Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Lengfeld im Odenwald (Gemeinde Otzberg, Kreis Darmstadt-Dieburg)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Kennkarten aus der NS-Zeit     
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen          
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)           
         
In Lengfeld bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/39. Ihre Entstehung geht in die Zeit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück, doch lebten bereits im 18. Jahrhundert jüdische Familien am Ort. Die Vorfahren der über mehrere Generationen in Lengfeld ansässigen Familien Lehmann stammten aus der Frankfurter Judengasse. Um 1660 war dort Meyer Halevi geboren, dessen Sohn (geb. 1690) R. Isaak Meyer seit 1720 in Lengfeld lebte. Er war ein vermögender Kaufmann und wurde auch als "Rosch Medina" (Vorsteher des Bezirks) bezeichnet. Er war unter anderem verantwortlich für die pünktliche Ablieferung der von den Juden im Bezirk zu bezahlenden Steuern. Isaak Meyer (auch Eissig Lengfeld genannt) starb um 1755.  
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1815 2 jüdische Familien, 1828 29 jüdische Einwohner, 1861 57 (5,9 % von insgesamt 1.030), 1880 54 (4,4 % von 1.230), 1900 35 (3,8 % von 1.402), 1910 47 (3,2 % von 1.454). Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gehörten jüdischen Familien mehrere für das wirtschaftliche Leben des Ortes wichtige Handlungen und Läden. Die Familienvorsteher waren fast ausschließlich Kaufleute beziehungsweise Händler. 
   
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule und ein rituelles Bad. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war im 19. Jahrhundert zeitweise ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und als Schochet tätig war. Nach der Ausschreibung der Stelle von 1877 (siehe unten) stellten Lengfeld und Habitzheim gemeinsam einen Lehrer an. Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof in Dieburg beigesetzt.   
   
1925 wurden noch 33 jüdische Einwohner gezählt (2,2 % von insgesamt 1.479 Einwohnern). 1932 waren die Vorsteher der Gemeinde Bernhard Strauß (1. Vors.), Josef Wolf (2. Vors.) und Baruch Neu (3. Vors.). Als "Schatzmeister" wird Abraham Lehmann genannt. Wer die damals noch zwei schulpflichtigen jüdischen Kinder in Religion unterrichtete, ist nicht bekannt. An jüdischen Vereinen gab es vor allem den Wohltätigkeitsverein Chewroth (1932 unter Leitung von Bernhard Strauß; Zweck und Arbeitsgebiete: Unterstützung Kranker, Bestattungswesen). 
  
1933 lebten noch 32 jüdische Personen in Lengfeld (2,2 % von 1.445). In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. 1933 sind bereits drei Personen nach Argentinien emigriert; 1936 beziehungsweise 1939 emigrierten sieben Personen nach Holland. 1937 war letzter jüdischer Gemeindevorsteher Hermann Wolf. Beim Novemberpogrom 1938 wurden die noch bestehenden jüdischen Geschäfte (Eisenwarenhandlung Wolf und die Landesproduktenhandlung Strauss) gestürmt und geplündert. In den folgenden Monaten (bis Ende März 1939) sind alle jüdischen Einwohner von Lengfeld verzogen oder konnten auswandern. Mehrere sind später aus Darmstadt und Frankfurt deportiert worden. 
  
Von den in Lengfeld geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Emma Lehmann geb. Wolf (1895), Fanny Frieda Lehmann geb. Reinheimer (1871), Hermann Lehmann (1865), Israel Sussmann Lehmann (1859), Joseph Lehmann (1923), Ludwig Lehmann (1901), Moritz Lehmann (1898), Sara Bertha Lehmann (1891), Julius Levistein (1893), Bernhard Strauss (1878), Helene Strauss geb. Lehmann (1878), Beate Wolf (1931), Hermann Wolf (1887).    
   
