Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Buttenhausen (Stadt Münsingen, Landkreis Reutlingen) 
Texte/Berichte zur jüdischen Geschichte des Ortes

Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Buttenhausen wurden in jüdischen Periodika gefunden. 
Bei Gelegenheit werden weitere Texte eingestellt. Neueste Einstellung am 15.12.2016.   
    
Es konnten noch nicht alle Texte abgeschrieben werden - bitte zum Lesen die Textabbildungen anklicken    
    
    
Übersicht:  

Allgemeine Berichte     
Beitrag "Zur Geschichte der Juden in Buttenhausen" (1928)  
"Chanukkatage der Kindheit" - der aus Buttenhausen stammende Oberlehrer / Waisenhausvater Theodor Rothschild berichtet (1934) 
"Pessachtage der Kindheit" - Theodor Rothschild erinnert sich (1935)      
Aus der Geschichte des Rabbinates 
Zum Tod von Rabbiner Max (Marx) Bär Kallmann (1865, Rabbiner in Buttenhausen von 1834 bis 1858)    
Über eine Publikation von Rabbiner Samson Gunzenhauser (1863)   
-  Rabbiner Gunzenhauser publiziert seine Predigten (1866)  
-  Rabbiner Gunzenhauser verlässt Buttenhausen (1867) 
-  Zur Ausschreibung des Rabbinates Buttenhausen (1867)  
Dr. Michael Silberstein wird Rabbiner in Buttenhausen (1868) 
P
ublikation von Rabbiner Dr. Michael Silberstein (1870)   
R
abbiner Dr. Silberstein hält einen Vortrag über die soziale Frage und die mosaische Gesetzgebung in Münsingen (1873)   
R
abbiner Dr. Silberstein wechselt von Buttenhausen nach Mühringen (1874)     
Rabbiner Dr. Jakob Stern übernimmt eine unerlaubte Trauung (1879)  
Zuspitzung des Konfliktes um Rabbiner Stern (1879)  
G
roße Unruhe in der jüdischen Gemeinde wegen Rabbiner Stern - zugleich Spannungen zwischen Juden und Christen (1880)  
Konflikt zwischen Gemeinde und Rabbiner Stern (1880)  
Rabbiner Stern bietet seine Publikationen an (1880) 
Der frühere Rabbiner Jakob Stern wurde als Delegierter für den sozialistischen Parteitag in Halle gewählt (1890)  
Zum Tod des früheren Rabbiners Jakob Stern (1911) 
Abschied von Rabbiner Dr. Jonas Laupheimer (1887)     
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1871 / 1873 / 1874  
-  Lehrer Neckarsulmer bietet seine Dienste an (1887)  
Über den Lehrer Nathanael Forchheimer (1896 bis 1907 Lehrer in Buttenhausen)   
-  "Missliche Zustände" in der Gemeinde durch die Krankheit von Lehrer Forchheimer (1899) 
E
inweihung der Bernheimer'schen Realschule (1904)   
Oberlehrer Berlinger übt mit den Schulkindern Theaterstücke ein (1932) 
25-jähriges Dienstjubiläum von Oberlehrer Berlinger (1933)   
-  Zum Tod von Hanna Berlinger, Frau des Oberlehrers Berlinger (1934)  
Theologischer Beitrag von Lehrer Berlinger (1935)  
Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben  
-  Konfirmation und weitere Neuerungen im Gemeindeleben unter Rabbiner Dr. Silberstein (1869) 
-  Die Gemeinde erhält einen Staatsbeitrag für die Restauration der Synagoge (1874)  
-  Bericht über das gottesdienstliche Leben unter Rabbiner Stern (1876)   
-  Kritische Stimme zur Neuwahl des Gemeindevorstehers aus konservativ-orthodoxer Sicht (1885)  
-  Über Missstände in der Gemeinde aus konservativ-orthodoxer Sicht (1885)  
-  Antisemitische Hetzereien - auch gegen den früheren Rabbiner Stern (1889)  
-  Kritische Stimmen zur Durchführung einer jüdischen Hochzeit ohne religiöse Trauung (1893)  
-  Feier zum 25-jährigen Bestehen des Militärvereins Buttenhausen - Hundersingen (1902) 
Über den Reichstagsabgeordneten Matthias Erzberger "aus der jüdischen Viehhändler-Enklave" Buttenhausen (1918)  
Vortrag in der Ortsgruppe der Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten (1926)
Vorträge von Oberlehrer Berlinger im Rahmen des Israelitischen Frauenvereins (1931) 
Ausflug des Jüdischen Lehrhauses (Stuttgart) nach Buttenhausen - Gundelfingen - Buchau - Blaubeuren, 1931)    
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
David Anspacher wird aus dem Badischen ausgewiesen (1822)   
Über den Händler Leopold Levi (1888)    
-  Zum Tod des Kaufmanns Hirsch Marx (1890)  
-  Zum Tod von Gemeinderat Josef Tannhauser (1897)  
-  Testamentarisch verfügte Spenden des in New York verstorbenen Adolf Bernheim zur Begründung einer Realschule (1902)  
Auszeichnung für den aus Buttenhausen stammenden Lehmann Bernheimer (1905)  
7
0. Geburtstag des aus Buttenhausen stammenden Geheimen Kommerzienrates Lehmann Bernheimer in München (1912)   
-  80. Geburtstag von Moses Levi (1913)   
80. Geburtstag von Emilie Dreifus (1926)  
Zum Tod von Sanitätsrat Dr. Rosengart (1927 in Frankfurt, stammte aus Hundersingen bei Buttenhausen)  
Gemeinderat Louis Adler ist seit 40 Jahren ehrenamtlicher Vorbeter zu den Feiertagen (1927)  
88./90. Geburtstag von Sophie Löwenberg geb. Tannhauser sowie ihr Tod (1926 / 1928 / 1929) 
70. Geburtstag von Hermann Josef Tannhauser (1928)  
70. Geburtstag von Charlotte Löwenthal geb. Levi (1928)  
-  Über die bei einem Eisenbahnunglück umgekommene Irmgard Marx (1928)     
70. Geburtstag von Auguste Bär (1930)     
Salomon Löwenthal und Simon Neumann werden zu Gemeindevorstehern gewählt (1930) 
85. Geburtstag von Karoline Lindauer geb. Bernheimer (1931) 
88./90. Geburtstag von Sara Bernheimer (1931/1933) 
Humorvolles mit Josef Bär aus Buttenhausen (1932)  
70. Geburtstag von Louis Adler (1932)  
Zum Tod von Hermann Josef Tannhauser (1935)     
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
-  Anzeigen des Feinbäckers W. Feldmann (1884/1894)  
-  Anzeige von Wolf Feldmann (1903)  
Mädchen aus der Familie Feldmann sucht Stellung in einer Familie
(1903)  
Hochzeitsanzeige von Otto Hofheimer und Lily geb. Marx (1924)  
Anzeigen von Julie Levi, Frau von Emanuel Levi (1931 / 1933)    
Verlobungsanzeige von Sara Berlinger und Menke Berlinger (1933)   
-  Anzeige des Innenausstattungs- und Antiquitätengeschäftes Lehmann Bernheimer (München, 1935)   
Nach der Emigration: Todesanzeige für Louis Löwenthal (1942)     
Weitere Erinnerungen: Briefe / Briefumschläge / Karten im Zusammenhang mit jüdischen Personen in Buttenhausen  
Brief an Seligmann Löwengardt in Buttenhausen (1843) 
Gantsache - Forderung der Gebr. Höchstetter an die Gebr. Höchstetter (1866)  
Karte von Moses Höchstetter aus Buttenhausen (1880)  
Weitere Karte von Moses Höchstetter (1882)   
Karte der Fa. Levi & Co. in Buttenhausen (1884)  
Postkarte von Kaiserslautern an Salomon Lindauer in Buttenhausen (1888)   
Werbemarke der Firma Salomon Lindauer   
Ansichtskarte an Laura Löwenberg in Buttenhausen (1897)  
Postkarte mit dem "Schweizerhof" (1898)  
Postkarte von Lehmann Levi in Buttenhausen (1899) 
Postkarte von S. Rothschild aus Buttenhausen an Rechtsanwalt Breitschwerdt in Riedlingen (1901)
Postkarte von Lina Höchstetter aus Buttenhausen an Buchbinder Pflüger in Münsingen (1920)   
Postkarte von Rosa Levi aus Buttenhausen nach Biel (CH) (1935)  
Postkarte (Raketenpost) aus Havanna/Kuba an Fanny Levi in Buttenhausen (1939)    

    
    
Allgemeine Berichte  
Beitrag "Zur Geschichte der Juden in Buttenhausen" (1928)     

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Dezember 1928:       
Buttenhausen GemZeitung Wue 01121928a.jpg (227326 Byte)   

             
"Chanukkatage der Kindheit" - der aus Buttenhausen stammende Oberlehrer / Waisenhausvater Theodor Rothschild berichtet (1934)       
(aus dem Schulbuch von Theodor Rothschild: "Bausteine". Kauffmann Verlag Frankfurt am Main 1928)       

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Dezember 1934     
Buttenhausen GemZeitung Wue 01121934a.jpg (132684 Byte)  

      
"Pesachtage der Kindheit" - Theodor Rothschild erinnert sich (1935)       
(aus dem Schulbuch von Theodor Rothschild: "Bausteine". Kauffmann Verlag Frankfurt am Main 1928)         

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. April 1935:          

    
      
Aus der Geschichte des Rabbinates  
Zum Tod von Rabbiner Max (Marx) Bär Kallmann (1865, Rabbiner in Buttenhausen von 1834 bis 1858)  
Aus der Geschichte des Rabbinates  
Zum Tod von Rabbiner Max (Marx) Bär Kallmann (1865, Rabbiner in Buttenhausen von 1834 bis 1858)  
Anmerkung: Rabbiner Max Bär Kallmann ist am 26. März 1795 als Sohn des Kochendorfer Rabbiners Löw Kallmann (gest. 1825) und der Edel Joseph in Kochendorf geboren. Er  studierte u.a. bei Seckel Wormser in Michelstadt und 5 1/2 Jahre bei Joseph Maier Schnaittach in Freudental. 1830 bis 1833 Studium an der Universität in Heidelberg; bestand 1834 die Erste württembergische Staatsprüfung; Juni 1834 Rabbinatsverweser in Buttenhausen, seit 1841 Bezirksrabbiner in Buttenhausen; seit Dezember 1842 verheiratet mit Jette geb. Hechinger aus Bayreuth; 1858 wurde er zum Bezirksrabbiner in Lehrensteinsfeld ernannt. 1861 wurde ihm von der Oberkirchenbehörde nahegelegt, in den Ruhestand zu treten. Nach seinem Tod 1865 wurde er auf dem jüdischen Friedhof in Neckarsulm beigesetzt.  

Kochendorf Israelit 21111900.jpg (86980 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. November 1866: "Neckarsulm. Am 6. Tage der Selichot-Tage, dem 24. Elul war es ein Jahr, dass der selige, fromme Rabbiner Kallmann aus Kochendorf in die ewige Ruhe eingegangen ist. Auf Anordnung seiner Witwe wurde am Jahrgedächtnistage beim Setzen der sehr schönen Mazebah (Grabstein) Minjan (gottesdienstliche Versammlung) auf seinem Grabe gemacht und vom Rabbiner Dr. Engelbert ein deutsches und ein hebräisches Gebet verrichtet, und dann Kaddisch gesagt. Es fanden sie viele auf dem Friedhofe ein, um dem würdigen Seelensorger die letzte Ehre zu erweisen. In der Synagoge zu Kochendorf wurde am darauf folgenden Sonntag ein Hesped (Trauerrede) für den selig Verblichenen gleichfalls von Rabbiner Engelbert abgehalten; den Anfang, sowie den Schluss des Trauervortrags, in welchem er die vielen guten Eigenschaften des Dahingeschiedenen hervorhob, bildeten die schönen Worte, (hebräisch und deutsch:) das Andenken des wahrhaft Frommen gereicht zum Segen.

     
Über eine Publikation von Rabbiner Samson Gunzenhauser (1863)   

Buttenhausen AZJ 18081863.jpg (177015 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. August 1863: "Betrachtungen über die Bibel und unserer Weisen Aussprüche in Predigten von Samson Gunzenhauser, Rabbiner in Buttenhausen (Württemberg). Erste Lieferung. Stuttgart 1863. Der Verfasser ist mit Fug und Recht ein Gegner langer Predigten, und wollte daher in einer Sammlung kurzer Predigten, die meist nur gedrängte Betrachtungen über einen religiösen Gegenstand sind, jüngeren Amtsgenossen Beispiel und Stoff darbieten. Wie der etwas sonderbar geformte Titel ('und unserer Weisen Aussprüche') andeutet, legt der Verfasser wiederum mit Fug und recht ein großes Gewicht auf die Verwendung von Sprüchen aus Talmud und Midrasch für die jüdische Homiletik. Dass nun der Verfasser von diesem Gesichtspunkt aus manches Gute geliefert hat, erkennen wir gern an; trotzdem glauben wir nicht, dass dieses Werk bedeutende Ansprüche machen kann. Wenn die Länger der Predigt den Zuhörer ermüdet und oft die Gedankenarmut recht fühlbar macht, so bleibt die allzu kurze Predigt ohne Eindruck und schneidet die Befriedigung am besten Punkte ab. Auch begegnet es dem Verfasser sehr häufig, dass er einer höchst kurzen Predigt eine sehr lange Einleitung voranschickt, sodass die Vorhalle viel größer ist als das daran gefügte Häuschen. Wenn in einer langen Predigt das Thema zu sehr auseinander gefasert wird, so kann die kurze es nur knapp zuschneiden und wird es oft ganz unerschöpft lassen. Wählt nun der Redner einen sehr bedeutenden Gegenstand, so wird er völlig unbefriedigt lassen. Man lese z.B. in dieser Sammlung die Rede über die Tradition, wo natürlich die einfachsten Fragen, die an diesen Gegenstand gestellt werden können, unerwähnt und unbeantwortet bleiben. Eigentümlichkeit der Anschauung, neue Gedanken, zutreffende Behandlung haben wir in diesen Betrachtungen nicht viel gefunden. - Auch die Benutzung von 'Aussprüchen unserer Weisen' ist nichts anderes, als was jetzt jeder jüdische Prediger tut, hie und da eine talmudische und midrachische Sentenz einflechten. Wir haben dafür für diese Schrift nur die Empfehlung, dass sie auf die Kürze der Predigten verweist, was wir jedoch dahin modifizieren müssen, dass die Predigt ein knappes Maß einhalten müsse, um nicht in den entgegengesetzten Fehler zu verfallen."   

