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in Buttenhausen
Buttenhausen (Stadt Münsingen, Landkreis
Reutlingen)
Texte/Berichte zur jüdischen Geschichte des Ortes
Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit
Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Buttenhausen wurden in jüdischen Periodika
gefunden.
Bei Gelegenheit werden weitere Texte eingestellt. Letzte Ergänzung am 21.7.2011.
Übersicht:
Aus der Geschichte des Rabbinates
Zum Tod von Rabbiner
Max (Marx) Bär Kallmann (1865, Rabbiner in Buttenhausen von 1834 bis 1858)
Anmerkung: Rabbiner Max Bär Kallmann ist am 26. März 1795 als Sohn des
Kochendorfer Rabbiners Löw Kallmann (gest. 1825) und der Edel Joseph in Kochendorf
geboren. Er studierte u.a. bei Seckel Wormser in Michelstadt
und 5 1/2 Jahre bei Joseph Maier Schnaittach in Freudental.
1830 bis 1833 Studium an der Universität in Heidelberg; bestand 1834 die Erste
württembergische Staatsprüfung; Juni 1834 Rabbinatsverweser in Buttenhausen,
seit 1841 Bezirksrabbiner in Buttenhausen; seit Dezember 1842 verheiratet mit
Jette geb. Hechinger aus Bayreuth; 1858 wurde er zum Bezirksrabbiner in Lehrensteinsfeld
ernannt. 1861 wurde ihm von der Oberkirchenbehörde nahegelegt, in den Ruhestand
zu treten. Nach seinem Tod 1865 wurde er auf dem jüdischen
Friedhof in Neckarsulm beigesetzt.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. November 1866: "Neckarsulm.
Am 6. Tage der Selichot-Tage, dem 24. Elul war es ein Jahr, dass
der selige, fromme Rabbiner Kallmann aus Kochendorf in die ewige
Ruhe eingegangen ist. Auf Anordnung seiner Witwe wurde am
Jahrgedächtnistage beim Setzen der sehr schönen Mazebah (Grabstein)
Minjan (gottesdienstliche Versammlung) auf seinem Grabe
gemacht und vom Rabbiner Dr. Engelbert ein deutsches und ein hebräisches
Gebet verrichtet, und dann Kaddisch gesagt. Es fanden sie viele auf dem
Friedhofe ein, um dem würdigen Seelensorger die letzte Ehre zu erweisen.
In der Synagoge zu Kochendorf wurde am darauf folgenden Sonntag ein
Hesped (Trauerrede) für den selig Verblichenen gleichfalls von
Rabbiner Engelbert abgehalten; den Anfang, sowie den Schluss des
Trauervortrags, in welchem er die vielen guten Eigenschaften des
Dahingeschiedenen hervorhob, bildeten die schönen Worte, (hebräisch und
deutsch:) das Andenken des wahrhaft Frommen gereicht zum Segen." |
Über
eine Publikation von Rabbiner Samson Gunzenhauser (1863)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. August 1863:
"Betrachtungen über die Bibel und unserer Weisen Aussprüche in
Predigten von Samson Gunzenhauser, Rabbiner in Buttenhausen
(Württemberg). Erste Lieferung. Stuttgart 1863. Der Verfasser ist mit Fug
und Recht ein Gegner langer Predigten, und wollte daher in einer Sammlung
kurzer Predigten, die meist nur gedrängte Betrachtungen über einen
religiösen Gegenstand sind, jüngeren Amtsgenossen Beispiel und Stoff
darbieten. Wie der etwas sonderbar geformte Titel ('und unserer Weisen Aussprüche')
andeutet, legt der Verfasser wiederum mit Fug und recht ein großes
Gewicht auf die Verwendung von Sprüchen aus Talmud und Midrasch für die
jüdische Homiletik. Dass nun der Verfasser von diesem Gesichtspunkt aus
manches Gute geliefert hat, erkennen wir gern an; trotzdem glauben wir
nicht, dass dieses Werk bedeutende Ansprüche machen kann. Wenn die
Länger der Predigt den Zuhörer ermüdet und oft die Gedankenarmut recht
fühlbar macht, so bleibt die allzu kurze Predigt ohne Eindruck und
schneidet die Befriedigung am besten Punkte ab. Auch begegnet es dem
Verfasser sehr häufig, dass er einer höchst kurzen Predigt eine sehr
lange Einleitung voranschickt, sodass die Vorhalle viel größer ist als
das daran gefügte Häuschen. Wenn in einer langen Predigt das Thema zu
sehr auseinander gefasert wird, so kann die kurze es nur knapp zuschneiden
und wird es oft ganz unerschöpft lassen. Wählt nun der Redner einen sehr
bedeutenden Gegenstand, so wird er völlig unbefriedigt lassen. Man lese
z.B. in dieser Sammlung die Rede über die Tradition, wo natürlich die
einfachsten Fragen, die an diesen Gegenstand gestellt werden können,
unerwähnt und unbeantwortet bleiben. Eigentümlichkeit der Anschauung,
neue Gedanken, zutreffende Behandlung haben wir in diesen Betrachtungen
nicht viel gefunden. - Auch die Benutzung von 'Aussprüchen unserer
Weisen' ist nichts anderes, als was jetzt jeder jüdische Prediger tut,
hie und da eine talmudische und midrachische Sentenz einflechten. Wir
haben dafür für diese Schrift nur die Empfehlung, dass sie auf die
Kürze der Predigten verweist, was wir jedoch dahin modifizieren müssen,
dass die Predigt ein knappes Maß einhalten müsse, um nicht in den
entgegengesetzten Fehler zu verfallen." |
Rabbiner Gunzenhauser publiziert seine Predigten
(1866)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. März 1866: "Von meinen unter
dem Titel Worte der Tora
erschienenen Predigten ist noch eine Anzahl vorrätig und können einzelne
Exemplare à 45 Kreuzer, größere Partien zu herabgesetztem preise,
sowohl durch R. Levi, Buchhändler in Stuttgart, als auch von mir direkt
bezogen werden.
Rabbiner Gunzenhauser in Buttenhausen, Württemberg." |
Rabbiner Gunzenhauser verlässt Buttenhausen
(1867)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Oktober 1867: "In Buttenhausen
auf der württembergischen Alb war bisher Herr Gunzenhauser, ein geborener
Bayer, Ortsrabbiner gewesen. Vermöge Verfügung des Königlichen
Ministeriums des Kirchen- und Schulwesens vom 12. September dieses Jahres
ist diesem auch in der hebräischen Literatur schon bekannt gewordenen
Geistlichen das erledigte Bezirksrabbinat Mergentheim übertragen worden.
Dem Manne ist dieses Avancement zu gönnen. Er kommt aus einer rauen
Gegend in das schöne Taubertal, in eine sehr wohlhabende Gemeinde und in
einen Bezirk, dessen Gemeinden der orthodoxen Richtung angehören. Die
Gemeinde Buttenhausen aber wird diese Vakatur benutzen, um bei dem
Ministerium die Aufhebung des kostspieligen Ortsrabbinats und die
Einverleibung in den benachbarten Sprengel zu erwirken, dagegen jedoch
ihre Schulstelle mit dem Vorsängeramte, das der Ortsrabbiner zu bekleiden
hatte, vereinigen, um dem betreffenden Lehrer ein anständiges Auskommen
bieten zu können. Dann wird es auch gelingen, eine tüchtige Kraft zu
gewinnen." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. November 1867: "Buttenhausen (Württemberg),
24. Oktober. Diese Woche verließ uns unser Rabbiner Gunzenhauser, um
seine Stelle in Mergentheim anzutreten. Die Liebe und Anhänglichkeit der
Gemeinde, die sich derselbe während seiner achtzehnjährigen Wirksamkeit
hier erwarb, zeigte sich bei seinem Scheiden. Alles bedauerte den Verlust
des Mannes wegen seiner Wissenschaft und seiner trefflichen Eigenschaften.
