worte, tröstende Weisheit gespendet hat. Noch einmal huldigte ihm die Dankbarkeit der Vielen, denen er Herzensgüte, Nächstenliebe, Freundschaft über das Alltagsmaß hinaus erwiesen hat.
Was diesen schlichten Mann aus der Masse heraushob, war die Überzeugung aller, dass er so lebte, wie er lehrte, ....                 "          
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Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. März 1931:     

     
Gedenkblätter - Publikation zum Gedenken an Rabbiner Dr. Leopold Treitel (1931)       

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom  16. Juni 1931:        

       
Ein Bild von Rabbiner Dr. Leopold Treitel kommt ins Städtische Heimatmuseum (1931)        

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. August 1931:          

 
Zum ersten Jahrzeittage des verstorbenen Rabbiners Dr. Leopold Treitel (1932)     

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Februar 1932:            

     
Gedächtnisgottesdienst anlässlich des ersten Jahrzeittages für Rabbiner Dr. Leopold Treitel (1932)      

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. März 1932:           

    
    
    
Berichte zu den jüdischen Lehrern und weiteren Kultusbeamten der Gemeinde     
Oberlehrer Simon Tannenbaum tritt in den Ruhestand (1862)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. August 1862:    

    
Großzügige Bezahlung des jüdischen Hauptlehrers (1865)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. November 1865:   

   
Ergänzungswahl des Gemeinderates - ein neues israelitisches Schulhaus soll gebaut werden (1868)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Januar 1868:     

    
Ausarbeitung eines Normallehrplanes für die württembergischen Volksschulen unter Beteiligung von Oberlehrer Elsässer (1868)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Mai 1868:     

    
Einweihung des neuen jüdischen Schulhauses - Rückblick auf die Verabschiedung von Lehrer Pressburger und Stellenantritt von Lehrer Henle (1868)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Dezember 1868: "Laupheim, den 25. Kislew. Im Laufe des verflossenen Sommers hat die hiesige israelitische Gemeinde ein neues Schulhaus, schön, geschmackvoll und groß, wie kein zweites in der Württembergischen Judenheit zu treffen sein wird, erbauen lassen.
Dasselbe steht jetzt, eine Zierde Laupheims, vollendet da, wurde gestern von Herrn Lehrer Elsässer bezogen und am gestrigen Abend von der hiesigen talmudkundigen Welt nebst dem auf Besuch hier anwesend gewesenen Rabbi Maier Schnerr aus Metz, Sohn des berühmten חסיד ר' נתן שפירא aus Fürth, welcher in Jerusalem gestorben, durch Lernen von תורה משנה וגמרא (Tora, Mischna und Gemara) eingeweiht.  
Auch die Schuljugend wird in wenigen Tagen ihre neuen Lokalitäten ohne alles Gepränge beziehen, da die Einweihung auf den Frühling verlegt wird.
Möge in diesem neuangelegten Jugendgarten der tausendjährige Baum des Lebens, die alte Tora, Wurzel fassen, wachsen und gedeihen; möge die Sprache dieser Tora, das Hebräische fortan fleißig, gründlich und pünktlich gelehrt werden; möge "ש"ת", der seit einiger Zeit in unserer Talmudthoraschule den גרוש bekommen, durch die Gnade des Lehrers wieder in der neuen Schule Aufnahme finden und möge die verpestete Luft der Irreligiosität, die leider dahier schon so wehe getan, nie und nimmermehr in die gesunden Räume dieses Neubaues eindringen, auf dass die reinen, unschuldigen Seelen unserer Kinder nimmermehr vergiftet werden.
Doch uns banget es, uns beschleicht eine düstere Ahnung, denn wo das Leben mit der Lehre in so gellem Widerspruch steht, wie hier, was lässt sich da erwarten? wo die Kinder beim Tora-Unterricht mit entblößten Häuptern sitzen müssen, wo sie Dutzende und aber Dutzende vor ihren Augen sich rasieren sehen, wo sie nicht einmal wissen, was ein עירוב (Eruv) ist, denn wir haben über ein Decennium keinen mehr, und wo überhaupt der שבת (Schabbat) auf hunderterlei Weisen vor den Augen der Kinder entweiht wird, so dass man mit Lambert sagen kann: point de samedi, point de juif 'kein Sabbat, kein Jude,' was lässt sich da noch hoffen?
Einem unserer Lehrer, Herrn Preßburger, war es nicht gegönnt, seine Schüler-Abteilung in die neue Schule einzuführen.
Vor ungefähr sechs Wochen wurde ihm die Lehrerstelle in Mühringen übertragen und so gern er auch hier geblieben wäre, musste er bon gré mal gré Laupheim verlassen.
Vor seinem Wegzuge veranstaltete der Gesangverein Frohsinn, dessen Mitglied er war, ihm zu Ehren eine solenne Abschiedsfeier im Gasthof zum Kronprinzen und da auch hiezu sämtliche Gemeindemitglieder geladen waren, war auch die Beteiligung eine großartige. Der Vorstand des Vereins, Herr Dr. Rödelheimer, hielt eine sehr passende Anrede und verehrte dem scheidenden Freunde im Namen des Vereins eine sehr schöne Mappe und die Ehrenmitgliedschaft. Nachdem Herr Preßburger kurz und gut gedankt, wurden mehrere liebliche Gesangsstücke, darunter auch das (Esslinger Preislied, siehe "Israelit" Nr. 33) vorgetragen.
Unter den verschiedenen Toasten verdient besonders der poetische des Herrn Rabbiner Wälder rühmliche Erwähnung.
An Stelle des Herrn Pr. bekamen wir Anfangs einen christlichen Gehilfen, der später durch Herrn Henle, einen 18jährigen Jüngling, abgelöst wurde. Herr Henle ist ein vorzüglicher Musiker und unser Gesangverein mag sich daher einer trefflichen Nachzucht erfreuen.
Aus Anlass dieses Schulhausbaues kam die israelitisches Oberkirchenbehörde in die Lage, eine שאלה zu 'passkenen.' In einer Nische sollte nämlich die Büste Mendelssohns aufgestellt werden. Herr Rabbiner Wälder, ein religiöses Bedenken tragend, protestierte dagegen und berichtete an die Oberkirchenbehörde. Diese sich stützend auf Schulchan Aruch Jore deah kap. 141 § 7, erklärt die Einwendung des Rabbinen für unbegründet und die Aufstellung der Büste für erlaubt. (Anmerkung: Die Einwendung des Rabbinen ist vollkommen gerechtfertigt, da viele גדולי פוסקים die Sache als nicht erlaubt angesehen wissen wollen oder sie doch widerrathen (תשב"ץ, מהרי"ק, ש"ך, כנסת הגדולה, פתחי תשובה).
Wenn wir diesen Fall der Öffentlichkeit übergeben, so wolle man uns nicht beschuldigen, als ob wir das חניפות und קיאות diese Behörde ausposaunen wollten; nein das ist im Entferntesten unsere Absicht nicht, wir wollen vielmehr bloß konstatieren, wie inkonsequent sie auf religiösem Boden manövriert. Hier wo der Schulchan Aruch die Aufstellung der Büste gestattet, bedient man sich seiner, als Autorität, aber wo er z.B. verlangt, dass man an מ' באב auf der Erde sitzen soll, da macht man Opposition gegen ihn.
O! Du gebenedeites Stuttgart, unser Jerusalem!"        

