Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Sickenhofen (Stadt Babenhausen, Kreis Darmstadt-Dieburg)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben 
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen      
Kennkarten aus der NS-Zeit    
Zur Geschichte der Synagoge     
Fotos / Darstellungen   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte    
Links und Literatur   

     

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)       
    
In Sickenhofen bestand eine jüdische Gemeinde bis in die 1930er-Jahre. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden um 1600 Juden am Ort genannt, darunter 1605 Abraham ben Elieser in Sickenhofen. Ihre Zahl nahm im Laufe des 17. Jahrhunderts zu, sodass die Ortsherren von Groschlag zu Dieburg 1688 verfügten, dass in Hergershausen und Sickenhofen nur noch eine geringe Zahl von jüdischen Einwohnern geduldet werden sollte. Tatsächlich kam es auch zu Ausweisungen von Juden, u.a. um 1712/15 zur Ausweisung des Aaron von Sickenhofen und des Moses zu Sickenhofen. 1732/33 werden vier jüdische Einwohner genannt (Mayer der Alte, Mayer der Jung, Aron und Hon), 1734-1735 dazu Liebmann und Manna. 

Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich im 19. Jahrhundert wie folgt: 1815 10 jüdische Familien, 1828 71 jüdische Einwohner, 1855 82, 1861 77 (15,2 % von insgesamt 507), 1880 79 (14,3 % von 536), 1900 33 (7,6 % von 436), 1910 23 (4,7 % von 485). Jüdische Familiennamen waren in Sickenhofen: Frank, Fuld, Oppenheimer, Rothschild, Ullmann, Kahn. Als Berufe werden in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts genannt: Metzger, Spezereikrämer, Handelsmann, Viehhändler, Ellenwarenhändler, Sattler, Uhrmacher, Lumpensammler, Federnhändler und Geflügelhändler.  
  
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule, ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war im 19. Jahrhundert zeitweise ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter fungierte (siehe unten Ausschreibung von 1878). Als Lehrer werden genannt: Aaron Bonnheim (um 1865/66), Maier Reis (1867)Die jüdische Gemeinde gehörte zum Rabbinat Offenbach am Main (1924).
 
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Robert Frank (geb. 3.1.1886 Sickenhofen, gef. 5.8.1917) und Siegmund Kahn (geb. 29.4.1884 Sickenhofen, gef. 19.12.1916). Außerdem sind gefallen: Hermann Fuld (geb. 27.3.1885 Sickenhofen, vor 1914 in Babenhausen wohnhaft, gef. 25.9.1915) und Isidor Kahn (geb. 4.3.1895 in Sickenhofen, vor 1914 in Babenhausen wohnhaft, gef. 25.9.1915).      
  
1925 wurden noch 14 jüdische Einwohner gezählt.   
 
1933 lebten noch acht jüdische Personen in Sickenhofen. Es handelte sich um die Familie Gustav Kahn (Viehhändler, Hauptstraße 57, mit Frau Hilde geb. May und den Söhnen Fritz und Walter) sowie Familie Friedrich Julius Frank (Metzger in der Hauptstraße 100 mit Frau Flora geb. Mane und den Kindern Erich Zeno und Kurt Isidor). Die Familie Kahn ist - nachdem Gustav Kahn viele Schikanen und beim Novemberpogrom 1938 schwerste Misshandlungen in Babenhausen zu erleiden hatten - 1939 nach Frankfurt gezogen und 1941 in die USA emigriert.  
  
Von den in Sickenhofen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Bernhard Frank (1882), Erich Frank (1922), Flora Frank geb. Mane (oder Manne; 1885), Friedrich Julius Frank (1889), Isidor Kurt Frank (1926), Max Frank (1893), Simon Frank (1888), Julius Hess-Fuld (1876), Betty (Betti) Rosa Kahn (1878), Karl Kahn (1890), Siegfried Kahn (1885), Emanuel Oppenheimer (1871), Emma Ester Oppenheimer (1866), Meda (Meta) Schön geb. Frank (1880).  
   
Ende Mai 2014 wurden vor den ehemaligen Häusern der jüdischen Familien Kahn und Frank (Hergershäuser Straße 15 und Sachsenhäuser Straße 13) acht "Stolpersteine" zur Erinnerung an ihr Schicksal verlegt. Die Aufstellung einer "Gedenkstation" ist geplant (vgl. Presseartikel vom Juni 2015 unten).    
        