Nachdem er letzten Samstag eine ergreifende Abschiedsrede gehalten,
versammelten sich ihm zu Ehren abends die Gemeindeglieder und nach
mehreren Toasten überreichte ihm das Kirchenvorsteheramt als Andenken
einen prachtvollen silbernen Pokal. Möge er in seiner neuen Wirksamkeit
die Anhänglichkeit finden, die ihm hier geworden und bleiben wird. K." |
Zur Ausschreibung des Rabbinates Buttenhausen
(1867)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. November 1867: "Die Bewerber um
das Rabbinat Buttenhausen, im Oberamtsbezirk Münsingen, womit neben
freier Wohnung und außer den Stolgebühren und Emolumenten ein aus den
Zentralkirchenkasse zu beziehender Fixgehalt von 650 Gulden verbunden ist,
werden unter dem Bemerken, dass gesetzlich dem Rabbinen auch die Vorsängerfunktionen
obliegen, dass jedoch unter Unständen eine Stellvertretung im Vorbeten
auf Kosten des Rabbinen zugelassen wird, aufgefordert, unter Angabe ihrer
persönlichen und Familienverhältnisse, sowie ihrer Bildungslaufbahn,
binnen 4 Wochen bei der Königlichen Israelitischen Oberkirchenbehörde
sich zu melden, obgleich das Ortsrabbinat füglich mit Buchau, Laupheim
oder Jebenhausen hätte verbunden werden können und letzte Stellen wohl
einer Gehaltsaufbesserung bedürftig wären." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Ben Chananja" vom 1. Dezember 1867: "Das Rabbinat
Buttenhausen ist mit 650 Gulden jährlichem Gehalte ausgeschrieben, dabei
hat der Rabbiner noch den Vorbeterdienst zu versehen. Mit einem so
niedrigen Gehalte wird sich wahrscheinlich kein Bewerber um diese Stelle
finden. Das Geeignetste wäre, Buttenhausen einem andern Rabbinatsbezirk
zuzuteilen, die Gemeinde wünscht dieses selbst." |
Dr.
Michael Silberstein wird Rabbiner in Buttenhausen
(1868)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Mai 1868: "Buttenhausen (württembergisches
Oberamt Münsingen). Das hiesige Ortsrabbinat, mit welchem die Funktionen
des Vorsängers verbunden sind, ist dem Rabbiner Dr. Silberstein, einem
geborenen Kurhessen, der bisher in Lyk, in Ostpreußen, angestellt war,
vom königlichen Ministerium des Kirchen- und Schulwesens am 4. April
dieses Jahres definitiv übertragen worden, da kein Inländer um die
erledigte Stelle sich gemeldet hat."
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Publikation
von Rabbiner Dr. Michael Silberstein (1870)
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Juli 1870:
"Verlag der Schletter'schen Buchhandlung (H. Skutsch)
in Breslau. Gelegenheits-Predigten jüdischer Kanzelredner. 4
Bände von 11 bis 13 Bogen in Gr.-Oktoav. Breslau 1870. Preis jedes Bandes
22 1/2 Sgr.
...
Vierter Band: Predigten bei besonderen, die Gemeinde berührenden
Veranlassungen (als Gast- [Probe-]Antritts- und Abschieds-Predigten, Reden
bei Einweihungen, Konfirmationen, Stiftungsfesten usw.) von Dr. M.
Silberstein (Rabbiner in Buttenhausen)." |
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. April 1873:
"Münsingen, 7. März (1873). (Aus einem Württembergischen
Blatte). Letzten Montag hielt Dr. Silberstein, Rabbiner von Buttenhausen,
hier einen Vortrag über die soziale Frage und die mosaische Gesetzgebung.
Dr. Silberstein erwies sich wiederholt als äußerst glänzender Redner.
Ausgehend von einer allgemeinen Darstellung der sozialen Frage in der
Gegenwart und Vergangenheit, gelangte der Redner zu dem Resultate, dass
Ein Land (Palästina) ausgenommen, alle Völker an der sozialen Frage
krankten, und trotz vielfacher Versuche zu ihrer Lösung zum großen Teil
an ihr zu Grunde gingen. Redner suchte den Nachweis zu liefern, dass alle
jene Keime des Verderbens, die den Untergang der antiken Welt
herbeiführten, von dem palästinensischen Gemeinwesen möglichst fern
gehalten wurden. Die Sklaverei wurde dort möglichst gemildert, ja bei dem
inländischen Knechte - eine Bezeichnung für den Begriff des Sklaven
kennt die Sprache nicht einmal - auf ein bloßes Dienstverhältnis auf
Zeit eingeschränkt. An die Stelle der Verachtung, der die erwerbende
Tätigkeit in den klassischen Staaten anheimfiel, trat in Palästina die
Hochschätzung. Mahnungen zum Fleiße, und Warnungen vor dem Müßiggange,
kehren unzählige Male in den fundamentalen Geboten, wie in der
Volksliteratur wieder. Ebenso galt Freiheit der Arbeit; aber auch das
dritte Grundübel, an dem die antiken Staaten litten, und vor dem auch der
moderne Staat sich nicht zu schützen vermöchte, die allzu
ungleichmäßige Verteilung des Besitzes, wurde durch die agrarischen
Gesetze von dem palästinensischen Gemeinwesen fern gehalten. Alle
Einrichtungen zielten darauf ab, einen tüchtigen Mittelstand zu schaffen,
von dem das Glück der Gemeinwesen allein abhängt, und ein besitzloses
Proletariat, wie es uns in erschreckendster Gestalt, im Altertume, wie in modernen
Staaten, entgegentritt, von dem Lande fern zu halten. An Armut in Folge
unglücklicher Zufälle etc. fehlte es darum doch nicht im Lande; hier
aber trat die Armengesetzgebung helfend ein, die, vom Geiste der Milde und
des Wohlwollens getragen, sich wesentlich von anderen Gesetzgebungen
dieser Art unterscheidet. Schließlich berührte Redner noch die Lösung
der modernen sozialen Frage. Dem Vernehmen nach wird der Vortrag auf
vielseitigen Wunsch durch den Druck einem größeren Publikum zugänglich
gemacht." |
Rabbiner
Dr. Jakob Stern übernimmt eine unerlaubte Trauung
(1879)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. April 1879: "Laupheim. Vor
wenigen Monaten heiratete ein Herr B. von Gailingen eine kinderlose Witwe
von Crailsheim (Bezirksrabbiner Braunsbach), die die erforderliche
Chalizza sich zu verschaffen nicht für nötig erachtete. Daraufhin gab
sich weder der Rabbiner von Gailingen, Herr Dr. Löwenstein, noch der von
Braunsbach, Herr Berlinger, noch der hiesige, Herr Kahn, der auch
angegangen wurde, dazu her, den Akt der Trauung vorzunehmen. Anders Herr
Rabbiner Stern in Buttenhausen. Dieser ließ sich nicht lange bitten,
sondern war gleich bereit, diese antijüdische Ehe in aller Form rechtens
einzusegnen. Doch sonderbar! – Während Herr Stern einer unerlaubten
Trauung das Dasein gibt ist seine ihm angetraute Gemeinde Buttenhausen bemüht,
sich von ihm trennen zu lassen, ihm den Scheidebrief zu geben. Schon ist
es soweit gekommen, dass die Stern’schen Predigten vor leeren Bänken
gehalten werden müssen; schon haben die Buttenhauser (dem Rabbiner zur
Freude?) ihrem Lehrer, Herrn Straßburger, eine pracht- und wertvolle
goldene Uhr und Kette zum Geschenk gemacht und schon sind sie bei der Königlichen
israelitischen Oberkirchenbehörde klagend gegen ihn aufgetreten. Dieser
misslichen Stellung eine ein bisschen bessere Gestalt zu geben, trat der
Buttenhauser Reformator mit seinem ehemaligen Schüler, Herrn J.