Seit dem 9. November 1988 erinnert an der Otzbergschule in Lengfeld ein Mahnmal an die Ermordung der früheren jüdischen Einwohner der Teilorte von Otzberg. Das Denkmal stellt eine aus einer mit Eisenplatten und Steinen gestaltete Trümmerlandschaft dar, verbunden mit einer Glasplatte, auf der der Text der Todesfuge von Paul Celan steht. Die Inschrift lautet: "Den Juden, die in Lengfeld, Habitzheim und Ober-Klingen mit uns verfolgt und der Vernichtung preisgegeben wurden, zum Gedächtnis - uns selber und künftigen Generationen zur Mahnung. Die Liebe besiegt den Haß! Otzberg, am 50. Jahrestag der sogenannten Reichskristallnacht."
Fotos des Mahnmals siehe unten
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde                    
    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1872 / 1877 (gemeinsam mit Habitzheim) / 1901 / 1902 / 1908 

Lengfeld Israelit 21021872.jpg (33936 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Februar 1872: "Die hiesige Lehrer- und Vorbeterstelle wird bis zum 15. Mai 1872 vakant. Gehalt 150 Gulden nebst freier Kost, Logis und Nebenakzidenzien. Reflektierende wollen sich zeitlich an den unterzeichneten israelitischen Vorstand melden, und müssen solche ledigen Standes sein. 
Pesach Lehmann
in Lengfeld bei Darmstadt."
    
Habitzheim Israelit 03101877.jpg (40509 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Oktober 1877: "Die israelitische Gemeinde Lengfeld, verbunden mit Habitzheim, Kreis Dieburg, sucht bis zum 1. November dieses Jahres einen Religionslehrer und Vorbeter, ledigen Standes, mit einem Gehalt von Mark 600 nebst freier Wohnung und Heizung. Bewerber wollen sich an den Vorstand der israelitischen Gemeinde Lengfeld wenden."
   
Lengfeld iO Israelit 25041901.jpg (71417 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. April 1901: "Die hiesige Lehrerstelle 
ist vakant und soll durch einen seminaristisch gebildeten, unverheirateten, orthodoxen Religionslehrer, Vorbeter und Schochet sofort besetzt werden. Gehalt 600 Mark, nebst freier Wohnung und circa 300 Mark Nebeneinkommen. 
Bewerber wollen sich unter Vorlage ihrer Zeugnisse an den unterzeichneten Vorstand wenden  
Lengfeld i.O.  
Der Vorstand der israelitischen Gemeinde: Hermann Lehmann."    
   
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Oktober 1902: "In unserer Gemeinde ist die Stelle eines
Religionslehrers
Vorbeters
und Schächters zu besetzen. Gehalt Mark 800 nebst freier Wohnung und ca. Mark 300 Nebenverdienst. Seminaristisch gebildete Bewerber wollen sich melden. 
Lengfeld bei Darmstadt. 
Der Vorstand: Joseph Lehmann II
."  
    
Lengfeld Israelit 25061908.jpg (64544 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Juni 1908: "Die hiesige Religionslehrer-, Schochet- und Vorbeterstelle ist per 1. August dieses Jahres zu besetzen. Gehalt Mark 600, circa 400 Mark Nebeneinkünfte bei freier Wohnung, sowie circa 200 Mark aus einer Nachbargemeinde. Nur ledige, seminaristisch gebildete Herren wollen ihre Offerten nebst Zeugnisabschriften an den unterzeichneten Vorstand richten. 
Lengfeld im Odenwald   
H. Lehmann."  

    
Anzeige von Lehrer M. Seiffe (1901)    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. August 1901: "Seminaristen 
oder andere junge Leute, welche die Schechita (Schächten) erlernen wollen, können bei mir sowohl theoretischen als praktischen Unterricht erhalten. 
Lehrer M. Seiffe
, Lengfeld im Odenwald."       