   
   
   
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Ausschreibung der Stelle der Religionslehrers und Vorbeters 1878  

Sickenhofen Israelit 19061878.jpg (39059 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Juni 1878: "Annonce. Die israelitische Religionslehrer- und Vorbeterstelle zu Sickenhofen, Großherzogtum Hessen, Kreis Dieburg, ist sofort zu besetzen. Gehalt 500 Reichsmark nebst freier Wohnung. Bewerber wollen sich an den Unterzeichneten wenden. Der Vorstand. J. Bähr."

     
Lehrer Bär Zopp verkauft eine Torarolle (1876)  

Sickenhofen Israelit 24051876.jpg (29083 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Mai 1876: "Eine noch gut erhaltene Sefer Tora (Torarolle) ist bei dem Unterzeichneten zu verkaufen. Franco-Offerten wolle man gefälligst richten an Bär Zopp, Lehrer in Sickenhofen, Kreis Dieburg, Großherzogtum Hessen." 
Anmerkung: der Name von Bär Zopp erscheint auch auf einer Spendenliste für die Synagoge Ortenberg (1876).

     
     
Aus dem jüdischen Gemeindeleben 
Spendenaufruf für Abraham Rothschild (1884)   

Sickenhofen Israelit 17031884.jpg (66969 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. März 1884: "'Heil, wer sich des Armen annimmt, am Tage des Unglücks wird ihn der Ewige retten' (Psalm 41,2). Dringende Bitte! Schon so oft von dem Wohltätigkeitssinn unserer Glaubensgenossen in der Spendenliste wahrgenommen, sehen wir uns heute leider auch in der Lage, unsere Glaubensbrüder und Schwestern in Anspruch zu nehmen. Unserem braven, ehrbaren Mitglied Abraham Rothschild droht sein bisher bewohntes Haus, wenn nicht baldigst nachgeholfen, seinem Einsturz. Da dessen Vermögensverhältnisse bei einer sehr starken Familie sehr gering sind, so hat er nur für deren Unterhalt zu kämpfen. Die Unterzeichneten erlauben sich daher, alle wohltätigen Glaubensgenossen um recht zahlreiche Spenden für diese Familie zu bitten, und erklären sich zur Annahme bereit: 
der israelitische Vorstand S. Fuld I. J. Svent. B. Fuld. Sickenhofen, im März (1884)."  

   
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen    
Anzeige von Zacharias Frank (1901)
     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. September 1901: "Suche für die hohen Feiertage, wie Neujahr und Versöhnungstag Stelle als Vorbeter in einer religiösen Gemeinde als Aushilfe oder auch ständig. 
Zacharias Frank
, Sickenhofen bei Babenhausen."    

  
Anzeige der Metzgerei von Julius Frank II. (1902)      

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. November 1902: 
"Für mein Metzgergeschäft suche per sofort einen 
Lehrling

Kost und Logis im Hause. Samstags und Feiertage geschlossen. 
Julius Frank II.,
Metzgerei, Sickenhofen, Post Babenhausen (Hessen)."     

     

Kennkarten aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarten zu Personen, 
die in Sickenhofen geboren sind
 
 Sickenhofen KK MZ Frank Albert.jpg (93248 Byte)  Sickenhofen KK MZ Frank Bernhard.jpg (98301 Byte)  Sickenhofen KK MZ Frank Erich.jpg (94301 Byte)
  KK (Dieburg 1939) für Albert Frank (
geb. 29. März 1897 in Sickenhofen),
  Metzger 
  
     
KK (Aschaffenburg 1938) für Leonhard Frank 
(geb. 4. Mai 1882 in Sickenhofen),
  Kaufmann  
  
  
KK (Dieburg 1939) für Erich Zeno Frank 
(geb. 15. Juni 1922 in Sickenhofen), 
wohnhaft in Sickenhofen, am 25. März 1942
 deportiert ab Mainz - Darmstadt in das 
Ghetto Piaski, umgekommen    
       