Laupheimer, Rabbinatskandidat dahier, in Unterhandlung und wollte ihn als
Vikar bestellen. Doch dieser gab sich nicht dazu her, und so herrscht die
der Krieg mit Stern heute noch. Zum Schlusse möchten wir wünschen, dass
die Gemeinde Buttenhausen aus dem Kampfe gegen den Mann, der mit
nihilistischem Mordstahl das orthodoxe Judentum niederzudolchen
beabsichtigt, als ruhmgekrönte Siegerin hervorgehen möge."
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Zuspitzung des Konfliktes um Rabbiner J. Stern
(1879)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Oktober 1879: "Laupheim, 12.
Oktober (1879). Die Gemeinde Buttenhausen (Württemberg) hat seit ungefähr
einem Jahre ihren Rabbiner, Herrn J. Stern, faktisch außer Dienst
gesetzt; er durfte nimmermehr vorbeten, nimmermehr predigten, und wollte
er dennoch wagen es zu tun, so verließ Alles, wie auf ein Kommando, den
Gottesdienst. Zudem strengt sie bei der königlichen israelitischen
Oberkirchenbehörde eine Klage gegen ihn an auf dessen Enthebung vom Amte
und zwar: 1)
aus dem Grunde, weil er von aller Welt als der Verfasser jener berüchtigten
Broschüre ‚Der alte und neue Glaube im Judentum’, herausgegeben unter
dem fingierten Namen Dr. William Rubens, worin jüdisches Leben, jüdische
Sitten und Gebräuche verhöhnt, verspottet und im Kote herumgezogen,
gehalten wird, wenn er gleich nur zugibt, nach einer Seite hin ein
bisschen hierbei tätig gewesen zu sein und
2) weil er sich erlaubte in christlichen Gasthäusern
ungeniert, sogar vor und mit Juden, unkoschere Speisen, unrein, zu essen.
Auf diese Beschwerde hin und nach angestellter Untersuchung des
Sachverhalts hat die israelitische Oberkirchenbehörde in einem hohen
Erlass vom 22./25. September dieses Jahres den aufgeklärten Herrn
Rabbiner Stern auf die Dauer von 3 Monaten seines Amtes entsetzt. Wir
geben nachfolgend den Wortlauf des interessanten Schriftstückes und
bemerken bloß, dass wir die Strafe im Vergleiche zur Schwere des
Vergehens für allzu gering erachten. Der Hohe Erlass lautet: Königliche
israelitische Oberkirchenbehörde an das Königliche Oberamt Münsingen.
‚In der Beschwerdesache des israelitischen Kirchenvorsteheramts
in Buttenhausen gegen den Rabbiner Stern von da wegen mehrfacher
Verletzung seiner Amtspflichten verfügt die israelitische Oberkirchenbehörde
in Anwendung des § 18, Ziff. 2 der Königlichen Verordnung vom 27.
Oktober 1831 in Erwägung: 1) dass als erwiesen anzunehmen ist, es habe
sich der Rabbiner Stern in zum mindesten fahrlässiger Weise an der
Abfassung der Broschüre ‚Der alte und neue Glaube im Judentum’ von
Dr. William Rubens, welche durch vielfache Herabwürdigung kultureller
Einrichtungen gläubigen Israeliten |
zum
Ärgernis gereichen muss, insofern beteiligt, als er dem Verfasser dieses
Werkes, mit dem er zugestandener Maßen seit vielen Jahren persönlich
bekannt ist und mit dem er einen lebhaften brieflichen Verkehr unterhalten
hat beziehungsweise unterhält, mit dessen Geistesrichtung und Anschauung
in Betreff der in der Broschüre behandelten Gegenstände er also wohl
vertraut war, den Anhang zu demselben wie nicht minder verschiedene
Gedanken und Redewendungen zu dem Hauptteil der Broschüre geliefert hat
und sich dadurch für den Inhalt dieses Werkes in gewissem Grade
verantwortlich gemacht hat, in fernerer Erwähnung
2) dass durch unverdächtigen Zeugenbeweis und durch das eigene
Geständnis des Stern als festgestellt anzusehen ist, derselbe habe zu
wiederholten Malen seit seiner Anstellung als Rabbiner in Buttenhausen die
rituellen Speisegesetze verletzt, durch welches Verhalten er denjenigen
Gemeindegenossen, welche sich an diese Speisegesetze halten und sich hiezu
im Gewissen verpflichtet fühlen, Ärgernis gegeben und sich in offenbarem
Widerspruch mit seinen Pflichten als Rabbiner und Seelsorger gesetzt hat,
dass der Rabbiner Stern hier wegen auf die Dauer von 3 Monaten vom
Tage der Eröffnung gegenwärtiger Verfügung an vom Amte zu suspendieren,
auch zur Tragung der Kosten einer etwaigen Amtsverweserei zu verpflichten
sei, mit dem Anfügen,
dass künftige, wiederholte Verfehlungen dieser Art von seiner Seite die
Oberkirchenbehörde zu nachdrücklicheren Maßnahmen veranlassen würde.
(Zu welchen nachdrücklicheren? Zu 6 oder 9 Monaten Suspensation?)
Das Oberamt erhält den Auftrag gegenwärtigen Erlass zur Kenntnis
des Stern und des israelitischen Kirchenvorsteheramts Buttenhausen zu
bringen, hierbei ist dem letzteren zu bemerken, dass die Oberkirchenbehörde
dem Antrage auf Entfernung des Rabbiners Stern vom Amte keine Folge zu
geben gewusst habe, da nicht als erwiesen angenommen werden konnte, dass
derselbe der wirkliche Verfasser der Broschüre ‚Der alte und neue
Glaube’ sei und auf die sonstigen Verfehlungen dieses Rabbiners, soweit
sie erwiesen, nicht sofort das äußerste Maß disziplinärer Strafe
angewendet werden dürfte. Wegen etwaiger Stellvertretung für den
Rabbiner, in welcher Beziehung dem Kirchenvorsteheramte Antrag zu stellen
unbenommen sei, bleibe Verfügung vorbehalten. Eröffnungsbeurkundungen
des Rabbiners Stern, sowie des Kirchenvorsteheramts Buttenhausen sind
hierher vorzulegen.
Stuttgart, den 22./25. September 1879.
Schmidt.’ Gegen diese
Entscheidung soll das israelitische Kirchenvorsteheramt Buttenhausen, wie
wir hören, rekurrierend sich an das Kultusministerium gewendet haben. Wir
wünschen besten Erfolg." |
Konflikt zwischen der Gemeinde und Rabbiner Stern
(1880)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. Juni 1880: "Stuttgart,
11. Juni (1880). Vom Königlichen Ministerium der Justiz wurden in den
letzten Monaten vier Referendare jüdischen Glaubens angestellt, nämlich
die Herren Rosengart und Maier in Ulm, Hirsch in Tübingen und Kallmann in
Heilbronn sodass in Württemberg mit dem schon länger angestellten
Amtsrichter Dr. Löwenstein in Weinsberg nun fünf Richter jüdischen
Glaubens richterliche Ämter bekleiden.
Die ‚Württembergische Landeszeitung’ veröffentlichte
vor einigen Wochen einen größeren Artikel über den Konflikt zwischen
der israelitischen Gemeinde Buttenhausen und dem dortigen Rabbiner Stern,
dass dort seit dem Monat Januar kein Gottesdienst mehr stattgefunden habe
und die Gemeinde alle Mittel anwende, um ihres Seelsorgers los zu werden.
Dieser bedauernswerte Konflikt dauert schon ca. 1 ½ Jahre und hat schon
verschiedene, die jüdische Gemeinde Buttenhausen und die württembergischen
Israeliten überhaupt in ihrem Ansehen bei den Bekennern anderer
Konfessionen schädigende Zeitungsartikel veranlasst, was in unserer Zeit,
in den von unseren zahlreichen Gegnern jede Schattenseite des jüdischen
Lebens mit Eifer aufgesucht wird, doppelt zu bedauern ist. Eine baldige Lösung
des Konflikts wäre deshalb sehr zu wünschen und ein Glück für alle württembergischen
Israeliten." |
Rabbiner Stern bietet seine Publikationen an (1880)
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. August 1880: "Zu
beziehen vom Verfasser, Rabbiner Stern in Buttenhausen (Württemberg):
Festpredigten (21 Predigten) Preis 1 Mark. Gottesflamme II (21 Reden)
Preis Mark 1.50. Beide zusammen 2 Mark."
