Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Buttenhausen (Stadt Münsingen, Landkreis Reutlingen) 
Texte/Berichte zur jüdischen Geschichte des Ortes

Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Buttenhausen wurden in jüdischen Periodika gefunden. 
Bei Gelegenheit werden weitere Texte eingestellt. Letzte Ergänzung am 21.7.2011.     
         

Übersicht:

Aus der Geschichte des Rabbinates 
Zum Tod von Rabbiner Max (Marx) Bär Kallmann (1865, Rabbiner in Buttenhausen von 1834 bis 1858)    
Über eine Publikation von Rabbiner Samson Gunzenhauser (1863)   
-  Rabbiner Gunzenhauser publiziert seine Predigten (1866)  
-  Rabbiner Gunzenhauser verlässt Buttenhausen (1867) 
-  Zur Ausschreibung des Rabbinates Buttenhausen (1867)  
Dr. Michael Silberstein wird Rabbiner in Buttenhausen (1868) 
P
ublikation von Rabbiner Dr. Michael Silberstein (1870)   
R
abbiner Dr. Silberstein hält einen Vortrag über die soziale Frage und die mosaische Gesetzgebung in Münsingen (1873)     
Rabbiner Dr. Jakob Stern übernimmt eine unerlaubte Trauung (1879)  
Zuspitzung des Konfliktes um Rabbiner Stern (1879)  
Konflikt zwischen Gemeinde und Rabbiner Stern (1880)  
Rabbiner Stern bietet seine Publikationen an (1880)  
Zum Tod des früheren Rabbiners Jakob Stern (1911) 
Abschied von Rabbiner Dr. Jonas Laupheimer (1887)     
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1871 / 1874  
-  Lehrer Neckarsulmer bietet seine Dienste an (1887)  
-  "Missliche Zustände" in der Gemeinde durch die Krankheit von Lehrer Forchheimer (1899) 
E
inweihung der Bernheimer'schen Realschule (1904)    
-  Zum Tod von Hanna Berlinger, Frau des Oberlehrers Berlinger (1934)  
Theologischer Beitrag von Lehrer Berlinger (1935)  
Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben  
-  Konfirmation und weitere Neuerungen im Gemeindeleben unter Rabbiner Dr. Silberstein (1869) 
-  Die Gemeinde erhält einen Staatsbeitrag für die Restauration der Synagoge (1874)  
-  Bericht über das gottesdienstliche Leben unter Rabbiner Stern (1876)   
-  Kritische Stimme zur Neuwahl des Gemeindevorstehers aus konservativ-orthodoxer Sicht (1885)  
-  Über Missstände in der Gemeinde aus konservativ-orthodoxer Sicht (1885)  
-  Antisemitische Hetzereien - auch gegen den früheren Rabbiner Stern (1889)  
-  Kritische Stimmen zur Durchführung einer jüdischen Hochzeit ohne religiöse Trauung (1893)  
-  Feier zum 25-jährigen Bestehen des Militärvereins Buttenhausen - Hundersingen (1902)  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde    
-  Zum Tod des Kaufmanns Hirsch Marx (1890)  
-  Zum Tod von Gemeinderat Josef Tannhauser (1897)  
-  Testamentarisch verfügte Spenden des in New York verstorbenen Adolf Bernheim zur Begründung einer Realschule (1902)  
Auszeichnung für den aus Buttenhausen stammenden Lehmann Bernheimer (1905) 
-  80. Geburtstag von Moses Levi (1913) 
-  Über die bei einem Eisenbahnunglück umgekommene Irmgard Marx (1928) 
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
-  Anzeigen des Feinbäckers W. Feldmann (1884/1894)  
-  Anzeige von Wolf Feldmann (1903)  
Mädchen aus der Familie Feldmann sucht Stellung in einer Familie
(1903)   
Verlobungsanzeige von Sara Berlinger und Menke Berlinger (1933)   
-  Anzeige des Innenausstattungs- und Antiquitätengeschäftes Lehmann Bernheimer (München, 1935)  

 

Aus der Geschichte des Rabbinates  
Zum Tod von Rabbiner Max (Marx) Bär Kallmann (1865, Rabbiner in Buttenhausen von 1834 bis 1858)  
Anmerkung: Rabbiner Max Bär Kallmann ist am 26. März 1795 als Sohn des Kochendorfer Rabbiners Löw Kallmann (gest. 1825) und der Edel Joseph in Kochendorf geboren. Er  studierte u.a. bei Seckel Wormser in Michelstadt und 5 1/2 Jahre bei Joseph Maier Schnaittach in Freudental. 1830 bis 1833 Studium an der Universität in Heidelberg; bestand 1834 die Erste württembergische Staatsprüfung; Juni 1834 Rabbinatsverweser in Buttenhausen, seit 1841 Bezirksrabbiner in Buttenhausen; seit Dezember 1842 verheiratet mit Jette geb. Hechinger aus Bayreuth; 1858 wurde er zum Bezirksrabbiner in Lehrensteinsfeld ernannt. 1861 wurde ihm von der Oberkirchenbehörde nahegelegt, in den Ruhestand zu treten. Nach seinem Tod 1865 wurde er auf dem jüdischen Friedhof in Neckarsulm beigesetzt.  

Kochendorf Israelit 21111900.jpg (86980 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. November 1866: "Neckarsulm. Am 6. Tage der Selichot-Tage, dem 24. Elul war es ein Jahr, dass der selige, fromme Rabbiner Kallmann aus Kochendorf in die ewige Ruhe eingegangen ist. Auf Anordnung seiner Witwe wurde am Jahrgedächtnistage beim Setzen der sehr schönen Mazebah (Grabstein) Minjan (gottesdienstliche Versammlung) auf seinem Grabe gemacht und vom Rabbiner Dr. Engelbert ein deutsches und ein hebräisches Gebet verrichtet, und dann Kaddisch gesagt. Es fanden sie viele auf dem Friedhofe ein, um dem würdigen Seelensorger die letzte Ehre zu erweisen. In der Synagoge zu Kochendorf wurde am darauf folgenden Sonntag ein Hesped (Trauerrede) für den selig Verblichenen gleichfalls von Rabbiner Engelbert abgehalten; den Anfang, sowie den Schluss des Trauervortrags, in welchem er die vielen guten Eigenschaften des Dahingeschiedenen hervorhob, bildeten die schönen Worte, (hebräisch und deutsch:) das Andenken des wahrhaft Frommen gereicht zum Segen.

     
Über eine Publikation von Rabbiner Samson Gunzenhauser (1863)   

Buttenhausen AZJ 18081863.jpg (177015 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. August 1863: "Betrachtungen über die Bibel und unserer Weisen Aussprüche in Predigten von Samson Gunzenhauser, Rabbiner in Buttenhausen (Württemberg). Erste Lieferung. Stuttgart 1863. Der Verfasser ist mit Fug und Recht ein Gegner langer Predigten, und wollte daher in einer Sammlung kurzer Predigten, die meist nur gedrängte Betrachtungen über einen religiösen Gegenstand sind, jüngeren Amtsgenossen Beispiel und Stoff darbieten. Wie der etwas sonderbar geformte Titel ('und unserer Weisen Aussprüche') andeutet, legt der Verfasser wiederum mit Fug und recht ein großes Gewicht auf die Verwendung von Sprüchen aus Talmud und Midrasch für die jüdische Homiletik. Dass nun der Verfasser von diesem Gesichtspunkt aus manches Gute geliefert hat, erkennen wir gern an; trotzdem glauben wir nicht, dass dieses Werk bedeutende Ansprüche machen kann. Wenn die Länger der Predigt den Zuhörer ermüdet und oft die Gedankenarmut recht fühlbar macht, so bleibt die allzu kurze Predigt ohne Eindruck und schneidet die Befriedigung am besten Punkte ab. Auch begegnet es dem Verfasser sehr häufig, dass er einer höchst kurzen Predigt eine sehr lange Einleitung voranschickt, sodass die Vorhalle viel größer ist als das daran gefügte Häuschen. Wenn in einer langen Predigt das Thema zu sehr auseinander gefasert wird, so kann die kurze es nur knapp zuschneiden und wird es oft ganz unerschöpft lassen. Wählt nun der Redner einen sehr bedeutenden Gegenstand, so wird er völlig unbefriedigt lassen. Man lese z.B. in dieser Sammlung die Rede über die Tradition, wo natürlich die einfachsten Fragen, die an diesen Gegenstand gestellt werden können, unerwähnt und unbeantwortet bleiben. Eigentümlichkeit der Anschauung, neue Gedanken, zutreffende Behandlung haben wir in diesen Betrachtungen nicht viel gefunden. - Auch die Benutzung von 'Aussprüchen unserer Weisen' ist nichts anderes, als was jetzt jeder jüdische Prediger tut, hie und da eine talmudische und midrachische Sentenz einflechten. Wir haben dafür für diese Schrift nur die Empfehlung, dass sie auf die Kürze der Predigten verweist, was wir jedoch dahin modifizieren müssen, dass die Predigt ein knappes Maß einhalten müsse, um nicht in den entgegengesetzten Fehler zu verfallen."   