 
Rabbiner Gunzenhauser publiziert seine Predigten (1866)  

Buttenhausen Israelit 28031866.jpg (43824 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. März 1866: "Von meinen unter dem Titel Worte der Tora erschienenen Predigten ist noch eine Anzahl vorrätig und können einzelne Exemplare à 45 Kreuzer, größere Partien zu herabgesetztem preise, sowohl durch R. Levi, Buchhändler in Stuttgart, als auch von mir direkt bezogen werden. 
Rabbiner Gunzenhauser in Buttenhausen, Württemberg." 

  
Rabbiner Gunzenhauser verlässt Buttenhausen (1867)  

Buttenhausen Israelit 10101867.jpg (105789 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Oktober 1867: "In Buttenhausen auf der württembergischen Alb war bisher Herr Gunzenhauser, ein geborener Bayer, Ortsrabbiner gewesen. Vermöge Verfügung des Königlichen Ministeriums des Kirchen- und Schulwesens vom 12. September dieses Jahres ist diesem auch in der hebräischen Literatur schon bekannt gewordenen Geistlichen das erledigte Bezirksrabbinat Mergentheim übertragen worden. Dem Manne ist dieses Avancement zu gönnen. Er kommt aus einer rauen Gegend in das schöne Taubertal, in eine sehr wohlhabende Gemeinde und in einen Bezirk, dessen Gemeinden der orthodoxen Richtung angehören. Die Gemeinde Buttenhausen aber wird diese Vakatur benutzen, um bei dem Ministerium die Aufhebung des kostspieligen Ortsrabbinats und die Einverleibung in den benachbarten Sprengel zu erwirken, dagegen jedoch ihre Schulstelle mit dem Vorsängeramte, das der Ortsrabbiner zu bekleiden hatte, vereinigen, um dem betreffenden Lehrer ein anständiges Auskommen bieten zu können. Dann wird es auch gelingen, eine tüchtige Kraft zu gewinnen."  
 
Buttenhausen Israelit 06111867.jpg (89053 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. November 1867: "Buttenhausen (Württemberg), 24. Oktober. Diese Woche verließ uns unser Rabbiner Gunzenhauser, um seine Stelle in Mergentheim anzutreten. Die Liebe und Anhänglichkeit der Gemeinde, die sich derselbe während seiner achtzehnjährigen Wirksamkeit hier erwarb, zeigte sich bei seinem Scheiden. Alles bedauerte den Verlust des Mannes wegen seiner Wissenschaft und seiner trefflichen Eigenschaften. Nachdem er letzten Samstag eine ergreifende Abschiedsrede gehalten, versammelten sich ihm zu Ehren abends die Gemeindeglieder und nach mehreren Toasten überreichte ihm das Kirchenvorsteheramt als Andenken einen prachtvollen silbernen Pokal. Möge er in seiner neuen Wirksamkeit die Anhänglichkeit finden, die ihm hier geworden und bleiben wird. K."

  
Zur Ausschreibung des Rabbinates Buttenhausen (1867)  

Buttenhausen Israelit 20111867.jpg (92673 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. November 1867: "Die Bewerber um das Rabbinat Buttenhausen, im Oberamtsbezirk Münsingen, womit neben freier Wohnung und außer den Stolgebühren und Emolumenten ein aus den Zentralkirchenkasse zu beziehender Fixgehalt von 650 Gulden verbunden ist, werden unter dem Bemerken, dass gesetzlich dem Rabbinen auch die Vorsängerfunktionen obliegen, dass jedoch unter Unständen eine Stellvertretung im Vorbeten auf Kosten des Rabbinen zugelassen wird, aufgefordert, unter Angabe ihrer persönlichen und Familienverhältnisse, sowie ihrer Bildungslaufbahn, binnen 4 Wochen bei der Königlichen Israelitischen Oberkirchenbehörde sich zu melden, obgleich das Ortsrabbinat füglich mit Buchau, Laupheim oder Jebenhausen hätte verbunden werden können und letzte Stellen wohl einer Gehaltsaufbesserung bedürftig wären."
   
Buttenhausen Chananja 01121867.jpg (37592 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Ben Chananja" vom 1. Dezember 1867: "Das Rabbinat Buttenhausen ist mit 650 Gulden jährlichem Gehalte ausgeschrieben, dabei hat der Rabbiner noch den Vorbeterdienst zu versehen. Mit einem so niedrigen Gehalte wird sich wahrscheinlich kein Bewerber um diese Stelle finden. Das Geeignetste wäre, Buttenhausen einem andern Rabbinatsbezirk zuzuteilen, die Gemeinde wünscht dieses selbst."  

   
Dr. Michael Silberstein wird Rabbiner in Buttenhausen (1868)   

Buttenhausen Israelit 06051868.jpg (48672 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Mai 1868: "Buttenhausen (württembergisches Oberamt Münsingen). Das hiesige Ortsrabbinat, mit welchem die Funktionen des Vorsängers verbunden sind, ist dem Rabbiner Dr. Silberstein, einem geborenen Kurhessen, der bisher in Lyk, in Ostpreußen, angestellt war, vom königlichen Ministerium des Kirchen- und Schulwesens am 4. April dieses Jahres definitiv übertragen worden, da kein Inländer um die erledigte Stelle sich gemeldet hat."  

   
Publikation von Rabbiner Dr. Michael Silberstein (1870)  

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Juli 1870: "Verlag der Schletter'schen Buchhandlung (H. Skutsch) in Breslau. Gelegenheits-Predigten jüdischer Kanzelredner. 4 Bände von 11 bis 13 Bogen in Gr.-Oktoav. Breslau 1870. Preis jedes Bandes 22 1/2 Sgr.  
...
Vierter Band: Predigten bei besonderen, die Gemeinde berührenden Veranlassungen (als Gast- [Probe-]Antritts- und Abschieds-Predigten, Reden bei Einweihungen, Konfirmationen, Stiftungsfesten usw.) von Dr. M. Silberstein (Rabbiner in Buttenhausen)."   

   
Rabbiner Dr. Silberstein hält einen Vortrag über die soziale Frage und die mosaische Gesetzgebung in Münsingen (1873)       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. April 1873: "Münsingen, 7. März (1873). (Aus einem Württembergischen Blatte). Letzten Montag hielt Dr. Silberstein, Rabbiner von Buttenhausen, hier einen Vortrag über die soziale Frage und die mosaische Gesetzgebung. Dr. Silberstein erwies sich wiederholt als äußerst glänzender Redner. Ausgehend von einer allgemeinen Darstellung der sozialen Frage in der Gegenwart und Vergangenheit, gelangte der Redner zu dem Resultate, dass Ein Land (Palästina) ausgenommen, alle Völker an der sozialen Frage krankten, und trotz vielfacher Versuche zu ihrer Lösung zum großen Teil an ihr zu Grunde gingen. Redner suchte den Nachweis zu liefern, dass alle jene Keime des Verderbens, die den Untergang der antiken Welt herbeiführten, von dem palästinensischen Gemeinwesen möglichst fern gehalten wurden. Die Sklaverei wurde dort möglichst gemildert, ja bei dem inländischen Knechte - eine Bezeichnung für den Begriff des Sklaven kennt die Sprache nicht einmal - auf ein bloßes Dienstverhältnis auf Zeit eingeschränkt. An die Stelle der Verachtung, der die erwerbende Tätigkeit in den klassischen Staaten anheimfiel, trat in Palästina die Hochschätzung. Mahnungen zum Fleiße, und Warnungen vor dem Müßiggange, kehren unzählige Male in den fundamentalen Geboten, wie in der Volksliteratur wieder. Ebenso galt Freiheit der Arbeit; aber auch das dritte Grundübel, an dem die antiken Staaten litten, und vor dem auch der moderne Staat sich nicht zu schützen vermöchte, die allzu ungleichmäßige Verteilung des Besitzes, wurde durch die agrarischen Gesetze von dem palästinensischen Gemeinwesen fern gehalten. Alle Einrichtungen zielten darauf ab, einen tüchtigen Mittelstand zu schaffen, von dem das Glück der Gemeinwesen allein abhängt, und ein besitzloses Proletariat, wie es uns in erschreckendster Gestalt, im Altertume, wie in modernen Staaten, entgegentritt, von dem Lande fern zu halten. An Armut in Folge unglücklicher Zufälle etc. fehlte es darum doch nicht im Lande; hier aber trat die Armengesetzgebung helfend ein, die, vom Geiste der Milde und des Wohlwollens getragen, sich wesentlich von anderen Gesetzgebungen dieser Art unterscheidet. Schließlich berührte Redner noch die Lösung der modernen sozialen Frage. Dem Vernehmen nach wird der Vortrag auf vielseitigen Wunsch durch den Druck einem größeren Publikum zugänglich gemacht."    

    
Rabbiner Dr. Silberstein wechselt von Buttenhausen nach Mühringen (1874)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Dezember 1874: "Das durch die Berufung des Herrn Dr. Wassermann, als Kirchenrat und Rabbiner Nach Stuttgart in Erledigung gekommene Bezirksrabbinat Mühringen (württembergischer Schwarzwald) ist durch Königliches Kultusministerium Herrn Rabbiner Dr. Silberstein in Buttenhausen übertragen worden. Die Gemeinde Buttenhausen, die sich bedeutende Opfer aufzuerlegen Willens war, um ihren Rabbiner sich zu erhalten, bereitete demselben vor seinem Abhange eine erhebende Abschiedsfeier, an der außer sämtlichen Gemeindemitgliedern auch angesehene Christen, Geistliche usw. Anteil nahmen; als Zeichen ihrer Anerkennung überreichte ihm der Vorstand hierbei namens der Gemeinde einen prachtvollen silbernen Pokal. Auch in Mühringen, seinem neuen Rabbinatssitze, wurde Herrn Dr. Silberstein ein solenner Empfang bereitet. Vorsteher und Lehrer des Bezirks reisten ihm nach Tübingen entgegen und geleiteten ihn nach seinem neuen Wohnsitze; Böllerschüsse, unter denen sein Einzug in Mühringen erfolgte, Girlanden und zahlreiche Transparente, die das Rabbinatshaus schmückten, die prachtvolle Beleuchtung, in der dasselbe am Abende sich präsentierte, Musik- und Gesangständchen, die dem Gefeierten gebracht wurden, insbesondere aber die schöne Ansprache, die der Lehrer und Vorsänger, Herr Pr. aus R., namens der Gemeinden des Schwarzwaldes an Herrn Dr. Silberstein in seiner Behausung hielt und die von letzterem mit passenden Worten erwidert wurde, zeugten von der ungekünstelten Herzlichkeit, mit der die Gemeinden ihren neuen Rabbiner entgegenkommen. Am Samstag fand die feierliche Einführung desselben statt, zu der gleichfalls einzelne Vertreter von auswärts erschienen waren."    


Rabbiner Dr. Jakob Stern übernimmt eine unerlaubte Trauung (1879)  

Buttenhausen Israelit 30041879.jpg (150393 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. April 1879: "Laupheim. Vor wenigen Monaten heiratete ein Herr B. von Gailingen eine kinderlose Witwe von Crailsheim (Bezirksrabbiner Braunsbach), die die erforderliche Chalizza sich zu verschaffen nicht für nötig erachtete. Daraufhin gab sich weder der Rabbiner von Gailingen, Herr Dr. Löwenstein, noch der von Braunsbach, Herr Berlinger, noch der hiesige, Herr Kahn, der auch angegangen wurde, dazu her, den Akt der Trauung vorzunehmen. Anders Herr Rabbiner Stern in Buttenhausen. Dieser ließ sich nicht lange bitten, sondern war gleich bereit, diese antijüdische Ehe in aller Form rechtens einzusegnen. Doch sonderbar! – Während Herr Stern einer unerlaubten Trauung das Dasein gibt ist seine ihm angetraute Gemeinde Buttenhausen bemüht, sich von ihm trennen zu lassen, ihm den Scheidebrief zu geben. Schon ist es soweit gekommen, dass die Stern’schen Predigten vor leeren Bänken gehalten werden müssen; schon haben die Buttenhauser (dem Rabbiner zur Freude?) ihrem Lehrer, Herrn Straßburger, eine pracht- und wertvolle goldene Uhr und Kette zum Geschenk gemacht und schon sind sie bei der Königlichen israelitischen Oberkirchenbehörde klagend gegen ihn aufgetreten. Dieser misslichen Stellung eine ein bisschen bessere Gestalt zu geben, trat der Buttenhauser Reformator mit seinem ehemaligen Schüler, Herrn J. Laupheimer, Rabbinatskandidat dahier, in Unterhandlung und wollte ihn als Vikar bestellen. Doch dieser gab sich nicht dazu her, und so herrscht die der Krieg mit Stern heute noch. Zum Schlusse möchten wir wünschen, dass die Gemeinde Buttenhausen aus dem Kampfe gegen den Mann, der mit nihilistischem Mordstahl das orthodoxe Judentum niederzudolchen beabsichtigt, als ruhmgekrönte Siegerin hervorgehen möge."       