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Zum Tod des früheren Rabbiners Jakob Stern (1911)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 12. April 1911: "Stuttgart.
Hier verschied im Alter von 67 Jahren einer der Führer der
Sozialdemokratie in Württemberg, der Schriftsteller Jakob Stern. Er war
seit Jahren leidend. Jakob Stern war früher Rabbiner in Buttenhausen und
hat auch verschiedene jüdische Werke herausgegeben, besonders Predigten.
Zuletzt wirkte er als Prediger des Freidenkervereins und war Verfasser von
Flugschriften im Marx’schen Sinne." |
Abschied von Rabbiner
Dr. Jonas Laupheimer (1887)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. Mai 1887: "Man schreibt
uns aus Buttenhausen (Württemberg): Samstag, den 23. April, fand in der
Synagoge eine Abschiedsfeier für den zum Stadtrabbiner nach Buchau beförderten
Rabbiner Laupheimer statt. Derselbe hinterlässt durch sein eifriges
Bestehen in Gottesdienst und Religionsunterricht ein dankbares Angedenken.
An der Feier nahmen der Oberamtmann Fischer, der Kameralverwalter Maier,
der Pfarrer und Ortsschulinspektor Sauter und andere Honoratioren teil.
Die Gemeinde ließ durch ihren Vorsteher einen silbernen Pokal und eine künstlerisch
ausgestattete Adresse überreichen."
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Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1871 /
1874
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. April 1871: "Die
israelitische Gemeinde Buttenhausen (Württemberg) beabsichtigt für die
untere Klasse ihrer Schule noch einen Lehrer anzustellen, der zugleich das
Vorbeteramt zu übernehmen hat. Fixes Gehalt bei freier Wohnung bis 500
Gulden nebst Aussicht auf Nebeneinkünfte. Meldungen unter Beifügung von
Zeugnissen nimmt entgegen Das israelitische Vorsteheramt: Rabbiner Dr.
Silberstein, Vorsitz." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. April 1871: "Die israelitische
Gemeinde Buttenhausen (Württemberg) beabsichtigt für die untere Klasse
ihrer Schule noch einen Lehrer anzustellen, der zugleich das Vorbeteramt
zu übernehmen hat. Fixes Gehalt bei freier Wohnung bis 500 Gulden nebst
Aussicht auf Nebeneinkünfte. Meldungen unter Beifügung von Zeugnissen
nimmt entgegen Das israelitische Vorsteheramt: Rabbiner Dr. Silberstein,
Vorsitz." |
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Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. Juni 1874: "Wir
beabsichtigen unsere in Erledigung kommende Vorbeter- und zweite
Lehrerstelle bald, spätestens bis zum November diesen Jahres zu besetzen
und wollen seminaristisch gebildete Lehrer ihre Meldungen, von Zeugnissen
begleitet, der unterzeichnenden Stelle einsenden. Die Stelle trägt neben
freier Wohnung ein Fixum von mindestens 500 Gulden; Nebeneinkünste durch
Privatunterricht etc. mindestens 200 Gulden. Die Befähigung zur Leitung
eines Chors ist erforderlich; die Kenntnis der Schechita, durch deren Ausübung
das Einkommen sich um ein Beträchtliches erhöhen würde, wäre erwünscht.
Buttenhausen (Württemberg), den 15. Juni 1874. Israelitisches
Vorsteheramt. Rabbiner Dr. Silberstein, Vorsitz." |
Lehrer Neckarsulmer bietet seine Dienste an
(1887)
Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Juni 1887: "Zum Zeichnen und
Malen von Wimpeln und zum Anfertigen von hebräischen Grabinschriften in
schöner Ausführung empfiehlt sich
Lehrer Neckarsulmer, Buttenhausen (Württemberg)." |
"Missliche Zustände" in der Gemeinde durch
die Krankheit von Lehrer Forchheimer (1899)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. März 1899: "Buttenhausen,
im März (1899). Missliche Zustände, die hier in der israelitischen
Gemeinde herrschen, veranlassen den Artikelschreiber zu folgenden Auslässen:
Anfangs Januar dieses Jahres wurde Herr Lehrer Forchheimer von einem heimtückischen
Augenübel befallen, was denselben nötigte, seinen dienstlichen Beruf als
Lehrer auf ein viertel Jahr aufzugeben.
Die Besetzung der Stelle durch einen israelitischen Hilfslehrer erfolgte
nicht; vielmehr versah seither ein protestantischer Lehrer mit
Zufriedenheit den elementaren unterricht. Aber wie steht es mit dem religiösen
Unterricht? Von demselben war bisher keine Rede, und kann man sich daher
einen Begriff machen, wie unsere Jugend aufwächst. In hiesiger Gemeinde
ist man allgemein der berechtigten Ansicht, dass es am Platz gewesen wäre,
wenn Herr Rabbiner Laupheimer aus Buchau, dem Buttenhausen zugeteilt ist,
seiner Erstling- und Lieblingsgemeinde in dieser langen zeit beigesprungen
wäre. Man war daher freudig berührt, als es hieß, dass die Stelle mit
einem israelitischen Lehrer besetzt wird. Der Tag der Indienststellung
kam, aber nicht der verheißene Lehrer. Was den Herrn veranlasste, die
Gemeinde weiter im Stiche zu lassen, suchen wir in dem Grund, dass die
religiösen Eigenschaften des Herrn Lehrer mit denen der hiesigen Gemeinde
nicht im Einklange stehen dürften. Das hätte nach Ansicht des Schreibers
denselben nicht abhalten sollen, der Gemeinde aus ihrer Kalamität zu
helfen. Der Herr Lehrer hätte doch mal hierher kommen und sich persönlich
von den hiesigen Verhältnissen überzeugen dürfen. Buttenhausen ist
nicht so schlimm, als sein Ruf, sonst wäre wohl die Besetzung der Stelle
durch einen religiösen Herrn, durch Herrn Oberrabbiner Dr. Kroner aus
Stuttgart, welcher vor noch nicht langer Zeit Buttenhausen dienstlich
besuchte, nicht gutgeheißen worden. Es ist aber auch zu erwarten, dass
die genannte Stelle diesen Überständen in Bälde abhilft; was von Anfang
hätte geschehen können. In verschiedenen israelitischen Nachbargemeinden
sind zwei jüdische Lehrer vorhanden, da wäre es angezeigt gewesen, wenn
ein nichtisraelitischer Lehrer für einen solchen die Stelle begleitet hätte,
und auf solche Weise wäre der hiesigen Gemeinde geholfen gewesen. Möge
aber auch der Allgütige unserem Herrn Lehrer Forchheimer baldige Genesung
senden, damit derselbe noch lange in der hiesigen Gemeinde zum Segen
seinen Dienst ausüben kann." |
Einweihung
der Bernheimer'schen Realschule (1904)
Anmerkung: wieso die erste Mitteilung erschien, in der nur von Philanthrop Adolf
Bernheimer in New York und nicht von Kommerzienrat Lehmann Bernheimer in
München - dem eigentlichen Stifter des Gebäudes - die Rede ist, ist
unklar.