 
Rabbiner Gunzenhauser publiziert seine Predigten (1866)  

Buttenhausen Israelit 28031866.jpg (43824 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. März 1866: "Von meinen unter dem Titel Worte der Tora erschienenen Predigten ist noch eine Anzahl vorrätig und können einzelne Exemplare à 45 Kreuzer, größere Partien zu herabgesetztem preise, sowohl durch R. Levi, Buchhändler in Stuttgart, als auch von mir direkt bezogen werden. 
Rabbiner Gunzenhauser in Buttenhausen, Württemberg." 

  
Rabbiner Gunzenhauser verlässt Buttenhausen (1867)  

Buttenhausen Israelit 10101867.jpg (105789 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Oktober 1867: "In Buttenhausen auf der württembergischen Alb war bisher Herr Gunzenhauser, ein geborener Bayer, Ortsrabbiner gewesen. Vermöge Verfügung des Königlichen Ministeriums des Kirchen- und Schulwesens vom 12. September dieses Jahres ist diesem auch in der hebräischen Literatur schon bekannt gewordenen Geistlichen das erledigte Bezirksrabbinat Mergentheim übertragen worden. Dem Manne ist dieses Avancement zu gönnen. Er kommt aus einer rauen Gegend in das schöne Taubertal, in eine sehr wohlhabende Gemeinde und in einen Bezirk, dessen Gemeinden der orthodoxen Richtung angehören. Die Gemeinde Buttenhausen aber wird diese Vakatur benutzen, um bei dem Ministerium die Aufhebung des kostspieligen Ortsrabbinats und die Einverleibung in den benachbarten Sprengel zu erwirken, dagegen jedoch ihre Schulstelle mit dem Vorsängeramte, das der Ortsrabbiner zu bekleiden hatte, vereinigen, um dem betreffenden Lehrer ein anständiges Auskommen bieten zu können. Dann wird es auch gelingen, eine tüchtige Kraft zu gewinnen."  
 
Buttenhausen Israelit 06111867.jpg (89053 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. November 1867: "Buttenhausen (Württemberg), 24. Oktober. Diese Woche verließ uns unser Rabbiner Gunzenhauser, um seine Stelle in Mergentheim anzutreten. Die Liebe und Anhänglichkeit der Gemeinde, die sich derselbe während seiner achtzehnjährigen Wirksamkeit hier erwarb, zeigte sich bei seinem Scheiden. Alles bedauerte den Verlust des Mannes wegen seiner Wissenschaft und seiner trefflichen Eigenschaften. Nachdem er letzten Samstag eine ergreifende Abschiedsrede gehalten, versammelten sich ihm zu Ehren abends die Gemeindeglieder und nach mehreren Toasten überreichte ihm das Kirchenvorsteheramt als Andenken einen prachtvollen silbernen Pokal. Möge er in seiner neuen Wirksamkeit die Anhänglichkeit finden, die ihm hier geworden und bleiben wird. K."

  
Zur Ausschreibung des Rabbinates Buttenhausen (1867)  

Buttenhausen Israelit 20111867.jpg (92673 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. November 1867: "Die Bewerber um das Rabbinat Buttenhausen, im Oberamtsbezirk Münsingen, womit neben freier Wohnung und außer den Stolgebühren und Emolumenten ein aus den Zentralkirchenkasse zu beziehender Fixgehalt von 650 Gulden verbunden ist, werden unter dem Bemerken, dass gesetzlich dem Rabbinen auch die Vorsängerfunktionen obliegen, dass jedoch unter Unständen eine Stellvertretung im Vorbeten auf Kosten des Rabbinen zugelassen wird, aufgefordert, unter Angabe ihrer persönlichen und Familienverhältnisse, sowie ihrer Bildungslaufbahn, binnen 4 Wochen bei der Königlichen Israelitischen Oberkirchenbehörde sich zu melden, obgleich das Ortsrabbinat füglich mit Buchau, Laupheim oder Jebenhausen hätte verbunden werden können und letzte Stellen wohl einer Gehaltsaufbesserung bedürftig wären."
   
Buttenhausen Chananja 01121867.jpg (37592 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Ben Chananja" vom 1. Dezember 1867: "Das Rabbinat Buttenhausen ist mit 650 Gulden jährlichem Gehalte ausgeschrieben, dabei hat der Rabbiner noch den Vorbeterdienst zu versehen. Mit einem so niedrigen Gehalte wird sich wahrscheinlich kein Bewerber um diese Stelle finden. Das Geeignetste wäre, Buttenhausen einem andern Rabbinatsbezirk zuzuteilen, die Gemeinde wünscht dieses selbst."  

   
Dr. Michael Silberstein wird Rabbiner in Buttenhausen (1868)   

Buttenhausen Israelit 06051868.jpg (48672 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Mai 1868: "Buttenhausen (württembergisches Oberamt Münsingen). Das hiesige Ortsrabbinat, mit welchem die Funktionen des Vorsängers verbunden sind, ist dem Rabbiner Dr. Silberstein, einem geborenen Kurhessen, der bisher in Lyk, in Ostpreußen, angestellt war, vom königlichen Ministerium des Kirchen- und Schulwesens am 4. April dieses Jahres definitiv übertragen worden, da kein Inländer um die erledigte Stelle sich gemeldet hat."  

   
Publikation von Rabbiner Dr. Michael Silberstein (1870)  

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Juli 1870: "Verlag der Schletter'schen Buchhandlung (H. Skutsch) in Breslau. Gelegenheits-Predigten jüdischer Kanzelredner. 4 Bände von 11 bis 13 Bogen in Gr.-Oktoav. Breslau 1870. Preis jedes Bandes 22 1/2 Sgr.  
...
Vierter Band: Predigten bei besonderen, die Gemeinde berührenden Veranlassungen (als Gast- [Probe-]Antritts- und Abschieds-Predigten, Reden bei Einweihungen, Konfirmationen, Stiftungsfesten usw.) von Dr. M. Silberstein (Rabbiner in Buttenhausen)."   

    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. April 1873: "Münsingen, 7. März (1873). (Aus einem Württembergischen Blatte). Letzten Montag hielt Dr. Silberstein, Rabbiner von Buttenhausen, hier einen Vortrag über die soziale Frage und die mosaische Gesetzgebung. Dr. Silberstein erwies sich wiederholt als äußerst glänzender Redner. Ausgehend von einer allgemeinen Darstellung der sozialen Frage in der Gegenwart und Vergangenheit, gelangte der Redner zu dem Resultate, dass Ein Land (Palästina) ausgenommen, alle Völker an der sozialen Frage krankten, und trotz vielfacher Versuche zu ihrer Lösung zum großen Teil an ihr zu Grunde gingen. Redner suchte den Nachweis zu liefern, dass alle jene Keime des Verderbens, die den Untergang der antiken Welt herbeiführten, von dem palästinensischen Gemeinwesen möglichst fern gehalten wurden. Die Sklaverei wurde dort möglichst gemildert, ja bei dem inländischen Knechte - eine Bezeichnung für den Begriff des Sklaven kennt die Sprache nicht einmal - auf ein bloßes Dienstverhältnis auf Zeit eingeschränkt. An die Stelle der Verachtung, der die erwerbende Tätigkeit in den klassischen Staaten anheimfiel, trat in Palästina die Hochschätzung. Mahnungen zum Fleiße, und Warnungen vor dem Müßiggange, kehren unzählige Male in den fundamentalen Geboten, wie in der Volksliteratur wieder. Ebenso galt Freiheit der Arbeit; aber auch das dritte Grundübel, an dem die antiken Staaten litten, und vor dem auch der moderne Staat sich nicht zu schützen vermöchte, die allzu ungleichmäßige Verteilung des Besitzes, wurde durch die agrarischen Gesetze von dem palästinensischen Gemeinwesen fern gehalten. Alle Einrichtungen zielten darauf ab, einen tüchtigen Mittelstand zu schaffen, von dem das Glück der Gemeinwesen allein abhängt, und ein besitzloses Proletariat, wie es uns in erschreckendster Gestalt, im Altertume, wie in modernen Staaten, entgegentritt, von dem Lande fern zu halten. An Armut in Folge unglücklicher Zufälle etc. fehlte es darum doch nicht im Lande; hier aber trat die Armengesetzgebung helfend ein, die, vom Geiste der Milde und des Wohlwollens getragen, sich wesentlich von anderen Gesetzgebungen dieser Art unterscheidet. Schließlich berührte Redner noch die Lösung der modernen sozialen Frage. Dem Vernehmen nach wird der Vortrag auf vielseitigen Wunsch durch den Druck einem größeren Publikum zugänglich gemacht."    