  
Zuspitzung des Konfliktes um Rabbiner J. Stern (1879)  

Buttenhausen Israelit 15101879a.jpg (188053 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Oktober 1879: "Laupheim, 12. Oktober (1879). Die Gemeinde Buttenhausen (Württemberg) hat seit ungefähr einem Jahre ihren Rabbiner, Herrn J. Stern, faktisch außer Dienst gesetzt; er durfte nimmermehr vorbeten, nimmermehr predigten, und wollte er dennoch wagen es zu tun, so verließ Alles, wie auf ein Kommando, den Gottesdienst. Zudem strengt sie bei der königlichen israelitischen Oberkirchenbehörde eine Klage gegen ihn an auf dessen Enthebung vom Amte und zwar:     1) aus dem Grunde, weil er von aller Welt als der Verfasser jener berüchtigten Broschüre ‚Der alte und neue Glaube im Judentum’, herausgegeben unter dem fingierten Namen Dr. William Rubens, worin jüdisches Leben, jüdische Sitten und Gebräuche verhöhnt, verspottet und im Kote herumgezogen, gehalten wird, wenn er gleich nur zugibt, nach einer Seite hin ein bisschen hierbei tätig gewesen zu sein und    2) weil er sich erlaubte in christlichen Gasthäusern ungeniert, sogar vor und mit Juden, unkoschere Speisen, unrein, zu essen. Auf diese Beschwerde hin und nach angestellter Untersuchung des Sachverhalts hat die israelitische Oberkirchenbehörde in einem hohen Erlass vom 22./25. September dieses Jahres den aufgeklärten Herrn Rabbiner Stern auf die Dauer von 3 Monaten seines Amtes entsetzt. Wir geben nachfolgend den Wortlauf des interessanten Schriftstückes und bemerken bloß, dass wir die Strafe im Vergleiche zur Schwere des Vergehens für allzu gering erachten. Der Hohe Erlass lautet: Königliche israelitische Oberkirchenbehörde an das Königliche Oberamt Münsingen.  ‚In der Beschwerdesache des israelitischen Kirchenvorsteheramts in Buttenhausen gegen den Rabbiner Stern von da wegen mehrfacher Verletzung seiner Amtspflichten verfügt die israelitische Oberkirchenbehörde in Anwendung des § 18, Ziff. 2 der Königlichen Verordnung vom 27. Oktober 1831 in Erwägung: 1) dass als erwiesen anzunehmen ist, es habe sich der Rabbiner Stern in zum mindesten fahrlässiger Weise an der Abfassung der Broschüre ‚Der alte und neue Glaube im Judentum’ von Dr. William Rubens, welche durch vielfache Herabwürdigung kultureller Einrichtungen gläubigen Israeliten
Buttenhausen Israelit 15101879b.jpg (224059 Byte)zum Ärgernis gereichen muss, insofern beteiligt, als er dem Verfasser dieses Werkes, mit dem er zugestandener Maßen seit vielen Jahren persönlich bekannt ist und mit dem er einen lebhaften brieflichen Verkehr unterhalten hat beziehungsweise unterhält, mit dessen Geistesrichtung und Anschauung in Betreff der in der Broschüre behandelten Gegenstände er also wohl vertraut war, den Anhang zu demselben wie nicht minder verschiedene Gedanken und Redewendungen zu dem Hauptteil der Broschüre geliefert hat und sich dadurch für den Inhalt dieses Werkes in gewissem Grade verantwortlich gemacht hat, in fernerer Erwähnung    2) dass durch unverdächtigen Zeugenbeweis und durch das eigene Geständnis des Stern als festgestellt anzusehen ist, derselbe habe zu wiederholten Malen seit seiner Anstellung als Rabbiner in Buttenhausen die rituellen Speisegesetze verletzt, durch welches Verhalten er denjenigen Gemeindegenossen, welche sich an diese Speisegesetze halten und sich hiezu im Gewissen verpflichtet fühlen, Ärgernis gegeben und sich in offenbarem Widerspruch mit seinen Pflichten als Rabbiner und Seelsorger gesetzt hat,   dass der Rabbiner Stern hier wegen auf die Dauer von 3 Monaten vom Tage der Eröffnung gegenwärtiger Verfügung an vom Amte zu suspendieren, auch zur Tragung der Kosten einer etwaigen Amtsverweserei zu verpflichten sei,    mit dem Anfügen, dass künftige, wiederholte Verfehlungen dieser Art von seiner Seite die Oberkirchenbehörde zu nachdrücklicheren Maßnahmen veranlassen würde.  (Zu welchen nachdrücklicheren? Zu 6 oder 9 Monaten Suspensation?)   Das Oberamt erhält den Auftrag gegenwärtigen Erlass zur Kenntnis des Stern und des israelitischen Kirchenvorsteheramts Buttenhausen zu bringen, hierbei ist dem letzteren zu bemerken, dass die Oberkirchenbehörde dem Antrage auf Entfernung des Rabbiners Stern vom Amte keine Folge zu geben gewusst habe, da nicht als erwiesen angenommen werden konnte, dass derselbe der wirkliche Verfasser der Broschüre ‚Der alte und neue Glaube’ sei und auf die sonstigen Verfehlungen dieses Rabbiners, soweit sie erwiesen, nicht sofort das äußerste Maß disziplinärer Strafe angewendet werden dürfte. Wegen etwaiger Stellvertretung für den Rabbiner, in welcher Beziehung dem Kirchenvorsteheramte Antrag zu stellen unbenommen sei, bleibe Verfügung vorbehalten. Eröffnungsbeurkundungen des Rabbiners Stern, sowie des Kirchenvorsteheramts Buttenhausen sind hierher vorzulegen.     
Stuttgart, den 22./25. September 1879. Schmidt.’  Gegen diese Entscheidung soll das israelitische Kirchenvorsteheramt Buttenhausen, wie wir hören, rekurrierend sich an das Kultusministerium gewendet haben. Wir wünschen besten Erfolg." 

    
Große Unruhe in der jüdischen Gemeinde wegen Rabbiner Stern - zugleich Spannungen zwischen Juden und Christen (1880)     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. März 1880: "Aus Württemberg, Ende Januar (1880). In dem Städtchen Buttenhausen fanden jüngst unerquickliche Vorgänge statt. Der dort angestellte Rabbiner Stern gehört der extremsten Reformrichtung an, und gab pseudonym ein Schriften 'der alte und der neue Glauben im Judentum' heraus, worauf, nachdem es konstatiert worden, dass er der Verfasser, er von dem israelitischen Oberkirchenrat auf drei Monate vom Amte suspendiert worden. Als derselbe beim Sabbatgottesdienst wieder in Funktion treten sollte, fand eine große Aufregung in der Gemeinde statt, was Störungen beim Gottesdienste zur Folge hatte, für die nun 6 angesehene Mitglieder der Gemeinde inhaftiert wurden. Außerdem finden in dem fast zu gleichen Hälften von Juden und Christen bewohnten Städtchen Reibungen zwischen beiden statt. Die Ursache davon liegt darin, dass die Juden bei der Wahl des Gemeinderates zu Gunsten christlicher Mitbürger stimmten, dagegen die Christen bei der Wahl des Bürgerausschusses die Juden ausschlossen. Da bei der letzteren Wahl Ungehörigkeiten vorkamen und sie deshalb annulliert werden musste, wollen folgerichtig auch die Juden ihr Wahlrecht zu ihren Gunsten benutzen."           

  
Konflikt zwischen der Gemeinde und Rabbiner Stern (1880)  

Buttenhausen AZJ 22061880.jpg (106716 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. Juni 1880: "Stuttgart, 11. Juni (1880). Vom Königlichen Ministerium der Justiz wurden in den letzten Monaten vier Referendare jüdischen Glaubens angestellt, nämlich die Herren Rosengart und Maier in Ulm, Hirsch in Tübingen und Kallmann in Heilbronn sodass in Württemberg mit dem schon länger angestellten Amtsrichter Dr. Löwenstein in Weinsberg nun fünf Richter jüdischen Glaubens richterliche Ämter bekleiden.     
Die ‚Württembergische Landeszeitung’ veröffentlichte vor einigen Wochen einen größeren Artikel über den Konflikt zwischen der israelitischen Gemeinde Buttenhausen und dem dortigen Rabbiner Stern, dass dort seit dem Monat Januar kein Gottesdienst mehr stattgefunden habe und die Gemeinde alle Mittel anwende, um ihres Seelsorgers los zu werden. Dieser bedauernswerte Konflikt dauert schon ca. 1 ½ Jahre und hat schon verschiedene, die jüdische Gemeinde Buttenhausen und die württembergischen Israeliten überhaupt in ihrem Ansehen bei den Bekennern anderer Konfessionen schädigende Zeitungsartikel veranlasst, was in unserer Zeit, in den von unseren zahlreichen Gegnern jede Schattenseite des jüdischen Lebens mit Eifer aufgesucht wird, doppelt zu bedauern ist. Eine baldige Lösung des Konflikts wäre deshalb sehr zu wünschen und ein Glück für alle württembergischen Israeliten."

    
Rabbiner Stern bietet seine Publikationen an (1880) 

Buttenhausen AZJ 17081880.jpg (33423 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. August 1880: "Zu beziehen vom Verfasser, Rabbiner Stern in Buttenhausen (Württemberg): Festpredigten (21 Predigten) Preis 1 Mark. Gottesflamme II (21 Reden) Preis Mark 1.50. Beide zusammen 2 Mark."   

     
Der frühere Rabbiner Jakob Stern wurde als Delegierter für den sozialistischen Parteitag in Halle gewählt (1890)       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. Oktober 1890: "Als Delegierter für den sozialistischen Parteitag in Halle wurde in Cannstatt Schriftsteller Stern von hier, früher Rabbiner in Buttenhausen, gewählt."          

 
Zum Tod des früheren Rabbiners Jakob Stern (1911)  

Buttenhausen FrfIsrFambl 12041911.jpg (55584 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 12. April 1911: "Stuttgart. Hier verschied im Alter von 67 Jahren einer der Führer der Sozialdemokratie in Württemberg, der Schriftsteller Jakob Stern. Er war seit Jahren leidend. Jakob Stern war früher Rabbiner in Buttenhausen und hat auch verschiedene jüdische Werke herausgegeben, besonders Predigten. Zuletzt wirkte er als Prediger des Freidenkervereins und war Verfasser von Flugschriften im Marx’schen Sinne."  
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. April 1911: 
Derselbe Text wie im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt"       

     
Abschied von Rabbiner Dr. Jonas Laupheimer (1887)  

Buttenhausen AZJ 12051887.jpg (80931 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. Mai 1887: "Man schreibt uns aus Buttenhausen (Württemberg): Samstag, den 23. April, fand in der Synagoge eine Abschiedsfeier für den zum Stadtrabbiner nach Buchau beförderten Rabbiner Laupheimer statt. Derselbe hinterlässt durch sein eifriges Bestehen in Gottesdienst und Religionsunterricht ein dankbares Angedenken. An der Feier nahmen der Oberamtmann Fischer, der Kameralverwalter Maier, der Pfarrer und Ortsschulinspektor Sauter und andere Honoratioren teil. Die Gemeinde ließ durch ihren Vorsteher einen silbernen Pokal und eine künstlerisch ausgestattete Adresse überreichen."    

  
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1871 / 1873 / 1874   

Buttenhausen AZJ 11041871.jpg (47281 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. April 1871: "Die israelitische Gemeinde Buttenhausen (Württemberg) beabsichtigt für die untere Klasse ihrer Schule noch einen Lehrer anzustellen, der zugleich das Vorbeteramt zu übernehmen hat. Fixes Gehalt bei freier Wohnung bis 500 Gulden nebst Aussicht auf Nebeneinkünfte. Meldungen unter Beifügung von Zeugnissen nimmt entgegen 
Das israelitische Vorsteheramt: 
Rabbiner Dr. Silberstein, Vorsitz."  
   
Buttenhausen Israelit 19041871.jpg (52798 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. April 1871: "Die israelitische Gemeinde Buttenhausen (Württemberg) beabsichtigt für die untere Klasse ihrer Schule noch einen Lehrer anzustellen, der zugleich das Vorbeteramt zu übernehmen hat. Fixes Gehalt bei freier Wohnung bis 500 Gulden nebst Aussicht auf Nebeneinkünfte. Meldungen unter Beifügung von Zeugnissen nimmt entgegen Das israelitische Vorsteheramt: Rabbiner Dr. Silberstein, Vorsitz."   
  
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. Mai 1873: "Unsere zweite Lehrerstelle, mit der das Vorbeteramt verbunden ist, soll schleunigst besetzt werden. Gehalt 400-500 Gulden nebst freier Wohnung. Durch Privatunterricht kann ein Nebeneinkommen von über 200 Gulden erhielt werden. Bewerber wollen sich unter Beifügung ihrer Zeugnisse und Darstellung ihres Lebensganges an den Unterzeichneten wenden. Buttenhausen (Württemberg), den 12. Mai 1873. Das israelitische Vorsteheramt. Rabbiner Dr. Silberstein, Präs."   
 
Buttenhausen AZJ 23061874.jpg (88660 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. Juni 1874: "Wir beabsichtigen unsere in Erledigung kommende Vorbeter- und zweite Lehrerstelle bald, spätestens bis zum November diesen Jahres zu besetzen und wollen seminaristisch gebildete Lehrer ihre Meldungen, von Zeugnissen begleitet, der unterzeichnenden Stelle einsenden. Die Stelle trägt neben freier Wohnung ein Fixum von mindestens 500 Gulden; Nebeneinkünste durch Privatunterricht etc. mindestens 200 Gulden. Die Befähigung zur Leitung eines Chors ist erforderlich; die Kenntnis der Schechita, durch deren Ausübung das Einkommen sich um ein Beträchtliches erhöhen würde, wäre erwünscht. Buttenhausen (Württemberg), den 15. Juni 1874. Israelitisches Vorsteheramt. Rabbiner Dr. Silberstein, Vorsitz."