  
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Zum Tod von Pesach Lehmann 1884, langjähriger Vorsteher der jüdischen Gemeinde
(Anmerkung: die hebräischen Buchstaben im nachfolgenden Texte sind kaum lesbar; jeweils naheliegende Deutungen werden vorgenommen)

Lengfeld Israelit 16061884.jpg (175016 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juni 1884: "Darmstadt, den 6. Juni (1884). Am Mittwoch, den 2. Juni (unklar, da Mittwoch am 4. Juni war), verstarb in Lengfeld Pesach Lehmann in seinem 78. Lebensjahre, ein Mann, dessen Leben und Wirken es umso mehr verdient, auch in weiteren Kreisen bekannt zu werden, als unsere Zeit leider so arm ist an Männern von solcher Glaubensstärke, gepaart mit wahrer Menschenliebe, wie es der Verstorbene gewesen, wodurch er sich die allgemeine Achtung seiner Mitmenschen erwarb, was sich ganz besonders in dem imposanten Leichenbegängnisse erwies.  
Nicht allein seine rastlose Tätigkeit und ausdauernder Fleiß in seinem Geschäftsleben, das sich eines streng reellen Rufes erfreute, sind es, die ihn so ausgezeichnet, sondern sein ganz von Gottesfurcht durchdrungenes Leben, was sich bei jeder Handlung und in allen Lagen seines Lebens bekundete. Wie er so ganz und voll für die Wahrheiten des Judentums begeistert war, suchte der Verblichene auch seine Lebensaufgabe darin, diese treue und innere Anhänglichkeit an unserer heiligen Tora auf seine zahlreich Familie, wovon ein Sohn in Darmstadt nach seinem Sinne wirkt, zu verpflanzen. 
Am Freitag, 6. Juni  (Erew Schabbat Koddesch Paraschat Naso, d.i. am Vortag zum Schabbat mit der Toralesung Naso = 4. Mose 4,21-7,89) wurde die Leiche des Verblichenen zur ewigen Ruhe gebettet. Die Trauerrede hielt Herr Rabbiner Dr. Marx aus Darmstadt. Der sichtlich ergriffene Redner entwarf in meisterhafter Weise ein treffendes Bild des Verstorbenen, was bei allen Zuhörern einen gewaltigen Eindruck hervorrief.
Nachdem der Redner den Verblichenen als sorgsamen und liebevollen Familienvater geschildert, der, als ihm vor 28 Jahren seine treue Gattin durch den Tod entrissen worden war, seinen Kindern auch noch die Liebe und Hingabe einer Mutter zu ersetzen wusste, führte er auch die hohen Verdienste des Verstorbenen als Mitglied seiner Gemeinde an, die ihm lange Jahre das Amt eines Vorstehers übertrug, welches er mit der strengsten Gewissenhaftigkeit verwaltete. Nicht unerwähnt ließ der Redner die Liebe zur Tora und deren Lehrer, wie sie der Verstorbene stets bewies, wie er ferner so bescheiden und einfach Zeit seines Lebens lebte, dachte und wirkte. Nicht minder zeichnete er sich aus durch die Liebe zu seinen Mitmenschen. Sein Haus war eine Zufluchtstätte für Arme und Bedürftige, in dem sie Unterstützung und tätigen Beistand fanden.
Zum Schlusse ermahnte der Redner die Kinder des Verblichenen, in dem Sinne ihres Vaters weiter zu wandeln und die Gemeinde, wie bisher unter Führung Lehmanns, treu und fest zur Fahne des unverfälschten Judentums zu stehen. Auch wir rufen der trauernden Familie Worte des Trostes und der Teilnahme zu uns sagen: das Andenken an den Gerechten ist zum Segen. W.S."

    
    
Anzeigen jüdische Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Anzeige des Manufakturgeschäftes von Pesach Lehmann Sohn, Lengfeld bei Darmstadt (1890) 

Lengfeld Israelit 16101890.jpg (36406 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Oktober 1890: "Für mein samstags und Feiertage geschlossenes Manufakturgeschäft wird ein tüchtiger Detailreisender zu möglichst baldigem Eintritt gesucht. Kost und Logis im Hause. Offerten mit Gehaltsansprüchen sehe entgegen. 
P. Lehmann Sohn, Lengfeld
bei Darmstadt."