  
Rabbiner Dr. Jakob Stern übernimmt eine unerlaubte Trauung (1879) 

Buttenhausen Israelit 30041879.jpg (150393 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. April 1879: "Laupheim. Vor wenigen Monaten heiratete ein Herr B. von Gailingen eine kinderlose Witwe von Crailsheim (Bezirksrabbiner Braunsbach), die die erforderliche Chalizza sich zu verschaffen nicht für nötig erachtete. Daraufhin gab sich weder der Rabbiner von Gailingen, Herr Dr. Löwenstein, noch der von Braunsbach, Herr Berlinger, noch der hiesige, Herr Kahn, der auch angegangen wurde, dazu her, den Akt der Trauung vorzunehmen. Anders Herr Rabbiner Stern in Buttenhausen. Dieser ließ sich nicht lange bitten, sondern war gleich bereit, diese antijüdische Ehe in aller Form rechtens einzusegnen. Doch sonderbar! – Während Herr Stern einer unerlaubten Trauung das Dasein gibt ist seine ihm angetraute Gemeinde Buttenhausen bemüht, sich von ihm trennen zu lassen, ihm den Scheidebrief zu geben. Schon ist es soweit gekommen, dass die Stern’schen Predigten vor leeren Bänken gehalten werden müssen; schon haben die Buttenhauser (dem Rabbiner zur Freude?) ihrem Lehrer, Herrn Straßburger, eine pracht- und wertvolle goldene Uhr und Kette zum Geschenk gemacht und schon sind sie bei der Königlichen israelitischen Oberkirchenbehörde klagend gegen ihn aufgetreten. Dieser misslichen Stellung eine ein bisschen bessere Gestalt zu geben, trat der Buttenhauser Reformator mit seinem ehemaligen Schüler, Herrn J. Laupheimer, Rabbinatskandidat dahier, in Unterhandlung und wollte ihn als Vikar bestellen. Doch dieser gab sich nicht dazu her, und so herrscht die der Krieg mit Stern heute noch. Zum Schlusse möchten wir wünschen, dass die Gemeinde Buttenhausen aus dem Kampfe gegen den Mann, der mit nihilistischem Mordstahl das orthodoxe Judentum niederzudolchen beabsichtigt, als ruhmgekrönte Siegerin hervorgehen möge."       

  
Zuspitzung des Konfliktes um Rabbiner J. Stern (1879)  

Buttenhausen Israelit 15101879a.jpg (188053 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Oktober 1879: "Laupheim, 12. Oktober (1879). Die Gemeinde Buttenhausen (Württemberg) hat seit ungefähr einem Jahre ihren Rabbiner, Herrn J. Stern, faktisch außer Dienst gesetzt; er durfte nimmermehr vorbeten, nimmermehr predigten, und wollte er dennoch wagen es zu tun, so verließ Alles, wie auf ein Kommando, den Gottesdienst. Zudem strengt sie bei der königlichen israelitischen Oberkirchenbehörde eine Klage gegen ihn an auf dessen Enthebung vom Amte und zwar:     1) aus dem Grunde, weil er von aller Welt als der Verfasser jener berüchtigten Broschüre ‚Der alte und neue Glaube im Judentum’, herausgegeben unter dem fingierten Namen Dr. William Rubens, worin jüdisches Leben, jüdische Sitten und Gebräuche verhöhnt, verspottet und im Kote herumgezogen, gehalten wird, wenn er gleich nur zugibt, nach einer Seite hin ein bisschen hierbei tätig gewesen zu sein und    2) weil er sich erlaubte in christlichen Gasthäusern ungeniert, sogar vor und mit Juden, unkoschere Speisen, unrein, zu essen. Auf diese Beschwerde hin und nach angestellter Untersuchung des Sachverhalts hat die israelitische Oberkirchenbehörde in einem hohen Erlass vom 22./25. September dieses Jahres den aufgeklärten Herrn Rabbiner Stern auf die Dauer von 3 Monaten seines Amtes entsetzt. Wir geben nachfolgend den Wortlauf des interessanten Schriftstückes und bemerken bloß, dass wir die Strafe im Vergleiche zur Schwere des Vergehens für allzu gering erachten. Der Hohe Erlass lautet: Königliche israelitische Oberkirchenbehörde an das Königliche Oberamt Münsingen.  ‚In der Beschwerdesache des israelitischen Kirchenvorsteheramts in Buttenhausen gegen den Rabbiner Stern von da wegen mehrfacher Verletzung seiner Amtspflichten verfügt die israelitische Oberkirchenbehörde in Anwendung des § 18, Ziff. 2 der Königlichen Verordnung vom 27. Oktober 1831 in Erwägung: 1) dass als erwiesen anzunehmen ist, es habe sich der Rabbiner Stern in zum mindesten fahrlässiger Weise an der Abfassung der Broschüre ‚Der alte und neue Glaube im Judentum’ von Dr. William Rubens, welche durch vielfache Herabwürdigung kultureller Einrichtungen gläubigen Israeliten
Buttenhausen Israelit 15101879b.jpg (224059 Byte)zum Ärgernis gereichen muss, insofern beteiligt, als er dem Verfasser dieses Werkes, mit dem er zugestandener Maßen seit vielen Jahren persönlich bekannt ist und mit dem er einen lebhaften brieflichen Verkehr unterhalten hat beziehungsweise unterhält, mit dessen Geistesrichtung und Anschauung in Betreff der in der Broschüre behandelten Gegenstände er also wohl vertraut war, den Anhang zu demselben wie nicht minder verschiedene Gedanken und Redewendungen zu dem Hauptteil der Broschüre geliefert hat und sich dadurch für den Inhalt dieses Werkes in gewissem Grade verantwortlich gemacht hat, in fernerer Erwähnung    2) dass durch unverdächtigen Zeugenbeweis und durch das eigene Geständnis des Stern als festgestellt anzusehen ist, derselbe habe zu wiederholten Malen seit seiner Anstellung als Rabbiner in Buttenhausen die rituellen Speisegesetze verletzt, durch welches Verhalten er denjenigen Gemeindegenossen, welche sich an diese Speisegesetze halten und sich hiezu im Gewissen verpflichtet fühlen, Ärgernis gegeben und sich in offenbarem Widerspruch mit seinen Pflichten als Rabbiner und Seelsorger gesetzt hat,   dass der Rabbiner Stern hier wegen auf die Dauer von 3 Monaten vom Tage der Eröffnung gegenwärtiger Verfügung an vom Amte zu suspendieren, auch zur Tragung der Kosten einer etwaigen Amtsverweserei zu verpflichten sei,    mit dem Anfügen, dass künftige, wiederholte Verfehlungen dieser Art von seiner Seite die Oberkirchenbehörde zu nachdrücklicheren Maßnahmen veranlassen würde.  (Zu welchen nachdrücklicheren? Zu 6 oder 9 Monaten Suspensation?)   Das Oberamt erhält den Auftrag gegenwärtigen Erlass zur Kenntnis des Stern und des israelitischen Kirchenvorsteheramts Buttenhausen zu bringen, hierbei ist dem letzteren zu bemerken, dass die Oberkirchenbehörde dem Antrage auf Entfernung des Rabbiners Stern vom Amte keine Folge zu geben gewusst habe, da nicht als erwiesen angenommen werden konnte, dass derselbe der wirkliche Verfasser der Broschüre ‚Der alte und neue Glaube’ sei und auf die sonstigen Verfehlungen dieses Rabbiners, soweit sie erwiesen, nicht sofort das äußerste Maß disziplinärer Strafe angewendet werden dürfte. Wegen etwaiger Stellvertretung für den Rabbiner, in welcher Beziehung dem Kirchenvorsteheramte Antrag zu stellen unbenommen sei, bleibe Verfügung vorbehalten. Eröffnungsbeurkundungen des Rabbiners Stern, sowie des Kirchenvorsteheramts Buttenhausen sind hierher vorzulegen.     Stuttgart, den 22./25. September 1879. Schmidt.’  Gegen diese Entscheidung soll das israelitische Kirchenvorsteheramt Buttenhausen, wie wir hören, rekurrierend sich an das Kultusministerium gewendet haben. Wir wünschen besten Erfolg." 