   
Lehrer Neckarsulmer bietet seine Dienste an (1887)   

Buttenhausen Israelit 27061887.jpg (35468 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Juni 1887: "Zum Zeichnen und Malen von Wimpeln und zum Anfertigen von hebräischen Grabinschriften in schöner Ausführung empfiehlt sich 
Lehrer Neckarsulmer, Buttenhausen (Württemberg)."

    
Über den Lehrer Nathanael Forchheimer (1896 bis 1907 Lehrer in Buttenhausen, geb. 1842 in Niederstetten, gest. 1931 in Heilbronn)  
Anmerkung: Lehrer Nathan(ael) Forchheimer (geb. 10. Oktober 1842 in Niederstetten) war nach seinen Studien im Lehrerseminar Esslingen (1860-1862) zunächst unständiger Lehrer in LaudenbachPflaumlochKappel (1867), danach ständiger Lehrer in Pflaumloch (1867-1875) und in Ernsbach (1875-1896). 1896 wechselte er nach Buttenhausen, wo er bis 1908 blieb. 1914 lebte er in St. Ludwig/Elsass, zuletzt in Heilbronn, wo er am 8. Dezember 1931 starb und im dortigen jüdischen Friedhof beigesetzt wurde.        

Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Oktober 1927: "Ernsbach. Am 10. Oktober vollendet das älteste Mitglied der israelitischen Lehrerschaft Württembergs, Lehrer a.D. Forchheimer in Heilbronn, wo er bei seinen Kindern seinen Ruhestand verbringt, das 85. Lebensjahr.   
Lehrer Forchheimer ist 1842 in Niederstetten geboren und hat seine Ausbildung im Lehrerseminar in Esslingen erhalten. Nach unständiger Verwendung in den Gemeinden Laudenbach, Pflaumloch und Kappel bei Buchau kehrte Forchheimer in der Mitte der 60er-Jahre wieder als ständiger Lehrer nach Pflaumloch zurück, wo er über 1 Jahrzehnte wirkte. 21 Jahre, von 1875 bis 1896 war er dann in Ernsbach tätig und ein weiteres Jahrzehnt in Buttenhausen. Im Jahre 1907 zwang ein schweres Augenleiden den sonst noch rüstigen und arbeitsfrohen Mann in den Ruhestand zu treten.   
Forchheimer war Lehrer mit allen Fasern seines Herzens; die Schule war ihm das Höchste, und mancher, der aus seiner Schule hervorgegangen ist, blieb mit dem einstigen Lehrer auch späterhin in Treue verbunden. Er ist noch der einzige Überlebende unter den Lehrern, die einst im Jahre 1862 den 'Verein israelitischer Lehrer und Vorsänger in Württemberg' begründet hatten.  Äußerlich ist der so pflichttreue bescheidene Mann wenig in die Öffentlichkeit getreten; umso tiefer und wertvoller war sein stilles Wirken in seinen Gemeinden. Die Oberschulbehörde hat seine Verdienste des öfteren besonders anerkannt.   
Der Verein israelitischer Lehrer in Württemberg und mit ihm gewiss auch alle, die Forchheimer als Mensch und Lehrer kennen, freuen sich mit dem Hochbetagten und wünschen ihm noch eine lange Reihe glücklicher Jahre. 
A. Adelsheimer, Schriftführer des Vereins israelitischer Lehrer Württembergs."     
 
Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Oktober 1927:"Ernsbach. Berichtigung. In dem Bericht des Vereins israelitischer Lehrer in der letzten Nummer der Gemeindezeitung muss es anstatt Horchheimer, Lehrer a.D. Forchheimer heißen".   Anmerkung: wurde in der Abschrift oben berücksichtigt.   

    
"Missliche Zustände" in der Gemeinde durch die Krankheit von Lehrer Forchheimer (1899) 

Buttenhausen Israelit 16031899.JPG (202388 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. März 1899: "Buttenhausen, im März (1899). Missliche Zustände, die hier in der israelitischen Gemeinde herrschen, veranlassen den Artikelschreiber zu folgenden Auslässen: 
Anfangs Januar dieses Jahres wurde Herr Lehrer Forchheimer von einem heimtückischen Augenübel befallen, was denselben nötigte, seinen dienstlichen Beruf als Lehrer auf ein viertel Jahr aufzugeben. 
Die Besetzung der Stelle durch einen israelitischen Hilfslehrer erfolgte nicht; vielmehr versah seither ein protestantischer Lehrer mit Zufriedenheit den elementaren unterricht. Aber wie steht es mit dem religiösen Unterricht? Von demselben war bisher keine Rede, und kann man sich daher einen Begriff machen, wie unsere Jugend aufwächst. In hiesiger Gemeinde ist man allgemein der berechtigten Ansicht, dass es am Platz gewesen wäre, wenn Herr Rabbiner Laupheimer aus Buchau, dem Buttenhausen zugeteilt ist, seiner Erstling- und Lieblingsgemeinde in dieser langen zeit beigesprungen wäre. Man war daher freudig berührt, als es hieß, dass die Stelle mit einem israelitischen Lehrer besetzt wird. Der Tag der Indienststellung kam, aber nicht der verheißene Lehrer. Was den Herrn veranlasste, die Gemeinde weiter im Stiche zu lassen, suchen wir in dem Grund, dass die religiösen Eigenschaften des Herrn Lehrer mit denen der hiesigen Gemeinde nicht im Einklange stehen dürften. Das hätte nach Ansicht des Schreibers denselben nicht abhalten sollen, der Gemeinde aus ihrer Kalamität zu helfen. Der Herr Lehrer hätte doch mal hierher kommen und sich persönlich von den hiesigen Verhältnissen überzeugen dürfen. Buttenhausen ist nicht so schlimm, als sein Ruf, sonst wäre wohl die Besetzung der Stelle durch einen religiösen Herrn, durch Herrn Oberrabbiner Dr. Kroner aus Stuttgart, welcher vor noch nicht langer Zeit Buttenhausen dienstlich besuchte, nicht gutgeheißen worden. Es ist aber auch zu erwarten, dass die genannte Stelle diesen Überständen in Bälde abhilft; was von Anfang hätte geschehen können. In verschiedenen israelitischen Nachbargemeinden sind zwei jüdische Lehrer vorhanden, da wäre es angezeigt gewesen, wenn ein nichtisraelitischer Lehrer für einen solchen die Stelle begleitet hätte, und auf solche Weise wäre der hiesigen Gemeinde geholfen gewesen. Möge aber auch der Allgütige unserem Herrn Lehrer Forchheimer baldige Genesung senden, damit derselbe noch lange in der hiesigen Gemeinde zum Segen seinen Dienst ausüben kann."    

    
Einweihung der Bernheimer'schen Realschule (1904)   
Anmerkung: wieso die erste Mitteilung erschien, in der nur von Philanthrop Adolf Bernheimer in New York und nicht von Kommerzienrat Lehmann Bernheimer in München - dem eigentlichen Stifter des Gebäudes - die Rede ist, ist unklar. 

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. April 1904: "In Buttenhausen fand gestern die Einweihung der Bernheimer'schen Realschule statt. Der Philanthrop Adolf Bernheimer in New York stiftete seiner Heimatgemeinde testamentarisch die Mittel zur Errichtung des Gebäudes, wie auch zur Besoldung des Lehrers."    
   
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. April 1904: "München. Unser jüdischer Mitbürger Herr Lehmann Bernheimer hat in seiner Vaterstadt Buttenhausen (Württemberg) eine Realschule erbauen lassen und sie mit allen nötigen und modernen Einrichtungen versehen. Auch eine Lehrerwohnung ist in dem schönen Gebäude, welches als eine Zierde des Ortes betrachtet wird. Die Einweihung fand am 11. dieses Monats statt. Derselben wohnten unter anderem bei die Herren: Kommerzienrat L. Bernheimer mit seiner Familie, ferner Studienrat Dr. Greiff als Stellvertreter der Ministerialabteilung für höhere Schulen, Oberamtmann Binder, Professor Dr. Junker aus Ulm, als technischer Leiter und Gutsherr von Weidert. Herr K. Bernheimer übergab dem Magistrat 110.000 Mark zur Besoldung des Lehrers und zur Unterhaltung der Schule. Herr Bernheimer will nun auch in München eine jüdische Volksschule erbauen lassen und sein großes palastartiges Geschäfts- und Wohnhaus zu einem jüdischen Krankenhause hergeben. Herr Kommerzienrat und Hoflieferant Ballin (Möbelfabrikant), will die Einrichtungsstücke zu diesem großen, edlen Zwecke widmen. Herr Bankier und Kommerzienrat M. Kirchdörfer will die jetzige, weitläufige israelitischen Leichenhalle, welche nach Schließung des jetzigen israelitischen Friedhofes nicht mehr als solche benutzt wird, zu einem Asyl für jüdische Obdachlose einrichten lassen. Die vielen bedauernswerten Armen, besonders aus Russland und Polen, welche hierher kommen und oft von allen Geldmitteln so entblößt sind, dass sie sich kein Abendbrot kaufen können, werden es als unendlich große Wohltat empfinden, Nachtquartier, ein warmes Abendessen, ein Bad, frische Wäsche und wenn notwendig, bessere Kleidung zu erhalten. Frau Liebmann will die Betten, Herr Stoff die Wäsche, Herr Isidor Bech die Kleidung spenden."     

   
Oberlehrer Berlinger übt mit den Schulkindern Theaterstücke ein (1932)     

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Mai 1932:           

 
25-jähriges Dienstjubiläum von Oberlehrer Berlinger (1933)          

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. September 1933:      
 
Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. September 1933:    
 
Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Oktober 1933:      

         
Zum Tod von Hanna Berlinger, Frau des Oberlehrers Berlinger (1934)  

Buttenhausen Israelit 24011935.jpg (99008 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Januar 1935: "Buttenhausen (Württemberg), 20. Januar. Ein Leben im Dienste Gottes, geadelt von vornehmer Gesinnung und ergreifender Bescheidenheit, durchglüht für Tora und Gottesfurcht, das nur eine Aufgabe kannte, ein durch und durch jüdisches Haus zu führen, das insbesondere in seinem Kaschrut (d.i. strenge Einhaltung der rituellen Vorschriften) gerade vorbildlich war und nur einen Wunsch, alle Kinder auf dem Weg der Tora zu wissen, ging zu Ende, als nach 33-jähriger Ehe Frau Hanna Berlinger – sie ruhe in Frieden – im Alter von 59 Jahren von ihrem Gatten und ihren 8 Kindern am Schabbat Chanukka (d.i. 8. Dezember 1934) abberufen wurde. Ergreifend gestaltete sich die Beisetzung, bei der Herr Oberlehrer Berlinger, der schwer geprüfte Gatte, wie auch der älteste Sohn, Herr Dr. Jacob Berlinger, Mainz waren. Letzterer bereitete der Mutter noch auf schwerem Krankenlager die Erfüllung ihres sehnlichsten Wunsches, als er von der Toralehranstalt Jeschiwa in Frankfurt für autorisiert für rabbinische Lehrentscheidungen erkannt wurde. Auch Herr Dr. Schlesinger, Buchau, überbrachte letzte Grüße. Möge diese seltene Frau für uns alle ein Fürsprecher sein. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."    

    
Theologischer Beitrag von Lehrer Berlinger (1935)
  

Buttenhausen Israelit 17041935.jpg (257058 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. April 1935: Zusammenhänge oder Mah nischtanoh heeij'loh!  
Der Artikel wird nicht ausgeschrieben, da es keine direkten Bezüge zur jüdischen Geschichte in Buttenhausen gibt; bei Interesse bitte anklicken. 

 
    
Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben  
Konfirmation und weitere Neuerungen im Gemeindeleben unter Rabbiner Dr. Silberstein (1869) 

Buttenhausen AZJ 29061869.jpg (186778 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29. Juni 1869. "Aus Württemberg, im Juni (1869). Es verdient sicherlich alle Anerkennung, wenn Gemeinden den erkünstelten Agitationen gegenüber, welche hier zu Lande neuerdings gegen die zweckmäßigsten Einrichtungen und Verbesserungen im Gottesdienste, namentlich gegen die Konfirmation, auftauchen, ihren gesunden Sinn nicht verlieren. Zu solchen Gemeinden gehört auch vornehmlich die ca. 75 Familien zählende in dem anmutigen Lautertale gelegene Gemeinde Buttenhausen. Am jüngst verwichenen Wochenfeste wurde von dem seit einem Jahre derselben als Geistlicher vorstehenden, von ihr hoch geshcätzten Rabbiner Dr. Silberstein die Konfirmation in der Synagoge in feierlicher Weise vollzogen. Sichtlich war die Gemeinde von dem Akte sehr erbaut, wozu insbesondere die einleitende Predigt des Herrn Dr. Silberstein, der durch seine sabbatlichen Vorträge erhebend auf seine Zuhörer wirkte, beitrug. Die ungeteilte Anerkennung, die dieser Akt in der dasigen Gemeinde gefunden, fand ihren sichtlichen Ausdruck in einem dem Rabbinen von den Konfirmanden überreichten passenden Geschenke, sowie in einem Ständchen, das der hier bereits seit Jahren bestehende israelitische Gesangverein ihm am Abend brachte. – Als Zeichen des Vertrauens, das dem Herrn Dr. Silberstein von seinem Rabbinatsbezirke entgegen getragen wird, heben wir auch hervor, dass er von demselben einstimmig zum Delegierten für die vom Kultusministerium verordnete Kommission gewählt worden ist, der die Beratung eines neuen Verfassungsstatus für die israelitische Kirche (Synagoge) Württembergs obliegt. Wir sind zu der Hoffnung berechtigt, dass der Gewählte dem ihm entgegen getragenen Vertrauen im ganzen Umfange entsprechen wird. Wenn Sie, hoch geehrter Herr Redakteur, es wünschen, so bin ich mit Vergnügen bereit, Ihnen über die Beratung und Beschlussnahmen gedachter Kommission, die voraussichtlich noch im Laufe dieses Sommers von Seiten Seiner Exzellenz des Herrn Minister von Golther im Auftrage Seiner Majestät dem Könige berufen werden wird, regelmäßig Berichte einzusenden. *  
*) Wird uns sehr willkommen sein. Die Redaktion."     