  
Prüfungskonzert der Musikschüler von Lehrer Moritz Henle (1872)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Februar 1872:      

    
Ausschreibung der Stelle des Kantors (1874)     

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. Dezember 1874: "Bewerber Aufruf. 
Die Stelle eines Kantors ist in hiesiger Gemeinde zu besetzen. Derselbe muss musikalische Kenntnisse, eine gute Singstimme und die Fähigkeit besitzen, den Synagogenchor zu leiten und die Gesänge einzuüben. Auch hat derselbe vorerst den Religions- beziehungsweise hebräischen Unterricht in der untern Schulbildung in acht wöchentlichen Stunden zu erteilen. Als fixer Gehalt wird 600-800 fl. in Aussicht gestellt. Auch darf mit Sicherheit auf bedeutendes Nebeneinkommen durch Erteilung von Privatunterricht in Musik, und in hebräischer und deutscher Sprache gerechnet werden. Bewerber werden eingeladen, ihre Meldungen unter Anschluss entsprechender Zeugnisse portofrei zu richten an
das israelitische Kirchenvorsteheramt. Laupheim (Württemberg), im Dezember 1874."          

    
Unzufriedenheit mit der Qualität des Schächtens durch Vorsänger Einstein (1875)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Februar 1875:    

   
Gedächtnisfeier für den verstorbenen Lehrer Simon Tannenbaum (1877)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. Mai 1877:     

  
Ausschreibung der Stelle des Kantors und Schochet (1880)         

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. Januar 1880:   

   
Ausschreibung der Vorbeterstelle (1883)   

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. November 1883:      