  
Konflikt zwischen der Gemeinde und Rabbiner Stern (1880)  

Buttenhausen AZJ 22061880.jpg (106716 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. Juni 1880: "Stuttgart, 11. Juni (1880). Vom Königlichen Ministerium der Justiz wurden in den letzten Monaten vier Referendare jüdischen Glaubens angestellt, nämlich die Herren Rosengart und Maier in Ulm, Hirsch in Tübingen und Kallmann in Heilbronn sodass in Württemberg mit dem schon länger angestellten Amtsrichter Dr. Löwenstein in Weinsberg nun fünf Richter jüdischen Glaubens richterliche Ämter bekleiden.     
Die ‚Württembergische Landeszeitung’ veröffentlichte vor einigen Wochen einen größeren Artikel über den Konflikt zwischen der israelitischen Gemeinde Buttenhausen und dem dortigen Rabbiner Stern, dass dort seit dem Monat Januar kein Gottesdienst mehr stattgefunden habe und die Gemeinde alle Mittel anwende, um ihres Seelsorgers los zu werden. Dieser bedauernswerte Konflikt dauert schon ca. 1 ½ Jahre und hat schon verschiedene, die jüdische Gemeinde Buttenhausen und die württembergischen Israeliten überhaupt in ihrem Ansehen bei den Bekennern anderer Konfessionen schädigende Zeitungsartikel veranlasst, was in unserer Zeit, in den von unseren zahlreichen Gegnern jede Schattenseite des jüdischen Lebens mit Eifer aufgesucht wird, doppelt zu bedauern ist. Eine baldige Lösung des Konflikts wäre deshalb sehr zu wünschen und ein Glück für alle württembergischen Israeliten."

 
Rabbiner Stern bietet seine Publikationen an (1880) 

Buttenhausen AZJ 17081880.jpg (33423 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. August 1880: "Zu beziehen vom Verfasser, Rabbiner Stern in Buttenhausen (Württemberg): Festpredigten (21 Predigten) Preis 1 Mark. Gottesflamme II (21 Reden) Preis Mark 1.50. Beide zusammen 2 Mark."   

  
Zum Tod des früheren Rabbiners Jakob Stern (1911)  

Buttenhausen FrfIsrFambl 12041911.jpg (55584 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 12. April 1911: "Stuttgart. Hier verschied im Alter von 67 Jahren einer der Führer der Sozialdemokratie in Württemberg, der Schriftsteller Jakob Stern. Er war seit Jahren leidend. Jakob Stern war früher Rabbiner in Buttenhausen und hat auch verschiedene jüdische Werke herausgegeben, besonders Predigten. Zuletzt wirkte er als Prediger des Freidenkervereins und war Verfasser von Flugschriften im Marx’schen Sinne."

   
Abschied von Rabbiner Dr. Jonas Laupheimer (1887)  

Buttenhausen AZJ 12051887.jpg (80931 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. Mai 1887: "Man schreibt uns aus Buttenhausen (Württemberg): Samstag, den 23. April, fand in der Synagoge eine Abschiedsfeier für den zum Stadtrabbiner nach Buchau beförderten Rabbiner Laupheimer statt. Derselbe hinterlässt durch sein eifriges Bestehen in Gottesdienst und Religionsunterricht ein dankbares Angedenken. An der Feier nahmen der Oberamtmann Fischer, der Kameralverwalter Maier, der Pfarrer und Ortsschulinspektor Sauter und andere Honoratioren teil. Die Gemeinde ließ durch ihren Vorsteher einen silbernen Pokal und eine künstlerisch ausgestattete Adresse überreichen."    

  
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1871 / 1874   

Buttenhausen AZJ 11041871.jpg (47281 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. April 1871: "Die israelitische Gemeinde Buttenhausen (Württemberg) beabsichtigt für die untere Klasse ihrer Schule noch einen Lehrer anzustellen, der zugleich das Vorbeteramt zu übernehmen hat. Fixes Gehalt bei freier Wohnung bis 500 Gulden nebst Aussicht auf Nebeneinkünfte. Meldungen unter Beifügung von Zeugnissen nimmt entgegen Das israelitische Vorsteheramt: Rabbiner Dr. Silberstein, Vorsitz."  
   
Buttenhausen Israelit 19041871.jpg (52798 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. April 1871: "Die israelitische Gemeinde Buttenhausen (Württemberg) beabsichtigt für die untere Klasse ihrer Schule noch einen Lehrer anzustellen, der zugleich das Vorbeteramt zu übernehmen hat. Fixes Gehalt bei freier Wohnung bis 500 Gulden nebst Aussicht auf Nebeneinkünfte. Meldungen unter Beifügung von Zeugnissen nimmt entgegen Das israelitische Vorsteheramt: Rabbiner Dr. Silberstein, Vorsitz."   
 
Buttenhausen AZJ 23061874.jpg (88660 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. Juni 1874: "Wir beabsichtigen unsere in Erledigung kommende Vorbeter- und zweite Lehrerstelle bald, spätestens bis zum November diesen Jahres zu besetzen und wollen seminaristisch gebildete Lehrer ihre Meldungen, von Zeugnissen begleitet, der unterzeichnenden Stelle einsenden. Die Stelle trägt neben freier Wohnung ein Fixum von mindestens 500 Gulden; Nebeneinkünste durch Privatunterricht etc. mindestens 200 Gulden. Die Befähigung zur Leitung eines Chors ist erforderlich; die Kenntnis der Schechita, durch deren Ausübung das Einkommen sich um ein Beträchtliches erhöhen würde, wäre erwünscht. Buttenhausen (Württemberg), den 15. Juni 1874. Israelitisches Vorsteheramt. Rabbiner Dr. Silberstein, Vorsitz."

   
Lehrer Neckarsulmer bietet seine Dienste an (1887)   

Buttenhausen Israelit 27061887.jpg (35468 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Juni 1887: "Zum Zeichnen und Malen von Wimpeln und zum Anfertigen von hebräischen Grabinschriften in schöner Ausführung empfiehlt sich 
Lehrer Neckarsulmer, Buttenhausen (Württemberg)."

  
"Missliche Zustände" in der Gemeinde durch die Krankheit von Lehrer Forchheimer (1899) 

Buttenhausen Israelit 16031899.JPG (202388 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. März 1899: "Buttenhausen, im März (1899). Missliche Zustände, die hier in der israelitischen Gemeinde herrschen, veranlassen den Artikelschreiber zu folgenden Auslässen: 
Anfangs Januar dieses Jahres wurde Herr Lehrer Forchheimer von einem heimtückischen Augenübel befallen, was denselben nötigte, seinen dienstlichen Beruf als Lehrer auf ein viertel Jahr aufzugeben. 
Die Besetzung der Stelle durch einen israelitischen Hilfslehrer erfolgte nicht; vielmehr versah seither ein protestantischer Lehrer mit Zufriedenheit den elementaren unterricht. Aber wie steht es mit dem religiösen Unterricht? Von demselben war bisher keine Rede, und kann man sich daher einen Begriff machen, wie unsere Jugend aufwächst. In hiesiger Gemeinde ist man allgemein der berechtigten Ansicht, dass es am Platz gewesen wäre, wenn Herr Rabbiner Laupheimer aus Buchau, dem Buttenhausen zugeteilt ist, seiner Erstling- und Lieblingsgemeinde in dieser langen zeit beigesprungen wäre. Man war daher freudig berührt, als es hieß, dass die Stelle mit einem israelitischen Lehrer besetzt wird. Der Tag der Indienststellung kam, aber nicht der verheißene Lehrer. Was den Herrn veranlasste, die Gemeinde weiter im Stiche zu lassen, suchen wir in dem Grund, dass die religiösen Eigenschaften des Herrn Lehrer mit denen der hiesigen Gemeinde nicht im Einklange stehen dürften. Das hätte nach Ansicht des Schreibers denselben nicht abhalten sollen, der Gemeinde aus ihrer Kalamität zu helfen. Der Herr Lehrer hätte doch mal hierher kommen und sich persönlich von den hiesigen Verhältnissen überzeugen dürfen. Buttenhausen ist nicht so schlimm, als sein Ruf, sonst wäre wohl die Besetzung der Stelle durch einen religiösen Herrn, durch Herrn Oberrabbiner Dr. Kroner aus Stuttgart, welcher vor noch nicht langer Zeit Buttenhausen dienstlich besuchte, nicht gutgeheißen worden. Es ist aber auch zu erwarten, dass die genannte Stelle diesen Überständen in Bälde abhilft; was von Anfang hätte geschehen können. In verschiedenen israelitischen Nachbargemeinden sind zwei jüdische Lehrer vorhanden, da wäre es angezeigt gewesen, wenn ein nichtisraelitischer Lehrer für einen solchen die Stelle begleitet hätte, und auf solche Weise wäre der hiesigen Gemeinde geholfen gewesen. Möge aber auch der Allgütige unserem Herrn Lehrer Forchheimer baldige Genesung senden, damit derselbe noch lange in der hiesigen Gemeinde zum Segen seinen Dienst ausüben kann."    

