Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Buttenhausen (Stadt Münsingen, Landkreis Reutlingen) 
Jüdischer Friedhof   
  

Hinweis: ein Team des Historischen Seminars der Universität Heidelberg hat nach der Durchführung eines Projektes "Jüdischer Friedhof Buttenhausen" 
eine Website zur jüdischen Geschichte in Buttenhausen erstellt (Februar 2010). 
  
  
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde        
    
siehe Seite zur Synagoge in Buttenhausen  (interner Link)  
    
    
Zur Geschichte dieses Friedhofes         
   
1789 konnte die jüdische Gemeinde Buttenhausen einen eigenen Friedhof am Nordhang des Mühlbergwaldes (über dem jüdischen Wohngebiet) anlegen (Fläche 39,87 a). Der Friedhof wurde bis in die NS-Zeit belegt.  Auf ihm befinden sich ein Gedenkstein für die jüdische Gemeinde und eine Hinweistafel mit Angaben zu ihrer Geschichte (der Weg zum Friedhof ist von der Ortsmitte an ausgeschildert).          
  
  
Die Lage des Friedhofes   

Buttenhausen FriedhofPlan.jpg (81487 Byte)
Lage des jüdischen Friedhofes Buttenhausen
 (durch Pfeil markiert)
(Topographische Karte aus den 1970er-Jahren) 
  
Lage des jüdischen Friedhofes in Buttenhausen auf dem
 Stadtplan Münsingen: oben anklicken und unter "Behörden 
und öffentliche Einrichtungen" weiterklicken zu "Friedhof, 
jüd., Buttenhausen"

   
   
Fotos 
Historisches Foto
 
(Quelle: Jüdische Friedhöfe und Gotteshäuser in Württemberg. Hg. vom Oberrat der Israeliten in Württemberg 1932) 

Buttenhausen Friedhof1932.jpg (197682 Byte)


Neuere Fotos 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 13.10.2003)

Buttenhausen Friedhof 150.jpg (79367 Byte) Buttenhausen Friedhof 151.jpg (96507 Byte) Buttenhausen Friedhof 159.jpg (100619 Byte)
Letztes Hinweisschild zum 
jüdischen Friedhof  
Eingangstor  Weg in den Friedhof 
vom Eingangstor
   
     
Buttenhausen Friedhof 155.jpg (87139 Byte) Buttenhausen Friedhof 156.jpg (95605 Byte) Buttenhausen Friedhof 158.jpg (97350 Byte)
Der Gedenkstein von drei Seiten
 
Buttenhausen Friedhof 153.jpg (92314 Byte) Buttenhausen Friedhof 154.jpg (97572 Byte) Buttenhausen Friedhof 157.jpg (92026 Byte)
Teilansichten des Friedhofes
 
Buttenhausen Friedhof 165.jpg (100681 Byte) Buttenhausen Friedhof 163.jpg (75113 Byte) Buttenhausen Friedhof 162.jpg (70669 Byte)
Kindergräber  Trotz der Renovierungsbemühungen
 schreitet die Grabsteinzerstörung 
voran
Mehrere Grabsteine enthalten auf 
der Rückseite Gedichte für 
den/die Verstorbene/n
  
     
Buttenhausen Friedhof 166.jpg (83123 Byte)Buttenhausen Friedhof 164.jpg (90357 Byte) Buttenhausen Friedhof 168.jpg (97356 Byte)Buttenhausen Friedhof 171.jpg (80363 Byte) Buttenhausen Friedhof 169.jpg (95349 Byte)Buttenhausen Friedhof 170.jpg (98796 Byte)
Einzelne Grabsteine
 
Buttenhausen Friedhof 167.jpg (93791 Byte) Buttenhausen Friedhof 152.jpg (101146 Byte) Buttenhausen 2004 106.jpg (45172 Byte)
  Die vermutlich letzte 
Beisetzung 1943 
Hölzerne Grabstele, wie sie seit 1939
 verwendet wurde, nachdem Juden keine
 Grabsteine mehr bekommen konnten 
(im Museum Bernheimer'sche Realschule)
  
     
Buttenhausen Friedhof 161.jpg (49699 Byte) Buttenhausen Friedhof 160.jpg (104270 Byte)  
Installation von Thomas Felder für diejenigen, die auf Grund der Deportation 
und Ermordung kein Grab in diesem Friedhof fanden
 

  
Ältere Fotos
(Fotos: Hahn, entstanden Mitte der 1980er-Jahre)

Buttenhausen Friedhof01.jpg (121290 Byte) Buttenhausen Friedhof02.jpg (127592 Byte) Buttenhausen Friedhof04.jpg (120045 Byte)
Eingangstor 
zum Friedhof 
Gedenksäule für die 
jüdische Gemeinde 
 Teilansicht des 
Friedhofes 
     