   
Die jüdische Gemeinde hat mit dem russischen Kantor Wiadovski einen orthodoxen Kantor angestellt, was einige Probleme bereitet (1884)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Mai 1884: "Laupheim. Vor 3 Monaten hat das hiesige neologe Kirchenvorsteheramt einen jungen, streng altgläubigen Russen Namens Wiadovski, als Kantor engagiert; diese Akquisition wurde vielseitig aufs wohlgefälligste aufgenommen; jetzt haben wir doch wenigstens eine Persönlichkeit, an die man sich in religiösen Angelegenheiten vertrauensvoll wenden kann.
Anfangs war man auch des Glaubens, dass die Herren Mitglieder des Vorsteheramts auf ihre Wahl hin, um mit ihrem Gewählten nicht allzusehr zu kontrastiren, eine etwas konservativere Richtung einschlagen werden, doch dieser Glaube war Aberglaube, denn von einer Umkehr wollen die Herren nichts wissen. Nach wie vor erteilt Herr Rabbiner Kahn, ראש des Vorsteheramts und ראש הקהל, den hebräischen Unterricht in den Schulen בגלוי ראש; nimmt von seiner כהונה nur das חלק כראש in Anspruch und zwar dahin, dass er bei Beerdigungen die ersten 3 Schaufeln Erde auf den ארון ins Grab wirft, in allem Uebrigen aber lässt er nach wie vor, die כהונה über Bord geworfen sein.
Dass Herr Wiadovski ein streng religiös lebender Mann ist, hat seine Richtigkeit, doch eine Handlungsweise harmoniert nicht recht damit. Nachdem er ein paar Wochen hier war, hat er sich als Mitglied des Gesangvereins 'Frohsinn', dessen meisten Mitglieder jüdisches Leben, jüdische Sitten und Gebräuche als fünftes Rad am Wagen betrachten, aufnehmen lassen. Der Synagogenchor rekrutiert sich vom 'Frohsinn' und allsabbatlich wird ihm von einem ausgezeichnet tüchtigen, christlichen Musiklehrer jüdischer Gesangunterricht erteilt. Herr Wiadovski sitzt bei dieser Gelegenheit im Kreise jüdischer Reformhelden, die ungeniert ihre Zigarren neben ihm rauchen. Er wurde diesbezüglich schon in der 'Laupheimer Zeitung' interpelliert, ohne jedoch Notiz davon zu nehmen.
Einem solchen מושב חטאים ורעים anzuwohnen, paßt sich für einen rechten Orthodoxen nicht; der wird und muss sprechen:
בסודם אל תבא נפשי
ובקהלם אל תחד כבודי."      
- Anmerkungen zu einzelnen Begriffen:  - ראש (Rosch): 'Haupt' oder 'Oberhaupt'. Der Text nennt Rabbiner Kahn ironisch das 'Haupt des Vorsteheramts'.
- ראש הקהל (Rosch ha-Kahal): 'Gemeindeoberhaupt' oder 'Gemeindevorsteher'.
 בגלוי ראש (Be-galui rosch): 'mit entblößtem Haupt' (also ohne Kopfbedeckung/Kippa). Der orthodoxe Schreiber kritisiert hier scharf, dass Rabbiner Kahn den hebräischen Schulunterricht barhäuptig erteilte, was nach orthodoxem Verständnis ein schwerer Bruch mit der Tradition war.
 כהונה (Kehuna): Das 'Priesteramt' bzw. die Würde eines Priesters (Kohen).
- חלק כראש (Chelek ke-rosch): Bedeutet wörtlich 'einen Anteil wie das Haupt' (eine Anspielung auf die Vorrechte eines Priesters). Der Text kritisiert, dass Rabbiner Kahn von seinen priesterlichen Pflichten und Würden fast nichts mehr wissen wolle und nur noch symbolisch das Recht beanspruche, bei Beerdigungen die ersten drei Schaufeln Erde auf den ארון (Aron) – den Sarg – zu werfen.
- מושב חטאים ורעים (Moschav chata'im v'ra'im): Frei übersetzt: 'Sitzkreis von Sündern und Bösen'. Dies ist eine drastische, polemische Abwandlung des ersten Psalms (Psalm 1), wo vor dem 'Kreis der Spötter' gewarnt wird. Der Autor meint damit die reformorientierten jüdischen Mitglieder des Gesangvereins, die am heiligen Sabbat rauchten.
Das zweizeilige Gedicht am Ende des Textes ist ein direktes Bibelzitat aus dem Buch Genesis (1. Mose 49,6) aus den Abschiedsworten Jakobs. Der Verfasser fordert, dass ein wahrer Orthodoxer sich so von den Reformern distanzieren müsste: בסודם אל תבא נפשי (Be-sodam al tavo nafshi)  ובקהלם אל תחד כבודי. (U-v'kehalarn al tichad k'vodi) 
Übersetzung:  'In ihren Geheimbund trete meine Seele nicht ein, und ihrer Versammlung schließe sich meine Ehre nicht an.''    

    
Oberlehrer Alexander Elsässer erhält die goldene Verdienstmedaille (1887)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. April 1887: "Man schreibt uns aus Württemberg, den 4. April: Dem Nestor der aktiven israelitischen Lehrer Württembergs, dem durch seine Dichtungen und schriftstellerischen Arbeiten auf jüdischem Gebiete allgemein bekannten und geachteten Oberlehrer Alexander Elsäßer in Laupheim hat das Königliche Ministerium des Kirchen- und Schulwesens die goldene Verdienstmedaille verliehen."      

   
Ausschreibung der Vorbeterstelle (1888)   

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 19. Januar 1888:      

    
Oberlehrer Alexander Elsässer verabschiedet sich von seiner Gemeinde (1887)     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. Mai 1887: "Laupheim (Württemberg). 24. April (1887). Gestern verabschiedete sich auf der Kanzel der Synagoge Herr Oberlehrer Alexander Elsäßer von der hiesigen israelitischen Gemeinde mit einer Ansprache, der er die Textesworte 1. Samuel 20 zu Grund legte: 'Jonathan sprach zu David: Morgen ist Neumond; da wird man dich vermissen, denn deine Stelle ist leer.' Am Nachmittag versammelten sich sämtliche Lehrer zur weltlichen Abschiedsfeier des nach fünfzigjähriger Dienstzeit pensionierten Oberlehrers. In gehobener Rede feierte der hochwürdige Herr Schulinspektor Dr. Sauter von hier die Amtstätigkeit des verdienten Jubilars, welcher höchlich gerührt dankte und in einem gelungenen Vortrag die jetzigen Schulverhältnisse der hiesigen israelitischen Gemeinde im Vergleich mit der Vergangenheit schilderte. Im Jahre 1817 wurde die erste israelitische Schule hier gegründet, an der Elsäßer seit 1862 tätig war."      

    
Zum Tod des Oberlehrers i.R. Alexander Elsässer (1893 in Crailsheim)
  
Anmerkung: Lehrer Alexander Elsässer ist am 21. Dezember 1817 in Freudental geboren. Er ließ sich von 1835 bis 1838 am Lehrerseminar in Esslingen ausbilden und war anschließend als Lehrer tätig: von 1837 bis 1839 in Korb, 1839 bis 1840 in Lehrensteinsfeld, 1841 bis 1852 in Oberdorf, 1852 bis 1863 in Jebenhausen, 1863 bis 1880 in Laupheim. Alexander Elsässer wurde im jüdischen Friedhof Crailsheim beigesetzt.     

Crailsheim Israelit 09021893.jpg (33679 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Februar 1893: "Stuttgart. In Crailsheim starb dieser Tage der in den weitesten Kreisen bekannte pensionierte Oberlehrer Alexander Elsässer, früher in Laupheim. Derselbe war ein wissenschaftlich und talmudisch gebildeter Herr mit außerordentlicher pädagogischer Begabung. Er war in früheren Jahren schriftstellerisch sehr tätig und für seine bedeutenden pädagogischen Leistungen von der Oberschulbehörde öfters belobt worden."    