   
Die Gemeinde erhält einen Staatsbeitrag für die Restauration der Synagoge (1874) 

Buttenhausen AZJ 03031874.JPG (155695 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. März 1874: "Aus Württemberg, im Februar. Gestatten Sie mir, Herr Redakteur, Ihnen aus unserem Lande, in dem die Angelegenheiten der israelitischen Religionsgenossenschaft sich seitens des Staates der gleichen Fürsorge, wie die der christlichen Kirchen erfreuen dürfen, einiges zu berichten. So hat der soeben vertagte Landtag sich auch mit unseren Angelegenheiten mehrfach zu beschäftigen Gelegenheit gehabt. Von der Aufhebung der Personalsteuer, einer Kultussteuer, die insbesondere ihres odiösen Ursprungs, wie ihres ungerechten Verteilungsmodus wegen unter den Israeliten des Landes sehr unbeliebt war, ist den Lesern Ihres Blattes schon in einem früheren Artikel Kunde gegeben worden. Ferner wurden bei Gelegenheit der Aufbesserung der Gehälter der Staats-, Kirchen- und Schuldiener um ein Sechstel auch die Gehälter der Rabbiner, Vorsänger und Konfessionsschullehrer um den gleichen Betrag mit Wirkung vom 1. Juli vorigen Jahres erhöhet und der israelitischen Zentralkirchenkasse zu diesem Zwecke außer dem bereits bewilligten Staatszuschuss eine Nachexigenz von 2.600 Gulden gewährt. Um den gleichen Betrag, wie die Gehälter, werden übrigens auch die Dienstalterszulagen der genannten beamten erhöhet. Unter den Gemeinden, die in diesem Jahre seitens der Staatsregierung Beiträge zu Kirchen- und Schulbaukosten empfingen, figuriert auch die israelitische Gemeinde Buttenhausen, die zu den Kosten der Restauration ihrer Synagoge einen Staatsbeitrag von etwa zehn Prozent des gesamten Kostenbetrags erhielt. Gegenwärtig liegt den Ständen auch ein Gesetzentwurf, durch den die Vorsänger und israelitischen Konfessionsschullehrer mit Pensionsrechten ausgestattet werden sollen, vor, der noch kurz vor der Vertagung vom Kultusministerium dem Hause mitgeteilt worden ist. Man zeige uns nun aber noch ein Land, insbesondere in Deutschland, in dem ähnliches geschieht. Wahrlich, wir dürfen uns dieser Gleichstellung von Herzen freuen und uns Glück wünschen, einem Lande, dem es mit der Gleichstellung des Judentums auch wirklich ernst ist, anzugehören. Hier ist man weit entfernt, wie anderwärts, das Judentum als ein Versuchsfeld anzusehen, auf dem man liberale Theorien zuerst zu Anwendung bringt, wenn sie  auch diesem am meisten Schaden bringen müssen."  

   
Bericht über das gottesdienstliche Leben unter Rabbiner Stern (1876)  

Buttenhausen AZJ 20061876.jpg (147953 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. Juni 1876: "Aus Württemberg, im Mai (1876). Nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875 zählt Württemberg 6.432 männliche und 6.449 weibliche, zusammen 12.881 Israeliten oder 0,68 % der Gesamtbevölkerung. Verglichen mit der Zählung von 1871 hat die evangelische Bevölkerung um 3,8, die katholische um 2,5, die der Israeliten um 5,2 % zugenommen. Die Zahl der Israeliten hat sich also in ziemlich stärkerem Verhältnisse als die der Gesamtbevölkerung vermehrt. Stuttgart zählt gegenwärtig 2318 Israeliten. Gegenüber den Öfteren Klage, dass selbst in den größten und prachtvollsten Synagogen und besseren jüdischen Gemeinden der Anstand und die Ruhe der Besucher der Gotteshäuser gar vieles zu wünschen übrig lasse, dass in denselben mehr Privatunterhaltung und Scherz als Andacht und Ehrfurcht herrsche, verdient die israelitische Gemeinde Buttenhausen wegen der ausgezeichneten Ordnung und Ruhe, die in ihrem geschmackvoll neu restaurierten Gotteshause herrscht, einer öffentlichen Anerkennung. Herr Rabbiner Stern, bekannt durch seine Predigten ‚die Gottesflamme’, hat es sich seit dem Beginn seiner Wirksamkeit dort zu besonderen Aufgabe gemacht, dem Gottesdienste durch energische Aufrechthaltung der äußeren Ordnung, durch Einführung des Geiger’schen Gebetbuches, durch Vorlesen der Haphtarot und Psalmen in deutscher Sprache, durch deutsche Gebete eine edle Gestaltung zu geben und Anstand und Würde in demselben zu erhalten. 
Die ‚Schächtangelegenheit’ wurde in letzter Zeit auch in Württemberg verhandelt. In politischen Blättern (Beobachter, Stuttgarter Tageblatt) erhoben sich verschiedene Stimmen pro und contra. Der Magistrat der Stadt Rottweil verbot mit Einführung der Schlachtmaske die jüdisch-rituelle Schlachtmethode. Dieses Verbot wurde aber von der Kreisregierung des Schwarzwaldkreises wieder aufgehoben."

    
Kritische Stimme zur Neuwahl des Gemeindevorstehers aus konservativ-orthodoxer Sicht (1885)  

Buttenhausen Israelit 12021885.jpg (138701 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Februar 1885: "Buttenhausen, im Februar (1885). Unser Städtchen fängt an Großstadt zu werden: nicht dass es besonders an Ausdehnung und Einwohnerzahl mehr als sonst zunimmt: es ist die jüdische Gemeinde dahier, welche ich im Auge habe, bei der Erscheinungen wie bei vielen Großstädten zutage treten. Wir hatten vor Kurzem eine Vorstandswahl: anstatt dass die Gemeinde darauf bedacht war, einen Mann an ihre Spitze zu stellen, der durch ein religiöses Leben die Garantie bietet, dass ihm das Wohl der Gemeinde und ihrer religiösen Institutionen eine ernste Angelegenheit ist, hat sie einen Neologen erwählt, der öffentlich den Sabbat entweiht. Ob unser Herr Rabbiner unsere Gemeinde nach streng religiösem Sinne leitet, wie es seine Pflicht ist, darüber will ich mir kein maßgebendes Urteil erlauben: aber ein leiser Zweifel steigt in mir auf, wenn ich bedenke, dass er einem Manne die Autorisation zum Schächten gegeben, welcher keine Tefilin legt, einem Metzger das Schächten erlaubt, der selbst keinen koscheren Haushalt führt und am Sabbat Fleisch aushackt. Ich bezwecke mit diesem meinem Schreiben durchaus nicht, Streit und Zank in der Gemeinde zu erregen, sondern zu bewirken, dass solche Geschehnisse, wie oben geschildert, nicht wieder vorkommen, respektive wieder nach Gesetz und Recht geändert werden."  
  
Nachtrag zu diesem Artikel: 
Buttenhausen Israelit 05031885.jpg (69209 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. März 1885: "Buttenhausen, 1. März (1885). Wenn Herr Rabbiner Laupheimer keine Autorisation zum Schächten erteilt hat, so ist es umso bedauerlicher, dass das Schächten ohne seine Autorisation gestattet ist. Das ist gewiss neu. Zu bedauern ist, wenn jüdische Metzger am Sabbat auf den Ortschaften mit Fleisch umherfahren, was auch stillschweigend mit angesehen wird. – Neu ist, dass Rauchen, Fahren und dergleichen am Sabbat keine Sabbatentweihung sei. Ist dies der Fall, so nehme ich das Wort ‚Neologe’ zurück."  

             
Antisemitische Hetzereien - auch gegen den früheren Rabbiner Stern (1889)  

Buttenhausen Israelit 21021889.jpg (236966 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Februar 1889: "Aus Württemberg, 11. Februar (1889). Während sich in den letzten Jahren unsere Tagesblätter – einige strengkirchliche wie ‚Reichspost’, u.a. ausgenommen – von allen antisemitischen Hetzereien ferngehalten haben, brachte in den letzten Tagen die ‚Württembergische Landeszeitung’ einige Mitteilungen, welche das jüdische Gefühl verletzen müssen. In einem Artikel ‚Ideal und Wirklichkeit im Sozialismus’ finden sie Juden als die wichtigsten Vertreter in der Geschichte des ‚Sozialismus’. Als Apostel par Excellenze werde von den Sozialdemokraten der Jude Karl Marx betrachtet, der den revolutionären Terrorismus predigte, und jetzt verkünde ein anderer Jude, J. Stern (früher Rabbiner in Buttenhausen) ganz andere sozialistische Dogmen. Wozu fügt das Blutt in solch auffallender Weise die Konfession sozialistischer Agitatoren bei, denen doch ganz gewiss ihr Glaube ganz gleichgültig ist? Gewiss bloß darum, um die Bekenner der jüdischen Religion als Anhänger der sozialistischen Partei zu verdächtigen. Mit gleicher judenfreundlichen Gesinnung bringt dieselbe eine Korrespondenz aus Brackenheim: ‚Wiederholt haben Israeliten hiesige Liegenschaften erworben und mit erheblichem Gewinn wieder an verschiedene Bürger veräußert. Diesem Zwischenhandel entgegenzutreten, hat sich eine große Anzahl von Einwohnern vereinigt, nichts mehr von Juden zu kaufen und in einem öffentlichen Aufruf zum Beitritt ad hoc einzuladen. – Es ist überhaupt bezeichnend für unsere gegenwärtigen Zustände, was man mit dem Begriffe ‚jüdisch’ identifiziert. So schreibt ein pädagogisches Organ in seinen Neujahrsbetrachtungen: ‚Man hört gegenwärtig von ‚jüdischem Geiste’ reden, der auch das deutsche Volk mehr und mehr durchfresse. Ob man recht hat, gerade diesem Namen dem damit gemeinten Geiste beizulegen, ob derselbe gerade seine Vertreter in den Semiten habe, und ob sein Ursprung gerade in der Naturanlage jenes Volkes sich finde, diese Frage berührt uns hier gar nicht. Es ist jedenfalls ein großes Unrecht, wenn man damit die Angehörigen eines Volkes kurzweg in einen Topf wirft. Wir führen diese weit verbreitete Benennung hier nur an, weil sie mit einem Worte jedem Leser den Geistescharakter nach einmal verbreitetem Wortgebrauche deutlich macht. Aber das, was man damit bezeichnen will – abgesehen von der antisemitischen Verhetzung – ist leider wahr. Der Geist des Materialismus in gänzlich idealloser Weise, dabei der Geist der Impietät, der Selbstsucht, der zerstörenden, tötenden, weil nur verneinenden Kritik, der Geist, der gar nichts schaffen und bauen will, als nur des Ichs irdische Bequemlichkeit und eitle Ehre, der Geist, der eben hauptsächlich Geld und wieder Geld sucht, dieser Geist hat weit um sich gegriffen.’ Das versteht also unsere Zeit unter ‚jüdischem Geiste’."   

  
Kritische Stimmen zur Durchführung einer jüdischen Hochzeit ohne religiöse Trauung (1893)  

Buttenhausen Israelit 12061893.jpg (115893 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Juni 1893: "Aus Württemberg. (Wegen Raummangel verspätet). Wir herrlich die Keime der württembergischen Reformen auf religiösem Gebiet hervorsprießen, zeigt nachstehender Akt, der einzig in den Annalen des Judentums zu finden sein dürfte und der zugleich die Gründer und Vertreter dieser Richtung um ein Beträchtliches ihres Einkommens schmälert – aber was man säet, muss man auch ernten. In dem bekannten Orte Buttenhausen wurde am Schabbat Erew Schawuot, als am 20. Mai, eine – jüdische Hochzeit gefeiert und zwar in einem jüdischen Gasthof ohne religiöse Trauung. Durch derartige Dinge wird das Ansehen des Judentums nur immer mehr geschmälert und die Zahl der Feinde desselben immer größer. Denn jeder denkende Andersgläubige muss sich die Frage aufwerfen: Was suspendiert denn diese Klasse von Leuten von den Geboten der Bibel, während andere mit einem wahren Eifer den geboten ihres Gottes Folge leisten? Es ist nur zu bedauern, dass wenn, wie dies in jüngster Zeit geschehen, die Antisemiten den Reformjuden auf den Leib rücken, der Schuldige mit dem Unschuldigen büßen muss und das echte und wahre Judentum auch darunter leidet."   