 
Buttenhausen Friedhof09.jpg (131184 Byte)
Buttenhausen Friedhof03.jpg (97428 Byte) Buttenhausen Friedhof08.jpg (133895 Byte)
Einzelne Grabsteine  Pflanzenornamentik  Levitenkanne 
     
Buttenhausen Lehrer.jpg (25840 Byte) Buttenhausen Friedhof06.jpg (83667 Byte) Buttenhausen Friedhof07.jpg (118646 Byte)
Ein Lehrerausflug nach 
Buttenhausen mit Walter Ott, 
gefunden bei: Quelle  
Die erste, noch handschriftliche
 Hinweistafel zur jüdischen 
Geschichte in Buttenhausen (1983)
Die neue Hinweistafel seit 
Ende der 1980er-Jahre 
  
      
Fotos um 1970
(Fotos: R. Klotz)
   
Buttenhausen Friedhof 230.jpg (84876 Byte) Buttenhausen Friedhof 220.jpg (98361 Byte) Buttenhausen Friedhof 221.jpg (99892 Byte)
Grabstein für Raphael S. Bernheimer  Teilansicht  Teilansicht 
     
Buttenhausen Friedhof 222.jpg (81099 Byte) Buttenhausen Friedhof 223.jpg (80687 Byte) Buttenhausen Friedhof 225.jpg (78894 Byte)
Grabstein für Hirsch Hochstetter 
(mit Hirsch als Symbol) 
Kindergrab   Grabstein für Cäcilie Hochstetter
 (gest. 1845) 
  
     
Buttenhausen Friedhof 224.jpg (77722 Byte) Buttenhausen Friedhof 226.jpg (86779 Byte) Buttenhausen Friedhof 227.jpg (87548 Byte)
Grabstein für Jendel Marx 
(gest. 1873)
Grabsteine für Jetele (?), 
Frau des Naftali Levi
Grabstein für Elieser Sohn 
des Schmuel
     
Buttenhausen Friedhof 228.jpg (84275 Byte) Buttenhausen Friedhof 231.jpg (99095 Byte) Buttenhausen Friedhof 229.jpg (84634 Byte)
Links: Grabstein für Karoline Öttinger 
geb. Bernheimer (?)
Grabstein für 
Feile Adler
Grabstein für 
Rebeca Einstein

Weitere Fotos: vgl.: http://www.pantel-web.de/bw_mirror/history/bw324.htm 


 
Text  

An der Stätte des Todes
(von Theodor Rothschild, 1879-1944, langjähriger Leiter des Israelitischen Waisenhauses Wilhelmspflege in Esslingen, gebürtig aus Buttenhausen; Text abgedruckt in Theodor Rothschild, Bausteine. Neue Folge. Frankfurt/Main 1927 S.138ff)  
  
In dem freundlichen Albdörfchen Buttenhausen wohnen Christen und Juden etwa je hälftig nebeneinander. Ich erinnere mich nicht, dass das gute Verhältnis der beiden je ernstlich getrübt worden wäre. Wir hatten am Ende des Dorfes ein gemeinsames Schulhaus. In demselben waren zwei Schulzimmer und zwei Lehrerwohnungen je mit gesonderten Eingängen. In dem einen Zimmer wurde die christliche Jugend groß und stark und mit den Künsten des Lesens und Schreibens vertraut gemacht, und in dem anderen saßen die jüdischen Buben und Mädels und wuchsen empor zu reifen, vollen Menschen. Am Samstag war unser Schulzimmer geschlossen. Wir zogen festlich gekleidet zur Synagoge, die auf einer Anhöhe stand und uns allen ein Heiligtum voll Heimlichkeiten und Geheimnissen war. Dagegen schritten wir am Sonntag mit dem Bücherranzen wieder zur Schule, wenn unsere christlichen Kameraden zur Kirche gingen. Diese lag  auf dem entgegengesetzten Berge. Kirche und Synagoge standen friedlich über dem Tal einander gegenüber als zwei Stätten menschlicher Gottesverehrung. Und hinter beiden lagen am Berghang, am Rande des Waldes, die beiden Friedhöfe.  
   