   
Zum Tod von Lehrer/Kaufmann Wolf Stern (1890)     
Anmerkung: Wolf Löw Stern ist am 24. August 1809 in Michelbach a.d.L. als Sohn des Handelsmannes Löb Stern und geboren. Er studierte an der Jeschiwah in Fürth und schloss mit dem Chawer-Diplom ab, danach am Lehrerseminar in Esslingen von 1829 bis 1832. Anschließend war er Lehrer in Braunsbach (bis 1834) und in Hegenheim im Elsass (bis 1837). Er war seit 15. Oktober 1839 in Laupheim verheiratet mit Eva geb. Kaufmann, eine Tochter von Rabbiner Jacob Kaufmann in Laupheim. Die beiden hatten 14 zwischen 1840 und 1855 geborene Kinder, von denen mehrere früh verstorben sind. Wolf Stern starb am 29. Dezember 1889 in Laupheim, seine Frau Eva ist bereits am 27. Mai 1869 gestorben.

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Januar 1890: "Laupheim, den 1. Januar. Am sechsten Tage des Chanukkafestes wurde Herr Wolf Stern ז"ל, im Alter von 81 Jahren, in früheren Jahren ein eifriger Berichterstatter des 'Israelit', aus diesem Leben abberufen. Derselbe war in Michelbach a. d. L. geboren und wurde von seinen frommen Eltern in seinem fünfzehnten Lebensjahre nach Fürth auf die Jeschibah geschickt, wo er unter der Leitung des Rabbi Josua Moses Falkenau ז"ל und des berühmten Rabbi Wolf Hamburger ז"ל fleißig dem Talmudstudium oblag. Nach dreijährigem Aufenthalte in Fürth, wo er von seinen Lehrern das Chaber-Diplom erhielt, bezog der Verewigte das königliche Schullehrerseminar zu Esslingen. Er wurde bald ein Lieblingsschüler des damaligen Rektors in der genannten Anstalt, des berühmten Pädagogen Denzel, und bestand nach vollendetem dreijährigen Kursus die Staatsprüfung auf das glänzendste. Er wurde als Lehrer in der israelitischen Gemeinde zu Braunsbach angestellt, wo er zwei Jahre lang segensreich wirkte. Dann folgte er einem ehrenvollen Rufe nach Hegenheim im Elsass, wo er bis zum Jahre 1837 als erster Lehrer fungierte. Von Sehnsucht nach der Heimat ergriffen, legte er seine Stelle nieder und kehrte nach Württemberg zurück. Da hier jedoch die besseren Stellen alle besetzt waren, so entschloss sich der Verewigte, aus dem Lehrerstande auszuscheiden und Kaufmann zu werden. Er hatte sich inzwischen mit der einzigen Tochter seines ehemali-          
Laupheim Israelit 09011890b.jpg (154861 Byte)gen Lehrers, des Rabbiners Jakob Kaufmann ז"ל (seligen Andenkens) zu Laupheim, verlobt und etablierte sich deshalb am hiesigen Orte. Damals herrschte noch der Zunftzwang, und Rabbi Wolf Stern musste sich bei der Handlungsinnung zu Ulm einer kaufmännischen Prüfung unterziehen, die er glänzend bestand. Seinem Schwiegervater wurde er ein getreuer Gehilfe sowohl im Studium als auch in der Amtsführung. Zu jener Zeit suchte die so genannte Reform das echte und unverfälschte Judentum zu verdrängen. Auch in Laupheim gewannen die Reformer das Übergewicht und brachten es dahin, dass der orthodoxe Rabbiner Jakob Kaufmann pensioniert wurde. Den Ausschreitungen der Reformer trat Rabbi Wolf Stern mit großer Energie entgegen und vielfach gelang es ihm, dieselben zu verhüten. Zugleich sorgte er für den religiösen Unterricht der Jugend, der von Seiten der dazu Berufenen arg vernachlässigt wurde. Er veranlasste Herrn Hirsch Maier s. A. von hier zur Stiftung eines Kapitals, aus dessen Zinsen dieser Unterricht honoriert wird; auch hielt er an jedem Sabbat Vorträge im Talmud-Tora-Verein. — Ältere Leser des 'Israelit' werden sich noch erinnern, mit welcher Schärfe der Verewigte dem unjüdischen Gebaren in unserem Orte stets entgegentrat und wie vielfachen Anfeindungen er in Folge dessen ausgesetzt war. Er kämpfte jedoch niemals gegen Personen, sondern nur für die Sache. Er war trotz aller Polemik eine hoch geachtete und beliebte Persönlichkeit. Oft wurde er bei Streitigkeiten zum Schiedsrichter erwählt, wozu ihn sein edler Charakter, sein scharfer Verstand und seine große Gesetzeskunde besonders befähigten. Bis in die letzten Wochen war er körperlich rüstig und geistig frisch; dann übermannte ihn die Altersschwäche, der er bald erliegen sollte. — Das Andenken des Gerechten sei gesegnet für alle Zeiten!"         

   
Berufung von Kantor Emil Dworzan nach Laupheim (1890)  
Anmerkung: Kantor Emil Elias Dworzan (1856-1931) war von 1890 bis 1931 Kantor in der jüdischen Gemeinde Laupheim. In dieser Zeit hatte er den gemischten Chor "Frohsinn" gegründet. Er war verheiratet mit Rosa geb. Schloß (1860-1932). Ein Sohn war der Arzt Dr. Max Dworzan (1892-1929, beigesetzt im jüdischen Teil des Pragfriedhofes in Stuttgart), eine Tochter Alwine verh. Orson (1896-1961). Das Grab von Kantor Emil Dworzan und seiner Frau ist im jüdischen Friedhof Laupheim. Link.  