Sickenhofen KK MZ Frank Friedrich.jpg (95613 Byte) Sickenhofen KK MZ Frank Isidor Kurt.jpg (91763 Byte) Sickenhofen KK MZ Frank Max.jpg (98207 Byte) Sickenhofen KK MZ Frank Simon.jpg (95127 Byte)
 KK (Dieburg 1939) für Friedrich Julius Frank 
(geb. 25. Mai 1889 in Sickenhofen), Metzger,
 wohnhaft in Sickenhofen, am 25. März 1942
 deportiert ab Mainz - Darmstadt in das 
Ghetto Piaski, umgekommen 
 KK (Dieburg 1939) für Isidor Kurt Frank 
(geb. 4. Oktober 1926 in Sickenhofen), 
Schüler, wohnhaft in Sickenhofen, am 
25. März 1942 deportiert ab Mainz - Darmstadt
 in das Ghetto Piaski, umgekommen  
 KK (Wuppertal 1939) für Max Frank
(geb. 6. August 1893 in Sickenhofen), 
kfm. Angestellter, wohnhaft in Wuppertal, 
am 10. November 1941 deportiert ab Düsseldorf 
in das Ghetto Minsk, umgekommen   
 KK (Wuppertal 1939) für Simon Frank 
(geb. 16. Mai 1888 in Sickenhofen), 
wohnhaft in Wuppertal, am 10. November 1941
 deportiert ab Düsseldorf in das 
Ghetto Minsk, umgekommen    
       
Sickenhofen KK MZ Fuld Jakob.jpg (97099 Byte) Sickenhofen KK MZ Hess-Fuld Julius.jpg (90668 Byte) Sickenhofen KK MZ Kahn Betty.jpg (97653 Byte) Sickenhofen KK MZ Kahn Gustav.jpg (91322 Byte)
KK (Offenbach 1939) für Jakob Fuld 
(geb. 26. September 1892 in Sickenhofen), 
Kaufmann  
  
   
 KK (Frankfurt 1939) für Julius Hess-Fuld 
(geb. 2. Juli 1876 in Sickenhofen), Kaufmann,
 wohnhaft in Frankfurt, am 22. November 1941
 deportiert ab Frankfurt nach Kowno (Kauen), 
Fort IX, umgekommen   
 KK (Dieburg 1939) für Betti Rosa Kahn 
(geb. 13. Juni 1878 in Sickenhofen), 
wohnhaft in Babenhausen und Frankfurt, 
deportiert an unbekanntes Ziel, 
umgekommen  
 KK (Dieburg 1939) für Gustav Kahn 
(geb. 7. August 1886 in Sickenhofen),
  Viehhändler und Metzger 
  
    
       
Sickenhofen KK MZ Kahn Karl.jpg (94077 Byte) Sickenhofen KK MZ Kahn Leopold.jpg (90632 Byte) Sickenhofen KK MZ Kahn Siegfried.jpg (83159 Byte) Sickenhofen KK MZ Oppenheimer Ester.jpg (92494 Byte)
  KK (Dieburg 1939) für Karl Kahn 
(geb. 9. August 1890 in Sickenhofen), Kaufmann,
 wohnhaft in Babenhausen und Schlierbach
am 25. März 1942 deportiert ab Mainz - Darmstadt 
in das Ghetto Piaski, 
umgekommen  
KK (Heppenheim 1939) für Leopold Kahn 
(geb. 16. August 1892 in Sickenhofen), 
Landwirt 
 
  
   
KK (Ludwigshafen a. Rh. 1939) für Siegfried Kahn
 (geb. 21. Dezember 1885 in Sickenhofen), kfm.
 Angestellter, wohnhaft in Ludwigshafen, am 22. Oktober 1940 deportiert in das Internierungslager
 Drancy, am 14. August 1942 in das 
Vernichtungslager Auschwitz, ermordet   
 KK (Worms 1939) für Ester Oppenheimer
  (geb. 21. Dezember 1866 in Sickenhofen), 
am 27. September 1942 deportiert ab 
Darmstadt in das Ghetto Theresienstadt,
 wo sie am 26. Oktober 1942 
umgekommen ist    
       
Sickenhofen KK MZ Oppenheimer Lazarus.jpg (91045 Byte) Sickenhofen KK MZ Reis Emma.jpg (101150 Byte) Sickenhofen KK MZ Rothschild Moses.jpg (97633 Byte) Sickenhofen KK MZ Schoen Meta.jpg (97560 Byte)
 KK (Frankfurt 1939) für 
Lazarus Oppenheimer
 
(geb. 31. Mai 1874 in Sickenhofen), 
Schuhmacher  
  
 KK (Frankfurt 1940) für 
Emma Reis geb. Kahn 
(geb. 10. März 1877 in Sickenhofen)
   
  
 KK (Aschaffenburg 1938) für 
Moses Rothschild 
(geb. 28. September 1859 in Sickenhofen), 
Privatier 
  
 KK (Köln 1939) für Meta Schön geb. Frank
  (geb. 28. November 1880 in Sickenhofen, wohnhaft
 in Köln, am 22. Oktober 1941 deportiert ab Köln in
 das Ghetto Litzmannstadt (Modz), Mai 1942 in das
 Vernichtungslager Kulmhof (Chelmno), ermordet 
       