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
14. April 1904: "In Buttenhausen fand gestern die Einweihung der
Bernheimer'schen Realschule statt. Der Philanthrop Adolf Bernheimer in
New York stiftete seiner Heimatgemeinde testamentarisch die Mittel zur
Errichtung des Gebäudes, wie auch zur Besoldung des
Lehrers." |
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Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
28. April 1904: "München. Unser jüdischer Mitbürger Herr
Lehmann Bernheimer hat in seiner Vaterstadt Buttenhausen
(Württemberg) eine Realschule erbauen lassen und sie mit allen nötigen
und modernen Einrichtungen versehen. Auch eine Lehrerwohnung ist in dem
schönen Gebäude, welches als eine Zierde des Ortes betrachtet wird. Die
Einweihung fand am 11. dieses Monats statt. Derselben wohnten unter
anderem bei die Herren: Kommerzienrat L. Bernheimer mit seiner Familie,
ferner Studienrat Dr. Greiff als Stellvertreter der Ministerialabteilung
für höhere Schulen, Oberamtmann Binder, Professor Dr. Junker aus Ulm,
als technischer Leiter und Gutsherr von Weidert. Herr K. Bernheimer
übergab dem Magistrat 110.000 Mark zur Besoldung des Lehrers und zur
Unterhaltung der Schule. Herr Bernheimer will nun auch in München
eine jüdische Volksschule erbauen lassen und sein großes palastartiges
Geschäfts- und Wohnhaus zu einem jüdischen Krankenhause hergeben. Herr
Kommerzienrat und Hoflieferant Ballin (Möbelfabrikant), will die
Einrichtungsstücke zu diesem großen, edlen Zwecke widmen. Herr Bankier
und Kommerzienrat M. Kirchdörfer will die jetzige, weitläufige
israelitischen Leichenhalle, welche nach Schließung des jetzigen
israelitischen Friedhofes nicht mehr als solche benutzt wird, zu einem
Asyl für jüdische Obdachlose einrichten lassen. Die vielen
bedauernswerten Armen, besonders aus Russland und Polen, welche hierher kommen
und oft von allen Geldmitteln so entblößt sind, dass sie sich kein
Abendbrot kaufen können, werden es als unendlich große Wohltat
empfinden, Nachtquartier, ein warmes Abendessen, ein Bad, frische Wäsche
und wenn notwendig, bessere Kleidung zu erhalten. Frau Liebmann will die
Betten, Herr Stoff die Wäsche, Herr Isidor Bech die Kleidung
spenden." |
Zum Tod von Hanna Berlinger, Frau des Oberlehrers Berlinger
(1934)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Januar 1935: "Buttenhausen
(Württemberg), 20. Januar. Ein Leben im Dienste Gottes, geadelt
von vornehmer Gesinnung und ergreifender Bescheidenheit, durchglüht für Tora und Gottesfurcht, das
nur eine Aufgabe kannte, ein durch und durch jüdisches Haus zu führen,
das insbesondere in seinem Kaschrut
(d.i. strenge Einhaltung der rituellen Vorschriften) gerade vorbildlich
war und nur einen Wunsch, alle Kinder auf dem Weg der Tora zu wissen, ging zu Ende, als nach 33-jähriger
Ehe Frau Hanna Berlinger – sie
ruhe in Frieden – im Alter von 59 Jahren von ihrem Gatten und ihren
8 Kindern am Schabbat Chanukka
(d.i. 8. Dezember 1934) abberufen wurde. Ergreifend gestaltete sich die Beisetzung,
bei der Herr Oberlehrer Berlinger, der schwer geprüfte Gatte, wie auch
der älteste Sohn, Herr Dr. Jacob Berlinger, Mainz waren. Letzterer
bereitete der Mutter noch auf schwerem Krankenlager die Erfüllung ihres
sehnlichsten Wunsches, als er von der Toralehranstalt Jeschiwa
in Frankfurt für autorisiert für
rabbinische Lehrentscheidungen erkannt wurde. Auch Herr Dr.
Schlesinger, Buchau, überbrachte letzte Grüße. Möge diese seltene Frau
für uns alle ein Fürsprecher sein. Ihre
Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."
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Theologischer Beitrag von Lehrer Berlinger (1935)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. April 1935: Zusammenhänge
oder Mah nischtanoh heeij'loh!
Der Artikel wird nicht ausgeschrieben, da es keine direkten Bezüge zur
jüdischen Geschichte in Buttenhausen gibt; bei Interesse bitte
anklicken. |
Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben
Konfirmation und weitere Neuerungen im Gemeindeleben
unter Rabbiner Dr. Silberstein (1869)
Artikel in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29. Juni 1869. "Aus
Württemberg, im Juni (1869). Es verdient sicherlich alle Anerkennung,
wenn Gemeinden den erkünstelten Agitationen gegenüber, welche hier zu
Lande neuerdings gegen die zweckmäßigsten Einrichtungen und
Verbesserungen im Gottesdienste, namentlich gegen die Konfirmation,
auftauchen, ihren gesunden Sinn nicht verlieren. Zu solchen Gemeinden gehört
auch vornehmlich die ca. 75 Familien zählende in dem anmutigen Lautertale
gelegene Gemeinde Buttenhausen. Am jüngst verwichenen Wochenfeste wurde
von dem seit einem Jahre derselben als Geistlicher vorstehenden, von ihr
hoch geshcätzten Rabbiner Dr. Silberstein die Konfirmation in der
Synagoge in feierlicher Weise vollzogen. Sichtlich war die Gemeinde von
dem Akte sehr erbaut, wozu insbesondere die einleitende Predigt des Herrn
Dr. Silberstein, der durch seine sabbatlichen Vorträge erhebend auf seine
Zuhörer wirkte, beitrug. Die ungeteilte Anerkennung, die dieser Akt in
der dasigen Gemeinde gefunden, fand ihren sichtlichen Ausdruck in einem
dem Rabbinen von den Konfirmanden überreichten passenden Geschenke, sowie
in einem Ständchen, das der hier bereits seit Jahren bestehende
israelitische Gesangverein ihm am Abend brachte. – Als Zeichen des
Vertrauens, das dem Herrn Dr. Silberstein von seinem Rabbinatsbezirke
entgegen getragen wird, heben wir auch hervor, dass er von demselben
einstimmig zum Delegierten für die vom Kultusministerium verordnete
Kommission gewählt worden ist, der die Beratung eines neuen
Verfassungsstatus für die israelitische Kirche (Synagoge) Württembergs
obliegt. Wir sind zu der Hoffnung berechtigt, dass der Gewählte dem ihm
entgegen getragenen Vertrauen im ganzen Umfange entsprechen wird. Wenn
Sie, hoch geehrter Herr Redakteur, es wünschen, so bin ich mit Vergnügen
bereit, Ihnen über die Beratung und Beschlussnahmen gedachter Kommission,
die voraussichtlich noch im Laufe dieses Sommers von Seiten Seiner
Exzellenz des Herrn Minister von Golther im Auftrage Seiner Majestät dem
Könige berufen werden wird, regelmäßig Berichte einzusenden. *
*) Wird uns sehr willkommen sein. Die Redaktion."
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Die Gemeinde erhält einen Staatsbeitrag für die Restauration der Synagoge
(1874)
Artikel in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. März 1874: "Aus
Württemberg, im Februar. Gestatten Sie mir, Herr Redakteur, Ihnen aus
unserem Lande, in dem die Angelegenheiten der israelitischen
Religionsgenossenschaft sich seitens des Staates der gleichen Fürsorge,
wie die der christlichen Kirchen erfreuen dürfen, einiges zu berichten.
So hat der soeben vertagte Landtag sich auch mit unseren Angelegenheiten
mehrfach zu beschäftigen Gelegenheit gehabt. Von der Aufhebung der
Personalsteuer, einer Kultussteuer, die insbesondere ihres odiösen
Ursprungs, wie ihres ungerechten Verteilungsmodus wegen unter den
Israeliten des Landes sehr unbeliebt war, ist den Lesern Ihres Blattes
schon in einem früheren Artikel Kunde gegeben worden. Ferner wurden bei
Gelegenheit der Aufbesserung der Gehälter der Staats-, Kirchen- und
Schuldiener um ein Sechstel auch die Gehälter der Rabbiner, Vorsänger
und Konfessionsschullehrer um den gleichen Betrag mit Wirkung vom 1. Juli
vorigen Jahres erhöhet und der israelitischen Zentralkirchenkasse zu
diesem Zwecke außer dem bereits bewilligten Staatszuschuss eine
Nachexigenz von 2.600 Gulden gewährt. Um den gleichen Betrag, wie die Gehälter,
werden übrigens auch die Dienstalterszulagen der genannten beamten erhöhet.