    
Einweihung der Bernheimer'schen Realschule (1904)   
Anmerkung: wieso die erste Mitteilung erschien, in der nur von Philanthrop Adolf Bernheimer in New York und nicht von Kommerzienrat Lehmann Bernheimer in München - dem eigentlichen Stifter des Gebäudes - die Rede ist, ist unklar. 

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. April 1904: "In Buttenhausen fand gestern die Einweihung der Bernheimer'schen Realschule statt. Der Philanthrop Adolf Bernheimer in New York stiftete seiner Heimatgemeinde testamentarisch die Mittel zur Errichtung des Gebäudes, wie auch zur Besoldung des Lehrers."    
   
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. April 1904: "München. Unser jüdischer Mitbürger Herr Lehmann Bernheimer hat in seiner Vaterstadt Buttenhausen (Württemberg) eine Realschule erbauen lassen und sie mit allen nötigen und modernen Einrichtungen versehen. Auch eine Lehrerwohnung ist in dem schönen Gebäude, welches als eine Zierde des Ortes betrachtet wird. Die Einweihung fand am 11. dieses Monats statt. Derselben wohnten unter anderem bei die Herren: Kommerzienrat L. Bernheimer mit seiner Familie, ferner Studienrat Dr. Greiff als Stellvertreter der Ministerialabteilung für höhere Schulen, Oberamtmann Binder, Professor Dr. Junker aus Ulm, als technischer Leiter und Gutsherr von Weidert. Herr K. Bernheimer übergab dem Magistrat 110.000 Mark zur Besoldung des Lehrers und zur Unterhaltung der Schule. Herr Bernheimer will nun auch in München eine jüdische Volksschule erbauen lassen und sein großes palastartiges Geschäfts- und Wohnhaus zu einem jüdischen Krankenhause hergeben. Herr Kommerzienrat und Hoflieferant Ballin (Möbelfabrikant), will die Einrichtungsstücke zu diesem großen, edlen Zwecke widmen. Herr Bankier und Kommerzienrat M. Kirchdörfer will die jetzige, weitläufige israelitischen Leichenhalle, welche nach Schließung des jetzigen israelitischen Friedhofes nicht mehr als solche benutzt wird, zu einem Asyl für jüdische Obdachlose einrichten lassen. Die vielen bedauernswerten Armen, besonders aus Russland und Polen, welche hierher kommen und oft von allen Geldmitteln so entblößt sind, dass sie sich kein Abendbrot kaufen können, werden es als unendlich große Wohltat empfinden, Nachtquartier, ein warmes Abendessen, ein Bad, frische Wäsche und wenn notwendig, bessere Kleidung zu erhalten. Frau Liebmann will die Betten, Herr Stoff die Wäsche, Herr Isidor Bech die Kleidung spenden."     

 
Zum Tod von Hanna Berlinger, Frau des Oberlehrers Berlinger (1934)  

Buttenhausen Israelit 24011935.jpg (99008 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Januar 1935: "Buttenhausen (Württemberg), 20. Januar. Ein Leben im Dienste Gottes, geadelt von vornehmer Gesinnung und ergreifender Bescheidenheit, durchglüht für Tora und Gottesfurcht, das nur eine Aufgabe kannte, ein durch und durch jüdisches Haus zu führen, das insbesondere in seinem Kaschrut (d.i. strenge Einhaltung der rituellen Vorschriften) gerade vorbildlich war und nur einen Wunsch, alle Kinder auf dem Weg der Tora zu wissen, ging zu Ende, als nach 33-jähriger Ehe Frau Hanna Berlinger – sie ruhe in Frieden – im Alter von 59 Jahren von ihrem Gatten und ihren 8 Kindern am Schabbat Chanukka (d.i. 8. Dezember 1934) abberufen wurde. Ergreifend gestaltete sich die Beisetzung, bei der Herr Oberlehrer Berlinger, der schwer geprüfte Gatte, wie auch der älteste Sohn, Herr Dr. Jacob Berlinger, Mainz waren. Letzterer bereitete der Mutter noch auf schwerem Krankenlager die Erfüllung ihres sehnlichsten Wunsches, als er von der Toralehranstalt Jeschiwa in Frankfurt für autorisiert für rabbinische Lehrentscheidungen erkannt wurde. Auch Herr Dr. Schlesinger, Buchau, überbrachte letzte Grüße. Möge diese seltene Frau für uns alle ein Fürsprecher sein. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."    

    
Theologischer Beitrag von Lehrer Berlinger (1935)
  

Buttenhausen Israelit 17041935.jpg (257058 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. April 1935: Zusammenhänge oder Mah nischtanoh heeij'loh!  
Der Artikel wird nicht ausgeschrieben, da es keine direkten Bezüge zur jüdischen Geschichte in Buttenhausen gibt; bei Interesse bitte anklicken. 

 
    
Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben  
Konfirmation und weitere Neuerungen im Gemeindeleben unter Rabbiner Dr. Silberstein (1869) 

Buttenhausen AZJ 29061869.jpg (186778 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29. Juni 1869. "Aus Württemberg, im Juni (1869). Es verdient sicherlich alle Anerkennung, wenn Gemeinden den erkünstelten Agitationen gegenüber, welche hier zu Lande neuerdings gegen die zweckmäßigsten Einrichtungen und Verbesserungen im Gottesdienste, namentlich gegen die Konfirmation, auftauchen, ihren gesunden Sinn nicht verlieren. Zu solchen Gemeinden gehört auch vornehmlich die ca. 75 Familien zählende in dem anmutigen Lautertale gelegene Gemeinde Buttenhausen. Am jüngst verwichenen Wochenfeste wurde von dem seit einem Jahre derselben als Geistlicher vorstehenden, von ihr hoch geshcätzten Rabbiner Dr. Silberstein die Konfirmation in der Synagoge in feierlicher Weise vollzogen. Sichtlich war die Gemeinde von dem Akte sehr erbaut, wozu insbesondere die einleitende Predigt des Herrn Dr. Silberstein, der durch seine sabbatlichen Vorträge erhebend auf seine Zuhörer wirkte, beitrug. Die ungeteilte Anerkennung, die dieser Akt in der dasigen Gemeinde gefunden, fand ihren sichtlichen Ausdruck in einem dem Rabbinen von den Konfirmanden überreichten passenden Geschenke, sowie in einem Ständchen, das der hier bereits seit Jahren bestehende israelitische Gesangverein ihm am Abend brachte. – Als Zeichen des Vertrauens, das dem Herrn Dr. Silberstein von seinem Rabbinatsbezirke entgegen getragen wird, heben wir auch hervor, dass er von demselben einstimmig zum Delegierten für die vom Kultusministerium verordnete Kommission gewählt worden ist, der die Beratung eines neuen Verfassungsstatus für die israelitische Kirche (Synagoge) Württembergs obliegt. Wir sind zu der Hoffnung berechtigt, dass der Gewählte dem ihm entgegen getragenen Vertrauen im ganzen Umfange entsprechen wird. Wenn Sie, hoch geehrter Herr Redakteur, es wünschen, so bin ich mit Vergnügen bereit, Ihnen über die Beratung und Beschlussnahmen gedachter Kommission, die voraussichtlich noch im Laufe dieses Sommers von Seiten Seiner Exzellenz des Herrn Minister von Golther im Auftrage Seiner Majestät dem Könige berufen werden wird, regelmäßig Berichte einzusenden. *  
*) Wird uns sehr willkommen sein. Die Redaktion."     