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. Oktober 1890: "Der Kantor E. Dworzan, bisher beim 'Verein der wohltätigen Freunde' in Posen angestellt, ist als Vorsänger und Chordirigent nach Laupheim (Württemberg) berufen worden."       

   
Kompositionen von Kantor Emil Dworzan und Kapellmeister Später werden veröffentlicht (1904)     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. Januar 1904: "Vor kurzem erschien im Musikverlag von Aug. Klaiber in Laupheim (Württemberg) eine 'Keduschah' in vier Abteilungen für eine Singstimme mit Begleitung der Orgel, eine Komposition, die es verdient, in dieser Zeitung registriert zu werden. Die Zahl von wirklich guten, musikalisch wertvollen Keduschoth ist nicht allzu groß; um so dankenswerter ist es von den zwei auch vorher schon um den Synagogengesang verdient gewordenen Männern, dem Herrn Kantor E. Dworzan und dem Herrn Kapellmeister R. Später in Laupheim dass sie jene Zahl um eine gediegene Nummer vermehrt haben. Sämtliche vier Piecen (Abteilungen) sind melodiös, einfach gehalten, auch ohne Begleitung ergreifend; mit dieser erst recht wirkungsvoll. Die Lage, in der sich die Gesänge bewegen, dürfte für die meisten Kantoren eine recht geeignete, das Eingreifen etwa vorhandener Synagogenchöre leicht durchführbar sein. Das Ganze kann füglich als eine glückliche Verbindung traditioneller Weisen mit moderner Musik genannt und darum gewiss dankbar aufgenommen werden. H."     
 
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. Dezember 1903:  

   
Zum Tod von Lehrer Max Heymann (1908)     

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 18. Dezember 1908:     

   
25-jähriges Ortsjubiläum von Kantor Eil Dworzan (1915)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Juni 1915: "Laupheim (Württemberg), 11. Juni. Herr Kantor E. Dworzan begeht am 22. d. M. das 25jährige Jubiläum als Kantor der israelitischen Gemeinde in Laupheim. Der Jubilar ist unter den Kantoren eine wohlbekannte und geachtete Persönlichkeit, nicht zum wenigsten durch seine auch im Druck erschienenen Kompositionen (S’schomru, K’duscha und anderes). Vor 25 Jahren von Posen nach Laupheim übergesiedelt, hat er es verstanden, sich die Sympathie und Wertschätzung seiner Gemeinde in hohem Maße zu erwerben und auch im weltlichen Musikleben sowohl als Gesanglehrer und Dirigent wie auch als überaus geschmackvoller Sänger wohlverdiente Anerkennung zu verschaffen. Seine beiden Söhne kämpfen fürs deutsche Vaterland, und der älteste ist bereits im Besitz der württembergischen Tapferkeitsmedaille und des Eisernen Kreuzes zweiter Klasse."        