   
Anzeige der Holz-, Kohlen- Baumaterialien- und Eisenhandlung Joseph Lehmann II. (1921)    

Lengwald Israelit 07071921.jpg (50373 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juli 1921: "Suche per sofort einen Lehrling. Bedingung kräftiger Junge mit einjähriger Berechtigung bevorzugt. Kost und Logis im Hause. Samstags und Feiertags geschlossen. 
Joseph Lehmann II., Inhaber M. Lehmann
Holz-, Kohlen-, Baumaterialien- und Eisenhandlung. Lengfeld (nicht: Lengwald) im Odenwald."  

     

Kennkarten aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarten zu Personen, 
die in Lengfeld geboren sind
 
 Lengfeld KK MZ Bachrach Adele.jpg (86850 Byte)  Lengfeld KK MZ Bravmann Flora.jpg (99329 Byte)  
   Kennkarte (Frankfurt) für Adele Bachrach 
geb. Lehmann (geb. 6. Oktober 1871 in Lengfeld)  
 Kennkarte (Würzburg) für Flora Bravmann 
(geb. 10. März 1895 in Lengfeld) 
 
       
 Lengfeld KK MZ Frank Martha.jpg (101659 Byte) Lengfeld KK MZ Lehmann Hermann.jpg (105508 Byte) Lengfeld KK MZ Lorch Frieda.jpg (89179 Byte)
 Kennkarte (Darmstadt) für Martha Frank 
geb. Lehmann
(geb. 10. Dezember 1896 
in Lengfeld) 
  
 Kennkarte (Darmstadt) für Hermann Lehmann 
(geb. 6. März 1865 in Lengfeld), Kaufmann, 
deportiert am 27. September 1942 ab Darmstadt in 
das Ghetto Theresienstadt, umgekommen    
 Kennkarte (Heppenheim) für Frieda Lorch 
geb. Lehmann
(geb. 26. Mai 1875 
in Lengfeld) 
   
 
       
Lengfeld KK MZ Nussbaum Bertha.jpg (93211 Byte)  Lengfeld KK MZ Strauss Helene.jpg (89329 Byte)  Lengfeld KK MZ Wolf Hermann.jpg (98342 Byte)  
 Kennkarte (Frankfurt) für Bertha Nußbaum 
geb. Strauß
(geb. 22. August 1910 
in Lengfeld) 
  
 Kennkarte (Frankfurt) für Helene Strauß 
geb. Lehmann
(geb. 14. Februar 1878 in Lengfeld, später 
wohnhaft in Frankfurt), deportiert am 11./12. November 
1941 ab Frankfurt in das Ghetto Minsk, umgekommen   
 Kennkarte (Frankfurt) für Hermann Wolf (geb. 17. Januar 1887 
in Lengfeld, später wohnhaft in Frankfurt), Kaufmann, 
deportiert am 22. November 1941 ab Frankfurt nach 
Kowno (Kauen), Fort IX, umgekommen 
 

                    

  
    
    
Zur Geschichte der Synagoge 
               
   
Um 1800 wurde eine Synagoge auf einem Grundstück des Pessach Lehmann erbaut. Der Betraum befand sich im Obergeschoss dieses Hauses. Um die Synagoge herum baute Pessach Lehmann 1820 sein Wohnhaus mit Ladengeschäft. 1863 bis 1865 wurde das Wohnhaus erneuert. 
  
Der Gebäudekomplex (Wohn- und Ladengeschäft mit Synagoge) wurde 1932 an eine nichtjüdische Familie verkauft. Dabei wurde jedoch die Vereinbarung getroffen, dass der Betsaal weiterhin zur Abhaltung von Gottesdiensten verwendet werden könnte.  
   
Das Gebäude blieb erhalten, doch wurde nach 1945 der frühere Betsaal als Lagerraum des Geschäftes verwendet. Dabei wurde eine Zwischendecke eingezogen. Die Fenster wurden verändert, das Synagogengebäude (Fachwerk) verputzt. Auch die Fassade des Wohnhauses wurde verändert, doch blieb bis heute die Eigenart des Anwesens - das heißt das um das ehemalige Synagogengebäude herumgebaute Wohn- und Geschäftshaus - erhalten. 
    