   
Die Gemeinde erhält einen Staatsbeitrag für die Restauration der Synagoge (1874) 

Buttenhausen AZJ 03031874.JPG (155695 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. März 1874: "Aus Württemberg, im Februar. Gestatten Sie mir, Herr Redakteur, Ihnen aus unserem Lande, in dem die Angelegenheiten der israelitischen Religionsgenossenschaft sich seitens des Staates der gleichen Fürsorge, wie die der christlichen Kirchen erfreuen dürfen, einiges zu berichten. So hat der soeben vertagte Landtag sich auch mit unseren Angelegenheiten mehrfach zu beschäftigen Gelegenheit gehabt. Von der Aufhebung der Personalsteuer, einer Kultussteuer, die insbesondere ihres odiösen Ursprungs, wie ihres ungerechten Verteilungsmodus wegen unter den Israeliten des Landes sehr unbeliebt war, ist den Lesern Ihres Blattes schon in einem früheren Artikel Kunde gegeben worden. Ferner wurden bei Gelegenheit der Aufbesserung der Gehälter der Staats-, Kirchen- und Schuldiener um ein Sechstel auch die Gehälter der Rabbiner, Vorsänger und Konfessionsschullehrer um den gleichen Betrag mit Wirkung vom 1. Juli vorigen Jahres erhöhet und der israelitischen Zentralkirchenkasse zu diesem Zwecke außer dem bereits bewilligten Staatszuschuss eine Nachexigenz von 2.600 Gulden gewährt. Um den gleichen Betrag, wie die Gehälter, werden übrigens auch die Dienstalterszulagen der genannten beamten erhöhet. Unter den Gemeinden, die in diesem Jahre seitens der Staatsregierung Beiträge zu Kirchen- und Schulbaukosten empfingen, figuriert auch die israelitische Gemeinde Buttenhausen, die zu den Kosten der Restauration ihrer Synagoge einen Staatsbeitrag von etwa zehn Prozent des gesamten Kostenbetrags erhielt. Gegenwärtig liegt den Ständen auch ein Gesetzentwurf, durch den die Vorsänger und israelitischen Konfessionsschullehrer mit Pensionsrechten ausgestattet werden sollen, vor, der noch kurz vor der Vertagung vom Kultusministerium dem Hause mitgeteilt worden ist. Man zeige uns nun aber noch ein Land, insbesondere in Deutschland, in dem ähnliches geschieht. Wahrlich, wir dürfen uns dieser Gleichstellung von Herzen freuen und uns Glück wünschen, einem Lande, dem es mit der Gleichstellung des Judentums auch wirklich ernst ist, anzugehören. Hier ist man weit entfernt, wie anderwärts, das Judentum als ein Versuchsfeld anzusehen, auf dem man liberale Theorien zuerst zu Anwendung bringt, wenn sie  auch diesem am meisten Schaden bringen müssen."  

   
Bericht über das gottesdienstliche Leben unter Rabbiner Stern (1876)  

Buttenhausen AZJ 20061876.jpg (147953 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. Juni 1876: "Aus Württemberg, im Mai (1876). Nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875 zählt Württemberg 6.432 männliche und 6.449 weibliche, zusammen 12.881 Israeliten oder 0,68 % der Gesamtbevölkerung. Verglichen mit der Zählung von 1871 hat die evangelische Bevölkerung um 3,8, die katholische um 2,5, die der Israeliten um 5,2 % zugenommen. Die Zahl der Israeliten hat sich also in ziemlich stärkerem Verhältnisse als die der Gesamtbevölkerung vermehrt. Stuttgart zählt gegenwärtig 2318 Israeliten. Gegenüber den Öfteren Klage, dass selbst in den größten und prachtvollsten Synagogen und besseren jüdischen Gemeinden der Anstand und die Ruhe der Besucher der Gotteshäuser gar vieles zu wünschen übrig lasse, dass in denselben mehr Privatunterhaltung und Scherz als Andacht und Ehrfurcht herrsche, verdient die israelitische Gemeinde Buttenhausen wegen der ausgezeichneten Ordnung und Ruhe, die in ihrem geschmackvoll neu restaurierten Gotteshause herrscht, einer öffentlichen Anerkennung. Herr Rabbiner Stern, bekannt durch seine Predigten ‚die Gottesflamme’, hat es sich seit dem Beginn seiner Wirksamkeit dort zu besonderen Aufgabe gemacht, dem Gottesdienste durch energische Aufrechthaltung der äußeren Ordnung, durch Einführung des Geiger’schen Gebetbuches, durch Vorlesen der Haphtarot und Psalmen in deutscher Sprache, durch deutsche Gebete eine edle Gestaltung zu geben und Anstand und Würde in demselben zu erhalten. 
Die ‚Schächtangelegenheit’ wurde in letzter Zeit auch in Württemberg verhandelt. In politischen Blättern (Beobachter, Stuttgarter Tageblatt) erhoben sich verschiedene Stimmen pro und contra. Der Magistrat der Stadt Rottweil verbot mit Einführung der Schlachtmaske die jüdisch-rituelle Schlachtmethode. Dieses Verbot wurde aber von der Kreisregierung des Schwarzwaldkreises wieder aufgehoben."

    
Kritische Stimme zur Neuwahl des Gemeindevorstehers aus konservativ-orthodoxer Sicht (1885)

Buttenhausen Israelit 12021885.jpg (138701 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Februar 1885: "Buttenhausen, im Februar (1885). Unser Städtchen fängt an Großstadt zu werden: nicht dass es besonders an Ausdehnung und Einwohnerzahl mehr als sonst zunimmt: es ist die jüdische Gemeinde dahier, welche ich im Auge habe, bei der Erscheinungen wie bei vielen Großstädten zutage treten. Wir hatten vor Kurzem eine Vorstandswahl: anstatt dass die Gemeinde darauf bedacht war, einen Mann an ihre Spitze zu stellen, der durch ein religiöses Leben die Garantie bietet, dass ihm das Wohl der Gemeinde und ihrer religiösen Institutionen eine ernste Angelegenheit ist, hat sie einen Neologen erwählt, der öffentlich den Sabbat entweiht. Ob unser Herr Rabbiner unsere Gemeinde nach streng religiösem Sinne leitet, wie es seine Pflicht ist, darüber will ich mir kein maßgebendes Urteil erlauben: aber ein leiser Zweifel steigt in mir auf, wenn ich bedenke, dass er einem Manne die Autorisation zum Schächten gegeben, welcher keine Tefilin legt, einem Metzger das Schächten erlaubt, der selbst keinen koscheren Haushalt führt und am Sabbat Fleisch aushackt. Ich bezwecke mit diesem meinem Schreiben durchaus nicht, Streit und Zank in der Gemeinde zu erregen, sondern zu bewirken, dass solche Geschehnisse, wie oben geschildert, nicht wieder vorkommen, respektive wieder nach Gesetz und Recht geändert werden."  
Nachtrag zu diesem Artikel: 
Buttenhausen Israelit 05031885.jpg (69209 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. März 1885: "Buttenhausen, 1. März (1885). Wenn Herr Rabbiner Laupheimer keine Autorisation zum Schächten erteilt hat, so ist es umso bedauerlicher, dass das Schächten ohne seine Autorisation gestattet ist. Das ist gewiss neu. Zu bedauern ist, wenn jüdische Metzger am Sabbat auf den Ortschaften mit Fleisch umherfahren, was auch stillschweigend mit angesehen wird. – Neu ist, dass Rauchen, Fahren und dergleichen am Sabbat keine Sabbatentweihung sei. Ist dies der Fall, so nehme ich das Wort ‚Neologe’ zurück."  