   
70. Geburtstag von Moritz Henle (in Hamburg, 1920)    
Zum Verfasser des Artikels https://de.wikipedia.org/wiki/Eduard_Birnbaum    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. August 1920: "M. Henle - Hamburg. Eine Ehrung zu seinem 70. Geburtstag.
Von Ed. Birnbaum (Königsberg i. Pr.).
Am 7. August feiert der Vorsitzende des Deutschen Kantorenverbandes, Herr M. Henle in Hamburg, seinen 70. Geburtstag. Unter den vielen Kantoren unserer Großgemeinden, die hier und da an die Öffentlichkeit getreten sind, verdiente Henle, den seine Amtsgenossen von Ehren wegen an die Spitze ihrer Vereinigung berufen haben, es längst, dem zeitgenössischen Lesepublikum gegenüber in einer ausführlichen Charakteristik gewürdigt zu werden, wenn dieses Publikum ein besseres Interesse an unserem Synagogenwesen und an seinen Vertretern zu nehmen willenskräftig genug wäre. Das Synagogenwesen im Sinne eines Kirchenwesens ist aber dem Bewusstsein der Gegenwart so ziemlich entrückt. Geht man der Ursache nach, warum selbst in Großgemeinden, wo doch die allgemeine Bildung und Kultur in höchster Blüte steht, wo Kunst und Wissenschaft die größte Pflege finden, wo Kunstgenuss in Akademien, in Musik-Gesellschaften, in Vereinen und Logen, in Theatern und in Wohltätigkeitsvorstellungen zu den täglichen Darbietungen gehört, dass selbst in solchen Gemeinden die Israeliten ihrem Synagogenwesen so fremd gegenüberstehen, so ist man geneigt, den Grund in dem Umstand zu suchen, dass sie seit mehr als zwei Generationen zu sehr ihren inneren gemeindepolitischen Kämpfen ausgesetzt waren. Das musste zur Verflachung auf Kosten der Vertiefung führen. Das innere Wesen des Synagogenlebens, das Seelenleben der Gemeinden, von Geschlecht zu Geschlecht hin und her geworfen, musste nach und nach verblühen, erkalten. Man hat über das ewige Herbeischaffen von Arzneimitteln zur Kräftigung dieses Lebens den Pulsschlag vergessen. Ich spreche nur vom Synagogenwesen im Sinne eines Kirchenwesens. Wer kennt noch Verfassung und Gesetz, wer die überlieferten Einrichtungen des Synagogenwesens? Die jüngere Generation der Gegenwart kennt sich kaum im Gotteshaus aus, das sie nur noch an Festtagen zu besuchen geneigt oder in der Lage ist. Was sind Riten? Was sind Selichot, was Jozerot, Hoschanot, Kinnot ? Sie weiß es nicht. Wohl kennt sie den öffentlichen Lokalgottesdienst ihrer Gemeinde mit seinen Gebeten, die sie in der Ursprache kaum versteht; sie weiß, dass hinter dem Vorhang die Torarollen stehen, die manchmal herausgehoben werden, und kennt das Gebetbuch, das man ihr in die Hand gegeben. Was aus der Tora vorgelesen wird, sie weiß es nicht, und was dieses Gebetbuch enthält, lässt sie ziemlich kalt. Von einer tiefen Andacht und Seelenstimmung, von einer Zerknirschung der Seele, von einer wahren Freude an Gott, von einer Festesfreude oder wirklichen Andachtserhebung, wie sie unsere Vorfahren kannten, kann nicht die Rede sein. Spricht man erst von dem Synagogenlied im Sinne eines Kirchenliedes oder von traditionellen Synagogenmelodien, so er­innert sich diese Generation des Kol Nidre, des Solachti, der Chanukkamelodie — und sie ist mit ihrer Wissenschaft zu Ende. Und doch haben wir bis in die neueste Zeit hinein hochverdiente Männer, Sänger und Musiker gehabt, die ihr ganzes Dichten und Trachten in den Dienst der Synagoge gestellt haben — 'Knechte Gottes, die da stehen in dem Hause des Herrn in den Nächten". Zu diesen verdienten Männern gehört in ganz hervorragendem Maße unser lieber, altverehrter Freund und Jubilar, dem ein gnädiges Geschick noch viele Jahre körperlicher und geistiger Frische schenken möge!
Seit mehr als 40 Jahren mit ihm freundschaftlich verbunden, haben wir in lebhaftem Gedankenaustausch über Synagogenmusik und ihre Geschichte miteinander gestanden, wobei ich, hauptsächlich in Bezug auf die von Hamburg ausgegangenen Reformbewegungen, stets der Empfangende gewesen bin. Beim Durchlaufen dieser Korrespondenz stoße ich auf die Namen der Hamburger Synagogenkomponisten: Methfessel, Stöwing, Schicht, Meyerbeer, Bethuel, Demuth (bereits in dieser Zeitung, 1837, S. 174, erwähnt). Schwenke, Schinck, Hamel, Dr. Piza (Nachruf im 'Jüdischen Kantor', 1879, S. 70) u.v.a., aber auch auf Kränkungen, die ihm nicht erspart geblieben. Auch er musste sich der Sentenz: לעולם יהיה אדם מן הנרדפים Immer sei der Mensch unter den Verfolgten, unterwerfen, wobei ich mich des Midrasch Cipho erinnern musste: נוח לעלות לבימה משדת לרדת. Es ist leichter zur Bima hinauf- als von ihr hinabzusteigen.
Anlässlich einer Danksagung für eine Komposition, die ich ihm gewidmet habe, teilte er mir auf ausgesprochenen Wunsch einige biographische Notizen über sich selbst mit, die hier folgen mögen. Sie lauten:
'Geboren 1850 in Laupheim (Württemberg), war ich bestimmt, Musiker (Violinspieler) zu werden. Zu diesem Zweck besuchte ich von 1862 bis 1864 das Stuttgarter Konservatorium. Äußere Umstände ließen diesen Plan nicht zur Reife gelangen. Um meine erworbenen musikalischen Kenntnisse verwerten zu können, entschloß ich mich zum Lehrfach. Von 1864 bis 1868 absolvierte ich das Esslinger Lehrerseminar, wo ich mich durch Privatunterricht in Musik weiterbildete. Als Lehrer (Jüdische Volksschule) fungierte ich alsdann ein halbes Jahr in Talheim bei Heilbronn, vier Jahre in meinem Geburtsort Laupheim, wo ich zugleich Kantor war. Im Jahre 1873 besuchte ich noch einmal das Konservatorium in Stuttgart, wo ich hauptsächlich Gesang und Komposition studierte. Von 1873 bis 1879 war ich in Ulm als Kantor und Musik­lehrer tätig und bin seit August 1879 in Hamburg.'
Auch als Komponist von Synagogensachen hat sich Henle aufs schönste betätigt, deren bibliographisches Verzeichnis gar zu weit führen würde. Ebenso wären seine Gedanken über 'Trivialitäten" in der neuesten Synagogenkomposition — wobei er vor den gefeiertesten Namen nicht zurückschrickt — der Veröffentlichung wert, aber für welches 'Publikum'?
Was Henle für den Kantorenverband geleistet, wird wohl in dem offiziellen Organ desselben zu lesen sein. Für mich und für diejenigen, die Henle persönlich kennen und sich als seine auf­richtigen Freunde bekennen, ist Henle eine treue Seele, ein ganzer Charakter, ein deutscher Mann vom Scheitel bis zur Sohle, der sich für 'sein" Hamburg und 'seine" Tempelgemeinde für ewige Zeiten ein Denkmal gesetzt hat in der 'Festschrift' zum hundertjährigen Bestehen des Israelitischen Tempels in Hamburg, herausgegeben von seinem verehrten Rabbiner und Freunde Dr. D. Leimdörfer. (Hamburg 1918, Verlag von M. J. — צלח ורכב עד מאה שנה!)"  
Anmerkungen: hebräische Zitate: 1) (Mitte der linken Spalte): לעולם יהיה אדם מן הנרדפים  Übersetzung: 'Immer sei der Mensch unter den Verfolgten...'
Hintergrund: Dies ist der Beginn eines bekannten talmudischen Prinzips (aus dem Traktat Baba Kamma 93a), das vollständig lautet: 'Immer sei der Mensch lieber unter den Verfolgten als unter den Verfolgern.' Birnbaum nutzt es hier als Trost für Henle, der in seiner Karriere offenbar viele Kränkungen und Widerstände ('gemeindepolitische Kämpfe') erfahren musste.
- 2) (Mitte der linken Spalte, direkt folgend): נוח לעלות לבימה משדת לרדת  Übersetzung: 'Es ist leichter, zur Bima hinaufzusteigen, als von ihr hinabzusteigen.'
Hintergrund: Birnbaum verweist hier auf einen Midrasch. Die Bima ist das erhöhte Podium in der Synagoge, von dem aus die Tora verlesen wird. Im übertragenen Sinne bedeutet der Satz: Es ist leichter, in ein hohes, Ehrenamt gewählt zu werden (wie Henle als Vorsitzender des Kantorenverbandes), als die damit verbundenen Lasten, Konflikte und den späteren, oft schmerzhaften Rückzug durchzustehen.
- Zitat 3 (Ganz am Ende des Artikels): צלח ורכב עד מאה שנה!  Übersetzung: 'Sei erfolgreich und reite voran [=habe Erfolg] bis zu einhundert Jahren!'
Hintergrund: Ein traditioneller jüdischer Segenswunsch zum Geburtstag. Der erste Teil ('צלח ורכב') stammt ursprünglich aus Psalm 45,5 (oft übersetzt mit 'Zieh aus mit Glück' oder 'Stürme erfolgreich voran'). Gekoppelt mit dem Wunsch, 100 Jahre alt zu werden, drückt Birnbaum damit seine tiefen Segenswünsche für das weitere Leben des Jubilars aus.   