    
Adresse/Standort der Synagoge  Salzgässchen / Bismarckstraße     
    
    
Fotos             

Historische Darstellung
(
Quelle: Arnsberg, Bilder S. 133)  
Lengfeld Synagoge 010.jpg (62603 Byte)
   Die Zeichnung der ehemaligen Synagoge, des "alten Hauses in der Salzgasse" wurde
 im September 1942 angefertigt; im Erdgeschoss der Fraueneingang.
      
Historische Fotos  Lengfeld Synagoge 126.jpg (97486 Byte) Lengfeld Synagoge 125.jpg (87978 Byte)
  Der Fraueneingang im Erdgeschoss der
 Synagoge in den 1930er-Jahren   
Ansicht des um die Synagoge gebauten
 Geschäftshauses, Postkartenaufnahme 
aus den 1950er-Jahren  
  
       
 Grundrisse und neuere Ansicht
(Quelle: Altaras 1988 S. 129-130) 
     
Lengfeld Synagoge 111.jpg (40453 Byte) Lengfeld Synagoge 127.jpg (55061 Byte) Lengfeld Synagoge 110.jpg (63947 Byte)
Grundriss der Synagoge und dem darum herum gebauten Wohn- und Geschäftshaus von 1820 (links Erdgeschoss, 
rechts auf Höhe der Frauenempore): grau markiert das Synagogengebäude, weiß das Wohn- und Geschäftshaus   
Das ehemalige Synagogengebäude 
im August 1985 - ehemaliger Fraueneingang im Erdgeschoss   
     
Gebäudekomplex mit ehemaliger 
Synagoge im Sommer 2008 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 17.8.2008)
Lengfeld Synagoge 174.jpg (72709 Byte) Lengfeld Synagoge 172.jpg (78027 Byte)
Blick auf das Wohn- und Geschäftshaus, das um die Synagoge erbaut wurde, rechts das "Salzgässchen"; vor dem Kirchengebäude 
(rechts vor dem Kirchturm) ist das ehemalige Synagogengebäude zu sehen  
   
Lengfeld Synagoge 175.jpg (66843 Byte) Lengfeld Synagoge 176.jpg (67875 Byte) Lengfeld Synagoge 170.jpg (86248 Byte)
Blick auf das Wohn- und Geschäftshaus von 
der Bismarckstraße aus gesehen  
Eingang zum Wohn- und Geschäftshaus heute, früher 
zugleich Eingang zur Synagoge für die Männer  
Ehemaliges Synagogengebäude mit ehemaligem 
Fraueneingang im Erdgeschoss
     
     
Denkmal bei der Otzbergschule
Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 17.3.2009)  
   
Lengfeld Denkmal 115.jpg (110235 Byte) Lengfeld Denkmal 111.jpg (107185 Byte) Lengfeld Denkmal 113.jpg (102278 Byte)
Blick über das bewusst als Trümmerfeld gestaltete Mahnmal von 1988 zur Erinnerung an die aus den Teilgemeinden von Otzberg umgekommenen jüdischen Personen. 
Eine Hinweistafel zur Erklärung (Text siehe oben) war zum Besuchstag jedoch nicht vorhanden. 
     
Lengfeld Denkmal 110.jpg (99498 Byte) Lengfeld Denkmal 110a.jpg (65038 Byte)   
Text der Todesfuge von Paul Celan    

     
       
Links und Literatur   

Links:  

Website der Gemeinde Otzberg 
Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Lengfeld 

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. 485-486.
ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 133.
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 129-131.
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 111.
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 42-43.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 232.

   
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Lengfeld  Hesse. The community, numbering 57 (6 % of the total) in 1861, disposed of its synagogue around 1932 and the last Jews fled after Kristallnacht (9-10 November 1938). A Holocaust memorial was erected there in 1988.
      
       

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 04. April 2015