             
Antisemitische Hetzereien - auch gegen den früheren Rabbiner Stern (1889)  

Buttenhausen Israelit 21021889.jpg (236966 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Februar 1889: "Aus Württemberg, 11. Februar (1889). Während sich in den letzten Jahren unsere Tagesblätter – einige strengkirchliche wie ‚Reichspost’, u.a. ausgenommen – von allen antisemitischen Hetzereien ferngehalten haben, brachte in den letzten Tagen die ‚Württembergische Landeszeitung’ einige Mitteilungen, welche das jüdische Gefühl verletzen müssen. In einem Artikel ‚Ideal und Wirklichkeit im Sozialismus’ finden sie Juden als die wichtigsten Vertreter in der Geschichte des ‚Sozialismus’. Als Apostel par Excellenze werde von den Sozialdemokraten der Jude Karl Marx betrachtet, der den revolutionären Terrorismus predigte, und jetzt verkünde ein anderer Jude, J. Stern (früher Rabbiner in Buttenhausen) ganz andere sozialistische Dogmen. Wozu fügt das Blutt in solch auffallender Weise die Konfession sozialistischer Agitatoren bei, denen doch ganz gewiss ihr Glaube ganz gleichgültig ist? Gewiss bloß darum, um die Bekenner der jüdischen Religion als Anhänger der sozialistischen Partei zu verdächtigen. Mit gleicher judenfreundlichen Gesinnung bringt dieselbe eine Korrespondenz aus Brackenheim: ‚Wiederholt haben Israeliten hiesige Liegenschaften erworben und mit erheblichem Gewinn wieder an verschiedene Bürger veräußert. Diesem Zwischenhandel entgegenzutreten, hat sich eine große Anzahl von Einwohnern vereinigt, nichts mehr von Juden zu kaufen und in einem öffentlichen Aufruf zum Beitritt ad hoc einzuladen. – Es ist überhaupt bezeichnend für unsere gegenwärtigen Zustände, was man mit dem Begriffe ‚jüdisch’ identifiziert. So schreibt ein pädagogisches Organ in seinen Neujahrsbetrachtungen: ‚Man hört gegenwärtig von ‚jüdischem Geiste’ reden, der auch das deutsche Volk mehr und mehr durchfresse. Ob man recht hat, gerade diesem Namen dem damit gemeinten Geiste beizulegen, ob derselbe gerade seine Vertreter in den Semiten habe, und ob sein Ursprung gerade in der Naturanlage jenes Volkes sich finde, diese Frage berührt uns hier gar nicht. Es ist jedenfalls ein großes Unrecht, wenn man damit die Angehörigen eines Volkes kurzweg in einen Topf wirft. Wir führen diese weit verbreitete Benennung hier nur an, weil sie mit einem Worte jedem Leser den Geistescharakter nach einmal verbreitetem Wortgebrauche deutlich macht. Aber das, was man damit bezeichnen will – abgesehen von der antisemitischen Verhetzung – ist leider wahr. Der Geist des Materialismus in gänzlich idealloser Weise, dabei der Geist der Impietät, der Selbstsucht, der zerstörenden, tötenden, weil nur verneinenden Kritik, der Geist, der gar nichts schaffen und bauen will, als nur des Ichs irdische Bequemlichkeit und eitle Ehre, der Geist, der eben hauptsächlich Geld und wieder Geld sucht, dieser Geist hat weit um sich gegriffen.’ Das versteht also unsere Zeit unter ‚jüdischem Geiste’."   

  
Kritische Stimmen zur Durchführung einer jüdischen Hochzeit ohne religiöse Trauung (1893)  

Buttenhausen Israelit 12061893.jpg (115893 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Juni 1893: "Aus Württemberg. (Wegen Raummangel verspätet). Wir herrlich die Keime der württembergischen Reformen auf religiösem Gebiet hervorsprießen, zeigt nachstehender Akt, der einzig in den Annalen des Judentums zu finden sein dürfte und der zugleich die Gründer und Vertreter dieser Richtung um ein Beträchtliches ihres Einkommens schmälert – aber was man säet, muss man auch ernten. In dem bekannten Orte Buttenhausen wurde am Schabbat Erew Schawuot, als am 20. Mai, eine – jüdische Hochzeit gefeiert und zwar in einem jüdischen Gasthof ohne religiöse Trauung. Durch derartige Dinge wird das Ansehen des Judentums nur immer mehr geschmälert und die Zahl der Feinde desselben immer größer. Denn jeder denkende Andersgläubige muss sich die Frage aufwerfen: Was suspendiert denn diese Klasse von Leuten von den Geboten der Bibel, während andere mit einem wahren Eifer den geboten ihres Gottes Folge leisten? Es ist nur zu bedauern, dass wenn, wie dies in jüngster Zeit geschehen, die Antisemiten den Reformjuden auf den Leib rücken, der Schuldige mit dem Unschuldigen büßen muss und das echte und wahre Judentum auch darunter leidet."   

  
Feier zum 25-jährigen Bestehen des Militärvereins Buttenhausen-Hundersingen (1902)  

Buttenhausen Israelit 08091902.jpg (180498 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. September 1902: "Aus Württemberg, 4. September (1902). Begünstigt vom schönsten Wetter fand in Buttenhausen am Sonntag, den 3. August, die Feier des 25-jährigen Bestehens des großenteils aus jüdischen Mitgliedern bestehenden Militärvereins Buttenhausen-Hundersingen, verbunden mit der Enthüllung des Denkmals für den verstorbenen General der Infanterie von Haldenwang, statt. Nachdem schon am Samstagvormittag Festgottesdienst in der Synagoge stattgefunden hatte, bei dem Herr Rabbiner Laupheimer aus Buchau, der selbst im Jahre 1870/71 mit ausmarschiert war, in beredten Worten auf die Bedeutung des Tages hinwies und die großen Taten von damals in Erinnerung brachte, fand am Samstagabend – als dem Vorabend des Festes – im Saale des ‚Adler’ gesellige Unterhaltung mit Musikvorträgen statt, und die Vereinskameraden ließen es sich nicht nehmen, den projektierten Fackelzug durch den Ort, trotz des Regens, zur Ausführung zu bringen. Am Sonntag früh Tagwache und Böllersalven. Der Ort selbst war aufs herrlichste dekoriert und reich beflaggt und bot in seinem Festkleide einen prächtigen Anblick. Um 10 Uhr war Festgottesdienst, welcher durch das vom Gesangverein unter Leitung des Herrn Schullehrers Mack vorgetragene altniederländische Dankgebet: ‚Wir treten zum Beten’ eingeleitet wurde.    
Hierauf hielt Herr Pfarrverweser Schauffler die wohl durchdachte, treffliche Festpredigt. Im Anschluss an diesen Festgottesdienst fand im ‚Schweizerhof’ (jüdisches Hotel) ein Festessen mit 145 Gedecken statt, das Küche und Keller alle Ehre machte. Während des Essens hielt der Vereinsvorstand, Herr Schultheiß Schmidt, eine Ansprache, in der er des 25-jährigen Bestehens des Militärvereins gedachte, mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf Seine Majestät den König schließend. An Seine Majestät wurde sofort ein Huldigungstelegrammgesendet, das im Laufe des Nachmittags gnädigst beantwortet wurde. Herr Rittergutsbesitzer G. von Weidenbach toastete auf die Königin. Der Bezirksobmann des Württembergischen Kriegerbundes, Herr Graf W. von Normann-Ehrenfels, gedachte des Präsidiums des Württembergischen Kriegerbundes, später brachte derselbe noch ein Hoch auf die Festdamen aus, wofür Namens der Festdamen Frl. Jette Einstein dankte. Noch gedachte der Vizevorstand des Vereins, Herr Jakob Gräter, der Bemühungen des Vereinsvorstandes, Herrn Schultheiß Schmidt, denen in der  
Buttenhausen Israelit 08091902a.jpg (181741 Byte)Hauptsache ein schönes Gelingen des Festes zuzuschreiben sei.   
Nachmittags 2 Uhr versammelten sich inzwischen die eingetroffenen Vereine in der stattlichen Zahl von 32 mit entfalteten Fahnen und nahmen dann Aufstellung vor dem Denkmal. Herr Schultheiß Schmidt, Vorstand des Militär-Vereins Buttenhausen-Hundersingen, schilderte in markigen Zügen den Lebensgang des verewigten Generals und brachte dem größten Sohne Buttenhausens die Gefühle des Dankes zum Ausdruck. Nunmehr folgte die Weisung zum Fallen der Hülle. Nachdem dieselbe vollzogen war, nahm Herr Schultheiß Schmidt ‚das schöne Werk mit freudigem Stolze in Besitz und Obhut des Militärvereins und der Gemeinde.     
Hierauf wurde von Fräulein Klara Frank ein Gedicht vorgetragen. Am Denkmal, das einen imposanten Eindruck macht, wurden Kränze niedergelegt vom Bezirksobmann Herrn Graf von Normann-Ehrenfels namens des Präsidiums des Württembergischen Kriegerbundes, von Herrn Major Jitschin namens des Offizierskorps des Grenadier-Regiments Königin Olga, von Herrn Merz namens des Kriegervereins Stuttgart-Berg und von Herrn Ehrenvorstand Dreifuß namens des Militär-Vereins Buttenhausen-Hundersingen.   
Hierauf dankte namens der Familie Haldenwang der älteste Sohn des Generals, Herr Hauptmann Otto von Haldenwang im Infanterie-Regiment Kaiser Friedrich, König von Preußen (7.W.) Nr. 125 in Stuttgart. Sodann bewegte sich der Festzug zum Festplatz, wo nach einer Begrüßungsansprache des Herrn Schultheiß Schmidt Herr Pfarrverweser Schauffler die gediegene Festrede hielt. Nach Beendigung dieser Rede übergab Frl. Iddy von Weidenbach dem festgebenden Verein namens der Festdamen ein kunstvoll ausgeführtes prächtiges Fahnenband. Herr Schultheiß Schmidt dankte hierfür mit einem Hoch auf die Festdamen. Es folgten noch patriotische Ansprachen von Herrn Bezirksobmann Graf von Normann-Ehrenfels, sowie von den Vorständen des Kriegervereins Ennabeuren und des Militärvereins Apfelstetten.   
Nun entwickelte sich auf dem Festplatz alsbald ein lebhaftes, volksartiges Treiben. Abends wurde auf dem Festplatz ein wohl gelungenes Feuerwerk abgebrannt. Den Beschluss des ganzen Festes bildete je ein Bankett in den beiden Gasthöfen zum ‚Schweizerhof’ (jüdisches Hotel) und ‚Adler’. Alles in allem dürfen wir auf ein durchaus gelungenes, durch keinen Misston gestörtes Fest zurückblicken."   