Sickenhofen KK MZ Voehl Amalie.jpg (84783 Byte)  Weitere Personen 
(nicht in Sickenhofen geboren) 
 Geinsheim KK MZ Frank Flora.jpg (93978 Byte)  
  KK (Frankfurt 1939) für 
Amalie Vöhl geb. Fuld
  (geb. 12. Oktober 1883 in Sickenhofen) 
    
   
    KK (Dieburg 1939) für Flora Frank geb. Mane 
(geb. 24. April 1885 in Geinsheim), wohnhaft in
 Sickenhofen,  am 25. März 1942 deportiert ab Mainz -
 Darmstadt in das Ghetto Piaski, dann in das 
KZ Majdanek, umgekommen 
  

       
       
   
    
Zur Geschichte der Synagoge            
    
Wann ein erster Betraum oder eine erste Synagoge in Sickenhofen erbaut wurde, ist nicht bekannt. Spätestens im 18. Jahrhundert dürfte eine Synagoge vorhanden gewesen sein. In den 1830er-Jahren wollte die Gemeinde jedenfalls eine neue Synagoge bauen. Die Handwerksleistungen zum Neubau wurden im September 1841 ausgeschrieben:  

Sickenhofen Synagoge 141.jpg (89773 Byte)Ausschreibung der Bauarbeiten für die neue Synagoge im "Wochenblatt für die Stadt und den Kreis Offenbach" (Quelle: Lötzsch/Wittenberger s. Lit. S. 108): "Versteigerungen. Arbeits-Versteigerung. 
Mittwoch, den 6. Oktober laufen Jahres, vormittags um 10 Uhr, sollen auf dem Gemeindehause zu Sickenhofen die auf die Erbauung einer neuen Synagoge Bezug habenden Arbeiten vermittelst öffentlicher Versteigerung an die Wenigstnehmenden in Akkord gegeben werden. 
Nach dem Voranschlag betragen: a. die Maurerarbeit 585 fl. 11 kr. b. die Steinhauerarbeit  68 fl. 50 kr.  c. die Zimmerarbeit  226 fl. 14 kr.  d. die Dachdeckerarbeit 33 fl. - kr.  e. die Schreiberarbeit  211 fl. 16 kr.  f. die Schlosserarbeit   60 fl. 16 kr.  g. die Glaserarbeit  10 fl. 51 kr.  h. die Weißbinderarbeit 300 fl. 45 kr.  
Plan, Voranschlag und Bedingnisheft liegen vom 29. laufenden Monats an bei dem israelitischen Vorstand in Sickenhofen zur Einsicht offen. 
Offenbach, den 26. September 1841.  Der Großherzogliche Kreisbaumeister. Eickemeyer."  

Vermutlich wurde die Synagoge 1842 erstellt und eingeweiht. Das Grundstück der Synagoge lag in der Ortsmitte, unweit der Kirche. Beim Gebäude handelte sich um einem ursprünglich einstockigen Massivbau, in dem neben der Synagoge mit einer Frauenempore auch die Religionsschule und das rituelle Bad sowie die Lehrerwohnung untergebracht wurden.   

Nach einem Bericht von 1935 wurde die Synagoge damals schon lange Zeit nicht mehr benutzt. Dies auf Grund der stark zurückgegangenen Gemeindegliederzahlen, die keinen regelmäßigen Minjan (Zehnzahl der jüdischen Männer) mehr erlaubten. So ist im Frühjahr 1935 das Synagogengebäude für 1.800 RM an die bürgerliche Gemeinde verkauft worden. Es war geplant, ein Heim für die Hitlerjugend einzurichten:

Sickenhofen Israelit 16051935.jpg (51321 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Mai 1935: "Frankfurt am Main, 7. Mai (1935). Die Synagoge in Sickenhofen bei Babenhausen (Hessen) ist von der Bürgermeisterei zum Preise von 1.800 Reichsmark gekauft worden und soll nach Entfernung der Kultgegenstände als Heim für die Hitler-Jugend verwendet werden. Die Jüdische Gemeinde in Sickenhofen, in der einst ein reges jüdisches Leben herrscht, ist auf zwei Familien zusammengeschrumpft. Die Synagoge war lange Zeit verwaist. In ihr fand schon lange kein G'ttesdienst mehr statt."  