Unter den Gemeinden, die in diesem Jahre seitens der Staatsregierung Beiträge
zu Kirchen- und Schulbaukosten empfingen, figuriert auch die israelitische
Gemeinde Buttenhausen, die zu
den Kosten der Restauration ihrer Synagoge einen Staatsbeitrag von etwa
zehn Prozent des gesamten Kostenbetrags erhielt. Gegenwärtig liegt den Ständen
auch ein Gesetzentwurf, durch den die Vorsänger und israelitischen
Konfessionsschullehrer mit Pensionsrechten ausgestattet werden sollen,
vor, der noch kurz vor der Vertagung vom Kultusministerium dem Hause
mitgeteilt worden ist. Man zeige uns nun aber noch ein Land, insbesondere
in Deutschland, in dem ähnliches geschieht. Wahrlich, wir dürfen uns
dieser Gleichstellung von Herzen freuen und uns Glück wünschen, einem
Lande, dem es mit der Gleichstellung des Judentums auch wirklich ernst
ist, anzugehören. Hier ist man weit entfernt, wie anderwärts, das
Judentum als ein Versuchsfeld anzusehen, auf dem man liberale Theorien
zuerst zu Anwendung bringt, wenn sie auch
diesem am meisten Schaden bringen müssen." |
Bericht über das gottesdienstliche Leben unter Rabbiner Stern
(1876)
Artikel in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. Juni 1876: "Aus
Württemberg, im Mai (1876). Nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom
1. Dezember 1875 zählt Württemberg 6.432 männliche und 6.449 weibliche,
zusammen 12.881 Israeliten oder 0,68 % der Gesamtbevölkerung. Verglichen
mit der Zählung von 1871 hat die evangelische Bevölkerung um 3,8, die
katholische um 2,5, die der Israeliten um 5,2 % zugenommen. Die Zahl der
Israeliten hat sich also in ziemlich stärkerem Verhältnisse als die der
Gesamtbevölkerung vermehrt. Stuttgart zählt gegenwärtig 2318
Israeliten. Gegenüber den Öfteren Klage, dass selbst in den größten
und prachtvollsten Synagogen und besseren jüdischen Gemeinden der Anstand
und die Ruhe der Besucher der Gotteshäuser gar vieles zu wünschen übrig
lasse, dass in denselben mehr Privatunterhaltung und Scherz als Andacht
und Ehrfurcht herrsche, verdient die israelitische Gemeinde Buttenhausen
wegen der ausgezeichneten Ordnung und Ruhe, die in ihrem geschmackvoll neu
restaurierten Gotteshause herrscht, einer öffentlichen Anerkennung. Herr
Rabbiner Stern, bekannt durch seine Predigten ‚die Gottesflamme’, hat
es sich seit dem Beginn seiner Wirksamkeit dort zu besonderen Aufgabe
gemacht, dem Gottesdienste durch energische Aufrechthaltung der äußeren
Ordnung, durch Einführung des Geiger’schen Gebetbuches, durch Vorlesen
der Haphtarot und Psalmen in deutscher Sprache, durch deutsche Gebete eine
edle Gestaltung zu geben und Anstand und Würde in demselben zu
erhalten.
Die ‚Schächtangelegenheit’ wurde in letzter Zeit auch in Württemberg
verhandelt. In politischen Blättern (Beobachter, Stuttgarter Tageblatt)
erhoben sich verschiedene Stimmen pro und contra. Der Magistrat der Stadt Rottweil
verbot mit Einführung der Schlachtmaske die jüdisch-rituelle
Schlachtmethode. Dieses Verbot wurde aber von der Kreisregierung des
Schwarzwaldkreises wieder aufgehoben." |
Kritische Stimme zur Neuwahl des Gemeindevorstehers aus
konservativ-orthodoxer Sicht (1885)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Februar 1885: "Buttenhausen, im Februar (1885). Unser Städtchen fängt an Großstadt
zu werden: nicht dass es besonders an Ausdehnung und Einwohnerzahl mehr
als sonst zunimmt: es ist die jüdische Gemeinde dahier, welche ich im
Auge habe, bei der Erscheinungen wie bei vielen Großstädten zutage
treten. Wir hatten vor Kurzem eine Vorstandswahl: anstatt dass die
Gemeinde darauf bedacht war, einen Mann an ihre Spitze zu stellen, der
durch ein religiöses Leben die Garantie bietet, dass ihm das Wohl der
Gemeinde und ihrer religiösen Institutionen eine ernste Angelegenheit
ist, hat sie einen Neologen erwählt, der öffentlich den Sabbat entweiht.
Ob unser Herr Rabbiner unsere Gemeinde nach streng religiösem Sinne
leitet, wie es seine Pflicht ist, darüber will ich mir kein maßgebendes
Urteil erlauben: aber ein leiser Zweifel steigt in mir auf, wenn ich
bedenke, dass er einem Manne die Autorisation zum Schächten gegeben,
welcher keine Tefilin legt, einem Metzger das Schächten erlaubt, der selbst
keinen koscheren Haushalt führt und am Sabbat Fleisch aushackt. Ich
bezwecke mit diesem meinem Schreiben durchaus nicht, Streit und Zank in
der Gemeinde zu erregen, sondern zu bewirken, dass solche Geschehnisse,
wie oben geschildert, nicht wieder vorkommen, respektive wieder nach
Gesetz und Recht geändert werden." |
|
| Nachtrag zu diesem Artikel: |
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. März 1885: "Buttenhausen,
1. März (1885). Wenn Herr Rabbiner Laupheimer keine Autorisation zum Schächten
erteilt hat, so ist es umso bedauerlicher, dass das Schächten ohne seine
Autorisation gestattet ist. Das ist gewiss neu.
Zu bedauern ist, wenn jüdische Metzger am Sabbat auf den Ortschaften mit
Fleisch umherfahren, was auch stillschweigend mit angesehen wird. – Neu
ist, dass Rauchen, Fahren und dergleichen am Sabbat keine Sabbatentweihung
sei. Ist dies der Fall, so nehme ich das Wort ‚Neologe’ zurück." |
Antisemitische Hetzereien - auch gegen den früheren
Rabbiner Stern (1889)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Februar 1889: "Aus Württemberg,
11. Februar (1889). Während sich in den letzten Jahren unsere Tagesblätter
– einige strengkirchliche wie ‚Reichspost’, u.a. ausgenommen – von
allen antisemitischen Hetzereien ferngehalten haben, brachte in den
letzten Tagen die ‚Württembergische Landeszeitung’ einige
Mitteilungen, welche das jüdische Gefühl verletzen müssen. In einem
Artikel ‚Ideal und Wirklichkeit im Sozialismus’ finden sie Juden als
die wichtigsten Vertreter in der Geschichte des ‚Sozialismus’. Als
Apostel par Excellenze werde von den Sozialdemokraten der Jude Karl Marx
betrachtet, der den revolutionären Terrorismus predigte, und jetzt verkünde
ein anderer Jude, J. Stern (früher Rabbiner in Buttenhausen) ganz andere
sozialistische Dogmen. Wozu fügt das Blutt in solch auffallender Weise
die Konfession sozialistischer Agitatoren bei, denen doch ganz gewiss ihr
Glaube ganz gleichgültig ist? Gewiss bloß darum, um die Bekenner der jüdischen
Religion als Anhänger der sozialistischen Partei zu verdächtigen. Mit
gleicher judenfreundlichen Gesinnung bringt dieselbe eine Korrespondenz
aus Brackenheim: ‚Wiederholt haben Israeliten hiesige Liegenschaften
erworben und mit erheblichem Gewinn wieder an verschiedene Bürger veräußert.