        
Ehrung des Allgemeinen Deutschen Kantoren-Verbandes für Kantor Emil Dworzan - 70. Geburtstag von Mathilde Löwenthal - 70. Geburtstag von Jeanette Rieser (1927)         

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Februar 1927:        

      
70. Geburtstag von Oberlehrer a. D. Rosenberger (1931)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. April 1931:     
 
Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. April 1931:  

      
Zum Tod von Kantor Emil Dworzan (1931)        

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. November 1931:          

      
Religionsoberlehrer Wilhelm Kahn und seine Frau feiern Silberne Hochzeit (1932)       

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. September 1932: ""        

     
Hauptlehrer Sally Silbermann wechselt von Crailsheim nach Laupheim - Religionsoberlehrer Wilhelm Kahn wechselt von Laupheim nach Crailsheim (1932)      

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. November 1932: "Crailsheim. Man schreibt uns: Am 1. November verlässt Hauptlehrer Sally Silbermann seinen hiesigen Wirkungskreis, um denselben mit Laupheim zu vertauschen. Sein Wegzug bedeutet für die Crailsheimer einen großen Verlust. Silbermanns ausgezeichnete Eigenschaften als Pädagoge, Vorbeter und Mensch sowie seine liebenswürdigen Umgangsformen sind es, die ihm die Wertschätzung weiter Kreise verschafft haben. Mit Stolz übte er seinen Lehrerberuf aus, kraftvoll vertrat er die Interessen seines Standes. Aber nicht nur als Lehrer, sondern auch als Seelsorger erwarb sich Hauptlehrer Silbermann große Verdienst. - Wo er auch immer wirkte - stets arbeitete er mit vornehmster Gesinnung, aufrichtig und mannhaft zum Segen der Gemeinde. Seine Verdienste bleiben hier unvergessen."           
 
Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Oktober 1932: 
"Israelitischer Oberrat. Stuttgart, 11. Oktober 1932. Der Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg hat mit ihrem Einverständnis versetzt: 
Religionsoberlehrer Kahn - Laupheim, als Religionslehrer nach Crailsheim; 
Religionslehrer Silbermann - Crailsheim, als Lehrer an die israelitische Privatschule Laupheim unter gleichzeitiger Übertragung der Verrichtungen des Religionslehrers daselbst auf die Dauer dieser Anstellung."    

  
Einführung des neuen Lehrers der Gemeinde Salli Silbermann (1932)          

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Dezember 1932: "Laupheim. Am 5. November wurde der neue Lehrer der Gemeinde, Salli Silbermann, durch Bezirksrabbiner Dr. Cohn, Ulm, eingeführt. Beim Freitagabend-Gottesdienst hielt Dr. Cohn für die vollzählig erschienene Schuljugend eine weihevolle Ansprache. In seiner Predigt beim Sabbat-Morgengottesdienst begrüßte Dr. Cohn Lehrer Salli Silbermann mit herzlichen Worten und zeichnete die Aufgaben des Lehrers als Führer der Gemeinde und ihrer Jugend. In Anlehnung an den Wochenabschnitt hielt dann Silbermann eine Ansprache, in der er die menschlichen Aufgaben und Pflichten umriß und Gottes Segen für seine Arbeit erflehte. Mit einem Gebet für das Wohl der Gemeinde, ihrer Vertreter sowie der Stadt- und Landesbehörden schloss die eindrucksvolle Feier."            

    
Referat von Lehrer Salli Silbermann zu einem Elternabend über "Unsere Schule" (1934)      

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Mai 1934: "Laupheim. Im Rahmen eines Elternabends sprach am 8. April Lehrer Silbermann über das Thema 'Unsere Schule'. Der Redner erstattete einen ausführlichen Bericht über die gegenwärtigen Forderungen des württembergischen Lehrplans für die jüdischen Volksschulen und betonte, dass dieser Lehrplan in Anlehnung an die Richtlinien der Reichsvertretung vollauf dazu angelegt sei, den Schülern ein gediegenes Wissen zu vermitteln. Dieser Lehrplan könne aber nur dann zur Ausführung gelangen, wenn die Volksschulen, und insbesondere die auf dem Lande sowie in den kleinen Städten, nicht durch Abwanderung in höhere Schulen ausgehöhlt würden. Gerade die oberen Klassen fehlten in den meisten Landschulen, ohne dass hierfür heute noch ein vernünftiger Grund vorhanden wäre. Für das jüdische Kind sei die jüdische Schule die Stätte, wo es seiner Veranlagung gemäß wachsen und gedeihen könne. — An das Referat schloss sich eine rege Aussprache an, an der sich sämtliche Mitglieder des Vorsteheramts und die Eltern beteiligten."           