Beim Novemberpogrom 1938 kam es auf Grund der vermutlich schon erfolgten neuen Nutzung (HJ-Heim) zu keinen gewaltsamen Aktionen gegen die Synagoge. In den Folgejahren wurde das Gebäude (nach 1945?) zeitweise als Turnhalle verwendet. 
  
1956
kam das Gebäude in Privatbesitz und wurde zu einem Mehrfamilienwohnhaus umgebaut. Beim Umbau wurde das Gebäude durch einen zweiten Stock erhöht und erhielt einen neuen Treppenzugang, neue Fenster und Dachgauben. Durch den Umbau wurde das Gebäude als ehemalige Synagoge unkenntlich gemacht. 
   
   
Adresse/Standort der SynagogeWacholderstraße 3      
    
    
Fotos    

Historische Fotos / Darstellungen sind nicht bekannt; über Hinweise freut sich 
der Webmaster von "Alemannia Judaica", Adresse siehe Eingangsseite.
 
     
Das ehemalige Synagogengebäude 
im Mai 1986
(Quelle: Altaras 1988 s.Lit. S. 135) 
Sickenhofen Synagoge 120.jpg (81825 Byte)  
     
        
Das ehemalige Synagogengebäude 
im März 2009
(Foto: Hahn, Aufnahmedatum 17.3.2009) 
Sickenhofen Synagoge 900.jpg (73937 Byte)    
     

    
    
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte    

Mai 2014: Verlegung von "Stolpersteinen" in Sickenhofen   
Artikel von Ursula Friedrich in der "Offenbacher Post" (op-online.de) vom 31. Mai 2014: "Stolpersteine in Sickenhofen. Dunkles Kapitel wachhalten. 
Sickenhofen - Vier Stolpersteine in Sickenhofen im Gedenken an die Familien Kahn und Frank verlegt. 

Nie wieder Faschismus und Völkermord! Das Grauen des Nationalsozialismus zeigt sich lokal am Schicksal der beiden jüdischen Familien Kahn und Frank, die nach der Machtergreifung der Nazis in Sickenhofen lebten. 'Von den acht jüdischen Mitbürgern wurden vier deportiert, vier konnten noch emigrieren', erinnerte Ortsvorsteher Friedel Sahm. Sickenhofen stellt sich nun seiner Vergangenheit, um der Opfer zu gedenken. Vor den ehemaligen Häusern der jüdischen Familien in der Hergershäuser Straße 15 und Sachsenhäuser Straße 13 wurden an Christi Himmelfahrt acht sogenannte Stolpersteine als sichtbare Mahnmale menschlicher Gräueltaten verlegt. 'Die Steine sind nicht nur zum Andenken', sagte der Ortsvorsteher, 'nur die Erinnerung kann uns davor bewahren, Faschismus noch einmal in unserem Land erleben zu müssen'..."
Link zum Artikel    
Artikel in echo-online.de  vom 2. Juni 2014:      
Stummer Aufruf gegen den Hass (veröffentlicht am 02.06.2014 00:06 auf echo-online.de) 
 
Juni 2015: Eine Gedenkstation soll errichtet werden   
Artikel von Stefan Scharkopf in der "Offenbacher Post" (op-online.de) vom 24. Juni 2015: "Erinnerung an Schicksal jüdischer Mitbürger. Mehr als nur Info-Tafeln in Sickenhofen  
Sickenhofen - 300 Jahre lebten Juden im Dorf, sie waren – wie die Angehörigen anderer Religionsgemeinschaften auch – Teil des Lebens in Sickenhofen. Eine moderne Gedenkstätte wird sich ihnen widmen..." 
Link zum Artikel    
Anmerkung: die Gedenkstation soll neben der Brücke über den Richer Bach in der Bachstraße erstellt werden.   

  
   
Links und Literatur

Links: 

Website der Stadt Babenhausen 

Literatur:       

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 252-254. 
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 135-136. 
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 116.  
Babenhausen Lit 140.jpg (44459 Byte)Klaus Lötzsch und Georg Wittenberger (Hrsg.): Die Juden von Babenhausen. Beiträge zur Geschichte der jüdischen Gemeinden von Babenhausen, Langstadt, Sickenhofen und Hergershausen. Hrsg. im Auftrag des Heimat- und Geschichtsvereins Babenhausen. Babenhausen einst und jetzt, Beiheft 1. Babenhausen 1988.  
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. S. 31-32. 
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 212-213. 

    
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Sickenhofen, Hesse. Established around 1600, the Jewish community numbered 79 (15 % of the total) in 1880, but declined rapidly. Eight Jews remained in 1933 and two years later the community disbanded.  
  
     

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 24. April 2016