Diesem Zwischenhandel entgegenzutreten, hat sich eine große Anzahl von
Einwohnern vereinigt, nichts mehr von Juden zu kaufen und in einem öffentlichen
Aufruf zum Beitritt ad hoc einzuladen. – Es ist überhaupt bezeichnend für
unsere gegenwärtigen Zustände, was man mit dem Begriffe ‚jüdisch’
identifiziert. So schreibt ein pädagogisches Organ in seinen
Neujahrsbetrachtungen: ‚Man hört gegenwärtig von ‚jüdischem
Geiste’ reden, der auch das deutsche Volk mehr und mehr durchfresse. Ob
man recht hat, gerade diesem Namen dem damit gemeinten Geiste beizulegen,
ob derselbe gerade seine Vertreter in den Semiten habe, und ob sein
Ursprung gerade in der Naturanlage jenes Volkes sich finde, diese Frage
berührt uns hier gar nicht. Es ist jedenfalls ein großes Unrecht, wenn
man damit die Angehörigen eines Volkes kurzweg in einen Topf wirft. Wir führen
diese weit verbreitete Benennung hier nur an, weil sie mit einem Worte
jedem Leser den Geistescharakter nach einmal verbreitetem Wortgebrauche
deutlich macht. Aber das, was man damit bezeichnen will – abgesehen von
der antisemitischen Verhetzung – ist leider wahr. Der Geist des
Materialismus in gänzlich idealloser Weise, dabei der Geist der Impietät,
der Selbstsucht, der zerstörenden, tötenden, weil nur verneinenden
Kritik, der Geist, der gar nichts schaffen und bauen will, als nur des
Ichs irdische Bequemlichkeit und eitle Ehre, der Geist, der eben hauptsächlich
Geld und wieder Geld sucht, dieser Geist hat weit um sich gegriffen.’
Das versteht also unsere Zeit unter ‚jüdischem Geiste’." |
Kritische Stimmen zur Durchführung einer jüdischen
Hochzeit ohne religiöse Trauung (1893)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Juni 1893: "Aus Württemberg.
(Wegen Raummangel verspätet). Wir herrlich die Keime der württembergischen
Reformen auf religiösem Gebiet hervorsprießen, zeigt nachstehender Akt,
der einzig in den Annalen des Judentums zu finden sein dürfte und der
zugleich die Gründer und Vertreter dieser Richtung um ein Beträchtliches
ihres Einkommens schmälert – aber was man säet, muss man auch ernten.
In dem bekannten Orte Buttenhausen wurde am Schabbat
Erew Schawuot, als am 20. Mai, eine – jüdische Hochzeit gefeiert
und zwar in einem jüdischen Gasthof ohne religiöse Trauung. Durch
derartige Dinge wird das Ansehen des Judentums nur immer mehr geschmälert
und die Zahl der Feinde desselben immer größer. Denn jeder denkende
Andersgläubige muss sich die Frage aufwerfen: Was suspendiert denn diese
Klasse von Leuten von den Geboten der Bibel, während andere mit einem
wahren Eifer den geboten ihres Gottes Folge leisten? Es ist nur zu
bedauern, dass wenn, wie dies in jüngster Zeit geschehen, die Antisemiten
den Reformjuden auf den Leib rücken, der Schuldige mit dem Unschuldigen büßen
muss und das echte und wahre Judentum auch darunter leidet." |
Feier zum 25-jährigen Bestehen des Militärvereins
Buttenhausen-Hundersingen (1902)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. September 1902: "Aus Württemberg,
4. September (1902). Begünstigt vom schönsten Wetter fand in
Buttenhausen am Sonntag, den 3. August, die Feier des 25-jährigen
Bestehens des großenteils aus jüdischen Mitgliedern bestehenden Militärvereins
Buttenhausen-Hundersingen, verbunden mit der Enthüllung des Denkmals für
den verstorbenen General der Infanterie von Haldenwang, statt. Nachdem
schon am Samstagvormittag Festgottesdienst in der Synagoge stattgefunden
hatte, bei dem Herr Rabbiner Laupheimer aus Buchau, der selbst im Jahre
1870/71 mit ausmarschiert war, in beredten Worten auf die Bedeutung des
Tages hinwies und die großen Taten von damals in Erinnerung brachte, fand
am Samstagabend – als dem Vorabend des Festes – im Saale des
‚Adler’ gesellige Unterhaltung mit Musikvorträgen statt, und die
Vereinskameraden ließen es sich nicht nehmen, den projektierten Fackelzug
durch den Ort, trotz des Regens, zur Ausführung zu bringen. Am Sonntag früh
Tagwache und Böllersalven. Der Ort selbst war aufs herrlichste dekoriert
und reich beflaggt und bot in seinem Festkleide einen prächtigen Anblick.
Um 10 Uhr war Festgottesdienst, welcher durch das vom Gesangverein unter
Leitung des Herrn Schullehrers Mack vorgetragene altniederländische
Dankgebet: ‚Wir treten zum Beten’ eingeleitet wurde.
Hierauf hielt Herr Pfarrverweser Schauffler die wohl durchdachte,
treffliche Festpredigt. Im Anschluss an diesen Festgottesdienst fand im
‚Schweizerhof’ (jüdisches Hotel) ein Festessen mit 145 Gedecken
statt, das Küche und Keller alle Ehre machte. Während des Essens hielt
der Vereinsvorstand, Herr Schultheiß Schmidt, eine Ansprache, in der er
des 25-jährigen Bestehens des Militärvereins gedachte, mit einem
begeistert aufgenommenen Hoch auf Seine Majestät den König schließend.
An Seine Majestät wurde sofort ein Huldigungstelegrammgesendet, das im
Laufe des Nachmittags gnädigst beantwortet wurde. Herr Rittergutsbesitzer
G. von Weidenbach toastete auf die Königin. Der Bezirksobmann des Württembergischen
Kriegerbundes, Herr Graf W. von Normann-Ehrenfels, gedachte des Präsidiums
des Württembergischen Kriegerbundes, später brachte derselbe noch ein
Hoch auf die Festdamen aus, wofür Namens der Festdamen Frl. Jette
Einstein dankte. Noch gedachte der Vizevorstand des Vereins, Herr Jakob Gräter,
der Bemühungen des Vereinsvorstandes, Herrn Schultheiß Schmidt, denen in
der |
Hauptsache
ein schönes Gelingen des Festes zuzuschreiben sei.
Nachmittags 2 Uhr versammelten sich inzwischen die eingetroffenen Vereine
in der stattlichen Zahl von 32 mit entfalteten Fahnen und nahmen dann
Aufstellung vor dem Denkmal. Herr Schultheiß Schmidt, Vorstand des Militär-Vereins
Buttenhausen-Hundersingen, schilderte in markigen Zügen den Lebensgang
des verewigten Generals und brachte dem größten Sohne Buttenhausens die
Gefühle des Dankes zum Ausdruck. Nunmehr folgte die Weisung zum Fallen
der Hülle. Nachdem dieselbe vollzogen war, nahm Herr Schultheiß Schmidt
‚das schöne Werk mit freudigem Stolze in Besitz und Obhut des Militärvereins
und der Gemeinde.
Hierauf wurde von Fräulein Klara Frank ein Gedicht vorgetragen. Am
Denkmal, das einen imposanten Eindruck macht, wurden Kränze niedergelegt
vom Bezirksobmann Herrn Graf von Normann-Ehrenfels namens des Präsidiums
des Württembergischen Kriegerbundes, von Herrn Major Jitschin namens des
Offizierskorps des Grenadier-Regiments Königin Olga, von Herrn Merz
namens des Kriegervereins Stuttgart-Berg und von Herrn Ehrenvorstand
Dreifuß namens des Militär-Vereins Buttenhausen-Hundersingen.