    
Zum Laubhüttenfest bauen die Schulkinder mit dem Lehrer eine Sukka (1934)         

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Oktober 1934: "Laupheim. Zu aller Freude hatten auch in diesem Jahre die Schulkinder mit ihrem Lehrer eine Sukkah errichtet. Mit Kiddusch und gemeinsamem Segenspruch über Brot und Sukkah wurde das Laubhüttenfest eingeleitet. In Gegenwart einer größeren Anzahl von Gemeindemitgliedern schloss sich hieran ein Gespräch zwischen Schülern und Lehrern über die Bedeutung des Sukkausfestes an, wobei sich die Kinder am süßen Most laben durften. Gemeinsamer Aufenthalt in der Sukkah mit Gesang und sonstiger Unterhaltung machten auch das diesjährige Fest wieder zu einem eindrucksvollen Erlebnis für die Kinder."          

      
Elternabend der Jüdischen Schule mit Vortrag von Lehrer Salli Silbermann (1935)       

Artikel in der "Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Februar 1935: "Laupheim. Am 28. Januar veranstaltete die Jüdische Schule einen Elternabend, wozu das Vorsteheramt, die Elternschaft, die Leiterinnen der Bastelstunden und der Vorstand der Jugendgemeinschaft eingeladen waren. Hauptlehrer Silbermann sprach über das Thema 'Durch Erziehung zum praktisch-idealen Menschen' und zeichnete in seinem Vortrag den Wert handwerklicher Fähigkeit und Tätigkeit.
Der Redner betonte dann das Ziel solcher Arbeiten — Erziehung zur Kunst und zum praktischen Menschen — und zeigte die hierzu dienenden Bestrebungen auf. In der sich anschließenden Aussprache kam neben dem Dank an die Leiterinnen der Bastelstunden allgemein der Wunsch zum Ausdruck, dass der Bastelunterricht unter Mitwirkung Lehrer Silbermanns weiterhin erhalten bleibt."           

  
  
Sonstiges  
Über das Portrait-Medaillon am jüdischen Schulhaus von dem aus Sontheim stammenden jüdischen Bildhauer Albert Güldenstein (1886)   

Sontheim AZJ 16031886.jpg (192658 Byte)Artikel in der 'Allgemeinen Zeitung des Judentums' vom 16. März 1886: "Vom Neckar, im Februar (Neckar-Zeitung) [Kunstgeschichtliches.] Ein jüdischer Bildhauer. In einem Bericht aus Laupheim über die im Monat Januar dieses Jahres daselbst abgehaltene Mendelssohn-Feier wird auch darauf hingewiesen, dass sich dessen Portrait-Medaillon auf der östlichen Giebelseite des dortigen neuen israelitischen Schulhauses vorfinde. Dieses gelungene Werk stammt aus den Händen eines Künstlers, welcher am 3. Januar 1822 in Sontheim bei Heilbronn geboren wurde. Sein Name ist Albert Güldenstein und sein Aufenthaltsort schon seit 1849 Stuttgart. Er war zuerst Graveur in der Bruckmann’schen Silberwarenfabrik. Nach mehreren Jahren begab er sich als Ziseleur nach München in das Atelier des berühmten Professors Schwanthaler daselbst, welcher ihn zur Ausführung von Bildhauerarbeiten verwendete. 1843 kehrte Güldenstein nach Stuttgart zurück und modellierte in der dortigen Kunstschule unter Professor Theodor von Wagner ein Relief, eine Szene aus der Sintflut darstellend, was ihm ein Staatsstipendium zu einer Reise nach Berlin verschaffte, die er zur Bewerbung um den von Michael Beer für Bildhauer israelitischer Religion behufs ihrer weiteren Ausbildung in Italien ausgesetzten Preis unternahm. Er erhielt solchen im Jahr 1845 und trat 1847 die Reise nach Rom an. In Italien vollendete er eine Tiergruppe, wozu er den Auftrag von König Wilhelm erhalten hatte. Von seinen Arbeiten sind zu nennen: drei durch große Naturwahrheit ausgezeichnete Tiergruppen für die Wilhelma bei Stuttgart, (Hirsch, von Wölfen angefallen, Bären- und Schweinehatz), eine Triumphfonthaine des Kaisers Napoleon III., Skulpturen der Kreditbank in Zürich und der Figurenschmuck des Brunnens für die Villa des Kronprinzen bei Berg-Cannstatt).    
Anmerkung: Ein Bruder dieses Bildhauers war der verstorbene Rabbiner Güldenstein in Buchau am Federsee, ein wahrhaft humaner und tüchtiger Seelsorger. Er nahm an der Rabbinerversammlung zu Frankfurt am Main (1845) tätigen Anteil. In unserer Erinnerung lebt er als unser erster Korrespondent, der gleich nach Erscheinen des ersten Heftes unseres ‚Israelitischen Predigt- und Schulmagazins’ einen begeisterten Brief an uns richtete. Er studierte damals (1834) jüdische Theologie in Tübingen. Wie oft sprach er seine Freude über die schönen Erfolge seines Bruders, des Bildhauers, aus! Redaktion."    

      
      
      
    

 

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Stand: 09. August 2026