  
Feier zum 25-jährigen Bestehen des Militärvereins Buttenhausen-Hundersingen (1902)  

Buttenhausen Israelit 08091902.jpg (180498 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. September 1902: "Aus Württemberg, 4. September (1902). Begünstigt vom schönsten Wetter fand in Buttenhausen am Sonntag, den 3. August, die Feier des 25-jährigen Bestehens des großenteils aus jüdischen Mitgliedern bestehenden Militärvereins Buttenhausen-Hundersingen, verbunden mit der Enthüllung des Denkmals für den verstorbenen General der Infanterie von Haldenwang, statt. Nachdem schon am Samstagvormittag Festgottesdienst in der Synagoge stattgefunden hatte, bei dem Herr Rabbiner Laupheimer aus Buchau, der selbst im Jahre 1870/71 mit ausmarschiert war, in beredten Worten auf die Bedeutung des Tages hinwies und die großen Taten von damals in Erinnerung brachte, fand am Samstagabend – als dem Vorabend des Festes – im Saale des ‚Adler’ gesellige Unterhaltung mit Musikvorträgen statt, und die Vereinskameraden ließen es sich nicht nehmen, den projektierten Fackelzug durch den Ort, trotz des Regens, zur Ausführung zu bringen. Am Sonntag früh Tagwache und Böllersalven. Der Ort selbst war aufs herrlichste dekoriert und reich beflaggt und bot in seinem Festkleide einen prächtigen Anblick. Um 10 Uhr war Festgottesdienst, welcher durch das vom Gesangverein unter Leitung des Herrn Schullehrers Mack vorgetragene altniederländische Dankgebet: ‚Wir treten zum Beten’ eingeleitet wurde.    
Hierauf hielt Herr Pfarrverweser Schauffler die wohl durchdachte, treffliche Festpredigt. Im Anschluss an diesen Festgottesdienst fand im ‚Schweizerhof’ (jüdisches Hotel) ein Festessen mit 145 Gedecken statt, das Küche und Keller alle Ehre machte. Während des Essens hielt der Vereinsvorstand, Herr Schultheiß Schmidt, eine Ansprache, in der er des 25-jährigen Bestehens des Militärvereins gedachte, mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf Seine Majestät den König schließend. An Seine Majestät wurde sofort ein Huldigungstelegrammgesendet, das im Laufe des Nachmittags gnädigst beantwortet wurde. Herr Rittergutsbesitzer G. von Weidenbach toastete auf die Königin. Der Bezirksobmann des Württembergischen Kriegerbundes, Herr Graf W. von Normann-Ehrenfels, gedachte des Präsidiums des Württembergischen Kriegerbundes, später brachte derselbe noch ein Hoch auf die Festdamen aus, wofür Namens der Festdamen Frl. Jette Einstein dankte. Noch gedachte der Vizevorstand des Vereins, Herr Jakob Gräter, der Bemühungen des Vereinsvorstandes, Herrn Schultheiß Schmidt, denen in der  
Buttenhausen Israelit 08091902a.jpg (181741 Byte)Hauptsache ein schönes Gelingen des Festes zuzuschreiben sei.   
Nachmittags 2 Uhr versammelten sich inzwischen die eingetroffenen Vereine in der stattlichen Zahl von 32 mit entfalteten Fahnen und nahmen dann Aufstellung vor dem Denkmal. Herr Schultheiß Schmidt, Vorstand des Militär-Vereins Buttenhausen-Hundersingen, schilderte in markigen Zügen den Lebensgang des verewigten Generals und brachte dem größten Sohne Buttenhausens die Gefühle des Dankes zum Ausdruck. Nunmehr folgte die Weisung zum Fallen der Hülle. Nachdem dieselbe vollzogen war, nahm Herr Schultheiß Schmidt ‚das schöne Werk mit freudigem Stolze in Besitz und Obhut des Militärvereins und der Gemeinde.     
Hierauf wurde von Fräulein Klara Frank ein Gedicht vorgetragen. Am Denkmal, das einen imposanten Eindruck macht, wurden Kränze niedergelegt vom Bezirksobmann Herrn Graf von Normann-Ehrenfels namens des Präsidiums des Württembergischen Kriegerbundes, von Herrn Major Jitschin namens des Offizierskorps des Grenadier-Regiments Königin Olga, von Herrn Merz namens des Kriegervereins Stuttgart-Berg und von Herrn Ehrenvorstand Dreifuß namens des Militär-Vereins Buttenhausen-Hundersingen.   
Hierauf dankte namens der Familie Haldenwang der älteste Sohn des Generals, Herr Hauptmann Otto von Haldenwang im Infanterie-Regiment Kaiser Friedrich, König von Preußen (7.W.) Nr. 125 in Stuttgart. Sodann bewegte sich der Festzug zum Festplatz, wo nach einer Begrüßungsansprache des Herrn Schultheiß Schmidt Herr Pfarrverweser Schauffler die gediegene Festrede hielt. Nach Beendigung dieser Rede übergab Frl. Iddy von Weidenbach dem festgebenden Verein namens der Festdamen ein kunstvoll ausgeführtes prächtiges Fahnenband. Herr Schultheiß Schmidt dankte hierfür mit einem Hoch auf die Festdamen. Es folgten noch patriotische Ansprachen von Herrn Bezirksobmann Graf von Normann-Ehrenfels, sowie von den Vorständen des Kriegervereins Ennabeuren und des Militärvereins Apfelstetten.   
Nun entwickelte sich auf dem Festplatz alsbald ein lebhaftes, volksartiges Treiben. Abends wurde auf dem Festplatz ein wohl gelungenes Feuerwerk abgebrannt. Den Beschluss des ganzen Festes bildete je ein Bankett in den beiden Gasthöfen zum ‚Schweizerhof’ (jüdisches Hotel) und ‚Adler’. Alles in allem dürfen wir auf ein durchaus gelungenes, durch keinen Misston gestörtes Fest zurückblicken."   

    
Über den Reichstagsabgeordneten Matthias Erzberger "aus der jüdischen Viehhändler-Enklave" Buttenhausen (1918)   
Anmerkung: Zu Matthias Erzberger vgl. u.a. Wikipedia-Artikel.     

Artikel in der Zeitschrift "Im deutschen Reich" vom Juli 1918: "Erzberger aus der jüdischen Viehhändler-Enklave. Der Zentrumsabgeordnete Erzberger gehört zu den von den Alldeutschen am meisten gehassten Politikern. Persönliche Verunglimpfungen werden unermüdlich gegen ihn verspritzt. Letzthin ist die alldeutsch-antisemitische Presse auf den Einfall gekommen, Erzbergers Herkunft aus Buttenhausen insofern zu verwerfen, als sie ihn mit dieser 'jüdischen Viehhändler-Enklave' in Verbindung brachte. Hiergegen wandte sich ein Einwohner Buttenhausens - ein Christ - in der 'Welt am Montag' mit folgenden Bemerkungen: 
 'Der (verstorbene) Vater des Abgeordneten Erzberger war Schneider und Briefträger, ein Bruder des Abgeordneten übt heute noch diesen Doppelberuf hier aus. Matthias Erzberger hat mit den Buttenhausener Vieh- und Pferdehändlern so wenig Verbindung wie Sie, verehrter Herr. Wenn er nicht noch verwandtschaftliche Beziehungen nach hier zu unterhalten hätte, so hätte er mit Buttenhausen überhaupt nichts mehr zu tun. Dass er zufällig hier geboren ist, dafür können die Juden so wenig, wie Erzberger selbst. Ihn deshalb mit den Juden in Verbindung zu bringen, kann nur ganz verblödeter Gehässigkeit entspringen. Nebenbei bemerkt, sind diese Vieh- und Pferdehändler ein Völkchen, mit welchem ganz gut auszukommen ist. Sie haben manche Charaktereigenschaft, die mir nicht gefällt - aber herrscht vielleicht bei den Christen immer Vollkommenheit? Wenn die hiesigen Juden gelegentlich beim Handel einen Bauern ein wenig einseifen, so wird dies von den Bauern ebenfalls mit Vorliebe versucht, mit dem Unterschied, dass dies dem Bauern weniger gut gelingt, als dem Juden. Ich halte es für eine große Ungerechtigkeit, dem Juden so viele schlimme Eigenschaften nachzusagen, die bei Anhängern des Christentums mindestens ebenso häufig angetroffen werden. Wer, wie ich, jahrelang unter Bauern zu leben Gelegenheit hatte, der kann so seine Erfahrungen machen, und wer seinen Nebenmenschen nur von konfessionellen Gesichtspunkten aus beurteilt, wird immer zu ungerechtem Urteil kommen.'"!       

        
 Vortrag in der Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten (1926)          

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Dezember 1926:        

  
Vorträge von Oberlehrer Berlinger im Rahmen des Israelitischen Frauenvereins (1931)     

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Februar 1931:        

   
Ausflug des Jüdischen Lehrhauses (Stuttgart) nach Buttenhausen - Gundelfingen - Buchau - Blaubeuren, 1931)     

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Juli 1931:       
Buttenhausen GemZeitung Wue 16071931a.jpg (171057 Byte)   

      
      
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde    
David Anspacher wird aus dem Badischen ausgewiesen (1822)     

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 20. Juli 1822 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Bekanntmachung. Landesverweisung. 
Durch Hofgerichtliches Erkenntnis vom 17. Mai Nr. 507 wurde der nachbeschriebene und wegen Betrug abgewandelte Jud David Anspracher von Buttenhausen, Königlich Württembergisches Oberamtsgericht Münsingen, der Großherzoglich Badischen Lande verwiesen, welches anmit zur öffentlichen Kenntnis gebracht wird. 
Person-Beschrieb.
Derselbe ist 19 Jahre alt, großer Statur, hat braune Haare, Augenbrauen und Bart, braune Augen, längliche Nase, mittleren Mund und zugespitztes Kinn. Derselbe trug bei seiner Entlassung einen runden schwarzen Filzhut, einen grün tüchernen abgetragenen Frack und dergleichen Pantalos, ein schwarz manchesternes Gillet mit Perlenmutter Knöpfen und Stiefel. 
Konstanz, den 8. Juli 1822. Großherzoglich Badisches Bezirksamt. v. Ittner".            

 
Über den Händler Leopold Levi (1888)     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. Juni 1888: "Bonn, 10. Juni (1888). Man schreibt dem 'Ulmer Tagblatt' aus Wippingen Oberamt Blaubeuren, 29. Mai: In den hiesigen Ort kommt allwöchentlich ein jüdischer Handelsmann von Buttenhausen, namens Leopold Levi, der ein seltenes Beispiel von körperlicher Kraft und Rüstigkeit bei sehr hohem Alter ist. Derselbe steht nahe am 90. Lebensjahre, hausiert aber noch stramm mit schwerbeladenem Warenbündel und macht jede Woche den steilen Weg von Buttenhausen zur Station Schelklingen, etwa drei Stunden mit seinem Warensack zu Fuß. Der Mann ist hier in der Umgegend durch seine Biederkeit beliebt."        

 
Zum Tod des Kaufmanns Hirsch Marx (1890)  

Buttenhausen Israelit 23061890.jpg (67187 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Juni 1890: "Buttenhausen, Juni 1890. Nach langem und schwerem Leiden verschied am 1. Juni dieses Jahres Hirsch Marx, Kaufmann, einer von den Wenigen hier, die dem unverfälschten Judentum treu geblieben. Nichts hielt ihn ab, seiner Religion treu zu bleiben. Auch war die Erziehung seiner Kinder, wozu ihm seine brave Gattin pflichtgetreu zur Seite stand, eine vorzügliche. Er war ein großer Wohltäter der Armen. In seiner ausgedehnten Kundschaft hörte man von Armen sagen, wäre Hirsch Marx nicht gewesen, hätten wir für unsere Kinder keine Kleider. Obwohl er oft im Voraus wusste, dass er für seine Ware nicht erhielt, gab er sie doch. Zum Leid für die Seinigen, sowie für die Armen wurde er uns entrissen. Ehre seinem Andenken."

 
Zum Tod von Gemeinderat Josef Tannhauser (1897) 

Buttenhausen Israelit 15041897.JPG (114093 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. April 1897: "Buttenhausen, 11. April (1897). Durch das Hinscheiden des Gemeinderats Josef Tannhauser wurde die hiesige Gemeinde in tiefste Trauer versetzt. Er war noch einer von den wenigen hier, die dem echten Judentum treu geblieben sind, was auch Herr Lehrer Forchheimer in seiner Leichenrede besonders hervorhob. Gottergebenheit, Frömmigkeit, Rechtlichkeitsgefühl, ein offenes Herz und eine offene Hand für jeden Bedürftigen, das waren die Leitfäden, die sich durch sein gutes Tun und Handeln in allen privaten und geschäftlichen Angelegenheiten zogen. Der Verblichene wurde sowohl von der christlichen, als auch von der jüdischen Gemeinde zu den höchsten Ehrenämtern ernannt und vertrat er dieselben auf das Gewissenhafteste. Es war daher auch nicht zu bewundern, wenn die aus diesen Eigenschaften hervorgehenden Konsequenzen allgemeinste Beliebtheit, Wertschätzung und Hochachtung bei dem am letzten Freitag stattgehabten Leichenbegängnis in einer geradezu erhebenden Anteilnahme zum Ausdruck kam. Möge Gott seine Gattin und seine Kinder trösten, sein edles Beispiel ihnen und allen, die ihn kannten, vorbildlich werden lassen. R." 

  
Testamentarisch verfügte Spenden des in New York verstorbenen Adolf Bernheim zur Begründung einer Realschule (1902)  

Buttenhausen Israelit 08091902b.jpg (62028 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. September 1902: "Münsingen, 3. September (1902) (Testament). Der vor einigen Jahren in New York verstorbene Adolf Bernheim widmete testamentarisch seiner Heimatgemeinde Buttenhausen ein Kapital zur Gründung und Erhaltung einer Realschule. Nachdem die Verhandlungen darüber mit den staatlichen Behörden lange nicht zum Ziele führten, scheinen die Hindernisse nun gehoben zu sein. In letzter Woche war ein Bruder des Verstorbenen dort und erwarb zu diesem Zwecke ein Gebäude, sodass man bald auf Eröffnung der Anstalt rechnet."  