 Wenn Christen und Juden im Dorf neben- und miteinander lebten, wenn sie sich gegenseitig halfen und unterstützten: am Schul- und am Kirchentore trennten sich ihre Wege, und die da unten miteinander gelebt, sie sollten nicht nebeneinander liegen, wenn das Leben erloschen und der Todesschlag begonnen. Durch das Tal voneinander getrennt lag auf der linken Seite in den Mauerresten alter Schlossruinen der christliche Friedhof und auf der rechten am Waldesrand, umzäunt von niedern Tannen der jüdische "Gute Ort", wie wir ihn nannten. Und über die beiden Friedhöfe - über den kreuzgeschmückten und über jenem, wo nur Grabsteine aus rotem und gelbem Sand aufragten, lag wie ein weites verbindendes Band der gemeinsame Himmel. Der jüdische Friedhof hatte eigentlich zwei Hälften. Im südlichen Teil lag die alte Hälfte. Von den dort begrabenen Leuten kannten wir nicht einen. Die Grabhügel waren kaum mehr zu erkennen, die Grabsteine verwittert und verfallen und in die Erde gesunken. Buschwerk hatte fast alle Gräber überwuchert. Nur ein schöner großer Grabstein mit Marmortafeln stand mitten im Trümmerfelde, an der Stätte des Zerfallens, des Sterbens. Einer vom Dorf, der in Amerika reich geworden ist, sollte dort unten ausruhen, so erzählten wir uns. Sooft wir vom Dorf zum "Gutort" aufsagen, immer traf unser Blick zuerst diesen großen Stein und er schien uns fremd und fern. Er war nicht aus dem heimischen Boden gewachsen. - Der andere Teil, die nördliche Hälfte, getrennt von der südlichen durch einen Grasweg, zeigte schönere Grabdenkmäler. Die Gräber waren eingefasst, teilweise angepflanzt und mit Gittern versehen. Nicht Tod und Vergehen sollte das Beth-Chajim - Raum des Lebens - allein uns künden, nein, auch Entstehen, Fortschreiten, neuen Anfang, Blühen aus Untergang und Ende. Dunkle Tannen, kräftige Buchen vom nahen Wald hängten ihre Zweige schützend über die erste Gräberreihe neben dem Zaun. Geheimnisvoll mischte sich ihr Rauschen in das Geflüster der abgeschiedenen Seelen. Der dunkle Wald, der gleichsam aus dem "Gutort" herauswuchs, erhöhte das Rätselhafte dieses Ortes. Tausend ängstliche Träume durchzogen unsere Seele, wenn wir dann und wann diesen ruhigen, stillen Ort bei einem Begräbnis besuchten. Einfach, ruhig und würdig ging es dabei zu. Wir fühlten das Geheimnisvolle des Todes, mächtig ergriff uns das stimme Weinen der Leidtragenden, das harte, polternde Aufschlagen der Erdschollen auf den hölzernen, schmucklosen Sarg. Unten im Dorf war's zwar ruhig, aber doch ging das Leben dort weiter. Die Landstraße entlang fuhr ein Wagen und kümmerte sich nicht um unsere Welt, die uns da oben umgab. Der Gegensatz des Lebens durchzog unser Gemüt. Sein Reichtum und seine Fülle, sein Hoffen und sein Bangen standen lebendig vor uns. Die Töne des Totengebets schlugen an unser Ohr, sie klangen wie singendes Weinen. Dann zerstreuten sich die Begleiter nach allen Ecken, um die Gräber Verstorbener aufzusuchen. Still beteten sie dort. Es bewegte uns schmerz- und leidvoll. Langsam leerte sich die Ruhestätte der Toten. Ruhig stiegen wir den Berg herab an der Synagoge vorbei. Am Flusse wuschen wir uns die Hände.   
  
Lang noch klangen die Saiten, die dort oben angeschlagen. Sooft ich wieder das liebliche Tal betrete, zieht's mich hinaus zum "Gutort", Zwiesprache zu halten mit den dort Ruhenden. Ich kenne sie besser als die jetzt im Dorf Lebenden, die mir fremd geworden sind, und eine große stattliche Reihe ist's geworden seit den Tagen der Kindheit. Lebendig stehen sie vor mir, wie sie gearbeitet haben, wie sie in der Synagoge standen, wie sie im Dorfe gelebt und gelitten und wie sie glücklich gewesen sind.   
   
    

Links und Literatur

Links:  

Website der Stadt Münsingen  
Website des Zentralarchivs Heidelberg mit Informationen zum jüdischen Friedhof Buttenhausen  
Zur Informationsseite Buttenhausen (Bernheimer'sche Realschule)  (interner Link)  
Zur Seite über die Synagoge Buttenhausen (interner Link)  
Download eines Informationspapieres für Jugendliche zum jüdischen Friedhof Buttenhausen (Christliche Pfadfinder): hier anklicken und zur jüdischen Geschichte von Buttenhausen: hier anklicken   

   
    

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 02. April 2014