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Zum Tod des Kaufmanns Hirsch Marx (1890)  

Buttenhausen Israelit 23061890.jpg (67187 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Juni 1890: "Buttenhausen, Juni 1890. Nach langem und schwerem Leiden verschied am 1. Juni dieses Jahres Hirsch Marx, Kaufmann, einer von den Wenigen hier, die dem unverfälschten Judentum treu geblieben. Nichts hielt ihn ab, seiner Religion treu zu bleiben. Auch war die Erziehung seiner Kinder, wozu ihm seine brave Gattin pflichtgetreu zur Seite stand, eine vorzügliche. Er war ein großer Wohltäter der Armen. In seiner ausgedehnten Kundschaft hörte man von Armen sagen, wäre Hirsch Marx nicht gewesen, hätten wir für unsere Kinder keine Kleider. Obwohl er oft im Voraus wusste, dass er für seine Ware nicht erhielt, gab er sie doch. Zum Leid für die Seinigen, sowie für die Armen wurde er uns entrissen. Ehre seinem Andenken."

 
Zum Tod von Gemeinderat Josef Tannhauser (1897) 

Buttenhausen Israelit 15041897.JPG (114093 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. April 1897: "Buttenhausen, 11. April (1897). Durch das Hinscheiden des Gemeinderats Josef Tannhauser wurde die hiesige Gemeinde in tiefste Trauer versetzt. Er war noch einer von den wenigen hier, die dem echten Judentum treu geblieben sind, was auch Herr Lehrer Forchheimer in seiner Leichenrede besonders hervorhob. Gottergebenheit, Frömmigkeit, Rechtlichkeitsgefühl, ein offenes Herz und eine offene Hand für jeden Bedürftigen, das waren die Leitfäden, die sich durch sein gutes Tun und Handeln in allen privaten und geschäftlichen Angelegenheiten zogen. Der Verblichene wurde sowohl von der christlichen, als auch von der jüdischen Gemeinde zu den höchsten Ehrenämtern ernannt und vertrat er dieselben auf das Gewissenhafteste. Es war daher auch nicht zu bewundern, wenn die aus diesen Eigenschaften hervorgehenden Konsequenzen allgemeinste Beliebtheit, Wertschätzung und Hochachtung bei dem am letzten Freitag stattgehabten Leichenbegängnis in einer geradezu erhebenden Anteilnahme zum Ausdruck kam. Möge Gott seine Gattin und seine Kinder trösten, sein edles Beispiel ihnen und allen, die ihn kannten, vorbildlich werden lassen. R." 

  
Testamentarisch verfügte Spenden des in New York verstorbenen Adolf Bernheim zur Begründung einer Realschule (1902)  

Buttenhausen Israelit 08091902b.jpg (62028 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. September 1902: "Münsingen, 3. September (1902) (Testament). Der vor einigen Jahren in New York verstorbene Adolf Bernheim widmete testamentarisch seiner Heimatgemeinde Buttenhausen ein Kapital zur Gründung und Erhaltung einer Realschule. Nachdem die Verhandlungen darüber mit den staatlichen Behörden lange nicht zum Ziele führten, scheinen die Hindernisse nun gehoben zu sein. In letzter Woche war ein Bruder des Verstorbenen dort und erwarb zu diesem Zwecke ein Gebäude, sodass man bald auf Eröffnung der Anstalt rechnet."  


Auszeichnung für den aus Buttenhausen stammenden Lehmann Bernheimer (1905)  

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 19. Mai 1905: "München. Ordensverleihungen. Kommerzienrat Lehmann Bernheimer - München hat den württembergischen Friedrichs-Orden, der Fabrikant Wilhelm Bender - Frankenthal, der serbische Konsul Julius Goldschmitt - Ludwigshafen das Ritterkreuz des Ordens der Krone von Italien,  der schwedische und norwegische Konsul und dänische Vizekonsul Bernhard Land - Nürnberg das Ritterkreuz des Danebrogordens erhalten."  

   
80. Geburtstag von Moses Levi (1913)
  

Buttenhausen AZJ 07111913.jpg (24356 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. November 1913: "Herr Moses Levi, der älteste Bürger Buttenhausens, hat dieser Tag, körperlich und geistig frisch, seinen 80. Geburtstag gefeiert. Die ganze Gemeinde nahm an diesem Feste Anteil.". 

  
Über die bei einem Eisenbahnunglück umgekommene Irmgard Marx (1928)  

Buttenhausen CV-Ztg 10081928.jpg (29049 Byte)Artikel in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des Central-Vereins) vom 10. August 1928: "Bei dem schweren Eisenbahnunglück in Dunkelscherben verlor im Landshuter Krankenhaus Fräulein Irmgard Marx im Alter von 26 Jahren das Leben. Sie hatte von Buttenhausen (Württemberg) den Unglückszug benutzt, um ihre in Landshut lebende Mutter zu besuchen".  

    
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Anzeigen des Feinbäckers W. Feldmann (1884/1894)  

Buttenhausen Israelit 17011884.jpg (30556 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Januar 1884: "Ein braver Junge, der Lust hast, die Brot- und Feinbäckerei zu erlernen, kann sogleich eintreten bei 
W. Feldmann
, Brot- und Feinbäckerei, Buttenhausen, Württemberg."
 
Buttenhausen Israelit 07061894.jpg (42594 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juni 1894: "Unentgeltlich 
kann ein ordentlicher junger Mensch, der die Brot- und Feinbäckerei erlernen will, sogleich eintreten. Kost und Logis im Hause. Samstags und Feiertage geschlossen. 
W. Feldmann, Feinbäcker, Buttenhausen (Württemberg)."   

 
Anzeige von Wolf Feldmann (1903) 

Buttenhausen Israelit 15011903.jpg (50100 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Januar 1903: "Suche für meinen Sohn, tüchtiger Rechner und gewandter Schreiber, der Ostern aus der Schule kommt, eine gute Lehrlingsstelle in einem Samstag und Feiertage streng geschlossenen Geschäft. 
Wolf Feldmann, Buttenhausen, Württemberg."

   
Mädchen aus der Familie Feldmann sucht Stellung in einer Familie
(1903)       

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Juni 1903: "Ein hübsches Mädchen, 17 Jahre alt, die im Schreiben, Rechnen und in der Haushaltung sehr bewandert ist, sucht sofort Stellung in einer besseren Familie oder in einem Geschäft. Offerten sind zu richten an Feldmann, Buttenhausen, Württemberg."         

 
Verlobungsanzeige von Sara Berlinger und Menko Berlinger (1933)
     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Oktober 1933: 
"Sara Berlinger - Menko Berlinger grüßen als Verlobte. 
Buttenhausen Württemberg - Breslau 13  Gabitzstr. 68. 
Sukkot 5694
(5./6. Oktober 1933) 

    
Anzeige des Innenausstattungs- und Antiquitätengeschäftes L. Bernheimer (München, 1935) 

Buttenhausen BayrGZ 15091935.jpg (35111 Byte)Anzeige in der "Bayrischen israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. September 1925: "L. Bernheimer – München, Lenbachplatz 3. Innenausstattung / Antiquitäten. Stoffe – Deutsche Teppiche – Orientalische Teppiche – Einzelmöbel – Kunstgewerbe."   

 

 

 

 

 

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Stand: 21. Juli 2011