Auszeichnung für den aus Buttenhausen stammenden Lehmann Bernheimer (1905)  

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 19. Mai 1905: "München. Ordensverleihungen. Kommerzienrat Lehmann Bernheimer - München hat den württembergischen Friedrichs-Orden, der Fabrikant Wilhelm Bender - Frankenthal, der serbische Konsul Julius Goldschmitt - Ludwigshafen das Ritterkreuz des Ordens der Krone von Italien,  der schwedische und norwegische Konsul und dänische Vizekonsul Bernhard Land - Nürnberg das Ritterkreuz des Danebrogordens erhalten."  

   
70. Geburtstag des aus Buttenhausen stammenden Geheimen Kommerzienrates Lehmann Bernheimer in München (1912)       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. Januar 1912:  "Geheimer Kommerzienrat Lehmann Bernheimer, Inhaber des weitbekannten Kunsthauses auf dem Lenbachplatz in München, beging am 27. Dezember seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar hat durch sein Wirken viel zum Ansehen Münchens als Kunststadt beigetragen. In Anerkennung seiner Verdiente wurde ihm im Jahre 1907 vom Regenten als einem der ersten der neugeschaffene Titel eines Geheimen Kommerzienrats verliehen, ebenso besitzt er von bayerischer Seite den Michaelsorden 3. Klasse, von zahlreichen anderen Höfen Dekorationen".      

 
80. Geburtstag von Moses Levi (1913)
  

Buttenhausen AZJ 07111913.jpg (24356 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. November 1913: "Herr Moses Levi, der älteste Bürger Buttenhausens, hat dieser Tag, körperlich und geistig frisch, seinen 80. Geburtstag gefeiert. Die ganze Gemeinde nahm an diesem Feste Anteil.". 

  
80. Geburtstag von Emilie Dreifus (1926)       

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Dezember 1926:        

     
Zum Tod von Sanitätsrat Dr. Rosengart (1927 in Frankfurt, stammte aus Hundersingen bei Buttenhausen)  
"einer der beliebtesten und angesehensten Ärzte Frankfurts"     
Anmerkung: in Hundersingen lebte zeitweise die jüdische Familie Rosengart, die einzige jüdische Familie am Ort    

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. September 1927:        

              
Gemeinderat Louis Adler ist seit 40 Jahren ehrenamtlicher Vorbeter zu den Feiertagen (1927)        

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Oktober 1927:     

   
88./90. Geburtstag von Sophie Löwenberg geb. Tannhauser sowie ihr Tod (1926 / 1928 / 1929)           

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. November 1926:         
 
Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. November 1928:     
 
Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. April 1929:    

        
70. Geburtstag von Hermann Josef Tannhauser (1928)      

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Juni 1928:       

     
 70. Geburtstag von Charlotte Löwenthal geb. Levi (1928)    

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. August 1928:        

  
Über die bei einem Eisenbahnunglück umgekommene Irmgard Marx (1928)   
Anmerkung: bei dem Eisenbahnunglück am 1. August 1928 ist gegen 16 Uhr im Bahnhof Dunkelscherben der Personenzug Saarbrücken - München auf einen Güterzug aufgefahren. Es gab 16 Tote und 50 größtenteils Schwerverletzte. Die meisten Opfer waren in den Holzwaggons der 4. Klasse in der Mitte des Zuges zu beklagen. 
Vgl. Artikel in der "Augsburger Allgemeinen" vom 25.7.2008: "Schreckliches Geschehen im Bahnhof Dinkelscherben".      

Buttenhausen CV-Ztg 10081928.jpg (29049 Byte)Artikel in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des Central-Vereins) vom 10. August 1928: "Bei dem schweren Eisenbahnunglück in Dunkelscherben verlor im Landshuter Krankenhaus Fräulein Irmgard Marx im Alter von 26 Jahren das Leben. Sie hatte von Buttenhausen (Württemberg) den Unglückszug benutzt, um ihre in Landshut lebende Mutter zu besuchen".  

      
70. Geburtstag von Auguste Bär (1930)           

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Februar 1930:       

   
Salomon Löwenthal und Simon Neumann werden zu Gemeindevorstehern gewählt (1930)     

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Juni 1930:       

       
85. Geburtstag von Karoline LIndauer geb. Bernheimer (1931)           

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Februar 1931:           

     
88./90. Geburtstag von Sara Bernheimer (1931 / 1933)         

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. September 1931:        
  
Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. September 1933:        

   
Humorvolles mit Josef Bär aus Buttenhausen (1932)    

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Januar 1932:       

     
70. Geburtstag von Louis Adler (1932)            

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Januar 1932:             

       
Zum Tod von Hermann Josef Tannhauser (1935)           

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. April 1935:      

     
     
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Anzeigen des Feinbäckers W. Feldmann (1884/1894)  

Buttenhausen Israelit 17011884.jpg (30556 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Januar 1884: "Ein braver Junge, der Lust hast, die Brot- und Feinbäckerei zu erlernen, kann sogleich eintreten bei 
W. Feldmann
, Brot- und Feinbäckerei, Buttenhausen, Württemberg."
 
Buttenhausen Israelit 07061894.jpg (42594 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juni 1894: "Unentgeltlich 
kann ein ordentlicher junger Mensch, der die Brot- und Feinbäckerei erlernen will, sogleich eintreten. Kost und Logis im Hause. Samstags und Feiertage geschlossen. 
W. Feldmann, Feinbäcker, Buttenhausen (Württemberg)."   

          
Anzeige von Wolf Feldmann (1903)   

Buttenhausen Israelit 15011903.jpg (50100 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Januar 1903: "Suche für meinen Sohn, tüchtiger Rechner und gewandter Schreiber, der Ostern aus der Schule kommt, eine gute Lehrlingsstelle in einem Samstag und Feiertage streng geschlossenen Geschäft. 
Wolf Feldmann, Buttenhausen, Württemberg."

     
Mädchen aus der Familie Feldmann sucht Stellung in einer Familie (1903)       

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Juni 1903: "Ein hübsches Mädchen, 17 Jahre alt, die im Schreiben, Rechnen und in der Haushaltung sehr bewandert ist, sucht sofort Stellung in einer besseren Familie oder in einem Geschäft. Offerten sind zu richten an Feldmann, Buttenhausen, Württemberg."         

    
Hochzeitsanzeige von Otto Hofheimer und Lily geb. Marx (1924)     

  Artikel in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 16. Juni 1924: 
"Otto Hofheimer - Lily Hofheimer geb. Marx.  Vermählte.  
Hechingen  -  Buttenhausen.
 Juni 1924."    

  
Anzeigen von Julie Levi, Frau von Emanuel Levi (1931 / 1933)    

Anzeige in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Juni 1931:        
 
Anzeige in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Juni 1933:     

      
Verlobungsanzeige von Sara Berlinger und Menko Berlinger (1933)
     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Oktober 1933: 
"Sara Berlinger - Menko Berlinger grüßen als Verlobte. 
Buttenhausen Württemberg - Breslau 13  Gabitzstr. 68. 
Sukkot 5694
(5./6. Oktober 1933) 
 
Anzeige in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Oktober 1933:    

      
Anzeige des Innenausstattungs- und Antiquitätengeschäftes L. Bernheimer (München, 1935) 

Buttenhausen BayrGZ 15091935.jpg (35111 Byte)Anzeige in der "Bayrischen israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. September 1925: "L. Bernheimer – München, Lenbachplatz 3. Innenausstattung / Antiquitäten. Stoffe – Deutsche Teppiche – Orientalische Teppiche – Einzelmöbel – Kunstgewerbe."   

      
Nach der Emigration: Todesanzeige für Louis Löwenthal (1942)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Aufbau" vom 23. Januar 1942: "Am 6. Januar verschied in England im Alter von 56 Jahren mein geliebter Mann, unser lieber Sohn, Bruder, Schwager und Onkel  
Louis Loewenthal, früher Stuttgart - Buttenhausen
Für die Hinterbliebenen : Maria Loewenthal, England  
Hermann Loewenthal  Siegfried Loewenthal 
31 Sickles Street, New York, N.Y."         

    
   
Weitere Erinnerungen: Briefe / Briefumschläge / Karten im Zusammenhang mit jüdischen Personen in Buttenhausen 
(aus der Sammlung Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries; Erläuterungen auf Grund der Recherchen von P. K. Müller)  

Brief an Seligmann Löwenhardt 
in Buttenhausen (1843)
  
Buttenhausen Brief 005.jpg (45061 Byte)
  Brief an "Sr. Wohlgeboren Herrn Seligmann Löwengardt in Buttenhausen"; der Brief wurde am 19. Mai 1843 vom Neffen W. Oettinger an seinen Onkel in Buttenhausen geschickt.
     
Gantsache - Forderung der Gebr. 
Höchstetter an die Gebr. Höchstetter
 (1866)
 
Buttenhausen Dok 1307.jpg (227392 Byte) Buttenhausen Dok 1307a.jpg (211133 Byte) Buttenhausen Dok 1307b.jpg (162825 Byte)
  Es handelt sich um einen Brief an die Unterpfandbehörde in Upfingen im Oberamt Urach vom 17.1.1866. Inseitig eine Löschungsurkunde bezüglich einer aus einer Gantsache herführenden Forderung der Gebrüder Höchstetter an die Gebrüder Höchstetter als Liegenschaftsverkäufer. Links unten ist als Vorname "Simson" zu lesen, gemeint vermutlich Simson Höchstetter (1823-1878; Sohn von Hirsch Höchstetter). 
     
Karte von Moses Höchstetter
 aus Buttenhausen (1880)
  
Buttenhausen Brief 008.jpg (49207 Byte) Buttenhausen Brief 009.jpg (40888 Byte)
  Karte von Moses Höchstetter aus Buttenhausen (1880) mit Absenderstempel  
     
Weitere Karte von 
Moses Höchstetter (1882) 
Buttenhausen Dok 345.jpg (102773 Byte) Buttenhausen Dok 345a.jpg (117787 Byte)
  Weitere Karte von Moses Höchstetter (Branntwein- und Liqueurfabrik), 
verschickt am 16. Juni 1882 nach Berlin. 
     
Karte der Fa. Levi & Co. 
in Buttenhausen (1884)
  
MButtenhausen Dok 075.jpg (45993 Byte) MButtenhausen Dok 076.jpg (41849 Byte)
  Karte der Fa. Levi & Co. in Buttenhausen, verschickt 1884 
an den Gerichtsvollzieher in Pfahlbronn 
     
  Postkarte von Kaiserslautern an 
Salomon Lindauer in Buttenhausen (1888)
 
 Buttenhausen Dok 141211.jpg (95853 Byte)  Buttenhausen Dok 141211a.jpg (99665 Byte)
  Die Postkarte aus Kaiserslautern wurde an Herrn S. Lindauer in Buttenhausen versandt am 13. September 1888.
Die Karte ist geschäftlich. Clemens August Reichard war ebenso wie Salomon Landauer Besitzer einer Zigarrenfabrik.
(zur Firma S. Landauer vgl. auch die Postkarten-Lithos auf der Eingangsseite zu Buttenhausen)  
   
Werbemarke der Firma Salomon Lindauer   Buttenhausen Lindauer RM 010.jpg (99409 Byte)
   Mit obiger Werbemarke / Vignette machte die Firma Salomon Lindauer auf ihre Zigarren aufmerksam. Die Zigarrenfabrik Lindauer befand sich in dem noch heute stehenden Gebäude Kirchberg 1. Die Zigarrenfabrik wurde in Buttenhausen von den Brüdern Max, Moritz und Karl Lindauer von 1910 bis 1928 betrieben. Quelle: http://www.buttenhausen.de/m_rd_10.htm.   
       
Ansichtskarte an Laura Löwenberg 
in Buttenhausen (1897)
  
Buttenhausen Loewenberg Dok 106.jpg (135189 Byte) Buttenhausen Loewenberg Dok 106a.jpg (142314 Byte)

Es handelt sich um eine Ansichtskarte von der Heilbronner Kunst-Gewerbe & Industrie-Ausstellung, die am 16. Juni 1897 an Frl. Laura Löwenberg in Buttenhausen verschickt wurde. Laura Loewenberg ist am 8. März 1874 in Buttenhausen geboren als Tochter von Leopold Löwenberg (1832 Mühringen - 1900 Buttenhausen) und seiner Frau Sophie geb. Öttinger (geb. 1843 in Buttenhausen). Laura war seit 1898 (in Buttenhausen) verheiratet mit Albert (Aharon) Meyer (geb. 4. Juli 1872 in Niederzündorf, heute Stadtteil von Köln, gest. 11. September 1935 in Buttenhausen und im jüdischen Friedhof ebd. beigesetzt). Die beiden hatten vier Kinder: Erna (1899), Leopold (1901), Clara (1903), Hermine (1914). Laura Meyer ist Anfang 1939 in die USA emigriert, wohin 1938 auch schon die Kinder Erna und Clara ausgewandert waren. 
Quelle: http://www.zegk.uni-heidelberg.de/hist/data/buttenhausen/data/grabstein.php?number=268  

     
Postkarte mit dem "Schweizerhof" (1898)   Buttenhausen PK Schweizerhof 020.jpg (376892 Byte) Buttenhausen PK Schweizerhof 020a.jpg (151790 Byte)  