Hierauf dankte namens der Familie Haldenwang der älteste Sohn des
Generals, Herr Hauptmann Otto von Haldenwang im Infanterie-Regiment Kaiser
Friedrich, König von Preußen (7.W.) Nr. 125 in Stuttgart. Sodann bewegte
sich der Festzug zum Festplatz, wo nach einer Begrüßungsansprache des
Herrn Schultheiß Schmidt Herr Pfarrverweser Schauffler die gediegene
Festrede hielt. Nach Beendigung dieser Rede übergab Frl. Iddy von
Weidenbach dem festgebenden Verein namens der Festdamen ein kunstvoll
ausgeführtes prächtiges Fahnenband. Herr Schultheiß Schmidt dankte
hierfür mit einem Hoch auf die Festdamen. Es folgten noch patriotische
Ansprachen von Herrn Bezirksobmann Graf von Normann-Ehrenfels, sowie von
den Vorständen des Kriegervereins Ennabeuren und des Militärvereins
Apfelstetten.
Nun entwickelte sich auf dem Festplatz alsbald ein lebhaftes, volksartiges
Treiben. Abends wurde auf dem Festplatz ein wohl gelungenes Feuerwerk
abgebrannt. Den Beschluss des ganzen Festes bildete je ein Bankett in den
beiden Gasthöfen zum ‚Schweizerhof’ (jüdisches Hotel) und
‚Adler’. Alles in allem dürfen wir auf ein durchaus gelungenes, durch
keinen Misston gestörtes Fest zurückblicken."
|
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Zum Tod des Kaufmanns Hirsch Marx (1890)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Juni 1890: "Buttenhausen,
Juni 1890. Nach langem und schwerem Leiden verschied am 1. Juni dieses
Jahres Hirsch Marx, Kaufmann, einer von den Wenigen hier, die dem unverfälschten
Judentum treu geblieben. Nichts hielt ihn ab, seiner Religion treu zu
bleiben. Auch war die Erziehung seiner Kinder, wozu ihm seine brave Gattin
pflichtgetreu zur Seite stand, eine vorzügliche. Er war ein großer Wohltäter
der Armen. In seiner ausgedehnten Kundschaft hörte man von Armen sagen, wäre
Hirsch Marx nicht gewesen, hätten wir für unsere Kinder keine Kleider.
Obwohl er oft im Voraus wusste, dass er für seine Ware nicht erhielt, gab
er sie doch. Zum Leid für die Seinigen, sowie für die Armen wurde er uns
entrissen. Ehre seinem Andenken." |
Zum Tod von Gemeinderat Josef Tannhauser (1897)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. April 1897: "Buttenhausen,
11. April (1897). Durch das Hinscheiden des Gemeinderats Josef Tannhauser
wurde die hiesige Gemeinde in tiefste Trauer versetzt. Er war noch einer
von den wenigen hier, die dem echten Judentum treu geblieben sind, was
auch Herr Lehrer Forchheimer in seiner Leichenrede besonders hervorhob.
Gottergebenheit, Frömmigkeit, Rechtlichkeitsgefühl, ein offenes Herz und
eine offene Hand für jeden Bedürftigen, das waren die Leitfäden, die
sich durch sein gutes Tun und Handeln in allen privaten und geschäftlichen
Angelegenheiten zogen. Der Verblichene wurde sowohl von der christlichen,
als auch von der jüdischen Gemeinde zu den höchsten Ehrenämtern ernannt
und vertrat er dieselben auf das Gewissenhafteste. Es war daher auch nicht
zu bewundern, wenn die aus diesen Eigenschaften hervorgehenden
Konsequenzen allgemeinste Beliebtheit, Wertschätzung und Hochachtung bei
dem am letzten Freitag stattgehabten Leichenbegängnis in einer geradezu
erhebenden Anteilnahme zum Ausdruck kam. Möge Gott seine Gattin und seine
Kinder trösten, sein edles Beispiel ihnen und allen, die ihn kannten,
vorbildlich werden lassen. R." |
Testamentarisch verfügte Spenden des in New York
verstorbenen Adolf Bernheim zur Begründung einer Realschule (1902)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. September 1902: "Münsingen,
3. September (1902) (Testament). Der vor einigen Jahren in New York
verstorbene Adolf Bernheim widmete testamentarisch seiner Heimatgemeinde
Buttenhausen ein Kapital zur Gründung und Erhaltung einer Realschule.
Nachdem die Verhandlungen darüber mit den staatlichen Behörden lange
nicht zum Ziele führten, scheinen die Hindernisse nun gehoben zu sein. In
letzter Woche war ein Bruder des Verstorbenen dort und erwarb zu diesem
Zwecke ein Gebäude, sodass man bald auf Eröffnung der Anstalt
rechnet." |
Auszeichnung
für den aus Buttenhausen stammenden Lehmann Bernheimer (1905)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 19. Mai 1905:
"München. Ordensverleihungen. Kommerzienrat Lehmann Bernheimer -
München hat den württembergischen Friedrichs-Orden, der Fabrikant
Wilhelm Bender - Frankenthal, der serbische Konsul Julius Goldschmitt -
Ludwigshafen das Ritterkreuz des Ordens der Krone von Italien, der
schwedische und norwegische Konsul und dänische Vizekonsul Bernhard Land
- Nürnberg das Ritterkreuz des Danebrogordens erhalten." |
80. Geburtstag von Moses Levi (1913)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. November 1913: "Herr Moses Levi, der älteste Bürger Buttenhausens, hat dieser Tag, körperlich
und geistig frisch, seinen 80. Geburtstag gefeiert. Die ganze Gemeinde
nahm an diesem Feste Anteil.". |
Über
die bei einem Eisenbahnunglück umgekommene
Irmgard Marx (1928)
Artikel
in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des Central-Vereins) vom 10. August
1928: "Bei dem schweren Eisenbahnunglück in Dunkelscherben verlor im
Landshuter Krankenhaus Fräulein Irmgard Marx im Alter von 26 Jahren das
Leben. Sie hatte von Buttenhausen (Württemberg) den Unglückszug benutzt,
um ihre in Landshut lebende Mutter zu besuchen". |
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeigen des Feinbäckers W. Feldmann (1884/1894)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Januar 1884: "Ein braver
Junge, der Lust hast, die Brot- und Feinbäckerei zu erlernen, kann
sogleich eintreten bei
W. Feldmann, Brot- und Feinbäckerei, Buttenhausen,
Württemberg." |
| |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juni 1894: "Unentgeltlich
kann ein ordentlicher junger Mensch, der die Brot- und Feinbäckerei
erlernen will, sogleich eintreten. Kost und Logis im Hause. Samstags und
Feiertage geschlossen.
W. Feldmann, Feinbäcker, Buttenhausen (Württemberg)."
|
Anzeige von Wolf Feldmann (1903)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Januar 1903: "Suche für
meinen Sohn, tüchtiger Rechner und gewandter Schreiber, der Ostern aus
der Schule kommt, eine gute Lehrlingsstelle in einem Samstag und Feiertage
streng geschlossenen Geschäft.
Wolf Feldmann, Buttenhausen, Württemberg." |
Mädchen
aus der Familie Feldmann sucht Stellung in einer Familie
(1903)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 10. Juni 1903: "Ein hübsches Mädchen, 17 Jahre alt, die
im Schreiben, Rechnen und in der Haushaltung sehr bewandert ist, sucht
sofort Stellung in einer besseren Familie oder in einem Geschäft.
Offerten sind zu richten an Feldmann, Buttenhausen,
Württemberg." |
Verlobungsanzeige
von Sara Berlinger und Menko Berlinger (1933)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Oktober 1933:
"Sara Berlinger - Menko Berlinger grüßen als Verlobte.
Buttenhausen Württemberg - Breslau 13 Gabitzstr. 68.
Sukkot 5694 (5./6. Oktober 1933) |
Anzeige des Innenausstattungs- und
Antiquitätengeschäftes L. Bernheimer (München, 1935)
Anzeige
in der "Bayrischen israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. September
1925: "L. Bernheimer – München, Lenbachplatz 3. Innenausstattung /
Antiquitäten. Stoffe – Deutsche Teppiche – Orientalische Teppiche –
Einzelmöbel – Kunstgewerbe."
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