Die Ansichtskarte aus Buttenhausen - Gruß vom Schweizerhof - wurde am 4.September 1898 von Buttenhausen nach Gernsbach versandt. Das Gasthaus "Schweizerhof" wurde 1864 von Dr. Wolf Schweizer (1828-1883) gegründet. Der Chirurg kam 1856 als Arzt und Geburtshelfer nach Buttenhausen und war hier als Wundarzt tätig. Wolf Schweizer war seit 1853 mit Sara geb. Frank (1830-1881) verheiratet. Das Ehepaar hatte acht Kinder: Fanny (1852-1877), Ernst (1854, später in Frankfurt am Main), Sophie (1855-1924), Bertha (1856-1862), Julie (1857-1918), Klara (1859, verh. mit Simon Adler in Riedlingen), Jerda (1862, verh. mit Louis Spiro) und Jakob (geb. 1869). 
Im August 1888 wurde der "Schwäbische Albverein" in Plochingen gegründet. Mit ihrem Beitritt im Juni 1891 waren die Geschwister Schweitzer mit die ersten Mitglieder des Schwäbischen Albvereins im alten Oberamt Münsingen. Dadurch wurde das "Gasthaus Schweizerhof" zur frühesten Albvereinsgaststätte auf der Münsinger Alb. In einer Auflistung der nach 1933 noch bestehen Handels- und Gewerbebetriebe werden als letzte jüdische Besitzer des Gasthauses Schweizerhof Julie Schweizer und Sophie Schweizer genannt.  
Quellen: Juden und ihre Heimat Buttenhausen, Gedenkbuch zum 200.Jahrestag des Buttenhausener Schutzbriefes, bearbeitet von Günter Randecker, S.60 und S.86-87
http://www.lpb-bw.de/fileadmin/lpb_hauptportal/pdf/bausteine_materialien/materialien_buttenhausen.pdf 
http://www.zegk.uni-heidelberg.de/hist/data/buttenhausen/data/grabstein.php?number=338 
http://www.steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?sel=wnk&function=Ins&jahrv=1941

     
Postkarte von Lehmann Levi 
aus Buttenhausen (1899) 
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    Postkarte von Lehmann Levi in Buttenhausen (1899)  mit Absenderstempel 
     
Postkarte von S. Rothschild aus Buttenhausen 
an Rechtsanwalt Breitschwerdt in Riedlingen (1901)
    
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Buttenhausen DokRothschild 010lit.jpg (264204 Byte)Die Postkarte von S. Rothschild, Buttenhausen an Herrn Rechtsanwalt Breitschwerdt in Riedlingen wurde versandt am 19. September 1901. Bei S. Rothschild handelt es sich um Salomon Rothschild, einem Bruder von Theodor Rothschild. Unter den noch nach 1933 noch bestehenden jüdischen Gewerbebetrieben und Geschäften findet auch sich die "Viehhandlung Salomon Rothschild " Haus-Nr. 8. Im Buch "Juden und ihre Heimat Buttenhausen"  ist S. 33 ein Foto der Brüder Rothschild abgebildet (Abbildung links), mit dabei auch Salomon Rothschild.
Rückseitiger Text der Karte: "Geehrter Herr. In Empfang ihres Briefes teile Ihnen mit, daß ich nächsten Markt nach dorten komme,
und die Sache bereinigen werde bitte Sie solange noch gedulden zu wollen.
Achtungsvoll S. Rothschild". 

Buch: Juden und ihre Heimat Buttenhausen - Ein Gedenkbuch zum 200. Jahrestag des Buttenhausener Schutzbriefes am 7. Juli 1987,
Herausgeber Stadt Münsingen - bearbeitet von Günter Randecker.  

     
Postkarte von Lina Höchstetter aus Buttenhausen 
an Buchbinder Pflüger in Münsingen (1920)
    
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Die Postkarte von Lina Höchstetter an den Buchbinder Pflüger in Münsingen wurde versandt am 15. Juni 1920. Lina Höchstetter wurde am 14. Oktober 1898 in Buttenhausen geboren als Tochter von Siegmund Höchstetter und (seiner zweiten Frau, die erste war 1877 gestorben) Jette Einstein von Buttenwiesen. Die Großeltern väterlicherseits waren Hirsch Höchstetter (geb. 11. Mai 1820 in Buttenhausen) und Babette geb. Kahn (geb. 13. Juli 1822 in Altenstadt). Die Großeltern mütterlicherseits waren Isak Einstein von Buttenhausen und Adelheid geb. Rindskopf). Lina Höchstetter verheiratete Müller starb am 27. Juli 1991 im Alter von 92 Jahren in den USA (Pennsylvania).  
Text der Karte: "Buttenhausen 15.6.
P.P. Ich habe vor längerer Zeit zwei Bücher bei Ihnen bestellt: "Der Unfug des Sterbens" und das Gegenstück dazu. Wenn Sie es jetzt haben dann schicken Sie es mir bitte zur ... zu.
Hochachtend - Lina Höchstetter."     
Quellen: https://www.geni.com/people/Lina-H%C3%B6chstetter-Mueller/6000000017749266469     

     
 Postkarte von Rosa Levi aus 
Buttenhausen nach Biel (CH) (1935)
 
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Die Karte wurde am 23. September 1935 von Rosa Levi an Frau Henriette Levy bei Herrn J. Weil, Schuhgeschäft, nach Biel in die Schweiz geschickt mit den besten Wünschen zum Jahreswechsel (Rosch Haschana war 1935 am 28. September). 
Zum Text der Karte: "Buttenhausen, 22.9.35. - Liebe Frau Levy.
Hoffe Sie mit Ihren Lieben Allen gesund, was doch die Hauptsache ist. Auch wir sind es so ziemlich, d.h. die Nerven machen eben einem viel zu schaffen und hoffen wir, dass es bald besser wird. Von Bern höre auch hier und da von Ihrem l. Herrn Levy, auch Ludwig erzählte mir von Euch. L. Hedwig hat mich so lieb eingeladen nach den Feiertagen, einige Zeit zu kommen. Wie gerne würde dies annehmen, aber es kann leider nicht sein, habe bis dorthin kein Mädchen und kann somit unmöglich fort von meinem l. Mann und Paul. Wie geht es Euch allen. Würde Euch so gerne wieder einmal sehen. Von uns kann Euch nicht viel berichten. Man macht eben so fort. Zum Jahreswechsel sende Euch Allen meine besten Wünschen und Grüße. Eure Rosa Levi. - Auch von meinem l. Mann herzl. Gratulation." 
In der Publikation "Juden und ihre Heimat Buttenhausen" (erschienen zum 200. Jahrestag des Buttenhausener Judenschutzbriefes am 7. Juli 1987; hrsg. von der Stadt Münsingen) findet sich in der Liste der jüdischen Bürger, die zwischen 1940 und 1944 von Buttenhausen aus deportiert wurden, auch der Name von Rosa Levi, geb. am 26.1.1887. Das Sterbedatum wird der 28.10.40 und als Todesursache "Freitod " angegeben (Nr. 55 der Liste. Auch ein Paul Levi ist dort aufgeführt (Nr. 54 ),geb. am 8.2.1904, - am 13.7.1942 Auschwitz, für tot erklärt. Rosa schreibt auf der Karte davon, dass Sie ihren Mann und Paul nicht alleine lassen kann, weil Sie in dieser Zeit kein Mädchen hat.
Im Kapitel der genannten Publikation "Rosen, Tulpen, Nelken... Der traurigste Liebesbrief der Welt" (S. 115-116) nimmt ein Abschnitt Bezug zum Freitod von Rosa Levi und ihrer Mutter: "Vor dem ersten Transport nahmen Rosa Levi (geboren am 26. Januar 1887) und ihre Mutter Sofie geb. Frank Tabletten: 'Kurz vor dem jüdischen Neujahr im Herbst 1940 kam das Gerücht auf, wir würden alle abtransportiert', erinnert sich Jetta Gut, die älteste Tochter des Oberlehrers Berlinger, 40 Jahre später in einem Brief an die Klasse 10b der Freibühlschule Engstingen. 'Eine alte Frau und ihre Tochter begingen damals Selbstmord. Während die Mutter sofort starb, wäre die Tochter noch zu retten gewesen. Ein junger Arzt, der zu diesem Zweck von den Behörden gerufen worden war, meinte jedoch: 'Wir sind verpflichtet, nach dem Gesetz keinen Menschen zu töten, wir sind nicht verpflichtet sein Leben zu verlängern'. Durch diese Einstellung ermöglichte es der Arzt der Unglücklichen, ruhig zu sterben, statt sie ins Leben zurück - und damit in die Hände von Polizei, Gefängnis und schlimmerem zu bringen (Gestapo). Es erging dann die Weisung, die Beisetzung der zwei Damen dürfe nicht mittels eines Wagens erfolgen. Mit einem anderen Mädchen vom Dorf trug ich die Särge hinunter, bereits erwartet von Soldaten der Wehrmacht, die dieses 'Ereignis' mit ihren Kameras festhielten... Mein Vater hielt noch eine Abdankungsrede im Trauerhaus, die jedoch von eigens für zu diesem Zweck in den Hof bestellten Arbeitslosen singenderweise gestört bzw. übertönt wurde. Verbotenerweise wartete Herr Flad außerhalb des Dorfes mit seinem Mistwagen auf uns, um die Särge wenigstens den Berg hinaufzufahren'. Nicht aus Stein, aus Holz waren die letzten Grabzeichen auf dem jüdischen Friedhof; ein Schreiner - und ein Malermeister hatten sich der Toten erbarmt..."
In der Publikation "Juden in Buttenhausen" (Schriftenreihe der Stadt Münsingen Bd. 3, 2004²) wird S. 78 ein Abschiedsbrief von der Hand Rosa Levis zitiert: "Euch allen möchte ich ans Herz legen, nicht zu trauern, wenn Ihr die Nachricht bekommt, sondern Gott zu danken, dass wir erlöst sind. Die liebe Mama hatte in letzter Zeit so viel Beschwerden, dass ich mich oft gewundert habe, wie sie trotz Allem noch am Leben hängen konnte! Und was ich auszuhalten hatte, ist unbeschreiblich! [...] Um Verzeihung für meinen Schritt brauche ich Euch meine Lieben Alle nicht zu bitten, und werdet Ihr hoffentlich einsehen, dass es das Beste ist für uns! Und für Euch lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende!"  

     
Postkarte (Raketenpost) aus Havanna/Kuba 
an Fanny Levi in Buttenhausen (1939)
     
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Nachfolgende Recherchen unter Mitarbeit von Christoph Knüppel, vgl. seine Publikation: "Von Buttenhausen nach Palästina: Briefe der schwäbischen Jüdin Fanny Levi an ihre Kinder und Enkelkinder". Münsinger Jahrbuch. 5. und 6. Jahrgang 2012/13. Herausgegeben vom Geschichtsverein Münsingen 2014. 
Die Postkarte (Raketenpost) aus Habanna - Kuba wurde am 13. Oktober 1939 an Fanny Levi in Buttenhausen versandt.   
Text der Karte: Liebe Großmama. Habanna, 13.10.39.
Ich hoffe, dass es Dir gut geht ? Ich vermute, dass Du
diese kleine Schrift lesen kannst. Hier ist es immer
noch sehr heiss. Ich habe ziemlich zu tun in der
Schule. Ich muss noch Platz für die Anderen lassen,
also viele Grüsse und Küsse von Maxli. Liebe Mutter! Soeben
erhielten wir deine Karte vom 19.9. Wir haben bis jetzt jede
Woche Briefe geschrieben. Zukünftig werden wir Karten schicken.
Deine letzte Karte war vom 8.9. Von Hermann haben wir schon
2 Wochen nichts gehört. Es geht uns allen gut. Herzl. Grüße Heinrich.
Liebe Großmama! Wir haben uns mit deiner Karte wie im-
mer sehr gefreut. Jetzt habe ich eine Stunde, aber hier wird
schlecht bezahlt, es wäre schlimm wenn man sich damit
das Leben verdienen müsste. Für heute noch viele herz-
liche Grüsse von deiner Lissy. Herzliche Grüsse und
Küsse Angele

Die Postkarte wurde am 13. Oktober 1939 in Havanna/Kuba geschrieben. Es waren vier Schreiber beteiligt, und zwar in dieser Reihenfolge: Fannys Enkel Maximo (unterschrieben: Maxli); Fannys Sohn Heinrich (unterschrieben: Hch.); Fannys Enkelin Alica (unterschrieben: Lissy); Fannys Schwiegertochter Angeles (unterschrieben wohl: Angela, wie sie eingedeutscht genannt wurde ).
Fanny Levi geb. Tannhauser (geb. am 15. Mai 1863 in Buttenhausen als Tochter von Immanuel Tannhauser und Sara geb. Adler). Sie war verheiratet mit Salomon Levi (geb. am 29. Juni 1859 in Buttenhausen als Sohn von Maier H. Levi und der Sara geb. Lindauer, gest. am 21. Mai 1928 in Buttenhausen). Die beiden hatten zwei Söhne: Heinrich (geb. 6. Juni 1887) und Hermann (geb.?).  Fanny ist am 22. November 1939 nach Istanbul emigriert.  
In dem Text werden die Brüder Heinrich und Hermann Levi erwähnt. Heinrich Levi hat sich schon seit seiner Niederlassung in Barcelona Enrique Levi genannt; in Kuba nannte er sich - zumindest zeitweise - Enrique Tannhauser, wie auf dem Stempel zu lesen ist. Das tat er wegen des auch dort verbreiteten Antisemitismus - weil Levi als jüdischer Name bekannt ist. 
Ein Bruder von Fanny Levi geb. Tannhauser war Hermann Tannhauser (geb. 15. Mai 1865 in Buttenhausen als Sohn von Immanuel Tannhauser und der Sara geb. Adler). Dieser war seit 13. August 1894 verheiratet mit Pauline geb. Levi (geb. 8. Februar 1872 in Buttenhausen). Die beiden hatten zwei Kinder: Jakob (geb. 26. Juni 1895 in Buttenhausen, im Mai 1939 nach Kuba, dann nach Brasilien emigriert) und Herbert (geb. 16. November 1898 in Buttenhausen, 1939 nach Brasilien emigriert). Hermann Tannhauser ist am 1. August 1921 in Buttenhausen gestorben. Seine Frau Pauline ist am 27. Mai 1939 nach Kuba emigriert.   

     

    

    

    

    

    

    

 

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Stand: 19. Februar 2017